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6 Die Welt zwischen zwei Buchdeckeln in:

Andra Riemhofer

Interkulturelle Kinder-und Jugendliteratur in Deutschland, page 203 - 204

Lesen auf eigene Gefahr

2. Edition 2017, ISBN print: 978-3-8288-4017-1, ISBN online: 978-3-8288-6791-8, https://doi.org/10.5771/9783828867918-203

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
6 Die Welt zwischen zwei Buchdeckeln Well, that’s it. That’s the story. Not especially profound, I know, but I never said it was. And don’t ask me what the moral is. [...] I see that sort of things less and less these days though. Maybe there aren’t many lost things around anymore. Or maybe I’ve just stopped noticing them. Too busy doing other stuff, I guess. Shaun Tan, The LoST THiNG Aufmerksam geworden auf den oben zitierten Shaun Tan bin ich durch den Artikel Gekritzel über das Universum oder Peripherie als Mitte der Welt von Caroline Roeder. Tans Graphic Novels thematisieren Fremderfahrung, Migration, das Anderssein an sich. Tans Protagonisten, so Roeder „versinnbildlichen das Andere, das Nicht-Konforme, das aber auch domestiziert und ausgegrenzt oder vergessen gemacht werden soll.“817 Die englischsprachigen und phantastischen Graphic Novels passten nun gar nicht zu meinem Untersuchungsgegenstand, und so habe ich mich quasi ‚privat‘ ein wenig damit beschäftigt. In The LoST THiNG (2000) freundet sich der Ich-Erzähler mit einer Art Riesen-Teekessel an. Überfordert, was nun mit dem unkonventionellen Kameraden anzufangen sei, wird die anfängliche Idee einer Abschiebung in ein großes graues Ding ohne so etwas wie Fenster verworfen. Teekessel- ähnliches-Etwas und Erzähler folgen einem Hinweis auf einen vielleicht adäquateren Ort für „the lost thing“, wo es dann auch verbleibt. Ob das die richtige Entscheidung war, bleibt offen. Irgendwie schienen alle dort befindlichen Dinge nirgendwohin zu gehören. Vielleicht war das aber auch nicht weiter wichtig. Man weiß es nicht. . . Worum es in dem Bilderbuch geht, wird vom Autor und vom Verlag nicht per Klappentext verraten. Auf der Buchrückseite findet sich lediglich ein Hinweis auf einen Ich-Erzähler, der wohl die Sommerferien mit der Neuordnung seiner Kronkorken-Sammlung verbringt. Auch der Umschlagtext links vorne innen gibt keinen profunden Hinweis: 817 Roeder 2011, S. 5, 9. 203 I guess you want to know what this book is about, just by reading this cover flap. Fair enough too; time is short, lives are busy, and most smart, thinking people have better things to do than stand around looking at picture books about some big red thing being lost in a strange city. You should be going to work, or going to school, or if it’s a holiday, collecting bottle tops at the beach. Will reading this book make you better at any of those things? I don’t think so. Already this cover flap is proving to be quite useless, uninformative and a waste of time. The postcard on the back is not much help either. The publisher should just say what happens in the story. I mean, how else can you know if it is any good?818 Sich Zeit nehmen, hineinschauen in die Bücher, sich einlassen, genau das ist mein Fazit: Die Ergebnisse meiner Arbeit liefern eine Schablone für die Beurteilung der aktuellen KJL zu interkulturellen Begegnungen. Gleichzeitig lehne ich alles Schablonenhafte ab. Wie geht das zusammen? Ich wünsche mir, dass die Erkenntnisse meiner Literaturstudie und die identifizierten Rasterpunkte neugierig darauf machen, sich bevor man Kindern und Jugendlichen ein Buchgeschenk macht, selbst zumindest ab und an ein wenig damit zu beschäftigen, was man materiell und im übertragenen Sinne damit weitergibt. Lehrerinnen und Lehrer tun dies sowieso in gewissem Maße. Sie sind eingeladen, mit neuer Brille über das zu gehen, was sich für sie als bewährt erwiesen hat. Die Verlage wird man kaum bitten können, ihr Programm großartig anzupassen. Eher halte ich eine Art ‚Abstimmung mit den Füßen‘ zu Gunsten mehr interkulturell wertvoller Literatur im Sinne dieser Arbeit für realistisch. Wie die Stimmen aktuell verteilt sind, zeigt meine Arbeit. 818 Tan 2013. 204

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Zusammenfassung

In einer globalisierten Welt und multikulturellen Gesellschaften wird interkulturelle Kompetenz immer wichtiger, sodass insbesondere auch die Beschäftigung mit Kinder- und Jugendliteratur – im schulischen Kontext oder in der Freizeit – zunehmend an Bedeutung gewinnt. Doch was genau zeichnet interkulturelle Literatur für eine jüngere Zielgruppe aus? Welche Gesetzmäßigkeiten lassen sich ableiten, wenn man eine entsprechende Schablone auf das aktuelle Buchangebot legt?

Andra Riemhofer schafft eine Orientierungshilfe für die Beurteilung von Kinder- und Jugendliteratur unter interkulturellen Gesichtspunkten auf Basis aktuellster Forschungen und Erkenntnissen der Interkulturellen Literaturdidaktik. Sie analysiert 120 Texte von Autorinnen und Autoren wie Carolin Philipps, Aygen-Sibel Çelik oder Salah Naoura und stellt rund 30 davon detailliert vor. Welche Titel eignen sich besonders für den Schulunterricht oder als Freizeitlektüre, welche weniger?