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Milliardärsgespräch in:

Steffen Henke

Fließendes Geld für eine gerechtere Welt, page 441 - 442

Warum wir ein alternatives Geldsystem brauchen, wie es funktioniert und welche Auswirkungen es hat

1. Edition 2017, ISBN print: 978-3-8288-4023-2, ISBN online: 978-3-8288-6783-3, https://doi.org/10.5771/9783828867833-441

Tectum, Baden-Baden
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Milliardärsgespräch Fragt Milliardär Warren den Milliardär Carlos: „Hey, was halten Sie eigentlich vom Vollgeld?“ Antwortet Carlos: „Das ist eine richtig geniale Sache!“ Der fragende Warren ist überrascht: „Wieso, dann können die Banken doch kein Geld mehr schöpfen?“ Daraufhin Carlos: „Machen die das? – Keine Ahnung. Für mich ist wichtig, dass ich auf jede Milliarde Dollar, die ich bei fünf Prozent pro Jahr angelegt habe, ca. 136.000 $ täglich an Zinsen kassiere. Ob ich die Zinsen in Dollar oder in Vollgeld-Dollar bekomme, ist mir egal, Hauptsache, ich erhalte sie.“ Warren fasst nach: „Carlos, warum spricht dann Ihrer Meinung nach alle Welt vom Vollgeld, anstatt die umverteilende Wirkung des Zinsmechanismus stärker zu hinterfragen?“ Carlos lächelt: „Habe wie Sie auch ein paar Dollar in Medien und Politik investiert – rentiert sich. Banken haben echt üble Dinge getan, die eignen sich deshalb hervorragend als Schuldige für die Masse. Das lenkt wunderbar von systemischen Fragen ab, oder?“ Warren: „Ja, habe kürzlich eine weitere Studie zur volkswirtschaftlichen Bedeutung des Zinses als Liquiditätsprämie in makroökonomischen Zusammenhängen unter Berücksichtigung des Zinsdifferenzials bei unterschiedlichen Inflationspotentialen an einer Universität in Auftrag gegeben, um der Sache auch auf wissenschaftlicher Ebene noch mehr Präsenz zu verschaffen.“ Warren grinst. Carlos: „Sie Schlitzohr! Wir sehen uns am kommenden Wochenende an der Pferderennbahn?“ Warren: „Leider nicht, muss nächstes Wochenende das Leder und das Furnier für meine neue Yacht in Monte Carlo aussuchen – bis bald!“ Carlos: „Guten Flug, wir sehen uns!“ (Namen frei erfunden) 442 „Nach der Umstellung auf Vollgeld sind die Banken auf Anlagegelder mehr angewiesen als heute, um Kredite vergeben zu können. Deshalb werden sie Anstrengungen unternehmen, um Geld anzuziehen. Neben normalen Anlagekonten wird es vermutlich auch solche mit speziellen Risikoprofilen und Zinssätzen geben […].“880 „Als Gegenleistung [wenn einer Bank Vollgeld zur Verfügung gestellt wird; Anm. S. H.] erhalten die Kunden Gutschriften auf Sparkonten oder ähnliche Anlagekonten.“881 (Hervorhebungen S. H.) 880 Mayer, Thomas / Huber, Roman: „Vollgeld – Das Geldsystem der Zukunft“, Tectum Verlag Marburg, 2014, S. 135 881 Huber, Joseph / Robertson, James: „Geldschöpfung in öffentliche Hand. Weg zu einer gerechten Geldordnung im Informationszeitalter“, Gauke GmbH / Verlag für Sozialökonomie, 2008, S. 41

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Zusammenfassung

Wir brauchen ein anderes Geldsystem, wenn wir die Herausforderungen unserer Zeit meistern wollen. Umweltzerstörung, Demokratieverlust und extreme soziale Ungleichgewichte sind unter anderem schädliche Wirkungen des bestehenden Geldsystems. Eine bessere Alternative existiert, doch sie ist noch zu wenig bekannt: Fließendes Geld.

Veränderungen im Geldsystem sind wegen gegebener Machtstrukturen nur dann erzielbar, wenn breite Bevölkerungsschichten dem Wandel zustimmen und ihn unterstützen. Dazu muss der seit Jahrzehnten stattfindende Erkenntnisprozess deutlich an Fahrt gewinnen.

Geld greift mit hoher Intensität in so gut wie alle Bereiche unseres Lebens ein. Neuerungen beim Geld bringen deshalb hervorragende Potentiale für fast alle Gebiete, wie den Schutz der Natur, die Verbesserung demokratischer Strukturen oder den Frieden.

Ziel muss es sein, dass der Mensch nicht dem Geld, sondern das Geld dem Menschen dient.