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Steffen Henke

Fließendes Geld für eine gerechtere Welt, page 1 - 14

Warum wir ein alternatives Geldsystem brauchen, wie es funktioniert und welche Auswirkungen es hat

1. Edition 2017, ISBN print: 978-3-8288-4023-2, ISBN online: 978-3-8288-6783-3, https://doi.org/10.5771/9783828867833-1

Tectum, Baden-Baden
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Steffen Henke Fließendes Geld für eine gerechtere Welt Steffen Henke Fließendes Geld für eine gerechtere Welt Warum wir ein alternatives Geldsystem brauchen, wie es funktioniert und welche Auswirkungen es hat Tectum Verlag Steffen Henke/Neues Geld gemeinnützige GmbH Fließendes Geld für eine gerechtere Welt Warum wir ein alternatives Geldsystem brauchen, wie es funktioniert und welche Auswirkungen es hat © Tectum – ein Verlag in der Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 2017 eISBN 978-3-8288-6783-3 (Dieser Titel ist zugleich als gedrucktes Werk unter der ISBN 978-3-8288-4023-2 im Tectum Verlag erschienen.) Umschlaggestaltung: Tectum Verlag, unter Verwendung des Bildes # 24536978 von Lucocattani | www.fotolia.de Besuchen Sie uns im Internet www.tectum-verlag.de Bibliografische Informationen der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Angaben sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar. Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag Reihe Pädagogik Inhaltsverzeichnis Inhaltsverzeichnis ......................................................................................... 5 Vorwort .......................................................................................................... 9 Lesehinweise ................................................................................................ 13 Einleitung ..................................................................................................... 15 Kapitel I ........................................................................................................ 21 1. Was ist Geld? ..................................................................................... 21 2. Der Geldmengenbegriff in der herrschenden Ökonomie .......... 35 3. Neue Wege bei der Gelddefinition ................................................. 39 4. Die Formen von Zentralbankgeld – Offenmarktgeschäfte ......... 41 5. Die Geldmengenaggregate .............................................................. 45 6. Systemrelevante Banken .................................................................. 51 7. Die Mindestreserve .......................................................................... 60 8. Das gesetzliche Zahlungsmittel ...................................................... 63 9. Der Einsatz von Geld ....................................................................... 73 Kapitel II ....................................................................................................... 77 1. Die Kontrolle der Geschäftsbanken ............................................... 77 2. Das Kreditwesengesetz .................................................................... 80 2.a Paragraf 6, Absatz 1 KWG ...................................................... 80 2.b Paragraf 10 KWG ..................................................................... 81 2.c Paragraf 11 KWG ..................................................................... 82 2.d Paragraf 32 KWG ..................................................................... 84 3. Das Handelsrecht ............................................................................. 85 4. Die Bankbilanz ................................................................................. 91 5. Der Bank Run ................................................................................... 95 6. Die Bodensatztheorie..................................................................... 105 7. Das Vollgeld .................................................................................... 108 8. Die Vollgeldinitiativen ................................................................... 112 9. Die Europäische Zentralbank (EZB) ........................................... 116 10. Die Aufgaben der Geschäftsbanken .......................................... 121 10.a Der Geldkreislauf ................................................................ 121 Inhaltsverzeichnis 6 10.b Die Losgrößentransformation ........................................... 128 10.c Die Risikotransformation ................................................... 129 10.d Die Fristentransformation .................................................. 131 11. Die Einlagensicherungssysteme ................................................. 145 Kapitel III .................................................................................................... 153 1. Die Wege der Geldemission: Wer gibt es aus? ............................ 153 1.a Die Geldausgabe durch die Regierung ................................ 153 1.b Die Geldausgabe regelt der Markt ....................................... 158 1.c Die Geldausgabe über eine unabhängige Instanz .............. 161 2. Wie gelangt neues Geld in den Wirtschaftskreislauf? ............... 162 3. Die Ratingagenturen ...................................................................... 164 4. Geldschöpfung der Geschäftsbanken? ......................................... 174 4.a Der Kreditmitteleinsatz durch Barzahlung ........................ 181 4.b Der Kreditmitteleinsatz durch Überweisung ..................... 183 4.b.a Der Bilanzausgleich durch Saldierung ....................... 185 4.b.b Der Bilanzausgleich durch Interbankenhandel ........ 187 4.b.c Der Bilanzausgleich durch Zentralbankgeld ............. 192 5. Zwischenfazit ................................................................................... 196 6. Die Zinsstrukturkurve ................................................................... 200 7. Die Geldumlaufsicherung ............................................................. 203 7.a Die Quantitätsgleichung ....................................................... 204 7.b Eine Gebühr auf Zentralbankgeld – Fließendes Geld ....... 206 7.c Ein Zins größer null Prozent ................................................ 217 7.c.a Die Eigenschaften von exponentiellen Wachstumsprozessen ................................................... 225 7.c.b Die menschlichen Herausforderungen ...................... 227 7.c.c Ohne Feindbilder Teil der Veränderung sein ........... 229 7.c.d Guthaben und Schulden – zwei Seiten derselben Medaille? ........................................................................ 235 7.c.e Der Preis des Geldes ..................................................... 241 7.d Inflation ................................................................................... 246 7.e Deflation .................................................................................. 250 8. Die Eigenkapitalanforderungen .................................................... 251 9. Der Geldschöpfungsgewinn .......................................................... 269 10. Der Kreditausfall .......................................................................... 281 11. Weitere Positionen zum Geldbegriff und zur Schöpfungsthematik .................................................................... 284 7 11.a Matthias Weik und Marc Friedrich .................................. 284 11.b Mathias Binswanger ............................................................ 286 11.c Christoph Pfluger ................................................................ 291 11.d Christian Felber – Gemeinwohl-Ökonomie .................... 302 Kapitel IV ................................................................................................... 313 1. Aufgaben vor der Einführung des Fließenden Geldes .............. 313 1.a Immobilien ............................................................................. 324 1.b Aktien und Aktienfonds ....................................................... 331 1.c Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) und Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB) der Banken und Stiftungen................................................................................ 337 2. Die Einführung von Fließendem Geld ........................................ 340 3. Eine einfache Rechnung ................................................................ 346 4. Wirkungen des Fließenden Geldes .............................................. 361 4.a Umweltschutz ......................................................................... 361 4.b Soziales Gleichgewicht .......................................................... 374 4.c Demokratie ............................................................................. 386 4.d Frieden .................................................................................... 391 5. Die Hürden des Fließenden Geldes ............................................. 397 6. Technische Umsetzungsvarianten des Fließenden Geldes ....... 407 7. Beispiele von Fließendem Geld in der Geschichte .................... 420 7.a Die Brakteatenzeit (ca. 1150 – 1450) .................................. 420 7.b Der Feldversuch von Wörgl.................................................. 425 7.c Regionale Tauschmittelsysteme ........................................... 427 8. Zusammenfassung der Forderungen im Sinne eines krisenfreien Geldsystems .............................................................. 433 9. Fünf Hauptsätze der alternativen Wirtschaftswissenschaft ...... 434 Danksagung ............................................................................................... 437 Schlusswort ................................................................................................ 439 Milliardärsgespräch .................................................................................. 441 Literaturverzeichnis .................................................................................. 443 Namensverzeichnis ................................................................................... 461 Abbildungsverzeichnis ............................................................................. 463 Vorwort Ziel aller Forschung und jedes Strebens nach Erkenntnis ist sicheres unbezweifelbares Wissen. Aber Wissen ist kein Zustand, sondern ein fortlaufender Prozess. Wissen bedeutet Veränderung und allzu häufig stellt sich heraus, dass die Dinge anders sind, als sie vordergründig erscheinen. Oft dauert es Jahrhunderte, bis dieses neue Wissen zum Allgemeingut wird. Da fährt das Schiff des französischen Seefahrers Cartier im Jahr 1535 nach Neufundland. Doch seine Mannschaft erreicht das Ziel nicht vollzählig, viele Matrosen sterben auf der Reise über das Meer. Die an Skorbut, einer damals noch unbekannten Krankheit, leidende Crew, bekommt von Einwohnern einen Trank verabreicht. Diese wirksame Hilfe erlaubt den überlebenden Seefahrern in ihre Heimat zurückzukehren. Zuhause angekommen erzählen sie von dieser Begebenheit, doch niemand nimmt sie ernst. Heute wissen wir, dass Skorbut eine Vitamin-C-Mangelerkrankung ist. 1601 verfasst Ernst Hettenbach der Ältere, Professor in Wittenberg, eine erste Abhandlung über diese Krankheit, allerdings in Latein. Erst im Jahr 1754, also noch mal 150 Jahre später, beweist der britische Schiffsarzt James Lind, dass Zitrusfrüchte vor Skorbut schützen. Insgesamt sind demnach über 200 Jahre vergangen, bis sich diese neue Erkenntnis durchgesetzt hat, obwohl offensichtlich war, dass der helfende Trank der indigenen Bevölkerung aus stark Vitamin-C-haltigen Zutaten bestand. Um der Inquisition zu entgehen, musste Galilei Galileo 1637 vor einem Tribunal seine Behauptungen widerrufen, dass nicht die Erde, sondern die Sonne im Zentrum unseres Sonnensystems steht. Vom Papst zu Lebzeiten unter Hausarrest gestellt, wurde Galileo erst 1992 von der Katholischen Kirche rehabilitiert. 1782 wurde die letzte als Hexe bezeichnete Frau verbrannt. Sie hieß Anna Göldi und stand im Kanton Glarus in der Schweiz auf dem Scheiterhaufen. Im 18. Jahrhundert waren Frauen weitgehend von einem Universitätsstudium ausgeschlossen. Ihnen wurde gesellschaftlich die Rolle in Ehe und Familie zugewiesen. Der weiblichen Intelli- Vorwort 10 genz wurden begrenzte Fähigkeiten angedichtet. Nur in privaten Zirkeln gelang es Frauen, ihrem Bildungswunsch nachzukommen. Schon seit der Französischen Revolution 1791 fordern Frauen ihr Wahlrecht ein. Doch fast zwei Jahrhunderte hat es gedauert, bis letztlich auch die Schweiz 1971 das Wahlrecht für Frauen einführte. In Deutschland ging die erste Frau am 19.01.1919 wählen. Die damaligen Begründungen der von Männern dominierten Gesellschaften, den Frauen das Wahlrecht zu verweigern, sind für uns heutzutage schwer nachvollziehbar. Wobei selbst heute die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau noch nicht erreicht ist. Oft dauert es Jahrhunderte, bis sich Wahrheiten durchsetzen, manchmal sogar Jahrtausende, wie beim Thema dieses Buches. Schon Aristoteles und Platon verurteilten das Zinsnehmen. Jesus hat die Wucherer aus dem Tempel geworfen und Martin Luther die Zinsnahme kritisiert. Silvio Gesell hat Anfang des 20. Jahrhunderts den dem zinsbasierten Geld zugrunde liegenden Mechanismus genau erkannt, der Ursache für viele Katastrophen der Menschheitsgeschichte war und immer noch ist. Weil unser Geldsystem mit dem Zinseszinseffekt ausgestattet ist, müssen wir Menschen in regelmäßigen Abständen wirtschaftliche Zusammenbrüche mit verheerenden Folgen ertragen. In geschichtlichen Phasen, in denen exakt diese Wirkungen eingetreten sind, fanden Not, Elend und Zerstörung an vielen Orten statt. Wenn es sich so verhält, weshalb lassen wir derart Destruktives zu? Es scheint gleich einem Naturgesetz zu sein, dass Geld nur für einen Zins größer null Prozent verliehen wird. Und legt der Zinsempfänger seinen vereinnahmten Betrag erneut verzinslich an, stellt sich der sogenannte Zinseszinseffekt ein. Ein solcher Mechanismus führt mathematisch belegbar zu exponentiellen1 Wachstumsprozessen, die über 1 exponentiell: Bei exponentiellem Wachstum vergrößert sich ein Wert in gleichen Zeiteinheiten um denselben Faktor. Bei einem Zins von zum Beispiel 4,73 Prozent pro Jahr verdoppelt sich der Ursprungswert ca. aller 15 Jahre, insofern die Zinsen ebenfalls zum genannten Zins wieder angelegt werden (Zinseszinseffekt). So entstehen aus einer Million Euro nach 15 Jahren zwei Millionen Euro, 15 Jahre später sind es dann vier Millionen Euro. Wiederum 15 Jahre später ist der Betrag bereits auf acht Millionen Euro angewachsen. Stellt man einen solchen Verlauf in einer Grafik als Kurve dar, verläuft diese erst flach, steigt immer weiter an, bis sie fast senkrecht in den Himmel schießt (siehe Abbildung 1). kurz oder lang an den Anschlag stoßen müssen. Nichts au kann unendlich wachsen. Exponentielles Wachstum kann man sich ganz einfach Man nimmt einen beliebigen Betrag und verdoppelt dies wieder von neuem. Der sich hieraus ergebende Verlauf wir abgebildeter Grafik gezeigt: Abbildung 1: Exponentialfunktionen bei 4,73 Prozent und 7,18 Aus der Grafik wird den ersten Blick klar: kann nicht unendlich und wieder verdoppelt Es soll in diesem B anderem folgenden Fra gegangen werden: „Wa Geldsystem geändert damit stabile Gesellsch stehen, frei von Zusa chen und daraus folge Elend und Krieg? W brauchbare Alternative auch unsere Umwelt und wie kann es gelin Wirklichkeit werden zu 11 f der Welt vorstellen: en immer d in unten Prozent schon auf Ein Betrag verdoppelt werden. uch unter gen nachs muss am werden, aften entmmenbründer Not, ie sehen n aus, die schützen gen, diese lassen? Lesehinweise Sie haben sich eine besondere Aufgabe gestellt: Sie möchten das Geldsystem besser verstehen. Im Geldsystem gibt es elementare Mechanismen, zum Beispiel die Wirkungen des Zinseszinseffektes, die gut nachvollzogen werden können. Hier besteht eher die Herausforderung, die Bereitschaft zu haben, Allgemeingültiges in Frage zu stellen und neu zu denken. Es gibt Inhalte in dieser Arbeit, die sehr komplex sind, beispielsweise Bilanzierungsregeln oder Eigenkapitalvoraussetzungen von Banken. Die Bereiche im Buch, die sehr ins Detail gehen und für den Gesamtzusammenhang nicht zwingend notwendig sind, wurden rechts neben den jeweiligen Absätzen mit einem senkrechten Strich versehen. Sie können diese Absätze überspringen oder später lesen, ohne dass Ihnen dadurch der rote Faden verlorengeht. Wenn in einem Textabschnitt ein Begriff auftaucht, der in einem eigenen Absatz behandelt wird, ist ein Verweis darauf eingefügt. Sie können dann entscheiden, ob Sie zuerst an diese Stelle des Buches springen, um die zuvor gelesenen Passagen besser nachvollziehen zu können oder weiterlesen. Manche Themen erschließen sich erst in späteren Kapiteln vollständig. Zum Beispiel ist das Thema zur Fristentransformation elementar, um auch andere Inhalte, die zuvor beschrieben werden, besser verbinden zu können. Das Ihnen vorliegende Buch liefert auch dann brauchbare Erkenntnisse, sollten Sie sich für Teilbereiche nicht interessieren. Wenn Sie beispielsweise Bilanzierungsregeln außen vor lassen, ist es dennoch nützlich, wenn Sie sich mit den Inhalten zum Fließenden Geld auseinandersetzen. Es wurde versucht, geschlechtsneutrale Bezeichnungen zu verwenden. Manchmal sind explizit beide Geschlechter angesprochen. An anderer Stelle stehen die männlichen Formen der Wörter, obwohl Männer und Frauen angesprochen werden. Sollte dies zu Unmut führen, entschuldige ich mich dafür. Ich wünsche Ihnen nun gute Erkenntnisgewinne beim Lesen! Steffen Henke

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Zusammenfassung

Wir brauchen ein anderes Geldsystem, wenn wir die Herausforderungen unserer Zeit meistern wollen. Umweltzerstörung, Demokratieverlust und extreme soziale Ungleichgewichte sind unter anderem schädliche Wirkungen des bestehenden Geldsystems. Eine bessere Alternative existiert, doch sie ist noch zu wenig bekannt: Fließendes Geld.

Veränderungen im Geldsystem sind wegen gegebener Machtstrukturen nur dann erzielbar, wenn breite Bevölkerungsschichten dem Wandel zustimmen und ihn unterstützen. Dazu muss der seit Jahrzehnten stattfindende Erkenntnisprozess deutlich an Fahrt gewinnen.

Geld greift mit hoher Intensität in so gut wie alle Bereiche unseres Lebens ein. Neuerungen beim Geld bringen deshalb hervorragende Potentiale für fast alle Gebiete, wie den Schutz der Natur, die Verbesserung demokratischer Strukturen oder den Frieden.

Ziel muss es sein, dass der Mensch nicht dem Geld, sondern das Geld dem Menschen dient.