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Tobias Breuckmann

Leben und Identitäten in Nicht-Orten, page 53 - 70

Eine empirische Untersuchung von raumbezogenen Identitäten in Transiträumen

1. Edition 2018, ISBN print: 978-3-8288-4029-4, ISBN online: 978-3-8288-6778-9, https://doi.org/10.5771/9783828867789-53

Series: Tectum - Masterarbeiten

Tectum, Baden-Baden
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Ergebnisse Bei Betrachtung der Ergebnisse fällt auf, dass den jeweiligen Narrativen unterschiedliche Heimatkonzeptionen zugrunde gelegt werden können. Ein Teil der Interviewten bezog sich, ihrer Erfahrung der Unsicherheit im Herkunftsland durch verschiedene Fluchtgründe folgend, auf die Heimat als sicheren Ort. Halim, der in Syrien ausgrenzende Erfahrungen infolge seiner offensichtlich kommunizierten Homosexualität machte, beschrieb dabei Heimat als Ort, in dem man sich nicht verstecken muss: „[…] what I mean with home is not the house of the family or something like that, I mean a place where you feel really safe, where you really can be who you are, you can try whatever comes in your mind, you do not have to be afraid.“ (Halim, 2016) Dies richtet sich demnach deutlich auf die Vereinbarkeit von räumlichen Zuschreibungen und (kollektiver) Identität, die sich im genannten Zitat nicht decken, da er sich in seiner Positionierungsleistung durch den hegemonialen Diskurs der Heteronormativität in Syrien erheblich eingeschränkt sah. Andere hingegen äußern sich in Abgrenzung zu bestimmten Diskursen und Begebenheiten zu ihrem individuellen Heimatkonzept. Im nachfolgend zitierten Fall scheint die eigene Autonomie und damit die Bildung bestimmter, zumindest zum Teil selbst gewählter Narrative als elementar für ein Gefühl von zu Hause: „If you haven't got any choice from your private living, you cannot feel at home.“ (Taufiq, 2016) Ebenfalls sind Tendenzen identifizierbar, die sich weniger auf die Verräumlichung bestimmter Phänomene beziehen, sondern die darauf ausgelegt sind, soziale Netzwerke in räumlicher Reichweite zu besitzen, demnach ein gemeinsames Narrativ und damit kollektive Identität als Heimatkonstitutiv nutzen: 5 53 „Actually, for me, when I live with my family and with friends and go to school, have my own flat, I feel at home everywhere, just to have this stuff, whatever the place was.“ (Ismail, 2016) Biografisch-räumliche Narrative vor der Flucht Generell lassen sich mehrfach verräumlichte Narrative auf verschiedenen – zeitlichen sowie räumlichen – Ebenen identifizieren. Auf nationaler Ebene äußerten die Interviewten meist eine bestimmte Verbundenheit zu ihrem Herkunftsland, welche sich jedoch oft mit aktuellen negativen Narrativen verbindet, die sich vor allem auf die jeweiligen Fluchtursachen beziehen. Halim aus Syrien, der sich nach außen hin des Öfteren über seine Identität als Homosexueller positionierte, nimmt eine Homogenisierung des Herkunftslandes vor, indem er sich eindeutig negativ darauf bezieht, und knüpft dies direkt an die eigene kollektiv verortete Identität, die in diesem Fall über das Narrativ des Verlassens des Landes konstituiert wird: „So to be gay, I do not think it is a good idea to stay in Syria. For that mostly of the gay people left Syria, first for the war reasons and second to be who they are. It is like disgusting to hide yourself, there is nothing more disgusting to be two personalities in one.“ (Halim, 2016) Dieses Zitat zeigt ebenso eine besonders starke Einschränkung der räumlichen Alltagspraxis durch die fehlende Möglichkeit der öffentlichen Raum- und Diskursaneignung, die sich unter anderem auf das Sicherheitsgefühl der Person ausrichtet, wie im folgenden Zitat zu betrachten ist: „Es ist schwierig, in Afghanistan zum Beispiel wie hier von x nach y zu fahren, vor allem wenn du in der Regierung arbeitest, du kannst dich mit deiner Familie wenig aufhalten, weil du dann auch irgendwie die gefährdest.“ (Amit, 2016) Auch Shirin aus dem Iran, die ihr Interesse am Christentum und die daraus folgende Bedrohungslage durch die Regierung als Fluchtgrund angibt, äußert sich ähnlich: 5 Ergebnisse 54 „There is no freedom in my country, all girls have to wear scarfs, and when you say something against the government, they take you to prison.“ (Shirin, 2016) Taufiq aus Syrien hebt ebenfalls den Sicherheitsaspekt und demnach auch die Einschränkung der alltäglichen Praxis und damit der Einschränkung der räumlichen Handlungs- und Aneignungsfähigkeit des Subjekts hervor, kombiniert diese jedoch mit weiteren alltagsbestimmenden Narrativen: „It was normal living, actually there were nothing private because I started to work and to have my money from work after the war in Syria and it was a little bit dangerous to have a special live, to go to cafes, to go to restaurants everytime and to be led in the night out of houses, so it was like working when I got to work and in normal life in my home when I do not have work, sometimes meeting friends and in the last five years in the war, it was like sitting with one of our friends at the party, we had to stay there until the next morning, it was not allowed, it is not illegal to work, but it is not safe.“ (Taufiq, 2016) Trotz dieser Negativzuschreibungen beschreiben die beiden Interviewten ihre Herkunftsländer wie selbstverständlich als ihre Heimat und deuten damit ein ambivalentes Verhältnis beziehungsweise ebenfalls eine situative Identitätsleistung an, über die sich hier keine vollständige Kohärenz herstellen lässt: „Also, Afghanistan ist mein Heimatland, klar fühlt man sich da wohl, aber man fühlt sich nicht sicher, man hat in jeder Sekunde Angst, dass man ermordet wird, dass ein Terroranschlag ausgeübt wird, dass diese Sekunde die letzte Sekunde auf dieser Erde sein kann.“ (Amit, 2016) Auch Shirin äußert sich ähnlich auf die Frage, ob sie den Iran als ihre Heimat ansehen würde, und zwar ebenfalls gepaart mit einer Negativzuschreibung: „Of course, yes. Now I miss my country, but I do not miss the government.“ (Shirin, 2016) Biografisch-räumliche Narrative vor der Flucht 55 Bei ihrer Begründung nimmt sie eine eindeutige Homogenisierung innerhalb der nationalen Grenzen vor: „Because in my country, the people are speaking my language, they understand me, I do not have to talk about my culture or talk about anything, they just understand me.“ (Shirin, 2016) Lokal verortete Narrative hingegen gestalten sich heterogen. Zusammenfassend lassen sich am ehesten noch historisch sowie räumlich übergeordnete Narrative auf der Ebene der jeweiligen Stadt identifizieren, wie es zum Beispiel bei Fath aus Aleppo der Fall ist: „I do not really relate myself to a city or place or something, but I am glad that I was in such a beautiful city like Aleppo, it was really nice, it has a lot of special places and special things, also the people. […] The most famous ones, for example the castle, in the centre of the city, Aleppo castle, and the old markets, the bazars around the castle and all the ancient places, also around the castle, the Umayyad-Mosque, the old mosque there.“ (Fath, 2016) Taufiq bezieht sich ebenfalls auf ein weiter zurückreichendes Narrativ in der Beschreibung der Stadt: „I am from a small city near Damaskus city, it is five kilometres near Damaskus. This city had a special situation, because it was at the beginning like a religious city, it was one religion, and after 2000 it began to have people from other religions and until the war many people from everywhere in Syria are in that small city. So it converted at the end to a small Syria.“ (Taufiq, 2016) Ebenfalls Narrative, die nicht so weit zurückreichen, jedoch trotzdem als Narrative einer bestimmten verräumlichten Geschichte oder Tradition angesehen werden können, lassen sich in den Erzählungen der Interviewten finden, hier am Beispiel Taufiqs, der vor allem Damaskus als seine Heimat betrachtet, obwohl er nicht dort geboren und aufgewachsen ist. Auf die Frage, warum dieser sich dort zu Hause fühle, antwortete er Folgendes: „I do not know, it is something emotionally, but we have this culture that everyone that is starting to work and starting to have a life is just going there. You see everytime in the evening like two couples, two couples together everytime and it was so good. […] It has so many places like re- 5 Ergebnisse 56 staurants and cafes and it was until 2011 a place that everyone from allover just wanted to see it, it was so beautiful.“ (Taufiq, 2016) Er selber beschreibt es mit einer emotionalen Bindung an den Ort, als für ihn diffuses oder opakes Phänomen, das sich am adäquatesten mit dem im Theorieteil aufgegriffenen Konzept der rootedness, also einer bestimmten Vertrautheit mit dem jeweiligen Raum und ihrer Praktiken konzeptualisieren lässt. Für ihn begründet sich seine Bindung in dem – mittlerweile historischen – Charakter der Stadt, der an sein Idealbild von urbanen Leben anknüpft. Doch auch alltagsrelevante Narrative pflegen sich in die Beschreibung der Stadt oder der Nachbarschaft mit ein. Ein Beispiel dafür bildet Fath, der sich selbst als heimatlos verortet, jedoch seinen emotionalen Bezug zur Stadt durch die alltägliche Bewegung durch die Stadt selber herstellen konnte und in seine Identität integriert hat: „Aleppo is a city like Berlin. It is a very big city, so you can find a lot of places inside the city, modern places, ancient places, everything, everywhere. I was a guy who liked to walk a lot, go by bus or public transport, and just discover things and take my camera with me and just take pictures, I used to take a lot of pictures actually.“ (Fath, 2016) Ismail, Fahts Bruder, der ebenfalls interviewt wurde und demnach auch aus Aleppo stammt, verortet sich hingegen eindeutig als damals dort beheimatet, jedoch lediglich in der Nachbarschaft, und begründet dies durch ein eindeutig alltagspraktisches Narrativ, in dem dieser sich durch die räumliche Praxis in der Nachbarschaft den Raum gemeinsam mit seinen Freunden angeeignet und demnach als Heimat konzipiert hat: „I was not so walking around the city so much so was just hanging out with my friends so I felt home actually at my place, at my neighbourhood. With my friends, we were just sitting at the neighbourhood and talked to each other, like every other teenagers you know. I was 17 when I was in Syria. The place was my neighbourhood, that is where I felt at home.“ (Ismail, 2016) Biografisch-räumliche Narrative vor der Flucht 57 Doch ebenfalls das lebensgeschichtliche Narrativ spielt eine Rolle für seine Heimatkonzeption: „Because I spent my childhood there, my school was also there and friends also, and cousins and other family also lived around, so that's why I felt like home over there.“ (Ismail, 2016) Das alltagsbezogene Narrativ lässt sich ebenfalls bei anderen Interviewten wiederfinden, beispielsweise bei Shirin, die sich ebenfalls auf ihre alltägliche räumliche Praktik in ihrer Freizeit bezieht: „In my freetime I usually gathered with my friends, we went out together, eat together, go shopping, and travelling, I really love travelling with my friends, we travelled a lot to other cities of my country and usually we went out together with my friends.“ (Shirin, 2016) Diese Konzeptionen der alltagbezogenen Heimatnarrative beziehen sich jedoch jeweils auf einen Zeitraum, der vor dem Eintreten der jeweiligen Fluchtgründe anzusiedeln ist. Dieses Eintreten stellt demnach einen biografischen Bruch dar, der auch die Konzeption von Heimat und die damit verbundenen räumlichen Praktiken entschieden verändert, wie sich bei Amit beobachten lässt, der sich schon länger unter den Umständen befand, welche die Flucht ausgelöst haben und quasi seine Konzeption von Heimat umgekehrt hat, da er seit etwa vier Jahren bis zur Flucht nicht mehr dauerhaft in seinem Haus zu wohnen in der Lage war: „Ich habe in der Stadt, in der ich gelebt habe, in einem Hotel ein Zimmer gemietet und war auch öfter bei meinen Freunden zu Hause. Ich war ja auch ziemlich oft arbeiten, in meiner Freizeit habe ich mich viel mit meinen Freunden im Hotelzimmer aufgehalten. Ich war viereinhalb Jahre tätig als Bodyguard und in diesen viereinhalb Jahren habe ich wirklich versucht zu vermeiden, zu Hause zu bleiben, damit kein Terroranschlag auf mich ausgeübt werden kann.“ (Amit, 2016) Auch in Bezug auf lokale Verortungen lassen sich Ambivalenzen erkennen, die über die verschiedenen räumlichen Ebenen und entsprechende Bedeutungszuschreibungen im Abgleich mit der eigenen Identität in Abgrenzung zur kollektiven Identität hergestellt werden. Als prägnantes Beispiel dient dafür Halim, der sich aufgrund seiner Ho- 5 Ergebnisse 58 mosexualität sowohl in Syrien als auch in Aleppo nicht wohlfühlte, jedoch in der kleinsten Einheit der Heimatkonzeption, nämlich dem Haus beziehungsweise der Wohnung: „In Aleppo, yes. My family, they are very open about me so that gives me a good push like if someone wants to fight with me I can fight with him also. I do not mean to kill someone but I mean with words, because my family already knows. […] in Aleppo you cannot be that free. Always you have to hide yourself […]“ (Halim, 2016) Somit wird über das jeweilige Alltagsnarrativ eine Grenzziehung zwischen den verschiedenen lokalen Ebenen reproduziert, einmal mit denen sich der Befragte zu identifizieren vermag, auf der anderen Seite das Außen, welches sich klar von der eigenen Identität abgrenzt. Narrative der Flucht Bei der Beschreibung der Fluchtroute lässt sich feststellen, dass die Interviewten lediglich die verschiedenen Stationen ihrer Flucht aufgezählt haben, jedoch sehr wenig über die Orte, an denen sie waren. Dies liefert den ersten Hinweis darauf, dass schon die Route als Nicht-Ort konzeptualisiert werden kann, der nicht wichtig für die räumlich gebundene Identität der interviewten Geflüchteten ist. Amit, der aus Afghanistan floh, fasste seine Route stark zusammen, wohingegen er viel über sein Herkunftsland und das Ankunftsland Deutschland beschrieb: „Ich war dann zwei Nächte in Teheran, war mit dem Schmuggler selber da, habe mich auch mit ihm da verabredet, und wir haben uns da zwei Tage lang aufgehalten. Wir sind dann vom Iran in die Türkei gekommen. Als wir in der Türkei waren, war es ein richtiges Unwetter, es war kalt, es hat richtig geregnet, überall war Matsche. Wir wurden in einen Ort gebracht, wo sich nicht einmal Tiere aufhalten würden, es war richtig kalt und unangenehm. Wir waren zwei Nächte dort, dann wurden wir mit dem Bus nach Istanbul gebracht.“ (Amit, 2016) Eine andere Person verdichtete ihre Erlebnisse der Fluchtroute ebenfalls stark, bis es zur Erzählung eines offensichtlich einschneidenden Narrative der Flucht 59 und konstituierenden Erlebnisses der Identität als Geflüchteter kam, die sich ebenfalls an ein historisches Narrativ von Budapest, dem Gegenstand der Erzählung, knüpft und somit den Nicht-Ort durch Geschichtlichkeit im weitesten Sinne zum Ort werden lässt: „The problem was no one wanted to talk to us. We did not knew about the story of Budapest, that there are two spaces of Budapest. One of the very rich persons and one of the very poor persons, and we were in the place of the very rich persons. We did not have any internet to just name the place that we will go to so we were like a small person in a very big city and you have to search about the place. I said no one wanted to talk to us when we went to any market, no one wanted to sell us anything, we did not have cigarettes, food, water actually.“ (Taufiq, 2016) Prinzipiell wurde das Heimatgefühl auf der Route verneint und dieser Umstand als äußerst problematisch empfunden, wie sich an folgendem Zitat veranschaulichen lässt: „[…] actually in the whole road, because no one can feel that streets or the woods are like house you know? That was so difficult.“ (Taufiq, 2016) Ismail hingegen konzeptualisierte einen Teil seiner Fluchtroute als Heimat. Dies lässt sich jedoch vermutlich auf die längere Verweildauer und die spätere Entscheidung der Weiterreise zurückführen, die den beschriebenen Ort – in dem Fall die Türkei – eingeschränkt als Heimat erfahrbar machen lässt. Ismail führt dafür folgende Begründung ins Feld und offenbart damit seine eingeschränkt an den Raum geknüpfte Heimatkonzeption, die sich jedoch trotzdem an ein Narrativ knüpft, nämlich an das der Familie und Freunde, mit denen man aufgewachsen ist und ein gemeinsames Narrativ und demnach auch eine kollektive Identität herausbilden konnte: „Actually, for me, when I live with my family and with friends and go to school, have my own flat, I feel at home everywhere, just to have this stuff, whatever the place was. When I have my family around me and my friends and school to go to and hang around with my friends I feel just at home.“ (Ismail, 2016) 5 Ergebnisse 60 Leben und Identität in Sammelunterkünften Bei Betrachtung der Sammelunterkünfte sowohl im gelebten Narrativ als auch in der Retrospektive lässt sich vor allem die erlebte Warteleistung der (früher) dort lebenden Interviewten identifizieren. Dabei kann die eingeschränkte Autonomie der Personen als weitere Komponente betrachtet werden: „Jetzt bin ich in diesem Camp, das ist nicht so, wie ich mir das vorgestellt habe, aber jetzt müssen wir halt ein bisschen abwarten, wie sich das ergibt und wie das sein wird, wenn ich mein eigenes Zuhause habe und ich mein eigenes Leben aufbauen kann.“ (Amit, 2016) Ebenfalls eine andere Person bezieht sich sichtlich negativ auf die erzwungene Warteleistung und problematisiert diese: „It is like you are in a place for an amount of time, and you do not know when you are about to leave this place, what is going to happen or something, you just wait.“ (Taufiq, 2016) Einen weiteren hervorzuhebenden Punkt bildet die von Fath erwähnte Losgelöstheit der Unterkunft von der restlichen Umgebung: „It is not a place where you can feel at home, because it is really uncomfortable, very crowded and it is like not related to any people here in this local area or something.“ (Fath, 2016) Diesem Zitat zufolge fügt sich der Nicht-Ort, in dem Fall die Sammelunterkunft, in der die Person lebt, nicht in die Geschichtlichkeit der restlichen Umgebung ein, man ist in einer davon losgelösten räumlichen Einheit und wird damit als Fremdkörper konstituiert und dort festgehalten, wodurch die dort lebenden Menschen schon räumlich von einer kollektiv gelebten Identität ausgeschlossen werden. Sammelunterkünfte als Zwangsräume Die schon erwähnte fehlende Autonomie wird von einem Großteil der Interviewten eindeutig hervorgehoben, was der elementaren Konzepti- Leben und Identität in Sammelunterkünften 61 on von Heimat entspricht, die im Theorieteil beschrieben wurde. Dabei ist es vor allem die selbstbestimmte räumliche Praxis und die Möglichkeit, den körperlich erfahrbaren Raum gemäß seiner eigenen Identität mitzugestalten sowie sich anzueignen und damit vertraut zu machen: „I could not believe that I cannot meet with any friend I want to meet or if anyone wanted to visit me at the camp, everyone will look like, yeah you have visitors now. You cannot have any private situation, you cannot choose what you want to eat actually. And you cannot have the choice like I want to sleep now because I have to work or German lesson tomorrow in the morning or if someone else wants to stay awake and wants to talk in the night.“ (Taufiq, 2016) Dies hebt ebenfalls Fath hervor, der sich selbst als nicht an die Heimat oder an einen Ort gebunden konzeptualisiert, dem jedoch die Bewegungsfreiheit sehr wichtig erscheint: „Nobody can say that it is a good place, whatever it was. […] it is prison. It is not really a place where you feel really free to move or to see the country or something like this.“ (Fath, 2016) Im genannten Zitat wird ebenfalls besonders deutlich, als wie wichtig die selbstbestimmte Raumaneignung eingeschätzt wird. Die Unterkunft wird als nicht gut eingeschätzt, da man sich nicht frei bewegen und vor allem bestimmte Orte sehen und besuchen kann, demnach auch keine integrierende Raumpraxis möglich ist, die zur Bildung eines Narrativs genutzt werden kann. Dies verweist ebenfalls auf die von Augé (2014) suggerierte Homogenisierung der jeweiligen Funktionen und Identitäten von Menschen. Durch die klare Regelführung innerhalb der Unterkunft werden die Menschen in ihrer Möglichkeit eingeschränkt, ihre jeweiligen Identitäten und Funktionen innerhalb der Gemeinschaft kommunikativ und performativ auszudifferenzieren, der Alltag wird von auferlegten Regeln bestimmt, die auf alle in dieser Raumeinheit untergebrachten Personen angewandt werden. 5 Ergebnisse 62 Sammelunterkünfte als Räume fehlender Privatsphäre Ein weiterer Punkt, der sich ebenfalls mit der theoretischen Konzeptualisierung von Heimat deckt, findet sich in dem der Privatsphäre wieder, der von allen Befragten deutlich hervorgehoben worden ist. Diese fehlende Privatsphäre wird des Öfteren auf die Möglichkeit bezogen, seine Ruhe zu haben, um angemessen Deutsch zu lernen, wie im vorliegenden Zitat: „After all, you feel like you would like to live in your own flat, you want to feel privacy, you want privacy or something like this. To be able to study or something, I mean the language, it was the most important thing for us to have some point of quiet, to have a quiet space, to be able to study, to do your personal things, I mean, anything.“ (Fath, 2016) Doch nicht nur die Privatsphäre bezogen auf die komplette Unterkunft, sondern ebenfalls auf den Raum, in denen die Asylsuchenden teilweise mit mehreren Personen lebten, wird thematisiert, z. B. von Shirin, die zum Ende der Periode ihres Aufenthalts in Sammelunterkünften hin lediglich mit ihrer Familie in einem Zimmer wohnte, die fehlende Privatsphäre jedoch trotzdem ein erhebliches Problem darstellte: „[…] it was really difficult, for example I wanted to change my clothes, and my brother was there and my mother was there, it was really funny. We asked them many times that we need all a separate room, and they said we do not have any place anymore, so we asked them to give us an apartment“ (Shirin, 2016) Auch Halim, der mit erheblichen Problemen sowohl im Herkunftsland als auch in den Unterkünften umzugehen hatte, hob diesen Aspekt hervor, jedoch vor allem aufgrund des eigenen Sicherheitsgefühls, welches ebenfalls seiner Heimatkonzeption entsprach: „Even when sometimes I went to sleep I put the bed in front of the door so noone can open it, because, you know, we do not have keys to lock the doors, so what I did I just put my bed in front of it because they opened the door sometimes in the night and came to you and even touching you and annoying you.“ (Halim, 2016) Leben und Identität in Sammelunterkünften 63 Strategien einer Ortskonstruktion in Sammelunterkünften In den meisten Fällen entwickelten die Befragten keine Strategien, sich einen Ort in der Sammelunterkunft zu konstituieren, was sich zum einen aus den allgemeinen Beschreibungen, jedoch auch aus fehlenden Erwähnungen solcher Umgangsformen in der Sammelunterkunft ausdrückt. Ein sehr explizites Beispiel dafür, dass vielen Asylsuchenden wenig bis gar nichts bleibt, um die Warteleistung als Erlebnis eines Nicht-Ortes zu kompensieren, bietet Halim: Da er nicht nur das Aufhalten in der Unterkunft als problematische Warteleistung empfunden hat, sondern ebenfalls als bedrohlich, verließ er jeden Tag so früh wie möglich die Unterkunft und kam spätmöglichst wieder. Dabei entwickelte er trotzdem keine Strategie, das Leben in den Nicht-Orten durch das Verlassen eben jenes Ortes durch andere räumliche Praktiken zu kompensieren, sondern verlagerte die räumliche sowie zeitliche Warteleistung aus der Unterkunft heraus. Auf die Frage, wohin er nach Verlassen der Unterkunft ging, gab er folgende Antwort: „Just in the cities. Or sit in some park. It was just like this. Nothing you can do. I was looking for a job, but you know I was not allowed to until I got my permit.“ (Halim, 2016) Trotz der zahlreichen negativen Bezüge auf die Unterkünfte lassen sich Übergänge zu wahrgenommenen Orten beobachten, die sich auf ein bestimmtes Narrativ beziehen, beispielsweise gemeinsames Erleben, welches kollektive Identität erzeugt und vor allem festigt: „Im ersten Monat hatte ich echt Schwierigkeiten, mich hier wohlzufühlen, es war echt schwierig, hier anzukommen, es waren ja auch so viele Nationalitäten unter einem Dach, aber mittlerweile, wir sind so wie eine Familie, es ist unabhängig, aus welcher Region oder welchem Land die sind, wir sind so wie eine Familie, ich persönlich fühle mich zur Zeit wohl mit denen zusammen. In Afghanistan gibt es so eine Art Rassismus zwischen den Völkern, gerade hier existiert so was nicht, wir sind zwar so viele aus so vielen Ländern und leben alle unter einem Dach, aber so wie eine Familie.“ (Amit, 2016) Hier zeigen sich also verschiedene Unterteilungen. Indem die zitierte Person zuerst auf die unterschiedlichen Nationalitäten verweist, hebt 5 Ergebnisse 64 sie die verschiedenen Narrative und kollektiven Identitäten hervor, die zuerst als schwierig vereinbar betrachtet werden. Durch das Narrativ der gemeinsamen (räumlichen) Erfahrung, die zuerst erzwungen ist, bilden sich neue kollektive Narrative heraus, die in das Selbstbild integriert werden und somit zumindest der Ansatz eines Heimatgefühls innerhalb der Sammelunterkunft entsteht. Shirin hingegen, die sich in mehreren Unterkünften mit ihrer Familie aufgehalten hat, verweist im Übergang vom Nicht-Ort zum Ort auf einen Teil wiedererlangter Autonomie und damit auch einer teilweise selbst gewählten räumlichen Praxis und der aktiven Mitgestaltung der (sozialen) Umgebung. Auf die Frage, ob sie sich in einer der Unterkünfte zu Hause fühlte, antwortet sie Folgendes: In Wicklingshausen4, in the hospital, I liked it very much, because the people there were very nice, and I had a job there, so I did not like to stay and do nothing, so I had a job there […]. (Shirin, 2016) Neben den netten Leuten wird hier also auf den Job als ein Stück gefühlter Eigenständigkeit verwiesen, der die Warteleistung teilweise aussetzt, da Shirin nicht einfach nichts tut, sondern sich einbringen konnte. Auf diese zum Teil wiedererlangte Autonomie verweist auch Fath, der sich mit den ehrenamtlichen Helfern in der Unterkunft angefreundet hat und mit ihnen ein gemeinsames Narrativ bilden und sich den Raum aneignen konnte: „[…] they talked with us and actually I still have many friends from there until now, and we go out and they come to visit us here usually and actually it was nice in that way. Much better than staying alone or something. They let you feel like less strange at the city.“ (Fath, 2016) Hierbei wird explizit darauf verwiesen, sich weniger fremd in der Stadt durch gemeinsame Erlebnisse, räumliche Aneignungen und damit auch neu erworbene kollektive Narrative zu fühlen. 4 Städtename anonymisiert Leben und Identität in Sammelunterkünften 65 Narrative des Verlassens der Sammelunterkunft Wenn die Interviewten das Leben in der Sammelstelle mit dem in einer eigenen (imaginären oder realen) Wohnung vergleichen, betonen sie stets das mit dem Ortswechsel verbundene Wiedererlangen von Autonomie: „For sure, if I found my own small flat or something I was able to choose, if I want to work or study, because I can do nothing now.“ (Fath, 2016) In Bezug auf die übergeordnete Fragestellung der Arbeit ist jedoch das Wiedererlangen einer wahrgenommenen Möglichkeit, wieder eigenständig Geschichte schreiben zu können, die Warteleistung demnach aufgelöst ist und die Perspektive auf die Fortschreibung der eigenen Geschichte in der Zukunft besteht, besonders interessant: „Ich möchte einfach nur hier akzeptiert werden, ich möchte hier einen Pass haben, wo ich sicher sein kann, hier zu sein, zur Zeit habe ich nur so ein Stück Papier, es bietet mir keine Sicherheit, dass ich hierbleiben kann, ich möchte auch einen deutschen Pass haben, wo ich auch sagen kann, hier in Deutschland ist dein Zuhause, hier ist deine Heimat jetzt, damit ich mir auch was aufbauen kann.“ (Amit, 2016) Das Leben in der Unterkunft und vor allem die Unsicherheit der Zukunft durch die erzwungene Warteleistung wird demnach durch die Option auf eine planbare Zukunft und ein neu einsetzendes, ortskonstituierendes Narrativ ersetzt, wie sich aus folgendem Zitat ableiten lässt. Es stammt von Ismail, der schon eine eigene Wohnung gefunden hat: „Actually, when I was in the camp, I was so depressed at first, because there were no family and friends, and I did not know what is going to happen in my future. I did not know if I could complete studying and stuff, I was so sad about this. But right now I have a flat, and also have some friends, and also my brother is beside me, and I am planning now to go to university of Ruhr-University in Bochum5, so I hope I will feel home soon.“ (Ismail, 2016) 5 Namen der Universität und Stadt wurden anonymisiert 5 Ergebnisse 66 Narrative einer neuen Heimat? Bei der Konstitution einer potenziell neuen Heimat in Deutschland lassen sich wieder verschiedene Ebenen ausfindig machen, die räumlich fixiert sind. Auf die Frage, ob sich Taufiq in Deutschland heimisch fühle, antwortet er Folgendes: „Germany, I do not know. I am just seeing the new laws and I am just seeing the new situation for everyone. You cannot feel at home here.“ (Taufiq, 2016) Dabei zieht er eine abstrakte, territorial orientierte Grenze des Landes, ohne sich auf explizite räumlich erfahrbare Einheiten zu beziehen. Durch die Homogenisierung und den Abgleich mit der eigenen Identität sieht Taufiq es als problematisch an, sich in einem Land zu Hause zu fühlen, welches die Asylgesetze weiterhin verschärft. Dabei verbleibt er jedoch auf einer abstrakten Ebene des Diskurses, ohne dass er diesen mit Alltagsnarrativen verknüpft. Amit, der noch in einer Sammelunterkunft lebt, kann sich auf die Frage, ob Deutschland seine Heimat sei, nicht äußern. Hierbei tritt ebenfalls wieder die beschriebene Warteleistung und Unfähigkeit der Bildung eines neuen Narrativs zum Vorschein: „Gerade in dieser Situation kann ich mich überhaupt nicht dazu äußern, weil ich noch nicht sicher bin, was mit mir passiert, es ist ja noch alles in Bearbeitung, deshalb kann ich mich nicht so richtig dazu äußern.“ (Amit, 2016) Die Konstitution der nationalen Identität erfolgt jedoch meist in Abgrenzung zu dem räumlich oder sozial als Heimat definiertem Gebiet. Teilweise wird sich dabei speziell auf physische Einheiten bezogen, die zur Bewerkstelligung des Heimatgefühls benötigt werden: „Actually, there is no more Syria anymore. Especially Aleppo is like 90 % destructed. I think Germany will be my new home.“ (Ismail, 2016) Generell geschieht die Abgrenzung jedoch auf einer abstrakteren diskursiven Ebene, indem Nationen verglichen und ihnen verschiedene Attribute zugesprochen werden. Diese werden mit dem Selbstbild ab- Narrative einer neuen Heimat? 67 geglichen und in der narrativen Identitätsleistung integriert. Auf die Frage, was er an Deutschland mag, äußert sich Fath wie folgt: „For sure the freedom I guess? Also the culture, the interest in art, because I am interested in art and in communication design, graphic design, colors in general so I thought it is the best place for me. But I did not really choose Bochum6, I rather thought I would go to a city like Berlin or München or Hamburg or something like this, but later something happens and you cannot choose.“ (Fath, 2016) Diese Abgrenzung infolge der eigenen Identitätsleistung findet im Folgenden noch einen stärkeren und expliziteren Ausdruck: „Actually in Syria, there were things I did not like, such as culture and habits or like things and what people think about, I was not like that so, I like what people think here more, about freedom and democracy and everything, the culture is also so nice.“ (Fath, 2016) Doch auch Abgrenzungen auf städtischer Ebene beziehen sich teilweise auf abstrakte Narrative, die sich sowohl negativ als auch positiv auf die potenziell neue Heimat beziehen können. Diese Bezüge sind meist explizit in räumlich strukturierte Narrative eingebettet. Wenn die Befragten also die Möglichkeit haben, den Raum zu erleben und zu erschließen, lässt sich ein bestimmtes Heimatgefühl erzeugen, so zum Beispiel bei Amit: „Ich fühle mich sehr wohl hier gerade in Bochum, wir halten uns sehr oft im Stadtpark auf, gehen da spazieren im Park, es finden auch viele Veranstaltungen in der Innenstadt statt, am Hbf direkt, wo viele Sänger auch kommen und Musik machen, wir gehen auch dahin und so.“ (Amit, 2016) Shirin hingegen bezieht sich eher negativ auf ihren jetzigen Wohnort und grenzt sich gleichzeitig davon ab, hebt jedoch die Wichtigkeit des Erfahrens und die Gewöhnung an den Raum hervor: „I do not like it. It is a place were old people live, it is very boring, I do not like it. […] You know when you live for a long time in a city you get used to it, it is like a process.“ (Shirin, 2016) 6 Name der Stadt geändert 5 Ergebnisse 68 Dabei lassen sich ebenfalls Tendenzen erkennen, die neuen Erfahrungen in die bestehende Identität zu integrieren und Anknüpfungspunkte zu alten Heimatkonzepten zu suchen, gleichzeitig findet wieder eine Abgrenzung zur Situation im Land statt, die zur Flucht geführt hat: „I can feel at home in Duisburg7 because I know so many persons now, I have so many friends, so I can just go to my friends, have the same living I had in Syria before the war and better than the living in the war in Syria of course […]“ (Taufiq, 2016) Shirin bezieht sich expliziter auf räumliche Komponenten wie die Dichte der Stadt, auf die sie sich mit Verweis auf ihre Herkunftsstadt Teheran positiv bezieht: „I visited Cologne and Bonn, it was really a little bit better, more similar to my country, I lived in Teheran, in the capital city, it was really crowded, I saw lots of people in the streets, so Cologne and Bonn were same as my country, the city I lived, so I liked them more […]“ (Shirin, 2016) Diese Integrationsleistung der Erfahrungen im Herkunftsland in das aktuelle Leben fügt sich ebenfalls in das Gefühl von Heimat mit ein. Im vorliegenden Zitat spricht Taufiq von seinem doppelten Gefühl der Heimat, bezieht sich jedoch auf den räumlichen Diskurs im Herkunftsland, bevor die Fluchtgründe aufgetreten sind. Dabei wird explizit die Wichtigkeit der Erinnerungen an bestimmte Orte hervorgehoben, die sich aus einem Alltagsnarrativ heraus speisen: „Actually I cannot forget in any time in my life, but not Syria now. Syria now was so hard for me for the last five years. Syria before the war, of course I will not forget. I can say I am a bit flexible so I have two things with it, also I feel Duisburg8 like my home now […]. I belong to the memories in Damaskus and I belong to my memories here in Duisburg and after one year I have memories actually.“ (Taufiq, 2016) Bezüglich der kleinsträumigen Konzeption von Heimat, der Wohnung, lässt sich wieder auf die Autonomie und die Privatsphäre verweisen. Obwohl Taufiq beispielsweise das Leben in der Unterkunft mit mehre- 7 Name der Stadt geändert 8 Name der Stadt geändert Narrative einer neuen Heimat? 69 ren Leuten als schlechte Erfahrung verbucht hat, ließ er sich auf das Leben in einer Wohngemeinschaft ein und bezieht sich positiv darauf, indem er auf die jeweiligen Unterschiede zum Leben in der Unterkunft verweist: „I have choice with everything. I can just go to my room and close my door and it is my own flat inside it and I can say sorry I cannot talk right now because my situation is not good. I want to have my quiet time, hear my music and it is acceptable to them, so there is someone who gives you your freedom, so you can feel actually at home.“ (Taufiq, 2016) Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Leben in der Sammelunterkunft vor allem mit einem Gefühl des Wartens, also des Transits, und der fehlenden Privatsphäre und Autonomie einhergeht. Dies hindert die befragten Personen daran, einen positiven Bezug und damit ein identitätsstiftendes Narrativ aufzubauen. 5 Ergebnisse 70

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Zusammenfassung

Seit dem langen Sommer der Migration im Jahr 2015 und den damit zu Tage tretenden Unzulänglichkeiten des deutschen Asylsystems sind zahlreiche Asylsuchende in sogenannten Sammelunterkünften untergebracht. Diese Sammelunterkünfte können als mehr oder weniger provisorische Einrichtungen verstanden werden, besitzen jedoch immer den Charakter des temporären Aufenthalt bis zur Anerkennung als schutzbedürftige Person mit unterschiedlichem rechtlichen Status oder der Aberkennung dieses Status, die in die Abschiebung mündet. Die vorliegende Arbeit befasst sich im deutschen Kontext mit dem Phänomen der räumlich bezogenen Identität in solchen Transiträumen. Sie behandelt die Frage, wie sich der dauerhafte Aufenthalt im Transit, in Deutschland in den letzten Jahren Realität für Asylsuchende, auf die räumlich bezogene Identität auswirkt. Als theoretische Brille dient dabei der konzeptionelle Rahmen der Nicht-Orte, der eine raumbezogene Identität in Räumen des Übergangs in Zweifel zieht. Die vorliegende Arbeit leistet somit einen Beitrag zu der meist einseitigen Debatte um Unterbringung und Integration von Asylsuchenden und rückt dabei die Perspektive der Betroffenen deutscher Asylpolitik ins Zentrum der Analyse.