4 Methodik in:

Tobias Breuckmann

Leben und Identitäten in Nicht-Orten, page 45 - 52

Eine empirische Untersuchung von raumbezogenen Identitäten in Transiträumen

1. Edition 2018, ISBN print: 978-3-8288-4029-4, ISBN online: 978-3-8288-6778-9, https://doi.org/10.5771/9783828867789-45

Series: Tectum - Masterarbeiten

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
Methodik Wie in den vorangegangenen Abschnitten herausgestellt werden konnte, bildet das Narrativ eines Subjekts beziehungsweise einer Gruppe einen elementaren Bestandteil zur Herstellung und Verteidigung ihrer jeweiligen situativ angenommenen Identität (Lucius-Hoene, 2010: 149). Narrative fungieren dabei als soziale Erscheinungen, die subjektive und kollektive Bedeutungsrahmen reflektieren und damit Diskurse und Identitätskonstruktionen offenlegen (Atkinson und Delamont, 2006: 165). Durch die jeweiligen klaren Brüche in den Biografien, über die sich Narrative konstituieren, scheinen biografisch-narrative Interviews vor allem bei der Frage nach der Identitätskonstruktion von Menschen mit Migrationserfahrungen erfolgversprechend: „Da Biographien Entwicklungs-, Lern- und Bildungsgeschichten beinhalten […], scheinen sie zur Erforschung von Migrationsprozessen sehr geeignet zu sein, insbesondere wenn dabei Fragen zur Identitätsentwicklung im Mittelpunkt des Erkenntnisinteresses stehen.“ (Ricker, 2003: 54) Aus diesem Grund wird das biografisch-narrative Interview als qualitativ-empirische Methode verwendet, wobei die der Erzählung zugrunde liegenden und durch sie erzeugten Selbstkonzepte identifiziert und herausgefiltert werden sollen (Lucius-Hoene, 2010: 153). Interview und Transkription sind dabei Repräsentanten subjektiver Sinnstruktur, die durch die Interpretation des Textes intersubjektiv nachempfunden und analysiert werden kann (Silkenbeumer und Wernet, 2010: 179). Aus der rekonstruierten Sinnstruktur der Erzählenden lässt sich unter anderem ableiten, wie die Person sich gegenüber dem Erzählten positioniert und aus eben dieser Position Sinn herstellt (Silkenbeumer und Wernet, 2010: 180). Dadurch also, dass auch in Form von Narrativen im Sprechakt Identität hergestellt und in dem Falle sogar Sinn gegeben wird, lässt sich in der Analyse von narrativen Interviews die Identitätsarbeit des Subjekts angemessen analysieren: 4 45 „[…] the way the referential world is put together points to how tellers index their sense of self in the here and now.“ (Bamberg et al., 2011: 186) Die Narration spiegelt nicht nur den Einfluss der Erfahrung auf die Identität, sondern vor allem den Einfluss der Identität auf die Darstellung des Sachverhaltes wieder. Wie etwas und aus welcher Position erzählt wird, gibt demnach Rückschlüsse auf die Identität des oder der Erzählenden (Lucius-Hoene, 2010: 156; Ricker, 2003: 56). Narrative sollten dahingehend weniger als Fakten denn als Akt verstanden werden, in denen die Interviewten einem individuellen Strukturmuster folgen, ihre Handlungen rechtfertigen und ihre Identität konstituieren. Aus diesem Grund sollten wissenschaftliche Analysen diese Narrative mit Distanz betrachten und ihre subjektive Färbung mitreflektieren (Atkinson und Delamont, 2006: 169). Vielmehr wird erst im Prozess des Erzählens selber situativ Sinnkohärenz hergestellt und Identitätspositionierungen erzeugt: „Es kann also kaum ein Zweifel daran bestehen, dass der Interviewtext eine spontan zur Entfaltung gebrachte Deutung darstellt, die für eine empirische Rekonstruktion von Subjektivität höchst bedeutsam ist.“ (Silkenbeumer und Wernet, 2010: 186) Diesen entscheidenden Teil der Identitätsherstellung durch die situative Erzählung stellt Ricker (2003) wie folgt heraus: „Lebensgeschichtliches Erzählen ist eine grundlegende Form, seine Identität darzustellen und sich dieser zu versichern […], denn die Erzählsituation fordert eine Person zur Selbstthematisierung und Auseinandersetzung mit dem eigenen Leben auf. Indem eine Person über ihr Leben erzählt, objektiviert sie Lebensereignisse, bringt sie in einen sinnvollen Zusammenhang und rekonstruiert ihr Sein und Gewordensein für die Zuhörerin, aber auch gleichzeitig für sich selber.“ (Ricker, 2003: 57) Da die Herstellung von Identität im Narrativ stets situativ ist, geben diese Narrative mittelbar die jeweiligen Repräsentationen der Gruppe wieder, der sich die erzählende Person in dem Moment zuschreibt und deren kollektive Identität sie in der Erzählperspektive annimmt beziehungsweise deren Selbstinszenierungskonzepten sie sich annähert (Atkinson und Delamont, 2006: 167; Lucius-Hoene, 2010: 160). Das jeweilige Narrativ resultiert demnach aus verschiedenen identitätskon- 4 Methodik 46 stituierenden Prozessen und Selbst- sowie Fremdzuschreibungen und -platzierungen, weshalb ebenfalls der Rahmen des jeweiligen Interviews mitberücksichtigt werden sollte. Es ist demnach wichtig zu beachten, inwiefern das jeweilige Narrativ den eigenen Handlungs- und Bewertungsrahmen spiegelt oder wer für wen spricht (Atkinson und Delamont, 2006: 166). Aufgrund der situativen Herstellung von Identität ist es ebenfalls in dem Forschungsvorhaben der vorliegenden Arbeit nicht unwahrscheinlich, dass sich die Geflüchteten genau in dieser Identität präsentieren und ihre Narrative vor allem danach konstruieren (Jokela-Pansini, 2016: 1468). Unter dem Gesichtspunkt ihrer Situativität muss ebenfalls die Herstellung der Interviewsituation mit in die Bewertung einbezogen werden. Deshalb wurden vor allem möglichst offene Interviewformen verwendet, um so viel wie möglich über die Identitätskonstitution des Gegenübers in Erfahrung zu bringen: „Ihr Ziel [der Interviewsituation] besteht darin, der interviewten Person Raum für kommunikative Selbstdarstellung zu eröffnen, um eigene Relevanzsetzungen zu ermöglichen.“ (Lucius-Hoene, 2010: 157) Trotzdem wird die Erzählsituation dahingehend beeinflusst, dass der Interviewte die Aufgabe erhält zu erzählen, demnach entspricht sie keinem Kommunikationsverlauf, der durch Aushandlungen der Situationen und Hierarchien geprägt ist (ebd.: 157). Abweichend von der Methodik eines narrativ-biografischen Interviews wurde bei der Auswahl der Fragen der Fokus systematisch auf die jeweiligen Heimatund Raumkonzeptionen der Interviewten gelegt. Absicht war es, die Entfaltung der Biografie entlang räumlicher Narrative zu initiieren.2 Eine feinsequenzielle Analyse des Transkriptionsmaterials hätte den Rahmen der vorliegenden Arbeit überschritten, sodass aus pragmatischen Gründen zur Beantwortung der Forschungsfragen die strukturierte Inhaltsanalyse nach Mayring (2008) herangezogen wurde, die eine Unterkategorie der qualitativen Inhaltsanalyse bildet. Mithilfe dieser Methode werden Typen oder formale Strukturen im Material 2 Aus den theoretischen Grundkonzepten sowie den Forschungsfragen abgeleitet wird ein Gerüst von Fragen entwickelt, das zur Orientierung dienen soll, jedoch trotzdem einen möglichst offenen Charakter hat und somit die Eigenpositionierung in Bezug auf die räumliche Identität der Befragten so wenig wie möglich behindert beziehungsweise beeinflusst (Pfaffenbach, 2007: 159). 4 Methodik 47 gesucht, die der Fragestellung beziehungsweise in diesem Falle der unter dem Text liegenden Prozesse der Selbstverortung und -positionierung entsprechen und vor dem Hintergrund der ausgearbeiteten Theorie identifiziert werden können. Dazu werden inhaltlich-thematische oder typisierende Strukturierungsdimensionen herausgefiltert und in einem Kategoriensystem zusammengefasst, die in jeweilige Unterkategorien, genannt Codes, zur detaillierteren Analyse ausdifferenziert werden. Prinzipiell wird beim Codieren angestrebt, „[…] einen Text aufzubrechen und zu verstehen und dabei Kategorien zu vergeben, zu entwickeln und im Lauf der Zeit in eine Ordnung zu bringen“ (Reuber und Pfaffenbach, 2005: 162). Dabei kann dieses Verfahren in drei Schritte unterteilt werden: Zu Anfang werden diejenigen Textpassagen definiert, welche eine mögliche Kategorie bilden könnten, wobei kontinuierlich der Bezug zum theoretischen Hintergrund und zur Fragestellung der Untersuchung gesucht wird. Infolgedessen werden die jeweiligen Kategorien durch Ankerbeispiele aus den Texten verfestigt, sodass es später möglich ist, sich an diesen zu orientieren. Sollte es bei bestimmten Kategorien zu Abgrenzungsproblemen kommen, müssen im dritten Schritt Codierregeln formuliert werden, um eine eindeutige Zuordnung gewährleisten zu können. Dieser Prozess wird in einem sogenannten Codierleitfaden festgehalten, welcher während der Auswertung durch neue Kategorien und Ankerbeispiele angereichert werden kann. Die eigentliche Analyse beginnt damit, das Material auf die einzelnen, während des Lesens des Interviewmaterials erstellten Kategorien hin zu untersuchen und diese im Text zu markieren (Mayring, 2002: 118ff). Diese Methode der qualitativen Inhaltsanalyse kann demnach sowohl als theorie- als auch textgebunden interpretiert werden, wobei die Kategorien aus dem Interviewmaterial entwickelt werden, jedoch vorher auf ihre Gebundenheit zum theoretischen Hintergrund hin überprüft werden. Um der Begebenheit eines Nicht-Ortes so nah wie möglich zu kommen, sollen als Untersuchungsgebiet Sammelunterkünfte für geflüchtete Menschen in Bochum dienen sowie Personen, die schon in Wohnungen leben und somit aus der Retrospektive über das Leben in Sammelunterkünften berichten und zu einem normalen Leben in Deutschland in Beziehung setzen können. Die Interviewten sollen dabei vor allem nach ihrem Verständnis von und ihrer Assoziation mit 4 Methodik 48 Heimat im Kontrast zur Sammelunterkunft als Aufenthaltsort befragt werden, wo sie sich selber bezüglich ihrer Identität verorten würden und was beziehungsweise ob etwas dazu beitragen könnte, dass sich ihre Identität in ihrem jetzigen Aufenthaltsort verankert. Dadurch soll vor allem herausgestellt werden, was zur Identifizierung mit bestimmten Raumeinheiten beitragen kann, jedoch auch, was es für die individuelle Identität bedeutet, in einem für einen selbst geschichtslosen Raum untergebracht zu sein. Im Zuge der Empiriephase wurden sechs Geflüchtete interviewt, zwei von ihnen lebten zum Zeitpunkt des Interviews in einer Sammelunterkunft, vier bekamen schon die Möglichkeit, eine Wohnung zu beziehen. Ihnen allen ist jedoch gemein, dass sie für mindestens drei Monate in einer oder verschiedenen Sammelunterkünften gewohnt haben und somit über ihre Erfahrung in solch einem Durchgangsort berichten konnten. Alle Befragten sind zwischen 20 und 30 Jahre alt. Die Auswahlkriterien waren vor allem die Beherrschung der englischen Sprache zur direkten Verständigung (das erste Interview fand mit einem Dolmetscher statt) und die erwähnte minimale Aufenthaltsdauer von drei Monaten in einer Sammelunterkunft. Der Feldzugang wurde vor allem über private Kontakte zu Personen hergestellt, die entweder professionell in die Geflüchtetenberatung involviert sind oder sich ehrenamtlich engagieren und somit eine grundlegende Vertrauensbasis geschaffen werden konnte. Im Folgenden werden die Interviewten zur Verbesserung der Kontextualisierung kurz vorgestellt3: Amit wohnt in einer Sammelunterkunft in Innenstadtnähe. Diese ist provisorisch in einer Turnhalle eingerichtet, in der etwa 30 Geflüchtete mit verschiedenen ethnischen und kulturellen Hintergründen leben, die jeweiligen Privatabschnitte sind mit Bauzäunen abgetrennt, der Eingang ist mit einer Decke verhangen. Amit hat sich zur Flucht aus seinem Herkunftsland Afghanistan aufgrund der Bedrohung durch die al-Qaida entschieden, durch seine Tätigkeit als Sicherheitsperson geriet er besonders in den Fokus der Organisation. Wie viele Geflüchtete fand er seinen Weg nach Deutschland über die Ägäis und die Balkanroute. 3 Die Namen der Interviewten sind zum Schutz ihrer Privatsphäre frei erfunden. 4 Methodik 49 Taufiq, der in Syrien Jura studiert hat und dort vor dem Bürgerkrieg in einer karitativen Organisation gearbeitet hat, hat aufgrund der für ihn bevorstehenden Wehrpflicht das Land verlassen und ebenfalls Deutschland über die Balkanroute erreicht. Er lebte, nachdem er in mehreren Unterkünften untergebracht war, etwa ein halbes Jahr in der gleichen Unterkunft wie Amit, bis er die Möglichkeit bekam, eine eigene Wohnung zu erhalten. Fath, der ebenfalls aus Syrien stammt und dort Touristik studiert hat, verließ das Land aus den gleichen Gründen wie Taufiq und nahm ebenfalls die Balkanroute. Aktuell lebt er in einer Schule, die behelfsmäßig als Sammelunterkunft umfunktioniert wurde, hält sich jedoch meist bei seinem jüngeren Bruder Ismail auf, der schon eine Wohnung gefunden hat und unabhängig von seinem Bruder nach Deutschland gekommen ist. Während seiner Flucht hat sich dieser über zwei Jahre in der Türkei aufgehalten. Sie beide haben zusammen in der Sammelunterkunft gewohnt, bis Ismail die Möglichkeit bekam, die Wohnung zu beziehen. Die aus dem Iran stammende Shirin ist die einzige weibliche Interviewte des Samples. Sie verließ ihr Herkunftsland zusammen mit ihrem Bruder und ihrer Mutter aufgrund ihres steigenden Interesses am Christentum und der daraus resultierenden Bedrohung, die von der Regierung ausging. Anders als die meisten Geflüchteten konnte sie ihren Weg nach Deutschland mit dem Flugzeug zurücklegen. Bevor sie eine Wohnung beziehen konnte, wurde sie innerhalb eines halben Jahres in vier unterschiedlichen Sammelunterkünften untergebracht. Halim verließ sein Herkunftsland Syrien ebenfalls auf eher ungewöhnlichem Wege. Bedingt durch seine offen gelebte Homosexualität entschloss er sich, das Land, begünstigt durch sein Studium der International Economics und der Arbeit bei der Exportfirma seiner Familie, erst in Richtung Libanon und Jordanien zu verlassen, bis er für längere Zeit in Uruguay lebte und arbeitete. Infolge seines Arbeitsplatzverlustes und politischer Veränderungen entschied er sich für einen Asylantrag in Deutschland. Seine Erfahrungen und Alltagspraktiken in den Sammelunterkünften sind vor allem geprägt von seinen Erfahrungen der Diskriminierung aufgrund seiner sexuellen Orientierung. Nun lebt er mit einem deutschstämmigen Freund zusammen. 4 Methodik 50 Neben der im Allgemeinen begrenzten Möglichkeit zur Generalisierung der Forschungsergebnisse, die aus dem gewählten qualitativen Methodenzweig hervorgeht, bestehen weitere Einschränkungen und Problematiken, die das Ergebnis verzerren könnten und bei der Betrachtung der Ergebnisse berücksichtigt werden sollten. Eine erhebliche Einschränkung bildete dabei die Auswahl der Interviewpartner*innen, die durch die bestehende Sprachbarriere einen stark selektiven Charakter besitzt. Da zum großen Teil lediglich mit Personen gesprochen wurde, welche die englische Sprache fließend beherrschen, kann davon ausgegangen werden, dass eine eindeutige Selektion hin zu Personen stattgefunden hat, die einen erhöhten Bildungsstand besitzen, was sich in den Vorgesprächen mit den jeweiligen Personen und der Erfragung ihrer Bildungsbiografie bestätigen lässt. Ein Großteil der Interviewten besaß einen Hochschulabschluss oder entschied sich, während der Erlangung ihres Abschlusses ihr Herkunftsland zu verlassen. Lediglich Amit, der aus Afghanistan kommt, hat nach eigenen Aussagen kaum Schulbildung erhalten und lässt sich demnach als weniger gebildet einstufen. Für diese befragte Person, die kein Englisch sprach, wurde ein Übersetzer hinzugezogen. Dabei kann man davon ausgehen, dass wortwörtliche Aussagen innerhalb des persönlichen Bewertungsund Interpretationsrahmens der übersetzenden Person geändert wurden oder verloren gingen, indem diese inhaltlich zusammengefasst worden sind. Prinzipiell lässt sich davon ausgehen, dass die beiderseitige Kommunikation, die nicht in der Muttersprache der jeweiligen Gesprächspartner*innen war, durch diesen Weg der Kommunikation verschoben worden ist und durch den jeweiligen unterschiedlichen kulturellen Handlungs- und Positionierungsrahmen unter Umständen unterschiedlich aufgefasst worden ist. Als weiterer erheblicher Faktor war fehlendes Vertrauen der Betroffenen in den Sammelunterkünften gegenüber der interviewenden Person. Ein ausgesprochen großer Teil der Personen, die um ein Interview gebeten wurden, verneinten mit dem Verweis auf ihre Bedenken, dadurch ihr noch laufendes Verfahren negativ zu beeinflussen. Stattdessen erklärten sich mehr Personen zu einem Interview bereit, die schon in einer Wohnung wohnen und einen meist sicheren Aufenthaltsstatus genossen. Aus diesem Grund berichten vier der sechs befragten Personen aus der Retrospektive, was auf der einen Seite weitere 4 Methodik 51 Verzerrungen nach sich ziehen könnte, jedoch auch den Vergleich zum Leben in einer Wohnung in Deutschland bietet und den Befragten und demnach auch der interviewenden Person eine weitere Perspektive ermöglicht. Im folgenden Kapitel werden die Ergebnisse dieser Analyse vorgestellt, die neben der theoretischen Grundlegung das Kernstück dieser Arbeit bilden und Antworten auf die gestellten Forschungsfragen bereithalten sollen. 4 Methodik 52

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Seit dem langen Sommer der Migration im Jahr 2015 und den damit zu Tage tretenden Unzulänglichkeiten des deutschen Asylsystems sind zahlreiche Asylsuchende in sogenannten Sammelunterkünften untergebracht. Diese Sammelunterkünfte können als mehr oder weniger provisorische Einrichtungen verstanden werden, besitzen jedoch immer den Charakter des temporären Aufenthalt bis zur Anerkennung als schutzbedürftige Person mit unterschiedlichem rechtlichen Status oder der Aberkennung dieses Status, die in die Abschiebung mündet. Die vorliegende Arbeit befasst sich im deutschen Kontext mit dem Phänomen der räumlich bezogenen Identität in solchen Transiträumen. Sie behandelt die Frage, wie sich der dauerhafte Aufenthalt im Transit, in Deutschland in den letzten Jahren Realität für Asylsuchende, auf die räumlich bezogene Identität auswirkt. Als theoretische Brille dient dabei der konzeptionelle Rahmen der Nicht-Orte, der eine raumbezogene Identität in Räumen des Übergangs in Zweifel zieht. Die vorliegende Arbeit leistet somit einen Beitrag zu der meist einseitigen Debatte um Unterbringung und Integration von Asylsuchenden und rückt dabei die Perspektive der Betroffenen deutscher Asylpolitik ins Zentrum der Analyse.