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1. Einleitung in:

Christoph Schlittenhardt

"Ganz Deutschland ruft Hurra", page 7 - 14

Zur literarischen Darstellung des Krieges in den Zeitungen und Zeitschriften von 1914

1. Edition 2017, ISBN print: 978-3-8288-4018-8, ISBN online: 978-3-8288-6773-4, https://doi.org/10.5771/9783828867734-7

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Germanistik, vol. 8

Tectum, Baden-Baden
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Einleitung „Und wenn ich hundert Jahre würde, diese Tage werd‘ ich nie vergessen! Es ist das Größte, was wir erlebt haben. Wir wußten nicht, daß so Großes erlebt werden kann. Noch vor drei Wochen wären wir unfähig gewesen, es uns auch nur vorzustellen. Dieses Gefühl, etwas erlebt zu haben, was wir selber noch gar nicht aussprechen können, überwältigt alle.“1 Diese von Hermann Bahr geschriebenen Zeilen erschienen am 14. August 1914 im Berliner Tageblatt als Reaktion auf den Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Sie sind Zeuge einer Euphorie, die aus heutiger Sicht nur schwer nachzuvollziehen ist, damals jedoch weite Teile der Bevölkerung umfasste. Sie fand ihren Ausdruck in einer Flut an patriotischer und von Euphorie geprägten Literatur, die von Autoren der unterschiedlichsten Schichten und Berufsgruppen geschrieben wurde. Sie alle waren erfasst von einem „merkwürdige[n] Rausch, den man später das ‚Augusterlebnis‘ nannte“2. Ziel dieser Arbeit ist es, zu untersuchen, wie umfassend sich dieser „latente Massenwahn“3, welcher die Menschen des Deutschen Reiches damals angeblich erfasste, in den Schriften äußerte und wie die literarische Darstellung des Ersten Weltkriegs in seiner Anfangsphase tatsächlich aussah. Gleichzeitig soll untersucht werden, welche Darstellungsmittel und Motive die Schriftsteller nutzten, um ihre Gefühle bezüglich des Krieges darzulegen. Dabei soll besonders auf gemeinsame Strukturen geachtet werden, um so die dominanten Diskurse in der Literatur dieser Zeit herauszufiltern. Es wird sich zeigen, inwieweit sich unter diesen Texten nicht auch bereits zu Beginn des Krieges eine literarische Opposition finden lässt, die sich der Aufbruchsstimmung und dem Patriotismus entzieht. Dies würde 1. 1 Hermann Bahr: Das deutsche Wesen ist uns erschienen. In: Berliner Tageblatt und Handels-Zeitung, Nr. 410 (14.08.1914), S. 2. 2 Matthias Matussek: Der Krieg der Dichter. In: Der Erste Weltkrieg. Geschichte einer Katastrophe, hg. von Annette Grossbongardt, Uwe Klussmann und Joachim Mohr, München 2014, S. 145-153, S. 145. 3 Wolfgang Rothe: Schriftsteller und totalitäre Welt. Bern/München 1966, S. 11. 7 der in der Forschungsliteratur stellenweise verbreiteten Meinung widersprechen, die ein Umdenken der Schriftsteller erst mit der zunehmenden Dauer des Krieges angibt.4 Zeitungen bildeten „das mit Abstand wichtigste Massenmedium“5 des Ersten Weltkriegs. Auch für die Kriegsliteratur waren Zeitungen und Zeitschriften die wichtigsten Medien, mit denen sie im Ersten Weltkrieg vertrieben wurde.6 Ihre Auflagenzahl nahm, nicht zuletzt aufgrund des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs, zu Beginn des 20. Jahrhunderts immens zu.7 Zudem übernahmen Zeitungen zunehmend Bereiche der Zeitschriften, wodurch sich auch verstärkt Literatur in Tageszeitungen finden lässt.8 Deshalb konzentriert sich diese Untersuchung auf sämtliche literarischen Texte aus ausgewählten Tages- und Frontzeitungen sowie einigen künstlerischen Zeitschriften, die im Zeitraum vom 1. August bis zum 31. Dezember 1914 erschienen sind. Ausschlaggebend für die Wahl der Zeitungen und Zeitschriften als Untersuchungsmedium ist weiterhin das Kriterium der Aktualität, welches die beiden Medien gemeinsam auszeichnet.9 Damit konnten Autoren auf aktuelle Ereignisse Bezug nehmen, wodurch die Rückschlüsse über die literarische Bewertung des Krieges präziser werden, da die Zeitspanne zwischen Entstehung und Verbreitung der Literatur in den Zeitungen äußerst gering war. So ist es auch möglich, auf eventuelle Veränderungen in der Darstellung einzelner Diskurse und Motive einzugehen, die sich innerhalb von nur wenigen Wochen vollzogen. 4 Vgl. Manuel Köppen: Das Entsetzen des Beobachters. Krieg und Medien im 19. und 20. Jahrhundert, Heidelberg 2005, S. 230. 5 Thomas Flemming/Bernd Ulrich: Heimatfront. Zwischen Kriegsbegeisterung und Hungersnot – wie die Deutschen den Ersten Weltkrieg erlebten, München 2014, S. 64. 6 Vgl. Helmut Fries: Die große Katharsis. Der Erste Weltkrieg in der Sicht deutscher Dichter und Gelehrter. Bd. 2: Euphorie – Entsetzen – Widerspruch: Die Schriftsteller 1914-1918, Konstanz 1995, S. 22. 7 Vgl. Heinz Pürer/Johannes Raabe: Presse in Deutschland. 3. Aufl., Konstanz 2007, S. 69. 8 Vgl. Georg Jäger: Zeitschriften. In: Geschichte des deutschen Buchhandels im 19. und 20. Jahrhundert. Bd. 1: das Kaiserreich 1871-1918, Teil 2, hg. im Auftrag der Historischen Kommission von Georg Jäger, Frankfurt/Main 2003, S. 368-389, S. 380. 9 Vgl. Gustav Frank/Madleen Podewski/Stefan Scherer: Kultur – Zeit – Schrift. Literatur und Kulturzeitschriften als „kleine Archive“. In: Internationales Archiv für Sozialgeschichte der deutschen Literatur 34 (2009), H. 2, S. 1-45, S. 2. 1. Einleitung 8 Durch die zunehmende Bedeutung von Zeitungen als Massenmedium entstanden auch Tageszeitungen für unterschiedliche Schichten der Bevölkerung, weshalb das Medium nicht mehr ausschließlich für die Bildungselite bestimmt war. So wurde auch bei der Auswahl der Quellen darauf geachtet, Titel aus verschiedenen politischen, ökonomischen und geografischen Richtungen zu berücksichtigen, um die Analyse möglichst repräsentativ zu gestalten. Dabei wurden insgesamt zehn regionale und überregionale Tageszeitungen berücksichtigt. Ergänzt wird der Korpus der Zeitungen von drei künstlerischen Zeitschriften. Zeitschriften bieten sich ebenso wie Zeitungen zur Untersuchung an, da sie sich laut Definition kaum von Zeitungen unterscheiden. Da sie sich jedoch auf bestimmte Themengebiete spezialisieren, wie eben zum Beispiel auf Literatur, finden sich hier zumeist anspruchsvollere Texte, die die weitgehend amateurhaft verfasste Trivialliteratur der Tageszeitungen ergänzen.10 Zusätzlich wurde Literatur aus vier Feldzeitungen gesammelt, um auch die Kriegsdarstellung in den Schriften von Soldaten, die den Krieg unmittelbar erlebten, bewerten zu können und so ein umfassenderes Gesamtbild zur Bewertung des Ersten Weltkriegs zu erhalten. Die Recherche in diesen Zeitungen führte zu einem Textkorpus, der aus insgesamt 535 Texten besteht. All diese Werke flossen zwar in die Auswertung der Diskurse ein, können jedoch aufgrund der Menge nicht ausnahmslos in dieser Arbeit besprochen werden. Deshalb werden die Diskurse anhand weniger repräsentativer Texte vorgestellt, die den zu erläuternden Aspekt in besonderem Maße hervorheben. Die Analyse der literarischen Quelle gestaltet sich allerdings problematisch. Denn die Veröffentlichung der Kriegsliteratur erfolgte oftmals ohne Angabe eines Verfassers oder lediglich unter Angabe von Initialen oder Pseudonymen. Deshalb ist eine vollständige Quellenangabe nicht bei allen Werken möglich, obwohl die Zeitungsausgaben als digitalisierte Originalausgaben vorlagen. In solchen Fällen werden die Autoren als anonym beziehungsweise „Anon.“ bezeichnet oder es werden die angegebenen Initialen als Verfasser aufgeführt. Auch die Angabe von Seitenzahlen ist bei Texten aus bestimmten Zeitschriften nicht 10 Vgl. Gustav Frank/Madleen Podewski/Stefan Scherer: Kultur – Zeit – Schrift. Literatur und Kulturzeitschriften als „kleine Archive“. In: Internationales Archiv für Sozialgeschichte der deutschen Literatur 34 (2009), H. 2, S. 1-45, S. 2. 1. Einleitung 9 möglich, da sie bei den jeweiligen Digitalisierungsprojekten nicht mit angegeben wurden. Ein Großteil der im Rahmen der Recherchen vorgefundenen Texte stammt aus dem Berliner Tageblatt. Dieses erschien zweimal täglich und bildete mit einer Auflage von bis zu 245.000 Ausgaben in Kriegszeiten eine der führenden Tageszeitungen im Deutschen.11 Die größte untersuchte Zeitschrift bildet der Simplicissimus, welche „die bis heute prominenteste deutsche politisch-satirische Wochenschrift“12 darstellt. Sie vollführte allerdings nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges einen politischen Richtungswechsel, da es „in diesen Tagen der deutschen Erhebung eine Kritik innerpolitischer Vorgänge selbstverständlich nicht mehr gibt“13, wie die Redaktion damals selbst verkündete. Bezüglich der Fronttexte bot die Liller Kriegszeitung die ergiebigste Quelle. Sie zählte zu den beliebtesten Frontzeitungen ihrer Zeit und wurde von professionellen Publizisten betreut. Ihre Auflage bestand im Durchschnitt aus 75.000 Exemplaren, wodurch sie nicht nur die prominenteste, sondern auch zugleich die größte Frontzeitung bildete.14 Die Werke der Kriegsliteratur aus diesen Zeitungen bilden ein Konglomerat aus den unterschiedlichsten Gattungen, welche zu Beginn dieser Arbeit kurz vorgestellt werden sollen. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei darauf, warum spezielle Gattungen signifikant häufiger genutzt wurden als andere. Dabei werden sowohl die Vorteile für die Autoren als auch für die Medien berücksichtigt. Weiterhin wird es interessant sein zu beobachten, ob in einzelnen Gattungen besonders häufig bestimmte Diskurse auftreten, die sich in anderen Gattungen nicht nachweisen lassen. Für die Analyse dieser Diskurse, welche den Hauptteil dieser Arbeit bildet, wird zunächst zwischen affirmativen und oppositionellen Texten unterschieden. Interessant wird hierbei sein, ob sich bei diesen Werken mit entgegengesetzten Intentionen die Diskurse überschnei- 11 Vgl. Bernhard Rosenberger: Zeitungen als Kriegstreiber? Die Rolle der Presse im Vorfeld des Ersten Weltkriegs, Köln 1998, S. 116. 12 Hans Zimmermann: Über die Zeitschrift. In: Simplicissimus, http://www.simplicissimus.info/index.php?id=9, Datum des Zugriffs: 09.01.2017. 13 Die Redaktion: An unsere Leser. In: Simplicissimus 19 (1914), S. 314. 14 Anne Lipp: Meinungslenkung im Krieg. Kriegserfahrungen deutscher Soldaten und ihre Deutung 1914-1918, Göttingen 2003, S. 42. 1. Einleitung 10 den und inwiefern die gleichen Motive dabei auf unterschiedliche Art inszeniert werden. Zudem werden die Diskurse der Frontliteratur ebenfalls gesondert betrachtet, da die unmittelbar dem Kriegsgeschehen ausgesetzten Soldaten einen anderen Zugang zum Krieg hatten und ihn deshalb auch auf unterschiedliche Weise darstellten. Auch hier soll dennoch bei gleichen Diskursen ein Vergleich zur Nutzung in der Heimatliteratur erfolgen. In einem abschließenden Kapitel soll noch einmal auf die Funktion der Kriegsliteratur eingegangen werden. Denn die Literatur im Ersten Weltkrieg war nicht nur bloßer Ausdruck von Gefühlen, sondern sie sollte abhängig vom Interessenten unterschiedliche Zwecke erfüllen. So verfolgten die Politik und die Medien mit der Publikation andere Ziele, als die Autoren, die die Kriegsliteratur verfassten. Als methodischen Zugang zum Thema der Kriegsliteratur des Ersten Weltkriegs bietet sich der von Stephen Greenblatt geprägte New Historicism an. Diese interdisziplinäre Methode orientiert sich an Foucaults Diskursanalyse, der zufolge Diskurse die verbindenden Elemente zwischen einzelnen Texten bilden, wodurch dieser in ein Gesamtgefüge eingeordnet werden kann.15 Auch im New Historicism wird der Text nicht isoliert gesehen, sondern als ein Teil eines kulturellen Gesamtbildes, welches durch die Zusammenfügung einzelner Diskurse entsteht. Die Aufgabe dieser Methode besteht darin, die einzelnen Diskurse, die die Literatur einer Epoche prägen, aufzufinden und nachzuweisen. Mit Hilfe des New Historicism ist es daher möglich, die bestimmenden Motive der Kriegsliteratur von 1914 herauszufinden und die Texte entsprechend in eine übergeordnete Gesamtstruktur einzuordnen. Dabei ist es wichtig, neben der kanonischen Literatur auch andere, dilettantische Werke aus der gleichen Zeit in die Analyse mit einzubeziehen, weshalb in dieser Arbeit sämtliche Literatur, die aufgefunden wurde, für die Auswertung der Diskurse berücksichtigt wird. Denn „gerade die Beschäftigung mit einem nicht kanonisierten, durch keine Agenturen der historischen Selektion gefilterten Textkorpus vermag zu zeigen, wie sehr die literarische Produktion eines Zeitraums von ihren politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Koordinaten 15 Vgl. Moritz Baßler: Einleitung. In: New Historicism, hg. von Moritz Baßler, 2. Aufl., Tübingen/Basel 2001, S. 7-28, S. 14. 1. Einleitung 11 geprägt ist – und inwiefern sie prägend wirken sollte.“16 Die dadurch entstandene Fülle an Material wird durch die Einordnung in Strukturen systematisiert, die sich aus der Analyse der einzelnen Diskurse aus den Texten heraus ergeben. Zugleich versucht die Arbeit mit dieser Untersuchung eine Lücke in der Forschung zur deutschen Literatur aus dem Ersten Weltkrieg zu schließen, da sich diese entweder auf kanonische Literatur, einzelne Gattungen, wie zum Beispiel die Frontliteratur, oder auf einzelne Zeitschriften beziehen. Eine übergreifende Analyse steht jedoch in der gegenwärtigen Literaturwissenschaft noch aus. Dennoch bietet die aktuelle Forschungsliteratur wertvolle Ergänzungen zu der vorliegenden Untersuchung, sodass ihre Erkenntnisse für die Bewertung der Ergebnisse dieser Arbeit genutzt werden sollen. Dabei wird sowohl auf nationale als auch auf internationale Forschungsliteratur zurückgegriffen, um auch die Bewertung der deutschen Kriegsliteratur aus einem anderen Blickwinkel in die Analyse der literarischen Darstellung einfließen zu lassen. Ergänzend zur Methode des New Historicism wird auch der Ansatz der Zeitschriftenforschung verfolgt, nach dem der Text ebenfalls nicht als isoliertes Element angesehen wird, sondern im Kontext zu anderen Texten, die sich um ihn herum im gleichen Publikationsort befinden.17 Dies wird besonders wichtig sein, wenn es darum geht, die wahre Intention eines Werks herauszufinden, da vor allem oppositionelle Autoren ihre Kritik verschleierten. Gleichzeitig werden durch diesen Forschungsansatz weitere Funktionen der Kriegsliteratur ersichtlich, worauf genauer im abschließenden Kapitel der Arbeit eingegangen wird. Unter Verwendung dieser vorgestellten Methoden soll nun im Folgenden die Kriegsliteratur aus den Zeitungen und Zeitschriften von 1914 analysiert werden. Obwohl ein solches Projekt keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben kann, da selbst zeitgenössische Versuche einer vollständigen Katalogisierung der Kriegsliteratur aufgrund der 16 Eberhard Sauermann: Der Schützengraben in der Lyrik des 20. Jahrhunderts und in der Realität des Kriegs. In: Internationales Archiv für Sozialgeschichte der deutschen Literatur 30 (2005), H. 2, S. 62-103, S. 74. 17 Vgl. Frank/Podewski/Scherer: Kultur – Zeit – Schrift 2009, S. 13. 1. Einleitung 12 enormen Menge scheiterten18, wurde versucht, die Untersuchung durch die Berücksichtigung möglichst unterschiedlicher Quellen so repräsentativ wie möglich zu gestalten. So wird sich zeigen, ob die zeitgenössische Aussage „Ganz Deutschland ruft Hurra“19 tatsächlich zutrifft, oder ob es nicht schon zu Beginn eine literarische Opposition gab und mit welchen Diskursen die Autoren ihre Ansichten vermittelten. 18 Vgl. Thomas F. Schneider: Zur deutschen Kriegsliteratur im Ersten Weltkrieg. In: Kriegserlebnis und Legendenbildung: das Bild des „modernen“ Krieges in Literatur, Theater, Photographie und Film, Bd. 1: Vor dem Ersten Weltkrieg; der Erste Weltkrieg, hg. von Thomas F. Schneider, Osnabrück 1999, S. 101-114, S. 105. 19 Theodor Birt: Germania auf dem Niederwald. In: Oberhessische Zeitung, 22.08.1914. 1. Einleitung 13

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References

Zusammenfassung

Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs führte zu einer enormen Flut an Literatur. Überall im Deutschen Reich berichteten Schriftsteller von einer umfassenden Euphorie, die ihre Zeitgenossen 1914 ergriffen hatte. Doch nicht nur gestandene Autoren, sondern auch Menschen aus den unterschiedlichsten Schichten veröffentlichten Texte, die ihre tiefsten Emotionen enthielten. Gerade diese vermeintlich dilettantischen Texte, sowohl von der Front als auch aus der Heimat, liefern einen ungefilterten Blick auf die Hoffnungen und Ängste in den ersten Wochen des Krieges.

Christoph Schlittenhardt bietet erstmals eine umfassende Analyse der Kriegsliteratur zu Beginn des Ersten Weltkriegs, die sich nicht nur auf einzelne Zeitungen, Gattungen oder Stilrichtungen beschränkt. Aus ausgewählten Zeitungen wurden Hunderte literarische Texte von Kriegsbeginn bis Ende 1914 gesammelt, um die wichtigsten Motive dieser Zeit zu identifizieren und auf ihre Funktion hin zu analysieren. Dies ermöglicht nicht nur die Dokumentation einer Entwicklung von einer anfänglichen Euphorie bis hin zu einer Ernüchterung, die viel schneller eintritt, als es ein Blick in die kanonische Literatur vermuten lässt. Vielmehr tritt dadurch eine literarische Opposition hervor, die von Beginn an bestand und die Menschen über die wahren Schrecken des Krieges aufklären wollte.