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Ludger Eversmann

Die Große Digitalmaschinerie, page 1 - 12

Zur Rekonstruktion des Historischen Materialismus mit den Mitteln der Computerwissenschaften

1. Edition 2017, ISBN print: 978-3-8288-4038-6, ISBN online: 978-3-8288-6756-7, https://doi.org/10.5771/9783828867567-1

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
Ludger Eversmann Die Große Digitalmaschinerie Ludger Eversmann Die Große Digitalmaschinerie Zur Rekonstruktion des Historischen Materialismus mit den Mitteln der Computerwissenschaften Tectum Verlag Ludger Eversmann Die Große Digitalmaschinerie Zur Rekonstruktion des Historischen Materialismus mit den Mitteln der Computerwissenschaften © Tectum Verlag - ein Verlag in der N om os VerlagsgesellschaS, Baden-Baden 2017 ISBN: 978-3-8288-6756-7 (Dieser Titel ist zugleich als gedrucktes W erk unter der ISBN 978-3-8288-4038-6 und als ePub unter der ISBN 978-3-8288-6757-4 im Tectum V erlag erschienen.) Umschlaggestaltung: Tectum Verlag, unter Verwendung des Bildes # 93450080 von Paul Sakuma, picture alliance / AP Besuchen Sie uns im Internet www.tectum-verlag.de Bibliografische Informationen der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Angaben sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar. Die Arbeitsmittel sind nicht nur Gradmesser der Entwicklung der menschlichen Arbeitskraft, sondern auch Anzeiger der gesellschaftlichen Verhältnisse, worin gearbeitet wird. Karl Marx Wir müssen die Eigentumsfrage stellen. Denn die Automatisierung ist nur dann ein Horrorszenario, wenn man innerhalb der kapi talistischen Logik denkt. Sie könnte ein Paradies sein, wenn die Maschinen allen gehörten. Patrick Spät GROUP ORDER 1 290' 0RDER*m i3 100%-SlLK ORDER #1437 I00%SHK ORDER #4343 100%SHK 100 UNITS 1 UNIT 1 UNIT GROUP ORDER 2 291J ORDER #4321 10Ü%COTTON ORDER # 4394 100% COTTON ORDER #917 100%COTTON 5 UNITS 1UNE 40 UNITS 17Q t - : \ \ QC ! \ Station , n n n n n A ,o o o □ y \ / —a Packing Station <7 zw Amazon’s Textilfabrik IN H ALT Vorw ort................................................................................................................................9 Einleitung.......................................................................................................................... 13 Ein Kantischer W ertehorizont........................................................................................33 Normative Implikationen des M enschenbildes.................................................... 41 Das Kantische und das Aristotelische G ute............................................................ 48 Menschenwürde, Freiheit und Notwendigkeit......................................................51 Vernunft und Autonom ie.......................................................................................... 56 Rationalität................................................................................................................... 58 Kultur..............................................................................................................................61 W issenschaftstheorie.................................................................................................63 Ästhetik......................................................................................................................... 67 Grundlegende Begriffe und Annahm en....................................................................... 75 Poietische und Praktische Handlungen...................................................................75 Dispositive und exekutive (funktionale) Handlungen...........................................75 Automatisierbare und nichtautomatisierbare (Arbeits-)Handlungen...............76 Wertschöpfung und W erteverzehr..........................................................................76 Zielsetzungsautorität..................................................................................................76 Grenzen der Automatisierbarkeit.............................................................................76 Endliche und nichtendliche Bedürfnisse.................................................................78 Rationale Bedürfnisse.................................................................................................78 Objektive (nichtteilbare) und subjektive (teilbare) W erte ..................................79 Vermehrbare und nichtvermehrbare G ü ter.......................................................... 79 Automatisierbare Ökonom ie.....................................................................................79 Ziele der Ökonom ie.................................................................................................... 80 Marktökonomie und Autom ation............................................................................80 Sicherung der Funktionsfähigkeit.............................................................................81 Nichtautomatisierbare Ökonomie............................................................................81 Transform ation............................................................................................................82 [7] Kapitalismus: Blüte, Degeneration und Götterdämmerung...................................... 85 Krisentheorien.............................................................................................................87 Die Krise der Realwirtschaft................................................................................. 89 Das Goldene Zeitalter........................................................................................90 Die Krise der Eurozone......................................................................................96 Kondratieff, Rostow ,Toffler.............................................................................98 Die Bankenkrise.................................................................................................... 102 Die Krise der öffentlichen H aushalte................................................................113 Die Krise der Institutionen und der öffentlichen M einung.......................... 117 Neoliberalism us.........................................................................................................133 Die Krise der Intellektuellen - Kritik ohne Lösungen..........................................140 Neue politische Ökonomie mit „Commons" und „Open Source Ecology"?.. 157 Im Maschinenraum: Die Emergenz produktiver Universalität................................171 Digitale Fabrikation...................................................................................................174 Lehren aus dem M aschinenfragment................................................................... 195 Make or buy or buy the m aker............................................................................... 208 Evolution der Produktionssysteme im Wandel des M arktumfeldes...............219 Automobilproduktion gestern, heute und m orgen............................................230 Chancen für Start-Ups und Unternehm ensgründer?........................................ 242 Seif Sufficient Cities? Smart C ities?....................................................................... 250 Ausblick: Keine Plünderung der Erde!...................................................................257 Weltfabrik und W eltzivilisation................................................................................... 261 Perspektiven des tertiären Sektors....................................................................... 272 Arbeitsmittel und ihre ökonomischen Epochen................................................. 277 E p ilo g ...............................................................................................................................282 Literatur und L in k s........................................................................................................ 285 Abbildungen .................................................................................................................. 298 [8] V O R W O R T Lebt die Welt schon bald im „Maschinopozän“? Der israelische Historiker Yuval Noah Harari findet mit dieser Deutung seiner „kurzen Geschichte von Morgen“ große publizistische Aufmerksamkeit. Die sinnstiftende Erzählung der „Digitalmo derne“ ist der „Dataismus“: Datenfluten und die sie auswertenden Algorithmen be herrschen die Menschenwelt, und geben ihr einen Sinn, den die Menschen nicht ver stehen müssen. Auf der CeBIT desjahres 2017 präsentierte der japanische Premierminister Shinzo Abe den Entwurf seines Landes für das „fünfte Zeitalter der Menschheitsgeschichte“, die „Gesellschaft 5.0“. Darunter versteht man in Japan die „Integration von Senso ren, Robotern, Big Data und Cloud Computing in die Gesellschaft, um die Lebens qualität zu verbessern und das Wirtschaftswachstum anzukurbeln“.1 Wachstum ankurbeln — das klingt vertraut. So wenig man auch weiß über das „fünfte Zeitalter derMenschheitsgeschichte“, die „Gesellschaft 5.0“ oder die „kurze Geschichte von morgen“, so doch scheinbar dies: ein Wirtschaftswachstum wird schon dazugehören. Warum — vielleicht, weil Daten für die Tech-Konzerne dann zu Geld werden können. Aber entsteht so Lebensqualität? Yuval Noah Harari schreibt dazu in seinem Buch „Homo Deus“, die Algorithmisierung der Gesellschaft erodiere die Autonomie des Einzelnen; der Mensch werde so entmündigt. Das „Smart Home“ wird zu einer Fabrikhalle, in der Daten produziert werden, schreibt der jungejournalist Adrian Lobe in der ZEIT. Und noch die Kapitalismus kritik selber, der politische Diskurs, diffundiere auf Facebook oder Google zu „Treib stoff für die riesige Datenmaschinerie“ — weil „die Tech-Konzerne damit nur ein paar Werbedollar mehr verdienen. Es ist diese Kapitalisierung des Diskurses, die jeden Protest in den Serverfarmen diffundieren lässt.“ Es wäre zu wünschen, dass die Politik diesen Techno-Utopien eine Erzählung ent gegensetzt, sagt Lobe, eine positive Erzählung, „die nicht nur die Gefahren der Au tomatisierung beschwört, sondern auch das Menschsein in einer maschinellen Welt fabrik betont.“2 Betonung des Menschseins? Wenn damit gemeint ist, die Autonomie und die Würde des Menschen zu betonen und anzuerkennen, sollte es durchaus möglich sein, eine „maschinelle Weltfabrik“ zu beschreiben, in der der Mensch ihr sinnstiftender Mittelpunkt ist, auch ihr Schöpfer; und ihr Nutznießer, der sie nutzen darf zu legiti men Zwecken. Dann geht es auch nicht mehr um ewiges Wachstum. Wirtschafts wachstum ist kein Selbstzweck, und auch die Wirtschaft ist nicht Selbstzweck, son dern soll dem Menschen dienen. Letzter und einziger Zweck allen Wirtschaftens ist der Konsum, sagte Adam Smith, der zweckdienliche Gebrauch. Einen letzten Zweck in sich selber hat nur der durch seine unantastbare Würde ausgezeichnete Mensch. 1 A. Lobe: Japans smarte Utopie. Die ZEIT online vom 9.4.2017 2 A. Lobe: Is td ie M enschheitbald am Ende... Die ZEIT online vom 10.4.2017 [9] Um die entstehende maschinelle Weltfabrik aber in diesem Sinne nutzbar zu ma chen, wird sie sich in einem entscheidenden Punkt unterscheiden müssen von allen bisherigen maschinellen Fabriken. In aller uns bisher bekannten industrialisierten Ökonomie brachte die einzelne spe zialisierte Fabrik das individuelle Wirtschaftsgut hervor, das dem Konsumenten den individuellen Nutzen stiftet. Viele spezialisierte private Fabriken im Wettbewerb brachten viele Wirtschaftsgüter hervor, in der Summe diese Marxsche „ungeheure Warensammlung“, die den Kapitalismus kennzeichnet, und der Gesellschaft den größtmöglichen Nutzen stiften soll. Allokiert wurden diese Güter über den Markt. Vor unseren Augen entsteht aber nun eine universale digitalisierte Weltfabrik, und dies nicht etwa nur in dem allegorischen Sinne, den Journalisten oder Philosophen diesem Begriff gerne unterlegen. Ein Beispiel: Im April desjahres 2017 gewann der Versandhändler Amazon, auf dem besten Wege zu einem weltweite Warenströme beherrschenden Monopolisten zu werden, ein Patent auf ein vollautomatisches Fab rikationssystem zur Herstellung von Bekleidung.3 Die Kunden wählen im Internet das Design ihres Wunschartikels, in diesem Fall das Bekleidungsstück, passen es ihren Wünschen und Bedürfnissen an, und geben seine Produktion in Auftrag. Die maschi nelle Fabrik erstellt dann universal (fast) jedes beliebige Kleidungsstück. So etwas ist sicher eine tolle Sache für die Kunden. Aber es liegt darin eine Gefahr: es unterstützt leider auch die Tendenz zur Bildung eines sogenannten natürlichen Monopols, denn der erste Anbieter, der ein solches weltumspannendes System instal liert, ist von seiner Marktposition kaum noch zu verdrängen. Nicht nur, weil diese Möglichkeit in einer kapitalistischen Ökonomie trotzdem immer besteht, ist er mehr oder weniger gezwungen, Monopolpreise durchzusetzen, so weit und so lange es ihm möglich ist. Und das ist dann keine tolle Sache mehr für die Kunden. Dieses Fabrikationssystem von Amazon ist nun nicht etwa ein Unikat, sondern, ganz im Gegenteil: es stellt gewissermaßen einen (bisherigen) Gipfelpunkt der Evo lution von Fertigungssystemen dar, dem die gesamte industrielle Produktion bereits seit Jahrzehnten folgt. Das Prinzip heißt: Produktion on demand, hochflexibel und möglichst universal, dezentral und klein. Amazon ist nur der Trendsetter. Darum sehen wir hier in nuce große Chance, Gefahr — und kritischen Scheidepunkt: entweder die Öffentlichkeit, die Menschen als Verbraucher übernehmen Betrieb und Nutzung dieser maschinellen Produktionssysteme selber, vertreten durch demokra tisch legitimierte Organe, oder — der Kapitalismus siegt sich vollends zu Tode. Vor gut zwanzigJahren wurde in Deutschland einmal eine Revolution ausgerufen. Die deutsche Wirtschaftsinformatik, eigentlich eher konservative Professoren, hatte die „Vollautomation des Unternehmens“ proklamiert. Auch die amerikanische ACM, die AssoyiationforComputingM achinery, hatte sich forschend die Frage gestellt, was die Information "Technology eigentlich treibt und will, und fand: sie will immer nur das gleiche — alles automatisieren, was irgendwie automatisiert werden kann. 3 Detailing A m azon’s Custom-Clothing Patent: Bericht der N ew York Times vom 30.04.2017. https://www.nytimes.com/2017/04/30/technology/detailing-amazons-custom-clothing-patent.html [Stand 1.07.2017] [10] Diesen Trend hatte schon Karl Marx erkannt, wie man sich heute auch etwa aus Anlass des 150.Jahrestages der Kapital-Veröffentlichung nur zu gut erinnert. In sei nem „Maschinenfragment“ sah Marx dadurch die bürgerliche Gesellschaft eines Ta ges „in die Tuft gesprengt“. Wie aber das nun genau vor sich gehen soll, konnte weder Marx genauer beschreiben, noch wäre dies bisher in den Debatten um das Ende des Kapitalismus deutlich geworden. Offensichtlich spielt die Automation eine zentrale Rolle, aber man weiß nicht genau wie.4 Wie mir damals genauere Betrachtung zeigte, entfaltet sich der Begriff Automation in gwei Dimensionen: Produktivität und Universalität. Ich hatte als Kind der Utopie gläubigen 1968erjahre irgendwie zur Informatik gefunden, und schrieb später meine Doktorarbeit über diese proklamierte Vollautomation des Unternehmens. Gedank lich weniger von Marx geleitet als etwa von Kant und der Vernunftphilosophie fand ich, dass ein vollautomatisiertes Unternehmen eigentlich kein Unternehmen mehr ist, sondern ein Automat. Da aber nun die Automaten der Informatik notwendigerweise universale Automaten sind — ohne die Universale Turing Maschine gäbe es keine Computer, und ohne die keine Informatik —, kam ich zu dem Schluss, dass ein Auto mat, der einmal ein Unternehmen war, auch ein universaler Automat sein muss, in dem Fall also eine universale Fabrikationsmaschine, denn sonst könnte er — normativ beschrieben — das Unternehmen als Wohlstand erzeugende Instanz nicht ersetzen. Meine Doktorarbeit wurde angenommen; allerdings gab es damit noch keine uni versale Fabrikationsmaschine. Aber wie gerufen betrat dann einigejahre später Neil Gershenfeld die Bühne, Informatik-Professor am berühmten MIT5, der auch als Phy siker auf dem Feld der Nanotechnologie mit Nano-Bots geforscht hatte, und erklärte die universale Fabrikationsmaschine zum nächsten großen Thema der Informatik, zum N extBig Thing. Seine neue Wissenschaft der Informatik nannte er Science o f Digital Fahrication, ihr Forschungsgegenstand sei die UniversalDesktop Fabrication oder der Per sonal Fabricator, und jeder macht sich damit selber anything, anytime, anywhere. Aus der Automatisierung wurde dadurch die Digitalisierung. Die Idee der Universalen Digitalen Fabrikation war damit geboren. Aber sie muss nun noch recht verstanden werden, sowohl in ihrer Verursachung, als auch in ihren — positiven wie negativen — Potenzialen.6 Wie im Brennglas werden diese sichtbar in der vollautomatischen Textilproduktion des Versandhändlers Amazon: das System ist zwar (noch) spezialisiert auf die Produktion von Textilien, von diesen kann aber universal, also so gut wie jedes beliebige Teil auf Knopfdruck hergestellt werden; es werden nur die in digitaler Form abgelegten Produktmodelle benötigt. Und genau darum braucht es kein spezialisiertes Textil-Unternehmen mehr, um so ein System zu betreiben: jeder kann es betreiben, auch ein privater Versandhändler, oder eben, am besten, mit dem größten Wohlfahrtseffekt: die Verbraucher „selber“. 4 Vgl. dazu auch die von M. Grefrath herausgegebene Sammlung von „neuen Lektüren des Kapital“ . RE: Das Kapital. München 2017 5 M assachusetts Institute ofTechnology, in Cambridge, Massachusetts, USA. 6 Ein Kolloquium, das am 4. Juni 2016 in Leipzig stattfand, bemühte sich um ein Verständnis der Bedeutung der „digitalen Revolution“ für die „sozialen Verhältnisse des 21. Jahrhunderts“ . Über die Feststellung hinaus, dass die „digitale Revolution“ oder die „Industrie 4.0“ m it „fundamentalen Veränderungen in den Produktions und Lebenswelten“ in verursachendem Zusammenhang steht, hat man sich der Frage, was „das Bestimmende“ sei an diesen Veränderungen, offenbar kaum weiter annähem können. Vgl. Janke / Leibiger (Hrsg.) (2017). [11] Digitalisierung ist nun irgendwie in, ohne dass man recht wüsste, warum. Wer von Digitalisierung spricht, auf vielerlei Konferenzen, meint damit etwas, das man nicht verpassen darf, sonst wird man abgehängt. Es müsse sich eben alles vernetzen, sagte Premierminister Abe auf der CeBIT. Auch wer sich nicht upgradet, wird abgehängt. Die Industrie soll die Vierte Industrielle Revolution nicht verpassen, und alle ändern sollen Digitalunternehmer werden und Start-Ups gründen. Ja, Start-Ups gründen — die Gründung eines Start-Ups ist tatsächlich nicht automatisierbar. Das Scheitern der großen Mehrheit aller Start-Up-Versuche ist allerdings so gut wie vor-programmiert. Die Idee der Vollautomation indes taucht wieder auf bei jungen Revolutionären, die die verlorene Zukunft wieder entdecken wollen. „Künftig soll niemand mehr ar beiten müssen!“, schreiben sie sich auf die Fahnen. Und sie wissen möglicherweise nichts von dem Automationsplan der deutschen Wirtschaftsinformatik, von der Di gitalen Fabrikation, oder von Marx‘ Maschinenfragment. Ist das aber nun die Erzählung des „Maschinopozäns“? Vollautomation? Niemand soll mehr arbeiten? Die Erzählung ist die, dass die ehemals private Maschinerie der „großen Industrie“ im Verlauf der Digitalisierung öffentlich und gesellschaftlich wird (genauer: werden muss). Sie muss dazu nicht per politischem Dekret erklärt werden, denn sie kann nur auf diese Weise ihren wohlstandserweiternden und ihrer Funktionsweise eingeschrie benen Zweck erfüllen. Genau diese weltweit vernetzte digitale Maschinerie hervor zubringen, war der Kapitalismus „transitorisch notwendig“. Wenn die Menschen, die Gesellschaften diesen Zusammenhang erkennen und die weltweite digitale Maschi nerie dieser ihr ureigensten Bestimmung zuführen, dann kann es sein, dass die Welt fabrik zu einer großen automatischen Maschine für alle Menschen, und zur Grund lage einer verbesserten Chance für das bonum humanum geworden ist. Sie muss dann tatsächlich für alle da sein und kann nicht an der Börse gehandelt werden, so wenig wie die ganze Welt an der Börse gehandelt werden kann. Dann kann das „fünfte Zeitalter der Menschheitsgeschichte“ beginnen, die Gesellschaft 5.0. Ist diese Erzählung Historischer Materialismus? Jürgen Habermas legte vor über 40 Jahren seine Bemühungen um eine Rekonstruktion des Historischen Materialis mus vor. Dessen Tradition sah Habermas damals noch nicht verschüttet, weshalb der Marxismus eine „Renaissance nicht nötig“ habe. Aber eine Rekonstruktion: „Das be deutet in unserem Zusammenhang, dass man eine Theorie auseinandernimmt und in neuer Form wieder zusammensetzt, um das Ziel, das sie sich gesetzt hat, besser zu erreichen: das ist der normale (ich meine: auch für Marxisten normale) Umgang mit einer Theorie, die in mancher Hinsicht der Revision bedarf, deren Anregungspoten tial aber noch (immer) nicht erschöpft ist.“ In der Tat ist das Anregungspotential des Marxismus spätestens nach der Finanz krise ab 2008 wiederentdeckt worden. Aber vielleicht kommt der entscheidende Im puls zu einer Wieder- oder auch erst Neubelebung der zuerst von Marx ausgespro chenen und ausgearbeiteten Ideen und Hoffnungen aus ganz anderen Wissensquellen als jenen, in denen Marx, Marxisten nach ihm, Ökonomen, Soziologen, Psychologen, Politologen und Philosophen danach je gesucht haben. [12]

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References

Zusammenfassung

Die Philosophie will belehren und erziehen und ein besonderer Ort des Nachdenkens über die Welt sein – des Nachdenkens darüber, was aus einer Person, einer Gesellschaft oder der Welt werden kann. So schildert der Philosoph Michael Hampe den Sinn der „Lehren der Philosophie“.

Aber die Philosophen verfügen nicht über die Mittel der Fachwissenschaften, um diese Welt zu verändern und aktiv dazu beizutragen, dass aus ihr wird, was aus ihr werden kann.

Ludger Eversmann hat darum diese „grundsätzliche Reflexion über Entwicklungsziele mit notwendigerweise utopischem Charakter“, die in der Philosophie stattfindet, nach Jahren der ergebnislosen Suche zur Informatik geführt. Hier wurden und werden offenbar die für die heutige Zeit wichtigsten Mittel hervorgebracht, um aus unserer Welt das zu machen, was aus ihr werden kann.

Während die Begriffe Automat oder Automation zum Alltagswissen gehören, wird meistens nicht verstanden, dass es sich bei den Automaten der Informatik um universale Automaten handelt. In der Universalität dieser Automaten ist der Keim dessen angelegt, was aus den Automaten und Robotern der Industriefabriken werden kann: universale Fabrikationsautomaten und -systeme. Universale Fabrikationssysteme aber verändern die Welt.

Sie beenden den Kapitalismus. Sie machen aus der Welt, den Menschen und den Gesellschaften das, was aus ihnen werden kann.