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KONSTANTIN SCHNEIDER, Cluster und Clusterinitiativen in der Kultur- und Kreativwirtschaft in:

David Maier (Ed.)

KULTUR WIRTSCHAFT RLP, page 75 - 84

TEXTE ÜBER DIE KULTURWIRTSCHAFT IN RHEINLAND-PFALZ

1. Edition 2017, ISBN print: 978-3-8288-3905-2, ISBN online: 978-3-8288-6744-4, https://doi.org/10.5771/9783828867444-75

Tectum, Baden-Baden
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Cluster und Clusterinitiativen in der Kultur- und Kreativwirtschaft KONSTANTIN SCHNEIDER Einleitung Clusterinitiativen, vereinfacht auch öfters als regionale Netzwerke bezeichnet, haben sich in den letzten zehn Jahren als wichtiges Instrument der Wirtschaftsförderung etabliert. Es gibt zwar derzeit keine genauen Daten, wie viele Clusterinitiativen sich inzwischen in Europa entwickelt haben, aber Schätzungen gehen derzeit von über 2000 aktiven Initiativen aus. Auch in der Förderung der Kreativwirtschaft werden Clusterinitiativen stark diskutiert. Schließlich stehen Clusterinitiativen für Vernetzung, Zusammenarbeit, Kooperation und Innovation; Attribute die durchaus auch gerne im Zusammenhang mit der Kreativwirtschaft gebraucht werden. Auch die Kreativwirtschaft kooperiert sehr stark mit ihren Kunden, vernetzt sich mit externen Partnern und bringt Innovationen voran. Sind somit Clusterinitiativen das ideale Instrument zur Förderung der Kreativwirtschaft? Die Grundvoraussetzungen sind gegeben, doch gewisse Eigenschaften der Kreativwirtschaft müssen beachtet und Barrieren beseitigt werden. Denn im Vergleich zu anderen Wirtschaftssektoren steht bei der Kreativwirtschaft vor allem die Kreativität im Vordergrund. Die Wirtschaftlichkeit wird dabei, auch bei der Förderung, gerne mal vergessen. Im Folgenden sollen daher zunächst einmal die Begriffe Cluster und Cluster-initiativen noch einmal umrissen werden. Darauf aufbauend werden die Spezifika der Kreativwirtschaft aufgeführt, die beim Aufbau und vor allem beim nachhaltigen Management einer Clusterinitiative problematisch sein können. Am Beispiel Pforzheim soll im Kapitel ‚Create! PF: Kreativwirtschaft in Pforzheim’ gezeigt werden, wie eine nachhaltige Förderung von Clusterinitiativen in der Kreativwirtschaft aussehen kann. Cluster und Clusterinitiativen Um das Thema Clusterinitiativen in der Kreativwirtschaft zu beleuchten, ist es wichtig, noch ein paar wesentliche Begrifflichkeiten zu klären, die in der Praxis sehr gerne durcheinandergebracht werden. In Bezug auf das Instrument Cluster im Bereich der Wirtschaftsförderung muss vor allem zwischen den Begriffen Cluster und Clusterinitiative unterschieden werden. Der Begriff Cluster wird in der Wissenschaft sehr kontrovers diskutiert und eine Vielzahl von Definitionen ist heute im Umlauf. Die hier aufgeführten Erklärungen erheben daher nicht den Anspruch allumfassend und vollständig zu sein. Es werden vielmehr die Definitionen aufgeführt, die in der Praxis derzeit am ehesten Verwendung finden. Zunächst einmal ist der Clusterbegriff geprägt durch die ursprüngliche Definition von Porter: “Clusters are geographic concentrations of interconnected companies, specialized suppliers, service providers, firms in related industries, and associated institutions (for example, universities, standard agencies, and trade associations) in particular fields that compete but also cooperate” (PORTER 2000: 16). Cluster sind also Konzentrationen von Unternehmen innerhalb einer Region, die sich auf eine gewisse Branche, einen bestimmten Sektor oder eine gemeinsame Technologie spezialisiert haben. Hinzu kommen Zulieferer, Hochschulen und Träger öffentlicher Belange wie Handwerkskammern und Verbände, die ebenfalls ihren Fokus auf diese gemeinsame Branche, Sektor oder Technologie gelegt haben. Im Idealfall ist in einem Cluster ein ideales Zusammenspiel aus Wirtschaft, Forschung und Politik, auch Triple-Helix genannt, vorzufinden. Die Unternehmen innerhalb eines Clusters zeichnen sich dadurch aus, dass sie durch ihre hohe Spezialisierung und die Beziehung zu den verschiedenen Zulieferern und Partnern in der Region besonders innovativ sind und daher einen Wettbewerbsvorteil gegenüber ihren Mittbewerbern aus anderen Regionen generieren können. Wichtig bleibt festzuhalten, dass Cluster zunächst einmal vollkommen frei und ohne eine gezielte politische Unterstützung entstehen können. Beispiele hierfür sind das berühmte Silicon Valley oder das Automobilcluster in Stuttgart, die ohne eine aktive Clusterpolitik entstanden sind. Das heißt allerdings nicht, dass durch gezielte Aktivitäten und Maßnahmen nicht die Bildung eines Clusters beschleunigt werden kann. Im Gegenteil: Eine aktive Clusterpolitik kann die gewünschten Prozesse verstärken und zu einer nachhaltigen erfolgreichen Entwicklung eines Clusters führen. An dieser Stelle kommen die Clusterinitiativen ins Spiel. Die Rolle von Clusterinitiativen besteht darin, den Clusterentwicklungsprozess entweder anzustoßen, also die Entwicklung eines neuen Clusters zu forcieren oder zu verstärken, d. h. ein bestehendes Cluster weiter auszubauen. Eine Definition des Begriffs Clusterinitiative gestaltet sich als schwierig, eine wissenschaftliche Beschreibung findet sich am ehesten noch im Cluster Initiative Greenbook (vgl. SÖLVELL et al. 2003: 31ff.). Auf diese soll an dieser Stelle aber nicht mehr explizit eingegangen werden. Vereinfacht gesagt, wenn auch wissenschaftlich nicht ganz korrekt, sind Clusterinitiativen regionale Netzwerke von Vertretern aus Wirtschaft (Unternehmen), Forschung (Universitäten, staatliche Forschungseinrichtungen) und Politik. Die Akteure kommen zusammen, um gemeinsam mit gezielten Aktivitäten und Maßnahmen, die Entwicklung eines Clusters in der Region zu fördern. Diese Aktivitäten erstrecken sich von gemeinsamen Veranstaltungen und Workshops bis hin zu Arbeitsgruppen und komplexen Kooperationsprojekten. Zur Koordination der vielen Aktivitäten haben Clusterinitiativen ein Cluster-management, das entweder aus einem/einer Clustermanager/-in oder bei mehreren Personen aus einem Clustermanagement-Team besteht. Clusterinitiativen können eigene Rechtsformen gründen (z.B. Verein oder GmbH) oder an regionale und kommunale Wirtschaftsförderungen, Handwerkskammern oder Verbänden angedockt sein. Die Finanzierung der Clusterinitiative kann auf unterschiedliche Weise erfolgen: Clusterinitiativen, die aus dem regionalen Umfeld, vornehmlich von Unternehmen initiiert und finanziert werden, werden als Bottom-up-Initiativen bezeichnet. Top-down-Initiativen werden hingegen von staatlicher Seite aus angeregt und finanziell unterstützt (vgl. FROMHOLD-EISEBITH 2005: 1254). In der Praxis sind aber am häufigsten Mischfinanzierungen aus privater und staatlicher Hand vorzufinden (vgl. KIESE 2008: 131). Clusterinitiativen gibt es heute in vielen unterschiedlichen Ausprägungen und Größen. So gibt es Clusterinitiativen mit bis zu 1000 Mitgliedern und über 30 Mitarbeitern oder kleinere Initiativen mit einer halben Vollzeitstelle für das Clustermanagement und gerade mal 30 Mitgliedern. Dies hat jedoch keinen Einfluss auf die Leistungsfähigkeit der Initiative: In beiden Fällen können interessante Maßnahmen und Aktivitäten aus ihnen entstehen. Es ist wichtig, gerade auch bei der Förderung der Kreativwirtschaft, zwischen Cluster und Clusterinitiative zu unterscheiden. Denn wenn von Clusterförderung gesprochen wird, ist in der Regel die Förderung von Clusterinitiativen gemeint, die meistens von staatlicher Seite, aber auch sehr stark durch private Gelder finanziert werden. Im Folgenden soll daher auf die Förderung und den Aufbau von Clusterinitiativen in der Kreativwirtschaft eingegangen werden. Clustermanagement in der Kreativwirtschaft: Besonderheiten und Herausforderungen Der Aufbau und das Management von Clusterinitiativen im Bereich der Kreativwirtschaft stellt eine besondere Herausforderung dar. Dies liegt insbesondere an ihrem Aufbau und ihrer Wirkung der Kreativwirtschaft auf einen Standort. Zunächst einmal besteht die Kreativwirtschaft aus vielen unterschiedlichen Teilbranchen. Dies zeigt schon der Blick auf die in Deutschland gängige Definition der Kreativwirtschaft (vgl. SÖNDERMANN 2010). Hier tummeln sich verschiedenste Teilbranchen, die nicht immer einen direkten Bezug zueinander haben. So hat die Software/Games-Branche nicht unbedingt viele Gemeinsamkeiten/Schnittmengen mit anderen Teilbranchen wie bspw. dem Büchermarkt. Daher ist die inhaltliche Ausrichtung einer Clusterinitiative eine besondere Herausforderung. Clusterinitiativen erarbeiten in der Regel eine klare Strategie zusammen mit ihren Mitgliedsunternehmen. Es werden gemeinsame Ziele formuliert, sowie Aktivitäten und Maßnahmen beschlossen, um diese Ziele zu erreichen. Das ist bei klaren Branchenabgrenzungen deutlich leichter, als bei einer so heterogenen Struktur, wie sie in der Kreativwirtschaft vorgefunden wird. Sehr häufig wird, auch in der Förderung, die Kreativwirtschaft aber als Ganzes gesehen. Dies wird spätestens dann problematisch, wenn der Theaterschauspieler mit einem Softwareentwickler gemeinsame Projekte entwickeln will. Auch hier können selbstverständlich neue und vor allem spannende Projekte entstehen, daran besteht kein Zweifel. Die Praxis zeigt aber, dass solche branchenübergreifenden Kooperationen keine Selbstläufer sind, äußerst komplex sein können und ein professionelles Management erfordern. Gerade beim Aufbau einer Clusterinitiative sollte daher darauf geachtet werden, dass die Kreativwirtschaft vor Ort genau betrachtet wird und die spezifischen Stärken in der Region hervorgehoben werden. Erst wenn in diesen spezifischen Stärken funktionierende Strukturen aufgebaut wurden, sollten im nächsten Schritt die Aktivitäten auf andere Sektoren der Kreativwirtschaft ausgeweitet werden. Ein weiterer wichtiger Aspekt, der den Aufbau von Clusterinitiativen in der Kreativwirtschaft schwierig macht, ist die Problematik der Finanzierung. Wie schon im Kapitel ‚Cluster und Clusterinitiativen’ erwähnt ist die häufigste Finanzierungsform von Clusterinitiativen eine Mischung aus staatlichen und privaten Geldern, wobei gerade in Deutschland die Gelder aus der Privatwirtschaft den größten Anteil stemmen sollten. In vielen Clusterinitiativen zahlen vor allem Großunternehmen und größere KMUs teilweise Mitgliedsbeiträge zwischen 5.000 und 10.000€. Diese Strukturen finden sich leider nicht in der Kreativwirtschaft. Hier ist der Großteil der Unternehmen häufig kaum größer als zehn Mitarbeiter. Bei diesen Unternehmen fehlt es sowohl an finanziellen, als auch an personellen Ressourcen. Gerade auch die fehlenden personellen Ressourcen stellen für das Engagement der Unternehmen innerhalb einer Clusterinitiative ein weiteres Problem dar. Eine Clusterinitiative lebt in der Regel von der Mitarbeit ihrer Mitglieder. Sie müssen zu den Clustertreffen gehen, sich in den Workshops beteiligen und in Kooperationsprojekten zusammenarbeiten. Dies erfordert vor allem viel Zeit. Gerade für die sehr kleinen Unternehmen ist es allerdings schwierig, einen Mitarbeiter – und sei es nur für einen Tag – für solche Aktivitäten abzustellen. Darüber hinaus hat eine vitale Kreativwirtschaft sehr viele positive Effekte auf das Image eines Standorts von denen sie selbst aber nur sehr wenig profitiert. Eine gut ausgeprägte Kreativwirtschaft sorgt für eine hohe Standortattraktivität. Vor allem kann sie dazu beitragen, junge, gut ausgebildete Menschen in die Region zu locken. Dadurch profitieren vor allem andere Unternehmen, die auf Fachkräfte angewiesen sind. Ein attraktiver Standort macht es wesentlich leichter, neue, gut ausgebildete Ingenieure, Manager und Facharbeiter zu finden. Diese Voraussetzung erfordern bei der Förderung von Clusterinitiativen neue Wege und Instrumente. Denn eine klassische Förderung mit einer Anschubfinanzierung einer Clusterinitiative, deren Strukturen sich mit der Zeit durch die finanzielle Unterstützung der Unternehmen selbst tragen, ist in der Kreativwirtschaft kaum realisierbar. Der Aufbau einer Clusterinitiative im Bereich der Kreativwirtschaft erfordert daher ein langfristigeres und nachhaltigeres Engagement der Städte und Regionen, das sich aber auf lange Sicht durch eine deutlich erhöhte Standortqualität und ein wesentlich besseres Standortimage auszahlen kann. Wie solche neuen Wege aussehen können, soll am Beispiel der Stadt Pforzheim aufgezeigt werden. Create! PF: Kreativwirtschaft in Pforzheim Gerade die Stadt Pforzheim ist ein sehr interessantes Beispiel, weil sie eben keine Großstadt oder Metropole ist. Mit ihren ca. 110.000 Einwohnern gehört sie in Deutschland eher zu den Mittelgroßen Städten. Trotzdem kann auch hier die Förderung der Kreativwirtschaft gelingen. In Pforzheim gibt es an die 330 Unternehmen und bis 1400 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte, die dem Bereich Kreativwirtschaft zuzuordnen sind. Als traditioneller Uhren- und Schmuckstandort sind zudem 380 weitere Unternehmen aus diesem Bereich hier angesiedelt. Der Schwerpunkt der Kreativwirtschaft in Pforzheim liegt auf dem Themenfeld Design. Dies liegt vor allem in der Tradition des Standortes als Zentrum der Schmuck- und Uhrenindustrie. Ein weiterer wichtiger Impulsgeber für diese Fokussierung ist die Hochschule Pforzheim mit ihrem renommierten Institut für Gestaltung. Hier werden junge Designer zum Beispiel in den Disziplinen Schmuck-, Mode- und Kommunikationsdesign ausgebildet. Zudem verfügt die Stadt mit der Goldschmiedeschule Pforzheim, die in ihrer Form europaweit einzigartig ist, über eine weitere exzellente Ausbildungsstätte für junge Talente. Gezielt gefördert wird die Kreativwirtschaft durch die Stadt Pforzheim seit dem Jahr 2010. Ein wichtiger Baustein war dabei die Initiierung der Clusterinitiativen CREATE! PF, die mit Hilfe der Landesregierung Baden-Württemberg und Geldern des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) aufgebaut werden wurde. Die Clusterinitiative vernetzt die Kreativschaffenden untereinander mit den in Pforzheim und der Region ansässigen Unternehmen. Darüber hinaus werden verschiedene Projekte, Veranstaltungen und Beratungsangebote für die Kreativschaffenden angeboten. Aufbauend auf der Arbeit und den Ideen aus der Clusterinitiative folgte im Oktober 2014 mit der Eröffnung des Kreativzentrums EMMA ein weiterer Meilenstein. Günstige Werkstattarbeitsplätze, Schreibtische im Co-Working-Bereich, Besprechungsräume, Ateliers und Mietbüros werden den Kreativschaffenden auf einer Fläche von 3.000m² zur Verfügung gestellt. Zudem wurde ein Veranstaltungsbereich für Ausstellungen, Tagungen und Workshops geschaffen (vgl. WS Pforzheim 2016a). Unterstützend wurde das Programm Designer in Residence gestartet. Dies umfasst Stipendien für Nachwuchsdesigner aus dem Bereich Schmuck-, Mode-, und Produktdesign. Neben einem Stipendium dürfen die Studenten zusätzlich drei Monate die Räumlichkeiten im Kreativzentrum unentgeltlich nutzen. Für diesen Zeitraum werden den Studenten auch kostenfreie Wohnunterkünfte zur Verfügung gestellt (vgl. WS Pforzheim 2016b). Das Kreativzentrum versucht allerdings nicht nur ein Ort für die Kreativschaffenden zu sein, sondern sich in das Stadtleben zu integrieren. Durch offene Ausstellungen, bei denen die Arbeiten von Studenten präsentiert werden, und weitere Veranstaltungsformaten wie ein jährliches Sommerfest, können die Bürger an den Aktivitäten des Kreativzentrums partizipieren. Auch das Kreativzentrum wurde maßgeblich durch Fördergelder finanziert. Aber es wurde zudem ein weiterer Weg gefunden, Unternehmen an der Finanzierung des Vorhabens zu beteiligen. Dabei handelt es sich interessanterweise auch um Unternehmen, die nicht zur Kreativbranche gehören. Diese können sich mit Sponsorengeldern an den Aktivitäten des Kreativzentrums beteiligen. Sie können als Gold- (10.000€), Silber- (5.000€) oder Bronze- (2.500€) Sponsoren die Kreativschaffenden unterstützen (vgl. WS PFORZHEIM 2016c). Natürlich reichen die Summen, die durch das Sponsoring gewonnen werden, nicht aus, die Gesamtkosten des Projektes zu refinanzieren. Es ist aber zumindest ein erster Schritt gemacht worden, um Unternehmen, die von einem attraktiveren Standort profitieren aber selbst nicht Teil der Kreativszene sind, an der Finanzierung zumindest zu beteiligen. Das Beispiel Pforzheim zeigt, dass die Förderung der Kreativwirtschaft mit der Hilfe von Clusterinitiativen funktionieren kann, vor allem da folgende Aspekte berücksichtigt wurden: - Es wurde sich mit dem Themenfeld Gestaltung und Design zunächst einmal auf ein bestimmtes Themenfeld der Kreativwirtschaft spezialisiert, in dem der Standort auch eine spezifische Stärke aufweist. Aufbauend auf dieser Stärke werden auch weitere Bereiche der Kreativwirtschaft angesprochen. - Es gab finanzielle Unterstützung von der Kommune, dem Land und der EU, um die Strukturen aufzubauen und vor allem auch weiterzuentwickeln. Im Fall von Pforzheim geschieht diese Weiterführung durch ein starkes Engagement der Stadt. Dieses Engagement ist erforderlich, da die Kreativwirtschaftsbranche durch ihre Struktur nur schwer Clusterinitiativen nachhaltig finanzieren kann. - Mit dem Kreativzentrum EMMA sind neue Wege gegangen worden, die sich vor allem an die Anforderungen der Kreativwirtschaft richten. In diesem Fall ging es darum, einen zentralen Ort für die Kreativschaffenden zu schaffen. - Die Stadt Pforzheim begreift die Kreativwirtschaft als wichtigen Faktor zu Standortentwicklung. Als mittelgroße Stadt kann dies eine Chance sein, junge, gut ausgebildete Menschen anzuziehen. Fazit Clusterinitiativen können ein wichtiges Instrument zur Förderung der Kreativwirtschaft sein. Sie helfen dabei, Kräfte zu bündeln und gemeinsame Aktivitäten anzustoßen. Allerdings müssen dabei die Besonderheiten der Kreativwirtschaft beachtet werden. So müssen die spezifischen Stärken einer Region im Bereich der Kreativwirtschaft herausgearbeitet werden. In einem ersten Schritt sollten dann genau diese Stärken gezielt gefördert werden, um darauf aufbauend weitere Bereiche der Kreativwirtschaft anzuziehen. Dazu braucht es innovative und neue Maßnahmen, die sich an den Bedürfnissen der Kreativwirtschaft orientieren. Ein Beispiel hierzu bietet das Kreativzentrum EMMA in Pforzheim. Doch in ganz Deutschland gibt es viele weitere Beispiele, die zeigen, wie die Kreativwirtschaft nachhaltig gefördert werden kann. Zudem müssen die Regionen sowie deren Städte und Kommunen die Förderung der Kreativwirtschaft als ein Instrument der Standortentwicklung wahrnehmen. Junge, gut ausgebildete Menschen wollen heute mehr als nur einen guten Job, sie wollen ein kreatives und kulturell ausgeprägtes Umfeld. Wenn Städte und Regionen diese Vorteile nutzen wollen, dann müssen sie langfristig in den Aufbau der Kreativwirtschaft investieren. Eine Anschubfinanzierung, wie häufig in Clusterinitiativen traditioneller Branchen üblich, mit der Hoffnung, dass sich die Strukturen auf lange Sicht selbst tragen, wird bei der Kreativwirtschaft nicht funktionieren. Dafür sind die Strukturen einfach zu klein. Zuletzt bleibt festzuhalten, dass die Förderung der Kreativwirtschaft nicht nur für die großen Metropolen interessant ist. Das Beispiel Pforzheim zeigt, dass auch kleinere Städte durchaus die Kreativwirtschaft anziehen können. Literaturverzeichnis EUROPEAN CLUSTER OBSERVATORY (2010): European Cluster Organisation Directory. – In: http://clusters.wallonie.be/servlet/Repository/clusters-directory.pdf.pdf? IDR=35542&saveFile=true> (Stand: 2011) (Abgerufen: 05.01.2011) FROMHOLD-EISEBITH, E. & G. Eisebith (2005): How to institutionalize innovative clusters? Comparing explicit top-down and implicit bottom-up approaches. – In: Research Policy 34: 1250-1268. KIESE, M. (2008): Mind the Gap: Regionale Clusterpolitik im Spannungsfeld von Wissenschaft, Politik und Praxis aus der Perspektive der Neuen Politischen Ökonomie. – In: Zeitschrift für Wirtschaftsgeographie 52/2-3: 129-145. PORTER, M. E. (2000): Location, Competition, and Economic Development: Local Clusters in a Global Economy. – In: Economic Development Quarterly 14: 15-34. SÖLVELL, Ö./LINDQVIST, G. & C. Ketels (2003): The Cluster Initiative Greenbook. Stockholm. SÖNDERMANN, M. (2010): Monitoring zu ausgewählten wirtschaftlichen Eckdaten der Kultur- und Kreativwirtschaft 2009 – In: Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (Hrsg.): Forschungsbericht. Kurzfassung. Nr. 589. Berlin. Online-Quellen WS PFORZHEIM, Stadt Pforzheim – Eigenbetrieb Wirtschaft Und Stadtmarketing Pforzheim (Hrsg.) (2016a): http://www.emma-pf.de/create/zahlen-und-fakten/ (10.10.2016) WS PFORZHEIM, STADT PFORZHEIM – EIGENBETRIEB WIRTSCHAFT UND STADTMARKETING PFORZHEIM (Hrsg.) (2016b): http://www.emma-pf.de/designer-inresidence/stipendium/ (10.10.2016) WS PFORZHEIM, STADT PFORZHEIM – EIGENBETRIEB WIRTSCHAFT UND STADTMARKETING PFORZHEIM (Hrsg.) (2016c): https://www.pforzheim.de/buerger/aktuelles-presse/pressemeldungen/s1/article/detail/News/emma-partnerprogramm-startschussfaellt-mit-erstem-gold-partner.html) (10.10.2016)

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References

Zusammenfassung

Die Kultur- und Kreativwirtschaft wirkt. In den Arbeitsmarkt, als Standortfaktor, als wichtiger Bestandteil der Kulturlandschaft. Auch in Rheinland-Pfalz.

Doch wer sind die Akteure der Kultur- und Kreativwirtschaft in Rheinland-Pfalz? Welchen konkreten Herausforderungen müssen sich die Kreativen im Zeitalter der Digitalisierung stellen? Was sind die gegenwärtigen kultur- und wirtschaftspolitischen Diskurse? Wie gestaltet sich das Verhältnis der Akteure zum Standort – und umgekehrt?

Diesen und weiteren Fragen widmet sich der vorliegende Sammelband. Dabei sollen weniger Handlungsempfehlungen gegeben als viel mehr Ideen und aktuelle wissenschaftliche Diskurse aufgegriffen und diskutiert werden. Es geht aber auch darum, mehr Lust zu machen auf noch mehr Kreativität – und hierdurch einer positiven Entwicklung der Kultur- und Kreativwirtschaft in Rheinland-Pfalz weitere Impulse zu geben.

KULTUR/WIRTSCHAFT/RLP – Ein wissenschaftlicher wie praxisrelevanter Beitrag zum kulturwirtschaftspolitischen Diskurs, nicht nur in Rheinland-Pfalz. Mit zahlreichen Fachartikeln von Wissenschaftlern, Kulturmanagern und anderen Akteuren der Kultur-(Wirtschafts-)Politik. Ein Buch für alle Interessierte, Studierende, Lehrende und Berufstätige im Bereich der Kultur- und Kreativwirtschaft sowie Kulturpolitik.