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RALF EBERT, FRIEDRICH GNAD, Kultur- und Kreativwirtschaft in Mittelstädten als Handlungs und Politikfeld? Merkmale, Rahmenbedingungen und Maßnahmen in:

David Maier (Ed.)

KULTUR WIRTSCHAFT RLP, page 53 - 66

TEXTE ÜBER DIE KULTURWIRTSCHAFT IN RHEINLAND-PFALZ

1. Edition 2017, ISBN print: 978-3-8288-3905-2, ISBN online: 978-3-8288-6744-4, https://doi.org/10.5771/9783828867444-53

Tectum, Baden-Baden
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II Von Kulturwirtschaft und Standort Kultur- und Kreativwirtschaft in Mittelstädten als Handlungsund Politikfeld? Merkmale, Rahmenbedingungen und Maßnahmen RALF EBERT und FRIEDRICH GNAD Das Handlungs- und Politikfeld der Kultur- und Kreativwirtschaft wird, beeinflusst von der Berichterstattung in den Medien der letzten Jahre, meist mit Großstädten wie Berlin (als ‚Stadt der Kreativen’), Köln oder Hamburg assoziiert. Dieser Eindruck ist nicht ganz falsch, da die Gruppe der „Kreativen“, der Kunstgalerien oder der renommierten Designstudios in diesen Städten zumeist sehr sichtbar in Erscheinung treten. Auch ist bekannt, dass der überwiegende Teil der Betriebe der Kultur- und Kreativwirtschaft seinen Standort in Großstädten hat, da hier zahlreiche Auftraggeber aus anderen Branchen sitzen und es in diesen Städten eine große Nachfrage nach publikumsbezogenen Angeboten in erwerbswirtschaftlicher Trägerschaft gibt (u.a. Kinos, Musikclubs, Privattheater). Dies hat zur Folge, dass die Branche einen großen Teil der Umsätze in Großstädten erzielt und hier auch die Anzahl der Beschäftigten und Selbstständigen sehr hoch ist. Das zeigen inzwischen regionale Studien u.a. zum Ruhrgebiet (vgl. STADTart, RVR 2010). Dort sitzen rund die Hälfte aller Betriebe in den großen Zentren Bochum, Duisburg, Dortmund und Essen. Ist angesichts dieser Situation die Kultur- und Kreativwirtschaft überhaupt ein relevantes Handlungs- und Politikfeld für Städte mit einer Einwohnerzahl zwischen 25.000 und 100.000 Einwohnern? Wenn ja, in welchem Rahmen bzw. mit welchen Instrumenten und Maßnahmen kann die Branche in diesen Mittelstädten gestärkt werden (vgl. EBERT et al. 2016)? Bei der Beantwortung dieser Fragen ist zu berücksichtigen, dass Mittelstädte sehr unterschiedliche Rahmenbedingungen für die Entwicklung der Kultur- und Kreativwirtschaft aufweisen. Manche sind Teil eines dynamischen Verdichtungsraums wie etwa Worms oder Aschaffenburg in der Europäischen Metropolregion Frankfurt/ Rhein-Main. Andere liegen in Regionen, die seit Jahrzehnten mit dem industriellen Strukturwandel zu kämpfen haben (z.B. Lünen). Nicht wenige Mittelstädte in den ländlichen Räumen sind Solitärstädte mit einem weiten Einzugsbereich (z.B. Soest und Hof), wovon manche zudem eine Präsenz-Hochschule haben (z.B. Bamberg und Wernigerode). Andere können als ehemalige Residenzstädte auf lange kulturelle Traditionen verweisen (z.B. Weimar und Gotha) und einige wenige sind international bekannt (z.B. Bayreuth). Wiederum andere liegen in Grenzregionen wie beispielsweise Cottbus oder sind Teil einer erfolgreichen Tourismusregion (z.B. Lindau am Bodensee). Gründe für ein Politik- und Handlungsfeld Kultur- und Kreativwirtschaft in Mittelstädten Für ein Politik- und Handlungsfeld Kultur- und Kreativwirtschaft in Mittelstädten sprechen insbesondere folgende fünf Gründe: 1. Die Kultur- und Kreativwirtschaft ist auch in zahlreichen Mittelstädten eine relevante Branche mit positiven Effekten für den Arbeitsmarkt: Alle Mittelstädte weisen einen kleineren oder größeren Anteil an Betrieben, Umsätzen und Beschäftigten in der Kultur- und Kreativwirtschaft auf. Bei einigen ausgewählten Mittelstädten in NRW mit rund 40.000 bis 70.000 Einwohner/innen liegt der prozentuale Anteil bei einer gewissen Streuung der Werte jedoch jeweils unterhalb des Landesdurchschnitts (Übersicht1). Trotzdem zeigen die absoluten Werte etwa von Herford mit 148 Betrieben, die über 17.500 EUR Jahresumsatz erzielen, oder die von Lüdenscheid mit 1.143 sozialversicherungspflichtig bzw. geringfügig Beschäftigten jeweils eine nennenswerte Größenordnung. Dies wird insbesondere dann deutlich, wenn diese Kenndaten auf je 1.000 Einwohner bezogen werden. Dabei zeigt sich, dass Mittelzentren ähnliche Indexwerte aufweisen können wie manche Großstädte (vgl. STADTart, RVR 2010: 35-44). 2. Die Kultur- und Kreativwirtschaft trägt zur Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit anderer Branchen in den Mittelzentren und deren Umland bei: Insbesondere Betriebe des Werbemarkts, der Designwirtschaft und der Software/-Games-Industrie, alle drei Teilmärkte der Kultur- und Kreativwirtschaft, stellen Produkte für Betriebe anderer Wirtschaftsbranchen her oder erbringen für diese Dienstleistungen (vgl. STADTart 2012: 49-50). Sind solche Betriebe in Mittelzentren vorhanden und bestehen mit Betrieben anderer Branchen regionale Wertschöpfungsketten, dann tragen sie zur Erhaltung der Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit von Betrieben in anderen Wirtschaftsbranchen bei. Übersicht 1: Betriebe, Umsätze und Beschäftigte der Kultur- und Kreativwirtschaft in ausgewählten Mittelstädten in NRW (2014) Stadt Unternehmen/Selbstständige in der Kultur- und Kreativwirtschaft (Anzahl) Anteil der Unternehmen/Selbstständigen in der Kultur- und Kreativwirtschaft an Gesamtwirtschaft (in Prozent) Umsätze* in der Kultur- und Kreativwirtschaft (in 1.000 EUR) Lüdenscheid 73.000 EW 131 4,6 65.030 Herford 66.000 EW 148 5,7 68.067 Wesel 60.000 EW 126 5,7 43.541 Minden 80.000 EW 162 6,1 64.018 Rheine 74.000 EW 118 4,8 51.667 NRW 50.874 7,6 35.391.999 * Lieferungen und Leistungen Stadt Anteil Umsätze in der Kultur- und Kreativwirtschaft an der Gesamtwirtschaft (in Prozent) Beschäftigte (SvB + GeB) (Anzahl) Beschäftigte in der Kultur- und Kreativwirtschaft an allen Beschäftigten (in Prozent) Lüdenscheid 73.000 EW 1,2 1.143 2,6 Herford 66.000 EW 1,6 874 2,2 Wesel 60.000 EW 1,4 519 1,9 Minden 80.000 EW 0,5 1.016 2,2 Rheine 74.000 EW 1,3 626 2,2 NRW 2,6 206.005 2,5 Quelle: STADTart, eigene Berechnungen nach Daten des IT NRW 2016 3. Besucherbezogene Angebote der Kultur- und Kreativwirtschaft sind heute ein Faktor der kulturellen Daseinsvorsorge: In den letzten vier Jahrzehnten haben sich die kulturellen Interessen stark ausdifferenziert. Bei einer anhaltenden Zahlungsbereitschaft war damit eine Zunahme an erwerbswirtschaftlich getragenen besucher- bzw. nutzerbezogenen Kulturangeboten verbunden (vgl. STADTart et al. 2012a). Solche Angebote, wozu etwa Musikkneipen oder private Musik- und Malschulen zählen, finden sich auch in Mittelstädten. Solche zusätzlichen Anbieter und auch temporäre kulturelle Angebote wie Festivals ergänzen das bestehende Kulturangebot in öffentlicher und zivilgesellschaftlicher Trägerschaft und tragen zur kulturellen Daseinsvorsorge bei. 4. Als Faktor der kulturellen Daseinsvorsorge erhöht die Kultur- und Kreativwirtschaft auch die Standortattraktivität von Mittelzentren: Die Breite und die Qualität der kulturellen Daseinsvorsorge ist seit einigen Jahren ein bedeutender Faktor der (Er-)Lebensqualität einer Stadt, vor allem wenn diese in entsprechenden Kultur- und Freizeitvierteln zweiter Generation räumlich konzentriert sind (vgl. STADTart 2007). Da diese Standortattraktivität sowohl bei Standortentscheidungen von höher qualifizierten Haushaltsgruppen als auch von zahlreichen Dienstleistungsunternehmen eine nicht unerhebliche Rolle spielt, unterstützen besucher- bzw. nutzerbezogene Kulturangebote der Kultur- und Kreativwirtschaft in Mittelstädten Initiativen des Stadtmarketings und stärken zudem die ortsansässige Tourismuswirtschaft. 5. Die Kultur- und Kreativwirtschaft ist ein Faktor der Innenstadtentwicklung und zur Wiederbelebung von Gewerbe- und Industriegebäuden: Weite Teile der Kultur- und Kreativwirtschaft bevorzugen innenstadtnahe Standorte (für Soest siehe Ebert 2011a), u.a. weil dort in Hinterhoflagen kleinteilig und zudem preisgünstige Immobilien vorhanden sind. Betriebe der Kultur- und Kreativwirtschaft sind daher für die Innenstadtentwicklung von Mittelzentren bedeutsam. Dies gilt auch für manche brachliegende oder ungenutzte Gewerbeund Industrieimmobilie mit Adressfunktion. Solche besonderen Immobilien werden angesichts der damit verbundenen vielfältigen Entwicklungs- und Gestaltungsmöglichkeiten vielfach gerade von Start-ups der Kultur- und Kreativwirtschaft gesucht. Dies eröffnet der Stadtentwicklungsplanung die Möglichkeit, durch diese Form der Inwertsetzung ganze Areale aufzuwerten. Strukturmerkmale von Betrieben der Kultur- und Kreativwirtschaft in Mittelstädten Der überwiegende Teil der Unternehmen und Selbstständigen der Kultur- und Kreativwirtschaft weist eine kleinteilige Betriebsgrößenstruktur auf. Zu den in quantitativer Hinsicht bedeutenden Teilmärkten zählen zum Beispiel in Mittelstädten mit Versorgungsfunktionen insbesondere der Pressemarkt, der Werbemarkt, der Architekturmarkt und die Designwirtschaft. Über viele Jahrzehnte befanden sich in Mittelstädten vor allem folgende drei Typen an Betrieben (vgl. EBERT et al. 2010): 1. Kleinstunternehmen und Selbstständige mit Lokal- und Regionalbezug: Als Buchladen, Musikschule, Künstler/-innen, Architekturbüro oder Medien-designer/-innen bedienen sie zumeist einen begrenzten lokalen bzw. regionalen Markt. Über ihre Biografie, familiäre Beziehungen und ihre Firmengeschichte sind diese Betriebe in der Stadt vielfach tief verwurzelt. Enge Beziehungen zu anderen ortsansässigen Firmen und zu kulturellen Institutionen sichern ihre ökonomische Existenz. 2. KMU mit einer langen Familien- und Unternehmensgeschichte: Manche alt eingesessene Betriebe der Kultur- und Kreativwirtschaft in Mittelstädten bedienen heute überregionale Märkte, in metropolitanen Regionen insbesondere die Kernstadt. Aufgrund geringerer Faktor- und Standortkosten in Mittelstädten für Produkte und Dienstleistungen der Kultur- und Kreativwirtschaft (z.B. erfolgreiche Werbebüros) sowie aus persönlichen Gründen verlagern diese kaum ihren Standort. Abgesehen davon sind manche Betriebe eng mit dem Image der Stadt verknüpft wie etwa die Hersteller von Devotionalien in Wallfahrtsorten. 3. Global Player mit familiären Bindungen: Auch gibt es in manchen Mittelstädten kleine und große Global Player, die sich über Generationen dort entwickelt haben. Unternehmerische Kreativität und Offenheit für internationale Märkte haben zu deren internationalen Ansehen und Bedeutung beigetragen. Beispiele für solche Unternehmen sind Brauner Microphones in Hamminkeln am Niederrhein, Hein Derix KG (Glasmalerei) in Kevelaer oder der Medienkonzern Bertelsmann in Gütersloh. Die Digitalisierung und der strukturelle Wandel der Informations- und Kommunikationslandschaft verändern seit einigen Jahren diese Struktur der Betriebstypen der Kultur- und Kreativwirtschaft in Mittelstädten. Beispielsweise eröffnen sich den Kleinunternehmen und Selbstständigen mit Lokal- und Regionalbezug neue Marktchancen. Gleichzeitig ist dieser Betriebstyp einem verstärkten Veränderungsdruck ausgesetzt, wie etwa die Aufgabe von Buchläden, die Zusammenlegung von Zeitungsredaktionen oder die Schließung von Kleindruckereien in Mittelstädten zeigen. In entwicklungsdynamischen Metropolregionen können gut erreichbare Mittelstädte von den Push-Faktoren des Immobilienmarktes in den Zentren profitieren. Dies betrifft vor allem großflächige Unternehmen der Kulturund Kreativwirtschaft wie etwa Zeitungsdruckereien, aber auch die Gruppe der „Kreativen“, die zumeist auf preisgünstige Arbeitsräume angewiesen sind und deshalb vielfach zwischen Standorten an der Peripherie und dem Zentrum pendeln. Was können Mittelstädte zur Stärkung der ortsansässigen Kultur- und Kreativwirtschaft tun? Aus den genannten Gründen kann es für viele Mittelstädte richtig sein, ein Handlungs- und Politikfeld Kultur- und Kreativwirtschaft zu etablieren, trotz der strukturellen Veränderungen der Branche u.a. angesichts der Digitalisierung von Produkten und Dienstleistungen etwa in der Musikwirtschaft, im Buchhandel, der Film- und TV-Wirtschaft. Dies hängt jedoch von den skizzierten unterschiedlichen Rahmenbedingungen für die Entwicklung der Branche unter Berücksichtigung der Versorgungs- und Stabilisierungsfunktion und der Entwicklungsfunktion für die Region und in Metropolregionen von der Entlastungs-funktion für die Zentren ab. Da in zahlreichen Mittelstädten in der Regel keine Analysen zur Kultur- und Kreativwirtschaft vorliegen, empfiehlt sich zunächst eine Erfassung der Kultur- und Kreativwirtschaft hinsichtlich der erzielten Umsätze und der Anzahl der Betriebe und Beschäftigten sowie eine Analyse hinsichtlich der Bedeutung der Branche in Relation zur Gesamtwirtschaft. Identifiziert die Analyse im Vergleich zu anderen Mittelstädten eine ‚kritische Masse’ an Unternehmen und Selbstständigen, dann bietet sich in der Regel ein Handlungs- und Politikfeld Kultur- und Kreativwirtschaft und die Erarbeitung von Strategien und Maßnahmen zur Stärkung der Branche an. Ein solches Konzept sollte heute angesichts der bestehenden parallelen Angebotsstrukturen und Wechselwirkungen zwischen dem öffentlich geförderten Kultursektor (z.B. Theater, Museen), dem zivilgesellschaftlichen bzw. intermediären Kultursektor (z.B. Kunstvereine) und dem erwerbswirtschaftlichen Kultursektor bzw. der Kultur- und Kreativwirtschaft (vgl. STADTART et al. 2012a) auf dieser Basis entwickelt werden (Übersicht 2). Dies ermöglicht unter Einbezug der kommunalen Kulturpolitik und auch der Stadtentwicklungsplanung, die durch Maßnahmen wie etwa die experimentelle Nutzung von Standorten durch Betriebe der Kultur- und Kreativwirtschaft die Entwicklung der Branche beeinflusst, eine sektorübergreifende integrierte Strategie. Im Rahmen einer solchen „Kreativwirtschaftspolitik 2.0“ (STADTART 2012b) können die sektoral zumeist begrenzten Ressourcen besser aufeinander abgestimmt werden. Neben anderen Maßnahmen (vgl. EBERT et al. 2010/vgl. EBERT et al. 2016) bieten sich u.a. auch folgende zur Stärkung der Kultur- und Kreativwirtschaft in Mittelstädten an: - Unterstützung von Existenzgründungen in der Kultur- und Kreativwirtschaft: Angesichts der Wirkungszusammenhänge der drei Kultursektoren sind in vielen Mittelstädten nicht nur unternehmensbezogene Förderprogramme, sondern auch zivilgesellschaftliche Initiativen wie etwa Künstler- und Atelierhäuser sowie soziokulturelle Zentren für die Entwicklung der Kultur- und Kreativwirtschaft bedeutsam. Erfahrungsgemäß sind sie vielfach zugleich Inkubatoren für die Existenzgründungen in der Branche. Deshalb empfiehlt es sich, solche Einrichtungen nicht nur im Rahmen der kommunalen Kulturpolitik zu unterstützen. - Benennung eines Ansprechpartners für die Belange der Kultur- und Kreativwirtschaft: Viele der Betriebe der Kultur- und Kreativwirtschaft fallen trotz der zunehmenden Bekanntheit der Branche durch das übliche sektorale Raster der Wirtschafts- bzw. Kulturförderung. Deshalb empfiehlt es sich, einen Ansprechpartner innerhalb der Kommunalverwaltung zu benennen, der mit den Anforderungen der Betriebe vertraut ist und an den sich die Akteure der Kultur- und Kreativwirtschaft bei der Suche nach geeigneten Räumen, bei Fördermöglichkeiten etc. wenden können bzw. der die Interessen der Branche innerhalb der Verwaltung vertritt. - Entwicklung von räumlichen Schwerpunkten der Kultur- und Kreativwirtschaft: Erfahrungsgemäß haben in Mittelstädten ca. ein Drittel und mehr der ortsansässigen Betriebe der Kultur- und Kreativwirtschaft ihren Standort in der Innenstadt bzw. in angrenzenden Lagen. Diese sollten in quartiersbezogene Strategien wie etwa Kultur-, Freizeit- und Bildungsviertel der 2. Generation zur Entwicklung der Innenstadt eingebunden werden (vgl. STADTART 2007). Durch ‚weiche Maßnahmen’ könnte zudem dazu beigetragen werden, dass die Betriebe der Branche sich nicht allzu sehr über das Stadtgebiet verteilen. Dies erschwert vielfach notwendige Kooperationen der Unternehmen, auf die gerade kleinere Betriebe angewiesen sind. Übersicht 2: Schema der Trisektoralität des Kulturbereichs in Mittelstädten Quelle: STADTart 2016 ! " # $ % & $ & ' # & ( # ) # * $ # + , * & & - . # $- $ * ! " # ! ,! # / - # " # 0 # * * 0 # % 120 (- / & + $ ) 3 * ( ' # 4 %5 ! # 0%) % " $ ' # $ 3 6 / * ) $ (- + % Abgesehen von diesen und weiteren Maßnahmen empfiehlt es sich, insbesondere für Mittelstädte in ländlichen Räumen, die Kultur- und Kreativwirtschaft als ein regionales Politik- und Handlungsfeld anzusehen und mit den Kommunen im Umland zu kooperieren. Auf diese Weise können die teilweise geringen oder wenig bekannten Entwicklungspotenziale der Branche stärker gebündelt werden. Wie in vielen anderen Politik- und Handlungsfeldern in Mittelstädten ist es zudem ratsam bei ersten Initiativen zur Stärkung der Kultur- und Kreativwirtschaft vor allem die vorhandenen lokalen bzw. regionalen Bestände der Branche zu identifizieren und angesichts der strukturellen Herausforderungen und des Wettbewerbs mit den Großstädten zukunftsorientiert zu sichern. Darauf aufbauend gilt es, die entwicklungsfähigen Potenziale zu erkennen und über geeignete Maßnahmen zu unterstützen. Dabei sollten nicht unbedingt die direkten Effekte der Kultur- und Kreativwirtschaft im Vordergrund stehen, sondern vielmehr deren zumindest ebenso bedeutsamen ‚Nebeneffekte’ zur Stärkung der Mittelstädte als zukunftsfähiger Kultur- und Wirtschaftsstandort. Literaturverzeichnis EBERT, Ralf/KUNZMANN, Klaus R. (2010): Medium Sized Cities and Creative Spaces. University of Lleida, Publikation in Vorbereitung. EBERT, Ralf (2011a): Kreative Chance auf dem Land – Bedeutung der Kultur- und Kreativwirtschaf für die Entwicklung ländlicher Räume. – In: Stadt und Gemeinde 5/2011. Bonn. 195-198. EBERT, Ralf (2011b): Urbane und kreative Räume der Kultur- und Kreativwirtschaft: ‚Eigenarten’ von Mittelzentren im Ruhrgebiet. – In: Baumgart, Sabine/Overhageböck, Nina/Rüdiger, Andrea (Hrsg.): Eigenart als Chance. Strategische Positionierungen von Mittelstädten. Münster. 95-107. EBERT, Ralf /GNAD, Friedrich/KUNZMANN, Klaus R. (2016): Kultur- und Kreativwirtschaft in Stadt und Region. Stuttgart. STADTart (2007): Modellvorhaben: Entwicklung von Kultur- und Freizeitvierteln der 2. Generation in den drei Städten Arnsberg, Solingen und Hamm. – In: Ministerium für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport des Landes NRW. Düsseldorf. STADTart, RVR (2010): Urbane und kreative Räume der Kultur- und Kreativwirtschaft in Mittelzentren des Ruhrgebiets. Dortmund/Essen. STADTart (2012a): Kreativwirtschafts-Scout: Die Kultur- und Kreativwirtschaft im IHK – Bezirk Dortmund. Dortmund STADTart, Institut für Kulturpolitik, HWWI (2012b): Öffentlich geförderter, intermediärer und privater Kultursektor – Wirkungsketten, Interdependenzen, Potenziale. – In: Forschungsgutachten für den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM). Dortmund/Bonn/Hamburg/Berlin.

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References

Zusammenfassung

Die Kultur- und Kreativwirtschaft wirkt. In den Arbeitsmarkt, als Standortfaktor, als wichtiger Bestandteil der Kulturlandschaft. Auch in Rheinland-Pfalz.

Doch wer sind die Akteure der Kultur- und Kreativwirtschaft in Rheinland-Pfalz? Welchen konkreten Herausforderungen müssen sich die Kreativen im Zeitalter der Digitalisierung stellen? Was sind die gegenwärtigen kultur- und wirtschaftspolitischen Diskurse? Wie gestaltet sich das Verhältnis der Akteure zum Standort – und umgekehrt?

Diesen und weiteren Fragen widmet sich der vorliegende Sammelband. Dabei sollen weniger Handlungsempfehlungen gegeben als viel mehr Ideen und aktuelle wissenschaftliche Diskurse aufgegriffen und diskutiert werden. Es geht aber auch darum, mehr Lust zu machen auf noch mehr Kreativität – und hierdurch einer positiven Entwicklung der Kultur- und Kreativwirtschaft in Rheinland-Pfalz weitere Impulse zu geben.

KULTUR/WIRTSCHAFT/RLP – Ein wissenschaftlicher wie praxisrelevanter Beitrag zum kulturwirtschaftspolitischen Diskurs, nicht nur in Rheinland-Pfalz. Mit zahlreichen Fachartikeln von Wissenschaftlern, Kulturmanagern und anderen Akteuren der Kultur-(Wirtschafts-)Politik. Ein Buch für alle Interessierte, Studierende, Lehrende und Berufstätige im Bereich der Kultur- und Kreativwirtschaft sowie Kulturpolitik.