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HANS-GÜNTHER CLEV, MARK SCHLICK, Förderung der Kultur- und Kreativwirtschaft als strategischer Baustein lokaler und regionaler Entwicklungsprozesse. Am Beispiel Pirmasens und der Zukunfts Region Westpfalz in:

David Maier (Ed.)

KULTUR WIRTSCHAFT RLP, page 143 - 150

TEXTE ÜBER DIE KULTURWIRTSCHAFT IN RHEINLAND-PFALZ

1. Edition 2017, ISBN print: 978-3-8288-3905-2, ISBN online: 978-3-8288-6744-4, https://doi.org/10.5771/9783828867444-143

Tectum, Baden-Baden
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Förderung der Kultur- und Kreativwirtschaft als strategischer Baustein lokaler und regionaler Entwicklungsprozesse Am Beispiel Pirmasens und der ZukunftsRegion Westpfalz HANS-GÜNTHER CLEV und MARK SCHLICK 1. Pirmasens und die Westpfalz – Lokale und regionale Ausgangslage Pirmasens, einst Zentrum der deutschen und internationalen Schuhindustrie, befindet sich seit Mitte der 90er Jahre in einem tiefgreifenden Strukturwandelprozess. Der Abzug der alliierten Streitkräfte und die Verlagerung eines Großteils der Schuhproduktion in Billiglohnländer traf Pirmasens in mehrfacher Hinsicht hart: schlagartige Zunahme der Leerstände, sprunghafter Anstieg der Arbeitslosigkeit, sowie der Wegzug der jungen, dynamischen Bevölkerungsschichten trugen zu einer Verschlechterung des Images nach innen und außen bei. Das Mittelzentrum verlor seit den Hochzeiten der sechziger und siebziger Jahre mehr als ein Drittel der Bevölkerung und zählt heute noch rund 41.000 Einwohner. Nun steht die ehemalige Industriestadt vor der Herausforderung, sich neu zu erfinden und neue Wege der volkswirtschaftlichen Wertschöpfung einzuschlagen. Ähnlich erging es der gesamten Region Westpfalz, der die kreisfreie Stadt Pirmasens als Mittelzentrum angehört. Bestehend aus sieben Gebietskörperschaften, umfasst die Westpfalz neben Pirmasens das Oberzentrum Kaiserlautern, das kreisfreie Mittelzentrum Zweibrücken, sowie die Landkreise Südwestpfalz, Kaiserslautern, Kusel und den Donnersbergkreis. Diese dünn besiedelte, stark ländlich geprägte, heterogene Region ist gekennzeichnet von einem wirtschaftsstrukturellen und sozialen Konversionsprozess (militärisch und industriell), der sich lokal und teilregional sehr unterschiedlich darstellt. Infolgedessen haben sich auch teilregionale Lösungsansätze und Strategien herausgebildet um den Strukturwandel konstruktiv zu gestalten. Mit der Gründung der regionalen Dachorganisation ZukunftsRegion Westpfalz e.V. im Jahre 2012 wurde die Basis für eine bessere Koordination und damit einen effizienteren Strukturwandel der Region Westpfalz gelegt. Das Netzwerk erfreut sich seit seiner Gründung zunehmender wirtschaftlicher und politischer Bedeutung und konnte bis heute rund 260 Mitglieder aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft akquirieren, Tendenz steigend. 2. Erste Überlegungen und Ansätze zur Aktivierung des Potenzials der Kreativwirtschaft in der Westpfalz Bereits im Jahr 2010, dann aber verstärkt Anfang 2011 wurden zunächst Gespräche zwischen Hans-Günther Clev und Mark Schlick geführt, bei denen es darum ging einen Weg zu finden, ähnlich wie in Ländern wie Österreich oder Portugal die Kreativwirtschaft weit stärker als Impulsgeber für die traditionelle Wirtschaft und zur Verbesserung des Images zu nutzen. Der Kreis wurde schon bald ausgeweitet auf Vertreter der Wirtschaftsförderung in Saarbrücken (Dr. Kuntz) und der VG Eisenberg sowie des Ansprechpartners für die Kultur-wirtschaft auf Landesebene. Ausgangspunkt war der Eindruck, dass viele Ideen und Untersuchungen zur Bedeutung der Kreativwirtschaft die Betroffenen nicht erreicht hatten. Es gab kein Erkenntnis-, sondern ein Umsetzungsproblem. Daher war der erste Gedanke, die Lücke zwischen der Landesebene und den lokalen Akteuren mit einem regionalen Ansatz zu schließen, also eine Brücke hin zur Praxis zu bauen. Nach fast neun Monaten wurde aber immer deutlicher, dass ein regionales Vorgehen nicht funktionieren konnte, wenn die Akteure auf lokaler Ebene nicht identifiziert und unorganisiert sind. Man bewegt sich dann ohne das notwendige Fundament. Den Beteiligten wurde klar, dass zunächst auf lokaler Ebene eine Basis geschaffen werden musste, dass ein Bottom-up-Ansatz die Voraussetzung ist, um auch auf regionaler Ebene etwas erreichen zu können. Auch wenn klar erkannt wurde, dass die Kreativwirtschaft gerade in einem mittlerweile stark durch Naturwissenschaften geprägten Umfeld (IT, Maschinen-bau, Metall, Chemie, Kunststoffe etc.) einen wichtigen Impulsgeber und damit Innovationsmotor darstellen kann und dringend gebraucht wurde, musste zunächst Basisarbeit geleistet werden. Bei der Wahl des Ortes, an dem damit angefangen werden sollte, fiel die Wahl nicht schwer. Da Mark Schlick durch seine musikalischen Aktivitäten in der Szene bekannt war und der Zugang zu den Kreativen ein wichtiges Kriterium ist, um als Ansprechpartner akzeptiert zu werden, war klar, dass die Wahl auf Pirmasens fallen musste. Kaiserslautern wies zwar das größere Potenzial auf, aber zu diesem Zeitpunkt fehlte dort noch der Zugang zur Szene der Kreativen und Künstler. 3. Entwicklung und Bedeutung der Kreativwirtschaft für die Stadt Pirmasens und die Region Westpfalz Neben den klassischen Aktivitäten und Themenfeldern einer kommunalen und regionalen Wirtschaftsförderung, konzentrierte sich daher Mark Schlick, der Leiter des Amtes für Wirtschaftsförderung & Liegenschaften der Stadt Pirmasens, ab Ende 2011 auch verstärkt auf die Förderung der Zukunftsbranche der Kultur- und Kreativwirtschaft (KuK). Beim näheren Hinsehen wurde schnell deutlich, dass diese Branche in und um Pirmasens seit geraumer Zeit in größerem Umfang existiert, die Stadt und Region weit über die Grenzen der Region Westpfalz hinaus positiv repräsentiert und noch zahlreiche verborgene Potentiale bereithält. Die Vermarktung und Wertschätzung dieses Standortfaktors kam bisher jedoch nur unzureichend zum Ausdruck. Diese Ausgangssituation nahm Mark Schlick in seiner Doppelrolle als Wirtschaftsförderer und Kreativwirtschafter zum Anlass, das Thema ‚Förderung der Kultur- und Kreativwirtschaft’ zusammen mit Dr. Clev konzeptionell und strategisch aufzuarbeiten. In einem ersten Schritt wurde das lokale Kreativwirtschaftsnetzwerk PS: Kreativ ins Leben gerufen. Seit dieser Zeit ging ein positiver Ruck durch die lokale Szene der Kreativen mit der Konsequenz, dass sich mittlerweile zahlreiche positive Entwicklungen in der Stadt und dem Umland abzeichnen. Mit der Förderung dieser Zukunftsbranche verfolgt die Pirmasenser Wirtschaftsförderung folgende Ziele: - Sichtbarmachung und Vermarktung der lokalen Kultur- und Kreativwirtschaft, - Vernetzung der Kreativunternehmen untereinander, - Vernetzung der Kreativwirtschaft mit der sonstigen Wirtschaft und Industrie, - Qualifizierung von kleinen und mittleren Betrieben ohne eigene Kreativ-abteilung, - Schließung von lokalen und regionalen Wertschöpfungsketten, - Temporäre Zwischennutzung von neuralgischen Leerständen und somit Sensibilisierung der Öffentlichkeit für das Thema ‚Innen- vor Außenentwicklung’, - Revitalisierung und nachhaltige Belegung von Leerständen, - Verbesserung der harten und weichen Standortfaktoren, - Imageverbesserung, - Erzeugung von mehr Urbanität durch Kreative. Die Förderung dieses Leitmarktes hat demnach konkrete - ökonomische (Umsatzsteigerungen bei Auftragnehmern und –gebern), - soziale (Bürgerbeteiligung, Sensibilisierung, Aktivitäten in öffentlichen Räumen) und - ökologische (kurze Wege durch Netzwerkbildung vor Ort) …Auswirkungen. Die Förderung der Kreativwirtschaft ist somit gelebte, nachhaltige Wirtschaftsförderung. Mit Unterstützung der Kreativwirtschaft lässt sich Bestandspflege vor Ort optimieren. Dazu bedarf es der Vernetzung der Partner, was in Pirmasens gezielt über die Plattform PS: Kreativ und das Amt für Wirtschaftsförderung & Liegenschaften erfolgt. Nachdem das Pirmasenser Kultur- und Kreativwirtschaftsnetzwerk erfolgreich gestartet war, erfolgte in enger Zusammenarbeit mit der ZukunftsRegion Westpfalz, der regionale Schulterschluss zu diesem Thema. Die Plattform Westpfalz: Kreativ1 wurde aus der Taufe gehoben und nahm im Jahre 2014 die Arbeit auf. Mit dieser übergeordneten Plattform wurde eine regionale Präsentations- und Vernetzungsmöglichkeit für die westpfälzische Kreativwirtschaft geschaffen. Daraufhin wurde das in Pirmasens erprobte und erfolgreiche Modellprojekt im Sinne eines regionalen ‚Roll-Outs’ auf die ZukunftsRegion Westpfalz übertragen. Unterdessen bildete sich auch in Kaiserslautern, in Kooperation der Zukunfts-Region Westpfalz (Dr. Clev) und des städtischen Kulturreferats (Dr. Dammann) ein lokales Netzwerk (KL:Kreativ), als Pendant zum lokalen Netzwerk in Pirmasens aus. Über das Kulturreferat und eine eigens engagierte Koordinatorin aus der Kreativszene (Stefanie Sander-Kneller) wurden dort regelmäßige Treffen organisiert, Anliegen der Kreativen behandelt und Projekte umgesetzt. Diese Netzwerke und ihre Entstehung stellen ein Novum in Rheinland-Pfalz dar. In der Regel entstehen Netzwerke in dieser Branche aus der Branche heraus. Im Falle der Westpfalz waren es Verwaltungseinheiten und ein wirtschafts-getriebenes Netzwerk, die das Thema Kultur- und Kreativwirtschaft in Gänze aufgriffen und beförderten. Mit diesen Netzwerken sollen bereits bestehende Kunst- und Kulturvereine und sonstige Akteursgruppen nicht konterkariert, sondern unterstützt und zur Kooperation motiviert werden. Die enge Verzahnung der Kreativen und Kulturschaffenden mit der öffentlichen Hand, wie zum Beispiel Wirtschaftsförderungseinrichtungen, wirkt positiv auf die Umsetzungsfähigkeit diverser Vorhaben aus dem Bereich der Kultur- und Kreativwirtschaft. Die Wirtschaftsförderung übernimmt in solchen Fällen vielfach die Rolle des Mediators oder Moderators und erhöht somit die Chance der Umsetzbarkeit von sinnvollen Projekten aus 1 http://www.westpfalz-kreativ.de der KuK. Dachorganisationen wie die ZukunftsRegion können darüber hinaus, vor allem in Zeiten knapper öffentlicher Kassen, so manches Projekt durch Sponsoring ermöglichen oder den nötigen Anschub geben. 4. Projekte aus und für die Kultur- und Kreativwirtschaft in der Westpfalz Um einen Standort für Kreativschaffende interessant zu machen, bedarf es bestimmter infrastruktureller, gesellschaftlicher und organisatorischer Voraus-setzungen. Richard Florida nennt in diesem Kontext drei wesentliche Merkmale, die einen Standort für die Kultur- und Kreativwirtschaft attraktiv machen und auf deren Basis sich ein Standort seine Innovations- und Wachstumsfähigkeit aufbauen kann (vgl. FLORIDA 2012): - Technik: Technische Infrastruktur - Toleranz: Gesellschaftliche Offenheit und Flexibilität in der Verwaltung - Talente: Vorhandensein einer kreativen, innovativen Klasse Diese ‚3T-Theorie’ Floridas nahm auch die Region Westpfalz zusammen mit der Stadt Pirmasens zum Anlass, konsequent an der Verbesserung dieser drei wichtigen Standortfaktoren zu arbeiten. Die Wirtschaftsförderung der Stadt Pirmasens startete im Jahr 2014/2015 zusammen mit dem städtischen Amt für Tiefbau und der ZukunftsRegion Westpfalz eine ‚WLAN-Offensive’. Es wurde erreicht, dass alle stark frequentierten, öffentlichen Stadträume mit frei zugänglichem WLAN ausgestattet wurden, dem ‚Westpfalz Wireless’. Dieses wird auch in kleineren Städten und ersten Dörfern angeboten. Basis für die komfortable Nutzung des WLAN-Netzes ist der flächendeckende Ausbau mit Glasfasertechnik im gesamten Stadtgebiet. So kann aktuell2 im Stadtgebiet von Pirmasens eine Datentransferrate von bis zu 400 MBit/sec, perspektivisch3 bis zu 600 MBit/sec bzw. sogar 1 GBit/sec, zur Verfügung gestellt werden. Dieser technische Standortfaktor dient speziell den Kreativwirtschafts-unternehmen, die ihre Arbeit überwiegend webbasiert durchführen und in der digitalen Kreativwirtschaft zuhause sind. Darüber hinaus war es ein Ziel, die Vielfalt der Plattformen für Kreativschaffende noch zu diversifizieren. Infolgedessen entstand in der Pirmasenser Innenstadt, in einem leer stehenden Ladenlokal, das Kreativzentrum KunstGenuss4. Mit dieser 2 Zeitpunkt: Oktober 2016 3 Zeitpunkt: Im Laufe der Jahre 2017 und 2018 4 http://kunstgenuss.city Location erhielt die Kreativszene der Stadt Pirmasens und der Region Westpfalz im Jahre 2015 einen vitalen Treffpunkt für Kultur- und Kreativschaffende. Das KunstGenuss bietet einen Nutzungsmix aus Café, Kreativkaufhaus, Ateliers / Büros, sowie Ausstellungsmöglichkeiten. Regelmäßig finden dort mittlerweile Kleinkunstveranstaltungen mit hohem Zuspruch aus der Bevölkerung statt. Im Zuge dieser Entwicklung entstanden weitere kleinere Galerien in der Pirmasenser Innenstadt. Das Bettenhaus Bachmann beispielsweise ging eine enge Kooperation mit lokalen Künstlern, wie etwa Hans-Jürgen Henner, ein um im so genannten Stile des ‚Cross-Selling’ Kunst zusammen mit hochwertigsten Schlafmöbeln den Kunden anzubieten. Mittlerweile finden dort regelmäßig Vernissagen statt und ziehen kunstinteressiertes Publikum in die Innenstadt. Um die passenden Leerstände zu finden und erfolgreich temporär zu bespielen, erfolgte die Installation einer ‚Leerstandlotsin’, die in Abstimmung mit den städtischen ‚Immobilienscouts’ für die potentiellen Leerstandnutzer aktiv war. Dieser ehrenamtliche Posten soll im Rotationsprinzip regelmäßig auf neue fachkompetente Akteure übertragen werden um Einseitigkeit zu vermeiden und um noch mehr Menschen für das Thema Leerstandrevitalisierung zu gewinnen. Damit einher ging die künstlerische Fotoausstellung Ästhetik der Leere des Pirmasenser Fotografen Harald Kröher. Es folgten zahlreiche Events, die sich mit der Bespielung von Leerständen auseinandersetzten, wie zum Beispiel Tatort_Leere, eine Kleine Kreativmesse, oder auch ein Stadtteilfest – das Schusterbrunnenfest. Mit der Wirtschaftsförderung in der Mittlerrolle, konnte auf beiden Seiten, sowohl bei der Verwaltung, wie auch bei der kreativen Klasse eine Sensibilisierung stattfinden, die letztendlich die vielfach unterschiedlichen Denk- und Handlungsweisen beider Parteien in Einklang brachte und erfolgreiche Projekte entstehen ließ. Das GründerInnenzentrum Pirmasens5 ist Sitz der städtischen Wirtschafts-förderung. Das Gebäude bietet insbesondere für Start-Ups aus der Kreativszene die Möglichkeit, in so genannten ‚Inkubatorenräumen’ ihre Geschäftsidee, lediglich zum Nebenkostenpreis und frei von einer Grundmiete für ein gesamtes Jahr zu testen. Ist das Start-Up in diesem Test-Jahr erfolgreich und kann sich etablieren, so besteht die Chance, im Anschluss an die Probezeit einen längerfristigen Mietvertrag mit der Wirtschaftsförderung abzuschließen und die Vorteile des Gründerinnenzentrums zu nutzen. 5 GRIPS: Delaware Avenue 1-3, 66953 Pirmasens Parallel hierzu wurden in Workshop-ähnlichen Treffen die Bedürfnisse der kaiserslauterer Kreativen herausgearbeitet, die denen in Pirmasens in manchen Punkten ähneln, in anderen sich aber deutlich unterscheiden. Auch hier war das Thema Leerstandnutzung ein Thema, das in Kooperation mit dem neu installierten Citymanagement (Fr. Schultze, H. Kleemann) angegangen wurde. Dabei wurden alle Eigentümer leerstehender Immobilien identifiziert und auf ihre Bereitschaft hin angesprochen, diese für temporäre Zwecke der Kreativschaffenden gegen kleines Entgelt zur Verfügung zu stellen. Nicht nur als Showroom, sondern teilweise auch für Aktionen mit Eventcharakter werden diese Immobilien genutzt. Initiativen wie Freiraum 2.0 haben sich dabei einen Namen gemacht. Ein wichtiges weiteres Thema waren Austauschmöglichkeiten zwischen den Kreativen, weshalb neben den regulären Stammtischen auch informelle Treffen sowie eine eigene Facebook-Seite eingerichtet wurden. Auch die Kommunikation zur breiten Bevölkerung mittels Bildschirmen in Leerständen war ein verfolgter Ansatz auf Wunsch der Kreativen. Aus der Musikszene wurde darüber hinaus der Wunsch nach Vereinfachung von Genehmigungsprozeduren für öffentliche Veranstaltungen laut, was durch Organisation einer einheitlichen Ansprechpartnerin für alle erforderlichen Genehmigungen bei der Stadt gelöst wurde. Auch wenn das Thema ‚Proberäume für Musiker’ mangels geeigneter Immobilien noch nicht gelöst werden konnte, so wurde doch mit der Übernahme der historischen Friedenskapelle (Kooperation zwischen Volkshochschule, Kulturreferat, ZRW, Verein für Baukultur) auch der Kreativ- und Kulturszene ein neuer Ort für Konzerte, Lesungen und Ausstellungen zur Verfügung gestellt. Weitere Aktivitäten betreffen die Verstärkung der Wahrnehmung und des Kontaktes mit der Bevölkerung. Statt eines Kaufhauses wie in Pirmasens wird anlässlich der jährlich vier großen Stadtfeste eine Kreativmeile organisiert, wo sich die Kreativwirtschaft den tausenden Zuschauern dieser Feste präsentieren kann. Auf Sicht sollten die vielen Aktivitäten stärker von den Betroffenen selbst organisiert werden, weshalb die Initiatoren die Gründung einer Art Dachverein angeregt haben. Dieser wäre zugleich das Sprachrohr der Kreativ- und Kunstschaffenden – auch Adressat für weitere Aktivitäten und Fördermaßnahmen durch die Öffentliche Hand (Wirtschaftsförderung/Kulturreferat) oder Organisationen wie der ZRW. Für größere Projekte, wie der in Pirmasens 2017 geplanten überregionalen Kreativ-Messe (Kreativvitti), ist dies unabdingbar. Damit wäre auch das eingangs genannte Ziel, die lokalen Akteure der Kreativwirtschaft zusammen zu führen und eine Basis für die verstärkte Zusammenarbeit mit Akteuren auf regionaler, Landes-, Bundes- oder europäischer Ebene (‚Creative Cities’) gegeben. Und ihre Einbringung zum Wohle der Entwicklung der Städte und Regionen, ob als Impulsgeber oder zur Imageverbesserung, wäre erreicht.

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References

Zusammenfassung

Die Kultur- und Kreativwirtschaft wirkt. In den Arbeitsmarkt, als Standortfaktor, als wichtiger Bestandteil der Kulturlandschaft. Auch in Rheinland-Pfalz.

Doch wer sind die Akteure der Kultur- und Kreativwirtschaft in Rheinland-Pfalz? Welchen konkreten Herausforderungen müssen sich die Kreativen im Zeitalter der Digitalisierung stellen? Was sind die gegenwärtigen kultur- und wirtschaftspolitischen Diskurse? Wie gestaltet sich das Verhältnis der Akteure zum Standort – und umgekehrt?

Diesen und weiteren Fragen widmet sich der vorliegende Sammelband. Dabei sollen weniger Handlungsempfehlungen gegeben als viel mehr Ideen und aktuelle wissenschaftliche Diskurse aufgegriffen und diskutiert werden. Es geht aber auch darum, mehr Lust zu machen auf noch mehr Kreativität – und hierdurch einer positiven Entwicklung der Kultur- und Kreativwirtschaft in Rheinland-Pfalz weitere Impulse zu geben.

KULTUR/WIRTSCHAFT/RLP – Ein wissenschaftlicher wie praxisrelevanter Beitrag zum kulturwirtschaftspolitischen Diskurs, nicht nur in Rheinland-Pfalz. Mit zahlreichen Fachartikeln von Wissenschaftlern, Kulturmanagern und anderen Akteuren der Kultur-(Wirtschafts-)Politik. Ein Buch für alle Interessierte, Studierende, Lehrende und Berufstätige im Bereich der Kultur- und Kreativwirtschaft sowie Kulturpolitik.