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HEIKE AREND, DANIELA HARTMANN, Identität und Image´. Kultur prägt in:

David Maier (Ed.)

KULTUR WIRTSCHAFT RLP, page 111 - 120

TEXTE ÜBER DIE KULTURWIRTSCHAFT IN RHEINLAND-PFALZ

1. Edition 2017, ISBN print: 978-3-8288-3905-2, ISBN online: 978-3-8288-6744-4, https://doi.org/10.5771/9783828867444-111

Tectum, Baden-Baden
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V Von Kulturwirtschaft in Rheinland-Pfalz Identität und Image Kultur prägt HEIKE AREND und DANIELA HARTMANN Kulturwirtschaft und Standortqualität sind untrennbar miteinander verbunden, sie bedingen einander. Kulturelle Institutionen und Kulturschaffende in Verbänden, Vereinen und Initiativen prägen die Lebensqualität, das Zusammenleben und die Selbstwahrnehmung unserer Gemeinden, Städte und Regionen. Erst durch ein vielfältiges Kulturangebot werden sie lebenswert und attraktiv für ihre Bewohner, für Arbeitnehmer, kreative Talente, Touristen und Investoren. Von Kulturwirtschaft profitieren Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen, Kommunen und Regionen gleichermaßen. Rund 27.000 Menschen sind in Rheinland-Pfalz in diesem Wirtschaftszweig beschäftigt bei einem Gesamtumsatz von 4,25 Milliarden Euro (vgl. MINIS- TERIUM FÜR WIRTSCHAFT, VERKEHR, LANDWIRTSCHAFT UND WEINBAU 2015). Doch die Bedeutung der Kulturwirtschaft für Rheinland-Pfalz speist sich nicht allein aus diesem monetären Wert. Wichtiger noch ist die ihr immanente Funktion, durch kreative Impulse in die Gesellschaft hinein zu wirken und so auch wichtige soziale und strukturelle Prozesse anzustoßen. Kulturwirtschaft gibt die Inspiration, sich mit Inhalt, Ästhetik und Bedeutung sozialer Zusammenhänge zu befassen. Die Kulturarbeit der ZIRP Die Zukunftsinitiative Rheinland-Pfalz (ZIRP) e.V. setzt sich für Rheinland-Pfalz als lebenswerten Standort und lebendigen Wirtschaftsraum ein. Wie wir in diesem Land zusammenleben, ist eine soziale und kulturelle Frage. Die ZIRP führt dazu eigene Projekte durch und fördert zukunftsweisende kulturelle Ideen und Projekte neben ihrer Arbeit in weiteren Schwerpunkten wie Gesellschaft, Wirtschaft, Nachhaltigkeit und Technologie. Die Kulturprojekte der ZIRP berücksichtigen Kultur als Wirtschaftsfaktor, als Bildungsträger und als kreativen Impuls. Das ZIRP-Musikstipendium als kontinuierliche Förderung, mit dem wir seit 1997 junge musikalische Talente in Rheinland-Pfalz auf ihrem Werdegang unterstützen, wird durch Kooperationen zu verschiedenen kulturellen Schwerpunktthemen flankiert, etwa mit dem Ernst-Bloch-Zentrum Ludwigshafen, der Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE) Rheinland-Pfalz, dem Staatstheater Mainz oder dem Arp Museum Bahnhof Rolandseck. Die ZIRP-Projekte berücksichtigen die gesamte kulturelle Wertschöpfungskette, vom schöpferischen Akt des Künstlers bis zum kulturellen und touristischen Angebot, sowie die Vernetzung mit Entscheidern aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Der Komplexität dieser kulturellen Wertschöpfungskette und ihrem wirtschaftlichen Potenzial widmete die ZIRP im Zeitraum 2009/2010 mit der Reihe zur Kunst-, Kultur- und Kreativwirtschaft (KKK) besondere Aufmerksamkeit. Das Projekt wurde mit der Dokumentation Land der Möglichkeiten. Kunst-, Kultur- und Kreativwirtschaft in Rheinland-Pfalz abgeschlossen. Für ihre Arbeit wurde die ZIRP vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie mit dem Titel Bewegungsmelder 2011 – Initiativen, die bewegen ausgezeichnet. Seit 2011 befasst sich die ZIRP mit der Frage, wie Kultur zur Standortqualität in den Städten und ländlichen Regionen beitragen kann, wie kulturelle Zukunftskonzepte in einem Land von reicher Tradition und Geschichte aussehen und wie Kultur sich unter den Voraussetzungen der Digitalisierung weiterentwickelt und präsentiert werden kann. Im Folgenden stellen wir konkrete Projekte und Ergebnisse aus unserer aktuellen Arbeit vor. 1. Kultur und regionale Identität Das kulturelle Angebot in Rheinland-Pfalz ist heute so groß wie nie zuvor. Beispielsweise hat sich die Zahl der Museen im Land im Vergleich zum Jahr 1984 fast verdoppelt. Hinzu kommen zahlreiche Veranstaltungen, organisiert von Künstlerinnen und Künstlern, Vereinen, Stiftungen und Festivals. Leuchttürme wie das ‚Festival des deutschen Films’ in Ludwigshafen, ‚die Nibelungenfestspiele’ in Worms, ‚Musik in Burgen und Schlössern’ und das ‚Mosel-Musikfestival’ haben Strahlkraft über rheinland-pfälzische Grenzen hinaus. Es überrascht angesichts dieser Vielfalt, dass Rheinland-Pfälzerinnen und Rheinland-Pfälzer laut einer Online-Umfrage, die wir im Sommer 2016 mit 942 Teilnehmerinnen und Teilnehmern durchgeführt haben, vor allem Weinfeste (93 Prozent) und Fastnachtsveranstaltungen (65 Prozent) mit Rheinland-Pfalz verbinden. Theater, Literatur und Film werden hingegen kaum mit der rheinland-pfälzischen Kulturlandschaft assoziiert. Beispielsweise gaben 52 Prozent an, Kino überhaupt nicht mit Rheinland-Pfalz in Verbindung zu bringen. Unterschiedliche Altersgruppen nehmen das kulturelle Angebot entsprechend ihrer Interessen unterschiedlich stark wahr: Je älter die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind, desto eher bringen sie die Angebote Theater, Festivals, Museum, Musik und Literatur mit Rheinland- Pfalz in Verbindung. Jüngere Teil-nehmerinnen und Teilnehmer hingegen verbinden eher Weinfeste, Kino und Fastnachtsveranstaltungen mit Rheinland-Pfalz. Kulturelle Alleinstellungsmerkmale steigern nachweislich nach außen hin ein positives Image und führen bei den Menschen vor Ort zur Identifikation mit ihrer Region, ihrer Stadt oder Gemeinde. Kultur schafft und sichert nicht nur Arbeitsplätze und steigert die Attraktivität eines Standortes, sie trägt auch maßgeblich zur Identitätsbildung bei. In den größeren Städten ebenso wie im ländlichen Raum. Laut unserer Umfrage verbinden 72 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit dem Begriff Heimat Kultur. Auch Politik und Wirtschaft sind sich einig: Kunst und Kultur leisten einen wichtigen Beitrag zur Identität von Rheinland-Pfalz. Als gesellschaftsübergreifender Konsens ist Identität Voraussetzung für einen dauerhaften regionalen gesellschaftlichen Zusammenhalt. Zum kulturellen Leben gehört die Gleichzeitigkeit unterschiedlicher, widersprüchlicher und auch abgrenzender Interpretationen. Diese Vielfalt macht eine Gesellschaft kulturell reich und ermöglicht das Zulassen und die Integration auch fremder, neuer Kulturen. Der interkulturelle Austausch sollte gerade in Rheinland-Pfalz leichtfallen. Das Land war historisch betrachtet stete Drehscheibe des kulturellen, religiösen, ökonomischen und politischen Austausches, hier haben sich starke regionale Identitäten entwickelt und erhalten. Gerade auch mit dem Instrument des Kultursommers Rheinland-Pfalz ist es seit 20 Jahren gelungen, regionale kulturelle Besonderheiten und Profile deutlich zu machen. Dies geht einher mit dem Ansatz von Kulturschaffenden, zunehmend regionale Gegebenheiten in besonderer Weise profilschärfend einzusetzen, sei es durch das bewusste Schaffen eines Images wie in der Krimi-Region Eifel oder durch interaktive Aktionen wie bei den ‚AsphaltVisionen’ in Hattert im Westerwald, sei es durch Anknüpfen an historische Gegebenheiten wie im römischen Trier oder durch einzigartige Erlebnisse wie beim Internationalen Straßentheaterfestival in Ludwigshafen. Dass nach der Erfahrung aus der 200-Jahr-Feier Rheinhessens bei den Akteuren die Überlegung wächst, für die Bündelung und Weiterentwicklung regionaler kultureller Angebote auch hauptamtliche professionelle Unterstützung zu ermöglichen, spricht für diesen Ansatz: Regionale kulturelle Profile sind Magnet für Bürger und Touristen und tragen zur wirtschaftlichen Standortqualität bei. Dieser Wechselbeziehung aus Kultur und Identität hat die ZIRP die Publikation Kultur prägt. Region und Identität in Rheinland-Pfalz gewidmet. Gemeinsam mit Experten aus ganz Rheinland-Pfalz und darüber hinaus haben wir beispielhafte kulturelle Projekte, Programme und Aktivitäten in den Regionen identifiziert, die Identität und Identifikation schaffen. Damit wollen wir die kulturelle Vielfalt, die Bedeutung der freien Kultur und sozialer Kulturinitiativen verdeutlichen. Ebenso stehen Kooperationen und Netzwerke im Mittelpunkt, die zur Profilierung und Vermarktung regionaler Kulturereignisse beitragen. Regionale Identifikation über Kultur ist eine wesentliche Voraussetzung, um die Lebensqualität zu stärken, Abwanderung zu verhindern, Engagement und Partizipation zu fördern und strukturellen Wandel zu begleiten. 2. Kreative Stadt Welches kulturwirtschaftliche Zukunftspotenzial haben rheinland-pfälzische Städte? Wie können sie über kulturwirtschaftliche Hebel ihre Standortqualität beziehungsweise ein Alleinstellungsmerkmal im Wettbewerb der Städte entwickeln und sich profilieren? Diesen Fragen widmen wir uns in dem 2014 gestarteten Projekt Kreative Stadt. Im Rahmen einer Veranstaltungsreihe besuchen wir die fünf größten Städte in Rheinland-Pfalz. Im Mittelpunkt der Diskussion steht dabei ein den jeweiligen Standort auszeichnendes kulturelles Merkmal. So stellte sich für Mainz die Frage: Wie kann sich ein Medienstandort unter den Bedingungen der Digitalisierung weiterentwickeln? In Kooperation mit dem Forschungsschwerpunkt Medienkonvergenz der Johannes Gutenberg-Universität Mainz diskutierten Vertreter aus Politik, Medien und Wissenschaft über Gutenberg digital und die Voraussetzungen für ein gemeinsames strategisches Vorgehen zur Entwicklung eines Profils als Medienstandort. Mit der Digitalisierung muss eine stärkere Vernetzung einhergehen. Hier ist die Vernetzung der Medieninhalte über sämtliche Ausspielkanäle ebenso gemeint wie die Vernetzung aller beteiligten Akteure. Die klassischen Kanäle Hörfunk, TV, online verschwinden zugunsten einer multimedialen Denk- und Arbeitsweise. Dieses Denken muss bereits in der Ausbildung junger Medienschaffender berücksichtigt werden und stellt Hochschulen und Betriebe vor neue Herausforderungen. In einer Sache waren sich die Mainzer Medienschaffenden einig: Nur mit stabilen Netzwerken kann der Medienstandort Mainz den Digitalen Wandel erfolgreich meistern. Zweite Station war Trier: Gemeinsam mit Vertretern des Fachbereichs Gestaltung der Hochschule Trier und Thomas Metz, Generaldirektor der GDKE Rheinland- Pfalz, fragte die ZIRP in der ‚ältesten Stadt Deutschlands’ nach Potenzialen multimedialer Technik zur Vermittlung kulturellen Erbes. Ziel der Veranstaltung war, Impulse für den modernen Umgang mit dem historischen Reichtum in Trier und anderen rheinland-pfälzischen Städten zu geben. Mit dem Smartphone auf Zeitreise gehen und eintauchen in virtuelle Welten? Es zeigte sich: Die mediale Inszenierung kultureller Stätten ist vielerorts bereits Realität. Denn: Kulturerbe ist mehr als sichtbare Architektur oder Ausstellungsstücke in Museen. Durch mediale Inszenierungen können nicht nur neue Anreize geschaffen werden, Kulturerbe kann als ‚digitale Erlebniswelt’ auch vor allem junges Publikum anziehen. Welche Rolle hat die Stadtbevölkerung für die partizipative kulturelle Entwicklung? In Kooperation mit dem Ernst-Bloch-Zentrum richtete die ZIRP in Ludwigshafen den Blick auf Künstlerische Interventionen im Lebensraum Stadt. Kann die Stadt ein Ort für Utopie und neue Wahrnehmungen sein? Demografischer und wirtschaftlicher Wandel greifen sichtbar in Stadtstrukturen ein. Welche Rolle spielt kreatives Handeln in der Stadtentwicklung, beim Thema Stabilisierung benachteiligter Stadtquartiere, dem Umgang mit Gebäudeleerstand und Stadtbrachen? Dass Kunst ein Katalysator für Gestaltungsprozesse sein kann, zeigen kreative Projekte wie Another Perfect Day, das im Rahmen von Hack and the City 2015 in Ludwigshafen durchgeführt wurde. Durch temporäre Konstruktionen und Aktionen haben die Künstlerin Schirin Kretschmann und Kuratorin Öykü Özsoy in öffentliche Räume eingegriffen und beobachtet, wie die Öffentlichkeit darauf reagiert und daran partizipiert. Mal als stille Handlung, mal unter Beteiligung der Anwohner wie bei einer Pflanzaktion vor dem Ludwigshafener Hauptbahnhof. Öffentlicher Raum ist immer auch ein Handlungs- und Verhandlungsraum, der die Gemeinschaft zur Gestaltung herausfordert und zur Nutzfläche aller werden lässt. Das Erlebnis der Stadt als Raum von und für alle ist wichtig für das Entstehen von Identifikation und eines positiven Images. Erst wenn die Bewohner sagen „Das ist meins!“ und damit beginnen, öffentliche Plätze, leerstehende Gebäude und Freiflächen zu nutzen, gelingt Identifikation mit der Stadt. In Koblenz haben wir in Kooperation mit der GDKE mit Stadtplanern und Architekten über die Bedeutung des Dreiklangs aus Kultur, Natur und Architektur für die urbane und regionale Entwicklung in Koblenz und anderen deutschen Städten diskutiert. Von Koblenz ausgehend entwickeln sich einzigartige Landschaftsräume. In der Stadt selbst – etwa mit den Festungsanlagen – bestehen das Stadtbild prägende Freiräume und Grünflächen. Spätestens durch die Bundesgartenschau 2011 ist sich Koblenz der Stärke als ‚Grüne Stadt am Wasser’ bewusst geworden. Im Januar 2016 haben wir diese für Koblenz prägende Wechselbeziehung zwischen Stadt und Landschaft zum Anlass genommen, einen öffentlichen Kunstwettbewerb auszuloben. Künstlerinnen und Künstler waren eingeladen, Entwürfe für temporäre Kunstwerke in Koblenz einzureichen, die den Blick für Freiräume schärfen. Die insgesamt 49 eingereichten Arbeiten wurden anonym durch eine hochkarätige Jury unter dem Vorsitz von Dr. Oliver Kornhoff, Direktor des Arp Museums Bahnhof Rolandseck, bewertet. Die ausgewählten Arbeiten von Peter Kees, Julia Wenz und Karin Meiner (Organisatorin des Aktionslabors PAErsche in Rheinland-Pfalz) waren vom 13. Juli bis 23. Oktober 2016 in Koblenz zu sehen und zu erleben. Mit den Interventionen wollten wir in der ‚Grünen Stadt am Wasser’ Zeichen setzen und Bürgerinnen und Bürger sowie Gäste auf die Landschaft in der Stadt hinweisen. Vertrautes sollte neu wahrgenommen, hinterfragt und in neuem Zusammenhang gesehen werden. 3. Kultur im ländlichen Raum Ländliche Räume machen in Rheinland-Pfalz etwa 60 Prozent der Landesfläche aus. Sie spielen eine Schlüsselrolle bei der Sicherung von Arbeitsplätzen und der Zukunft des Wirtschaftsstandorts. Im ländlichen Raum beziehungsweise in Regionen mit schrumpfender Bevölkerung können Kulturschaffende und Kleinstunternehmen der Kulturwirtschaft als Impulsgeber von nachhaltiger Ortsentwicklung wirken, ohne dass eine Mindestanzahl an Akteuren gegeben sein muss. Hier wird noch zu selten das Potenzial von Kultur zum Nutzen der regionalen Entwicklung gesehen. Zu diesem Ergebnis kamen die Experten aus Kultur, Politik und Wissenschaft auf einem ZIRP-Symposium zum Thema Kultur im ländlichen Raum, das im Rahmen des 2015 abgeschlossenen Projekts Wirtschaft im ländlichen Raum stattgefunden hat. Unsere Online-Umfrage unterstreicht dieses Ergebnis: Bei der Frage, welche kulturellen Angebote ihrer Meinung nach in Rheinland- Pfalz am meisten fehlen, gaben viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer den Mangel an kulturellen Veranstaltungen im ländlichen Raum zu bedenken. Die Experten auf dem Symposium waren sich zudem einig, dass Kulturtourismus für viele ländlich geprägte Regionen eine enorme ökonomische Chance darstellt. Nehmen wir beispielsweise die Städte Unkel und Hillesheim. Durch Kultur haben die beiden Orte in den vergangenen Jahren einzigartige Profile herausgebildet, mit denen sich die Anwohnerinnen und Anwohner identifizieren und sich Gäste von außerhalb begeistern lassen. Denn Unkel ist nicht mehr nur Unkel, eine Stadt im Landkreis Neuwied. Unkel hat sich im Engagement zahlreicher Künstlerinnen und Künstler, Anwohnerinnen und Anwohner sowie der Verwaltung den Titel ‚Kulturstadt’ erarbeitet. Aus Hillesheim in der Vulkaneifel, der rheinland-pfälzischen Krimihochburg, wurde ‚Deutschlands Krimihauptstadt’. Besucht man beide Städte, möchte man die Titel nicht anzweifeln. Sie stehen beispielhaft dafür, wie Kultur das Gesicht von Städten im ländlichen Raum prägen kann. Und das wirtschaftlich erfolgreich, denkt man allein an die erzielten Einnahmen durch Tagesund Übernachtungsgäste. Dass Ideenreichtum, Partizipation und regionale Identität bei der Aktivierung der Anwohnerinnen und Anwohner und des Publikums als Schubkraft dienen können, zeigen auch Projekte wie das von Rebecca Staal im Westerwald initiierte Straßentheater-Festival ‚AsphaltVisionen’, das seit 2007 alle zwei Jahre stattfindet. Netzwerke stärken Kulturwirtschaft ist eine relevante gesellschaftliche und wirtschaftliche Größe in unseren Städten und Regionen. Um das kulturwirtschaftliche Potenzial noch besser auszuschöpfen, sind effektive Netzwerke wichtig. So wie für Menschen heute die Welt nicht an den Grenzen ihrer Städte aufhört, darf auch die Zusammenarbeit kultureller Institutionen nicht an diesen Grenzen aufhören. Ein Landesgrenzen überschreitendes Beispiel ist die Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz. Sie versteht sich als das Orchester der erweiterten Metropolregion Rhein-Neckar und steht für die Begegnung mit sinfonischer Musik an Rhein, Neckar und in der Pfalz. Das Orchester schafft durch zahlreiche Kooperationen in der Region eine kulturelle Gemeinschaft. Die überkommunale Vernetzung von Akteuren aus Kultur, Tourismus, Wirtschaft und Politik bietet die Möglichkeit, die Menschen vor Ort mit attraktiven Angeboten besser zu erreichen. Dass wir im Kulturbereich diese Formen der Vernetzung brauchen, ist eine zentrale Erkenntnis, die sich wie ein roter Faden durch unsere gesamte Projektarbeit zieht. Als Netzwerk aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Kultur ist die Förderung überregionaler Zusammenarbeit für uns mehr als eine gute Idee. Sie ist gelebtes, tägliches Ziel unserer Arbeit. Literaturverzeichnis MINISTERIUM FÜR WIRTSCHAFT, VERKEHR, LANDWIRTSCHAFT UND WEIN- BAU (2015): Kultur- und Kreativwirtschaft. – https://mwvlw.rlp.de/de/themen/wirtschaftszweige/kultur-und-kreativwirtschaft/ [Stand: 18.08.2016] In dem Sammelband „Kultur prägt. Region und Identität in Rheinland-Pfalz“ geht die ZIRP der Wechselbeziehung von Kultur und regionaler Identität nach. Voraussichtlicher Erscheinungstermin ist März 2017. Die Publikation wird dann unter www.zirp.de zum kostenlosen Download bereit stehen. Bestellungen der Printversion sind ab sofort per Mail an mail@zirp.de möglich.

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Zusammenfassung

Die Kultur- und Kreativwirtschaft wirkt. In den Arbeitsmarkt, als Standortfaktor, als wichtiger Bestandteil der Kulturlandschaft. Auch in Rheinland-Pfalz.

Doch wer sind die Akteure der Kultur- und Kreativwirtschaft in Rheinland-Pfalz? Welchen konkreten Herausforderungen müssen sich die Kreativen im Zeitalter der Digitalisierung stellen? Was sind die gegenwärtigen kultur- und wirtschaftspolitischen Diskurse? Wie gestaltet sich das Verhältnis der Akteure zum Standort – und umgekehrt?

Diesen und weiteren Fragen widmet sich der vorliegende Sammelband. Dabei sollen weniger Handlungsempfehlungen gegeben als viel mehr Ideen und aktuelle wissenschaftliche Diskurse aufgegriffen und diskutiert werden. Es geht aber auch darum, mehr Lust zu machen auf noch mehr Kreativität – und hierdurch einer positiven Entwicklung der Kultur- und Kreativwirtschaft in Rheinland-Pfalz weitere Impulse zu geben.

KULTUR/WIRTSCHAFT/RLP – Ein wissenschaftlicher wie praxisrelevanter Beitrag zum kulturwirtschaftspolitischen Diskurs, nicht nur in Rheinland-Pfalz. Mit zahlreichen Fachartikeln von Wissenschaftlern, Kulturmanagern und anderen Akteuren der Kultur-(Wirtschafts-)Politik. Ein Buch für alle Interessierte, Studierende, Lehrende und Berufstätige im Bereich der Kultur- und Kreativwirtschaft sowie Kulturpolitik.