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JULIUS REICH, Die verborgene Dimension der Kultur- und Kreativwirtschaft. Essay über die Kraft des Kreativen in der postmodernen Gesellschaft in:

David Maier (Ed.)

KULTUR WIRTSCHAFT RLP, page 11 - 28

TEXTE ÜBER DIE KULTURWIRTSCHAFT IN RHEINLAND-PFALZ

1. Edition 2017, ISBN print: 978-3-8288-3905-2, ISBN online: 978-3-8288-6744-4, https://doi.org/10.5771/9783828867444-11

Tectum, Baden-Baden
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Die verborgene Dimension der Kultur- und Kreativwirtschaft Essay über die Kraft des Kreativen in der postmodernen Gesellschaft JULIUS REICH Bereits durch die im Titel dieser Veröffentlichung symbolisierte Trennung der Termini „Kultur“ und „Wirtschaft“ impliziert der Herausgeber dieser Schrift deren Tendenz, sich in dialektischer Weise auszuschließen und gleichzeitig zu bedingen. Dabei ist das uns zu eigene Verständnis einer solchen, absoluten Trennschärfe vor allem nationales Spezifikum, dessen Wurzeln in der deutschen Kulturtradition verortet sind: Ursächlich angelegt in dem viel- und mannigfaltigen höfischen Kunstwesen des kleinstaatlichen deutschen Feudalismus, artikulierte sich zu Anfang des 19. Jahrhunderts aus der Hybris des nachfolgenden Bildungsbürgertums ein romantisiertes Künstlerideal, welches einen von äußeren Sachzwängen freischaffenden Künstler propagiert. Gleichzeitig entwickelte sich die bis heute prägende und weltweit einzigartige, staatlich institutionalisierte und finanzierte Kulturlandschaft. Aus dieser Entwicklung heraus ist der Impetus eines auf die sogenannten ‚schönen‘ Künste beschränkten Kulturbegriffes zu erklären, dessen Deutungshoheit sich bis zur Gegenwart durch die kulturwissenschaftliche und -politische Elite verteidigt hat. So etablierte sich „das in Deutschland lange Zeit übliche Verständnis von Kultur im Sinne der so genannten ‚Hochkultur’“ (EN- QUETE KOMMISSION 2007: 47). Diese Betrachtungsweise, namentlich, dass eine authentische Kunst nicht mit kommerzieller Motivation in Einklang zu bringen sei, führt im Umkehrschluss zu der Fehlannahme, dass ein Künstler sich durch die aus Wort, Bild und Ton geschaffene Kraft seines baren Daseins ernähren könne und stellt darüber hinaus grundsätzlich in Abrede, dass eine kommerzialisierte Kunst auch von Anfang an intendiert sein könnte (vgl. BEYME 2012: 179). Dem Hochkulturbegriff ist der vermeintliche Widerspruch von Kunst und Kommerz, oder in gegebenem Kontext, Kultur und Wirtschaft immanent, diese werden entsprechend der geisteswissenschaftlichen Tradition als funktional differenzierte Sphären betrachtet (vgl. MANSKE et al. 2016: 41). Die Befürchtung, dass „Kunst und Kultur [...] den ihnen eigenen Zauber, das Entrückte, Mystische, Unerklärliche und Unantastbare verlieren“ (GOTTSCHALK 2016: 2) könnte, ist dabei stärker als beispielsweise das Wissen um die lange Geschichte des kommerziellen Notendruckes, Buchdruckes oder Verlagswesens als grundlegende Fundamente von Literatur und Musik in heutiger Form. Ungeachtet dessen und der bereits absehbaren Notwendigkeit kulturökonomischer Handlungsweisen im Zeichen einer ansteigenden Verschuldung öffentlicher Finanzhaushalte, erteilten die Streit- schriften aus der sogenannten Frankfurter Schule in den 1970er Jahren einer bipolaren Sichtweise auf Kultur und Wirtschaft intellektuelle Absolution, respektive ideologischen Anstrich; insbesondere Theodor W. Adornos und Max Horkheimers Neuauflage der Dialektik der Aufklärung von 1969 erfährt eine bis heute intensive Rezeption (HORKHEIMER et al. 1969). So erklärt sich, dass „eine verständige Debatte über Definitionen und Begrifflichkeiten im Verhältnis Kultur und Wirtschaft [...] sich in Deutschland und in anderen Teilen Europas vor allem deshalb nur unzureichend und erst spät entwickeln [konnte], weil die wirtschaftlichen und arbeitsmarktpolitischen Aspekte des Kultursektors über Jahrzehnte unterschätzt bzw. ignoriert wurden“ (WIESAND 2006). Anders verhielt es sich im angelsächsischen Raum, wo eine wertfreie und aufgeschlossene Aktivierung des ökonomischen Potenzials kultureller und kreativer Inhalte auf politischer Ebene bereits früh angestrebt wurde. Unter dem Rubrum der ‚creative industries’ subsumierte die britische Regierung bereits 1998 jenen Branchencluster, der sich durch die Generierung von Wohlstand und Arbeitsplätzen aus den Leistungen individueller Kreativität, sowie der Auswertung von materiellen und immateriellen Gütern im Schutzbereich des geistigen Eigentums auszeichnet1. Die nicht vom traditionellen Konzept der deutschen Kultur geprägte angelsächsische Position integrierte dabei in rascher Folge auch die Begriffe der ‚creative economy’ und ‚cultural economy’, umfasst mithin also alle Kultur- und Medienzweige in einer allgemeinen Definition (vgl. MANSKE 2013: 44). Obgleich auch in Deutschland die Bedeutung systematischen Managements öffentlicher Kulturbetriebe spätestens ab den frühen 1990er Jahren deutlich anstieg und private Unternehmen bereits als fester Bestandteil der Kulturbranche betrachtet werden konnten (vgl. MANDEL 2009: 13), entwickelte sich ein vergleichbares Bewusstsein hierzulande verspätet: Der seit 2004 verwendete Begriff (vgl. WOLLENBERG 2014: 16) der Kultur- und Kreativwirtschaft wurde erstmals im 2007 veröffentlichten Schlussbericht der Enquete-Kommission zur Untersuchung der Kultur in Deutschland in einer deutschen Fassung einheitlich definiert, als „[…] diejenigen Kultur- bzw. Kreativunternehmen, […] welche überwiegend erwerbswirtschaftlich orientiert sind und sich mit der Schaffung, Produktion, Verteilung und/oder medialen 1 „those activities which have their origin in individual creativity, skill and talent and which have the potential for wealth and job creation through the generation and exploitation of intellectual property“ (BRITISH GOVERNMENT 2001: 5) Verbreitung von kulturellen/kreativen Gütern und Dienstleistungen befassen“ (ENQUETE KOMMISSION 2007: 340f.). Kultur- und Kreativwirtschaft im nationalen Verständnis Auch in dieser, analog zu ‚creative industries’ (vgl. SÖNDERMANN et al. 2009: 5) geschaffenen Definition, bleibt die Kultur- und Kreativwirtschaft aufgrund ihrer Transformativität und Heterogenität unscharf: „defining ‚creative industries‘, however, is a matter of considerable inconsistency and disagreement in the ‚academic literature‘” (UNITED NATIONS 2010: 4). Eine Ursache hierfür liegt in der semantischen Pluralität des Kulturbegriffes, welcher schon bei Goethe in seiner „materiellen, moralischen, sozialen und historischen Bedeutung“ (BER- LIN-BRANDENBURGISCHE AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN et al. 2011) erscheint. Dies führt stringent zur gegenwärtigen Betrachtung von Kultur in der Kulturwissenschaft, welche alles als solche begreift, was „semiotisch oder semantisch in irgendeiner Form besetzt ist“ (MAURER 2012: 13f.). Damit steht ein ambivalenter Universalitätsbegriff im Raum, der sich einer abschließenden Festlegung eigentlich verwehrt. Eine bestimmende Gemeinsamkeit findet sich dennoch in den zur Leistungsentfaltung eingesetzten Ressourcen menschlicher Kreativität. In dieser liegt das verbindende Element zwischen einem dreiköpfigen Webdesignbüro, der selbstständigen Möbeldesignerin und einer städtischen Theatercompagnie. Der Kulturwissenschaftler Andreas J. Wiesand beschreibt die Kultur- und Kreativwirtschaft entsprechend als „Kultur & Medien PLUS“ und bezeichnet damit „die Künste, die Medien, administrative, qualifizierende und fördernde Instanzen und [...] das kulturelle Erbe“ im weiten Bogen, „ohne qualitative Vorbewertung (etwa im Sinne von ‚Hoch- oder ‚Unterhaltungskultur’)“ (WIESAND 2006: 11). Aufgrund dieser Abstraktionsebenen ist das verbindende Element des „schöpferischen Akt[es]“ (ENQUETE KOMMISSION 2007: 348), wie es die Enquete-Kommission in Ergänzung zu ihrer Definition betont, zwar einleuchtendes Axiom, selbst vielen Kreativen fällt es jedoch schwer, sich als Teil eines definierten Branchenclusters zu begreifen: „In erster Linie identifizieren sich diese mit der eigenen Teilbranche und sehen sich primär als Musiker/in, Designer/in oder Softwareentwickler/in“ (REICH 2013: 16). Ungeachtet dessen kann der übergreifende ökonomische und gesellschaftliche Beitrag kreativer Dienstleister und Unternehmer heute wohl kaum noch argumentativ in Abrede gestellt werden; die Wirklichkeit hat eine kulturideologische Festlegung überholt: „Die Verbindung von Kunst und Ökonomie wird nicht [mehr] diskutiert, sondern praktiziert“ (GOTTSCHALK 2016: 371), eine vermeintliche Opposition von Wirtschaft und Kultur ist eine „strukturelle Wahlverwandtschaft“ geworden (MANSKE et al. 2016: 51). Die wachsende Bedeutung der Kultur- und Kreativwirtschaft wird nunmehr auch in Deutschland „zunehmend in der öffentlichen, politischen und wissenschaftlichen Diskussion […] thematisiert” (WOLLENBERG et al. 2013: 65). Damit verbunden ist auch die Erkenntnis, dass „der Kulturbetrieb in seiner Gesamtheit [...] eine erhebliche volkswirtschaftliche Bedeutung” (COLBERT 2011: 12) hat, woraus verständlicherweise der Wunsch erwächst, diese in Worten und Zahlen zu erfassen. Aufgrund des dezentralen, heterogenen und diffusen Wesens, in welchem sich die Kultur- und Kreativwirtschaft präsentiert, sowie des noch immer nachwirkenden, traditionellen deutschen Kulturverständnisses, findet eine Wirkungsanalyse dabei primär aus volkswirtschaftlicher Perspektive nach dem Ursache-Wirkungs-Prinzip statt. Man verlässt sich in einer Bewertung vorrangig auf deskriptive Statistiken und quantifizierbare Ergebnisse, im Fokus stehen Wertschöpfungsketten, Arbeitsmarktimpulse, Standorteinflüsse, Umwegrentabilitäten, sowie weitere Sekundäreffekte, etwa die Bedeutsamkeit von Vorleistungen durch die Kultur- und Kreativwirtschaft als Zulieferer für externe Branchen. Die Zahlen lesen sich dabei in der Tat beeindruckend, so werden für die Umsatzentwicklung bis 2020 erhebliche Wachstumsraten von +2,5% p.a. prognostiziert (vgl. WOLLENBERG et al. 2013: 70), bereits im Jahr 2014 wies die Branche etwa 249.000 Unternehmen bei einem jährlichen Umsatz von 146 Mrd. Euro auf (vgl. BUNDESMI- NISTERIUM FÜR WIRTSCHAFT UND ENERGIE 2016: 13). In diesem Zusammenhang bezeichnete die Europäische Kommission schon 2012 die „Kultur- und Kreativwirtschaft als Motor für Wachstum und Beschäftigung in der EU” (EUROPÄISCHE KOMMISSION 2012: 12). Weitgehend vernachlässigt bleibt bei dieser Betrachtung der direkten oder indirekten Bruttowertschöpfung jedoch die soziokulturelle Wirkungsebene der Kultur- und Kreativwirtschaft. Die Herausforderung einer Innovationsgesellschaft Um zu verstehen, warum gerade diese zukünftig von gravierender Bedeutung sein wird, wagen wir zunächst einen Exkurs in das Jahr 1866, genauer den 27. Juli desselben, als es unter der Ägide des amerikanischen Unternehmers Cyrus W. Field erstmals gelang, die 1.800 Seemeilen zwischen dem europäischen und dem amerikanischen Festland per Tiefseekabel zu überwinden. Wenngleich damals noch auf Basis rudimentärer analoger Telegraphie, kann dieses Ereignis als erste Wehe einer technologisch getriebenen Globalisierung und quasi-revolutionärer Vorbote der Digitalisierung verstanden werden, die heute ihren vorläufigen Ab- schluss in der sogenannten vierten Stufe der industriellen, bzw. technischen Revolution, gefunden hat. Dieses in den Wirtschaftswissenschaften etablierte Stufenmodell bezieht sich dabei auf die historische Entwicklung: Die erste industrielle Revolution stellt demnach der am Ende des 18. Jahrhunderts eingeleitete Umbruch einer Agrar- zur Industriegesellschaft, durch Einführung technischer Innovationen, insbesondere der Dampfmaschine dar. Als zweite industrielle Revolution wird die Hochindustrialisierungsphase, durchrationalisierte und effiziente Arbeitsprozesse, die Einführung von Fließband- und Massenproduktion, sowie der Elektrifizierung verstanden. Die nächste Stufe, als technologische Revolution oder Digitalisierung bekannt, sei die ab 1980 einsetzende, rapide Entwicklung von Elektronik und Informationstechnologien, womit der Umbruch von einer Industrie- zur Informationsgesellschaft eingeleitet wurde (vgl. MAINZER et al. 2014/vgl. WOLTER et al. 2015: 9). Die vierte Stufe, oder auch „Industrie 4.0“ (WOLTER et al. 2015: 10), beschreibt nunmehr die Auswirkung der digitalen Vernetzung zu intelligent-kognitiven Systemen, sowie die Rationalisierung und Automatisierung von Fertigungsprozessen, Verkehrssystemen und Dienstleistungen. Unsere Arbeitswelten und Lebenswirklichkeiten werden sich dadurch radikal verändern: Wir befinden uns inmitten eines hochdynamischen sozialgesellschaftlichen Wandels, eines transformativen Prozesses ständiger (Er-)Neuerung, den die Sozialwissenschaftlerin Alexandra Manske als „gesellschaftlichen Klimawandel” bezeichnet und dessen Folgen schwer absehbar sind (MANSKE et al. 2016: 51). Dieser Prozess kann auf zwei in Relation stehende Phänomene abstrahiert werden: Erstens der Erosion kultureller Identitäten und zweitens der Transformation der Arbeitswelt durch die fortschreitende Evolution der Informations-gesellschaft. Die gravierenden Auswirkungen und Interdependenzen von Digitalisierung und Globalisierung, sowie der damit verbundenen gesellschaftlichen Metamorphose durch Migration, Arbeitsmarkt- und demographischen Wandel, sorgen für eine „Fragmentierung der Gesellschaft“ (BEYME 2012: 14). In der Realität einer faktischen und auch politisch gewollten Multikulturalität erodiert die autochthone kulturelle Identität. Schon Friedrich Nietzsche erkannte: „Je weniger die Menschen durch das Herkommen gebunden sind, um so größer wird die innere Bewegung der Motive, um so größer wiederum, dem entsprechend, die äußere Unruhe, das Durcheinanderfluten der Menschen, die Polyphonie der Bestrebungen“ (NIETZSCHE 1988). Die Globalisierung forciert dabei, nach Caroline Y. Robertson-von Trotha, eine Dialektik kultureller Nivellierung bei gleichzeitiger Verstärkung kultureller Differenz (vgl. ROBERTSON-VON TROTHA 2009). Die scheinbar unwiderrufliche Erosion kultureller Werte in einer von Digitalisierung und Globalisierung bestimmten Wirklichkeit steht dabei tatsächlich in scharfem Gegensatz zu einer parallel steigenden Bedeutsamkeit derselben, als Antwort auf subjektbezogene und nationale Identitätskrisen in einer Welt verlorener Bezugspunkte. Zu der Fragilität kultureller Identitäten gesellt sich der radikale Wandel der Arbeitswelt. Es ist absehbar, dass schon in naher Zukunft physische Arbeitskraft durch Automatisierung substituierbar und somit die menschliche Leistung in betroffenen Bereichen zurückgedrängt wird. Es ist keine These, sondern Tatsache, dass in den kommenden 15 Jahren die Hälfte aller Berufsbilder der Digitalisierung zum Opfer fallen wird (vgl. BUNDESVERBAND MUSIKINDUSTRIE 2016: 2), oder noch deutlicher, „Maschinen werden Millionen unserer Jobs übernehmen” (SCHULTZ 2016). Konkrete Schätzungen liefert das Institut für Arbeitsmarktund Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit in einer aktuellen Studie. Demnach gibt es 2020 etwa 40.000 Arbeitsplätze weniger, „zudem verlieren die negativ betroffenen Berufsfelder circa 240.000 Arbeitsplätze“ (WOLTER et al. 2015: 47). Im Umkehrschluss werden andererseits 200.000 Stellen in neuartigen Berufsfeldern geschaffen, die einen hohen Qualifikationsgrad voraussetzen. Dieser ist bei den Arbeitnehmern in den betroffenen Berufsfeldern in der Regel nicht gegeben. Es ist folglich keine Dystopie, dass die bevorstehende Entwicklung eine immanente Gefahr zur Ausformung eines Prekariats, durch weitere Verschärfung eines im Zeichen der Spätphase des Kapitalismus ohnehin schon extremen sozialen Gefälles birgt. Aus dieser Gefahr formuliert sich der Innovationsimperativ einer postmodernen Gesellschaft. Damit gemeint ist, dass mit dem Sprung von der industriellen Produktionsweise zur heterogenen Dienstleistungs- und Informationsgesellschaft keine Vollendung gefunden ist, sondern wir uns mitten in der Phase eines fundamentalen Umbruches zu einer ‚Innovationsgesellschaft‘ befinden. Einem delirischen Taumel gleich stolpern wir unvorbereitet in eine Wirklichkeit, in der Wertschöpfung durch geistige Innovation stattfinden wird. Der deutsche Ökonom und Soziologe Michael Hutter proklamiert diesbezüglich: „Die Erneuerungsfähigkeit der Gesellschaft steht gegenwärtig zur Debatte“ (HUTTER et al. 2016: 15). Diese Befürchtung speist sich aus der Beobachtung, dass die Innovationszyklen schon jetzt in vielen Bereichen schneller ablaufen, als unsere Ausbildungszyklen. Der Philosoph und Wissenschaftstheoretiker Klaus Mainzer konstatiert dazu: „Wir müssen uns also künftig überlegen, wozu wir die Menschen eigentlich ausbilden. Wenn wir jemandem heute in der Lehre ein bestimmtes Computerprogramm beibringen, ist das schon überholt, wenn er in den Betrieb kommt“ (MAINZER et al. 2014). Kultur und Kreativität als zukunftsweisende Ressourcen Die Kultur- und Kreativwirtschaft steht im Mittelpunkt dieser Umbrüche. Kunst und Kultur als eines der konstituierenden Merkmale dieser, ist dabei Teil der Wertschöpfungskette, leistet aber mehr als nur einen messbaren ökonomischen Beitrag: In einer Zeit, da alle Unterschiede verschwimmen und alle räumlichen und sozialen Bezugspunkte sich im diffusen Rauschen eines kosmopolitischen Nichts verlieren, bieten kulturelle Inhalte zwingend notwendige und sinnstiftende Identifikationsfläche. Es spielt dabei keine Rolle, ob die Kultur ihre Wirkung vor dem Hintergrund privatwirtschaftlicher oder staatlicher Trägerschaft entfaltet: „Kulturbetriebe und Kulturorganisationen haben einen wichtigen Stellenwert in der Gesellschaft. Sie widerspiegeln kulturelle Identitäten durch den Inhalt ihrer dargebotenen Werke (Werte, Fragestellungen, Tabus), durch die Formen ihrer Gegenwart (beispielsweise durch die schlichte Zahl kultureller Treffpunkte in einer Stadt) und schließlich durch die Art der Nachfrage“ (COLBERT 2011: 13). Die dabei entstehende Aufwertung von Stadtvierteln oder Landstrichen sorgt nicht nur für ein besseres Image der Region, sondern auch für ein lokal verankertes Zugehörigkeitsgefühl der Bewohner. Dabei ist gerade die Lebensqualität hinsichtlich Kultur, Bildung und Freizeitangeboten moderne Währung jeder Region im Konkurrenzkampf um hochqualifizierte Arbeitskräfte. Die Kultur- und Kreativwirtschaft eröffnet die Möglichkeit, sich gegen Abwanderung oder demographische Effekte neu zu positionieren. Dort, wo andere Branchen von Brachland sprechen, sieht diese oft chancenreiche Metiers, da Gründergeist und kleinteilige Struktur der Unternehmen weniger kapitalintensive Standorte begrüßen. Die verankerten Kreativcluster können somit durch ihre Konstitution und Leistungen die Region stärken und in dieser „nicht nur die Defizite des sich auflösenden Nationalstaates auffangen, sondern [...] auch in einer noch nicht fest gefügten suprastaatlichen Ordnung als Gegengewicht fungieren, das ihren Menschen räumliche Verankerung und Identität sichert“ (DILLER 2002: 42). Auch den Anforderungen der modernen Arbeitswelt kann durch die namens-gebende Ressource der Kultur- und Kreativwirtschaft, nämlich der Kreativität, begegnet werden. Diese ist, wie auch Kunst und Kultur, ein mannigfaltig besetzter Begriff. Die Vereinten Nationen verweisen in ihrem Bericht zur Creative Economy von 2010 auf die künstlerische, wissenschaftliche und ökonomisch motivierte Kreativität (vgl. UNITED NATIONS 2010: 3), vor allem aber bleibt diese ein Synonym für ‚strukturiertes Chaos‘, eine besondere Form des abstraktionsfähigen Denkens. Dort, wo unterschiedliche Fähigkeiten und individuelle Lebenswege aufeinandertreffen und Menschen kooperieren, nimmt Kreativität den Platz uniformen Denkens ein, entstehen individuelle Problemlösungen, beginnt das ‚um die Ecke denken‘. Kreatives Denken ist Schlüsselattribut und wichtigstes Instrument zur Bewältigung der Herausforderungen einer Innovationsgesellschaft und zugleich ein rein menschliches Attribut; physische Arbeitskraft mag im Zuge der Automatisierung redundant werden, in gleichem Maße aber steigt die Bedeutsamkeit geistiger Schöpfungskraft in der Produkt- und Systementwicklung. Computer und Maschinen entwickeln keine Visionen, es ermangelt ihnen am chaotischen Moment, der Fantasie, ergo, der Kreativität im Denkprozess. Die Kulturund Kreativwirtschaft präsentiert sich hier als Vorbild: „Die Künste werden seit der italienischen Renaissance durch das Ideal der Originalität vorangetrieben, unterstützt durch die ständigen Innovationen von Techniken und Institutionen“ (HUTTER et al. 2016: 26). Die Fähigkeit zum kreativen Denken ist in Kunst und Kultur fest verankert, wird von dieser gefordert und durch diese gefördert. Die unterschiedlichen Faktoren und Kräfte wirken dabei nicht singulär, sondern synergetisch: Ästhetische Kultur, kreativer Schöpfergeist und selbstständiges Unternehmertum stehen in symbiotischer Beziehung, wirken in horizontaler Breite auf die Gesellschaft und transformieren bestehende Strukturen. Entsprechend dieser Überlegungen kann auch dem eingangs so bezeichneten Innovationsimperativ begegnet werden: Es ist nicht zu weit gegriffen, in der Fähigkeit kreativen Denkens die logische Konsequenz und essentielle Lösung für die Herausforderungen der postmodernen Gesellschaft zu suchen. Es geht dabei um nicht mehr oder minder als die Frage, in welcher Art und Weise der Mensch in hochentwickelten Regionen zukünftig produktiv sein wird und welche besonderen Qualifikationen und Leistungsmerkmale dafür Voraussetzung sind. „Forscher und Praktiker drängen auf Hinweise nach den Ursachen der Innovationsfähigkeit und -tätigkeit“ (WOLLENBERG et al. 2013: 66), schreibt der Wirtschaftswissenschaftler Klaus Wollenberg und vermerkt sogleich, dass diese regelmäßig in den regionalen Netzwerken und soziokulturellen Umfeldern der Kultur- und Kreativwirtschaft gefunden werden. Dies ist kaum überraschend, ist hier doch der Innovationsgedanke essentielle Voraussetzung. So gaben in einer repräsentativen Studie des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie von 2016 bis zu 85% der befragten Kultur- und Kreativunternehmen die Realisierung von Innovationen im zurückliegenden Geschäftsjahr an (vgl. BUNDESMINISTERIUM FÜR WIRT- SCHAFT UND ENERGIE 2016: 48). Ursache hierfür ist die Adaptions- und Abstraktionsfähigkeit der Akteure: Stets werden innovative Lösungen gesucht, um künstlerische oder kreative Leistungen und Produkte bei konsequentem Einsatz moderner Technologien zu entwickeln. Erleichtert wird dies durch offene und kollaborative Handlungs- und Geschäftsprozesse, welche sich aus der Notwendigkeit zur Flexibilität in einem hochdynamischen Wettbewerbsumfeld, den oft kleinen Unternehmensgrößen, der damit verbundenen Prämisse zur Inspiration, sowie dem Austausch mit anderen Branchen, Unternehmen und Akteuren ergeben (vgl. HAMBURG KREATIVGESELLSCHAFT 2012: 27). Unternehmerische Tätigkeit in der Kultur- und Kreativwirtschaft ist durch soziale Austauschbeziehungen und interdisziplinäre, internationale und interkulturelle Kooperationen entlang der gesamten Wertschöpfungskette gekennzeichnet (vgl. ARNDT et al. 2012: 12/vgl. HAMBURG KREATIV-GESELLSCHAFT 2012: 28). Die Kulturund Kreativwirtschaft wirkt somit durch „ihre Schnittstellenposition zwischen Kunst, Wirtschaft und Technologie“ (EUROPÄISCHE KOMMISSION 2012: 3) als Innovationskatalysator. Dieses Katalysatorpotential kann als „eine wichtige Ressource für gesellschaftliche Innovation und für die Bewältigung großer gesellschaftlicher Herausforderungen“ (ebd.) angesehen werden. Innovationen sind dabei im Kontext der Kreativbranche nicht nur „die Entwicklung, Imitation und Adaption von neuen Produkten und Dienstleistungen, Entwicklungs-, Produktions- und Vertriebsprozessen oder neuen Organisations- und Marketingformen“ (BUNDESMINISTERIUM FÜR WIRTSCHAFT UND ENERGIE 2016: 39), sondern insbesondere auch ‚Soziale Innovationen‘. Diese bezeichnen „Lösungen, die alternativ zu herkömmlichen Innovationen durch Berücksichtigung bestimmter sozialer Praktiken oder Kontexte gesellschaftliche Herausforderungen identifizieren [und bewältigen]. Mit Sozialen Innovationen werden insbesondere jene Probleme und Bedürfnisse adressiert, die durch den sozialen, ökologischen und ökonomischen Wandel entstehen, denn diese Herausforderungen [...] können kaum noch durch herkömmliche Innovationsformen aufgefangen werden“ (ARNDT et al. 2012: 7). Politische und gesellschaftliche Implikationen Spätestens seit des 2007 veröffentlichten Schlussberichtes der Enquete-Kommission kann auch in Deutschland eine verstärkte politische Flankierung der Kulturund Kreativwirtschaft beobachtet werden. Als Grundlage dient hierfür oft der Nachweis primärer Effekte in Form direkter Bruttowertschöpfung und Beschäftigung. Mehreinnahmen in Form von Steuern und Abgaben durch kulturelle Events, Veranstaltungen und örtlich ansässige Unternehmen lassen sich einfach beziffern. Auch die quantifizierbaren sekundären Effekte durch Beiträge auf die Gesamtwirtschaft, also Vorleistungen und Umwegrentabilitäten, können herangezogen werden. Zu diesen indirekten Effekten gehört auch das verbesserte Image einer Region durch den Einfluss kreativer Milieus. Die impliziten, gesellschaftlich aktivierenden Faktoren aber, die also nicht quantifizierbaren, immateriellen Wirkungen bleiben verborgen. Diese Effekte der Kultur- und Kreativwirtschaft auf gesamtgesellschaftlicher Ebene, welche wiederum als Rahmenbedingungen auf die anderen Effekte rückwirken (vgl. ARNDT et al. 2012: 30), sind bislang kaum eingehender untersucht worden. Dennoch kann die sozio-kulturelle Wirkung der Kultur- und Kreativwirtschaft in ihren Formen der Arbeitsgestaltung und technischen, wirtschaftlichen und sozialen Innovation nicht ausgeklammert werden. Diese übernimmt „eine Vorreiterrolle auf dem Weg in eine wissensbasierte Ökonomie in Deutschland“ (SÖNDERMANN et al. 2009: 3). Eine rein ökonomisch orientierte Perspektive bietet hier keinen „wirklichen Ansatzpunkt für das Verständnis kultureller Prozesse“ (WIESAND 2006). Der Wert des Immateriellen und die Kraft von Kultur und Kreativität im Zusammenhang zur Innovationsfähigkeit müssen jedoch Beachtung finden, will man der Wucht jener Transformationskräfte in unserer Gesellschaft durch weitsichtige politische Weichenstellung begegnen. Kulturelle, kreative, künstlerische, ökonomische, technische und wissenschaftliche Prozesse können in ihren reflexiven Bezügen nicht mehr isoliert betrachtet werden. Um einen praktischen Zusammenhang herzustellen, reicht ein Blick auf das Ausbildungswesen. In einer Welt überbordender Informationen ist es nicht mehr von Vorteil, Wissen im schulischen Sinne auswendig zu lernen. Vielmehr zählt die Fähigkeit neues Wissen zu recherchieren, anzuwenden und bei Problemstellungen neue Lösungsansätze zu finden. Gleiches gilt übertragen auf den Einsatz moderner Technologien. Entscheidend ist die Kompetenz, sich in fremde Arbeitsprozesse einzuarbeiten und auf neue Situationen einstellen zu können. Als abstrahiertes Beispiel verdeutlichen dies die jährlich verbrannten Millionen beim Versuch Arbeitnehmer auf die neueste Version einer beliebigen Software umzuschulen. Das stoische und traditionell orientierte Vermitteln von Inhalten führt dabei zur ineffizienten Anwendung der Informationstechnologien, da der Funktionsumfang moderner Software nicht einmal im Ansatz durch simples Auswendiglernen erfasst werden kann. Die Auswirkung sind Unsicherheit und geistige Blockadehaltung beim An-wender, in Folge ineffiziente Arbeit und die Notwendigkeit zur wiederholten Fortbildung beziehungsweise weiteren Umschulung – denn inzwischen ist die Software ja schon wieder veraltet. An dessen statt müsste man eine neue Denkweise etablieren, eine geistige Flexibilität vermitteln, die nicht mehr nach dem Was, sondern dem Wie fragt: Wie und wo finde ich eine Antwort auf meine Fragen durch selbstständige Wissensgenerierung? Kreativität, kritisches Denken und Abstraktionsfähigkeit gilt es in Zukunft an Stelle von starrem Wissen und Unmündigkeit auszubilden. Wer befähigt ist selbst eine Lösung zu finden, wird stets effizienter und anpassungsfähiger sein, als jener, der an vorgegebene Lösungen gebunden ist. Kreativität und Innovation bedingen einander untrennbar. Diese Erkenntnis ist der geistige Imperativ der Kultur- und Kreativwirtschaft und erklärt ihre gesamtgesellschaftliche Vorbildfunktion. Kreative Milieus und Denkweisen entstehen dabei nicht aus einer glücklichen Fügung heraus, sondern sind Resultat günstiger Rahmenbedingungen und fähigen Personals. Erforderlich sind hochqualifizierte und zu kreativem Denken befähigte Menschen (vgl. FRONZ et al. 2014: 11). Der notwendige Aufbau intelligenter Infrastrukturen in einer Innovationsgesellschaft erfordert entsprechend eine hohe Investitionsbereitschaft in Bildung, insbesondere der Informatik und Technik, aber eben untrennbar auch in jene Disziplinen des kreativen Spektrums, also – gerade auch aus volks- und betriebswirtschaftlicher Perspektive – der Kunst, Musik und artverwandten Fächern. Das Human- und Sozialkapital als Grundbaustein für den Rohstoff der Kreativität gilt es schon weit im Vorfeld etwaiger Berufstätigkeiten, also in schulischer und hochschulischer Ausbildung, gezielt zu fördern: „Kreative Fähigkeiten müssen frühzeitig vermittelt werden, um das Fundament für einen konstanten Nachschub an kreativen Talenten zu legen“ (EUROPÄI- SCHE KOMMISSION 2012: 6). Das Land Rheinland-Pfalz zeichnet sich hier im bundesweiten Vergleich vorbildhaft durch ein überdurchschnittliches Angebot an Wochenstunden in den künstlerischen Fächern der allgemein bildenden Schulen aus (vgl. LINDENBAUM et al. 2015: 3). Mögliche Defizite wurden hingegen in der 2014 veröffentlichten Studie Kultur und Kreativwirtschaft in Rheinland-Pfalz in der Einbeziehung der Hochschulen zur weiterführenden Qualifikation und Branchenvernetzung benannt (vgl. FRONZ et al. 2014: 39). Natürlich beschränkt sich eine sinnvolle Förderung der Kultur- und Kreativwirtschaft nicht auf entsprechende Inhalte im Bildungswesen. Der Schutz des Urheberrechtes, eine weniger breite und dafür projektbezogene finanzielle Förderung und inhaltliche Beratung, aber auch die aus sozialpolitischer Perspektive notwendige Alternative zur sorgenden wohlfahrtsstaatlichen Rahmung, um den oftmals prekären Verhältnissen von Berufseinsteigern nachhaltig zu begegnen, können hier genannt werden. Doch fehlt es bislang vor allem an einer formulierten gedanklichen Verschränkung der positiven volkswirtschaftlichen und soziokulturellen Bedeutung der Kultur- und Kreativwirtschaft, um eine zukunftsweisende und ressortübergreifende politische Investition in diese zu gewährleisten. Die Umwegrentabilität des Geistigen Die Kraft der Kultur, Kreativität und Innovation als Merkmale der Kultur- und Kreativwirtschaft sind zur Bewältigung der Herausforderungen einer post-modernen Gesellschaft wesentlich. Nicht nur ist diese ein Seismograph für „arbeitsgesellschaftliche Entwicklungstendenzen geworden“ (MANSKE et al. 2016: 14), die kreativen Akteure sind „Impulsgeber und die Katalysatoren, die gesamtwirtschaftlich, aber auch gesamtgesellschaftlich relevante Prozesse in Gang setzen“ (HAMBURG KREATIVGESELLSCHAFT 2012: 7f.). Der globale Wettbewerb und die rapide Entwicklung der neuen Technologien legen durch den erhöhten „Veränderungsdruck“ (ENQUETE KOMMISSION 2007: 43) einen besonderen Fokus auf Kreativität und Innovation als volkswirtschaftliche Erfolgsfaktoren (MUMFORD et al. 2002: 705). „Wenn das Potenzial der Kultur- und Kreativwirtschaft voll ausgeschöpft wird, kann dies erheblich zu Wachstum und Beschäftigung und zur Beschleunigung des Wandels in Richtung einer wissensbasierten Innovationsgesellschaft beitragen“ (EUROPÄISCHE KOM-MISSION 2012: 16). Kultur und Kreativität sind dabei die basischen Zutaten für wirtschaftliche Prosperität und gleichermaßen Antwort auf benannte gesellschaftliche Transformationsprozesse. Die unterschiedlichen Faktoren und Kräfte wirken dabei nicht singulär, sondern synergetisch: Ästhetische Kultur, kreativer Schöpfergeist und selbstständiges Unternehmertum gehen eine symbiotische Beziehung ein, wirken in horizontaler Breite auf die Gesellschaft und transformieren bestehende Strukturen. Der Schlüssel liegt – wie seit Jahrzehnten von Kulturschaffenden angemahnt – in der Bildung. Die Förderung des Bildungssystems durch das Gießkannenprinzip, frei nach dem Motto ‚mehr von mehr ist mehr‘ verfehlt jedoch seine Wirkung. Das Verständnis schulischer und akademischer Bildung muss insgesamt neu interpretiert werden. Eine Lösung findet sich nurmehr selten in der stoischen Abfrage von Inhalten des schulischen Kanons, denn im Zuge der rasanten Entwicklung ist alles, was heute in diesen Eingang findet, bereits gestern schon veraltet gewesen. Vielmehr muss es gelingen, das kreative Potenzial in den Köpfen zu aktivieren, zu schulen, zu fördern. Die zukünftige Adaptionsfähigkeit unserer Wirtschaft und Gesellschaft wird entscheidend auch davon abhängen, welchen Stellenwert dem Faktor der Kreativität als grundlegende Ressource für Innovationen eingeräumt wird. Die bis zu diesem Punkt formulierten Überlegungen führen zu dem philosophischen Gedanken und Plädoyer, einer ‚Umwegrentabilität des Geistes‘ entsprechende Beachtung zu schenken. Kunst und Kultur sind gesellschaftliches Fundament, Kreativität der Rohstoff und Innovation das Paradigma des 21. Jahrhunderts. Es geht schon längst nicht mehr um die Frage, welchen Stellenwert künstlerisch-kreative Leistung im gesellschaftlichen Strukturwandel einnimmt, sondern welchen man ihr zuspricht. Literaturverzeichnis ARNDT, Olaf/FREITAG, Kathleen et al. (2012): Die Kultur- und Kreativwirtschaft in der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfungskette. Wirkungsketten, Innovationskraft, Potenziale. – In: Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, BMWi (Hrsg.). 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References

Zusammenfassung

Die Kultur- und Kreativwirtschaft wirkt. In den Arbeitsmarkt, als Standortfaktor, als wichtiger Bestandteil der Kulturlandschaft. Auch in Rheinland-Pfalz.

Doch wer sind die Akteure der Kultur- und Kreativwirtschaft in Rheinland-Pfalz? Welchen konkreten Herausforderungen müssen sich die Kreativen im Zeitalter der Digitalisierung stellen? Was sind die gegenwärtigen kultur- und wirtschaftspolitischen Diskurse? Wie gestaltet sich das Verhältnis der Akteure zum Standort – und umgekehrt?

Diesen und weiteren Fragen widmet sich der vorliegende Sammelband. Dabei sollen weniger Handlungsempfehlungen gegeben als viel mehr Ideen und aktuelle wissenschaftliche Diskurse aufgegriffen und diskutiert werden. Es geht aber auch darum, mehr Lust zu machen auf noch mehr Kreativität – und hierdurch einer positiven Entwicklung der Kultur- und Kreativwirtschaft in Rheinland-Pfalz weitere Impulse zu geben.

KULTUR/WIRTSCHAFT/RLP – Ein wissenschaftlicher wie praxisrelevanter Beitrag zum kulturwirtschaftspolitischen Diskurs, nicht nur in Rheinland-Pfalz. Mit zahlreichen Fachartikeln von Wissenschaftlern, Kulturmanagern und anderen Akteuren der Kultur-(Wirtschafts-)Politik. Ein Buch für alle Interessierte, Studierende, Lehrende und Berufstätige im Bereich der Kultur- und Kreativwirtschaft sowie Kulturpolitik.