6 Machiavelli in:

Michael Lausberg

Geistige Vorreiter des Humanismus, page 91 - 98

1. Edition 2017, ISBN print: 978-3-8288-3920-5, ISBN online: 978-3-8288-6742-0, https://doi.org/10.5771/9783828867420-91

Tectum, Baden-Baden
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Machiavelli Niccolò di Bernardo dei Machiavelli (1469-1527) ist vielleicht der umstrittenste, zweifelsohne aber einer der wichtigsten politischen Theoretiker des Humanismus. Seine wichtigsten Werke „Il Principe“ und „Discorsi spora la prima deca de Tito Livio“ kurzgenannt „Discorsi“, in denen Machiavelli seine Ideen zur Herrschaftslehre und zum Staatsaufbau niederschrieb, spalten noch heute die Geister. Während er einerseits oftmals als klassischer Vertreter der republikanischen Denkweise betrachtet wird, wird der Name Machiavelli andererseits als Synonym für skrupellose Machtpolitik und Machtusurpation um jeden Preis benutzt.198 Der Florentiner war beseelt vom Wunsche nach nationaler Einheit und Größe seines zerissenen Landes, möglichst unter der Führung von Florenz, und empfand Hass gegenüber dem Papsttum, das dieser Entwicklung im Wege stand. Machiavelli entwarf in seinen Schriften, besonders im Buch Il Principe (dt. Der Fürst) eine politische Theorie, die in der Selbsterhaltung und Machtsteigerung des Staates das ausschließliche Prinzip politischen Handelns sah. Diesem Zweck zu dienen, seien alle Mittel recht, moralische und unmoralische.199 In seinem monarchisch ausgerichteten Werk idealisiert Machiavelli nationale Selbständigkeit und Macht eines Staates und schätzt diese Größen als so wichtig ein, dass ein Staatsmann durch die entsprechenden Mittel und um jeden Preis danach streben müsse, „unbekümmert um private Moralität und bürgerliche Freiheit“. Das Gemeinwohl („bonum commune“) sei am besten durch einen allein herrschenden, starken Fürsten vertreten. „Il Principe“ war den regierenden Medicis gewidmet, was Machiavelli stets den Vorwurf eintrug, zu seinem eigenen Vorteil ein nur den Herrschenden genehmes Modell zuungunsten der Moral entworfen zu 6 198 Schmid, C. Macchiavelli. Auswahl und Einleitung, Frankfurt 1956, S. 21 199 Reinhardt, V.: Machiavelli oder die Kunst der Macht. Eine Biographie, München 2012, S. 16 91 haben. Ob der „Principe“ aber tatsächlich nur eine Rechtfertigungsschrift für grausame Methoden der Herrschenden vom Schlage zum Beispiel eines Gewaltmenschen wie Cesare Borgia ist, ist umstritten. Die Erfahrung seiner historischen Studien lehrte ihn, dass es oft die letzteren Mittel seien: Täuschung, List, Verrat, Meineid, Bestechung, Vertragsbruch und Gewalttat, die den Erfolg verbürgen.200 Von Staat zu Staat galt nicht Moral und Recht, sondern nur der bloße Machtkampf, mit politischen oder militärischen Mitteln. In der Rezeption ist gegenüber dem Buch Il Principe sein politisches und literarisches Werk Discorsi darüber in den Hintergrund getreten. Machiavellis politisches Vermächtnis findet sich in seinen vier Hauptwerken.201 Dazu gehören neben seinem bekanntesten Buch Il Principe (Der Fürst) von 1513, das erstmals 1532 posthum erschien, die Discorsi sopra la prima deca di Tito Livio (Abhandlungen über die ersten zehn Bücher des Titus Livius), die er von 1513 bis 1517 schrieb und die 1532 veröffentlicht wurden, sowie seine 1521 verfasste Istorie fiorentine (Geschichte von Florenz) und sein im selben Jahr entstandenes Werk Dell’Arte della guerra (Von der Kriegskunst). Es gibt große Widersprüche zwischen den einzelnen Schriften Machiavellis.202 So handeln die Discorsi eher vom Aufbau und den Vorteilen einer republikanischen Verfassung, während Il Principe sich mit Alleinherrschaft und den damit verbundenen machtpolitischen Überlegungen beschäftigt. Diese Widersprüche lassen sich jedoch auflösen, wenn man alle seine Werke betrachtet; so schreibt sein Biograph Dirk Hoeges: „Das Mißverständnis, dem er von Beginn an ausgesetzt ist, resultiert aus seiner Reduzierung auf den Politiker und auf den Autor des «Principe»; erforderlich aber ist der Blick auf sein Gesamtwerk und die Einsicht in den untrennbaren Zusammenhang aller seiner Teile zum Verständnis jedes einzelnen.“ Machiavelli widmete sich nach seinem Sturz einer umfassenderen schriftstellerischen Tätigkeit und seiner politischen Rehabilitierung. In dieser Zeit entstanden seine beiden Hauptwerke Il Principe, welches er unmittelbar nach seinen schweren Folterungen mit „verkrüppelten 200 Höffe, O. (Hrsg.): Niccolò Machiavelli: Der Fürst, Berlin 2012, S. 14 201 Taureck, B.H.F.: Machiavelli-ABC, Leipzig 2002, S. 14 202 Schmid, C. Macchiavelli. Auswahl und Einleitung, Frankfurt 1956, S. 20 6 Machiavelli 92 Händen“ niederschrieb, und die Discorsi.203 Gedruckt wurden beide Bücher 1531 und 1532. Er bricht mit der Tradition normativer Fürstenspiegel bereits damit, dass sein Fürst kein Erbfürst ist, sondern sich den Thron im politischen Spiel selbst errungen hat.204 Machiavelli formuliert in diesem Werk als erster überhaupt die Grundsätze der Staatsräson, dass nämlich ein Herrscher, um die elementaren Notwendigkeiten des Staates zu erfüllen, „die Gesetze der traditionellen Moral verletzen“ müsse, sonst gehe er mit dem Staat zusammen unter.205 Für einen Herrscher sei es demnach gleichgültig, ob er als gut oder als böse gilt, wichtig sei nur der Erfolg, der voraussetzt, vom Volk nicht gehasst zu werden. Der Fürst muss die traditionelle Moral vorgeblich wahren können, aber er darf auch – im Interesse der Staatsräson – vor Gewalt und Terror nicht zurückschrecken.206 Machiavelli untersucht verschiedene erfolgreiche Fürsten der Geschichte.207 Francesco I. Sforza kommt in seinem Urteil dem Ideal recht nahe, aber nur Cesare Borgia könnte ein perfekter Fürst sein, weil er den Mut hatte, seine Feinde in Senigalla zu ermorden, und weil er seine Macht in den eroberten Gebieten geschickt erhielt. Er beging jedoch einen Fehler, als er, nachdem sein Vater gestorben war, dem neuen Papst vertraute, der ihn entmachtete. Einen perfekten Fürsten kennt die Geschichte in Machiavellis Augen also nicht, er verspricht jedoch, dass die Anleitung des Principe es ermögliche, zum perfekten Fürsten zu werden.208 Machiavelli widmete das Buch Lorenzo II. de’ Medici. In der Schlusspassage gab Machiavelli Lorenzo die Aufgabe, Italien von den „Barbaren“ zu befreien und zu einen. Il Principe ist Lorenzo II. de’ Medici gewidmet, nachdem er es zuerst Giuliano II. de’ Medici hatte widmen wollen.209 Diese Widmungen Machiavellis enthalten ungeachtet des Themas klare und scharfe, mit den Mitteln humanistischer Rhetorik ausgestaltete Kritik an den Medici des Cinquecento, für die er nur Verachtung übrig hat. Als der wich- 203 Höffe, O. (Hrsg.): Niccolò Machiavelli: Der Fürst, Berlin 2012, S. 25 204 Münkler, H.: Machiavelli. Frankfurt 2004, S. 37 205 Reinhardt, V.: Machiavelli oder die Kunst der Macht. Eine Biographie, München 2012, S. 20 206 Schröder, P.: Niccoló Machiavelli., Frankfurt 2004, S. 21 207 Schmid, C. Macchiavelli. Auswahl und Einleitung, Frankfurt 1956, S. 24 208 Ebd. 209 Taureck, B.H.F.: Machiavelli-ABC, Leipzig 2002, S. 95 6 Machiavelli 93 tigste Berater von Lorenzo II. de’ Medici, Francesco Vettori, diesen auf das Werk hinwies, zeigte Lorenzo II. de’ Medici kein Interesse daran.210 In seinem berühmtesten Werk beschreibt Machiavelli, wie ein Herrscher politische Macht gewinnen und bewahren kann, wobei das politische Ziel die Errichtung einer Republik sein sollte.211 Das Werk wird oft als Verteidigung des Despotismus und der Tyrannei solcher machtbewussten Herrscher wie Cesare Borgia verstanden, Borgia ist unglaubwürdig, aber nach Machiavelli muss ein Fürst glaubwürdig sein. Machiavelli konstruiert einen Idealfürsten, der aber von keiner lebenden Person je erreicht werden kann. Moses kommt, so sieht es Jeremias „mehr als jeder andere“ dem Idealfürsten nahe.212 Machiavelli bricht in dem Fürstenbuch mit zwei Traditionen.213 Ein guter Fürst sollte nach den alten Traditionen nicht wild und brutal wie ein Löwe sein und nicht so listig und täuschend wie ein Fuchs, sondern er sollte tugendhaft herrschen. Als zweites bricht Machiavelli mit der Tradition, dass ein Fürst generös sein muss, indem er Freunde beschenkt und auch selber im Luxus zu leben hat.214 Ein Fürst, der dies befolgt, schmeichelt aber nur ein paar Mitläufern und ruiniert mit dem Luxusleben sein Fürstentum. Machiavelli lehrt aber nicht, dass der Zweck die Mittel heilige, sondern dass der Fürst nicht fürchten muss, brutal und geizig zu sein, und er das Notwendige machen muss, um das Ziel zu erreichen. In dem Werk Discorsi, welches vermutlich parallel zum Fürstenbuch entstand, entwickelt Machiavelli das vor dem Hintergrund des Il Principe erstaunliche Ideal einer Republik ohne Fürsten. So soll „Macht und persönlicher Status stets getrennt“ und der „Staatsschatz stets wohlgefüllt, der Bürger hingegen arm“ sein.215 Die Discorsi sind ein Kommentar zum Geschichtswerk des Titus Livius, der die Ge- 210 Lehmkuhl, J.: Erasmus – Machiavelli, Zweieinig gegen die Dummheit, Würzburg 2008, S. 28 211 Reinhardt, V.: Machiavelli oder die Kunst der Macht. Eine Biographie, München 2012, S. 20 212 Jeremias, R.: Vernunft und Charisma. Die Begründung der Politischen Theorie bei Dante und Machiavelli - im Blick Max Webers, Konstanz 2005, S. 77 213 Schmid, C. Macchiavelli. Auswahl und Einleitung, Frankfurt 1956, S. 47 214 Höffe, O. (Hrsg.): Niccolò Machiavelli: Der Fürst, Berlin 2012, S. 62 215 Stockhammer, N.: Das Prinzip Macht. Die Rationalität politischer Macht bei Thukydides, Machiavelli und Michel Foucault, Baden-Baden 2009, S. 44 6 Machiavelli 94 schichte der römischen Republik beschreibt. Machiavelli zieht die römische Geschichte heran, um aus ihr seine Überzeugungen zu gewinnen und zu festigen.216 Im August 1521 wurde Über die Kunst des Krieges (Dell’Arte della Guerra) gedruckt.217 Geschrieben hat Machiavelli dieses Werk auch für seine Freunde der Orti Oricellari Gruppe. Mit ihnen verkehrte Machiavelli in dieser für ihn unbefriedigenden Zeit, was ihm half seinem Leben einen Sinn zu verleihen. Gewidmet ist es Lorenzo di Filippo Strozzi, der ihn während der dunklen Jahre gelegentlich beschenkte und ihn bei Kardinal Giulio de’ Medici eingeführt hatte. Für Machiavelli ist die Praxis der Kriegskunst der Abschluss und die Grundlage des zivilen Lebens. Machiavelli ist sich bewusst, dass Krieg verheerende Folgen hat, aber eine Republik oder ein Fürstentum muss sich verteidigen können. Ein Herrscher muss den Frieden lieben und wissen, wann er Krieg führen muss.218 Das Werk wurde von bedeutenden Zeitgenossen wie Kardinal Giovanni Salviati angepriesen. Im 16. Jahrhundert wurde Über die Kunst des Krieges sieben Mal nachgedruckt und in verschiedene Sprachen übersetzt.219 Im Auftrag des Kardinals Giulio de Medici verfasste Machiavelli von 1521 bis 1525 seine Abhandlung über die Geschichte von Florenz, die den Zeitraum von der Gründung der Stadt bis zum Tode Lorenzos des Prächtigen abdeckt. Diese Geschichte der Florentiner Innenpolitik und Parteikämpfe ist keine zuverlässige Historiographie, sondern folgt mit historischen Lehrstücken in rhetorischer Sprache (Historia magistra vitae) humanistischen Traditionen und exemplifiziert – besonders durch den Einbau fiktiver Reflexionen und Reden der beschriebenen Akteure – Machiavellis politische Ideen.220 Machiavelli sieht die Geschichte „keineswegs in einem kontinuierlichen Fortschritt ‚zum Besseren‘, wie Kant und Hegel später behaup- 216 Skinner, Q.: Machiavelli zur Einführung. 5. Auflage, Hamburg 2008, S. 37 217 Lehmkuhl, J.: Erasmus – Machiavelli, Zweieinig gegen die Dummheit, Würzburg 2008, S. 35 218 Reinhardt, V.: Machiavelli oder die Kunst der Macht. Eine Biographie, München 2012, S. 33 219 de Grazia, S.: Machiavelli in Hell, Vintage 1989, S. 54 220 Kersting, W.: Niccoló Machiavelli. 3. Auflage, München 2006, S. 26 6 Machiavelli 95 ten werden, noch ist sie als Heilsgeschichte zu lesen.221 Die Menschheit bewegt sich vielmehr unendlich in einem Kreis. Machiavelli übernimmt durch Polybios Platons Theorie des Verfassungskreislaufes. Deswegen ist das Minimalziel für Machiavelli nur, „die unausweichliche Dekadenz der Republik möglichst zu verlangsamen“.222 Deswegen muss die Verfassung der Republik eine Mischform sein. Die Geschichtsschreibung Machiavellis ist hervorgegangen aus einer Kritik an der bisherigen Geschichtsschreibung, die die inneren Angelegenheiten der Stadt Florenz verdrängt und die äußeren hervorgehoben habe; diese sah er als eine parteiische Geschichtsschreibung an, in der die Konflikte innerhalb der Stadt ausgeblendet würden. Die absichtliche Eliminierung der inneren Geschichte durch Leonardo Bruni und Poggio Bracciolini, Sympathisanten der Medici, bewirkt eine Änderung seiner eigenen Konzeption, die Geschichte der Stadt zu schreiben. Hoeges zufolge entdeckte Machiavelli dadurch das „elementare Movens ihrer Geschichte (…), das in Destruktion und Zwietracht, in Disharmonie und konkurrierenden zerstörerischen Gegensätzen lag.“223 Das Fehlen dieser Elemente habe verhindert, dass Florenz so groß wurde wie Rom oder Athen.224 Virtù (Tugend/Tüchtigkeit) ist der Kernbegriff in Machiavellis Theorie und politischer Lehre.225 Unter dem Begriff virtù versteht Machiavelli die politische Energie bzw. den Tatendrang, etwas zu tun.226 Seine an der politischen Realität orientierten Ratschläge sind nicht auf ein wünschbares (Tugend)-Ideal ausgerichtet, sondern auf ihre Tauglichkeit für die Praxis. Sowohl einzelne Menschen als auch ganze Völker können Träger dieser Kraft sein. Diese virtù ist nie gleich verteilt. Wo sie allerdings war, führte sie zu großen Reichen. So hatte das Römische Reich eine so große Macht erreicht, weil seine Anführer und sein Volk von viel virtù beseelt waren. Folglich kann man diese meta- 221 Huber, J.: Guicciardinis Kritik an Machiavelli, Wiesbaden 2004, S. 38 222 Stockhammer, N.: Das Prinzip Macht. Die Rationalität politischer Macht bei Thukydides, Machiavelli und Michel Foucault, Baden-Baden 2009, S. 65 223 Taureck, B.H.F.: Machiavelli-ABC, Leipzig 2002, S. 76 224 Lehmkuhl, J.: Erasmus – Machiavelli, Zweieinig gegen die Dummheit, Würzburg 2008, S. 42 225 Deppe, F.: Niccolo Machiavelli. Zur Kritik der reinen Politik, Köln 1987,.S. 38 226 Hoeges, D. Niccolò Machiavelli. Die Macht und der Schein, 2. Auflage, Frankfurt/M. 2014, S. 38 6 Machiavelli 96 physische Kraft nicht erzwingen, aber man kann günstige Voraussetzungen für sie schaffen, z.B. in der Struktur der Verfassung. Die Bürger müssen zur virtù erzogen werden. Gegenspieler der virtù ist die fortuna in Anlehnung an die Glücksund Schicksalsgöttin der römischen Mythologie.227 Sie steht für das Schicksal, den Zufall, aber auch für die Gelegenheit. Sie ist der unberechenbare Faktor in der politischen Rechnung. Machiavelli sieht den Herrscher immer in einem Kampf gegen fortuna. Allerdings macht diese nur etwa die Hälfte des Erfolges aus; die andere Hälfte ist bestimmt durch Willenskraft (virtù) und praktische Vorbereitung. Für letzteres stellt ein großer Teil von Machiavellis Werk einen praktischen Ratgeber für soziales Handeln dar.228 Weitere wichtige Begriffe sind ambizione (Ehrgeiz), necessità (Notwendigkeit) und occasione (Gelegenheit).229 Ambizione stellt für Machiavelli die entscheidende Triebfeder menschlichen Handelns dar. Wenn ein politisches Gemeinwesen durch innere oder äußere Bedrohungen gefährdet ist, bilden moralische Bedenken eine untergeordnete Rolle; man wird gezwungen, amoralisch zu handeln. Zum Zwecke der Selbstbehauptung sind dann alle Mittel erlaubt.230 Neben politischen und philosophischen Schriften verfasste Machiavelli drei Komödien.231 Andria ist eine Übersetzung der gleichnamigen Terenz-Komödie. Die Mandragola ist eine eigenständige Komödie, die bis heute aufgeführt wird. Sie handelt von einem Jüngling, der sich in die Frau eines einflussreichen Florentiner Arztes verliebt und diese mit Raffinesse und Intrige erobert. Diese Komödie wurde vielfach als politische Allegorie gelesen. Ihr folgt die 1525 uraufgeführte Komödie Clizia, eine Auftragsarbeit, die das Niveau der Mandragola nicht ganz erreicht. Clizia ist stofflich an die Casina von Plautus angelehnt; Handlungsort und -zeit wurden vom antiken Griechenland ins zeitgenössische Florenz verlegt.232 227 de Grazia, S.: Machiavelli in Hell, Vintage 1989, S. 19 228 Jeremias, R.: Vernunft und Charisma. Die Begründung der Politischen Theorie bei Dante und Machiavelli - im Blick Max Webers, Konstanz 2005, S. 55 229 Schröder, P.: Niccoló Machiavelli., Frankfurt 2004, S. 39 230 Kersting, W.: Niccoló Machiavelli. 3. Auflage, München 2006, S. 33 231 Buck, A.: Machiavelli, Darmstadt 1985, S. 29 232 Taureck, B.H.F.: Machiavelli-ABC, Leipzig 2002, S. 126 6 Machiavelli 97 Machiavellis dramatisches Schaffen umfasste sechs Werke, von denen nur die drei oben erwähnten erhalten sind.233 Während des Rinascimento und der Besinnung auf die alten Meister der Antike begannen um 1500 verstärkt Übersetzungstätigkeiten, die eng mit dem Prinzip der „imitatio“ verbunden waren. Durch das die imitatio ergänzende Prinzip der aemulatio entstehen aus Machiavellis Feder das verloren gegangene Stück Le Maschere nach Aristophanes.234 Die Auseinandersetzungen um Machiavelli begleiten die gesamte moderne politische Theorie und Ideengeschichte bis hin zur Faschismustheorie und dem Begriff des Totalitarismus.235 Schon früh bildete sich die gegen die Machiavellianischen Anschauungen gerichtete Strömung des Antimachiavellismus, der zur Hauptsache Kleriker, Adelige, humanistische Philosophen, Freigeister, Aufklärer und Ethiker anhingen. Ihre berühmteste Schrift ist wohl der Antimachiavell Friedrichs des Großen, ein scharfer Angriff auf die im Fürsten vorgeschlagenen Wege, wenngleich Friedrich selbst diese Mittel einzusetzen verstand.236 233 Skinner, Q.: Machiavelli zur Einführung. 5. Auflage, Hamburg 2008, S. 103 234 Hoeges, D. Niccolò Machiavelli. Die Macht und der Schein, 2. Auflage, Frankfurt/M. 2014, S. 27 235 Huber, J.: Guicciardinis Kritik an Machiavelli, Wiesbaden 2004, S. 99 236 Stockhammer, N.: Das Prinzip Macht. Die Rationalität politischer Macht bei Thukydides, Machiavelli und Michel Foucault, Baden-Baden 2009, S. 87ff 6 Machiavelli 98

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