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DRESDNER KREUZCHOR UND ZEITGENÖSSISCHECHORMUSIK IM SPIEGEL DER PRESSE 1932-2015 in:

Matthias Herrmann (Ed.)

Dresdner Kreuzchor und zeitgenössische Chormusik, page 217 - 294

Ur- und Erstaufführungen zwischen Richter und Kreile

1. Edition 2017, ISBN print: 978-3-8288-3906-9, ISBN online: 978-3-8288-6737-6, https://doi.org/10.5771/9783828867376-217

Series: Schriften des Dresdner Kreuzchores, vol. 2

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
DRESDNER KREUZCHOR UND ZEITGENÖSSISCHE CHORMUSIK IM SPIEGEL DER PRESSE 1932 2015 Rezensionen, alphabetisch nach Komponisten ZUSAMMENGESTELLT VON VITUS FROESCH 218 Dresdner Kreuzchor und zeitgenössische BALMER, LUC Missa brevis für Soli, Chor und Orchester 1976 03 16 Die Union, Dresden Diszipliniert und klangschön. Kreuzchorkonzert mit Uraufführung eines Schweizer Komponisten [Flämig] Im ersten Kreuzchorkonzert nach den Winterferien setzte Martin Flämig seine Absicht fort, […] den Dresdner Musikfreunden weniger Bekanntes oder gar Neues auf dem Gebiet der musica sacra nahezubringen. […] Im Mittelpunkt des Konzertes stand die Uraufführung der Missa brevis des Schweizers Luc Balmer […] Berücksichtigt man, daß die Kruzianer erst eine Woche vorher aus den wohlverdienten Winterferien zurückkamen, ist die Leistung des Chors besonders hoch anzuerkennen. Diszipliniert, klangschön und mit guter Textverständlichkeit bewältigte der Chor seine Aufgabe. […] die Philharmoniker [waren] nicht nur unentbehrliche Helfer, sondern maßgebliche Mitgestalter. Prof. Flämig erwies sich als engagierter Dirigent, der nicht nur versteht, seine Kruzianer zu beflügeln, sondern auch dem Orchester maßgebliche Impulse gibt. Christian Hauschild BARBER, SAMUEL Agnus Dei. Motette für gemischten Chor (1938/67) 1999 10 11 Dresdner Neueste Nachrichten Dem Kreuzchor gewidmete Psalm-Trilogie uraufgeführt. Geistliche Chor- und Orgelmusik in der Kreuzchorvesper. Kruzianer starteten 19-tägige USA-Tournee [Kreile] […] Eine Bearbeitung des berühmten Streicheradagios von Samuel Barber folgte – ein Paradebeispiel für die klangliche Homogenität und Ausgewogenheit, die der Kreuzchor erreichen kann und erreichte. Natürlich phrasiert und emotional tief greifend nachempfunden breitete sich der Klang durch den gesamten Kirchenraum aus. […] Jana Friedrich BIALAS, GÜNTER Da pacem. Choralmotette für zwei Chöre, Echostimmen und Orgel (1965) 1967 Musik und Gesellschaft 17/1 (Berlin, 1967), S. 40f. Interessante Schütz-Tage [Mauersberger] Chormusik im Spiegel der Presse 1932 2015 219 […] Höchste Ansprüche stellte die DDR-Erstaufführung der Choralmotette »Da pacem« […] des Münchner Günter Bialas. Geschärft sind die Ausdrucksmittel, radikalisiert die Reibungen, oft instrumental, nicht vokal empfundene Singstimmen. Den Sängern wurde an Intonationsreinheit, sängerischer Intelligenz und rhythmischem Reaktionsvermögen ein Maximum an Anforderungen zugemutet – faszinierend vom Kreuzchor in Mauersbergers Einstudierung bewältigt. […] Hans Böhm 1998 10 12 Dresdner Neueste Nachrichten Mauersberger bis Bialas [Kreile] Für die Kreuzchorvesper zu den 12. Dresdner Tagen der zeitgenössischen Musik hatte sich Roderich Kreile für ein Programm entschieden, das ausgesprochen avancierte Musik zwar mied, doch mit der Choralmotette »Da pacem« von Günter Bialas wohl bis an die Grenzen des im Chore Machbaren stieß […], einer außerordentlich schwierigen und komplizierten Komposition […]. Natürlich war die im wesentlichen gelungene Aufführung sehr verdienstvoll, doch spürte man stellenweise die Tücken des Werkes, die einer freieren, überlegeneren Realisierung (noch) im Wege standen. […] Gerhard Böhm BARTÓK, BÉLA Cantata profana für Tenor, Bariton, gemischten Chor und Orchester (BB 100; 1930) 1987 02 19 Neue Zeit, Berlin Von ausdrucksstarker Sangbarkeit. Kreuzchor-Konzert unter Unionsfreund Flämig [Flämig] […] Dieses besonders anziehende Biennale-Konzert ließ keinen Zweifel daran, wie sehr auch gerade die neue Musik durch die stimmliche Frische und die innere Strahlkraft des Knabenchorgesanges an unmittelbarer Ausdrucksschönheit, an ganz und gar unaufdringlicher, natürlicher Intensität gewinnt. Die mit den hellwach singenden Kruzianern verständlicherweise ausgezeichnet korrespondierenden, klar und konturenscharf musizierenden Philharmoniker der Elbestadt trugen wesentlich zum nachhaltigen Eindruck dieses chorsinfonischen Konzertes bei, das Martin Flämig mit Elan und Überlegenheit leitete. Er führte bei Dallapiccola, Bartók und Duruflé das große Ensemble […] zu großartiger klanglicher Stufung und Steigerung. Unüberhörbar allerdings, daß allem der unbeschwert strömende Ton der Kruzianer den besonderen Reiz verlieh. […] Eckart Schwinger 220 Dresdner Kreuzchor und zeitgenössische BRÄUTIGAM, VOLKER Evangelienmusik zu Johann Sebastian Bachs PassionsMusic [sic!] nach dem Evangelisten Marco (1981) 2000 04 11 Dresdner Neueste Nachrichten Keine innere Verschmelzung. Im Kreuzchor-Konzert: Bachs ergänzte Markus-Passion [Kreile] […] Nicht als erster hat sich der Leipziger Organist und Komponist Volker Bräutigam an eine Ergänzung gewagt. […] Es wäre indiskutabel gewesen, hätte Bräutigam im Stil Bachs geschrieben. Er hatte keine andere Wahl, als radikal Neues gegen Bach zu setzen. Er wählte dazu eine durchgehende Orgelbegleitung mit gelegentlichem Einsatz von Schlagwerk […] Der Orgelsatz ist sehr eng und chromatisch mit scharfen dissonanten Reibungen […] In der Kreuzchor-Aufführung in der Kreuzkirche waren die Partner voneinander räumlich getrennt: Die konzertierende große Besetzung war auf dem Altarplatz postiert, die Ausführenden des Evangelienberichts auf der Orgelempore. […] Der größere Teil des Kreuzchors und Mitglieder der Sächsischen Staatskapelle unter Roderich Kreile schienen mir etwas unruhig und gleichzeitig unterspannt. Zudem war der Klang etwas zu kompakt, was wohl vor allem auf den Verzicht auf alte Instrumente zurückzuführen ist. […] Die kleine Chorgruppe für die Turbae unter Leitung Peter Kopps hatte viele einstimmige Passagen zu singen, die fehlerlos dargeboten wurden. Der Gesamteindruck bleibt zwiespältig. Bräutigam hat eine interessante Musik als Ergänzung geschrieben, aber eine Einheit mit der Musik Bachs ist auch auf höherer Ebene wohl doch nicht gelungen. Beide Teile stehen nebeneinander, nicht feindlich, aber sie ergänzen sich ästhetisch nicht, es bleiben eigentlich zwei unterschiedliche Werke. Peter Zacher 2000 04 12 Sächsische Zeitung, Dresden Bach-Choräle im Kontrast. Zwiespältiger Eindruck von der Markus-Passion [Kreile] […] In Dresden entschied man sich, die Bachschen Fragmente mit einer modernen Fassung von 1981 zu konfrontieren und den Passionsmeditationen zwölftönig organisierte Musik in Orgel und Gesang gegenüberzustellen. Zur klaren Trennung war der Kreuzchor samt Musiker der Staatskapelle im Altarraum postiert (Leitung: Roderich Kreile). Die Passionshandlung aber wurde »von oben herab«, von der Orgelempore, verkündet (Leitung: Peter Kopp). Dort befand sich auch das Schlagzeug, das – wie auch die Orgel – für eine musikalische Exegese des Evangeliums allzu zurückhaltend blieb. So entstand ein zwiespältiger Charakter, der Chormusik im Spiegel der Presse 1932 2015 221 nicht den exzellenten Ausführenden anzulasten ist. Die Chöre strahlten jene Bachsche Klangatmosphäre aus, die vom Kreuzchor und in den fünf Arien […] vom Altarraum her sich entfaltete. In herber Klangsphäre, eigenwillig psalmodierend, zeigte sich die Evangelienmusik – u.a. mit Gerald Hupach als Evangelisten in bemerkenswerter Tonsicherheit gegen die disparaten Orgelklänge. Es bleibt der Eindruck: ganz überzeugend ist’s noch nicht. Die Zwölftontechnik, so angewandt, ist wohl nicht die geeignete Kontrastsphäre. Friedbert Streller BRITTEN, BENJAMIN A Ceremony of Carols für Knabenchor und Harfe (op. 28; 1942) 1979 12 29 Die Union, Dresden Weihnachtsmusik der Jahrhunderte. Traditioneller Weihnachtsliederabend des Dresdner Kreuzchors [Flämig] […] Mittel- und Höhepunkt des Abends war die Aufführung von Benjamin Brittens »A Ceremony of Carols«. […] Sein Opus 28 […] ist ein Werk, das von den Stimmen des Chors und den Knabensolisten größten Einsatz fordert, in dem alle stimmlichen Tugenden voll entfaltet werden können […] Der Kreuzchor zeigte sich den hohen Ansprüchen in allen Phasen gewachsen. Die großartige Leistung der beiden Knabensolisten muß besonders hervorgehoben werden. Die Interpretation des Werkes durch den Kreuzkantor war von einem durchgängigen inneren Spannungsaufbau gekennzeichnet. Jutta Zoff (Harfe) erwies sich als sehr einfühlsame Gestalterin ihres Parts. […] Mareile Hanns 2001 12 12 Dresdner Neueste Nachrichten Fernab vom Üblichen. Weihnachtsliederabend mit dem Dresdner Kreuzchor [Kreile] […] Mittelpunkt des Programms war zweifellos »A ceremony of carols« von Benjamin Britten, eine Sammlung altenglischer Weihnachtslieder für Knabenchor und Harfe (sehr sensibel Nora Koch) von schlichter, intimer Farbigkeit. Und gerade darin sollte der Haken der Interpretation liegen. So manches schöne Detail, so manche Feinheit zerflatterte irgendwo im unruhigen Riesenrund der Kreuzkirche (zumal man sich sehr häufig des Eindrucks nicht erwehren konnte, eher in einer Versammlung Dresdner Grippekranker als in einem Kirchenkonzert zu sein). Ungeachtet dessen – die Leuchtkraft der Knabenstimmen, ihre Geschmeidigkeit und die Prägnanz des Ausdrucks beeindruckten sehr. […] M. Hanns [Mareile Hanns] 222 Dresdner Kreuzchor und zeitgenössische Missa brevis D-Dur für Knabenchor und Orgel (op. 63; 1959) 1965 11 11 Die Union, Dresden Die X. Heinrich Schütz-Tage des Kreuzchores. Musik in der Aktualität / Bachs »Hohe Messe« als Krönung [Mauersberger] […] Im Konzert mit Vortrag gestaltete sich die so ganz unkonventionelle, höchst originelle Missa Brevis in D, eine Messe für Knabenchor und Orgel, von Benjamin Britten zu einem Gewinn besonderer Art. Bezeichnend, daß Rudolf Mauersberger allein schon durch diese Wahl seinen Spürsinn bewies und die jüngere Generation der Kirchenmusiker einmal mehr überrundet hat. Brittens offensichtlich untrüglicher Instinkt für Knabenstimmen und seine so ganz eigene, französisch anmutende Behandlung der Orgel machten den Wurf dieses Werkes aus. […] Hans Böhm 1965 11 23 Hannoversche Allgemeine Zeitung Mehr Heinrich Schütz als Richard Strauss. Zur gegenwärtigen Situation des Dresdner Musiklebens / Die Bedeutung des Kreuzchors [Mauersberger] […] Die pastellfarbene Lyrik ist dem Klangideal der Kruzianer geradezu auf den Leib geschrieben. Wie nun Mauersberger mit seinen exzellenten kleinen und großen Choristen die spirituelle Brillanz Brittens, der auch hier in flexibler Weise Liturgisches und Konzertantes mischt, meisterte, das war großartig. Britten hätte sicherlich selbst helle Freude an dem keuschen Knabenchorbelkanto gehabt. Daß Mauersberger dies alles stets mit geistiger Vitalität darzustellen weiß, beeindruckt immer aufs neue. Hans Otto sekundierte in seiner gepflegten Spielweise an der großen neuen Kreuzkirchenorgel. […] Walter Winter Saint Nicolas. Kantate für Tenor, Chor, Streichorchester, Klavier (vierhändig) und Schlagzeug (op. 42; 1948) 1976 12 09 Die Union, Dresden Brittens Kantate von St. Nikolaus. DDR-Erstaufführung im Weihnachtskonzert des Kreuzchors [Flämig] […] Die DDR-Erstaufführung fand […] im Kulturpalast statt. Martin Flämig, immer bestrebt, das Repertoire seines Chors zu erweitern, hat mit dieser Kantate einen lohnenden Griff getan. Seine Interpretation beeindruckte durch Stilsicherheit und nachdrücklichen Spannungsaufbau. Ausgezeichnet die Form der Kruzianer. Mitglieder der Staatskapelle brachten Brittens geschickt disponierte herbe Chormusik im Spiegel der Presse 1932 2015 223 Mixturen aus Streichern, Schlagwerk, zwei Klavieren und Orgel zum Klingen. In der großen Aufgabe des Tenorsolos hatte Ekkehard Wagner Musikalität, Ausgeglichenheit (nur die Höhe ist etwas eng), schlanke Führung, sehr schöne Pianokultur und gute Deklamation vorzuweisen. Bei den dramatischen Augenblicken, die nicht seine Sache sein konnten, blieb er sich selbst treu und forcierte nie. […] Peter Wittig BRUNNER, ADOLF Das Weihnachtsevangelium. Geistliches Konzert für gemischten Chor und Streichorchester (1963) 1980 12 20/21 Neues Deutschland, Berlin Klangschönheit bei alter und neuer Chormusik. Traditionelles Konzert der Dresdner Kruzianer [Flämig] […] Als DDR-Erstaufführung erklang das Weihnachtsevangelium des Schweizer Komponisten Adolf Brunner. […] Die Kruzianer unter Flämig nahmen sich des Werkes gemeinsam mit Streichern des BSO sehr überlegen, sehr stilsicher an und verhalfen ihm so auch zu einem herzlichen Erfolg, für den sich der anwesende 79jährige Schweizer Komponist selbst bedanken konnte. Hansjürgen Schaefer Passionsgeschichte nach dem Evangelisten Markus für gemischten Chor, acht Soli und Orchester. Mit einem Präambulum und fünf Intonationen für Orgel (1970/71) 1975 06 02 Die Union, Dresden Unverklärte Qual der Einsamkeit. Kreuzchor-Uraufführung von Adolf Brunners Markuspassion [Flämig] […] Die […] Aufführung war enttäuschend besucht. Was verspricht sich das Publikum davon, angesichts neuer Komponistennamen den Kopf in den Sand zu stecken? Oder mißfiel, nachdem unlesbare Orchesterstimmen ein Verschieben der Uraufführung erzwangen, die Passion jenseits Pfingsten? Der humane Anspruch solcher Werke reicht doch über den aktuellen Anlaß hinaus. […] Aus Erfahrung weiß Martin Flämig, wie schwer Brunner zum Klingen kommt, doch er hörte das Stück mit größtem Feingefühl aus und übertrug dies auf Kruzianer und Staatskapelle. Der Chor hatte die höchsten Forderungen zu erfüllen: untrügliche, sichere Intonation während fast zweier Stunden Sprechgesang und danach Legato und gehauchtes Pianissimo. Es blieb kein Wunsch offen. […] Peter Wittig 224 Dresdner Kreuzchor und zeitgenössische 1975 05 31 Neue Zeit, Berlin Passionsbericht in zeitnaher Deutung. Uraufführung der Markus-Passion von Adolf Brunner durch den Kreuzchor unter Prof. Martin Flämig [Flämig] Obwohl der 73jährige Schweizer Komponist Adolf Brunner bei uns nicht ganz unbekannt ist […], dürfte er doch erst durch die eindrucksvolle Uraufführung seiner Markus-Passion in der Dresdner Kreuzkirche einem größeren Hörerkreis bekannt geworden sein. […] Bedenkt man, welche hohen Anforderungen das Werk an den Chor stellt (einem Laienchor möchte ich es kaum empfehlen), welche intensive technische und geistige Auseinandersetzung es fordert, um ihm lebendigen Klang abzugewinnen, so kann man den großartigen Einsatz des Dresdner Kreuzchores, der Dresdner Staatskapelle, der Solisten Gothart Stier, Waldemar Wild Peter Küchler, des Organisten Hans Fromm und nicht zuletzt des Kreuzkantors Martin Flämig nur mit Worten höchster Bewunderung umschreiben. Beeindruckend, daß […] Flämig in diese zeitgenössische Passionsmusik ebensoviel Elan, nervige Genauigkeit und musikalische Spannkraft investierte wie in eine Passion von Bach oder Schütz! Hier wurde wieder einmal, um mit Thomas Mann zu sprechen, deutlich, daß die Liebe zum Alten eben nur dann echt erscheint, wenn man sich nicht dem Neuen verschließt. Und so legte denn der Kreuzchor auch bei Brunner so viel Zartheit und Kraft, so viel flexible Kantabilität, klare Deklamation und dynamische Spannweite an den Tag wie sonst bei Bach oder Schütz. Eckart Schwinger BURKHARD, WILLY Das Gesicht des Jesaja. Oratorium für Soli, Chor, Orchester und Orgel (op. 41; 1935) 1976 02 11 Neue Zeit, Berlin Visionen von Schrecken und Zuversicht. »Das Gesicht Jesajas« von Willy Burkhard in der Dresdner Kreuzkirche [Flämig] […] Das alles teilte sich aus innerer Übereinstimmung, aus völliger Vertrautheit mit dem Werk spontan und unmißverständlich in der Aufführung der Dresdner Kreuzkirche mit, das alles gewann Leuchtkraft durch den Gesang der Kruzianer, Konturenschärfe durch das Spiel der Dresdner Philharmoniker und des Freiberger Domkantors […] Hans Otto. […] Einverständnis, Entschiedenheit und Überzeugungskraft aller Musizierenden machten den Rang dieser bedeutsamen Burkhard-Interpretation aus, die keinen Zweifel aufkommen ließ, daß der Schweizer Komponist immer noch zu den vitalsten und erfindungsreichsten Erneuerern der Kirchenmusik in unserer Zeit gehört. Eckart Schwinger Chormusik im Spiegel der Presse 1932 2015 225 Das Jahr. Oratorium für Sopran, Alt, Bass, Chor und Orchester (op. 62; 1940/41) 1986 10 30 Neue Zeit, Berlin Dramatik und Sensibilität voll ausgeschöpft. Kreuzchor-Konzert mit Werk von Willy Burkhard [Flämig] […] Es war die erste Aufführung dieses Werkes in der DDR. […] Martin Flämig, dessen persönliche Bekanntschaft mit dem bedeutenden […] Schweizer Komponisten für hohe Authentizität bürgt, setzte mit diesem Konzert die vor mehr als 30 Jahren begonnene Reihe von Aufführungen der bedeutendsten Werke Burkhards fort. […] Die Ausführenden […] bewältigten die schwierigen Partien präzise und klangschön; die Chöre sangen mit großem Engagement, mit dem auch das Orchester spielte und die notwendigen klanglichen und rhythmischen Impulse gab. Es war eine tief anrührende Aufführung, der man die technischen und musikalischen Schwierigkeiten nicht anmerkte. Ein Verdienst von Kreuzkantor Martin Flämig, der die dem Werk innewohnende Dramatik und Sensibilität voll ausschöpfte. Ein lohnender Einsatz für das Werk von Willy Burkhard und eine Bereicherung des Kreuzchor-Konzertprogrammes. Ulrich Schicha Die Sintflut. Kantate für gemischten Chor a cappella (op. 97; 1954/55) 1955 07 08 Die Union, Dresden Uraufführung von Burkhards Kantate »Die Sintflut«. Zeitgenössische Chormusik als Ausklang der Schütz-Tage des Kreuzchores [Mauersberger] […] Das A-cappella-Konzert mit zeitgenössischen Werken war […] ein Höhepunkt, wie man ihn sich kaum packender denken kann. Das Hauptwerk des Abends war die fünfteilige Kantate »Die Sintflut« des vor wenigen Tagen verstorbenen Schweizer Komponisten Willy Burkhard. […] Für diese Uraufführung kann man Prof. Rudolf Mauersberger wie seinen Kruzianern nicht genügend danken. Jedes weitere Wort des Lobes könnte bei dieser bis ins letzte konzentrierten Leistung nur verkleinernd wirken. Hans Böhm; S. 81f. 1955 10 18 Liberal-Demokratische Zeitung, Halle/Magdeburg Wunder der A-cappella-Kunst. Der Dresdner Kreuzchor in der Marktkirche / Werke von Burkhard, Schütz und Raphael [Mauersberger] […] Dieser Chor, der wie die Thomaner in der musikalischen Welt schon längst ein Begriff geworden ist, bezeugte von neuem seine eminente, von allen Stimmengruppen getragene klangliche Geschlossenheit, seine hervorragende rhythmische Diszipliniertheit, seine makellose Intonationsfähigkeit und adlige Tonkultur wie seine hohe dynamische Biegsamkeit und nicht zuletzt jene nachtwandlerische 226 Dresdner Kreuzchor und zeitgenössische Sicherheit, die es einem illustren Dirigenten wie Professor Dr. h. c. Rudolf Mauersberger erst ermöglicht, auf ihm wie auf einer gewaltigen Orgel zu »spielen« und ihm die feinsten »Registerfarben« zu entlocken. Dieses »Instrument« ist ein höchst beseelter Klangkörper, der – den ungemein charakteristischen Bewegungen seines Kantors folgend – jede Gefühlserregung in bewundernswertem Maße zum Klingen bringt. […] Die Einsatz- und Intonationssicherheit der großen wie kleinen Sänger feierte bei der Wiedergabe dieses außerordentlich schwierigen Werkes, über der die Dirigentenpersönlichkeit Rudolf Mauersbergers waltete, wahre Triumphe. […] Alfred Fast 1955 10 26 Der Neue Weg, Halle/Magdeburg Der Dresdner Kreuzchor singt. Das ist der eigentliche Gnadenberuf der Musik, daß sie keiner Zeichen und Worte bedarf [Mauersberger] […] Die Darstellung dieses ungemein schwierigen Werkes beweist erneut die absolute Sicherheit der Sänger und die Meisterschaft ihres Dirigenten, Professor Dr. h. c. Rudolf Mauersberger, der mit wenigen knappen, aber einsichtigen Bewegungen dem Chore auch die feinsten Gefühlserregungen entlockte. […] E. Sch. 1956 03 02 Kasseler Zeitung Musikalisches Ereignis für Kassel – Der Dresdner Kreuzchor [Mauersberger] […] Die Anforderungen an den Chor sind besonders in Intonation und Rhythmik enorm hoch, und nur ein glänzend geschulter Chor kann ihnen gerecht werden. Mit der Wiedergabe dieses Werkes, für dessen Begegnung man sehr dankbar sein muß, vollbrachten die jungen Gäste aus Dresden eine Glanzleistung in jeder Hinsicht. […] Q. Die Verkündigung Mariae. Motette für gemischten Chor a cappella (op. 51; 1938) 1957 12 07 Die Union, Dresden Bedeutsame Burkhard-Erstaufführung durch den Kreuzchor [Mauersberger] Die Dresdner wußten es zu würdigen, daß der Kreuzchor nach zweijähriger Pause wieder eine Adventsvesper angekündigt hatte und füllten die Kreuzkirche bis zur zweiten Empore hinauf. […] Im Mittelpunkt des musikalischen Interesses stand die deutsche Erstaufführung einer vierstimmigen Motette »Die Verkündigung Mariae« von Willy Burkhard auf Worte des Bibeltextes. Die Noten, ein Geschenk der Witwe des Komponisten an den Kreuzkantor, brachte der Chor im Frühjahr aus Zürich mit nach Dresden. […] Welche Transparenz ist den Worten des Engels verliehen, deren Wirkung Mauersberger durch die Wahl breiter Tem- Chormusik im Spiegel der Presse 1932 2015 227 pi und rhythmischer Schraffierungen unterstrich und die dem Schmelz der Kruzianerstimmen besonders entsprachen. In diesem »Durchscheinenlassen des Ewigen« liegt die Größe des an Umfang verhältnismäßig kurzen Werkes, […] das […] durch eine atemlose Stille gekennzeichnet ist, die zu innerem Lauschen zwingt. Wir danken Mauersberger und seinen Kruzianern, daß sie uns als die idealen Interpreten des »A-cappella-Burkhard« wiederum das Bild des viel zu früh vollendeten Schweizers bereichert und vertieft haben. […] dw o Messe für Sopran, Bass, Chor und kleines Orchester (op. 85; 1951) 1987 09 23 Die Union, Dresden Kreuzchor-Konzert. Felix Mendelssohn Bartholdy und Willy Burkhard [Flämig] […] Die Wiedergabe der Messe bedurfte umfassender orchestraler und chorischer Vorleistungen (hervorhebenswert der außerordentlich homogene Männerchor trotz stark dezimierter Tenöre). Fast jeder einzelne der Instrumental- und die Gesangssolisten verdienten eine Beschreibung dessen, wie sie mit ihren Möglichkeiten den Bedeutungsgehalt des Werkes hervorschälten, wie sie sich andererseits dem Gesamtergebnis unterordneten und es unter dem zielstrebigen, fordernden Dirigat des Kreuzkantors zu einem großartigen kirchenmusikalischen Ereignis werden ließen. […] Christa Rey BUTTING, MAX Die Drei-Königs-Lieder-Cantate (op. 58b) für vierstimmigen Chor, Flöte, Klarinette, Fagott und Streichquartett 1975 12 21 Der Morgen, Berlin Oratorium uraufgeführt. Weihnachtskonzert des BSO mit den Kruzianern [Flämig] […] Seit […] Martin Flämig die Leitung des berühmten Knabenchores übernahm, ist die Tendenz spürbar, auch vokalsinfonische Werke in das Programm einzubeziehen. Ja in diesem Jahr hat das zuletzt genannte Genre dem Abend sogar das Gesicht gegeben. […] Als Hauptwerke offerierten Martin Flämig, seine Kruzianer und die BSO-Musiker ihren Hörern eine »Dreikönigs-Cantate« von Max Butting, die an diesem Abend ihre Uraufführung erlebte, und Frank Martins feinsinniges Oratorium »In terra pax«. In Buttings humorigen Currende-Szenen wurden auch die Solostimmen von stimmbegabten Kruzianern übernommen. In Frank Martins anspruchsvoller Komposition waren sie Berufssängern anvertraut. […] Mag sein, daß der Kruzianerklang das schwebende, silbrige Timbre, das ihn dereinst so 228 Dresdner Kreuzchor und zeitgenössische ausgezeichnet hat, noch nicht ganz zurückgewinnen konnte und sachlicher wirkt als früher. Die klanglichen Unausgewogenheiten der letzten Jahre sind jedoch zum großen Teil verschwunden. Das wurde […] auch in der Butting- Uraufführung deutlich. Die musikalisch eindrucksvollste Darbietung des Abends war zweifellos die mitreißende, architektonisch in sich gerundete, nervige Wiedergabe des Martinschen Werkes, dessen verhaltenes Feuer, dessen innere Dramatik die Solisten […], der Chor und die BSO-Musiker unter Martin Flämigs Stabführung sehr sicher trafen. H. Sp. [Heinrich Spieler] CONSTANTINESCU, PAUL Byzantinisches Passions- und Osteroratorium für Soli, Chor und Orchester (1948) 1973 04 18 Die Union, Dresden Eine Constantinescu-Uraufführung. Byzantinisches Passions- und Osteroratorium beim Kreuzchor [Flämig] […] Die Wiedergabe steht und fällt mit der Besetzung des Evangelisten, den der Komponist abweichend von den üblichen Hörgewohnheiten einem Bariton anvertraut hat. Wie hier Gothart Stier seine Aufgabe stilistisch erfaßte, stimmlich umsetzte und durchhielt, verdient höchste Anerkennung. Gerade durch ihn wurde das »byzantinische Melos« so eindrucksvoll spürbar. Die Sopranistin Helga Termer übernahm entgegen dem Programm zusätzlich noch einige Nebenrollen. Sie wie die nie versagende Altistin Käthe Röschke und der oratorienerfahrene Bassist Hermann-Christian Polster waren wesentliche Stützen dieser Interpretation. Die Auswahl der Chorsolisten erwies sich als fragwürdig. Die Gesamtabsicht Martin Flämigs bei einem solchen fremdartigen Oratorienkomplex den meditativen Charakter – im Gegensatz etwa zu Bachs dramatischer Passion nach Johannes und der epischen nach Matthäus – mit den Kruzianern und der Staatskapelle wie den Solisten herauszuarbeiten, muß man aus künstlerischen Gründen wie auch im Blick auf ökumenisches Musizieren würdigen und dafür danken. Der Einsatz galt einem sehr zeitgebundenen Werk, keiner musica sacra nova, in deren Bereich ja auch Hugo Distler und Ernst Pepping nun schon längst »Klassiker« geworden sind. Hans Böhm 1973 04 17 Sächsische Zeitung, Dresden Byzantinische Passionsmusik. Paul Constantinescus Werk erstaufgeführt [Flämig] […] Prof. Martin Flämig und der Dresdner Kreuzchor boten bei dieser DDR- Erstaufführung in der Kreuzkirche eine überlegene Interpretation. Die chorischklanglichen Vorteile des Werkes kamen voll zur Geltung und erhielten durch das Chormusik im Spiegel der Presse 1932 2015 229 Leistungsvermögen des Chores eine überzeugende Ausstrahlung. Prof. Martin Flämig musizierte und begleitete mit der Dresdner Staatskapelle, er führte sicher und gab dadurch den Solisten dynamisch-musikalische Impulse. […] Eine sehr gute Aufführung, in der uns Paul Constantinescus Byzantinisches Passions- und Osteroratorium ein nachhaltiges künstlerisches Erlebnis vermittelte. Werner Poike CZERNOWIN, CHAYA Pilgerfahrten für Knabenchor, Sprecher und Instrumente (2005/06) 2006 10 04 Dresdner Neueste Nachrichten Pilgerfahrten. Dresdner Tage der zeitgenössischen Musik: Kreuzchor begeisterte mit Czernowin-Uraufführung [Kreile] Rezension S. 195f. 2006 10 04 Sächsische Zeitung, Dresden Bizarre Lethargie in neuem Licht. Hellerau. Die Dresdner Tage für zeitgenössische Musik starteten mit einer Czernowin-Uraufführung [Kreile] […] In eher leisen, unterdrückt wirkenden Eruptionen steigt Czernowins Musik über den hier von Axel Thielmann markig gesprochenen Texten empor. In den Klangwolken hatten die Knaben von Kreuzkantor Roderich Kreile vorzugsweise zu tuscheln, zu wispern, in gespreizten Klängen zu wimmern. Die Instrumentalisten des Ensemble courage lieferten dafür eine statische und doch brüchige Plattform. […] Unmittelbar greifbar freilich und hoch zu loben ist die Leistung der Ausführenden. Die Mühen des Einstudierens dürften sowohl technischer als auch emotionaler Art gewesen sein. Eine erkenntnisreiche Pilgerfahrt. Karsten Blüthgen DALLAPICCOLA, LUIGI Canti di prigionia für gemischte Stimmen und Instrumente (1938 41) 1987 02 19 Neue Zeit, Berlin Von ausdrucksstarker Sangbarkeit. Kreuzchor-Konzert unter Unionsfreund Flämig [Flämig] Rezension Bartók, S. 219 230 Dresdner Kreuzchor und zeitgenössische DAVID, JOHANN NEPOMUK Tres cantiones chorales für vierstimmigen gemischten Chor (DK 240 242; 1930) 1934 04 26 Dresdner Anzeiger Konzertchronik. Neue Musik in der Kreuzkirche [Mauersberger] […] Der Kreuzchor sang die Chöre J. N. Davids mit jener Überlegenheit und Durchsichtigkeit, die allein schon jeden Vorstoß in kirchlich-musikalisches Neuland in der Darstellung Mauersbergers zum Genuß machen. […] E. DESSAU, PAUL Vier achtstimmige Chöre nach Brieftexten und Berichten von Vincent und Theo van Gogh (1976) 1977 09 07 Die Union, Dresden Ein Meisterwerk für die Kruzianer. Uraufführung eines Widmungswerkes von Paul Dessau im jüngsten Kreuzchorkonzert im Kulturpalast [Flämig] Dessau-Uraufführung beim Kreuzchor – das beweist Aufgeschlossenheit! […] Unter der Leitung von GMD Prof. Martin Flämig erlebte das metrisch und intonationsmäßig schwierige Werk in Anwesenheit des Komponisten eine engagierte und stark ausstrahlende Wiedergabe. Sie weckte den Wunsch, diese Musik eines Meisters möge im Kreuzchorrepertoire verbleiben. […] Peter Wittig DISTLER, HUGO Eine deutsche Choralmesse für sechsstimmigen gemischten Chor (op. 3; 1931) 1935 10 30 Lübecker Volksbote Orgelweihe in St. Jacobi [Mauersberger] […] Wo erst vor kurzem die Thomaner sangen, stand diesmal der Chor des Dresdner Kreuzgymnasiums unter Leitung von Rudolf Mauersberger. Es könnte locken, die beiden gleich vollendeten und doch sehr verschiedenen Chöre einander gegenüberzustellen. Die Stimmen des Dresdener Chors haben bei aller Zuverlässigkeit in Ton und Rhythmus eine bestrickende Weichheit, die oft eher Frauen- als Knabenstimmen vermuten läßt. Die Soprane namentlich singen ungemein locker und haben eine mühelose Höhe. War es die Folge dieser Leichtigkeit, daß der Sopran meist eine Schwebung zu hoch intonierte? […] zuvor bereiteten sie dem Organisten von St. Jacobi eine Ehrung durch die vollendet klare Wiedergabe der »Deutschen Choralmesse« von Hugo Distler […] Dr. Haas Chormusik im Spiegel der Presse 1932 2015 231 Singet dem Herrn ein neues Lied (Geistliche Chormusik, op. 12/1; 1934) 1993 10 01 Die Union, Dresden »Herrlich wie am ersten Tag«. Brillante Kreuzchorvesper mit Matthias Jung [Jung] »[…] Die abschließende Motette »Singet dem Herrn ein neues Lied« von Hugo Distler stand interpretatorisch nicht nur unter einem glücklichen Stern, sondern erschien, obwohl seit 50 Jahren an gleicher Stelle immer wieder gesungen, »herrlich wie am ersten Tag«. Was die Kruzianer hier trotz der rhythmisch-metrischen Klippen, die dem Werk eignen, boten, war erster Güte: perfekt, stimmlich beherrscht und voller Drive. Die Intention des Dirigenten und deren Umsetzung stimmten voll überein. Man kann den Kreuzkantor nur zu seinem Assistenten beglückwünschen und hoffen, daß Matthias Jung Dresden lange erhalten bleibt. Matthias Herrmann Totentanz (Geistliche Chormusik, op. 12/12; 1934) 1934 11 26 Dresdner Anzeiger Distlers »Totentanz« in der Kreuzkirche [Mauersberger] Ein eigentümliches Erlebnis, voll religiöser Erregung, vermittelte uns Rudolf Mauersberger mit der Aufführung von Hugo Distlers »Totentanz«. […] Man könnte sich denken, daß eine Darstellung der Dialoge im Dämmerlicht einer gotischen Kirche tiefen Eindruck machen müßte. Für die Kreuzkirchenvesper kam natürlich nur die Hilfsform der Rezitation (ausgeführt von Carl Zimmermann, Margarete Fiedler u.a.) in Frage. So sammelte sich das Interesse hauptsächlich auf die Komposition Distlers. […] Die Kruzianer sangen das Werk über alle Begriffe schön. Mauersberger erwies sich mit dieser Aufführung wieder als der einzigartige Pionier neuer deutscher Tonkunst, als Organisator einer wahrhaft schöpferischen Bewegung. Besäßen unsere Konzert- und Operninstitute solche findigen und produktiven, von jedem persönlichen Egoismus freie Köpfe – welchen Blütezeiten müßte unsere musikalische Kultur entgegengehen! […] H. S. [Hans Schnoor] Totentanz / Wachet auf, ruft uns die Stimme / In der Welt habt ihr Angst (Geistliche Chormusik, op. 12/2, 6, 7; 1934, 1935/36, 1936) 1942 11 17 Dresdner Anzeiger Ernstgestimmte Kreuzvesper [Mauersberger] 232 Dresdner Kreuzchor und zeitgenössische Zum Gedächtnis des frühvollendeten Hugo Distler sang der Kreuzchor unter Professor Rudolf Mauersberger, der schon immer der Schöpfungen dieses Tonsetzers sich in aufopferungsfreudiger und überzeugter Weise angenommen hatte, einige seiner Werke […] Die stets vollendet schönen Aufführungen seiner geistlichen Gesänge durch den Kreuzchor erwiesen sich als bahnbrechend und eröffneten dem aus dem Leben Geschiedenen weite und aussichtsreiche Perspektiven. Nun galten solche Werke dem toten Schöpfer selbst, der fünfstimmige Chor »Wachet auf, ruft uns die Stimme«, ein Spruch aus seinem »Totentanz« und der Chor »In der Welt habt ihr Angst«. Gleichzeitig waren sie auch dem Gedächtnis der Gefallenen des Kreuzchores gewidmet. In doppeltem Sinne eine Trauerfeier […] Iwan Schönebaum Wachet auf, ruft uns die Stimme (Geistliche Chormusik, op. 12/6; 1935/36) 1937 10 11 Dresdner Anzeiger Der Kreuzchor beim Berliner Kirchenmusikfest [Mauersberger] […] Selten war der Kreuzchor mit seinen vorbildlichen kleinen Solisten so überragend wie diesmal, in der Einheitlichkeit des Vortrages und Leichtigkeit der Tongebung übertraf er sich selbst. […] Dr. Fritz Stege Das ist je gewisslich wahr (Geistliche Chormusik, op. 12/8; 1937 1941) 1990 07 19 Sächsische Neueste Nachrichten, Dresden Kreuzchor-Ausklang [Schicha] Die letzte Vesper unserer Kruzianer wies unter dem diese Veranstaltung vertretungsweise für den erkrankten Kreuzkantor Prof. Martin Flämig leitenden Kantor Ulrich Schicha, dem langjährigen Assistenten, eine Vortragsfolge auf, wie sie für einen Chor aus Knaben- und Jünglingsstimmen förmlich »maßgeschneidert« war. […] Erfreulich war es, wieder einmal eine Motette […] von Hugo Distler zu hören, der in seiner »Geistlichen Chormusik« Schütz’sche Haltung in seine Zeit transponiert hat. Der jetzt 82jährige Olivier Messiaen, vor allem ein Meister der Orgelkompositionen und bedeutender Instrumentalschöpfungen, fesselte mit seinem vierstimmigen Satz »O sacrum convivium« (O heiliges Mahl). Auffällig war die gute musikalische Durcharbeitung dieser Sätze bei freilich abnehmender Qualität der Textbehandlung. So war die einst von Rudolf Mauersberger uraufgeführte, seither zum festen Repertoire gehörende Motette »Im Anfang war das Wort« für zwei fünfstimmige Chöre vornehmlich »auf Klang« gestellt, sprach aber auch so an. […] H.B. [Hans Böhm] Chormusik im Spiegel der Presse 1932 2015 233 Weihnachtsgeschichte für Solisten und gemischten Chor (op. 10; 1933) 1958 12 04 Die Union, Dresden Schütz-Tage zum Advent. Eröffnungsfeier / Einheit von Wort, Ton und Liturgie [Mauersberger] […] Ganz besonders dankbar war man dem unermüdlichen Kreuzkantor Prof. Mauersberger, daß er die vielen Advents- und Weihnachtskonzerte hier noch um das »neue Lied« bereicherte, um Distlers Weihnachtsgeschichte, […] intim, voll poetischer Reize und doch von einer fast nordisch (norddeutsch) zu bezeichnenden Herbheit, wobei die polyrhythmischen und intonationsmäßigen Schwierigkeiten durch die […] Solisten und den Kreuzchor so gemeistert wurden, daß sie von den Hörern kaum zu ahnen waren. […] Hans Böhm 1995 12 22 Dresdner Neueste Nachrichten Selten zu hören: Distlers »Weihnachtsgeschichte«. Matthias Jung leitete Liederabend des Kreuzchores [Jung] Trotz Grippe und schlechten Wetters war die Kreuzkirche auch beim Weihnachtsliederabend erfreulich voll besetzt. Die Hörer hatten das Glück, die viel zu selten aufgeführte »Weihnachtsgeschichte« von Hugo Distler zu erleben. Das Werk stand auch in der Tournee sieben Mal im Programm und wurde jetzt nicht mehr in der reduzierten Reisebesetzung, sondern zum Vorteil der Aufführung vom Gesamtchor gesungen. […] Matthias Jung bewies sich als überlegener Gestalter, der das Werk ausgereift interpretierte. Ein ehemaliger Kruzianer, der Berliner Tenor Friedemann Büttner, wurde einfühlsam-schlicht der Rolle des Erzählers gerecht. In der Wahl der Solisten hatte Jung auf professionelle Sänger verzichtet und setzte nur Chormitglieder ein. […] Jung kann a-cappella-Konzerte konzipieren und durchführen. […] Alles in allem: ein Abend der Substanz. Hans Böhm DRIESSLER, JOHANNES Cantica nova für zwei Chöre (op. 13; 1950) 1951 07 21 Die Union, Dresden Evangelische Kirchenmusik heute. Begegnungen auf dem Berliner Kirchentag [Mauersberger] […] Große Erwartungen setzte man auf die Uraufführung des achtstimmigen Chorwerkes »Cantica nova« von dem jungen Johannes Drießler, der schon auf dem vorjährigen Kirchentag in Essen weitgehendes Aufsehen erregt hatte. […] 234 Dresdner Kreuzchor und zeitgenössische Die Schwierigkeit der Ausführung ist allerdings so groß, daß es nur ganz wenigen auserlesenen Chören vorbehalten bleiben wird, dieses Werk zu singen, wenn nicht die hervorragende Aufführung des Kreuzchores, die selbst für diesen Chor unglaubliche Probenarbeit haben mußte, die erste und letzte bleiben wird. […] Wolfram Schwinger DURUFLÉ, MAURICE Requiem für Sopran, Bariton, Chor, Orchester und Orgel (op. 9; 1947) 1986 02 19 Neue Zeit, Berlin Gedenken mit Totentanz und Requiem. Kreuzchor sang unter Martin Flämig Werke von Honegger und Duruflé [Flämig] […] Erstaunlich, wie den Dresdner Interpreten, dem Dirigenten, »seinem« Chor und Orchester sowie den Solisten die Umstellung auf die ganz anders geartete, kantable, stimmungsdichte, schöne und dabei so mühelos in die Tiefe dringende Musik gelang. Beeindruckend, wie der Kreuzkantor auch hierbei nie den dynamischen Bogen überspannte und eine Wiedergabe von ruhiger, innerer Intensität, von feiner Durchsichtigkeit und Hellhörigkeit erreichte […] Der Kreuzkantor wurde in Vilnius auf dieses Werk […] aufmerksam, wo es der dortige Knabenchor für die Schallplatte aufnahm. Es war schwierig, das Aufführungsmaterial zu erhalten. Aber die Bemühungen um das erfolgreich erstaufgeführte Werk selbst haben sich gelohnt. […] Eckart Schwinger 1987 02 19 Neue Zeit, Berlin Von ausdrucksstarker Sangbarkeit. Kreuzchor-Konzert unter Unionsfreund Flämig [Flämig] Rezension Bartók, S. 219 EISLER, HANNS Woodburry-Liederbüchlein für Frauen- oder Kinderchor (LK 6; 1941) – Auszüge 1973 10 06 Sächsisches Tageblatt, Dresden Aus alter und neuer Zeit [Flämig] Die Kruzianer haben Eisler gesungen. Warum eigentlich nicht? Das ist gute Musik. Freilich hängt es vom Inhalt ab, was sich davon für sie eignet. Stücke aus dem Chormusik im Spiegel der Presse 1932 2015 235 reizvollen Woodburry-Liederbüchlein, im Exil komponiert, weiten dem Knabenchor Repertoire und Blickfeld. […] Wir spürten aufs neue, wie sicher Martin Flämig als Chorerzieher arbeitet. Im Interesse der Spannung und des ebenmäßigen Singens musikalischer Bögen fordert er langen Atem. Der Klang hat an Rundung und Wärme gewonnen, ohne jene Herbheit einzubüßen, die Knaben- und Jünglingsstimmen kennzeichnen. […] P-g. [Peter Wittig] FORSTER, TOBIAS / LACKNER, MARKO / JONER, SVERRE INDRIS Messias Superstar. Oratorium des 20./21. Jahrhunderts frei nach Georg Friedrich Händels »Der Messias« (2005) 2005 05 31 Dresdner Neueste Nachrichten Händel oder Handyklingelton. Dresdner Erstaufführung von »Messias Superstar« in der Kreuzkirche spaltete die Gemüter [Kreile] […] [Es] ist zu vermuten, dass es bei diesem Konzert eher die bekannten Elemente (Kreuzchor unter Roderich Kreile, Klazz Brothers, ensemble amarcord) waren, die die Massen strömen ließen – und zu tumulthaftem Beifall trieben. Was nämlich »Messias Superstar« – als Jazz-Fassung frei nach Händels »Messias« angekündigt – musikalisch anzubieten hatte, war weder fremd noch neu – es war eine missglückte Imitation verschiedener Stile. […] Die Revue drohte leider immer dann abzugleiten, wenn »Tutti«-Nummern wie »Hallelujah« (eine einzige lärmende Farce) oder »Worthy is the Lamb« anstanden […] Dann wurde das Lutherrelief neben dem Altar in rhythmisch-pulsierendes, oranges Licht getaucht, intonierte das durchgängig unterforderte ensemble amarcord ein simples »bammm-bam-bammm«, lieferte der Kreuzchor einen mystischen Akkordteppich. […] der musikalische Leiter, Kreuzkantor Roderich Kreile, ermunterte in diesen Momenten meist zum Mitklatschen. Mit der Einbeziehung eines Knabenchores (dessen Mitglieder in ihrer Begeisterung ebenfalls sichtlich gespalten waren) und im Hinblick auf die Uraufführung, die am Sonnabend im Rahmen des Evangelischen Kirchentages in Hannover stattfand, kam dem Arrangement quasi automatisch eine öffentliche Bedeutung zu, die, was die musikalische Qualität betrifft, nicht immer gerechtfertigt war. Die Chorstimmen (auch die des solistischen Männerensembles) beschränkten sich zumeist auf Background-Vocals oder imitierten einstimmig die Melodie der Solistin, wenn sie nicht ganz schwiegen. […] Martin Morgenstern 2005 05 31 Sächsische Zeitung, Dresden Ein dicker Akustikbrei. Dresdens Musikfestspiele enden mit einem jazzigen »Messias Superstar« [Kreile] 236 Dresdner Kreuzchor und zeitgenössische Dass die Dresdner Kreuzkirche raumakustisch mehr Tücken als Tugenden besitzt, ist bekannt. Das ist umso heikler, wenn man bei Konzerten mit elektrischer Klangverstärkung einen einigermaßen vertretbaren Höreindruck schaffen will: Dazu bedarf es beträchtlichen Aufwands. Bei den Verantwortlichen für das Abschlusskonzert der Musikfestspiele am Sonntag scheint das nicht angekommen zu sein. […] Das Ergebnis war, dass an vielen Stellen im Kirchenraum selbst bei nur wenigen Instrumenten ein einziger dicker und undurchdringlicher Klangbrei ankam – ausgerechnet bei »Messias Superstar« als eine der aufwändigsten Produktionen der Festspiele. Neben dem Kreuzchor leitete Kantor Roderich Kreile immerhin das Ensemble Amarcord, die Klazz Brothers und die Big Band des Hessischen Rundfunks. Differenziertes Hören war nur bei wenigen Passagen möglich. Was ich vernahm, verdient allerdings beträchtliches Lob, denn die drei Komponisten Tobias Forster, Marco Lackner und Sverre Indris Joner sind mit Respekt, aber ohne Scheuklappen bei der Arbeit gewesen. […] Der Soloalt (Jocelyn B. Smith) verbreitet eine Atmosphäre aus Soulmusik und afroamerikanischem Gottesdienst, während dem Solosopran (Lorraine Hinds) Passagen von fast überirdischer Schönheit zugewiesen sind. Peter Zacher Vgl. die ungekürzte Fassung S. 188f. FORTNER, WOLFGANG Der Mensch lebt und bestehet für sechsstimmigen gemischten Chor (Drei geistliche Gesänge , Nr. 1 ; 1932) 1934 10 30 Völkischer Beobachter, Berlin Dresdner Kreuzchor in Berlin [Mauersberger] Die Kirche am Hohenzollernplatz war am Sonntagabend das Ziel vieler Freunde kirchlicher Chorkunst […] 70 Knaben und Jünglinge, die Alumnen der Dresdner Kreuzschule, sangen unter der Leitung ihres energischen, jugendlich-temperamentvollen Leiters, des Kreuzkantors Rudolf Mauersberger a-cappella-Sätze alter und moderner Meister, und gerade den lebenden Schaffenden, der Jugend, war hier an dieser Stätte modernen Kirchenbaustiles mit Recht die gesamte zweite Hälfte des nahezu zwei Stunden dauernden Programms eingeräumt. […] Die jugendlichen Sänger setzten sich mit spürbarer Begeisterung für diese neue Kunst ein, Musikdirektor Mauersberger hatte sich die Partituren ganz zu eigen gemacht und war den Werken bester Anwalt. […] Der Abend bot eine Fülle künstlerisch wertvoller und interessanter Eindrücke, vor allem für die zahlreichen Besucher, die auch mit fachlichem Interesse dem neuen Schaffen auf dem Gebiete der protestantischen musica sacra folgen können und wollen. Darüber hinaus bleibe aber die bedeutende künstlerische Leistung des Dresdner Kreuzchors unvergessen. Hg. Chormusik im Spiegel der Presse 1932 2015 237 Eine Deutsche Liedmesse für gemischten Chor (1935) 1935 06 26 Dresdner Anzeiger Fortners Deutsche Liedmesse. Uraufführung in der Kreuzkirche [Mauersberger] […] Die Wiedergabe durch den Kreuzchor und Meister Mauersberger war wieder von einzigartiger Rundung. Die schwierigsten Intonationen, die kompliziertesten Verläufe wurden mit instrumentaler Sicherheit gemeistert. Ein neues Ruhmesblatt in der Geschichte des Kreuzchores. Ein neues Ruhmesblatt für die Musikstadt Dresden, in der die wichtigsten Entscheidungen auf dem Gebiet der zeitgenössischen Musik fallen. […] K.L. [Karl Laux] FRICKE, RICHARD Messe g-Moll 1940 10 16 Dresdner Anzeiger Zeitgenössische Komponisten in der Kreuzkirche [Mauersberger] Rudolf Mauersberger bereitete mit dem Kreuzchor der g-moll-Messe von Richard Fricke, die kürzlich im Kantorenverband starke Beachtung gefunden hatte, eine Zweitaufführung, mit der die Wünsche des Tonsetzers in geradezu idealer Weise erfüllt worden sein dürften. Wohl auch in der Frage der Zeitmaße. Fricke gibt den Sätzen in der Partitur eine Metronomisierung mit […] Mauersberger nahm das meiste viel beschwingter. Die Gesamtwirkung gab ihm recht. Der prächtige musikalische Fluß der Messe geriet damit in die vorteilhafteste Beleuchtung. […] Georg Striegler GREIS, SIEGFRIED Kreuzgespräch für zwei vierstimmige Chöre und kleinen Chor mit Einzelstimmen 1956 02 29 Die Union, Dresden Uraufführung des Kreuzchores [Mauersberger] Vor Antritt einer Westreise führte der Kreuzchor in seiner letzten Passionsvesper das »Kreuzgespräch« des in Marburg lebenden Komponisten Siegfried Greis auf. […] Die Kruzianer betonten bei der Uraufführung das klangliche Moment zu sehr, die Textverständlichkeit leider zu wenig. […] H.B. [Hans Böhm] 238 Dresdner Kreuzchor und zeitgenössische HENZE, HANS WERNER Musen Siziliens. Konzert auf Eklogen-Fragmente des Vergil für Chor, zwei Klaviere, Bläser und Pauken (1966) 1966 10 23 Neues Deutschland, Berlin Henze-Konzert in Dresden. Glanzleistung der Staatskapelle [Henze] […] In einem Konzert der Dresdner Staatskapelle stellte der westdeutsche, in Italien lebende Komponist Hans Werner Henze eigene Werke vor. Henze, der seine dirigentischen Fähigkeiten wieder überzeugend bewies und mit dem berühmten Dresdner Orchester ausgezeichnet zusammenarbeitete, hatte ein interessantes Programm gewählt. Alle Werke stammen aus neuerer Zeit. Sie machen – auf unterschiedliche Weise natürlich – deutlich, wie ihr Schöpfer bestrebt ist, eigene Wege zu gehen. […] So zeigte das jüngste der in Dresden aufgeführten Werke [Musen Siziliens] vor allem in der Chorbehandlung ausgeprägten melodischen Erfindungsreichtum, ausdrucksreiche klangliche Schönheit […] Neben den ausgezeichneten Pianisten Joseph Rollino und Paul Sheftel hatte der von Rudolf Mauersberger vorbereitete Kreuzchor wesentlichen Anteil am großen Dresdner Erfolg des Werkes. […] H. J. S. [Hansjürgen Schäfer] 1966 10 27 Sächsisches Tageblatt, Dresden Komponist und Dirigent: Hans Werner Henze [Henze] Wenn am Freitagvormittag vor der Generalprobe der Sinfoniekonzerte die Programme ausverkauft sind, ist etwas Besonderes los: Das 5. Konzert der Staatskapelle war etwas Besonderes, mehr noch: ein ungewöhnliches Ereignis. Drei Werke von Hans Werner Henze, drei Erstaufführungen, dirigiert vom Komponisten. Drei Solisten aus Westdeutschland, Italien und Amerika, dazu der Dresdner Kreuzchor. […] Die »Musen Siziliens« […] stellen ein Bekenntnis des Komponisten dar, ein Bekenntnis zur Schönheit, zu Maß, Zucht, Ordnung und Ausgeglichenheit. Die Musik ist virtuos und zugleich beseelt, diffizil, eigenwillig in der Instrumentierung, aber in jedem Takt wunderbar klingend. Großartig die mit bewundernswerter Präzision auswendig (!) spielenden Pianisten Joseph Rollino und Paul Sheftel, zauberhaft schön (und ideal für Henzes Musik!) der Klang des Dresdner Kreuzchors. Am Vormittag zeigte uns Henze stolz die kleine Anstecknadel der Kruzianer, die sie ihm verliehen hatten. Auch Professor Mauersberger, Dresdens immer junger Kreuzkantor, konnte sich für den herzlichen Dank der Dresdner verneigen. Man bedenke: Als Mauersberger 1930 nach Dresden kam, führte er Distler und Pepping auf, heute, mit 78 Jahren, studiert er Henze ein. Bravo! Bravissimo! […] Beifall ohne Ende. Henze sagte uns: »Ich komme wieder!« und Paul Dessau: »Wie sich die Dresdner für neue Musik begeistern, ist einmalig!« Gottfried Schmiedel Chormusik im Spiegel der Presse 1932 2015 239 HERCHET, JÖRG Kantate zur Verkündigung Mariens für Sopran, Chor und vier Schlagzeuger (1996) 1996 10 07 Dresdner Neueste Nachrichten Sirenen als Gotteslob? [Kreile] […] Es war reizvoll, die verschiedenen Modifikationen vom riesenhaft besetzten Schlagwerk im Schiff der Kreuzkirche mitzuverfolgen. Aber trotz Wissens um einige Intentionen des Komponisten kann auch ich nicht leicht nachvollziehen, daß die Klänge dreier Sirenen und eines Nebelhorns eine Art von Gotteslob verkörpern können. […] Das ändert allerdings nichts an meiner positiven Grundhaltung zu dieser Kantate, zumal die Chorteile bei aller Schärfe auch ein hohes Maß an Klangpoesie aufweisen. Ein in sich strukturierter und sich ständig verändernder Cluster eines Chors kann wunderschön sein. Roderich Kreile hat, von anderen unterstützt, in kurzer Zeit eine exzellente Arbeit geleistet. Vor allem ist ihm der Beweis gelungen, daß eine Komposition, die sehr rational angelegt ist – in ihr spielen mehrere Zahlenreihen eine entscheidende Rolle –, zugleich auch emotionale Hochspannung in sich tragen kann. Die drei Ebenen des Werks – die Ahnung von Gott in den Pausen des Schlagwerks, die verkündenden Engelstimmen des Chors und der Solosopran als Verkörperung der Maria – waren in ihrer Wertigkeit klar voneinander abgesetzt und wirkten dennoch auf höherer Ebene zu einer neuen Einheit zusammen. Neben den herausragenden Leistungen von Chor und Schlagwerkern […] wirkte Birgit Fandrey mit ihrem Solo allerdings unentschieden und fahrig. […] Peter Zacher 1996 10 08 Freie Presse, Chemnitz Verkündigung Mariens. Dresdner Uraufführung einer Kantate von Jörg Herchet [Kreile] Der designierte Kantor des Dresdner Kreuzchores, der Münchner Roderich Kreile, ging ein erhebliches Wagnis ein, als er sich in der dritten von ihm geleiteten Samstagsvesper an seiner neuen Wirkungsstätte zur Uraufführung von Jörg Herchets »Kantate zur Verkündigung Mariens« entschloß. Selbst die ältesten Kruzianer konnten sich nicht erinnern, bisher eine derart moderne Klangsprache erarbeitet zu haben. Außerdem war nicht vorher zu sehen, ob nicht allein schon angesichts von vier zum Einsatz kommenden Schlagzeugbatterien in der Kirche viele der etwa 1600 Besucher über das Stück mit den Füßen abstimmen würden […] Entscheidenden Anteil am Gelingen dieser kirchenmusikalischen Veranstaltung […] hatte […] Roderich Kreile mit seinem Knabenchor. Trotz ungewohnter Aktionen und kraftzehrender, lang auszuhaltender Töne in extremen Lagen waren die Jungen mit sichtlicher Begeisterung und Konzentration bei der Sache, während ihr Kantor durch suggestive Gesten das Werk direkt auf Händen zu tragen schien. […] Christoph Sramek 240 Dresdner Kreuzchor und zeitgenössische HERRMANN, HUGO Messe für gemischten Chor a cappella (op. 53) – Auszüge 1934 10 30 Völkischer Beobachter, Berlin Dresdner Kreuzchor in Berlin [Mauersberger] Rezension Fortner, S. 236 Stimme des Volkes für vier- bis sechsstimmigen Chor 1941 06 19 Dresdner Nachrichten Dresdner Musiksommer. Neue deutsche Chormusik [Mauersberger] Ein Chorkonzert, wie man es sich längst gewünscht hat. Für das man dem Kreuzchor und seinem unvergleichlichen Leiter Rudolf Mauersberger von ganzem Herzen dankbar sein muß. Es konnte ja kein Zweifel bestehen, daß bei drei zeitgenössischen Musiktagen in Dresden ein Konzert jenes Chores nicht fehlen durfte, der sich besondere Verdienste um das Schaffen der Gegenwart erworben hat. […] Gleich zu Beginn eine Uraufführung des Stuttgarters Hugo Herrmann: die Motette »Die Stimme des Volkes« für vier- bis sechsstimmigen Chor. Bekanntlich ist sie den Kruzianern und ihrem Dirigenten gewidmet […] Zu den Chorwerken, die gleichfalls ihren Weg machen werden, gehört auch Ernst Peppings (vor einigen Monaten zuerst in Berlin gesungener) Zyklus »Das Jahr« für vierstimmigen gemischten Chor. […] Und endlich die »Drei Lieder der Stille« des jungen ehemaligen Chorpräfekten der Kruzianer, Franz Herzog. […] Wo haben wir je ein solches Chorprogramm in solcher Vollendung zu hören bekommen? Die ungeheuren Schwierigkeiten der verschiedenen Werke, besonders die Herrmanns und Peppings, werden von unserm Kreuzchor vollkommen gemeistert. Nicht weniger sicher in der Intonation, nicht weniger vielfarbig in der Dynamik, als man es bei einer Bach-Motette erleben kann. Und Mauersberger ist seinen Jungen (ohne Partitur!) ein begeisterter und begeisternder Leiter. […] Mit Mauersberger und den jugendlichen Sängern werden die anwesenden Komponisten gerufen. […] Ernst Krause HERZOG, FRANZ Drei Lieder der Stille für vier- bis fünfstimmigen gemischten Chor 1941 06 19 Dresdner Nachrichten Dresdner Musiksommer. Neue deutsche Chormusik [Mauersberger] Rezension Herrmann, s.o. Chormusik im Spiegel der Presse 1932 2015 241 Missa »Una sancta ecclesia« für gemischten Chor (1957) 1957 10 01 Die Union, Dresden Wieder Schütz-Tage des Kreuzchors. Ein Treffen der evangelischen Knabenchöre [Mauersberger] […] Franz Herzogs Missa »Una sancta ecclesia« (Gesamturaufführung, nachdem Mauersberger Teile bereits im Januar 1957 als Missa brevis bekanntgemacht hatte) ist eine oft kühne, komplizierte Partitur, in der das fünfteilige »Kyrie« inhaltlich wie formal und das distlerhaft wirkende »Gloria« zu den stärksten Partien des dreiviertelstündigen Werkes gehören […] Nur, welcher Chor wird den Kruzianern und dem unermüdlich um die neue Kirchenmusik bemühten Rudolf Mauersberger das Werk überhaupt nachsingen können? […] Hans Böhm 1957 10 02 Sächsisches Tageblatt, Dresden Heinrich-Schütz-Tage des Kreuzchores / Knabenchöre aus der DDR sangen in Dresden [Mauersberger] […] Von den erregenden Kyrie- und Christe-Rufen an bis zu dem flehendlich verklingenden »Dona nobis pacem« lag eine mitreißende Spannung. Es war eine Glanzleistung des Chores, dieses Werk – es war technisch das schwierigste und dauerte etwa 45 Minuten – in eben dieser Spannung und stimmlich so durchzuhalten. Und Mauersberger leitete seinen Chor auswendig! […] -el [Gottfried Schmiedel] / -t [Ina Albert] HONEGGER, ARTHUR La danse des morts (Totentanz). Oratorium für Sprecher, Soli, Chor und Orchester (H 131; 1938) 1974 10 03 Die Union, Dresden Alte Vision in ungewohntem Licht [Flämig] […] Bei den Kruzianern zeichnet sich eine Honegger-Pflege auf höchstem Niveau ab, und war der »Totentanz« vielen Hörern auch nicht neu (dank der Meißner Aufführung vor zwei Jahren), wirkte doch die Auffassung neuartig: Honegger ohne Pathos. Mit der hellwachen, disziplinierten Staatskapelle […] nutzte Martin Flämig die reichen Angebote der Partitur, Kammermusik zu machen. Solostimmen und Soloinstrumente […] blieben konsequent dem Satz verwoben. Auf der anderen Seite die großen Affekte: Flämig ließ sie sich selbst tragen, so be- oder erhielten sie Natürlichkeit. Erstaunlich der inspirierend geführte Chor, geistig immer sofort da und der vom Komponisten bevorzugten, stimmlich anspruchsvollen Deklamation voll gewachsen. […] PW [Peter Wittig] 242 Dresdner Kreuzchor und zeitgenössische Le Roi David (König David). Oratorium für Sprecher, Soli, Chor und Orchester (H 37; 1921/23) 1973 10 10 Sächsisches Tageblatt, Dresden Eine Tat für Honegger. Kreuzchor sang »König David« [Flämig] […] Lag es an der Überschneidung mit einem Konzert der Staatskapelle, daß sich so viele Dresdner diese Aufführung entgehen ließen? Um so beglückter waren die Hörer, die diesen Honegger erleben durften: Der Kreuzchor zeigte sich in blendender Verfassung. Ein gutes Omen für das neue Konzertjahr! Das war ein heller, strahlender und junger Klang, wunderbar ausgeglichen, voller Leuchtkraft, wie das von einem gemischten Chor nie erreicht werden kann. […] -el [Gottfried Schmiedel] 1973 10 11 Die Union, Dresden Männlich und reich: »König David«. Kreuzchor sang Arthur Honegger und Charpentiers Tedeum [Flämig] […] Nach der »Weihnachtskantate« war es Martin Flämigs zweiter Honegger hier. Er weckte den heimlichen Wunsch nach einem dritten … Es muß ein gutes Gefühl sein, unter Flämig zu singen und zu spielen. Er strahlt Ruhe aus und reißt doch mit. Er musiziert »auf« Kreuzchor und Philharmonie […] wie auf einem großen Instrument. Wie reagieren sie, wie farbig wird es und wie rhythmisch, mit welcher Selbstverständlichkeit wächst und verebbt die Spannung! Für das krönende Halleluja gab es immer noch Reserven bei den Kruzianern. Sie sangen in Hochform, begeistert und klangträchtig. […] Als ich nach dieser Aufführung die Stufen vor der Kreuzkirche herunterkam, sagte jemand zu mir: »Schade, daß das Rudolf Mauersberger nicht hören kann. Er hätte sich gefreut!« PW [Peter Wittig] 1982 02 11 Sächsisches Tageblatt, Dresden »König David«. 4. Außerordentliches Konzert der Philharmoniker [Flämig] […] Martin Flämig betonte in seiner Interpretation die gradlinige Direktheit des Werkes und rückte ganz im Sinne der Komposition die Chorszenen in den Mittelpunkt. Kreuzchor und der Kammerchor des Beethovenchores (Einstudierung: Ekkehard Klemm) hatten sich vereinigt, nicht zuletzt wohl, um an den dramatischen Höhepunkten die nötige Klangwucht zu erreichen, und der Chor realisierte seine Aufgaben in beeindruckender Weise. […] Die Philharmoniker verliehen der Aufführung die dem Werk eigene Klangpracht. […] ek [Eberhard Kremtz] 1982 02 13/14 Die Union, Dresden Honeggers »König David« bewegend musiziert [Flämig] Chormusik im Spiegel der Presse 1932 2015 243 […] Mit beispielgebender, nie erlahmender Spann- und Suggestivkraft gestaltete er [Martin Flämig] die zahlreichen knappen, zu drei Teilen übersichtlich gefügten Bilder eindringlich, plastisch, sensibel, bewegend, wobei der Kreuzchor, vorteilhaft verstärkt durch den Kammerchor des Beethoven-Chors Dresden (ausgezeichnet die Einstudierung durch Ekkehard Klemm) seine vielgerühmten Vorzüge in hellem Glanze erstrahlen ließ. […] Die Philharmoniker und Ulrich Schicha (Orgel) vervollständigten mit wesentlichen Beiträgen die Reihe der ausgezeichneten Interpreten. db [Gerhard Böhm] 1989 06 19 Die Union, Dresden Licht- und Schattengestalt: David. Zum letzten Abonnementskonzert 1988/89 des Dresdner Kreuzchors [Flämig] […] Sonst aber gibt es wenig an Negativem anzumerken. Kleine Asynchronitäten zwischen Chor und Orchester traten nur zu Beginn auf, und daß der Chor, gut disponiert und vor allem in einstimmigen Passagen überzeugend, im Orchesterklang des monumentalen Tanzes vor der Bundeslade einige Male nicht mehr hörbar war, ist weniger Martin Flämig als der dicken Instrumentierung anzulasten. Im übrigen zeigte sich der Kreuzkantor ganz in seinem Element: diese Musik liegt ihm mehr als manche andere (und wir haben oft genug Grund gehabt, uns über seinen Einsatz für schweizerische Komponisten zu freuen). Es war erstaunlich, wie gut er selbst in kurzen Werkteilen Spannung aufbauen konnte. Ich habe allerdings nicht begriffen, warum er den Sprechtext von Wilfried Weschke so pathetisch und undifferenziert laut darbieten ließ. […] Peter Zacher 1989 06 21 Sächsisches Tageblatt, Dresden »König David«. Honeggers Sinfonischer Psalm in der Kreuzkirche [Flämig] […] Wir verdanken Prof. Martin Flämig, der sich allein mit der Vorstellung des Werkes große Verdienste erwarb, eine beeindruckende Aufführung. […] Die Kruzianer zeigten sich unmittelbar nach den Musikfestspielen (!) den Ansprüchen, die hier weniger im Schwierigkeitsgrad als im gestalterischen Bereich liegen, voll gewachsen. […] Die vielfältigen Ausdrucksnuancen des Orchesterparts lagen bei der Staatskapelle in festen Händen. […] hpa [Hans-Peter Altmann] Une cantate de Noël (Eine Weihnachtskantate) für Bariton, gemischten Chor, Orgel und Orchester (H 212; 1952/53) 1972 12 29 Die Union, Dresden Honeggers Weihnachtskantate. Kreuzchor und Philharmonie musizierten im Kulturpalast [Flämig] 244 Dresdner Kreuzchor und zeitgenössische Der Dresdner Kreuzchor, die Philharmonie, Kreuzkantor Martin Flämig, Kreuzorganist Herbert Collum, der Bassist Hermann-Christian Polster und – leider ungenannte – vortreffliche Solisten des Kreuzchors gaben am Vorabend des Heiligen Abends im ausverkauften Festsaal des Kulturpalastes ein vielbeachtetes Weihnachtskonzert. Im Mittelpunkt […] stand die Erstaufführung der »Weihnachtskantate« des […] Komponisten Arthur Honegger […] Die von Flämig inspirierte Wiedergabe war ein Gewinn, ja auch eine zwingende Notwendigkeit. Die zeitgenössische geistliche Weihnachtsmusik ist ja so reich, daß auf musikalischem Gebiet die Weihnachtsbotschaft erst dann ihren vollen Glanz erhält und ihre Weite in der Tonkunst deutlich macht, wenn man die Jahrhunderte bis zur Gegenwart durchschreitet und auch »mit den Zungen unseres Jahrhunderts singt«. Deshalb sei dem Kreuzkantor und allen seinen Helfern für diesen Einsatz besonders gedankt. […] H.B. [Hans Böhm] HÖRING, MARKUS Lamentationes Jeremiae Prophetae. Motette für gemischten Chor (1996/97) 1998 02 16 Dresdner Neueste Nachrichten Eindringliches Gedenken an die Zerstörung der Stadt. Kreuzchor-Konzert mit beeindruckender Uraufführung [Kreile] […] Von Kreile bei dem jungen Münchener Komponisten in Auftrag gegeben, ist das 1996/97 entstandene Werk […] für die Gedenkfeiern zur Zerstörung Dresdens bestimmt und zudem den Kruzianern gewidmet. […] [Die] Komposition ist geprägt vom Wechsel repetierender Phrasen mit teils wahnwitzigen Tonsprüngen, die zudem binnen kürzester Zeit große Tonräume durchmessen. Die Kruzianer meisterten dies – auch in den eingebundenen Solopassagen – mit Bravour, brachten Klage gleichermaßen wie Hoffnung gut zum Ausdruck. Ein sehr breit auskomponierter Schluß hatte einen gewissen Spannungsnachlaß zur Folge. […] Sophie Gabriel 1998 02 16 Sächsische Zeitung, Dresden Bewegendes Gedenken. Kreuzchor-Vesper zum 13. Februar [Kreile] […] »Lamentationes Jeremiae Prophetae« […] nahm der junge Münchner Komponist Markus Höring in A-cappella-Motetten auf. Geschrieben für den Kreuzchor, erklangen sie als Uraufführung. Etwas spröde, voller zerrissener Motivik, die […] kaum inneren musikalischen Zusammenhang deutlich werden ließ, wurde das Werk dem Chor und seinen klanglichen sowie gestalterischen Möglichkeiten kaum gerecht. […] Friedbert Streller Chormusik im Spiegel der Presse 1932 2015 245 JENNEFELT, THOMAS O Domine. Totenmesse für Mezzosopran und gemischten Chor (1983/86) 1999 07 12 Dresdner Neueste Nachrichten Ein Jegliches hat seine Zeit. Die letzte Kreuzchorvesper des Schuljahres [Kreile] […] Das Äußerste an Stimmkraft forderte die vom Chor eindrucksvoll gebotene [Motette Thomas Jennefelts] »O Domine« […] Hier […] gab es zudem für drei Kruzianer anspruchsvolle Soloaufgaben zu bewältigen, und [diese] wußten zu überzeugen. Es blieb allerdings der Eindruck, daß an diesem Abend der homogene, in vielen Passagen strahlende Chorklang ein wenig im Widerspruch stand zu einer gewissen Mattigkeit in Ausdrucksstärke wie Sprachbehandlung. […] Sophie Gabriel 1999 07 21 Frankfurter Rundschau Dresdner Kreuzchor. Das große Ringen [Kreile] […] Da gab es […] Thomas Jennefelts Pochen auf die musikalische Eigenständigkeit, auf eine verdichtete Radikalität fernab jeden Klischees von Faßlichkeit, die sein O Domine von 1983 zunächst fast irritierend erscheinen ließ. Aber Roderich Kreile hatte auch hier, in dieser zerfaserten, sprunghaften Partitur, seine Dresdner Kruzianer derart sicher im Griff, daß die Töne schnell an Plastizität gewannen und ihre abstrakte Hülle sogleich verloren. Dabei präsentiert sich der Dresdner Kreuzchor anders als sein großer Mitstreiter, die Windsbacher Knaben. Die Dresdner haben in der Höhe nicht den Glanz und die ätherische Leuchtkraft der Windsbacher, nicht die engelsgleiche, von einer fernen Welt kündende Aura. Doch das strukturelle Gespür, die fein austarierte Balance, die Sehnsucht nach Klarheit und die penible, noch im kleinsten Detail ausgearbeitete Stimmführung sind da weit, weit mehr als nur ein Trost. gor Warning to the rich für Bariton und gemischten Chor (1977) 1999 04 19 Dresdner Neueste Nachrichten Musikalische Schrift gut geprägt. Bach und Jennefelt in der Kreuzchorvesper [Kreile] […] Über den gesamten Vortrag hinweg faszinierte dynamischer Facettenreichtum. Jedoch hätten die ersten – zunächst geflüsterten, später laut gesprochenen – Textzeilen mehr Nachdruck vertragen. Die Anklage an die Reichen dieser Welt ist durchaus aggressiv, vielleicht in einem Maße, wie es jugendliche Stimmen 246 Dresdner Kreuzchor und zeitgenössische noch nicht zu geben vermögen. Beeindruckend sicher und ausgewogen singend bewältigte Cornelius Uhle (Bariton) seinen schwierigen Solopart. Auf der Basis seiner gut tragenden Stimme hätte er sich sogar noch mehr Ruhe und Freiheit für die Tempo-Gestaltung lassen können. Am Ende des Stücks stand tiefe Ruhe im Raum – Zeichen, daß die Brisanz von Text wie Musik deutlich geworden war. Sophie Gabriel JENTZSCH, WILFRIED Apokalyptische Vision 2000 für Chor, Sprechstimme und elektronische Klänge in zwölf Teilen (1999/2000) 2000 10 09 Dresdner Neueste Nachrichten Jentzsch-Uraufführung [Kreile] Rezension S. 172 2000 10 09 Sächsische Zeitung, Dresden 14. Dresdner Tage Zeitgenössischer Musik. Aus Zeiten künstlerischer und politischer Gärung. Kontrastreiche Konzerte in Semperoper und Kreuzkirche [Kreile] Rezension S. 172 KAMINSKI, HEINRICH Magnificat für Sopran, Viola, kleinen Fernchor und Orchester (1926) 1976 03 16 Die Union, Dresden Diszipliniert und klangschön. Kreuzchorkonzert mit Uraufführung eines Schweizer Komponisten [Flämig] Die Kopplung der sehr ausdrucksstarken Sopranpartie mit der Solobratsche, von Herbert Schneider sicher bewältigt, erweist sich als überzeugende Verbindung von Meditation und Verinnerlichung. Höchst eindringlich gestaltet sich das Zusammenwirken des großen Orchesters auf dem Altarplatz mit dem auf der Empore postierten Fernchor. Bei der Leitung des Fernchors sowie als Organist und Cembalist bewährte sich der Assistent des Kreuzkantors, Ulrich Schicha, mit gewohnter Zuverlässigkeit. […] die Philharmoniker [waren] nicht nur unentbehrliche Helfer, sondern maßgebliche Mitgestalter. Prof. Flämig erwies sich als engagierter Dirigent, der nicht nur versteht, seine Kruzianer zu beflügeln, sondern auch dem Orchester maßgebliche Impulse gibt. Christian Hauschild Chormusik im Spiegel der Presse 1932 2015 247 KLEBE, GISELHER Messe, Gebet einer armen Seele für vier- bis achtstimmigen gemischten Chor und obligate Orgel (op. 51; 1966) 1967 11 24 Die Union, Dresden Kirchenmusik in der Aktualität. Die Macht der Konfrontation von Schütz und der Gegenwart [Mauersberger] […] Unter Mauersbergers überlegener Leitung waren bei der Wiedergabe alle Mühen vergessen, war einfach alles »da«: intonationsmäßig, dynamisch, in der Aussprache, im nahtlosen Miteinander zur Orgel, an der Herbert Collum meisterlich seines Amtes waltete. […] Hans Böhm; S. 95f. KNAB, ARMIN Das gesegnete Jahr. Oratorium für Sopran, Bass, gemischten Chor und Orchester (1935/43) 1988 06 28 Sächsische Neueste Nachrichten, Dresden Erstaufführung mit vielen Fragen. Kreuzchor sang Knab-Oratorium [Flämig] Gegen Saisonschluß wartete Kreuzkantor Martin Flämig mit einer DDR-Erstaufführung auf, die doch viele Fragen auslöste. […] Dem Ganzen liegt keine »Handlung« zugrunde – wie etwa den Bachschen Passionen. Erst recht ist diese Partitur kein »Volksdrama« im Stile der in Dresden so vermißten Oratorien von Händel. Vielmehr reiht sich Satz an Satz, Gedicht an Gedicht […] In seiner Liedhaftigkeit und Textwahl war Knab zumindest leichtgläubig, kaum sensibel für die Nöte seiner Zeit. Da können auch Sangbarkeit und schönes Klingen durch den übrigens vorbildlichen Einsatz von Kreuzchor und Philharmonie wie den beiden Solisten […] unter der bestimmten Leitung von Prof. Martin Flämig nichts an der sich aufdrängenden Frage ändern, ob nicht andere Werke uns brennender auf der Seele liegen müßten. Hans Böhm KODÁLY, ZOLTÁN Jesus und die Krämer. Evangelienmotette für vierstimmigen Chor (1934) 1977 03 24 Die Union, Dresden Vesper mit Kodály. »Jesus und die Krämer« erklang beim Kreuzchor [Flämig] 248 Dresdner Kreuzchor und zeitgenössische […] Unter der Leitung von Martin Flämig sangen die Kruzianer das Werk – eine Bereicherung ihres Repertoires – vom Ausdruck her sehr lebendig und in den kantablen Teilen schön ausschwingend in der Linie und aufblühend im Ton. Beeindruckend die Geschlossenheit des Spannungsbogens. […] Peter Wittig 1999 04 27 Gießener Anzeiger Der Dresdner Kreuzchor bei seinem imposanten Konzert in der Laubacher Stadtkirche. Makelloser Gesang als Widerschein des Überirdischen. Dresdner Kreuzchor stellte in Laubach seine höchst hörenswerte Kunst unter Beweis [Kreile] […] Der Kreuzchor machte sich an Kodálys und Raphaels Motetten mit viel Gespür für deren rhetorische Wirksamkeit, ordnete mit großen Gesten bewegte und beruhigte Partien hintereinander und ließ die innere Dramaturgie der Stücke neu erstehen. Es war frappierend zu erfahren, über welch ein Gestaltungspotential die Kruzianer verfügen: hinsichtlich der dynamischen Feinabstimmung, der traumwandlerisch sicheren Ausformung des Polyphonen und der mannigfaltigen Ausdruckswerte. Gerade bei Raphaels Motette beeindruckte, welch adäquate Realisierung die unterschiedlichen Sprechsituationen erfuhren. Zu nennen sind etwa das mit sanfter Gewalt der Melodie gesungene »daß er betete« oder die glockenartige ineinanderklingende, über wunderbar reine Bögen dem »Amen« entgegengetragene Schlußzeile der Motette. […] Thomas Röllig KÖHLER, SIEGFRIED Daß unsere Liebe eine Heimat hat. Chorzyklus in zehn Teilen für gemischten Chor, Klarinette, Violoncello und Klavier (op. 41; 1968) 1969 11 01 Die Union, Dresden Jubel um Mauersberger und den Kreuzchor. Uraufführung des Poems »Daß unsere Liebe eine Heimat hat« von Siegfried Köhler [Mauersberger] […] Er [Siegfried Köhler] besitzt zweifelsohne eine Affinität zum Vokalen. Eigenart und Wert seines Poems liegen jedoch in der ganz spezifischen Gabe, nicht schlechthin für »gemischten Chor« geschrieben zu haben, sondern mit dem Kreuzchorklang im Ohr. Es ist also ein anspruchsvolles, für Knaben- und Jünglingsstimmen mit ihrem besonderen Reiz und Timbre »passendes« Werk entstanden, das auch mit einzelnen Sätzen in das Chorrepertoire eingehen wird. Die möglichen Chorgruppierungen erscheinen ausgeschöpft, vier- bis achtstimmiger Satz, rhythmische Akzentuierungen, akkordische Schichtungen, großen und kleinen Chor, aus lockerer Hand kommende Fugati, hymnische Wirkungen und sehr natürlich empfundene Soli – ein Sonderlob für den Sopranisten Olaf Bär! – und kleine Echoeffekte. Das »klingt« alles und wurde von den Kruzianern unter Meister Mauersberger auch mit klanglicher Vollendung vorgetragen. Hans Böhm Chormusik im Spiegel der Presse 1932 2015 249 Fest- und Gedenksprüche für achtstimmigen Chor a cappella (op. 66; 1979) 1979 05 23 Sächsische Neueste Nachrichten, Dresden Dresdner Musikfestspiele. Eröffnung mit Köhler-Novität [Flämig] […] Auch [die Kruzianer] steuerten eine Uraufführung bei, ein Auftragswerk von Siegfried Köhler, der mit drei Chor-Zyklen bei früherer Gelegenheit eine besonders glückliche Hand bewiesen hatte. Diesmal machte es sich Köhler (genauso wie Ausführenden, Hörenden und Kritikern) schwer, weil er im Werktitel einfach zu hoch gegriffen hatte. Die Fest- und Gedenksprüche – so nennt sich sein neues Werk – von Johannes Brahms, ein Stück der Weltliteratur, eine bei unseren Kruzianern stets präsente Partitur, sollte man nicht unbedingt zum Vergleichswert vom Namen her heranziehen. Köhler hatte einige Texte Dresdner Meister, von Schütz, Weber, Wagner und Schumann ausgewählt, daraus […] kurze Sätze geformt und einander unmittelbar folgen lassen […] Kreuzkantor Prof. Martin Flämig tat der Partitur damit den besten Dienst, daß er das Werk »ganz auf Klang« stellte und damit auch Erfolg hatte. […] H.B. [Hans Böhm] Johannes-Bobrowski-Chorbuch. Zehn Madrigale für gemischten Chor a cappella (op. 50a/b; 1973/75) 1980 06 11 Neue Zeit, Berlin Kreuzchor sang neue Werke [Flämig] Klangzauber ist nicht gerade das Wort, das diesmal die Interpretationsleistung des Kreuzchores umschreiben könnte, denn der während der Festspiele außerordentlich aktive Kreuzchor und sein Knabenchor haben sich in ihrem Konzert im Kongreßsaal überwiegend für zeitgenössische Chormusik eingesetzt, und dieser respektgebietende Einsatz stand im Zeichen eines von feinnerviger Intensität und geschärfter Deklamation getragenen Chorklanges. Und diesen wußte Professor Flämig immer neu anzukurbeln und eindringlich zu modellieren […] Mittelpunkt des Programms war das »Johannes-Bobrowski-Chorbuch« des Dresdner Komponisten Siegfried Köhler […] Dennoch scheint sich Bobrowskis sprachliche Vielschichtigkeit einer solch soliden Musikalisierung entziehen zu wollen. Und für einen Knabenchor erweist sie sich vielleicht doch etwas zu spröd und beschwerlich. Was nicht heißt, daß die musikbegeisterten Dresdner bei diesem Kreuzchorkonzert gar Verdrossenheit an den Tag gelegt hätten. Sie spielen bei »ihrem« Festival eine unvergleichliche Rolle. Eckart Schwinger Pro Pace. 5. Sinfonie für Sopran, Alt, Bariton, Sprecher, Chor und großes Orchester (op. 78; 1984) 1984 05 24 Sächsisches Tageblatt, Dresden Bewegende Mahnung. Siegfried Köhlers »PRO PACE« zur Eröffnung [Flämig] 250 Dresdner Kreuzchor und zeitgenössische Das Schicksal Dresdens, der sinnlose Tod einer Stadt und ihrer Menschen hat auch heute noch, Jahrzehnte danach, Symbolcharakter. Für Siegfried Köhler wird dieses traumatische Erlebnis zum inneren Gegenstand seiner 5. Sinfonie. […] Das durch die Dresdner Philharmonie unter Leitung Martin Flämigs zur Uraufführung gebrachte Werk erhielt oratorische Kraft vor allem durch massiven Chorklang (Kreuzchor, Philharmonischer Chor, Staatsopernchor, Sinfoniechor, Rundfunkchor Berlin). Durch die große Dominanz des Chores blieb leider der sinfonische Charakter der Komposition über große Strecken unerfüllt. Das ansonsten klangprächtig musizierende Orchester wurde durch Martin Flämig allzu undifferenziert behandelt. Bemerkenswerte solistische Leistungen […] rundeten die eindrucksvolle Uraufführung eines Werkes, dem Breitenwirkung nicht versagt bleiben dürfte. […] ek [Eberhard Kremtz] KRÄTZSCHMAR, WILFRIED Doch es wird nicht dunkel bleiben. sequenza vom wohnen in der welt für Chor und Schlagwerk (2009) 2014 02 15/16 Dresdner Neueste Nachrichten Versunkenheit, Direktheit, Gegensätzlichkeit. Gedenkkonzerte von Staatskapelle, Philharmonie und Kreuzchor [Kreile] […] Einen gewissen Gegensatz zu [Faurés] Requiem bildete Wilfried Krätzschmars 2009 uraufgeführte und für den Kreuzchor geschriebene sequenza vom wohnen in der welt »Doch es wird nicht dunkel bleiben«. Das vierteilige, spröde Werk macht es weder den Ausführenden noch dem Hörer leicht. Krätzschmar reizt darin die stimmlichen und gestalterischen Möglichkeiten eines Knabenchores bis zum letzten aus und stellt den oft weit aufgespaltenen Chorstimmen ein vielgestaltiges – hier präzise gespieltes – Schlagwerk gegenüber. […] Der Dresdner Kreuzchor und Roderich Kreile sind mit dem Werk natürlich (kann man angesichts der hohen, Grenzen ausschreitenden Ansprüche des Stückes überhaupt von »natürlich« sprechen?) genauestens vertraut und boten eine sehr expressive, in der Aussage und im musikalischen Gehalt auf den Punkt gebrachte Wiedergabe, die bis zum letzten Ton der über das weite Kirchenrund verteilten Fürbitten in ihren Bann zog. […] M. Hanns [Mareile Hanns] KUNAD, RAINER Salomonische Stimmen. Oratorium für Sopran, Tenor, Bariton, Chor, Orgel und Orchester (conatum 76; 1984) 1984 10 10 Sächsische Neueste Nachrichten, Dresden Neues Oratorium. Zur Kunad-Uraufführung in der Dresdner Kreuzkirche [Flämig] Chormusik im Spiegel der Presse 1932 2015 251 »Salomonische Stimmen«, das neue Oratorium Rainer Kunads, conatum 76, erlebte in der Kreuzkirche mit dem Kreuzchor, Teilen des Beethoven-Chors und mit der Dresdner Philharmonie unter Martin Flämig seine bemerkenswerte Uraufführung. […] Die Interpretation verdiente hohes Lob. Kreuzkantor Martin Flämig engagierte sich mit allen Fasern für diese Neuheit, die ihm gewiß sehr lag, mit Umsicht und Leidenschaft. Die Chorfusion zahlte sich erneut aus, Volumen und spezifische Klangfarbe betreffend. […] Die instrumentale Ausführung lag bei der Dresdner Philharmonie in den besten Händen. […] gb [Gerhard Böhm] 1984 10 13 Die Union, Dresden Eröffnung der Konzertsaison des Dresdner Kreuzchores. »Dies hier ist ein Neues« [Flämig] […] Von der Qualität der Aufführung zu sprechen bedeutet wieder einmal, den Dirigenten in den Mittelpunkt zu rücken. Von Martin Flämig ging eine mitreißende Energie aus, die zur Folge hatte, daß die Aufführung genau auf jener Mitte zwischen Präzision und Inspiriertheit ausbalanciert war, wie sie für das Werk unabdingbar ist, weil die einseitige Konzentration auf eines der beiden Elemente zu einer Beschädigung des Erlebens führt. Beides aber wurde auch von den Chören in einer Weise umgesetzt, daß man meinen könnte, weder die Kruzianer noch der Beethovenchor hätten in diesen Tagen anderes als dies zu tun gehabt – das Gegenteil ist der Fall. Zwei Umstände, die besonders hervorzuheben sind: Zum einen hat der Kreuzchor die Schwierigkeiten, die zu Beginn eines Schuljahres auftreten, offenbar schneller als sonst überwunden. Zum anderen waren beide Ensembles wieder zu erstaunlicher Homogenität verschmolzen – man meinte, es wäre ein einziger Chor. Zu unterstreichen ist übrigens, daß die teilweise ungenügende Textverständlichkeit nicht den Sängern anzulasten ist. […] Peter Zacher MANICKE, DIETRICH Jesu Einzug in Jerusalem. Motette für vier- bis fünfstimmigen Chor (1964) 1965 04 02 Die Union, Dresden Uraufführung in der Kreuzchorvesper [Mauersberger] Die Kruzianer […] brachten in der letzten Vesper eine bedeutsame Uraufführung heraus. Schon mehrfach hat sich Kreuzkantor Rudolf Mauersberger für das Schaffen des jetzt in Detmold lebenden Dietrich Manicke eingesetzt […] Nunmehr machte er die vier- bis fünfstimmige Evangelien-Motette »Jesu Einzug in Jerusalem« bekannt […] Bewundernswert war, wie die Kruzianer allen intonationsmäßigen und rhythmischen Schwierigkeiten spielend gerecht wurden. Nach wie vor ist Mauersberger ein, ja: der Wegbereiter der zeitgenössischen Kirchenmusik. In der jüngsten Neuheit liegt ein wesentliches Werk vor. […] H.B. [Hans Böhm] 252 Dresdner Kreuzchor und zeitgenössische MARTIN, FRANK Golgatha. Oratorium für Soli, Chor, Orchester und Orgel (1945/48) 1978 02 17 Die Union, Dresden Antidramatisches Drama. »Golgatha« von Frank Martin zum Dresdner Gedenktag in der Kreuzkirche [Flämig] Eigentlich beschämend: Sobald Martin Flämig mit den Kruzianern ein Werk zeitgenössischer Chorsinfonik aufführt, dankt der größte Teil seines Publikums ihm das mit Fernbleiben. Ich meine, mancher Hörer sollte seine Haltung zur Musik einmal überprüfen. Jahr um Jahr nur das »Gesicherte« – Bach, Brahms – zur Kenntnis nehmen wollen? Sich immer in demselben Kreis bewegen? […] Ob interpretationsmäßig hier etwas zu kompensieren wäre? Ich habe keine Vergleichsmöglichkeiten. […] Verhältnismäßig selten nur durchbrach Martin einmal seinen recht gleichförmigen Deklamationsstil, dann allerdings werden es Kulminationspunkte […] Selbstverständlich, daß die ruhevolle Interpretation durch den Kreuzkantor hier ungemein packend zugriff. Qualifiziert die Leistung der Kruzianer (wenn sie auch im Tenor etwas dezimiert waren), ich denke da an »O sieh das göttlich Lamm« oder den dem Chor übertragenen Kreuzigungsbericht und allgemein an ihre Sicherheit der Intonation, an die das Stück hohe Ansprüche stellt. Seitens der Philharmonie gab es ein profiliertes Musizieren (schade um Kleinigkeiten: die arpeggierten Posauneneinsätze!) […] Peter Wittig 1978 02 17 Sächsische Zeitung, Dresden Konzerte zum Gedenken. »Golgatha« in der Kreuzkirche, Brahms-Requiem unter Krenz [Flämig] Als Requiem für die Opfer der Dresdner Bombennacht wählte Kreuzkantor Martin Flämig diesmal das seinerzeit durch Erich Schneiders Pioniertat in Dresden bekanntgemachte Oratorium »Golgatha« […] von Frank Martin […] Das Wagnis, nach Bach die Leidensgeschichte aus gegenwärtiger musikalischer Sicht zu gestalten, hat ein hochbedeutendes Werk von echtem Wahrheitsgehalt entstehen lassen, das wohl einen tiefen, allerdings […] namentlich im ersten Teil leicht ermüdenden Eindruck hinterläßt. Trotzdem war es bedauerlich, daß sich so viele Dresdner ein musikalisches Ereignis entgehen ließen, das einmal vom jahreszeitlich wiederkehrenden Turnus der kirchlichen Aufführungspraxis abwich. Mit ansteckendem inneren Engagement dienten der Kreuzkantor und seine stimmlich gut aufgelegten Kruzianer einer großangelegten Aufführung des Werkes, die hervorragende Solisten zur Ganzheit rundeten […] H. W. F. [Hermann Werner Finke] Chormusik im Spiegel der Presse 1932 2015 253 In terra pax. Oratorium für Sopran, Alt, Tenor, Bariton, Bass, zwei Chöre und Orchester (1944) 1975 12 21 Der Morgen, Berlin Oratorium uraufgeführt. Weihnachtskonzert des BSO mit den Kruzianern [Flämig] Rezension Butting, S. 227f. 1983 02 18 Die Union, Dresden Und Er wird trocknen die Tränen. Kreuzchorkonzert zum 13. Februar [Flämig] […] Der Kreuzkantor erreichte eine Interpretation von großer Ausdrucksdichte und dynamischer Durchdringung. Die Kruzianer sangen mit spürbarem inneren Engagement; die sehr persönliche, aufrüttelnde Tonsprache des Komponisten war ihnen bestens vertraut. Abstriche gibt es lediglich an der Textverständlichkeit einiger Passagen zu machen. Besonders schön gelangen den Kruzianern die flehentliche Klage »Mein Gott, warum hast Du mich verlassen?«, der spannungsvolle Chor »Spendet Trost dem Volke« und der hoffnungsträchtige Schlußteil »Heilig! Heilig!« Mit der Dresdner Philharmonie stand Kreuzkantor Professor Martin Flämig ein einsatzfreudiger orchestraler Partner zur Seite, der seine Aufgaben mit Sensibilität und Ausdrucksstärke erfüllt. Aus dem Solistenquintett ragte vor allem der junge Bariton Andreas Scheibner heraus, dessen erstes Solo von solch unheildrohender Schärfe geprägt war, daß es »unter die Haut ging«; die Intensität seines Vortrages war bemerkenswert. […] Kreuzkantor Professor Martin Flämig hielt die Fäden der Aufführung jederzeit fest in der Hand, legte Wert auf deutliche Differenzierung und baute einen konsequenten Spannungsbogen von der Schilderung des von Menschen verursachten Grauens bis zur Erlösungsfreude am Ende. […] Mareile Hanns 1989 11 09 Sächsische Neueste Nachrichten, Dresden In der Kreuzkirche: »In Terra Pax« von Frank Martin [Flämig] […] Der Kreuzchor war auf seine variablen, harmonisch oft komplizierten Aufgaben sehr gut eingestellt und gestaltete mit der gleichen Intensität wie die Solisten […]. Auch das Orchester der Dresdner Philharmonie spielte mit Hingabe unter der überlegenen, dramatische Akzente setzenden Leitung Martin Flämigs. Wenn stellenweise der Solobereich etwas zugedeckt war, so war das sicher der Art der Komposition geschuldet, die zu sehr gedrungenen Aufgipfelungen neigte. […] gb [Gerhard Böhm] 254 Dresdner Kreuzchor und zeitgenössische 1989 11 18 Die Union, Dresden Werke von Haydn und Martin. Konzert mit dem Dresdner Kreuzchor [Flämig] […] Kreuzkantor Martin Flämig zeigte sich erneut als prädestinierter Kenner der Martinschen Partitur und führte den Aufführungsapparat mit sicherer Hand. Die Hörer erlebten eine sehr geschlossene, expressive Interpretation mit einem engagierten, stimmlich ausgewogenen Kreuzchor und einem guten Solistenquintett […] An den Pulten saßen Mitglieder der Dresdner Philharmonie, die ihren anspruchsvollen, vielschichtigen Part mit höchster Präzision realisierten. Die stärksten Eindrücke gingen für mich vom Chor aus, der eine erstaunliche gestalterische Kraft und Differenzierungsvermögen entwickelte, so daß der interpretatorische Weg vom verzweifelten »Mein Gott, warum hast Du mich verlassen?« bis zum hoffnungsträchtigen Schlußchor »Heilig ist Gott der Herr« nachvollziehbar wurde. […] M. H. [Mareile Hanns] Messe für zwei vierstimmige Chöre (1922/26) 1994 06 22 Dresdner Neueste Nachrichten Die letzte Kreuzchor-Vesper der Saison. Im Mittelpunkt stand die Messe von Frank Martin [Jung] Ein an Erschütterungen und personellen Ereignissen gewiß reicher Jahrgang ist beendet. Deutlich waren jedoch auch in dieser Stunde wieder die Konsolidierung und der Aufwärtstrend der Chorarbeit zu spüren. Das ist das Verdienst des jungen kommissarischen Kreuzkantors Matthias Jung, der den Chor im Griff hat, der weiß, was er will, muß und kann. Der Chor ist wieder motiviert. […] Hauptwerk die knapp halbstündige Messe für zwei vierstimmige Chöre von Frank Martin […] Diese lateinische Messe dirigierte nun Matthias Jung. Dabei zeigte sich, daß er der geistigen Spannweite, dem Ausdrucksreichtum wie den dynamischen Schattierungen gerecht wurde, gliedernd wie zusammenfassend. […] Die Wiedergabe war ein Gewinn. […] Hans Böhm 1997 07 07 Dresdner Neueste Nachrichten Würdiger Ausklang eines Jahrgangs. Kreuzchor sang Martin-Messe [Kreile] […] Wie die jungen Sänger die 1922 bis 1926 entstandene, rhythmisch und harmonisch äußerst diffizile Messe meisterten, verdient große Achtung. Unter der präzisen Leitung von Kreuzkantor Roderich Kreile entstand eine dynamisch sehr nuancierte Interpretation. In einigen Passagen nahm Kreile das Tempo ob ihrer komplizierten, oft wechselnden Rhythmik gemäßigt, etwa im »Et ascendit in Chormusik im Spiegel der Presse 1932 2015 255 coelum …« des Credo oder im »Hosanna in excelsis …« des Sanctus. Dadurch fehlte es hier etwas an Stringenz. Zwischen dem Alt des ersten und zweiten Chores machte sich ein etwas unausgeglichenes Verhältnis bemerkbar – Ausfälle durch Mutation fordern ihren Tribut. Nicht alle freiliegenden Einsätze kamen mit absoluter Präzision, aber alles in allem gelang eine beeindruckende Wiedergabe dieser großartigen Schöpfung Martins. Sophie Gabriel Requiem für Soli, Chor, Orchester und Orgel (1971/72) 1977 02 04 Neue Zeit, Berlin Spätwerk von hoher musikalischer Qualität / Kreuzchor sang das Requiem von Frank Martin [Flämig] Die eindrucksvolle Aufführungsreihe mit Oratorien von Frank Martin, dem gro- ßen, im Jahre 1974 verstorbenen Schweizer Komponisten, dürfte mit den Aufführungen seines »Requiem« hierzulande einen Höhepunkt erreicht haben. […] In diesen Tagen nun musizierte Martin Flämig das ebenso verinnerlichte wie vergeistigte Spätwerk Frank Martins in der Dresdner Kreuzkirche zum Gedenken an die Opfer des 13. Februar 1945. […] Daß der Kreuzkantor Martin Flämig für ein solches chorsinfonisches Werk der Gegenwart ein Gespür sondersgleichen besitzt, bei dem das großbesetzte Orchester ein entscheidendes Wort spricht, das war auch bei dieser ausgezeichneten Martin-Aufführung nicht zu überhören. […] Obwohl vom Chor nicht gerade Übermäßiges gefordert wird – von einigen vibrierenden Auffächerungen und Verdichtungen abgesehen –, denn einiges hat er nur unisono oder zweistimmig in Oktaven zu singen, möchte man dieses musikalisch so konzentrierte Spätwerk Martins nur ersten Chören empfehlen, denen ein Spitzenorchester vom Range der Dresdner Philharmonie zur Seite steht. […] Eckart Schwinger 1977 02 04 Sächsische Neueste Nachrichten, Dresden Traditionelles Kreuzchorkonzert. Frank Martins Requiem [Flämig] […] Das Werk reiht sich würdig in die Folge der großen Requiem-Vertonungen ein. Das machte die tieflotende Aufführung in der Kreuzkirche offenbar. Starke Eindrücke gingen von der glänzenden Farbigkeit der Mischklänge aus, die sich auf großes Orchester, Chor und Solisten verteilten. Professor Flämig gelang es wieder in eindringlicher Weise, Bilder von großer Plastizität und Überzeugungskraft zu gestalten. Der Chor beherrschte seinen schwierigen Part sicher und ließ sich zusammen mit dem reaktionsschnell schaltenden Orchester (Dresdner Philharmonie) zu mächtigen Kulminationen inspirieren. […] -gb- [Gerhard Böhm] 256 Dresdner Kreuzchor und zeitgenössische 1977 02 05 Die Union, Dresden Glanzleistung bei Martins Requiem [Flämig] […] [Dieses] letzte Werk des Schweizer Komponisten verbindet höchste Reife mit starker Emotionalität. […] Der Kreuzkantor hatte sich das in Struktur und Klangbild scharfgeschnittene Werk zutiefst zu eigen gemacht und disponierte, mit dramatischen Ballungen auf engem Raum, in großem Spannungsbogen vom Anfang bis zum Jubel des Schlusses. Die Kruzianer waren voll »da« und boten eine Glanzleistung in puncto Ausgewogenheit, Disziplin und Ausdruck. Herausragend vor allem Introitus und Sanctus. […] Peter Wittig MAUERSBERGER, RUDOLF Christmette der Alumnen des Dresdner Kreuzchores (RMWV 71; 1936) 1953 12 30 Die Union, Dresden Weihnachten der Kruzianer [Mauersberger] […] Und mit geheimem Schmunzeln mag es der Historie eingegliedert werden, daß sich die Freunde des Chores auch in diesem Jahre wieder ihre »Mette der Alumnen« am Christtagmorgen erkämpft haben. Oder wäre es wirklich denkbar gewesen, am 1. Feiertag in den Betten zu bleiben, nur weil es noch immer nicht gelungen ist, die Dresdner Kreuzkirche endlich mit Türen und Fenstern zu versehen? Der Versuch, auch das Mettenspiel der Kruzianer in die bis auf den letzten Platz gefüllte Martinskirche zu verpflanzen, gelang überraschend. Die Weiträumigkeit des Altarplatzes und die tragende Akustik brachten Engel- und Hirtenszenen, den Aufzug der »Weisen aus dem Morgenlande« mit orientalischer Musik und Weihrauchwolken und das altvertraute Krippenbild mit Maria und Joseph in lange nicht erlebter Weise zur Entfaltung, wobei es uns wieder einmal voll zum Bewußtsein kam, welch eine Fülle weihnachtlichen Erlebens wir unserem »Weihnachtskantor« Rudolf Mauersberger danken. […] agn. 1965 12 29 Die Union, Dresden »Es jauchze der Himmel …«. Christmette des Kreuzchores am 1. Weihnachtsfeiertag [Mauersberger] […] Als vor Jahrzehnten Kreuzkantor Rudolf Mauersberger erstmalig die »Mette« von seinem erzgebirgischen Heimatdorf in die Großstadt transponierte, war das ein Versuch. Längst ist daraus eine innere Notwendigkeit geworden. […] Erstaunlich, was junge und ältere Kruzianer insgesamt, vor allem auch solistisch, wieder leisteten. Zufälligkeiten kann es da in so früher Stunde immer wieder einmal geben. Sie sind bedeutungslos gegenüber der Fülle des Gelungenen, das »unserem« Chormusik im Spiegel der Presse 1932 2015 257 Kreuzchor, dem bewährten Spielleiter Hans-Christoph Pietsch, den Präfekten (vor allem dem Organisten) zu danken war. Vorzügliche Helfer der Dresdner Philharmonie standen wieder zur Verfügung. Prof. Rudolf Mauersberger aber war die Seele dieser wie all der anderen Aufführungen, bei denen die »Frohe Botschaft« singend, klingend und spielend gestaltet wurde. H.B. [Hans Böhm] Chronica musica cruciana (Dresden. Zyklus für Chor a cappella, RMWV 4/9; 1947) 1956 03 09 Westdeutsche Allgemeine, Essen Die Zuhörer waren verzaubert. Der Dresdner Kreuzchor, Bewahrer christlicher Chorkunst, sang im Saalbau [Mauersberger] […] Ein ergreifendes musikalisches Bekenntnis zur Geschichte und zum Geist des Kreuzchores legte [Rudolf Mauersberger] mit der Vertonung der »Chronica musica cruciana« nach Versen von Rudolf Decker ab. […] Der Chor gab [das Werk] mit schlichter Empfindung und großer Farbenpracht im Klang wieder. […] Das außergewöhnlich gute Material des Chores an lichten Sopran-, dunklen Baß- und weichen Mittelstimmen hat Kantor Mauersberger zu einem makellosen Vokalkörper zusammengeschmolzen. […] [ohne Autorangabe] Dresdner Requiem (RMWV 10; 1947/48) 1948 06 29 Die Union, Dresden Klangerlebnis des Sakralen. Viermal Rudolf Mauersbergers »Liturgisches Requiem« [Mauersberger] […] Keiner der zahlreichen Besucher dieser vier Abende mit Mauersbergers »Liturgischem Requiem« mag sich der zwingenden Wirkung [der] Eindrücke entzogen haben. […] Bezeichnend, daß die Besucher der überfüllten auswärtigen Kirchen unmittelbarer dem Anspruch des Neuen folgten als das der traditionellen Konzertform besonders eng verhaftete Dresdner Publikum. […] Wie stark auch die Mitwirkenden noch hineinwuchsen in Form und Eigenart des Werkes, bewiesen die Ergebnisse der aufeinanderfolgenden Abende von Dresden, Freital, Meißen, Freiberg, deren jeder den voraufgegangenen an Reife und Geschlossenheit der Wiedergabe überbot. Was hier vom Dirigenten und seinen Kreuzchorsängern an hingebungsvoller, unermüdlicher Gestaltungsarbeit geleistet wurde, ist kaum zu ermessen – obwohl das Requiem durchaus nicht zu den schwierigsten Kompositionen Mauersbergers zählt. Die Hauptanforderung liegt im Zusammenwirken der korrespondierenden Klanggruppen, an dem auch die Bläser der Staatskapelle, der Philharmonie bzw. der Vereinigung ehemaliger Hoftrompeter und der Organist (dreimal Hans-Joachim Schwinger, in Freiberg Domkantor Eger) 258 Dresdner Kreuzchor und zeitgenössische ihren geschickt und einfühlend bewältigten Anteil hatten. Besonders gedacht sei der überragenden Leistung des zwölfjährigen Altsolisten Kruzianer Peter Schreier, dessen makellose, sakrale Stimme wieder und wieder das Werk überstrahlte, mit einem Schmelz, der von wahrhafter Begegnung mit dem Ewigen Zeugnis abzulegen schien. E. H. H. [Erna Hedwig Hofmann] 1962 02 16 Die Union, Dresden Rudolf Mauersbergers »Dresdner Requiem« [Mauersberger] […] Es ist immer wieder bewundernswert, wie Rudolf Mauersberger die weit auseinanderstehenden getrennten drei A-cappella-Chöre zusammenhält und sie dynamisch gegeneinander abwägt. Die herrliche Akustik der Kreuzkirche ist ihm dabei eine große Hilfe. Aber dies gelänge nicht so wundervoll, wenn ihm nicht im Kreuzchor ein einzigartiger Vokalkörper zur Verfügung stände. Die Knabenstimmen von Volker Groeling und Gerhard Uhle schwangen wunderschön durch den Raum, und Mitglieder der Dresdner Philharmonie und Hans Otto an der Orgel trugen zur eindringlichen Wirkung wesentlich bei. -nk- 1971 02 12 Die Union, Dresden Mauersbergers »Dresdner Requiem« [Mauersberger] […] Unter Mauersbergers Leitung erfuhr die mit wesentlicher Verspätung begonnene Aufführung eine würdige Wiedergabe, die den Kreuzchor, die Chorsolisten, Mitglieder der Philharmonie, Herbert Collum (Orgel), Christian Lehmann (Celesta) und nicht zuletzt die Gemeinde selbst als Interpreten vereinte. H.B. [Hans Böhm] 1973 02 14 Die Union, Dresden Mauersbergers »Dresdner Requiem«. Ergreifende Kreuzchoraufführung unter Martin Flämig [Flämig] […] Kreuzkantor Prof. Martin Flämig brachte diese Schöpfungen seines unvergessenen Vorgängers zu einer würdigen, ergreifenden Aufführung. […] Es zeigte sich, daß Martin Flämig offensichtlich in langer, intensiver Probenarbeit die Vorbereitungen für diese Interpretation getroffen hatte, an der Gestaltung der Motette, die Mauersberger so beziehungsvoll auf einen Text aus den »Klageliedern Jeremiae« vertont hat, konnte man es ablesen, wie Dirigent und Chor an dieser A-cappella-Schöpfung gewachsen sind. Man erlebte eine Homogenität des Klanges, Tragfähigkeit auch im Piano und eine Durcharbeitung, die wohl an keiner Ausdrucksnuance vorüberging. […] Der Kreuzchor und alle seine Gruppen, die Knabensolisten Fred Maiwald, Achim Zimmermann, Tilmann Rau, werkerfahrene Chormusik im Spiegel der Presse 1932 2015 259 Mitglieder der Dresdner Philharmonie, Herbert Collum an der großen Jehmlich- Orgel, Matthias Süß an der Celesta und ein neben der Orgel aufgestellter Hilfsdirigent für den Fernchor vereinigten sich unter Martin Flämigs überlegener Leitung, die nicht nur dem Inhalt und musikalischen Anliegen voll entsprach, sondern auch deutlich machte, wie sehr Aufführungen dieser Werke einem echten Bedürfnis entsprechen und sich zwingend-gültig einreihen in den Kreis der weiteren Konzerte, die dem Dresdner Gedenktag gewidmet sind […] H.B. [Hans Böhm] 1994 02 14 Sächsische Zeitung, Dresden Musikalische Zeichen von Friedensbereitschaft. Dresdner Konzerte im mahnenden Gedenken an den 13. Februar 1945. Mauersberger-Werk [Jung] Hunderte Dresdner verließen stumm, unfähig jeden Wortes und ergriffen von den Ereignissen der letzten Stunde am Sonntag kurz nach 18 Uhr die Dresdner Kreuzkirche. Sie hatten sich versammelt, um Rudolf Mauersbergers berühmtes Dresdner Requiem zu hören. […] Der Zusammenhalt der drei, in großer Entfernung stehenden Chöre ist ein schwieriges Unterfangen für den Dirigenten: Matthias Jung bewältigte diese Aufgabe bravourös. Gewohnt homogen, mit hervorragendem Chorklang präsentierten sich einmal mehr die Kruzianer. Das tonal nicht eben einfach zu bewältigende Material schien den jungen Sängern wenig Mühe zu bereiten. […] Das große Geläut der Kirchenglocken ließ einen denkwürdigen Abend voller Trauer, Ergriffenheit, aber auch voller Trost ausklingen. […] Thomas Berlin 1999 02 08 Dresdner Neueste Nachrichten Erschütterung, Trost und Auferstehungshoffnung. Dezimierter Kreuzchor sang »Dresdner Requiem« von Rudolf Mauersberger [Kreile] Nun hat also die Grippewelle auch den Kreuzchor überrollt, und das mit solcher Kraft, daß für eine originalgetreue Aufführung des »Dresdner Requiems« […] die […] nötigen Sänger nicht mehr zur Verfügung standen. Der Entschluß von Kreuzkantor Roderich Kreile, im Angesicht dieser Tatsache alle ihm gebliebenen Stimmen in einem Chor zu bündeln, konnte von Anfang an nur einen Kompromiß darstellen. Einen Kompromiß, der den Chorsängern das Äußerste abverlangen würde, und dem die hohen Erwartungen der Dresdner […] gegenüberstanden. Schon beinahe sprichwörtlich ist der homogene Klang des Kreuzchors […], der in seiner Flexibilität die tiefe Aussage des Mauersbergerschen Werkes wirkungsvoll unterstrich. Mit seinen Sängern formte Kreile auf bemerkenswerte Art und Weise Klangkontraste, arbeitete Feinheiten heraus […] Man denke nur an die Gestaltung des Gegensatzes zwischen spannungsvoller Ruhe und aufbäumender Klage in der dem Requiem vorangestellten Trauer-Motette »Wie liegt 260 Dresdner Kreuzchor und zeitgenössische die Stadt so wüst«, oder an die gefühlvolle Ausformung musikalischer Linien der Antiphonen »Herr! Gib ihnen die ewige Ruhe«. Um den Verlust der Dreichörigkeit auszugleichen, arbeitete Kreile mit unterschiedlichen Stimmenbesetzungen, die den jeweiligen Chören entsprachen. Dabei gelangen ihm erstaunliche Abstufungen, die natürlich eine räumlich-plastische Klangwirkung nicht ersetzen konnten, die aber doch einen Eindruck von dem vermittelten, was Mauersberger beabsichtigt hatte. So bildete der etwas Unterstimmen-lastige Klang des Hauptchors mit seinen stellenweise ein wenig getrübten Sopranen einen schönen Kontrast zu den heller wirkenden Stimmenkombinationen, die den Altar- und den Fernchor darstellten. […] Tobias Eisner 1999 02 08 Sächsische Zeitung, Dresden Wie liegt die Stadt so wüst. Gedenkvesper mit Werken Rudolf Mauersbergers [Kreile] […] Und das Werk wirkte auch ohne liturgisch-geistliche Handlung nur von der Chorempore herab. Zwar war die Teilung der Chöre durch die schwierigen Bedingungen nicht möglich. Man erahnte sie aber. Die erschütternde Wirkung der a-cappella-Chorsätze des wunderschönen Kreuzchor-Klanges und seiner eindringlichen Gestaltung blieb erhalten. Ebenso die der »Dies-irae«-Attacken, die von den Musikern des Schlagzeug- und Blechbläser-Ensembles samt Kontrabässen der Chemnitzer Robert-Schumann-Philharmonie akzentuiert wurden und die Vorspiele. Eindrucksvoll auch die mit der Gemeinde zu gestaltenden Choräle. Dem Kreuzkantor kann man für die Aufführung trotz der komplizierten Umstände nur danken. Friedbert Streller Dresdner Requiem (RMWV 10; 1947/48) – Auszüge 1960 10 25 Frankfurter Rundschau Der Kantor und seine Sänger. Bemerkungen zu einem Gastspiel des Dresdner Kreuzchores [Mauersberger] […] Wieder hörten wir den Kreuzchor in der Dreikönigskirche. Er sang […] zwei Sätze aus Mauersbergers »Dresdner Requiem«, das drei gestellte Gruppen verlangt. Sie griffen ineinander wie ein Uhrwerk, Präzision ist den Kruzianern Voraussetzung für makelloses Gestalten und artet nicht in blendende Virtuosität aus. Jeder Effekt um seiner selbst willen wird vermieden. Das Wort regiert die musikalische Diktion. Im Requiem steigert es sich, mit dem Gedanken an das Schicksal Dresdens, zur Erschütterung. Als die beiden Fernchöre in Talaren durch die Kirche schritten, glaubte man, einen Bittgesang für den Frieden zu erleben. […] F.St. Chormusik im Spiegel der Presse 1932 2015 261 Dresdner Te Deum für Alt, Bariton, drei Chöre und Orchester (RMWV 8; 1944/45) 1964 07 01 Die Union, Dresden Menschliches und musikalisches Bekenntnis. Rudolf Mauersbergers »Dresdner Te Deum« [Mauersberger] […] Kreuzchor und Bachchor bildeten eine ideale vokale Gemeinschaft. Vorzüglich spielte die Staatskapelle. An der großen Orgel bewies Hans Otto durch äu- ßerste Präzision (und Reaktionsfähigkeit) einmal mehr seine Meisterschaft. Der Leipziger Bassist Hermann Christian Polster war kurzfristig eingesprungen: stimmlich wie in der Sicherheit des Vortrags imponierend, reif im Stilgefühl. Der junge Kruzianer Christfried Biebrach sang verinnerlicht und tragfähig die anspruchsvollen Altsoli. Friedrich Jahn betreute zuverlässig die Chororgel. Unter Wolfgang Unger griff ein Cantus-firmus-Chor bedeutsam ein. Oberkirchenrat von Brück fungierte als Liturg. Rudolf Mauersberger aber war der geistige und musikalische Führer des großen Apparates, dessen Inhalt und Wirksamkeit sich niemand entziehen konnte. Hans Böhm Erzgebirge. Zyklus für Chor a cappella (RMWV 5; 1946/54) 1959 10 03 Die Union, Dresden Mauersbergers Zyklus »Erzgebirge«. Gesamturaufführung zum Besten des Nationalen Aufbauwerkes [Mauersberger] Die Gesamturaufführung seines Chorzyklus »Erzgebirge«, vor neun Jahren bereits entstanden und nur in einzelnen Proben gelegentlich an die Öffentlichkeit gebracht, stellte Rudolf Mauersberger im Rahmen eines Kreuzchor-Konzertes dem Nationalen Aufbauwerk der Stadt Dresden zur Verfügung. Das ist mehr als eine Geste, sind doch damit die beiden Pole gekennzeichnet, zwischen denen sich, räumlich gesehen, sein Lebenswerk spannt. […] Nicht nur von der Tonsprache und vom Stimmungsgehalt her, sondern auch interpretationsmäßig Höhepunkte die »Herbstnacht im Gebirge« und die »Eberesche an der Morgenleithe«. Stürmisch applaudiert das Terzett »Wie’s schneit«, hinreißend in treuherzig ursprünglicher Komik der Knabenchor »Wenn Kärmst is« und das neunstrophige »Vir Weihnachten im Gebärg«, wie sich denn überhaupt Dirigent und Chor wieder in erstklassiger Form zeigten. »Das Jahr klingt aus« – fast möchte man es bedauern und lieber alles noch einmal hören. Wenigstens das Winterterzett wird zugegeben. Eine Reihe mehr oder minder kleiner vorzüglicher Solisten (Wolfgang Eger, Udo Zimmermann, Ernst-Günther Heiland, Matthias Geißler, Jörk Pinkert, Eckehart Mayer) dürfen sich wohlverdienten Sonderbeifall holen. Auch die elfund zwölfjährigen »echt erzgebirgischen« Textleser seien rühmlich erwähnt. – Wohl selten wird heute ein zeitgenössisches Chorwerk die Menschen so heiter 262 Dresdner Kreuzchor und zeitgenössische gelöst, so von Herzen beglückt und befriedet entlassen wie dieser der Öffentlichkeit zu Unrecht so lange vorenthaltene »Mauersberger«. Dafür sei dem Kreuzkantor und seinen Kruzianern herzlich gedankt. H.B. [Hans Böhm] / oa Eine evangelische Messe für Knabensolisten, drei Chöre, Liturg, Gemeinde und Orgel (RMWV 70; 1954) 1954 09 15 Die Union, Dresden Eine neue »Evangelische Messe« [Mauersberger] In einem Gottesdienst der Radebeuler Friedenskirche erfuhr eine »Evangelische Messe« von Rudolf Mauersberger ihre Uraufführung durch den Kreuzchor. […] Die Aufführung zeigte wieder einmal, wie sehr sich Mauersberger gerade auch um liturgische Fragen bemüht und den Zweckcharakter der Musik im Gottesdienst betont. […] In diesem Gebrauchswerk darf man einen nicht unwesentlichen Beitrag eines zeitgenössischen Komponisten sehen, der die Messe als solche musikalisch dem evangelischen Gottesdienst zurückgewinnt und diese Aufgabe durch Vermeidung des Konstruktiven auch inhaltlich erfüllt. […] Eine praktische Frage bei derartigem Bemühen müßte noch gelöst werden: die rechte zeitliche Abstimmung des gesprochenen Wortes mit der Musik und der Handlung. H.B. [Hans Böhm] Geistliche Sommermusik für zwei Knabensolisten, zwei Chöre und Orgel (RMWV 11; 1948) 1949 05 25 Die Union, Dresden Kruzianer beglücken eine Landgemeinde [Seifhennersdorf] [Mauersberger] […] Es ist der besondere Stolz der Gemeinde, daß die »Geistliche Sommermusik« als Mauersbergers jüngstes Werk gerade hier zur Uraufführung kam. Es scheint auch kein Raum ein akustisch und stilistisch geeigneterer Rahmen für ein solches Werk zu sein, als gerade die Seifhennersdorfer Kirche. […] das Bewußtsein, in seinem innersten Anliegen gerade von den einfachen Menschen verstanden zu werden, mag Prof. Mauersberger zum guten Teil bewogen haben, die Uraufführung seines Werkes an eine Landgemeinde zu vergeben […] Die Übertragung des Mitteldeutschen Rundfunks, noch diese Woche zu erwarten, wird den Hörern einen lebendigen Eindruck dieses künstlerischen Ereignisses geben. ri. 1953 06 17 Die Union, Dresden Geh aus, mein Herz und suche Freud’! [Mauersberger] Chormusik im Spiegel der Presse 1932 2015 263 […] Daß die ausdrucksmäßigen Möglichkeiten und der Klangcharakter der Knaben- und Jünglingsstimmen von Mauersbergers erfahrener Hand voll ausgeschöpft worden sind, desgleichen die Wechselwirkungen der getrennten Chöre und die Kombination von Solostimmen mit dem Chor, versteht sich von selbst, genau so wie die hervorragende Wiedergabe durch die Kruzianer in der dicht besetzten Annenkirche. Gegenüber früheren Aufführungen fiel allerdings eine zu starke Trennung der einzelnen Teile auf, die durch innerlich nicht erfüllte Pausen den Zusammenhang wie die Spannung etwas schmälerte. H.B. [Hans Böhm] 1955 05 21 Die Union, Dresden Der Kreuzchor sang wieder in Dresden [Mauersberger] […] Mauersbergers »Geistliche Sommermusik« [erklang] erstmals in der Kreuzkirche […] Die Aufführung zeigte, daß dieses – wie es ein Hörer ausdrückte – »aus einer Reihe von Kabinettstückchen« bestehende Werk auch in der gigantischen »Krypta« am Altmarkt nichts von seiner erquicklichen Frische einbüßt – und die Besucherzahl von über eineinhalbtausend, daß die Dresdner, die die ausgezeichnete Leistung des Chores und seiner kleinen Solisten zu würdigen wissen, ein warmes Verhältnis zu dieser in bestem Sinne volkstümlichen Musik und ihrer feinsinnigen Gestaltung durch den Kreuzkantor gefunden haben. -gn 1963 07 04 Die Union, Dresden »Geh aus, mein Herz, und suche Freud’«. Rudolf Mauersbergers froh jubilierende »Geistliche Sommermusik« [Mauersberger] Die gastgebende Martin-Luther-Gemeinde erlebte das letzte Dresdner Kirchenkonzert des Kreuzchores in der zu Ende gehenden Saison. […] Der Kreuzchor sang schöner denn je. Stimmpracht, hymnischer Glanz, viele Klangschattierungen, innige Verschmelzungen der Gruppen, erstaunlich sichere, unbekümmerte und nicht reflektierend erreichte Leistungen junger Solostimmen vereinigten sich unter der souveränen Führung des wieder auswendig dirigierenden Kreuzkantors zu einem beglückenden Musizieren. […] H.B. [Hans Böhm] 1964 07 07 Die Union, Dresden Geh aus, mein Herz, und suche Freud. Mauersbergers »Geistliche Sommermusik« in der Martin-Luther-Kirche [Mauersberger] […] Der Kreuzchor befand sich, obwohl anstrengende und zeitraubende Schallplattenproduktionen in den letzten vierzehn Tagen vorangegangen waren, in stimmlicher Hochform. Souverän und über der Sache stehend war Rudolf Mauersberger sicher der beste Interpret seines frohen Werkes. […] H.B. [Hans Böhm] 264 Dresdner Kreuzchor und zeitgenössische Ihr wart wie wir (Gedenkspruch für vierstimmigen Knabenchor, RMWV 64/1; 1945) / Wie liegt die Stadt so wüst (Dresden. Zyklus für Chor a cappella, RMWV 4/1; 1945) 1945 10 27 Sächsische Volkszeitung, Dresden Tagebuch des Kreuzchors [Mauersberger] […] Einmal, im August, die Gedenkvesper in den Mauern der Kreuzkirche. Zum Gedächtnis der toten Pfarrer, zum Gedächtnis der Kruzianer, die der Feuernacht des Februars zum Opfer gefallen waren. Diesen galt der einleitende Knabenchor »Ihr wart wie wir« […], in den hinein die Namen der toten Freunde wie in ein Spruchband der Trauer und der Anklage verwoben waren. Düster ragten die kahlen Mauern, unsere Füße wühlten im Schutt, aber in die Fensterhöhlen schwangen sich friedlich die Tauben. […] Zum Schluß eine Uraufführung von erschütternder Gewalt: eine Motette von Mauersberger, »Wie liegt die Stadt so wüst«, Text aus den Klageliedern Jeremiä, der mit geradezu prophetischer Fernsicht das Schicksal Dresdens weissagt – eine Motette, in der Mauersberger den Worten in einer so stimmungs- wie kunstvollen Stimmführung höchsten Nachdruck verleiht. […] Dr. L. [Karl Laux] Lukaspassion für zwei Chöre a cappella (RMWV 9; 1947) 1947 04 09 Die Union, Dresden Dresdner Musikchronik. Mauersbergers Lukaspassion [Mauersberger] […] Man empfindet diese Choralpassion so sehr als aus einem Zentrum religiöser Innerlichkeit entsprungen, daß man gern alle Attribute der äußeren Aufmachung entbehrt; die jungen Kreuzchorsänger sind eben – sich selbst kaum bewußt und eben deshalb so überzeugend – die idealen Mittler tiefster musikalischer Ursprünglichkeit. (Die altertümelnde Kurrendanertracht hebt den Eindruck der Feierlichkeit, so wie das gemessene Schreiten zum und vom Altar eine parsifaleske Würde verbreiten.) Der Gesamteindruck: hier ist aus den Nöten der Gegenwart ein hohes, ergreifendes christliches Lied geboren. Wir wünschen dem Kreuzchor und seinem Leiter nur eines, daß es ihnen recht bald vergönnt sein möchte, diese Kunst als Zeugnis heutigen deutschen Kulturwollens in die Welt zu tragen. Für ein solches Werk sind die deutschen Grenzen zu eng … n-n 1955 03 05 Die Union, Dresden Lukaspassion [Mauersberger] […] Die Gesamtgestaltung durch den Kreuzchor, für den das Werk, das allerdings auch anderweit aufgeführt wurde, wesenhaft bestimmt ist, unter der Hand des Komponisten und in der idealen Akustik der wiederhergestellten Kreuzkirche ließ (außer vielleicht dem nach stellenweise noch schärferer Akzentuierung im Chormusik im Spiegel der Presse 1932 2015 265 Hauptchor) keinen Wunsch offen. In dem asketischen, kryptaähnlichen Kirchenraum eine tief beeindruckende Wirkung! agn 1962 04 14 Die Union, Dresden Mauersbergers Lukaspassion. Passionsmusik des Kreuzchors in Dresden und auf Tournee [Mauersberger] […] Vor einigen Jahren unternahm es Mauersberger, seine eineinhalbstündige Passion zu straffen und zu kürzen, um dem Verlangen des heutigen Menschen nach Ballung der Aussage noch mehr entgegenzukommen. Damit wurde die Intensität gesteigert. Die Wiedergabe durch Kreuzchor und Kreuzkantor ließ an Vollkommenheit der Durcharbeitung, Schönheit des Klanges und Tiefe der Gestaltung keinen Wunsch offen: nicht nur in Dresden, sondern, wie Pressestimmen beweisen, kürzlich in Karl-Marx-Stadt, in Westsachsen, Thüringen und der Oberlausitz. […] rdf 1996 02 26 Dresdner Neueste Nachrichten Musikalische Erinnerung an den Kreuzkantor. Kreuzchor führte nach langer Pause wieder Rudolf Mauersbergers [Lukas-]Passion auf [Jung] […] Die Passion, die Mauersberger seinem Chor auf den Leib geschrieben hatte, hört sich leichter an, als sie in Wirklichkeit zu interpretieren ist. Erfreulich waren in der vom kommissarischen Kreuzkantor Matthias Jung geleiteten Aufführung die chorische Präsenz und die über beachtliche Strecken klug dosierte dramaturgische Spannung. Eine gute Textverständlichkeit wies auf gründliche Vorbereitung hin. […] Der Kreuzchor präsentierte sich in den Stimmgruppen ausgewogen, wobei auffällt, daß der Sopran kräftiger geworden und die Klangfarbe des Altes an Schönheit und Kraft gewonnen hat. […] Kerstin Leiße Ostermette des Dresdner Kreuzchores (RMWV 74; 1941) 1958 04 10 Die Union, Dresden Musik um Tod und Auferstehung. Eindrucksvolle Konzerte in Dresdner Kirchen [Mauersberger] […] Als Rudolf Mauersberger und Rudolf Decker im Kriegsjahr 1941 […] daran gingen, […] für Dresden […] eine »Ostermette« zu schaffen, hatten sie wohl kaum mit einem solchen Maß von Popularität gerechnet, wie sie auch diesmal wieder durch die Menge der Besucher und ihr festfrohes »Mitgehen« bestätigt wurde. Altkirchliche Osterliturgien, durch Mauersberger in »kreuzchorgemäße« musikalische Form gebracht, Anzünden des Osterlichtes und ein holzschnittartiges Osterspiel (Worte: R. Decker), das Teile der Schützischen »Osterhistoria« und Chöre alter 266 Dresdner Kreuzchor und zeitgenössische Meister (Bläser und Pauken: Mitglieder der Dresdner Philharmonie) organisch miteinander verbindet –, nicht zu vergessen die neben den wieder bezaubernden Klangwirkungen der Kruzianerstimmen im wörtlichsten Sinne herzbeweglichen Leistungen der kleinen Sänger-Schauspieler – alles dieses fügte sich zum künstlerischen Ganzen von eigenem Reiz und lauterer Schönheit, dessen Anliegen, das Ostergeschehen sinnenfällig darzustellen, durch Mauersbergers kraftvolle Gestaltung Erlebnis wurde. er-o Was blasen die Trompeten (RMWV 388; 1933) 1935 10 25 Ostdeutsche Volkszeitung, Insterburg Oratorienverein – der Dresdner Kreuzchor [Mauersberger] […] Im letzten Abschnitt kamen bekannte Volkslieder zu Gehör, von denen besonders freudig »Was blasen die Trompeten« in der Bearbeitung von Mauersberger aufgenommen wurde. Wie groß die Kunst der Darstellung bei diesem Chor ist, zeigte sich in diesem letzten, scheinbar einfachen Teil am deutlichsten. Kreuzkantor Rudolf Mauersberger […] hat sich aus diesen reinen, hellen, metallischen Stimmen ein Instrument geschaffen, mit dem er die größten Meisterwerke vollendet wiederzugeben vermag. Wenn überhaupt ein Wunsch offen bliebe, so wäre es der einer noch deutlicheren Artikulation. […] Schöne Weihnachtszyklus der Kruzianer für Soli, Chor und Klavier (RMWV 2; 1944/46) 1951 12 28 Sächsisches Tageblatt, Dresden Dresdner Weihnachtszyklus der Kruzianer. Ein Werk, das Mauersberger als führenden Chorkomponisten ausweist [Mauersberger] […] Der Kreuzchor mit den beiden ausgezeichneten Kruzianern Tilo Hiemann und Peter Winkler als Solisten und dem zuverlässigen Joachim Freyer am Flügel bot unter der Leitung des Komponisten eine Wiedergabe von höchster Vollendung. War es ihm doch gerade hier vorbehalten, Virtuosität und Stimmglanz zu entfalten. Der reiche und herzliche Beifall einer aufgeschlossenen Hörerschaft drückte wohl den Wunsch mit aus, dieses Werk, das vom Herzen zum Herzen spricht, auch in den kommenden Jahren wieder hören zu können. R. Wie liegt die Stadt so wüst (Dresden. Zyklus für Chor a cappella, RMWV 4/1; 1945) 1997 02 15/16 Dresdner Neueste Nachrichten Kreuzchor mit Mauersberger und Schnittke [Kreile] Chormusik im Spiegel der Presse 1932 2015 267 […] Dabei stellt sich auch Kreile sehr wohl in die Dresdner Tradition und er- öffnete das musikalische Gedenken mit Rudolf Mauersbergers berühmter und wundervoll ausbalanciert gestalteter Trauermotette »Wie liegt die Stadt so wüst«. Dem Kreuzkantor schien es gerade auf eine sehr verinnerlichte Version des Notentextes anzukommen. Was Mauersberger damals in eher dramatischem Gestus […] aufklingen ließ, entwickelte sich bei Kreile heute zu einer fast gebethaften Zwiesprache. […] Kerstin Leiße 2002 02 12 Dresdner Neueste Nachrichten Drei Perspektiven zu einem Thema. Gedenkkonzert des Kreuzchors zum 13. Februar [Kreile] Die direkteste, erschütterndste Requiemkomposition ist die nahezu jedem Dresdner bekannte Motette »Wie liegt die Stadt so wüst« von Rudolf Mauersberger. Kreile entlockte seinem Chor einen äußerst natürlichen Gestus fernab von Übertreibungen, hier wirkten das Wort und die Töne unmittelbar. […] Alexander Keuk Wie liegt die Stadt so wüst / Trostgesang aus dem 30jährigen Krieg (Dresden. Zyklus für Chor a cappella, RMWV 4/1, 2; 1945) 1998 10 12 Dresdner Neueste Nachrichten Kreuzchorvesper: Mauersberger bis Bialas [Kreile] […] Dazu gesellten sich Sätze sehr gemäßigter bis mittlerer Modernität, die den Kruzianern ausgezeichnete stimmliche Entfaltungsmöglichkeiten boten […] Das betraf natürlich in erster Linie die beiden rahmenden Motetten Rudolf Mauersbergers aus seinem bekannten Chorzyklus »Dresden«. Hier (»Wie liegt die Stadt so wüst«, »Trostgesang aus dem 30jährigen Krieg«) demonstrierte der Chor seine oft gerühmten Fähigkeiten, sang mit hoher Disziplin und Klangkultur, Intonationssicherheit und dynamischer Flexibilität, wie man sie nicht alle Tage hört. Text und Musik formten eine berührende, verinnerlichte Aussage, bei der die wenigen dramatischen Höhepunkte umso plastischer hervortraten. […] Gerhard Böhm MESSIAEN, OLIVIER O sacrum convivium. Motette für vierstimmigen Chor a cappella (1937) 1990 07 19 Sächsische Neueste Nachrichten, Dresden Kreuzchor-Ausklang [Schicha] Rezension Distler, S. 232 268 Dresdner Kreuzchor und zeitgenössische Trois Petites Liturgies de la Présence Divine für Frauenchor, Klavier, Ondes Martenot, Celesta, Vibraphon, Schlagzeug und Streichorchester (1943/44) 2002 02 12 Dresdner Neueste Nachrichten Drei Perspektiven zu einem Thema. Gedenkkonzert des Kreuzchors zum 13. Februar [Kreile] […] Die »Drei kleinen Liturgien zur göttlichen Gegenwart« von Messiaen […] sind keine direkten Requiem-Kompositionen, obwohl während des 2. Weltkriegs entstanden. […] Die äußerst sinnlichen Klangverbindungen formte Kreile mit Genuss aus – überhaupt darf man dem Chor eine außerordentliche Leistung bescheinigen. Was da in der Einstimmigkeit der Knabenstimmen in glasklarem Französisch und in Verbindung mit den kristallenen Ondes-Tönen durch die Kreuzkirche klang, war nicht alltäglich. Ist ein sauberes Unisono in einem großen Chor schon aus akustischen Gründen meist schwierig, so konnte man sich hier an einer einzigen erzählenden, großen Stimme erfreuen; die Sinnlichkeit der Harmonik und der Rhythmen berührte. Einziger Schwachpunkt war die für dieses Konzert gewonnene Kammerphilharmonie Pardubice. Hier […] ging genau die Sinnlichkeit etwas verloren, stellenweise wurde der Chor dynamisch zugedeckt, und besonders im Falle von Messiaen kann ich mich des Eindrucks eines Notenabspielens nicht erwehren. […] Alexander Keuk 2002 02 12 Sächsische Zeitung, Dresden Rhythmisches Abenteuer. Kreuzchor singt Messiaen, Mauersberger und Fauré [Kreile] Eine so bemerkenswerte Chorkomposition wie Olivier Messiaens »Drei kleine Liturgien über die Gegenwärtigkeit Gottes« […] stellen eine enorme Herausforderung an die Ausführenden dar. Das gilt umso mehr, wenn die eigentlich für Frauenchor gedachten Partien von einem Knabenchor gesungen werden. So etwas kann schief gehen – und deshalb soll gleich versichert werden, dass die Knabenstimmen der Kruzianer nicht nur eine erstaunliche Leistung boten, […] sondern dem Ganzen auch noch ein zusätzliches Element der Neutralität hinzufügten. […] Nicht minder darf die Leistung Roderich Kreiles bewertet werden. Der wird ja gewusst haben, auf welches rhythmische Abenteuer er sich da einlässt. […] Peter Zacher MEYER VON BREMEN, HELMUT Geistlicher Dialog für Alt, Chor, drei Klarinetten und Bassklarinette (op. 21) 1933 11 29 Dresdner Anzeiger Uraufführung in der Kreuzkirche [Mauersberger] Chormusik im Spiegel der Presse 1932 2015 269 Von dem Leipziger Komponisten Helmut Meyer von Bremen hörten wir schon früher in der Kreuzkirche ein groß angelegtes Werk nach Worten der Offenbarung Johannes. Die Vesper am Vorabend des Totensonntags machte uns mit der neuesten geistigen Schöpfung des Autors bekannt, einem »Geistlichen Dialog«, für Altsolo, Chor, drei Klarinetten und Baßklarinette. […] Man muß dem Kreuzkantor Mauersberger dafür danken, daß er uns mit diesem schönen, innerlich reichen Werk von Helmut Meyer v. Bremen bekannt gemacht hat. Es geschah in der Vollkommenheit und Bestimmtheit, an die er uns bei den zahlreichen anspruchsvollen Erstaufführungen der letzten Jahre gewöhnt und mit der er uns verwöhnt hat. Ganz vorzüglich war die Solistin Dorothea Schröder, Leipzig, musikalisch wie gedanklich bis ins kleinste vertraut mit ihrer Aufgabe. Dazu das erstklassige Klarinettenensemble der Herren der Staatskapelle […] Das Gotteshaus war bis auf den letzten Platz gefüllt. E. MÜNCH, CHRISTIAN ein vlissende lieht miner gotheit für Knabenchor, Instrumente und einen Schreienden (1998) 2000 02 15 Dresdner Neueste Nachrichten Spröde, aber auch poetisch. Uraufführung im Gedenkkonzert des Dresdner Kreuzchores [Kreile] […] Der Dresdner Komponist Christian Münch hatte für dieses Konzert ein Auftragswerk geschrieben. […] Roderich Kreile tat gut daran, zuvor einige Worte an die Zuhörer zu richten. Er verwies auf die für viele doch recht ungewohnte Klangsprache des Komponisten, der man sich am besten meditativ hingeben sollte, besonders auf den ungewöhnlichen Auftakt durch einen Schreienden […] Die ungemein hohen interpretatorischen Anforderungen dieser eher punktuellen denn durchgängig fließenden, spröden, oft ausgedünnten Musiksprache, der die kammermusikalische zweichörige Besetzung wie auch die sparsame instrumentale Begleitung entsprach, wurden nicht nur erstaunlich sicher, sondern auch ausdrucksvoll realisiert. Den beiden stimmgabelbewaffneten Favoritchören gebührt somit ein ganz hohes Lob, ebenso den aufmerksam sich einbringenden Instrumentalisten. Der Kreuzkantor und sein Kodirigent Peter Kopp hatten die Uraufführung fest in der Hand, die respektvolle Wiedergabe nötigte Hochachtung ab, auch wenn ein Großteil der zahlreich Anwesenden sicher ihre Probleme mit der Musik gehabt haben mögen. […] Gerhard Böhm 270 Dresdner Kreuzchor und zeitgenössische PÄRT, ARVO Berliner Messe für Chor und Streichorchester (1990/97) 2001 03 06 Sächsische Zeitung, Dresden Kreuzkirche. Beeindruckend schöne Dissonanzen. Kreuzchorvesper mit Musik von Arvo Pärt [Kreile] […] Der Kreuzchor unter Leitung von Roderich Kreile trug den Messetext zügig, in hervorragender Textverständlichkeit und stimmungsvoll vor. Beeindruckend die Schönheit der Dissonanz, die sphärisch meditativen Elemente des »Kyrie« und, darauf bezogen, das keineswegs jubelnde »Sanctus«, das eher dem tiefen gleichmäßig schwingenden Ton einer großen Glocke entspricht. [Eine] ergreifende Interpretation des Werkes von Arvo Pärt […] Jens Daniel Schubert PEÑA, PACO Misa Flamenca für Flamenco-Sänger, Chor, Gitarristen und einen Tänzer (1991) 1999 05 25 Dresdner Neueste Nachrichten Gebremste und flammende Emotion [Kreile] […] Es ist die viel größere Unmittelbarkeit, die impulsive Emotionalität, die ein spanischer Flamenco-Sänger uns Mitteleuropäern voraus hat. Das mochte man im ersten Moment nicht erwarten, denn die je vier Sänger und Gitarristen der Paco Peña Flamenco Company saßen schlicht nebeneinander auf Stühlen. Und doch entfachten sie ein stimmliches und instrumentales Feuer, das sofort ins Blut ging. […] Der Dresdner Kreuzchor und die Herren des Körnerschen Sing-Vereins Dresden (Einstudierung: Peter Kopp) stellten sich, enthusiastisch angeleitet von Roderich Kreile, mit beachtlichem Ergebnis in den Dienst der »Misa Flamenca«. Zwar trägt diese auch traditionell-liturgische Anklänge in sich, doch waren stimmliche Durchschlagskraft und rhythmische Flexibilität in einem Ausmaß nötig, wie es den Sängern sonst selten abgefordert wird. […] Sophie Gabriel 1999 05 25 Sächsische Zeitung, Dresden Unwiderstehlich intensiv. Großartige Flamenco-Messe in der Kreuzkirche zur Eröffnung [Kreile] […] Bemerkenswert, wie wenig es den Sängern um Äußerlichkeiten zu tun war. Alle blieben auf ihren Stühlen sitzen. Kraft, Eleganz, Wildheit im vokalen und instrumentalen Part, letzterer nur aus vier Gitarren und einer Trommel bestehend. Geradezu unwiderstehlich war die Rhythmik, die aus einer inneren Erregtheit re- Chormusik im Spiegel der Presse 1932 2015 271 sultiert. […] Erstaunlich war auch, wie gut der Flamenco-Stil auf die Chorpassagen übertragen wurde. Ob es sich um das wilde Gloria oder das unbegleitete Padre nuestro handelte, an keiner Stelle wirkte der Chor als Fremdkörper, obwohl er vor dem folkloristischen Hintergrund eigentlich ein Zusatz ist. Roderich Kreile war um seine Aufgabe nicht zu beneiden, obwohl dem Chor die Begeisterung anzumerken war. Begeisterung auch beim Publikum – mit dieser Eröffnung wurde ein Standard gesetzt, der schwer zu übertreffen ist. Peter Zacher PEPPING, ERNST Ein jegliches hat seine Zeit. Motette für vierstimmigen gemischten Chor (1937) 1939 06 26 Dresdner Anzeiger Johannisvesper in der Kreuzkirche [Mauersberger] […] [Pepping] ringt sich mühsam durch Perioden mit teilweise sehr schweren und auch dem Rhythmus der Sprache oft nicht entsprechendem Chorsatz hindurch zu fast gewaltsam herbeigeführten Durschlüssen. Nur die wenigen mehr lebensbejahenden Stellen der Dichtung geben ihm Anlaß zur Entwicklung mehr melodischer Elemente. So mochte es kommen, daß die Aufführung des musikalisch sonst interessanten Werkes trotz wundervoller Gestaltung durch den Kreuzchor unter Mauersberger einen nachhaltigen Eindruck kaum erzielte. […] Iwan Schönebaum 1939 06 27 Dresdner Neueste Nachrichten Dresdner Musiksommer [Mauersberger] […] Es ist wirklich nicht leicht, gleich beim ersten Hören zur Motette »Ein jegliches hat seine Zeit« ein inneres Verhältnis zu finden. […] Die schlechthin vollendete Wiedergabe dieses unerhört schwierigen Werkes durch unsre Kruzianer unter Professor Rudolf Mauersbergers meisterlicher Führung verdient wieder hohe Bewunderung. Es mögen die härtesten Dissonanzen aufeinanderprallen oder sogar polyrhythmische Motettenteile eingeschoben sein, der Kreuzchor wird ihrer Herr. […] Kurt Krauß Herbstgefühl / Storchenberuf. Aus: Heut und ewig. Liederkreis nach Gedichten von Goethe für gemischten Chor (1948/49) 1950 10 17 Die Union, Dresden Herbstsingen des Kreuzchores [Mauersberger] 272 Dresdner Kreuzchor und zeitgenössische […] Beglückend an diesem jüngsten Abend, feststellen zu können, daß [der Kreuzchor] heute einen Höhepunkt seiner Entwicklung erreicht hat. Diese Ausgewogenheit aller klanglichen Elemente, dieses kultivierte, niemals artistische Ausgefeiltsein bis in die feinsten Schattierungen, das sicher ausgearbeitete Detail, das sich immer in den nie verlorengehenden Gesamtklang einordnet, diese lebendige und unwahrscheinlich reaktionsfähige Stimmenpalette von geradezu impressionistischen Klangmöglichkeiten – das mag man getrost als etwas Einmaliges bezeichnen. Das besondere Merkmal aber ist die Betonung eines fast absolut zu nennenden Schönklangs, der mit den reinen, unsinnlichen Knabenstimmen immer wieder zutiefst ergreift. […] Daß die Vorzüge des Chores in dieser Weise hörbar sind, ist das Verdienst des Chorerziehers und des Dirigenten Rudolf Mauersberger. Aufschlußreich und interessant, Mauersbergers Dirigierkunst zu beobachten: mit reicher, präziser und stets dem Ausdruck der Musik entsprechend variierender Gestik steht er beherrschend und höchst sensibel abwägend vor seinen jungen Sängern. Stets auswendig dirigierend, scheint er mit seinem Chor selbst zu verschmelzen. Nicht verschwiegen werden sollen einige spürbare Mängel in der Präzision des rhythmischen Zusammensingens, die wohl auf unzureichende Probenarbeit der letzten Zeit, auf die längere Konzertpause zurückzuführen sind. Aus dem Herbstprogramm des Chores wirkten am nachhaltigsten die zwei Stücke Ernst Peppings aus seinem Chorzyklus »Heut und ewig«: das »Herbstgefühl« und der humorige »Storchenberuf«. […] ski Das Jahr. Zyklus für vierstimmigen gemischten Chor (1940) 1941 06 19 Dresdner Nachrichten Dresdner Musiksommer. Neue deutsche Chormusik [Mauersberger] Rezension Herrmann, S. 240 Jesus und Nikodemus. Evangelienmotette für vier- bis fünfstimmigen Chor (Drei Evangelienmotetten, Nr. 1; 1938) 1982 10 28 Die Union, Dresden Gesänge aus alter und neuer Zeit. Dresdner Kreuzchor sang während der Landeskirchen-Musiktage Sachsens [Flämig] […] Von etwaigen Nachwirkungen einer strapaziösen Reise war dem Chor nichts anzumerken. Im Gegenteil: Ich habe die Kruzianer selten so konzentriert und stimmlich so ausgeglichen gehört, wie in diesem Konzert. Kreuzkantor Professor Martin Flämig führte den Chor dazu, seine Fähigkeiten zur Nuancierung und zur genauen Differenzierung voll auszuschöpfen. […] Der Kreuzchor verfügt gegenwärtig über recht tragfähige Tenöre und Bässe, was […] in der abschließenden Evangelienmotette »Jesus und Nikodemus« von Ernst Pepping zu bewundern war. Chormusik im Spiegel der Presse 1932 2015 273 Negativ ist allerdings die mangelhafte Textverständlichkeit zu vermerken; das war vor allem für die Evangelienmotette sehr bedauerlich. […] Mareile Hanns Missa »Dona nobis pacem« für vier- bis achtstimmigen gemischten Chor (1948) 1954 07 12 Die Union, Dresden Kreuzchor mit Peppings »Friedensmesse« [Mauersberger] […] Die Kruzianer sangen bisher (auch auf mancher Konzertreise) nur einzelne Teile. Nunmehr boten sie zum ersten Male das ganze Ordinarium. […] Was [Pepping] intonationsmäßig, rhythmisch, deklamatorisch und an Farbwirkungen fordert, ist auch für den geschulten Sänger und das kritische Ohr fast ungewöhnlich. Mauersberger gab dem Ganzen noch jenes Unwägbare, was man »Verzückung« (im Wagnerschen Sinne) nennt, wofür man auch die Bezeichnung heilig-ekstatische Wiedergabe wagen darf. Ein großes Werk fand eine ebenso große durchgeistigte und klanglich ausgewogene Interpretation. Es war ein künstlerischer Höhepunkt des Kirchentages. […] Hans Böhm Der Wagen. Liederkreis für vier- bis fünfstimmigen gemischten Chor (1940/41) 1942 06 17 Dresdner Anzeiger »Der Wagen«. Peppings Chorzyklus erfolgreich uraufgeführt [Mauersberger] Ernst Peppings Liederkreis »Der Wagen« ist nunmehr als Ganzes erklungen, und man steht unter dem Eindruck eines chormusikalischen und künstlerischen Ereignisses, das sich einmal hoch über die Begebenheiten des derzeitigen Dresdner Musiksommers herausheben wird. […] Eine Erhöhung der Wirkung könnte man sich nur noch vom äußeren Rahmen her vorstellen: solche Gesangskunst hängt doch zutiefst mit der deutschen Renaissancemusik des Schütz-Zeitalters zusammen, und man möchte sie sich in einen Konzertraum gestellt denken, der den Geist jener Epoche architektonisch nachschwingen läßt. Weder das Opernhaus noch der große Gewerbehaussaal entsprechen diesem Bedürfnis, in beiden Fällen geht von den intimen Zügen der Peppingschen Madrigale doch manches verloren. Zum zweiten bedarf es einer besonderen Konzentration auf die musikalischen und geistigen Eigenarten des Zyklus. Nicht jeder wird in einer Zeit der Nervenanspannung einer Darbietung von mehr als anderthalbstündiger Länge mit ungeteilter Aufmerksamkeit und, was das wichtigste ist: mit ruhiger Kontemplation folgen können. Wenn trotz Fehlens der günstigsten Voraussetzungen ein denkbar reiner und überzeugender Eindruck von der Uraufführung des Chorzyklus ausging, so beweist das die Stärke des Erfolgs, den Peppings Kunst erneut in Dresden fand. […] Jedenfalls bleibt Peppings Komposition eine Einmaligkeit. Und einmalig, einzigartig war auch die Wiedergabe: eine vom Geiste und Willen Mauersbergers getragene, nur durch ihn in dieser bestechenden Voll- 274 Dresdner Kreuzchor und zeitgenössische endung ermöglichte Leistung, die das herrliche Instrument unseres Kreuzchors auf äußerster Höhe des Könnens zeigte. […] Hans Schnoor; S. 69 1942 06 17 Dresdner Nachrichten Chorkunst auf der Spitze / Uraufführung von Peppings Liederkreis »Der Wagen« durch den Dresdner Kreuzchor [Mauersberger] […] Die auf die Spitze getriebenen Anforderungen an den Chor waren für den Kreuzchor offenbar eine mit Freude begrüßte Gelegenheit, sein Können zu erproben. Die großen Schwierigkeiten der Intonation in den an verzwickter Chromatik reichen polyphonen Sätzen wurden spielend bewältigt. Die rhythmische Lebendigkeit und feine Abstufung des Vortrags erregte nicht minder Bewunderung. Es wird kaum mehr als zwei, drei Chöre in Deutschland geben, die das so kühn in musikalisches Neuland vorstoßende Werk so untadelig und dabei so voll Bildkraft und Poesie singen können wie der Dresdner Kreuzchor unter Rudolf Mauersberger. […] Hugo Heurich; S. 69 1942 06 17 Dresdner Neueste Nachrichten »Ein redlichs Meisterstück«. Peppings Chorzyklus »Der Wagen« – Uraufführung durch den Kreuzchor [Mauersberger] […] Die Wiedergabe durch den Kreuzchor unter Leitung von Rudolf Mauersberger war wieder ein verblüffendes Meisterstück. Es gibt eben keine Schwierigkeiten für unsere Kruzianer. Sichere Intonation, die auch die gefährlichsten dissonanten »Engpässe« spielend überwindet, dazu eine nüancenreiche Feinheit der dynamischen Schattierung gaben ein vollkommenes Bild der Komposition. Professor Mauersberger dirigierte das Werk auswendig – eine erstaunliche Gedächtnisleistung, die nichts von Virtuosität an sich hat, sondern völlig im Dienst des Werkes steht; frei von der Materie, vermag er so das Werk im Augenblick des Erklingens nachschöpferisch zu gestalten. […] Karl Laux PFITZNER, HANS Von deutscher Seele. Romantische Kantate für Soli, Chor, Orchester und Orgel (op. 28; 1921) 1977 09 16 Sächsische Neueste Nachrichten, Dresden Im 1. »Außerordentlichen«: Ausschließlich Hans Pfitzner [Flämig] […] Die Wiedergabe unter Professor Martin Flämigs engagierter Leitung besaß Format. Kreuzchor und Beethoven-Chor (Einstudierung: Christian Hauschild) Chormusik im Spiegel der Presse 1932 2015 275 bildeten das fundierte chorische Klanggewand, dem sich die oratorienerfahrenen Gesangssolisten […] mit großer Musikalität und stimmlichem Wohlklang einfügten […] Die umfangreich besetzten Philharmoniker steuerten eine klanglich differenzierte Grundierung bei. An der Orgel wirkte Hansjürgen Scholze. -gb- [Gerhard Böhm] POULENC, FRANCIS Gloria G-Dur für Sopran, Chor und Orchester (FP 177; 1959/60) 2001 01 06 Sächsische Zeitung, Dresden Überraschendes Finale. Kreuzchor sang Poulencs Gloria zum Neujahrsempfang im Kulturpalast [Kreile] Zum echten Höhepunkt wurde Francis Poulencs Gloria […] Es stellt einen Grenzfall dar, der von einem Knabenchor gerade noch bewältigt werden kann. Der Kreuzchor zeigte sich rhythmisch sattelfest und Kreile schuf eine exzellente Klangbalance. Peter Zacher Messe G-Dur für gemischten Chor a cappella (FP 89; 1937) 1995 08 22 Dresdner Neueste Nachrichten Gib dich zufrieden und sei stille … Kirchenkonzerte und Vespern [Jung] Mit Spannung konnte man der zweiten Kreuzchorvesper entgegensehen. Denn gleich zu diesem frühen Zeitpunkt hatte sich Matthias Jung für ein ehrgeiziges, höchst anspruchsvolles Programm entschieden. Würde das gut gehen? – Ja, das Ergebnis konnte sich dank eines hochkonzentrierten, engagierten Kreuzchores wirklich hören lassen. […] Poulenc gilt als großer Melodiker des 20. Jahrhunderts, wovon auch seine Messe en Sol Majeur zeugte […] Der Kreuzchor ließ mit einer prägnanten, ausdrucksstarken Wiedergabe aufhorchen, wurde den Anforderungen hinsichtlich Dynamik und gestalterischer Intensität gerecht. Auch intonationsmäßig gab es kaum Mängel. Eindrucksvoll das Agnus Dei, in dem ein Sopran- Solist schöne, stimmliche Anlagen zeigte und das Dona nobis pacem in bemerkenswert tragfähigem Pianoklang endete! […] F.O. PRÉE, JAN ARVID Lebenslichter für Sprecher, drei Chöre und Orchester (2015) 2015 03 16 Dresdner Neueste Nachrichten Lebenslichter: Kreuzchor und junge Musiker geben Benefizkonzert [Kreile] 276 Dresdner Kreuzchor und zeitgenössische […] In diesem Jahr ließen der Dresdner Kreuzchor und das Junge Sinfonieorchester des Landesgymnasiums Dresden im sehr gut gefüllten Gotteshaus eine Uraufführung des jungen Komponisten Jan Arvid Prée erklingen. Das Werk des 16- Jährigen mit dem sprechenden Namen »Lebenslichter« ist für Sprecher, drei Chöre und Orchester geschrieben. Der Text erzählt von der Überwindung der Finsternis, hin zum göttlichen Licht. In seiner Komposition arbeitet Jan Arvid Prée auch musikalisch diesen Weg ins Licht ab, lässt Orchester-, Chor- und Sprechstimmen wechselnd hindurchschreiten – und setzt dabei klare Kontraste. […] Kreuzkantor Roderich Kreile führte [Orchester und Chor] behutsam hinauf in fast göttlich anmutende Klangsphären. […] Nicole Czerwinka RAPHAEL, GÜNTER Christus, der Sohn Gottes. Motette für siebenstimmigen Chor (op. 63/1; 1936) 1998 10 12 Dresdner Neueste Nachrichten Kreuzchorvesper: Mauersberger bis Bialas [Kreile] […] Auch hier konnten die Kruzianer ihre reichen Chorqualitäten unter Beweis stellen, wobei ihnen die Sanglichkeit ihrer Partien im Stil der 30er Jahre sehr entgegenkam. Roderich Kreile modulierte auch hier sorgfältig den Klang, belebte das Geschehen um Jesus und seinen Jünger Petrus ohne übertriebene Härten, dem natürlichen Fluß des Textes folgend, und mündete in organisch empfundener Verbreiterung der Schlußanbetung »Du bis wahrlich Gottes Sohn«. […] Gerhard Böhm 1999 04 27 Gießener Anzeiger Der Dresdner Kreuzchor bei seinem imposanten Konzert in der Laubacher Stadtkirche. Makelloser Gesang als Widerschein des Überirdischen. Dresdner Kreuzchor stellte in Laubach seine höchst hörenswerte Kunst unter Beweis [Kreile] Rezension Kodály, S. 248 Christus, der Sohn Gottes. Motette für siebenstimmigen Chor (op. 63/1; 1936) / Vom rechten Glauben. Motette für sechsstimmigen Chor (1937) 1938 06 20 Dresdner Anzeiger Uraufführung von Günter Raphael in der Kreuzkirchenvesper [Mauersberger] […] Die Aufführung durch die Kruzianer unter dem meisterlich überlegenen, alles auswendig dirigierenden Mauersberger war über jedes Lob erhaben. Dr. Hans Schnoor Chormusik im Spiegel der Presse 1932 2015 277 Im Anfang war das Wort. Motette für zwei fünfstimmige Chöre (op. 63/2; 1943) 1955 10 26 Der Neue Weg, Halle/Magdeburg Der Dresdner Kreuzchor singt. Das ist der eigentliche Gnadenberuf der Musik, daß sie keiner Zeichen und Worte bedarf [Mauersberger] […] Günter Raphael […] gibt den Kruzianern in seiner Motette »Im Anfang war das Wort« noch einmal Gelegenheit, durch die Einheitlichkeit des Klanges, der im hauchzarten Piano wie im stärksten Forte gleichermaßen ergreift, den Hörer für sich gefangen zu nehmen. […] E.Sch. 1990 07 19 Sächsische Neueste Nachrichten Kreuzchor-Ausklang [Schicha] Rezension Distler, S. 232 Psalm 104 für zwölfstimmigen Chor (op. 29; 1931) 1932 01 21 Dresdner Nachrichten Ein Konzertabend des Kreuzchores [Mauersberger] […] Der anwesende Komponist, der sich für sehr ansehnlichen Beifall persönlich bedanken konnte, wird mit der Aufführung zufrieden gewesen sein. Sie machte dem Kreuzchor alle Ehre, denn die Schwierigkeiten des halbstündigen komplizierten Werkes sind enorm. Es wurde aber von den jungen Sängern mit großer technischer Sicherheit und lebendigem warmem Ausdruck dargeboten. Der schöne Klang der Sopran- und Altstimmen kam besonders zur Geltung. Daß Musikdirektor Rudolf Mauersberger die Partitur völlig auswendig beherrschte, war eine staunenswerte Leistung. […] E.S. [Eugen Schmitz] 1932 01 22 Dresdner Neueste Nachrichten Kreuzchorkonzert und Philharmonie [Mauersberger] […] Die Uraufführung leitete Mauersberger frei aus dem Gedächtnis. Schon dies eine beachtliche Leistung in Anbetracht des äußerst verzwickten Tonsatzes. Und der Kreuzchor brachte das Werk unter seiner sorgsamen Leitung wirksam zur Geltung. Er hätte freilich in der feineren Ausarbeitung der dynamischen Stufungen noch wirksamer sein können. Überdies wäre eine straffere Disziplin, besonders in der Deutlichkeit der Aussprache, zu wünschen gewesen. […] k. sch. [Karl Schönewolf]; S. 59 278 Dresdner Kreuzchor und zeitgenössische Vom jüngsten Gericht. Motette für gemischten Chor (op. 30/1; 1931) 1932 10 16 [unbekannte Zeitung, zit. n. KA, Sign. 20.5, Nr. 1405] Konzert des Dresdner Kreuzchores in der Stadtkirche zu Weimar [Mauersberger] […] Die Kirche war bis auf den letzten Platz besetzt, und über den künstlerischen Erfolg braucht nicht gesprochen zu werden. Jeder, der den Kreuzchor noch von Richters Zeit her kennt, weiß, daß er dem Leipziger Thomanerchor wenigstens gleichwertig ist. Ich für meinen Teil habe ihn stets über die »Thomaner« gestellt, da mir die musikalisch belebtere Ausdrucksgeste der Dresdner mehr wert war als die allerschönste Kultur der Leipziger. […] Die Dresdner singen nicht so lieblich, es läuft manche Härte unter, die Vokalisation in schnellen Figurationen, besonders auf a ist mehr portamento als legato […] Auch diese ungemein schweren modernen Chöre wurden vom Kreuzchor mit einer Meisterschaft sondergleichen bezwungen. Die Stimmen unserer jungen Freunde waren am Ende genau so frisch wie am Anfang. […] O.R. REDA, SIEGFRIED Ecce homo. Motette für vierstimmigen Chor (1950) 1954 04 10 Die Union, Dresden Ein Werk von Siegfried Reda [Mauersberger] […] Die Kruzianer, durch die intensive Beschäftigung mit Peppings Passionsbericht ganz besonders mit modernen Rhythmen und Klangbildern vertraut, verliehen vor allem den psalmodierenden, skandierenden Stellen des Werkes unter Mauersbergers vergeistigter, aller Effektsucherei abgekehrten Gestaltung große Eindringlichkeit. […] aw. REINHOLD, OTTO Der Weg. Kantate für gemischten Chor, eine Männerstimme, vier Holzbläser, Cembalo und Orgel 1936 02 03 Dresdner Anzeiger Geistliche Musik [Mauersberger] […] Das Werk reiht sich würdig in die bereits stattliche Folge der durch Kreuzkantor Mauersberger aufgeführten neuen kirchenmusikalischen Werke ein. Die Wiedergabe selbst dürfte in ihrer Abgeklärtheit allen Wünschen des Komponisten restlos entsprochen haben. […] Dr. Vcz. [Herbert Viecenz] Chormusik im Spiegel der Presse 1932 2015 279 Drei Gesänge vom Tod für gemischten Chor 1935 03 12 Dresdner Anzeiger Kreuzkirchenvesper [Mauersberger] Die letzte Vesper, in der unsere Kruzianer vor ihrer Amerikafahrt auftraten, brachte noch die Uraufführung eines neuen Chorzyklus von Otto Reinhold […] Die große Begabung Reinholds entdeckt zu haben, ist Mauersbergers Verdienst. […] Die Aufführung gab den Gesängen Klänge von immaterieller Zartheit. Mit solchen Leistungen darf sich der Kreuzchor auf seine Eroberungsfahrt in die Neue Welt wagen! […] Dr. H. S. [Hans Schnoor] Psalm 23 u.a. 1965 09 24 Die Union, Dresden In memoriam Otto Reinhold. Würdige Gedenkvesper [Mauersberger] Werke des kürzlich verstorbenen Dresdner Komponisten Otto Reinhold standen im Mittelpunkt der letzten Kreuzchorvesper. Hans Otto (Orgel), Günther Luck und Heinz Heinisch (Trompete) sowie Alois Bambula (Posaune), Mitglieder der Staatskapelle, interpretierten zunächst die dreisätzige Musik für Orgel, zwei Trompeten und Posaune […] Das Finale wird schließlich durch einen Choralcantus-firmus (»Eine feste Burg«) erhöht, gekrönt. Die Ausführung stand auf hoher Stufe, war jedoch aufstellungsmäßig offensichtlich etwas gehandikapt. […] Schlichter, dennoch nicht einfach war der 23. Psalm für Knabenstimmen und Orgel. Alles wurde ausgefeilt, verinnerlicht gesungen. […] H.B. [Hans Böhm] RESPIGHI, OTTORINO Lauda per la natività del Signore (Loblied auf die Geburt des Herrn) für Soli, Chor und acht Instrumente (1929) 1983 12 21 Die Union, Dresden »Loblied« von Respighi. Dresdner Kreuzchor sang im Kulturpalast [Flämig] […] Falls man den Wert eines Werkes am Beifall des Publikums messen wollte, so müßte Ottorino Respighis »Loblied auf die Geburt des Herrn« […] im Rang mit an letzter Stelle stehen. Für mich wurde jedoch das Werk zum eigentlichen Höhepunkt des Abends. […] Martin Flämig hat mit dem Kreuzchor, Andrea Ihle, Sopran, Gisela Burckhardt, Sopran, Albrecht Lepetit, Tenor, den Mitgliedern der Staatskapelle und der Philharmonie ein hohes Maß an empfindsamer Schattierung und Transparenz erreicht, so daß man von einer beglückenden Interpretation sprechen kann. Klaus Büstrin 280 Dresdner Kreuzchor und zeitgenössische REUTER, FRITZ Aller Augen warten auf dich. Motette für gemischten Chor a cappella (Erntedankmotetten für Sopran und gemischten Chor, op. 14/3; 1927) 1934 10 30 Völkischer Beobachter, Berlin Dresdner Kreuzchor in Berlin [Mauersberger] Rezension Fortner, S. 236 RUTTER, JOHN Gloria für gemischten Chor, Bläser und Orgel (1974) 2000 05 02 Dresdner Neueste Nachrichten »Barock & Jazz« erzeugte kräftiges Stirnrunzeln. Konzert des Dresdner Kreuzchores in der Kreuzkirche [Kreile] […] das das Konzert beschließende »Gloria« von John Rutter war in puncto Programmatik fehl am Platze. Allein die Entscheidung, dieses Stück den Bach- Messen gegenüberzustellen, erzeugt ein kräftiges Stirnrunzeln. […] So ein Stück hinterlässt im Kontext Nachdenklichkeit, wenn auch der Mittelsatz einige Schönheiten aufwies. Trotzdem ist den Interpreten die Aufführung gelungen – mit Selbstverständlichkeit und Spaß an der Sache sangen die Kruzianer die brav synkopierten Fugenthemen, »Just Brass [Dresden]« war für den Pomp zuständig und machte seine Aufgabe gut. Alexander Keuk 2000 05 02 Sächsische Zeitung, Dresden Zarter Barock, kräftiger Jazz. Dresdner Kreuzchor und »Just Brass« begeisterten [Kreile] Das Thema der Festspiele »Barock & Jazz« versuchte man am Mittwoch in der Kreuzkirche durchaus auch hörbar zu machen. […] Kantor Roderich Kreile kam mit seinen Knaben und diesen kontrastgeprägten Gestaltungsforderungen bestens zurecht. […] Schließlich traten Kreuzchor, Orgel und Pauken samt Schlagwerk hinzu in John Rutters »Gloria« von 1974. Gerade dies erwies sich als ein mitreissendes Stück, schlagkräftig in Blech und Schlagzeug, mitgerissen aufgenommen von den Choristen. Nur die Orgel hielt der Kreuzorganist Michael Christfried Winkler schüchtern zurück. Frenetischer Beifall feierte Werk und Wiedergabe. Friedbert Streller Chormusik im Spiegel der Presse 1932 2015 281 SCHINDLER, WALTER Kleine Passion für Einzelstimme und Chor 1936 04 07 Dresdner Anzeiger Die Palmsonntagsvesper des Kreuzchores [Mauersberger] Walter Schindlers »Kleine Passion«, die Rudolf Mauersberger mit dem Kreuzchor zur Uraufführung brachte, nähert sich zwar in ihrer Fassung der alten Motettenpassion, sie hat aber doch auch ihr eigenes, geradezu modern anzusprechendes Gesicht. […] Auf instrumentale Stütze verzichtet diese »Kleine Passion«. Um so schwieriger mochte sich die Erfüllung aller Wünsche des Tonsetzers (eines zeitgenössischen hannoverschen Kirchenmusikers) gestalten. Aber für unseren Kreuzchor gibt es nichts Unüberwindliches. Ob in Verwendung als Knaben-, Männeroder gemischter Chor, immer zeigte er sich stimmlich und vortraglich auf stolzer Höhe. […] Wilhelm Ulbricht aus Leipzig und der hiesige Kantor und Konzertsänger Alfred Zimmer setzten […] ihre im Oratoriengesang bewährten Kräfte ein. […] St. SCHNITTKE, ALFRED Requiem für Soli, Chor und Instrumentalensemble (1975) 1997 02 15/16 Dresdner Neueste Nachrichten Kreuzchor mit Mauersberger und Schnittke [Kreile] […] Schnittkes Requiem [wurde] in diesem Konzert sehr überzeugend dargeboten und blieb nicht ohne nachhaltige Wirkung. […] Vor allem die ruhigen Passagen besitzen eine Intensität, der man sich nicht entziehen kann. Wohl auch der Kantor nicht. Hier insbesondere fand die musikalische Wiedergabe durch den hervorragend vorbereiteten Chor ihre Höhepunkte. Solistische Partien ließ Roderich Kreile von Choristen singen, wodurch die Partitur noch geschlossener erscheinen mag. […] Die Mitglieder des Orchesters – der Dresdner Philharmonie – erfüllten ihre fast solistisch zu nennenden Aufgaben mit Bravour und der nötigen Stringenz, Kreuzorganist Michael-Christfried Winkler spielte den Orgelpart. Kreile, dessen genaue, aber niemals großgestige Leitung das Geschehen souverän zusammenführte, formte das Requiem in einer höchst akzeptablen Interpretation und fing auch seltene Intonationsschwankungen auf. Kerstin Leiße 1997 02 15/16 Sächsische Zeitung, Dresden Würdige Gedenkstunde auf den Konzertpodien. Totenmessen in Kreuzkirche, Oper und Kulturpalast [Kreile] 282 Dresdner Kreuzchor und zeitgenössische […] Am Ende, in der räumlichen Ausgestaltung effektvoll arrangiert, erklang Alfred Schnittkes, vor einigen Jahren hier schon aufgeführtes »Requiem« von 1976. Mit einem kleinen instrumentalen Ensemble von Philharmonikern wurde der Chor sparsam, aber in Klang und Akzentuierung effektiv begleitet. Die Aufführung war von beeindruckender Wirkung. Feierliche Stille des Gedenkens am Ende. Friedbert Streller SCHÖNEBAUM, IWAN Kain und Abel. Mysterium für vier Solostimmen, Chor und Orchester 1965 05 12 Sächsisches Tageblatt, Dresden Ehrung für Iwan Schönebaum [Mauersberger] […] Das Mysterium »Kain und Abel« von Iwan Schönebaum wurde beim Angriff auf Dresden vernichtet. Der Komponist rekonstruierte es, schrieb es neue aus der Erinnerung heraus. Eine bewundernswerte Leistung! […] Unter der hingebungsvollen Leitung von Kreuzkantor Rudolf Mauersberger erlebte das Werk eine würdige Aufführung. Der Kreuzchor sang mit oft gerühmter Klangkultur, unterstützt von einem Kammerorchester, das sich aus Mitgliedern der Staatskapelle und Philharmonie zusammensetzte. Neben einer so ausgeprägten sängerischen Persönlichkeit wie Adele Stolte haben es selbst gute Solisten schwer, sich zu behaupten: Sie sangen mit spürbarer Anteilnahme. Professor Iwan Schönebaum war mit seiner Gattin als Ehrengast anwesend. -el [Gottfried Schmiedel] SIMON, HERMANN Klopstock-Triptychon für Sopran, Alt, gemischten Chor, zwei Trompeten, drei Posaunen, Pauken, Orgel und Cembalo (1933) / Christus, der ist mein Leben (Choralspiel) / Glückseligkeitsode 1934 02 26 Dresdner Anzeiger Neue Musik in der Kreuzkirchenvesper [Mauersberger] […] Die Werke mögen durchgehend schwer zu interpretieren sein, erstaunlich, wie der Kreuzchor die neuen Linien meisterte, wie Alfred Zimmer und Ander- Donath sich auf dieses neue Klangideal umstellten und wie Margarethe Aulhorn- Specht und Doris Winkler den legendären Psalmodieton des Trauergesanges trafen. Vcz. [Herbert Viecenz] 1934 02 26 Dresdner Neueste Nachrichten Neue Werke von Hermann Simon in der Kreuzchorvesper [Mauersberger] Chormusik im Spiegel der Presse 1932 2015 283 […] Der Komponist konnte sich für seine neuen Werke wohl kaum bessere Interpreten wünschen als den Kreuzchor unter Rudolf Mauersberger. Auch die Solisten Margarethe Aulhorn-Specht (Sopran), Doris Winkler (Alt), Günther Baum (Baß), Maria Stenz-Gmeindl (Harfe), Alfred Zimmer (Cembalo) und Hanns Ander-Donath (Orgel) gaben ihr Bestes, um Simons Musik eindrucksreich zu gestalten. K.K.; S. 67f. Luthermesse für vier- bis fünfstimmigen gemischten Chor und Chorsoli (1936) 1936 10 27 Dresdner Anzeiger Simons »Luthermesse« [Mauersberger] Der Kreuzchor hält uns über das Schaffen des rührigen neuzeitlichen Kirchenkomponisten Hermann Simon (Berlin) auf dem laufenden; diesmal vermittelte er uns die Bekanntschaft mit der erst in diesem Jahre entstandenen Luthermesse. […] Der Kreuzchor, diesmal unter der Leitung seines Chorpräfekten Franz Herzog und unter Mitwirkung Hertha Böhmes und Alfred Zimmers, vermittelte ein sauber und klar gezeichnetes Bild dieses zwar schwer zugänglichen, aber in starker Eigenart geprägten Werkes. […] Dr. Vcz. [Herbert Viecenz] Vaterunser (Luthermesse für vier- bis fünfstimmigen gemischten Chor und Chorsoli; 1936) 1958 02 08 Die Union, Dresden Erste Kreuzchorvesper im neuen Jahr [Mauersberger] […] So sehr das Ausfallen der Vespern im Januar bedauert wurde, zeigt sich gerade im zeitlichen Abstand zu der Fülle weihnachtlicher Darbietungen wieder einmal deutlich, zu welch kostbar erlesener Chorkultur Mauersberger seine Kruzianer erzieht. […] grüblerisch problematisch das »Vaterunser« aus Simons »Luthermesse«, dem Mauersberger durch liturgische Ausdeutung (Altarchor!) den eigentlichen Platz wies. […] -af SKILBECK, ANTHONY A Psalm Trilogy für gemischten Chor 1999 10 11 Dresdner Neueste Nachrichten Dem Kreuzchor gewidmete Psalm-Trilogie uraufgeführt. Geistliche Chor- und Orgelmusik in der Kreuzchorvesper. Kruzianer starteten 19-tägige USA-Tournee [Kreile] 284 Dresdner Kreuzchor und zeitgenössische […] Anlässlich der gestern gestarteten Amerika-Tournee nahm der Kreuzchor ein Werk in sein Repertoire auf, welches seinem Leiter und ihm gewidmet wurde. Die Uraufführung dieser Psalm-Trilogie von Anthony Skilbeck war am Samstag zu erleben. […] Der Vielfalt an gregorianischen und fugalen Elementen, die in ruhigen aber auch äußerst belebten Passagen eingearbeitet wurden, passte sich der Kreuzchor sowohl stimmlich als auch interpretatorisch feinfühlig an. Leider war die Klarheit des englischen Textes in der Tiefe nicht ideal. […] Jana Friedrich STRAUSS, RICHARD Deutsche Motette für vier Solostimmen und 16-stimmigen Chor (op. 62, TrV 230; 1913) 1934 06 06 Dresdner Neueste Nachrichten Festliche Kirchenmusik [Mauersberger] Der ehrenvollen Aufforderung, im Rahmen der Reichs-Theaterfestwoche mitzuwirken, kam Kantor Mauersberger mit einer Aufführung der »Deutschen Motette« von Richard Strauß nach. So bot man ein außergewöhnliches Werk und huldigte auf besondere Weise zugleich dem großen deutschen Meister, der in diesem Jahre seinen 70. Geburtstag feiert. Nicht zum erstenmal erklang die Deutsche Motette in Dresden, aber ich kann mich nicht erinnern, sie jemals so klanglich vollendet und ergreifend schön gehört zu haben. Natürlich mußte Mauersberger auf seine kostbaren Knabensoprane, die sich mehrfach in der Region des hohen C bewegen, in dynamischer Hinsicht Rücksicht nehmen, aber die weise Ökonomie gab diesem 16-stimmigen Chorwerk eine Durchsichtigkeit der Polyphonie, einen geradezu mystischen Klang, der von den vier ebenfalls ausgesucht schönen Solostimmen (Edith Hasselmann, Doris Winkler, Werner Menke und Günther Baum) an den entscheidenden Stellen wundersam aufgelockert und durchleuchtet wurde. So hörte man das tiefe und schon durch die Schwierigkeit seiner Aufführung dem musikalischen Alltagsgetriebe entrückte Werk in einer wahrhaft bezwingenden und festlichen Wiedergabe. […] Mr. 1937 02 11 Dresdner Anzeiger Fastnachtskonzert des Kreuzchors [Herzog] […] Die vier Solostimmen waren mit bewährten Gesangskräften besetzt, unter ihnen Hanna Rüger (Sopran), Elisabeth Raymann-Stein (Alt) und Gerhard Hofmann (Baß). Was der Kreuzchor bei dieser Aufführung leistete, wird nur ein Musiker, der die Partitur der Motette gut kennt, würdigen können. Allerdings wird kein Chor der Welt die musikalischen Steigerungen, die die Noten der Partitur verlangen, irgendwie verwirklichen können. Man müßte den Chorsatz vielleicht durch ein Streichorchester unterstützen, das auch vor den tonlichen Schwankungen schützen würde, die sonst bei der komplizierten Harmonik der Chormusik im Spiegel der Presse 1932 2015 285 Motette unvermeidlich sind. Solche Schwankungen in der Intonation kamen natürlich auch diesmal vor, wurden aber in bewunderungswürdiger Weise rasch wieder ausgeglichen. Eine solche musikalische Vertrautheit mit dem Werk kann man nur durch wochen- oder gar monatelanges Studium erreicht haben. Der zwanzigjährige Chorpräfekt Franz Herzog, der am ganzen Abend den Chor leitete, zeigte durch sein gewandtes Dirigieren eine vollkommene Beherrschung der komplizierten Straußschen Polyphonie. […] Roland Bocquet Deutsche Motette für vier Solostimmen und 16-stimmigen Chor (op. 62, TrV 230; 1913) / Zwei Gesänge für 16-stimmigen gemischten Chor (op. 34, TrV 182; 1897) 1989 06 08 Sächsisches Tageblatt, Dresden »Ausnahmewerk« erklang. Festspielnachtrag: Strauss und Reger in der Kreuzstraße [Flämig] […] Die »Deutsche Motette« […] ist ein Ausnahmewerk, nahezu unbekannt […] Mauersberger hat das Werk 1934 in der Kreuzkirche erstaufgeführt. Aber bereits damals zeigte sich (wie überliefert ist), daß es an den klangphysischen Möglichkeiten eines Knabenchores, sei er auch noch so artistisch ausgebildet und stark besetzt, vorbeigeht. […] Diese Anmerkung ist nicht als Vorwurf zu verstehen, sondern dient der Erklärung dafür, warum die neuerliche Aufführung mit den sehr engagierten Kruzianern […] nur eine Ahnung dessen sein konnte, was in der Partitur steckt. Ob ein völliges In-Klang-Setzen der Strauss’schen Vertikal- und Horizontalebenen mit einem A-cappella-Chor überhaupt möglich ist, haben bereits Zeitgenossen angezweifelt. Aber zumindest ist ein Grundkontinuum an Klangfülle und -farbe für eine Rezeption unerläßlich. Daß Strauss nach diesem Werk nie wieder für A-cappella-Chor komponiert hat, macht wohl deutlich, daß ihm die Grenzüberschreitung selbst bewußt geworden ist. Anders verhält es sich mit der »Hymne« […] Unter Martin Flämigs vorwärtsdrängender Leitung erreichte der Kreuzchor eine beeindruckende Leistung, die an jenem Abend vielleicht nur von einigen der »Acht geistlichen Gesänge« Regers überboten wurde. […] M. H. [Matthias Herrmann] 1989 06 10/11 Die Union, Dresden Konzert in Dresden. Selten Aufgeführtes [Flämig] […] Die Kruzianer unter Kreuzkantor Martin Flämig ließen keinerlei Unsicherheiten erkennen, vermittelten diese erhabene Abendhymne mit großer Erlebniskraft ergreifend schön. Die von ihnen verwirklichten ätherischen Harmonisierungen beglückten, waren ausgeglichen, spannungsvoll und lösend zugleich. Daß sich den instrumental geführten Knabenstimmen die wohltimbrierten der vier Solisten zugesellten, gab reizvollen Kontrast […] -sch. 286 Dresdner Kreuzchor und zeitgenössische SWIDER, JÓZEF Cantus gloriosus. Motette für vierstimmigen Chor a cappella (1988) 2001 08 27 Dresdner Neueste Nachrichten Zweite Kreuzchorvesper im neuen Schuljahr. Wider die Hitze gut ins neue Jahr [Kreile] Drückende Hitze hielt am Sonnabend weder die üblicherweise zahlreichen Hörer der Kreuzchorvespern vom Kommen ab, noch hinderte sie die Kruzianer unter Leitung von Kreuzkantor Roderich Kreile an intensivem und gelöstem Singen. […] Regelrecht swingig klang die Vesper aus mit dem »Cantus gloriosus« des 1930 geborenen Józef Swider. Die pulsende Rhythmik lag den Kruzianern offensichtlich gut im Blut. In sich hochschaukelnder Gestik meisterten sie auch große Tonintervalle bestens, zudem brachten sie im eingeschobenen homophonen Teil der Motette und im Schlussakkord sehr schön die dem Chor mögliche Strahlkraft zur Geltung. Sybille Graf THEODORAKIS, MIKIS Liturgie Nr. 2 h-Moll »Den Kindern, getötet in Kriegen« für gemischten Chor (1983) 1983 05 24 Sächsische Zeitung, Dresden Dresdner Musikfestspiele 1983. Musikfest gelungener Erlebnisse und schöpferischer Anregung begann [Flämig] […] Der Dresdner Kreuzchor, von Anfang an bei den Eröffnungsveranstaltungen hervortretend, brachte, diesmal eine Uraufführung von Mikis Theodorakis, dem griechischen Kommunisten und Komponisten, geschrieben für diesen Anlaß, für dieses Ensemble. […] Dem Chor unter der Leitung von Martin Flämig gab das »auf den Leib« geschriebene Werk Möglichkeiten klanglicher und sanglicher Gestaltung, die zur Wirkung voll genutzt wurden. Friedbert Streller 1983 05 26 Die Union, Dresden Eröffnung mit Kontrasten. Uraufführung von Katzer und Theodorakis [Flämig] […] Die vierzehnteilige Komposition […] ist Theodorakis’ erste größere Arbeit für Chor a cappella und dem Kreuzchor derart auf den Leib geschrieben, daß es derzeit kaum einen anderen Chor geben dürfte, der sich der Schwierigkeiten des Werks stellt. Die Intensität, mit der Martin Flämig und der Chor daran gearbeitet haben, wurde als interpretatorische Dichte und breitgefächertes Klangspektrum unüberhörbar. Der Komponist, der aufgrund einer Erkrankung nicht in den Endprobenprozeß eingreifen konnte, wird sich eine bessere Umsetzung kaum Chormusik im Spiegel der Presse 1932 2015 287 denken können. Daß einige rhythmische Unsicherheiten durch eine gewisse stilistische Unerfahrenheit der Ausführenden vorhanden waren, bleibt zwar anzumerken, hat aber gegenüber dem Gesamteindruck keinen großen Stellenwert. […] Peter Zacher THOMAS, KURT Agnus Dei (Messe a-Moll für vier Solostimmen und zwei Chöre, op. 1; 1924) 1935 10 25 Königsberger Allgemeine Zeitung Der Dresdner Kreuzchor. 60. volkstümliches Domkonzert [Mauersberger] […] Ausgesucht schöne Knaben- und Männerstimmen haben sich hier zur klanglichen Vollkommenheit verschmolzen. Oder soll man die technische Reife und Abgeklärtheit noch mehr bewundern? Man staunt über die Musikalität und Intelligenz besonders der Knaben, die keine modulatorisch noch so schwere Intonation, kein noch so verwickelter Kontrapunkt zu Fall bringen konnte. […] Als Gegenstück nach der harmonischen Seite das achtstimmige Agnus dei von Kurt Thomas mit seinen für die Reinheit der Intonation ungeahnten Schwierigkeiten. Aber alles kam klar wie Kristall und mit einer so selbstverständlichen Sicherheit, daß der Hörer der Gefahren und Klippen kaum gewahr wurde. […] ob. An den Wassern zu Babel (Ps 137) für zwei Chöre (op. 4; 1925) 1932 10 16 [Zeitung?] Konzert des Dresdner Kreuzchores in der Stadtkirche zu Weimar [Mauersberger] Rezension Raphael, S. 278 Passionsmusik nach dem Evangelisten Markus für achtstimmigen Chor (op. 6; 1927) 1939 03 27 Dresdner Anzeiger Markus-Passion von Kurt Thomas [Mauersberger] Rudolf Mauersbergers Bestrebungen, neben der Pflege der Überlieferung auch geistlicher Musik der Gegenwart Geltung und Durchsetzung zu verschaffen, ist bekannt. In der Passionsstunde des gestrigen Sonntags deutete er die Markus- Passion von Kurt Thomas […] ganz im Sinne des zeitgenössischen Tonsetzers aus, der die alte Form der Passion mit neuem musikalischen Inhalt erfüllt. So ließ er die im Stile des alten Accentus dahinschreitenden Einleitungen zu den Rezitativen in ihrer ruhevollen Einfachheit, die vielfach hymnischen Rezitative 288 Dresdner Kreuzchor und zeitgenössische aber bis zur bewegten Vielstimmigkeit, das klare Melos bis zur starren Ganztonskala, die reine Harmonie bis zur harten Dissonanz im dramatischen Wechsel erklingen. Der Kreuzchor sang das einstündige Werk vom Altarplatz aus ohne ein Zeichen der Ermüdung, wie immer hervorragend. Iwan Schönebaum Von der ewigen Liebe. Motette für sechsstimmigen Chor (op. 21; 1933) 1933 09 04 Dresdner Anzeiger Kreuzkirchenvesper [Mauersberger] Kurt Thomas hat seine groß angelegte Motette für sechsstimmigen Chor »Von ewiger Liebe« dem Kreuzchor gewidmet, der sie am Sonnabend zur Dresdner Erstaufführung brachte. […] Der Vortrag des Werkes war klanglich und musikalisch eine Glanzleistung des Chores und seines Leiters Rudolf Mauersberger. […] L WALTON, WILLIAM Magnificat und Nunc dimittis für gemischten Chor und Orgel (1974) 1993 10 01 Die Union, Dresden »Herrlich wie am ersten Tag«. Brillante Kreuzchorvesper mit Matthias Jung [Jung] Wenn die zwar gediegene, keineswegs jedoch aufregende Programmgestaltung der Kreuzchorvespern der letzten Jahre einmal durchbrochen wird, dann fühlt sich der Besucher in eine andere Zeit versetzt, in eine Zeit, in der Neuaufführungen die Anziehungskraft der Kreuzkirche mitbestimmten. So geschehen in der letzten September-Vesper. […] Waltons »Magnificat« und »Nunc dimittis« (nunmehr als Dresdner Erstaufführung erklungen) bezeugen eine Affinität zur spezifischen Klang- und Ausdrucksweise eines Knabenchores […] Der Hörer wird sich bei Walton des intensiven Musizierens genauso erinnern wie, auch in Bezug auf die Soli, eines kernigen, frischen Chorklangs, der von der Chorempore im Verein mit der großen Orgel den Kirchenraum wirkungsvoller zu füllen vermag als vom Altarplatz aus. Offenbar hat Jung Sinn fürs räumliche Musizieren […] Matthias Herrmann WEISS, MANFRED Wichtige Bibelworte. Sieben kurze Stücke für gemischten Chor (2002) 2005 01 24 Dresdner Neueste Nachrichten Kreuzchorvesper mit Uraufführung von Manfred Weiss [Kreile] Chormusik im Spiegel der Presse 1932 2015 289 Die Kreuzchorvesper am Vorabend des Sonntags Septuagesimae erhielt ihr besonderes Gepräge durch eine Uraufführung. Damit ehrte der Kreuzchor den Dresdner Komponisten Manfred Weiss anlässlich seines im Februar bevorstehenden 70. Geburtstages. […] Kreuzkantor Roderich Kreile hatte sich das knapp gefasste Werk offenbar ganz zu eigen gemacht. Mit zwingender Überzeugungskraft wusste er seinen Chor zu stimulieren und zu differenzierter, plastischer Darstellung zu bewegen. Durch dichte Reihung der Teile gewann er eine fast motettenhafte Geschlossenheit von großer emotionaler Bandbreite, die in einem jubilierenden Halleluja kraftvoll und zuversichtlich kulminierte. Die beeindruckende Interpretation lässt hoffen, dass die Aufführung der »Wichtigen Bibelworte« von Manfred Weiss keine Eintagsfliege war und ins Repertoire des Chores einfließt. […] Gerhard Böhm; S. 180 WINKLER, MICHAEL-CHRISTFRIED Psalm 90. Ein Gebet des Mose, des Mannes Gottes »Herr Gott, du bist unsere Zuflucht für und für« 1995 09 22 Dresdner Neueste Nachrichten Alte und neue Chormusik – ausgewogener Widerspruch. Konzert in der Kreuzkirche mit Michael-Christfried Winklers Vertonung des 90. Psalms und Schütz’ »Psalmen Davids« [Jung] […] Mit Jung ist endlich auch wieder zeitgenössische Musik wesentlicher Bestandteil des Kreuzchorrepertoires geworden, hier ist an erster Stelle von einer Uraufführung zu sprechen. Michael-Christfried Winkler hat für den Kreuzchor eine Vertonung des 90. Psalms geschrieben. […] Winkler beweist in diesem Werk ein sicheres Gefühl für ausgewogene Dramaturgie und kontrastive Dramatik. Der Gegensatz von vielstimmig zu einstimmig, teilweise auch zu leeren Doppeloktaven, wird ausgeschöpft; in engen clusterartigen Akkorden ist erstaunliche Sensibilität spürbar. Dazu plastische Textausdeutung (»als flögen wir davon«) und die Gegenüberstellung von Haupt- und Fernchor – trotz hoher Anforderungen eine gelungene Interpretation einer gelungenen, aber verflixt schweren Komposition. Den spontanen Beifall haben sich Komponist und Ausführende wahrlich verdient. […] Peter Zacher; S. 139 WOLF, BODO Einst traten die Jünger zu dem Herrn Jesu. Motette für gemischten Chor (op. 32) 1936 01 29 Dresdner Anzeiger Neuromantiker in der Kreuzkirche [Herzog] 290 Dresdner Kreuzchor und zeitgenössische Die letzte Kreuzkirchenvesper brachte zwei Chorwerke des in Frankfurt am Main lebenden Komponisten Bodo Wolf. […] Es ist fast überflüssig, zu sagen, daß das großangelegte Werk enorme technische Schwierigkeiten hat, die vom Kreuzchor unter Leitung des Chorpräfekten Franz Herzog mühelos bewältigt wurden. Hervorragend fein war der Vortrag ausgefeilt, sehr wirksam die dynamischen Schattierungen. […] E.K. [Ernst Krause] WUNSCH, HERMANN Kleine Passion für Sopran, Chor, Oboe, Klarinette und Fagott 1941 04 01 Dresdner Anzeiger Kreuzvesper [Mauersberger] Einen nicht recht gelungenen Versuch, die geistliche Musik der Vorosterzeit zu bereichern, stellt »Die kleine Passion« für Solosopran, Chor, Oboe, Klarinette und Fagott von Hermann Wunsch dar. […] Nur die ganz hervorragende Wiedergabe durch unseren Kreuzchor unter Prof. Rudolf Mauersberger, […] durch Hellmut Müller (Sologesang), Heinz Butowski (Oboe), Peter Esser (Klarinette) und Helmut Babor (Fagott) vermochte dieser Neuheit Wirkung zu verleihen. […] Iwan Schönebaum ZILLINGER, ERWIN Deutsche Messe, Deutscher Glaube 1937 10 11 Dresdner Anzeiger Der Kreuzchor beim Berliner Kirchenmusikfest [Mauersberger] Rezension Distler, S. 232 ZIMMERMANN, HEINZ WERNER Psalmkonzert. Kantate für Bassbariton, fünfstimmig gemischten Chor, einstimmigen Knabenchor, drei Trompeten, Vibraphon und Kontrabass (1956/57) 1959 06 05 Sächsisches Tageblatt, Dresden Kirchenmusik auf neuen Wegen [Mauersberger] […] Wenn 200 Hörer schockiert waren, wäre das in diesem Falle schon ein guter Anfang. Und wenn nur 100 Hörer so mitgingen, wie das der Kreuzchor mit Ru- Chormusik im Spiegel der Presse 1932 2015 291 dolf Mauersberger in erstaunlicher Frische und bewundernswerter Vitalität als Interpret tat, so wäre diese mutige Vesper bereits ein Erfolg. Sie war es! -el [Gottfried Schmiedel]; S. 85 1960 10 30 Die Union, Dresden Aktualität der evangelischen Kirchenmusik [Mauersberger] Als der Dresdner Kreuzkantor Rudolf Mauersberger bei den diesjährigen Heinrich-Schütz-Tagen des Kreuzchores den Heidelberger Komponisten und Musikwissenschaftler Heinz Werner Zimmermann mit einem Festvortrag über »Die Möglichkeiten und Grenzen des Jazz innerhalb der Musiksprache der Gegenwart« ankündigte, da gab es viele erfreute, aber auch nicht wenige erstaunte, überraschte, ja schockierte Gemüter. Der Gegensatz des Pro und Kontra verstärkte sich in dem Maße, als zu erkennen war, daß das Thema auch unter dem besonderen Gesichtspunkt der evangelischen Kirchenmusik behandelt werden sollte. Monate sind indessen vergangen. In der Erinnerung vieler Teilnehmer jener Vortragsstunde blieben […] auch Klänge und Rhythmen einiger Chöre von Zimmermann, die damals die Kruzianer gesungen hatten. Manche Interessierten werden vielleicht noch ein anderes Erlebnis damit in Zusammenhang gebracht haben: nämlich die Uraufführung des »Psalmkonzerts« von Zimmermann, das der Kreuzchor auch in anderen Städten, u.a. bei den Freiberger Orgeltagen zur Diskussion gestellt hat. Hier handelte es sich um ein geistliches Werk mit »weltlichen« Mitteln. Die Besetzung verlangte z.B. die Mitwirkung eines Vibraphons, das bei Tanzkapellen oder gelegentlich auch bei Orff eingesetzt wird. Der Kraft und Wirkung dieser Neuheit konnte sich wohl kaum jemand im Kirchenraum entziehen. […] Hans Böhm Uns ist ein Kind geboren. Motette für fünfstimmigen gemischten Chor und Kontrabass (1956) / Weihnachtslied für Altsolo, gemischten Chor, Vibraphon, Cembalo und Kontrabass (1961) 1973 12 14 Die Union, Dresden Frohes Singen im Advent. Bleibende Eindrücke aus dem Kulturpalast und der Kreuzkirche [Flämig] […] Der heute 43jährige Heinz Werner Zimmermann kam durch Mauersberger ins Kreuzchorrepertoire. Wichtig, seinem dezent angejazzten »Uns ist ein Kind geboren« wiederzubegegnen. […] Schon die Besetzung betont die Eigenständigkeit, denn Cembalo, Vibraphon, Baß und ein Becken begleiten den Knabensolisten und den Chor. Solche Musik wird unmittelbar verstanden, Kreuzkantor, Sänger und Instrumentalisten swingten keineswegs nur zum eigenen Genuß. Kirchenstücke dieser Art müßten häufiger sein beziehentlich häufiger aufgeführt werden. PW [Peter Wittig] 292 Dresdner Kreuzchor und zeitgenössische Vater Unser für siebenstimmigen gemischten Chor (1957) 1957 10 02 Sächsische Neueste Nachrichten, Dresden Dresdner Schütz-Tage [Mauersberger] […] Ein Werk von eindringlicher Geschlossenheit, die noch durch einen gezupften Kontrabaß verstärkt wird, ist das gleichfalls uraufgeführte siebenstimmige »Unser Vater« [!] mit Cantus firmus des jungen Heinz Werner Zimmermann, dem eine bereits bekannte ähnlich gebaute Cantus-firmus-Motette voranging. […] Großartig sangen wieder die Kruzianer unter Mauersberger, die mit dem Bekenntnis für das Gegenwartsschaffen den Schütz-Tagen den zeitnahen Abschluß schufen. -dl- [Kurt von Rudloff] ZIMMERMANN, UDO Ode an das Leben für Alt, drei vierstimmige Chöre und Orchester (1974) 1975 01 29 Sächsisches Tageblatt, Dresden Chorsinfonischer Dreiklang. Udo-Zimmermann-Uraufführung. Dank und Anerkennung für Kreuzchor und Staatskapelle [Flämig] […] Es ist etwas ganz Ungewöhnliches, wenn ein zeitgenössisches Chorwerk einen so starken, lang anhaltenden Beifall erlebt, wie beide Aufführungen der Zimmermannschen »Ode«. Die Dresdner hatten allen Grund, begeistert zu sein. Martin Flämig leitete das technisch-musikalisch schwierige Werk souverän und mit spürbarem Engagement. Er verstand es, das gewaltige Crescendo und den verhaltenen Ausklang mit Spannung und mit pulsierendem Leben zu erfüllen. Der Kreuzchor wuchs über sich selbst hinaus, und auch die Staatskapelle war ganz bei der Sache, die Musik zum Klingen zu bringen. Ein Sonderlob verdient Ute Trekel-Burkhardt […] Es war sicher eines der schönsten, gelungensten und in sich geschlossensten Kreuzchorkonzerte […] Kreuzchor, Staatskapelle und Martin Flämig vollbrachten eine imponierende Leistung, die herzlichen Dank und nachdrückliche Anerkennung verdient. -el [Gottfried Schmiedel] 1975 01 31 Neue Zeit, Berlin Vielstimmiger Gesang vom Leben. Neruda-Ode von Udo Zimmermann uraufgeführt [Flämig] […] Es ist also zu berichten von einem künstlerisch eindrucksreichen und gewinnvollen Sonderkonzert der Dresdner Staatskapelle. Gemeinsam mit dem Dresdner Kreuzchor erzielte sie Interpretationen von hohem musikalischem und techni- Chormusik im Spiegel der Presse 1932 2015 293 schem Rang, von gespannter Lebendigkeit und Klangintensität. Nicht zuletzt wird man freilich dabei den Knabenchor und seinen Dirigenten Prof. Martin Flämig besonders zu loben haben, die bei der Bewältigung dieser anspruchsvollen und für sie so unalltäglichen Aufgaben Ungewöhnliches leisteten. […] Eckart Schwinger; S. 110 1975 02 03 Die Union, Dresden Bekenntnis zur Kraft des Menschen. Udo Zimmermanns »Ode an das Leben« im 2. Sonderkonzert der Dresdner Staatskapelle uraufgeführt / Strawinskys Psalmensymphonie und Bachs Magnificat unter Martin Flämig [Flämig] […] Was kann nach vierjähriger Arbeit als Kreuzkantor GMD Prof. Flämig von seinem Chor verlangen! Die »Ode an das Leben« stellt an das stimmbildnerische Fundament, das Gehör und die Konzentration völlig neuartige Ansprüche, denen die Kruzianer nach intensiver Vorbereitung so souverän genügten, daß man nur staunen konnte. Gemeinsam mit der Staatskapelle, die das Stück ebenfalls mit sichtlicher Einsatzbereitschaft erarbeitet hatte, entstand unter Flämigs hingebender Klangregie besonders am ersten Abend eine in Gänze überzeugende Aufführung. […] Peter Wittig

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Zusammenfassung

Der Bogen dieses Buches wird von der Frühzeit des 20. Jahrhunderts bis in die unmittelbare Gegenwart (2015) gespannt, also von Otto Richter (Keuzkantor 1906–1930) bis hin zu Roderich Kreile, der 1997 das Kreuzkantor übernahm. Seit den Kantoraten Rudolf Mauersbergers und Martin Flämigs zwischen 1930 und 1990 ist die Pflege zeitgenössischer Musik repräsentativ im Repertoire des Dresdner Kreuzchores verankert. Dank unzähliger Ur- und Erstaufführungen, ja Wiederaufnahmen wurde die Moderne kontinuierlich der großen Kreuzchorgemeinde nahegebracht, in der Kreuzkirche wie an anderen Aufführungsorten, auch außerhalb Dresdens.

Galt in den 1930er-Jahren das Interesse u.a. Günter Raphael und Ernst Pepping, so was es später Rudolf Mauersberger, in den 1950/60er-Jahren Heinz-Werner Zimmermann und Hans Werner Henze, in den 1970/80er-Jahren Frank Martin. Alfred Schnittke, Mikis Theodorakis und Udo Zimmermann. Unter Kreuzkantor Roderich Kreile haben verstärkt Professoren der Dresdner Hochschule für Musik Carl Maria von Weber für die Kruzianer komponiert. Auch Werke außereuropäischer Komponisten sind für Kreile von Interesse, wie die Uraufführung der „Pilgerfahrten“ von Chaya Czernowin (Boston) 2006 im Festspielhaus Hellerau anlässlich des 800-jährigen Dresdner Stadtjubiläums belegt.

Den Einstieg ins Buch bieten ehemalige Kruzianer, die eine musikalische Laufbahn eingeschlagen haben und sich der Moderne ihrer Chorzeit erinnern: erwähnt seien stellvertretend Peter Schreier, Hartmut Haenchen, Torsten Rasch und Eckehard Stier. Während die Kapitel zu den Kantoraten zwischen Otto Richter un Matthias Jung aus der Feder von Musikwissenschaftlern stammen, berichtet Roderich Kreile im Schlusskapitel über die Stellung der Moderne beim Kreuzchor in der jüngsten Vergangenheit. Zu zehn ausgewählten Uraufführungsprojekten unter seiner Leitung nehmen die Komponisten selbst Stellung, ergänzt durch dokumentarisches Material.