Anhang in:

Nazim Diehl

Banken-Image unter Beschuss, page 105 - 108

Die Moralisierung der Finanzkrisen-Debatte 2008

1. Edition 2017, ISBN print: 978-3-8288-3942-7, ISBN online: 978-3-8288-6733-8, https://doi.org/10.5771/9783828867338-105

Series: Tectum - Masterarbeiten

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
105 Anhang Kategorie Klassifikationen und konnotative Marker in den Wochenblättern Branchensynonyme Aggressive Finanzwelt, Bankenszene, Casino, Casino-Produkte, Spielcasino, Spielhölle Berufsbezeichnung Achtundzwanzigjährige, Bankenschnösel, Ichling, Herrscher der Welt, hohe Herren, Finanzhai, Finanzjongleur, Finanzspieler, Meister der Globalisierung, Nutznießer des Überdruss, Staatsverächter, Spekulant, Spieler, Zocker, Profiteure des Systems Äußerlichkeiten Gutgekleidet, wohlfrisiert, Anzug, Hemd, Krawatte, Bankerzwirn, Topgestylte, glatt rasiert, Glastürme, Spiegeltürme Branchenintern Exzesse, Konkurrenzkampf, unfairer Wettkampf um Profite, wetteifern Bezahlung Eigenkapitalrendite von mehr als 25 Prozent, hochbezahlt, hohe Gewinne, Millionen-Boni, satte Erträge, üppige Bonuszahlungen, Reichtum, (zu) hohe Gehälter, steinreich Charakterisierung Abgehobene (Führungselite), Arroganz, biedere Landesbanken, Egoismus, kein Interesse am Allgemeinwohl, Kurzfristigkeit, Kurzsichtigkeit, Leichtsinn, Maßlosigkeit, Materialismus, Morallosigkeit, Geldgeilheit, Geldgier, Gier, Profitgier, Raffgier, Spielsinn, Risikobereitschaft, Risikofreude, Risikohungrig, Verantwortungslosigkeit Geschäftspraktiken Dreistes Vorgehen, kriminelle Machenschaften, faule Kredite, Quatschpapier, Infizierte/Toxische Papiere, Jagd nach Geld, missratene Geschäfte, Monopoly spielen, (Kunden-) Täuschung, Risiken, Risiko, Spekulation, Tricks, Wetten, Zockerei, Zockerpapiere Transparenz Unübersichtlichkeit, Intransparenz, verschachtelte Rechtsansprüche, komplexe Finanzkonstruktionen Tabelle 1: Zuschreibungen in der FAS, WiWo und in dem Spiegel 106 Prototypische Topoi Bedeutung Topos der Gier der Banker und der Banken Die Maßlosigkeit und Gier der Banken und Banken sowie die daraus folgenden Entscheidungen und Handlungen haben die Krise verursacht. Risiko-Topos Die risikofreudigen Geschäfte der Banker und Banken haben zur Krise geführt. Intransparenz-Topos Die vorherrschende Intransparenz in der Finanzbranche hat (mitunter) zur Finanzkrise geführt. Topos der transnationalen Verflechtung Die Verflechtung der Finanz- und Realwirtschaft führte dazu, dass sich die Finanzkrise auch auf die Realwirtschaft niederschlug. Topos der Alternativlosigkeit Weil sich die Finanzkrise bei staatlicher Nichtintervention (intensiv) auf die Realwirtschaft auswirke, müsse der Staat nun als Gläubiger aushelfen. Topos der Verantwortung Weil Banker und Banken an der Finanzkrise Schuld sind, sollten sie die entsprechenden Konsequenzen übernehmen. Regulierungs-Topos (+) Regulierungs-Topos (-) Die ungenügende Regulierung der Finanzbranche hat zur Finanzkrise geführt, daher sollte sie stärker reguliert werden. Die Deregulierung der Finanzbranche erfüllt einen wirtschaftlichen Nutzen, daher sollte sie beibehalten werden bzw. die Regulierung erfüllt keinen wirtschaftlichen Nutzen, daher sollte diese unterlassen werden. Tabelle 2: Prototypische Topoi der Finanzkrisen-Debatte 2008 107 Diskursive Dualismen Wir – Ihr Täter – Opfer Leistung – Profit Vertrauen – Misstrauen Allgemeinwohl – Egoismus Regulierung – Maßlosigkeit Mittelstand – Finanzbranche Transparenz – Intransparenz Öffentliche – Private Banken Realwirtschaft – Finanzwirtschaft Öffentliche Gläubiger – Verantwortungslosigkeit Sozial-schwache Schichten – Banker und Banken Angelsächsische vs. Europäische/Deutsche Banker Arroganz der Finanzbranche – Objekt der Geringschätzung (Soziale/Rheinische) Marktwirtschaft – (Ungezügelter) Kapitalismus Tabelle 3: Diskursive Dualismen Harald Trabold Kapital Macht Politik Die Zerstörung der Demokratie Die Macht des Volkes ist längst zu einer Phrase in Sonntagsreden verkommen. In den westlichen Demokratien herrscht nicht mehr das Volk, sondern das Kapital. Politiker regieren die Bürger, aber Finanzmärkte und Großkonzerne regieren die Politik. Lobbyisten steuern die Gesetzgebung zum Wohl der Großkonzerne, PR-Agenturen machen Kapitalismus-Propaganda, die Unterhaltungsindustrie stellt das Volk ruhig und das Bildungssystem erzieht ökonomisch verwertbaren Nachwuchs. Es ist der klare Blick eines erfahrenen Insiders, der das Warum dahinter aufdeckt. Seit 2005 ist Trabold Professor für Volkswirtschaftslehre mit zahlreichen Verö entlichungen u. a. zu den emen Globalisierung, Wettbewerbsfähigkeit, Finanzkrise. Zudem ist er als Berater für UN-Organisationen, die Europäische Kommission und das Wirtschaftsministerium tätig gewesen. »Harald Trabold – Ökonomie-Professor an der Hochschule Osnabrück und ausgewiesener Fachmann für internationale Wirtschaftsbeziehungen – beschreibt detailreich, fesselnd und bildhaft, wie der Kapitalismus sich anschickt, die Demokratie auszuhebeln. […] Dieses Buch ist für jeden an Politik und Wirtschaft Interessierten ein großer Gewinn.« Herbert Wilkens – Netzwerk Grundeinkommen Prof. Dr. Harald Trabold, geboren 1958, Studium der VWL in Regensburg und Boulder (USA), danach für die KfW (Frankfurt) und UNCTAD (Genf) tätig. Seit 2005 Professor für Volkswirtschaftslehre an der Hochschule Osnabrück. Zahlreiche Verö entlichungen zu den emen Globalisierung, Finanzkrise. Beratungstätigkeit für verschiedene UN-Organisationen, Europäische Kommission etc. Seit 2011 Leiter des als Reaktion auf die Finanzkrise neu konzipierten Studiengangs Angewandte Volkswirtschaftslehre an der Hochschule Osnabrück. 2014, 563 Seiten Klappenbroschur 19,95 € [D] / 20,60 € [A] ISBN 978-3-8288-3330-2

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Zusammenfassung

Das Image der Banken und des Bankers ist schon lange negativ belastet, doch reichen die Wurzeln tiefer, als die meisten Menschen es vermuten. Das Neuartige an der Finanzkrisen-Debatte ist, dass sich die Finanzbranche im Allgemeinen seit 2008 in einem anhaltenden Vertrauenstief befindet: Die schwindende Kundenloyalität, erhöhte Fluktuation und die nur geringe Effizienz teurer und aufwändig produzierter Werbekampagnen sind Ausdruck dieses Vertrauenstiefs. Daher behandelt dieses Buch die Frage danach, wie während dem gesellschaftlichen Ausnahmezustand einer Finanzkrise und verdichteten Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit über deutsche Banken und Banker berichtet wurde. Und wann werden Kritik und negative Stereotype offener kommuniziert und brennen sich besser in das Gedächtnis ein als in Stress- und Krisensituationen?