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1. Einleitung in:

Gerhard Brandhofer

Lehr-/Lerntheorien und mediendidaktisches Handeln, page 17 - 24

Eine Studie zu den digitalen Kompetenzen von Lehrenden an Schulen

1. Edition 2017, ISBN print: 978-3-8288-3880-2, ISBN online: 978-3-8288-6732-1, https://doi.org/10.5771/9783828867321-17

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Pädagogik, vol. 42

Tectum, Baden-Baden
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Einleitung 1. Einleitung „Ich ließ mir meine Bildung nie durch die Schule beeinträchtigen.“ Mark Twain Digitale Medien haben unsere Lebenswirklichkeit völlig durchdrungen, nicht nur die der Erwachsenen, auch die der Kinder und Jugendlichen. In der Studie Jugend, Information, (Multi-)media (JIM) werden jährlich aktuelle Zahlen zur Medienumwelt und Mediennutzung Jugendlicher in Deutschland veröffentlicht und diese Zahlen belegen das nachdrücklich: „Alle Haushalte, in denen Jugendliche zwischen 12 und 19 Jahren aufwachsen, haben Fernseher, Computer, Internetzugang und Handys. Fast jeder Haushalt hat ein Radio und die Möglichkeit, mit einer Digitalkamera zu fotografieren, in neun von zehn Haushalten steht ein MP3-Player zur Verfügung. Drei Viertel haben eine fest installierte Spielkonsole, zwei Drittel eine tragbare Spielkonsole“ (Medi enpädagogischer Forschungsverbund Südwest, 2013, S. 5). Die Dichte der Durchdringung mit digitalen Devices ist beachtlich, beispielsweise besitzt ein Haushalt durchschnittlich 4 Handys und 2,7 Computer. Digitale Medienge räte und -angebote gehören zum Alltag von Jugendlichen, fast alle verfügen über Handys und viele weitere digitale Begleiter (Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest, 2010, S. 8). Aber auch die Rahmenbedingungen für schulische Bildung ändern sich unter anderem durch die Verfügbarkeit digitaler Medien: „Bildung wird als ein lebenslanger Prozess stattfinden. Ein per se der frühen Jahre der Schule und Hochbildung wird ersetzt durch die lebenslange Verfügbarkeit von digitalen und Fernmediensystemen“ (Köhler, 2008, S. 11). Insofern wird die Frage des Zusammenhangs von Bildungsquali tät und den digitalen Medien immer drängender: „Gerade die Durchlässigkeit der Bildungssysteme erfährt durch digitale Medien neue Impulse: So kommt es zur Öffnung von Hochschulräumen, andere Wissensgemeinschaften können sich einbringen und vice versa“ (Köhler & Neumann, 2011, S. 13). Gleichzeitig bleibt der tatsächliche Einsatz von digitalen Medien an den Schulen in Deutschland und Österreich hinter den Erwartungen zurück: „Computer sind die prägende Technologie unserer Zeit, aber im Schulunter richt kommen sie noch immer viel zu wenig vor“ (Schelhowe, zitiert in: 17 Gerhard Brandhofer: Lehr-/Lerntheorien und mediendidaktisches Handeln Buhse, 2013, S. 56; weiters: Arenz, H uth & Pfisterer, 2011, S. 13; Parycek, Maier-Rabler & Diendorfer, 2010, S. 91; Initiative D21, 2011, S. 11). Auch im internationalen Vergleich sind Österreich und Deutschland bei der tatsächlichen Nutzung digitaler Medien in der Schule eher im Mittelfeld zu finden (EURYDICE & European Commission, 2011, S. 23). Indessen ist die Akzeptanz digitaler Medien unter den Lehrenden aber sehr hoch (Arenz et al., 2011, S. 7). N icht nur aus dieser Disparität aus der Intensität der Nutzung in der Freizeit und in der Schule erwächst die Forderung nach Förderung der Lehrendenkompetenzen in Zusammenhang mit digitalen Medien. Während in Österreich ein Referenzmodell zur informatischen Grundbildung der Schülerinnen und Schüler entwickelt wurde (Micheuz, 2011, S. 7), fehlt zur zeit noch ein solches für die Kompetenzen der Lehrenden. Aber auch aktuelle Daten zum Kompetenzstand der Lehrenden sind nicht vorhanden. Das bedeutet für die Aus-, Fort- und Weiterbildungsinitiativen im Bereich der digitalen Medien, dass weder eine zu berücksichtigende Ausgangslage noch ein definiertes Ziel an Kompetenzen zur Verfügung stehen. Ein Vergleich mit Initiativen in anderen Ländern könnte hier zudem aufzeigen, ob und in welchem Maße es Defizite in diesem Bereich gibt. W enn digitale Medien eher Lernszenarien, die auf konstruktivistischen oder konnektivistischen Lerntheorien beruhen, initiieren (Arnold, 2011, S. 179; Hense, Mandl & Gräsel, 2001; Kerres, 2001; Baumann, 2012, S. 8; Chrissou, 2010; Golze, 2010; Jonassen, 1996; Kamke-Martasek, 2001; Schaumburg, 2002; Schelhowe, 2007, S. 107), so geht mit der Forderung nach zeitgemäßen Lernarrangements an den Schulen zu einer lernseitigen Orientierung des Unterrichts (McMahon, 2011, S. 19) jene nach vermehrtem Einsatz digitaler Medien in der Schule einher. Das wiederum bedeutet, dass zur Gestaltung von Lernsettings mit digitalen Medien Lehrende kompetent sein müssten, sowohl in der Verwendung als auch in der didaktischen Implementation digitaler Medien. Mein Interesse an der Themenstellung ergibt sich aus der täglichen Arbeit an der Pädagogischen Hochschule für Niederösterreich. Als planender Mitarbei ter trage ich die Verantwortung für das Fort- und Weiterbildungsangebot im Bereich digitale Medien, IKT und E-Learning für Allgemeinbildende Pflicht schulen. Dabei stellt sich immer wieder von Neuem die Frage, wie dieses Angebot konzipiert werden soll, welche Kompetenzen im Umgang mit digitalen Medien die Lehrenden besitzen, welche Defizite bestehen, ob diese 18 Einleitung Defizite den Lehrenden selbst bewusst sind, wie die Kompetenzdefizite transparent gemacht werden können und wie Lehrveranstaltungen gestaltet werden sollen, um einen möglichst großen Langzeitnutzen sicherzustellen. In Österreich fehlt bislang ein Modell, das die Kompetenzen der Lehrenden im Umgang mit digitalen Medien theoretisch fundiert beschreibt. Ebenso wenig sind aktuelle Daten vorhanden, die basierend auf einer Selbsteinschät zung der Lehrenden einen Überblick über den aktuellen Kompetenzstand bieten würden. Ähnliche Initiativen bestehen bereits in anderen Ländern, wie eLEMER in Ungarn oder Naace SRE im Vereinigten Königreich (siehe auch Redecker, 2012). Bei der vorliegenden Arbeit soll der Zusammenhang zwischen der grundsätzlichen lerntheoretischen Intention und dem Einsatz von digitalen Medien überprüft werden. Unter diesem Aspekt handelt es sich um ein Forschungsdesiderat, insbesondere für Österreich. Vielfach wird behauptet, dass ein zeitgemäßes Lernsetting auch digitale Medien zu berücksichtigen habe (zum Beispiel Schelhowe, 2007, S. 124; Stadermann, 2011, S. 364; Eickelmann, 2010, S. 76). Als zeitgemäße Lerntheorien werden zurzeit gemeinhin der Konstruktivismus und der Konnektivismus angesehen (unter anderem Siebert, 2002; Hoy & Woolfolk, 2008, S. 349; Süss, Lampert & Wijnen, 2009, S. 158; Siebert, 2011, S. 79). Der Zusammenhang zwischen konstruktivistischem Lernen und digitalen Medien wurde in der Untersuchung SITES 2006 aufgegriffen (Carstens, Pelgrum, Ed & International Association for the Evaluation of Educational Achievement, 2009). Allerdings wurde diese Untersuchung ausschließlich für Lehrende der Mathematik und der Naturwissenschaften durchgeführt, Österreich nahm an der Studie nicht teil. Zudem zielte die Fragestellung der Studie auf partielle Unterrichtsphasen und darauf, wie in diesen digitale Medien eingesetzt wurden, die Befragung fand zwischen 2004 und 2006 statt. Hermans, Tondeur, van Braak und Valke setzten sich mit dem Zusammen hang zwischen Lehrer/innenüberzeugungen und der Nutzung von Computern im Klassenzimmer auseinander, diese Studie legte den Fokus auf die Primarstufe (Hermans, Tondeur, van Braak & Valcke, 2008). Ähnlich angelegt war auch die Untersuchung von Dominik Petko aus dem Jahr 2012 mit 357 teilnehmenden Schweizer Lehrenden (Petko, 2012b). Weiters lassen sich in der wissenschaftlichen Literatur Versuche finden, eine Korrelation zwischen Programmarchitektur und Lerntheorien herzustellen (zum Beispiel Reuter, 2008, S. 21; oder Weighardt, 2003, S. 64). Da bei diesem Dissertationspro 19 Gerhard Brandhofer: Lehr-/Lerntheorien und mediendidaktisches Handeln jekt die Erstellung eines Rahmenmodells zu den digitalen Kompetenzen eines der Ziele ist und die Konstruktion dieses Rahmenmodells abhängig ist von den Konzepten des Lernens, die von den Lehrenden internalisiert sind, ist es in der Folge notwendig, die Wechselwirkungen zwischen der grundsätzlichen lerntheoretischen Intention und dem Einsatz von digitalen Medien zu über prüfen. Lernsoftware wird nach diesem Ansatz nicht von vornherein einer Lerntheorie zugeordnet. Zur Erstellung des Fragenkatalogs wird bei dem Abschnitt zur Lerntheorie auf bereits getestete Fragenkataloge zurückgegriffen (Lipowsky, Pauli, Klieme & Reusser, 2002). Somit ergibt sich die erste Forschungsfrage, die im Rahmen dieser Abhandlung beantwortet werden soll: Inwiefern bestehen Wechselwirkungen zwischen der lehrtheoretischen Sichtweise von Lehrenden an Schulen und dem Einsatz digitaler Medien im Unterricht? Sehr oft begegnet man bei Diskussionen in Arbeitsgruppen zur Lehrendenausund -fortbildung Aussagen, dass die Anwendungskompetenzen im Umgang mit neuen Medien der Lehrenden dringend gefördert werden sollten, weil diese dann auch vermehrt digitale Medien im Unterricht einsetzen würden. So wird allgemein ein Zusammenhang zwischen Anwendungskompetenzen und der Häufigkeit der Nutzung im Unterricht vermutet. Diese Korrelation ist aber nicht zwingend, denkbar wäre auch, dass Lehrende in Ermangelung didaktischer Fähigkeiten seltener digitale Medien im Unterricht einsetzen, oder im Gegenteil digitale Medien auch trotz fehlender Anwendungskenntnis se für ihren Unterricht nutzen. Zur Erstellung des Rahmenmodells ist daraus folgend eine Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Anwendungs kenntnissen und Intensität der Nutzung sinnvoll und notwendig. Informatisches Wissen im engeren Sinne findet in Österreich wie auch in anderen europäischen Ländern zu wenig Beachtung im Unterricht, wenn gleich Informatik eine große Bedeutung in der Wettbewerbsfähigkeit der Nationen hat: „For a nation or a group of nations to compete in the race for technology innovation, the general population must in addition to digital literacy understand the basics of the underlying discipline, informatics“ (Informatics Europe & ACM Europe Working Group, 2013, S. 9). Obwohl die Forderung nach mehr und besserem Informatikunterricht präsent ist, verliert im Gegensatz dazu gleichzeitig informatische Bildung in der Schule an Einfluss und Bedeutung (Micheuz, 2009). Eine der Ursachen dafür könnte mangelndes Wissen der Lehrkräfte sein. M it Hilfe der erhobenen Daten soll 20 Einleitung die Frage, ob die Kenntnisse im Bereich des informatischen Wissens im engeren Sinne im Vergleich zu den anderen Anwendungskenntnissen unterdurchschnittlich sind, beantwortet werden. Der Bereich der kompetenten Nutzung von Social-Web-Plattformen ist ein relativ neues Kompetenzfeld, dem in der Schule noch wenig Bedeutung beigemessen wird (unter anderem Wampfler, 2013, S. 124). Auch hier liegt die Vermutung nahe, dass das an mangelnden Fachkenntnissen der Lehrkräfte liegt. Wie ausgeprägt die Kenntnisse im Umgang mit Social-Web- Anwendungen sind, soll ebenfalls im Rahmen dieser Arbeit dargestellt werden. Diese Aspekte lassen sich in der zweiten Forschungsfrage zusammenfassen: Inwiefern ist die Verwendung digitaler M edien im U nterricht abhängig von den Anwendungskenntnissen der Lehrenden und welchen Stellen wert haben informatische Kenntnisse sowie Kompetenzen im Umgang m it Social M edia bei den Anwendungskompetenzen der Lehrenden? Schule ist mehr als die Summe von Lehrendenqualifikationen: „Eine gute Kooperation und Kommunikation im Lehrerkollegium wird allgemein als wünschenswert angesehen“ (Janke, 2006, S. 75). Auch Uwe Böhm und Wolfgang Klafki kommen in ihren Untersuchungen zu dem Schluss, dass sich gute Schulen durch eine ausgeprägte Kommunikationskultur auszeichnen (Böhm, 2003, S. 9; Klafki, 1994, S. 8). Das Netzwerk eLSA (eLearning im Schulalltag) vereint Schulen mit Erfahrungen im Bereich des Einsatzes digitaler Medien im Unterricht in Österreich. Immer wieder wird dabei von den Initiatorinnen und Initiatoren propagiert, dass die Kommunikation an der Schule und über die Schule hinaus weiter gefördert werden soll (Bundes ministerium für Unterricht, Kunst und Kultur, 2007). Es wäre demzufolge sinnvoll, den Kompetenzkatalog um einen Teilbereich zu sozialen Kompetenzen zu erweitern. Dazu würde unter anderem die Bereit schaft und Fähigkeit zählen, die Koordination der medienpädagogischen Inhalte am Schulstandort zu übernehmen. Aber auch die Kommunikation und Kooperation mit Hilfe digitaler Medien am Schulstandort, in schulstandortübergreifenden Netzwerken, mit Fachcommunities und Forschungs institutionen wären zu berücksichtigen. Ob die Intensität des Austausches an der Schule nicht nur die Schule zu einer guten Schule macht, sondern tatsächlich auch einen Einfluss auf die Kompetenzen der Lehrenden im Umgang mit neuen Medien hat, wäre zu untersuchen. 21 Gerhard Brandhofer: Lehr-/Lerntheorien und mediendidaktisches Handeln Marc Prensky prägte den Begriff der Digital Natives, einer Generation, die im Gegensatz zu den Digital Immigrants bereits mit digitalen Medien aufgewach sen ist und diese intensiv nutzt (Prensky, 2001, S. 23). Ähnlich wie Prensky vertritt auch Don Tapscott die These, dass eine neue Generation heranwächst, deren Sozialisationsraum verstärkt durch neue Medien geprägt ist. Die Heranwachsenden werden zu Expertinnen und Experten im Bereich der neuen Technologien und die Rollenverteilung zwischen Lehrenden und Lernenden kehrt sich um (Tapscott, 2009, S. 13). W enn sich Vertreter/innen dieser Generation für das Studium eines pädagogischen Berufes entscheiden, sollten sie auch dementsprechende Anwendungskenntnisse in der Nutzung digitaler Medien bereits mitbringen und diese müssten nicht mehr in einem Curriculum berücksichtigt werden. Gleichzeitig gälte es aber, der Generation der erfahrenen Lehrenden Angebote zur Schulung und Festigung ihrer Kompetenz in der Verwendung digitaler Medien zu machen. Ältere Leh rer/innen hätten folglich weniger Kenntnisse im Umgang mit digitalen Medien, diese Unkenntnis führe zu Unsicherheit und Abwehrhaltungen: „Es verwundert also kaum, wenn sich Pädagogen aus Angst vor den Medien, die sie selbst nicht beherrschen, hinter wertkonservativen Parolen, biederem Bildungsbürgertum und trotziger Technikfeindlichkeit verstecken“ (Hebecker, 1998). Die persönliche Erfahrung als Lehrender in der Ausbildung und Fortbildung an der Pädagogischen Hochschule führt zu einem anderen Bild: Studierende sind keineswegs kompetenter im Umgang mit digitalen Medien, der Unter schied zu Lehrenden mit langjähriger Erfahrung besteht eher darin, dass die Studierenden weniger Scheu und größere Entdeckungslust im Zusammen hang mit digitalen Werkzeugen haben. Diese persönliche Erfahrung soll im Rahmen der empirischen Studie beforscht werden, um Antwort auf die dritte Forschungsfrage geben zu können: Inwiefern ist das Lehren und Lernen m it digitalen M edien und über digitale M edien abhängig von der U nter richtserfahrung der Lehrenden und welche Bedeutung hat in diesem Zusam m enhang die A rt der Kom m unikation und Kooperation am Schulstandort und über den Schulstandort hinaus? Aus diesem Abriss ergeben sich für diese Arbeit mehrere abhängige Aufgaben stellungen. Ehe an die Beantwortung der Forschungsfragen herangegangen werden kann, ist es notwendig, die in der Folge verwendeten Begriffe in ihrer Bedeutung festzulegen. Weiters gilt es zusätzlich die Frage zu klären, was als 22 Einleitung zeitgemäße Lerntheorie berücksichtigt werden kann, und auch die Problema tik des Kompetenzbegriffes soll dargestellt werden. Im Anschluss daran besteht die Notwendigkeit, die Sinnhaftigkeit des Ein satzes digitaler Medien im Unterricht zu begründen. Es werden zu diesem Zweck mehrere Legitimationsansätze erörtert. Anschließend wird es Aufgabe sein, verschiedene internationale Rahmenmodelle zu den Kompetenzen Lehrender im Umgang mit IKT vorzustellen und aufgrund ihrer Praxistaug lichkeit ein Modell als Vorlage für einen Referenzrahmen aufzugreifen. Dieses Rahmenmodell gilt es mit den österreichischen Kompetenzkatalogen für Schüler/innen kompatibel zu machen und einen exemplarischen Kompetenz katalog zu entwickeln, der die Grundlage für den zu erstellenden Fragebogen In einem weiteren Abschnitt wird es Aufgabe sein, die Frage nach zeitgemä ßem Unterricht zu beantworten und verschiedene Lehr- beziehungsweise Lerntheorien zu vergleichen. Möchte man einen Anteil zu dem Gesamtkatalog an Kompetenzen, die ein Lehrender besitzen sollte, beitragen, dann sollte dieser Anteil möglichst homogen zur Gesamtheit beschaffen sein. Das bedeutet, dass auch der Kompetenzbereich der Verwendung digitaler Medien so gestaltet sein sollte, dass er mit den dem Gesamtkonzept zugrundeliegenden Lerntheorien konvergent ist. Eine kompakte Darstellung der wichtigsten Strömungen wie Behaviorismus, Kognitivismus und Konstruktivismus sowie aktueller Ausprägungen wie Konnektivismus, Ko-Konstruktivismus und neurodidaktischer Lerntheorien dient als Theorieaufbau für die erste For schungsfrage. Diese Arbeit ist ein empirisch-analytisches Forschungsprojekt. Zur Überprü fung der Forschungshypothesen wird ein standardisierter Fragebogen herangezogen, der die Bereiche von TPCK, Vernetzung und lehrtheoretische Sichtweisen umfasst. Zur Verbesserung und Präzisierung der Fragestellungen wurde ein Pretest durchgeführt. Die geschlossenen Items der quantitativen Erhebung wurden ergänzt um Fragen nach Unterrichtserfahrung in Jahren, Geschlecht und einer offenen Frage. Dieser Fragebogen stand sowohl in Papierform als auch elektronisch zur Verfügung. Zitate wurden in der vorliegenden Abhandlung nicht an die neue Recht schreibung angepasst falls diese selbst in der alten Rechtschreibung verfasst wurden. Ebenso wurde bei Quellen, die die Schweizer Rechtschreibung verwenden, die Originalversion verwendet. Unterschiedliche Schreibvarianten 23 Gerhard Brandhofer: Lehr-/Lerntheorien und mediendidaktisches Handeln von Begriffen wie beispielsweise E-Learning oder Web Based Training wurden in wörtlichen Zitaten beibehalten. Abweichende oder fehlende Formen von dem in dieser Arbeit verwendeten Standard einer gendergerechten Schreibwei se wurden bei direkten Anführungen aus dem Original übernommen. 24

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Zusammenfassung

Der professionelle Umgang mit digitalen Medien sowie deren Einbezug in den Unterricht gehören längst noch nicht zum Standardrepertoire von Lehrenden an Schulen. Bemängelt werden meist unzureichende digitale Kompetenzen und veraltete Wissensstände, kurz: unsere Schulen samt Lehrpersonal sind nicht mehr up to date. Neben dem Einsatz digitaler Medien meint moderner Unterricht aber auch das Lehren innerhalb eines weitgehend konstruktivistischen Lernsettings. In welchem Zusammenhang steht die Nutzung digitaler Medien mit solch einer lerntheoretischen Sichtweise? Gerhard Brandhofer beschäftigt sich umfassend mit der Legitimation digitaler Medien im Schulunterricht. Mithilfe eines eigens erstellten Kompetenzmodells und eines Selbsteinschätzungstests für Lehrende bildet er deren aktuellen Stand an Fertigkeiten und Fähigkeiten ab. Damit legt Brandhofer nicht nur einen wichtigen Grundstein für die zeitgemäße Ausbildung künftiger Lehrerinnen und Lehrer, sondern schafft darüber hinaus klare Zielvorgaben für Fort- und Weiterbildungen bereits im Schuldienst aktiver Lehrkräfte.