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Bernadette Pensch, I. Beschneidung zwischen Ritual und Körperverletzung: Kritische Diskursanalyse ausgewählter österreichischer Printmedien in:

Ulrike Bechmann, Wolfram Reiss (Ed.)

Antisemitismus in den Medien?, page 15 - 120

Beschneidungspraxis und Israelkritik in österreichischen Printmedien

1. Edition 2017, ISBN print: 978-3-8288-3914-4, ISBN online: 978-3-8288-6731-4, https://doi.org/10.5771/9783828867314-15

Series: Anwendungsorientierte Religionswissenschaft

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
I. Beschneidung zwischen Ritual und Körperverletzung: Kritische Diskursanalyse ausgewählter österreichischer Printmedien (Bernadette Pensch) 15 Einführung Mitte des Jahres 2012 wurde eine, vor allem im deutschsprachigen euro päischen Raum breite, Mediendiskussion rund um das Thema religiöse Beschneidung von minderjährigen Knaben losgetreten. Der dem „Hype“ zugrunde liegende Sachverhalt wurde gemäß dem Landesgericht Köln als eine von einem Arzt in Köln am 4.11.2010 unter örtlicher Betäubung mit tels Skalpell durchgeführte Beschneidung eines vierjährigen Jungen, die ohne medizinische Indikation, jedoch auf Wunsch der Kindeseltern er folgte, dargestellt.1 Es handelte sich dabei um einen religiös motivierten Eingriff, die Eltern und das (beschnittene) Kind sind Mitglieder der isla mischen Glaubensgemeinschaft. Die laut LG Köln aus diesem fachlich einwandfrei durchgeführten medi zinischen Eingriff resultierenden Nachblutungen des kleinen Patienten wurden in Folge in der Kölner Universitätsklinik im Rahmen eines mehr tägigen stationären Klinik-Aufenthaltes erfolgreich behandelt. Allerdings endete die bei dem „jungen Mann“ durchgeführte Zirkumzision für den durchführenden muslimischen Allgemeinmediziner mit der Anklage, „am 4.11.2010 in Köln eine andere Person mittels eines gefährlichen Werk zeugs körperlich misshandelt und an der Gesundheit geschädigt zu haben (§§ 223 Abs. 1, 224 Abs. 1 Nr. 2, Alternative 2 StGB)“2 am Amtsgericht Köln. Mit der Aufnahme dieses Verfahrens wurde am Amtsgericht Köln der Frage nachgegangen, ob eine religiös motivierte Beschneidung der Vorhaut eines minderjährigen Knaben, die mit Zustimmung der Kindes eltern erfolgt, eine Körperverletzung gem. § 223 Abs. 1 StGB darstellt. Der Absatz 1 des Paragraphen 223 des deutschen StGB besagt, dass „wer eine andere Person körperlich misshandelt oder an der Gesundheit schädigt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“3 Der angeklagte Mediziner wurde vom Amtsgericht Köln mit Urteil vom 21.09.20114 aus rechtlichen Gründen bzw. unter Bezugnahme auf die wirksame Einwilligung der Eltern des Kindes als Personenobsorgeberech tigte freigesprochen. Der Freispruch erfolgte unter anderem „unter Be rücksichtigung der gebotenen ausgewogenen Bewertungsbalance zwi schen u. a. dem Recht der Eltern [...] sowie deren Recht auf Religionsaus übungsfreiheit [...] als auch dem Recht des Kindes auf körperliche Unver sehrtheit [...]“. Im Urteilsspruch wurde auch darauf hingewiesen, dass „die Zirkumzision als traditionell-rituelle Handlungsweise zur Doku mentation der kulturellen und religiösen Zugehörigkeit zur muslimischen 1 Landesgericht Köln 151 Ns/169/11 vom 07.05.2012, URL. 2 Amtsgericht Köln, 528 Ds 30/11, URL. 3 StGB. § 223 Körperverletzung (Deutschland), URL. 4 Amtsgericht Köln, 528 Ds 30/11 vom 21.09.2011, URL. 17 Lebensgemeinschaft dient".5 Außerdem werde mit der Zirkumzision den - vor allem in amerikanischen und angelsächsischen - geltenden medizi nischen Standards, denen zufolge mit der Zirkumzision aufgrund der hy gienischen Verbesserung zum Beispiel Krebserkrankungen vorgebeugt werden kann, Rechnung getragen. Mit der Berufung der Staatsanwalt schaft Köln gegen dieses Urteil des Amtsgerichts Köln vom 21.09.2011 wurde der Fall im Landesgericht Köln neu aufgerollt. Laut Urteil des Lan desgerichts Köln vom 07.05.20126 wurde diese Berufung jedoch wieder verworfen und damit der ursprüngliche Freispruch aus dem Jahr 2011 für den Mediziner rechtskräftig. Äußerst wichtig war und ist, dass im Berufungsverfahren rund um diese Beschneidung ohne medizinische Indikation bzw. deren juristischen Ab handlung und/oder Bewertung als Körperverletzung erstmals von einem deutschen Gericht festgehalten wurde, dass der äußere Tatbestand der einfachen Körperverletzung sehr wohl erfüllt sei. Der Eingriff sei darüber hinaus auch nicht aufgrund der erfolgten Zustimmung der Eltern zu die sem gerechtfertigt, denn die Beschneidung entbehre die Grundlagen „des Kindeswohls". Das Grundrecht von Kindern auf körperliche Unversehrt heit stehe höher als die Grundrechte der Eltern und deren Recht auf Reli gionsfreiheit und Erziehung des Kindes. Es sei demnach zumutbar für El tern, derartige Entscheidungen abzuwarten, bis das Kind in dem Alter ist, in dem es in der Lage ist, derartige Entscheidungen eigenständig zu tref fen. Der wegen Körperverletzung angeklagte Mediziner wurde freige sprochen. Er befand sich laut Urteil des Kölner Landesgerichtes mit seiner Annahme rechtmäßig zu handeln in einem unvermeidbaren Verbotsirr tum, das sich in einer unterschiedlichen Bewertung in Rechtsprechung und Literatur begründet. Aufgrund der engagierten, öffentlichen und sehr heiklen Diskussion rund um das Kölner Urteil wurde in Deutschland unter medialem und politischem Druck, relativ rasch mit einem neuen Ge setz reagiert: § 1631d Beschneidung des männlichen Kindes wurde im BGB7 hinzugefügt. Der neue Paragraph erlaubt seit 28.12.2012 die Durch führung der Beschneidung von männlichen nicht einsichtsfähigen Kin dern nach den Regeln der ärztlichen Kunst. Sie darf bei Kindern unter sechs Monaten auch von Religionsgemeinschaften dazu vorgesehenen Nicht-Medizinern mit besonderer Ausbildung durchgeführt werden.8 Mit Amtsgericht Köln 528 Ds 30/11, URL. Landesgericht Köln 151 Ns/169/11, URL. Bürgerliches Gesetzbuch § 1631d, URL. BGB § 1631d Beschneidung des männlichen Kindes: (1) Die Personensorge um fasst auch das Recht, in eine medizinisch nicht erforderliche Beschneidung des nicht einsichts- und urteilsfähigen männlichen Kindes einzuwilligen, wenn diese nach den Regeln der ärztlichen Kunst durchgeführt werden soll. Dies gilt 5 6 7 8 18 den Kölner Urteilen und der öffentlichen Diskussion über die Beschnei dung eines minderjährigen Jungen, aus religiösen Gründen und mit Zu stimmung der Erziehungsberechtigten, wurde im Jahr 2012 ein alter Kon flikt um die rituelle Beschneidung9 unter den aktuellen gesellschaftspoli tischen und rechtlichen Rahmenbedingungen neu entfacht, diskutiert und bewertet. Die Thematik, dass Religion(en) auf Sanktion(en) stößt/stoßen und/oder Traditionen kultureller/religiöser Minderheiten von der Mehr heitsgesellschaft bzw. deren Rechtsverständnis in Frage gestellt werden, katapultierte sich im Zusammenhang mit den Kölner Urteilen als explosiv in den (medialen) Vordergrund und warf in einer weitestgehend säkula risierten Gesellschaft zum Beispiel die Frage auf, ob und inwieweit die vom Staat gewährte Religionsfreiheit10 tatsächlich „grenzenlos“ sei und, unter der Annahme, dass Kinder sich nicht freiwillig schmerzhaften „Operationen“ unterziehen, in wie weit die Ausübung von Zwang (zu re ligiösen Ritualen) auf Kinder11 erlaubt sein darf und soll und ob durch frühzeitige (rituelle) Eingliederung in Religionsgemeinschaften ihr Recht auf Religionsfreiheit beeinträchtigt ist. Rund um das Thema der rituellen Beschneidung ranken sich zudem weitere Fragen und Fragenkomplexe: Sind (religiöse) Beschneidungen an Minderjährigen Körperverletzungen oder eine zu schützende religiöse Tradition? Ist oder wie ist die Beschnei dung von Minderjährigen als gravierender Eingriff und irreversible Kör permanipulation mit einer bundesgesetzlich verankerten gewaltfreien Erziehung12 oder dem durch die UN-Kinderschutzkonvention garantiertem unteilbar gültigen Recht des Kindes auf Unversehrtheit vereinbar? Wäre nicht auch bei der Beschneidung, wie bei anderen Körpermodifikationen wie Piercing oder Tätowierung,13 ein Zuwarten bis zur Einsichtsfähigkeit von Kindern erforderlich und gesetzlich sinnvoll? Handelt es sich beim nicht, wenn durch die Beschneidung auch unter Berücksichtigung ihres Zwecks das Kindeswohl gefährdet wird. (2) In den ersten sechs Monaten nach der Geburt des Kindes dürfen auch von einer Religionsgesellschaft dazu vorgesehene Personen Beschneidungen gemäß Absatz 1 durchführen, wenn sie dafür besonders ausgebildet und, ohne Arzt zu sein, für die Durchführung der Beschneidung vergleichbar befähigt sind. Konflikte um die rituelle Durchführung der Beschneidung lassen sich im frühen Christentum, im 18. und 19. Jahrhundert vor allem in Deutschland und den USA und Anfang des 20. Jahrhunderts w iederum in Deutschland unter Bezug nahme auf Seuchengefahr nachweisen (vgl. Moll 2014, 68). Siehe dazu: Kapitel 3.3 Rechtsgrundlagen - Religion. Siehe dazu: Kapitel 3.2.5. Gesamte Rechtsvorschrift für Rechte von Kindern, URL. Tätowierungen sind in Österreich ab dem 16. Lebensjahr, Piercings ab 14 Jah ren, jeweils nur mit schriftlicher Einwilligung der Erziehungsberechtigten er laubt. Unter 14 Jahren ist das Piercen gesetzlich verboten (vgl. KJA, URL). 19 10 11 12 13 Ritual der Beschneidung um ein barbarisches Männerritual? Wie ist die Beschneidung von nicht einwilligungsfähigen Jungen in einem Rechtssys tem, das das Gewaltmonopol alleine in die Hand des Staates legt und in dem patriarchalische Machtstrukturen ihre Gültigkeit verloren haben bzw. Studienergebnisse eindeutig körperliche, seelische und sexuelle Langzeitfolgen der Beschneidung14 bei Jungen attestieren, zu beurteilen? Neben rechtlichen und streng-religiösen Fragen wirft das Thema der Be schneidung von minderjährigen nicht einwilligungsfähigen Knaben je weils auch die mehr oder weniger tabuisierten Grenzen von in einer Ge sellschaft erlaubten Formen von (kindlicher) Sexualität und überholten Moralvorstellungen auf. Mit der vorliegenden Arbeit wird die Diskussion zur religiösen Beschnei dung im Zusammenhang mit den „Kölner Urteilen“ als diskursives Ereig nis untersucht. Aus dem umfangreichen medialen Faden, der sich rund um die Kölner Urteile vor allem in Deutschland, Österreich und der Schweiz rund um Beschneidungsvorgaben im Islam und Judentum entsponnen hat, wurden, um die Arbeit in dem vorgegebenen Rahmen zu realisieren, vordergründig zwei Grenzen gezogen: die geografische Ein grenzung der Untersuchung auf die Debatte in österreichischen Medien, die inhaltliche Eingrenzung auf die religiöse Beschneidung im Judentum. Die Arbeit stellt im ersten Kapitel die Beschneidung, ihre Geschichte, die Gründe für ihre Ausführung, rituelle Zusammenhänge und die weltweite Praxis vor. Das zweite Kapitel dominiert die Grundlegung der Beschnei dung in den abrahamitischen Religionen. In der Folge werden der rechtli che Rahmen der Beschneidung von nicht einwilligungsfähigen Jungen er örtert und die der Arbeit zugrunde liegende Untersuchungsmethode, die Kritische Diskursanalyse der Duisburger Schule, als eine auf Medienana lysen spezialisierte und auf den Diskursbegriff von Foucault, nach dem gesellschaftliche Wahrheiten im Rahmen von Diskursen entstehen, auf bauende Untersuchungsmethode, kurz vorgestellt. Die Grundlagen der Analyse werden in Kapitel 4 und medienrelevante Inhalte in Kapitel 5 vor gestellt. Den Abschluss der Arbeit bildet die Durchführung der Kritischen Diskursanalyse. Der Anhang stellt die für Analyse relevanten Grafiken und sonstige Daten zur Verfügung. Die leitende Forschungsfrage dieser Arbeit lautet: Welche Muster sind in der Berichterstattung ausgewählter österreichischer Medien im Kontext der Kölner Urteile und der Beschneidung von nicht-einwilligungsfähigen Knaben im Judentum in Österreich erkennbar? 14 Vgl. Franz 2014, 10. 20 1 Beschneidung In diesem Kapitel wird einleitend der Begriff der Beschneidung erläutert, indem die Geschichte der Beschneidung, Zusammenhänge, die sich über die Einbettung der Beschneidung in Ritualtheorien und Medizin ergeben, die weltweite Praxis und die unterschiedlichen Arten der Beschneidung vorgestellt werden. Die Beschneidung von Frauen ist in dieser Arbeit nicht Thema. Sie wird daher nur am Rande oder nur dort erwähnt, wo sich explizit ein inhaltlicher Zusammenhang mit der männlichen Be schneidung ergibt. 1.1 Beschneidung - Begriffsdefinition Beschneidung gilt als eine Form der Körpermodifikation, die „im Allge meinen zur Verschönerung im Sinne der kulturspezifischen Ästhetik“15 vorgenommen wurde und wird. Der medizinische Fachausdruck für die männliche Beschneidung, Zirkumzision, wird aus dem spätlateinischen Wort circumcisio, die Beschneidung, und dem lateinischen Verb circumcidere mit der Bedeutung von rings um-, ab-, beschneiden und caedere, das in Zusammensetzungen als cidere verwendet wird, und schneiden, stut zen, abhauen oder abschlagen bedeutet, abgeleitet. Die Beschneidung wird als „ringförmige Entfernung der Vorhaut des männlichen Gliedes“16 oder als „mehr oder weniger vollständige Entfernung der Vorhaut (Praeputium) des männlichen Gliedes“17 definiert. Religionswissenschaftlich gilt Beschneidung als ein Sammelbegriff für Operationen an Geschlechts teilen von Kindern und Jugendlichen.18 1.2 Geschichte der Beschneidung „Male circumcision is one o f the oldest surgical procedures known, traditionally undertaken as a mark o f cultural identity or religious importance."19 Die Beschneidung ist eine alte zivilisatorische Praxis, für die neben Zeug nissen des Alten Testaments, Hinweisen Herodots (5. Jhdt. vor Chr.), auch prähistorische Belege, wie weibliche Moorleichen aus der Jungsteinzeit 15 Greifeld 2003, 149. 16 Duden, URL. 17 Blaschke 1998, 2. 18 Vgl. Schuster 1998, 1354. 19 W HO 2007, 3. 21 und Bronzezeit und männliche Moorleichen aus der Bronze- und Kaiser zeit vorliegen.20 Ägyptische Mumien aus dem 3. Jahrhundert vor Chr. be zeugen die Verbreitung im antiken Orient.21 Das Relief einer ägyptischen Grabkammer in Sakkara (2345-2182 vor Chr.), das die Beschneidung von Erwachsenen darstellt, liefert die älteste Bildquelle und gibt damit dieser Körpermodifikation ein Zeugnis dieser Zeit.22 Die Beschneidung hat nicht nur im Orient, sondern auch in vielen Ethnien, wie zum Beispiel in Afrika (Subsahara), Australasien, bei den Mayas und Azteken in Amerika, auf den Philippinen, in Indonesien und verschiede nen pazifischen Inseln eine Jahrtausende alte Geschichte.23 Aufgrund des Vorkommens der Beschneidung in vielen unterschiedlichen Kulturen in vielen Teilen der Welt wird ein monophyletischer und polypolyphyletischer Ursprung diskutiert. Wurde die Beschneidung an einem Ort „erfun den“ und zum Beispiel durch Wanderungen in verschiedene Teile der Welt verbreitet, oder ist diese Praxis an verschiedenen Orten unabhängig voneinander entstanden? Ein polyphyletischer Ursprung gilt als wahr scheinlicher.24 1.3 Gründe für die Beschneidung Die Beschneidung der männlichen Vorhaut wird weltweit aus unter schiedlichen Gründen, die aus den Bereichen Religion, Medizin, Hygiene, Kultur, Sexualität, Ästhetik und Mode, auch mit teilweisen Überschnei dungen, resultieren, durchgeführt. Ein einziges oder auch mehrere Hauptmotiv(e) mit weltweiter Gültigkeit lässt/lassen sich nicht belegen.25 Sowohl soziale als auch religiöse Dimension und der ursprüngliche Grund der Beschneidung der Jahrtausende alten Praxis gelten als nicht eindeutig geklärt, die hygienische Begründung der Beschneidung ist je denfalls neuzeitlich.26 Das Vorhandensein vielfältiger unterschiedlicher Gründe aus denen die Beschneidung seit Jahrtausenden durchgeführt wird, weist auf ebenso unterschiedliche Bedeutungszusammenhänge die ser Praxis hin: die Vorbereitung auf die Sexualität, die Steigerung oder Minderung der sexuellen Lust, die Prävention von Übeln aus dem Ge schlechtsverkehr, Steigerung der Fruchtbarkeit, Erkennungszeichen von Stämmen, sozial exkludierende Unterscheidungsmerkmale von Klassen, 20 Vgl. Schuster 1998, 1354. 21 Vgl. Harwazinski 1999, 145. 22 Vgl. Gollaher 2002, 14; W HO 2007, 3. 23 Vgl. W HO 2007, 4. 24 Vgl. Blaschke 1998, 5. 25 Vgl. W ißmann 1980, 714. 26 Vgl. Stemberger 1996, 12; Gollaher 2002, 15-20. 22 Härtetests, Initiation, kultische Reinheit, Wiedergeburt, Opfer, Weihe, apotropäische27 Riten, Magie, symbolische Kastration und Inzestprophy laxe.28 Wie schon in der Einleitung zu diesem Kapitel erwähnt, wird in den folgenden Kapiteln die rituelle Dimension der Beschneidung, die Be schneidung aus medizinischen Gründen und ein Überblick über die Be schneidungspraxis weltweit vorgestellt (und damit aus Platzgründen nicht auf alle existierenden Themenfelder Bezug genommen). 1,4 Beschneidung - ein Ritual Da diese Arbeit das Thema der Beschneidung in einem religionswissen schaftlichen Kontext behandelt und die Beschneidung im Judentum (wie auch im Islam) aus einem religiös-rituellen Grund durchgeführt wird, wird im Folgenden auf die allgemeine rituelle Dimension der Beschnei dung eingegangen.29 Es wird zunächst einleitend der Begriff des Rituals erklärt, daran anschließend die Einbettung der Beschneidung, als Initiati onsritus, in Ritualtheorien und einige Formen der rituellen Beschneidung vorgestellt. Es gibt verschiedene Möglichkeiten oder Kriterien menschliches Verhal ten zu kategorisieren. Eine Möglichkeit besteht in der Unterscheidung zwischen spontanem und ritualisiertem, nach einem oder mehreren Ritual(en) erfolgendem, Verhalten. Ritualisiertes Verhalten beschreibt in ei nem allgemeinen Sinn wiederholte, gleichbleibende und regelmäßige Handlungen nach einer festgelegten Ordnung. Waren Rituale lange Zeit nur Gegenstand der Religionsforschung, so werden sie heute in vielen Disziplinen, wie zum Beispiel der Ethnologie oder der Psychologie, untersucht.30 Nicht nur aus diesem Grund, sondern auch aufgrund der zahlrei chen unterschiedlichen kulturspezifischen Erscheinungsformen von Ritu alen und wissenschaftlichen Forschungsschwerpunkten oder Forschungs interessen, ist es schwierig oder geradezu nicht möglich, eine einheitliche Definition für den Begriff von Ritualen anzubieten, und in den folgenden Kapiteln wird daher nur eine Auswahl Thema sein. 1.4.1 Das Ritual - Begriffsdefinition Das Wort „Ritual“ wird vom lateinischen „ritus“ mit der Bedeutung von „Sitte, Gebrauch“ bzw. von ritualis, »zum Ritus gehörig«, abgeleitet. Als Als apotropäische Riten gelten Schutzriten, die in diesem Zusammenhang z.B. Unheil, Dämonen abwehren (vgl. Blaschke 1998, 10). Vgl. Alabay 2012, 140-141 zit. in Moll 2014, 56; W ißmann 1980, 714-715. Die Beschneidung in den abrahamitischen Religionen ist in Kapitel 2 ausführli cher Thema. Vgl. Hödl 2003, 677. 23 27 28 29 30 etymologische Wurzeln werden das Sanskrit-Wort rta31 und das indoger manische Wort ri-32 diskutiert. In der Religionswissenschaft wird ein Ri tual im allgemeinen Sinn als „Abfolge von religiösen Handlungen, die zu bestimmten Gelegenheiten in gleicher oder ähnlicher Weise ausgeführt werden und deren Ablauf durch mündliche oder schriftliche Tradition festgelegt oder kodifiziert ist"33 bestimmt. Zu den Begriffen Ritus und Kult34 inhaltlich abgegrenzt, wird darunter auch zum Beispiel eine kom plexe Handlungssequenz nach einem logischen Funktionszusammen hang verstanden.35 1.4.2 Rituale und Ritualtheorien: eine Übersicht Seit dem 19. Jahrhundert sind Fragen nach Ursprung und Entstehung von Religionen Ausgang für die Erforschung der rituellen Dimension von Re ligion, und Ritualen wird in verschiedenen Theorien zur Forschungsfrage ein jeweils unterschiedlicher Stellenwert zuerkannt. Beispielhaft wird hier nur auf die Theorie des Totemismus von William Robertson Smith ver wiesen, die „eine am rituellen Handeln orientierte Genealogie der Religion"36 entwirft. Anhand von Ritualtheorien wird versucht, die unter schiedlichen Bedeutungen und Funktionen von Ritualen zu erklären und dabei funktionalistische, essentialistische und formalistische Ritualtheo- Das Sanskrit-W ort „rta" bedeutet „die auf Gesetzmäßigkeit und Regelmäßig keit beruhende, normale und deshalb richtige, natürliche und deshalb wiede rum wahre Struktur des kosmischen, weltlichen, menschlichen, rituellen Ge schehens" (Hödl 2003, 665). Das indogermanische „ri" bezeichnet einen Verlauf bzw. eine Handlungsab folge (vgl. Turner/Turner 1978, 243-244 zit. in Hödl 2003, 665). Hödl 2003, 664. Die W örter Ritus und Kult, die begrifflich der abendländisch-christlichen Tra dition entspringen, werden in der modernen Religionsforschung nicht einheit lich definiert. Nach Gladigow bezeichnet Ritus die kleinste Sinneinheit rituellen Handelns (vgl. Gladigow 1998, 443-444). In der katholischen Theologie findet das W ort Ritus „einerseits die Gesamtheit der rituellen Akte einer Denomina tion, andererseits die Gesamtheit der Akte einer Einheit ritueller Abläufe" Be deutung. Der Kult bezeichnet einzelne Akte direkt religiöser ritueller Abläufe (vgl. Hartmann 1886, 1 zit. in Hödl 2003, 666). Vgl. Hutter 2004, 547. Hödl 2003, 666. 24 31 32 33 34 35 36 rien entwickelt. Rituale werden nach Anlass, Motiven oder Komplexitäts grad in unterschiedliche Kategorien eingeteilt.37 Nach der phänomenolo gischen38 Einteilung von Ritualtypen von Catherine Bell, die sechs ver schiedene Grundtypen von Ritualen - Übergangsriten, kalendarischen Ri ten, kommunikative/kommutative Riten, Heilungsriten, Fasten/Festen und politische Rituale - nennt, ist das Ritual der Beschneidung als Initia tionsritus den Übergangsriten zuzuordnen.39 Aufgrund der weltweit sehr unterschiedlichen zeitlichen Ausprägung von sozialer und physiologi scher Pubertät, werden Initiationsriten in der Literatur meist von Puber tätsriten unterschieden. 1.4.3 Beschneidung - ein Übergangsritus Unter Übergangsriten oder »rites de passage«40 sind Riten zu verstehen, die zeitliche, räumliche oder soziale Übergänge begleiten, herbeiführen und kontrollieren und die der Kontrolle des sozialen Lebens dienen. Über gänge können den Wechsel von Lebenszyklen, Veränderungen der jewei ligen Gruppenzugehörigkeit wie Geburt, Initiation, Hochzeit, Tod, Alter, Familie oder Beruf bedeuten. Der Ablauf von Übergangsriten erfolgt (the oretisch) in drei Schritten und wird von jeweils drei Riten (oder auch Kombinationen davon) mit unterschiedlicher kulturspezifischer Ausprä gung begleitet: Trennungsriten (»rites de separation«) begleiten die Ablö sungsphase, Schwellen- oder Umwandlungsriten41 (»rites de marge«) die Schwellen- oder Umwandlungsphase und Angliederungsriten (»rites d'agregation«) begleiten die Integrationsphase.42 Das Beschneidungsritual als Initiationsritus kann, je nach dem Alter in es dem durchgeführt wird, unterschiedliche Bedeutung aufweisen und gilt manchmal als Zeichen für den Beginn der Kindheit, der Adoleszenz oder der Geschlechtsreife. „Ri tuelle Verwandtschaft“ findet die Beschneidung, die die Persönlichkeit ei nes Individuums auf eine für alle sichtbare Weise verändert, zum Beispiel im Herausziehen eines Zahnes (Australien), dem Abtrennen des letzten Gliedes des kleinen Fingers (Südafrika), dem Abschneiden des Ohrläpp 37 Vgl. Hödl 2003, 667-677. 38 Phänomenologie als Lehre von den im Bewusstsein erscheinenden Gegenstän den der W elt ist eine von Edmund Husserl entwickelte Hauptströmung der Phi losophie (Brockhaus - Die Enzyklopädie 1998, 81). 39 Bell 1992 zit. in Hödl 2003, 680. 40 Arnold van Gennep hat den Begriff »rites de passage« (franz. Übergangsriten) Anfang des 20. Jahrhunderts geprägt. 41 Schwellenriten beziehen sich auf einen Raumwechsel, Umwandlungsriten auf einen Zustandswechsel. 42 Vgl. Van Gennep 1999 zit. in Hödl 2003, 673; Van Gennep 1999, 21. 25 chens, oder dem Durchbohren von Ohrläppchen, Hymen oder Septum o der auch einem besonderen Haarschnitt, der der Hervorhebung dient: das Individuum wird mit einem Trennungsritus aus der undifferenzierten Menge gelöst und mithilfe einer unauslöschliche Spuren hinterlassenden Operation in eine spezielle Gruppe integriert. Für die Mutilation, als Mit tel dauerhafter Differenzierung, wurden vorrangig Körperteile und Or gane ausgewählt, die hervortreten und deren Beschaffenheit unterschied liche Manipulationen zulassen, ohne Leben oder Handlungsfähigkeit des Individuums zu gefährden.43 Wie bereits erwähnt, gibt es sehr unter schiedliche Forschungsansätze zu Ritualen. Beispielhaft wird hier noch auf Andreas Gotzmann verwiesen. Er ordnet die Beschneidung als reines Schwellenritual, dessen Bedeutung in der Verletzung gültiger Grenzen und Normen liegt, ein. „Sonst tunlichst Vermiedenes und Verbotenes wie eine Verstümmelung des Körpers unter Schmerzen und Gefahren wird zu einem positiven Zeichen der Bewährung.“44 Der Schmerz, der bei der Be schneidung erlitten wird, beweist die Entschlossenheit der Annahme der göttlichen Gebote und den Eintritt in die rituelle Gemeinschaft.45 1.4.4 Kategorien und Formen der rituellen Beschneidung Neben der Beschneidung im eigentlichen Sinn, bei der die Vorhaut ganz oder teilweise mit unterschiedlichen Operationstechniken abgeschnitten wird, unterscheidet46 man die Kategorie der Penisamputation47 von der Kastration48 und der Entmannung.49 Unter den Begriff der Beschneidung fallen auch verschiedene Operationspraktiken wie das Einreißen oder Ein schneiden der Vorhaut (Inzision), das Herausschneiden bestimmter Teile der Vorhaut, das Abbrennen oder Abklemmen der Vorhaut, die Mo norchie, die Durchtrennung des Bändchens zwischen Vorhaut und Penis und das Durchstechen des Penis.50 Manchmal werden im Zuge der Be schneidung auch noch andere Operationstechniken angewendet, wie zum Beispiel bei einigen arabischen Stämmen, die die Haut des Penis oder die Vgl. Van Gennep 1999, 76-77. Gotzmann 2014, 235. Vgl. Gotzmann 2014, 240. Vgl. Harwazinski 1999, 144. Penisamputation bedeutet die vollständige Entfernung des Penis. Unter Kastration wird die operative Entfernung der Keimdrüsen (bei Mann und/oder Frau) verstanden (vgl. Brockhaus - Die Enzyklopädie 1997, 561). Entmannung, hier als eigene Kategorie angeführt, wird teilweise synonym mit Kastration verwendet und bedeutet die operative Entfernung von Penis und Hoden (vgl. Brockhaus - Die Enzyklopädie 1997, 426). Vgl. Blaschke 1998, 2; Schuster 1998, 1354. 26 43 44 45 46 47 48 49 50 Haut des Hodensackes und des Schamhügels abschälen,51 oder die soge nannte Subinzision, die durch die Öffnung der Harnröhre vom Hodensack bis zur Eichel eine Ähnlichkeit mit einer weiblichen Vagina entstehen lässt, und heute noch bei Aborigines in Australien praktiziert wird.52 1.5 Beschneidung aus medizinischen Gründen Die Beschneidung von Männern (und Frauen), ältestes Rätsel in der Ge schichte der Chirurgie53 und zugleich einer der ältesten urologischen Eingriffe,54 wurde bzw. wird aus verschiedenen medizinischen Gründen durchgeführt. Obwohl die Vorhaut seit der Antike in Europa bis in 18. Jahrhundert als Quelle sexueller Lust erkannt wurde, erlebt diese mit der allgemeinen Pathologisierung von Sexualität und Masturbation, parallel zu allgemein existierenden religiösen Vorbehalten gegenüber Sexualität, im 19. Jahrhundert eine deutliche Abwertung. Die Vorhaut wurde als zur Masturbation verführender, (Geschlechts-) Krankheiten fördernder Ort der menschlichen Verunreinigung bewertet. Parallel dazu entwickelte sich eine, die religiös und moralisch begründete Ablehnung der Mastur bation stützende, medizinische Fachbegründung der Schädlichkeit von Masturbation, die diese als Auslöser von unterschiedlichen Krankheitsbil dern bewertet:55 Wachstumshemmung, Epilepsie, Ohnmachtsanfälle und Gonorrhoe.56 Bis Anfang des 20. Jahrhunderts galten in der Medizin auch Neurasthenie57, Onanie, verschiedene Geschlechtskrankheiten und Hygi ene als Indikationen für Beschneidungen. 1894 wurden insgesamt dafür sogar 29 unterschiedliche Indikationen festgestellt,58 die häufig auf Sexu alfeindlichkeit oder religiösen Vorschriften zur Praxis von Sexualität auf bauten. Vgl. Blaschke 1998, 2. Vgl. Aldeeb Abu-Sahlieh 2001, 9; Schuster 1998, 1354. Vgl. Gollaher 2002, 7. Neben dem Steinschnitt (zur Entfernung von Blasensteinen), der Punktion eines W asserbruches eines Hodens und dem Setzen eines Blasenkatheders durch die Harnröhre (vgl. Moll 2014, 52). Vgl. Pfnadschek 2011, 12-15. Umgangssprachlich Tripper bezeichnet, ist Gonorrhoe eine häufige sexuell übertragbare Krankheit. Neurasthenie war bis Anfang des 20. Jahrhunderts eine häufige Diagnose für Nervenschwäche, vergleichbar mit dem heutigen Burnout (vgl. Tholl 2014, URL). Vgl. Moll 2014, 53. 27 51 52 53 54 55 56 57 58 Die pathologische Phimose59 gilt heute in der Medizin als Hauptgrund60 für die Durchführung einer Beschneidung. Da die physiologische Phi mose bei ca. 90% der Jungen im Alter von sechs Monaten auftritt, sich meist bis zum Alter von fünf Jahren oder bis zur Pubertät löst61 bzw. auch durch Verwendung von steroidhaltigen Salben beseitigt werden kann, spielt bei der Entscheidung für/gegen eine operative Entfernung der Vor haut das Alter der Jungen eine wesentliche Rolle.62 Neben der Behandlung der Phimose wird der Eingriff auch zur Therapie von wiederkehrenden Entzündungen an Vorhaut und Eichel, der Ballon-Bildung an der Vorhaut beim Urinieren durch die Absperrung des Urin-Abflusses, von Entzün dungen der Harnwege, Schmerzen bei Versteifung des Gliedes aufgrund verengter Vorhaut oder einer Abschwächung bzw. Verdrehung des Harn strahles durch eine verengte Vorhaut in der Medizin durchgeführt.63 1.5.1 Der medizinische Eingriff Die Beschneidung wird nach den Richtlinien und allgemeinen medizini schen Standards in den meisten Fällen unter lokaler Betäubung oder Nar kose mit einem Federmesser oder Skalpell und im Wesentlichen mit zwei unterschiedlichen Operationstechniken64 durchgeführt: die chirurgische Zirkumzision und die Beschneidung mit speziell für die Beschneidung entwickelten Hilfsmitteln, der Gomco-Klemme oder der Plastibell-Methode. Bei der chirurgischen Zirkumzision wird zuerst die Vorhaut abgeklemmt. Das äußere und innere Vorhautblatt werden mit Schere oder Skalpell nacheinander entfernt und dann das Vorhautbändchen (Frenulum) durchtrennt. Die Vorhautblätter werden in der Folge vernäht. Die Blutstil lung erfolgt mittels Verödung durch Strom und abschließend wird ein weicher Verband am Penis angebracht. Diese Methode wird in Deutsch land hauptsächlich bei medizinischen Beschneidungen unter Vollnarkose angewendet. Phimose/Vorhautverengung bezeichnet die Verengung der Öffnung der Vor haut des Penis. In Großbritannien wurden z.B. im Zeitraum zwischen 1997 und 2003 90% der medizinisch begründeten Beschneidungen wegen Phimose durchgeführt (vgl. W HO 2007, 14). Nach dem 3. Lebensjahr steigt die Rate der Auflösung der physiologischen Phi mose bis auf 90%, bei 16- bis 17-jährigen Jugendlichen sogar bis 99% an (vgl. Janke 2012, URL). Vgl. Schäfer, Stehr 2014, 112; W HO 2007, 14. Vgl. Janke 2012, URL. Tatsächlich existieren allerdings mehr als hundert Operationstechniken (vgl. Moll 2014, 55). 28 59 60 61 62 63 64 Bei der Plastibell-Methode, die in den USA vor allem bei Neugeborenen und Säuglingen angewendet wird, wird zuerst unter die Vorhaut ein Plas tikring geschoben, mithilfe dessen zuerst die Vorhautverklebungen gelöst werden. Dann wird die Vorhaut mit einem Faden abgebunden und damit die Blutzufuhr gestoppt. Die Vorhaut stirbt in weiterer Folge ab. Bei dieser Methode gibt es keine Naht, die Wundränder verwachsen mit dem Penis.65 1.5.2 Vorteile, Nachteile, Risiken einer Beschneidung Als Vorteile einer Beschneidung von Männern werden hygienische Gründe, wie die einfacher durchzuführende Reinigung des Gliedes, und medizinische Gründe, wie die Verringerung der Gefahr von Entzündun gen der Harnwege und der durch Geschlechtsverkehr übertragenen Krankheiten genannt. Die meisten Studienergebnisse für präventive Be schneidungen gegen sexuell übertragbare Krankheiten werden als nicht eindeutig und damit nicht besonders aussagekräftig geschildert. Selbst die WHO empfiehlt die Beschneidung gegen HIV nur bei erwachsenen Männern in Gebieten mit hoher Aids-Ansteckungsgefahr.66 Nachteilig bzw. sogar als objektive Gewalt diagnostiziert der Mediziner Matthias Franz die Amputation der Vorhaut als „schwere irreversible hochschmerzhafte Körperverletzung der Intimzone", die verbunden ist mit erheblichen Risiken für physische und psychische Komplikationen und Langzeitrisiken bis hin zu einer langfristig beeinträchtigten sexuellen Empfindungsfähigkeit.67 Als Risikofaktoren einer Beschneidung gelten Blutungen, lokale Infektio nen, sekundäre Phimose durch Gewebsverhärtung nicht vollständig ent fernter Vorhaut, die Entfernung von zu viel Haut und die Verletzung von Eichel und Penisstamm bis hin zur Penis- (Teil-)Amputation, Harnsperre durch das Tragen des Verbandes, unzureichende Vorhautverkürzung, Verwachsung der verbleibenden Penishaut mit der Eichel, Schmerzen bei und nach der Zirkumzision bzw. deren Narben, Blasenbildung unter der verbleibenden Penishaut, allgemeine klassische Anästhesie- und Operati onsrisiken und Behandlungsfehler.68 Obwohl weltweit am häufigsten durchgeführt beträgt die Komplikationsrate dieses chirurgischen „Schnitts" zwischen 2 und 10%.69 Vgl. Schäfer, Stehr 2014, 113. Vgl. Schäfer, Stehr 2014, 114. Vgl. Franz 2014, 147. Vgl. Putzke 2014, 341; Pfnadschek, Prinz 2013, 168; Gluckmann, Stoller, Jacobs, Kogan 1995 zit. in Schäfer, Stehr 2014, 778f. Vgl. Williams, Kapila 1993 zit. in Schäfer, Stehr 2014, 115. 29 65 66 67 68 69 1.6 Beschneidung weltweit - ein Überblick Für einen Überblick über das weltweite „Vorkommen“ der Beschneidung, und um damit auch zu einem gewissen Teil die allgemeine Relevanz des Themas Beschneidung zu beleuchten, werden in diesem Kapitel die zah lenmäßige und die geografische Verbreitung der Beschneidung vorge stellt. Thematisiert wird auch das Alter der Personen, an denen Beschnei dungen durchgeführt werden, da dieses im Diskurs dieser Arbeit eine nicht unwesentliche Rolle spielt. 1.6.1 Beschneidung in Zahlen Für die Anzahl der weltweit durchgeführten Beschneidungen gibt es in der Literatur keine eindeutigen Angaben, unterschiedliche Quellen ver weisen auf unterschiedliche Zahlen. Ein möglicher Grund für diese Un schärfe ist, dass viele Beschneidungen nicht in Krankenhäusern durchge führt werden und damit für eine offizielle Statistik „nicht zur Verfügung stehen.“ Laut WHO sind/wurden 30 Prozent der Männer über 15 Jahre oder älter, das sind 661,5 Millionen Personen, an ihren Genitalien beschnitten - „of these, around two thirds (69%) are Muslim (living mainly in Asia, the Mid dle East and North Africa), 0,8% are Jewish and 13% are non-Muslim and non-Jewish men living in the United States of America.“70 Die Schätzung von Tim Hammond, dem Gründer der Anti-Beschneidungs-Organisation NOHARMM71, benennt die Anzahl der beschnittenen Männer, die heute leben, und als Kinder beschnitten wurden, mit 650 Millionen. Dies ent spricht einer jährlichen „Beschneidungsrate“ von 13 Millionen Buben.72 Auf eine völlig gleiche Anzahl von jährlich beschnittenen Männern ver weist auch Aldeeb Abu-Sahlieh für das Jahr 1996. 73 Wolfram Höfling, Mit glied des Deutschen Ethikrates, spricht von 1,5 Milliarden beschnittenen Männern weltweit.74 W HO & UNAIDS 2007, 7, URL. NOHARMM (National Organization to Halt the Abuse and Routine Mutilation of Males) ist eine amerikanische Gesundheits- und Menschenrechtsorganisa tion mit dem Selbstverständnis: „NOHARMM is a men's organization promoting research into adverse outcomes to m en's health from circumcision; education to and activism by men on this issue; as well as litigation to advance human rights“ (Noharmm, URL). Vgl. Lightfoot-Klein 2003, 153. Vgl. Aldeeb Abu-Sahlieh 2001, 12. Vgl. Rath 2012, URL. 30 70 71 72 73 74 Die folgenden zwei Tabellen75 stellen die WHO-Zahlen zur Beschneidung von über 15-Jährigen76 weltweit in einen übersichtlichen Rahmen. Abbildung 1 zeigt die erhobenen Daten zur Beschneidung von Männern über 15 Jahren oder älter ohne religiöse Begründung im Verhältnis zur Gesamtanzahl der beschnittenen Männer in den einzelnen Ländern. Land Männliche Bevölkerung älter als 15 Jahre A nz ah l* Nicht muslimisch oder jüdisch % Anzahl* %-Beschnitten Anzahl* Be schnitten Angola 3.4 99,0 3.4 90 3,1 Äthiopien 20.92 55,0 11.5 92 10.6 Australien 8.5 98,5 7.9 59 4.7 Ghana 5.61 84.4 4.7 85 4.0 Indonesien 84.98 12.0 10.2 25 2.5 Kanada 11.79 96,9 11.4 30 3.4 Kenia 9.99 93.0 9.3 83 7.7 Kongo 16.23 90,0 14.6 90 13,1 Korea 19.71 100.0 19.7 60 11.8 Madagaskar 4.24 90.0 3.8 98 3.7 Nigeria 35.23 50,0 17.6 90 15.9 Philippinen 28.75 95.0 27.3 90 24.6 Süd-Afrika 14.87 98.5 14.6 35 5.1 Tansania 9.84 65.0 6.4 58 3.7 Uganda 6.94 85.0 5.9 14 0.8 Alle W HO-Tabellen wurden aus dem Englischen übersetzt. Abbildung 1 ent sprechend der Übersetzung (Ländernamen) neu „geordnet". Die Zahlen basieren auf der Annahme, dass muslimische und jüdische Männer zu 100% beschnitten sind, und auf offiziellen Datenerhebungen zu Demografie und Gesundheit, sowie anderen Quellen (vgl. W HO 2007, 7). 31 75 76 UK 24.22 97.3 23.6 6 1.4 USA 115.56 98.0 113.2 75 84.9 A bb ild u ng 1: B eschneid u ng aus n ich t-relig iösen G rü nd en bei M ännern über 15 Jahren .77 Abbildung 2 zeigt eine Übersicht über die von der WHO erhobenen Zah len zur Beschneidung weltweit. Häufigkeit in % Anzahl Beschnitten * %-Beschnitten weltweit Religiöse Beschneidung Muslime 100 455,0 68,8 Juden 100 5,3 0,8 Nicht-religiöse Beschneidung USA 75 84,9 12,8 Andere Länder** 61 116,3 17,6 Global Total 30 661,5 100 A bb ild u ng 2: B eschneid u ng v o n M än n ern über 15 Jahre w eltw eit.78 Gemäß dem WHO-Bericht aus dem Jahr 2010 sind erwachsene Männer in den USA mit einer Quote von 79%, in Australien mit 59% und in Großbri tannien mit 16% beschnitten, während in Dänemark 1,5% und in Slowe nien 4,5% der Männer beschnitten sind.79 In Deutschland und Österreich werden heute ca. 10% der (jungen) Männer beschnitten.80 77 W HO & UNAIDS 2007, 8. Angabe in M illionen. 78 W HO & UNAIDS 2007, 8. Angabe in Millionen. Enthält die Länder aus Abbil dung 1. 79 W HO 2010, 9, URL. 80 Vgl. Moll 2014, 53. 32 1.6.2 „Geografie" der Beschneidung von Jungen und Männern Männliche Beschneidung findet beinahe weltweit statt, ausgenommen sind nichtsemitische Völker Asiens, Indogermanen, Babylonier und Assyrer.81 Als regionale Schwerpunkte sind Nordafrika, weite Teile Westafri kas, der Mittlere Osten, Zentralasien, Teile Südostasiens sowie für die in dustrialisierten Länder die USA und Israel feststellbar.82 A bb ild u ng 3: V erb reitu n g der m än nlichen B eschneid u ng w eltw eit nach L änd ern .83 keine Daten , Häufigkeit < 20% , 20%-80%», >80% Häufigkeit * . 1.6.3 Der „Zeitpunkt" der männlichen Beschneidung Das Alter, in dem Knaben oder Männer typischer beschnitten werden, ist weltweit sehr unterschiedlich, wie Abbildung 4 deutlich zeigt. Die alters bezogenen Unterschiede ergeben sich zum einen Teil aus den Gründen, aus denen die Beschneidung durchgeführt wird und zu einem anderen Teil aus regionalen Traditionen und Bräuchen. Während in den USA die Beschneidung von Neugeborenen als Routineeingriff praktiziert wird,84 81 Vgl. Blaschke 1998, 5. 82 Vgl. Abbildung 3. 83 W HO & UNAIDS 2007, 9. 84 Vgl. W HO 2010, 27, URL; Harwazinski 1999, 144. 33 sind weltweit betrachtet medizinisch indizierte Beschneidungen bei Neu geborenen nicht die Regel, werden aber bis zur Pubertät durchgeführt. Das Alter der Beschneidung von Knaben aus religiösen Gründen variiert vor allem im Islam85 stark, der im Gegensatz zum Judentum, keinen kon kreten Zeitpunkt „vorschreibt.“ Häufigstes Alter Niedrig (<20%) Mittel (20-80%) Hoch (80%) Neugeborene (<1 Jahr) Jamaika Neuseeland UK Australien Kanada Ghana, Israel, Kuwait, Nigeria (Christen), O man, Katar, Saudi Ara bien, Arabische Emi rate, USA Kinder (1-11 Jahre) Niederlande Norwegen Sambia Schweden Korea Namibia Malaysia Benin, Burkina Faso, Union der Komoren, Elfenbeinküste, Gam bia, Indonesien, Iran, Marokko, Niger, Nigeria (Muslime), Pa kistan, Philippinen, Senegal, Türkei Erwachsene (12-20 Jahre) Swaziland Südafrika Tansania Uganda Kenia Vanuatu A bb ild u ng 4: Typ isch es A lter der B eschneid u ng bei M ännern n ach L änd ern und V erb reitu n g der m än nlichen B eschneid u ng .86 85 Siehe dazu: Kapitel 2.3. 86 W HO 2010, 28. 34 2 Beschneidung - Begriffsdefinition Im ersten Kapitel dieser Arbeit wurden die Geschichte, mögliche kultu relle und religiöse Gründe, rituelle Zusammenhänge und die weltweite Praxis der männlichen Beschneidung vorgestellt. In diesem Kapitel wird darauf aufbauend die Beschneidung aus religiösen Gründen in den abrahamitischen87 Religionen thematisiert. Um sich der religiösen Beschnei dung im Judentum, als Kernthema dieser Arbeit, inhaltlich zu nähern, wird vor einleitend die Geschichte der Beschneidung im Judentum und im Christentum, das Ritual der Beschneidung im Islam und im Judentum vorgestellt und in einem kurzen Exkurs auf das historische Konfliktpoten tial der Beschneidung im Judentum, in seiner Ausprägung als Antisemi tismus, Bezug genommen. Betrachtet man die religiösen Traditionen der Menschheit, so wird das Ri tual der religiös begründeten Beschneidung in den abrahamitischen Reli gionen heute noch im Judentum und im Islam praktiziert. Christentum, Judentum und Islam bilden „aus religionswissenschaftlicher Sicht ein un tereinander eng vernetztes System“, deren Verbundenheit in der mosai schen Religion des Alten Israel bzw. deren „literarischem“ Hauptwerk, der Tora, wurzelt.88 Die drei abrahamitischen Religionen weisen dabei auch Gemeinsamkeiten in der Tradition der Beschneidung, die auch wich tigster Streitpunkt bei der Herausbildung des Urchristentums aus dem Ju dentum wird,89 auf. Die WHO geht, basierend auf den religiösen Vor schriften von Judentum und Islam zur männlichen Beschneidung, heute von einer jeweils 100-Prozentigen Beschneidungsrate von jüdischen und muslimischen Männern aus.90 2.1 Geschichte der Beschneidung im Judentum Dass die Beschneidung bereits bei den Ägyptern, Kolchiern und Äthiopi ern eine übliche91 Praxis war und später von Israel übernommen wurde92 ist mehrfach, auch in ägyptischen Texten des 2. Jahrtausend vor Chr.93, belegt: „Die Beschneidung der männlichen Vorhaut teilte Israel als Brauch 87 Als abrahamitische Religionen werden die monotheistischen Religionen Chris tentum, Judentum und Islam, die sich - trotz Streitigkeiten über ihn - auf Ab raham berufen, bezeichnet (vgl. Khoury 1998, 78). 88 Vgl. Schmitz 2009, 13. 89 Vgl. Blaschke 1998, 1. 90 Vgl. W HO & UNAIDS 2007, 7, URL, bzw. siehe dazu auch unter Kapitel 1.6. 91 Es wird aber auch auf unbeschnittene Völker, zum Beispiel die Philister, Ostse miten, Sidonier und die Bewohner Sichems, verwiesen (vgl. Betz 1980, 716). 92 Vgl. Herodot II, 104,1-3 zit. in Betz 1980, 716. 93 Vgl. Betz 1980, 716. 35 mit den meisten seiner Nachbarn."94 Für Ursprung und Entstehung der Beschneidung hier gibt es unterschiedliche Theorien: Initiationsritus von Stämmen, Zeichen der Zugehörigkeit zu einer ethnischen Gruppe, Schutz vor Wut und Bösartigkeit von Göttern und männliche Fruchtbarkeitsrituale.95 Durchgeführt wurde die Beschneidung in dieser Zeit vom Vater o der auch einem Arzt am 8. Tag nach der Geburt eines Säuglings. Sklaven, die nur als Beschnittene am Passafest teilnehmen durften,96 wurden als Erwachsene beschnitten. Die rituelle Entwicklung der Beschneidung in dieser Zeit lässt sich von einem ursprünglich apotropäischen Ritus zu ei nem Merkmal der Gruppenzugehörigkeit und zu einem Reinigungs- und Weiheakt nachzeichnen. Erst nachexilisch wird die Beschneidung als Zei chen der Zugehörigkeit zum Gott Israels und als Unterscheidungsmerk mal gegenüber den Babyloniern erkennbar bzw. unter hellenistisch-römi scher Ägide distinktives Merkmal, Zeichen der Gesetzestreue und Treue zum Gottesbund. Als eine von Gott verordnete Schutzmaßnahme (gegen Heiden) wird das Ritual der Beschneidung auch zeitweise mit Verboten (Antiochus IV. Epiphanes, Hadrian) belegt. Außerdem gibt es Hinweise auf Zwangsbeschneidungen97 und das Rückgängigmachen der Beschnei dung vom damaligen Reformjudentum (I Mak 1,15).98 Die Beschneidung wird vom Vater, dem Gericht oder dem Betroffenen selbst99 vollzogen, als Fest, das auch den Shabbat verdrängt, gefeiert und „mit Freuden auf sich genommen."100 Bei Krankheit des Kindes ist mitun ter Aufschub, in speziellen Fällen, zum Beispiel der Bluterkrankheit, auch Entfall möglich. Die Beschneidung erlebt eine starke inhaltliche Erhö hung, sie gilt nun nicht nur als Zeichen des Bundes, Siegel Abrahams am Fleisch, sondern sie ist auch Bedingung für den Eintritt in den Bund Got tes mit Abraham und verpflichtet zur Tora. Während die Durchführung der Beschneidung im Lauf der Jahrhunderte zivilisatorischem Wandel, zum Beispiel neuen medizinischen Erkenntnis sen, unterliegt, werden auch Notwendigkeit und Bedeutung des Rituals im Laufe der Zeit und vor allem innerhalb des (Reform-) Judentums im- 94 Jer 9,24f; Ez 32,29 zit. in Sanders 1998, 1355. 95 Vgl. The New Encyclopaedia of Judaism 2002, 172. 96 Ex 12,43 - 49P. 97 I Makk 2,46. 98 Vgl. Betz 1980, 717-718; Goldenberg 1998, 1358. 99 bQid 29a. 100 bShab 130a. 36 mer wieder diskutiert. Die Beschneidung als Bundeszeichen und gemein schaftsbildender Faktor erfährt durchgehende Anerkennung101 und ist ei nes der wichtigsten Kennzeichen religiöser und späterer nationaler israe litisch-jüdischer Identität und Hauptkritikpunkt paganer Sicht auf das Ju dentum. 2,2 Geschichte der Beschneidung im Christentum Mit dem Auftreten von Jesus, der im Hintergrund von allgemeinen Bußund Erneuerungsbewegungen der Zeit, die häufig „die Auslegung und das Tun des wirklichen Willens Gottes“102 thematisieren, zu betrachten ist, formiert sich aus dem damaligen Judentum in Jerusalem in mehreren Etappen und unter beträchtlichen Schwierigkeiten das Urchristentum. Die Urgemeinde, für die neben der Apostelgeschichte nur sehr wenige historische Quellen vorliegen, bestand aus Juden, Heiden, Männern, Frauen, Herren und Sklaven (vgl. Gal 3,28) und einte sich vor allem im neuen Glauben, auch an die Heilserwartung, und über die Taufe zu Gottes Volk. Neben der von den ersten Christen propagierten Überzeugung, dass Gott selbst den verurteilten und hingerichteten Jesus als Messias aner kennt, bergen im Rahmen der urchristlichen Gemeindebildung die Orga nisation des Zusammenlebens von Judenchristen und Heidenchristen, die vorgeschriebene Treue zu dem von Moses geerbten Gesetz und die im Ju dentum gebotene Beschneidung Sprengkraft in der ursprünglich in der Tora geeinten Glaubens- und Lebensgemeinschaft Israels. Schlagend ent schieden wurde der Zwang oder dessen Aufhebung zur Gesetzestreue und zur Beschneidung am Apostelkonzil, das vermutlich 48 nach Chr. in Jerusalem stattfand und an dem das Verhältnis zwischen Judenchristen und Heidenchristen bestimmt werden sollte. Hauptakteure dieses Konzils mit weitreichenden Folgen waren die Urapostel Jakobus, Petrus und Jo hannes und auch Paulus, der aus der Diaspora stammende Pharisäer als einer der wichtigsten urchristlichen Missionare. Der am Apostelkonzil ge fasste Entschluss, dass die gesetzesfreie Verkündigung des Evangeliums erlaubt und Heiden der Zutritt zur Gemeinde möglich wird, ohne Gesetz und Beschneidung übernehmen zu müssen, führte zum Bruch und zur Trennung und in weiterer Folge zur Entstehung von Judentum und Chris tentum als zwei verschiedenen Religionsgemeinschaften. Für das Juden tum stellte sich damals der Verzicht auf das Gesetz als eine nicht tolerier 101 Maimonides, More III,49; Josef Albo, Ikkarim 4,45 zit. in Dexinger 1980, 723. 102 Vögtle 1989, 12. 37 bare Neuerung und daher eine Trennung als Notwendigkeit dar. Für Ju denchristen und Heidenchristen war nach dem Apostelkonzil bzw. des sen Bestimmungen die „grenzenlose“ Mission möglich.103 Das Ritual der Beschneidung wird in der christlichen Religion durch das Ritual der Taufe „ersetzt“ und vom Apostel Paulus abgeschafft,104 der Fei ertag der „Beschneidung des Herrn“ als katholischer Feiertag erst mit dem 2. Vatikanischen Konzil im Jahr 1962. Heute wird die Beschneidung noch von altorientalischen christlichen Kirchen in Ägypten und dem Sudan, so wie Orthodoxen in Äthiopien und Eritrea,105 aber auch von westlichen Christen, vorrangig in den USA, praktiziert. 2.3 Beschneidung im Islam Auch in Arabien konnten verschiedene Beschneidungspraktiken bereits vorislamisch Fuß fassen.106 Nach unterschiedlichen Quellen wird der Pro phet Mohammed, wie auch Moses, als bereits beschnitten Geborener bzw. auch als am siebenten Tag nach der Geburt Beschnittener beschrieben. Dass Mohammed die männliche Beschneidung als Glaubensgebot be trachtet hat, ist nicht eindeutig belegt. Einige Überlieferungen lassen ihn das Ritual als positiv aufgreifen, wie z.B. „Jeder, der ein Moslem werden will, muss beschnitten werden, auch wenn er schon alt ist“ und ihn sie als Fitra, „als ein Maß der persönlichen Reinheit, in der die geistige und kör perliche Gesundheit eines Mannes zum Ausdruck kommt“, vorschreiben. Ebenso wird die Beschneidung als von Allah ursprünglich zur Perfektio nierung des Menschen vorgesehen überliefert. Oder als nötig, um die Vor haut als Ort der Ansammlung von Verunreinigungen, die dazu führt, dass Allah für die Gebete von Unbeschnittenen und dadurch Unreinen taub werde. Oder auch in der Form, dass ein Unbeschnittener kein Erziehungs recht innehabe. In der islamischen Welt herrschte nach Gollaher Überein stimmung, dass Unbeschnittenheit einen Mann zu einem Bürger zweiter Klasse werden lasse.107 Im Koran, der Offenbarungsschrift des Islam, findet die Beschneidung (arab. hitan, türkisch sünnet), weder männliche noch weibliche, keine konkrete Erwähnung und es existiert darin dafür auch kein Gebot. Die Legitimation der Beschneidung von Männern wird im Islam im Rahmen 103 Vgl. Lohse, Vögtle 1989, 25-44; Apg 15; Gal 2. 104 Röm 2,29. 105 Vgl. Pfnadschek, Prinz 2013, 169-170. 106 Vgl. Rebstock 1998, 1358. 107 Vgl. Gollaher 2002, 66-70. 38 der Interpretation der Sure 2,124108 gefunden, nach der Gott Abraham ne ben anderen Befehlen auch den Befehl zur Beschneidung erteilt haben soll. Weil Abraham im Islam als Vorbild für die Menschen und alle gläubigen Moslems gilt, ist es gemäß der Suren 16,123109 und Sure 3,95110 die Pflicht der Gläubigen Abraham zu folgen. Die Beschneidung unter Berufung auf Abraham findet im Islam zudem in der Regel, nach der alle Normen, die Propheten vor Mohammad offenbart worden sind, solange Gültigkeit ha ben, solange sie nicht ausdrücklich außer Kraft gesetzt werden, Bestäti gung und Legitimation.111 Neben der oben genannten Ableitung der „Pflicht" zur Beschneidung aus dem Koran, ist die Verankerung der Beschneidung in der Tradition, den Hadithen112 und im Ritualrecht113 des Islams für die muslimische Glau bensgemeinschaft relevant.114 Die Beschneidung ist im Islam keine abso lute religiöse Pflicht, sie stellt kein Gebot für Gläubige dar, sondern wirkt in der religiösen Praxis als Glaubensritual. Nach dem islamischen Rechts system115 gilt die Beschneidung als „empfohlene" Handlung.116 Sure 2,124: Und als Abraham von seinem Herrn durch Gebote, die er erfüllte, geprüft ward, sprach Er: »Siehe, Ich mache dich zu einem Imam für die Men schen. « Er sprach: »Und von meiner Nachkommenschaft? « Er sprach: »Meinen Bund erlangen nicht die Ungerechten. « Sure 16,123: Alsdann offenbarten Wir dir: »Folge der Religion Abrahams, des Lautern im Glauben, der kein Götzendiener war. « Sure 3,95: Sprich: Gott sagt die Wahrheit. So folgt der Glaubensrichtung Abra hams, als Anhänger des reinen Glaubens, und er gehörte nicht zu den Polythe isten. Vgl. Harwazinski 1999, 146. Hadithe (arab. Mitteilung, Erzählung) umfassen die dem Propheten Moham med zugeschriebenen Aussprüche und Regeln zu unterschiedlichen Fragen des Lebens (Der Brockhaus der Religionen 2007, 230), die nicht im Koran enthalten sind. Sie gelten als kanonisch, die Autorität der Inhalte ist durch die ihnen vor gestellten Gewährsmännerketten (isnad) gesichert (vgl. Radtke 1998, 258-259; Prenner 2001, 325). In einigen Gebieten des Islam ist auch die Mädchenbeschneidung als »Entfer nung eines kleinen Hautstückchens der äußersten [weiblichen] Genitalteile« in der Ritualkultur verankert (vgl. Rebstock 1998, 1358). Vgl. Rebstock 1998, 1358. Das islamische Rechtssystem regelt neben der religiösen Pflicht der Glaubens gemeinschaft („Fünf Säulen des Islam "), das Familien-, Erb-, Eigentums- und Vertragsrecht, sowie das Straf- und Prozessrecht, Kultvorschriften, Normen der Sozialethik und Regeln der Hygiene. Vgl. Prenner 2003, 445; BR 2007, 289. 39 108 109 110 111 112 113 114 115 116 Menschliche Handlungen werden nach dem Grad der Gottgefälligkeit im islamischen Recht in erlaubt (halal) und verboten (haram) eingeteilt. Er laubte Handlungen werden nach ethisch-rechtlichen Kriterien in vier wei tere Kategorien eingeteilt: obligatorisch, empfohlen (im Sinne von Gott be sonders gefällig, aber nicht obligatorisch), erlaubt (im Sinne von rechtlich zulässig) und zu missbilligen (im Sinne von Gott nicht gefällig, jedoch rechtlich noch zulässig und gültig). Durchgesetzt wird das Rechtssystem von zwei Instanzen, dem Richter (qadi) und dem Rechtsgutachter (mufti) und nach vier unterschiedlichen Rechtsschulen (Malakiten, Hanbaliten, Schafiiten, Hanafiten) gedeutet.117 Die unterschiedlichen Schulen lassen auch unterschiedliche Interpretationen des Ausmaßes der Pflicht für die Beschneidung zu, die allerdings in dieser Arbeit aus Platzgründen nicht thematisiert werden. Die Beschneidung als Fitra bzw. die damit verbundenen Bedingungen sind in Kapitel 72, Nr. 19 in den Hadithen festgehalten. „Zu der natürlichen Veranlagung eines Menschen (Fitra) gehören fü n f Dinge: Die Beschneidung, das Abrasieren der Schamhaare, das Abzupfen der Achselhaare und das Kurzschneiden der Finger- und Fußnägel."118 Teile dieser Zusammenstellung bzw. die Anordnung der Fitra-Bedingungen könnten aus heutiger Sicht durchaus auch an Vorschriften für allge meine hygienische Maßnahmen einer Zeit mit konträren medizinischen Standards, denn an tiefgehende religiöse Rituale, erinnern. Traditionell erfolgt die Deutung der Beschneidung im Islam nach dem Reinheitsgebot (tahara).119 Anders als im Judentum ist im Islam der Ter min für die männliche Beschneidung nicht konkret festgelegt oder vorge schrieben. Für das Alter, in dem die Beschneidung durchzuführen ist, fin den sich in der Literatur unterschiedliche Angaben, wie zwischen dem 7. und dem 10. Lebensjahr120, zwischen dem 3. Tag nach der Geburt bis nach dem 15. Lebensjahr121, sieben Tage nach der Geburt oder im Alter von neun Jahren oder noch später.122 Auch die Art der Beschneidung ist im Islam nicht einheitlich geregelt und es existiert eine relativ große Bandbreite von Möglichkeiten, die von ei 117 Vgl. Prenner 2003, 445; Krawietz 2001, 263. 118 Hadithe, URL. 119 Vgl. Rebstock 1998, 1358; Harwazinski 1999, 145. 120 Vgl. Prenner 2001, 325. 121 Vgl. Rebstock 1998, 1358. 122 Vgl. Tworuschka, Tworuschka 2007, 44. 40 nem symbolischen Schnitt, der Totalenthäutung des Penis bis zur Infibulation123 reichen.124 Durchgeführt wird sie von einem Arzt oder einem aus gebildeten Beschneider. Durch die Beschneidung wird man vollwertiges Mitglied der Glaubens gemeinde, es erfolgt damit die Aufnahme in die Umma. Die Beschneidung ist somit ein Aufnahmeritus, wird aber auch als Übergangsritus, den Übergang eines Knaben in die Männerwelt begleitend, dargestellt. Be schneidungen werden regional sehr unterschiedlich, aber häufig mit gro ßen, aufwändigen Festen mit öffentlichem Charakter unter Einbindung der gesamten Lebensgemeinschaft gefeiert. Aufgrund der hohen Kosten, die diese Feierlichkeiten verursachen, gibt es oftmals auch nur ein Be schneidungsfest für mehrere Knaben. Neben einem Festkleid erhalten die Knaben Geschenke und werden von den eingeladenen Männern in einer Prozession durch die Stadt geführt.125 2.4 Beschneidung im Judentum „[Wäre] nicht das Bündnisblut, würden Himmel und Erde nicht beste hen, wie es heißt: wenn nicht mein Bündnis Tag und Nacht [bestünde], so würde ich die Ordnungen von Himmel und Erde nicht gesetzt haben."126 Die Beschneidung gründet im Judentum127 religionsrechtlich auf Texten der Tora, neben Gen 24-25, Gen 34 und Ex 4 insbesondere im Gebot Gottes an Abraham in Gen 17:128 Gen 17,9 Und Gott sprach zu Abraham: Du aber halte meinen Bund, du und deine Nachkommen, Generation um Generation. Infibulation ist auch unter dem Begriff „pharaonische Beschneidung" bekannt. Diese Technik bedeutet die teilweise Verschließung der männlichen (oder weib lichen) Genitalöffnung. Vgl. Rebstock 1998, 1358. Vgl. Prenner 2001, 325; Tworuschka, Tworuschka 2007, 44; Rebstock 1998, 1358. bShab 137b. Judentum ist eine Bezeichnung sowohl für die jüdische Religion als auch für „eine auf sie gründende, sich aber nicht mehr religiös definierende kulturell gesellschaftliche Größe [...] verstanden als Kulturnation." (Dexinger 2003, 395) In der vorliegenden Arbeit findet der Begriff als Religionsbezeichnung Verwen dung. Vgl. The New Encyclopaedia of Judaism 2002, 172. 41 123 124 125 126 127 128 Gen. 17,10 Das ist mein Bund zwischen mir und euch samt deinen Nach kommen, den ihr halten sollt: Alles, was männlich ist unter euch, muss beschnitten werden. Gen. 17,11 Am Fleisch eurer Vorhaut müsst ihr euch beschneiden lassen. Das soll geschehen zum Zeichen des Bundes zwischen mir und euch. Gen. 17,12 Alle männlichen Kinder bei euch müssen, sobald sie acht Tage alt sind, beschnitten werden in jeder eurer Generationen, seien sie im Haus geboren oder um Geld von irgendeinem Fremden erworben, der nicht von dir abstammt. Gen. 17, 13 Beschnitten muss sein der in deinem Haus Geborene und der um Geld Erworbene. So soll mein Bund, dessen Zeichen ihr an eurem Fleisch tragt, ein ewiger Bund sein. Gen. 17, 14 Ein Unbeschnittener, eine männliche Person, die am Fleisch ihrer Vorhaut nicht beschnitten ist, soll aus ihrem Stammesverband aus gemerzt werden. Er hat meinen Bund gebrochen.129 Die Brit Mila oder Berit Milah (hebräisch Beschneidung) als wichtiger äu ßerlicher Unterschied zwischen Juden und Christen130 steht, sowohl für Juden als auch für Nicht-Juden symbolisch für die Zugehörigkeit zum Ju dentum. Sie gilt häufig als von absolut zentraler Bedeutung, als eines der wichtigsten Gebote im Judentum und steht in der Wertigkeit „über“ dem Shabbat als Feiertag.131 Wird jedes Kind durch die Geburt von einer jüdi schen Mutter132 automatisch Jude bzw. Jüdin, ist die Beschneidung für Knaben sichtbares Zeichen für die besondere Bindung Abrahams mit Gott, dem Bundespartner, und Gott und den Juden. Sie ist zentrales Ele ment und Bundeszeichen133 in der jüdischen Religionsgemeinschaft. „Die Beschneidung jüdischer neugeborener Jungen gehört zum Wesen des Judentums, markiert den Eintritt in die jüdische Gemeinschaft und Bibel in der Einheitsübersetzung, URL. Vgl. NLJ Jahr, 115. Vgl. Kramer 2012, URL. Im 1. Jahrhundert war dafür der jüdische Vater wichtiger als die jüdische Mut ter (vgl. Stemberger 1996, 11). Der Bund, als partnerschaftliche Verpflichtung zwischen Gott und Mensch, wird durch die Beschneidung von männlichen Nachkommen am achten Tag nach der Geburt und die Einhaltung des Ruhetages für alle Lebewesen, des Shabbats, wirksam und erneuert. Die „Bundesidee“ (hebräisch: Brit) ist einer der wichtigsten Grundpfeiler des Judentums. (vgl. Much 1997, 30-31) Shabbat und Beschneidung gemeinsam sind die Zeichen des Bundes. 129 130 131 132 133 42 symbolisiert den Bund zwischen Gott und Abraham bzw. zwischen Gott und den Juden. Das Gebot ist fü r Juden bindend."134 Die Beschneidung von Jungen erfolgt im Judentum verpflichtend am ach ten Tag nach der Geburt.135 Weibliche Nachkommen werden nicht be schnitten. Parallel zur Beschneidung erfolgt auch die Namensgebung. Die Beschneidung ist kein Aufnahmeakt, denn in die jüdische Gemeinschaft wird man durch die Entbindung bzw. durch die Geburt von einer jüdi schen Mutter aufgenommen, ist aber dennoch als Aufnahmeritus für Kna ben und Männer (bei einem formellen Übertritt) verpflichtend.136 Mit der Beschneidung wird der Bund Gottes mit dem jüdischen Volk, der für jedes Mitglied der Gemeinde gilt, aktualisiert. Die Vollmitgliedschaft in die jüdische Gemeinde erhalten jüdische Kinder auf jeden Fall mit 13 Jahren nach der Grundlage in „Mit dreizehn zu den Geboten"137 und zäh len dann auch für den Minjan.138 Rituell findet die religiöse Volljährigkeit durch die bar-mizwa (bei Jungen) und die bat-mizwa (bei Mädchen)139 Ausdruck.140 Das Gebot der Beschneidung ist bei religiösen Juden nach wie vor aner kannt, und wird auch von säkularisierten Juden befolgt. Nur im Reformju dentum wird die Beschneidung von Erwachsenen seit 1892 nicht mehr gefordert.141 Nach Dexinger ist die Beschneidung zudem als persönlich jü disch-religiöser Ritus Bestandteil der civil religion des Staates Israel, mit starker bewusstseinsbildender und staatstragender Funktion.142 134 Kramer 2012, URL. 135 Ausgenommen von dieser Verpflichtung sind Säuglinge, deren Gesundheits zustand am 8. Tag nach der Geburt keine Beschneidung zulässt, z.B. Frühchen. In Familien, in denen bereits zwei Knaben an den Folgen der Beschneidung ver storben sind, müssen weitere männliche Nachkommen nicht mehr beschnitten werden (vgl. The New Encyclopaedia of Judaism 2002, 173; Deusel 2012, 36). 136 Vgl. Dexinger 2003, 401. 137 Abot 5,21. 138 Minjan bezeichnet eine Gruppe von mindestens zehn jüdischen Männern, die die Anwesenheit der jüdischen Gemeinde bei offiziellen religiösen Akten „sym bolisiert" auch die für einen Gemeinschaftsgottesdienst erforderliche M in destanzahl von Männern bedeutet (vgl. Stemberger 1996, 13 und 54 , Glossary vii). 139 Bei Mädchen gelten die Gelübde ab 12 Jahren und einem Tag, bei Jungen gilt das 13. Lebensjahr als Übergangsphase und die Gelübde gelten jedenfalls ab 13 Jahren und einem Tag (vgl. Stemberger 1996, 54). 140 Vgl. Stemberger 1996, 54. 141 Vgl. Dexinger 2003, 125. 142 Vgl. Dexinger 2003, 123. 43 Möglicherweise spricht die Tatsache, dass heute 3% der israelischen Babys jüdischer Eltern nicht beschnitten werden143 oder auch die Existenz von Organisationen wie „Jews against Circumcision“144 zu einem gewissen Teil gegen die allgemeine Akzeptanz des Gebots im Judentum. 2.4.1 Das Ritual der Beschneidung im Judentum - Brit Mila Das jüdische Ritual der Beschneidung, das aufgrund seiner hohen symbo lischen Bedeutung145 nach strengen Regeln durchgeführt wird, besteht aus zwei eng miteinander verbunden Teilen: einem chirurgischen und einem traditionellen, religiösen Akt. Allgemeine Grundvoraussetzung für eine gültige Brit Mila ist der jüdische Status des Kindes, der vor dem Ritual vom Beschneider, dem Mohel, überprüft wird. Der Mohel führt auch das Beschneidungsregister und trägt dort bürgerlichen und jüdischen Namen, der bei allen religiösen Anlässen verwendet wird, ein. Durch die Brit Mila wird kein jüdischer Status erlangt.146 Wird eine Brit Mila an einem nicht-jüdischen Kind vollzogen, hat sie keinerlei religiöse Bedeutung, sondern gilt als „normale“ Zirkumzision.147 Die Verantwor tung für die Durchführung der Beschneidung trägt der Vater.148 2.4.1.1 Chirurgischer Teil der Brit Mila Die operative Standardmethode der rituellen Zirkumzision wird vom jü dischen Mohel,149 dem eigens ausgebildeten rituellen Beschneider, der für seine Tätigkeit meist ein Honorar erhält, in drei Schritten in der Reihen folge der Aufzählung durchgeführt: Mila oder Chituch (Abtrennung des äußeren Vorhautblattes, hebräisch orlah), Peria (Einschneiden des inneren Vorhautblattes und Freilegung der Eichel, hebräisch attarah) und Metzitza (Entfernung des Blutes aus der Wunde, hebräisch dam berit milah). Über die langgezogene Vorhaut wird ein metallenes Schild (hebräisch ma gen), das die Eichel schützt, geschoben und mit einem Messer (hebräisch Vgl. Segal 2014, 222. Juden gegen Beschneidung (JAC) ist eine Gruppierung von Juden, die sich ge gen die Verstümmelung männlicher Genitalien aus religiösen Gründen einsetzt und Brit Shalom, den Bund des Friedens, als Taufe in der Moderne fordert (vgl. JAC, URL). Zentralrat der Juden in Deutschland, URL. Siehe dazu: Kapitel 2.4. Vgl. Stemberger 1996, 13; Deusel 2012, 27. Vgl. Dexinger 2003, 125. Im liberalen und im konservativen Judentum wird manchmal die Beschnei dung auch von einer Mohelet (Beschneiderin) durchgeführt (vgl. Deusel 2012, 15), das Reformjudentum lässt auch die Beschneidung von einem Arzt zu (vgl. The New Encyclopaedia of Judaism 2002, 173). 143 144 145 146 147 148 149 44 izmael) die vor dem Schild liegende Vorhaut abgetrennt. Die Peria bzw. Abtrennung der Vorhaut kann auch durch Inzision (Einschneiden) mit ei ner Operationsschere oder durch Einreißen mit dem Daumennagel des Mohels erfolgen. Die Metzitza, das Aussaugen des ausgetretenen Blutes, wurde früher in Anlehnung an Maimoides150 vom Mohel mit dem Mund, wird heute aber, aufgrund der medizinischen Kenntnisse über Anste ckungsgefahren, mit einem entsprechenden Instrument, meist einem Glasröhrchen, durchgeführt. Die Wunde wird steril und blutstillend ver sorgt, verbunden und auch im weiteren Verlauf (nach dem Ende des Ri tuals) vom Mohel kontrolliert. Der Säugling wird zum Abschluss des Ri tuals gefüttert. Eine sterile Arbeitsweise ist heute bei dem rituellen chirur gischen Eingriff verpflichtend, lokale Betäubung des Säuglings erlaubt.151 2.4.1.2 Religiöses Zeremoniell der Brit Mila Am Vorabend des ersten Shabbats nach der Geburt eines Sohnes findet eine Feier zur Erinnerung, dass auch für das zu beschneidende Kind die Heiligung des Shabbat das wichtigste Gebot sein soll, statt. Der Abend vor der Beschneidung wird mit der sogenannten Wachnacht gefeiert. Die Durchführung der Brit Mila ist nicht an einen konkreten Ort gebunden, sie ist sowohl in der Synagoge, in einem Krankenhaus oder im Elternhaus gestattet. Meist wird sie in der Synagoge gefeiert. Sie wird an jedem Tag, auch am Shabbat oder einem Festtag, abgehalten, sofern dies der achte Lebenstag des Säuglings ist und findet traditioneller Weise am Morgen statt. Anwesend sind der Mohel, der Säugling, der ein festlich besticktes Kleid trägt, seine Mutter, der Sandak (Vater des Kindes), die Kvatterin und der Kvatter (Patin und Pate des Kindes) und ein Minjan. Häufig wer den auch der Rabbiner und weitere Familienmitglieder oder Gäste einge laden. Vor der rituellen Beschneidung übergibt die Kindesmutter ihren Sohn der Kvatterin, die diesen in den Raum der Beschneidung trägt und ihn dem Kvatter übergibt. Der Säugling wird kurz auf den Stuhl des Elias152 (heb räisch kise shel Eliyahu), einen besonders schönen Stuhl, der die Anwe senheit des Propheten symbolisiert, gelegt. Das Kind wird dann dem Va ter oder Sandak, der seinen Sohn während der gesamten Beschneidung hält, übergeben und der Säugling wird mit „Baruch ha-ba“ („Gesegnet sei Vgl. Maim. Yad, Milah, 2, 2. Vgl. The New Encyclopaedia of Judaism, 173; ebd., 571-572; Dexinger 2003, 123; Deusel 2012, 15-46. Der Prophet Elias gilt aufgrund seiner Begeisterung für den Bund mit Gott als Ehrengast und Zeuge jeder Beschneidung (vgl. Stemberger 1996, 13; The New Encyclopaedia of Judaism 2002, 173). 45 150 151 152 der, der da kommt!“) begrüßt. Der Mohel, als nicht nur medizinisch, son dern auch religiös geschulter Mann, lobpreist Gott als den, „der den Men schen von Geburt an geheiligt und dessen Fleisch mit dem Zeichen des heiligen Bundes gesiegelt hat", spricht den Segen über einem Becher Wein und bittet um Gottes Schutz für das Kind. Der Vater betet: „Gepriesen seist Du, Herr unser Gott, König der Welt, der uns durch seine Gebote geheiligt und uns geboten hat, das Kind in den Bund Abrahams, unseres Vaters, einzuführen“. Nach der Beschneidung erhält das Kind einen Trop fen des gesegneten Weines und von den Anwesenden den Segen „Wie er in den Bund eingeführt wurde, möge er in die Tora zur Ehe und zu guten Taten geführt werden" und seinen Namen. Den Abschluss des Rituals bil det eine Feier, die Se'uda schl Brit Mila, deren Teilnahme in der jüdischen Glaubensgemeinde als Mitwa, als eine religiös verdienstliche Handlung, gilt. Die Durchführung der religiösen Zeremonie und die Auswahl der Gebetstexte weisen in den einzelnen Gemeinden Unterschiede auf, jeden falls vorgeschrieben sind aber die Segenssprüche, die Brachot aus dem Talmud, im Rahmen derer der Säugling auch seinen jüdischen Namen er hält und die nach der Beschneidung rezitiert werden. Die Gebetstexte können vom Mohel oder dem Rabbiner gesprochen werden.153 Die durchgehend anerkannte Bedeutung des Rituals der Beschneidung in nerhalb des Judentums liegt nicht allein in der reinen Durchführung des Rituals, sondern vor allem in der nach dem 8. Tag nach der Geburt beste henden Tatsache des Beschnittenseins als gemeinschaftsbildenden Faktor des Judentums. Darauf weisen viele jüdische Denker hin, besonders tref fend spiegelt sich dies bei Baruch Spinoza wieder:154 „Das Zeichen der Beschneidung halte ich fü r so bedeutungsvoll, dass ich überzeugt bin, dies allein werde das Volk für immer erhalten."155 2.4.2 Antisemitismus - Element im Diskurs um religiöse Beschneidung? In der Einführung dieser Arbeit wurde bereits kurz auf das historische Konfliktpotential der rituellen Beschneidung von Jungen im Judentum hingewiesen. In der öffentlichen Debatte rund um die Kölner Urteilsfin dung und die Installation eines neuen gesetzlichen Rahmens, der die ritu elle Beschneidung von minderjährigen Jungen in Deutschland erlaubt, und bei dem das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit zugunsten 153 Vgl. Stemberger 1996, 13; The New Encyclopaedia of Judaism, 172-173; Dexinger 2003, 123-126; Zentralrat der Juden, URL. 154 Vgl. Dexinger 2003, 125. 155 Spinoza, III, 53. 46 religiöser Vorschriften einer Minderheit bzw. zweier Religionsgemein schaften deutlich eingeschränkt wurde, wurde auch Antisemitismus, als aktuelle Ausprägung des historischen Konflikts um religiöse Beschnei dung, „gehört". Nach einer Schärfung des Begriffes bzw. eine Annähe rung an eine Begriffsbestimmung von Antisemitismus soll in diesem Ab schnitt darauf eingegangen werden. 2.4.2.1 Exkurs: Definition von Antisemitismus „So bestimmt anscheinend die Idee, die man sich vom Juden macht, die Geschichte und nicht die geschichtlichen Gegebenheiten die Idee."156 Im deutschsprachigen Europa ist Antisemitismus stark mit Nationalsozi alismus und Holocaust verwoben und verfügt über eine jahrhunderte lange negative oder abwertende Diskurstradition. Antisemitische oder antizionistische Vorurteile sind heute in Deutschland nach wie vor, in ei ner latenten und öffentlich stark tabuisierten Form, vorhanden.157 Auch aus Österreich ist Antisemitismus „nicht verschwunden, aber es gibt eine aufrichtige Auseinandersetzung mit ihm und eine Gegenwehr, die stärker ist als zu irgendeinem Zeitpunkt im 19. oder 20. Jahrhundert."158 Obwohl diese Thematik generell sehr gut erforscht ist, bietet diese Arbeit nicht den Rahmen, auf diese Diskurse oder auf Geschichte und Ausprä gungen des Antisemitismus detailliert einzugehen. Zur Klärung des Be griffes Antisemitismus sollen aber beispielhaft die folgenden Definitionen beitragen: „Antisemitismus ist eine Form von Feindseligkeit gegenüber Juden als Juden, in der Juden als etwas anderes wahrgenommen werden als sie tat sächlich sind."159 „Judenfeindschaft, die als Ressentiment, als innerer Vorbehalt gegen die jüdische Minderheit, als Einstellung existiert [, ...] gilt als das älteste soziale, kulturelle, religiöse, politische Vorurteil der Menschheit; Juden feindschaft äußert sich, lange bevor Diskriminierung und brachiale Ge walt das Ressentiment öffentlich machen, in ausgrenzenden und stigma tisierenden Stereotypen, d.h. in überlieferten Vorstellungen der Mehrheit von der Minderheit, die unreflektiert von Generation zu Generation wei tergegeben werden."160 156 Sartre 1948, 13. 157 Vgl. Jäger, Jäger 2003, 6. 158 Pulzer 2002, 144 zit. in Benz 2005, 233. 159 Klug 2003, 122-123 zit. in Pollak 2008, 25. 160 Benz 2005, 7. 47 Im Vordergrund stehen das Vorhandensein von Stereotypisierungen und die Konstruktion einer antisemitischen Ideologie, die prozesshaft den „Ju den" als nicht reale, nicht existierende Person, zu einem Menschen mit imaginären Charaktereigenschaften „verformt". Es geht dabei nicht da rum, eine Person mit jüdischem Hintergrund zu sein, sondern als eine der artige Person betrachtet und beurteilt zu werden. Damit es ist auch für Nicht-Juden möglich, Ziel antisemitischer Äußerungen oder Handlungen zu werden, wenn sie als Juden oder Jüdinnen oder „Freund von Juden oder Jüdinnen" wahrgenommen werden.161 Aufbauend auf dieser Theorie der Konstruktion gilt Antisemitismus als „alle Einstellungen oder Hand lungen, die auf der Wahrnehmung von sozialen Subjekten (Individuen, Gruppen oder auch Institutionen oder Staaten) als die Figur »des betrüge rischen, hinterlistigen, korrupten, konspirativen, etc.) Juden« gründen."162 Das Bild vom „Juden" wird vor allem aus folgenden antijüdischen Stere otypen entworfen: Ehrlosigkeit, Listigkeit, betrügerische Veranlagung, Fremdheit und Andersartigkeit, Unversöhnlichkeit, Feindseligkeit, Ge schäftstüchtigkeit, Korruptheit, Macht, jüdische Weltverschwörung und der „Jude" als Mörder von Jesus Christus.163 2.4.2.2 Antisemitismus im aktuellen Diskurs um religiöse Beschneidung? Obwohl die Grundfrage bei der Diskussion rund um die „Kölner Urteile" nicht die Durchführung des Rituals der Beschneidung generell oder deren Verbot war, sondern davon handelte, ob die Beschneidung bei nicht ein willigungsfähigen Personen (=Kindern) durchgeführt werden soll oder darf164, wurde das Kölner Urteil von Seiten der „jüdischen Community" in Deutschland teilweise sehr vehement kritisiert. Es „mache jüdisches Le ben in Deutschland faktisch unmöglich" konstituierte zum Beispiel der Zentralrat der Juden in Deutschland Dieter Graumann165. Mit der Frage „Wollt ihr uns Juden noch?"166 von Charlotte Knobloch, der Vorgängerin Graumanns, wurde die gesamte jüdische Existenz in Deutschland in Frage gestellt und damit auch der mediale Diskurs mit der Frage nach dem Vor handensein von Antisemitismus „gefüttert". Die Kritik an der rituellen Beschneidung wurde im Diskurs rund um die „Kölner Urteile" von deren Befürwortern auch als „ein Ressentiment gegenüber Juden und Muslime, weshalb sie es für die angemessene Reaktion halten, alles Vorbringen in 161 Vgl. Pollak 2008, 24. 162 Vgl. Pollak, Joskowicz 2004, 236 zit. in Pollak 2008, 25. 163 Vgl. Pollak 2008, 25-30. 164 Vgl. Gotzmann 2014, 230. 165 ARD, Tagesschau 2012 zit. in Gotzmann 2014, 229. 166 Knobloch 2012, URL. 48 Bausch und Bogen entrüstet abzuweisen“167 gewertet. Ganz klar formu liert wurde diese Haltung auch vom Zentralrat der Juden in Deutschland: "Es gibt inzwischen leider doch wieder einige, die Beschneidung sagen und Judenfeindschaft meinen."168 Mehrmals wurde in der weitreichenden internationalen Diskussion konkret die Brücke zu Nationalsozialismus und Shoah geschlagen. So auch von Ariel Muzicant, dem Ehrenpräsiden ten der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, der das Verbot der Beschnei dung dem Versuch einer neuerlichen Shoah, einer Vernichtung des jüdi schen Volkes, nur mit geistigen Mitteln gleichsetzt.169 Die erwähnten medial groß herausgestellten Vorwürfe von Antisemitis mus und die angeführten Vergleiche der Diskussion um die Beschnei dung mit dem Holocaust einiger jüdischen RepräsentantInnen wurden auch, aber nicht nur, von jüdischer Seite kritisiert. „Dass einige politisch-jüdische und rabbinische Repräsentanten den Bo gen zum Holocaust schlugen oder mit Auswanderung drohten, war, be zogen au f die bewährte bundesdeutsche Demokratie, substanz- und takt los. Dass, wie es heißt, "ausgerechnet Deutsche" sich nicht an dieser De batte beteiligen sollten, vermag ich als jüdischer Deutscher nicht einzu sehen. Sind "ausgerechnet deutsche" Demokraten weniger demokratisch als wir Juden, als ich?"170 167 Herzberg 2014, 269. 168 Religion. ORF 2002, URL. 169 Vgl. Hasewend, Schachner 2012, URL. 170 W olffsohn 2012, URL. 49 3 Beschneidung - rechtliche Aspekte Während man bei der Beobachtung der Kölner Urteilsfindung auch zur Diskussion stellen hätte können, ob zu irgendeinem Zeitpunkt „nur“ Schuld oder Unschuld dieses Mediziners in Frage standen, oder ob „diese Akte“ sowieso immer alleine den Zweck der Statuierung eines Exempels zum Thema religiöse Beschneidung erfüllen sollte, stellen sich in einer aufgeklärten Demokratie darüber hinaus die Fragen, ob in einem Rechts staat das Recht der Erwachsenen auf Religionsfreiheit oder das Recht von Kindern auf körperliche Unversehrtheit und sexuelle Selbstbestimmung höher stehe bzw. eher berücksichtigt werden müsse.171 Das konkrete Spannungsverhältnis der Thematik der Beschneidung von Minderjährigen aus religiösen Gründen mit Zustimmung der Obsorgebe rechtigten besteht vorrangig in der Auslegung der Rechte der Eltern oder Obsorgeberechtigten,172 der Kinder, der Religionsgemeinschaften und des Staates und stellt die Frage nach der Berechtigung zur Beschneidung von Minderjährigen ins Zentrum.173 In diesem Kapitel werden die relevanten Rechtsgrundlagen von Eltern, Kindern, Religionsgemeinschaften und Ärzten, als rechtlicher Bezugs rahmen des Beschneidungsdiskurses in Österreich und damit wichtiges Diskurselement, in einem Überblick vorgestellt und der verfassungsrecht liche Rahmen von Österreich hinsichtlich der Straffreiheit von rituellen Beschneidungen an Minderjährigen abgesteckt. Eine ausführliche Diskus sion der Rechtsgrundlagen kann im Rahmen dieser Arbeit nicht erfolgen. Die genannten Rechtsgrundlagen sollen aber einen im Rahmen der Dis kursanalyse sinnvollen Überblick über den rechtlichen Rahmen der für die religiöse Beschneidung von Minderjährigen aus religiösen Gründen bieten. 3.1 Rechtsgrundlagen - Eltern Im österreichischen Familienrecht ist elterliche Verantwortung für ein Kind unter dem Begriff „Obsorge“ im Allgemeinen Bürgerlichen Gesetz buch (ABGB) in den Paragraphen 158 bis 185174 geregelt. Obsorge umfasst „das Recht und die Pflicht, das minderjährige Kind zu pflegen und zu erziehen, sein Vermögen zu verwalten und es in diesen sowie allen ande 171 Vgl. Franz 2014, 7. 172 Im Folgenden steht der Begriff Eltern jeweils auch für Obsorgeberechtigte (Les barkeit!). 173 Vgl. Scheinfeld 2014, 360-365. 174 ABGB, §§158-185 Obsorge, URL. 51 ren Angelegenheiten gegenüber anderen Personen zu vertreten. Bei Er füllung dieser Pflichten und Ausübung dieser Rechte sollen die Eltern einvernehmlich vorgehen."175 Im Paragraph 160 ABGB176 wird die Pflege, Erziehung und die Bestim mung des Aufenthaltes des Kindes abgehandelt und darin auch explizit auf die Wahrung des körperlichen Wohles und der Gesundheit durch Er ziehungsberechtigte verwiesen, sowie auf die Verpflichtung der Eltern, den Willen des Kindes zu berücksichtigen. 3.2 Rechtsgrundlagen - Kinder In diesem Abschnitt werden die österreichischen Rechtsgrundlagen, die Kinder zur Frage der religiösen Beschneidung von Minderjährigen betref fen, vorgestellt. Naturgemäß und darauf sei explizit hingewiesen, besteht die Möglichkeit, dass die den Kindern zugestandenen Rechte die Rechte der Eltern begrenzen können. 3.2.1 Recht auf körperliche Unversehrtheit Die Charta der Grundrechte der Europäischen Union garantiert allen EU- BürgerInnen, und damit auch allen Österreicherinnen, mit Artikel 3, Ab satz 1 das Recht auf Unversehrtheit - „Jede Person hat das Recht auf kör perliche und geistige Unversehrtheit"177, in der österreichischen Bundes verfassung ist dieses Recht darüber hinaus nicht weiter verankert. Im Un terschied zu Österreich ist in der deutschen Verfassung im Grundgesetz unter Artikel 2 Absatz 2 als Grundrecht das Recht auf körperliche Unver sehrtheit verankert: Europäische Kommission, URL. ABGB §160 Pflege, Erziehung und Bestimmung des Aufenthalts des Kindes. (1) Die Pflege des minderjährigen Kindes umfasst besonders die W ahrnehmung des körperlichen W ohles und der Gesundheit sowie die unmittelbare Aufsicht, die Erziehung besonders die Entfaltung der körperlichen, geistigen, seelischen und sittlichen Kräfte, die Förderung der Anlagen, Fähigkeiten, Neigungen und Entwicklungsmöglichkeiten des Kindes sowie dessen Ausbildung in Schule und Beruf. (2) Das Ausmaß der Pflege und Erziehung richtet sich nach den Lebensverhält nissen der Eltern. (3) Die Eltern haben in Angelegenheiten der Pflege und Erziehung auch auf den W illen des Kindes Bedacht zu nehmen, soweit dem nicht dessen W ohl oder ihre Lebensverhältnisse entgegenstehen. Der Wille des Kindes ist umso maßgebli cher, je mehr es den Grund und die Bedeutung einer Maßnahme einzusehen und seinen W illen nach dieser Einsicht zu bestimmen vermag. Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften 2000, C 364/9, URL. 52 175 176 177 „Jeder hat das Recht au f Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Frei heit der Person ist unverletzlich. In diese Rechte darf nur au f Grund eines Gesetzes eingegriffen werden."178 3.2.1.1 Exkurs: Körperverletzung Gesetzliche Regelungen zu Körperverletzung sind keine Rechtsgrundla gen, die explizit Kinder betreffen, sondern finden allgemein Anwendung in Österreich. Die gesetzlichen Regelungen für Körperverletzung, als aus „einer körperlichen Misshandlung oder einer Beschädigung der Gesund heit eines anderen bestehendes Delikt“179 werden in Österreich im Straf gesetzbuch (StGB) in den Paragraphen 83 bis 90 und im ABGB unter Pa ragraphen 1325f hinsichtlich Wiedergutmachung bzw. Schmerzensgeld abgehandelt. In diesen Rechtsgrundlagen werden verschiedene Formen der Körperverletzung nach dem Grad der Schwere und ihres Umfanges diskutiert und reglementiert. Zu bestrafen ist demnach prinzipiell je mand, der „einen anderen am Körper verletzt oder an der Gesundheit schädigt [...] oder einen anderen am Körper misshandelt und dadurch fahrlässig verletzt oder an der Gesundheit schädigt.“180 Vor allem im Kon text von Beschneidung und Körperverletzung sind auch § 85181 mit der Bezugnahme auf körperliche Verstümmelung und Paragraph 90 Ab satz 3182 mit Bezugnahme auf körperliche Verletzungen hinsichtlich des sexuellen Empfindens relevant. Die strafrechtlichen Konsequenzen für Vergehen in diesem Zusammenhang liegen zwischen Freiheitsstrafen von sechs Monaten bis zu fünf Jahren (siehe Fußnote 181). 178 Grundgesetz. I Grundrechte, URL. 179 Duden online, URL. 180 StGB §83 Körperverletzung, URL. 181 StGB §85 Schwere Körperverletzung, URL. Hat die Tat für immer oder für lange Zeit 1. den Verlust oder eine schwere Schädigung der Sprache, des Sehvermögens, des Gehörs oder der Fortpflanzungsfähigkeit, 2. eine erhebliche Verstümmelung oder eine auffallende Verunstaltung oder 3. ein schweres Leiden, Siechtum oder Berufsunfähigkeit des Geschädigten zur Folge, so ist der Täter mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren zu bestrafen. 182 StGB §90, URL. (3) In eine Verstümmelung oder sonstige Verletzung der Geni talien, die geeignet ist, eine nachhaltige Beeinträchtigung des sexuellen Emp findens herbeizuführen, kann nicht eingewilligt werden. 53 3.2.2 Recht auf gewaltfreie Erziehung Das Bundesverfassungsgesetz über die Rechte von Kindern sieht seit 2011 mit Artikel 5, Absatz 1183 vor, dass jedes Kind ein Recht auf gewaltfreie Erziehung hat und Misshandlungen verboten sind.184 Trotz dieser klaren gesetzlichen Regelung sind es in Österreich nur 30 Prozent der Erwachse nen, die ihre Kinder ohne Körperstrafen erziehen. Babys und Kleinkinder sind am häufigsten von Gewaltanwendung, pubertierende Jungen am sel tensten betroffen.185 3.2.3 Vorrang des Kindeswohls, Achtung vor der Meinung des Kindes Die 1989 von der UN beschlossene Konvention über die Rechte des Kin des186 (KRK)187, die am 5. September 1992 in Österreich in Kraft getreten ist, fixiert die Grundlegung der Kinderrechte. Neben dem Vorrang des Kindeswohls, das bei Entscheidungen ein vorrangiges Kriterium in der Interessenabwägung sein muss, ist die Achtung vor der Meinung des Kin des vorgeschrieben und Kinder sind ihrem Alter und ihrer Reife entspre chend in Entscheidungen einzubeziehen. Weiters werden Kindern das Recht auf Leben und Entwicklung und das Recht auf Gleichbehandlung als Grundprinzipien garantiert.188 3.2.4 Handlungsfähigkeit des Kindes Unter § 173 Absatz 1 wird die Einwilligung von Kindern in medizinische Behandlungen wie folgt geregelt: §173 (1) Einwilligungen in medizinische Behandlungen kann das einsichts- und urteilsfähige Kind nur selbst erteilen; im Zweifel wird das Vorliegen dieser Einsichts- und Urteilsfähigkeit bei mündigen Minder 183 Gesamte Rechtsvorschrift für Rechte von Kindern, Artikel 5. (1) Jedes Kind hat das Recht auf gewaltfreie Erziehung. Körperliche Bestrafungen, die Zufügung seelischen Leides, sexueller Missbrauch und andere Misshandlungen sind ver boten. Jedes Kind hat das Recht auf Schutz vor wirtschaftlicher und sexueller Ausbeutung. 184 Gesamte Rechtsvorschrift für Rechte von Kindern, URL. 185 Vgl. KIJA, Die gewaltfreie Erziehung ist Gesetz, URL. 186 Kinder werden als M enschen unter 18 Jahren definiert, KIJA, Kinderrechte, URL. 187 Die KRK wurde von fast allen Staaten der Welt, Ausnahmen sind lediglich USA und Somalia, ratifiziert (vgl. UNICEF 2014, URL). 188 Vgl. UNICEF 2014, URL. 54 jährigen vermutet. Mangelt es an der notwendigen Einsichts- und Ur teilsfähigkeit, so ist die Zustimmung der Person erforderlich, die mit der gesetzlichen Vertretung bei Pflege und Erziehung betraut ist.189 3.2.5 Religionsmündigkeit In der Einführung wurde unter dem Aspekt oder der Frage nach der Er laubnis zur Ausübung von Zwang zu religiösen Ritualen auf Kinder be reits der Begriff der Religionsmündigkeit erwähnt. Jugendliche gelten nach §5 Bundesgesetz über die religiöse Kindererziehung190 in Österreich nach der Vollendung des 14. Lebensjahres als religionsmündig und „dür fen“ ab diesem Alter ihre Religion selbstbestimmen.191 3.3 Rechtsgrundlagen - Religion(en) In diesem Abschnitt werden zuerst allgemeine Rechtsgrundlagen für Re ligionen vorgestellt. Danach wird Bezug auf das in Österreich geltende Recht von Religionsfreiheit genommen und abschließend auf Rechts grundlagen der Israelitischen Religionsgesellschaft, das Israeliten Gesetz192, und auf religionsrechtliche Bestimmungen im Judentum verwie sen. 3.3.1 Anerkennung von Religionen Das Bundesgesetz über die Rechtspersönlichkeit von religiösen Bekenntnisgemeinschaften193 (die Rechte und die Anerkennung von Kirchen und Religionsgemeinschaften in Österreich). Derzeit sind in Österreich dreizehn Kirchen und Religionsgesellschaften sowie elf religiöse Bekenntnisgemeinschaften194 gesetzlich anerkannt. Die israelitische Religionsgesellschaft ist seit 1890 anerkannt.195 Sie zählt heute ABGB, URL. Gesamte Rechtsvorschrift für Religiöse Kindererziehung, URL. Siehe dazu auch in der Einführung. Das W ort Israelitengesetz wird als Abkürzung für das Gesetz vom 21. März 1890, betreffend die Regelung der äußeren Rechtsverhältnisse der israelitischen Religionsgesellschaft, verwendet. Vgl. Gesamte Rechtsvorschrift für Rechtspersönlichkeit von religiösen Bekennt nisgemeinschaften, URL. Nach dem Bekenntnisgemeinschaftsgesetz besitzen staatlich eingetragene reli giöse Bekenntnisgemeinschaften zwar eine eigene Rechtspersönlichkeit, gelten aber im Unterschied zu gesetzlich anerkannten Kirchen und Religionsgesell schaften nicht als Körperschaften öffentlichen Rechts (vgl. Bundeskanzleramt 2007, 7). Die gesetzliche Anerkennung ist geregelt im Israelitengesetz 1890. 55 189 190 191 192 193 194 195 8.140 Mitglieder196 und ist damit die kleinste Religionsgemeinschaft in Österreich.197 Der Status der Anerkennung einer Kirche oder Religionsgesellschaft ga rantiert in Österreich nach Artikel 15 des Staatsgrundgesetzes die gemein same öffentliche Religionsübung, die selbständige Ordnung und Verwal tung der Angelegenheiten und den Schutz der Anstalten, Stiftungen und Fonds, die Errichtung konfessioneller Privatschulen und die Erteilung Re ligionsunterrichtes an öffentlichen Schulen.198 Religionsgesellschaft Anzahl Mitglieder Katholische Kirche (römisch-katholisch ein schließlich der mit Rom unierten Kirchen) 5,917.274 Evangelische Kirche A.B. und H.B. 376.150 Islamische Glaubensgemeinschaft 338.988 Orthodoxe Kirchen (griechisch-orientalisch und altorientalisch) 179.472 Andere christliche Kirchen und Gemeinschaften 69.227 Nichtchristliche Gemeinschaften (ohne islami sche und israelitische) 19.750 Israelitische Religionsgesellschaft 8.140 Ohne religiöses Bekenntnis 963.263 Ohne Angabe (bei der Erhebung der Volkszäh lung) 160.662 A bb ild u ng 5: M itg lied erzah len anerkannter R elig ion sgesellsch aften in Ö sterreich .199 Diese Zahlen aus der Volkszählung 2001 in Österreich werden in dieser Arbeit als „aktuell" betrachtet, denn die religiöse Zugehörigkeit wurde bei der Volks zählung 2011 in Österreich nicht erhoben. Bei einer Gesamtbevölkerungszahl in Österreich im Jahr 2001 von 8.032.926, bedeutet dies, dass in Österreich im Jahr 2001 0,1% der M enschen ihren jüdischen Glauben lebten bzw. dies bei der Er hebung angaben. Siehe dazu: Abbildung 5. Vgl. Bundeskanzleramt 2007, 5-6, URL. Statistik Austria, Volkszählung 2001 zit. in Bundeskanzleramt 2007, 9, URL. 56 196 197 198 199 3.3.2 Religionsfreiheit Religionsfreiheit umfasst Glaubens-, Religionsübungs-, Bekenntnis- und Gewissensfreiheit und ist in Österreich verfassungsgesetzlich durch Arti kel 14 des Staatsgrundgesetzes von 1867, Artikel 3 Abs. 2 des Staatsvertra ges von Saint Germain-en-Laye von 1919 und zudem durch Artikel 9 der Europäischen Menschrechtskonvention 1950 garantiert. Positive Religionsfreiheit bedeutet die Gewährleistung der religiösen Selbstbestimmung, negative Religionsfreiheit die Freiheit zum Verzicht auf religiöse oder weltanschauliche Ausdrucksformen im Lebensvollzug.200 3.3.3 Rechtsgrundlagen Israelitische Religionsgesellschaft Seit 1890 stellt das Israelitengesetz die Rechtsvorschrift für Äußere Rechts verhältnisse der Israeliten in Österreich dar. Nach dessen §9 Absatz 4 ist die israelitische Religionsgesellschaft dazu berechtigt „Kinder und Ju gendliche auch außerhalb der Schule durch alle traditionellen Bräuche zu führen und entsprechend den religiösen Geboten zu erziehen."201 3.3.4 Religionsrechtliche Bestimmungen im Judentum Die Regeln und Richtlinien zur Beschneidung im Judentum wurden be reits in Kapitel 2.4 ausführlich erörtert. Der Vollständigkeit halber wird hier nochmals auf das jüdische Religionsgesetz (Halacha), verwiesen, nach dem der Vater die Pflicht zur Durchführung der Beschneidung des Sohnes am achten Tag nach der Geburt hat.202 Ein Abwarten der Entschei dungspflicht (zum Beispiel bis zum Alter der Religionsmündigkeit) be deutet damit die Verletzung der religiösen Pflicht des Vaters. Da neben einer orthodoxen auch andere Interpretationen von Bibeltexten existieren und eine Berechtigung haben, ist in diesem Zusammenhang auch die Frage nach der jeweiligen Auslegung der (Religions-) Gesetze relevant und Thema. Die Zugehörigkeit zur jüdischen Religionsgemein schaft ist auch für männliche Nachkommen nicht nur durch die Beschnei dung bestimmt: „Nicht von der Vorhaut hängt das Judentum ab. Die Halacha, das jüdische Religionsgesetz, ist eindeutig: Ein unbeschnittener Jude ist Jude, sofern er Sohn einer jüdischen Mutter ist."203 200 Vgl. Bundeskanzleramt 2007, 6, URL. 201 Vgl. Gesamte Rechtsvorschrift für Rechtspersönlichkeit von religiösen Bekennt nisgemeinschaften, URL. 202 Vgl. Dexinger 2003, 125. 203 W olffsohn 2012 zit. in Franz 2014, 19. 57 3.4 Exkurs: Rechtsgrundlagen - Medizin In diesem Kapitel werden einige Rechtsgrundlagen, die MedizinerInnen im Zusammenhang mit nicht medizinisch-indizierter Beschneidung an minderjährigen Knaben betreffen, erörtert. Die Studienlage zur allgemei nen medizinischen Notwendigkeit von Beschneidungen wird kontrovers diskutiert ist hier nicht Thema. Im Zusammenhang mit den „Kölner Ur teil“ ist nicht nur die medizinische Notwendigkeit, sondern vor allem hinsichtlich der Einwilligungsfähigkeit - das Alter der männlichen „Pati enten“ in dem der Eingriff durchgeführt wird, ein wichtiger Faktor. Dazu der Mediziner Matthias Franz: „Aus ärztlicher Sicht kann man heute zudem eindeutig sagen, dass es keine medizinischen Gründe für die Entfernung einer gesunden Vorhaut eines gesunden, nicht einwilligungsfähigen kleinen Jungen gibt. Sämtli che angeführten Gründe lassen sich - wenn vom Betroffenen gewünscht, durch eine Beschneidung im einwilligungsfähigen Alter realisieren."204 3.4.1 Medizinethische Grundlagen Die Genfer Deklaration205 des Weltärztebundes, dem auch die Österreichi sche Ärztekammer angehört, regelt und kodifiziert die gebotene ethische Grundhaltung von MedizinerInnen: „Ich werde mich in meinen ärztlichen Pflichten meinem Patienten gegen über nicht beeinflussen lassen durch Alter, Krankheit oder Behinderung, Konfession, ethnische Herkunft, Geschlecht, Staatsangehörigkeit, politi sche Zugehörigkeit, Rasse, sexuelle Orientierung oder soziale Stellung." „Die Gesundheit meines Patienten soll oberstes Gebot meines Handelns sein." 3.4.2 Durchführung von ästhetischen Behandlungen und Operationen Das erst 2012 beschlossene Bundesgesetz über die Durchführung von äs thetischen Behandlungen und Operationen „dient dem vorbeugenden Schutz der Gesundheit und körperlichen Unversehrtheit von Patientinnen (Patienten) sowie dem Schutz vor Komplikationen und unerwünschten 204 Franz 2014, 11. 205 Früher: Eid des Hippokrates. Deklaration von Genf, URL. 58 Folgen bei der Durchführung von ästhetischen Behandlungen und Ope rationen ohne medizinische Indikation."206 An Jugendlichen unter 17 Jah ren sind medizinisch nicht notwendige Eingriffe ohne Einverständniser klärung der Eltern verboten.207 Bundesgesetz über die Durchführung von ästhetischen Behandlungen und Operationen (ÄsthOpG) § 1, URL. Bundesgesetz über die Durchführung von ästhetischen Behandlungen und Operationen (ÄsthOpG) § 7, URL. 59 206 207 4 Methode, Grundlagen, Verortung der Untersuchung Als Methode für die Herausarbeitung der Forschungsfrage durch Analyse ausgewählter Printmedien wurde die Kritische Diskursanalyse der Duis burger Schule (KDA) herangezogen, nicht zuletzt aufgrund Ihrer beson deren Eignung für Mediaanalysen. Diskurstheoretische Untersuchungen erfordern im Vorfeld die Klärung der diskurstheoretischen Grundlagen.208 Dieser Prozess, der auch theore tische Verortung der Untersuchung bezeichnet wird, fördert die Grundla gen der Untersuchung zutage. Es wird damit, um mit Jäger zu sprechen, die „Werkzeugkiste“ geöffnet. Nach dem „Rezept“ von Jäger für die Durchführung einer KDA sollen theoretischer Hintergrund und Methode am Anfang einer Untersuchung stehen. Diesen Anfang der Untersuchungen bilden in dieser Arbeit die vorhergehenden Kapitel. Im Folgenden werden der Gegenstand der Un tersuchung, die Abgrenzung der Untersuchung durch Festlegen von Dis kursebene und Diskursstrang, die Abgrenzung des Zeitraumes, die Medi enauswahl sowie der Materialkorpus erarbeitet. 4.1 Untersuchungsgegenstand In der vorliegenden Arbeit ist die Untersuchung ausgewählter österreichi scher Medien auf das Vorhandensein von antisemitischen Mustern Thema. Bei der Durchführung des gesamten Forschungsprozesses der KDA ist es wichtig, stets im „Hinterkopf“ zu behalten, dass bei Diskurs forschung keine Wahrheit(en), sondern Aussageereignisse als Teil eines Diskurses entstehen.209 Weil die Kritische Diskursanalyse eben nicht den Anspruch stellt, objektive Wahrheiten zu produzieren, wird in dieser Ar beit die Analyse dessen, was in einer Gesellschaft als Wahrheit - hier zum Themenfeld Antisemitismus - durchgesetzt wird, was sagbar ist oder sich als „gültiges Wissen“ manifestiert und mit welchen Mitteln diese Durch setzung passiert, untersucht.210 Die Untersuchung soll dabei Antworten auf folgende Forschungsfrage liefern: Welche konkreten Muster bzw. sind konkrete Muster in der Berichterstattung ausgewählter österreichischer Medien im Kontext der Kölner Urteile 2012 erkennbar? Es soll damit her ausgefunden werden, welches „gültige Wissen“ in diesem Kontext trans portiert wird/wurde. Die grundlegende Forschungsfrage richtet sich auf die Darstellung des Judentums am Beispiel der Diskussion um Beschnei dung bzw. deren Verbot in den österreichischen Medien. Im Blickwinkel 208 Vgl. Keller 2011, 65. 209 Vgl. Keller 2011, 65. 210 Vgl. Jäger, Jäger 2007, 15. 61 sind auch die Fragen, welche AkteurInnen sich äußern, welche Themen aufgeworfen werden, welche Diskurspositionen sich ergeben und wel chen Stellenwert die einzelnen Diskursfragmente haben bzw. welche ge sellschaftliche Relevanz. 4,2 Diskurstrang und diskursives Ereignis Die Untersuchung des Diskursstranges, der eine Auswahl und Einschrän kung von Diskursfragmenten, also Texten, zum gleichen Thema oder ei nen thematisch einheitlichen Diskursverlauf, in dieser Arbeit religiöse Be schneidung von minderjährigen Jungen, darstellt, erfolgt in einem syn chronen Schnitt. Dies bedeutet, dass die zeitliche Dimension dieser Ana lyse innerhalb einer bestimmten qualitativ endlichen Bandbreite erfolgt, und damit untersucht wird, was zu diesem bestimmten Zeitpunkt sagbar war.211 Um die Analyse größenmäßig dem vorgegebenen Rahmen dieser Arbeit entsprechend anzupassen und damit einzugrenzen, wurde ein dis kursives Ereignis und die dazu erfolgte mediale Berichterstattung bei spielhaft für die Durchführung der Untersuchungsmethode nach Sieg fried Jäger ausgewählt. Als diskursives Ereignis, das bereits ausführlich in der Einführung dieser Arbeit vorgestellt wurde, wurden die „Kölner Urteile" des Jahres 2012, die gerichtliche Verurteilung eines Arztes auf grund der Durchführung der Beschneidung eines minderjährigen (musli mischen) Jungen aus religiösen Gründen und mit Zustimmung der Erzie hungsberechtigten und die damit einhergehende Berichterstattung in Ös terreich bezogen auf das Judentum, herangezogen.212 Diese Auswahl bzw. dieses Ereignis soll beispielhaft für den Umgang österreichischer Medien mit religiöser Beschneidung von Minderjährigen gelten. In einer ersten Materialsichtung wird zudem nach einer ausreichenden Begründung für die Durchführung der Analyse gesucht: Ist die zu untersuchende Thema tik in relevanter Häufung im vorhandenen Material vertreten, oder han delt es sich um eine zufällige Beobachtung und ist der Forschungsblick voreingenommenen? Da das Thema der religiösen Beschneidung von minderjährigen, nicht einwilligungsfähigen Jungen in Österreich ver stärkten Einzug und zugleich Schubkraft durch die Berichterstattung in der Kleinen Zeitung am 25. Juli 2012 mit einem Interviewausschnitt von Ariel Muzicant, dem Ehrenpräsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde Vgl. Jäger, Zimmermann 2010, 45. Die Berichterstattung über das „Kölner Urteil" fand ausgiebig medialen Raum in Deutschland, Österreich und der Schweiz und bezog sich keinesfalls nur auf die Beschneidung von minderjährigen Jungen im Judentum, sondern dem An lass entsprechend auch auf den Islam. Aufgrund der umfassenden Berichter stattung in den einzelnen Ländern wurde mit Rücksicht auf den Umfang dieser Arbeit eine Eingrenzung vorgenommen. 211 212 62 zum Verbot der Beschneidung, das „dem Versuch einer neuerlichen Shoah, einer Vernichtung des jüdischen Volkes, gleichzusetzen [wäre] nur diesmal mit geistigen Mitteln,“213 erfährt, richtet sich der Forschungs blick auch auf das Vorhandensein von Antisemitismus in der Berichter stattung österreichischer Printmedien. 4,3 Zeitstrang und Untersuchungszeitraum Der unten angeführte Zeitstrang stellt eine Übersicht über den zeitlichen Ablauf der wesentlichen Ereignisse im Umfeld der „Kölner Urteile“ und umreißt auch den Verlauf der medialen Berichterstattung in Österreich. Der Kern der medialen Berichterstattung zum Thema „religiöse Beschnei dung von männlichen Minderjährigen“ wurde im Zeitraum von Juni bis Dezember 2012 festgemacht. Damit stellt dieses Zeitfenster den Untersu chungszeitraum der Analyse dar. A bb ild u ng 6: Z eitstran g „K öln er U rteile“ .214 4.4 Medienauswahl Im Blickfeld der Analyse stehen österreichische Tageszeitungen. Sie stel len, mit ihrer Funktion, nicht nur zu informieren, sondern auch Bewusst sein zu formieren, und als Diskursebene den sozialen Ort, von dem aus 213 Kleine Zeitung, URL. 214 Eigene Darstellung. 63 gesprochen wird, dar.215 Als vorrangiges Kriterium für die Auswahl der für die Analyse herangezogenen Medien wurde die Höhe der jeweiligen Druckauflagen österreichischer Tageszeitungen herangezogen. In die Analyse aufgenommen wurden alle Tageszeitungen mit einer Druckauf lage von mindestens 100.000 Stück im Jahr 2012. Die Reichweiten der aus gewählten Medien bewegen sich damit im Raum zwischen 4% (Tiroler Ta geszeitung) und 37,4% (Kronen Zeitung).216 Nicht in der Analyse erfasst wurden, trotz Erfüllung des Kriteriums der Höhe der Druckauflage von mindestens 100.000 Stück, die Gratiszeitung „Heute" (Druckauflage: 613.063 Stück) und „Österreich" (Druckauflage: 477.641 Stück).217 In bei den Medien hat sich keine für die Untersuchung relevante, im Sinne der Anzahl der erschienenen Texte, Berichterstattung eingestellt oder erheben lassen. Für die Untersuchung wurden die folgenden Tageszeitungen her angezogen: Der Standard, Kleine Zeitung, Kronen Zeitung, Kurier, Oberöster reichische Nachrichten und Tiroler Tageszeitung. Auflagezahlen und Reich weiten der einzelnen Medien sind Abbildung 7 zu entnehmen. Auflage Reichweite MA Tageszeitung Dmckauflage VerkaufteAuflage in % in 1.000 Der Standard 100.909 69.068 5,0 358 Kleine Zeitung 309.974 279.415 11,2 804 Kronen Zeitung 916.854 809.990 37,4 2.687 Kurier 208.096 159.025 8,5 610 OÖ Nachrichten 132.915 107.295 4,3 305 Tiroler Tageszeitung 103.532 86.512 4,0 290 A bb ild u ng 7: A u flagen und R eich w eiten der T ageszeitu ngen in Ö sterreich im Jah r 2012.218 215 Vgl. Jäger, Zimmermann 2010, 84-85. 216 Vgl. Abbildung 7. 217 Vgl. ÖAK 2012. 218 ÖAK 2012, URL. Eigene Darstellung. 64 4.5 Materialkorpus Die Zusammenstellung der Materialgrundlage bzw. die Auswahl der in den ausgewählten Printmedien erschienenen Texte aus dem gesellschaft lichen Gesamtdiskurs erfolgt unter der Berücksichtigung bzw. mit der Suchhypothese, dass Diskurse, begriffen als ein Konstrukt der Sozialfor schung, bestimmt sind von der Hypothese, dass unterschiedlichen Daten, die zwar „als singuläre, in Zeit und Raum verstreute Ereignisse (Äuße rungen) existieren und dokumentiert sind"219, dennoch ein Zusammen hang oder eine Struktur verbindet. Umfang und Bestandteile des Korpus werden von den Untersuchungszielen einerseits und andererseits nach der Vorgabe von Jäger, dass Diskurse qualitativ möglichst vollständig er fasst, analysiert und sinnvoll, ohne die Untersuchung zu verzerren, abge grenzt werden sollen, bestimmt. In diesem Arbeitsschritt werden für die nachfolgende Analyse möglichst viele, auch heterogene Texte und Doku mente aus der APA-DeFacto Datenbank gesichtet, sortiert und gesam melt. In den Materialkorpus wurden insgesamt 181 Texte mit inhaltlichem Be zug zur Thematik aus den im vorigen Kapitel ausgewählten Medien bzw. deren Berichterstattung im Zeitraum zwischen Juni und Dezember 2012 aufgenommen. Nicht aufgenommen wurden direkt von Nachrichten agenturen übernommene Berichte dieses Zeitraums. Den Inhalt des Mate rialkorpus und die Anzahl der in den einzelnen Medien erschienenen Be richte zeigt Abbildung 8. 219 Keller 2011, 66. 65 Kronen- oÖN Kleine Jw okr TaSes~ Kurier Der Standard z g ih m Zeitung M tU M M e d ie n im D o ssier A bb ild u ng 8: Inhalt des M aterialkorpus.220 220 Eigene Darstellung. 66 5 Die Medien Als Diskursebene und sozialer Ort, von dem aus gesprochen wird, fun gieren in dieser Untersuchung Medien.221 Sie bilden den institutionellen Rahmen der Kritischen Diskursanalyse. Die Grundlagenerörterung ist be reits unter 4.3 erfolgt. Dieses Kapitel wirft nun einleitend einen allgemei nen Blick auf die Situation der Medien(-nutzung) in Österreich, stellt das Gefüge der Tageszeitungen Österreichs in einem Überblick vor und nimmt im nächsten Punkt auf die in der Medienanalyse verwendeten Me dien, als institutionellen Rahmen der Analyse, Bezug. 5.1 Medien(-nutzung) in Österreich „Dieses kleine Land der Riesen, überschattet von einer überdimensionier ten Fernseh- und Radioanstalt, überschattet von einer Großfamilie, die Zeitungs- wie Zeitschriftenszene beherrscht. Daran ist nichts normal: Österreichs Medien sind so hoch konzentriert wie kaum welche in Eu ropa, wie wenige in der Welt."222 Massenmedien stellen nicht nur ein wichtiges Transportmittel von Infor mationen dar, sie beeinflussen Wissen und Wahrnehmung, stellen eine Öffentlichkeit her und haben Bildungsfunktion.223 Neben dem Aspekt der Presse- und Meinungsfreiheit, der Medien in Österreich „reguliert“, ha ben „Medien [...] ihre eigenen Regeln, sie orientieren sich an Quoten, am Werbemarkt und an ihrer professionellen Selektionsroutine.“224 Medien angebot und -nutzung waren in Österreich nach dem 2. Weltkrieg vor al lem von Fernsehen und Radio geprägt. Parallel zum „Sterben“ der partei politischen Printmedien entwickelte sich in der darauf folgenden Zeit das Fernsehen zum dominanten Medium in Österreich.225 Die Situation Öster reichs heute, nach der sukzessiven Erweiterung des Fernsehangebotes durch Kabel- und Satellitenanschlüsse, dem Ausbau von Internet und der Entwicklung von Neuen Medien, definiert sich folgender Massen: Unter Medien werden Institutionen und technische Apparate, die Menschen zur orts- und zeitübergreifenden Kommunikation nutzen, verstanden (vgl. Hepp 2011, 9). Fidler 2004, 9 zit. in Stark, Magin 2009, 7. Vgl. Perlot 2006, 81. Karmasin 2006, 104. Ein Vergleich der TV-Haushalte beweist dies ausführlich: W aren es 1965 33%, 1971 72% TV-Haushalte (Gehmacher 1980, 10 zit. in Plasser, Lengauer 2010, 20), so verfügen im Jahre 2008 bereits 96% der Haushalte in Österreich über mindes tens ein TV-Gerät (ORF Mediaresearch 2009a zit. in Plasser, Lengauer 2010, 20). 67 221 222 223 224 225 „Österreich entspricht dem Typus einer hochentwickelten Mediendemo kratie, in der politische, soziale und mediale Realitäten nicht nur zuneh mend verschmelzen, sondern sich überwiegend als von Massenmedien wie Neuen Medien (Social Web, Web 2.0 etc.) konstruierte und vermit telte Realitäten darstellen."226 Welche Medien konkret in der ,hochentwickelten Mediendemokratie' von Österreich vorrangig genutzt werden, zeigt die folgende Abbildung, in der die tägliche Mediennutzung in Österreich (ab 14 Jahren) im Jahr 2008 nach einzelnen Medien aufgeschlüsselt ist. Die Internetnutzung bezieht sich auf die Nutzung an sieben Tage pro Woche bzw. einer möglichen Mehrfachnutzung.227 M e d ie n R e ich w e ite in % d er B e v ö lk e ru n g N u tz e r in M illio n e n R a d io (gesam t) 82 ,1 5,8 T a g e sz e itu n g e n 7 2 ,9 5,1 Ö ffe n tlich -re ch tlich e s R a d io (O R F) 71,4 5,0 F e rn se h e n (gesam t) 6 3 ,4 4 ,3 Ö ffe n tlich -re ch tlich e s F e rn se h en (O R F) 52 ,3 3 ,6 A u slä n d isch e T V -S e n d e r 49 ,8 3 ,4 P riv a t-R a d io (In -u n d A u slan d ) 27 ,0 1,9 In te rn e t 25 ,1 1,8 P riv a tes F e rn se h en (A T V ) 13 ,5 0,9 A bb ild u ng 9: T ägliche M ed iennu tzu n g in Ö sterreich 2008.228 226 Plasser, Lengauer 2010, 21. 227 Vgl. Plasser, Lengauer 2010, 23. 228 Verein Arbeitsgemeinschaft Media-Analysen (2009) zit. in Plasser, Lengauer 2010, 22. 68 Die Bedeutung von Tageszeitungen ist in Österreich mit 72,9% NRW enorm hoch und wird nur vom Radio mit 82,1 % NRW „geschlagen“. Die Wichtigkeit der Tageszeitungen zeigt auch das Werbevolumen, das in Ös terreich mit 46% (von 3,3, Milliarden Euro) im Jahr 2008 auf Printmedien entfiel.229 Relevant erscheint im Zusammenhang der Mediennutzung in Österreich noch die Tatsache, dass Österreicherinnen Informationen aus Fernsehen und Tageszeitungen die größte Glaubwürdigkeit zugestehen. Vor allem das Vertrauen in Printmedien ist in Österreich im EU-Vergleich aller Mit gliedsstaaten als unerschütterlich zu bezeichnen, erreicht es doch mit 62% den höchsten Vertrauenswert in der EU.230 5.2 Tageszeitungen in Österreich Der österreichische Printmediensektor ist vor allem charakterisiert von ei ner starken Konzentration, der dominanten Rolle der Kronen Zeitung, die gemessen an der Reichweite zu den größten Tageszeitungen der Welt zählt, der Tatsache, dass die drei größten österreichischen Tageszeitun gen, Kronen Zeitung, Kleine Zeitung und Kurier, nahezu zwei Drittel der Gesamtauflage aller Tageszeitungen in Österreich stellen und ursprüng lich sehr hohen ausländischen (insbesondere deutschen) Kapitalbeteili gungen, die allerdings in den letzten Jahren wieder rückläufig waren.231 Plasser und Lengauer sprechen in diesem Zusammenhang von einer “Re- Austrifizierung der Beteiligungsstrukturen am Printmarkt in Österreich.“232 Darüber hinaus sind wesentliche Charakteristika des Print Marktes in Österreich die starke ökonomische Verflechtung (Mediaprint), die publizistische Macht- und Meinungskonzentration auf Kronen Zei tung und ORF, eine Print-Zentrierung des Mediensystems, das große An gebot an Gratis-Zeitungen und Magazinen, sowie eine lokale Marktkon zentration und hohe Reichweiten bei Regionalmedien (Vorarlberger Nach richten, Tiroler Tageszeitung, Salzburger Nachrichten und Kleine Zeitung).233 2012 erschienen in Österreich 15 Tageszeitungen mit 14 Regionalausgaben und zwei Gratis-Tageszeitungen mit einer Gesamtreichweite von 5,224 Millionen Leserinnen bzw. 72,8% der Bevölkerung ab 14 Jahren.234 Das Spitzenfeld der Reichweite belegte im Jahr 2012 die Kronen Zeitung (2,687 Millionen Leserinnen, 37,4% Anteil), gefolgt von „Heute“ (13,9% Anteil) 229 Vgl. Lengauer 2010, 22. 230 Vgl. Lengauer 2010, 26-27. 231 Vgl. Hüffel 2003, 47; Käfer 2008, 71; Plasser, Lengauer 2010, 36. 232 Plasser, Lengauer 2010, 36. 233 Vgl. Plasser, Lengauer 2010, 45-50. 234 Siehe dazu: oben. 69 und der Kleinen Zeitung (11,2% LeserInnen Anteil). Bei den Qualitätszei tungen führte Der Standard (5,0%) vor DiePresse und den Salzburger Nach richten (jeweils 3,7%).235 Die starke Konzentration auf einige wenige Print medientitel oder Tageszeitungen war in Österreich nicht immer so: im Jahr 1946 veröffentlichten 36 Tageszeitungen, 1965 waren es 25, 1988 im merhin noch 17.236 Als wesentlicher Aspekt der drastischen Verringerung der Anzahl der Tageszeitungen in Österreich wird das Sterben der Partei presse, also die Einstellung der parteipolitischen Tageszeitungen nach dem Zweiten Weltkrieg, in Österreich gemacht.237 Parallel zum Internet, das klassischen Medien zum Beispiel mit ständiger Verfügbarkeit und Gratis-Nutzung vieler Online-Zeitungs-Produkte, seit Anfang 2000 starke Konkurrenz macht238, haben auch Gratis-Zeitungen das Mediengefüge in Österreich neu aufgemischt.239 Informationsgewinn wird, wie auch im vo rigen Kapitel gezeigt, im politischen Bereich, vorrangig über das Fernse hen und an zweiter Stelle über die Nutzung von Tageszeitungen gestillt.240 Das tägliche Lesen von zumindest einer Tagesszeitung von 70% der über 14 Jahre alten Personen in Österreich gilt als internationaler Spitzenwert.241 Tageszeitungen unterliegen in Österreich der Presseförderung des Bundes. Diese wurde im Jahr 2012 in der Höhe von 7,41 Millionen Euro ausgeschüttet (Vertriebsförderung 2,12 Millionen Euro, Besondere Förde rung zur Erhaltung der regionalen Vielfalt242 5,29 Millionen Euro) und verfolgt das Ziel, Medienvielfalt zu erhalten, den Zugang zu Information zu erleichtern und damit bzw. durch gut informierte BürgerInnen das de mokratische System Österreichs zu stützen.243 Die Medienkonzerne Medi aprint (Kronen Zeitung, Kurier) und Styria Verlag (Kleine Zeitung, Die Presse) bedienen mit der Moser Holding (Tiroler Tageszeitung, OÖ Rund schau, Bezirksblätter), dem Niederösterreichischen Pressehaus (NÖN, NÖ Rundschau) und dem Vorarlberger Medienhaus (Vorarlberger Nachrichten, Neue Vorarlberger Tageszeitung) zu einem großen Teil das österreichische 235 Vgl. Statistik Austria. Bücher und Presse, URL; M edia-Analyse 2012, URL. 236 Vgl. Hüffel 2003, 48. 237 Vgl. Hofer, Siegert, Renger 2001, 34. 238 In Österreich nutzen 88% der 14- bis 65-Jährigen und 97% der unter 29-Jährigen das Internet (vgl. GfK 2012, URL). 239 Vgl. Fidler 2008, 14. 240 Vgl. Emmer, Seifert, Vowe 2006, 176. 241 Vgl. Käfer 2008, 23. 242 National und regional marktführende Zeitungen und Tageszeitungen mit einer verkauften Auflage von mehr als 100.000 Stück pro Ausgabe sind von dieser Förderung ausgeschlossen. 243 Vgl. Statistik Austria 2012. Förderung von Tageszeitungen im Rahmen der Pres seförderung des Bundes 2012-2014, URL; Hofer, Siegert, Renger 2001, 29. 70 Tageszeitungsgeschäft.244 Inhaltlich unterliegen österreichische Tageszei tungen, nach einer Langzeitstudie und gemessen an der Summe der Titel Auflagen, einer starken Boulevardisierung. 1960 wurden 16%, 2006 bereits 66% der österreichischen Auflagensumme als Boulevardtitel kategorisiert245. 5.3 Charakteristik der Medien der Analyse In den folgenden Unterkapiteln werden die in der Analyse verwendeten Tageszeitungen in alphabethischer Reihenfolge und mit einigen Eckdaten überblicksmäßig, dem Rahmen dieser Arbeit angepasst, vorgestellt.246 Zu vor sei noch auf die allgemeine Unterscheidung von Medien, die über die Begriffe Qualitäts- und Boulevardjournalismus247 und nach Udris und Lucht auch über eine Mischform dieser beiden, den Forum-Medien, ge troffen wird, hingewiesen, da auf diese Begriffe auch in der Charakteristik der Medien Bezug genommen wird. Qualitätszeitungen besetzen ihre Titelseiten nicht vorrangig mit ,human interest' Themen, es werden wenige Bilder platziert und Schlagzeilen we nig emotionsgeladen gestaltet. Beim Text steht Information vor Unterhal tung, es dominieren Hintergrundberichte, eine kontinuierliche Berichter stattung, Meinungsvielfalt, eine strikte Trennung von Nachricht und Mei nung, komplexe Satzstrukturen und Fremdwörter. Die Titelseiten-Gestaltung erfolgt bei Boulevardmedien mit ,human interest'- Themen, vielen Bildern und einer auffälligen Gesamtgestaltung. Kennzeichen von Boule vardzeitungen sind außerdem Simplifizierungen, ein handliches Format und eine Mischung von Unterhaltung und Information. Reizwörter, kurze Einfachsätze, kürzere Texte, einfache Sprache, viele Metaphern und ein Themenmix aus ,human interest', Sport und Unterhaltung dominieren die vor allem meinungsorientierten Texte.248 Vgl. Käfer 2008, 68-69. Deutschland (36%) und die Schweiz (41%) weisen im Vergleich zu Österreich eine wesentlich niedrigere Konzentration auf Boulevards-Medien auf (vgl. Udris, Lucht 2009 zit. in Plasser, Lengauer 2010, 40). Die Daten zu Erscheinungsweise, Herausgeber und Chefredaktion aller in die sem Kapitel charakterisierten Tageszeitungen sind dem Journalisten, Medien & PR-Index 2014 entnommen. Die Definition von einheitlichen Qualitätsmerkmalen im Journalismus ist um stritten. Ein Problem dabei stellen vor allem die Qualitätsmessung und -kon trolle dar (vgl. Neissl 2001, 100). Vgl. Neissl 2001, 98-100 in Neissl, Siegert, Renger 2008; Udris, Lucht 2009, 35 zit. in Plasser, Lengauer 2010, 40. 71 244 245 246 247 248 5.3.1 Der Standard Die Tageszeitung Der Standard wurde im Oktober 1988 von Oscar Bronner gegründet und befindet sich, nach mehrmaligem Wechsel der Eigentümerstruktur249, heute zu 100% in österreichischem Besitz (98,2% Oscar Bronners und Bronner Familien-Privatstiftung, 1,8% MitarbeiterInnen, Die Zeitung verfolgt eine liberale und von politischen Parteien, Institutio nen und Interessengruppen unabhängige Blattlinie, wird auf lachsfärbigem Papier gedruckt und als Qualitätszeitung beurteilt.250 Erscheinungsweise: Montag bis Samstag Herausgeber: Oscar Bronner, Dr. Alexandra Föderl-Schmid Chefredaktion: Dr. Alexandra Föderl-Schmid, Mag. Rainer Schüller Verkaufte Auflage 2012: 69.068 Reichweite 2012: 358.000 LeserInnen (5%) 5.3.2 Kleine Zeitung Die Kleine Zeitung wurde 1904 vom Styria Verlag des Katholischen Press vereins Graz-Seckau gegründet, ist heute Österreichs zweitgrößte Kauf Tageszeitung und größte regionale Tageszeitung des Landes (Steiermark, Kärnten, Osttirol). Sie steht im Eigentum der Styria Media Group AG, der unter anderem auch Die Presse gehört. Die Styria Gruppe ist in fester katholischer Hand: 98,33%-Beteiligung der Katholischen Medien Verein Privatstiftung und 1,67%-Anteile des Katho lischen Medien Verein. Das Kleinformat, das eine von allen politischen Parteien und Interessenvertretungen unabhängige Tageszeitung verfolgt, und optisch starke Ähnlichkeit mit der Kronen Zeitung hat, gilt als hoch modernes, regionales Massenblatt mit einer stark Bild lastigen, magazin haften Seite 1. Die Kleine Zeitung punktet mit anspruchsvoller Hinter grundberichterstattung, ist aber im Bereich von Boulevardmedien einzuordnen.251 Erscheinungsweise: täglich Herausgeber & Medieninhaber: Kleine Zeitung GmbH & Co KG Chefredaktion: Eva Weissenberger, Adolf Winkler (Kärnten und Ost-Ti rol) Mag. Hubert Patterer (Steiermark) Verkaufte Auflage 2012: 279.415 Reichweite 2012: 804.000 (11,2%) 249 50%-Beteiligung des deutschen »Axel-Springer-Konzern« bis 1995, 49%-Beteiligung des »Süddeutschen Verlags« von 1998 bis 2008 (vgl. Ulrich 2014, 12, URL). 250 Vgl. Der Standard, URL; Ulrich 2014, 12, URL. 251 Vgl. Fidler 2008, 207; Ulrich 2014, 10, URL; Kleine Zeitung, URL. 72 5.3.3 Kurier Gegründet wurde der Kurier als „Neuer Wiener Kurier" 1954 aufbauend auf den 1945 von der 12. Armee der US-Streitkräfte als moderne Boule vardzeitung ins Leben gerufenen „Wiener Kurier". Der Kurier wurde 1993 von Peter Rabl als Qualitätszeitung relauncht, dennoch ist er nach wie vor eher als „middle-of-the-road-paper" zwischen Boulevard und Qualität festzumachen.252 Der Kurier gehört mit 50,49%-Anteilen der Printmedien Beteiligungs GmbH (Raiffeisen Konzern), mit 49,41%-Anteilen der WAZ Ausland Holding GmbH Essen und mit 0,1% Kleinaktionären.253 Als un abhängige österreichische überregionale Tageszeitung, „die sich mit dem Ziel einer möglichst weiten Verbreitung an Leser aus allen Schichten der Bevölkerung wendet und diesen umfassende, objektive und rasche Infor mation, kritische und profilierte Kommentierung und gehaltvolle Unter haltung bietet",254 gilt der Kurier politisch als eindeutig mit der ÖVP verbunden.255 Der Kurier hatte im Jahr 2012 eine Druckauflage von 208.096 Stück, mehr als doppelt so viel wie der Standard. Er wird von Udrich und Lucht als Forum-Medium bewertet.256 Erscheinungsweise: täglich Herausgeber: KURIER Zeitungsverlag und Druckerei GesmbH Chefredaktion: Dr. Helmut Brandstätter Verkaufte Auflage 2012: 159.025 Reichweite 2012: 610.000 LeserInnen (8,5%) 5.3.4 Kronen Zeitung Das handliche Kleinformat ist Österreichs Reichweiten stärkstes und auf lagengrößtes Medium. Mit einer Reichweite von 37,4% erreicht die Krone täglich mehr als vier von zehn „ÖsterreicherInnen" und hat beinahe eine Million Exklusiv-LeserInnen. Die Kronen Zeitung gilt gemeinsam mit ORF in Österreich als dominierendes mediales Macht- und Meinungszentrum.257 Das Selbstverständnis der grundlegenden Richtung der Krone liegt in der Kommunikation der „Vielfalt der Meinungen ihres Herausge bers und der Redakteure."258 Der Erfolg der Zeitung generiert sich aus un 252 Vgl. Fidler 2008, 246-252; Ulrich 2014, 11, URL. 253 Vgl. Kurier, URL; Ulrich 2014, 11, URL. 254 Kurier, URL. 255 Vgl. Fiedler 2008, 246. 256 Vgl. Plasser, Lengauer 2010, 40. 257 Vgl. Plasser, Lengauer 2010, 45. 258 Kronen Zeitung, URL. 73 terschiedlichen Faktoren, wie Kleinformat, Sonntagsverkauf, Gewinn spielen, 7-Tage-Woche, Abo-Beigaben, Regionalausgaben, Hauszustel lung und Populismus.259 Das Boulevardblatt transportiert eine „Mischung aus treuherzigen Familiengeschichten, grimmigem Gebelle, xenophoben Ausfällen und kauziger Kolumnistenprosa.“260 Die Kronen Zeitung ist im Besitz der Krone-Verlag GmbH, einem jeweils 50%-Beteiligungsgeflecht der Verlassenschaft nach Hans Dichand und NKZ Austria-Beteiligungs GmbH).261 Erscheinungsweise: täglich Medieninhaber: Krone- Verlag GmbH & Co KG Herausgeber: Dr. Christoph Dichand Chefredaktion: Dr. Christoph Dichand, Prof. Dr. Dkfm. Georg Wailand Verkaufte Auflage 2012: 809.990 Reichweite 2012: 2.687.000 LeserInnen (37,4%) 5.3.5 Oberösterreichische Nachrichten Der Startschuss für das heutige oberösterreichische „Landeshauptblatt“262 erfolgt 1945 durch amerikanische Alliierte. Die Oberösterreichischen Nach richten stehen heute im Eigentum der J. Wimmer Holding,263 einem Medi enkonzern, dem u.a. die Gratiszeitung Tipps, Neue, OÖ Online, Prost, Al penstar und die Fernsehbeilage tele angehören. Mehrheitseigentümer ist der Erbe, Verlagschef und Herausgeber Rudolf Andreas Cuturi.264 Die Zei tung erscheint im Großformat und ist per Selbstdefinition eine überpar teiliche, unabhängige Tageszeitung, die sich zur pluralistischen Gesell schaftsordnung der parlamentarischen Demokratie, den Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft und zur Integration Europas bekennt und sich darüber hinaus den Menschenrechten verpflichtet fühlt.265 Erscheinungsweise: täglich Herausgeber: Ing. Rudolf Andreas Cuturi, MAS, MIM 259 Vgl. Fidler 2008, 213-218. 260 Ankowitsch, Christian 2004 zit. in Fidler 2008, 218. 261 Vgl. Kronen Zeitung, URL. 262 Fidler 2008, 324. 263 Familie W immer ist mit Josef Wimmer, der 1865 die „Tagespost“ gegründet hat, seit beinahe 150 Jahren mit dem Zeitungswesen in Oberösterreich verbunden (OÖN, URL). 264 Vgl. OÖN, URL; Fiedler 2008, 607-608; Ulrich 2014, 14, URL. 265 Vgl. OÖN, URL. 74 Chefredaktion: Mag. Gerald Mandlbauer Verkaufte Auflage 2012: 107.295 Reichweite 2012: 305.000 (4,3%) 5.3.6 Tiroler Tageszeitung 1945 gegründet von US-amerikanischen oder französischen Alliierten266 gehört die auflagenstärkste Zeitung Tirols mit acht Regionalausgaben heute zur Moser Holding AG (75,01% JS Moser Medienholding GmbH, 24,99% Bank für Tirol und Vorarlberg). Die Moser Holding AG ist der viertgrößte Medienkonzern Österreichs mit 11 Bezirksblättern, einem Pri vatradiosender, drei Druckereien und vielen Lokalzeitungen.267 Die Zei tung erscheint im Großformat, sie ist per Eigendefinition als Instrument der demokratischen Meinungsbildung im Sinne der umfassenden Infor mationsfreiheit unabhängig von politischen Parteien, Institutionen und Interessensgruppen und berichtet „gründlich und umfassend mit Schwer punkt Tirol über Politik, Wirtschaft, Kultur, Gesellschaft und Sport."268 Erscheinungsweise: täglich Herausgeber: Gesellschafterversammlung der Moser Holding AG Chefredaktion: Alois Vahrner, Mario Zenhäusern Verkaufte Auflage 2012:86.512 Reichweite 2012: 290.000 (4%) Fidler verweist darauf, dass die ersten Jahre der Tiroler Tageszeitung etwas un durchsichtig seien und nennt die französischen Alliierten als Gründer. (vgl. Fid ler 2008, 302) Ulrich führt die US-amerikanischen Truppen als Gründer der TT an (vgl. Ulrich 2014, 14, URL). Vgl. Fidler 2008, 301-302; Ulrich 2014, 14, URL. Tiroler Tageszeitung, URL. 75 266 267 268 6 Die Medienanalyse Als Kernstück der in dieser Arbeit durchgeführten KDA nach Siegfried Jäger zeigt dieses Kapitel die Ergebnisse der Struktur- und Überblicksana lyse, die Bestimmung der Themen und Unterthemen des Diskurses und die Auswahl typischer Artikel als Grundlage für die Auswahl der Dis kursfragmente für das Dossier. Anhand der abschließenden Feinanalyse unter Bezugnahme auf die Ergebnisse der Strukturanalyse269 wird sich das Ergebnis (oder eine Einschätzung) der Analyse und damit die Beantwor tung der Forschungsfrage erschließen. 6.1 Struktur- und Überblicksanalyse In diesem Arbeitsschritt werden Diskursfragmente mit den wichtigsten Themen und die Kernbotschaft des Artikels herausgefiltert. In der Praxis bedeutet dies, dass aus dem in Kapitel 4.5 erarbeiteten Materialkorpus, der sich aus 181 Diskursfragmenten aus sechs verschiedenen österreichi schen Tageszeitungen270 speist, das Dossier unter Bezugnahme auf The men und Unterthemen und ihre Verteilung in den jeweiligen Medien zu sammengestellt wird. Die Arbeit in diesem Bereich bestand vor allem da raus, aus den erfassten themenrelevanten Artikeln, die Angaben zur Bib liografie und Ressort, Textsorte und bereits erarbeitete Besonderheiten enthält, im ersten Schritt und einer intensiven Auseinandersetzung mit den Texten durch Zuordnung und Kategorisierung (eine Übersicht über) die im gewählten Diskursstrang vorhandenen Themen und Unterthemen zu lukrieren, danach Häufungen oder auch Auslassungen bestimmter Thematiken festzustellen und einen zusammenfassenden Überblick zu generieren. Details zur Auswahl der Diskursfragmente für die Zusam menstellung des Dossiers, das am Ende der hier gesetzten Arbeitsschritte aus 99 Texten besteht, werden in einem nächsten Punkt erörtert. 6.1.1 Überblick über Themen und Unterthemen Anhand der bereits erörterten Arbeitsweise wurden im Diskursstrang vier Hauptthemen und ihre Unterthemen herausgelöst, die im Folgenden für ein besseres Verständnis der Analysearbeit umschrieben und erläutert werden. a) Religion In diesem Themenbereich wurde Berichterstattung, die vor allem Inhalte von unterschiedlichen Akteuren zur (positiven und negativen) Religions 269 Vgl. Jäger 2012, 97. 270 Siehe dazu: Kapitel 4.4. 77 freiheit transportiert, zusammengefasst. Darüber hinaus gilt das Themen feld Tradition als Unterthema, das die Standpunkte von unterschiedlichen Vertretern aus dem Judentum sowie anderer Religionen „sprechen“ lässt. b) Medizin Ein großer Teil der Berichterstattung wird von Themen zur medizinischen Relevanz oder (Nicht-)Notwendigkeit der Beschneidung, möglichen psy chischen und körperlichen Belastungen und Auswirkungen auf das spä tere Sexualleben besetzt. c) Recht Der Themenbereich Recht summiert Berichte, die das Recht auf körperli che Unversehrtheit, das Selbstbestimmungsrecht von Kindern, elterliches Bestimmungsrecht oder auch Inhalte zu Rechtssystemen allgemein be handeln, auf. d) LeserInnenbriefe Unter diesem Punkt werden explizit nur LeserInnenbriefe als meinungs bezogene Formate zusammengefasst. 6.1.1.1 Verteilung der Themen und Unterthemen in den Medien Die Darstellung der Ergebnisse der Untersuchungen zur Verteilung der Themen und Unterthemen im Materialkorpus und die Platzierung in den Ressorts in den einzelnen Medien finden sich aus Gründen der Übersicht lichkeit und Lesbarkeit im Anhang. 6.1.2 Das Dossier Das Dossier, das nach Fertigstellung die Materialgrundlage für die Feinanalyse bildet, entsteht in einem arbeitsintensiven Schritt der Ver dichtung des vorhandenen Datenmaterials aus dem Materialkorpus. Die ser Prozess besteht in der Zuordnung der Einzelthemen zu den vorher ge bildeten thematischen Bereichen, den Themen und Unterthemen, unter besonderer Beachtung der Forderung, dass alle Themen und Unterthe men, Akteure und Diskurspositionen erhalten bleiben, sowie die der Ana lyse zugrunde der liegenden Fragen unter ständiger „Beobachtung“ zu halten. Abbildung 10 zeigt den Inhalt des Dossiers, und damit die Häufig keit der ausgewählten 89 Texte oder Diskursfragmente aller Medien. 78 Die Darstellung der Ergebnisse der Untersuchung zur Verteilung der The men und Unterthemen im Dossier ist im Anhang jeweils für die einzelnen Medien (ausgenommen Kronen Zeitung und Oberösterreichische Nachrich ten) angeführt. Kronen OÖN Kleine Tiroler Tages- Kurier Der Standard Zeitung Zeitung zeitung Medien im Dossier A bb ild u ng 10: V erteilu n g M edienberich te im D ossier.271 6.2 Die Feinanalyse Für die Feinanalyse ergeben sich nach den Vorgaben der Methode unter schiedliche Arbeitsschritte: Der institutionelle Kontext und die Themen setzung wurden bereits erläutert, das Anschauungsmaterial der einzelnen Medien (Themenverteilung im Materialkorpus und im Dossier, Platzie rung in Ressorts) wird im Anhang zur Verfügung gestellt. Noch offene Schritte sind damit die Untersuchung der Textoberfläche, der sprachlich rhetorischen Mittel, der inhaltlich-ideologischen Aussagen, die Interpre tation der Ergebnisse und die Bestimmung der Diskursposition. Dieses Kapitel widmet sich diesen Arbeitsschritten und zeigt am Ende die Ergeb nisse der Feinanalyse. Eigene Darstellung. 79 6.2.1 Feinanalyse der Medien Die Feinanalyse wird im Folgenden, strukturiert nach den im Dossier ent haltenen Diskursfragmenten der einzelnen Medien anhand eines oder mehrerer typischer Artikel ausgearbeitet und mit den folgenden Inhalten aufbereitet: Darstellung der (rituellen) Beschneidung anhand von Beispie len der „Stimmen“ von Akteuren, die zu Wort kommen, verwendete sprachlich-rhetorische Mittel, Interpretation und Bestimmung der Diskur sposition unter Berücksichtigung der Forschungsfrage. Die Untersuchung von Fotos, die in diesem Arbeitsschritt von Jäger vorgesehen ist, wird in der dieser Arbeit zugrunde liegenden Analyse nicht durchgeführt, da ent sprechendes Anschauungsmaterial in dem für die Analyse verwendeten Textmaterial272 nicht zur Verfügung stand. Diese Einschränkung soll im Ergebnis mitgedacht werden. 6.2.1.1 Der Standard Im Standard fallen 31% der Berichterstattung in das Ressort „Kommentar“, 15% in die „Auslandschronik“ und jeweils 13% in die Ressorts „Thema“ und „Inlandschronik“. Insgesamt betrachtet dominiert eine ausführliche Berichterstattung (16 Artikel weisen eine Länge zwischen 400 und 1182 Wörtern auf) mit AkteurInnen aus den unterschiedlichsten Bereichen. Im Standard werden vielfältige Meinungen platziert. Das Verhältnis zwischen Befürwortern, Gegner und „neutralen“ Meinungen zu Beschneidung, das im Standard publiziert wurde, kann als relativ ausgeglichen bezeichnet werden. Der Schwerpunkt der Berichterstattung liegt im Juli 2012 (25 Mel dungen). Eröffnet wird das Thema im Standard, wie in der Kleinen Zeitung, mit vier Meldungen am 28.6.2012. Als Highlights der Berichterstattung sind der 25.7.2012 (5 Artikel), der 28.7.2012 (6 Artikel) und der 30.7.2012 (8 Artikel) zu nennen. Die Verteilung der Themen und die Platzierung in den Ressorts sind im Anhang dargestellt. a) Darstellung der rituellen Beschneidung Der Standard ist beim Thema der Beschneidung Garant von Meinungsviel falt und publiziert eine sehr ausgewogene Bandbreite von Meinungen zwischen Befürwortung und Ablehnung: „Oder man sieht die Beschneidung von Buben als das, was sie ist: eine jahrtausendealte Tradition bestimmter Weltreligionen, die weder lebens gefährlich ist noch die Sexualität von Männern beeinträchtigt - im Ge gensatz übrigens zu Genitalverstümmelungen bei Mädchen."273 272 Vgl. APA-DeFacto Datenbank. 273 Der Standard, Stuiber, 28.06.2012, 36. 80 „Bei Neugeborenen fand man auch Tage und Wochen nach einer Zirkum zision ohne Narkose ein verändertes Trinkverhalten und Auffälligkeiten in der Mutter-Kind-Beziehung. Und es kann zu Blutungen, Wundhei lungsstörungen oder einer engen Harnröhrenmündung kommen." „Ent sprechende Untersuchungen belegen, dass die traumatisierende Wirkung der Operation umso größer war, je jünger das Kind zum Zeitpunkt der Operation war."274 „Aber er [Ariel Muzicant, Anm.] hat zumindest au f einen Punkt auf merksam gemacht: Dass die Beschneidung ganz zentral fü r die jüdische (und auch muslimische) Identität ist. Und das nicht unbedingt aus reli giösen Gründen. Viele, vielleicht die meisten Juden pflegen den Ritus nicht, weil sie Sorge haben, andernfalls nicht dem Bund mit Gott anzu gehören. Die Durchführung der Beschneidung ist aber der vielleicht wichtigste Weg, dem Jüdisch-Sein Ausdruck zu verleihen."275 „Der in Leipzig lehrende Philosoph und Kulturtheoretiker Christian Türcke erklärt die Beschneidung als (relativ) harmloses Überbleibsel einer barbarischen Tradition, die einst, zur ängstlichen Abwehr von Unglück und Strafe, den ersten Sohn einem imaginierten, rachsüchtigen Gott opferte."276 Das Thema der Beschneidung wird hinsichtlich Antisemitismus ambiva lent aufgegriffen. Einerseits wird Antisemitismus deutlich ausgespro chen, „Sie [Juden und Muslime, Anm.] sind bekanntermaßen obstinat. Sie ha ben schon schwereren Angriffen widerstanden und werden dem Glauben nicht abschwören, sondern das Gesetz verletzen. "277 andererseits auch der Vorwurf, dass Österreich (nach wie vor) antisemi tisch sei, platziert: „Der überschießende Eifer, mit dem hierzulande zum Kreuzzug wider die Beschneidung aufgerufen wird, deutet darauf hin, dass die österreichische Seele endlich wieder ein Thema gefunden hat, bei dem sie sich in der Ge wissheit wiegen kann: Schuld sind die Juden. "278 Eine kritische Haltung gegenüber der Beschneidung erfährt aber auch eine klare Abgrenzung zum Antisemitismus: 274 Der Standard, Rohrhofer, 02.08.2012, 10. 275 Der Standard, Hödl, 08.08.2012, 35. 276 Der Standard, Prothmann, Prothmann-Seyersbach, 01.08.2012, 35. 277 Der Standard, Rosner, 30.07.2012, 23. 278 Der Standard, Traxler, 03.08.2012, 31. 81 „Denn es ist falsch, dass jeder, der Beschneidung kritisch hinterfragt, au tomatisch ein Antisemit ist oder etwas gegen den Islam hat. Umgekehrt war und ist es auch nicht richtig, die Beschneidung bloß au f ein blutiges, anachronistisches Ritual, ausgeführt von Unmenschen, zu reduzieren."279 b) Sprachlich-rhetorische Mittel Im Standard findet sich keine nennenswerte Kollektivsymbolik in der Be richterstattung zu den „Kölner Urteilen" bzw. der rituellen Beschneidung von minderjährigen Jungen. c) Interpretation und Diskursposition Die Berichterstattung des Standard zur religiösen Beschneidung ist aus führlich und ausgewogen. Antisemitismus wird im medialen Diskurs the matisiert und direkt darauf Bezug genommen. Ein antisemitisches Muster ist im Standard nicht zu finden. 6.2.1.2 Kleine Zeitung Die Thematik der „Kölner Urteile" wird von der Kleinen Zeitung zeitgleich mit den anderen österreichischen Tageszeitungen aufgenommen, jedoch wird, im Unterschied zu den meisten anderen Tageszeitungen, das Thema bereits am ersten Tag der Berichterstattung ziemlich ausführlich und schwerpunktmäßig (in vier Beiträgen im Ressort International) behandelt. Lediglich der Standard eröffnet, wie die Kleine Zeitung, das Thema auch mit vier Beiträgen am ersten Tag (in den Ressorts Auslandschronik und Kommunikation). Die Berichterstattung der Kleinen Zeitung findet in neun unterschiedlichen Ressorts Platz. Priorität haben Leserbriefe (32%), Inter national (24%), Tribüne und Österreich (jeweils 11%). Generell ist die Be richterstattung der Kleinen Zeitung zum Thema religiöse Beschneidung fast ausschließlich als faktenorientiert zu bezeichnen. Berichtet wird zu ei nem Großteil in kurzen Artikeln (26 Meldungen haben eine Wortanzahl unter 200). Themenverteilung und Platzierung in den Ressorts sind im Anhang aufgeschlüsselt. a) Darstellung der rituellen Beschneidung In der Berichterstattung der Kleinen Zeitung überwiegt eine ablehnende Haltung gegenüber der Beibehaltung der religiösen Beschneidung von minderjährigen Knaben. 279 Der Standard, Baumann, 05.10.2012, 36. 82 „Endlich spricht ein Gericht Klartext und verurteilt und verbietet diese archaische, unmenschliche, religiös motivierte Praxis von Kindesmisshandlung."280 „Welcher Gott ist das übrigens, der seine Geschöpfe fehlerhaft zur Welt kommen lässt, sodass man sie „beschneiden" muss - in ihren Rechten und ihrer Identität?"281 Synchron mit der Aufnahme des Themas erscheint, zwar mit dem Verweis auf die Meinung einer Minderheit, auch eine vehemente Kritik an der Be schneidung von einem Vertreter des Judentums. „'Endlich sagt ein Gericht die Wahrheit und zieht gegen diese barbarische und masochistische Tradition ins Feld', sagt Jonathan Enosch. Er ist Mit gründer des Vereins „Ben Schalem" - intakter Sohn." (28.06.2012, 10) 282 In der Kleinen Zeitung erscheinen aber dennoch auch einige Statements, die die Beschneidung befürworten: „Der Staat dürfe keine Praxis zulassen, die den „Verlust eines angebore nen Körperteils" bedeute, den der Bub, einmal herangewachsen, bedauern könnte, weil er von den religiösen Bekenntnissen seiner Eltern nichts mehr wissen will. Das ist spitzfindig bis zur Lächerlichkeit und es legt den Eltern eine Art Neutralitätsverpflichtung gegenüber ihren Kindern auf, die weltfremd und letztlich verantwortungslos ist."283 Darüber hinaus werden ablehnende und zustimmende Haltungen zur re ligiösen Beschneidung von Minderjährigen auch in Verbindung mit Anti semitismus geäußert. „Der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde irrt, wenn er Antise mitismus als Auslöser der Debatte sieht. Auslöser ist die veränderte Sen sibilität gegenüber Kindern, die die Frage zur Folge hat, ob ein körperli cher Eingriff durch Religionsfreiheit gedeckt sein kann. "284 280 Kleine Zeitung, Scheucher, 28.07.2012, 47. 281 Kleine Zeitung, Feyrer, 01.08.2012, 31. 282 Kleine Zeitung, 28.06.2012, 10. 283 Kleine Zeitung, Winkler, 06.07.2012, 44. 284 Kleine Zeitung, Kerschbaumer, 28.07.2012, 10. 83 „Wie würden sich Katholiken, die ihr Seelenheil in der wöchentlichen Kommunion sehen, äußern, würde man ihnen diese „vorübergehend" un tersagen? Natürlich - dies ist nicht vergleichbar, es geht ja „nur" um Juden."285 „Im Judentum hingegen ist die Beschneidung identitätsstiftend fü r alle. Gerade wir - Österreicherinnen und Österreicher (Mitschuld an der Schoah) und Christinnen und Christen (Mitschuld am jahrtausendelan gen Antijudaismus) - sollten uns davor hüten, Juden und Jüdinnen ir gendetwas vorschreiben oder verbieten zu wollen. "286 b) Sprachlich-rhetorische Mittel In der Kleinen Zeitung findet sich keine nennenswerte Kollektivsymbolik in der Berichterstattung zur rituellen Beschneidung von minderjährigen Jungen. c) Interpretation und Diskursposition Die Kleine Zeitung berichtet insgesamt betrachtet mit einer eher großen Anzahl an Artikeln über die religiöse Beschneidung im Judentum, favori siert werden Leserbriefe abgedruckt und damit Meinungen von LeserIn nen viel Platz eingeräumt. Im untersuchten Diskurs der Kleinen Zeitung ist kein antisemitisches Muster zu erkennen. 6.2.1.3 Kronen Zeitung Die gesamte Thematik erfährt in der Kronen Zeitung sehr geringe Auf merksamkeit, gemessen an der Anzahl der erschienenen Artikel und der inhaltlichen Aufbereitung. Es wurde kein einziger Leserbrief abgedruckt. Die wenigen Artikel sind in den Ressorts Politik, Ausland und Lokal zu finden.287 a) Darstellung der rituellen Beschneidung Auffallend an der Berichterstattung in der Kronen Zeitung ist, dass keiner lei ExpertInnen zu Wort kommen, weder aus dem Judentum, der Medizin oder aus dem rechtlichen Bereich. Transportiert werden damit, in Anleh nung der Ausrichtung der Kronen Zeitung als Boulevard-Zeitung, aus schließlich Meinungen der Redaktion. „Tatsächlich ist die Beschneidung der Vorhaut keine Schädigung der Kör perfunktionen - (im Gegensatz zu der zu Recht verbotenen weiblichen Kleine Zeitung, Smole, 28.07.2012, 46. Kleine Zeitung, Brandner, Hülser, 01.08.2012, 33. Aufgrund der geringen Anzahl der erschienenen Artikel wurde auf eine grafi sche Darstellung der Themenverteilung in der Kronen Zeitung verzichtet. 84 285 286 287 Genitalverstümmelung) - und ist in den USA sogar unter Christen aus hygienischen Gründen (Schutz vor Krebs, AIDS etc.) weit verbreitet."288 „Die Spitze der Penis-Vorhaut ist so unnötig wie der Blinddarm. Sonst hätten sie die Vorfahren nicht als kleines Opfer an Gott auserkoren - und sich dennoch gedeihlich vermehr. "289 „Einen skurrilen Vorschlag liefern Politiker in dieser typisch deutschen Selbstzermürbungsdebatte: Beschneidung einordnen wie Abtreibung nicht legal, aber auch nicht strafbar."290 „Und die Religionshasser müssen sich fragen lassen, weshalb die Vor hautbeschneidung verboten, aber die Abtreibung erlaubt sein soll?"291 b) Sprachlich-rhetorische Mittel Die Berichterstattung in der Krone, die von Franz Schuh als „Zentralorgan der Gegenaufklärung“292 bezeichnet wird, fällt entgegen dem sonstigen Hang der Kronen Zeitung zu Sensationsjournalismus eher bescheiden aus. c) Interpretation und Diskursposition Die Kronen Zeitung informiert ihre LeserInnen eher beiläufig und ohne Ex pertInnen-Wissen zur Thematik. In der kurzen Berichterstattung, die ge kennzeichnet ist von einer Verharmlosung der Debatte, ist allerdings Platz für Seitenhiebe auf Deutschland: „Für anhaltende Kontroversen sorgt das Beschneidungsverbot des Kölner Gerichts an minderjährigen Knaben - (bei uns heißt das Knaben oder Bu ben und nicht „jungen" reichsdeutschen Idioms) - wegen „Verletzung der körperlichen Unversehrtheit. "293 Die Position der Kronen Zeitung im medialen Diskurs ist als stark verkürzt, vor allem gegenüber den anderen Medien, und als vereinfacht zu bezeich nen. Ein antisemitisches Grundmuster tritt in der „Kronen Zeitung“ nicht zu tage. 288 Kronen Zeitung, 04.07.2012, 4. 289 Kronen Zeitung, 27.07.2012, 4. 290 Kronen Zeitung, 16.07.2012, 4. 291 Kronen Zeitung, 27.04.2012, 4. 292 Vgl. Fiedler 2008, 219. 293 Kronen Zeitung, 04.07.2012, 4. 85 6.2.1.4 Kurier Die Thematik der „Kölner Urteile“ und damit die der Beschneidung wird im Kurier vorrangig in der Innenpolitik (29%), gefolgt von Außenpolitik (24%) und Chronik (18%) behandelt. Es werden im untersuchten Zeitraum 11 Leserbriefe abgedruckt. Die Themenverteilung und die Platzierung in den Ressorts im Kurier sind im Anhang detailliert aufgeschlüsselt und dargestellt. Das Highlight der Berichterstattung im Kurier ist der Monat Juli 2012, es werden insgesamt 32 Meldungen veröffentlicht. Im Kurier wird annähernd die gleiche Anzahl von Befürwortern und Gegnern der religiösen Beschneidung von minderjährigen Jungen veröffentlicht. a) Darstellung der rituellen Beschneidung Befürworter und Gegner der rituellen Beschneidung kommen im Kurier mit ihren Argumenten in einem eher ausgeglichenen Verhältnis zu Wort. Die Argumentationslinien der einzelnen „Akteure“ ähneln sich jeweils stark. Sprecher aus dem Judentum gehören meist der Israelitischen Kul tusgemeinde an oder sind orthodoxe Rabbiner. Die Beschneidung wird als harmloser, nicht bis wenig schmerzhafter Eingriff dargestellt und rückt auch in die Nähe von Piercing oder Tätowierungen. Klassische Me dizin erfährt mehrmals „Verniedlichung“ bezogen auf den Eingriff der Beschneidung. „Der Eingriff dauert nicht einmal zehn Sekunden." „Und er ist mindes tens so professionell, wenn nicht professioneller wie der Eingriff eines Urologen, weil der Mohel speziell au f diesen einen Eingriff geschult ist."294 „Der Eingriff dauert nur wenige Sekunden. Das ist keine große Sache und tut auch nicht besonders weh."295 „Eine medizinische Beschneidung dauert 20 Minuten, eine jüdische 8 Se kunden. Für den Neugeborenen ist der Eingriff eine Bagatelle." „Manch mal trinkt das Kind seine Flasche weiter."296 „Warum Körperverletzung, wenn dieser Eingriff selbst von der Weltge sundheitsorganisation als eine Präventivmaßnahme empfohlen wird?"297 294 Kurier, Mauch, 04.07.2012, 14. 295 Kurier, Pachner, 22.07.2012, 2. 296 Kurier, Hintermayer, Buovec, 28.07.2012, 3. 297 Kurier, Mauch, 04.07.2012, 14. 86 „Da könnte man doch auch Zahnoperationen oder Piercings herneh men."298 Gegner der rituellen Beschneidung werden von Vertretern der jüdischen Religion in die Nähe von Antisemiten gerückt, ein Verbot der Beschnei dung wird als schwere Ausgrenzung vom Judentum begriffen und als Eingriff in die Religionsfreiheit. „Alle, die in den letzten 2500 Jahren das Judentum vernichten wollten, haben eines gemeinsam: Sie stellten die Beschneidung von Juden unter Strafe."299 „Der schwerste Angriff au f jüdisches Leben in Deutschland seit dem Ho locaust."300 "Man könnte sagen, dass die Debatte von fundamentalistischen Anti-Re ligiösen angetrieben wird."301 „Man muss sagen, wenn man Beschneidungen verbietet, dann wird es Muslimen und Juden in Österreich verboten, hier zu leben."302 „Das Recht au f freie Religionsausübung steht in der österreichischen Ver fassung."303 Der medizinische Standpunkt zur Beschneidung, vom Kurier meist von Urologen eingefordert, ist dominiert von Fragen der Rechtsauffassung zur Zulässigkeit und der Notwendigkeit von Beschneidungen ohne medizini sche Indikation. „dass die Beschneidung fü r Säuglinge schmerzhafter sei als meist darge stellt. Auch habe sie hygienische und damit medizinische Vorteile nur in Entwicklungsländern, wo Waschen seltener sei."304 „Alle Ärzte sagen, dass die Beschneidung eines Knaben eine Körperver letzung ist. Es ist auch eine Verstümmelung, denn sie wird ja nicht wie der gut."305 298 Kurier, Deutsch, 18.07.2012, 4. 299 Kurier, Hintermayer, Buovec, 28.07.2012, 3. 300 Kurier, Frauscher, 14.07.2012, 5. 301 Kurier, Deutsch, 18.07.2012, 4. 302 Kurier, „Kinderchirurgen-Präsident stellt klar“, 26.07.2012, 11 303 Kurier, Alm, 18.07.2012, 4. 304 Kurier, Frauscher, 14.07.2012, 5. 305 Kurier, Ertl, 22.07.2012, 3. 87 „Beschneidung ist also durchaus mit Folter vergleichbar."306 Die Wortwahl in Leserbriefen zur Beschneidung ist wesentlich drastischer als in der redaktionellen Berichterstattung. „. dass auch Grausamkeiten, wie das fü r Tiere äußerst leidvolle Schäch ten, die Verstümmelung von Babys durch Beschneidung und die in einem laizistischen Europa völlig ungerechtfertigten Kirchenprivilegien endlich abgeschafft werden."307 „Dass die Zirkumzision bei Betroffenen oft auch ein traumatisches Erleb nis darstellt, ist durch nichts bewiesen. [...] Noch nie wurde dokumen tiert, dass sich ein erwachsen gewordener Betroffener darüber beschwert hat."308 „Viele verurteilen das "Herumschnipseln" an kleinen Kindern, finden aber die Straffreiheit fü r das „Zerschnipseln" ungeborener Kinder im Mutterleib als Fortschritt."309 b) Sprachlich-rhetorische Mittel Die Berichterstattung des Kurier zum Thema rituelle Beschneidung ist, auch der sonst üblichen Ausrichtung des Blattes entsprechend, relativ frei von „sensationslüsterner Betriebsamkeit". Die Titel-Gestaltung befindet sich jedoch manchmal nahe an der Grenze dazu: „Beschneidung: Sollen Juden und Muslime das Ritual aufgeben? Unbe dingt, sagt ein Wissenschaftler. Keinesfalls, kontert der Rabbiner „Au ßerirdische wären schockiert."310 c) Interpretation und Diskursposition Die Berichterstattung im Kurier ist als eher ausgewogen zu bewerten, ext reme Positionen sind in den Statements von Vertretern aus dem Judentum und in Leserbriefen zu finden. Bei der redaktionellen Berichterstattung wurde jeweils Wert darauf gelegt, in einem ausgeglichenen Verhältnis Meinungen aus den unterschiedlichen relevanten Disziplinen zu Wort kommen zu lassen. Das Thema Antisemitismus wird von Vertretern aus dem Judentum eingebracht. 306 Kurier, Teufl, 02.08.2012, 11. 307 Kurier, Zika, 01.07.2012, OOE2. 308 Kurier, Dvorak, 30.07.2012, 12. 309 Kurier, Mitterecker, 06.08.2012, 10. 310 Kurier, Bukovec, 28.07.2012, 3. 88 6.2.1.5 Oberösterreichische Nachrichten Auch in den Oberösterreichischen Nachrichten erscheint im Zeitraum der Analyse insgesamt nur sehr wenig über die „Kölner Urteile" und die reli giöse Beschneidung. Von den zehn erfassten Titeln sind fünf davon Leser briefe, die sich einhellig gegen die Erlaubnis der rituellen Beschneidung von minderjährigen Jungen aussprechen. Im Unterschied zur Kronen Zei tung ist das Thema inhaltlich etwas aufwendiger aufbereitet, es kommen unterschiedliche Expertinnen zu Wort. Neben dem Leser-Service, in dem die Leserbriefe erscheinen, findet das Thema in den Ressorts Politik, Welt spiegel, Land & Leute und Menschen & Meinungen Platz. Auffallend ist die Tatsache, dass alle erschienen Beiträge ausnahmslos auf Seite 1 und Seite 2 der Oberösterreichischen Nachrichten publiziert werden. Aufgrund der geringen Anzahl der erschienen Artikel wurde auf eine grafische Dar stellung der Themenverteilung und der Ressorts im Anhang verzichtet. a) Darstellung der rituellen Beschneidung Der Großteil der Berichterstattung bezieht sich auf den juristischen „Grau bereich", der markiert wird durch die Grenzen von Religionsfreiheit in einem modernen säkularen Staat. Das Ritual der Beschneidung wird als Tradition des Judentums transportiert, eine detaillierte Erörterung auch der spezifischen Bedeutung in der jüdischen Religion bleiben ausgespart. Leserbriefe sprechen sich einhellig gegen die Beschneidung aus. „Wenn Religionen mit Verweis au f die altehrwürdigen Traditionen die Körperverletzung und Verstümmelung von Kleinkindern propagieren und ihr Recht darauf verteidigen, dann ist es in einer aufgeklärten Zeit schwer zu ertragen."311 Es wird mehrmals darauf hingewiesen, dass die Debatte „aus Deutsch land" importiert wurde, sie dadurch also kein ureigenes österreichisches Thema sei. In einem Leserbrief wird die Möglichkeit, dass Juden und Mus lime eventuell Sonderrechte für sich beanspruchen könnten, thematisiert: „Die körperliche Unversehrtheit eines Kindes ist oberstes Gebot und irre versible, medizinisch unnötige Eingriffe sind entschieden abzulehnen; da ran kommt niemand vorbei, auch Juden und Muslime nicht."312 311 OÖN, Himmelbauer, 01.08.2012, 1. 312 OÖN, Probst, 01.08.2012, 1. 89 b) Sprachlich-rhetorische Mittel In den Oberösterreichischen Nachrichten finden sich in der untersuchten Be richterstattung zur rituellen Beschneidung keine nennenswerten Kollek tivsymboliken oder sonstige sprachliche-rhetorische Mittel mit besonde ren Schwerpunkten. c) Interpretation und Diskursposition Der Diskurs in den Oberösterreichischen Nachrichten ist äußerst gemäßigt und setzt weder hinsichtlich der Beschneidung konkrete noch hinsichtlich Antisemitismus besondere Akzente. Die Berichterstattung ist mit zehn Meldungen im gesamten Untersuchungszeitraum, trotz inhaltlicher Schärfen gegenüber der Kronen Zeitung, immer noch als minimalistisch zu bezeichnen. Antisemitische Muster in der Berichterstattung der Oberöster reichischen Nachrichten werden im Untersuchungszeitraum nicht festge stellt. 6.2.1.6 Tiroler Tageszeitung Klarer Favorit bei der Veröffentlichung der Tiroler Tageszeitung sind Le serbriefe (34%), gefolgt von den Ressorts Nachrichten 25%, Tirol (16%) und Meinung 13% (vgl. 8.1.4). Es dominiert damit in der Tiroler Tageszei tung, fasst man die Ressorts Leserbriefe und Meinungen zusammen (47%), beim Thema der religiösen Beschneidung die meinungsbetonte Berichter stattung (Details zu den Ressorts, sowie den Themen und Unterthemen im Anhang). Der Schwerpunkt der Berichterstattung zum Untersu chungsthema erfolgt in der Tiroler Tageszeitung im Juli 2012 (47% der Be richterstattung). Veröffentlicht werden vor allem mittellange Texte (56% der Artikel zählen zwischen 200 und 400 Wörtern) und eher kurze Texte (bei 34% der Meldungen werden weniger als 200 Wörter verwendet). a) Darstellung der rituellen Beschneidung Die Beschneidung von minderjährigen Knaben aus religiösen Gründen er fährt in der Tiroler Tageszeitung jedenfalls zu einem überwiegenden Anteil Ablehnung, sowohl aus medizinischen, religiösen und rechtlichen Grün den, wie die folgenden Beispiele zeigen: „Es ist nicht einzusehen, warum die Beschneidung von Männern so ba gatellisiert wird. Wenn das sensibelste Organ - die Vorhaut - entfernt wird, bedeutet das eine massive Einschränkung des sexuellen Empfin dens. Das ist eindeutig als Verstümmelung zu sehen und gehört, wenn es aus religiösen Gründen vorgenommen wird, verboten. "313 313 Tiroler Tageszeitung, Warenski, 01.07.2012, 10. 90 „Statt neue Sondererlaubnisse fü r fragwürdige religiöse Bräuche einzu führen, sollte man endlich die unglückseligen Reste religiöser Dogmatik aus den Gesetzen tilgen."314 „Das Urteil eines deutschen Gerichts, wonach die Beschneidung von Kin dern eine strafbare Handlung darstellt, ist eine gesellschaftspolitische Bombe, deren Auswirkungen nicht abschätzbar sind."315 „Auffallend viele, die selber nicht beschnitten sind - also keine jüdische oder muslimische Herkunft haben - sind gegen das Ritual. Ein Zeichen fü r Antisemitismus, Antiislamismus, Ausländerfeindlichkeit, so die Schlussfolgerung der Betroffenen."316 „In Zeiten, in denen etwa die katholische Kirchenführung ihr Heil im Fundamentalismus sucht, kann man vom orthodoxen Judentum und vom streng ausgelegten Islam kaum erwarten, von sinnlosen Ritualen Ab stand zu nehmen. Sie sind Teil einer religiösen Disziplinierung."317 b) Sprachlich-rhetorische Mittel Auch in der Tiroler Tageszeitung sticht die Berichterstattung zu den „Köl ner Urteilen“ und der rituellen Beschneidung von minderjährigen Jungen nicht durch eine auffallende Kollektivsymbolik hervor. c) Interpretation und Diskursposition Bei der Anzahl der zum Thema erschienenen Artikel liegt die Tiroler Ta geszeitung im Vergleich zu den anderen untersuchten Tageszeitungen an vierter Stelle. Veröffentlicht werden sehr viele Leserbriefe und transpor tiert wird eine vornehmlich ablehnende Haltung zur Beschneidung von minderjährigen Jungen. Im Diskurs der Tiroler Tageszeitung ist keine anti semitische Grundhaltung zu erkennen. Conclusio Die in ausgewählten österreichischen Tageszeitungen durchgeführte Kri tische Diskursanalyse anhand der Forschungsfrage „Welche Muster sind in der Berichterstattung ausgewählter österreichischer Medien im Kontext der Kölner Urteile und der Beschneidung von nicht-einwilligungsfähigen Knaben im Judentum in Österreich erkennbar?“ wurde durchgeführt bzw. geringfügig mit der Frage nach dem Vorhandensein von Antisemi 314 Tiroler Tageszeitung, Harlass, 19.07.2012, 8. 315 Tiroler Tageszeitung, Schöpf, 21.07.2012, 2. 316 Tiroler Tageszeitung, Ritzer, 28.07.2012, 2. 317 Tiroler Tageszeitung, Kröll, 25.07.2012, 10. 91 tismus in der Berichterstattung erweitert. Aufgrund des Fehlens von ent sprechendem Untersuchungsmaterial wurde von einer, in der Methodik üblicher Weise vorgesehenen, Untersuchung von Bildquellen in der Ana lyse Abstand genommen. Die Medienanalyse zeigte, dass das Thema reli giöse Beschneidung von minderjährigen, nicht einwilligungsfähigen Jun gen mit unterschiedlicher Medienresonanz aufgenommen wurde (vor al lem in der Kronen Zeitung und in den Oberösterreichischen Nachrichten wurde auffallend wenig berichtet). Ein konkretes Muster in der Berichter stattung ist nicht festzumachen, Unterschiede zeigen sich vor allem in der Rezeption von ExpertInnen-Meinungen (von nicht vorhanden bis umfas send), der Länge der einzelnen Medienberichte und der Anzahl der ver öffentlichten Leserbriefe. Die Berichterstattung zu den „Kölner Urteilen“ ist auf Basis dieser Untersuchung nicht als antisemitisch zu bezeichnen. 92 Schlusswort und Ausblick Diese Arbeit verfolgte das Ziel, den medialen Diskurs rund um die „Köl ner Urteile“ bzw. dessen Rezeption in ausgewählten österreichischen Me dien abgegrenzt auf die religiöse Beschneidung im Judentum zu untersu chen. Gemäß der für die Untersuchung gewählten Methode der Kritischen Diskursanalyse der Duisburger Schule wurden nach der Abgrenzung der Untersuchung, das diskursive Ereignis und der theoretische Hintergrund aufbereitet, der institutionelle Kontext, die Materialgrundlage und Dos sier erarbeitet und die Analyse durchgeführt. Der in der Analyse untersuchte Diskurs um die religiöse Beschneidung von nicht einwilligungsfähigen minderjährigen Jungen als, wie in dieser Arbeit oft zitiert, Fluss von sozialen Wissensvorräten nach Jäger sollte eine Momentaufnahme der unterschiedlichen Sichtweisen und unter Bezug nahme auf die Wirkung von Medien die damit verbundene Macht von Diskursen offenlegen. Die in der Einleitung formulierte Forschungsfrage „Welche Muster sind in der Berichterstattung ausgewählter österreichi scher Medien im Kontext der Kölner Urteile und der Beschneidung von nicht-einwilligungsfähigen Knaben im Judentum in Österreich erkenn bar?“ wurde bearbeitet und beantwortet. Im untersuchten Diskurs um re ligiöse Beschneidung im Judentum wurden keine antisemitischen Muster festgemacht. Den Ausblick soll ein Zitat des deutschen Historikers Michael Wolffsohn bilden: „Man mag das Kölner Beschneidungsurteil so oder anders bewerten, es wäre gerade fü r uns Juden eine Gelegenheit gewesen, jüdische Inhalte zu überdenken und, mit neuer innerer Kraft, beizubehalten - oder zu ändern."318 318 W olffsohn 2012, URL. 93 7 Anhang In diesem Abschnitt werden die Ergebnisse hinsichtlich der Artikel-Plat zierung in den einzelnen Ressorts und die Themenverteilung der einzel nen Medien in Materialkorpus und Dossier gezeigt. Aufgrund der gerin gen Anzahl der erschienenen Artikel wurde auf eine grafische Darstellung der Themenverteilung und der Platzierung der Artikel in Ressorts in Kro nen Zeitung und Oberösterreichischen Nachrichten verzichtet. Für die Be trachtung der Ergebnisse in den Tabellen zur Darstellung der Verteilung der Themen und Unterthemen in Materialkorpus und Dossier sei hiermit explizit darauf hingewiesen, dass sich die Tabellen der einzelnen Medien in ihrer Skalierung unterscheiden. Ergebnisse zu Materialkorpus und Strukturanalyse 95 Der Standard Themenverteilung der Medienberichte in Materialkorpus und Dossier Platzierung der Medienberichte nach Ressorts im Materialkorpus Der Standard: Platzierung nach Ressorts 1 Innenpolitik 1 Seite 1 1 Kommunikation 1 Inlandschronik 1 Thema 1 Auslandschronik 1 Leserbrief 1 Kommentar 96 Kleine Zeitung Themenverteilung der Medienberichte in Materialkorpus und Dossier Platzierung der Medienberichte nach Ressorts im Materialkorpus Kleine Zeitung: Platzierung nach Ressorts ■ Gesundheit ■ Debatte ■ Bundesland ■ Lebensart ■ Brisant Österreich Tribüne ■ International ■ Leserbrief 97 Kurier Themenverteilung der Medienberichte in Materialkorpus und Dossier 18 16 14 12 10 C 8 l Materialkorpus I Dossier Religion M edizin Recht Leserbriefe Themenverteilung Kurier Platzierung der Medienberichte nach Ressorts im Materialkorpus Kurier: Platzierung nach Ressorts 1 Seite 1 1 W eltchronik 1 Medizin, Leben 1 Leser-Service 1 Chronik 1 Außenpolitik 1 Innenpolitik 6 4 2 0 98 Tiroler Tageszeitung Themenverteilung der Medienberichte in Materialkorpus und Dossier 16 14 12 ^ 10 Religion M edizin Recht Leserbriefe Themenverteilung Tiroler Tageszeitung Materialkorpus Dossier Platzierung der Medienberichte nach Ressorts im Materialkorpus Tiroler Tageszeitung: Platzierung nach Ressorts ■ International ■ Österreich ■ Leben ■ Meinung ■ Tirol ■ Nachrichten ■ Leser 6 4 2 0 99 Abbildung 1: Beschneidung aus nicht-religiösen Gründen bei Männern über 15 Jahren....................................................................... 323 Abbildung 2: Beschneidung von Männern über 15 Jahre weltweit 32 Abbildung 3: Verbreitung der männlichen Beschneidung weltweit nach Ländern........................................................................... 33 Abbildung 4: Typisches Alter der Beschneidung bei Männern nach Ländern und Verbreitung der männlichen Beschneidung 34 Abbildung 5: Mitgliederzahlen anerkannter Religionsgesellschaften in Österreich.............................................................................................. 56 Abbildung 6: Zeitstrang „Kölner Urteile“.......................................................63 Abbildung 7: Auflagen und Reichweiten der Tageszeitungen in Österreich im Jahr 2012...........................................................................64 Abbildung 8: Inhalt des Materialkorpus......................................................... 66 Abbildung 9: Tägliche Mediennutzung in Österreich 2008........................ 68 Abbildung 10: Verteilung Medienberichte im Dossier................................ 79 Abbildungsverzeichnis Abkürzungsverzeichnis AG Amtsgericht ABGB Allgemeines bürgerliches Gesetzbuch (Österreich) Apg Apostelgeschichte ÄsthOpG Bundesgesetz über die Durchführung von ästhetischen Behandlungen und Operationen bShab Traktat des Babylonischen (b) Talmuds Schabbat BGB Bürgerliches Gesetzbuch (Deutschland) BV-G Bundesverfassungsgesetz bzw. beziehungsweise DISS Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung JAC Jews against Circumcision KDA Kritische Diskursanalyse KRK Konvention über die Rechte des Kindes LG Landesgericht MA Media-Analyse 100 NOHARMM National Organization to Halt the Abuse and Routine Mutilation of Males NRW Nettoreichweite ÖAK Österreichische Auflagenkontrolle StGB Strafgesetzbuch WHO World Health Organisation UNAIDS Joint United Nations Programme on HIV/AIDS UNICEF United Nations International Children's Emergency Fund URL Uniform Resource Locator 101 8 Literaturverzeichnis Abkürzungen von Nachschlagewerken BR Der Brockhaus der Religionen, Glauben, Riten, Heilige (2007). 2. überarbeitete und aktualisierte Auflage. 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Zusammenfassung

Im Jahr 2012 schlug ein Gedicht von Günther Grass hohe Wellen, das sich in offen kritischer Form gegen die Nahostpolitik Israels aussprach. Etwa zeitgleich entfachte in den deutschen und österreichischen Medien eine Diskussion über die Rechtmäßigkeit religiös motivierter Beschneidungen von Jungen. Pressestimmen und LeserInnenbriefe beschränkten sich in beiden Fällen nicht nur auf die politische, beziehungsweise die medizinisch-rechtliche Ebene, sondern gaben berechtigten Anlass zu der Frage nach einem latenten bis offenen Antisemitismus im deutschsprachigen Raum.

Dieser Band vereinigt zwei unterschiedliche Studien der Forschungsfrage, ob und inwieweit Antisemitismus in der österreichischen Presse anzutreffen ist. Eingehend beschäftigt sich Bernadette Pensch mit der medialen Diskursanalyse zur Beschneidung von Jungen. Dabei nähert sie sich dem Thema über einen religionsgeschichtlichen Ansatz, in dem sie die Hintergründe der Beschneidung in Judentum und Islam beleuchtet. Petra Andorfer-Leithgöb konzentriert sich in ihrer Studie auf die Frage, ob die beiden medialen Diskurse von 2012 tatsächlich einen offenen oder sekundären Antisemitismus erkennen lassen. Zusammen bieten die Studien den religionsgeschichtlichen und kontextuellen Hintergrund für beide Debatten und konvergieren trotz eigenständiger Sujets in ihrer Metareflexion über den Antisemitismus.