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Petra Andorfer-Leithgöb, II. Günter Grass' Gedicht „Was gesagt werden muss" und die Beschneidung in der österreichischen Presse in:

Ulrike Bechmann, Wolfram Reiss (Ed.)

Antisemitismus in den Medien?, page 121 - 224

Beschneidungspraxis und Israelkritik in österreichischen Printmedien

1. Edition 2017, ISBN print: 978-3-8288-3914-4, ISBN online: 978-3-8288-6731-4, https://doi.org/10.5771/9783828867314-121

Series: Anwendungsorientierte Religionswissenschaft

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
II. Günter Grass' Gedicht „Was gesagt werden muss" und die Beschneidung in der österreichischen Presse (Petra Andorfer-Leithgöb) 121 Vorwort der Autorin Im Jahr 2012 erschienen in den österreichischen Printmedien zahlreiche Berichte im Zusammenhang mit Themen aus dem Bereich des Judentums sowie der israelischen Politik. Ebenfalls rief das Thema Antisemitismus immer wieder große mediale Aufmerksamkeit hervor. Die Auseinander setzung mit dieser Problematik ist in den Medien vor allem im deutsch sprachigen Raum selten unumstritten. Dass dies im Kontext des komple xen und leider sehr kontroversiellen Nahostkonfliktes nicht selten der Fall ist, wurde u.a. im Zuge der Veröffentlichung des Gedichtes „Was gesagt werden muss“ von Günter Grass deutlich. Die Publikation schlug europa weit hohe Wellen und setzte eine lebhafte Debatte in Gang, die ich mit großem Interesse verfolgte. Einerseits rückte dadurch die Frage der (be rechtigten) Kritik an der israelischen Politik in den Vordergrund, anderer seits bot das Thema - allerdings nicht zum ersten Mal - eine mediale Platt form für antisemitische Äußerungen. Es war für mich sehr spannend zu beobachten, wie manche Berichte in drei bekannten österreichischen Printmedien - in Die Presse, Kronen Zeitung und im Profil - in unterschied licher Intensität Elemente eines „sekundären“ bzw. implizit formulierten Antisemitismus aufwiesen bzw. wie manche die Gefahr dieser „versteck ten“ Form von Antisemitismus indizierten. Knapp einen Monat nach der Veröffentlichung des Gedichtes sorgte ein Gerichtsurteil in Deutschland erneut für mediale Aufregung. Obwohl das Urteil den Fall eines muslimischen Jungen betraf, wurde dies zur Basis einer weiteren regen Auseinandersetzung in den Medien gemacht - über wiegend im Zusammenhang mit dem Judentum. Das Ritual der Beschnei dung, die Brit Mila - das Zeichen des Bundes zwischen Abraham, dem Erzvater Israels, und JHWH und somit ein konstitutives Element des Ju dentums - stand am Prüfstand der medialen Öffentlichkeit. Da das Urteil die Beschneidungspraxis als Körperverletzung bezeichnete, wurde die Be richterstattung über diese häufig sehr negativ konnotiert und zahlreiche Klischees gegenüber Juden flossen in die Zeitungsartikel ein. Wie im Fall des „Gedichtes“, wiesen auch diesbezüglich viele Pressemeldungen einen antisemitischen Charakter auf. Die mediale Auseinandersetzung ent fachte eine Debatte, die aus unterschiedlichen Bereichen kommentiert wurde und emotional teilweise hohe Wellen schlug. Mediziner, Juristen, Theologen, Religionskritiker, Politiker und Menschenrechtler, Männer die ihre persönlichen Erfahrungen medial schilderten, sowie Leser unter schiedlichster Berufe meldeten sich zu Wort. Auch innerjüdisch wurde sehr kontrovers diskutiert. Das Ritual der Beschneidung wurde zu einem disputablen Thema, das eine breite Palette an Fragestellungen aufwarf und Wissenschaftler aus verschiedenen Bereichen veranlasste, sich damit näher auseinanderzusetzen. Das Anliegen dieser Arbeit war die Analyse 123 der Pressemeldungen hinsichtlich der Formulierungen, die als antisemi tisch bezeichnet werden können, obwohl sie nicht immer auf den ersten Blick als solche erschienen. Ausführlichere medizinische, rechtliche und religionswissenschaftliche Analysen des Beschneidungsrituals sowie die damit in Verbindung gebrachten politischen Themen fanden ausschließ lich dann Erwähnung, insofern sie für die Pressemeldungsanalyse von Be deutung waren. Eine Liste aktueller weiterführender wissenschaftlicher Literatur, die das Thema Beschneidung im Judentum bzw. die Beschnei dungsdebatte aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet, befindet sich im Literaturverzeichnis dieser Arbeit. Dies gilt auch für den Nahostkon flikt, der hier nicht ausführlich dargestellt wird. Auch hier geht es nur um die Rezeption der Israelkritik in den Medien. Für die sehr freundliche Unterstützung bei der Realisierung dieser Arbeit möchte ich an dieser Stelle Frau Prof. Dr.in Ulrike Bechmann recht herzlich danken. Ohne ihre hohe Fachkompetenz wäre diese nicht möglich gewe sen. Mein aufrichtiger Dank gilt auch meinem lieben Ehemann, der mir stets zur Seite steht. 124 Einführung Das im Jahr 2012 erschienene Buch des Kommunikationswissenschaftlers Maximilian Gottschlich1 setzt sich u.a. mit verschiedenen Aspekten der Wahrnehmung der Themen israelischer Politik und Erscheinungsformen des (neuen) Antisemitismus in der österreichischen Presse auseinander. Dieses Werk hat bei mir das Interesse verstärkt, mehr über die Art und Weise der Berichterstattung zu zwei konkreten Themen in drei einfluss reichen österreichischen Zeitungen zu recherchieren. Folgende Ereignisse haben in diesem Jahr großes mediales Echo hervorgerufen und die Be richterstattung über diese wurde zum Gegenstand dieser Arbeit gewählt: Die Rezeption und Kommentare nach der Veröffentlichung des Gedichtes „Was gesagt werden muss“ des deutschen Literaturnobelpreisträgers Günter Grass sowie der Bezug auf die damit eng verbundenen Fragen des Antisemitismus und der Israelkritik; Die Beschneidung einwilligungsunfähiger Jungen aus religiösen Gründen und die Debatte in Bezug auf das Urteil des Kölner Landgerichts vom 07.05.2012. Da die nähere Auseinandersetzung mit den sehr zahlreichen und komple xen Berichten in Zusammenhang mit dem Nahostkonflikt sowie der Isra elkritik den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde, wird auf dieses Thema nur im Kontext des oben genannten Gedichtes eingegangen. Die vorliegende Arbeit soll anhand von Analysen von in den österreichi schen Printmedien Kronen Zeitung, Die Presse und Profil erschienenen Ar tikeln folgende Fragen beantworten: Zum Themenschwerpunkt 1: Das Gedicht „Was gesagt werden muss“ Wie wurde das Gedicht von Günter Grass „Was gesagt werden muss“ in den drei oben genannten österreichischen Printmedien rezipiert und kom mentiert? Wurde in diesem Zusammenhang der (sekundäre) Antisemitismus the matisiert bzw. haben sich die JournalistInnen in der Berichterstattung an tisemitischer Elemente bedient? Wurden die Leserbriefe mit antisemitischen Äußerungen veröffentlicht/ kommentiert? Wie wurde die Kritik an Israel geschildert? Gottschlich 2012. 125 Zum Themenschwerpunkt 2: Die Beschneidungsdebatte Welche Reaktionen hat das Kölner Urteil über die Beschneidung aus reli giösen Gründen in den behandelten Printmedien hervorgerufen? Was wurde über die Beschneidung im Judentum berichtet? Was waren die zentralen Punkte in der Berichterstattung? Wurden in den analysierten Texten Merkmale des sekundären Antisemi tismus verwendet? Die für die vorliegende Arbeit selektierten Artikel werden in der chrono logischen Reihenfolge der Ereignisse im jeweiligen publizierenden Me dium inhaltlich analysiert. In die Analyse werden die in manchen Artikeln veröffentlichten Bilder nicht miteinbezogen. Als erstes werden die Texte zum Themenschwerpunkt des Gedichtes „Was gesagt werden muss“ aus Die Presse erörtert - gefolgt von Kronen Zeitung und Profil. Der zweite The menschwerpunkt wird in derselben Reihenfolge präsentiert. In den Textanalysen wird primär der Wahrnehmungsmechanismus der sogenannten Sinn-Induktion untersucht. Sabine Schiffer erklärt in ihrem Buch „Die Darstellung des Islams in der Presse“ die zentrale Rolle dieses Mechanismus in unserem Wahrnehmungsalltag. Sinn-Induktion in der Presse wird wie folgt beschrieben: „In der Presse lässt sich eine Verfah rensweise beobachten, bei der ohne explizite Bezüge und argumentative Rechtfertigung Zusammenhänge zwischen unterschiedlichen Sachverhal ten hergestellt werden.“2 Es geht darum zu zeigen, wie bestimmte Sach verhalte zusammen präsentiert und für einander relevant gehalten wer den, ohne eine explizite Verbindung zwischen diesen herzustellen.3 „Die Verantwortung für die Interpretation des hergestellten Inhalts liegt dann ausschließlich bei der Hörer- bzw. Leserschaft.“4 Diese Methode ermög licht in dieser Arbeit die Suche nach bestimmten Suggestionen und For mulierungen, die Elemente sekundären Antisemitismus implizit enthal ten. In der Artikelanalyse wird in erster Linie auf diese Elemente hinge wiesen, deren Bedeutung dann näher erklärt wird. Im Weiteren wird ver sucht zu zeigen, ob die Texte eine argumentative Stringenz aufweisen. Es wird auch untersucht, ob der sog. Antisemitismus von „außen“5 durch die Veröffentlichung explizit antisemitischer Äußerungen anderer Men schen (z.B. die Meinungen der Leserinnen und Leser) den Eingang in die Medien fand und ob diese kommentiert wurden oder unkommentiert 2 Schiffer 2005, 55. 3 Vgl. Schiffer 2005, 66. 4 Schiffer 2005, 76. 5 Siehe dazu Kapitel 3. 126 blieben. Dies kann oft als ein Indiz für einen latenten Antisemitismus ver standen werden, der sich „im Alltagsdiskurs allenfalls als stillschweigen des Einverständnis über 'die Juden' zeigt, der aber überwiegend auf der Einstellungsebene bleibt, also vor allem bei Meinungsumfragen in Er scheinung tritt."6 Anschließend werden die Forschungsfragen beantwor tet bzw. die Ergebnisse aus jeweiligem Printmedium zusammengefasst. Um die Artikelanalyse von den eigenen Ansichten sowie Kommentaren und Erläuterungen zu bestimmten Themen zu trennen, werden diese im mer in einem neuen Absatz präsentiert. Vgl. Benz 2004, 35. 127 1 Wahl der Printmedien Statistisch betrachtet ist Österreich ein Land der Zeitungleser. „Die Ge samtreichweite der Tageszeitungen [im Jahr 2011, Anm. der Autorin] be trug 5.213 Mio. Leser und Leserinnen bzw. 73,0% der Bevölkerung ab 14 Jahren. Die größte Reichweite erzielte die Kronen Zeitung mit 2.724 Mio. Lesern und Leserinnen [...]. Im Marktsegment der Qualitätszeitungen lag Der Standard mit einer Reichweite von 5,0% vor der Presse (3,7%) und den Salzburger Nachrichten (3,4%).“7 Demzufolge tragen Printmedien ei nen wichtigen Teil zur Meinungsbildung der österreichischen Bevölke rung bei. Diese Arbeit behandelt Artikel aus drei österreichischen Printmedien, welche die Medienlandschaft des Landes wesentlich prägen - den Tages zeitungen Kronen Zeitung und Die Presse sowie der Wochenzeitung Profil. Kronen Zeitung (gegründet am 2. Jänner 1900) beschreibt ihre grundle gende Richtung folgendermaßen: „Die Vielfalt der Meinungen ihres Her ausgebers und der Redakteure.“8 Sie ist die meistgelesene Tageszeitung Österreichs (siehe Tabelle 1: MA 11/12 - Tageszeitungen Total ). Die Presse ist die österreichische überregionale Qualitätstageszeitung. Sie erreicht täglich 263.000 Leser. (Quelle: MA 2011, LpA) „Die Presse spricht eine interessierte, anspruchsvolle und kaufkräftige Leserschaft an und setzt sich in den höchsten Einkommensklassen deutlich von der Gesamt bevölkerung 14+ ab. Der „Presse“ Leser ist gebildet, erfolgreich, einkom mensstark.“9 Profil ist eine österreichische Wochenzeitung. Medieninhaber ist die Ver lagsgruppe NEWS Gesellschaft m.b.H. Profil definiert seine grundlegende Richtung als „das unabhängige Nachrichtenmagazin Österreichs für Poli tik, Wirtschaft, Außenpolitik, Gesellschaft, Wissenschaft und Kultur.“10 Folgende zwei Tabellen des Vereins Arbeitsgemeinschaft Media-Analy sen (MA) veranschaulichen die Reichweite der österreichischen Tages- so wie Wochenzeitungen und dienen der Orientierung und dem Vergleich mit anderen österreichischen Printmedien. Die für diese Arbeit relevanten Medien wurden hervorgehoben. 7 Statistik Austria: Bücher und Presse, 2012. 8 Kronen Zeitung/Krone Bunt-Offenlegung, 2012. 9 Print-Mediadaten: Media Analyse, 2012. 10 Offenlegung/Impressum, 2012. 129 Total «M S tu N O £ G1—1 P ro je kt io n in 10 00 NRW Tageszeitungen 73,1 5.250 Der Standard 4,8 341 Die Presse 3,6 261 Heute (GRATIS) 13,2 947 Kronen Zeitung 38,2 2.742 Kurier 8,0 574 Österreich (GRATIS) 10,2 729 Kleine Zeitung gesamt 11,5 822 Kleine Zeitung (Graz) 7,8 561 Kleine Zeitung (Klgft) 3,6 262 OÖN-OÖ Nachrichten 4,3 305 SN-Salzburger Nachrich ten 3,3 238 TT-Tiroler Tageszeitung 4,0 289 Neue Vbg. Tageszeitung 0,5 37 VN-Vbg. Nachrichten 2,4 175 TOP Vorarlberg 2,6 189 Fälle/Bevölkerung: 15.731 /7.179 T abelle 1: M A 11/ 12 - T ageszeitu ngen T otal11 11 MediaAnalyse, 2012. 130 Falter 1,3 94 Format 2,2 156 Ganze Woche 13,4 959 News 8,9 640 P rofil 5,9 420 Seitenblicke 2,8 201 Sportwoche 3,1 221 TV-Media 12,5 896 Weekend Magazin 14,5 1.042(14-täglich GRATIS) Der österr. Lesezirkel 9,0 648 Fälle/Bevölkerung: 15.731 /7.179 Tabelle 2: M A 11/12 - W och enm agazin e T ota l12 MediaAnalyse, 2012. 131 2 Beschreibung der Ereignisse 2.1 Die Veröffentlichung des Gedichtes „Was gesagt werden muss" Am 4. April 2012 veröffentlichten die Tageszeitungen Süddeutsche Zeitung, New York Times, La Repubblica und El Pais das Gedicht des deutschen Lite ratur-Nobelpreisträgers Günter Grass „Was gesagt werden muss“. Beson ders umstritten ist im Text die Aussage über die angebliche Gefährdung des (laut Grass „ohnehin brüchigen") Weltfriedens durch Israel. Durch den möglichen Erstschlag könnte Israel nämlich, so Grass, das iranische Volk auslöschen. Dass ausgerechnet Günter Grass, der bis 2006 seine SS-Vergangenheit verschwiegen hatte, sich berufen fühlte, endlich auszuspre chen, was seiner Meinung nach endlich gesagt werden musste, sorgte für verstärkte mediale Reaktionen und löste eine Welle heftiger Kritik in Deutschland und - in geringerem Ausmaß - auch in Österreich aus. Im Gedicht thematisiert Grass auch das „geläufige Verdikt Antisemitismus“ - in diesem Zusammenhang ist in den Medien die Frage nach der Grenze zwi schen (legitimer) Kritik an israelischer Politik und Antisemitismus zentral geworden. Alle drei untersuchten österreichischen Medien haben die Veröffentli chung des Gedichtes sowie die dadurch ausgelöste kontroverse Diskus sion mehr oder weniger umfangreich thematisiert. Der Text wurde in Die Presse am 5. April sowie im Profil am 16. April 2012 abgedruckt. Dieser wird auf der folgenden Seite wiedergegeben. 133 Das Gedicht: „W as gesagt werden muss"13 Warum schweige ich, verschweige zu lange, / was offensichtlich ist und in Planspielen / geübt wurde, an deren Ende als Über lebende / wir allenfalls Fußnoten sind. Es ist das behauptete Recht auf den Erstschlag, /der das von einem Maulhelden unterjochte / und zum organisierten Jubel gelenkte / iranische Volk auslöschen könnte, / weil in dessen Machtbereich der Bau / einer Atombombe vermutet wird. Doch warum untersage ich mir,/jenes andere Land beim Namen zu nennen,/ in dem seit Jahren - wenn auch geheimgehalten - / ein wachsend nukleares Potential verfügbar / aber außer Kontrolle, weil keiner Prüfung /zugänglich ist? Das allgemeine Verschweigen dieses Tatbestandes, / dem sich mein Schweigen untergeordnet hat, / empfinde ich als belastende Lüge/ und Zwang, der Strafe in Aussicht stellt, / sobald er mißachtet wird; / das Verdikt "Antisemitismus" ist geläufig. Jetzt aber, weil aus meinem Land, / das von ureigenen Verbrechen, / die ohne Vergleich sind, / Mal um Mal eingeholt und zur Rede gestellt wird, / wiederum und rein geschäftsmäßig, wenn auch / mit flinker Lippe als Wiedergutmachung deklariert, / ein weiteres U-Boot nach Israel / geliefert werden soll, dessen Spezi alität / darin besteht, allesvernichtende Sprengköpfe / dorthin lenken zu können, wo die Existenz/ einer einzigen Atombombe unbewiesen ist, / doch als Befürch tung von Beweiskraft sein will, / sage ich, was gesagt werden muß. Warum aber schwieg ich bislang? / Weil ich meinte, meine Herkunft, / die von nie zu tilgendem Makel behaftet ist, / verbiete, diese Tatsache als ausgesprochene Wahrheit / dem Land Israel, dem ich verbunden bin / und bleiben will, zuzumu ten. Warum sage ich jetzt erst, / gealtert und mit letzter Tinte: / Die Atommacht Israel gefährdet / den ohnehin brüchigen Weltfrieden? / Weil gesagt werden muß, / was schon morgen zu spät sein könnte; / auch weil wir - als Deutsche belastet genug - / Zulieferer eines Verbrechens werden könnten, / das voraussehbar ist, weshalb unsere Mitschuld / durch keine der üblichen Ausreden / zu tilgen wäre. 13 Die Presse, Grass, 05.04.2012, 27. 134 Und zugegeben: ich schweige nicht mehr, / weil ich der Heuchelei des Westens / überdrüssig bin; zudem ist zu hoffen, / es mögen sich viele vom Schweigen be freien, / den Verursacher der erkennbaren Gefahr / zum Verzicht auf Gewalt auf fordern und/gleichfalls darauf bestehen, / daß eine unbehinderte und permanente Kontrolle/ des israelischen atomaren Potentials / und der iranischen Atomanla gen / durch eine internationale Instanz/ von den Regierungen beider Länder zu gelassen wird. Nur so ist allen, den Israelis und Palästinensern, / mehr noch, allen Menschen, die in dieser / vom Wahn okkupierten Region / dicht bei dicht verfeindet leben / und letztlich auch uns zu helfen. 2.2 Das Kölner Urteil zur Beschneidung von Jungen Das Urteil des Landesgerichtes Köln vom 7. Mai 2012 (Az. 151 Ns 169/11)14 zur Beschneidung von Jungen löste in deutschen sowie österrei chischen Medien eine kontroverse Debatte aus. Das deutsche Gericht stellte darin die Beschneidung der minderjährigen bzw. nicht einwilli gungsfähigen Jungen aus religiösen Gründen unter Strafe. Das Ritual wurde als Körperverletzung eingestuft. In dem Urteil handelte es sich um die rechtlichen Folgen aufgrund aufgetretener Komplikationen nach der Beschneidung eines vierjährigen muslimischen Jungen. Der Fall rief aber auch bei jüdischen Mitbürgern in Deutschland und Österreich heftige Re aktionen hervor. Interessanterweise entfachte die Diskussion in den öster reichischen Medien erst sechs Wochen später. In dieser Arbeit werden die Art der Rezeption in den Artikeln zu diesem Thema im Zusammenhang mit der Beschneidung im Judentum analysiert sowie die damit verbun dene Problematik aus der medizinischen und rechtlichen Perspektive. 14 Landgericht Köln, 151 Ns 169/11, 2012. 135 3 Sekundärer Antisemitismus und medialer Antisemitismus von „außen" Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges war der manifeste Antisemitis mus nicht mehr gesellschaftsfähig. Dies war kein Grund für sein Ver schwinden, sondern der Anlass für die Schaffung neuer Ausdrucksfor men bei dem Teil der Bevölkerung, die davon keinen Abstand nehmen wollte. Die antisemitischen Inhalte wurden implizit formuliert, was dem Sprecher die Möglichkeit gab, sich gegen den Antisemitismusvorwurf zu wehren. Die Folge war der sog. sekundäre Antisemitismus, der in dem öffentlichen Diskurs Fuß gefasst hatte und bis heute persistent blieb. In diesem Zusammenhang spricht man vom „Antisemitismus ohne Antise miten“.15 „Der Begriff sekundärer Antisemitismus' wird insgesamt recht unsyste matisch fü r alle Formen des Antisemitismus nach Auschwitz' verwen det, die erstmals Adorno und Arendt Ende der 50-er Jahre untersuch ten."16 „Der sekundäre Antisemitismus umfasst Äußerungen, die das Wissen um den Holocaust nicht ausklammern, sondern einbeziehen. Die meisten Äußerungen folgen dem Schema ,Die Juden nutzen die Erinnerung an den nationalsozialistischen Holocaust fü r eigene Zwecke aus.' Das trifft grundsätzlich auch au f antiisraelische und antizionistische Äußerungen zu, insofern der Staat Israel in der heutigen Form eine historische Folge des Holocaust ist."17 Den Begriff des „Schuld- und Erinnerungsabwehr-Antisemitismus“ bzw. den „sekundären Antisemitismus“ prägte der deutsche Philosoph Theo dor W. Adorno. Der Begriff bezeichnete Juden als ein Kollektiv, „das durch seine bloße Existenz die Erinnerung an die NS-Verbrechen wachhält - genauer, die Erinnerung an den Antisemitismus und die Schuld der Deutschen vor 1945. Die Juden werden zu Störenfrieden der Erinnerung' und damit selbst zu Produzenten des Antisemitismus ge macht, denn gäben die Juden ihre Ansprüche an die Erinnerung der Ver brechen au f und versöhnten sich mit den Deutschen, dann würde man auch seine negativen Einstellungen ihnen gegenüber aufgeben."18 15 Siehe dazu Broder 2009. 16 Lindner 2004, 332. 17 Lindner 2004, 333. 18 Bergmann 2010, 300. 137 Bergmann19 nennt in seinem Artikel die typischen „Muster der Abwehr“. 1. Die Leugnung bzw. die Relativierung des Holocaust 2. Formen der Aufrechnung (Juden als Mitschuldige an deren Verfol gung) 3. Thematisierungsverweigerung (Schlussstrich unter der Vergangen heit) 4. Die moralische Diskreditierung der Ansprüche von Opfern Seit Mitte der 1990-er Jahre hat der Schuldabwehrantisemitismus eine an dere Form angenommen, der durch verschiedene Reaktionsformen zum Ausdruck kommt, „die trotz der differenten Motivbasis den Schuldabwehrmechanismen in einigen Punkten ähneln: negative Reaktionen au f fehlende jüdische Ver söhnungsbereitschaft, allergische Reaktionen, wenn Juden au f den fort dauernden Antisemitismus hinweisen, die Suche nach jüdischen Tä tern'".20 Wichtig in diesem Zusammenhang ist die in der Arbeit von Alexander Pollak zum Thema „medialer Antisemitismus“ erwähnte Problematik ei nes Antisemitismus von „außen“, der in den österreichischen Printmedien durch LeserInnenbriefe und Zitate transportiert wird und sehr oft Ele mente des sekundären Antisemitismus enthält. Dies wird mit dem Recht auf Meinungsfreiheit begründet und argumentiert, dass der Inhalt der Le serInnenbriefe nicht der Verantwortlichkeit der Redaktion des jeweiligen Mediums unterliegt. Damit werden die Möglichkeiten geschaffen, antise mitische Äußerungen zu publizieren, die laut Pollak „das konsensfähige ,Normalmaß' an Antisemitismus überschreiten. Lese rinnenbriefe müssen sich, insbesondere wenn sie anonym sind, kein Blatt vor den Mund nehmen. Antisemitische Leserinnenbriefe können auch so etwas wie ,Entlastungsfunktion' fü r das jeweilige Medium haben - eine Zeitung, die in anonymen Leserinnenbriefen als ,zu judenfreundlich' be schimpft wird, kann dies quasi als Indiz für die nicht - antisemitische Einstellung des Mediums zur Schau stellen. Medialer Antisemitismus kann aber auch durch das unkommentierte Zitieren von antisemitischen Äußerungen, beispielsweise Politikerinnen, produziert werden. Das kri tiklose Referieren von Antisemitismen [!] kann auch als Gradmesser da fü r gesehen werden, wie viel Antisemitismus vom jeweiligen Medium als ,normal' angesehen wird."21 19 Vgl. Bergmann 2010, 301. 20 Bergmann 2010, 301-302. 21 Pollak 2001, 3. 138 Die vorliegende Arbeit wird in der Artikelanalyse auch diese Form von Antisemitismus näher erörtern. 139 4 Artikelzahl Die untere Tabelle zeigt die Anzahl der in den drei Printmedien veröffent lichten Artikel zum jeweiligen Themenschwerpunkt. Aus diesem geht die höchste Artikelfrequenz in der Tageszeitung Die Presse hervor, gefolgt von der Kronen Zeitung. Die Artikelzahl in der Wochenzeitung Profil unter scheidet sich nicht erheblich von der in der Kronen Zeitung und gilt als Indikator für die hohe Relevanz die eine Auseinandersetzung mit diesen Themen für die Redaktion darstellt. Artikelzahl zu den Themenschwerpunkten Gedicht Beschneidung Die Presse 27 27 Kronen Zeitung 7 9 Profil 6 5 T abelle 1: A rtikelzah l zu d en T hem en schw erp u nkten Da einige Artikel die inhaltlichen Schwerpunkte sehr ähnlich präsentie ren, werden nur diejenigen von ihnen analysiert, die für den Gegenstand dieser Arbeit als relevant erachtet wurden. In die Analyse werden auch die zu diesen Themen veröffentlichten LeserInnenbriefe miteinbezogen. Alle untersuchten Texte beschränken sich auf den Zeitraum von 05. April 2012 bis zum 05. März 2013. 141 5 Themenschwerpunkt 1: Gedicht: „Was gesagt werden muss" 5.1 Analyse der Artikel in Die Presse Wie im oberen Diagramm gezeigt, wurden in Die Presse zu diesem Thema insgesamt 27 Artikel veröffentlicht (ein Text ist das Gedicht selbst). Es wurden Kommentare zum Gedicht (Meinungen der Journalisten und der interviewten Personen sowie LeserInnenbriefe), zur Israelpolitik und Is raelkritik, zu den Reaktionen aus Israel sowie der Stellungnahme von Günter Grass über die ausgelösten Reaktionen verfasst. Da es sich bei zehn Artikeln um kürzere Meldungen handelt, werden im Folgenden 17 dargestellt. Gleich am Tag nach dem Erscheinen des Gedichtes in den vier erwähnten Tageszeitungen, beschreibt Thomas Kramar in einem Kommentar im Feuilleton den „poetischen“ Einwurf zur Israel-Politik als „eine peinliche Anmaßung“.22 Der Titel des Artikels - „Günter Grass hätte schweigen sol len“ - impliziert eine Deutung des Gedichtes als überflüssig. Im Weiteren wird Bezug auf diejenige Tatsache genommen, über die Günter Grass sehr lange geschwiegen hat: Sein Einsatz bei der SS. Dies wird vom Autor scharf kritisiert: „Wer sich - und sei es auch in seiner Jugend - politisch so peinlich geirrt hat, muss sich nicht lebenslang schämen. Aber er soll wenigstens schwei gen, wenn es um Themen geht, die mit seiner Schuld zu tun haben. Und das haben sie."23 Im letzten Abschnitt geht Kramar auf das Thema Israelkritik ein. Er ist der Meinung, dass man an der Politik Israels einiges kritisieren kann, aber „als Deutscher, der noch dazu in das für den Holocaust verantwortliche Re gime verflochten war, sollte man den Anstand besitzen, besonders behut sam über den Staat zu sprechen, den sich Juden aufgebaut haben.“24 An dieser Stelle wird eine explizite Verbindung zwischen dem Staat Israel und den Juden hergestellt. Durch diese Formulierung wird den Lesenden die Identifizierung des Staates Israel mit (allen) Juden suggeriert. Dies ist allerdings dann problematisch, wenn der Staat Israel ausschließlich mit seiner politischen Führung gleichgesetzt wird und die Positionen dieser auf alle Juden übertragen werden. 22 Die Presse, Kramar, 05.04.2012, 27. 23 Die Presse, Kramar, 05.04.2012, 27. 24 Die Presse, Kramar, 05.04.2012, 27. 143 Diesbezüglich erklärt Wolfgang Benz, Leiter des Zentrums für Antisemi tismusforschung an der TU Berlin: „Antizionismus als politische Feindschaft gegen Israel, die dem Staat das Existenzrecht abspricht, ist die gegenwärtig virulenteste Erscheinungs form von Judenfeindschaft. Antizionismus, der mit pauschalen Verdäch tigungen operiert und Israel mit dem Kollektiv ,die Juden' gleichsetzt, ist etwas anderes als Kritik an der Regierung oder der Administration oder an den Streitkräften Israels. Aber ,Israelkritik' kann auch als Ersatzhand lung auftreten, um Emotionen gegen ,die Juden' zu artikulieren, die zu Recht unter Antisemitismusverdacht fallen würden."25 In der gleichen Presseausgabe bezeichnet Karl Gaulhofer das Gedicht als Provokation - „wie eine Bombe“ - und zitiert den deutschen Publizisten Henryk M. Broder, der Grass als „Prototypen des gebildeten Antisemi ten“26 nennt. In weiteren Textabschnitt widmet sich der Autor der Frage, was an diesem Vorwurf stimmt. Er erwähnt ein von einem israelischen Journalisten geführtes Interview in dem Grass die Parallele zwischen den sechs Millionen ermordeten Juden und angeblich sechs von den Russen ermordeten Deutschen zieht. Im Weiteren weist der Autor auf den deut lich schwerwiegenderen Verdacht hin, Grass leugne das Existenzrecht Is raels. Er zitiert Grass, der seine Kritik der israelischen Politik gegenüber den Palästinensern als „Freundschaftsbeweis“ sah. Im letzten Abschnitt benutzt Gaulhofer den Titel der Autobiografie Grass' - „Beim Häuten der Zwiebel“ - um sein Werk ironisch als eines das „eher zum Weinen bringt“ zu bezeichnen. Am 6. April schreibt der österreichische Jurist, Schriftsteller und Litera turwissenschaftler Janko Ferk einen interessanten Kommentar zum Ge dicht und geht auf einen wichtigen Punkt im Zusammenhang mit dem Thema Israelkritik ein - das Schlechtmachen Israels. „Selbstverständlich darf man über die israelische Politik des Säbelrasselns gegenüber dem Iran auch skeptisch sein. Niemand ist deshalb automatisch Antisemit. Is rael ist von Kritik beileibe nicht ausgenommen.“27 Die Bezeichnung der israelischen Politik als eine des „Säbelrasselns gegenüber dem Iran“ im pliziert den Gedanken einer subtil aggressiven Position Israels dem Iran gegenüber. 25 Benz 2013, URL. 26 Die Presse, Gaulhofer, 05.04.2012, 27. 27 Die Presse, Ferk, 06.04.2012, 31. 144 Ferk stellt weiter fest: „Es ist Mode [also aktuell; Anm. der Autorin], die offensichtlich bis zu Günter Grass durchgesickert ist, aus Israel den bösen Staat schlechthin zu machen, wobei man gern und schnell vergisst, warum dieses Land ge gründet wurde und dass es seit Jahrzehnten dem Terrorismus geradezu ausgesetzt ist."28 Diese Feststellung ist in der Israel-Palästina Debatte von zentraler Bedeu tung. Wolfgang Benz setzt sich mit dieser Problematik näher auseinander. „In der öffentlichen Wahrnehmung Europas haben sich in dramatischer Weise die Gewichte bei der Bewertung des Nahost-Konfliktes verschoben. [...] Der Befund, dass eine große Zahl europäischer Bürger der Politik Israels verständnislos ablehnend gegenübersteht, ist aber nicht aus der Welt zu schaffen. Zu bemerken ist auch, dass die Juden in der Diaspora sich zunehmend mit Israel solidarisch erklären, auch wenn viele, ebenso wie zahlreiche Israeli, die Politik der Stärke nicht fü r glücklich halten und sich andere Wege fü r die Sicherheit Israels und den Frieden mit den Pa lästinensern vorstellen können. Tatsache ist, dass in vielen Ländern Eu ropas die Sympathie des Publikums und in erheblichem Maße ebenso die der Medien sich von Israel abgewendet hat und die Ursachen der Gewalt spirale nicht mehr in das negative Urteil über Israel einbezieht. Tatsache ist, dass die Medien oft nicht objektiv über Israel berichten."29 Ein weiterer Artikel im Feuilleton dieser Ausgabe trägt den Titel „Grass: ,Nicht antisemitisch, aber bedauernswert'?“ Das Zitat wurde der liberalen israelischen Tageszeitung „Haaretz“ entnommen und in Frage gestellt. In diesem Artikel wurden keine persönlichen Meinungen des Autors/der Autorin [Name nicht bekannt - Anm. der Autorin] zu diesem Thema ge äußert - er besteht überwiegend aus Zitaten verschiedener Personen aus unterschiedlichen Bereichen: z.B. des deutsch-jüdischen Historikers Mi chael Wolffsohn - seiner Ansicht nach enthält das Gedicht „so ziemlich jedes antisemitische Klischee“. Der Artikel nennt auch die Unterstützer von Grass; Johano Strasser (Präsident des deutschen Pen-Zentrums) und Wolfgang Gehrke (Mandatar der Linken). Mit dem Zitat des amerikani schen Schriftstellers und Holocaust-Überlebenden Elie Wiesel schließt der Artikel ab: - „Ich hätte erwartet, dass Grass angesichts seiner belasteten 28 Die Presse, Ferk, 06.04.2012, 31. 29 Benz 2009, 87. 145 und problematischen Vergangenheit ein bisschen mehr Umsicht und Be scheidenheit an den Tag legen würde."30 Am 7.April veröffentlichte Die Presse drei Artikel zu diesem Thema. Mi chael Fleischhacker schrieb den Leitartikel unter dem Titel: „Eine Ge schichte, die erzählt werden will" und beschreibt die Stimmung in Jerusa lem, wenn Pessach-Fest und Ostern auf einen Termin fallen. Er bezeichnet die Erinnerung des Volkes Gottes an die Befreiung aus der ägyptischen Gefangenschaft und die Führung ins Gelobte Land als ein politisches Pro gramm, das noch heute besteht. „Die Staatsgründung nach der Katastrophe des Holocaust und alle da rauffolgenden Anstrengungen, das Überleben als einzige Demokratie in einer von Despoten regierten feindseligen Umgebung zu sichern, haben in Israel zu einem Verschwimmen der Grenzen zwischen Religion und Politik geführt. Die kompromisslose Bereitschaft Israels, sein Überleben mit allen, auch präventiven militärischen Mitteln zu garantieren, ist per manenter Kritik ausgesetzt. Zuletzt hat der Literaturnobelpreisträger Günter Grass in einem „Gedicht" von niederschmetternder sprachlicher Qualität den Judenstaat als die wahre Bedrohung des Weltfriedens iden tifiziert. Die Frage, ob sich dahinter Antisemitismus verbirgt oder nicht, ist irrelevant - weil auch die Immunisierung israelischer Politik gegen jegliche Kritik durch den Antisemitismus-Vorwurf längst nicht mehr funktioniert."31 An dieser Stelle äußert Fleischhacker eine meines Erachtens wichtige Tat sache im Zusammenhang mit Israelkritik, dass nämlich nicht jede Kritik an israelischer Politik als antisemitisch bezeichnet werden kann bzw. soll. Man muss unterscheiden zwischen der Kritik an den politischen Aktio nen, die Israel gegen die Palästinenser unternimmt und an einer Kritik, die das Existenzrecht Israels in Frage stellt. Letztere kann eindeutig als ein antisemitisches Ressentiment eingestuft werden. Er appelliert an die Le serschaft, die Problematik des Nahostkonfliktes in seiner ganzen Komple xität zu betrachten: „Relevanter ist die Frage nach der Redlichkeit und Zurechnungsfähigkeit von Politikern und Intellektuellen, die so tun, als könnte ein Staat, dessen Existenzrecht von einer massiven Mehrheit der Bevölkerung seiner Nach barstaaten verneint wird, sicherheitspolitisch so agieren wie etwa ein Mitglied der Europäischen Union."32 30 Die Presse, Grass: „Nicht antisemitisch, aber bedauernswert"?, 06.04.2012, 29. 31 Die Presse, Fleischhacker, 07.04.2012, 1. 32 Die Presse, Fleischhacker, 07.04.2012, 1. 146 Am Schluss nimmt der Autor wieder Bezug auf die Befreiungsgeschichte, die zu Pessach und Ostern in Jerusalem erzählt wird, trotz vielen politi schen Spannungen im Land. Die biblische Geschichte der Befreiung aus der ägyptischen Gefangenschaft, die im Zentrum des jüdischen Pessach- Festes steht, dient hier eindeutig als Erzählrahmen um die Parallele mit der aktuellen Situation in Israel zu ziehen. Meines Erachtens ist die von Fleischhacker verwendete Parallele - ägypti sche Gefangenschaft/aktuelle politische Lage in Israel - sehr problema tisch. Damit wird erstens die Gefangenschaft Israels suggeriert - im Kon text sind das die Nachbarstaaten, die Israel in Gefangenschaft halten, was Israel automatisch als Unterdrückten erscheinen lässt - und zweitens wird eine biblische (alttestamentliche, also für das Judentum relevante) Ge schichte sinninduktiv in den aktuellen politischen Kontext Israels gestellt. Das kann bei der Leserschaft verstärkt zur Identifikation eines politischen Konfliktes mit einem religiösen führen - in diesem Fall wäre ein Konflikt zwischen Judentum und Islam impliziert, wobei aus dem Kontext der Is lam als Aggressor verstanden werden könnte. Am gleichen Tag erschien ein Artikel von Norbert Mayer unter dem Titel: „Nachschlag: „Ich bin der Dichter Grass und lass jetzt einen S****s“. Der Autor bezeichnet ironisch das Gedicht als einen „heiligen Text“, dem „in der Nacht des Gründonnerstags, also rechtzeitig zum Abendmahl, die Exegese“33 durch ein Interview Grass' folgte. Der Text wurde als eine Selbstpersiflage bezeichnet und unreine Reime in Bezug auf „Ahmadinejad gegen den Judenstaat“ passend. „Ein Vierzeiler hätte genügt, um auszudrücken, welch prosaischer Durchfall heute Leute plagt, die einst mit den Schlangen spielten: Ich bin der Dichter Grass/ und lass jetzt einen S * * * * s . / Die Juden werden nass. / Das macht den Mullahs Spaß."34 Der Autor assoziiert Ahmadinejad mit dem Iran und Israel mit dem Ju denstaat bzw. mit den Juden, was insbesondere im vorletzten Satz zum Ausdruck kommt. Die Metapher „Leute, die einst mit den Schlangen spielten“ deutet auf nationalsozialistische Vergangenheit Grass' hin. Ein weiterer Artikel dieser Presseausgabe von Siobhan Geets kommentiert das Interview mit Günter Grass in der ARD-Sendung „Tagesthemen“. Sie zitiert Grass, der über die „Gleichschaltung der Meinung“ spricht und er klärt im Weiteren diesen Begriff. Er entstammt der nationalsozialistischen Terminologie und bezeichnet „die Beseitigung der pluralistischen Gesell schaft durch die Auflösung freier Medien, Vereine, Gewerkschaften und Die Presse, Mayer, 07.04.2012, 23. Die Presse, Mayer, 07.04.2012, 23. 147 anderer Organisationen bzw. ihre Überführung in NS-Organisationen."35 Am Schluss berichtet die Autorin über die Zustimmung aus dem Iran und über das Lob durch die staatliche Nachrichtenagentur „Irna". Grass, so die Agentur, schaffte einen „Tabubruch in einem Land, wo die Politik und Taten des zionistischen Regimes ohne Wenn und Aber unterstützt wer den."36 Geets stellt in diesem Artikel den von Grass verwendeten Begriff der „Gleichschaltung der Meinung" im Mittelpunkt. Dadurch wird bei der Leserschaft suggeriert, dass Grass mit seinem provokativen Statement die Kritik an Israel im Westen als unmöglich betrachtet. Der Leitartikel „Der Volksverstärker" vom 8. April von Christian Ultsch thematisiert die Meinung der „Masse" zu Israel als Bedrohung für den Frieden. Er beruft sich auf die Ergebnisse einer Eurobarometer-Umfrage aus dem Jahr 2003. Laut dieser erklärten 53% der Befragten Israel zur größten Bedrohung für den Weltfrieden. Ultsch stellt fest, dass sich durch die Grass-Debatte ein Irrtum verfestigen wird: „Dass Deutsche oder Österreicher Israel nicht kritisieren können, ohne als Antisemiten diffamiert zu werden. Ein blanker Unsinn: Gerade die Regierung Netanjahu steht, oft aus gutem Grund, fast täglich internati onal in der Kritik. Doch die Vereinfacherfühlen sich bestätigt, wenn einer wie Grass nicht willens ist zu differenzieren. Der Literaturnobelpreisträ ger als Volksverstärker - ein Trauerspiel."37 Der Autor bezieht eindeutig Position - wer nicht bereit ist in der Komple xität des Nahostkonfliktes zu differenzieren, vereinfacht die ganze Prob lematik. In diesem Artikel verglich Ultsch Grass mit Martin Luther - über das Nicht-Widerrufen-Wollen - seiner „Thesen" schreibt er Folgendes: „[...] als hätte er todesverachtend wie ein Wiedergänger Luthers 95 uner hörte Thesen ans Jaffator in Jerusalem genagelt - und nicht neun semide mente Strophen."38 Dass der Autor dem Verkünden am Jaffator [eines der heutigen Haupttore der Jerusalemer Altstadt - Anm. der Autorin] „neun semidemente Strophen"39 gegenüberstellt, verstärkt die negative Wertung des Gedichtes. Bezugnehmend auf eine Aussage Jakob Augsteins - Verleger der deut schen Wochenzeitung „Der Freitag", oft des Antisemitismus beschuldigt40 -, der die Zeilen von Grass würdigt und ihm dafür dankt, dass er den „Satz 35 Die Presse, Geets, 07.04.2012, 24. 36 Die Presse, Geets, 07.04.2012, 24. 37 Die Presse, Ultsch, 08.04.2012, 1. 38 Die Presse, Ultsch, 08.04.2012, 1. 39 Die Presse, Ultsch, 08.04.2012, 1. 40 Siehe dazu Kittel 2013, URL. 148 für uns alle ausgesprochen hat“ [gemeint ist die Gefährdung des Weltfrie dens durch Israel; Anm. der Autorin] bedient sich Norbert Mayer in einem weiteren Artikel wiederholt der Termini aus dem Religionsbereich. Diese Aussage klingt für den Autor „wie ein apokryphes Evangelium des Ja kob“. Im Anschluss zitierte Mayer den Kölner Künstler Gerd Buurmann, der Grass aufgrund seines Verhältnisses zu den Juden und seiner „The sen“ zu Martin Luther des 21. Jahrhunderts macht.41 Der Vergleich mit Luther bringt zwei Aspekte zum Ausdruck: zum einen das problemati sche Verhältnis zu den Juden und zum anderen den Bezug auf das Nichtwiderrufen-Wollen seiner Thesen. In der gleichen Presseausgabe schreibt Anne-Catherine Simon einen Ar tikel über Grass und „die Torheit der Intellektuellen“. Sie zitiert Camus, demzufolge intellektuelle Menschen diejenigen sind, deren „Geist sich selbst beobachtet“ und schließt mit den Worten: „Den 84-jährigen Günter Grass hätte er sicher nicht dazugezählt.“42 Der zynische Stil des Textes, der aus diesem Kommentar hervorgeht, ist eindeutig. Sibylle Hamann schreibt am 11. April über den Tabubruch und Tabubre cher in der heutigen Gesellschaft. Sie behauptet, dass man die Aussagen wie „Ausländer brauch ma ned, die Jammerfeministinnen sollen endlich eine Ruhe geben, Zigeuner sind kriminell, Israel ist gefährlich, in Österreich, mit oder ohne den heroischen Einsatz der Tabubrecher, eigentlich jeden Tag hört."43 Der Nahostkonflikt wird oft in den Medien nicht in seiner Komplexität dargestellt, sondern zeichnet sich durch den sogenannten „journalisti schen David-Goliath-Komplex“44 aus. Dies führt oft zu den vereinfachten Meinungen der Bevölkerung zu einem sehr komplexen und schwierigen Thema. Sabine Schiffer bezeichnet dies als die sogenannte „Pars-pro-toto-Wahrnehmung“ durch die es nicht selten zur Stereotypenbildung kommt45: „Gemeint ist damit die Bereitschaft zur einseitigen Parteinahme fü r den tatsächlich oder vermeintlich Schwächeren. Für journalistisches Thematisierungsverhalten spielt nicht selten das Egalitätsprinzip eine Rolle: Die von den Medien als schwächer oder benachteiligt definierte Partei erhält 41 Vgl. Die Presse, Mayer, 08.04.2012, 45. 42 Die Presse, Simon, 08.04.2012, 6. 43 Die Presse, Hamann, 11.04.2012, 31. 44 Gottschlich 2012, 213. 45 Vgl. Schiffer 2005, 39. 149 nicht nur höhere mediale Aufmerksamkeit, sondern zusätzlich noch einen journalistischen Sympathiebonus, der sich in der Art und Weise der jour nalistischen Darstellung des Konfliktgeschehens niederschlägt. "46 An dieser Stelle sollen drei LeserInnenbriefe vom 15. April erwähnt wer den, in denen die oben genannte Vereinfachung der Wahrnehmung des Nahostkonfliktes in der Bevölkerung sichtbar wird. Waltraud Schauer aus Wien richtet die Kritik direkt gegen Israel bzw. sein Recht auf die Sicherheit. Sie stellt am Anfang ihres Briefes die Frage, wa rum der Iran dämonisiert wird, er „hat seit Jahrhunderten kein Land an gegriffen“ und das Recht auf Sicherheit dürfe nicht das alleinige Privileg Israels sein.47 Durch die Bezeichnung des Rechtes des Staates Israel auf Sicherheit als ein „Privileg“, wird das Stereotyp formuliert, nach dem Is rael - für viele Synonym für „die Juden“ - als eine Gruppe mit „besonde ren“ Rechten und dadurch als „anders“, als ein „Out-Group“ wahrge nommen werden soll. Es impliziert die Meinung, dass außer Israel kein anderes Land auf der Welt seine Sicherheit verteidigen darf, was selbst verständlich zeigt, wie absurd solche Behauptungen sind. Dr. Heinz Högelsberger aus Wien stellt die Behauptung, Israel hätte im mer nur Verteidigungskriege geführt in Frage und schreibt: „Im Sommer 2006 töteten und entführten Hisbollah-Milizen israelische Soldaten und schossen Raketen au f Nordisrael ab. Als Reaktion bombar dierte Israel den Libanon und schlug die Infrastruktur des Landes kurz und klein. Dabei starben mehr als tausend Menschen, darunter ein öster reichischer UN-Offizier. War das ein legitimer Akt der Selbstverteidi gung? Immerhin hat Grass die Diskussion belebt und stellt alte Fragen neu, wie z.B.: Wann werden aus den Indizien Beweise fü r ein iranisches Atomwaffenprogramm? [...] Iran erkennt das Existenzrecht Israels nicht an, Israel auch nicht jenes eines Palästinenserstaates. Macht das einen Unterschied?"48 An diesem Text lässt sich Sinninduktion deutlich beobachten, weil im Kontext eines Themas andere Themen ohne jeglichen Bezug zum ersten aktualisiert werden. Der Autor bezieht sich auf ein Ereignis, das nichts mit der Problematik im Grass' Gedicht zu tun hat. Die Entführung der israeli schen Soldaten sowie der Raketenangriff auf Nordisrael wurden im Text als ein harmloses Ereignis dargestellt. Erst die Reaktion Israels wurde als problematisch interpretiert. Der Bezug auf den Tod eines österreichischen 46 Schiffer 2005, 39. 47 Vgl. Die Presse, Schauer, 15.04.2012, 46. 48 Die Presse, Högelsberger, 15.04.2012, 46. 150 UN-Offiziers soll in diesem Zusammenhang die Leserschaft auf der emo tionalen Ebene berühren (Eigenes vs. Fremdes) und indirekt auffordern, sich gegen Israel zu erklären. Das typische Element des sekundären Anti semitismus - das Leugnen des Existenzrechts des Staates Israel - wurde mit der sehr komplexen Problematik der Anerkennung eines Palästinen serstaates gleichgesetzt. Der Autor verharmlost die Gefahr durch den Iran aufgrund mangelnder Beweise für ein Atomwaffenprogramm und schließt sich somit der Aussage Grass' an - „[...] wo die Existenz einer einzigen Atombombe unbewiesen ist.“49 Regine S. Kumer aus Wien stellt die Frage an die Presse: „Hat Sie der Mut verlassen? Sind Sie nun zum offiziellen Sprachorgan Israels geworden? Seit Tagen bombardieren Sie uns mit heftigster Vertei digung Israels gegen Günter Grass, und üblicher Causa. Dass Sie damit in gewaltiger Minderheit sind, was österreichische Leser betrifft, wissen Sie eh."50 Da drei LeserInnenbriefe in einem Printmedium nicht repräsentativ für die Mehrheitsmeinung der Bevölkerung eines Landes stehen können, stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage, ob die Meinungen zur Is raelkritik in der österreichischen Bevölkerung - die auch in vielen anderen Ländern als Diskursfeld für den sekundären Antisemitismus betrachtet wird - mit der Aussage der Leserin Regine S. Kumer tatsächlich in Verbin dung gebracht werden können. Laut einer 2010/11 durchgeführten Repräsentativbefragung51 der österreichischen Bevölkerung im Auftrag von Univ.-Prof. Maximilian Gottschlich, Institut für Publizistik- und Kommu nikationswissenschaft der Universität Wien, fanden 44 Prozent der Öster reicher, dass „die Juden die Geschäftswelt beherrschen“, was hierzulande allerdings als großer Fortschritt gegenüber der früheren Einstellungen durchgehen kann: 1986 waren es noch 64 Prozent. Während zu Zeiten der zweiten Intifada 59 Prozent der EU-Bürger Israel für die „größte Gefahr für den Weltfrieden“ hielten, waren es in Österreich 69 Prozent. 42 Pro zent der Österreicher meinten 2011, die Israelis würden sich gegenüber den Palästinensern genauso wie „die Nazis gegenüber den Juden“ verhal ten. 44 Prozent der Europäer finden, „dass die Juden immer noch zu viel über den Holocaust reden“. „In Österreich meinen das 55 Prozent. 43 Prozent der Österreicher ma chen die Juden fü r die aktuelle Finanzkrise verantwortlich, womit sie un 49 Die Presse, Grass, 05.04.2012, 27. 50 Die Presse, Kumer, 15.04.2012, 46. 51 Siehe dazu Gottschlich 2012, 253-254. 151 ter allen europäischen Ländern den zweiten Platz belegen. In ihren wahn haften Projektionen müssen sie sich derzeit nur den Ungarn geschlagen geben, die mit 46 Prozent au f Platz eins rangieren."52 Dem zufolge kann festgestellt werden, dass die antisemitischen Ressenti ments in der österreichischen Bevölkerung weiterhin Verbreitung finden. Kurz nach dem Erscheinen des Gedichtes kam die Reaktion aus Israel. Die Regierung erklärte Grass zur „Persona non grata“ und verhängte gegen Grass ein Einreiseverbot. Christian Ultsch kommentierte dies am 10.04.2012. Für ihn ist es „schwer zu sagen, was dümmer ist: Israels Ein reiseverbot gegen Günter Grass oder dessen Gedicht.“53 Die Regierung Is raels bezeichnete er als „Testosterontruppe“ - Testosteron, das Sexualhor mon, das sinnbildlich für männliche Macht und Dominanz steht. Ultsch ist der Meinung, dass „besonders ärgerlich an den Beiträgen der zwei Tiefflieger in Netanjahus Koalition ist [gemeint sind der Innenminister Yishai und der Außenmi nister Avigdor Liebermann; Anm. der Autorin], dass sie Grass leichtfer tig als Antisemiten, also Judenhasser, verunglimpfen. Dazu gibt keine Zeile des Schriftstellers Anlass, auch nicht seine neun antiisraelischen Strophen. Yishai und Liebermann laden damit in 99 Prozent der Fälle unbegründete Klischee auf, wonach Israel bei Kritik reflexartig die Anti semitismuskeule auspacke."54 Dieser Gedanke ist deshalb sehr interessant, weil er ein in unserer Gesell schaft gängiges Klischee erwähnt, dass nämlich jede Israelkritik - auch be rechtigte - seitens Israels als Antisemitismus bezeichnet wird. Für den Au tor ist dies eindeutig falsch, was aus der Formulierung „in 99 Prozent der Fälle unbegründet“ hervorgeht. In der gleichen Ausgabe schreibt Susanne Knaul: „Grass sei mit seiner kritischen Haltung gegenüber Israel nicht allein. Die offizielle Position der Bundesrepublik und die von Kanzlerin Angela Merkel formulierte Solidarität' mit Israel stoße [!] gerade bei Jugendli chen au f wachsende Ablehnung. Viele empfinden sie als Kapitulation vor den Juden'."55 Die Formulierung „Kapitulation vor den Juden“ stellt ein typisch antise mitisches Ressentiment dar. Damit ist die bedingungslose Unterwerfung 52 Die Presse, Grigat, 22.09.2012, 44. 53 Die Presse, Ultsch, 10.04.2012, 5. 54 Die Presse, Ultsch, 10.04.2012, 5. 55 Die Presse, Knaul, 10.04.2012, 5. 152 Deutschlands unter jede Aufforderung Israels gemeint. Demzufolge erzie len die Juden aufgrund des Holocaust in allen Lebensbereichen Vorteile. In Grass' Gedicht wird dies an folgenden Versen deutlich: „Jetzt aber, weil aus meinem Land, das von ureigenen Verbrechen, die ohne Vergleich sind, Mal um Mal eingeholt und zur Rede gestellt wird, wiederum und rein geschäftsmäßig, wenn auch mit flinker Lippe als Wie dergutmachung deklariert, ein weiteres U-Boot nach Israel geliefert wer den soll..."56 Viele Europäer sind der Meinung, dass die ständige Berufung auf die Ka tastrophe der Shoah nach über 70 Jahren überflüssig ist, weil jetzt die Is raelis die Palästinenser wie damals die Nazis die Juden behandeln. Auf grund der ständigen Erinnerung an die Shoah wird die Schuld dafür auf die Juden projiziert und dadurch die Opfer - Täter - Umkehr vorgenom men. Wolfgang Benz erklärt: „Da individuelles Fehlverhalten von Juden nicht ungestraft als kollektive Schuld ,der Juden' hochgerechnet werden kann, ist die Politik Israels ge genüber den Palästinensern ein willkommener Ansatzpunkt fü r Ableh nung, fü r den Entzug von Empathie, fü r Zuwendung an die arabische Seite. Israelkritik, eine für sich genommen so legitime Sache wie eine kri tische Einstellung zur US-Außenpolitik, wird fü r viele zum Ventil, mit dem - ohne Sanktionen befürchten zu müssen - antijüdische Emotionen abgelassen werden. Die falschen Zungenschläge entlarven die wahre Ab sicht, die schiefen Vergleiche und der Griff ins Nazivokabular (,Opfer der Opfer', ,Auge um Auge, Zahn um Zahn', hemmungsloser Vernich tungskrieg' etc.) machen deutlich, worum es geht."57 Martin Engelberg thematisiert am 17. April 2012 die Reaktion der israeli schen Bevölkerung auf das Gedicht. Die Meinungen der israelischen Be völkerung zu Fragen der israelischen Politik werden in den Medien oft völlig ausgeblendet und dadurch wird das Israelbild teilweise sehr ver zerrt dargestellt. Infolgedessen gewinnt man den Eindruck, dass die Mei nungen der israelischen Bevölkerung mit denen der israelischen Politiker übereinstimmen. Engelberg schreibt, dass „Die Wahrnehmung dieses Landes von Europa aus und die Realität vor Ort könnten manchmal un terschiedlicher nicht sein"58 - Israelis beschäftigen vor allem die Alltags probleme, „wie alle anderen Menschen dieser Welt auch"59. Die meisten von ihnen sind über die mögliche nukleare Aufrüstung Irans besorgt und 56 Die Presse, Grass, 05.04.2012, 27. 57 Benz 2004, 44-45. 58 Die Presse, Engelberg, 17.04.2012, 27. 59 Die Presse, Engelberg, 17.04.2012, 27. 153 vor allem wie die israelische Regierung damit umgeht.60 Auf das Gedicht reagierten die meisten Menschen in Israel mit Achselzucken was diesbe züglich auf Gleichgültigkeit hindeutet. Im letzten Satz des Artikels wird diese Gleichgültigkeit, vielleicht auch die Resignation der Menschen zum Ausdruck gebracht: „Die Europäer würden Israels Situation sowieso nicht verstehen und nur eine Appeasement-Politik gegenüber der arabischen Welt, den Islamisten und den eigenen radikalen Moslems betreiben - wie in den 1930er-Jahren gegenüber Hitler."61 Am 30. September 2012 berichtete Die Presse über den „politischen Sprengstoff“62, den Grass in seinem neuen Gedichtband „Eintagsfliegen“ liefert. Diese Bezeichnung deutet auf provokantes Merkmal des Bandes hin. In diesem wird ein israelischer Nuklearverräter als Held bezeichnet. Der Ti tel der Meldung weist ironisch auf das Erscheinen des Gedichtbandes hin - „Nicht schon wieder Grass". 5.1.1 Zusammenfassung der Ergebnisse Im Weiteren sollen die Forschungsfragen basierend auf Erkenntnissen aus den Texten beantwortet und einige Punkte näher erörtert werden. Es wer den Sachverhalte die durch Sinn-Induktion in den Kontext gestellt wur den, hervorgehoben. In Die Presse wurde über die Themen im Zusammenhang mit dem Gedicht sehr umfangreich berichtet. Elaborierte Sprache und fundierte Berichte kennzeichnen die Berichterstattung in diesem Medium. Die Intention der TextautorInnen war nicht in erster Linie die Leserschaft über die Themen im Zusammenhang mit dem Gedicht zu informieren, sondern sie bezogen dazu eindeutig Position, mit dem Ziel, die Leserschaft zu dieser anzure gen. In zwei Leitartikeln wurde diesem Thema Platz eingeräumt, wodurch sein hoch beigemessener Stellenwert unterstrichen wurde. Als erste Orientierung für die Leserschaft dienen in den Printmedien die Überschriftenformulierungen. Nahezu alle Überschriften im Zusammen hang mit dem Gedicht lassen in Die Presse auf eine negative Konnotation schließen. Beispiele wertender Aussagen: 1. „Günter Grass hätte schweigen sollen - Sein ,politischer' Einwurf zur Israel-Politik ist eine peinliche Anmaßung“63; 60 Die Presse, Engelberg, 17.04.2012, 27. 61 Die Presse, Engelberg, 17.04.2012, 27. 62 Die Presse, „Nicht schon wieder Grass“, 30.09.2012, 2. 63 Die Presse, Kramar, 05.04.2012, 27. 154 2. „Nicht schon wieder Grass.“64 Einerseits wurde Israel in insgesamt vier Artikeln mit Juden, Judenstaat und Jerusalem und andererseits der Iran in zwei Artikeln mit Ahmadinejad gleichgesetzt. Die Problematik der Gleichsetzung Israels mit (allen) Juden wurde näher erklärt. Das gleiche gilt für die Gleichsetzung Irans mit Ahmadinejad - sie reduziert ein ganzes Volk auf eine - in diesem Fall sehr problematische - Person. Das kann die Pauschalisierungen bei der Leserschaft hervorrufen, die wohlbekannt zu Stereotypenbildungen füh ren. In den Artikeln wurde das Nicht-Schweigen Grass' mit dem Verschwei gen seiner NS-Vergangenheit in Verbindung gebracht und ins Zentrum der Berichterstattung gestellt. Kramar z.B. schafft diese Verbindung in dem er den Titel des Gedichtes „Was gesagt werden muss“ und die Tat sache über die Grass sehr lange geschwiegen hat, nämlich seinen Einsatz bei der SS, in diesen Kontext stellt.65 Über den Begriff der „Gleichschaltung der Meinung“, den Grass in einem Interview verwendete, wurde auch be richtet, da dieser der nationalsozialistischen Terminologie entstammt. In einem Artikel stellt der Autor sogar die Frage, warum gerade Grass nach Auschwitz ein Gedicht schreibt. Dieses Für-Einander-Relevant-Halten von Auschwitz und Grass' Gedicht verstärkt bei der Leserschaft die Ten denz, Grass mit nationalsozialistischem bzw. antisemitischem Milieu zu verbinden. Die Schuld Deutschlands und Österreichs am Verbrechen des Nationalso zialismus sowie der Umgang damit wurden ebenfalls thematisiert. Dieses Thema ist in Österreich nach wie vor mit einer gewissen Problematik ver bunden. Maximilian Gottschlich schreibt in diesem Zusammenhang über das Motiv der Schuldabwehr und über das Ende der Vergangenheitsdebatte66, was Gefahr läuft, das Ende der Erinnerungskultur herbeizuführen. In vielen Artikeln stellten die Autoren die zentrale Frage, ob und wie man als Deutscher oder Österreicher Israel kritisieren darf, ohne dabei des An tisemitismus-Vorwurfs zu fürchten. Zu dieser Frage fielen die schlüssig argumentierten Antworten relativ ähnlich aus: Israel und seine Politik darf man ohnehin kritisieren, problematisch wird es jedoch, wenn diese mit den Juden gleichgestellt werden (was wiederum in vier Artikeln Die Presse der Fall war) oder wenn die Kritik mit Elementen des (sekundären) Antisemitismus formuliert wird. Ebenfalls wiesen die Autoren auf die Komplexität des Nahostkonfliktes hin. Einige Beispiele: 64 Die Presse, „Nicht schon wieder Grass“, 30.09.2012, 2. 65 Die Presse, Kramar, 05.04.2012, 27. 66 Vgl. Gottschlich 2012, 160. 155 Janko Ferk betont in seinem Text, dass ein bestimmtes Vorwissen bezüg lich Israel und Israel-Kritik unerlässlich ist;67 Michael Fleischhacker thematisierte in seinem Leitartikel ebenfalls die Problematik der sicherheitspolitischen Situation Israels.68 Das Gedicht wurde von nahezu allen Autorinnen und Autoren negativ beschrieben und als Provokation bezeichnet: 1. „wie eine Bombe"69 2. „Gedicht von niederschmetternder sprachlicher Qualität"70 3. „prosaischer Durchfall"71 4. „Exzess an Dummheit"72 5. „ein elendes Gedicht"73 In vier Artikeln wurde über die Themen im Zusammenhang mit dem Ge dicht mit Elementen aus dem Religionsbereich berichtet. Der mögliche Anlass dafür könnte der sein, dass das Erscheinen des Gedichtes und die Reaktionen darauf mit der Zeit des Ostern- und Pessachfestes zusammen fielen. Ein sehr markantes Beispiel stellt der Leitartikel von Michael Fleischhacker dar.74 In Die Presse wurde den verschiedenen Reaktionen auf das Gedicht aus Israel, Deutschland und teilweise Österreich viel Platz eingeräumt. In den meisten Artikeln wurden die Reaktionen von einflussreichen Personen aus der Politik und Kultur zitiert. In den Artikeln wurden verschiedene Elemente des sekundären Antisemitismus dargelegt - Beispiele dazu sind: 1. Das Verdrängen der Schuld an der NS-Vergangenheit in Österreich75 2. Die Relativierung des Holocaust76 3. Das Leugnen des Existenzrechtes Israel77 67 Vgl. Die Presse, Ferk, 06.04.2012, 31. 68 Die Presse, Fleischhacker, 07.04.2012,1. 69 Die Presse, Gaulhofer, 05.04.2012, 27. 70 Die Presse, Fleischhacker, 07.04.2012,1. 71 Die Presse, Mayer, 07.04.2012, 23. 72 Die Presse, Simon, 08.04.2012, 6. 73 Die Presse, Ultsch, 10.04.2012, 1. 74 Die Presse, Fleischhacker, 07.04.2012, 1. 75 Vgl. Die Presse, Kramar, 05.04.2012, 27. 76 Vgl. Die Presse, Gaulhofer, 05.04.2012, 27. 77 Vgl. Die Presse, Gaulhofer, 05.04.2012, 27. 156 4. Die Meinungen in der europäischen (österreichischen) Bevölke rung, dass Israel gefährlich ist und die größte Bedrohung für den Weltfrieden darstellt78 Es wurde in diesem Zusammenhang der Konnex zwischen Israelkritik und Antisemitismus ebenso wie die spezifische Situation in Österreich kritisch erörtert. In Die Presse wurde auch Platz für eine kontroverse Aus einandersetzung der österreichischen Bevölkerung mit diesem komple xen Thema in der Rubrik LeserInnenbriefe eingeräumt. Es kann festge stellt werden, dass alle Journalisten und Journalistinnen Die Presse sowie die Gastautoren die Aussagen im Gedicht Grass' verurteilten. Die Leser Innenbriefe wiederum wiesen deutlich negative Konnotation bezüglich der Frage der Israel-Kritik auf und sowie positive Reaktionen auf das im Gedicht Gesagte. Alle veröffentlichten LeserInnenbriefe zu diesem Thema enthielten expli zit antisemitische Äußerungen. In einem wurde Die Presse als offizielles Sprachorgan Israels bezeichnet. Diese LeserInnenbriefe sind ein typisches Beispiel für den Antisemitismus „von außen.“ In diesem Zusammenhang stellt sich die umstrittene Frage der redaktio nellen Intention die solche Inhalte veröffentlicht - ist es die Verteidigung der freien Meinungsäußerung der Leserschaft oder die Chance auf eine Bestätigung von außen, man sei israel- bzw. judenfreundlich und implizit nicht antisemitisch? Diese Frage lässt keine eindeutige Antwort zu. 5.2 Analyse der Artikel in der Kronen Zeitung Die Wahl dieses Printmediums für die vorliegende Arbeit hängt mit der Tatsache zusammen, dass dieses öfters der rassistischen und antisemiti schen Untertöne in ihrer Berichterstattung beschuldigt wurde. Ein be kanntes Beispiel stellt die im Jahr 1974 veröffentlichte Reihe „Die Juden in Österreich“ von Viktor Reimann dar. Unzählige Stereotype über die Juden kennzeichneten die umstrittene „Aufklärung über die Juden.“79 Im April 2005 wurde gerichtlich bestätigt, dass die Kronen Zeitung in ihrer Bericht erstattung rassistische und antisemitische Anspielungen verbreitet und die Klage von Krone-Chef Dichand gegen den Standard abgewiesen.80 In der Kronen Zeitung wurden zum Themenschwerpunkt 1 insgesamt 8 Artikel veröffentlicht (davon einer aus der Rubrik Leser-Service). 78 Vgl. Die Presse, Hamann, 11.04.2012, 31. 79 Siehe dazu: Marin 2000, 213. 80 Siehe dazu: Redaktion des Standard 2013, URL. 157 Am 05.04.2012 wurde in der Rubrik „Politik“ kurz über die „Helle Aufre gung um ein Gedicht“81 berichtet sowie über die Reaktion aus Israel und die des Zentralrates der Juden in Deutschland („aggressives Pamphlet; die Aussagen darin seien unverantwortlich“).82 Die Nachricht blieb seitens der Redaktion unkommentiert. Am darauffolgenden Tag wird Grass in einem Artikel als „Wichtigma cher“ und als „ der Polit-Säulenheilige der Linken“ bezeichnet.83 Der Begriff Säulenheiliger bezeichnet einen Asketen, der abgewandt von seiner Umwelt das Leben auf einer Säule verbrachte - in diesem Zusam menhang könnte dieser als Metapher für wirklichkeitsfremde Aussagen im Gedicht verstanden werden. Die Aussage, dass Israel genug Fehler macht, wurde nicht näher argumentiert, sondern interpretiert das Gedicht als Befreiungsgrund für Israel auf die (auch berechtigte) Israelkritik über haupt zu reagieren. Seine Anschuldigungen gegenüber Israel wurden als „haarsträubend falsch“ beschrieben. Interessanterweise wurde in den letzten zwei Sätzen des Artikels Bezug auf den im April dieses Jahres ver storbenen „Krone“-Dichter Wolf Martin genommen - „Mit diesem holp rigen Gstanzl84 eines ausgebrannten Literaturnobelpreisträgers konnte es der ,Krone'-Dichter Wolf Martin noch jederzeit aufnehmen. Er war auch nicht bei der Waffen-SS.“85 Wolf Martin war ein langjähriger Dichter in der Kronen Zeitung, der sehr polarisierte und vielfach des Antisemitismus beschuldigt wurde. „Krone“- Herausgeber Hans Dichand war von seiner literarischen „Kunst“ über zeugt. Für seine Reime wählte er sehr umstrittene Themen, wie beispiels weise den Geburtstag Hitlers. Am 13. April 2012 berichtet Die Presse: „Generell sorgte Martin mit seinen als rassistisch und hetzerisch ver schrienen Zeilen immer wieder fü r Kontroversen. Mehrfach brachten sie ihm auch Verurteilungen durch den Presserat ein. Kritik handelte er sich auch wegen seinen Anspielungen an das Vokabular aus Zeiten der Nazi Diktatur ein. So wählte er etwa im Jahr 1994 den 20. April - den Geburts tag A dolf Hitlers - fü r den Reim: „Ich feiere, wenn man mich läßt, heut jenes Adolfs Wiegenfest, der einst in unserm schönen Land an allererster Stelle stand." In der letzten Zeile merkte er an, dass es ihm um den frühe ren Bundespräsidenten A dolf Schärf gehe. Ein anderes Mal fiel ihm zu 81 Kronen Zeitung, Helle Aufregung um ein Gedicht des deutschen Nobelpreis trägers für Literatur, Günter Grass, 05.04.2012, 4. 82 Kronen Zeitung, Helle Aufregung um ein Gedicht des deutschen Nobelpreis trägers für Literatur, Günter Grass, 05.04.2012, 4. 83 Kronen Zeitung, Seinitz, 06.04.2012, 4. 84 Das Gstanzl ist die österreichische Bezeichnung für ein Spottlied, URL. 85 Kronen Zeitung, Seinitz, 06.04.2012, 4. 158 diesem „großen Tag" ein: „Ihm seis zur Ehre, uns zum Heil: ,Taxi Orange', der II. Teil! "86 [Taxi Orange ist eine österreichische Reality-TV- Serie, die 2000 und 2001 ausgestrahlt wurde - Anm. der Autorin]. Solche Wortspiele sind eindeutige Provokation, die nicht selten mit anti semitischen Gedanken einhergeht. Im Anschluss an diesen Artikel schreibt Seinitz eine kurze Meldung über die Jubelstimmung in Irans Regime bezüglich des Gedichts, dass von Prä sidenten Ahmadinejad als „gelungener tödlicher lyrischer Schlag gegen Israel“87 bezeichnet wurde. Seinitz kommentierte dies nicht. In der gleichen Krone-Ausgabe bediente sich der Autor Michael Jeannee in seiner Kolumne eines sarkastischen Vergleiches.88 Es ist ein gutes Bei spiel für die sinninduktive Relation zwischen zwei Textabschnitten. Der Artikel beginnt mit dem Thema Selbstmord Ernest Hemingways, den er angeblich aufgrund mangelnder Schreibinspiration begangen hatte - „da griff er zu seiner Jagdbüchse und erschoss sich. Schrecklich!“. Dieses Er eignis, das absolut nichts mit Günter Grass und seinem Gedicht zu tun hat, wurde aber im nächsten Abschnitt als Vergleich für das Schreiben Grass (trotz seiner Erkenntnis, dass er nicht mehr schreiben kann) verwen det. Um es emotional noch zu verstärken, wurde dies als viel schrecklicher bezeichnet (“ .. .da griffen Sie zur Feder. Viel schrecklicher!“). Die konkrete Stellungnahme zur Politik Irans und zu seinem Präsidenten wurde im nächsten Abschnitt geäußert. Der zufolge stellen die Behauptungen Grass' „abstruse Parteinahme für das mörderische Regime in Teheran und sei nen Präsidenten, den Holocaust-Leugner und Juden-Hasser, der sich da rob seine blutbefleckten Hände reiben darf“89 dar. Der Ausdruck „Juden Hasser“ statt Antisemit verstärkt die eindeutige Ablehnung, sogar die Verabscheuung Ahmadinejads und seiner Politik. Mit der Metapher „mit blutbefleckten Händen“ kann er als Täter in einem Opfer-Täter-Verhältnis identifiziert werden. In Anlehnung an das Zitat Henryk M. Broders - Grass als „der Prototyp des gebildeten Antisemiten und vollkommen durchgeknallt“90 - schließt Jeannee den Artikel ab. „Krone“-Dichter W olf M artin ist tot 2012, URL. Vgl. Kronen Zeitung, Seinitz, 06.04.2012, 4. Jeannee, 06.04.2012, 18. Jeannee ist ein österreichischer Journalist, der wegen seines Schreibstils sehr umstritten ist und oft kritisiert wird. Bekannt ist seine Aussage bezüglich eines 14-jährigen Einbrechers, der von einem Polizisten er schossen wurde: „Wer alt genug ist zum Stehlen, ist auch alt genug zum Ster ben.“ Dies wurde zum „Unspruch des Jahres 2009“ von der Universität Graz gewählt. Anm. der Autorin. Kronen Zeitung, Jeannee, 06.04.2012, 18. Kronen Zeitung, Jeannee, 06.04.2012, 18. 159 86 87 88 89 90 Am 08. April 2012 wurde ein Leserbrief zum Thema „Günter Grass und der Weltfrieden“ von Herrn Kurt Fekesa veröffentlicht. Er stellt die Frage, ob das Gedicht nicht doch nur „ein Aufschrei [sei] gegen die Ohnmacht gegenüber der gleichgeschalte ten Presse, die jedes Aufzeigen von Fehlentwicklungen in der israelischen Politik mit Bravour unter den Teppich kehrt und bisher raschest zum Verstummen gebracht hat und bringt."91 Der Autor verwendet sehr wahrscheinlich den Begriff der Gleichschal tung der Presse gezielt und bewusst, weil diesen auch Grass in einem In terview verwendete und der, weil aus dem Bereich nationalsozialistischer Termini stammend, in der Gedichtdebatte als sehr umstritten betrachtet wurde. Die Aussage, dass die Fehlentwicklungen unter den Teppich ge kehrt werden - das heißt „vertuscht werden“- beinhaltet das Klischee, dass den Israelis und deren Politik - wahrscheinlich aufgrund der Shoah- Vergangenheit alles erlaubt wird und nichts kritisiert werden darf. Fekesa stellt fest, dass Israel Atomwaffen besitzt und diese, seiner Meinung nach auch nur „präventiv“ einsetzten will - was er damit meint, geht aus dem Text nicht eindeutig hervor, kann aber durchaus als die Gefahr eines isra elischen Erstangriffs bzw. als eine präventive, vorbeugende Maßnahme gegen den Feind oder die Feinde Israels verstanden werden. Somit wird die Bestätigung eines möglichen „Erstschlags“ - wie Grass in seinem Ge dicht befürchtet - impliziert. Andererseits wird der Besitz über Atomwaf fen seitens Irans bezweifelt um die Gefahr bezüglich iranischer Drohun gen - wie z.B. die berühmte Botschaft Ahmadinejads Israel von der Land karte verschwinden zu lassen - zu relativieren. Im Weiteren findet Fekesa es „beachtenswert, dass ein Nobelpreisträger den Mut hat und sich in die ser Sache zu Wort meldet und einen Mahnruf in die Welt hinaus sendet, dass der Weltfrieden auf dem Spiel steht.“92 Demzufolge ist der Weltfrie den durch Israel (Juden?) tatsächlich gefährdet. Hier kommt ein typisches Merkmal eines Vorurteils zum Vorschein - das „In-Group“ und „Out-Group“ Verhältnis. Auf der einen Seite steht die Welt bzw. der Weltfrieden - als ob dieser weltweit herrschen würde - und auf der anderen Seite Israel als „Out-Group“, die in die Weltordnung das Chaos zu bringen droht. Dies erinnert ebenfalls an das bekannte Kon strukt der jüdischen Verschwörung gegen den Rest der Welt, was in der berühmtesten Fälschung zu diesem Thema, der „Protokolle der Weisen von Zion“ ausgeführt wurde. 91 Kronen Zeitung, Fekesa, 08.04.2012, 34. 92 Kronen Zeitung, Fekesa, 08.04.2012, 34. 160 Anschließend forderte der Autor im letzten Abschnitt, der in diesem Text eine klare Trennung zwischen angeblich guter, (von Israel) bedrohter Welt auf der einen und „bösem" Israel auf der anderen Seite macht, die Leserschaft zu einer „sachlichen Haltung" und „ehrlichen Diskussion" auf und bezeichnet den Zeitpunkt dafür perfekt: „Ostern, das Fest des Friedens und der Friedensbewegungen mit ihren Ostermärschen". Die Berufung auf Religion und das Fest des Friedens scheint ziemlich pa radox für zuvor in der Diskussion dargelegten klischeehaften Ansichten des Verfassers. Am 10. April 2012 erschien ein weiterer Artikel, in dem Grass als „Meister linker Doppelmoral"93 bezeichnet wurde. In einem sehr sarkastischen Stil wurde über seine SS-Vergangenheit berichtet: „60 Jahre hatte er - in der Sonne des Ruhms - seine Mitgliedschaft in der Waffen-SS verschwiegen."94 Das Gedicht verglich Seinitz mit Blitzen des Göttervaters Zeus, die Grass wieder daneben schleuderte.95 Der Kritiker Marcel Reich Ranicki wurde zitiert, der den Autor und Inhalt des Gedichtes als „ekelhafte Gemeinheit"96 beschrieben hat. Mit einer zynischen Bemerkung schließt der Autor den Artikel ab: „Ach, wäre der „Blechtrommler" nur bei seinem Leisten geblieben".97 Im zweiten Artikel der gleichen Ausgabe thematisiert Kurt Seinitz die Re aktionen auf das Gedicht. Der Titel „Israel macht Grass zum Märtyrer" erweckt bei der Leserschaft den Eindruck, dass Grass wegen seiner Über zeugungen Verfolgungen auf sich nimmt - in diesem Fall das Einreisever bot - und möglicherweise, wenn man der Bedeutung des Begriffes „Mär tyrer" gerecht werden will, auch Tod. Der Artikel besteht zum größten Teil aus aneinandergereihten Zitaten. Er zitiert den israelischen Innenmi nister Jischai - er meint Grass sei „ein antisemitischer Mensch" und „wolle die Idee weiterbringen, die er früher mit dem Tragen der SS-Uniform un terstützt hat"98 - und den Außenminister Lieberman, der, wie Seinitz deut lich macht, „schoss wie üblich am schärfsten über das Ziel hinaus und un terstellte Leuten vom Schlage Grass, Juden auf dem Altar der Antisemi ten zu opfern.'"99 93 Kronen Zeitung, Seinitz, 10.04.2012, 4. 94 Kronen Zeitung, Seinitz, 10.04.2012, 4. 95 Vgl. Kronen Zeitung, Seinitz, 10.04.2012, 4. 96 Kronen Zeitung, Seinitz, 10.04.2012, 4. 97 Kronen Zeitung, Seinitz, 10.04.2012, 4. 98 Kronen Zeitung, Seinitz, 10.04.2012, 5. 99 Kronen Zeitung, Seinitz, 10.04.2012, 5. 161 Demzufolge werden antisemitische Aussagen (explizite oder implizite) als eine Unterstellung und die Reaktionen auf diese als reine Übertreibun gen interpretiert. An dieser Stelle wird ein weiteres Merkmal des sekun dären Antisemitismus sichtbar - die Verharmlosung antisemitischer Aus sagen in unserer Gesellschaft sowie der (implizite) Wunsch, die Juden nicht mehr in Zusammenhang mit der Opferrolle zu bringen. Im Untertitel vor dem letzten Abschnitt konstatiert der Autor die Guthei ßung Grass' Aussagen seitens der Linken sowie Rechten. Im vorletzten Satz seines Artikels schreibt Seinitz über die Solidarisierung der Friedens bewegung auf ihrem Ostermarsch mit Grass: „Was er angestoßen hat, kann nicht als antisemitisch unter den Teppich gekehrt werden"100, und im letzten erwähnt er die Zustimmung, die Grass von den Neonazis er hält. Wollte der Autor damit der Leserschaft die Akzeptanz des Gedichtes in allen Kreisen vor Augen führen? Möglicherweise. Beide Sätze blieben unkommentiert. 5.2.1 Zusammenfassung der Ergebnisse In der Kronen Zeitung riefen die Themen rund um das Gedicht kein so gro ßes Echo hervor, wie dies in Die Presse der Fall war. Es wurde mit typischen Stilmerkmalen dieses massenorientierten Medi ums berichtet: restringierte Sprache - gekennzeichnet durch kürzere, teil weise polemisch - ironische Meldungen mit wenig fundierten Kommen taren zu den Themen im Zusammenhang mit dem Gedicht. Der sarkastische Stil stand bei der Berichterstattung im Vordergrund. Vier von insgesamt acht Berichten wurden vom Journalisten Kurt Seinitz ver fasst, dem Leiter des Ressorts für internationale Politik. Der Begriff „Juden" wurde in keinem der veröffentlichten Texte verwen det. Das Gedicht und Günther Grass wurden in allen Beiträgen (außer in ei nem Leserbrief) negativ bezeichnet und sarkastisch beschrieben. Ein Leserbrief stellt den ausführlichsten Text bezüglich der Israelkritik und des - laut Autor - sich in Gefahr befindenden Weltfriedens dar101. Ein weiteres Thema dieses Leserbriefes ist die Verharmlosung der Gefahr durch den Iran. Wie in Die Presse, beinhaltet nur der Leserbrief explizite antisemitische Äußerungen (z.B. die Gefährdung des Weltfriedens durch 100 Kronen Zeitung, Seinitz, 10.04.2012, 5. 101 Kronen Zeitung, Fekesa, 08.04.2012, 34. 162 Is ra e l, k e in e M ö g lic h k e it e in e r b e re c h t ig te n Is ra e lk r it ik o h n e A n tis e m it is m u sv e rd a c h t) . V ie le e in d e u tig a n tis e m itis c h e Ä u ß e r u n g e n im L e s e rb r ie f w u r d e n s e ite n s d e r R e d a k tio n n ic h t k o m m e n tie r t , w a s a ls ty p is c h e s M e rk m a l d es m e d ia le n A n tis e m itis m u s v o n „ a u ß e n “ in te rp re t ie r t w e rd e n k a n n . W e d e r d e r F ra g e d es N a h o s tk o n flik te s u n d d e r d a m it v e rb u n d e n e n P ro b le m a tik d e r I s ra e lk r it ik - z .B . w ie m a n a ls D e u ts c h e r o d e r Ö s te r re i c h e r Is ra e l k r it is ie re n s o ll , o h n e d e n A n tis e m it is m u s v o r w u rf z u fü r c h te n - , d ie in Die Presse v o n z e n tra le r B e d e u tu n g w a r , n o c h a n d e re n T h e m e n b e z ü g lic h A n tise m itism u s in u n s e re r G e s e lls c h a ft w u rd e in d e r Kronen Zeitung e in h ö h e r e r S te lle n w e r t e in g e rä u m t. In e in e m e in z ig e n S a tz w u rd e a n g e d e u te t , d a ss Is ra e l g e n u g F e h le r m a c h e 102 - w e lc h e d a m it g e m e in t s in d u n d w a s e in e Is ra e lk r it ik s c h w ie r ig m a c h t, w u rd e n ic h t n ä h e r e r lä u te rt . D ie A u to re n h a b e n s ic h a u c h d es T h e m a s N a h o s tk o n flik t n ic h t a n g e n o m m e n - v o rra n g ig w u rd e n ih re - m e is te n s s a rk a s tis c h fo rm u lie r te - p e r s ö n lic h e M e in u n g e n z u m G e d ic h t , d ie n ic h t s c h lü s s ig a rg u m e n tie r t w u r d e n , s o w ie d ie S S -V e rg a n g e n h e it G ü n te r G ra ss '. Ü b e r d ie se w u rd e e b e n fa lls s a rk a s tis c h b e r ic h te t . Z u s a m m e n g e fa s s t k a n n fe s tg e s te llt w e rd e n , d a ss d ie A u s e in a n d e r s e tz u n g m it d e n T h e m e n ru n d u m d a s G e d ic h t in d e r Kronen Zeitung e h e r im S tile e in e r R a n d n o tiz s ta ttfa n d . 5.3 Analyse der Artikel im Profil W ie m a n d e r T a b e lle 1 e n tn e h m e n k a n n , w u rd e n im Profil N r. 1 6 / 1 2 v o m 1 6 .0 4 .2 0 1 2 in s g e s a m t 6 A rtik e l z u d e m T h e m a v e rö ffe n t lic h t ( in k lu s iv e d a s G e d ic h t) . V ie r Jo u r n a lis te n b e le u c h te te n „ d a s p o e tis c h a rm se lig e , a b e r p o lit is c h u m so b r is a n te re S tü c k “ 103 a u s u n te rs c h ie d lic h e n P e r s p e k ti v e n . N e b e n d e n A r t ik e ln w e rd e n a u c h z w e i L e s e rb r ie fe a u s d e r Profil-Aus gabe N r. 1 7 / 1 2 v o m 2 3 .0 4 .2 0 1 2 d a rg e le g t. H e rb e r t L a c k n e r s te llt g le ic h a m A n fa n g se in e s A rtik e ls d ie z e n tra le F ra g e im Z u s a m m e n h a n g m it d e m G e d ic h t : „ S te h t K r it ik a n Is ra e l in je d e m F a ll u n te r A n tis e m itis m u s -V e rd a c h t? “ 104 D ie se v e rs u c h t e r a n h a n d u n te r s c h ie d lic h e r M e in u n g e n z u b e a n tw o r te n (w ie v o n d e n „ E n trü s te te n “ w ie z . B . D ie te r G r a u m a n n , P rä s id e n te n d es Z e n tra lra ts d e r Ju d e n u n d M a rc e l R e ic h -R a n ic k i, d e m e in f lu s s re ic h e n d e u ts c h s p ra c h ig e n L ite ra tu rk r it ik e r so w ie v o n d e n „ V e r te id ig e r n “ K la u s S ta e c k , T o m S e g e v u n d Ja k o b A u g s te in ) . A n s c h lie ß e n d v e rs u c h t L a c k n e r z u e rk lä re n , w a ru m „ k o m m e n d ie u n te r d e m V e rd ik t d e r G e s c h ic h te s te h e n d e n T ä te r lä n d e r D e u ts c h la n d 102 Vgl. Kronen Zeitung, Seinitz, 06.04.2012, 4. 103 Profil, Freundschaften. Disput., 16.04.2012, 5. 104 Profil, Lackner, 16.04.2012, 22. 163 und Österreich mit dem Judenstaat nicht zurecht“.105 Und hat eine Erklä rung: Israel sei nicht mehr das, was es einst war: „Europa in Nahost“.106 Die Zuwanderer aus anderen Ländern veränderten das Land sehr mar kant und so entferne sich Israel immer mehr von Europa. Österreich, so Lackner, zeigte von Anfang an wenig Interesse am Staat der Juden (zu mindest bis in die 60-er Jahre des vorigen Jahrhunderts). Lackner schildert historische Episoden - wie den Jordanien-Besuch Waldheims 1987, den Besuch Jörg Haiders bei Saddam Hussein, H.C. Straches Israel-Besuch 2011 bei dem er eine Burschenschafts-Kappe aus der deutschnationalen Szene trug - und wies auf deren antisemitischen Inhalte hin. Weiters stellte der Autor die Frage, warum der Wiener Gemeinderat - der wie der Autor feststellt, kein besonderes Interesse an internationalen Fragen zeigt - 2010 eine Protestresolution verabschiedete, nachdem ein Gaza-Hilfsschiff von einem israelischen Kommando überfallen wurde. Er zitiert in diesem Zu sammenhang Maximilian Gottschlich und sein schon erwähntes Buch „Die große Abneigung - wie antisemitisch ist Österreich?“. Gottschlich sieht die Problematik darin, dass eine „Milchmädchenrechnung“107 von den österreichischen Medien transportiert wird, wonach die Sympathie und das Mitgefühl der Bevölkerung für die Konfliktpartei mit mehr Op fern geweckt wird - was in der Regel bei Israels Gegnern der Fall ist. Auch nationalsozialistische Parolen bei einer Demonstration gegen die Schiffs kaperung wurden erwähnt („Hitler, wach auf!“). Im vorletzten Textab schnitt zitiert Lackner den renommierten Politikwissenschaftler Anton Pelinka, der auf die Gefahr des ständigen Betrachtens Israels aus der Per spektive des Holocaust hinweist und der damit von Israel verbundenen Erwartung, moralisch immer „besser zu sein.“108 Dem zufolge sind die Opfer des Holocaust diejenigen, die daraus lernen müssen, wie man sich anderen gegenüber zu verhalten hat. Solche Bot schaften müssen als ethisch unannehmbar bezeichnet werden. Als Antwort auf die Frage der (legitimen) Israelkritik verweist er auf das „Fingerspitzengefühl“ in Anlehnung an die Meinung des Autors Robert Schindel: „Zwischen Antizionismus und Antisemitismus liegt nur eine Handbreit“.109 Im zweiten Artikel dieser Ausgabe wurde das Interview mit dem Schrift steller, Essayisten und Historiker Doron Rabinovici abgedruckt. Er glaubt nicht, dass Grass ein Antisemit ist, aber, dass sein Gedicht „vollgesogen 105 Profil, Lackner, 16.04.2012, 23. 106 Profil, Lackner, 16.04.2012, 23. 107 Etwas, was auf Trugschlüssen aufgebaut ist. Vgl. Duden, URL. 108 Vgl. Profil, Lackner, 16.04.2012, 27. 109 Profil, Lackner, 16.04.2012, 27. 164 mit Klischees“110 ist. Welche Klischees gemeint sind, wird im Weiteren nä her erklärt. Rabinovici stellt fest, dass ein Gedicht mit dem Titel „Was ge sagt werden muss“ schon problematisch ist, weil damit „jedes Vorurteil am deutschen Biertisch eingeläutet wird - ob es gegen die Türken, die Muslime, die Roma oder die Juden geht.“111 Wichtig bei der Israelkritik - Rabinovici macht auch auf das mittlerweile im Sprachgebrauch fest ver ankerte Wort „Israel-Kritik“ aufmerksam112 - ist das Freihalten von Ressentiments, Pauschalisierungen und von Kurzschlüssen mit dem Nazismus.113 Leider hat die Israelkritik oft mit diesen Elementen zu tun. Als Beispiel nennt Rabinovici den Vergleich Ramallas mit Auschwitz durch den Literaturnobelpreisträger Jose Saramago. Demzufolge sind die Opfer von früher die Täter von heute - das Vorurteil, dass sich die Juden den Palästinensern heute, - wie die Nazis den Juden gegenüber in der Vergan genheit verhalten. Martin Kloke bringt dies im Zusammenhang mit dem linken Antisemitis mus zum Ausdruck: „Je 'böser' die Israelis gezeichnet werden, desto 'besser' können 'wir' uns fühlen - dann war der Holocaust, wenn wir ihn schon nicht leugnen kön nen, wenigstens nicht einzigartig. In diesem massenhaft zirkulierenden Gedankenkonstrukt mutieren ausgerechnet die ehemaligen Opfer zu Tä tern eines neuen Holocausts - und Deutsche, Europäer usw. avancieren zu Guten. Es handelt sich hierbei um die nur notdürftig ,israelkritisch' camouflierte Ausprägung jenes Antisemitismus, der seine Ressentiments in scheinbar ehrbarer Gestalt - wahlweise im Namen der Vergangenheits bewältigung, der Menschenrechte oder des Antirassismus - transportiert und kommuniziert."114 Es ist ein bekanntes Element des sekundären Antisemitismus und wird auch im Grass' Gedicht erwähnt - Israelis als Täter bzw. „Verursacher der erkennbaren Gefahr“. Rabinovici erläutert den Begriff der „Antisemitismuskeule“ näher und weist darauf hin, dass das Wort den Vorwurf als eigentliche Bedrohung Profil, Vollgesogen mit Klischees. Der Schriftsteller Doron Rabinovici über den Grass-Text und Kritik an Israel., 16.04.2012, 24. Profil, Vollgesogen mit Klischees. Der Schriftsteller Doron Rabinovici über den Grass-Text und Kritik an Israel., 16.04.2012, 24. Siehe dazu: Knothe 2009, 105. Knothe bezieht sich auf ein Zitat von Rensmann, Lars: Zwischen Kosmopolitanismus und Ressentiment: Zum Problem des se kundären Antisemitismus in der deutschen Linken, in: Brosch, Elm, Geißler 2007, 171. Vgl. Profil, Vollgesogen mit Klischees, 16.04.2012, 24. Profil, Kloke 2010, 194. 110 111 112 113 114 165 bezeichnet und nicht den Antisemitismus selbst. Die Gefahr von diesem ist aber ernst zu nehmen.115 Die Reaktion aus Israel (Einreiseverbot für Grass seitens des Innenministers) beschrieb der Schriftsteller als „einer Demokratie unwürdig“ und ergänzte seine Meinung sarkastisch: „Das Einzige, was man dem Minister zugutehalten kann, ist, dass er den My thos, Juden seien besonders gescheit, dadurch widerlegt.“116 Georg Hoffmann-Ostenhofs Artikel „Poesie und Weltfrieden. Warum das jüngste Grass-Gedicht derartig gewaltige Wellen schlägt“ beginnt mit der Inhaltsbeschreibung der Filmkomödie „Und täglich grüßt das Murmel tier“ aus dem Jahr 1993 mit Bill Murray in der Hauptrolle. Er erobert das Herz einer Frau - und bekommt sie ins Bett - indem er auf ihre Frage, was er sich dringlich wünsche, folgende Antwort gibt: „Den Weltfrieden.“117 Diese kitschige Szene aus dem Hollywoodfilm diente dem Autor als Bin deglied zwischen den ersten zwei Textabschnitten, um die Trivialität des Termingebrauches sowohl im Film als auch im Gedicht Grass' hervorzu heben. Das Wort, so Hoffmann-Ostenhof im nächsten Abschnitt, „steht auch im Zentrum des nun zum politischen Skandal gewordenen Gedichts von Günter Grass“118 und bezeichnet die Sorge Grass' um den Weltfrieden als „lächerliche sprachliche Verirrung.“119 Der Begriff „Weltfrieden“ trägt, laut Autor, „von vornherein die Falschheit jeder Kitschfloskel in sich“ und die Gefahr eines bevorstehenden Weltkrieges (als Gegenbegriff zu Welt frieden) sei eher unwahrscheinlich. Im weiteren Text widmet sich der Au tor dem Thema Iran und der angeblichen Gefährdung des Weltfriedens durch diesen. In diesem Zusammenhang erwähnt der Autor die bekann teste Äußerung des iranischen Präsidenten, der zufolge Israel von der Landkarte radiert werden muss und weist auf die „Süddeutsche Zeitung" und den britischen „Guardian" hin, die das richtige Zitat veröffentlicht ha ben - „Dieses Besatzungsregime muss von den Seiten der Geschichte verschwinden.“120 Weiters wurde betont, dass sein Standpunkt Israel gegen über „dumm, unverschämt und antisemitisch“ sei - „Aber das allgemeine und hartnäckige Festhalten an der falschen Übersetzung zeigt, dass diese propagandistisch von hohem Wert ist.“ Sie ermöglicht, so Hoffmann-Ostenhof weiter im Text, dass der Iran nicht nur durch Israel, sondern auch durch die USA und Westeuropa „dämonisiert“ wird. Im Folgenden äu ßerte der Autor seine feste Überzeugung, dass die iranische Regierung - 115 Vgl. Profil, Vollgesogen mit Klischees, 16.04.2012, 25. 116 Profil, Vollgesogen mit Klischees, 16.04.2012, 25. 117 Vgl. Profil, Hoffmann-Ostenhof, 16.04.2012, 79. 118 Profil, Hoffmann-Ostenhof, 16.04.2012, 79. 119 Profil, Hoffmann-Ostenhof, 16.04.2012, 79. 120 Siehe dazu Amirpur, 2010, URL. 166 im Text „die Herren in Teheran“ - keine ernsthaften Absichten hat, die Atommacht Israel anzugreifen und stellt fest, „sie mögen in vielem durch geknallt sein, Suizid steht sicherlich nicht auf ihrer politischen Agenda.“121 Dies ist meines Erachtens problematisch. Georg Hoffmann-Ostenhof ist davon überzeugt, dass der Iran zum Erzfeind der USA und Westeuropa gemacht wird, und das zu Unrecht. Die Drohungen Ahmadinejads Israel gegenüber sollte man laut Autor nicht ernst nehmen. Dass die Äußerun gen Ahmadinejads explizit antisemitisch sind und sein Hass auf Juden ei nen permanenten Bestandteil seiner politischen Reden darstellt, sollte dem zufolge einfach ignoriert werden. Dies kann implizieren, dass Ahmadinejad, wie Grass ihn in seinem Gedicht beschrieben hat, bloß als ein „Maulheld“ verstanden werden soll. Die Relativierung bzw. die Verharmlosung expliziter antisemitischer Ar tikulationen sowie der Gefahren, denen Israel ausgesetzt ist, ist auch als sekundärer Antisemitismus zu bezeichnen. Dieses Phänomen findet in der europäischen Bevölkerung immer mehr Resonanz. Maximilian Gott schlich nennt ein Beispiel aus Österreich - 2009 wurden in KZ-Gedenkstätte Ebensee die ehemaligen Opfer des Konzentrationslagers durch Schmährufe verächtlich gemacht und mit Luftdruckgewehren beschos sen. In den Medien äußerten viele ihre Meinung dazu, indem sie diesen manifest antisemitischen Angriff als völlig harmlos kommentiert haben der FP-Parteiobmann Hans-Christian Strache bezeichnete dies als einen „blöden Lausbubenstreich“.122 Der letzte Satz des Artikels „die anhaltend gewaltige Aufregung über sein Gedicht lässt aber erahnen, dass er mit diesem doch nicht völlig daneben getroffen hat“ impliziert einen gewissen Zuspruch für das Gedicht. Der Satz „Völlig danebengetroffen hat der Autor der „Blechtrommel“ doch nicht“ steht auf dieser Seite fett abgedruckt in der Mitte rechts und somit im Blickfang der Leserschaft. So kann die Leserschaft die den Arti kel nicht lesen will beeinflusst werden, ohne Hintergrundwissen die glei che Meinung zu diesem Thema zu bilden. Sven Gächter, einer der Chefredakteure des Profil, bezeichnete in seiner Kolumne „Mediamarkt“ das Gedicht als ein Pamphlet, in dem „eine vor sätzliche Themenverfehlung unverdrossen als heroischer Akt der Zivil courage gefeiert wird.“123 Der ehemalige Profil-Herausgeber und Chefredakteur (1970-1987) - ein an gesehener österreichischer Journalist, - Peter Michael Lingens, berichtete 121 Vgl. Profil, Hoffmann-Ostenhof, 16.04.2012, 79. 122 Vgl. Gottschlich 2012, 191-192. 123 Profil, Gächter, 16.04.2012, 81. 167 im Profil 1975 über die Kreisky-Peter-Wiesental-Affäre in Österreich und unterstützte Wiesenthal.124 Fast 20 Jahre nach der oben erwähnten Affäre verfasste Lingens in einer explizit antisemitischen Sprache am 11. Septem ber 1994 im Standard veröffentlichten Kommentar unter dem Titel „Auch die Juden sind nicht gleich".125 In seiner Profil-Kolumne setzte sich Lingens auch mit dem Thema Günter Grass-Gedicht auseinander, u.a. mit der Frage der verzweifelten Suche nach „Milderungsgründen" für das unfassbare Verbrechen der Shoah. Diese würden von den Deutschen und Österreichern gesucht, um zu be greifen, warum ihre Eltern oder Großeltern damals zu diesem unfassba ren Verbrechen beigetragen haben.126 Dies gehört eindeutig in den Bereich des Geschichtsrevisionismus, dessen Ziel eine entlastende Geschichtsdar stellung ist bzw. das Minimieren der Schuld für das Verbrechen der Shoah.127 Lingens ist der Meinung, dass sich der deutsche Dramatiker Rolf Hochhuth128 zu einfach macht, wenn er Grass als Antisemiten bezeichnet, als „SS-Mann, der das 60 Jahre verschwiegen hat" und zweifelt nicht daran, dass es sich dafür schämt - nachdem er, so Lingens, nach dem Krieg (!) über die Gräueltaten der Nazis erfahren musste. Als den stärksten „Mil derungsgrund", nennt der Autor das Vorurteil, dass „etwas mit den Juden nicht stimmt!."129 Dieses als den stärksten Grund zu bezeichnen, beweist meiner Meinung nach, wie absurd der Versuch der Suche nach „Milderungsgründen" für das unbeschreibliche Verbrechen der Shoah ist. Den Vergleich der Juden mit den Nazis erklärt Lingens folgendermaßen: „Wenn sich die Israelis gegenüber den Palästinensern tatsächlich wie die Nazis gegenüber den Juden benähmen, dann exkulpierte das unsere Väter und Großväter gleich doppelt: zum einen, weil ihr Fehlverhalten dann keineswegs einmalig wäre - zum anderen, weil die Juden dann eben doch, wie Bruno Kreisky schon sagte, ein ,mieses Volk' sind."130 Grass, so Lingens, 124 S i e h e d a z u : G o t t s c h l i c h 2 0 1 2 , 1 0 4 - 1 0 5 . 125 V g l . P o l l a k 2 0 0 1 , U R L . 126 V g l . P r o f i l , L i n g e n s , 1 6 . 0 4 .2 0 1 2 , 1 2 0 . 127 V g l . W a i b l - S t o c k n e r 2 0 0 9 , 1 8 5 . 128 R o l f H o c h h u t h s c h r e i b t a n G r a s s 2 0 1 2 , U R L . 129 R o l f H o c h h u t h s c h r e i b t a n G r a s s 2 0 1 2 , U R L . 130 P r o f i l , L i n g e n s , 1 6 . 0 4 .2 0 1 2 , 1 2 0 . 168 „führt diesen psychischen Mechanismus nur in seiner extremsten Form vor: Wenn Israel bereit ist, das iranische Volk atomar auszulöschen, dann kann es nicht ganz so schlimm sein, dass Deutschland bereit war, das jüdische Volk zu vergasen."131 S c h lie ß lic h s te llt d e r A u to r fe s t , d a ss A u s c h w itz a n tis e m itis c h e V o ru r te ile n ic h t u n m ö g lic h g e m a c h t h a t, s o n d e rn s ie im G e g e n te il a ls „ M ild e ru n g s g r u n d " e rz e u g t .132 E s e r in n e r t a n d a s d e m jü d is c h e n P sy c h o a n a ly tik e r Z w i R e x z u g e s c h r ie b e n e Z ita t: „ D ie D e u ts c h e n w e rd e n d e n Ju d e n A u s c h w itz n ie v e r z e ih e n " w e lc h e s e in ty p is c h e s K e n n z e ic h e n d es s e k u n d ä re n A n tise m itism u s is t. In d e r d a ra u ffo lg e n d e n Profil-A u s g a b e w u rd e n fü n f L e s e r In n e n b r ie fe z u d e n T h e m e n im Z u s a m m e n h a n g m it d e m G e d ic h t v e rö ffe n tlic h t . In e in e m , in d e m B e z u g a u f d e n A rtik e l „ A u f s c h m a le m P fa d " g e n o m m e n w u rd e , e r w ä h n t d e r A u to r e in e F a c e b o o k m e ld u n g e in e s I s ra e li a n d a s ira n isc h e V o lk : „ Ira n ia n s , w e w ill n e v e r b o m b y o u r c o u n try , w e lo v e y o u " u n d e r k lä r t im F o lg e n d e n : „Diese Aktion ist fü r mich eine beeindruckende, hoffnungsvolle und klare Antwort au f die vielen Kommentare, Argumente und Fragen zum Ge dicht von Günter Grass [...]. Derzeit unterstützen bereits Millionen von Menschen diese Botschaft. [...] Sie alle wollen Frieden und sind über die Köpfe ihrer kriegstreibenden Regierungen hinweg fü r direkte Friedens verhandlungen mit dem Volk des sich jeweils bedroht fühlenden Feindstaates."133 D ie s is t m e in e s E ra c h te n s e in w ic h tig e r P u n k t, d e r in d e n M e d ie n b e r ic h te n fa s t im m e r v o llk o m m e n a u s g e b le n d e t w ird - d a s E n g a g e m e n t in d e r B e v ö lk e ru n g , d e r G e w a lts p ir a le e in E n d e z u s e tz e n u n d fü r e in fr ie d lic h e s Z u s a m m e n le b e n e in z u tre te n . E in e g ro ß e R o lle fü r e in e fr ie d lic h e L ö s u n g d es K o n flik te s z w is c h e n d e r is ra e lis c h e n u n d p a lä s t in e n s is c h e n P o lit ik s p ie lt d a s E n g a g e m e n t d e r is ra e lis c h e n u n d p a lä s t in e n s is c h e n B e v ö lk e r u n g in z a h lre ic h e n O rg a n is a tio n e n u n d F r ie d e n s b e w e g u n g e n .134 In e in e m a n d e re n L e s e rb r ie f k o m m e n tie r t R ic h a rd M e d e k a u s W ie n , d ie im K o m m e n ta r v o n G e o r g H o ffm a n n -O s te n h o f „ P o e s ie u n d W e ltfr ie d e n " th e m a tis ie r te V e rh a rm lo s u n g d e r G e fa h r , d ie d e r I ra n u n d d ie a n d e re n N a c h b a rs ta a te n fü r Is ra e l d a rs te lle n . D ie p o lit is c h e L a g e u n d d ie d a m it e in h e rg e h e n d e P ro b le m e in Is ra e l u n d s e in e r U m g e b u n g s in d , so M e d e k , P r o f i l , L i n g e n s , 1 6 . 0 4 .2 0 1 2 , 1 2 0 . P r o f i l , L i n g e n s , 1 6 . 0 4 .2 0 1 2 , 1 2 0 . P r o f i l , R i e d l e r , 2 3 . 0 4 .2 0 1 2 , 7 - 8 . S i e h e d a z u : I s r a e l i s c h e u n d p a l ä s t i n e n s i s c h e F r i e d e n s b e w e g u n g e n . E i n e Ü b e r s i c h t ü b e r w i c h t i g e I n i t i a t i v e n u n d E i n r i c h t u n g e n , 2 0 1 2 , U R L . 131 132 133 134 169 e rn s tz u n e h m e n d e P ro b le m e .135 D ie s d e u te t a u f d ie N o tw e n d ig k e it h in , d e n N a h o s tk o n flik t in s e in e r g a n z e n K o m p le x itä t w a h rz u n e h m e n . 5.3.1 Zusammenfassung der Ergebnisse Im Profil w u r d e n w ic h t ig e F r a g e n im Z u s a m m e n h a n g m it d e m T h e m a Is r a e lk r it ik u n d A n tis e m itis m u s in a u s fü h r lic h e n A r t ik e ln e rö r te r t u n d a r g u m e n tie r t . P r im ä r g in g es u m d ie F ra g e , w ie m a n a ls D e u ts c h e r o d e r Ö s te r re ic h e r I s ra e l k r it is ie re n d a rf, o h n e d es A n tise m itism u s b e z ic h t ig t z u w e rd e n . F ü r d ie A u to re n w a r e b e n fa lls w ic h tig , d ie E le m e n te d es s e k u n d ä re n A n tis e m itis m u s z u b e le u c h te n , d ie in s b e s o n d e re im In te rv ie w m it D o ro n R a b in o v ic i136 z u m A u s d r u c k k a m e n . F o lg e n d e E le m e n te w u rd e n e rw ä h n t u n d te ilw e is e n ä h e r b e h a n d e lt : 1 . B e tr a c h tu n g Is ra e ls a u s d e r P e r s p e k tiv e d es H o lo c a u s t 2 . P ro v o k a tio n e n u n d D e m o n s tra t io n e n m it n a tio n a ls o z ia lis t is c h e n M e rk m a le n 3. D a rs te llu n g Is ra e ls b z w . d e r Ju d e n a ls T ä te r , d ie e in s t a ls O p fe r g a l te n 4 . V e rg le ic h d e r P o lit ik Isra e ls m it d e r n a tio n a ls o z ia lis t is c h e n P o lit ik 5 . A u s c h w itz a ls O rt, d e r a n tis e m itis c h e V o ru r te ile g e s c h a ffe n h a t D a s G e d ic h t w u rd e v o n d e n A u to re n ü b e r w ie g e n d n e g a tiv b e w e rte t. D u rc h d ie B e z u g n a h m e a u f d e n V e rg le ic h Is ra e ls m it d e n N a z is u n d a u f d ie so g . „ M ild e ru n g s g rü n d e “ fü r d e n H o lo c a u s t b e h a n d e lte d e r K o lu m n is t L in g e n s d ie V o ru r te ils b ild u n g ü b e r d ie Ju d e n in d e r B e v ö lk e ru n g D e u ts c h la n d s u n d Ö ste r re ic h s . A lle rd in g s is t in s e in e m A rtik e l e in e k la re D is ta n z v o n a n tis e m it is c h e n R e s se n tim e n ts u n d V o ru r te ile n n ic h t e in d e u tig . Im m e rh in is t d e r A rtik e l e in V e rs u c h , w ie es im U n te r tite l h e iß t , G ü n te r G r a s s g e g e n R o lf H o c h h u th in S c h u tz z u n e h m e n . Profil is t d a s e in z ig e v o n d e n d re i z u d ie s e m T h e m a u n te rs u c h te n M e d ie n , in d e m k e in e L e s e r In n e n b r ie fe m it e x p liz ite n o d e r im p liz ite n E le m e n te n d es s e k u n d ä re n A n tise m itism u s v e rö ffe n t lic h t w u rd e n . 135 V g l . P r o f i l , M e d e k , 2 3 . 0 4 .2 0 1 2 , 8 . 136 P r o f i l , V o l l g e s o g e n m i t K l i s c h e e s , 1 6 . 0 4 .2 0 1 2 , 2 4 . 170 6 Themenschwerpunkt 2: Beschneidungsdebatte D a d ie A u to r in P e n s c h d a s T h e m a B e s c h n e id u n g in d e n a b ra h a m itis c h e n R e lig io n e n n ä h e r b e h a n d e lt , w ird in d ie s e m K a p ite l - v o r d e r A rtik e la n a ly s e - ü b e r b lic k s w e is e a u f re c h tlic h e A sp e k te b e z ü g lic h r itu e lle r B e s c h n e i d u n g m in d e r jä h r ig e n Ju n g e n in D e u ts c h la n d u n d Ö ste r re ic h v o r d e m K ö l n e r U rte il e in g e g a n g e n . In d ie s e m Z u s a m m e n h a n g w e rd e n n u r d ie w ic h tig s te n G e s e tz e s o w ie M e in u n g e n e in ig e r b e d e u te n d e r R e c h ts w is s e n sc h a ft le r e rw ä h n t, u m e in e G r u n d o r ie n t ie r u n g z u e rm ö g lic h e n . D a e in e d e ta il lie r te E rö r te ru n g d e r g e s e tz lic h e n R a h m e n b e d in g u n g e n d e n R a h m e n d ie s e r A rb e it s p re n g e n w ü rd e , w ird d ie se n u r p u n k tu e ll d a rg e s te llt . A n d ie s e r S te lle s o ll a u c h e rw ä h n t w e rd e n , d a ss d ie B e s c h n e id u n g s d e b a tte k e in e s fa lls e in e is t , d ie a u s s c h lie ß lic h a u ß e rh a lb d es Ju d e n tu m s g e fü h r t w ird . A u c h in n e r jü d is c h w ird ü b e r d a s T h e m a d e r B e s c h n e id u n g in s b e s o n d e re in d e n le tz te n Ja h r e n - s e h r k o n tro v e rs d is k u tie r t . D a ra u f w ird in d e r A r tik e la n a ly s e n ä h e r e in g e g a n g e n . 6.1 Rechtliche Aspekte bezüglich ritueller Beschneidung minderjähriger Jungen in Deutschland D ie r itu e lle B e s c h n e id u n g w u rd e a m 7. M a i 2 0 1 2 v o m G e r ic h t in K ö ln g e m ä ß § 2 2 4 A b s.1 N r .2 A lt .2 S tG B a ls e in e g e fä h r lic h e K ö rp e rv e r le tz u n g e in g e s tu ft . B is d a to g a b e s d ie s b e z ü g lic h k e in e x p liz it fo rm u lie r te s G e se tz . D ie s lö s te in D e u ts c h la n d e in e h e ft ig e D e b a tte a u s . D a e in e g e n a u e re A u s e in a n d e rs e tz u n g m it z a h lre ic h e n u n d s e h r u n te rs c h ie d lic h e n R e a k t io n e n a u s d e m re c h ts w is s e n s c h a ft l ic h e n B e r e ic h d e n R a h m e n d ie s e r A rb e it s p re n g e n w ü rd e , w e rd e n im w e ite r e n T e x t d ie P o s it io n e n e in ig e r a n e r k a n n te r d e u tsc h e r R e c h ts w is s e n s c h a ft le r d a rg e s te llt , d e re n A n s ic h te n d ie D e b a tte m a ß g e b lic h b e e in f lu s s t h a b e n .137 Im Z u s a m m e n h a n g m it (s tra f)-re c h tlic h e r P ro b le m a tik d e r r itu e lle n K n a b e n b e s c h n e id u n g in D e u ts c h la n d s o ll a n e rs te r S te lle d e r s c h o n im Ja h r 2 0 0 8 v e rö ffe n tlic h te A u fs a tz d es P a s s a u e r S tra fre c h ts p ro fe s s o r s H o lm P u tz k e e rw ä h n t w e rd e n .138 D ie s e r A u fs a tz k a n n a ls w ic h t ig e r A n s to ß fü r d ie D is k u s s io n z u m T h e m a r itu e lle B e s c h n e id u n g v e rs ta n d e n w e rd e n . N a c h e in e r g e n a u e n A u s e in a n d e r s e tz u n g m it v e rs c h ie d e n e n A rg u m e n te n p ro u n d c o n tra K n a b e n b e s c h n e id u n g h ä lt P u tz k e fe s t : „ D ie A b w ä g u n g d e r V o r- u n d N a c h te ile e rg ib t , d a ss d e r N u tz e n d ie N a c h te ile n ic h t ü b e r w ie g t .“ 139 A n s g a r H e n s e , D ire k to r d es In s titu ts fü r S ta a ts k irc h e n re c h t d e r D iö z e s e n D e u ts c h la n d s , k r it is ie r t d ie s e V o rg e h e n s w e is e P u tz k e s b z w . d ie 137 M e h r d a z u in : H e i l , K r a m e r 2 0 1 2 . 138 V g l . P u t z k e 2 0 0 8 , 6 9 9 - 7 0 9 . 139 V g l . P u t z k e 2 0 0 8 , 7 0 7 . 171 „ S c h n e id ig k e it e in e s s o lc h e n s tre n g ra t io n a le n N u tz e n k a lk ü ls “ 140. In s e i n e m A rtik e l b e r u ft e r s ic h u .a . a u f H e in e r B ie le fe ld t (U N -S o n d e rb e r ic h te r s ta tte r fü r R e lig io n s - u n d W e lta n s c h a u u n g s fr e ih e it) , d e r d ie s (N u tz e n S c h a d e n A b w ä g u n g ) a ls e in V e h ik e l b e z e ic h n e t , u m „ re lig iö s e u n d w e lt a n s c h a u lic h e M o tiv e u n d H a n d lu n g s lo g ik e n v ö ll ig a u s d e r R e c h ts o r d n u n g z u e x p e d ie r e n .“ 141 D a s A rg u m e n t, d ie B e s c h n e id u n g d ie n e in b e s t im m te n F ä lle n d e m W o h l d es K in d e s (re lig iö s e Id e n titä t , h y g ie n isc h e , ä s th e tis c h e G r ü n d e ) , w e is t P u tz k e e b e n fa lls z u rü c k . „Zu bejahen ist das bei einem ärztlichen Heilangriff, wenn also fü r die Zirkumzision eine medizinische Notwendigkeit besteht. Zu berücksichti gen ist aber dabei, dass die Notwendigkeit sorgfältig zu prüfen ist und nicht schon dann vorliegt, wenn die Zirkumzision höchst ungewissen Zuständen vorbeugen soll. Nicht im ,Wohl des Kindes' liegt eine Zirkumzision, wenn sie medizinisch nicht notwendig ist. Dazu zählen sowohl etwa hygienisch oder ästhetisch motivierte Zirkumzisionen als auch reli giöse Beschneidungen. "142 H e n s e k r itis ie r t : „Die rational, (vermeintlich) aufklärerisch orientierte Auffassung von Putzke und anderen misst dem Staat die Rolle der Sozialdisziplinierung zu. Unmoderne Bräuche und Rituale haben per se keine Freiheits chance."143 P u tz k e e rö r te r t e b e n fa lls e in e n w ic h t ig e n P u n k t b e z ü g lic h V o rn a h m e e i n e r Z irk u m z is io n - d ie E in w ill ig u n g d e r E lte rn o d e r a n d e re r P e r s o n e n s o r g e b e re c h tig te n . F ü r ih n is t e in e E in w ill ig u n g in d ie K n a b e n b e s c h n e id u n g o h n e m e d iz in is c h e In d ik a tio n , a u f G r u n d d es F e h le n s d e r D is p o s it io n s fä h ig k e it [V e r fü g u n g s b e fu g n is - A n m . d e r A u to r in ] d ie s e r P e r s o n e n n ic h t z u re c h tfe r t ig e n . Z u m T h e m a re c h tlic h e P ro b le m e d e r r itu e lle n B e s c h n e id u n g b ie te t a u c h d e r A rtik e l v o n D r. R o lf D ie tr ic h H e rz b e rg , P ro fe s s o r fü r S tra fre c h t a n d e r U n i B o c h u m , e in e n ä h e r e A u s e in a n d e r s e tz u n g m it z e n tra le n „ S tre itp u n k te n “ . P u tz k e a rg u m e n tie r t s e h r ä h n lic h , a b e r in d e r D ik t io n w e s e n tlic h sc h ä r fe r - d ie B e s c h n e id u n g s te llt fü r ih n e in B e is p ie l „ s k a n d a lö s e r M is s a c h tu n g k in d lic h e r G r u n d re c h te “ 144 d a r. H e rz b e rg s ie h t d a s P ro b le m in 140 H e n s e 2 0 1 2 , 4 4 5 . 141 H e n s e 2 0 1 2 , 4 4 5 . 142 H e n s e 2 0 1 2 , 4 4 5 . 143 H e n s e 2 0 1 2 , 4 4 5 . 144 H e r z b e r g 2 0 1 2 , 1 7 4 . 1 7 2 d e r P r im itiv itä t d es B e s c h n e id u n g s a k te s u n d p lä d ie r t fü r e in e n s y m b o li s c h e n B e s c h n e id u n g sr itu s , d e r m it u n s e re r R e c h ts o r d n u n g n ic h t k o llid ie r t b z w . m it d ie s e r n ic h t im W id e rs p ru c h s teh t. „Sie [Grundrechte der Kinder; Anm. der Autorin] können ihnen ein An lass sein, das religiöse Ritual dem Geist der Zeit und dem Geist unserer Rechtsordnung anzupassen. Immer noch wird der Akt blutig-primitiv vollzogen an kleinen Jungen, die oft: voller Angst um Schonung flehen,145 oder an Babys, die sich nicht wehren können. Dabei darf es nicht bleiben! Man sollte das Ritual, zum Schutze der kleinen Jungen und Babys, ins Schmerzlos-Symbolische verschieben und die Entscheidung über das Ab schneiden dem überlassen, um dessen Vorhaut es geht."146 E in e n a n d e re n S ta n d p u n k t e rö r te r t T h o m a s E x n e r in s e in e m im Ja h r 2 0 1 1 e rs c h ie n e n e n B u c h z u r K n a b e n b e s c h n e id u n g . E r e rk lä r t d ie s e s R itu a l a ls „ s o z ia la d ä q u a te s V e rh a lte n .“ 147 Z u s a m m e n g e fa s s t b e d e u te t d a s , d a ss e in V e r h a lte n s tra flo s b le ib t , a u c h w e n n d e r T a tb e s ta n d e in e s S tra fg e s e tz e s v e rw irk lic h t w ird , w e il es „ s o z ia l u n a u ffä llig , a l lg e m e in g e b il lig t so w ie g e s c h ic h tlic h ü b lic h “ 148 is t. D ie se P o s it io n w u rd e v o n H e rz b e rg im o b e n g e n a n n te n A r tik e l s c h a r f k r it is ie r t . K y r ill-A . S c h w a rz , W ü r z b u rg e r P ro fe s s o r fü r Ö ffe n tlic h e s R e c h t, m is s t in d e r B e s c h n e id u n g s d e b a tte d e r R e lig i o n s fre ih e it e in e n h o h e n W e r t b e i u n d v e r tr it t d ie M e in u n g , d a ss d ie B e s c h n e id u n g d ie R e c h ts o r d n u n g n ic h t in fra g e s te llt u n d e r la u b t w e rd e n so ll. F ü r S c h w a rz is t w ic h t ig „zunächst behutsam die spezifischen religiösen Aspekte der Beschnei dung zu erkennen, um au f dieser Grundlage zu einer sachgerechten Wür digung zu gelangen, die auch Ausdruck eines Staatsverständnisses ist, das der Religionsfreiheit eine zentrale Bedeutung zuerkennt und dem Staat prinzipiell verwehrt, den Glauben und das glaubensgeleitete Ver halten einer Religionsgemeinschaft inhaltlich zu bewerten, soweit nicht was in concreto mit Blick au f die religiöse Beschneidung zu verneinen ist - die Rechtsordnung fundamental infrage gestellt wird."149 I m s e l b e n A r t i k e l e r w ä h n t H e r z b e r g d i e s b e z ü g l i c h d a s B u c h v o n N e c l a K e l e k „ D i e v e r l o r e n e n S ö h n e , P l ä d o y e r f ü r d i e B e f r e i u n g d e s t ü r k i s c h - m u s l i m i s c h e n M a n n e s “ , i n d e m d i e A u t o r i n d i e B e s c h n e i d u n g e n a n t ü r - k i s c h - m u s l i m i s c h e n J u n g e n a l s g e w a l t v o l l e s u n d a u f g e z w u n g e n e s R i t u a l d a r s t e l l t , d a s t r o t z d e s v e r z w e i f e l t e n d a g e g e n W e h r e n s d e r J u n g e n , d i e i h r e n W i l l e n ä u ß e r n k ö n n e n , v o l l z o g e n w i r d . A n m . d e r A u t o r i n . H e r z b e r g 2 0 1 2 , 1 7 4 . E x n e r 2 0 1 1 . V g l . E x n e r 2 0 1 1 , 1 9 0 . S c h w a r z 2 0 1 2 , 1 1 4 . 145 146 147 148 149 173 A m 12 . D e z e m b e r 2 0 1 2 b e s c h lo s s d e r B u n d e s ta g in D e u ts c h la n d m it g ro ß e r M e h rh e it , d a ss r itu e lle B e s c h n e id u n g im Ju d e n tu m u n d im Is la m e r la u b t se i. D e m z u fo lg e h a b e n d ie E lte rn d a s R e c h t, u n te r b e s t im m te n m e d iz in is c h e n S ta n d a rd s , ih re S ö h n e k u rz n a c h d e r G e b u r t b e s c h n e id e n z u la s s e n .150 D a s G e s e tz im W o rt la u t :151 B ü rg e r lic h e s G e s e tz b u c h § 1 6 3 1 d : Beschneidung des männlichen Kindes (1) D ie P e r s o n e n s o rg e u m fa s s t a u c h d a s R e c h t, in e in e m e d iz in is c h n ic h t e r fo rd e r lic h e B e s c h n e id u n g d es n ic h t e in s ic h ts - u n d u r te ils fä h ig e n m ä n n l ic h e n K in d e s e in z u w illig e n , w e n n d ie s e n a c h d e n R e g e ln d e r ä rz tl ic h e n K u n s t d u rc h g e fü h rt w e rd e n s o ll. D ie s g ilt n ic h t , w e n n d u rc h d ie B e s c h n e i d u n g a u c h u n te r B e r ü c k s ic h tig u n g ih re s Z w e c k s d a s K in d e s w o h l g e fä h r d e t w ird . (2) In d e n e rs te n s e c h s M o n a te n n a c h d e r G e b u r t d es K in d e s d ü rfe n a u ch v o n e in e r R e lig io n s g e s e lls c h a ft d a z u v o rg e s e h e n e P e r s o n e n B e s c h n e id u n g e n g e m ä ß A b sa tz 1 d u rc h fü h re n , w e n n s ie d a fü r b e s o n d e rs a u s g e b ild e t u n d , o h n e A rz t z u s e in , fü r d ie D u rc h fü h r u n g d e r B e s c h n e id u n g v e r g le ic h b a r b e fä h ig t s in d . V o rs c h r if t e in g e fü g t d u rc h d a s G e s e tz ü b e r d e n U m fa n g d e r P e r s o n e n s o r g e b e i e in e r B e s c h n e id u n g d es m ä n n lic h e n K in d e s v o m 2 0 .1 2 .2 0 1 2 (B G B l. I S . 2 7 4 9 ) m .W .v . 2 8 .1 2 .2 0 1 2 . 6.2 Rechtliche Aspekte bezüglich ritueller Beschneidung minderjähriger Jungen in Österreich In Ö ste r re ic h is t d ie G e s e tz e s la g e b e z ü g lic h r itu e lle r B e s c h n e id u n g d e r K n a b e n n ic h t e x p liz it fo rm u lie r t . F o lg e n d e P a ra g r a p h e n k ö n n e n h e ra n g e z o g e n w e rd e n , b ie te n d ie s b e z ü g lic h a b e r k e in e e in d e u tig e n B e s t im m u n g en : A u s d e m A llg e m e in e n B ü rg e r lic h e n G e s e tz b u c h (A B G B ):152 § 1 4 6 a . D a s m in d e r jä h r ig e K in d h a t d ie A n o rd n u n g e n d e r E lte rn z u b e fo l g e n . D ie E lte rn h a b e n b e i ih re n A n o rd n u n g e n u n d d e re n D u rc h se tz u n g S i e h e d a z u : D e u t s c h e r B u n d e s t a g : G e s e t z e n t w u r f d e r B u n d e s r e g i e r u n g . E n t w u r f e i n e s G e s e t z e s ü b e r d e n U m f a n g d e r P e r s o n e n s o r g e b e i e i n e r B e s c h n e i d u n g d e s m ä n n l i c h e n K i n d e s , 2 0 1 3 . B ü r g e r l i c h e s G e s e t z b u c h : § 1 6 3 1 d B e s c h n e i d u n g d e s m ä n n l i c h e n K i n d e s 2 0 1 2 . A B G B , D r i t t e s H a u p t s t ü c k . V o n d e n R e c h t e n z w i s c h e n E l t e r n u n d K i n d e r n . A l l g e m e i n e R e c h t e u n d P f l i c h t e n , 2 0 0 9 . 174 150 151 152 a u f A lte r , E n tw ic k lu n g u n d P e r s ö n lic h k e it d es K in d e s B e d a c h t z u n e h m e n ; d ie A n w e n d u n g v o n G e w a lt u n d d ie Z u fü g u n g k ö r p e r lic h e n o d e r s e e lis c h e n L e id e s s in d u n z u lä ss ig . § 1 4 6 c . (1) E in w ill ig u n g e n in m e d iz in is c h e B e h a n d lu n g e n k a n n d a s e in s ic h ts - u n d u r te ils fä h ig e K in d n u r s e lb s t e r te ile n ; im Z w e ife l w ird d a s V o r l ie g e n d ie s e r E in s ic h ts - u n d U rte ils fä h ig k e it b e i m ü n d ig e n M in d e r jä h r i g e n v e rm u te t . M a n g e lt e s a n d e r n o tw e n d ig e n E in s ic h ts - u n d U rte ils fä h ig k e it , so is t d ie Z u s tim m u n g d e r P e r s o n e r fo rd e r lic h , d ie m it P fle g e u n d E rz ie h u n g b e tra u t ist. (2) W ill ig t e in e in s ic h ts - u n d u r te ils fä h ig e s m in d e r jä h r ig e s K in d in e in e B e h a n d lu n g e in , d ie g e w ö h n lic h m it e in e r s c h w e r e n o d e r n a c h h a lt ig e n B e e in trä c h t ig u n g d e r k ö r p e r lic h e n U n v e rs e h r th e it o d e r d e r P e rsö n lic h k e it v e rb u n d e n is t , so d a rf d ie B e h a n d lu n g n u r v o rg e n o m m e n w e rd e n , w e n n a u c h d ie P e r s o n z u s tim m t, d ie m it d e r P fle g e u n d E rz ie h u n g b e tra u t ist. A rt. 6 3 d es S ta a tsv e r tra g e s g a ra n tie r t a lle n B ü rg e rn d ie f re ie R e lig io n s a u s ü b u n g , s o la n g e d ie se m it d e r ö ffe n tlic h e n O rd n u n g u n d d e n g u te n S it te n v e re in b a r is t .153 A rt. 1 4 d es G r u n d g e s e tz b u c h e s fo rm u lie r t d ie s ä h n lic h u n d e rg ä n z t , d a ss k e in e r z u e in e r k ir c h lic h e n H a n d lu n g o d e r z u r T e iln a h m e a n e in e r k a th o lis c h e n F e ie r lic h k e it g e z w u n g e n w e rd e n k a n n , in s o fe rn e r n ic h t d e r n a c h d e m G e s e tz e h ie rz u b e re c h t ig te n G e w a lt e in e s A n d e r e n u n te rs te h t .154 D a s Ö s te r re ic h is c h e B u n d e s m in is te r iu m fü r Ju s tiz g a b a m 31 . Ju li 2 0 1 2 e i n e n E r la ss b e z ü g lic h K ö ln e r U rte ils h e ra u s . S e in e R e c h ts a n s ic h t w ird fo l g e n d e rm a ß e n z u s a m m e n g e fa s s t : 1 . B is la n g s in d - s o w e it ü b e r b lic k b a r - k e in e ö s te r r e ic h is c h e n S tra fv e r fa h re n , g e s c h w e ig e d e n n U r te ile im Z u s a m m e n h a n g m it d e r r itu e lle n B e s c h n e id u n g v o n K n a b e n b e k a n n t. 2 . Im S c h r ift tu m w e rd e n s o lc h e B e s c h n e id u n g e n u n te r d e m A sp e k t d er S tra f lo s ig k e it z u fo lg e E in w ill ig u n g b e h a n d e lt: 2 .1 . N a c h § 90 A b s. 1 S tG B is t e in e K ö rp e rv e r le tz u n g o d e r G e fä h rd u n g d e r k ö r p e r lic h e n S ic h e rh e it n ic h t re c h tsw id r ig , w e n n d e r V e r le tz te o d e r G e fä h r d e te in s ie e in w ill ig t u n d d ie V e r le tz u n g o d e r G e fä h rd u n g a ls so lc h e n ic h t g e g e n d ie g u te n S it te n v e rs tö ß t. M it d e m S tra fre c h ts ä n d e ru n g s g e se tz 2 0 0 1 w u rd e d e r B e s t im m u n g d es § 9 0 S tG B e in A b s. 3 a n g e fü g t, d e r h in s ic h t lic h g e n ita le r V e rs tü m m e lu n g e n je g l ic h e M ö g lic h k e it a u s s c h lie ß t , in d ie se m it s tra fb e fr e ie n d e r W ir k u n g fü r d e n T ä te r e in z u w illig e n .155 V g l . S t a a t s v e r t r a g v o n S a i n t - G e r m a i n - e n - L a y e , 1 9 2 0 . V g l . D a s ö s t e r r e i c h i s c h e G r u n d g e s e t z f ü r B ü r g e r , 2 0 1 1 . § 9 0 S t G B E i n w i l l i g u n g d e s V e r l e t z t e n , 2 0 0 1 . 153 154 155 175 A n d ie s e r S te lle s o ll d e r Pressea r tik e l „ B e s c h n e id u n g : R e lig io n s fre ih e it e r la u b t n ic h t a lle s “ v o n P ro f. D r . H e lm u t F u c h s , V o rs ta n d d es In s titu ts fü r S tra fre c h t a n d e r U n iv e rs itä t W ie n , e rw ä h n t w e rd e n . In d ie s e m b e z ie h t e r s ic h a u f d e n S ta n d p u n k t d es Ju s tiz m in is te r iu m s u n d s te llt fe s t , d a ss d ie S tra f lo s ig k e it d e r re lig iö s e n B e s c h n e id u n g in Ö s te r re ic h k e in e s w e g s e in d e u tig se i. E r s ie h t d ie L ö s u n g in d e r B e r u fu n g a u f G e w o h n h e its re c h t , s o fe r n d ie B e s c h n e id u n g n a c h R e g e ln d e r m e d iz in is c h e n K u n s t d u rc h g e fü h r t w ird .156 N a c h d e m B e s c h lu s s d es B u n d e s ta g e s in D e u ts c h la n d v o m 12 . D e z e m b e r 2 0 1 2 w u rd e n in Ö s te r re ic h k e in e g e s e tz lic h e n Ä n d e r u n g e n b e z ü g lic h r itu e lle r B e s c h n e id u n g v o rg e n o m m e n . 6.3 Analyse der Artikel in Die Presse In Die Presse w u rd e ü b e r d ie B e s c h n e id u n g s d e b a tte in D e u ts c h la n d u n d in Ö s te r re ic h s e h r u m fa n g re ic h b e r ic h te t . S ie b e n u n d z w a n z ig A rtik e l w u r d e n z u d ie s e m T h e m e n b e r e ic h g e fu n d e n . D ie s e w e rd e n im F o lg e n d e n p rä s e n tie r t . E s w e rd e n a u c h d re i L e s e rb r ie fe d a rg e s te llt , d ie s ic h fü r d e n G e g e n s ta n d d ie s e r A rb e it a ls re le v a n t e rw ie s e n h a b e n . A m 2 8 .0 6 .2 0 1 2 b e z e ic h n e te T h o m a s K ra m a r d ie S tra fb a rk e it d e r B e s c h n e i d u n g a ls e in h e ik le s U rte il . M it d e m A d je k tiv „ h e ik e l“ d e u te t d e r A u to r a u f d ie m ö g lic h e n G e fa h re n , d ie e in s o lc h e s U rte il m it s ic h b r in g e n k ö n n te . A m A n fa n g se in e s A rtik e ls s te llt e r z w e i w ic h t ig e F ra g e n , d ie e r im w e ite r e n T e x t z u b e a n tw o r te n v e rsu c h t: K a n n d ie B e s c h n e id u n g a ls K ö rp e rv e r le tz u n g b e z e ic h n e t w e rd e n u n d w o h e r k o m m t d ie se s R itu a l. In d e n e rs te n z w e i A b s ä tz e n s c h ild e r t e r k u rz d a s U rte il d es K ö ln e r G e r ic h te s . Im d r itte n e rk lä r t e r , w a ru m d ie se s p ro b le m a tis c h („ h e ik e l“ ) ist: „ E s im p liz ie r t , d a ss a lle M u s lim e u n d Ju d e n , d ie ih re S ö h n e d e n S it te n ih re r R e lig io n g e m ä ß b e s c h n e id e n la ss e n , e in e s tra fb a re H a n d lu n g b e g ü n s tig e n . U n d d a ss d e r A rz t s ic h d e r K ö rp e rv e r le tz u n g s c h u ld ig m a c h t.“ 157 W e ite rs b e z ie h t s ic h d e r A u to r a u f d ie M e in u n g e in e s M e d iz in e th ik e rs in e in e m k a th o lis c h e n K ra n k e n h a u s in W ie n s o w ie e in e s K o m m e n ta to rs d e r „ F r a n k fu r te r A llg e m e in e n Z e itu n g “ . D e r M e d iz in e th ik e r b e z e ic h n e t d ie K n a b e n b e s c h n e i d u n g a ls e in R itu a l, d a s a ls „ s o z ia l a d ä q u a t“ g e d u ld e t w ird u n d s ie h t d ie M ö g lic h k e it d e r Ä n d e r u n g a u c h in Ö ste r re ic h . W a s u n te r „ s o z ia l a d ä q u a t“ v e rs ta n d e n w ird , w u rd e in d ie s e m A rtik e l n ic h t n ä h e r e rk lä rt . Im n ä c h s te n A b s c h n itt s c h r e ib t K ra m a r ü b e r d ie R e a k tio n e n in d e n b e tro ffe n e n R e lig io n s g e m e in s c h a fte n u n d b e g r e n z t s ie a u f d ie je n ig e n a u s 156 V g l . F u c h s 2 0 1 2 , 9 . 157 D i e P r e s s e , K r a m a r , 2 8 . 0 6 .2 0 1 2 , 2 7 . 176 d e m Z e n tra lra t d e r M u s lim e u n d d e m Z e n tra lra t d e r Ju d e n in D e u ts c h la n d . A u f d ie b ib lis c h e b z w . d ie E rk lä ru n g a u s d e r T o ra s o w ie d u rc h d e n K o ra n u n d d ie is la m is c h e T ra d it io n (H a d ith ) w ird im T e x t h in g e w ie s e n . B e i d e r F ra g e n a c h d e m U rs p ru n g d es R itu s , e rw ä h n t K ra m a r n u r d ie F r e u d 's c h e T h e o r ie d e r s y m b o lis c h e n K a s tr a t io n u n d w id m e t s ic h d e m T h e m a d e r h y g ie n is c h e n G r ü n d e e in e r B e s c h n e id u n g . Im v o r le tz te n A b s c h n itt e rk lä r t K ra m a r d ie im B r ie f a n d ie R ö m e r th e m a tis ie r te „ B e s c h n e i d u n g d e r H e rz e n “ , d ie fü r d ie „ L o s lö s u n g [d es C h ris te n tu m s] v o n d e r M u tte rr e lig io n , d e m Ju d e n tu m “ s te h t. Im le tz te n A b sa tz d es A rtik e ls b e z ie h t d e r A u to r d ie S te llu n g z u d e m T h e m a in d e m e r d ie T ra d it io n d e r r itu e lle n B e s c h n e id u n g a ls „ z u m ä c h tig - u n d a u c h w ü rd ig “ 158 b e z e ic h n e t . A m d a ra u ffo lg e n d e n T a g b e s c h r e ib t D ie tm a r K ru g in s e in e r K o lu m n e „ D ie s e D e u ts c h e n - ü b e r u n s e re L ie b lin g s n a c h b a rn in der Presse a m S o n n ta g “ e in p e rs ö n lic h e s , s e h r n e g a tiv e s E r le b n is b e z ü g lic h d e r r itu e lle n B e s c h n e id u n g z w e ie r B rü d e r in e in e m a n a to lis c h e n D o rf . Ih n e n , so K ru g , „ s ta n d d ie P a n ik in s G e s ic h t g e s c h r ie b e n , d ie A n g s t d a v o r , d a ss s ic h in K ü r z e je m a n d m it e in e m M e s s e r ih re r in t im s te n K ö rp e rz o n e n ä h e r n w ü rd e . [ . . . ] D ie K in d e r w a r e n v ö ll ig a lle in m it ih re r A n g s t .“ 159 Im z w e ite n T e x ta b s c h n itt v e rb in d e t d e r A u to r d ie se s E re ig n is m it d e m U rte il d es K ö l n e r G e r ic h te s u n d d e u te t e s a ls d ie S tim m e d e r z w e i B rü d e r . K ru g b e z e ic h n e te im w e ite r e n T e x t d ie r itu e lle B e s c h n e id u n g a ls b lu t ig e n S c h n it t u n d e in e n s c h w e r e n E in g r if f in d ie k ö r p e r lic h e In te g r itä t d es K in d e s . In te re s s a n t is t d e r le tz te S a tz d ie se s A b sc h n itte s , in d e m s ic h , la u t A u to r , „ d ie R e lig io n s g e m e in s c h a fte n “ - im T e x t s te h t w e d e r Is la m n o c h Ju d e n tu m - „ fü r ih re n n ie h in te r fra g te n M a c h ta n s p ru c h re c h tfe r t ig e n [m ü sse n ], so ü b e r d e n K ö rp e r e in e s u n m ü n d ig e n K in d e s v e r fü g e n z u d ü rfe n .“ 160 D e r A u to r v e rs u c h t d ie L e s e rs c h a ft a u f d e r e m o tio n a le n E b e n e z u b e rü h re n a u f d e r e in e n S e ite „ d ie R e lig io n s g e m e in s c h a fte n “ m it ih re m M a c h ta n s p ru c h u n d a u f d e r a n d e re n d ie K in d e r o h n e S e lb s tb e s tim m u n g sre c h t. E in e K o m p r o m is s f in d u n g in d e r F ra g e d e r r itu e lle n B e s c h n e id u n g s ie h t d e r A u to r a ls u n w a h rs c h e in lic h b z w . u n m ö g lic h , w a s im V e rg le ic h „ [d e n K o m p ro m iss ] fü r c h te n d ie H ü te r d e r re in e n L e h re w ie d e r T e u fe l d a s W e ih w a s s e r“ 161 z u m A u s d r u c k k o m m t. D ie K o lu m n e „ C u ltu re C la s h - F ro n tn a c h r ic h te n a u s d e m K u ltu r k a m p f“ d es K o m m u n ik a tio n s c h e fs d e r E rz d iö z e s e W ie n M ic h a e l P rü lle r v o m 1 .0 7 .2 0 1 2 trä g t d e n T ite l „ P ro te u s m ira b il is “ - d a s is t d e r N a m e e in e r B a k te r ie n a r t , d ie s ic h u n te r d e r P e n is v o rh a u t a n s a m m e ln k a n n u n d e in e n 158 V g l . D i e P r e s s e , K r a m a r , 2 8 . 0 6 .2 0 1 2 , 2 7 . 159 D i e P r e s s e , K r u g , 2 9 . 0 7 .2 0 1 2 , 1 0 . 160 D i e P r e s s e , K r u g , 2 9 . 0 7 .2 0 1 2 , 1 0 . 161 D i e P r e s s e , K r u g , 2 9 . 0 7 .2 0 1 2 , 1 0 . 177 K ra n k h e its e r r e g e r d a rs te llt . D a m it w e is t d e r A u to r a u f d ie m e d iz in is c h e n V o rte ile d e r B e s c h n e id u n g h in u n d v e rd e u tlic h t , d a ss je d e r c h iru rg isc h e E in g r if f K ö rp e rv e r le tz u n g is t. M e n s c h e n o p fe r u n d W itw e n v e r b re n n u n g e n w e rd e n a ls B e is p ie l g e n a n n t, d a s n ic h t a lle s R e lig iö s e e r la u b t w a r u n d is t. D e r K e rn g e d a n k e s e in e s A rtik e ls is t d ie M e in u n g , d a ss d a s K ö ln e r U r te il „ b lo ß e in A u s d r u c k u n s e re r V e rw e h le id ig u n g is t“ s o w ie , d a ss e in e m g lä u b ig e n Ju d e n im F a lle e in e s V e rb o ts n u r d ie W a h l z w is c h e n A u s w a n d e r u n g u n d K u r p fu s c h e r b lie b e , w a s w ie d e ru m in d ie s e r W e ltg e g e n d e in s e lts a m e s B ild d e r R e lig io n s fre ih e it w ä r e .162 In d a ra u ffo lg e n d e r W o c h e s c h r e ib t P rü lle r in s e in e r K o lu m n e d e n z w e ite n T e il ü b e r d a s T h e m a B e s c h n e id u n g b z w . ü b e r d ie B e e in trä c h t ig u n g d e r k in d lic h e n U n v e rs e h r t h e it d u rc h je g l ic h e E rz ie h u n g .163 Im T e x t w e rd e n d ie s e T h e m e n w e d e r m it d e m Is la m n o c h m it d e m Ju d e n tu m in V e rb in d u n g g e b ra ch t. E r s te llt d ie a llg e m e in e F ra g e , o b d ie re lig iö s e E rz ie h u n g m it d e r „ g e s u n d e n W a ts c h e “ v e r g l ic h e n w e rd e n k a n n u n d d e m z u fo lg e „ n u r d a s re lig io n s fre ie K in d fre i u n d u n v e r s e h r t“ is t .164 S o w ie te ilw e ise d ie A rg u m e n te g e g e n d ie B e s c h n e id u n g - „ T e il d es s c h ä d lic h e n P h ä n o m e n s R e lig io n - u n d d a h e r u n v e rn ü n ft ig e n E rw a c h s e n e n a u f e ig e n e G e fa h r e r la u b t, a b e r v o n K in d e r n fe rn z u h a lte n “ 165 f ü r d e n A u to r in s E x tre m fü h re n , fü h r t s e in e A n tw o rt a ls A n tith e s e m it A b s ic h t iro n is c h in d a s a n d e re , u m d ie L e s e rs c h a ft ü b e r d ie s e z u m N a c h d e n k e n a n z u re g e n . D a K in d e r e r z ie h u n g in v a s iv is t, e in z w ä n g t, u n a u s lö s c h lic h p rä g t u n d z u K o m p le x e n u n d N e u ro s e n fü h re n k a n n , s o llte m ö g lic h e rw e is e , u m w ir k lic h f r e i z u s e in , e in E rz ie h u n g s v e r b o t b is z u m 1 4 . L e b e n s ja h r e in g e fü h rt w e rd e n .166 S ib y lle H a m a n n g e h t in ih re m A rtik e l „ E in k le in e r S c h n itt u n d s e in e g ro ß e n F o lg e n “ d e r F r a g e n a c h , w a ru m d a s K ö ln e r U rte il so v ie le E m o tio n e n v o r a lle m b e i n ic h t re lig iö s e n M e n s c h e n h e rv o rg e ru fe n h a b e n . Is t e s w e il e s u m d ie K in d e r g e h t, d e n e n m a n k e in S c h m e rz h in z u fü g e n d a rf, is t es w e g e n „ d e r N a tu r“ o d e r d e r S e lb s tb e s t im m u n g d e r K in d e r? A ll d a s b e a n tw o r te t H a m a n n m it „ v ie lle ic h t“ . W o ra u f s ie in d ie s e m A rtik e l h in a u s w ill is t d e r V e rd a c h t, d a ss e s d e n G e g n e rn d e r B e s c h n e id u n g g a r n ic h t u m K in d e r re c h te g e h t, s o n d e rn d a ru m , „ d e n a n d e re n “ a u s z u g re n z e n . G e n a u d a s is t in d e r D e b a tte s e h r p ro b le m a tis c h - m it w e lc h e n In te n tio n e n re a g ie r te n M e n s c h e n a u f d a s U rte il . L a u t S ib y lle H a m a n n is t d ie In te n tio n „ s ie [d ie a n d e re n ] a ls rü c k s tä n d ig , a rc h a isc h , g r a u s a m z u p u n z ie r e n u n d 162 V g l . D i e P r e s s e , P r ü l l e r , 0 1 . 0 7 .2 0 1 2 , 4 3 . 163 V g l . D i e P r e s s e , P r ü l l e r , 0 8 . 0 7 .2 0 1 2 , 4 3 . 164 V g l . D i e P r e s s e , P r ü l l e r , 0 8 . 0 7 .2 0 1 2 , 4 3 . 165 D i e P r e s s e , P r ü l l e r , 0 8 . 0 7 .2 0 1 2 , 4 3 . 166 V g l . D i e P r e s s e , P r ü l l e r , 0 8 . 0 7 .2 0 1 2 , 4 3 . 1 7 8 ih n e n k la rz u m a c h e n , w a s „ h ie r b e i u n s g e h t u n d w a s n ic h t .“ 167 D ie se s D e n k m u s te r e n ts p r ic h t e x a k t d e m „ In -G r o u p -O u t-G ro u p “ V e rs tä n d n is . A ls „ u n e r trä g lic h “ b e z e ic h n e t d ie A u to r in im le tz te n S a tz ih re s A rtik e ls „ w e n n e in d e u tsc h e s G e r ic h t d e u ts c h e n Ju d e n s o lc h e M a rk ie ru n g e n v e r b ie te t , u n te r a n fe u e r n d e m A p p la u s d es P u b lik u m s .“ D ie B e g r if fe „ d e u t sch e s G e r ic h t“ u n d „ d e u ts c h e Ju d e n “ u n te rs tr e ic h e n d ie S c h w e re d e r P ro b le m a tik im Z u s a m m e n h a n g m it d ie s e m T h e m a . „ U n te r a n fe u e r n d e m A p p la u s d es P u b lik u m s “ s te h t fü r d ie e u p h o r isc h e S tim m u n g d ie d a s m ö g lic h e B e s c h n e id u n g s v e rb o t in d e r (d e u tsc h e n u n d ö ste rre ic h isc h e n ) B e v ö lk e ru n g a u s lö s t. Ä h n lic h b e z e ic h n e t e in in H e rd e r K o rre s p o n d e n z e r sc h ie n e n e r B e itra g z u d ie s e m T h e m a d e n W u n s c h „ in D e u ts c h la n d d e n Ju d e n e in e G r u n d la g e ih re r re lig iö s e n Id e n titä t z u v e rb ie te n u n d d a m it jü d is c h e s L e b e n in D e u ts c h la n d u n m ö g lic h m a c h e n “ a ls „ b e so n d e rs fa ta l .“ 168 M e in e s E ra c h te n s s in d a u c h s o lc h e P o la r is ie ru n g e n g e fä h r lic h , w e il d a m it e b e n fa lls z w e i v o n e in a n d e r z u u n te rs c h e id e n d e G r u p p e n d a rg e s te llt w e r d en . In e in e m G a s tk o m m e n ta r v o m 0 5 .0 7 .2 0 1 2 b e z e ic h n e t N ik o A lm 169 d a s K ö l n e r U rte il a ls „ r ic h tu n g s w e is e n d “ 170. E r b e n u tz t es a ls V o rw a n d , s e in e s e h r k ir c h e n k r it is c h e n M e in u n g e n z u ä u ß e rn . S c h o n im z w e ite n S a tz b e h a u p te t e r , d a ss d a m it d ie R e lig io n s fre ih e it n ic h t b e s c h n it te n w ird , „ s o n d e rn a u f je n e a u s g e w e ite t , d ie s ic h n ic h t w e h r e n k ö n n e n “ 171 - a u f d ie K in d e r . D a e s u m d ie r itu e lle B e s c h n e id u n g g e h t, w u rd e in d ie s e m K o n te x t s ta tt „ e in s c h r ä n k e n “ [d ie R e lig io n s fre ih e it] d a s V e rb „ b e s c h n e id e n “ v e rw e n d et. Im w e ite r e n T e x t w ird d ie s a ls „ e in w ic h t ig e r S c h r itt fü r d ie T re n n u n g v o n S ta a t u n d R e lig io n , z u m A b b a u e x k lu s iv e r (!) S o n d e r re c h te v o n R e li g io n s g e s e lls c h a fte n “ 172 b e z e ic h n e t . In d ie s e m K o n te x t w u rd e w e d e r Is la m n o c h Ju d e n tu m e rw ä h n t. D ie B e s c h n e id u n g is t fü r A lm e in d e u tig e in e il 167 D i e P r e s s e , H a m a n n , 0 4 . 0 7 .2 0 1 2 , 2 7 . 168 V g l . O r t h 2 0 1 2 , 3 8 2 - 3 8 3 . H i e r 3 8 3 . 169 N i k o A l m i s t S p r e c h e r d e r I n i t i a t i v e g e g e n K i r c h e n p r i v i l e g i e n . S i e h e d a z u : I n i t i a t i v e g e g e n K i r c h e n p r i v i l e g i e n , 2 0 1 3 . I m N o v e m b e r 2 0 1 2 z e i g t e n d i e A k t i v i s t e n d i e s e r I n i t i a t i v e d e n W i e n e r G e m e i n d e r a b b i n e r , S c h l o m o H o f m e i s t e r u n d e i n e n m u s l i m i s c h e n A r z t w e g e n K ö r p e r v e r l e t z u n g . I m J ä n n e r b z w . M ä r z 2 0 1 3 w u r d e d a s V e r f a h r e n e i n g e s t e l l t . D i e P r e s s e b e r i c h t e t e d a r ü b e r O n l i n e . E i n A r t i k e l a u s d e r P r i n t a u s g a b e v o m 0 5 . 0 3 .2 0 1 3 w i r d i n d e r A n a l y s e p r ä s e n t i e r t . A n m . d e r A u t o r i n . 170 D i e P r e s s e , A l m , 0 5 . 0 7 .2 0 1 2 , 2 6 . 171 D i e P r e s s e , A l m , 0 5 . 0 7 .2 0 1 2 , 2 6 . 172 D i e P r e s s e , A l m , 0 5 . 0 7 .2 0 1 2 , 2 6 . 179 le g a le K ö rp e rv e r le tz u n g , d ie im W id e rs p ru c h z u G r u n d - u n d M e n s c h e n re c h te n s te h t u n d d ie M ä n n e r ih r L e b e n la n g „ m a r k ie r t" . A n s c h lie ß e n d th e m a tis ie r t e r d e n Is la m b z w . d ie S a n k tio n d e r T o d e s s tr a fe , d ie e in e n A b trü n n ig e n (d er A u to r v e rw e n d e t a u c h d e n a ra b is c h e n B e g r if f „Murtadd") in m a n c h e n is la m is c h e n L ä n d e r n d ro h t. D ie s w u rd e n ic h t n ä h e r e rk lä rt. W e ite r s s ie h t d e r A u to r d ie N o tw e n d ig k e it d es H in te r fra g e n s a n d e re r re l ig iö s e n B rä u c h e u n d le ite t z u d e n T h e m e n a u s d e m k a th o lis c h e n B e re ic h ü b e r . E r n e n n t e in k o n k re te s B e is p ie l - d ie B e ic h te . D ie se s S a k ra m e n t b e s c h r e ib t e r a ls d a s „ A u fla d e n v o n M in d e r jä h r ig e n m it d e m k a th o lisc h e n S c h u ld k o m p le x " , d a s a u fg ru n d d es R e c h te s a u f p s y c h is c h e U n v e rs e h r t h e it v e r b o te n g e h ö r t u n d w e il „ in v ie le n F ä lle n d ie B e ic h te v o n M ä n n e rn a b g e n o m m e n w ird , d ie b e s s e r s e lb s t v o r d e r s ta a tlic h e n G e w a lt u n d n ic h t d e r K la s n ic -K o m m is s io n 173 Z e u g n is a b le g e n s o l l te n ." 174 D ie s e r S a tz im p li z ie r t d e n V o rw u rf d es s e x u e lle n M iss b ra u c h s d u rc h v ie le („ in v ie le n F ä l le n " ) k a th o lisc h e P r ie s te r in Ö ste r re ic h . S c h lie ß lic h a p p e llie r t A lm a u f d ie f r e ie E n ts c h e id u n g d e r R e lig io n s m ü n d ig e n ü b e r d ie e ig e n e R e lig io n s z u g e h ö r ig k e it . M a r t in E n g e lb e rg b e z ie h t s ic h in s e in e m A rtik e l a u f d ie p s y c h o a n a ly ti s c h e n A sp e k te d e r r itu e lle n B e s c h n e id u n g . D ie V e r tr e te r d e r P sy c h o a n a ly s e , so E n g e lb e rg , b e tra c h te n s ie a ls e in e n d e r w ic h t ig s te n U n te rs c h ie d e z w is c h e n C h r is te n tu m u n d Ju d e n tu m u n d a ls d e n U rs p ru n g d es A n tis e m itism u s . W e ite rs e rk lä r t d e r A u to r d ie F r e u d 's c h e T h e o r ie d e r B e s c h n e i d u n g a ls K a s tr a t io n u n d w id m e t s ic h d a n n w ie d e r d e m T h e m a d e r B e s c h n e id u n g in d e n E v a n g e lie n . D a d ie Ju d e n a u f d ie B e s c h n e id u n g n ic h t v e r z ic h te n w o llte n , s te llte n s ie e in e B e d ro h u n g fü r d ie „narzisstischen Größenvorstellungen des Christentums, Jesus sei der Sohn Gottes und seine Lehre die wahre gewesen - eine narzisstische Krän kung, eine Demütigung, fü r welche die Juden fü r immer büßen müs sen"175 d a r. E n g e lb e rg s te llt w e ite r fe s t , d a ss d ie g a n z e D e b a tte b z w . d ie F o r d e r u n g e in e s B e s c h n e id u n g sv e rb o te s in d ie fa ls c h e R ic h tu n g g e h t - d a s B e h a r re n a u f d ie m e d iz in is c h e n G r ü n d e lä ss t w ic h t ig e p s y c h o a n a ly tisc h e 173 D i e s o g . K l a s n i c - K o m m i s s i o n s t e l l t e i n e f ü r d i e O p f e r d e s s e x u e l l e n M i s s b r a u c h s i n n e r h a l b d e r k a t h o l i s c h e n K i r c h e u n a b h ä n g i g e S c h u t z k o m m i s s i o n d a r , d i e a l s d e r E r z d i ö z e s e W i e n z u g e h ö r i g , o f t i n i h r e r „ U n a b h ä n g i g k e i t " a l s u m s t r i t t e n w a h r g e n o m m e n w i r d . A n m . d e r A u t o r i n . 174 D i e P r e s s e , A l m , 0 5 . 0 7 .2 0 1 2 , 2 6 . 175 D i e P r e s s e , E n g e l b e r g , 1 0 . 0 7 .2 0 1 2 , 2 7 . 180 A s p e k te a u ß e r A ch t. S c h lie ß lic h a p p e llie r t E n g e lb e rg a u f d ie U n te rs c h e i d u n g z w is c h e n d e r r itu e lle n B e s c h n e id u n g d e r K n a b e n u n d w e ib lic h e n G e n ita lv e r s tü m m e lu n g . A ls e in e n A ffro n t176 b e z e ic h n e t E fg a n i D ö n m e z d a s m ö g lic h e g e s e tz lic h e V e rb o t d e r K n a b e n b e s c h n e id u n g . A m A n fa n g se in e s A rtik e ls e rw ä h n t e r d ie b re ite G r u p p e , d ie s ic h z u m T h e m a b e re its ä u ß e r te „ b is h in z u a n t is e m it is c h e n W e ltv e rs c h w ö re rn u n d is la m o p h o b e n S c h ä c h tu n g s g e g n e rn .“ 177 E r s te llt in d ie s e m Z u s a m m e n h a n g e in e w ic h t ig e F ra g e : „ G e h t e s h ie r u m v e rs te c k te n A n tis e m itis m u s o d e r u m d e n B e w e is , d a ss M u s lim e a rc h a isc h u n d rü c k s tä n d ig s e ie n , w e il n a c h w ie v o r O p fe r e rb ra c h t w e rd e n m ü ss e n ? “ 178 Im w e ite r e n T e x t e rk lä r t d e r A u to r d e n U rs p ru n g u n d d ie B e d e u tu n g d e r r itu e lle n B e s c h n e id u n g im Is la m u n d Ju d e n tu m . E r w e is t d a ra u f h in , d a ss d ie se s R itu a l e in e „ V e rb u n d e n h e it“ z w is c h e n M u s lim e n u n d J u d e n d a rs te llt . S c h lie ß lic h b e z ie h t D ö n m e z P o s it io n - „ N ic h t a lle s b e d a r f e in e r Ä n d e r u n g - s e lb s t P ra k tik e n , d ie a u s e in e r ja h r h u n d e r te a lte n T ra d i t io n g e w a c h s e n s in d .“ 179 D ie F ra g e , o b e s in d e r D e b a tte u m d e n v e rs te c k te n A n tise m itism u s g e h t, w u rd e n ic h t b e a n tw o rte t . In d e r g le ic h e n P re s s e a u s g a b e ä u ß e rte d e r W ie n e r G e m e in d e ra b b in e r S c h lo m o H o fm e is te r s e in e M e in u n g b e z ü g lic h d e r D e b a tte . S c h o n im T ite l d es A rtik e ls is t s e in e S te llu n g z u m T h e m a k la r - „ Ic h w e rd e w e ite r b e s c h n e id e n “ . O b w o h l e s s ic h b e i d e m B e s c h n e id u n g s fa ll in K ö ln u m e in e n m u s lim is c h e n Ju n g e n h a n d e lt u n d e r a ls R a b b in e r z u r R e d e g e s te llt w u rd e , b e z e ic h n e t e r a ls „ s e h r b e z e ic h n e n d u n d ty p is c h .“ 180 W o fü r es s e h r b e z e ic h n e n d u n d ty p is c h is t w u rd e n ic h t e x p liz it e rk lä r t , a l le rd in g s k a n n m a n a ls L e s e r In a u f a n tis e m itis c h e R e s se n tim e n ts s c h lie ß e n - e tw a s w ird a ls ty p is c h jü d is c h v e rs ta n d e n u n d b e d a r f a ls s o lc h e e in e r R e c h tfe r t ig u n g . A ls e in e s s e n tie lle r B e s ta n d te il d e r jü d is c h e n re lig iö s e n P ra x is is t la u t H o f m e is te r d ie B e s c h n e id u n g v o n B u b e n e in e B a g a te lle . D a s s d a s K ö ln e r G e r ic h t e in e rse its d ie B e s c h n e id u n g a ls K ö rp e rv e r le tz u n g e rk lä r t u n d a n d e re rs e its d e n a n g e k la g te n A rz t f re ig e s p ro c h e n h a tte u n d s o m it d ie M ö g lic h k e it e in e r B e s c h w e rd e a n d e n E u ro p ä is c h e n G e r ic h ts h o f fü r M e n s c h e n re c h te v e rh in d e r te , is t fü r d e n R a b b in e r e in m ö g lic h e r b e w u s s te r S c h a c h z u g .181 Im le tz te n A b sc h n itt b e z ie h t s ic h d e r A u to r a u f d ie S a n k tio n d e r T o d e s s tr a fe fü r d ie B e s c h n e id u n g , d ie im R ö m is c h e n R e ic h p ra k tiz ie r t w u rd e . D a n ic h t e in m a l d a s d ie Ju d e n d a v o n a b h a lte n k o n n te , ih re K in d e r 176 L a u t D u d e n h e r a u s f o r d e r n d e B e l e i d i g u n g , K r ä n k u n g , U R L . 177 D i e P r e s s e , D ö n m e z , 1 5 . 0 7 .2 0 1 2 , 4 3 . 178 D i e P r e s s e , D ö n m e z , 1 5 . 0 7 .2 0 1 2 , 4 3 . 179 D i e P r e s s e , D ö n m e z , 1 5 . 0 7 .2 0 1 2 , 4 3 . 180 D i e P r e s s e , H o f m e i s t e r , 1 5 . 0 7 .2 0 1 2 , 4 5 . 181 V g l . D i e P r e s s e , H o f m e i s t e r , 1 5 . 0 7 .2 0 1 2 , 4 5 . 181 g e m ä ß d e r T ra d it io n w e ite r z u b e s c h e id e n , w ird e in U rte il , so H o fm e is te r , ih n n ic h t d a v o n a b h a lte n w e ite r z u b e sc h n e id e n . U m a u fz u z e ig e n , d a ss e s in n e r jü d is c h u n te rs c h ie d lic h e M e in u n g e n ü b e r d ie B e s c h n e id u n g s d e b a tte g ib t, s o ll a n d ie s e r S te lle d ie je n ig e v o n R a b b i n e r H e n ry G . B ra n d t, d e m V o rs itz e n d e n d e r A llg e m e in e n R a b b in e rk o n fe re n z d a rg e s te llt w e rd e n . E r b e z e ic h n e t d ie B e s c h n e id u n g a ls A k t z u m W o h l d es K in d e s u n d e rk lä r t s ic h o ffe n fü r A u fla g e n . F ü r B ra n d t g ib t es a u c h k e in e n d ire k te n Z u s a m m e n h a n g z w is c h e n d e m m a n ife s te n A n tis e m itis m u s u n d d e r B e s c h n e id u n g s d e b a tte .182 H a n s W in k le r th e m a tis ie r t in s e in e m u m fa n g re ic h e n A rtik e l d a s T h e m a d e r R e lig io n s fre ih e it a ls e in in u n se re r G e s e lls c h a ft g e fä h rd e te s M e n s c h e n re c h t . D a s K ö ln e r U rte il u n d d ie d a ra u ffo lg e n d e b re ite Z u s tim m u n g d a fü r w ird a ls d a s N e g ie r e n e in e r „ G r u n d ta ts a c h e d e r C o n d itio H u m a n a “ v e rs ta n d e n : „ D e r M e n s c h le b t n ic h t v o n d e r G n a d e d es S ta a te s , s o n d e rn d a v o n , d a ss E lte rn fü r ih n V e ra n tw o r tu n g ü b e r n o m m e n h a b e n .“ 183 D e n V e rg le ic h d e r B e s c h n e id u n g d e r B u b e n m it „ d e r b a rb a r is c h e n S itte d e r w e ib lic h e n G e n ita lv e r s tü m m e lu n g “ b e z e ic h n e t e r a ls u n s in n ig . A ls B e i s p ie l e in e r K o n k u rre n z z w is c h e n R e lig io n s fre ih e it u n d M e n s c h e n re c h te n n e n n t d e r A u to r „ m a n c h e R e lig io n s g e m e in s c h a fte n “ - o h n e e x p liz ite E r w ä h n u n g d e r Z e u g e n Je h o v a s , w a s a b e r s in n in d u k tiv a u f s ie s c h lie ß e n lä s s t - d ie e in e a u c h le b e n s re tte n d e B lu ttra n s fu s io n a b le h n e n . H ie r m u ss d a s R e c h t a u f L e b e n V o rr a n g v o r e in e r re lig iö s e n V o rs c h r if t h a b e n . Im w e ite r e n T e x t w ird d e r V o rs c h la g , d ie B e s c h n e id u n g re c h tlic h w ie d ie A b tre ib u n g z u b e h a n d e ln - r e c h ts w id r ig , a b e r s tra ffre i - a ls „ e in H o h n “, m it S p o tt v e rb u n d e n e V e ra c h tu n g , b e z e ic h n e t , w e il e in h a r m lo s e r E in g r if f m it d e r T ö tu n g e in e s u n g e b o re n e n K in d e s g le ich s e tz t. D a s w ü rd e e in d e u tig d ie V e ra c h tu n g d e r R e lig io n d a rs te lle n . W in k le r b e to n t d ie z e n tra le R o lle d e r B e s c h n e id u n g im Ju d e n tu m u n d b e z ie h t s ic h a u f d ie A rg u m e n ta tio n d es jü d is c h e n H is to r ik e rs M ic h a e l B re n n e r , d e r b e h a u p te te , d a ss d ie In fra g e s te llu n g d ie se s R itu a ls in D e u ts c h la n d im m e r m it a n t i jü d is c h e r V e r fo l g u n g e in h e rg e g a n g e n s e i .184 D ie B e g r iffe „ a n ti jü d isc h e V e r fo lg u n g “ a s s o z iie re n e in e re lig iö s m o tiv ie r te Ju d e n fe in d s c h a ft , d ie im C h r is te n tu m ih re W u r z e ln h a t. W e ite r s th e m a tis ie r t W in k le r e in e n w ic h t ig e n P u n k t im Z u s a m m e n h a n g m it d e r R e lig io n s fre ih e it - e s is t g e fä h rlic h , w e n n R e lig io n s g e m e in s c h a f te n je d e K r it ik ü b e r s ie a ls G e fä h rd u n g ih re s R e c h te s a u f R e lig io n s fre ih e it e rk lä re n . A ls B e is p ie l n e n n t d e r A u to r , „ w e n n je d e k r it is c h e A n fra g e a n 182 V g l . B r a n d t , 2 0 1 2 , 5 5 5 - 5 6 0 . 183 D i e P r e s s e , W i n k l e r , 1 6 . 0 7 .2 0 1 2 , 2 2 . 184 V g l . D i e P r e s s e , W i n k l e r , 1 6 . 0 7 .2 0 1 2 , 2 2 . 182 d e n Is la m z u r Is la m o p h o b ie e rk lä r t w ir d ." D a s B e is p ie l d e r I s ra e lk r it ik u n d d es d a m it o ft v e rb u n d e n e n A n tis e m itis m u s v e r d a c h te s w u rd e n ic h t e rw ä h n t. D ie R e lig io n s g e g n e r z e ic h n e n s ic h la u t A u to r d u rc h d e n „ z e lo tis c h e n E ife r " - fa n a t is c h e n E ife r - d u rc h d e n s ie v e rs u c h e n , R e lig io n a u s d e r Ö ffe n tlic h k e it z u v e rd rä n g e n . F ü r W in k le r e rw e c k t d a s K ö ln e r U rte il d e n E in d ru c k , d a ss d ie R e lig io n s fre ih e it m it M in d e r h e ite n s c h u tz g le ic h g e s e tz t w ird - „ R e lig io n s fre ih e it b e d e u te t F r e ih e it z u r R e lig io n u n d n ic h t r e p r e s s iv d u rc h g e s e tz te F re ih e it v o n R e lig io n ." K a r l W e id in g e r b e h a n d e lt in e in e m s e h r k r it is c h e n G a s tk o m m e n ta r v o m 1 8 .0 7 .2 0 1 2 d ie F r a g e d e r R e lig io n s fre ih e it , d ie e r a ls N a rre n fre ih e it (d is )q u a lifiz ie r t . B e z u g n e h m e n d a u f d ie F r e ih e it d e r M e in u n g sä u ß e ru n g , b e z e ic h n e t W e id in g e r R e lig io n e n a ls „ re in e N a rre n k o lle k tiv e , d ie e in e to ta le s o z ia le K o n tro lle a n s tr e b e n ." 185 D ie , so d e r A u to r , fra g w ü rd ig e E h re n h a ft ig k e it w ird „ ü b e r d a s V o rh ä u tc h e n b e i B u b e n u n d d a s Ju n g fe rn h ä u t c h e n b e i M ä d c h e n d e f in ie r t ." 186 Im n ä c h s te n A b s c h n it t b e s c h r ie b e r d as K ö ln e r U rte il a ls m u tig u n d s c h ild e r te d e n F a ll in e in e m S a tz in d e m ü b e r „ m u s lim is c h in d iz ie r te n V o r h a u tb e s c h n e id u n g " 187 d ie R e d e is t. A n d ie se n B e is p ie le n w ird d e u tlic h , d a ss d e r A u to r d a s K ö ln e r U rte il a ls A n la ss b e n u tz t , u m s e in e p e rs ö n lic h e A b le h n u n g d e r R e lig io n e n z u m A u s d r u c k z u b r in g e n . A b g e s e h e n d a v o n , d a ss d e r A u s d r u c k „ m u s lim is c h in d iz ie r t" n ic h t e x is t ie r t , lä s s t d ie G e g e n ü b e rs te llu n g v o n m u s lim is c h u n d m e d iz i n is c h in d iz ie r te m (in d ie s e m F a ll k ö r p e r lic h e m E in g r iff) s in n in d u k tiv d e n B e g r if f „ m u s lim is c h " b e s o n d e rs n e g a tiv e r s c h e in e n u n d s u g g e r ie r t ih n a ls u n v e r n ü n ftig , w e il e r a ls G e g e n sa tz z u r M e d iz in , e in e r W is s e n s c h a ft , d ie s ic h a u s s c h lie ß lic h a u f V e rn u n ft b e ru ft , v e rs ta n d e n w e rd e n so ll. Im n ä c h s te n A b sc h n itt , d e r d e n T ite l „ A b e rg la u b e n s fre ih e it" trä g t , w u r d e n T o ra u n d S u n n a - d e r e rs te T e il d e r h e b rä is c h e n B ib e l u n d d ie m u s li m is c h e T ra d it io n - a ls „ e w ig g ü ltig e V e r e in s s ta tu te n " 188 b e z e ic h n e t . W e i te rs b e to n t W e id in g e r d ie h ö h e r e B e d e u tu n g d es M e n s c h e n re c h te s a u f k ö r p e r lic h e U n v e rs e h r th e it a ls d es d e r f r e ie n R e lig io n s - o d e r T ra d it io n s a u s ü b u n g .189 D a s G o tte s g e b o t a n A b ra h a m u n d s e in e N a c h fo lg e r fa s s t d e r A u to r m it s a rk a s tis c h e r D ik t io n k u rz fo lg e n d e rm a ß e n z u s a m m e n : „ E in m e h r o d e r w e n ig e r n o rm a le r M e n s c h h a t m it s e in e m G o tt Z w ie s p r a c h e g e h a lte n u n d fü h lt s ic h fü r d e rh in e r le u c h te t , s o d a s s e r d e n g ö tt l ic h e n W ille n d e u te n u n d in te rp re t ie re n d a rf. U n d k e in N a c h fo lg e r n im m t A n s to ß , d a ra n , d a ss a c h t 185 D i e P r e s s e , W e i d i n g e r , 1 8 . 0 7 .2 0 1 2 , 2 6 . 186 D i e P r e s s e , W e i d i n g e r , 1 8 . 0 7 .2 0 1 2 , 2 6 . 187 D i e P r e s s e , W e i d i n g e r , 1 8 . 0 7 .2 0 1 2 , 2 6 . 188 D i e P r e s s e , W e i d i n g e r , 1 8 . 0 7 .2 0 1 2 , 2 6 . 189 D i e P r e s s e , W e i d i n g e r , 1 8 . 0 7 .2 0 1 2 , 2 6 . 183 T a g e o d e r Ja h r e n a c h G e b u r t e in e s G o tte s g e s c h ö p fe s a n G o tte s W irk e n k o r r ig ie r e n d e in g e g r if fe n w e rd e n m u ss , u m irg e n d e in e n Z u g e h ö r ig k e its b u n d z u g e s ta lte n . - G e h t 's n o c h ? “ 190 A ls „ h e rb e ifa n ta s ie r t“ - a lso u n s in n ig - w u rd e d ie R e a k tio n a u f d a s U rte il , d a s v o n m a n c h e n K r it ik e rn a ls „ e in s c h w e r e r A n g r if f a u f d a s jü d is c h e L e b e n s e it d e m H o lo c a u s t“ b e z e ic h n e t.191 D ie s s te llt la u t A u to r e in e V e rh ö h n u n g d e r H o lo c a u s t-O p fe r d a r , a lle rd in g s w irk s a m . Im w e ite r e n T e x t g e h t W e id in g e r in s E x tre m e b e i u n s w e rd e n W itw e n v e r b re n n u n g e n n ic h t re k la m ie r t u n d d ie N a c h fo l g e r d e r M a y a s b e h a rr e n n ic h t a u f d e m R e c h t M e n s c h e n r itu e ll z u o p fe rn . S o m it s te llt e r d ie r itu e lle B e s c h n e id u n g a u f d ie g le ic h e E b e n e m it d em F e m iz id u n d M e n s c h e n o p fe r . E r b e z e ic h n e t „ d ie v e ro rd n e te A p a rth e id e i n e r R e lig io n , d ie s tr ik t z w is c h e n G lä u b ig e n u n d U n g lä u b ig e n tre n n t u n d f ü r d ie s e u n te rsc h ie d lic h e N o rm e n b is h in z u r U n te rw e r fu n g v o rs ie h t“ 192 a ls „ s c h w e r e rd u ld b a r .“ 193 U m w e lc h e R e lig io n es s ic h k o n k re t h a n d e lt g e h t a u s d e m T e x t n ic h t e x p liz it h e rv o r . E in ig e In d iz ie n b z w . A n s p ie lu n g e n d e u te n a b e r d a ra u f h in , d a ss d e r A u to r d e n Is la m m e in t - im n ä c h s te n A b s c h n itt b e z e ic h n e t e r E u ro p a a ls „ e n tc h r is t ia n is ie r t , w o re -is la m is ie r te A u to r itä te n d a s H o h e its re c h t e in e s S ta a te s u n te r la u fe n .“ 194 E r s te llt d ie F r a g e , o b d ie Z e rs tö ru n g e in e s W e ltk u ltu r e r b e s in M a li o d e r d a s T ö te n e i n e r v e rh e ira te te n F ra u in A fg h a n is ta n o d e r w e n n k e in e B e k e n n tn is fre ih e it g e w ä h rt w ird ( je d e r M e n s c h w ird a ls M u s lim g e b o re n ) o d e r k e in e V e r la s s e n s fr e ih e it e in g e rä u m t w ird (T o d f ü r A p o s ta s ie ) a u c h u n te r R e lig io n s fr e ih e it fa l le n ? 195 D ie se B e is p ie le s te lle n d a r , w ie V o ru r te ile g e g e n ü b e r e in e r R e lig io n in d e n M e d ie n w e ite r tra n s p o r t ie r t w e rd e n - e in M e n s c h , d e r s ic h m it d e r is la m i s c h e n R e lig io n n ic h t n ä h e r a u s e in a n d e rs e tz e n w ill , b e k o m m t a u fg ru n d so lc h e r Z e itu n g sa r tik e l e in e x tre m v e rz e rr te s B ild d es Is la m s ü b e rm itte lt . A ls „ d ie , d ie a m la u te s te n d a n a c h s c h re ie n , d u ld e n in d e n G e g e n d e n ih re r M u tte r - p a rd o n V ä te rv e rb ä n d e k e in e V e rs io n d e r F r e ih e it“ 196 b e z e ic h n e te d e r A u to r im p liz it d ie M u s lim e , d ie d a s K ö ln e r U rte il k r it is ie r te n . Im le tz te n T e x ta b s c h n itt b e z ie h t e r s ic h s o g a r a u f d ie A n h ä n g e r d es f l ie g e n d e n S p a g h e tt im o n s te rs 197, d ie d e m A u to r e g a l s e ie n , s o la n g e s ie ih re s p ir itu e lle 190 D i e P r e s s e , W e i d i n g e r , 1 8 . 0 7 .2 0 1 2 , 2 6 . 191 V g l . D i e P r e s s e , W e i d i n g e r , 1 8 . 0 7 .2 0 1 2 , 2 6 . 192 D i e P r e s s e , W e i d i n g e r , 1 8 . 0 7 .2 0 1 2 , 2 7 . 193 D i e P r e s s e , W e i d i n g e r , 1 8 . 0 7 .2 0 1 2 , 2 7 . 194 D i e P r e s s e , W e i d i n g e r , 1 8 . 0 7 .2 0 1 2 , 2 7 . 195 V g l . D i e P r e s s e , W e i d i n g e r , 1 8 . 0 7 .2 0 1 2 , 2 7 . 196 D i e P r e s s e , W e i d i n g e r , 1 8 . 0 7 .2 0 1 2 , 2 7 . 197 V e r e i n i g t e K i r c h e d e s F S M - A u s t r i a : A b o u t , 2 0 1 2 , U R L . 1 8 4 P s y c h o s e n ic h t in d e r Ö ffe n tlic h k e it a u s b re ite n . S c h lie ß lic h is t es fü r W e id in g e r w ic h tig , d a ss d e r „ R e lig io n s k ra n k e “ e s a ls D is k r im in ie ru n g b e z e ic h n e t, „ w e n n ih m d ie B e v o rz u g u n g d e r R ü c k s ic h tn a h m e a u f s e in I r r e s e in v e rw e ig e r t w ird .“ 198 Im le tz te n S a tz b e h a u p te t e r b e z u g n e h m e n d a u f d ie A u s sa g e D ö n m e z s in Die Presse v o m 1 4 . Ju li 2 0 1 2 , d a ss d ie s n ic h ts m it „ a n t is e m it is c h e n W e ltv e rs c h w ö re rn u n d is la m o p h o b e n S c h ä c h tu n g sg e g n e r n “ 199 z u tu n h a t. W a s e in d e u tig a ls is la m o p h o b c h a ra k te r is ie r t w e rd e n k a n n , is t d e r In h a lt d ie se s A rtik e ls - d e r A u to r b e d ie n t s ic h e in ig e r E le m e n te a u s d e m is la m i s c h e n F u n d a m e n ta lism u s u m d ie R e lig io n d es Is la m m it d ie s e r p o lit is c h e n Id e o lo g ie g le ic h z u se tz e n , w a s w ie d e ru m e in v e rz e rr te s B ild d es Is la m s tra n s p o rtie r t . Im F e u ille to n v o n Die Presse v o m 2 1 .0 7 .2 0 1 2 w u rd e d a s In te rv ie w m it Jo n a th a n E n o sc h , e in e m p ro m in e n te n is ra e lis c h e n A n tib e s c h n e id u n g s a k ti v is te n v e rö ffe n tlic h t . S e in e M e in u n g ü b e r d ie B e s c h n e id u n g - „ d a s a m b e s te n a k z e p tie r te V e rb r e c h e n in d e r W e ltg e s c h ic h te “ 200 (d ie se F o r m u lie ru n g is t e in O x y m o ro n , w e il s ic h d ie B e g r iffe „ V e rb r e c h e n “ u n d „ A k z e p ta n z “ g e g e n s e it ig a u s s c h lie ß e n ) - w u rd e u n te r d e m T ite l d es A rtik e ls „ V ie le w o lle n s ic h m it B e s c h n e id u n g fre ik a u fe n “ fe t t a b g e d ru c k t. E r f in d e t e s a b s u rd , d a ss „ Ju d e n u n d M u s lim e p lö tz lic h z u b e s te n F r e u n d e n w e r d e n “ . D ie se A u s s a g e tra n s p o rtie r t m e d ia l e in fa lsc h e s B ild ü b e r d a s V e rh ä ltn is z w is c h e n Ju d e n u n d M o s le m s . E s e rw e c k t d e n E in d ru c k , d a ss s ic h Ju d e n u n d M o s le m s a ls z w e i m ite in a n d e r v e r fe in d e te R e lig io n s g ru p p e n g e g e n ü b e r s te h e n u n d d a ss d ie B e s c h n e id u n g s d e b a tte s ie , so E n o sc h , „ p lö tz lic h “ z u b e s te n F r e u n d e n m a c h t. W e ite r s e rk lä r t E n o s c h d ie B e s c h n e id u n g z u e in e m A k t d e r V e rg e w a lt ig u n g . D a e s s e in e r M e in u n g n a c h s e h r v ie le J u d e n in Is ra e l g ib t, d ie b e is p ie ls w e is e d a s G e b o t d e r S c h a b b a tru h e o d e r d as V e rb o t d es S c h w e in e f le is c h e s s e n s n ic h t g e n a u e in h a lte n , m ö c h te n s ie s ic h m it d e r B e s c h n e id u n g fre ik a u fe n .201 D u rc h d ie se s In te rv ie w w u rd e d e r L e s e rs c h a ft n a h e g e b ra c h t , d a ss e s a u c h z u ty p is c h jü d is c h e n R itu a le n in n e rh a lb d es Ju d e n tu m s s e h r u n te rs c h ie d lic h e M e in u n g e n g ib t. A u c h v o r d e m K ö ln e r U rte il b e s ta n d re g e in n e r jü d is c h e D is k u s s io n z u d ie s e m T h e m a .202 A n d ie s e r S te lle s o ll „ Je w is h C ir- 198 D i e P r e s s e , W e i d i n g e r , 1 8 . 0 7 .2 0 1 2 , 2 7 . 199 D i e P r e s s e , W e i d i n g e r , 1 8 . 0 7 .2 0 1 2 , 2 7 . 200 D i e P r e s s e , K n a u l , 2 1 . 0 7 .2 0 1 2 , 2 1 . 201 V g l . D i e P r e s s e , K n a u l , 2 1 . 0 7 .2 0 1 2 , 2 1 . 202 S i e h e d a z u : I n t a c t N e w s : P r o g r e s s i v e R a b b i s o n c r e a t i n g a J e w i s h C o v e n a n t w i t h o u t C i r c u m c i s i o n . 2 7 . 0 1 .2 0 1 2 , U R L . 185 c u m c is io n R e s o u rc e C e n te r " e rw ä h n t w e rd e n , d a s s ic h m it d ie s e r P ro b le m a tik s e h r a u s fü h r lic h a u s e in a n d e rs e tz t .203 In Die Presse w u rd e d ie se O r g a n is a tio n n ic h t e rw ä h n t. E in w e ite r e r B e itra g d ie s e r P re ss e a u s g a b e z u m T h e m a B e s c h n e id u n g e r z ä h lt d re i G e s c h ic h te n , d ie a lle s e h r n e g a t iv u n d a u s g e s p ro c h e n e m o tio n a l, te ilw e ise s c h o c k ie re n d ü b e r d ie se s R itu a l u n d se in e F o lg e n im L e b e n z w e ie r m u s lim is c h e M ä n n e r s c h ild e rn . D e r A rtik e l trä g t d e n T ite l „ D ie M a c h t u n d d ie M e s s e r " u n d a s s o z iie r t G e w a lt , A g g re ss io n , A n g s t. D ie e rs te n z w e i G e s c h ic h te n e rz ä h le n d ie p e rs ö n lic h e n E r fa h ru n g e n d es A u to rs u n d d ie d r itte e in e s s e in e r F re u n d e . In d e r e rs te n e r in n e r t s ic h W a li a n e in e n g e w is s e n Q a sim , d e m B e tr e ib e r e in e s B a rb ie rsa lo n s , d e r a u c h B e s c h n e id u n g e n d u rc h fü h rte u n d d e n e r o ft m it s e in e m G r o ß v a te r b e su c h te . D e r Ju n g e h a tte im m e r p a n is c h e A n g s t, a ls e r z u ih m m u ss te , w e il z w e i se in e r O n k e l a n d e n F o lg e n d e r B e s c h n e id u n g s ta rb e n . In d e r z w e ite n e r z ä h lt d e r A u to r d ie G e s c h ic h te d e r e ig e n e n B e s c h n e id u n g . E s w a r , so W a li, se in e „ e rs te B e g e g n u n g m it d e r F o l te r ." 204 O h n e B e tä u b u n g , tro tz d es v ä te r lic h e n V e rs p re c h e n s , fü h r e e in c h r is t l ic h e r C h ir u rg d a s R itu a l d u rc h . E r e r in n e r t s ic h a n d e n g e k re u z ig te n C h ris tu s , d e r a m K re u z a n d e r K e tte d es C h ir u rg e n h in g . A ls e r a n d ie K re u z ig u n g d a ch te , l ie ß d e r S c h m e rz n a c h , w e il e r n u r e in e n N a g e l sp ü rte , d e r s e in e n P e n is „ z e r fe tz te " 205. E r fra g te s ic h , o b d e r A rz t Ju d a s w a r o d e r in s e in e r V o rh a u t Ju d a s sa h ? „ U m G o tt z u g e fa lle n , m u ss te ic h g e q u ä lt w e r d e n " - so e rk lä r te e r s ic h d e n G r u n d d e r B e s c h n e id u n g u n d k o n s ta tie r te w e ite r , d a ss „ je d e M a c h t a u f A n g s t u n d F o lte r b a s ie r t " .206 D ie d r itte G e s c h ic h te h a n d e lt v o n e in e m M a n n , d e s s e n S e x u a lle b e n in fo lg e d e r B e s c h n e id u n g e rh e b lic h b e s c h ä d ig t w u rd e . Z w e i S c h e id u n g e n w a r e n w e ite r e F o lg e n . E r m u s s te n o c h z w e i M a l e rn e u t b e s c h n it te n w e rd e n u n d d ie A n g s t h in te r lie ß w ie e in G r a v e u r s e in e M a rk e , in s e in e r „ v e rs tü m m e lte n S e e le " .207 A u s d ie s e m G ru n d h e ira te te e r e in e a n G e n ita lie n v e rs tü m m e lte ä g y p tisc h e F ra u (e r b e s c h r e ib t d ie s fo l g e n d e rm a ß e n : „ S te ll d ir v o r , d u s ie h s t je m a n d e n o h n e N a se o d e r m it d re i O h r e n " 208). W a s s ie v e re in t , is t s e in e r M e in u n g n a c h e in V e rb re c h e n . W e i te rs e rw ä h n t d e r A u to r d ie D o p p e lm o ra l d e r R e lig io n e n , d es Is la m s w ie O d e r K u n t z m a n , G e r s h : L i v e a n d U n c u t : I n : N e w Y o r k M a g a z i n e , 2 1 . 0 5 .2 0 0 1 , U R L . 203 S i e h e d a z u : J e w i s h C i r c u m c i s i o n R e s o u r c e C e n t e r : I n f o r m a t i o n S u m m a r y , U R L . 204 D i e P r e s s e , W a l i , 2 1 . 0 7 .2 0 1 2 , 3 1 . 205 D i e P r e s s e , W a l i , 2 1 . 0 7 .2 0 1 2 , 3 1 . 206 D i e P r e s s e , W a l i , 2 1 . 0 7 .2 0 1 2 , 3 1 . 207 V g l . D i e P r e s s e , W a l i , 2 1 . 0 7 .2 0 1 2 , 3 2 . 208 D i e P r e s s e , W a l i , 2 1 . 0 7 .2 0 1 2 , 3 2 . 186 a u c h Ju d e n tu m s , w e il s ie d ie B e tr o ffe n e n d a v o n a b h a lte n , ü b e r ih re tra u m a tis c h e n E r le b n is s e z u s p re c h e n . D ie B e s c h n e id u n g is t, so d e r A u to r , e in e d e r G e m e in s a m k e ite n „ d e r b e id e n v e r fe in d e te n R e lig io n e n “ 209 - d es Ju d e n tu m s u n d d es Is la m s . S c h lie ß lic h b e to n t e r , d a ss d ie R e lig io n e n ih re G r a u s a m k e ite n a n d e n M e n s c h e n a u s ü b e n , u m M a c h t ü b e r s ie z u g e w in n e n . D ie s e r B e itra g v e rd e u tlic h t d ie A rc h a ik d es R itu a ls d e r K n a b e n b e s c h n e i d u n g . S o lc h e E r fa h ru n g e n d e r B e tr o ffe n e n e rs c h w e re n e in e m d a s V e r s tä n d n is u n d d ie T o le ra n z g e g e n ü b e r d ie s e m a rc h a is c h e n R itu a l. K u r t K o trs c h a l, Z o o lo g e a n d e r U n i W ie n , s te llt im U n te r tite l s e in e r G a s t k o lu m n e d ie R e lig io n s fre ih e it u n d K in d e s m is s h a n d lu n g g e g e n ü b e r . A u f d e r e in e r S e ite w ird d ie B e s c h n e id u n g d e r E rw a c h s e n e n u n te r N a rk o s e g e s te llt u n d a u f d e r a n d e re n , g e g e n d ie e r s ic h e in d e u tig a u s s p r ic h t, „ K in d e s m is s h a n d lu n g im N a m e n d e r R e lig io n “ .210 In d e r E in fü h r u n g th e m a ti s ie r t K o trs c h a l d e n K o n flik t z w is c h e n T ra d it io n e n u n d g e s e lls c h a ft lic h e n G r u n d p r in z ip ie n u n d b e ru ft s ic h a u f d a s K ö ln e r U rte il , „ w e lc h e s d ie B e s c h n e id u n g m ä n n lic h e r B a b y s a ls K ö rp e rv e r le tz u n g w e r te te “ 211 [es h a n d e lte s ic h a lle rd in g s u m e in e n v ie r jä h r ig e n Ju n g e n , d a s U rte il b e z o g s ic h a u s d rü c k lic h a u f d ie s e n F a ll - A n m . d e r A u to r in ]. Im z w e ite n A b sc h n itt w u rd e d a s P ro b le m , d a s E in rä u m e n d es g r o ß e n E in f lu s s e s d e r c h r is t l ic h e n R e lig io n e n „ h ie rz u la n d e “ , a n g e sp ro c h e n . K o tr s c h a l b e z e ic h n e t d ie s a ls „ F e h le r“ , d e r s ic h a u f R e lig io n s g e m e in s c h a fte n a u s d e h n t, „ z u d e re n G e p flo g e n h e ite n e s g e h ö r t, d ie G e n ita lie n v o n K in d e r n z u b e s c h n e id e n u n d T ie re d u rc h K e h ls c h n it t z u tö te n , b e id e s o h n e v o rh e r ig e B e tä u b u n g .“ 212 D e r A u to r s p r ic h t v o n d e r B e s c h n e id u n g d e r G e n ita lie n v o n K in d e rn , w a s d a ra u f h in w e is e n k a n n , d a ss e r z w is c h e n d e r K n a b e n b e s c h n e id u n g u n d w e ib lic h e r G e n ita lv e r s tü m m e lu n g n ic h t e x p liz it d iffe re n z ie r t . A ls e in w e ite r e s P ro b le m n e n n t e r d a s R itu a l d e r S c h ä c h tu n g , d es r itu e lle n S c h la c h te n s d e r T ie re im Ju d e n tu m u n d im Is la m . W a s in d ie s e n b e id e n F ä lle n g e m e in s a m ist, is t la u t K o trs c h a l d ie „ s c h w e r s te V e r le tz u n g d e r In te g r itä t v o n In d iv id u e n a lso , d ie d a z u k e in e E in w ill ig u n g g e b e n k ö n n e n .“ 213 209 D i e P r e s s e , W a l i , 2 1 . 0 7 .2 0 1 2 , 3 2 . 210 V g l . D i e P r e s s e , K o t r s c h a l , 2 4 . 0 7 .2 0 1 2 , 2 6 . 211 D i e P r e s s e , K o t r s c h a l , 2 4 . 0 7 .2 0 1 2 , 2 6 . 212 D i e P r e s s e , K o t r s c h a l , 2 4 . 0 7 .2 0 1 2 , 2 6 . 213 D i e P r e s s e , K o t r s c h a l , 2 4 . 0 7 .2 0 1 2 , 2 6 . 187 K la u s H ö d l u n d G e r a ld L a m p re c h t b e z e ic h n e te n d ie D e b a tte u m e in e in h e it lic h e s B u n d e ss c h u tz g e se tz b e z ü g lic h S c h ä c h tu n g in Ö s te r re ic h a ls e in B e is p ie l fü r d ie B e d e u tu n g d es A n tise m itism u s a ls k u ltu re lle m C o d e .214 D e r A u to r fä h r t m it d e n A rg u m e n te n g e g e n d ie K n a b e n b e s c h n e id u n g a u s m e d iz in is c h e r S ic h t , u .a . d ie G e fa h r d e r a u t is t is c h e n S tö ru n g e n b e im b e sc h n it te n e n K in d , fo r t u n d s e tz t d ie B e s c h n e id u n g m it e in e m v o n R ich a rd D a w k in s g e p r ä g te n B e g r if f „ M e m “ 215 g le ich . S ie w u rd e u n d w ird s e it Ja h r ta u s e n d e n w e ite r k o m m u n iz ie r t u n d p ra k tiz ie r t . Im le tz te n T e x ta b s c h n itt u n te rs tr e ic h t d e r A u to r d ie T a tsa c h e , d a ss in d iv id u e lle R e c h te n ic h t a u to m a tis c h d e m R e c h t a u f R e lig io n s fre ih e it u n te rz u o rd n e n s in d - d ie s g ilt v o r a lle m „ fü r G e n ita lb e s c h n e id u n g b e i b e id e n G e s c h le c h te rn u n d fü r d as k la s s is c h e S c h ä c h te n v o n T ie re n .“ 216 Im le tz te n S a tz b e ru ft s ic h K o trs c h a l a u f d ie A u s s a g e v o n N a je m W a li a u s d e m o b e n a n a ly s ie r te n B e r ic h t d ie s e G r a u s a m k e ite n s in d M a c h ta n m a ß u n g e n v o n R e lig io n s g e m e in s c h a f te n , d ie in e in e m R e c h ts s ta a t n ic h t g e d u ld e t w e rd e n d ü rfe n .217 Im A rtik e l v o n C h r is t ia n Z e itz w ird a u f e in e n „ fa ire n K o m p r o m is s “ im Z u s a m m e n h a n g m it d e r K n a b e n b e s c h n e id u n g im Ju d e n tu m a p p e llie r t d e r S ta a t s o ll b e i d e r B e s c h n e id u n g a u f d ie s tra fre c h tlic h e V e r fo lg u n g d e r Ju d e n („ v ie lle ic h t a u c h M o s le m s “ ) v e rz ic h te n , B e tr o ffe n e n s p ä te r a b e r d as R e c h t a u f S ch a d e n e rsa tz e in rä u m e n .218 W a ru m d e r A u to r d ie s e n V o r s c h la g n ic h t e in d e u tig a u c h a u f d ie M u s lim e a u s d e h n e n w ill , w u rd e im w e ite r e n T e x t n ic h t n ä h e r e rk lä rt . Ä h n lic h w u rd e w e ite r b e r ic h te t - e s is t fü r Ju d e n („ m e h r a ls fü r M u s lim e “ ) u n m ö g lic h a u f d ie B e s c h n e id u n g z u v e rz ic h te n , w e il d ie se d ie w ic h t ig s te V o ra u s s e tz u n g fü r d e n B u n d m it G o tt d a rs te llt . D e r A u to r b e h a u p te t, d a ss v ie le M e n s c h e n e s le id s in d , d a ss k r it is c h e Ä u ß e r u n g e n g e g e n ü b e r R e lig io n e n o d e r d e re n P ra k tik e n a ls D is k r im in ie ru n g d e r A n g e h ö r ig e n d ie s e r v e rs ta n d e n w e rd e n . W e ite rs e r w ä h n t e r d a s B e is p ie l d es A n tis e m itis m u s v o r w u rfs s o w ie d e r I s la m o p h o b ie in B e z u g a u f d ie B e s c h n e id u n g sd e b a tte : „ T a ts ä c h lic h h a t m a n a u c h d ie s m a l d ie V o rh a lte d es „ A n tis e m it is m u s “ u n d d e r „ Is la m o p h o b ie “ b e re its h ö re n m ü ss e n .“ 219 D ie F o r m u lie ru n g „ a u c h d ie s m a l“ w ill v e rd e u tlic h e n , d a ss es b e re its d e r F a ll w a r - m ö g lic h e rw e is e is t d a m it d ie R e a k tio n a u f d a s G e d ic h t „ W a s 214 V g l . H ö d l , L a m p r e c h t 2 0 0 5 , 1 4 0 - 1 5 9 , U R L . 215 V g l . W a s i s t M e m e t i k ? , U R L . 216 D i e P r e s s e , K o t r s c h a l , 2 4 . 0 7 .2 0 1 2 , 2 6 . 217 V g l . D i e P r e s s e , K o t r s c h a l , 2 4 . 0 7 .2 0 1 2 , 2 6 . 218 V g l . D i e P r e s s e , Z e i t z , 2 7 . 0 7 .2 0 1 2 , 3 0 . 219 D i e P r e s s e , Z e i t z , 2 7 . 0 7 .2 0 1 2 , 3 0 . 1 8 8 g e s a g t w e rd e n m u s s " g e m e in t. A u s d e m T e x t g e h t d ie A n tw o rt n ic h t h e r v o r. A n s c h lie ß e n d b e to n t Z e itz , d a ss d ie se e m o tio n a le A u fh e iz u n g - a u s d e m K o n te x t b e z ie h t s ic h d ie se a u f Ju d e n u n d M o s le m s - e in e r „ v o ru r te ils lo s e n P ro b le m b e w ä lt ig u n g " n ic h t d ie n lic h ist. In d ie s e m Z u s a m m e n h a n g s te llt s ic h m e in e s E ra c h te n s e in e w ic h tig e F ra g e : V e r l ie f d ie D e b a tte ta ts ä c h lic h o h n e a n t is e m it is c h e n u n d is la m o p h o b e n Ä u ß e r u n g e n u n d w a r d ie „ e m o tio n a le A u fh e iz u n g " a u s s c h lie ß lic h a u f d e r S e ite d e r R e lig io n s g e m e in s c h a fte n b e m e rk b a r? A u c h e in f lü c h t ig e r B lic k a u f d ie B e r ic h te rs ta t tu n g z u d ie s e m T h e m a g e n ü g t, u m d ie A n tw o rt a u f d ie se F ra g e z u v e rn e in e n . A ls m ö g lic h e K o n s e q u e n z e in e r u n b e g re n z te n R e lig io n s fre ih e it s ie h t Z e itz d ie d a ra u s fo lg e n d e u n u m g ä n g lic h e A k z e p ta n z d e r W itw e n v e r b re n n u n g en . S o lc h e F o r m u lie ru n g e n s in d e n tw e d e r d e r A u s d r u c k e in e r g ro ß e n U n w is s e n h e it b e z ü g lic h r itu e lle r K n a b e n b e s c h n e id u n g im Ju d e n tu m u n d Is la m o d e r d ie a b s ic h tlic h e M a n ip u la tio n d e r L e s e n d e n , w e lc h e ü b e r n ic h t g e n u g In fo rm a tio n e n z u d e m T h e m a v e r fü g e n , u m s ic h e in e d iffe re n z ie r te M e in u n g b i ld e n z u k ö n n e n . Z ie l is t e s , d ie s e n ic h t n u r a u f d ie S e ite d e r R e lig io n s g e g n e r z u z ie h e n , s o n d e rn a u c h R e s s e n tim e n ts g e g e n ü b e r R e li g io n s g e m e in s c h a fte n z u s ch ü re n . E s is t m e in e r A n s ic h t n a c h s c h w e r v o r s te llb a r , d a ss E lte rn s ic h b e re it e rk lä re n w ü rd e n , e in S tra fm a n d a t b e i d e r r itu e lle n K n a b e n b e s c h n e id u n g a ls K o m p r o m iss z u a k z e p tie re n . Die Presse v e rö ffe n tlic h te a u c h d ie M e ld u n g , d a ss K irc h e n e in R e g ie ru n g s s ta te m e n t fo r d e r n u n d z w a r e in „ B e k e n n tn is z u r Z u lä s s ig k e it d es E in g r if f s " .220 Z it ie r t w u rd e d e r W ie n e r R a b b in e r H o fm e is te r , d e r P rä s id e n t d e r Is la m is c h e n G la u b e n s g e m e in s c h a ft S a n a c , d e r IK G P rä s id e n t D e u ts c h , d e r d ie A u s sa g e d es IK G -E h re n p r ä s id e n te n A r ie l M u z ic a n t b e s tä tig te , d a ss e in m ö g lic h e s V e rb o t d e r B e s c h n e id u n g v e rg le ic h b a r m it e in e r „ S h o a h m it g e is tig e n M itte ln " w ä re . F ü r S a n a c is t d a s R itu a l „ m it F in g e r n ä g e ls c h n e id e n " - a lso a u s g e s p ro c h e n h a rm lo s - v e rg le ic h b a r .221 D ie se A u s s a g e n w u rd e n in d ie s e m B e r ic h t n ic h t k o m m e n tie r t . 220 D i e P r e s s e , B e s c h n e i d u n g , 2 8 . 0 7 .2 0 1 2 , 3 . 221 V g l . D i e P r e s s e , B e s c h n e i d u n g , 2 8 . 0 7 .2 0 1 2 , 3 . 189 In a u s g e s p ro c h e n o ffe n s iv e m A rg u m e n ta tio n s s ti l v e r tr it t R u d o lf T a s c h n e r in e in e m u m fa n g re c h e n A rtik e l d ie M e in u n g , d a ss d ie K r it ik e r d e r r itu e l le n B e s c h n e id u n g , e r n e n n t s ie „ K u ltu r k ä m p fe r“ , a l le „ A n tis e m ite n re in s te n W a s s e rs “ 222 - a lso v o n b e s o n d e re r A u s p rä g u n g - s in d . D e r T ite l d es A rtik e ls „ Je tz t e n d lic h h a b e n w ir s ie “ im p liz ie r t d e n G e d a n k e n , d a ss je m a n d , d e r d ie S c h u ld fü r e tw a s trä g t , e n d lic h in d ie S c h ra n k e n g e w ie s e n w o rd e n ist. D a s A d v e rb „ e n d lic h “ im p liz ie r t e in e v o ra u s g e g a n g e n e la n g e W a r te z e it u n d w ir k t a u f e m o tio n a le r E b e n e d e r R e z ip ie n te n . E s d e u te t d a ra u f h in , d a ss d e r e n ts c h e id e n d e M o m e n t g e k o m m e n is t , u m e tw a s B e d e u te n d e s k la r a u fz u z e ig e n . „ W ie m a n e s „ d e n Ju d e n “ e in m a l so r ic h t ig z e ig e n k a n n “ , s c h r e ib t T a sc h n e r im S a tz u n te r d e m T ite l. M it A n fü h ru n g s z e ic h e n h e b t d e r A u to r d e u tlic h h e rv o r , w e m e s g e z e ig t w e rd e n m u ss , n ä m lic h a lle n Ju d e n . D a m it w u rd e a u c h d a s O u t-G ro u p -V e rs tä n d n is in te n s iv ie r t - d ie Ju d e n a ls d ie A n d e re n , d ie F re m d e n . D a s s es s ic h in d ie s e m A rtik e l u m d ie D e b a tte h a n d e lt , d ie a u s s c h lie ß lic h d a s Ju d e n tu m z u m T h e m a h a t, w u rd e im w e ite r e n T e x t a u s d rü c k lic h e r w ä h n t. T a s c h n e r n e n n t a u c h d e n G r u n d d a fü r - e r b e z w e ife lt , d a ss d ie D e b a tte so h e ft ig v e r la u fe n w ü rd e , w e n n e s s ic h n ic h t u m e in f ü r d a s J u d e n tu m k o n s titu tiv e s R itu a l h a n d e ln w ü rd e . E r e rö r te r t a n d re i B e is p ie le n w a ru m d e r S ta a t d ie B e s c h n e id u n g z u z u la s s e n h a t. D ie B e s c h n e id u n g is t la u t T a s c h n e r h a rm lo s u n d o h n e je g l ic h e B e e in trä c h tig u n g e n fü r d e n B e tro ffe n e n , e s g ib t le id e r „ ö ffe n tlic h k e its g e ile B e s c h n e id u n g s o p fe r '“ 223 u n d u n z ä h lig e „ L e id e n s b e r ic h te , d ie d e rz e it w ie P ilz e n a c h d e m w a rm e n S o m m e r re g e n a u s d e m B o d e n s c h ie ß e n .“ 224 A u c h a u f d a s A rg u m e n t d es K in d e s w o h ls , a u f w e lc h e s s ic h d ie „ K u ltu r k ä m p fe r“ b e ru fe n , h a t d e r A u to r e in G e g e n a rg u m e n t b z w . e in e A n tith e s e - w e n n d ies f ü r d e n S ta a t d e rm a ß e n w ic h t ig w ä re , w ü rd e e r z .B . S c h w a n g e r e n d a s R a u c h e n v e rb ie te n , R a u c h e r n d ie K in d e r e n tz ie h e n u sw . D ie F o lg e w ä r e n „ s ta a tlic h e In s titu te z u r K in d e r a u fz u c h t n a c h d e r G e b u rt , b e s s e r n o c h : a b d e r F e r ti l is a t io n in v itr o u n d d e r S c h w a n g e r s c h a ft in e in e m B ru tk a s te n .“ 225 Im n ä c h s te n S a tz g e h t T a s c h n e r in s e in e r A rg u m e n ta tio n n o c h w e ite r in s E x tre m e u n d b e z e ic h n e t d ie N a z is d ie s b e z ü g lic h a ls h u m a n e r , w e il s ie d ie K in d e r e rs t s p ä te r in d ie H J o d e r B D M g e z w u n g e n h a b e n . E r is t d a v o n ü b e rz e u g t, d a ss d ie K u ltu r k ä m p fe r n ic h t p r im ä r a m K in d e s w o h l in te re ss ie r t s in d , s o n d e rn 222 D i e P r e s s e , T a s c h n e r , 2 8 . 0 7 .2 0 1 2 , 3 7 . D a s e h r ä h n l i c h i n A r g u m e n t a t i o n s w e i s e , e m p f e h l e i c h d e n A r t i k e l v o n D e r s h o w i t z : D e r g u t e a l t e A n t i s e m i t i s m u s , 2 0 1 2 , U R L . 223 D i e P r e s s e , T a s c h n e r , 2 8 . 0 7 .2 0 1 2 , 3 7 . 224 D i e P r e s s e , T a s c h n e r , 2 8 . 0 7 .2 0 1 2 , 3 7 . 225 D i e P r e s s e , T a s c h n e r , 2 8 . 0 7 .2 0 1 2 , 3 7 . 190 d ie G e le g e n h e it d e r a u fg e h e iz te n D e b a tte n u tz e n w o lle n , u m e in g a n z a n d e re s Z ie l z u e rre ich e n . D e r A u to r b e d ie n t s ic h in d ie s e r E rk lä ru n g v ie r n e g a t iv e r B e z e ic h n u n g e n , d ie e r im w e ite r e n T e x t iro n is c h a u f D e u ts c h a ls „ Ju d e n “ ü b e rse tz t , u m a u f S te re o ty p e ih n e n g e g e n ü b e r h in z u w e is e n . D ie K u ltu r k ä m p fe r w o lle n „es damit ,Anhängern atavistischer Bräuche', verstockten Leuten, die auf uralten Mythen beharren', ,überholten und vom modernen Menschen recht überwundenen Traditionalisten', Anhängern einer barbarischen Religion' - au f Deutsch und unverhüllt: ,den Juden' - endlich, endlich, endlich einmal zeigen können: ,Kommt in der Moderne an!', rufen sie den Juden zu. ,Werdet endlich normal'!"226 D ie A u s sa g e , d a ss m a n d e n Ju d e n z u r u ft e r in n e r t a n a n tis e m itis c h e H e tz u n d S p o ttru fe w ie d a s b e is p ie ls w e is e im 1 9 . Jh . d ie „ H e p p -H e p p “ - R u fe w a re n . D ie s e h a tte n d a s M o b ilis ie re n d e r M e n s c h e n z u ju d e n fe in d lic h e n P ro te s te n z u m Z ie l.227 D e r O p fe rm y th o s , so d e r A u to r , w ird v o n d e n K r it ik e rn „ h in te r lis t ig “ b e n u tz t , u m z u z e ig e n , d a ss d a s e ig e n tlic h e O p fe r d e r jü d is c h e S ä u g lin g is t u n d d ie T ä te r „ d ie jü d is c h e G e m e in d e s e lb s t , v e r tre te n v o m B e s c h n e id e r m it s e in e m S k a lp e ll .“ 228 Im n ä c h s te n T e x ta b s c h n itt w u rd e n z w e i w e ite re S te re o ty p e th e m a tis ie r t - „ d ie im m e r a n d e rs s e in w o lle n d e n Ju d e n “ u n d d ie „ S o n d e r s te llu n g “ d e r Ju d e n . D a s le tz te re is t m it d e r A u s e rw ä h lu n g d es V o lk e s Isra e l v e rb u n d e n , d ie in d e r G e s c h ic h te n ic h t s e lte n m is s v e rs ta n d e n w u rd e u n d fü r R e s se n tim e n ts g e g e n ü b e r Ju d e n so rg te . D ie se „ S o n d e r s te llu n g “ , so a n g e b lic h d ie K u ltu r k ä m p fe r , m ü s s te n d ie J u d e n je tz t e n d lic h rä u m e n . Ih n e n u n te rs te llt T a s c h n e r im w e ite r e n T e x t d ie g le ic h e V e h e m e n z , w e n n es s ic h u m c h r is t l ic h e K in d e r h a n d e ln w ü rd e w a s ih re a n tis e m it is c h e n M o tiv e n ic h t m in d e rn w ü rd e , w e il, so T a sc h n e r , „ a u c h H itle r w o llte s ic h n a c h d e n Ju d e n n o c h d ie C h r is te n v o rn e h m e n .“ 229 D ie s im p liz ie r t d ie G le ic h s e tz u n g d e r B e s c h n e id u n g s k r it ik e r m it H itle r . D a s s s ic h v ie le E x p e r te n in d e r D e b a tte b e te il ig te n , h a t fü r d e n A u to r m it d e r T a tsa c h e z u tu n , d a ss s ic h d e r A n tise m itism u s m it d e m M ä n te lc h e n 226 D i e P r e s s e , T a s c h n e r , 2 8 . 0 7 .2 0 1 2 , 3 7 . 227 S i e h e d a z u : G e r s o n 2 0 1 0 , 1 1 6 - 1 1 7 . 228 D i e P r e s s e , T a s c h n e r , 2 8 . 0 7 .2 0 1 2 , 3 7 . 229 D i e P r e s s e , T a s c h n e r , 2 8 . 0 7 .2 0 1 2 , 3 7 . d e r W is s e n s c h a ft u m z u h ä n g e n v e rs u c h t .230 S c h lie ß lic h b e d a u e r t T a sc h n e r , d a ss e s e in e Im m u n itä t d e m A n tis e m itis m u s g e g e n ü b e r n ic h t g ib t. In d ie s e m Z u s a m m e n h a n g s te llt s ic h fü r m ic h e in e e h e r rh e to r is c h e F ra g e , o b s o lc h e K o m m e n ta re w ie in d ie s e m A rtik e l ta ts ä c h lic h e in e n w e r tv o lle n B e itra g im K a m p f g e g e n A n tis e m itis m u s le is te n . M it S a rk a s m u s k a n n m a n d u rc h a u s d e n G e g e n ü b e r tre ffe n , ja s o g a r d a z u b r in g e n , d ie e ig e n e n A n s ic h te n z u h in te r fra g e n u n d ü b e r d e n k e n , a b e r e r lä u ft a u c h G e fa h r , d ie G r e n z e n d es „ g u te n G e s c h m a c k s “ z u ü b e r s c h re ite n u n d d a s G e g e n ü b e r z u v e ra n la ss e n , s e in e n S ta n d p u n k t n o c h v e h e m e n te r z u v e r te id ig e n . A m 2 9 .0 7 .2 0 1 2 s c h r ie b U lr ik e W e is e r e in e n L e ita r t ik e l z u m T h e m a B e sc h n e id u n g s d e b a tte . S ie b e to n t d ie W ic h tig k e it d e r D e b a tte u n d d ie N o t w e n d ig k e it , d a ss d ie K r it ik e r ü b e r ih re M o tiv e n a c h d e n k e n m ü ss e n . D ie s im p liz ie r t , d a ss e s a u s d e r D e b a tte n ic h t k la r h e rv o rg e h t, m it w e lc h e r In te n t io n d ie A u s e in a n d e r s e tz u n g z u m T h e m a d e r re lig iö s m o tiv ie r te n B e s c h n e id u n g g e fü h rt w ird . A lle , so W e is e r , a u ß e r d ie h e im is c h e n S p itz e n p o lit ik e r , s e h e n w ie g ro ß d e r D is k u s s io n s b e d a r f is t - s ie e n tz ie h e n s ic h e in e r k o n k re te n ju r is t is c h e n R e g e lu n g , w e il d ie s m it fo lg e n d e n F r a g e n z u s a m m e n h ä n g e n w ü rd e , d ie s ie n ic h t s te lle n w o lle n : „Wann ist Religionsfreiheit mehr wert als körperliche Unversehrtheit? Oder: Wie verhält sich das Recht der Eltern, Kinder so zu prägen, wie sie es fü r richtig halten, gegenüber einem modernen kindlichen Selbstbestimmungsrecht?"231 D ie s b e z e ic h n e t d ie A u to r in a ls „ p o lit is c h e S c h a m .“ 232 D ie A u to r in b e to n t e x p liz it , d a ss d a s N a c h d e n k e n ü b e r d ie se F r a g e n e in e n M e n s c h e n z u k e i n e m A n tis e m ite n o d e r Is la m fe in d m a c h t. Im w e ite r e n T e x t e rö r te r t d ie A u to r in e in e w ic h tig e F ra g e : W a ru m w e r d e n K in d e r re c h te a u f R e lig io n re d u z ie r t , w e n n d ie E lte rn v ie le E n ts c h e id u n g e n fü r ih re K in d e r re g e lm ä ß ig tre ffe n , d ie s ie s e h r w o h l k ö r p e r lic h p rä g e n b z w . fü r s ie „ k ö rp e r lic h e L a n g z e it fo lg e n “ h a b e n . S ie v e rd e u tlic h t d ie s m it e in ig e n B e is p ie le n : „ s k u r r ile E rn ä h r u n g s v o rs c h r if te n , P a s s iv ra u c h e n , e x tre m e r S p o rt .“ 233 D ie A u to r in s te llt fe s t , d a ss d ie B e s c h n e id u n g e in e O p e ra t io n is t , a b e r o h n e g e s u n d h e it l ic h e n S c h a d e n . W e n n e s s ic h u m s a c h g e m ä ß d u rc h g e fü h rte O p e ra t io n h a n d e lt , s ie h t s ie k e in e G e g e n ü b e rs te llu n g z w is c h e n d e r K in d e r - u n d E lte rn re c h te , s o n d e rn e in e z w is c h e n M e n s c h e n , d e n e n re lig iö s e 230 V g l . D i e P r e s s e , T a s c h n e r , 2 8 . 0 7 .2 0 1 2 , 3 7 . 231 D i e P r e s s e , W e i s e r , 2 9 . 0 7 .2 0 1 2 , 1 . 232 D i e P r e s s e , W e i s e r , 2 9 . 0 7 .2 0 1 2 , 1 . 233 D i e P r e s s e , W e i s e r , 2 9 . 0 7 .2 0 1 2 , 1 . 192 R itu a le z e n tra l s in d u n d e in e r „ re lig iö s u n m u s ik a lis c h e n “ G e s e lls c h a ft . W e is e r s c h lie ß t ih re n A rtik e l m it d e r F ra g e , o b m a n m e h r V e rs tä n d n is „ fü r Ju d e n u n d M u s lim e “ h ä tte , w e n n d e r G r u n d d e r B e s c h n e id u n g d ie H y g i e n e o d e r b e s s e re S e x u a litä t w ä re ? D ie A u to r in s e n d e t s o m it e in e n A p p e ll a n d ie L e s e rs c h a ft , d ie se f ü r s ic h z u b e a n tw o rte n . E in e g a n z a n d e re S ic h tw e ise w u rd e im A rtik e l v o m e h e m a lig e n la n g jä h r ig e n C h e fr e d a k te u r u n d H e ra u s g e b e r v o n Die Presse, T h o m a s C h o rh e rr , in e in e r G a s tk o lu m n e p rä s e n tie r t . A u s d e m T ite l d e r K o lu m n e „ D ie V o r h a u t im S o m m e r lo c h o d e r : U n s e r e S o rg e n m ö c h t ' ic h h a b e n “ g e h t h e rv o r , d a ss d e r A u to r d ie m e d ia le A u s e in a n d e r s e tz u n g m it d e m T h e m a d e r B e s c h n e id u n g a ls ü b e r flü ss ig , s o g a r a ls lä c h e r lic h e m p fin d e t . D ie B e s c h n e i d u n g sd e b a tte , d ie z u r „ C a u s a p r im a “ g e w o rd e n , is t e rm ö g lic h t v ie le n Jo u r n a lis t In n e n u n d K o m m e n ta to r In n e n „ D e ftig e s a u c h fü r Q u a litä ts le s e r “ 234 z u s c h re ib e n . E s w ird d a rü b e r s e h r u m fa n g re ic h b e r ic h te t - s o g a r „ d ie Q u a litä ts z e itu n g e n s in d n ic h t a u s g e n o m m e n ,“ 235 so d e r A u to r . M ö g lic h e rw e is e w e is t d e r A u to r d a ra u f h in , d a ss a u c h d ie se s e h r p ro b le m a tis c h e - d e r B e g r if f „ d e ft ig e s “ u n te rs tr e ic h t d ie s - K o m m e n ta re z u d ie s e m T h e m a v e rö ffe n tlic h e n . E x p liz it b e to n t C h o rh e rr , d a ss d ie K r ise w e d e r e in e f in a n z ie lle - n o c h e in e im Z u s a m m e n h a n g m it S y r ie n o d e r m it d e r K lim a p ro b le m a tik ist. O b d ie B e s c h n e id u n g e in S o m m e r th e m a ist, s te llt d e r A u to r u n te r F r a g e z e ic h e n , es is t a b e r e in m e n s c h lic h e s , d a s v ie le s o s e h r b e s c h ä ft ig t , s o g a r m e h r a ls a lle a n d e re P ro b le m e d e r W e lt. E r b e z ie h t s ic h a u f d ie A u s sa g e e in e r P h ilo s o p h in , d ie es a ls „ K a s tr a tio n s k o m p le x m it n e u e m D re h “ b e z e ic h n e te . E r ä u ß e r t s e in V e rs tä n d n is , d a ss d as T h e m a e in id e a le s w u rd e , w e il m a n a ls Jo u r n a lis t v ie le A sp e k te b e le u c h te n k a n n . S c h lie ß lic h s te llt e r d ie F ra g e , d ie ih m a u s d e m K o n te x t a ls z e n t ra l e r s c h e in t - „ Is t d e r A th e is m u s d ie Z u k u n ft? “ 236 E r s ie h t a u c h e in e S p u r v o m F e m in is m u s in d ie s e r D e b a tte , w e il s ic h v ie le F r a u e n z u m T h e m a g e ä u ß e r t h a b e n . E r s te llt d ie F r a g e , o b d ie s e in Z e ic h e n e in e r „ n e u e n N u a n c e d e r G e n d e r G a p “ 237 [G e s c h le c h te rk lu ft - A n m . d e r A u to r in ] se i. In d e r D e b a tte s ie h t C h o rh e rr a u c h d ie G e le g e n h e it fü r v ie le , s ic h „ a m R a n d e d e r P o r n o g r a f ie z u b e w e g e n “ u n d z it ie r t a u s e in e m v o n E fg a n i D ö n m e z in Die Presse v e rö ffe n t lic h te n L e s e rb r ie f (d ie se r w ird in d ie A n a ly s e m ite in b e z o g e n ]. Im le tz te n A b s c h n itt se in e s K o m m e n ta rs b it te t e r d ie M e d ie n k r it ik e r , d ie u m fa n g re ic h e B e r ic h te rs ta t tu n g z u m T h e m a B e s c h n e id u n g n ic h t ü b e l z u n e h m e n , w e il s ie in d a s S o m m e r lo c h p a s s t, so w ie d ie A u s sa g e v o n A r ie l M u z ic a n t, d e r d a s m ö g lic h e V e rb o t d e r B e s c h n e id u n g m it d e r S h o a h 234 D i e P r e s s e , C h o r h e r r , 3 0 . 0 7 .2 0 1 2 , 2 2 . 235 D i e P r e s s e , C h o r h e r r , 3 0 . 0 7 .2 0 1 2 , 2 2 . 236 D i e P r e s s e , C h o r h e r r , 3 0 . 0 7 .2 0 1 2 , 2 2 . 237 D i e P r e s s e , C h o r h e r r , 3 0 . 0 7 .2 0 1 2 , 2 2 . 193 v e rg lic h . „ M it d e m H o lo c a u s t" 238 la u te t d e r le tz te S a tz , m it d e m d e r A u to r d e n B e g r if f d e r S h o a h f ü r a lle e in d e u tig e rk lä r t . D ie D ik t io n d ie se s A rtik e ls lä s s t d a ra u f s c h lie ß e n , d a ss d e r A u to r , w ie in s e in e n o b e n a n g e fü h r te n A rg u m e n te n s ic h tb a r , d a ra u f h in w e is e n w ill , d a ss d a s T h e m a d e r B e s c h n e id u n g in d e n M e d ie n fü r f r a g w ü rd ig e In h a lte m is s b ra u c h t w ird . A m 0 2 .0 8 .2 0 1 2 v e rö ffe n t lic h te Die Presse d ie M e ld u n g ü b e r d ie F o r d e ru n g d e r Ä rz te , d ie r itu e lle B e s c h n e id u n g b e i K n a b e n e rs t m it 1 6 Ja h r e n g e s e tz l ic h fe s tz u le g e n , w e il d e r E in g r if f m it p la s t is c h -c h iru rg is c h e n O p e ra tio n e n g le ic h z u s e tz e n se i. Im w e ite r e n T e x t w u rd e d ie A rg u m e n ta t io n e in e s S e x u a lm e d iz in e r z it ie r t , d e r v o r L a n g z e it fo lg e n e in e r r itu e lle n B e s c h n e i d u n g w a rn te . L e tz te r A b s c h n itt e rw ä h n t d ie S tra flo s ig k e it d es E in g riffe s in Ö ste r re ic h u n d d ie d a ra u s re s u lt ie re n d e W a h r s c h e in lic h k e it d e r A b le h n u n g d e r o b e n g e n a n n te n Ä rz te fo rd e ru n g . Im le tz te n S a tz w u rd e d a s K ö l n e r U rte il e rw ä h n t, d a s d ie re lig iö s m o tiv ie r te B e s c h n e id u n g a ls K ö rp e r v e r le tz u n g b e z e ic h n e t .239 In ih re m s o n n tä g lic h e n K o m m e n ta r d e r R u b r ik „ A m H e rd (W e ib e r re d e )" , v e r fa s s te B e tt in a S te in e r e in e n A r tik e l z u m T h e m a K n a b e n b e s c h n e id u n g . A ls F ra u s ie h t s ie d ie T a tsa c h e , d a ss s ie s ic h n ic h t v o rs te lle n k a n n , e in e n P e n is z u h a b e n , a ls e rs c h w e re n d e s M e rk m a l u m a n d e r B e s c h n e id u n g s d e b a tte te ilz u h a b e n . S ie e rz ä h lt ü b e r F o to s d e r B e s c h n e id u n g , d ie s ie im In te rn e t g e fu n d e n h a t u n d f r a g t s ich a n s c h lie ß e n d in e in e m iro n is c h e n T o n : „ U n d ic h f ra g e m ic h , o b w ir d ie D e b a tte a u c h d e s h a lb so la n g e h in a u s g e z ö g e r t h a b e n , w e il w ir p rü d e s in d ." 240 Im w e ite r e n T e x t m a c h t s ie d e u tlic h , d a ss in v ie le n B e r ic h te rs ta ttu n g e n D a te n a u s v e rs c h ie d e n s te n S tu d ie n h e r a n g e z o g e n w e rd e n , d ie n ic h t a ls re p r ä se n ta tiv b e z e ic h n e t w e rd e n k ö n n e n , w a s d ie L e s e rs c h a ft v e ru n s ic h e r t . S ie e rw ä h n t a u c h d ie E in z e ls c h ic k s a le u n d n e n n t e in B e is p ie l a u s N e w Y o rk , w o e in B a b y a n F o lg e n d e r B e s c h n e id u n g v e rs ta rb , w e il e in m it H e rp e s in f iz ie r te r M o h e l d a s B lu t a b g e s a u g t h a tte . D ie se s R itu a l - Metzitzah B'peh - w ird im m e r n o c h b e i u ltra -o r th o d o x e n Ju d e n p ra k tiz ie r t .241 238 Die Presse, Chorherr, 30.07.2012, 22. 239 Vgl. Die Presse, Beschneidung: Mediziner wollen Schutzalter von 16 Jahren., 02.08.2012, 2. 240 Die Presse, Steiner, 05.08.2012, 34. 241 Einen interessanten Artikel über dieses Ritual veröffentlichte die Frankfurter All gemeine. Rüb: Beschneidung in New York. Der Kampf des Rabbis. 2012, URL. 194 W e ite r b e tra c h te t d ie A u to r in d ie D e b a tte a u s e in e r in te re s s a n te n P e r s p e k tiv e , d ie fü r d ie re lig iö s m o tiv ie r te B e s c h n e id u n g v o n e n ts c h e id e n d e r B e d e u tu n g is t - s ie v e rs u c h t z u v e rs te h e n , w ie e s is t , a n e tw a s fe s t z u g la u b e n . A ls B e is p ie l n e n n t s ie d a s S e e le n h e il ih re s S o h n e s , d a s m ö g lic h e r w e is e v o n d e r B e s c h n e id u n g a b h ä n g t, w e il d ie s d e n B u n d m it G o tt s y m b o lis ie r t . „ D a g e h t es u m - a lle s !“ , so S te in e r u n d e r in n e r t d ie L e s e rs c h a ft a n „ d ie Z e ite n , a ls u n g e ta u fte S ä u g lin g e n ic h t in g e w e ih te r E rd e b e s ta t te t w e rd e n d u rfte n “ .242 D ie A u to r in k a n n e s n a c h v o llz ie h e n , d a ss d ie M e n s c h e n , d ie fe s t a n e tw a s g la u b e n , a u f s o lc h e U r te ile p a n is c h re a g ie re n . D a s s a b e r s e h r v ie le ih re S ö h n e a u s tra d it io n e lle n G r ü n d e n b e s c h n e id e n la s s e n , w e il es „ h a lt im m e r s o w a r .“ D a s s d ie s e in e n n ic h t s e h r t ie fe n G la u b e n v o ra u s s e tz t , s ie h t s ie a ls G r u n d ü b e r d ie s e T ra d it io n n a c h z u d e n k e n . M a r t in E n g e lb e rg b e s c h ä ft ig t s ic h in s e in e m A rtik e l m it M e n s c h e n , d ie s ic h z u m T h e m a d e r B e s c h n e id u n g m e d ia l g e ä u ß e r t h a b e n . E r n e n n t s ie „ fra g w ü rd ig e B e s c h n e id u n g s e x p e r te n “ , d ie s ic h „ d iffu s a u f a n g e b lic h e w iss e n s c h a ft l ic h e E rk e n n tn is s e “ b e r u fe n .243 Ih re T h e s e n s in d , so A u to r „ k r u d “ u n d ih re In te n t io n e n tw e d e r „ W ic h tig tu e re i“ o d e r „ e in e b ö s a r t ig e K a m p a g n e .“ 244 Ä h n lic h w ie B e tt in a S te in e r in ih re m K o m m e n ta r , th e m a tis ie r t e r d a s F e h le n re p r ä s e n ta tiv e r S tu d ie n b e z ü g lic h r itu e lle r B e s c h n e i d u n g . E n g e lb e rg fü h r t d ie F a k te n im jü d is c h e n R itu s im w e ite r e n T e x t a n u n d b e to n t e x p liz ite S e d ie ru n g d es S ä u g lin g s v o r d e m E in g r iff . Im n ä c h s te n S a tz b e z ie h t e r s ic h a u f d ie A u s s a g e e in e s U ro lo g e n , d a ss d ie B e s c h n e i d u n g m it K a s tr a t io n z u s a m m e n h ä n g t u n d b e z e ic h n e t d ie s m it d e m A d y n a to n „ so w a h r s c h e in lic h , w ie d a s E r tr in k e n e in e s K in d e s b e i d e r T a u fe “ 245 a ls a b s o lu t u n m ö g lic h . Im le tz te n A b sc h n itt e rw ä h n t d e r A u to r d ie Z a h l d e r b e s c h n it te n e n M ä n n e r w e ltw e it u n d in d e n U S A u n d fü h r t fo r t , d a ss fa s t a l le Ju d e n , o r th o d o x o d e r n ic h t re lig iö s ih re S ö h n e b e s c h n e id e n la s se n . A n s c h lie ß e n d s te llt e r z w e i rh e to r is c h e F r a g e n , o b s ie a lle K r im in e lle s in d , d e n e n d ie Q u a le n ih re r K in d e r e g a l s in d o d e r d ie je n ig e n , „ d ie n ic h t a u fh ö re n k ö n n e n , in d e n G e n ita lie n ih re r K in d e r h e ru m z u w ü h le n .“ 246 E n g e lb e rg b e z ie h t s ic h a u s s c h lie ß lic h a u f d a s Ju d e n tu m . E r s c h lie ß t m it d e m b e r ü h m te n Z ita t d es P h ilo s o p h e n L u d w ig W ittg e n s te in u n d r ic h te t s o m it e in e n A p p e ll a n d ie K r it ik e r u n d d ie L e s e n d e n : „ W o v o n m a n n ic h t s p re c h e n k a n n , d a rü b e r m u ss m a n s c h w e ig e n .“ 247 242 D i e P r e s s e , S t e i n e r , 0 5 . 0 8 .2 0 1 2 , 3 4 . 243 D i e P r e s s e , E n g e l b e r g , 0 7 . 0 8 .2 0 1 2 , 2 7 . 244 D i e P r e s s e , E n g e l b e r g , 0 7 . 0 8 .2 0 1 2 , 2 7 . 245 D i e P r e s s e , E n g e l b e r g , 0 7 . 0 8 .2 0 1 2 , 2 7 . 246 D i e P r e s s e , E n g e l b e r g , 0 7 . 0 8 .2 0 1 2 , 2 7 . 247 D i e P r e s s e , E n g e l b e r g , 0 7 . 0 8 .2 0 1 2 , 2 7 . 195 Im G a s tk o m m e n ta r v o m 1 0 .0 8 .2 0 1 2 e rk lä r t B e rn d S c h ilc h e r , P ro fe s s o r em . fü r Z iv ilre c h t, d a ss d ie B e h a u p tu n g d e r Ä rz te u n d Ju r is te n in D e u ts c h la n d u n d Ö ste r re ic h , d ie B e s c h n e id u n g h ä tte m it R e lig io n n ic h ts z u tu n , e in g e w a lt ig e r I r r tu m se i. S c h o n im T ite l d es A rtik e ls - „ V o n re lig iö s e n A n a l p h a b e te n u n d e in fa lls lo s e n Ju r is te n " - k a n n d ie p e rs ö n lic h e S te llu n g d es A u to rs z u d ie s e n h e ra u s g e le s e n w e rd e n . In s e in e r E rk lä ru n g b e z ie h t e r s ic h a u f A rt. 9 u n d 8 E M R K u n d b e to n t im F a lle e in e r B e s c h n e id u n g d ie A b w ä g u n g z w is c h e n d re i G ru n d re c h te n . D a s P ro b le m s ie h t d e r A u to r in d e r ty p is c h ö s te r r e ic h is c h e n „ E n tw e d e r -o d e r " D e n k w e is e , w e il, so S c h ilc h e r , d ie Ö s te r re ic h e r im m e r n o c h a u f S tä n d e - u n d K lie n te lp o lit ik p ro g ra m m ie r t s e ie n u n d k ö n n e n m it V ie lfa lt u n d A b w ä g u n g w e n ig a n fa n g e n .248 W e ite rs b e h a n d e lt S c h ilc h e r d ie P ro b le m a tik ä rz tl ic h e r E in g riffe a ls K ö rp e rv e r le tz u n g u n d u n te rs tre ic h t , d a ss e in e B e h a n d lu n g k e in V e r b re c h e n is t. Im F a lle d e r B e s c h n e id u n g lie g t k e in e K ö rp e rv e r le tz u n g v o r , b e to n t d e r A u to r im w e ite r e n T e x t u n d e rw ä h n t d ie „ E ig e n m ä c h tig e H e il b e h a n d lu n g " , d ie im § 1 1 0 S tG B fe s tg e le g t is t. E r b e z e ic h n e t d ie B e s c h n e i d u n g a ls „ ,n u r '" e in e n E in g r if f in e in P e r s ö n lic h k e its re c h t - d a s R e c h t s e l b e r z u e n ts c h e id e n o b u n d w a n n m a n b e s c h n it te n w e rd e n s o ll o d e r d ie E n ts c h e id u n g d e n E lte rn z u ü b e r la s s e n .249 D a s s d e r A u to r d a s A d v e rb „ n u r " u n te r A n fü h ru n g s z e ic h e n s e tz t d e u te t d a ra u f h in , d a ss e r n ic h t u n b e d in g t d ie s e M e in u n g te ilt. D ie B e s c h n e id u n g s d e b a tte r ie f a u c h b e i d e r L e s e rs c h a ft h e ft ig e R e a k tio n e n h e rv o r . E fg a n i D ö n m e z , B u n d e sra t d e r G r ü n e n , s c h r ie b e in e n L e s e r b r ie f z u m A rtik e l v o n M a r tin E n g e lb e rg „ D ie B e s c h n e id u n g a ls K a s tr a tio n d e r F a n ta s ie v o m L e b e n im P a ra d ie s " (1 0 .0 7 .2 0 1 2 ). D ö n m e z is t d e r M e i n u n g , d a ss d ie D is k u s s io n im m e r s k u rr ile r w ird , w e il je tz t s o g a r Je su s C h r is tu s th e m a tis ie r t w ird . D a s s d ie B e s c h n e id u n g m it S c h m e rz e n z u s a m m e n h ä n g t, se i e in d e u tig . F ü r d e n A u to r is t a b e r a u c h v o n B e d e u tu n g , d a ss d e r Ju n g e e in s c h ö n e s F e s t h a t u n d v ie le G e s c h e n k e b e k o m m t. D a s V e rb o t d e r B e s c h n e id u n g w ü rd e fü r ih n d ie G e fa h r d e r K u rp fu s c h e re i m it s ic h b r in g e n . W ir s o lle n , so D ö n m e z , „ Je su s a m K re u z la s s e n u n d d ie E n ts c h e i d u n g , o b d ie V o rh a u t b le ib t o d e r w e g k o m m t, d e n F a m il ie n ." 250 In e in e m S a tz s te llt d e r A u to r fe s t , d a ss d ie B e s c h n e id u n g e in e Ja h r h u n d e r te a lte re lig iö s e u n d k u ltu re lle T ra d it io n se i, d ie a lle o h n e E in s c h rä n k u n g d e r F u n k tio n a litä t ü b e r le b t h a b e n . Im le tz te n S a tz ä u ß e r t s ic h D ö n m e z ü b e r d e n B o u le v a rd jo u rn a lis m u s s e h r v u lg ä r - „ [ . . . ] d ie f ic k e n ja a u c h u n se re n In te lle k t ta g tä g lic h ." 251 248 V g l . D i e P r e s s e , S c h i l c h e r , 1 0 . 0 8 .2 0 1 2 , 3 1 . 249 V g l . D i e P r e s s e , S c h i l c h e r , 1 0 . 0 8 .2 0 1 2 , 3 1 . 250 V g l . D i e P r e s s e , D ö n m e z , 1 3 . 0 7 .2 0 1 2 , 3 0 . 251 D i e P r e s s e , D ö n m e z , 1 3 . 0 7 .2 0 1 2 , 3 0 . 196 A m d a ra u ffo lg e n d e n T a g s c h r ie b E r ic h W a lln e r e in e n L e s e rb r ie f , in d e m e r s ic h a u f d e n o b e n p rä s e n tie r te n v o n E . D ö n m e z b e z ie h t. Im p liz it s e tz t e r d ie B e s c h n e id u n g m it w e ib lic h e r G e n ita lv e r s tü m m e lu n g g le ich , in d e m e r d ie F r a g e s te llt , w a s w o h l W a r is D ir ie d a z u s a g e n w ü rd e , d ie e in e s e h r e n g a g ie r te K ä m p fe r in g e g e n w e ib lic h e G e n ita lv e r s tü m m e lu n g is t .252 In d e r g le ic h e n P re s s e a u s g a b e b e z ie h t s ic h Irm g a rd S trn a d a u f d e n A rtik e l „ C u ltu re C la sh . P ro te u s m ira b il is “ v o n M ic h a e l P rü lle r (0 1 .0 7 .2 0 1 2 ). S ie b e z e ic h n e t d a s S c h ä c h te n u n d d ie B e s c h n e id u n g a ls v e rn ü n ft ig e V o r s c h r if te n , a l le rd in g s v o r 3 0 0 0 Ja h r e n u n d b e to n t e x p liz it , d a ss d ie se n ic h ts m it R e lig io n z u tu n h a b e n u n d d e n e n m a n , tro tz ih re r S in n lo s ig k e it , „ p lö tz lic h “ re lig iö s e R e le v a n z b e im iss t . Im n ä c h s te n A b s c h n itt w id m e t s ic h A u to r in d e m T h e m a d e r V o rh ä u te , w ie s ie e x p liz it e rw ä h n t, im A lte n T e s ta m e n t, w o s ie la u t A u to r in a ls Z a h lu n g s m itte l u n d G e s c h e n k a r tik e l v o rk o m m e n . E in e B ib e ls te lle (1 S a m 1 8 , 2 5 -2 7 ) e rz ä h lt , d a ss K ö n ig S a u l v o n D a v id d ie V o rh ä u te v o n 1 0 0 P h ilis te rn a ls B ra u tg a b e fü r s e in e T o c h te r M ic h a l v e r la n g te . E r h a tte d ie H o ffn u n g , d a ss D a v id im K a m p f fä llt . D ie V o rh ä u te s te h e n h ie r fü r d ie E r in n e ru n g a n d ie n ic h tis ra e lit is c h e Id e n titä t d e r P h ilis te r .253 A ls g ä n g ig e s Z a h lu n g s m itte l o d e r G e s c h e n k a r tik e l w u rd e n s ie a b e r n ic h t v e rw e n d e t. D ie A u to r in n e n n t a u c h d a s B e is p ie l d e r o r th o d o x e n Ju d e n , d ie d ie V o r h ä u te s a m m e ln , u m s ie a ls M itg ift fü r d a s Je n s e its z u v e rw e n d e n . Im le tz te n S a tz b e m e rk t d ie L e s e r in z y n is c h , d a ss „ d e r T ra n s p o r t d ie se s S ch a tz e s in s Je n s e its u n g e k lä r t b le ib t .“ 254 A m 1 3 .1 2 .2 0 1 2 m e ld e te die Presse d e n B e s c h lu s s d es B u n d e s ta g s v o m 1 2 .1 2 .2 0 1 2 , w o n a c h d ie re lig iö s m o tiv ie r te B e s c h n e id u n g im Ju d e n tu m u n d Is la m e r la u b t ist. E n ts c h e id e n d is t , d a ss d ie se „ n a c h d e n R e g e ln d e r ä rz t l ic h e n K u n s t d u rc h g e fü h rt w e rd e n .“ 255 A m d a ra u ffo lg e n d e n T a g s c h r ie b W o lfg a n g S c h ü tz , R e k to r d e r M e d iz in i s c h e n U n iv e rs itä t in W ie n , e in e n G a s tk o m m e n ta r in d e m e r d e r F ra g e , „ w a ru m e s so v ie le n a b s o lu t A u ß e n s te h e n d e n im m e r w ie d e r u n te r d en N ä g e ln b re n n t, g e g e n d ie K n a b e n b e s c h n e id u n g z u p o le m is ie re n “ 256 n a c h g e h t. A u s d e m T ite l d es K o m m e n ta rs „ V e rs u c h te B e s c h n e id u n g d e r R e li 252 V g l . D i e P r e s s e , W a l l n e r , 1 4 . 0 7 .2 0 1 2 , 2 8 . 253 I n d i e s e n E r z ä h l u n g e n h a n d e l t e s s i c h n i c h t u m t a t s ä c h l i c h e E r e i g n i s s e . A n m . d e r A u t o r i n . 254 D i e P r e s s e , S t r n a d , 1 4 . 0 7 .2 0 1 2 , 2 9 . 255 D i e P r e s s e , B e s c h n e i d u n g b l e i b t i n D e u t s c h l a n d e r l a u b t . , 1 3 . 1 2 .2 0 1 2 , 2 8 . 256 D i e P r e s s e , S c h ü t z , 1 4 . 1 2 .2 0 1 2 , 3 8 . 197 g io n s fre ih e it“ g e h t d ie M e in u n g d es A u to rs ü b e r d ie In te n t io n d e r B e s c h n e id u n g s k r it ik e r h e rv o r . Im e rs te n A b s c h n itt b e z ie h t e r s ic h a u f z w e i S tra fa n z e ig e n g e g e n z w e i B e s c h n e id e r , d ie v o m V e re in „ In it ia t iv e g e g e n K irc h e n p r iv ile g ie n “ e in g e re ic h t w u rd e n m it d e r B e g rü n d u n g , d a ss d ie re l ig iö s e E rz ie h u n g d e r K in d e r v e rs c h w in d e n s o ll b z w . d e m K in d d ie F r e i h e it z u la ss e n , d ie E n ts c h e id u n g fü r d ie B e s c h n e id u n g s e lb e r z u tre ffe n . G e n a u d ie s e r P u n k t is t fü r S c h ü tz in te re ss a n t, w e il e s s ic h e r s t d a n n u m e in e n o p e ra t iv e n E in g r if f h a n d e lt , w ä h r e n d g e g e n e in e B e s c h n e id u n g a n e in e m e in e W o c h e a lte n S ä u g lin g k e in e „ w is s e n s c h a ft l ic h fu n d ie r te m e d i z in is c h e o d e r p s y c h o lo g is c h e F a k te n s p re c h e n .“ 257 In te re ss a n te rw e ise w id m e t s ic h d e r A u to r im w e ite r e n T e x t n ic h tm e d iz in is c h e n A rg u m e n te n b e z ü g lic h r itu e lle r B e s c h n e id u n g im Ju d e n tu m : 1 . D ie k o n s titu tiv e B e d e u tu n g d e r K n a b e n b e s c h n e id u n g fü r Ju d e n 2. G a r a n tie d e r R e lig io n s fre ih e it in d e m o k ra tis c h e n S ta a te n 3. K r it is c h e A u s e in a n d e r s e tz u n g m it d e r B e s c h n e id u n g im Ju d e n tu m 4 . A u s re ic h e n d L ite ra tu r u m s ic h d a rü b e r a d ä q u a t z u in fo rm ie re n . E r e m p fie h lt d a s W e r k d e r O b e rä rz t in fü r K in d e r u ro lo g ie u n d R a b b i n e r in v o n B a m b e rg , A n tje Y a e l D e u s e l „ M e in B u n d , d e n ih r b e w a h re n s o llt“ 258 D ie B e s c h n e id u n g is t la u t S c h ü tz „ v o n d e r S c h w e re d es E in g r iffs k e in A k t m e d iz in is c h e r A u fg e re g th e it , s o n d e rn e in d a fü r v o rg e s c h o b e n e r , u n d d a s n ic h t e rs t s e it h e u te .“ 259 Im le tz te n A b sc h n itt s te llt e r d ie F r a g e m it d em g e f lü g e lte n W o r t „ C u i b o n o ? “ - W e m z u m G u te n ? u n d w ie d e rh o lt d ie a m A n fa n g g e s te llte F ra g e ü b e r d ie G r ü n d e d e r z a h lre ic h e n „ A u ß e n s e ite r“ ü b e r d ie B e s c h n e id u n g z u p o le m is ie re n . W e ite rs s te llt e r d ie F r a g e , w a ru m s ie n ic h t g e g e n d ie g ra u s a m e T ra d it io n d e r w e ib lic h e n G e n ita lv e r s tü m m e lu n g k ä m p fe n . Im le tz te n S a tz b e to n t S c h ü tz e x p liz it , d a ss „ im G e g e n sa tz z u r K n a b e n b e s c h n e id u n g “ d e r K a m p f g e g e n d ie se w ic h t ig w ä r e .260 A m 0 5 .0 3 .2 0 1 3 s c h r ie b D u y g u Ö z k a n im Z u s a m m e n h a n g m it d e m e in g e s te llte n V e r fa h re n g e g e n W ie n e r G e m e in d e ra b b in e r u n d e in e n m u s lim i s c h e n A rz t ü b e r d ie E n ts c h e id u n g d e r Ä rz te k a m m e r u n d d e r S ta a ts a n w a lts c h a ft , d a ss d ie B e s c h n e id u n g in Ö s te r re ic h e r la u b t b le ib e .261 257 D i e P r e s s e , S c h ü t z , 1 4 . 1 2 .2 0 1 2 , 3 8 . 258 S i e h e a u c h : D e u s e l 2 0 1 2 , 5 5 - 5 6 . 259 D i e P r e s s e , S c h ü t z , 1 4 . 1 2 .2 0 1 2 , 3 8 . 260 V g l . D i e P r e s s e , S c h ü t z , 1 4 . 1 2 .2 0 1 2 , 3 8 . 261 V g l . D i e P r e s s e , Ä r z t e d ü r f e n b e s c h n e i d e n . , 0 5 . 0 3 .2 0 1 3 , 1 0 . 1 9 8 In d ie s e m Z u s a m m e n h a n g s te llt s ic h d ie F ra g e , o b d ie s d e r F a ll g e w e s e n w ä re , w e n n d e r B e s c h lu s s d es B u n d e s ta g s in D e u ts c h la n d a n d e rs g e fä llt w o rd e n w ä re . 6.3.1 Zusammenfassung der Ergebnisse Die Presse b o t d e r L e s e rs c h a ft e in e s e h r b re ite T h e m e n p a le tte im Z u s a m m e n h a n g m it d e r B e s c h n e id u n g s d e b a tte an . A k tu e lle M e ld u n g e n z u m T h e m a , e in L e ita r t ik e l , v ie le K o m m e n ta re v o n Jo u r n a lis t In n e n d e r Z e i tu n g , G a s tk o m m e n ta re s o w ie L e s e r In n e n b r ie fe b e r ic h te te n ü b e r d ie se s s p a n n e n d e T h e m a a u s v e rs c h ie d e n s te n B lic k w in k e ln . F o lg e n d e E rg e b n is s e s o lle n h e rv o rg e h o b e n w e rd e n : Im Z e n tru m d e r B e r ic h te rs ta t tu n g s ta n d d ie A u s e in a n d e r s e tz u n g m it re c h t lic h e n (K o n flik t/ A b w ä g u n g z w is c h e n d re i R e c h te n : a u f k ö rp e r lic h e U n v e rs e h r th e it , a u f re lig iö s e E rz ie h u n g d e r K in d e r u n d a u f R e lig io n s fre i h e it) u n d m e d iz in is c h e n A s p e k te n (E in g r iff o h n e m e d iz in is c h e In d ik a tio n ) d e r re lig iö s m o tiv ie r te n B e s c h n e id u n g . D e r re lig iö s e n B e d e u tu n g d ie se s R itu a ls f ü r g lä u b ig e Ju d e n u n d M u s lim e w u rd e w e n ig e r A u fm e r k s a m k e it z u te il. Ü b e r d ie v e rm e in t lic h e n V o r - b z w . N a c h te ile d e r B e s c h n e id u n g w u rd e n a h e z u a m b iv a le n t b e r ic h te t . D ie D e b a tte s e lb s t w u rd e v o n A u to r In n e n s e h r u n te rs c h ie d lic h c h a ra k te r is ie r t - v o n s e h r w ic h t ig b is ü b e r flü s s ig u n d lä c h e r lic h . D a s K ö ln e r U rte il w u rd e s e h r v e rs c h ie d e n b e w e r te t - „ h e ik e l“ 262, „ m u tig u n d r ic h tu n g sw e is e n d “263, e in „ A u s d r u c k u n s e re r V e rw e h le id ig u n g .“ 264 O b w o h l s ic h d a s K ö ln e r U rte il a u f e in e n B e s c h n e id u n g s fa ll e in e s m u s li m is c h e n Ju n g e n b e z ie h t , w u rd e d ie B e s c h n e id u n g in d e n m e is te n T e x te n a ls jü d is c h e s R itu a l b e tra c h te t b z w . d ie B e s c h n e id u n g im Ju d e n tu m in s Z e n tru m d e r B e r ic h te rs ta t tu n g g e rü ck t. D a s R itu a l d e r B e s c h n e id u n g w u rd e d if fe re n z ie r t b e w e r te t - a ls m ä c h tig e , w ü rd ig e T ra d it io n , B a g a te lle in g r if f e in e rse its u n d b lu t ig e r S c h n itt , s c h w e re r E in g r if f in d ie k ö r p e r lic h e In te g r itä t e in e s K in d e s s o w ie d a s „ a m b e s te n a k z e p tie r te V e rb r e c h e n in d e r W e ltg e s c h ic h te “265 a n d e re rs e its . 262 D i e P r e s s e , K r a m a r , 2 8 . 0 6 .2 0 1 2 , 2 7 . 263 D i e P r e s s e , A l m , 0 5 . 0 7 .2 0 1 2 , 2 6 . 264 D i e P r e s s e , P r ü l l e r , 2 0 1 2 , 4 3 . 265 D i e P r e s s e , K n a u l , 2 1 . 0 7 .2 0 1 2 , 2 1 . 199 D ie E in z e ls c h ic k s a le ü b e r s e h r tra u m a tis c h e E r fa h ru n g e n u n d F o lg e n d er B e s c h n e id u n g w u rd e n in e r s te r L in ie v o n M u s lim e n o d e r b e tre ffe n d m u s lim is c h e M ä n n e r s e h r e m o tio n a l d a rg e s te llt u n d w ie s e n e in e n a u s g e s p ro c h e n p e rs u a s iv e n C h a ra k te r a u f.266 D ie se E m o tio n a lis ie ru n g w u rd e v o n a n d e re n A u to re n w ie d e ru m a ls f r a g w ü r d ig u n d u n n ö tig w a h r g e n o m m e n .267 D ie re lig iö s m o tiv ie r te B e s c h n e id u n g w u rd e e in e rse its o ft m it d e r w e ib li c h e n G e n ita lv e r s tü m m e lu n g g le ic h g e se tz t268, a n d e re rs e its w ie s e n m a n c h e A u to r In n e n a u f d ie N o tw e n d ig k e it d e r U n te rs c h e id u n g z w is c h e n d ie se n h in .269 S k u rr ile V e rg le ic h e , B e is p ie le u n d G e g e n s ä tz e -M e n s c h e n o p fe r u n d W it w e n v e rb re n n u n g e n a ls B e is p ie le fü r v e rb o te n e re lig iö s e T ra d it io n e n 270, m u s lim is c h v s . m e d iz in is c h s o w ie d ie Z e rs tö ru n g e in e s K u ltu re rb e s u n d T ö te n e in e r v e rh e ira te te n F r a u a ls B e is p ie le f ü r R e lig io n s fre ih e it271, T o d e s s tra fe in m a n c h e n m u s lim is c h e n L ä n d e r n 272, V o rh ä u te a ls G e s c h e n k - u n d S a m m e la r t ik e l .273 D a s s s ich d ie V e r tr e te r d e r Ju d e n u n d M o s le m s in D e u ts c h la n d u n d Ö ste r re ic h in d e r F ra g e d e r B e s c h n e id u n g e in ig s in d , b e z e ic h n e te n m a n c h e A u to re n a ls a b s u rd , w e il s ie ih re r A n s ic h t n a c h m ite i n a n d e r v e r fe in d e te R e lig io n e n s in d .274 Z u m T h e m a r itu e lle K n a b e n b e s c h n e id u n g w u rd e n A n tis e m itis m u s u n d Is la m o p h o b ie th e m a tis ie r t - in e in e m A rtik e l e rw ä h n t d e r A u to r d ie B e s c h n e id u n g a ls U rs p ru n g d es A n tise m itism u s , in e in e m a n d e re n w u rd e n d ie K r it ik e r d e r r itu e lle n B e s c h n e id u n g e x p liz it a ls A n tis e m ite n d e k la r ie r t u n d z a h lre ic h e S te re o ty p e g e g e n ü b e r Ju d e n th e m a tis ie r t . M a n c h e A u to r In n e n m a c h te n d e u tlic h , d a ss v ie le B e s c h n e id u n g s k r it ik e r n ic h t in e r s te r L in ie d a s K in d e s w o h l b z w . d a s R e c h t e in e s K in d e s a u f k ö rp e r lic h e U n v e r s e h r th e it o d e r s e in S e lb s tb e s tim m u n g s r e c h t v e r te id ig e n w o lle n , d a e s g e n ü g e n d B e is p ie le d es a lltä g lic h e n L e b e n s g ib t, d ie d ie s b e s tä t ig e n (z .B . k e in e ü b e r tr ie b e n e E m o tio n a lis ie ru n g b e z ü g lic h d e r F r a g e d es P a s s iv ra u c h e n s d e r K in d e r o d e r fa ls c h e r E rn ä h ru n g ), s o n d e rn a u s a n d e re n M o tiv e n h a n d e ln - u .a . u m „ d ie A n d e r e n " a u s z u g re n z e n u n d z u z e ig e n , w a s „ b e i 266 V g l . D i e P r e s s e , W a l i , 2 1 . 0 7 .2 0 1 2 , 3 1 - 3 2 . 267 V g l . D i e P r e s s e , T a s c h n e r , 2 8 . 0 7 .2 0 1 2 , 3 7 . 268 V g l . D i e P r e s s e , K o t r s c h a l , 2 4 . 0 7 .2 0 1 2 , 2 6 ; W a l l n e r , 1 4 . 0 7 .2 0 1 2 , 3 8 . 269 V g l . D i e P r e s s e , W i n k l e r , 1 6 . 0 7 .2 0 1 2 , 2 2 ; S c h ü t z , 1 4 . 1 2 .2 0 1 2 , 3 8 . 270 V g l . D i e P r e s s e , Z e i t z , 2 7 . 0 7 .2 0 1 2 , 3 0 . 271 V g l . D i e P r e s s e , W e i d i n g e r , 1 8 . 0 7 .2 0 1 2 , 2 6 - 2 7 . 272 V g l . D i e P r e s s e , A l m , 0 5 . 0 7 .2 0 1 2 , 2 6 . 273 V g l . D i e P r e s s e , S t r n a d , 1 4 . 0 7 .2 0 1 2 , 2 9 . 274 V g l . D i e P r e s s e , K n a u l , 2 1 . 0 7 .2 0 1 2 , 2 1 . 200 u n s “ e r la u b t u n d w a s n ic h t .275 D a m it s o lle n V o ru r te ile u n d R e s se n tim e n ts g e g e n ü b e r Ju d e n u n d M o s le m s tra n s p o rtie r t w e rd e n , n ic h t s e lte n m it E le m e n te n d es s e k u n d ä re n A n tis e m itis m u s o d e r d e r Is la m o p h o b ie . A n d e re w ie d e ru m a p p e llie r te n a n d ie L e s e rs c h a ft , m e h r S e n s ib ilitä t u n d T o le ra n z im U m g a n g m it d e r T ra d it io n d e r re lig iö s m o tiv ie r te n K n a b e n b e s c h n e i d u n g z u z e ig e n . D ie B e s c h n e id u n g s d e b a tte w u rd e v o n m a n c h e n A u to r In n e n a ls P la ttfo rm g e n u tz t , u m a n d e re T h e m e n a u s re lig iö s e n B e r e ic h e n z u b e h a n d e ln u n d s c h a r f z u k r it is ie re n - z .B . „ M a c h ta n s p rü c h e “ d e r R e lig io n e n , d a s S a k ra m e n t d e r B e ic h te , M is s b ra u c h s fä lle in d e r k a th o lis c h e n K irc h e .276 E in T e x t w ie s e x p liz it is la m o p h o b e In h a lte a u f.277 Die Presse m a c h te d e u tlic h , d a ss d ie F r a g e d e r B e s c h n e id u n g k e in e n e u e P ro b le m a tik d a rs te llt , im G e g e n te il - d ie s b e z ü g lic h a u c h in n e r jü d is c h s e h r u n te rs c h ie d lic h e M e in u n g e n h e rrsc h e n . A u c h d e r fe m in is t is c h e n S ic h t a u f d a s T h e m a B e s c h n e id u n g w u rd e in Die Presse P la tz e in g e rä u m t.278 6.4 Analyse der Artikel in der Kronen Zeitung D ie Kronen Zeitung v e rö ffe n t lic h te 9 A rtik e l im Z u s a m m e n h a n g m it d e r B e s c h n e id u n g sd e b a tte . D ie e r s te n b e id e n s in d k u rz e M e ld u n g e n , d ie d ie L e s e rs c h a ft ü b e r d a s K ö ln e r U rte il in fo rm ie re n .279 In d e r R u b r ik „ V o n G o tt u n d d e r W e lt“ s c h r ie b d e r e v a n g e lis c h e P fa rre r M ic h a e l C h a lu p k a e in e n A rtik e l u n te r d e m T ite l „ B e s c h n e id u n g d e r R e lig io n s fre ih e it? .“ 280 D e r B e g r if f „ B e s c h n e id u n g “ w u rd e k o n te x tb e z o g e n a ls S y n o n y m f ü r d ie E in s c h rä n k u n g v e rw e n d e t. E r fa s s t d ie w ic h t ig s te n T a t s a c h e n b e z ü g lic h d es K ö ln e r U rte ils z u s a m m e n u n d b e h a u p te t, d a ss d a s G e r ic h t d ie B e d e u tu n g d e r re lig iö s e n B e s c h n e id u n g im Ju d e n tu m u n d Is la m z u w e n ig b e rü c k s ic h t ig t h a t. W e ite rs e rw ä h n t e r d ie e r s te n C h ris te n , d ie s ic h a u c h m it d e r F ra g e d e r B e s c h n e id u n g in te n s iv a u s e in a n d e rg e s e tz t h a tte n u n d z u m S ch lu ss k a m e n , d a ss a u c h U n b e s c h n itte n e T e il d e r c h r is t lic h e n G e m e in s c h a ft s in d . D a ra u s s te llt d e r P fa r re r fe s t , d a ss d ie B e s c h n e i d u n g n ic h t e n ts c h e id e n d d a fü r is t , w e lc h e r R e lig io n m a n s ic h „ v e rp flic h 275 V g l . D i e P r e s s e , W e i s e r , 2 9 . 0 7 .2 0 1 2 , 1 . 276 V g l . D i e P r e s s e , A l m , 0 5 . 0 7 .2 0 1 2 , 2 6 . 277 S i e h e : D i e P r e s s e , W e i d i n g e r , 1 8 . 0 7 .2 0 1 2 , 2 6 - 2 7 . 278 V g l . D i e P r e s s e , S t e i n e r , 0 5 . 0 8 .2 0 1 2 , 9 . 279 V g l . K r o n e n Z e i t u n g , B e s c h n e i d u n g v o n B u b e n i s t s t r a f b a r , 2 7 . 0 6 .2 0 1 2 , 8 , s o w i e K r o n e n Z e i t u n g , B e s c h n e i d u n g . D e u t s c h e s U r t e i l h e f t i g k r i t i s i e r t , 2 9 . 0 6 .2 0 1 2 , 8 . 280 K r o n e n Z e i t u n g , C h a l u p k a , 3 0 . 0 6 .2 0 1 2 , 1 6 . 201 te t fü h lt " u n d lä ss t s o m it a u ß e r A ch t, d a ss fü r v ie le Ju d e n g e n a u d ie s e n t sc h e id e n d is t. R e lig iö s e R itu a le s o lle n , so C h a lu p k a , n ic h t d ie E n ts c h e i d u n g e n d e r E rw a c h s e n e n „ p rä ju d iz ie r e n " , d a s ic h je d e r fü r d e n G la u b e n a u to n o m e n ts c h e id e n m u ss . Im w e ite r e n A rtik e l z u m T h e m a w ird d ie M e in u n g m a n c h e r K r it ik e r d es K ö ln e r U rte ils g e ä u ß e r t , d a ss d a s G e r ic h t e in e „ G e g e n re lig io n " k r e ie r t , d ie „ d e r v e rm e in t lic h e n M e n s c h e n r e c h te ." 281 D a s A d je k tiv „ v e rm e in t lic h " im p liz ie r t fa ls c h e A n n a h m e n d es G e r ic h te s . D e r A u to r n im m t a u f d ie se k e in e n e x p liz ite n B e z u g . Im T e x t w u rd e e x p liz it b e to n t, d ie B e s c h n e id u n g d e r V o rh a u t s te llt „ k e in e S c h ä d ig u n g d e r K ö rp e r fu n k tio n e n " d a r u n d is t v o n d e r w e ib lic h e n G e n i ta lv e rs tü m m e lu n g z u u n te rsc h e id e n . U m d ie s z u b e k r ä ft ig e n b z w . d ie L e s e r s c h a ft z u ü b e rz e u g e n , n e n n t d e r A u to r d a s B e is p ie l d e r U S A , w o d ie B e s c h n e id u n g w e it v e rb re ite t ist. A ls „ s k u r r il" b e z e ic h n e te d e r A u to r d e n V o rs c h la g d e r P o lit ik e r in „ d ie s e r ty p is c h d e u ts c h e n S e lb s tz e rm ü rb u n g s d e b a tte " , d ie B e s c h n e id u n g re c h t l ic h e in e r A b tre ib u n g g le ic h z u s e tz e n - n ic h t le g a l, a b e r a u c h n ic h t s tra fb a r .282 D e r z y n is c h e A u s d r u c k „ ty p is c h d e u tsc h e S e lb s tz e rm ü rb u n g s d e b a t te " w u rd e n ic h t n ä h e r e rk lä r t . Im le tz te n S a tz , d e r in K la m m e r g e s e tz t - u n d s o m it fü r d e n A u to r o ffe n s ic h t lic h e in e w ic h t ig e E rg ä n z u n g z u m T e x t d a rs te llt , s te llt e r fe s t , d a ss „ m it d ie s e m V e rg le ic h Ju d e n a lle rd in g s k e in e F r e u d e h a b e n w e r d e n ." 283 D ie m ö g lic h e R e a k tio n d e r M u s lim e w u rd e n ic h t e rw ä h n t. Im n ä c h s te n A rtik e l b e h a n d e lt S e in itz d ie F ra g e e in e s B e s c h n e id u n g s v e r b o te s u n d d e r e r la u b te n A b tre ib u n g . Im e rs te n A b s c h n itt s e tz t e r d ie V o r h a u t m it d e m B lin d d a rm g le ic h u n d b e z e ic h n e t s ie a ls u n n ö tig . U m d ies z u le g it im ie re n , b e ru ft e r s ic h a u f „ d ie V o r fa h r e n " , d ie s ie a ls „ k le in e s O p fe r a n G o tt a u s e rk o r e n " h a b e n u n d fü g t s a rk a s tis c h h in z u „ u n d s ic h d e n n o c h g e d e ih lic h v e r m e h r t ." 284 Im T e x t is t w e d e r v o n Ju d e n n o c h M u s lim e n d ie R e d e , s in n in d u k tiv w ird d ie s im p liz ie r t , d a es u m d ie B e s c h n e id u n g g eh t. „ S ic h g e d e ih lic h v e r m e h r e n " k a n n m it d e r Z a h l d e r K in d e r in jü d is c h e n u n d m u s lim is c h e n F a m ilie n a s s o z iie r t w e rd e n . In sb e s o n d e r e M u s lim e b e tre ffe n d , h ö r t m a n in u n s e re r G e s e lls c h a ft n ic h t s e lte n , d a ss s ie „ z u v ie le K in d e r b e k o m m e n ." 281 V g l . K r o n e n Z e i t u n g , S e i n i t z , 0 4 . 0 7 .2 0 1 2 , 4 . 282 K r o n e n Z e i t u n g , S e i n i t z , 1 6 . 0 7 .2 0 1 2 , 4 . 283 K r o n e n Z e i t u n g , S e i n i t z , 2 7 . 0 7 .2 0 1 2 , 4 . 284 V g l . K r o n e n Z e i t u n g , S e i n i t z , 2 7 . 0 7 .2 0 1 2 , 4 . 2 0 2 Im z w e ite n A b sc h n itt b e r u ft s ic h d e r A u to r a u f d ie A u ffo rd e ru n g v o n H il la ry C lin to n , m e h r U S -C h r is te n s o lle n s ic h a u s g e s u n d h e it l ic h e n G r ü n d e n b e s c h n e id e n la ss e n . W e ite r s fo rd e r t e r d ie „ R e lig io n s h a s s e r“ a u f, d ie F ra g e z u s te lle n , w a ru m d ie B e s c h n e id u n g v e rb o te n u n d d ie A b tre ib u n g e r la u b t s e in s o ll , d e n n d a s L e b e n b e g in n t m it d e r B e fr u c h tu n g .285 M it d e m B e g r if f „ R e lig io n s h a s s e r“ w e rd e n s in n in d u k tiv d ie K r it ik e r In n e n d e r r itu e lle n B e s c h n e id u n g a s so z iie r t . D e r H a ss a u f R e lig io n w ird a ls B e w e g g ru n d d ie se r K r it ik g e n a n n t w a s w ie d e ru m s in n in d u k tiv d a ra u f h in w e is t , d a ss d ie s b e z ü g lic h d ie M ö g lic h k e it e in e r o b je k t iv e n K r it ik a u s z u s c h lie ß e n ist. In d e r Kronen Zeitung w u rd e ü b e r d ie R e a k tio n d es e h e m a lig e n - im T e x t n ic h t a ls d e r e h e m a lig e P rä s id e n t, s o n d e rn a ls d e r „ E h -n ic h t-m e h r-P rä s id e n t d e r Is ra e lit is c h e n K u ltu s g e m e in d e “ 286 b e t ite l t - A r ie l M u z ic a n t b e r ich te t. M it d ie s e r R e d e fig u r w ird iro n is ie re n d h e rv o rg e h o b e n , d a ss er d e s h a lb k e in e A u to r itä ts p e r s o n m e h r d a rs te llt. D e r A rtik e l b e g in n t m it d e r R e d e n s a r t „ M a n h ä tte G if t d a ra u f n e h m e n k ö n n e n “ , w a s b e d e u te t, d a ss d ie s m it v o llk o m m e n e r S ic h e rh e it v o ra u s s e h b a r w a r u n d z w a r d e r „ u n s a c h lic h s te B e itra g z u u n b e d e u te n d e n F o r d e r u n g e n n a c h e in e m B e s c h n e id u n g s v e rb o t.“ 287 D a s s s ic h d ie K r it ik a u f M u z ic a n t p e rs ö n lic h b e z ie h t , v e rd e u tlic h t d ie in K la m m e r g e s e tz te A u s s a g e „ Im G e g e n s a tz z u s e in e m N a c h fo lg e r“ [o b w o h l die Presse b e r ic h te te , d a ss s e in N a c h fo lg e r , O s k a r D e u ts c h , d ie se A u s s a g e s in n g e m ä ß w ie d e r h o lte , A r tik e l v o m 2 8 .0 7 .2 0 1 2 - A n m . d e r A u to r in ] . E s h a n d e lt s ic h u m d ie A u s s a g e M u z ic a n ts (d e r A u to r n e n n t ih n im w e ite r e n T e x t „ d e r S c h a r fm a c h e r“ ), e in e v e n tu e lle s V e rb o t d e r B e s c h n e id u n g w ä re d e r g e is tig e H o lo ca u s t. A n d ie s e r S te lle s o ll e rw ä h n t w e rd e n , d a ss s ic h S e in itz b e im e rs te n T h e m e n s c h w e rp u n k t s e h r ä h n lic h ü b e r e in e A u s sa g e d es is ra e lis c h e n A u ß e n m in is te rs L ie b e rm a n ä u ß e rte . D e r v o r le tz te A rtik e l e rw ä h n t d ie B e s c h n e id u n g n u r a ls m ö g lic h e n H in te rg r u n d e in e s F a lle s in B e r lin , b e i d e m d ie In h a b e r in e in e s T a tto o -S tu d io s in F o lg e e in e s O h r lo c h s te c h e n s e in e r D re i jä h r ig e n S c h m e rz e n s g e ld z a h le n m u s s .288 A m 0 1 .0 1 ., d e r W e ih n a c h ts o k ta v , fe ie r t d ie K irc h e d a s F e s t d e r B e s c h n e i d u n g Je su . E s is t e b e n fa lls d e r „ W e ltfr ie d e n s ta g .“ A n d ie s e m T a g 2 0 1 3 w u rd e d a rü b e r in d e r Kronen Zeitung e in lä n g e re r A rtik e l v o n K a rd in a l 285 V g l . K r o n e n Z e i t u n g , S e i n i t z , 2 9 . 0 7 .2 0 1 2 , 4 . 286 K r o n e n Z e i t u n g , S e i n i t z , 2 9 . 0 7 .2 0 1 2 , 2 . 287 K r o n e n Z e i t u n g , S e i n i t z , 2 9 . 0 7 .2 0 1 2 , 2 . 288 K r o n e n Z e i t u n g , G e s t o c h e n e O h r l ö c h e r : S c h m e r z e n s g e l d f ü r K i n d , 0 1 . 0 9 .2 0 1 2 , 6 . 203 C h r is to p h S c h ö n b o rn v e rö ffe n tlic h t . N a c h e in e r E rk lä ru n g d ie se s F e s te s , w id m e t s ic h S c h ö n b o rn d e m T h e m a d e r B e s c h n e id u n g im Ju d e n tu m u n d ä u ß e r t s e in V e rs tä n d n is ü b e r d ie B e s o rg th e it d e r Ju d e n u n d M o s le m s b e z ü g lic h d es K ö ln e r U rte ils . E r s te llt d ie F ra g e , o b in Z u k u n ft jü d is c h e s G la u b e n s le b e n in D e u ts c h la n d k r im in a lis ie r t w e rd e n s o ll .289 Ö ste r re ic h w u rd e in d ie s e m Z u s a m m e n h a n g n ic h t e rw ä h n t. F ü r S c h ö n b o rn w ä re „ s c h ö n , w e n n d e r S ch u tz d es u n g e b o re n e n L e b e n s m it s o lc h e m E ife r g e fö rd e r t w ü rd e w ie d e r S c h u tz d e r V o rh a u t .“ S in n in d u k tiv b e z ie h t e r s ic h a u f d ie g e s e tz lic h e R e g e lu n g b e z ü g lic h A b tre ib u n g . Im le tz te n A b sc h n itt s e n d e t d e r K a rd in a l e in e n k la re n A p p e ll a n „ u n s C h r is te n “ , in d e m e r s ic h a u f d ie jü d is c h e H e rk u n ft Je s u u n d d ie d es C h r is te n tu m s b e z ie h t : „ Je su s w a r Ju d e . U n d e b e n s o s e in e E lte rn . U n d w ir C h r is te n d ü rfe n u n s e re jü d i s c h e n W u r z e ln n ic h t v e rg e s s e n o d e r g a r v e r le u g n e n .“ 290 6.4.1 Zusammenfassung der Ergebnisse In d e r Kronen Zeitung w u rd e d e r B e s c h n e id u n g s d e b a tte s e h r w e n ig P la tz e in g e rä u m t. W ie b e im e rs te n T h e m e n s c h w e rp u n k t w u rd e n v ie r v o n in s g e s a m t n e u n A r t ik e ln v o n K u r t S e in itz , d e m L e ite r d es R e s so r ts fü r in te r n a t io n a le P o lit ik , g e s ch r ie b e n . D a s R itu a l d e r B e s c h n e id u n g w u rd e a ls e in e s o h n e je g l ic h e N a c h te ile b e z e ic h n e t, o h n e d a s a u f d ie a n g e b lic h e n V o r - u n d N a c h te ile a rg u m e n ta tiv n ä h e r e in g e g a n g e n w u rd e . N u r k n a p p e Ä u ß e r u n g e n ü b e r d e n p o s it iv e n A s p e k t d e r B e s c h n e id u n g w u rd e n e rw ä h n t (v ie le B e s c h n e id u n g e n in d e n U S A a ls B e w e is d a fü r , d ie B e s c h n e id u n g se i fü r M ä n n e r v o r te ilh a ft) . E s w u rd e e x p liz it z w is c h e n d e r B e s c h n e id u n g u n d w e ib lic h e r G e n ita lv e r s tü m m e lu n g u n te rsc h ie d e n . D ie B e s c h n e id u n g s d e b a tte b z w . d ie F o r d e ru n g e n n a c h e in e m B e s c h n e i d u n g s v e rb o t w u rd e n a ls u n b e d e u te n d e m p fu n d e n . Ü b e r d ie R e a k tio n d es e h e m a lig e n P rä s id e n te n d e r Is ra e lit is c h e n K u ltu s g e m e in d e , A r ie l M u z ic a n t, a u f d a s K ö ln e r U rte il w u rd e in e in e m k u rz e n A r tik e l s e h r su b je k tiv b e r ic h te t . D e r A n tis e m itis m u s w u rd e im Z u s a m m e n h a n g m it d e r B e s c h n e id u n g s d e b a tte n ic h t e x p liz it th e m a tis ie r t . D e r A rtik e l S c h ö n b o rn s e r in n e r te a lle r d in g s a u f Je su s jü d is c h e H e rk u n ft u n d jü d is c h e W u r z e ln d e s C h r is te n tu m s , d ie w e d e r v e rg e s s e n n o c h v e r le u g n e t w e rd e n d ü rfe n , w a s s in n in d u k tiv a u f d ie A u ffo rd e ru n g e in e r v o ru r te ils fre ie n , to le r a n te n H a ltu n g g e g e n ü b e r Ju d e n s c h lie ß e n lä ss t. 289 V g l . K r o n e n Z e i t u n g , S c h ö n b o r n , 0 1 . 0 1 .2 0 1 3 , 5 . 290 K r o n e n Z e i t u n g , S c h ö n b o r n , 0 1 . 0 1 .2 0 1 3 , 5 . 204 Profil w id m e te d e m T h e m a B e s c h n e id u n g fü n f A rtik e l. D ie se s o w ie z w e i L e s e r In n e n b r ie fe w e rd e n im F o lg e n d e n p rä s e n tie r t . C h r is t ia n R a in e r , C h e fr e d a k te u r d e r Z e itu n g s c h r ie b e in e n L e ita r t ik e l u n te r d e m e in p rä g s a m e n T ite l „ D ie B e s c h n e id u n g d e r B e s c h n e id u n g “ . H ie r w ird k o n te x tb e z o g e n e rn e u t d ie B e s c h n e id u n g a ls S y n o n y m fü r d ie E in s c h r ä n k u n g v e rw e n d e t (s o w ie in Die Presse u n d in d e r Kronen Zeitung). Im e rs te n S a tz m a c h t R a in e r d e u tlic h , w o ru m e s s ic h s e in e r A n s ic h t n a c h b e im K ö ln e r U rte il h a n d e lt - n ä m lic h u m „ le tz te V e rs c h ie b u n g e n im F r e i h e its r a u m z w isc h e n M e n s c h u n d G o tt .“ 291 F ü r ih n b irg t d a s U rte il d ie G e fa h r - im T e x t h e iß t e s „ a u s re ic h e n d Z ü n d s to ff“ - d a ss e in W e ltb ild v e r s c h w in d e t, d a s so a lt w ie d ie M e n s c h h e it is t , in d e m d e r M e n s c h , d e r s ic h a u f e in g ö tt lic h e s W e s e n b e ru ft , d a s L e b e n m it R itu a le n g e s ta lte t . R a in e r b e h a n d e lt d ie s b e z ü g lic h d a s P ro b le m d e r M e n s c h e n re c h te u n d fo rm u l ie r t , d a ss M e n s c h e n re c h te ü b e r re lig iö s e R e c h te g e h en . D ie s im p liz ie r t e in e T re n n u n g z w is c h e n b e id e n R e c h te n , w a s n ic h t k o r r e k t is t , d a d a s R e c h t a u f R e lig io n s fre ih e it a u c h M e n s c h e n re c h te d a rs te l le n . E in e rse its w ird e x p liz it b e h a u p te t, d a ss d e r S p ru c h d ie R e lig io n s fre ih e it b e i „ d e r im W e s te n u n te r G e n e r a lv e rd a c h t s te h e n d e n G r o ß g r u p p e m o s le m is c h e r B ü rg e r“ u n d „ b e i d e n Ju d e n , d e re n F r e ih e it z u le tz t v o n D e u t s c h e n u n d Ö s te r re ic h e rn in m illio n e n fa c h e m M o rd b e e n d e t w o r d e n w a r “ , b e tr if f t . D ie s im p liz ie r t a n d e re rs e its , d a ss d ie s e T a ts a c h e n la u t A u to r d ie B e s c h n e id u n g s d e b a tte so s c h w ie r ig , w e n n n ic h t u n m ö g lic h m a c h e n . F ü r d e n A u to r is t e s s p a n n e n d , d a ss es in M itte le u ro p a R ic h te r g ib t, d ie „ g e g e n G o tt u n d fü r d e n M e n s c h e n e n ts c h ie d e n h a b e n “ 292 w a s w ie d e ru m im p liz ie r t , d a ss es s ic h b e i r itu e lle r B e s c h n e id u n g u m G o tte s G e b o t h a n d e lt , d a s g e g e n d e n M e n s c h e n g e r ic h te t is t - in d ie s e m F a ll d ie E rh a ltu n g d es B u n d e s m it G o tt. D ie A sp e k te d es d e u tsc h e n U rte ils s in d e rs ta u n lic h , so d e r A u to r , w e il es n ic h t so la n g e h e r is t , d a ss a lle s „ p e r G o tte s g n a d e n tu m “ 293 b e h e rrs c h t u n d d ie k ö r p e r lic h e Z ü c h tig u n g d e r K in d e r a ls M e n s c h e n re c h t v e rs ta n d e n w u rd e . A ll d a s is t fü r R a in e r d a s Z e ic h e n e in e r la iz is tis c h e n G e s e lls c h a ft , d ie v ie lle ic h t d o c h s c h o n z u w e it g e g a n g e n is t , w e il e in d e u tsc h e s G e r ic h t in d e n „ h ö c h s tp e rs ö n lic h e n re lig iö s e n B e r e ic h “294 e in g r iff . In K la m m e r e r 6.5 Analyse der Artikel im Profil 291 P r o f i l , R a i n e r , 0 2 . 0 7 .2 0 1 2 , 1 1 . 292 P r o f i l , R a i n e r , 0 2 . 0 7 .2 0 1 2 , 1 1 . 293 P r o f i l , R a i n e r , 0 2 . 0 7 .2 0 1 2 , 1 1 . 294 P r o f i l , R a i n e r , 0 2 . 0 7 .2 0 1 2 , 1 1 . 205 w ä h n t R a in e r d a s G e g e n b e is p ie l a u s d e m K a th o lis c h e n B e r e ic h - d ie E n t s c h e id u n g d es E u ro p ä is c h e n G e r ic h ts h o fe s fü r M e n s c h e n re c h te , d e r A n d e rs - o d e r U n g lä u b ig e n ic h t v o r K ru z if ix e n s c h ü tz te n w ill u n d s te llt a b s c h lie ß e n d d ie F ra g e , o b a u c h in d ie s e r C a u sa e in e ä h n lic h e R ic h tu n g a b s e h b a r is t. Im le tz te n S a tz s te llt e r fe s t , d a ss d ie W e lts ä k u la r is ie ru n g s ic h e r k e in e E in b a h n s tra ß e is t .295 B e z u g n e h m e n d a u f d ie s e n L e ita r t ik e l s c h r ie b B r ig itte S te in e r e in e n L e s e r b r ie f . In d ie s e m h e iß t e s e x p liz it , d a ss d a s T h e m a B e s c h n e id u n g „ n a tü r lic h e in h e ik le s is t , d a es u m Ju d e n u n d M u s lim e g e h t“ 296 u n d s te llt d ie F ra g e , o b m a n d a s b e rü c k s ic h t ig e n so llte . Im p liz it s u g g e r ie r t s ie d ie s b e z ü g lic h e in e n e g a t iv e A n tw o rt. In te re s s a n te rw e is e is t d ie A u to r in d e r M e in u n g , d a ss d ie F r a u e n ü b e r d ie B e s c h n e id u n g e n ts c h e id e n u n d d e s h a lb u m d e n k e n m ü ss e n . Im le tz te n S a tz g ib t s ie b e k a n n t, d a ss ih r V a te r Ju d e w a r u n d a ls Ju d e g e s to rb e n se i u n d e r s ic h d e m Ju d e n tu m s e h r n a h e fü h le .297 M ö g lic h e rw e is e w o llte S te in e r m it d ie s e m H in w e is im p liz it v e rd e u tli c h e n , d a ss ih re M e in u n g n ic h t a n tis e m itis c h s e in k a n n . W ie Die Presse v e rö ffe n t lic h te a u c h Profil e in In te rv ie w m it d e m W ie n e r G e m e in d e ra b b in e r S c h lo m o H o fm e is te r . F ü r ih n w ü rd e e in m ö g lic h e s V e rb o t d e r r itu e lle n B e s c h n e id u n g d a s L e b e n fü r Ju d e n u n m ö g lic h m a c h e n . H o fm e is te r b e a n tw o rte te F r a g e n b e z ü g lic h A u s b ild u n g z u m M o h e l u n d ü b e r d ie Z e itn ä h e b z w . d ie k o n s titu tiv e B e d e u tu n g d ie se s R itu a ls fü r Ju d e n . A u f d ie le tz te F r a g e , o b e r d a s K ö ln e r U rte il a ls a n t is e m it is c h b e z e ic h n e n w ü rd e , a n tw o r te te H o fm e is te r , d a ss e r s ic h a u f d ie s e D isk u s s io n n ic h t e in la s s e n w o lle - e s se i a b e r e in a n tire lig iö s e s . W e ite r s n a n n te e r z w e i B e is p ie le a u s d e r G e s c h ic h te , d ie a u c h im In te rv ie w m it Die Presse g e n a n n t w u rd e n : D a s s d ie T o d e s s tr a fe im a n tik e n R o m u n d b e i d e n N a z is d ie Ju d e n n ic h t a b h a lte n k o n n te n , ih re S ö h n e z u b e s c h n e id e n - w o m it g e z e ig t w e rd e n s o ll , d a ss e in K ö ln e r U rte il - h a rm lo s im G e g e n s a tz z u r T o d e s s tra fe u n d V e r fo lg u n g - d a s b e s t im m t n ic h t s c h a ffe n w e r d e .298 T in a G o e b e l s c h r ie b e in e n A rtik e l d e r p r im ä r d ie n e g a t iv e n F o lg e n d e r r i tu e lle n B e s c h n e id u n g h e rv o rh e b t u n d a u s s c h lie ß lic h a u f d ie se a u fm e rk s a m m a c h t. D e r A rtik e l trä g t d e n T ite l „ L e n d e n s c h u tz “ w a s m it S ch u tz d e r G e s c h le c h ts te ile a s s o z iie r t w e rd e n k a n n . Im T e x t e rw ä h n t d ie A u to r in d ie a n tire lig iö s e n A b s ic h te n m a n c h e r M e n s c h e n d ie b e h a u p te n , d a ss d u rc h d ie S tra fb a rk e it d e r r itu e lle n B e s c h n e id u n g „ o h n e h in a n g e fe in d e - 295 V g l . P r o f i l , R a i n e r , 0 2 . 0 7 .2 0 1 2 , 1 1 . 296 V g l . P r o f i l , S t e i n e r , 2 3 . 0 7 .2 0 1 2 , 9 . 297 V g l . P r o f i l , S t e i n e r , 2 3 . 0 7 .2 0 1 2 , 9 . 298 V g l . P r o f i l , E s i s t e i n a n t i r e l i g i ö s e s U r t e i l , 1 6 . 0 7 .2 0 1 2 , 7 6 . 2 0 6 te n R e lig io n e n Z u rü c k g e b lie b e n h e it u n d B a rb a re i u n te rs te llt w e rd e n s o ll te n ." H ie r w ird d ie F e in d s c h a ft z w is c h e n Ju d e n tu m u n d Is la m e x p liz it th e m a tis ie r t . D a s A d v e rb „ o h n e h in " d e u te t d a ra u f h in , d a ss d ie s e s o w ie s o a n g e fe in d e t s in d . S ie b e z ie h t s ic h a u f d ie a n g e b lic h e n m e d iz in is c h e n V o r te ile d e r B e s c h n e id u n g u n d z e ig t , d a ss d ie se e h e r f r a g w ü r d ig s in d u n d es m e h r N a c h - a ls V o rte ile g ib t. A u f d ie B e s o rg th e it d es W ie n e r G e m e in d e ra b b in e rs u n d V e r tr e te r d es I s la m s o w ie d ie re lig iö s e B e d e u tu n g d e r r itu e l le n B e s c h n e id u n g im Ju d e n tu m u n d im Is la m w u rd e im w e ite r e n T e x t e in g e g a n g e n . D e n U rs p ru n g d e r B e s c h n e id u n g s ie h t d ie A u to r in in d e r K o n tro lle d e r S e x u a litä t v o n F r a u e n u n d S k la v e n s o w ie in h y g ie n isc h e n G r ü n d e n . L e tz te re s in d a lle rd in g s in M itte le u ro p a u n s e re r Z e it n ic h t m e h r v e r tre tb a r . D ie A u to r in b e h a n d e lt im w e ite r e n T e x t z ie m lic h a u s fü h r lic h v e rs c h ie d e n e P u n k te in B e z u g a u f d ie a n g e b lic h e n m e d iz in is c h e n V o rte ile d e r B e s c h n e id u n g u n d b e s tr e ite t d ie se in d e m s ie s ich a u f d ie A u s sa g e n m a n c h e r Ä rz te b e ru ft . S ie z it ie r te e in e n W ie n e r G y n ä k o lo g e n , d e r d ie B e s c h n e id u n g m it e in e r s e x u e lle n V e rs tü m m e lu n g g le ic h s e tz t b z w . e x p liz it b e to n t, d a ss e s n ic h t v e rw u n d e r lic h se i, d a ss „ d e u tlic h s e x u a lfe in d lic h e R e lig io n e n B e s c h n e id u n g e n d u r c h fü h r e n ." 299 D u rc h d ie se A u s sa g e s in d Ju d e n tu m u n d Is la m a ls s e x u a lfe in d lic h c h a ra k te r is ie r t . D ie A u to r in u n te rs tr e ic h t a b e r im n ä c h s te n A b sc h n itt , d a ss d ie s „ fre ilic h k e in e s fa lls b lo ß fü r Is la m u n d Ju d e n tu m " 300 g ilt, s o n d e rn , d a ss d ie P ra x is d e r B e s c h n e id u n g a u c h im p u r ita n is c h e n E n g la n d d es 1 9 . Jh . d u rc h g e fü h rt w u rd e , u m d e n M ä n n e r n d ie L u s t a n d e r S e lb s tb e fr ie d ig u n g e in z u d ä m m e n . S ie m a c h t d e u tlic h , d a ss s e it 2 0 0 9 im m e r m e h r g e g e n d ie B e s c h n e i d u n g p ro te s t ie r t w ird , u .a . a u c h in Isra e l. S o m it m ö c h te G o e b e l ü b e r u n te rs c h ie d lic h e M e in u n g e n in n e rh a lb jü d is c h e r G e m e in d e n in fo rm ie re n . Im le tz te n A b s c h n itt ih re s A rtik e ls e rw ä h n t s ie d e n S c h ö n h e itsw a h n , d e m v ie le u n te r lie g e n u n d s ic h a u s ä s th e tis c h e n G r ü n d e n b e s c h n e id e n la s se n .301 E y ta n R e if , d e r u n te r s e in e m N a m e n a u c h s e in e M itg lie d s c h a ft im V o r s ta n d d e r In it ia t iv e R e lig io n is t P r iv a ts a c h e e rw ä h n t, s c h r ie b ü b e r d ie se n A r tik e l e in e n L e s e rb r ie f u n d a p p e llie r te fü r d e n V o rg a n g d es R e c h te s d es K in d e s a u f k ö r p e r lic h e U n v e rs e h r th e it u n d k ü n ftig e R e lig io n s w a h l v o r d e m R e c h t d e r E lte rn a u f R e lig io n s fre ih e it . S c h lie ß lic h ä u ß e r te e r s e in e 299 P r o f i l , G o e b e l , 1 6 . 0 7 .2 0 1 2 , 7 4 . 300 P r o f i l , G o e b e l , 1 6 . 0 7 .2 0 1 2 , 7 4 . 301 V g l . P r o f i l , G o e b e l , 1 6 . 0 7 .2 0 1 2 , 7 5 . 207 M e in u n g b e z ü g lic h d e r c h r is t l ic h e n T a u fe . A u c h d a s R e c h t e in e s E rw a c h s e n e n , a ls S ä u g lin g n ic h t g e ta u ft w o rd e n z u s e in , s o ll la u t R e if g e lte n .302 E in e n A rtik e l ü b e r d ie B e s c h n e id u n g a u s fe m in is t is c h e r P e rsp e k tiv e , w a s e x p liz it a m T e x ta n fa n g e rw ä h n t w u rd e , s c h r ie b T e ss a S z y s z k o w itz , e in e , w ie s ie p a ra d o x fo rm u lie r t , z u m Ju d e n tu m k o n v e r tie r te „ F e m in is t in u n d A th e is t in .“ 303 S ie e rz ä h lt ih re p e rs ö n lic h e G e s c h ic h te ü b e r d ie r itu e lle B e s c h n e id u n g ih re s S o h n e s - ü b e r ih re E m o tio n e n u n d R e a k t io n e n in e rs te r L in ie a ls M u tte r u n d a ls F ra u , fü r d ie d ie se s R itu a l e in d e u tig e in M ä n n e r r itu a l d a rs te llt u n d d e r e n M a c h t d e m o n s tr ie r t . S ie b e tra c h te t d a s R itu a l id e o lo g is c h u n d k o n s ta tie r t , d a ss es d e n re lig iö s e n A u to r itä te n im m e r u m d ie v o llk o m m e n e K o n tro lle d e r G e s e lls c h a ft u n d ih re r P o s it io n g e g a n g e n ist. D ie A u to r in v e rw e n d e t in d ie s e m Z u s a m m e n h a n g d e n e n g lis c h e n A u s d ru c k „riot control", w a s A u s s c h re itu n g s - b z w . K ra w a lle n -K o n tro lle b e d eu te t. B e z ü g lic h h is to r is c h e r B e d e u tu n g d e r B e s c h n e id u n g s ie h t s ie d ie se s R itu a l a ls F o r ts c h r itt , d a es d a s M e n s c h e n o p fe r e r s e tz t h a t u n d s te llt s a rk a s tis c h fe s t , d a ss 3 0 0 0 Ja h r e s p ä te r „ e in b is s e r l R e fo rm s e in d a rf.“ 304 A ls V o rb ild fü r e in e m ö g lic h e R e fo rm n e n n t s ie L o n d o n [g e m e in t s in d re fo rm ie r te jü d is c h e G e m e in d e n ; A n m . d e r A u to r in ] , w o d ie se n ic h t a u to m a tis c h a ls „ v e rk a p p te r G e n o z id -V e rs u c h v e rs ta n d e n “305 w ird . D ie se A u s sa g e w ird s in n in d u k tiv b e n u tz t, u m s ic h in d ire k t a u f m a n c h e R e a k tio n e n in D e u ts c h la n d u n d Ö s te r re ic h b e z ü g lic h K ö ln e r U rte ils b z w . e in e s m ö g lic h e n B e s c h n e id u n g s v e rb o te s in d ie s e n L ä n d e r n z u b e z ie h e n . S ie z e ig t d e u tlic h , w ie s c h w ie r ig e s is t , in d e n e h e m a lig e n L ä n d e r n d es N a z ire g im e s d a rü b e r z u d is k u tie re n u n d s te llt fe s t , d a ss „ e in e jü d is c h e Z e re m o n ie b e d e u te t in W ie n e b e n a u c h , d a ss d ie Ju d e n H itle r ü b e r le b t h a b e n .“ 306 D e s w e g e n is t ih re r M e in u n g n a c h w ic h tig , d a ss e in e B e w e g u n g in n e rh a lb d e r jü d is c h e n u n d m u s lim is c h e n G e m e in d e n s ta ttf in d e t , d ie s ic h m it d ie s e r F ra g e in te n s iv e r a u s e in a n d e rs e tz te n w ü rd e n . A ls F e m in is t in a p p e llie r t s ie fü r d ie M a c h tü b e rg a b e a n F ra u e n , d e n e n „ in d e r F ra g e ,B u n d m it G o tt ' s c h o n e tw a s e in fa lle n w ü rd e , d a s a u c h s ie e in b e z ie h t .“ 307 In e in e m re s ig n ie re n d e n T o n s te llt s ie fe s t , d a ss M ä n n e r „ ih re m a c h ts i 302 V g l . P r o f i l , R e i f , 2 3 . 0 7 .2 0 1 2 , 8 . 303 V g l . P r o f i l , S z y s z k o w i t z , 3 0 . 0 7 .2 0 1 2 , 3 8 . 304 P r o f i l , S z y s z k o w i t z , 3 0 . 0 7 .2 0 1 2 , 3 9 . 305 P r o f i l , S z y s z k o w i t z , 3 0 . 0 7 .2 0 1 2 , 3 9 . 306 P r o f i l , S z y s z k o w i t z , 3 0 . 0 7 .2 0 1 2 , 3 9 . 307 P r o f i l , S z y s z k o w i t z , 3 0 . 0 7 .2 0 1 2 , 3 9 . 208 c h e rn d e n R itu a le “ b e s t im m t n ic h t a u fg e b e n w e rd e n . H ie r n u tz t d ie A u to r in d ie G e le g e n h e it , d ie C h r is t in n e n z u m o tiv ie re n , e tw a s g e g e n d ie M ä n n e rh e rrs c h a ft in d e r k a th o lis c h e n K irc h e z u tu n , u n d z w a r in e in e r d ra m a tis c h e n W e is e - s ie b e n u tz t d e n A u s d r u c k „ S tu rm la u fe n “ - u n d d u rc h d ie M e ta p h e r „ d ie B e s c h n e id u n g s d e b a tte z u m A n la ss n e h m e n , f r is c h e n W in d u n te r d ie G e b e ts s c h a ls , d ie G e b e ts te p p ic h e , d ie K o p ftü c h e r u n d P e rü c k e n z u b la s e n “, u n d a u c h M u s lim in n e n u n d Jü d in n e n d a z u z u m o tiv ie re n . D ie M e ta p h e r e r in n e r t a n d ie A u s sa g e d es P a p s te s Jo h a n n e s X X III ., d e r d a s II. V a t ik a n u m e in b e ru fe n h a tte , u m „ fr is c h e n W in d h e re in z u la s s e n “ b z w . d a s A g g io rn a m e n to (d e r B e g r if f w ird o ft m it „ V e rh e u tig u n g “ ü b e r s e tz t) , d ie Z e ic h e n d e r Z e it w a h r z u n e h m e n u n d a u f d ie se d e m e n ts p re c h e n d z u re a g ie re n . D ie A u s sa g e is t m .E . in s o fe rn p ro b le m a tis c h , w e il s ie im p liz ie r t , d a ss F r a u e n b e s s e r s in d a ls M ä n n e r u n d k e in e s w e g s a u f d ie Id e e k o m m e n w ü r d e n , s o lc h e R itu a le z u p ra k tiz ie re n . In d ie s e m Z u s a m m e n h a n g s o ll e r w ä h n t w e rd e n , d a ss d ie w e ib lic h e G e n ita lv e r s tü m m e lu n g (F G M ) in d e r R e g e l v o n F r a u e n d u rc h g e fü h rt w ird . D ie A u to r in b e to n t, d a ss e s „ e n d lic h a n d e r Z e it is t , in d e r M o d e rn e a n z u k o m m e n .“ 308 E in e v o m A u to r s e lb s t b e z e ic h n e te „ s k u r r ile G e s c h ic h te d e r n ic h tre lig iö s e n B e s c h n e id u n g “ e rz ä h lte G e o r g H o ffm a n n -O s te n h o f in e in e m A rtik e l v o m 0 6 .0 8 .2 0 1 2 . Im e rs te n S a tz b e h a u p te t d e r A u to r , d a ss „ w e r ü b e r B e s c h n e id u n g re d e t, ü b e r C o rn fla k e s n ic h t s c h w e ig e n d a r f .“ 309 E s g e h t u m Jo h n H a rv e y K e llo g g , d e r d ie C o rn fla k e s k r e ie r t h a t, u m m it s o lc h e n E ss e n d ie L u s t b e i d e n K o n s u m e n te n z u m in im ie re n . E r w a r e in e in f lu s s re ic h e r B e fü rw o r te r d e r o h n e B e tä u b u n g d u rc h g e fü h r te n B e s c h n e id u n g d e r B u b e n u n d m e in te u . a ., d a ss d ie V o rh a u t d ie Q u e lle d es Ü b e ls d a rs te llt . D e r A u to r b e to n t, d a ss e in V e rb o t d e r B e s c h n e id u n g e in „ g e fä h r lic h e r U n s in n “ w ä r e u n d d ie R e lig io n s fre ih e it V o rr a n g h a b e n m u ss . Im le tz te n A b sc h n itt k o n s ta tie r t d e r A u to r , d a ss h y g ie n isc h e u n d g e s u n d h e it l ic h e G r ü n d e fü r d ie B e s c h n e id u n g k e in e g ro ß e R e le v a n z m e h r h a b e n u n d s c h lie ß t m it e i n e r H y p e rb e l ab : „ M a n m u ss s c h o n fe s t d a ra n g la u b e n , d a ss G o tt w irk lic h w ill , d a ss d e m m ä n n lic h e n N a c h w u c h s m it d e m M e s s e r z u L e ib e g e rü c k t w ird .“ D ie A u s sa g e k a n n b e i d e r L e s e rs c h a ft d ie A s s o z ia tio n m it d e r a lt te s ta m e n tlic h e n E rz ä h lu n g d e r O p fe ru n g Isa a k s (G e n 2 2 ,1 -1 9 ) e rw e c k e n , e in e G e s c h ic h te , d ie in ih re r P ro b le m a tik v ie l A b le h n u n g u n d U n v e rs tä n d n is e r fä h r t. 308 P r o f i l , S z y s z k o w i t z , 3 0 . 0 7 .2 0 1 2 , 3 9 . 309 P r o f i l , H o f f m a n n - O s t e n h o f , 0 6 . 0 8 .2 0 1 2 , 5 8 . 209 Im Profil w u r d e n T h e m e n ru n d u m d ie B e s c h n e id u n g s d e b a tte ä h n lic h in te n s iv b e h a n d e lt , w ie d ie im Z u s a m m e n h a n g m it d e m G e d ic h t „ W a s g e s a g t w e rd e n m u s s " . In d e r B e r ic h te rs ta t tu n g w u rd e n fo lg e n d e P u n k te b e o b a ch te t: R e c h tlic h e u n d m e d iz in is c h e A sp e k te d e r r itu e lle n B e s c h n e id u n g , a b e r a u c h re lig iö s e B e d e u tu n g d e r s e lb e n fü r Ju d e n u n d M u s lim e w u rd e n z u m G e g e n s ta n d d e r A u s e in a n d e rse tz u n g . D a s T h e m a d e r B e s c h n e id u n g w u rd e m e h rm a ls a ls p ro b le m a tis c h u n d „ h e ik e l" b e s c h r ie b e n , w e il es s ic h „ u m Ju d e n u n d M o s le m s h a n d e lt ." 310 D ie s w u rd e d u rc h fo lg e n d e F o r m u lie ru n g e n d e u tlic h : M o s le m s w u rd e n in e in e m A rtik e l a ls d e rz e it „ im W e s te n u n te r G r o ß v e rd a c h t s te h e n d e G r o ß g r u p p e " 311 u n d Ju d e n b e z ü g lic h d e r V e rg a n g e n h e it a ls d ie je n ig e n b e s c h r ie b e n , „ d e r e n F r e ih e it z u le tz t v o n D e u ts c h e n u n d Ö s te r re ic h e rn in m illio n e n fa c h e m M o rd b e e n d e t w o rd e n w a r " 312; „ E in e jü d is c h e Z e re m o n ie b e d e u te t in W ie n e b e n a u c h , d a ss d ie Ju d e n H itle r ü b e r le b t h a b e n ." 313 In e in e m A rtik e l w u rd e d ie B e s c h n e id u n g m it O p fe r b z w . E rs a tz o p fe r (fü r M e n s c h e n o p fe r ) in V e rb in d u n g g e b ra ch t, w a s s in n in d u k tiv d ie L e s e r s c h a ft d a z u v e ra n la s s e n k a n n , d ie se a u f d ie g le ic h e E b e n e z u se tz e n . W ie in Die Presse, n u tz te n m a n c h e A u to re n u n d A u to r in n e n d ie A u s e in a n d e r s e tz u n g m it d ie s e m T h e m a , u m a n d e re z u b e h a n d e ln . Z u m B e is p ie l d ie K ru z if ix d e b a tte , M ä n n e r h e rrs c h a ft in d e r K a th o lis c h e n K irc h e , d a s R e c h t n ic h t g e ta u ft z u w e rd e n u sw . D a s T h e m a A n tis e m itis m u s w u rd e in e in e m A rtik e l e x p liz it e rw ä h n t u n d z w a r im In te rv ie w m it S c h lo m o H o fm e is te r u n d in e in e m a n d e re n im p liz it in d e m d ie S c h w ie r ig k e it e in e r D isk u s s io n ü b e r d ie se s T h e m a in D e u ts c h la n d u n d Ö s te r re ic h a u fg ru n d d e r V e rg a n g e n h e it th e m a tis ie r t w u rd e . D e r Is la m u n d d a s Ju d e n tu m w u rd e n in e in e m A rtik e l a ls „ o h n e h in a n g e fe in d e te " u n d „ s e x u a lfe in d lic h e " R e lig io n e n c h a ra k te r is ie r t .314 Ü b e r d a s T h e m a B e s c h n e id u n g w u rd e a u c h e in a u s fü h r lic h e r A rtik e l a u s d e r fe m in is t is c h e n P e r s p e k tiv e v e rö ffe n tlic h t .315 6.5.1 Zusammenfassung der Ergebnisse 310 P r o f i l , S t e i n e r , 2 3 . 0 7 .2 0 1 2 , 9 . 311 P r o f i l , R a i n e r , 0 2 . 0 7 .2 0 1 2 , 1 1 . 312 P r o f i l , R a i n e r , 0 2 . 0 7 .2 0 1 2 , 1 1 . 313 P r o f i l , S z y s z k o w i t z , 3 0 . 0 7 .2 0 1 2 , 3 9 . 314 V g l . P r o f i l , G o e b e l , 1 6 . 0 7 .2 0 1 2 , 7 4 . 315 S i e h e d a z u : P r o f i l , S z y s z k o w i t z , 3 0 . 0 7 .2 0 1 2 , 3 8 - 3 9 . 2 1 0 Im Profil w u rd e a u c h P la tz fü r s k u r r ile B e is p ie le im Z u s a m m e n h a n g m it B e s c h n e id u n g e in g e rä u m t, w ie d ie s d a s B e is p ie l m it K e llo g 's C o rn fla k e s v e ra n s c h a u lic h t .316 316 S i e h e d a z u : P r o f i l , H o f f m a n n - O s t e n h o f , 0 6 . 0 8 .2 0 1 2 , 5 8 . 211 7 Resümee A u s d e r v o rg e le g te n A n a ly s e d e r Z e itu n g s a r tik e l z u z w e i im Ja h r 2 0 1 2 m e d ia l b e g le ite te n D is k u s s io n e n - ru n d u m d a s G e d ic h t „Was gesagt wer den muss" u n d d e r B e s c h n e id u n g s d e b a tte - k a n n fe s tg e s te llt w e rd e n , d ass d ie d re i a u s g e w ä h lte n M e d ie n ü b e r d ie se z u m T e il s e h r u n te rs c h ie d lic h b e r ic h te te n . W ä h r e n d a u f d e r e in e n S e ite d ie m e is tg e le s e n e T a g e s z e itu n g in Ö s te r re ich , Kronen Zeitung, im Z u s a m m e n h a n g m it d ie s e n T h e m e n ih re m S til tr e u b lie b u n d d ie B e r ic h te rs ta t tu n g a u f k ü rz e re A rtik e l b e s c h r ä n k te , b o t Profil s e in e r L e s e rs c h a ft e in e a u s fü h r lic h e re A u s e in a n d e rse tz u n g . M it d e u tlic h e m A b sta n d w a r d ie In te n s itä t u n d d ie V ie lfä lt ig k e it d e r B e r ic h t e rs ta t tu n g in d e r T a g e s z e itu n g Die Presse z u b e o b a c h te n . In a l le n d re i M e d ie n w u rd e n z u m e rs te n T h e m e n s c h w e rp u n k t (G r a s s ' G e d ic h t „ W a s g e s a g t w e rd e n m u s s “ ) in m a n c h e n T e x te n d e u tlic h m e h r E le m e n te d es s e k u n d ä re n A n tis e m itis m u s g e fu n d e n , a ls d ie s im Z u s a m m e n h a n g m it d e m z w e ite n d e r F a ll w a r . D a s k a n n d a ra u f z u r ü c k g e fü h r t w e r d e n , d a ss e s s ic h b e im e rs te n T h e m e n s c h w e rp u n k t u .a . u m d ie T h e m e n N a h o s tk o n flik t b z w . Is ra e lk r it ik h a n d e lt , w e lc h e n ic h t s e lte n a ls V o rw a n d b e n u tz t w e rd e n , u m a n tis e m itis c h e B ild e r z u tra n s p o rtie re n . E s s o ll h e rv o rg e h o b e n w e rd e n , d a ss d ie B e s c h n e id u n g s d e b a tte im d e u ts c h s p ra c h ig e n R a u m s e h r in te n s iv g e fü h rt w u rd e u n d k e in e s fa lls a ls e in „ S o m m e r lo c h th e m a “ b e z e ic h n e t w e rd e n k a n n , w ie s ie v o n e in ig e n d er D is p u ta n tIn n e n c h a ra k te r is ie r t w u rd e . In d ie s e m Z u s a m m e n h a n g s o ll d e r - n o c h v o r d e r B e s c h n e id u n g s d e b a tte e r s c h ie n e n e - B e itra g v o n A lfre d B o d e n h e im e r e rw ä h n t w e rd e n , in d e m b e h a u p te t w ird , d a ss d e r W e r te w a n d e l in d e r w e s tlic h e n Ö ffe n t lic h k e it fü r d ie Ju d e n d o rt z u m P ro b le m w e rd e n k a n n , „ w o s ic h d ie F r e ih e it d e s In d iv id u u m s in d e r a llg e m e in e n W a h r n e h m u n g w e r te m ä ß ig ü b e r d ie F r e ih e it v o n re lig iö s e n G e m e in s c h a f te n z u s c h ie b e n b e g in n t.“ 317 G e n a u d a s w u rd e in d e r A n a ly s e d e r A rtik e l b e o b a c h te t . In d e r m e d ia le n Z u s p itz u n g z u m T h e m a B e s c h n e id u n g w u rd e d a s R e c h t d es K in d e s a u f k ö rp e r lic h e U n v e rs e h r th e it m e h rh e it lic h ü b e r d a s R e c h t a u f fre ie R e lig io n s a u s ü b u n g u n d d ie re lig iö s e E rz ie h u n g g e s te llt . E in e rse its is t es w ic h tig , d a ss e in ö ffe n tlic h e r D isk u rs z u d e n T h e m e n im Z u s a m m e n h a n g m it Ju d e n tu m s o w ie A n tis e m itis m u s s ta ttf in d e t u n d a n d e re rse its , d a ss in d e n M e d ie n a u fg e z e ig t w ird , w o d ie G e fa h r a n t is e m it i s c h e r R e s se n tim e n ts b e s te h t . O b w o h l in s e h r u n te rs c h ie d lic h e r In te n s itä t , w u rd e d ie s in a lle n d re i u n te rs u c h te n M e d ie n z u m G e g e n s ta n d d e r B e 317 B o d e n h e i m e r 2 0 1 2 , 1 6 6 . 213 r ic h te rs ta ttu n g . In d ie s e m K o n te x t k o n n te e in e rs e its d ie P rä se n z s te r e o ty p e r B ild e r g e g e n ü b e r Ju d e n b e o b a c h te t w e rd e n , a n d e re rs e its a b e r a u c h e in e k la re D is ta n z ie ru n g v o n s o lc h e n . E s is t d ie A u fg a b e d e r M e d ie n , a u f d ie S p ra c h e u n d S tilm itte l z u a c h te n , d ie d e r L e s e rs c h a ft m ö g lic h e rw e is e a u c h u n b e w u s s t o d e r s in n in d u k tiv V o ru r te ile g e g e n ü b e r Ju d e n u n d a n d e re n M in d e r h e ite n tra n s p o rtie re n . D a d e r „ n e u e “ A n tise m itism u s in Ö s te r re ic h k e in in e rs te r L in ie m a n ife s te r , s o n d e rn e in la te n te r is t318, is t se in e P rä se n z in d e n M e d ie n n ic h t im m e r e in d e u tig e rk e n n b a r . D a rü b e r h in a u s s o ll d ie L e s e rs c h a ft s e n s ib ilis ie r t w e rd e n , d ie G r e n z e n z w is c h e n e in e r s a c h lic h -k r it is c h e n u n d e in e r a n t is e m it is c h e n Ä u ß e r u n g z u e rk e n n e n . D ie s w u rd e in s b e s o n d e re in d e n A r tik e ln Die Presse u n d d es Profils b e o b a c h te t . D ie A n a ly s e h a t u .a . g e z e ig t , d a ss d ie se z w e i D is k u s s io n e n v o n m a n c h e n A u to r In n e n z u m A n la ss g e n o m m e n w u rd e n , u m d a s T a b u d es a n tis e m i t is c h e n Ä u ß e rn s z u b re c h e n . V ie le a n tis e m itis c h e E le m e n te in d e n u n te r s u c h te n M e d ie n h a b e n d e n E in g a n g „ v o n a u ß e n “ g e fu n d e n b z w . w u rd e n d u rc h d ie L e s e rb r ie fe tra n s p o rtie r t . S e lb s tv e r s tä n d lic h is t d ie fre ie M e i n u n g s ä u ß e ru n g in e in e r D e m o k ra tie v o m h o h e n W e r t - e s b e d a r f a b e r d ie s b e z ü g lic h m e h r K o m m e n ta re s e ite n s d e r R e d a k tio n d a m it e in e k la re D is ta n z ie ru n g v o n d ie s e n tra n s p a re n t w ird . A n s o n s te n k a n n d ie S c h w e i g e s p ira le s o lc h e Ä u ß e r u n g e n n o c h m e h r b e k r ä ft ig e n . In sb e s o n d e re in d e r Kronen Zeitung b l ie b e n e in ig e a n tis e m itis c h e Ä u ß e r u n g e n b z w . Z ita te u n k o m m e n tie r t . D a s e r s c h w e r t d e r L e s e rs c h a ft d ie M ö g lic h k e it , d ie E in s te l lu n g d es M e d iu m s d e m A n tis e m itis m u s g e g e n ü b e r e in d e u tig z u e rk e n n e n u n d ü b e r lä s s t ih n e n d ie In te rp re ta t io n s o lc h e r In h a lte (S in n in d u k tio n ). E s b e s te h t e in e g e s e lls c h a ft l ic h e N o tw e n d ig k e it , a l le F o r m e n d es A n tis e m itis m u s z u b e s e it ig e n u n d in d e r B e v ö lk e ru n g e in B e w u s s ts e in z u s c h a f fe n , d a s fre i v o n s te r e o ty p e n Z u sc h re ib u n g e n u n d V o re in g e n o m m e n h e it e in fr ie d lic h e s M ite in a n d e r e rm ö g lic h t .319 318 S i e h e d a z u : H ö d l , L a m p r e c h t 2 0 0 5 , 1 - 2 . 319 S i e h e d a z u : B e n z 2 0 0 1 , 1 2 9 - 1 4 2 . 214 Quellen D ie P re ss e T h e m e n s c h w e rp u n k t 1 : G e d ic h t : „ W a s g e s a g t w e rd e n m u s s “ E N G E L B E R G , M a rtin : U n d w a s is t m it G ü n te r G ra ss ? D a s g ro ß e A c h s e l z u c k e n in Is ra e l, 1 7 .0 4 .2 0 1 2 , 27 . F E R K , Ja n k o : A d o rn o h a t re c h t: K e in e d r ittk la s s ig e n P o litg e d ic h te , b it te ! , 0 6 .0 4 .2 0 1 2 , 31 . F L E IS C H H A C K E R , M ich a e l: E in e G e s c h ic h te , d ie e rz ä h lt w e rd e n w ill , 0 7 .0 4 .2 0 1 2 , 1 . G A U L H O F E R , K a rl: G e d ic h t w ie e in e B o m b e : G r a s s s c h re ib t g e g e n Isra e l a n , 0 5 .0 4 .2 0 1 2 , 27 . G E E T S , S io b h a n : G ü n te r G r a s s s ie h t s ic h a ls O p fe r e in e r K a m p a g n e , 0 7 .0 4 .2 0 1 2 , 24 . G R A S S , G ü n te r : D a s G e d ic h t : „ W a s g e s a g t w e rd e n m u s s “ , 0 5 .0 4 .2 0 1 2 , 27 . G r a s s : „ N ic h t a n tis e m itis c h , a b e r b e d a u e rn s w e r t“ ?, 0 6 .0 4 .2 0 1 2 , 29 . G R IG A T , S te p h a n : G a n z k n a p p v o r U n g a rn , 2 2 .0 9 .2 0 1 2 , 44 . H A M A N N , S ib y lle : W e n n e s k e in e D e n k v e r b o te g ib t, d a n n m u ss m a n s ie h a lt e r f in d e n , 1 1 .0 4 .2 0 1 2 , 3 1 . H Ö G E L S B E R G E R , H e in z : G r a s s h a t D is k u s s io n b e le b t . L e s e rb r ie f , 1 5 .0 4 .2 0 1 2 , 4 6 . K N A U L , S u s a n n e : K r it ik a n E in re is e v e r b o t fü r G ra ss „ Is ra e l h a t h y s te r is c h re a g ie r t“ , 1 0 .0 4 .2 0 1 2 , 5 . K R A M A R , T h o m a s : G ü n te r G ra ss h ä tte s c h w e ig e n s o lle n , 0 5 .0 4 .2 0 1 2 , 27 . K U M E R , R e g in e S .: G r a s s h a t D is k u s s io n b e le b t . L e s e rb r ie f , 1 5 .0 4 .2 0 1 2 , 4 6 . M A Y E R , N o rb e rt: G ü n te r G r a ss , 0 8 .0 4 .2 0 1 2 , 45 . M A Y E R , N o rb e rt: N a c h sc h la g : Ic h b in d e r D ic h te r G ra ss u n d la ss je tz t e i n e n S *** *s , 0 7 .0 4 .2 0 1 2 , 23 . N ic h t s c h o n w ie d e r G r a s s , 3 0 .0 9 .2 0 1 2 , 2 . S C H A U E R , S a b in e : W a h r h e it is t s c h m e rz h a ft . L e s e rb r ie f , 1 5 .0 4 .2 0 1 2 , 46 . 8 Literaturverzeichnis 215 S IM O N , A n n e -C a th e r in e : G r a s s u n d d ie T o rh e it d e r In te lle k tu e lle n , 0 8 .0 4 .2 0 1 2 , 6 . U L T S C H , C h ris tia n : D e r V o lk s v e r s tä rk e r , 0 8 .0 4 .2 0 1 2 , 1. U L T S C H , C h ris tia n : W e ttb e w e r b d e r N a rre n , 1 0 .0 4 .2 0 1 2 , 5. T h e m e n s c h w e rp u n k t 2 : B e s c h n e id u n g s d e b a tte A L M , N ik o : D ie R e lig io n s fre ih e it d a r f n ic h t b e s c h n it te n w e rd e n , 0 5 .0 7 .2 0 1 2 , 26 . Ä rz te d ü rfe n b e s c h n e id e n , 0 5 .0 3 .2 0 1 3 , 1 0 . B e s c h n e id u n g b le ib t in D e u ts c h la n d e r la u b t, 1 3 .1 2 .2 0 1 2 , 28 . B e s c h n e id u n g : K irc h e n fo rd e rn R e g ie ru n g s s ta te m e n t, 2 8 .0 7 .2 0 1 2 , 3. B e s c h n e id u n g : M e d iz in e r w o lle n S c h u tz a lte r v o n 1 6 Ja h re n , 0 2 .0 8 .2 0 1 2 , 2. C H O R H E R R , T h o m a s : D ie V o rh a u t im S o m m e r lo c h o d er : U n s e re S o rg e n m ö c h t ' ic h h a b e n , 3 0 .0 7 .2 0 1 2 , 22 . D Ö N M E Z , E fg a n i: W a s p a s s ie r t , w e n n m a n B e s c h n e id u n g v e rb ie te t? L e s e r b r ie f , 1 3 .0 7 .2 0 1 2 , 30 . D Ö N M E Z , E fg a n i: G e s e tz lic h e s V e rb o t w ä r e e in A ffro n t, 1 5 .0 7 .2 0 1 2 , 4 3 . E N G E L B E R G , M a tin : D ie B e s c h n e id u n g a ls K a s tr a t io n d e r F a n ta s ie v o m L e b e n im P a ra d ie s , 1 0 .0 7 .2 0 1 2 , 27 . E N G E L B E R G , M a rtin : F r a g w ü rd ig e B e s c h n e id u n g s e x p e r te n , 0 7 .0 8 .2 0 1 2 , 2 7 . F U C H S , H e lm u t: B e s c h n e id u n g : R e lig io n s fre ih e it e r la u b t n ic h t a lle s , 3 0 .0 7 .2 0 1 2 , 9 . H A M A N N , S ib y lle : E in k le in e r S c h n itt u n d s e in e g ro ß e n F o lg e n , 0 4 .0 7 .2 0 1 2 , 27 . H O F M E IS T E R , S c h lo m o : Ich w e rd e w e ite r b e s c h n e id e n , 1 5 .0 7 .2 0 1 2 , 4 5 . K N A U L , S u s a n n e : V ie le w o lle n s ic h m it B e s c h n e id u n g f re ik a u fe n , 2 1 .0 7 .2 0 1 2 , 21 . K O T R S C H A L , K u rt: M it F e d e rn , H a u t u n d H a a r . R e lig io n s fre ih e it o d e r K in d e s m is s h a n d lu n g ? , 2 4 .0 7 .2 0 1 2 , 26 . K R A M A R , T h o m a s . E in h e ik le s U rte il : B e s c h n e id u n g is t s tra fb a r , 2 8 .0 6 .2 0 1 2 , 27 . K R U G , D ie tm a r : B e s c h n e id u n g , 2 9 .0 7 .2 0 1 2 , 10 . P R Ü L L E R , M ich a e l: B e s c h n e id u n g II., 0 8 .0 7 .2 0 1 2 , 4 3 . 2 1 6 P R Ü L L E R , M ich a e l: C u ltu re C la sh . P ro te u s m ira b ilis , 0 1 .0 7 .2 0 1 2 , 4 3 . S C H IL C H E R , B e rn d : V o n re lig iö s e n A n a lp h a b e te n u n d e in fa lls lo s e n Ju r is te n , 1 0 .0 8 .2 0 1 2 , 31 . S C H Ü T Z , W o lfg a n g : V e rs u c h te B e s c h n e id u n g d e r R e lig io n s fre ih e it , 1 4 .1 2 .2 0 1 2 , 38 . S T E IN E R , B e tt in a : S e e le n h e il , 0 5 .0 8 .2 0 1 2 , 34 . S T R N A D , Irm g a rd , L e s e rb r ie f , 1 4 .0 7 .2 0 1 2 , 29 . T A S C H N E R , R u d o lf: Je tz t e n d lic h h a b e n w ir s ie !, 2 8 .0 7 .2 0 1 2 , 37 . W A L I, N a je m : D ie M a c h t u n d d ie M e s s e r , 2 1 .0 7 .2 0 1 2 , 31 . W A L L N E R , E r ich : L e s e rb r ie f , 1 4 .0 7 .2 0 1 2 , 28 . W E ID IN G E R , K a rl: T e u fe lsk re is R e lig io n s fre ih e it : E in G ö tz e n a m e n s T o le ra n z , 1 8 .0 7 .2 0 1 2 , 26 . W E IS E R , U lr ik e : K e in e fa ls c h e S c h a m , 2 9 .0 7 .2 0 1 2 , 1 . W IN K L E R , H a n s : F r e ih e it f ü r d ie R e lig io n e n o d e r F r e ih e it v o n R e lig io n ? , 1 6 .0 7 .2 0 1 2 , 22 . Z E IT Z , C h ris tia n : B e s c h n e id u n g u n d R e lig io n s fre ih e it : K e in e fa u le n K o m p r o m is s e !, 2 7 .0 7 .2 0 1 2 , 30 . Kronen Zeitung T h e m e n s c h w e rp u n k t 1 : G e d ic h t : „ W a s g e s a g t w e rd e n m u s s “ F E K E S A , K u rt: G ü n te r G ra ss u n d d e r W e ltfr ie d e n . L e s e rb r ie f , 0 8 .0 4 .2 0 1 2 , 3 4 . H e lle A u fre g u n g u m e in G e d ic h t d es d e u ts c h e n N o b e lp re is trä g e rs fü r L ite ra tu r , G ü n te r G ra ss , 0 5 .0 4 .2 0 1 2 , 4 . JE A N N E E , M ich a e l: L ie b e r G ü n te r G r a ss , 0 6 .0 4 .2 0 1 2 , 18 . S E IN IT Z , K u rt: Ira n s R e g im e in Ju b e ls t im m u n g , 0 6 .0 4 .2 0 1 2 , 4 . S E IN IT Z , K u rt: W ic h tig m a c h e r G ra ss e rn te t d ie g e w ü n s c h te E m p ö ru n g , 0 6 .0 4 .2 0 1 2 , 4 . S E IN IT Z , K u rt: G r a s s - M e is te r „ lin k e r“ D o p p e lm o ra l“ , 1 0 .0 4 .2 0 1 2 , 4 . S E IN IT Z , K u rt: Is ra e l m a c h t G ra ss z u m M ä rty r e r , 1 0 .0 4 .2 0 1 2 , 5 . 217 T h e m e n s c h w e rp u n k t 2 : B e s c h n e id u n g s d e b a tte B e ih ilfe z u r K ö rp e rv e r le tz u n g , 1 6 .0 7 .2 0 1 2 , 4. B e s c h n e id u n g . D e u ts c h e s U rte il h e ft ig k r it is ie r t , 2 9 .0 6 .2 0 1 2 , 8. B e s c h n e id u n g n e in , A b tre ib u n g ja ? , 2 7 .0 7 .2 0 1 2 , 4 . B e s c h n e id u n g v o n B u b e n is t s tra fb a r , 2 7 .0 6 .2 0 1 2 , 8 . B e s c h n e id u n g : „ R e c h t“ a ls G e g e n re lig io n , 0 4 .0 7 .2 0 1 2 , 4 . C H A L U P K A , M ich a e l: B e s c h n e id u n g d e r R e lig io n s fre ih e it? , 3 0 .0 6 .2 0 1 2 , 1 6 . D a s F e s t d e r B e s c h n e id u n g Je s u , 0 1 .0 1 .2 0 1 3 , 5 . G e s to c h e n e O h r lö c h e r : S c h m e rz e n s g e ld fü r K in d , 0 1 .0 9 .2 0 1 2 , 6. U n s a c h lic h e s z u r B e s c h n e id u n g s d e b a tte , 2 9 .0 7 .2 0 1 2 , 2. Profil T h e m e n s c h w e rp u n k t 1 : G e d ic h t : „ W a s g e s a g t w e rd e n m u s s “ F re u n d sc h a fte n . D is p u t., in : P ro fil 1 6 / 2 0 1 2 (1 6 .0 4 .2 0 1 2 ) 5. G Ä C H T E R , S v e n : M e d ia m a rk t, in : P ro fil 1 5 / 2 0 1 2 (0 6 .0 4 .2 0 1 2 ) 81 . H O F F M A N N -O S T E N H O F , G e o rg : P o e s ie u n d W e ltfr ie d e n . W a ru m d a s jü n g s te G r a s s -G e d ic h t d e ra r t ig g e w a lt ig e W e lle n s c h lä g t, in : P ro fil 1 6 / 1 2 (1 6 .0 4 .2 0 1 2 ) 79. L A C K N E R , H e rb e rt: A u f s c h m a le m P fa d , in : P ro fil 1 6 / 1 2 (1 6 .0 4 .2 0 1 2 ) 22 . L IN G E N S , P e te r M ic h a e l: G r a ss -W u r z e ln . E in V e rs u c h , G ü n te r G ra ss g e g e n R o lf H o c h h u th in S c h u tz z u n e h m e n , in : P ro fil 1 6 / 1 2 (1 6 .0 4 .2 0 1 2 ) 120 . M E D E K , R ich a rd : L e s e rb r ie f , in : P ro fil 1 7 / 1 2 (2 3 .0 4 .2 0 1 2 ) 8. R IE D L E R , H a n s : L e s e rb r ie f , in : P ro fil 1 7 / 1 2 (2 3 .0 4 .2 0 1 2 ) 7 -8 . V o llg e s o g e n m it K lisch e e s . D e r S c h r ifts te lle r D o ro n R a b in o v ic i ü b e r d en G r a s s -T e x t u n d K r it ik a n Isra e l, in : P ro fil 1 6 / 1 2 (1 6 .0 4 .2 0 1 2 ) 2 4 -2 5 . T h e m e n s c h w e rp u n k t 2 : B e s c h n e id u n g s d e b a tte E s is t e in a n tire lig iö s e s U rte il , in : P ro fil 2 9 / 2 0 1 2 (1 6 .0 7 .2 0 1 2 ) 76. G O E B E L , T in a : L e n d e n s c h u tz , in : P ro fil 2 9 / 2 0 1 2 (1 6 .0 7 .2 0 1 2 ) 7 4 -7 6 . 2 1 8 H O F F M A N N -O S T E N H O F , G e o rg : K e llo g 's u n d d ie V o rh a u t, in : P ro fil 3 2 / 2 0 1 2 (0 6 .0 8 .2 0 1 2 ) 5 8 . R A IN E R , C h ris tia n : D ie B e s c h n e id u n g d e r B e s c h n e id u n g , in : P ro fil 2 7 / 2 0 1 2 (0 2 .0 7 .2 0 1 2 ) 11 . R E IF , E y ta n : L e s e rb r ie f , in : P ro f il 3 0 / 2 0 1 2 (2 3 .0 7 .2 0 1 2 ) 8. S T E IN E R , B r ig itte : L e s e rb r ie f , in : P ro fil 3 0 / 2 0 1 2 (2 3 .0 7 .2 0 1 2 ) 9. S Z Y S Z K O W IT Z , T e ssa : M ä n n e r r itu a le , in : P ro fil 3 1 / 2 0 1 2 (3 0 .0 7 .2 0 1 2 ) 3 8 -3 9 . Fachliteratur B A IL E R , B r ig itte (H g .): I s ra e l-G e s c h ic h te u n d G e g e n w a rt . W ie n : B ra u m ü lle r 2 0 0 9 (= S tu d ie n z u r p o lit is c h e n W irk lic h k e it 2 4 ). B E N Z , W o lfg a n g : B ild e r v o m Ju d e n . S tu d ie n z u m a lltä g lic h e n A n tis e m i tism u s . M ü n c h e n : B e c k 2 0 0 1 (= B e c k 's c h e R e ih e 1 4 4 9 ). B O D E N H E IM E R , A lfre d : D a s Ju d e n tu m im W e rte w a n d e l - In n e n - u n d A u ß e n p e rs p e k tiv e n . In : H E N N E R K E S , B ru n -H a g e n , A U G U S T IN , G e o rg e (H g .): W e r te w a n d e l m itg e s ta lte n . G u t h a n d e ln in G e s e ll s c h a ft u n d W ir ts c h a ft , F r e ib u rg im B re is g a u : H e rd e r 2 0 1 2 , 1 5 9 -1 6 6 . D E U S E L , A n tje Y .: P flic h t d e r E lte rn : g e s u n d h e it l ic h e u n d re lig iö s e G r ü n d e s p re c h e n f ü r d ie B e s c h n e id u n g v o n Ju n g e n . In : Z e itz e ic h e n 1 3 / 1 0 (2 0 1 2 ), 5 5 -5 6 . „ D ie S ig n a le s te h e n w e ite r h in a u f g rü n .“ E in G e s p r ä c h m it R a b b in e r H e n ry G . B ra n d t. In : H e rd e r -K o r re s p o n d e n z 6 6 / 1 0 (2 0 1 2 ), 5 5 5 -5 6 0 . E X N E R , T h o m a s : S o z ia la d ä q u a n z im S tra fre c h t - Z u r K n a b e n b e s c h n e i d u n g . B e r lin : D u n c k e r & H u m b lo t 2 0 1 1 (= S c h r ifte n z u m S tra fre c h t 2 1 6 ). F R A N K , G u s ta v , L U K A S , W o lfg a n g (H g .): N o rm -G re n z e -A b w e ic h u n g . K u ltu r s e m io tis c h e S tu d ie n z u L ite ra tu r , M e d ie n u n d W ir tsc h a ft . P a ss a u : K a r l S tu tz 2 0 0 4 . G O T T S C H L IC H , M a x im ilia n : D ie g ro ß e A b n e ig u n g . W ie a n tis e m itis c h is t Ö s te r re ic h ? K r it is c h e B e fu n d e z u e in e r s o z ia le n K ra n k h e it . W ie n : C e rn in 2 0 1 2 . H E IL , Jo h a n n e s , K R A M E R , S te p h a n J. (H g .): B e s c h n e id u n g : D a s Z e ic h e n d es B u n d e s in d e r K ritik . Z u r D e b a tte u m d a s K ö ln e r U rte il . B e r lin : M e tro p o l 2 0 1 2 . 219 H E N S E , A n s g a r : W ie w e it re ic h t R e lig io n s fre ih e it? D a s K ö ln e r U rte il z u r B e s c h n e id u n g g ib t z u d e n k e n . In : H e rd e r -K o r re sp o n d e n z 6 6 / 9 (2 0 1 2 ), 4 4 3 -4 4 7 . H E R Z B E R G , R o lf D ie tr ic h : R e c h tlic h e P ro b le m e d e r r itu e lle n B e s c h n e id u n g . In : Ju r is te n Z e itu n g , 7 (2 0 0 9 ), 3 3 2 -3 3 9 . H E R Z B E R G , R o lf D ie tr ic h : S te h t d e m b ib lis c h e n G e b o t d e r B e s c h n e id u n g e in re c h tlic h e s V e rb o t e n tg e g e n ? In : M e d iz in re c h t 3 0 (2 0 1 2 ) 1 6 9 -1 7 5 . K N O T H E , H o lg e r : E in e a n d e re W e lt is t m ö g lic h - o h n e A n tise m itism u s ? : A n tis e m itis m u s u n d G lo b a lis ie r u n g s k r it ik b e i A tta c . B ie le fe ld : T ra n s c r ip t V e r la g 2 0 0 9 (= R e fle x iv e S o z ia lp s y c h o lo g ie 5 ). M A R IN , B e rn d : A n tis e m itis m u s o h n e A n tise m ite n . A u to r itä re V o ru r te ile u n d F e in d b ild e r . F ra n k fu r t , N e w Y o rk : C a m p u s V e r la g 2 0 0 0 (= W o h lfa h r ts p o lit ik u n d S o z ia lfo rs c h u n g 10 ). O R T H , S te fa n : E in sc h n itt? : e in G e r ic h ts u r te il s te llt d ie re lig iö s m o tiv ie r te B e s c h n e id u n g v o n Ju n g e n in F ra g e . In : H e rd e r -K o rre sp o n d e n z 6 6 / 8 (2 0 1 2 ), 3 8 2 -3 8 3 . P U T Z K E , H o lm , H A R D T U N G , B e rn h a rd e t a l. (H g .): S tra fre c h t z w isc h e n S y s te m u n d T e lo s , F e s ts c h r if t f . R o lf D ie tr ic h H e rz b e rg z u m s ie b z ig s te n G e b u r ts ta g a m 1 4 . F e b r u a r 2 0 0 8 . T ü b in g e n : M o h r S ie b e c k 2 0 0 8 . R A B IN O V IC I, D o ro n , S P E C K , U lr ic h , S Z N A ID E R , U lr ic h (H g .): N e u e r A n tise m itism u s ? E in e g lo b a le D e b a tte . F ra n k fu r t/ M a in : S u h rk a m p 2 0 0 4 (= E d it io n S u h rk a m p 2 3 8 6 ). S A L Z B O R N , S a m u e l (H g .): A n tis e m itis m u s - G e s c h ic h te u n d G e g e n w a rt . G ie ß e n : N B K K 2 0 0 4 (= S c h r ifte n z u r p o lit is c h e n B ild u n g , K u ltu r u n d K o m m u n ik a t io n 2). S C H IF F E R , S a b in e : D ie D a rs te llu n g d es Is la m s in d e r P re ss e . S p ra c h e , B ild e r , S u g g e s tio n e n . E in e A u s w a h l v o n T e c h n ik e n u n d B e is p ie le n . W ü r z b u rg : E rg o n 2 0 0 5 (= B ib lio th e c a a c a d e m ic a : R e ih e O r ie n ta lis t ik 10 ). W A IB L -S T O C K N E R , Ja s m in : „ D ie Ju d e n s in d u n s e r U n g lü c k " . A n tis e m i t isc h e V e rs c h w ö ru n g s th e o r ie n u n d ih re V e ra n k e ru n g in P o lit ik u n d G e s e lls c h a ft . W ie n : L IT V e r la g 2 0 0 9 (= P o litik w is s e n s c h a ft 1 5 7 ). 220 Internetquellen A B G B , D r itte s H a u p ts tü c k . V o n d e n R e c h te n z w isc h e n E lte rn u n d K in d e rn . A llg e m e in e R e c h te u n d P flic h te n , 2 0 0 9 . U R L : h ttp :/ / w w w .ib ib lio .o rg / a is/ a b g b 1 .h tm # t1 h 3 (a b g e ru fe n a m 1 3 .0 2 .2 0 1 2 ) . A M IR P U R , K a ta ju n : D e r ira n isc h e S c h lü ss e ls a tz . S u e d d e u ts c h e Z e itu n g , 1 1 .5 .2 0 1 0 . U R L : h ttp :/ / w w w .s u e d d e u tsc h e .d e / k u ltu r/ u m str itte n e s -z ita t-v o n -a h m a d in e d s c h a d -d e r - ira n is c h e -s c h lu e s s e l s a tz -1 .2 8 7 3 3 3 (a b g e ru fe n a m 2 7 .0 1 .2 0 1 3 ) . B E N Z , W o lfg a n g : I s ra e lk r it ik u n d A n tise m itism u s . In : S t im m e n d e r Z e it. D ie Z e its c h r if t fü r c h r is t l ic h e K u ltu r 1 1 (2 0 1 2 ), 7 5 5 -7 6 3 . U R L : h ttp :/ / w w w .s tim m e n -d e r -z e it .d e / z e its c h r if t/ a u sg a b e / d e ta ils? k _ b e itra g = 3 5 4 2 3 2 8 & q u e r y _ s ta r t= 3 (a b g e ru fe n a m 3 0 .0 4 .2 0 1 3 ) . B R O D E R , H e n ry k , M .: A n tis e m itis m u s o h n e A n tis e m ite n , 2 0 0 9 . U R L : h ttp :/ / w w w .y o u tu b e .c o m / w a tc h ? v = 3 M E 4 D D q B v d U (a b g e ru fe n a m 1 0 .0 2 .2 0 1 3 ). B ü rg e r lic h e s G e s e tz b u c h : § 1 6 3 1 d B e s c h n e id u n g d es m ä n n lic h e n K in d e s , 2 0 1 2 . U R L : h ttp :/ / d e ju re .o rg / g e s e tz e / B G B / 1 6 3 1 d .h tm l (a b g e ru fe n a m 3 0 .0 1 .2 0 1 3 ). D a s ö s te rre ic h isc h e G r u n d g e s e tz fü r B ü rg e r , 2 0 1 1 . U R L : h ttp :/ / in v e s tm e n t-p o r ta l.n e t/ a u s tr ia / g e s e tz e a t/ s ta a ts g r u n d g e s e tz .h tm l (a b g e ru fe n a m 1 3 .0 2 .2 0 1 2 ). D E R S H O W IT Z , A la n : D e r g u te a lte A n tise m itism u s . Jü d is c h e A llg e m e in e , 0 6 .0 9 .2 0 1 2 . U R L : h ttp :/ / w w w .ju e d is c h e -a llg e m e in e .d e / a r tic le / v ie w / id / 1 3 9 2 2 (a b g e ru fe n a m 2 3 .0 3 .2 0 1 3 ) . D e u ts c h e r B u n d e s ta g : G e s e tz e n tw u r f d e r B u n d e sre g ie ru n g . E n tw u r f e i n e s G e s e tz e s ü b e r d e n U m fa n g d e r P e r s o n e n s o rg e b e i e in e r B e s c h n e id u n g d es m ä n n lic h e n K in d e s , 2 0 1 2 . U R L : h t tp :/ / d ip 2 1 . b u n d e s ta g .d e / d ip 2 1 / b td / 1 7 / 1 1 2 / 1 7 1 1 2 9 5 .p d f (a b g e ru fe n a m 3 0 .0 1 .2 0 1 3 ) . h ttp :/ / w w w .d u d e n .d e H Ö D L , K la u s , L A M P R E C H T , G e ra ld : Z w is c h e n K o n tin u itä t u n d T ra n s fo rm a tio n - A n tise m itism u s im g e g e n w ä rtig e n m e d ia le n D isk u rs Ö ste r re ic h s . In : T e l A v iv e r Ja h r b u c h fü r d e u tsc h e G e s c h ic h te X X X III (2 0 0 5 ), A n tise m itism u s , A n tiz io n is m u s , Is ra e lk r itik . G ö tt in g e n 2 0 0 5 , 1 4 0 -1 5 9 . U R L : h ttp :/ / w w w .e r in n e rn .a t/ b u n d e s la e n d e r/ o e s te r re ic h / e _ b ib lio th e k / s e m in a rb ib lio th e k e n -z e n tra le s e m in a re / p a d a g o g in n e n -a ls -g e d a c h tn is p o lit is c h e -a k te u re / 221 6 4 5 _ L a m p re c h t,% 2 0 A n tis e m itis m u s _ G e g e n w a r t.p d f/ v ie w (a b g e ru fe n a m 3 0 .0 4 .2 0 1 3 ) . In ta c tN e w s : P ro g re s s iv e R a b b is o n c re a tin g a Je w is h C o v e n a n t w ith o u t C irc u m c is io n . 2 7 .0 1 .2 0 1 2 . U R L : h ttp :/ / in ta c tn e w s .o rg / n o d e / 1 4 2 / 1 3 2 7 6 9 0 3 5 1 / p ro g re s s iv e -ra b b is -c re a tin g - je w is h -c o v e n a n t-w ith o u t-c ir c u m c is io n (a b g e ru fe n a m 2 3 .0 3 .2 0 1 3 ) . Is ra e lis c h e u n d p a lä s tin e n s is c h e F r ie d e n s b e w e g u n g e n . E in e Ü b e rs ic h t ü b e r w ic h t ig e In it ia t iv e n u n d E in r ic h tu n g e n . U R L : h ttp :/ / w w w . a g - fr ie d e n s fo r s c h u n g .d e / re g io n e n / Is ra e l/ fr ie d e n s b e w e g u n g 2 . h tm l (a b g e ru fe n a m 0 8 .0 2 .2 0 1 2 ). Je w is h C irc u m c is io n R e s o u rc e C e n te r : In fo rm a tio n S u m m a ry . U R L : h ttp :/ / w w w .je w is h c irc u m c is io n .o rg / in fo .h tm (a b g e ru fe n a m 2 3 .0 3 .2 0 1 3 ) . L a n d g e r ic h t K ö ln , 1 5 1 N s 1 6 9 / 1 1 , 2 0 1 2 . U R L : h ttp :/ / w w w .ju s tiz .n rw . d e / n rw e / lg s / k o e ln / lg _ k o e ln / j2 0 1 2 / 1 5 1 _ N s _ 1 6 9 _ 1 1 _ U r te il_ 2 0 1 2 0 5 0 7 .h tm l (a b g e ru fe n a m 1 7 .1 2 .2 0 1 2 ). In it ia t iv e g e g e n K irc h e n p r iv ile g ie n , 2 0 1 3 . U R L : h ttp :/ / w w w .k ir c h e n p r iv ile g ie n .a t/ (a b g e ru fe n a m 1 9 .0 3 .2 0 1 3 ). K IT T E L , S ö re n : „ D a s is t g a n z k la s s is c h e r Ju d e n h a s s " . D ie W e lt, 3 1 .0 1 .2 0 1 3 . U R L : h ttp :/ / w w w .w e lt .d e / k u ltu r/ a r tic le 1 1 3 2 8 3 1 7 5 / D a s - is t-g a n z -k la s s is c h e r -Ju d e n h a s s .h tm l (a b g e ru fe n a m 1 7 .0 3 . 2 0 1 3 ). „ K r o n e " -D ic h te r W o lf M a r tin is t to t. D ie P re s se .c o m , 1 3 .0 4 .2 0 1 2 . U R L : h ttp :/ / d ie p re s s e .c o m / h o m e / k u ltu r/ m e d ie n / 7 4 9 1 7 5 / K r o n e D ic h te r -W o lf-M a r t in - is t - to t (a b g e ru fe n a m 0 5 .1 2 .2 0 1 2 ) . K ro n e n Z e itu n g / K r o n e B u n t - O ffe n le g u n g . U R L : h t tp :/ / w w w .k ro n e . a t/ u e b e r -k ro n e .a t/ K r o n e n Z e itu n g _ -P r in ta u s g a b e -_ -_ O ffe n le g u n g -S to ry -3 2 4 5 5 0 (a b g e ru fe n a m 2 5 .1 0 .2 0 1 2 ) . K U N T Z M A N , G e rsh : L iv e a n d U n c u t: In : N e w Y o r k M a g a z in e , 2 1 .0 5 .2 0 0 1 . U R L : h ttp :/ / w w w .c irc u m s tit io n s .c o m / Je w is h 2 . h tm l# u n c u t (a b g e ru fe n a m 2 3 .0 3 .2 0 1 3 ). M e d ia -A n a ly s e . U R L : h ttp :/ / w w w .m e d ia -a n a ly s e .a t/ s tu d ie n -P u b lic - P re ss e T a g e s z e itu n g .d o ? y e a r= 1 1 / 1 2 & tit le = T a g e s z e itu n g e n (a b g e ru fe n a m 3 0 .1 0 .2 0 1 2 ). P O L L A K , A le x a n d e r : K o n tu r e n m e d ia le n A n tis e m itis m u s in Ö ste r re ic h , 2 0 0 1 , 3 . U R L : h ttp :/ / w w w .e r in n e rn .a t/ b u n d e s la e n d e r/ o e s te r re ic h / e _ b ib lio th e k / a n tis e m itis m u s -1 / 2 0 4 _ K o n tu re n m e d ia le n A n ti s e m itis m u s O s te r re ic h .p d f (a b g e ru fe n a m 0 3 .0 2 .2 0 1 3 ). 222 P rin t - M e d ia d a te n : M e d ia A n a ly s e , 2 0 1 2 . U R L : h ttp :/ / d ie p re s se .c o m / u n te rn e h m e n / s a le s / p r in t/ 1 0 8 3 3 3 / P r in t-M e d ia d a te n _ M e d ia A n a ly s e ? _ v ljb a c k lin k = / u n te m e h m e n / s a le s / p r in t/ in d e x .d o (a b g e ru fe n a m 3 1 .1 0 .2 0 1 2 ). P ro fil : O ffe n le g u n g / Im p re s su m . U R L : h ttp :/ / w w w .P ro fil.a t/ a r tic le s/ 0 5 2 6 / 5 6 0 / 1 1 5 6 0 0 / o ffe n le g u n g -im p re s s u m (a b g e ru fe n a m 3 1 .1 0 .2 0 1 2 ) . R e d a k tio n d es S ta n d a rd : „ A n tis e m itis c h e U n te r tö n e “ - „ K ro n e n Z e itu n g “ v e rz ic h te t a u f B e ru fu n g , U rte il is t re c h tsk rä ftig . d e rS ta n d a rd .a t , 0 8 .0 8 .2 0 0 5 . U R L : h ttp :/ / d e rs ta n d a rd .a t/ 1 7 7 1 1 2 5 (a b g e ru fe n a m 3 1 .0 1 .2 0 1 3 ). R h e to r is c h e M itte l. U R L : h ttp :/ / w w w .w e s te n s e e .d e / u n tr ic h t/ D e u ts c h / rh e to r ik / k u rz d e f .h tm (a b g e ru fe n a m 1 2 .1 0 .2 0 1 2 ) . R o lf H o c h h u th s c h r e ib t a n G r a s s , 2 0 1 2 . U R L : h ttp :/ / w w w .m e rk u r .d e / k u ltu r/ ro lf -h o c h h u th -b r ie f -g u e n te r -g ra s s -2 2 6 9 0 9 7 .h tm l (a b g e ru fe n a m 2 1 .1 0 .2 0 1 2 ) . R Ü B , M a tth ia s : B e s c h n e id u n g in N e w Y o rk . D e r K a m p f d es R a b b is . F r a n k fu r te r A llg e m e in e , 0 4 .1 0 .2 0 1 2 . U R L : h ttp :/ / rn .fa z .n e t/ a k tu e ll/ p o lit ik / a u s la n d / b e s c h n e id u n g -in -n e w -y o rk -d e r -k a m p fd e s -ra b b is -1 1 9 0 8 5 6 8 .h tm l (a b g e ru fe n a m 0 5 .0 4 .2 0 1 3 ). S ta a ts v e r tra g v o n S a in t-G e rm a in -e n -L a y e , 1 9 2 0 , A rt. 63 . U R L : § 9 0 S tG B E in w ill ig u n g d es V e r le tz te n , 2 0 0 1 . U R L : h t tp s :/ / w w w .r is .b k a . g v .a t/ D o k u m e n t.w x e ? A b fra g e = B u n d e s n o rm e n & D o k u m e n t n u m m e r = N O R 1 2 0 0 0 9 5 6 (a b g e ru fe n a m 1 3 .0 2 .2 0 1 2 ) . S ta t is t ik A u s tr ia : B ü c h e r u n d P re ss e , 2 0 1 2 . U R L : h ttp :/ / w w w .s ta t is t ik . a t/ w e b _ d e / s ta tis t ik e n / b ild u n g _ u n d _ k u ltu r/ k u ltu r / b u e c h e r _ u n d _ p re s s e / in d e x .h tm l (a b g e ru fe n a m 2 9 .1 0 .2 0 1 2 ) . V e re in ig te K irc h e d es F S M -A u s tr ia : A b o u t, 2 0 1 2 . U R L : h t tp :/ / v e n g a n z a . a t/ a b o u t (a b g e ru fe n a m 2 1 .0 3 .2 0 1 2 ). W a s is t M e m e tik ? U R L : h ttp :/ / w w w .u n im u e n ste r .d e / P e a C o n / p h a n ta w i/ e x tro / M e m e tik / m e m e tik .h tm l (a b g e ru fe n a m 1 0 .0 4 .2 0 1 2 ) . 223 Weiterführende Literatur zum Thema Beschneidung und Beschnei dungsdebatte B O D E N H E IM E R , A lfre d : H a u t ab ! D ie Ju d e n in d e r B e s c h n e id u n g s d e b a tte . G ö tt in g e n : W a lls te in 2 0 1 2 . ^ E T IN , Z ü lfu k a r , V O S S , H e in z -Jü rg e n , W O L T E R , S a lih A le x a n d e r : In te r v e n t io n e n g e g e n d ie d e u tsc h e „ B e s c h n e id u n g s d e b a tte “ , M ü n ste r : e d it io n a s s e m b la g e 2 0 1 2 . F R A N Z , M a tth ia s (H g .): D ie B e s c h n e id u n g v o n Ju n g e n . E in tra u rig e s V e rm ä c h tn is . G ö tt in g e n : V a n d e n h o e c k & R u p re c h t 2 0 1 4 . L A N G A N K E , M a rtin , R U W E , A n d re a s , T H E Iß E N , H e n n in g (H g .): R itu e lle B e s c h n e id u n g v o n Ju n g e n . In te rd is z ip lin ä re P e rsp e k tiv e n . L e ip z ig : E v a n g e lis c h e V e r la g s a n s ta lt 2 0 1 4 . L IC H T E N H E L D T , M a rio : U n -h e il. V o rh a u t, P h im o s e & B e s c h n e id u n g . Z e itg e m ä ß e A n tw o r te n fü r Ju n g e n , E lte rn u n d M u ltip lik a to re n . H a m b u rg : tre d it io n 2 0 1 2 . Z e its c h r if t fü r m e d iz in is c h e E th ik (Z fm E ): B e s c h n e id u n g v o n m in d e r jä h r ig e n Ju n g e n 6 0 / 1 (2 0 1 4 ), T h e m e n h e ft B e s c h n e id u n g Herausgeber/in U lr ik e B e c h m a n n is t P ro fe s s o r in fü r R e lig io n s w is s e n s c h a ft a n d e r K a th o lis c h -T h e o lo g is c h e n F a k u ltä t d e r K a r l-F ra n z e n s -U n iv e rs itä t G ra z W o lfr a m R e iss is t P ro fe s s o r fü r R e lig io n s w is s e n s c h a ft a n d e r E v a n g e lis c h T h e o lo g is c h e n F a k u ltä t d e r U n iv e rs itä t W ie n 224

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References

Zusammenfassung

Im Jahr 2012 schlug ein Gedicht von Günther Grass hohe Wellen, das sich in offen kritischer Form gegen die Nahostpolitik Israels aussprach. Etwa zeitgleich entfachte in den deutschen und österreichischen Medien eine Diskussion über die Rechtmäßigkeit religiös motivierter Beschneidungen von Jungen. Pressestimmen und LeserInnenbriefe beschränkten sich in beiden Fällen nicht nur auf die politische, beziehungsweise die medizinisch-rechtliche Ebene, sondern gaben berechtigten Anlass zu der Frage nach einem latenten bis offenen Antisemitismus im deutschsprachigen Raum.

Dieser Band vereinigt zwei unterschiedliche Studien der Forschungsfrage, ob und inwieweit Antisemitismus in der österreichischen Presse anzutreffen ist. Eingehend beschäftigt sich Bernadette Pensch mit der medialen Diskursanalyse zur Beschneidung von Jungen. Dabei nähert sie sich dem Thema über einen religionsgeschichtlichen Ansatz, in dem sie die Hintergründe der Beschneidung in Judentum und Islam beleuchtet. Petra Andorfer-Leithgöb konzentriert sich in ihrer Studie auf die Frage, ob die beiden medialen Diskurse von 2012 tatsächlich einen offenen oder sekundären Antisemitismus erkennen lassen. Zusammen bieten die Studien den religionsgeschichtlichen und kontextuellen Hintergrund für beide Debatten und konvergieren trotz eigenständiger Sujets in ihrer Metareflexion über den Antisemitismus.