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Marco Preisinger

Zwischen Weltenzeit und Sternenzeit, page 1 - 12

Zeitbegriffe des alten Ägypten und des Hinduismus

1. Edition 2017, ISBN print: 978-3-8288-4032-4, ISBN online: 978-3-8288-6729-1, https://doi.org/10.5771/9783828867291-1

Series: Religionen aktuell, vol. 22

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
Marco Preisinger Zwischen Weltenzeit und Sternenzeit. Zeitbegriffe des alten Ägypten und des Hinduismus Religionen aktuell; Band 22 © Tectum – ein Verlag in der Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 2017 ISBN: 978-3-8288-6729-1 ISSN: 1867-7487 (Dieser Titel ist zugleich als gedrucktes Werk unter der ISBN 978-3-8288-4032-4 im Tectum Verlag erschienen.) Umschlagabbildung: iStock © virivlev Besuchen Sie uns im Internet www.tectum-verlag.de Bibliografische Informationen der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Angaben sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar. 5 „Etwas, das alles und jeden verschlingt: Baum, der rauscht, Vogel, der singt, frisst Eisen, zermalmt den härtesten Stein, zerbeißt jedes Schwert, zerbricht jeden Schrein, schlägt Könige nieder, schleift ihren Palast, trägt mächtigen Fels fort als leichte Last.“ Gollums Rätsel über die Zeit: J. R. R. Tolkien – Der kleine Hobbit 7 Vorwort des Reihenherausgebers „Zeit ist etwas Besonderes“, mit diesen Worten beginnt Marco Preisinger seine Einleitung. Dabei gilt ihm: „kein Mensch scheint zu wissen, was genau sie [die Zeit] sei, kein Mensch kann sich ihr entziehen“. Aus diesem Grund liegt eine Faszination darin, sich mit ihr als Forschungsthema zu beschäftigen. So zieht seit Jahrzehnten die Schrift des Astrophysikers Stephen W. Hawking „Eine kurze Geschichte der Zeit“ die Aufmerksamkeit auf sich. Ebenso wurden von philosophischer und anthropologischer Seite aus zahlreiche Untersuchungen zum Thema Zeit unternommen. Zeit scheint uns selbstverständlich zu sein, dennoch bezeichnet dieser Terminus eine Abstraktion. Rudolph Rost schreibt dazu in seiner Abhandlung zur Überwindung des Zeitbegriffs: „Der Begriff Zeit ist für das Verständnis des Vorganges nicht erforderlich – gleich gar nicht in der anspruchsvollen Rolle eines ›Grundbegriffs‹, von dem die Bewegung abhängt. Was beobachtet wird, ist allein die Bewegung, was ›dahinter‹ vermutet wird, ist ein Phantom, das sich die menschliche Einbildung schafft“ (Hannover, 1974, 13). Bei der Untersuchung von Zeit lassen sich grundsätzlich zwei verschiedene Fragerichtungen unterscheiden – die vielleicht letztlich zueinander finden: Die eine Richtung versucht zu erfassen und zu beschreiben, was Zeit ist und wie sie als Phänomen erfasst und erklärt werden kann, die andere zeigt auf, wie Zeit in jeweiligen Kulturen verstanden wird. Es kann an dieser Stelle offen bleiben, ob nicht der ersten Fragestellung nichts anderes übrig bleibt, als in der zweiten zu münden. Zumal im Raum steht, inwiefern Zeit ohnehin eine Abstraktion oder damit eine Konstruktion des menschlichen Geistes darstellt. Diesen anspruchsvollen Grundbegriff Zeit untersucht Preisinger hinführend in Kultur, Religion und Philosophie, um sich schließlich der Vorstellungen von Zeit in zwei klassischen Hochkulturen zu widmen: 8 Marco Preisinger: Zwischen weltenZeit und sternenZeit dem Alten Ägypten und Indien. Preisingers Arbeit gehört von vorn herein in diese zweite der zuvor genannten Kategorien. Es geht ihm um zwei geschichtlich von einander so sehr getrennte Kulturbereiche, dass bei ihnen kaum mit einem wesentlichen Austausch der Ideen zu rechnen ist: Das klassische Alte Ägypten auf der einen Seite, das alte Indien auf der anderen. Beide Sphären besitzen eine jahrtausende alte Reflexion über den Begriff der Zeit – oder genauer gesagt, sie agieren in ihren Religionskulturen auf je ihre Weise mit den jeweiligen Zeitvorstellungen und Dimensionen. Beide Kulturen zeigen dabei je einen ganzen Komplex unterschiedlicher Ebenen von Zeitverständnissen. Es geht um linear ablaufende Zeit, um Zeit in sich wiederholenden Zyklen, um Zeitspannen und Perioden, aber auch um eine Zeit, die in sich ruht und Ewigkeit genannt werden kann. Diese unterschiedlichen Zeitverständnisse sind von religiöser Bedeutung. Sie beschreiben einerseits die Zeit, in der sich der einzelne Mensch befindet, sie deuten Vergangenheit und Zukunft, und sie stellen anderseits eine Dimension dar, in die der Mensch hineingelangen will. Gerade bei letzterem wird der Unterschied zwischen dem Alten Ägypten und Indien besonders deutlich: wie gestaltet sich die Sphäre von Zeit, die jeweils spezifisch in beiden Religionen als Ziel angesehen wird? Die Zeitvorstellungen des Alten Ägypten wie Indiens wurden durch zwei namhafte Wissenschaftler ausführlich untersucht. So ist der Ägyptologe Jan Assmann für seine Ausführungen zu Zeit im Alten Ägypten bedeutsam und bekannt. Axel Michaels führt insbesondere in seinem Klassiker Der Hinduismus die Zeitvorstellungen Indiens tiefgründig aus und stellt sie schließlich einem westlich wissenschaftlichen Zeitverständnis gegenüber. Preisinger stellt die jeweiligen Konzepte von Zeit in Ägypten und Indien auf der Grundlage der beiden genannten Autoren vor und vergleicht sie miteinander. So findet diese Arbeit im Schlusskapitel ihren Höhepunkt, denn: „Auf den ersten Blick mag es, aufgrund augenscheinlicher Parallelen, so anmuten, als könne man die andere Welt und die andere Zeit für die Hindu-Religionen und für das alte Ägypten ohne größere Schwierigkeiten miteinander vergleichen“, doch „ein Hindu ist, sofern er die irdische Zeit verlässt und den Status der anderen Zeit erreicht, auch in der anderen Welt. Ein Ägypter konnte hingegen nie in eine andere Welt übertreten. Er konnte lediglich einen Anteil 9 Vorwort des reihenherausgebers an deren Ewigkeit haben.“ Die andere Welt befindet sich damit zugleich in einem anderen Raum. Dieser liegt nicht unbedingt irgendwo in der Ferne – er kann als eine andere Dimension verstanden werden. Dabei ist fraglich, wieweit ihm etwa in der indischen Vorstellung überhaupt so etwas wie Ausdehnung zukommt, die wir normalerweise zwangsläufig mit Raum verbinden. Dasselbe gilt für die Zeit, die in dieser anderen Ebene nicht unbedingt als Ablauf zu verstehen sein wird. Die Konzepte einer anderen Welt und besonders einer anderen Zeit als Ziel innerhalb der beiden Religionen verweisen zwar jeweils auf eine andere Dimension, unterscheiden sich dabei im Grundverständnis, was und wie diese Dimension sei, deutlich voreinander. Damit unterscheiden sich dementsprechend die Ziele, die es in diesen Religionen zu erreichen gilt. Mit seinen Ausführungen präsentiert Preisinger nicht nur Zeitbegriffe, die für unseren Kulturkreis in der Gegenwart gewöhnlich sind, sondern er führt damit in ein tieferes Verständnis dieser beiden klassischen Hochkulturen ein. Er setzt sich und damit den Lesenden dem nicht immer ganz einfachen, aber umso spannenderen Religionsvergleich zweier so unterschiedlicher Systeme aus. Als kultur- und spezifisch religionswissenschaftlich Interessierter sollte man sich dafür Zeit nehmen. Jena, 2017 Professor Dr. Dr. Bertram Schmitz 11 Inhaltsverzeichnis 1. Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .13 2. Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .17 3. Eine kurze Annäherung an den Begriff der Zeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . .21 3.1 Zeit in der Philosophie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22 3.1.1 Systematisches . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22 3.1.2 Philosophiegeschichtliches . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 25 3.2 Zeit in den Religionen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 31 3.2.1 Der Zusammenhang zwischen Zeit und Religion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .31 3.2.2 Lineare, zyklische und rituelle Zeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34 4. Vorüberlegungen zu den Zeitbegriffen des alten Ägypten nach Jan Assmann. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 39 4.1 Grundlegendes zum alten Ägypten aus abendländischer Sicht . . . . . . . . . . . . . 39 4.2 Methodisches Vorgehen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 42 5. Zeitkonzepte des alten Ägypten nach Jan Assmann I – Zeiteinheiten und Zeitspannen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 45 5.1 Die messbare Zeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 45 5.2 Zeitpunkte und Zeitspannen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 48 6. Zeitkonzepte des alten Ägypten nach Jan Assmann II – Die kosmische Zeit. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .51 6.1 Zeit und Schöpfung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 54 12 Marco Preisinger: Zwischen weltenZeit und sternenZeit 6.2 Das Geheimnis der Zeit. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 58 6.3 Zeit der Sterne . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 62 6.4 Zeit des Steins . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 64 7. Vorüberlegungen zu den Zeitbegriffen der Hindu-Religionen nach Axel Michaels . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 67 7.1 Grundlegendes zu den Hindu-Religionen aus abendländischer Sicht . . . . . . . . 67 7.2 Methodisches Vorgehen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .68 8. Zeitkonzepte der Hindu-Religionen nach Axel Michaels . . . . . . . . . . . .71 8.1 Sakrale Räume. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 71 8.2 Frühe und klassische Kosmogonien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 73 8.3 Die Weltzeitalter und die Lehre der ewigen Wiederkehr . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 76 8.4 Die Zeit des Heils . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 78 8.5 Sakrale Räume und heilige Zeit: Feste und Kalender . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 79 9. Methodische Vorüberlegungen zum Vergleich der Zeitbegriffe bei Assmann und Michaels . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 83 9.1 Der religionswissenschaftliche Vergleich im Allgemeinen . . . . . . . . . . . . . . . . . 83 9.2 Die Bestimmung der Vergleichsmomente für die Zeitbegriffe bei Assmann und Michaels . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .86 10. Die methodische und inhaltliche Gegenüberstellung der Zeitbegriffe bei Axel Michaels und Jan Assmann . . . . . . . . . . . . . . . . . 91 10.1 Der wissenschaftstheoretische Vergleich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 91 10.2 Der Vergleich der Zeit als Ewigkeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .96 11. Résumé . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 105 12. Literaturverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 111 13. Internetressourcen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .115

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Zeit ist etwas Besonderes – kein Mensch scheint zu wissen, was genau sie ist, kein Mensch kann sich ihr entziehen. Sie scheint uns selbstverständlich zu sein, dennoch bezeichnet dieser Terminus eine Abstraktion. Den anspruchsvollen Grundbegriff 'Zeit' untersucht Preisinger hinführend in Kultur, Religion und Philosophie, um sich schließlich den Vorstellungen von Zeit in zwei klassischen Hochkulturen zu widmen: dem Alten Ägypten und Indien. Beide Kulturen zeigen dabei je einen ganzen Komplex unterschiedlicher Ebenen von Zeitverständnissen. Die Zeitvorstellungen des Alten Ägypten wie Indiens werden durch zwei namhafte Wissenschaftler ausführlich untersucht. So ist der Ägyptologe Jan Assmann für seine Ausführungen zur Zeit im Alten Ägypten bedeutsam und bekannt. Axel Michaels führt insbesondere in seinem Klassiker 'Der Hinduismus' die Zeitvorstellungen Indiens tiefgründig aus und stellt sie schließlich einem westlich-wissenschaftlichen Zeitverständnis gegenüber. Mit seinen Ausführungen präsentiert Preisinger nicht nur Zeitbegriffe, die für unseren Kulturkreis in der Gegenwart gewöhnlich sind, sondern er führt damit in ein tieferes Verständnis dieser beiden klassischen Hochkulturen ein. Er setzt sich und damit den Lesenden dem nicht immer ganz einfachen, aber umso spannenderen Religionsvergleich zweier so unterschiedlicher Systeme aus. Als kultur- und spezifisch religionswissenschaftlich Interessierter sollte man sich dafür Zeit nehmen.