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Arbeitstechniken in:

Ralf Uhl

Finale-Lösungen einer Bruckner-Sinfonie, page 11 - 12

Problemstellungs- und Lösungsprozesse, dargestellt an der IV. Sinfonie in Es-Dur

1. Edition 2017, ISBN print: 978-3-8288-3967-0, ISBN online: 978-3-8288-6722-2, https://doi.org/10.5771/9783828867222-11

Tectum, Baden-Baden
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11 Arbeitstechniken Die Arbeit besteht aus zwei Teilen. Das erste Hauptkapitel liefert einen Überblick zur Sinfonik Anton Bruckners im Kontext der Fragestellungen, unter welchen Umständen der Komponist sich in diese Gattung einarbeitete und welche Konzeption er in Bezug auf die vermutete Schwerpunktverlagerung vom Kopfsatz auf den Schlusssatz hin entwickelte. Die folgenden Kapitel stellen eine fassungsübergreifende Analyse der Vierten Sinfonie in Es-Dur mit dem Beinamen Romantische dar, mit dem Ziel, die zuvor aufgezeigten Konzeptionen anhand dieser Sinfonie im Detail nachzuzeichnen. Als Notentext dient die Gesamtausgabe des Musikwissenschaftlichen Verlages Wien. Die Analyse geht dabei nicht chronologisch vor, sondern stellt zunächst Kopfsatz und Finale abschnittsweise gegenüber unter Berücksichtigung der vorliegenden Fassungen von 1874, 1878, 1880 und 1888. Dies geschieht aus der Annahme heraus, dass die Ecksätze Entwicklungspole vorweisen, die Binnensätze initialisierte Entwicklungen mitgestalten und eventuell Teilergebnisse hervorbringen. Zudem soll der Wandel in der Chronologie der Fassungen erklärbar gemacht werden. Begonnen wird beim Kopfsatz jeweils mit der Fassung von 1878, da sich diese Fassung im Konzertwesen zusammen mit dem Finale von 1880 etabliert hat. Die Analyse der Fassung von 1888 wird zeigen, dass sie nicht als letztlich gültige Fassung angesehen werden muss. Beim Finale stehen die Fassungen von 1874 und 1878 und die Fassungen von 1880 und 1888 gegenüber. Bruckner verwirft weite Teile des Finales von 1878 und konzipiert das Finale von 1880 mit großen Teilen des thematischen Materials des ursprünglichen Finales neu. Es folgt die Betrachtung der Mittelsätze, bei der die gewonnenen Erkenntnisse als Bindeglied der Entwicklungspole fungieren und dadurch ihre Validität untermauern können. Die Scherzo-Sätze von 1874 und 1878 werden dabei separat betrachtet, da der Komponist das erste Scherzo verworfen und einen neuen Sinfoniesatz konzipiert und komponiert hat. Am Ende aller Analysekapitel fasst eine grafische Übersicht zu den einzelnen Sätzen unter Berücksichtigung aller Fassungen zentrale Punkte zusammen. 12 Ralf Uhl | Finale-Lösungen einer Bruckner-Sinfonie Zu den Notengrafiken Bei vielen Notengrafiken sind Instrumente oder Instrumentengruppen farblich differenziert. Dies dient lediglich zur direkten Vergleichbarkeit und besseren Zuortbarkeit. Ein festgelegter Farbcode für Instrumente und Instrumentengruppen wurde aufgrund des umfangreichen Instrumentariums als nicht sinnvoll erachtet. Zur Verwendung von Hüllkurven Hüllkurven in Wellenform sind grafische Darstellungen akustischer Signale. Horizontal wird der Zeitverlauf, vertikal die Signalintensität dargestellt. Beide Ebenen sind frei skalierbar, da je nach Datendichte die Informationen sehr detailliert ausfallen können. Dies bedeutet aber auch, dass ein direkter Vergleich zweier unterschiedlicher Aufnahmen in Form von Hüllkurven nur eingeschränkt möglich ist. Erschwerend kommt hinzu, dass die Aufnahmetechnik wie Art, Anzahl und Positionierung der Mikrophone für gewöhnlich bei jeder Aufnahme variiert, wie auch die räumliche Akustik oder die digitale Verarbeitung der Signale. Die Interpretation des Orchesters mit seinem Dirigenten führt ebenfalls dazu, dass keine verhältnistreue Gegenüberstellung erfolgen kann. Die verwendeten Hüllkurven sind bei direkter Gegenüberstellung zeitlich verhältnistreu skaliert, wo dies möglich ist. Ansonsten sind die Hüllkurven individuell skaliert. Sie sollen dazu dienen, klangliche Prozesse innerhalb einer Interpretation grafisch nachzuzeichnen und Proportionen zu verdeutlichen. Die Quellen wurden unter Beibehaltung ihrer Orthographie und Interpunktion übernommen. Informationen in diesem Rahmen treten aus der Analyse heraus, reflektieren aus einer externen Perspektive und liefern subjektive Gedanken oder Querverweise.

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Zusammenfassung

Anton Bruckners Sinfonien zählen zu den größten und bedeutendsten Orchesterwerken der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Ralf Uhl zeigt Bruckners Weg zum Sinfoniekomponisten und bietet einen umfassenden Überblick über sein sinfonisches Haupt- und Spätwerk. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei der zentralen Konzeption der Problemstellungen in Bruckners Kompositionen und der damit verbundenen Lösungsprozesse in Hinblick auf Finalsatzkonzeption und Finalgestaltung. In einer umfassenden analytischen Betrachtung der „Romantischen“, Bruckners Vierter Sinfonie in Es-Dur, welche nach ihrer Entstehung 1874 etliche Umarbeitungen und Neukompositionen erfuhr, werden die einzelnen Fassungen miteinander verglichen und beleuchtet. Die bewusste Schwerpunktsetzung des Autors auf die Visualisierung der musikalischen Analyse ist geeignet, dem interessierten Musikliebhaber den Zugang zu dieser herausfordernden Disziplin zu erleichtern.