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VI. Die Bedeutung der Mätresse und ihrer Bildnisse in:

Christophe Devaureix

La beauté est toujours reine?, page 207 - 208

Bildliche Legitimationsstrategien königlicher Mätressen Ludwigs XIV. und Ludwigs XV.

1. Edition 2017, ISBN print: 978-3-8288-3928-1, ISBN online: 978-3-8288-6715-4, https://doi.org/10.5771/9783828867154-207

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Kunstgeschichte, vol. 7

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
Die Bedeutung der Mätresse und ihrer Bildnisse Während also folglich in anderen Ländern die weibliche Geliebte ein Objekt des Herrschers und in ihren Bildnissen ein Objekt des Betrachters blieb, emanzipierte sich die französische Mätresse im Laufe der Jahrhunderte zu einer Frau mit einer eigenen Stellung, die diese auch offen formulieren konnte. Eine solche Formulierung ihrer autonomen Rolle fand bevorzugt im Bildnis statt, in welchem sich die Mätresse relativ frei inszenieren konnte und somit ein Bild von sich schuf, das sie zum Zwecke der Kommunikation nutzte. Sich dabei allein als königliche Mätresse zu inszenieren, wurde ihrer neuen Rolle nicht gerecht und war zudem auch nicht erwünscht. Während ein König wie Franz I. sich noch über seine Liebschaften, die ihm den Beinamen vert galant einbrachten, definieren konnte, hatte sich die Situation geändert. Der König stand vor allem auch wegen seiner Mätressen in der permanenten Kritik der Öffentlichkeit. So wurde Ludwig XV. vom bien-Aimé rasch zum mal-Aimé, um bei den Beinamen zu bleiben. Für diesen Popularitätsverlust waren seine Mätressen maßgeblich verantwortlich.917 Durch die immer wichtigere Rolle, die die Mätresse am französischen Hof einnahm, emanzipierte sie sich zunehmend von der Rolle des Günstlings zu einer eigenen Herrscherin über den König und dem ihr am Hofe zugewiesenen Bereich. Während sich ihre Macht damals hauptsächlich als Interessenbroker ausgezeichnet hatte, nahm sie immer zentralere Funktionen der höfischen Repräsentation und Gestaltung ein. Dass jedoch jede Macht ihren Zenit erreicht, wird am Beispiel der comtesse Du Barry deutlich. Während unter ihrer Vorgängerin die Mätresse zum Höhepunkt ihrer Macht aufstieg, fiel Madame Du Barry wieder in die Sphäre der einfachen Geliebten. Zu groß war wohl der soziale Unterschied, den sie hätte überbrücken müssen. Diesen Aufstieg und Fall der Mätresse kann man deutlich an den Bildnissen des 17. und 18. Jahrhunderts ausmachen. Entwickelte sie im Laufe der Zeit immer ausgefeiltere Strategien der Inszenierung, so blieb Madame Du Barry lediglich ihre besagte Schönheit, um sich als königliche Mätresse zu rechtfertigen. Mit ihr wurde die französische Mätresse folglich wieder zum Objekt und somit zum Spielball der königlichen Gunst und der gegeneinander agierenden Hofparteien, die sie letztlich auch aufgebaut und beim König platziert hatten. Am 6. Dezember 1793 wurde sie stellvertretend für ein höfisches System hingerichtet, dem sie nie wirklich zugehört hatte und dessen Opfer sie bereits lange zuvor wurde. In der Betrachtung der Mätressen Ludwigs XIV. und Ludwigs XV. kann die ganze Bandbreite der bildlichen Selbstinszenierung einer Mätresse ausgemacht werden. Von der jungen und naiven Louise de La Vallière, die sich mit der Öffentlichkeit dieser VI. 917 „Anhand der medialen Liebesdiskurse seiner langjährigen Mätresse [gemeint ist hier Madame de Pompadour] wurde jedenfalls deutlich, dass die königliche Mätressenliebe im 18. Jahrhundert ihre Öffentlichkeitstauglichkeit bereits weitgehend eingebüßt hatte.“, Denk (2012), S. 179 207 Rolle nicht abfinden konnte, über diejenigen, die die Gelegenheit nutzten, diesen Statusgewinn zu sichern und ihn nach außen zu tragen, bis zu derjenigen, die dieser Rolle nicht mehr gerecht wurde und sich somit auch nicht als Mätresse inszenieren konnte. Entsprechend lässt sich auch das in der Einleitung erwähnte Bildnis der marquise de Pompadour aus der Alten Pinakothek lesen. Es stellt sie in aller Pracht des höfischen Rokoko dar, umgeben von Attributen der Bildung und der Kunst. Diese stellen kein einfaches Dekorum dar, sondern verweisen auf ihre Rolle als Patronin der Künste. Während sie durch die Aneignung der Künste ihr eigenes Bild schuf, in ihren Bildnissen durch die Darstellung inmitten von Kunstwerken und Attributen der Kunst, im wirklichen Leben durch das Studium diverse Künste sowie das Übernehmen der kulturellen Gestaltung des Hofalltages, sind es die Künste, die wiederum ihr Bild propagierten und es bis heute fortleben lassen. VI. Die Bedeutung der Mätresse und ihrer Bildnisse 208

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Zusammenfassung

Die Mätresse nahm am französischen Königshof eine ambivalente Stellung ein. Nicht die Ehefrau, aber doch mehr als eine heimliche Geliebte, vollzog sie eine Gratwanderung und sah sich sowohl von der Königsfamilie und der Kirche als auch von potenziellen Konkurrentinnen bedroht. Unter Ludwig XIV. fand mit Louise de La Vallière das Mätressenwesen Einzug in das Grand Siècle. Waren es zuvor stets Frauen aus dem höfischen Adel, nahm sich König Ludwig XV. mit Madame de Pompadour sogar erstmals eine Bürgerliche zur Mätresse – ein sozialer Aufstieg, den schließlich die letzte Mätresse des vorrevolutionären Königshofs, die Comtesse du Barry, 1793 unter der Guillotine büßen musste. Christophe Devaureix stellt aus kunsthistorischer Perspektive das Leben fünf populärer Frauen vor, die jede auf ihre Weise das Bild der königlichen Mätresse prägten. Ihre Biographien vermitteln uns das Bild von Macht und Intrigen am Hofe, ohne dass Affären und pikante Anekdoten dabei zu kurz kämen.