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Christoph Oslislo

Globale Unternehmen und Menschenrechte, page 1 - 8

Über Moral, fairen Konsum und Marktversagen

1. Edition 2017, ISBN print: 978-3-8288-3955-7, ISBN online: 978-3-8288-6711-6, https://doi.org/10.5771/9783828867116-1

Series: Wirtschaftspolitische Forschungsarbeiten der Universität zu Köln, vol. 59

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
Wirtschaftspolitische Forschungsarbeiten der Universität zu Köln Wirtschaftspolitische Forschungsarbeiten der Universität zu Köln Band 59 Globale Unternehmen und Menschenrechte Über Moral, fairen Konsum und Marktversagen von Christoph Oslislo Herausgegeben von Dr. Steffen J. Roth Tectum Verlag In der Schriftenreihe Wirtschaftspolitische Forschungsarbeiten des Tectum Verlags erscheinen herausragende Forschungsarbeiten aus dem Umfeld der Universität zu Köln. Herausgegeben wird die Reihe von Dr. Steffen J. Roth. Christoph Oslislo Globale Unternehmen und Menschenrechte. Über Moral, fairen Konsum und Marktversagen ISBN: 978-3-8288-6711-6 (Dieser Titel ist zugleich als gedrucktes Buch unter der ISBN 978-3-8288-3955-7 im Tectum Verlag erschienen.) ISSN: 1867-7738 Tectum Verlag – ein Verlag in der Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 2017 Alle Rechte vorbehalten Besuchen Sie uns im Internet www.tectum-verlag.de Bibliografische Informationen der Deutschen Bibliothek Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Angaben sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar. 5 Vorwort 2015 wurde mir im Rahmen eines Projekts der internationalen Entwicklungszusammenarbeit die Möglichkeit einer umfangreichen Vor-Ort-Recherche über die Lebensbedingungen in ländlichen Regionen Ghanas gegeben. Es ging um mittel- und langfristige Folgen des großflächigen, industriellen Goldbergbaus und ein Teil der Untersuchung betraf die zum Teil verheerenden Arbeitsbedingungen in den Minen, in denen das Gold im großen Stil von teilweise privat organisierten Gruppen junger Männer abgebaut wird. Zur gleichen Zeit liefen in Brüssel die Verhandlungen um die EUweite Regelung des Umgangs mit sogenannten Konfliktmineralien, die in zahlreichen uns bekannten Gebrauchsgütern enthalten sind und zu denen auch Gold zählt. Zur Debatte standen diverse Instrumente von freiwilligen Maßnahmen der Privatwirtschaft über eine obligatorische Zertifizierung der EU-Importe bis hin zu einem Importverbot derjenigen Materialien, bei denen nicht nachgewiesen werden kann, dass sie unter menschenwürdigen Bedingungen und in konfliktfreien Regionen abgebaut worden sind. Sobald man sich einmal länger mit den globalen Auswirkungen unserer Konsumgewohnheiten beschäftigt, zwängt sich die Frage auf, warum Märkte trotz des wachsenden Bewusstseins der Konsumenten Umstände zulassen, in denen grundlegendste Menschenrechte bei der Produktion unserer alltäglichen Güter mit Füßen getreten werden. Ich halte es für zu bequem, sich mit der häufig zu hörenden Erklärung zufriedenzugeben, der durchschnittliche Konsument habe wenig Interesse an den Arbeits- und Lebensbedingungen in den Produktionsländern und achte ausschließlich auf einen möglichst günstigen Kaufpreis. Die vorliegende Arbeit stellt aus einer ökonomischen Perspektive verschiedene Erklärungsansätze dafür vor, warum die Ergebnisse globalisierter Märkte die hohen moralischen Ansprüche der entscheidenden Akteure, der Konsumenten, nicht widerspiegeln. Die Arbeit wurde im September 2016 fertiggestellt. Mittlerweile hat die Bundesregierung den erwähnten Nationalen Aktionsplan „Wirtschaft und Menschenrechte“ verabschiedet, dem eine gesteigerte Erwartungshaltung an die Privatwirtschaft zu entnehmen ist. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass man verbindliche gesetzliche Maßnahmen in dem Dokument allerdings vergeblich sucht, hat die Thematik nach wie vor hohe Relevanz und Aktualität. Köln, März 2017 Christoph Oslislo 7 1 Inhalt 1 Inhalt .................................................................................. 7 2 Vorhaben und methodische Vorbemerkungen ...... 11 3 Die Wirtschaftsordnung als Ort der Moral .............. 15 4 Fairer Konsum: Legitimierung eines staatlichen Eingriffs ........................................................................... 19 4.1 Exogenes Gerechtigkeitsideal als Rechtfertigung für einen Eingriff: Der Staat gibt vor, was richtig ist ............................... 19 4.2 Zwischenkapitel: Moral als ökonomisches Gut ...................... 20 4.3 Allokatives Marktversagen als Rechtfertigung für einen Eingriff ........................................................................................... 26 4.3.1 Asymmetrische Informationsverteilung als Ursache für allokatives Marktversagen: Fairness sieht man Produkten nicht an .................. 27 4.3.2 Ein Soziales Dilemma als Ursache für allokatives Marktversagen: Fairness als Gemeinschaftsprojekt .......................... 36 4.4 Meritorik als Rechtfertigung für einen Eingriff: Der irrationale Konsument ......................................................... 44 4.5 Externe Effekte .............................................................................. 50 4.6 Zusammenfassung und Diskussion .......................................... 52 5 Instrumentendiskussion .............................................. 57 5.1 Instrumentenkategorien .............................................................. 58 5.2 Zielkonformität ............................................................................. 60 5.2.1 Durchsetzung eines exogen vorgegebenen Gerechtigkeitsideals .................................................. 61 5.2.2 Korrektur des Marktversagens durch asymmetrische Informationsverteilung ................. 63 5.2.3 Korrektur des Marktversagens durch das Soziale Dilemma ................................................. 66 8 5.2.4 Korrektur „falscher“ Präferenzen ........................... 68 5.3 Systemkonformität ....................................................................... 70 5.3.1 Transparenzschaffung ............................................... 71 5.3.2 Veränderung der relativen Preise ........................... 72 5.3.3 Mindeststandards ...................................................... 73 5.4 Zusammenfassung der Ergebnisse ............................................ 74 5.5 Weitere Prüfschritte ..................................................................... 77 6 Politische Aktualität ..................................................... 79 7 Literaturverzeichnis ...................................................... 81

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Zusammenfassung

Seit Jahren steigt das öffentliche Bewusstsein für die globalen Auswirkungen des eigenen Konsumverhaltens. Erstaunlicherweise konnte diese positive Entwicklung bisher jedoch kaum nennenswerte Verbesserungen der Arbeitsbedingungen in den Produktionsländern bewirken. Massive Menschenrechtsverletzungen gehören bei der Herstellung unserer alltäglichen Gebrauchsgüter häufig immer noch zum Arbeitsalltag. Scheitert fairer Konsum in der Praxis daran, dass Verbraucher nicht zwischen fair und unfair produzierten Gütern unterscheiden können? Oder schätzen sie die Auswirkungen der eigenen Konsumentscheidung als zu gering ein? Kann eine fairere Welt nur im Kollektiv erreicht werden und mangelt es der Gesellschaft dahingehend an den nötigen Koordinationsmöglichkeiten? Christoph Oslislo geht der Frage nach, wieso die Ergebnisse der globalisierten Märkte den hohen moralischen Ansprüchen der Konsumenten nicht gerecht werden können. Zur Beantwortung dieser Frage zieht der Autor ökonomische Erklärungsansätze heran, wobei unterschiedliche Konzepte von Moral eine zentrale Rolle einnehmen. Das Ergebnis ist ein Analyseraster, anhand dessen sich politische Instrumente zur Regulierung privatwirtschaftlicher Akteure miteinander vergleichen lassen und das deutlich macht, dass die Art der Rechtfertigung des jeweiligen Einsatzes maßgeblich für die Bewertung ist.