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Ergebnisse der qualitativen und quantitativen Studien in:

Nalan Gürbüz-Bicakci

Gibt es eine Erziehung zur Integration?, page 119 - 192

Eine multimethodische Studie zu türkischen Migranteneltern der Folgegenerationen

1. Edition 2017, ISBN print: 978-3-8288-3980-9, ISBN online: 978-3-8288-6709-3, https://doi.org/10.5771/9783828867093-119

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Sozialwissenschaften, vol. 43

Tectum, Baden-Baden
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119 5 Ergebnisse der qualitativen und quantitativen Studien Im folgenden Kapitel werden die Ergebnisse der qualitativen und quantitativen Studien dargestellt. Zunächst werden die deskriptiven Ergebnisse der quantitativen Erhebung abgebildet. Ergänzend hierzu werden die qualitativen Ergebnisse themenspezifisch für das Erziehungsverhalten (Kapitel 5.3) sowie für das erfasste Integrationserleben (Kapitel 5.4) aufgegriffen. Die Ergebnisse werden erst auf Konstrukt- und anschließend auf Itemebene dargestellt. 5.1 Deskriptive Ergebnisse 5.1.1 Beschreibung der Stichprobe Die Stichprobe (N=213)41 setzte sich aus 174 Müttern (82%) und 39 Vätern (18%) zusammen. 75% der Teilnehmer haben den deutschen Fragebogen bevorzugt. Zunächst soll die gesamte Stichprobe beschrieben und anschließend zwischen den Geschlechtern differenziert werden, da ebenfalls deskriptive Analysen für beide Elternteile separat durchgeführt werden sollen. 41 Alle statistischen Kennwerte und deskriptiven Analysen beziehen sich auf die gesamte Stichprobe (N=213), sofern nicht anders angegeben. 120 Abb. 3: Häufigkeitsverteilung des Alters der Eltern Das Durchschnittsalter der befragten Eltern betrug 35 (SD= 5,5) Jahre, wobei der jüngste Elternteil 23 und der älteste 49 Jahre alt war. 71% der Eltern sind in Deutschland und 29% in der Türkei geboren. Im Durchschnitt lebten die teilnehmenden Eltern seit 29 Jahren in Deutschland (SD=10,3), wobei das Minimum bei zwei Jahren und die maximale Dauer bei 48 Jahren lag. 65% der Elternteile haben die deutsche, 32% die türkische und 3% besitzen beide Staatsangehörigkeiten. Tab. 4: Verteilungen der Einwanderergenerationen der Eltern Einwanderergeneration Häufigkeit Prozent Gültige Prozente Kumulierte Prozente 1. Generation 27 12,7 12,7 12,7 2. Generation 95 44,6 44,6 57,3 3. Generation 82 38,5 38,5 95,8 4. Generation 9 4,2 4,2 100,0 Gesamt 213 100,0 100,0 121 Wie Tabelle 4 zeigt, sind in der vorliegenden Stichprobe alle Einwanderergenerationen vertreten. Es sind Eltern dabei, die zu der ersten Einwanderergeneration (13%) zählen und selbst eingewandert sind. Dazu gehören u.a. Eltern, die zum Zwecke der Familienzusammenführung nach Deutschland migriert sind. Eltern, deren Eltern zuerst einwanderten, gehören zur zweiten Generation und bilden mit 45% die größte Gruppe unter den Teilnehmern. Bei 39% der Stichprobe sind die Großeltern bzw. Urgroßeltern als erste nach Deutschland migriert, womit die Befragten selbst zur dritten bzw. vierten Generation zählen. Somit konnten mit insgesamt 87% türkische Migranteneltern der Folgegenerationen erreicht werden. 62% der Teilnehmer haben ihren Ehepartner in Deutschland gefunden und 38% haben einen Partner aus der Türkei geheiratet, welche zu den sog. Heiratsmigranten zählen. Während 61% der Teilnehmer noch nie in der Türkei gelebt haben, berichten 39% von einer Lebenszeit in der Türkei. 8% hiervon sind sog. Kofferkinder, d.h. sie sind in Deutschland geboren, wurden dann aber in die Türkei geschickt und kamen meist im Vorschulalter bzw. Schulalter wieder zurück nach Deutschland. Im Durchschnitt haben die Teilnehmer 13 Jahre lang (SD= 10) in der Türkei gelebt. Abb. 4: Schulabschlüsse und berufliche Bildungsabschlüsse der Eltern in Prozent 122 Wie in Abbildung 4 zu den Verteilungen der Schulabschlüsse und beruflichen Bildungsabschlüssen dargestellt, haben 33% der Eltern eine Fachhochschulreife, 23% Abitur und 12% einen Hauptschulabschluss. 5% der Eltern haben nur die Grundschule absolviert, was im ehemaligen Schulsystem der Türkei noch möglich war. 26% der Eltern haben einen Universitätsabschluss und nur 1% hat keinen Schulabschluss. Abb. 5: Prozentuale Verteilungen der Erwerbs- und Beschäftigungssituationen Wie die Abbildung 5 zu den Verteilungen der Erwerbs- und Beschäftigungssituation der Eltern zeigt, befanden sich 30% der Eltern zum Zeitpunkt der Befragung in Elternzeit bzw. in Mutterschaftsurlaub. 27% der Eltern arbeiteten in Vollzeit, 17% in Teilzeit und 9% waren geringfügig beschäftigt. 5% der Eltern gaben an, selbstständig tätig zu sein und 2% arbeiteten auf Honorarbasis. Weitere 2% befanden sich in einer schulischen/beruflichen Ausbildung, eine Mutter promovierte zum Zeitpunkt der Befragung und 6% der Eltern gaben an, arbeitssuchend zu sein. 123 0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100% Deutschsprachkenntnisse Türkischsprachkenntnisse (sehr) gut mittelmäßig (sehr) schlecht Abb. 6: Prozentuale Verteilungen der Sprachkenntnisse 88% der Eltern gaben an, gute bis sehr gute Deutschsprachkenntnisse zu haben, 11% mittelmäßige und nur 1% verfügt über schlechte bis sehr schlechte Deutschsprachkenntnisse (M = 1,5442; SD = ,76). Ähnlich verteilt sind die Verteilungen für die Türkischsprachkenntnisse (M = 1,76; SD = ,76). 85% der Eltern verfügen über gute bis sehr gute Türkischsprachkenntnisse, 14% über mittelmäßige und 2% über schlechte Kenntnisse. Kein Elternteil gab an, dass es über sehr schlechte Türkischsprachkenntnisse verfügt. 42 Die Antwortskala für die Sprachkenntnisse war fünfstufig: 1= sehr gut, 2= gut, 3= mittelmäßig, 4= schlecht und 5= sehr schlecht. Für die Darstellung in Abbildung 8 wurden die Angaben gut und sehr gut sowie die Angaben schlecht und sehr schlecht zusammengefasst. 124 0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100% mit Kind mit Partner deutsch türkisch beides sonstiges Abb. 7: Verteilungen zum häuslichen Sprachgebrauch mit dem Kind und mit dem Partner 48% der Eltern unterhalten sich mit ihren Partnern und 47% mit dem Kind sowohl auf Deutsch als auch auf Türkisch (Abb. 7). 35% sprechen mit dem Partner und 29% mit dem Kind nur Türkisch. Nur auf Deutsch unterhalten sich 23% mit ihrem Kind und 16% mit dem Partner. 0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100% Türkischer Verein Deutscher Verein Ja Nein Abb. 8: Prozentuale Verteilungen der Vereinsaktivitäten 125 Die Abbildung 8 zeigt die prozentualen Verteilungen der elterlichen Vereinsaktivitäten. Die meisten Eltern sind in keinem Verein aktiv. Lediglich 25% der Eltern sind in einem türkischen und 35% in einem deutschen Verein aktiv. 34% 15% 7% 45% 1 2 3 4 und mehr Kinder Abb. 9: Anteil der Kinder in den befragten Familien Fast die Hälfte der Teilnehmer (45%) hatten zwei Kinder, 34% ein Kind, 15% hatten drei Kinder und 7% der Eltern hatten vier oder mehr Kinder (Abb. 9). Innerhalb der Stichprobe konnten Eltern von mindestens43 413 Kindern erreicht werden. 12% der Kinder waren im Alter zwischen 0-12 Monaten, 18% im Alter zwischen 1-2 Jahren, 22% waren zwischen 3-4 Jahren, 18% waren im Alter zwischen 5-6 und 30% der Kinder waren älter als sechs Jahre alt44. 43 Da bei der Angabe „vier oder mehr Kinder“ nicht weiter differenziert wurde, wie viele Kinder die Eltern tatsächlich haben, kann hier auch nur von einer Mindestangabe ausgegangen werden. 44 Da insbesondere die elterlichen Erziehungspraktiken für Vorschulkinder (0 bis 6 Jahre) interessierten, wurde eine kleinteilige Altersdifferenzierung nur für diese Altersgruppe erfasst. 126 0 20 40 60 80 100 120 140 160 Zu Hause Krabbelgruppe Kita Tagesmutter 1. Kind 2. Kind 3. Kind 4. Kind Abb. 10: Verteilungen der Kinder im Vorschulalter auf die einzelnen Einrichtungs- und Betreuungsformen in absoluten Zahlen Wie Abbildung 10 zeigt, wurden 85 Kinder (20%) im Vorschulalter zu Hause betreut, 145 Kinder (34%) besuchten eine Kita, 53 Kinder (12%) eine Krabbelgruppe und 3 Kinder (1%) wurden von einer Tagesmutter betreut. In der nachfolgenden Abbildung 11 werden die Verteilungen der Kinder im Schulalter auf die einzelnen Schulformen inklusive der Universität45 abgebildet. 45 Obwohl sich die vorliegende Fragestellung nur auf Kinder im Vorschulalter bezieht, wurden dennoch für die weiteren Kinder der befragten Eltern die besuchten Schulformen erfasst, um ein umfassenderes Bild vom Bildungshintergrund zu erhalten. Hierfür wurde auch nach der Universität gefragt. 127 0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 Grundschule Hauptschule Gesamtschule Realschule Gymnasium Universität 1. Kind 2. Kind 3. Kind 4. Kind Abb. 11: Verteilungen der Kinder im Schulalter auf die einzelnen Schulformen und Universität in absoluten Zahlen Die größte Gruppe unter den Kindern im Schulalter bildeten mit 77 Kindern (18%) die Grundschüler, gefolgt von 28 Kindern (7%), die ein Gymnasium besuchten. Nur 1 Kind ging auf eine Hauptschule (0,2%), 11 Kinder auf eine Gesamtschule (3%), 19 Kinder gingen auf die Realschule (4%) und 5 Kinder (1%) studierten an einer Universität. 25% 57% 18% Ja Nein keine Angabe Abb. 12: Verteilungen der Eltern nach ihren Funktionen in Kita und Schule. 128 25% der Eltern gaben an, eine Funktion in der Kita oder Schule des Kindes zu haben. 18% konnten keine Angabe machen, da das Kind zum Zeitpunkt der Befragung noch nicht in der Kita oder in der Schule war (Abb. 12). Die Funktionen sind sehr heterogen und beinhalten Posten wie Elternsprecher, Elternbeirat, Elternbeiratsvorsitzende, Klassenpflegschaft, Kassenprüfer, Vorsitz des Fördervereins, Schulpflegschaftsvorsitzende sowie Jugendamtselternbeirat. Im Folgenden werden die soziodemographischen Merkmale der Stichprobe geschlechtsspezifisch dargestellt, um die Geschlechterverteilungen und mögliche geschlechtsspezifische Besonderheiten in den weiteren Analysen zu explizieren. 5.1.2 Stichprobe nach Geschlecht Betrachtet man die Zusammensetzung der Stichprobe nach Geschlecht, so ergibt sich folgendes Bild: Die Mütter waren im Durchschnitt 35 Jahre alt (SD = 5,5), wobei die jüngste 23 und die älteste Mutter 49 Jahre alt war. Das Durchschnittsalter der Väter war 38 Jahre (SD = 5), wobei der jüngste Vater 28 und der älteste 46 Jahre alt war. 77% der Väter und 74% der Mütter haben den deutschen Fragebogen benutzt. 71% der Mütter sowie 67% der Väter wurden in Deutschland geboren. Die durchschnittliche Lebenszeit in Deutschland betrug für die Mütter 29 Jahre (SD = 10) und für die Väter 30 Jahre (SD = 12). 37% der Mütter und 49% der Väter haben eine Zeit lang in der Türkei gelebt. 48% der Mütter sowie 51% der Väter gehörten der zweiten Generation an, d.h. ihre Eltern sind zuerst nach Deutschland migriert. Weitere 42% der Mütter gehörten der dritten Generation an, ihre Großeltern waren zuerst nach Deutschland eingereist. 64% der Väter sowie der Mütter hatten eine deutsche Staatsangehörigkeit, jeweils 31% nur die türkische. 3% der Mütter und 5% der Väter besaßen beide Staatsangehörigkeiten. 39% der Mütter sowie 36% der Väter haben einen Ehepartner aus der Türkei geheiratet. 45% der Mütter sowie 41% der Väter hatten jeweils zwei Kinder. Nur ein Kind hatten 36% der Mütter und 28% der Väter. 14% der Mütter hatten drei Kinder und 5% vier oder mehr Kinder. Jeweils 16% der Väter hatten je drei bzw. vier oder mehr Kinder. Im Durchschnitt hatten beide Elternteile zwei Kinder (SD= 1). 129 Eine Funktion in der Kita bzw. Schule des Kindes hatten 27% der Mütter sowie 18% der Väter. Tab. 5: Prozentuale Verteilungen der Schul- und beruflichen Bildungsabschlüsse nach Geschlecht Geschlecht Schulabschluss Gesamt Grundschulabschluss Hauptschulabschluss Realschulabschluss/- Fachhochschulreife Abitur Universitätsabschluss kein Schulabschluss Weiblich 5,7% 13,8% 35,1% 20,7% 24,1% 0,6% 100% Männlich 0 5,1% 23,1% 33,3% 35,9% 2,6% 100% Wie die Tabelle 5 zeigt, hatten die meisten befragten Väter ein Abitur (33%) oder einen Universitätsabschluss (36%), 23% hatten einen Realschulabschluss bzw. eine Fachhochschulreife, 5% einen Hauptschulabschluss und 3% hatten keinen Schulabschluss. Die meisten befragten Mütter hatten einen Realschulabschluss bzw. eine Fachhochschulreife (35%). 6% der Mütter hatten einen Grundschulabschluss, was in ehemaligen Schulsystem der Türkei noch möglich war. 14% der Mütter hatten einen Hauptschulabschluss, 21% ein Abitur, 24% einen Universitätsabschluss und 1% der Mütter hatten keinen Schulabschluss. Die Verteilungen der Beschäftigungs- und Erwerbssituation zeigt, dass sich die meisten Mütter (36%) zum Zeitpunkt der Befragung in Mutterschutz bzw. Elternzeit befanden. 20% waren in Teilzeit, 16% Vollzeit und weitere 12% geringfügig erwerbstätig. Während 8% der Mütter arbeitssuchend waren, hatten alle Väter der Befragung eine Beschäftigung. 80% der teilnehmenden Väter waren in Vollzeit erwerbstätig. Teilzeit bzw. selbstständig waren jeweils 8% der Väter und jeweils 3% befanden sich in einer beruflichen/schulischen Ausbildung sowie in Elternzeit. In ihrer Freizeit aktiv in einem Verein waren 53% der Mütter und 90% der Väter, wobei die meisten hiervon in einem deutschen Verein aktiv waren (m = 46%, w = 32%). Die nachfolgende Tabelle 6 zeigt die Verteilungen der Sprachkenntnisse. 130 Tab. 6: Verteilungen der Sprachkenntnisse (Türkisch/Deutsch) nach Geschlecht Sprachkenntnisse Deutsch Türkisch Geschlecht Häufigkeit Prozent Häufigkeit Prozent Männlich sehr gut 25 64,1 17 43,6 gut 10 25,6 15 38,5 mittelmäßig 4 10,3 7 17,9 Gesamtsumme 39 100,0 39 100,0 Weiblich sehr gut 103 59,2 72 41,4 gut 49 28,2 76 43,7 mittelmäßig 19 10,9 22 12,6 schlecht 2 1,1 4 2,3 sehr schlecht 1 ,6 -- -- Gesamtsumme 174 100,0 174 100,0 Die Sprachkenntnisse der teilnehmenden Eltern sind relativ ähnlich verteilt. Beide Elternteile gaben eher gute bis sehr gute Deutsch- und Türkischsprachkenntnisse an. 87% der Mütter und 90% der Väter verfügten über gute bis sehr gute Deutschsprachkenntnisse. 11% der Mütter und 10% der Väter sprachen Deutsch auf einem mittelmäßigen Niveau und kaum ein Elternteil verfügte über schlechte bis sehr schlechte Deutschsprachkenntnisse. Die Verteilungen der Türkischsprachkenntnisse sind ähnlich: 85% der Mütter sowie 82% der Väter berichteten von guten bis sehr guten, 12% der Mütter und 18% der Väter von mittelmäßigen Türkischsprachkenntnissen. Der familiale Sprachgebrauch zeigt deutlich, dass beide Elternteile vermehrt beide Sprachen mit ihren Partnern und Kindern sprachen. 47% der Mütter und 51% der Väter sprachen mit ihren Ehepartnern, 46% der Mütter sowie 49% der Väter mit ihren Kindern sowohl Deutsch als auch Türkisch. Nur Türkisch sprachen 37% der Mütter und 26% der Väter mit ihren Partnern und 30% der Mütter sowie 26% der Väter mit ihren Kindern im familiären Umfeld. Nachdem die soziodemographischen Daten der Stichprobe ausführlich dargestellt wurden, soll im Folgenden eine Überprüfung der faktoriellen Struktur des Messinstrumentes erfolgen. Die bisher dargestellten deskriptiven Ergebnisse zur Stichprobe werden ab Kapitel 5.3 zur Deskription des Erziehungsverhaltens sowie Integrationserlebens erneut aufgegriffen. Obwohl keine repräsentative Studie intendiert ist, soll im Folgenden ein exemplarischer Ausschnitt der Grundgesamtheit aus dem Mikrozensus 2015 131 rezitiert werden, um eine Basis für Vergleiche zu haben. In der Einschätzung der eigenen Stichprobendaten werden Mikrozensusdaten analytisch herangezogen. 5.1.3 Ein exemplarischer Ausschnitt der Grundgesamtheit Die Grundgesamtheit der vorliegenden Untersuchung sind alle Personen mit türkischem Migrationshintergrund in Deutschland. Dabei spielt das Vorhandensein einer eigenen Migrationserfahrung eine eher sekundäre Rolle. Im Folgenden sollen Auszüge aus dem Mikrozensus 2015 des Statistischen Bundesamtes zur deskriptiven Beschreibung der Zielgruppe dargestellt werden. In Deutschland leben insgesamt 16,4 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund (Statistisches Bundesamt 2015:7) und davon sind ca. 2,9 Millionen Menschen türkischer Herkunft (ebd.:82). Unterteilt man die Türken in Personen mit und ohne eigene Einwanderungserfahrung, so sieht man, dass eine kleine Mehrheit bereits in Deutschland geboren ist. 1,4 Millionen Türken sind eingewandert und 1,5 Millionen Personen türkischer Herkunft leben seit ihrer Geburt in Deutschland. Das Durchschnittsalter bei der Einreise beträgt 18,8 Jahre (ebd.:118). 48% der in Deutschland lebenden Türken haben eine eigene Einwanderungserfahrung. Die meisten von ihnen (91%) sind im Alter zwischen 15-64 Jahren, d.h. 1960 oder später zugezogen (ebd.:542). Während nur 19 % für eine Beschäftigung zugewandert sind, sind 46 % für eine Familienzusammenführung nach Deutschland migriert (ebd.:543), was die Relevanz der Familie sowie die Aktualität der Heiratsmigration offensichtlich erscheinen lässt. Insgesamt sind türkische Migrantenfamilien unter den Familien in Deutschland überrepräsentiert, von den insgesamt 2,5 Mio. Familien mit Migrationshintergrund stellen türkische Familien mit 18,3% den größten Anteil dar (vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 2016:11). Im Durchschnitt leben türkische Menschen mit Migrationshintergrund bereits fast dreißig Jahre in Deutschland (Statistisches Bundesamt 2015:120) und sind im Durchschnitt 32,4 Jahre alt. Für Personen mit Migrationshintergrund in Deutschland gilt im Allgemeinen, dass sie in etwas größeren Haushalten leben als Personen ohne Migrationshintergrund (ebd.:7). Sie leben „häufiger in einer klassischen Familie bestehend aus verheirateten Eltern und Kindern (53,3% gegenüber 31,9%)“ (ebd.:7). Insgesamt leben 80% der türkischen Personen in Familien, sei es mit den Eltern oder dem Ehepartner (ebd.:344). Von den knapp 1,5 Millionen türkischen Männern (ebd.:94) sind die Hälfte ledig bzw. leben in einer Lebenspartnerschaft, 46% sind verheiratet (ebd.:136) und vier Prozent sind ge- 132 schieden oder verwitwet. Von den verheirateten Männern sind knapp 88% mit einer Ausländerin bzw. Deutschen mit Migrationshintergrund verheiratet. Von den 1,4 Millionen türkischen Frauen (ebd.:137) sind 44% ledig bzw. leben in einer Lebenspartnerschaft, 47% sind verheiratet (ebd.:138) und neun Prozent sind geschieden oder verwitwet. Von insgesamt einer Million Türken in Lebensformen leben 59% in Familien, davon 34% mit einem Kind, 40% mit zwei Kindern sowie 26% mit drei und mehr Kindern (ebd.:381). Im Schnitt haben türkische Eltern somit zwei Kinder. 75 % der Familien haben Kinder unter 18 Jahren. Jeweils 29 % der Männer und Frauen befinden sich zum Zeitpunkt des Mikrozensus 2015 in einer schulischen Ausbildung bzw. sind noch nicht schulpflichtig. 54% der Männer und 47% der Frauen haben bereits einen Schulabschluss (ebd.:232). Betrachtet man die Verteilungen auf die einzelnen Schulabschlüsse, so ergibt sich folgendes Bild: 28,5% der Männer und 23,8% der Frauen haben einen Hauptschulabschluss, 13,1% der Männer und 12,8% der Frauen einen Realschulabschluss, 8,3% der Männer sowie 7,3% der Frauen haben ein Abitur und 3,5 % der Männer bzw. 3% der Frauen haben eine Fachhochschulreife. Ohne Schulabschluss sind 16,7% der Männer und 23,2% der türkischen Frauen (ebd.: 233ff.) und ohne berufsqualifizierenden Bildungsabschluss sind 71,7% der Männer und 80,8% der Frauen. Trotz dieser schlechten Berufsqualifizierung finanzieren 43,6% der Männer und 23,3% der Frauen ihren Lebensunterhalt durch eigene Erwerbs-/Berufstätigkeit (ebd.:422, 437). Von den 27,9% Männern und 19% Frauen mit einem berufsqualifizierenden Bildungsabschluss besitzen die meisten eine Lehre oder vergleichbaren Abschluss. Einen universitären Abschluss (Bachelor, Diplom) haben insgesamt 4% der Männer und 3% der Frauen (ebd.:283). Von allen in Deutschland lebenden Personen mit türkischem Migrationshintergrund sind 43% Erwerbspersonen und davon sind 90% erwerbstätig. Unter allen Erwerbstätigen sind 44% als Angestellte, 41% als Arbeiter, 8% als Selbstständige sowie 7% als Auszubildende tätig (ebd.:452ff.). Betrachtet man die Deutschsprachkenntnisse, so beherrschen 31% die deutsche Sprache fließend, 25% fortgeschritten und 18% verfügen über Grundkenntnisse (ebd.:544). Im nachfolgenden Kapitel wird das neu konstruierte Messinstrument mittels einer explorativen Faktorenanalyse überprüft. 133 5.2 Überprüfung der Messinstrumente Da die Konzipierung der Skalen und die operationalisierten Items aus den teilnehmenden Beobachtungen, einer modifizierten Version des DEAPQ-EL- GS sowie dem Integrationsbarometer resultieren, handelt es sich bei dem vorliegenden Messinstrument um ein völlig neu konstruiertes Konstrukt, welches in seiner Form noch nicht an einer Stichprobe überprüft wurde. Daher erfolgte zunächst eine explorative Faktorenanalyse, welche ein strukturentdeckendes Verfahren ist (vgl. Kopp/Lois 2014). Das explorative Vorgehen wird eingesetzt, „wenn der Forscher noch keine ausgereiften theoretischen Vorstellungen über den Zusammenhang zwischen den zugrundeliegenden Variablen hat“ (ebd.:84). Ziel der explorativen Faktorenanalyse ist es „sowohl die Anzahl der Faktoren (Dimensionen) als auch die Zusammenhänge zwischen den Faktoren einerseits (‚Faktorenkorrelationen’) und zwischen den Faktoren und den Variablen andererseits (‚Faktorladung’) aus den Daten zu errechnen“ (Raithel 2008:106). Die Itemzusammenfassungen sollen mit der Intention erfolgen, „möglichst viele Informationen aus dem ursprünglichen Datensatz zu erhalten“ (ebd.:105). Die theoretischen Grundlagen, die in Kapitel 1 dargelegt wurden und die theoretischen Überlegungen zu den a priori Skalenzusammensetzungen stellen die Grundlage für eine inhaltliche Interpretation der berechneten Faktorenstruktur dar. Zunächst mussten die Voraussetzungen46 für eine Faktorenanalyse überprüft werden, da die Anwendung einer Faktorenanalyse überzufällige Korrelationen zwischen den Items voraussetzt (vgl. Kopp/Lois 2014:95). Mit dem Kaiser-Meyer-Olkin-Maß (KMO) wird jede einbezogene Variable auf ihre Eignung für eine Faktorenanalyse geprüft. Das KMO-Kriterium gibt an, „in welchem Umfang die Items zusammengehören“ (ebd.). Der KMO-Maß kann einen Wert zwischen 0 und 1 annehmen. Ab einem Wert größer gleich 0,70 werden die Variablen als geeignet für eine Faktorenanalyse betrachtet. Zusätzlich wurde der Bartlett-Test hinzugezogen, um die Nullhypothese zu testen, „dass die ausgewählten Items in der Erhebungsgesamtheit unkorreliert sind“ (ebd.). Hierfür muss mindestens das 5%-Signifikanzniveau erreicht werden, um von einer überzufälligen Korrelation ausgehen zu können. Die nachfolgende Tabelle 7 zeigt die Ergebnisse des KMO und Bartlett-Test für das Erziehungsverhalten. 46 Zu den Voraussetzungen einer Faktorenanalyse vgl. u.a. Raithel (2008:103f.); Bühner (20099; Kopp&Lois (2014:95) 134 Tab. 7: KMO und Bartlett-Test: Erziehungsverhalten Kaiser-Meyer-Olkin-Maß der Stichprobeneignung. ,727 Bartlett-Test auf Sphärizität Näherungsweise Chi-Quadrat 4177,548 df 1596 Sig. ,000 Der KMO-Maß für das Messinstrument zum Erziehungsverhalten beträgt 0,73 und es liegt ein hoher Chi-Quadrat-Wert bei niedriger Irrtumswahrscheinlichkeit vor, daher kann die Nullhypothese abgelehnt und eine explorative Faktorenanalyse durchgeführt werden. (Tab. 7). Die Ergebnisse des KMO und Bartlett-Test zum Integrationserleben werden in der nachfolgenden Tabelle 8 dargestellt. Tab. 8: KMO und Bartlett-Test: Integration Kaiser-Meyer-Olkin-Maß der Stichprobeneignung. ,793 Bartlett-Test auf Sphärizität Näherungsweise Chi-Quadrat 2764,251 df 528 Sig. ,000 Gleiches gilt für die Variablen zur Messung des Integrationserlebens. Hier liegt der KMO-Wert bei 0,79 bei niedriger Irrtumswahrscheinlichkeit mit einem Signifikanzniveau von ,000 (Tab. 8), daher kann eine explorative Faktorenanalyse durchgeführt werden. In die Faktorenanalyse wurden 57 Items zur Messung des elterlichen Erziehungsverhaltens und 38 Items zur Erfassung des subjektiven Integrationserlebens einbezogen. Im Folgenden sollen die Faktorenstrukturen, die internen Konsistenzen der einzelnen Skalen und die jeweiligen Korrelationen jeweils einzeln für beide Konstrukte dargestellt werden. Zunächst wird die Faktorenstruktur des Erziehungsverhaltens überprüft. 135 5.2.1 Faktorenstruktur Erziehungsverhalten Im Mittelpunkt der theoretischen Überlegungen zur Skalenbildung standen die in den teilnehmenden Beobachtungen erfassten Kategorien sowie die sechs Erziehungsstildimensionen von Reichle und Franiek (2007, 2009). Diese theoretisch postulierte Dimensionalität der Skalen ließ sich in vorliegender Stichprobe nicht bestätigen. Theoretisch angenommen waren, wie bereits im Kapitel 4.5.2.2 dargestellt, 13 Faktoren mit jeweils drei bis fünf Items pro Skala. Drei weitere Items wurden ohne Skalenzugehörigkeit konstruiert. Zunächst wurde eine Hauptkomponentenanalyse mit Varimax-Rotation und Kaiser-Normalisierung durchgeführt. Die Hauptkomponentenanalyse ist eine „häufig verwendete Variante der Faktorenanalyse“ (Kopp/Lois 2014:89) und wird zur Itemzusammenfassung eingesetzt“, mit dem Ziel, möglichst viele Informationen aus dem ursprünglichen Datensatz zu erhalten“ (Raithel 2008:105). Items, die untereinander stark korrelieren, werden zu einem Faktor zusammengefasst (vgl. ebd.:106). Abb. 13: Scree-Plot Erziehungsverhalten Nach dem Kaiser-Guttmann-Kriterium, wo nur die Faktoren mit einem Eigenwert größer 1 extrahiert werden (vgl. Kopp/Lois 2014:93f.), wurden in vorliegender Stichprobe zunächst 17 Faktoren extrahiert. Da aber auf einigen Komponenten nur jeweils ein bis zwei Items laden, wurde der Scree-Test zusätzlich hinzugezogen. Der Eigenwertverlauf der Faktoren zeigte im Scree- 136 Plot einen Knick („Knickkriterium“) nach dem fünften und nach dem zwölften Faktor (Abb. 13). Hinsichtlich der inhaltlichen Interpretierbarkeit und einer ausreichenden Gesamtvarianz von 54% erschien das Selektionskriterium nach dem Scree- Plot mit einer Festlegung auf zwölf Faktoren als plausibel. Die nachfolgende Tabelle 9 zeigt die einzelnen Varianzanteile auf. Tab. 9: Erklärte Gesamtvarianz Komponente Anfängliche Eigenwerte Extrahierte Summen von quadrierten Ladungen Rotierte Summen von quadrierten Ladungen Gesamtsumme % der Varianz Kumulativ% Gesamtsumme % der Varianz Kumulativ % Gesamtsumme % der Varianz Kumul ativ % 1 7,656 13,432 13,432 7,656 13,432 13,432 4,174 7,323 7,323 2 4,837 8,486 21,918 4,837 8,486 21,918 3,570 6,264 13,587 3 3,072 5,390 27,308 3,072 5,390 27,308 2,934 5,147 18,734 4 2,504 4,393 31,701 2,504 4,393 31,701 2,821 4,949 23,683 5 1,907 3,346 35,047 1,907 3,346 35,047 2,691 4,721 28,404 6 1,869 3,280 38,326 1,869 3,280 38,326 2,411 4,230 32,634 7 1,726 3,028 41,354 1,726 3,028 41,354 2,402 4,214 36,848 8 1,680 2,947 44,301 1,680 2,947 44,301 2,223 3,899 40,748 9 1,506 2,643 46,944 1,506 2,643 46,944 2,115 3,710 44,458 10 1,462 2,566 49,509 1,462 2,566 49,509 1,989 3,490 47,948 11 1,335 2,342 51,851 1,335 2,342 51,851 1,849 3,244 51,192 12 1,234 2,164 54,015 1,234 2,164 54,015 1,609 2,823 54,015 13 1,204 2,113 56,129 14 1,141 2,002 58,131 15 1,100 1,930 60,060 16 1,051 1,845 61,905 17 1,022 1,793 63,698 18 ,981 1,722 65,419 Wie die Tabelle 9 zeigt, betragen die Eigenwerte der extrahierten Faktoren: 7,66 (1), 4,84 (2), 3,07 (3), 2,50 (4), 1,91 (5), 1,87 (6), 1,73 (7), 1,68 (8), 1,50 (9), 1,46 (10), 1,34 (11), 1,23 (12). Auf die zwölf extrahierten Faktoren entfallen die folgenden Varianzanteile: 13,43 (1), 8,49 (2), 5,39 (3), 4,39 (4), 3,35 (5), 3,28 (6), 3,03 (7), 2,95 (8), 2,64 (9), 2,57 (10), 2,34 (11), 2,16 (12). Gemeinsam erklären sie statistisch 54% der Gesamtvarianz, wobei der erste Faktor mit 13% den größten Beitrag 137 leistet. Da die 50%-Marke überschritten wird, gilt dies für sozialwissenschaftliche Datenbestände als ein zufriedenstellendes Ergebnis (vgl. Raithel 2008:110f.). Mit diesen extrahierten zwölf Faktoren können die 57 Ausgangsvariablen ausreichend erklärt werden. Die Ergebnisse der Hauptkomponentenanalyse zeigen eine leicht modifizierte Faktorenstruktur als theoretisch angenommen. Auch die Erziehungsstildimensionen aus dem von Reichle und Franiek validierten DEAPQ-EL-GS lassen sich in vorliegender Stichprobe nicht bestätigen. Offenbar liegt es an den neu konstruierten und für die eigene Zielgruppe modifizierten Items. Da die Ergebnisse aber inhaltlich stimmig sind sowie den qualitativ erfassten Daten entsprechen, wird die berechnete Faktorenstruktur angenommen. Im Folgenden sollen die Ergebnisse der Hauptkomponentenanalyse mit ihren möglichen Bezeichnungen dargestellt werden. Die Grundlage für die Interpretationen stellen theoretische Überlegungen und die Höhe der Faktorladungen dar. Dabei werden Faktorladungen ab 0,5 als hoch bezeichnet (vgl. Kopp/Lois 2014:90). Die einzelnen Items werden mit ihren jeweiligen Faktorladungen tabellarisch angegeben und inhaltlich konkretisiert. Faktor 1: Autoritäres Erziehungsverhalten Bei Diskussionen mit Ihrem Kind kommt es vor, dass Ihre Worte nicht ausreichen und Sie auch schon mal anpacken müssen. ,671 Ihr Kind darf TV schauen, wenn Sie etwas anderes zu tun haben. ,650 Je nachdem, wie gut sie gelaunt sind, sind die Strafen für Ihr Kind mehr oder weniger streng. ,622 Sie drohen mit einer Strafe, damit ihr Kind gehorcht. ,610 Sie geben Ihrem Kind einen Klaps, wenn es etwas Falsches gemacht hat. ,589 Sie drohen dem Kind eine Strafe an, strafen es dann aber doch nicht. ,546 Sie geben Ihrem Kind Ihr Handy zum Spielen, wenn Ihr Kind es möchte. ,496 Ihr Kind hat etwas falsch gemacht und verhandelt so lange mit Ihnen, bis Sie von einer Bestrafung absehen. ,474 Auf diesen ersten Faktor laden acht Items der Ursprungsskalen körperliche Strafen, Ablenkungen, Machtvolle Durchsetzung sowie Inkonsistenz. Die Zusammensetzung ist inhaltlich stimmig und kann als „autoritäres Erziehungsverhalten“ interpretiert werden. Inhaltlich besteht diese Dimension aus körperlich strafenden, ablenkenden, sich gegen die Interessen des Kindes durchsetzenden und inkonsistenten Erziehungspraktiken. Das Item „Bei Diskussionen mit Ihrem Kind kommt es vor, dass Ihre Worte nicht ausreichen 138 und Sie auch schon mal anpacken müssen“ hat die höchste Faktorladung mit ,67. Faktor 2: Entwicklungsförderndes Erziehungsverhalten Sie zeigen Ihrem Kind, wie es bestimmte Handlungen ausführen kann. ,635 Zu Hause hat Ihr Kind viele Freiräume und kann sich austoben. ,632 Sie bringen Ihrem Kind Dinge bei, die es gerne wissen möchte. ,597 Sie erklären Ihrem Kind, wie man sich in einer bestimmten Situation gut benimmt. ,556 Ihr Kind darf seinen eigenen Erfahrungsraum haben. ,545 Sie unterhalten sich viel mit Ihrem Kind. ,541 Sie erklären Ihrem Kind jede Situation und jede Handlung, die sie ausführen. ,430 Sie wiederholen mehrmals und erinnern an auszuführende Handlungen. ,411 Sie wünschen sich, dass Ihr Kind selbstständig wird. ,363 Sie unterhalten sich mit Ihrem Kind wie mit einem Erwachsenen. ,340 Dieser zweite Faktor beinhaltet fast nur Erziehungspraktiken, die in den teilnehmenden Beobachtungen erfasst wurden. Nur ein Item, welches ursprünglich der Erziehungsstildimension „Verantwortungsbewusstes Erziehungsverhalten“ zugeordnet war „Sie erklären Ihrem Kind, wie man sich in einer bestimmten Situation gut benimmt“, korreliert mit einer hohen Faktorladung von ,56 mit diesem Faktor. Diese Skalenzusammensetzung erscheint plausibel und inhaltlich stimmig. Die Items wurden ursprünglich den Skalen: Geduld, entwicklungsförderndes Erziehungsverhalten, innerfamiliäre Kommunikation, verantwortungsbewusstes Erziehungsverhalten zugeordnet. Inhaltlich besteht diese Dimension aus elterlichen Erziehungspraktiken, welche die Unterstützung des Kindes und seiner Selbstständigkeit im Fokus haben, kommunikativ und geduldig das Kind in seiner Entwicklung fördern sollen. Es entspricht den teilnehmenden Beobachtungen in den Familien. Dieser Faktor kann als „entwicklungsförderndes Erziehungsverhalten“ bezeichnet werden. Faktor 3: Involviertheit Sie gehen zu verpflichtenden Treffen in den Kindergarten/ in die Schule Ihres Kindes (z.B. Elternbeiratssitzungen, Elternsprechtagen). ,861 Sie gehen zu freiwilligen Treffen in den Kindergarten/ in die Schule Ihres Kindes. ,843 Sie fragen Ihr Kind, wie sein Tag war. ,713 Sie bringen Ihr Kind zu einer Freizeitbeschäftigung. ,506 139 Dieser Faktor beinhaltet nur Items, die der Skala Involviertheit zugeordnet wurden und stimmt somit mit der Ursprungsskala überein. Die Bezeichnung kann beibehalten werden. Faktor 4: Geduldiges Erziehungsverhalten Ihre Stimme bleibt ruhig, obwohl Sie wütend sind. ,743 Ihre Stimme bleibt sanft, auch wenn Sie Ihrem Kind etwas mehrmals erklären müssen. ,689 Sie bleiben ruhig und geduldig, obwohl der Alltag sehr anstrengend sein kann. ,672 Der vierte Faktor besteht aus drei Items und entspricht den theoretischen Überlegungen. Sie beinhaltet Variablen, welche Ruhe und Geduld im Umgang mit dem Kind sowie die Kontrolle und Beherrschung eigener Gefühle indizieren. Die Stimme der Eltern klingt nicht wütend, obwohl sie ungeduldig werden oder sogar wütend sind. Die Eltern bleiben ruhig und geduldig, obwohl sie den Alltag als anstrengend empfinden. Die ursprüngliche Bezeichnung „Geduld im Umgang mit dem Kind“ kann in „Geduldiges Erziehungsverhalten“ umbenannt werden. Faktor 5: Behütendes Erziehungsverhalten Sie kontrollieren neue Örtlichkeiten und Räume hinsichtlich deren Sicherheit ,725 Sie wissen ganz genau, was Sie mit Ihrer Erziehung erreichen wollen. ,551 Die Bedürfnisse Ihres Kindes sind wichtiger als Ihre eigenen. ,459 Sie behalten Ihr Kind immer im Blick, um Gefahren zu vermeiden ,426 Ihr Kind ist das Wichtigste in Ihrem Leben. ,384 Faktor 5 vereint Items dreier Ursprungsskalen aus den teilnehmenden Beobachtungen (Behütung, Kindzentriertheit und entwicklungsförderndes Erziehungsverhalten). In seiner inhaltlichen Zusammensetzung erscheint es aber plausibel, da sich diese Erziehungspraktiken inhaltlich ergänzen. Dieser Faktor kann als kontrollierendes, überbehütendes, zielgerichtetes und kindzentriertes Erziehungsverhalten beschrieben werden. Das Item „Sie kontrollieren neue Örtlichkeiten und Räume hinsichtlich deren Sicherheit“ hat die höchste Faktorladung mit ,73 und wird daher zur Faktorbezeichnung bevorzugt. Eine mögliche Bezeichnung wäre: behütendes Erziehungsverhalten. 140 Faktor 6: Machtvoll durchsetzendes Erziehungsverhalten Wenn Ihr Kind möchte, dass Sie eine Ausnahme machen, bestehen Sie auf Ihren Regeln, damit klar ist, wer in der Familie das Sagen hat. ,656 Bei Ihnen wird gegessen, was auf den Tisch kommt, auch wenn es Ihrem Kind nicht schmeckt. ,547 Wenn Ihr Kind anfängt mit Ihnen zu verhandeln, sprechen Sie ein Machtwort. ,482 Sie setzen Ihrem Kind klare Grenzen, damit es Ihnen nicht auf der Nase herum tanzt. ,463 Es gibt Tage, an denen Sie strenger sind als an anderen. ,403 Wenn Sie Ihr Kind bestrafen, erklären Sie ihm genau, warum. ,350 Auf Faktor 6 laden fast nur Items, welche der Skala machtvolle Durchsetzung zugeordnet waren. Ein Item „ Es gibt Tage, an denen sie strenger sind als an anderen“ wurde als Inkonsistenz aufgefasst, doch aufgrund einer inhaltlichen Stimmigkeit der einzelnen Items, kann dieser Faktor als „machtvoll durchsetzendes Erziehungsverhalten“ beibehalten werden. Der Faktor beinhaltet Items, welche sich über die Interessen des Kindes hinwegsetzendes, an starre Regeln haltendes, machtvoll durchsetzendes und teilweise inkonsistentes Erziehungsverhalten erfasst werden. Faktor 7: Partnerschaftliches Erziehungsverhalten Sie haben eine feste Aufgabenteilung in der Erziehung mit Ihrer Partnerin/Ihrem Partner. ,631 Den Haushalt erledigen Sie gemeinsam mit Ihrer Partnerin/Ihrem Partner. ,586 Die Erziehung Ihres Kindes teilen Sie mit Ihrer Partnerin/ Ihrem Partner. ,561 Sie sprechen mit Ihrem Partner / Ihrer Partnerin darüber, ob sie Ihrem Kind etwas erlauben oder verbieten sollen. ,554 Es fällt Ihnen schwer, in Ihrer Erziehung konsequent zu sein. -,394 Faktor 7 ist ganz eindeutig zu interpretieren und beinhaltet nur Items, welche sich auf eine innerfamiliäre Aufgabenteilung unter den Ehepartnern beziehen. Dieser Faktor wird als „partnerschaftliches Erziehungsverhalten“ bezeichnet. Ein Item, welches ursprünglich der Skala verantwortungsvolles Erziehungsverhalten zugeordnet war, korreliert mit einer hohen Faktorladung ,55 mit diesem Faktor. Inhaltlich hat es ebenfalls eine bessere Stimmigkeit mit diesem Faktor. Das Item „Es fällt Ihnen schwer, in Ihrer Erziehung konsequent zu sein“ korreliert negativ und sehr viel schwächer mit den anderen zu diesem Faktor gehörenden Items. Sie misst die Zieldimension „partnerschaftliches 141 Erziehungsverhalten“ schwächer als ihre Koindikatoren, dennoch ist eine inhaltliche Übereinstimmung erkennbar. Ursprünglich wurde dieses Item der Skala Inkonsistenz zugeordnet. Konsequenz in der Erziehung bedarf beider Elternteile und scheitert oft an der gemeinsamen Zusammenarbeit der Eltern. Die negative Korrelation könnte ein Hinweis darauf sein, dass eine adäquate innerfamiliäre Aufgabenteilung, eine partnerschaftliche Zusammenarbeit fehlen muss, wenn ein Elternteil inkonsequent ist. Faktor 8 Sie umarmen Ihr Kind oder geben ihm einen Kuss, wenn es etwas gut gemacht hat. ,700 Sie tun oder sagen etwas, damit Ihr Kind in gute Stimmung kommt. ,526 Die Sicherheit Ihres Kindes ist Ihnen sehr wichtig. ,521 Faktor 8 stellt sich schwierig in seiner Interpretation dar, denn es beinhaltet drei Items, welche drei Ursprungsskalen zugeordnet waren. Somit ist es eine neue Skalenzusammensetzung. Positives Elternverhalten, verantwortungsvolles Erziehungsverhalten und Behütung sind die Ursprungsskalen. Da eine adäquate Bezeichnung dieses Faktors kaum möglich ist und ein sehr geringer Cronbachs Alpha von α = ,48 zeigt, dass die Items nicht homogen sind, also nicht dasselbe messen, wird dieser Faktor bei weiteren Analysen nicht weiter beachtet. Faktor 9: Kindzentriertes Erziehungsverhalten In Ihrem Alltag dreht sich alles um Ihr Kind. ,778 Die meiste Zeit Ihres Alltages verbringen Sie mit Ihrem Kind. ,734 Sie lesen Ihren Kindern aus Büchern vor. ,356 Faktor 9 beinhaltet zwei Items, welche der Ursprungsskale kindzentriertes Erziehungsverhalten zugeteilt wurden und ein Item, welches zunächst keine direkte Skalenzuordnung erhielt. Das Item „Sie lesen ihren Kindern aus Büchern vor“ beinhaltet inhaltlich auch, dass man Zeit mit dem Kind verbringt und sich dem Kind widmet. Die ersten beiden Aussagen „In ihrem Alltag dreht sich alles um Ihr Kind“ und „Die meiste Zeit Ihres Alltages verbringen Sie mit ihrem Kind“ haben sehr hohe Faktorladungen. Somit kann dieser Faktor als „kindzentriertes Erziehungsverhalten“ bezeichnet werden. 142 Faktor 10: Positives Elternverhalten Sie führen ein freundliches Gespräch mit Ihrem Kind. ,703 Sie sagen Ihrem Kind, dass es etwas gut gemacht hat. ,660 Sie kuscheln und küssen Ihr Kind mehrmals am Tag. ,400 Auf Faktor 10 laden drei Items, welche inhaltlich mit der Ursprungsskale „Positives Elternverhalten“ übereinstimmen. Somit ist dieser Faktor als positives Elternverhalten zu bezeichnen. Das Item „Sie führen ein freundliches Gespräch mit Ihrem Kind“ hat mit ,70 die höchste Faktorladung. Eine freundliche Kommunikationsstruktur scheint zum positiven Elternverhalten dazuzugehören. Faktor 11 Wenn Sie beobachten, dass Eltern ihr Kind ohrfeigen, würden Sie es am liebsten in Schutz nehmen. -,691 Sie achten darauf, ob Ihr Kind mit anderen Kindern friedlich umgeht und greifen ein, wenn Ihr Kind sich nicht friedlich verhält. ,438 Sie loben Ihr Kind, wenn es sich gut benommen hat. ,391 Faktor 11 beinhaltet drei Items aus drei unterschiedlichen Ursprungsskalen: Körperliche Strafen, Verantwortungsbewusstes Elternverhalten und Positives Elternverhalten. Eine inhaltliche Übereinstimmung ist nicht möglich. Betrachtet man den Reliabilitätskoeffizienten, so bestätigt ein geringer Cronbachs Alpha α =,45, dass die interne Konsistenz sehr gering ausfällt. Daher wird dieser Faktor nicht in die weiteren Analysen einbezogen. Faktor 12 Sie überlegen sich, wie Ihr Kind sich im Umgang mit anderen Menschen benehmen soll. ,575 Sie lenken Ihr Kind mit alternativen Handlungen ab, wenn es trotzt. ,421 Auf Faktor 12 laden zwei Items, welche inhaltlich inkongruent sind. In den apriori Skalen als verantwortungsbewusstes Elternverhalten und Ablenkungen operationalisierte Skalen laden gemeinsam auf diesen Faktor. Eine inhaltliche Interpretation ist nicht möglich. Die interne Konsistenz dieses Faktors ist mit einem Cronbachs Alpha Koeffizienten α =,39 sehr gering. Daher wird dieser Faktor in den weiteren Analysen ausgeschlossen. 143 Im Hinblick auf die Reliabilität und Gültigkeit der faktoriellen Struktur ergeben sich für die einzelnen Skalen die nachstehenden internen Konsistenzen nach Cronbachs Alpha (N = 213): (1) Autoritäres Erziehungsverhalten: (8 Items, α =,79) (2) Entwicklungsförderndes Erziehungsverhalten (10 Items, α =,75 ) (3) Involviertheit (4 Items, α =,78) (4) Geduldiges Erziehungsverhalten (4 Items, α =,74) (5) Behütendes Erziehungsverhalten (5 Items, α =,66) (6) Machtvoll durchsetzendes Erziehungsverhalten (6 Items, α =,60) (7) Partnerschaftliches Erziehungsverhalten (5 Items, α=,64) (8) Faktor 8 (3 Items, α=,48) (9) Kindzentriertes Erziehungsverhalten (3 Items, α =,57) (10) Positives Elternverhalten (4 Items, α =,60) (11) Faktor 11 (3 Items, α = ,45) (12) Faktor 12 (2 Items, α =,39) Aufgrund der niedrigen Reliabilitäten und inhaltlichen Unstimmigkeiten werden der achte, elfte und zwölfte Faktor bei den weiteren Analysen nicht berücksichtigt. Alle anderen Skalen haben mit Homogenitätskoeffizienten zwischen ,57 und ,79 zufriedenstellende bis gute interne Konsistenzen. Items mit negativen Ladungen wurden für die Berechnung der Reliabilität umkodiert. Die Skala „kindzentriertes Erziehungsverhalten“ hat zwar mit α =,57 einen etwas geringeren Homogenitätskoeffizienten als der Schwellenwert von α = ,60, doch da diese Skala den Ergebnissen der teilnehmenden Beobachtungen entspricht, die Skala nur aus drei Items besteht und der Cronbachs Alpha stark von den Itemanzahl abhängt (vgl. Kopp/Lois 2014:98), wird diese Skala beibehalten. Im Folgenden werden die Interskalen-Korrelationen tabellarisch abgebildet und einzelne signifikante Zusammenhänge dargestellt. Tab. 10: Interskalen-Korrelationen zum Erziehungsverhalten AE EE I GEV BE MD PE KE POE AE 1 -,126 -,035 -,342** -,007 ,324** -,370** -,155* -,303** EE 1 ,231** ,363** ,452** ,205** ,359** ,264** ,216** I 1 -,002 ,111 ,282** ,184** ,104 ,158* GEV 1 ,220** -,082 ,393** ,151* ,310** 144 BE 1 ,115 ,197** ,281** ,212** MD 1 ,073 -,008 -,089 PE 1 ,152* ,220** KE 1 ,235** POE 1 Anmerkung: *p ≤ .05; **p ≤ .01; (zweiseitig). (AE= Autoritäres Erziehungsverhalten, EE= Entwicklungsförderndes Erziehungsverhalten, I= Involviertheit, GEV= Geduldiges Erziehungsverhalten, BE= Behütendes Erziehungsverhalten, MD= Machtvoll durchsetzendes Erziehungsverhalten, PE= Partnerschaftliches Erziehungsverhalten, KE= Kindzentriertes Erziehungsverhalten, POE= Positives Erziehungsverhalten). Um die Korrelationen der einzelnen Skalen zu überprüfen, wurden Pearson- Produkt-Moment Korrelationen berechnet (Tab. 10). Der Pearsonscher Produkt-Moment-Korrelationskoeffizient erfasst gleich- und gegensinnige Abweichungen vom jeweiligen Mittelwert und kann einen Wert zwischen -1 und 1 erhalten (vgl. Kopp/Lois 2014:76). Positive Werte weisen dabei auf einen positiven und negative Werte auf einen negativen Zusammenhang hin. Einschränkend ist zu konstatieren, dass Korrelationen nur lineare Zusammenhänge abbilden können und nichts über die kausalen Beziehungen aussagen. Die Ergebnisse der Interskalen-Korrelationen zum Erziehungsverhalten werden im Folgenden unkommentiert dargestellt. Eine Diskussion der Ergebnisse erfolgt in Kapitel 6. Autoritäres Erziehungsverhalten (AE) hat einen signifikant47 positiven Zusammenhang mit machtvoll durchsetzenden Erziehungsverhalten (MD) (r = .32, p ≤ .01). Einen signifikant negativen Zusammenhang hat das AE mit geduldigem Erziehungsverhalten (GE) (r = -.34, p ≤ .01), partnerschaftlichem Erziehungsverhalten (PE) (r = -.37, p ≤ .01), positivem Erziehungsverhalten (POE) (r = -.30, p ≤ .01) und eine schwach signifikant negative Korrelation mit kindzentrierten Erziehungsverhalten (KE) (r = -.16, p ≤ .05). Das entwicklungsfördernde Erziehungsverhalten (EE) korreliert signifikant positiv mit allen Erziehungsdimensionen, außer mit autoritärem Erziehungsverhalten. Interessant erscheint die signifikant positive Korrelation mit dem machtvoll durchsetzenden Erziehungsverhalten (r = .21, p ≤ .01). Das involvierte Erziehungsverhalten (I) korreliert signifikant positiv mit entwicklungsfördernden (r = .23, p ≤ .01) sowie partnerschaftlichem Erziehungsver- 47 Im Folgenden wird von einer schwach signifikanten Korrelation gesprochen, wenn die Irrtumswahrscheinlichkeit p ≤ 0,05 beträgt und von einer signifikanten Korrelation bei p ≤ 0,01 (vgl. Raithel 2008:124). 145 halten (r = .18, p ≤ .01) und interessanterweise mit machtvoll durchsetzendem Erziehungsverhalten (r = .28, p ≤ .01). Eine schwach signifikante positive Korrelation hat das involvierte Erziehungsverhalten mit positivem Erziehungsverhalten (r = .16, p ≤ .05). Das geduldige Erziehungsverhalten korreliert signifikant positiv mit entwicklungsfördernden (r = .36, p ≤ .01), partnerschaftlichen (r = .39, p ≤ .01), positiven (r = .31, p ≤ .01) sowie mit behütenden Erziehungsverhalten (r = .22, p ≤ .01). Einen schwach signifikanten Zusammenhang hat das geduldige Erziehungsverhalten mit kindzentrierten Erziehungsverhalten (r = .15, p ≤ .05) und einen signifikant negativen Zusammenhang mit autoritären Erziehungsverhalten (r = -.34, p ≤ .01). Das behütende Erziehungsverhalten korreliert signifikant positiv mit entwicklungsfördernden (r = .45, p ≤ .01), geduldigen (r = .22, p ≤ .01), partnerschaftlichen (r = .20, p ≤ .01), kindzentrierten (r = .28, p ≤ .01), sowie positiven Erziehungsverhalten (r = .21, p ≤ .01). Das machtvoll durchsetzende Erziehungsverhalten korreliert signifikant positiv mit autoritärem Erziehungsverhalten (r = .32, p ≤ .01) und erstaunlicherweise signifikant positiv mit entwicklungsfördernden (r = .21, p ≤ .01) und involvierten Erziehungsverhalten (r = .28, p ≤ .01). Im Folgenden werden die Ergebnisse der Hauptkomponentenanalyse zum subjektiven Integrationserleben dargestellt. 5.2.2 Faktorenstruktur Integrationserleben In die Hauptkomponentenanalyse wurden 38 Items zur Erfassung des subjektiven und familialen Integrationserlebens einbezogen. Wie bereits im Kapitel 4.5.2.3 beschrieben, setzt sich der Fragebogen zum Integrationserleben sowohl aus Items aus den teilnehmenden Beobachtungen als auch aus dem Integrationsbarometer zusammen. Eine Skalenbildung erfolgte zunächst deduktiv auf inhaltlichen Überlegungen stützend. Nach dem Kaiser-Kriterium lassen sich zunächst neun Faktoren mit einer Gesamtvarianz von 64% ermitteln. Nach einer Varimax-Rotation zeigen die Verteilungen der Faktorladungen bei einer neun-faktoriellen Lösung, dass jeweils nur zwei Items auf Faktor 5, 7, 8 und 9 laden. Für eine präzisere Verteilung wurde der Screeplot hinzugezogen. Dieser zeigte einen Knick nach dem fünften und nach dem siebten Faktor (Abb. 14). 146 Abb. 14: Screeplot zum Integrationserleben Da die fünf-faktorielle Lösung eine Gesamtvarianz von nur 49% erklärt, die sieben-faktorielle Lösung 58% und eine inhaltliche Interpretation bei sieben Faktoren plausibel erscheint, wird eine Extraktion auf sieben Faktoren bevorzugt. Die nachfolgende Tabelle 11 zeigt die erklärte Gesamtvarianz der extrahierten Faktoren. Tab. 11: Erklärte Gesamtvarianz zum Integrationserleben Komponente Extrahierte Summen von quadrierten Ladungen Rotierte Summen von quadrierten Ladungen Gesamtsumme % der Varianz Kumulativ % Gesamtsumme % der Varianz Kumulativ % 1 6,198 18,783 18,783 4,398 13,326 13,326 2 4,424 13,407 32,190 4,243 12,856 26,183 3 2,353 7,131 39,320 2,708 8,205 34,387 4 1,740 5,272 44,593 2,405 7,288 41,675 5 1,510 4,574 49,167 1,918 5,813 47,489 6 1,465 4,440 53,608 1,795 5,441 52,929 7 1,294 3,921 57,529 1,518 4,600 57,529 Extraktionsmethode: Analyse der Hauptkomponente. 147 Die Eigenwerte der einzelnen Faktoren betragen: 6,2 (1), 4,4 (2), 2,4 (3), 1,7 (4), 1,5 (5), 1,5 (6), 1,3 (7). Auf die sieben extrahierten Faktoren entfallen die folgenden Varianzanteile: 18,78 (1), 13,41 (2), 7,13 (3), 5,27(4), 4,57 (5), 4,44 (6) und 3,92 (7) (Tab. 11). Gemeinsam erklären sie eine Gesamtvarianz von 58%. Da dieser Wert die 50%-Marke überschreitet, gilt die Gesamtvarianz als akzeptabel. Der erste Faktor leistet mit 19% den größten Beitrag zur kumulierten Varianzaufklärung. Im Folgenden werden die Faktoren, die Faktorladungen der einzelnen Items und die Skalenzusammensetzungen mit ihren möglichen Bezeichnungen einzeln dargestellt. Für die endgültigen Zusammensetzungen werden sowohl statistische Kennwerte als auch inhaltliche Überlegungen herangezogen. Faktor 1: Exklusionsmechanismen In der Gesellschaft werde ich immer als ein Ausländer wahrgenommen. ,781 Ich habe Benachteiligungen wegen meiner Herkunft bei der Wohnungssuche erlebt. ,759 Ich habe Benachteiligungen wegen meiner Herkunft auf dem Arbeitsmarkt erlebt. ,735 Mein Kind / meine Kinder werden immer als ausländische Kinder wahrgenommen. ,715 Ich habe Benachteiligungen wegen meiner Herkunft in Bildungsstätten (Kita/ Schule/Uni) erlebt. ,698 Ich habe Benachteiligungen wegen meiner Herkunft bei der Religionsausübung erlebt. ,657 Ich bemühe mich sehr, erhalte aber wenig Anerkennung von meinen Mitmenschen. ,527 Die Verantwortung für Integration liegt bei mir. -,482 Das Thema Integration wird von der Politik einseitig diskutiert. ,480 Mein Kind / meine Kinder müssen sich mehr bemühen, um erfolgreich zu sein. ,428 Ich wünsche mir, dass es mein Kind/ meine Kinder leichter haben werden in der Gesellschaft als ich. ,419 Faktor 1 beinhaltet elf Items, welche einen gesellschaftskritischen Standpunkt widerspiegeln. Benachteiligungen aufgrund der Herkunft und Exklusionsmechanismen verbunden mit einer Zuschreibung als Ausländer sind Schlüsselthemen dieses Faktors. Das Item „In der Gesellschaft werde ich immer als 148 ein Ausländer wahrgenommen“ hat mit ,78 die höchste Faktorladung. Eine mögliche Bezeichnung wäre daher Exklusionsmechanismen. Faktor 2: Türkische Identität Ich fühle mich als Deutsche(r) mit anderem kulturellen Hintergrund. -,808 Ich fühle mich als Deutsche(r). -,783 Ich fühle mich türkisch. ,775 Obwohl ich mich in Deutschland wohl fühle, sehe ich mich selbst als eine Türkin / einen Türken. ,762 Mein Kind /meine Kinder sollen sich zwar in Deutschland wohlfühlen, aber überwiegend nach türkischen kulturellen Verhaltensmustern leben. ,577 Ich fühle mich in der Türkei zu Hause. ,495 Ich fühle mich deutsch-türkisch. -,463 Ich sehe viele kulturelle Unterschiede zwischen Türken und Deutschen. ,440 Faktor 2 beinhaltet acht Indikatoren der identifikativen Integration und bezieht sich auf eine emotional-identifikative Zugehörigkeit in die türkische Gemeinschaft. Die Items „Ich fühle mich als Deutsche(r) mit anderem kulturellen Hintergrund“, „Ich fühle mich als Deutsche(r)“ und „Ich fühle mich deutsch-türkisch“ haben jeweils hohe, negative Ladungen auf den Faktor. Offenbar sind sie den anderen Aussagen entgegengesetzt. Da die Itemzusammensetzung eine starke Priorisierung der türkischen Identität äußert, kann dieser Faktor als „türkische Identität“ bezeichnet werden. Faktor 3: Wohlfühlen in Deutschland Ich fühle mich in Deutschland wohl. ,826 Ich fühle mich in Deutschland zu Hause. ,713 Ich bin mit meiner aktuellen Lebenssituation zufrieden. ,627 Ich möchte lieber in der Türkei leben. -,598 Faktor 3 beinhaltet vier Items der emotional-identifikativen Integration und bezeichnet hier die Verbundenheit mit bzw. das Wohlfühlen in Deutschland. Das Item „Ich fühle mich in Deutschland wohl“ hat mit ,83 eine sehr hohe Faktorladung und kann zur Faktorbezeichnung herangezogen werden. Das Item „Ich möchte lieber in der Türkei leben“ hat eine negative Ladung mit diesem Faktor und stellt offenbar eine gegensätzliche Richtung dar. 149 Faktor 4: Interethnische Freundschaften Ich habe hauptsächlich einen gemischten Freundeskreis. ,763 Ich bin gut in die deutsche Gesellschaft integriert. ,592 Mein Kind hat hauptsächlich einen gemischten Freundeskreis. ,573 Ich habe hauptsächlich türkische Freunde. -,529 Ich habe hauptsächlich deutsche Freunde. ,476 Auf Faktor 4 laden zunächst drei Items. Zwei Items stellen Indikatoren für die soziale Integration dar und erfassen das interethnische Freundschaftsverhalten. Das Item „Ich bin gut in die deutsche Gesellschaft integriert“ hat ebenfalls eine hohe Faktorladung mit ,59 und wurde als subjektive Einschätzung der eigenen Integration operationalisiert. Seine Korrelation mit dem interethnischen Freundschaftsverhalten erscheint interessant. Auch fällt auf, dass sowohl der interethnische Freundeskreis der Eltern als auch der des Kindes gemeinsam auf diesen Faktor laden. Bei weiteren Analysen sollen diese Auffälligkeiten weiter betrachtet werden. Das Item „Ich habe hauptsächlich deutsche Freunde“ hat eine hohe Faktorladung von ,57 auf den siebten Faktor sowie eine mittlere Ladung von ,48 auf diesen vierten Faktor. Aufgrund einer inhaltlichen Kongruenz mit dem vierten Faktor und eines geringen Cronbachs Alpha des siebten Faktors, wird dieses Item verschoben. Somit laden insgesamt fünf Items auf den vierten Faktor. Eine mögliche Bezeichnung wäre „interethnische Freundschaften“. Faktor 5 Mein Kind hat hauptsächlich türkische Freunde. ,728 Ich fühle mich mit der Türkei und mit Deutschland in gleicher Weise verbunden. ,318 Auf den Faktor 5 laden zwei Items, welche inhaltlich nicht kongruent sind. Betrachtet man das Cronbachs Alpha α =, 16, so zeigt sich dieser Faktor als nicht reliabel. Die Items laden auf keine anderen Faktoren und werden daher bei weiteren Analysen nicht weiter berücksichtigt. 150 Faktor 6: Fremdverantwortung Die Verantwortung für Integration liegt bei der deutschen Gesellschaft. ,865 Die Verantwortung für Integration liegt beim deutschen Staat. ,850 Auf Faktor 6 laden zwei Items, welche die Verantwortungszuschreibung zum Thema haben. Dieser Faktor lässt sich als „Fremdverantwortung“ bezeichnen, da die Zuschreibung nicht die eigene Verantwortungsebene betrifft. Die Verantwortung für gelingende Integration wird dem Staat bzw. der Gesellschaft in gleicher Weise zugeschrieben. Beide Items haben sehr hohe Faktorladungen. Faktor 7: Deutsche Freundschaften Mein Kind hat hauptsächlich deutsche Freunde. ,836 Ich habe hauptsächlich deutsche Freunde. ,574 Auf Faktor 7 laden zwei Items und beziehen sich auf das Freundschaftsverhalten zu Deutschen. Sowohl die Freundschaften der Eltern als auch die des Kindes laden gemeinsam auf diesen Faktor. Da dieser Faktor aber eine sehr geringe interne Konsistenz von α = ,41 hat und somit als Skala nicht reliabel ist, werden Itemverschiebungen vorgenommen. Das Item „Ich habe hauptsächlich deutsche Freunde“ wurde zum vierten Faktor verschoben, da es mit einer mittleren Faktorladung ,48 ebenfalls auf den vierten Faktor lädt. Das Item „Mein Kind hat hauptsächlich deutsche Freunde“ hat keine weiteren Faktorladungen und kann daher nicht in weitere Analysen einbezogen werden. Der Faktor 7 wird aufgelöst. Für die einzelnen Skalen ergeben sich nach den beschriebenen Itemverschiebungen die nachstehenden internen Konsistenzen nach Cronbachs Alpha (N = 213): (1) Exklusionsmechanismen (11 Items, α = ,83) (2) Türkische Identität (8 Items, α = ,84) (3) Wohlfühlen in Deutschland (4Items, α = ,79) (4) Interethnische Freundschaften (5 Items, α = ,58) (5) Faktor 5 (2 Items, α = ,16) (6) Fremdverantwortung (2 Items, α = ,76) (7) Faktor 7 (1 Item) 151 Aufgrund geringer Reliabilitäten und inhaltlicher Überlegungen der berechneten Faktorenstruktur zufolge wurden die Faktoren fünf und sieben nicht weiter in die Analysen einbezogen. Dadurch können drei Items in folgenden Analysen nicht berücksichtigt werden. Die Items „Mein Kind hat hauptsächlich deutsche Freunde“, „Mein Kind hat hauptsächlich türkische Freunde“ sowie „Ich fühle mich mit der Türkei und mit Deutschland in gleicher Weise verbunden“ laden nur auf die angegebenen Faktoren. Der Faktor 4 hat zwar mit α = ,58 einen etwas geringeren Homogenitätskoeffizienten als der Schwellenwert von α = ,60, doch da diese Skala die Dimension der sozialen Integration über interethnische Freundschaften abbildet und inhaltlich als wichtig erachtet wird, wird der Faktor beibehalten. Bei Exklusion dieser Skala aus weiteren Analysen zum subjektiven Integrationserleben würde eine in der sozialwissenschaftlichen Forschungslandschaft bisher als relevant erachtete Dimension der Integration ausgeblendet werden. Für das subjektive Integrationserleben konnten fünf Faktoren mittels Hauptkomponentenanalyse berechnet werden. Diese sind Exklusionsmechanismen, türkische Identität, Wohlfühlen in Deutschland, interethnische Freundschaften sowie Fremdverantwortung. Im Folgenden werden diese als Skalen zusammengefasst und für weitere Analysen zur Deskription des Integrationserlebens ausgewertet. Für die einzelnen Skalen wurden ebenfalls Produkt-Moment-Korrelationen berechnet, welche in Tabelle 12 abgebildet sind und im Folgenden dargestellt werden. Tab. 12: Interskalen-Korrelationen zum Integrationserleben E TI WID IF FV Exklusionsmechanismen (E) 1 ,104 -,212** -,042 ,121 Türkische Identität (TI) 1 -,466** -,438** -,148* Wohlfühlen in Deutschland (WID) 1 ,383** ,195** Interethnische Freundschaften (IF) 1 ,137* Fremdverantwortung (FV) 1 Anmerkung: *p ≤ .05; **p ≤ .01; (zweiseitig). Der Faktor Exklusionsmechanismen (E) hat einen signifikant negativen Zusammenhang mit dem Faktor Wohlfühlen in Deutschland (WID) (r = -.21, p ≤ .01). Der Faktor türkische Identität korreliert signifikant negativ mit drei Faktoren: Wohlfühlen in Deutschland (r = -.47, p ≤ .01), interethnische Freundschaften 152 (IF) (r = -.44, p ≤ .01) sowie schwach signifikant negativ mit dem Faktor Fremdverantwortung (FV) (r = -.15, p ≤ .05). Der Faktor Wohlfühlen in Deutschland korreliert mit zwei Faktoren: einen signifikant positiven Zusammenhang hat es mit interethnischen Freundschaften (r = .38, p ≤ .01) sowie mit Fremdverantwortung (r = .20, p ≤ .01). Der Faktor interethnische Freundschaften hat einen schwach signifikant positiven Zusammenhang mit der Fremdverantwortung (r = .14, p ≤ .05). Im Folgenden sollen die deskriptiven Ergebnisse zum Erziehungsverhalten und anschließend zum subjektiven Integrationserleben dargestellt werden. Diese Darstellung erfolgt zunächst auf Konstrukt- und dann auf Itemebene. Dadurch wird intendiert, dass einzelne elterliche Aussagen sowie Beobachtungen aus der ersten Studie, welche direkt in die Konzipierung des Fragebogens involviert wurden, zusätzlich ausgewertet, an den Daten der zweiten Studie überprüft und verallgemeinert werden können. 5.3 Ergebnisse zum Erziehungsverhalten Um die Frage zu beantworten, wie türkische Migranteneltern der Folgegenerationen ihre Kinder erziehen, wurden die einzelnen Variablen mittels Hauptkomponentenanalyse zu Skalen zusammengefasst. Als reliabel zeigten sich folgende Erziehungspraktiken: autoritäres, entwicklungsförderndes, involviertes, geduldiges, behütendes, machtvoll durchsetzendes, partnerschaftliches, kindzentriertes sowie positives Elternverhalten. Ihre statistischen Kennwerte werden in der nachfolgenden Tabelle 13 gezeigt. Tab. 13: Statistische Kennwerte zum Erziehungsverhalten M SD α Autoritär (8 Items) 3,52 ,65 ,79 Entwicklungsfördernd (10 Items) 1,80 ,40 ,75 Involviert (4 Items) 1,60 ,74 ,78 Geduldig (4 Items) 2,57 ,68 ,74 Behütend (5 Items) 1,76 ,51 ,66 Machtvoll durchsetzend (6 Items) 2,39 ,55 ,60 Partnerschaftlich (5 Items) 2,31 ,64 ,64 Kindzentriert (3 Items) 2,00 ,68 ,57 Positiv (4 Items) 1,37 ,41 ,60 Anmerkung: Mittelwerte (M), Standardabweichungen (SD) und Cronbachs Alpha (α) zum Erziehungsverhalten türkischer Migranteneltern (N = 213). 153 Die Erziehungspraktiken haben mit Homogenitätskoeffizienten zwischen .57 und .79 zufriedenstellende bis gute interne Konsistenzen. Das involvierte Erziehungsverhalten hat eine vergleichsweise große Standardabweichung mit .74, was darauf deutet, dass das Antwortverhalten der Eltern zu dieser Skala eher unterschiedlich ausfällt als zu den anderen erfassten Erziehungspraktiken. 1 1,5 2 2,5 3 3,5 4 4,5 5 Positiv Involviert Entwicklungsfördernd Behütend Kindzentriert Partnerschaftlich Machtvoll durchsetzend Geduldig Autoritär Erziehungsverhalten Abb. 15: Verteilungen der Mittelwerte zum Erziehungsverhalten. Anmerkung: Fünfstufige Antwortskala 1 = trifft völlig zu, 2= trifft zu, 3 = teils/teils, 4= trifft nicht zu, 5= trifft gar nicht zu Nach ihren jeweiligen Häufigkeitsverteilungen der Zustimmungen (1= trifft völlig zu, 5= trifft gar nicht zu) gelistet, erscheinen türkische Migrantenfamilien der Folgegenerationen vor allem positives, involviertes, entwicklungsförderndes und behütendes Erziehungsverhalten zu praktizieren (Abb. 15). Am wenigsten Zustimmung erhielt das autoritäre Erziehungsverhalten (M = 3,5; SD = ,65), gefolgt vom geduldigen Erziehungsverhalten (M = 2,6; SD = ,68). Eine deskriptive Analyse auf Itemebene wird zur Überprüfung der Kategorien aus den teilnehmenden Beobachtungen als notwendig erachtet. Da die Kombination qualitativer und quantitativer Erhebungs- und Auswertungsmethoden dem Forschungsdesign eines Verallgemeinerungsmodells folgt, sollen die in der qualitativen Studie erfassten Kategorien mittels quantitativer Erhebung und Auswertungsmethoden verallgemeinert und abgesichert werden. Des Weiteren soll dadurch dem Verlust einzelner Informationen aus den Beobachtungen entgegenwirkt werden. In Anlehnung an die in Kapitel 4.4 zu- 154 sammenfassend dargestellten Kategorien, werden diese im Folgenden an den Daten der quantitativen Studie überprüft. K1: Türkische Migrantenfamilien der Folgegenerationen kommunizieren häufig mit ihren Kindern. Sehr auffällig in der ersten Studie und am meisten beobachtet war eine intensive Kommunikationsstruktur in den Familien. Die beobachteten Familien erklärten ihren Kindern vieles und kommunizierten allgemein viel mit ihnen. Sie benutzten dabei keine spezielle Kinder- bzw. „Babysprache“, sondern unterhielten sich mit ihren Kindern wie mit einem Erwachsenen. Zur Überprüfung dieser Beobachtung werden sowohl selbst konstruierte als auch aus dem DEAPQ-EL-GS entnommene Items herangezogen: „Sie unterhalten sich viel mit Ihrem Kind“, „Sie führen ein freundliches Gespräch mit Ihrem Kind“, „Sie unterhalten sich mit Ihrem Kind wie mit einem Erwachsenen“, „Sie sagen Ihrem Kind, dass es etwas gut gemacht hat“, „Sie wiederholen mehrmals und erinnern an auszuführende Handlungen“, „Sie erklären Ihrem Kind jede Situation und jede Handlung, die sie ausführen“. Obwohl einige dieser Items in der Skalenbildung nicht als innerfamiliäre Kommunikation erfasst wurden und somit als Konstrukt anders ausgewertet werden, wurden sie in den teilnehmenden Beobachtungen auf der Itemebene als innerfamiliäre Kommunikation identifiziert. In der nachfolgenden Tabelle 14 werden die deskriptiven Kennwerte der einzelnen Items dargestellt. Tab. 14: Deskriptive Ergebnisse zur innerfamiliären Kommunikation Item Häufigkeiten (N=213) Gültige Prozente Mittelwert Standardabweichung Sie unterhalten sich viel mit ihrem Kind. 204 96% 1,53 ,61 Sie führen ein freundliches Gespräch mit Ihrem Kind. 181 85% 1,71 ,76 Sie unterhalten sich mit Ihrem Kind wie mit einem Erwachsenen. 109 51% 2,48 1,0 Sie sagen Ihrem Kind, dass es etwas gut gemacht hat. 211 99% 1,2 ,48 155 Sie wiederholen mehrmals und erinnern an auszuführende Handlungen. 169 47% 1,93 ,82 Sie erklären Ihrem Kind jede Situation und jede Handlung, die sie ausführen. 99 47% 2,45 ,86 Fast alle befragten Eltern (96%) stimmten der Aussage zu, dass sie sich viel mit ihren Kindern unterhalten (M = 1,53, SD = ,61). 85% der Eltern gaben an, ein freundliches Gespräch mit ihren Kindern zu führen (M = 1,71, SD = ,73). 51% der Eltern (M = 2,48, SD =1) äußerten, dass sie sich mit ihren Kindern wie mit einem Erwachsenen unterhalten und 32% waren indifferent. Eine rückmeldende Kommunikation führten nahezu alle befragten Eltern. 99% sagten ihren Kindern, dass sie etwas gut gemacht haben. Die Kommunikation erstreckt sich somit weit über alltägliche Konversationen hinaus, sie soll auch leitend und begleitend sein. Die Eltern übernehmen Verantwortung für das Handeln ihrer Kinder. Fast die Hälfte der Eltern (47%) wiederholte ihre Aussagen mehrmals und erinnerte an auszuführende Handlungen (M = 1,93, SD = ,82) und ebenfalls fast die Hälfte der Eltern (47%) erklärte ihren Kindern ihre eigene Handlung und jede Situation, in der sie sich befinden (M = 2,45, SD = ,57). K2: Türkische Migrantenfamilien der Folgegenerationen sind involviert. Sie spielen mit ihren Kindern und unternehmen gemeinsame Aktivitäten. Involviertheit, das gemeinsame Spielen und gemeinsame Aktionen zu unternehmen, wurde in den Beobachtungen am zweithäufigsten erfasst. Die beobachteten Eltern waren in den Alltag ihrer Kinder involviert, sie brachten ihre Kinder zu diversen Freizeitbeschäftigungen und Kursen. Auch konnte an den Vater-Kind-Interaktionen beobachtet werden, dass Väter nach ihrer Ankunft zu Hause ihre Kinder fragten, wie der Tag war. Die Teilnahme an freiwilligen und verpflichtenden Treffen in Kindergarten bzw. Schule des Kindes konnte zwar nicht explizit beobachtet werden, doch stellt dies ebenfalls ein involviertes Erziehungsverhalten dar und wird daher zur Überprüfung der Kategorien einbezogen. Zu den erfassten Items gehören eine Involviertheit sowohl in freiwilligen Freizeittreffen als auch in Pflichtveranstaltungen in Schule oder Kita. Die nachfolgende Tabelle 15 zeigt die einzelnen statistischen Kennwerte zu den Items. 156 Tab. 15: Deskriptive Ergebnisse zur Involviertheit Item Häufigkeiten (N=213) Gültige Prozente Mittelwert Standardabweichung Sie spielen zusammen oder unternehmen etwas mit Ihrem Kind, was Spaß macht. 201 94% 1,44 ,60 Sie fragen Ihr Kind, wie sein Tag war. 201 94% 1,44 ,80 Sie bringen Ihr Kind zu einer Freizeitbeschäftigung. 182 85% 1,65 ,88 Sie gehen zu verpflichtenden Treffen in den Kindergarten/ in die Schule Ihres Kindes (z.B. Elternbeiratssitzungen, Elternsprechtagen). 188 88% 1,51 1,0 Sie gehen zu freiwilligen Treffen in den Kindergarten/ in die Schule Ihres Kindes. 173 81% 1,79 1,1 Alle Items erhalten eine sehr hohe Zustimmung zwischen 81% und 94%. Am häufigsten stimmten die Eltern den Aussagen „Sie spielen zusammen oder unternehmen etwas mit Ihrem Kind, was Spaß macht“ sowie „Sie fragen Ihr Kind, wie sein Tag war“ zu. Diese deskriptiven Kennwerte sind erwartungskonform, da sie die beobachteten Erkenntnisse widerspiegeln. In der ersten Studie berichteten alle Eltern, dass sie ihr Kind zu einer Freizeitbeschäftigung bringen. Die Analyse auf Itemebene bestätigt diese Beobachtung. 85% der befragten Eltern stimmten dieser Aussage zu. Um eine Involviertheit in den Kita- bzw. Schulalltag der Kinder zu erfassen, wurden zwei Items hierzu konstruiert. Die Verteilungen für eine Teilnahme an verpflichtenden und freiwilligen Treffen in den Kindergarten bzw. in die Schule der Kinder zeigen, dass Eltern stärker geneigt waren, an verpflichtenden Treffen teilzunehmen. K3: Das Kind hat Priorität und stellt den Mittelpunkt im Leben der Eltern dar. Der Familienalltag ist kindzentriert. Zur Überprüfung dieser Erkenntnis werden folgende Items analysiert: „In Ihrem Alltag dreht sich alles um Ihr Kind“, „Die Bedürfnisse Ihres Kindes sind wichtiger als Ihre eigenen“; „Ihr Kind ist das Wichtigste in Ihrem Leben“, „Die meiste Zeit Ihres Alltages verbringen Sie mit Ihrem Kind“. 157 In nahezu allen Familien konnte beobachtet werden, dass der Familienalltag kindzentriert organisiert war, dass das Kind eine prioritäre Rolle hatte. In der nachfolgenden Tabelle 16 werden die deskriptiven Ergebnisse zu den Items dargestellt. Tab. 16: Deskriptive Ergebnisse zur Kindzentriertheit Item Häufigkeiten Gültige Prozente Mittelwert Standardabweichung In Ihrem Alltag dreht sich alles um Ihr Kind. 139 65% 2,15 ,93 Die Bedürfnisse Ihres Kindes sind wichtiger als Ihre eigenen. 160 75% 1,88 ,86 Ihr Kind ist das Wichtigste in Ihrem Leben. 202 95% 1,23 ,55 Die meiste Zeit Ihres Alltages verbringen Sie mit Ihrem Kind. 143 67% 2,09 ,96 Gemäß den Beobachtungen erhalten die aufgelisteten Items hohe Zustimmungen und werden von mindestens 65% der Eltern bejaht. Das Item „Ihr Kind ist das Wichtigste in Ihrem Leben“ wird sogar von 95% der Eltern mit völliger Zustimmung bewertet (M = 1,23, SD = ,55). Für 75% der Eltern sind die Bedürfnisse der Kinder wichtiger als die eigenen (M = 1,88, SD = ,86). K4: Türkische Migranteneltern der Folgegenerationen sind ruhig und geduldig im Umgang mit dem Kind. In den teilnehmenden Beobachtungen konnte bei einigen Eltern eine ruhige und geduldige Umgangsweise der Eltern mit den Kindern erfasst werden. Parallel hierzu wurde ebenfalls beobachtet, dass eigene Gefühle beherrscht wurden, um bestimmte Erziehungsziele zu erreichen. Trotz erfahrener Anstrengungen beispielsweise, bemühten sich die beobachteten Eltern, sich mit ihren Kindern zu beschäftigen, sich ihnen zu widmen. Obwohl sie ihre Kinder ermahnten, versuchten sie sanft und leise zu sprechen. Sie versuchten immer geduldig zu bleiben. Für eine deskriptive Auswertung werden folgende Items betrachtet: „Ihre Stimme bleibt sanft, auch wenn Sie Ihrem Kind etwas mehrmals erklären müssen“; „Sie bleiben ruhig und geduldig, obwohl der Alltag 158 sehr anstrengend sein kann“, „Ihre Stimme bleibt ruhig, obwohl Sie wütend sind“. Die Ergebnisse werden in der nachfolgenden Tabelle 17 abgebildet. Tab. 17: Deskriptive Ergebnisse zum geduldigen Umgang Item Häufigkeiten Gültige Prozente Mittelwert Standardabweichung Ihre Stimme bleibt sanft, auch wenn Sie Ihrem Kind etwas mehrmals erklären müssen. 95 45% 2,51 ,90 Sie bleiben ruhig und geduldig, obwohl der Alltag sehr anstrengend sein kann. 108 51% 2,44 ,83 Ihre Stimme bleibt ruhig, obwohl Sie wütend sind. 66 31% 2,77 ,77 Wenn Sie wütend sind, werden Sie lauter. 95 45% 2,58 ,91 Einem geduldigen Umgang mit dem Kind stimmten nur 31% - 51% der Eltern zu. Am wenigsten Zustimmung erhielt die Aussage „Ihre Stimme bleibt ruhig, obwohl Sie wütend sind“ (M = 2,77; SD = ,77). Die Hälfte der befragten Eltern stimmten der Aussage „Sie bleiben ruhig und geduldig, obwohl der Alltag sehr anstrengend sein kann“ zu (M = 2,44; SD = ,83). Es scheint eine offensichtliche Differenz zwischen der Ruhebewahrung bei Anstrengung und der Erhöhung der Stimmlage bei wütenden Emotionen zu geben. K5: Sie sind behütend und kontrollierend. Gefahrenvermeidung und die Sicherheit der Kinder waren in den Beobachtungen und ero-epischen Gesprächen ebenfalls sehr präsent. Türkische Migranteneltern wurden als behütend und kontrollierend beobachtet. Mit folgenden drei Items wurde dies erfasst: „Die Sicherheit Ihres Kindes ist Ihnen sehr wichtig“, „Sie behalten Ihr Kind immer im Blick, um Gefahren zu vermeiden“; „Sie kontrollieren neue Örtlichkeiten und Räume hinsichtlich deren Sicherheit“. Die Items wurden direkt aus den Beobachtungen konstruiert. Die Tabelle 18 zeigt die deskriptiven Ergebnisse zu diesen Items. 159 Tab. 18: Deskriptive Ergebnisse zur Behütung Item Häufigkeiten Kumulierte Prozente Mittelwert Standardabweichung Die Sicherheit Ihres Kindes ist Ihnen sehr wichtig 213 100% 1,07 ,25 Sie behalten Ihr Kind immer im Blick, um Gefahren zu vermeiden. 178 84% 1,71 ,77 Sie kontrollieren neue Örtlichkeiten und Räume hinsichtlich deren Sicherheit. 151 71% 2,10 ,98 Das Item „Die Sicherheit Ihres Kindes ist Ihnen sehr wichtig“ erhält 100prozentige Zustimmung von den befragten Eltern (M = 1,07; SD = ,25). Alle operationalisierten Items erhalten sehr hohe Zustimmungen. Die Ergebnisse lassen den Schluss zu, dass fast alle Eltern behütend und kontrollierend waren. Mögliche Verzerrungen in dem Antwortverhalten der Eltern aufgrund einer sozialen Erwünschtheit können nicht ausgeschlossen werden. K6: Türkische Migranteneltern haben eine klare innerfamiliäre Aufgabenteilung In den Beobachtungen konnte eine gut funktionierende, innerfamiliäre Aufgabenteilung erfasst werden. Die Eltern teilten sich erzieherische wie familiäre Aufgaben und schienen zufrieden mit dieser Aufteilung zu sein. Meist sorgten sich die Mütter um die Kinder, da die Väter arbeiteten und erst am Abend zu Hause sein konnten. Dennoch übernahmen diese dann entsprechend ihrer Möglichkeiten bestimmte Aufgaben zur Entlastung der Ehefrauen. In die Analyse auf Itembasis wurden folgende drei Items einbezogen: „Den Haushalt erledigen Sie gemeinsam mit Ihrer Partnerin/Ihrem Partner“, „Die Erziehung Ihres Kindes teilen Sie mit Ihrer Partnerin/Ihrem Partner“, „Sie haben eine feste Aufgabenteilung in der Erziehung mit Ihrer Partnerin /Ihrem Partner“. Die deskriptiven Ergebnisse zu den Items werden in der Tabelle 19 abgebildet. 160 Tab. 19: Deskriptive Ergebnisse zur innerfamiliären Aufgabenteilung Item Häufigkeiten Gültige Prozente Mittelwert Standardabweichung Den Haushalt erledigen Sie gemeinsam mit Ihrer Partnerin/ Ihrem Partner. 98 46% 2,48 1,12 Die Erziehung Ihres Kindes teilen Sie mit Ihrer Partnerin/ Ihrem Partner. 170 80% 1,78 ,85 Sie haben eine feste Aufgabenteilung in der Erziehung mit Ihrer Partnerin / Ihrem Partner. 97 46% 2,69 1,07 Nur die Erziehung des Kindes wurde von 80% der Eltern als gemeinsame Aufgabe betrachtet (M = 1,78; SD = ,85) und von den Ehepartnern geteilt. Bei 46% der befragten Eltern bestand eine feste Aufgabenteilung in der Erziehung (M = 2,69; SD = 1,07). Der Haushalt wurde von 46% der Partner gemeinsam erledigt (M = 2,48; SD = 1,12). K7: Türkische Migranteneltern der Folgegenerationen haben einen autoritativen Erziehungsstil. Ein autoritativer Erziehungsstil umfasst warme, entwicklungsfördernde Erziehungspraktiken und klare, strikte Regelvorgaben. Autoritative Eltern sind liebevoll, involviert und fördern die kindliche Entwicklung. Sie stellen Forderungen und setzen Grenzen gemäß den kindlichen Bedürfnissen und des Entwicklungsstandes. Das gleichzeitige Vorhandensein eines entwicklungsfördernden und machtvoll durchsetzenden Erziehungsverhaltens sind Determinanten dieses Erziehungsstils. Die Interkorrelationen der Skalen zum Erziehungsverhalten können einen autoritativen Erziehungsstil nachweisen. Das entwicklungsfördernde Erziehungsverhalten hat eine signifikant positive Korrelation mit dem machtvoll durchsetzenden Erziehungsverhalten (r = .21, p ≤ .01). Das involvierte Erziehungsverhalten korreliert signifikant positiv mit machtvoll durchsetzenden Erziehungsverhalten (r = .28, p ≤ .01). Der beobachtete autoritative Erziehungsstil in der ersten Studie kann somit anhand der Daten der zweiten Studie bestätigt werden. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich die Erkenntnisse der ersten Studie an den quantitativ erfassten Daten der zweiten Studie größtenteils bestäti- 161 gen lassen. Die Diskussion der hier abgebildeten Ergebnisse wird in Kapitel 6 erfolgen. Im nachfolgenden Kapitel sollen deskriptive Ergebnisse zum Integrationserleben dargestellt werden. Diese sind ähnlich aufgebaut: einer Analyse auf Konstruktebene folgt eine ausführliche Analyse auf Itemebene. 5.4 Ergebnisse zum Integrationserleben Das subjektive wie familiale Integrationserleben wurde mittels explorativer Hauptkomponentenanalyse auf Konstruktebene erfasst. Als reliabel zeigten sich folgende Dimensionen: Exklusionsmechanismen, türkische Identität, Wohlfühlen in Deutschland, interethnische Freundschaften sowie Fremdverantwortung. In der nachfolgenden Tabelle 20 werden die statistischen Kennwerte zum erfassten Integrationserleben dargestellt. Tab. 20: Statistische Kennwerte zum Integrationserleben Items M SD α Exklusionsmechanismen (11 Items) 3,06 ,76 α=,83 Türkische Identität (8 Items) 2,49 ,75 α=,84 Wohlfühlen in Deutschland (4 Items) 2,07 ,79 α=,79 Interethnische Freundschaften (5 Items) 2,50 ,71 α=,58 Fremdverantwortung (2 Items) 2,85 ,78 α=,76 Anmerkung: Mittelwerte (M), Standardabweichungen (SD) und Cronbachs Alpha (α) zum subjektiven Integrationserleben türkischer Migranteneltern (N=213). Wie in der Tabelle 20 abgebildet, hat das erfasste Integrationserleben mit Homogenitätskoeffizienten zwischen ,58 und ,84 zufriedenstellende bis sehr gute interne Konsistenzen. Sowohl die Mittelwerte als auch die Standardabweichungen zeigen keinerlei Auffälligkeiten. Die statistischen Kennwerte sind ähnlich verteilt (M = 2,07 – 3,06; SD = ,71 - ,79). Alle erfassten Variablen zum Integrationserleben erhalten eine mittlere bis zustimmende Zustimmung. In der nachfolgenden Abbildung 16 werden die Verteilungen der Mittelwerte der einzelnen Skalen zum Integrationserleben dargestellt. 162 1 1,5 2 2,5 3 3,5 4 4,5 5 Wohlfühlen in Deutschland Türkische Identität Interethnische Freundschaften Fremdverantwortung Exklusionsmechanismen Das subjektive Integrationserleben Abb. 16: Verteilungen der Mittelwerte zum subjektiven Integrationserleben Anmerkung: Fünfstufige Antwortskala 1 = trifft völlig zu, 2= trifft zu, 3 = teils/teils, 4= trifft nicht zu, 5= trifft gar nicht zu Das subjektive Integrationserleben ist geprägt von einem Wohlfühlen in Deutschland und der Wahrung einer türkischen Identität. Nach ihren Häufigkeitsverteilungen der Zustimmungen (1= trifft völlig zu, 5= trifft gar nicht zu) gestaffelt (Abb. 16), sticht die Dimension Wohlfühlen in Deutschland mit einer klaren Zustimmung hervor (M = 2,07; SD = ,79). Die übrigen vier Dimensionen erhalten eine mittlere Zustimmung, wobei die türkische Identität (M = 2,49; SD = ,75) sowie die interethnischen Freundschaften (M = 2,50; SD = ,71) noch eher im zustimmenden Bereich liegen. Die geringsten Werte wurden für die Dimension der Exklusionsmechanismen gemessen (M = 3,06; SD = ,76). Im Folgenden soll eine deskriptive Analyse auf Itemebene erfolgen, um sowohl Erkenntnisse aus der ersten Studie zu überprüfen als auch einen möglichen Informationsverlust zu verhindern. Da das Messinstrument zum subjektiven Integrationserleben aus manifesten Variablen besteht und in dessen Konstruktion teilweise einzelne Aussagen aus den Beobachtungen integriert wurden, erfolgt die Darstellung auf der Ebene einzelner Items. 163 Abb. 17: Verteilung der subjektiven Einschätzung zur eigenen Integration Ein zentrales Item zur Erfassung des subjektiven Integrationserleben ist die Aussage „Ich bin gut in die deutsche Gesellschaft integriert“. Wie der Abbildung 17 zu entnehmen ist, sahen sich insgesamt 85% der Teilnehmer gut integriert (M = 1,66; SD = ,76). Über die Hälfte der Befragten (50%) stimmten sogar völlig zu und nur zwei Personen (1%) bewerteten sich als desintegriert. Sehr zentral in der vorliegenden Studie war die Analyse der Frage nach der Verantwortlichkeit für gelingende Integration. In die Auswertung wurden die folgenden drei Items einbezogen: „Die Verantwortung für Integration liegt bei mir“ „…liegt beim deutschen Staat“ „…liegt bei der deutschen Gesellschaft“. Ihre jeweiligen Verteilungen sind im nachfolgenden Diagramm 18 abgebildet. 164 Die Verantwortung für Integration liegt... 0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% b ei m ir be im de ut sc he n St aa t be i d er de ut sc he n Ge se lls ch af t Zustimmung Teils/teils Ablehnung cc Abb. 18: Zuschreibung der Verantwortlichkeit für den Integrationserfolg Die Verantwortung für das Gelingen der Integration in die Mehrheitsgesellschaft sah die Mehrheit (58%) bei sich selbst (M = 2,2; SD = ,9). Die Verantwortung für das Gelingen der Integration in die Mehrheitsgesellschaft lag für die Befragten teils am Staat und teils an der deutschen Gesellschaft, doch mit einer sehr hohen Zustimmung sahen sich die Befragten noch stärker in der Verantwortung als den Staat oder die Gesellschaft (Abb. 18). Die Verantwortung für Integration liegt bei… 51% 22% 27% bei mir beim Staat bei Gesellschaft Abb. 19: Prozentuale Verteilung der Verantwortlichkeit für Integrationserfolg 165 Die Abbildung 19 zeigt die einzelnen prozentualen Verteilungen für die Verantwortlichkeit für Integration. Es wird deutlich, dass die Hälfte der befragten Eltern sich selbst in der Verantwortung für gelingende Integration sieht. Die befragten Eltern sollten sowohl ihr eigenes Freundschaftsverhalten als auch das ihrer Kinder an einer fünf-stufigen Likert-Skala (1= trifft völlig zu bis 5= trifft gar nicht zu) bewerten. Das Freundschaftsverhalten sollte nach den Kriterien, hauptsächlich einen deutschen, türkischen oder gemischten Freundeskreis zu haben, erfasst werden. Die nachfolgende Abbildung 20 zeigt die prozentualen Verteilungen zur Zusammensetzung des Freundeskreises. Ich habe… 0 10 20 30 40 50 60 70 Hauptsächlich deutsche Freunde Hauptsächlich türkische Freunde Gemischter Freundeskreis Eltern Kinder teils/teils Eltern teils/teils Kinder Abb. 20: Prozentuale Verteilungen zur Zusammensetzung des Freundeskreises Das Item hauptsächlich deutsche Freunde zu haben, erhält sowohl für die befragten Eltern als auch für ihre Kinder eine vergleichsweise ähnlich hohe, mittlere Zustimmung. Für 59% der Eltern und 55% der Kinder stimmten diesem Item mittelmäßig zu (teils/teils). Während 7% der Eltern dem Vorhandensein hauptsächlich deutscher Freunde zustimmten (M = 3,39; SD = ,75), wurde diese Aussage für 29% der Kinder bestätigt (M = 2,82; SD = ,89). Hauptsächlich türkische Freunde hatten 40% der befragten Eltern (M = 2,60; SD =,92) und 12% der Kinder (M = 3,27; SD = ,81). Während die mittlere Zustimmung wieder ähnlich hohe Zustimmung erhielt (47% bzw. 55%), waren die Verteilungen in den ablehnenden (13% bzw. 33%) Bewertungen unterschiedlich hoch. Die meisten Eltern und ihre Kinder hatten einen eher interethnischen Freundeskreis. 66% der Eltern (M = 2,19; SD = 1,1) sowie 58% 166 der Kinder (M = 2,31; SD = 1,1) hatten hauptsächlich einen gemischten Freundeskreis. In den nachfolgenden Abbildungen werden die einzelnen Items zur identifikativen Integrationsdimension dargestellt. Ich fühle mich…. 12,7 31,5 55,861 31,9 7,1 0 20 40 60 80 100 Zustimmung Teils/Teils Ablehnung deutsch türkisch Abb. 21: Prozentuale Verteilung der identifikativen Integration Die Abbildung 21 zeigt die prozentuale Verteilung der identifikativen Integration. 13% der befragten Eltern fühlten sich deutsch und weitere 32% sagten, dass dies zum Teil zutrifft. 56% lehnten dieses Item mit einer großen Mehrheit ab (M = 3,69; SD =1). Das Item „Ich fühle mich türkisch“ hatte eine starke Zustimmung von 61% (M = 2,15; SD = 1) der Eltern. 7% der befragten Eltern lehnen dieses Item ab. Ich fühle mich als Deutscher mit einem anderen kulturellen Hintergrund…. 33% 19% 48% Zustimmung Teils/Teils Ablehnung Abb. 22: Prozentuale Verteilung der identifikativen Integration 167 In der Abbildung 22 wird ein weiteres Item zur identifikativen Integrationsdimension dargestellt. 33% der Befragten fühlten sich als Deutscher mit einem anderen kulturellen Hintergrund (M = 3,26; SD = 1,28). 48% lehnten diese Aussage ab. Die nachfolgende Abbildung 23 zeigt die Analyse eines weiteren Items für die identifikative Integrationsdimension. Ich fühle mich zu Hause in... 65,3 23,9 10,8 31 40,8 28,2 0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100 Zustimmung Teils/Teils Ablehnung Deutschland Türkei Abb. 23: Prozentuale Verteilung der emotionalen Integration Wie in der Abbildung 21 gezeigt wurde, fühlte sich eine deutliche Mehrheit eher türkisch als deutsch. Die Abbildung 23 zeigt, dass sich indes eine große Mehrheit eher in Deutschland zu Hause fühlte als in der Türkei. 65% (M = 2,19; SD = 1,1) der befragten Eltern fühlten sich in Deutschland und 31% (M = 2,92; SD = 1,05) fühlten sich in der Türkei zu Hause (Abb. 23). Während nur 11% der Befragten das Item sich in Deutschland zu Hause zu fühlen ablehnten, waren es fast 28% der Befragten, die sich nicht in der Türkei heimisch fühlten. 168 Ich möchte lieber in der Türkei leben… 24% 32% 44% Zustimmung Teils/Teils Ablehnung Abb. 24: Prozentuale Verteilung zur identifikativen Integration 24% der Eltern möchten lieber in der Türkei leben, 44% lehnten diesen Wunsch ab und 32% sind indifferent (M = 3,26; SD = 1,2). Ich fühle mich mit der Türkei und mit Deutschland in gleicher Weise verbunden…. 47% 27% 26% Zustimmung Teils/Teils Ablehnung Abb. 25: Prozentuale Verteilung der identifikativen Integration. Verbunden mit beiden Ländern fühlte sich eine deutliche Mehrheit: 47% der Eltern fühlen sich mit beiden Ländern in gleicher Weise emotional verbunden. Während 27% unentschlossen waren, lehnten 26% der Befragten diese bikulturelle Zugehörigkeit ab (M = 2,71; SD = 1,2). 169 Ich fühle mich deutsch-türkisch 56% 18% 26% Zustimmung Teils/Teils Ablehnung Abb. 26: Verteilung zur identifikativen Integration: Bikulturelle Identität Ähnlich waren die Verteilungen der bikulturellen Identität (M = 2,57; SD = 1,3). Eine deutliche Mehrheit (56%) fühlte sich deutsch-türkisch, 18% stimmten eher mittelmäßig zu und 26% lehnten diese Aussage ab. Ich fühle mich wohl in Deutschland 81% 16% 3% Zustimmung Teils/Teils Ablehnung Abb. 27: Verteilungen der Angaben zum Wohlfühlen in Deutschland Insgesamt fühlten sich 81% der Befragten wohl in Deutschland (M = 1,85; SD = ,80), 16% fühlten sich mittelmäßig wohl. Unwohl in Deutschland fühlten sich nur 3% der befragten Eltern. 170 Ich bin mit meiner aktuellen Lebenssituation zufrieden 82% 17% 1% Zustimmung Teils/Teils Ablehnung Abb. 28: Prozentuale Verteilungen der Zufriedenheit mit der Lebenssituation Ähnlich waren die prozentualen Verteilungen für eine Zufriedenheit mit der eigenen Lebenssituation. 81% (M = 1,83; SD = ,78) der befragten Eltern gaben an, zufrieden mit ihrer aktuellen Lebenssituation zu sein. Die mittlere Zustimmung lag bei 17%. Obwohl ich mich in Deutschland wohl fühle, sehe ich mich selbst als eine Türkin / einen Türken 69% 22% 9% Zustimmung Teils/Teils Ablehnung Abb. 29: Prozentuale Verteilungen zur identifikativen Integration Sehr deutlich zeigten die Eltern, dass sie sich selbst als Türken wahrnehmen, obwohl sie sich in Deutschland wohlfühlen. 69% (M = 2,09; SD = 1) der befragten Eltern nahmen sich in der Selbstwahrnehmung als Türken wahr (Abb. 29) und in der Fremdwahrnehmung sahen sich 40% (M = 2,82; SD = 1,19) der Eltern als Ausländer wahrgenommen (Abb. 30). 171 Ich werde immer als ein Ausländer wahrgenommen 40% 32% 28% Zustimmung Teils/Teils Ablehnung Abb. 30: Verteilungen der Fremdwahrnehmung als Ausländer In den teilnehmenden Beobachtungen äußerten die Eltern, dass sie in der Gesellschaft immer als Ausländer wahrgenommen werden. Diese Aussage wurde von 40% der befragten Eltern der zweiten Studie bestätigt. 32% stimmten mittelmäßig zu und 28% lehnten diese Aussage ab. In der ersten Studie konnte auch eine ähnliche Perspektive für die Kinder erfasst werden. Einige Eltern äußerten ihre kritische Sicht, dass auch ihre Kinder immer als ausländische Kinder wahrgenommen werden. Die Überprüfung dieses Items an den Daten der zweiten Studie wird in der nachfolgenden Abbildung 31 dargestellt. Mein Kind wird immer als ein ausländisches Kind wahrgenommen 39% 27% 34% Zustimmung Teils/Teils Ablehnung Abb. 31: Prozentuale Verteilungen zur gesellschaftlichen Verortung der Kinder als ausländische Kinder 39% (M = 2,88; SD = 1,23) der Eltern stimmten der Aussage zu, dass ihr Kind immer als ein ausländisches Kind wahrgenommen werde. Während 172 27% mittelmäßig zustimmten, lehnten 34% der befragten Eltern diese Wahrnehmung ab. In der ersten Studie äußerten die Eltern den Wunsch, dass ihre Kinder es gesellschaftlich einfacher haben sollen, als sie selbst. Die nachfolgende Abbildung 32 zeigt die prozentuale Verteilung hierzu aus den Daten der zweiten Studie. 80% 10% 10% Zustimmung Teils/Teils Ablehnung Abb. 32: Prozentuale Verteilungen zum Wunsch der Eltern, dass es die Kinder leichter haben sollen in der Gesellschaft als sie selbst Zustimmung erhielt diese Aussage von 80% (M= 1,88; SD= 1,08) der befragten Eltern. Sie wünschten sich, dass es ihre Kinder in der Gesellschaft leichter haben sollen als sie selbst (Abb. 32). Mehr Bemühungen für Erfolg 16% 65% 19,70% 59% 21,6% 20% 0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100 % Eltern Kind Zustimmung Teils/Teils Ablehnung Abb. 33: Prozentuale Verteilungen der elterlichen Wahrnehmung, Eltern bzw. Kinder müssten sich mehr bemühen, um erfolgreich zu sein 173 Die Abbildung 33 zeigt die prozentualen Verteilungen der elterlichen Wahrnehmung, dass sie sich sehr bemühen, aber wenig Anerkennung von ihren Mitmenschen erhalten sowie die Zukunftsvision der beobachteten Eltern, dass ihre Kinder sich mehr bemühen müssten, um erfolgreich sein zu können. Für sie selbst gehen 16% (M = 3,64; SD = 1,09) der befragten Eltern davon aus, dass sie sich sehr bemühen, aber wenig Anerkennung von ihren Mitmenschen erhalten. Für ihre Kinder nahmen 60% (M = 2,39; SD = 1,19) der Eltern wahr, dass ihre Kinder sich mehr bemühen müssten, um erfolgreich zu sein. Ich sehe viele kulturelle Differenzen zwischen Türken und Deutschen 73% 24% 3% Zustimmung Teils/Teils Ablehnung Abb. 34: Prozentuale Verteilung der Wahrnehmung kultureller Differenzen zwischen Türken und Deutschen Die Abbildung 34 zeigt, dass 73% der befragten Eltern viele kulturelle Unterschiede zwischen Türken und Deutschen sahen. 24% stimmten mittelmäßig zu und nur 3% der Eltern lehnten dieses Item ab. Die nachfolgende Abbildung 35 zeigt den Wunsch der beobachteten Eltern, dass ihre Kinder sich in Deutschland wohlfühlen, aber überwiegend nach türkischen kulturellen Verhaltensmustern leben sollen. Diese Aussage wurde in den teilnehmenden Beobachtungen von einigen Eltern geäußert und soll anhand der Daten der Studie 2 überprüft werden. 174 Mein Kind soll sich in Deutschland wohlfühlen, aber überwiegend nach türkischen kulturellen Verhaltensmustern leben. 51% 36% 13% Zustimmung Teils/Teils Ablehnung Abb. 35: Prozentuale Verteilungen zum elterlichen Wunsch, dass sich die Kinder in Deutschland wohl fühlen, aber überwiegend nach türkischen kulturellen Verhaltensmustern leben sollen Die Hälfte der befragten Eltern (51%) möchte, dass sich ihre Kinder zwar in Deutschland wohlfühlen, aber überwiegend nach türkischen kulturellen Verhaltensmustern leben sollten. 36% stimmten mittelmäßig zu und 13% der Eltern lehnten diesen Wunsch ab. Die zentrale Forschungsfrage, ob Integration über Erziehung gefördert werden kann, wurde ebenfalls als Item formuliert und mittels Studie 2 erfasst. Die nachfolgende Abbildung 36 zeigt die prozentualen Verteilungen der befragten Eltern, ob sie einer Integrationsförderung über Erziehung zustimmen. Gibt es eine Erziehung zur Integration? 82% 4% 14% Ja Nein Weiß nicht Abb. 36: Prozentuale Verteilungen zur subjektiven Einschätzung der Eltern zur Integrationsförderung über Erziehung 175 Die zentrale Forschungsfrage, ob Integration über die Erziehung gefördert werden kann, wurde von 82% der türkischen Eltern der Folgegenerationen bejaht. Nur 4% lehnten diese Aussage ab und 14% der Eltern waren sich unsicher (Abb. 36). Die nachfolgende Abbildung 37 zeigt die prozentualen Verteilungen zu den einzelnen elterlichen Praktiken, die eine solche Integration über elterliche Erziehung fördern können. Mit einer Filterfunktion sollten die befragten Eltern, die das Item „Denken Sie, über die familiäre Erziehung die Integration Ihres Kindes in die deutsche Gesellschaft erleichtern bzw. fördern zu können?“ bejahen, auch einschätzen, was dazu gehört. Sieben Antwortmöglichkeiten wurden vorgegeben und sollten einzeln von den Eltern bewertet werden. Mehrfachantworten waren möglich und werden gemeinsam in einem Kreisdiagramm veranschaulicht. Integrationsfördernde Erziehungsinhalte 17% 15% 14% 10% 8% 17% 19% Deutsche Bilderbücher Deutsch sprechen Deutsche Märchenkassetten Erlaubnis zum Gottesdienst Feiertage feiern Deutsche Freunde Vorbild sein Abb. 37: Verteilungen der integrationsfördernden Erziehungsinhalte in Prozent Eine große Mehrheit glaubte, über ihre innerfamiliäre Erziehung die Integration ihrer Kinder in die deutsche Mehrheitsgesellschaft fördern zu können. An erster Stelle gehörte für sie dazu, selbst Vorbild (19%) zu sein. An zweiter Stelle folgten das Vorlesen deutscher Bilderbücher und die Erlaubnis zu deutschen Freundschaften mit jeweils 17%. Mit dem Kind Deutsch zu sprechen (15%) und deutsche Märchenkassetten abzuspielen (14%), standen an dritter Stelle. Die Erlaubnis, zum christlichen Gottesdienst zu gehen (10%) sowie die Feier christlicher Feiertage im familiären Rahmen (8%) wurden eher abgelehnt. 176 Wird das Antwortverhalten für die erfassten Praktiken jeweils einzeln betrachtet, so werden hohe Zustimmungsraten festgestellt: 89% bejahten die Vorbildfunktion der Eltern für die Integration ihrer Kinder (M = 0,95; SD = ,37). Ebenfalls als wichtig wurden sowohl deutsche Freundschaften (82%; M = 1,1; SD = ,60) als auch das Vorlesen deutscher (Bilder-)Bücher (81%; M = 1,02; SD = ,48) erachtet. An vierter Stelle stand die sprachliche Förderung, 71% sahen einen wichtigen Beitrag zur Integration in der Kommunikation auf Deutsch (M = 1,15; SD= ,61). Relativ gespalten waren die Meinungen der Eltern zu christlichen Feiertagen: 40% sahen einen wichtigen Beitrag an der familiären Feier christlicher Feiertage wie Weihnachten und Ostern für die Integration ihrer Kinder. Ähnlich hoch waren die Werte für eine Ablehnung: 43% der Eltern lehnten diese Aussage ab (M = 1,52, SD = ,76). 9% der Eltern waren indifferent bei der Einschätzung, Feiertage zu feiern und 8% haben gar nicht geantwortet. 50% der befragten Eltern stimmten einer Erlaubnis zum Gottesdienst mit der Schule oder Kita der Kinder zu und 31% der Eltern lehnten ab (M = 1,43, SD = ,80). Bei diesem Item zeigten sich 11% der Eltern unsicher und 9% antworten gar nicht. In der nachfolgenden Abbildung wird die Ansicht einiger beobachteter Eltern dargestellt, dass der Integrationsdiskurs von der Politik einseitig geführt wird. Integration wird von der Politik einseitig diskutiert. 48% 40% 12% Zustimmung Teils/Teils Ablehnung Abb. 38: Prozentuale Verteilungen der Ansicht, dass Integration von der Politik einseitig diskutiert wird. Fast die Hälfte (48%) der Befragten denkt, dass das Thema Integration von der Politik nur einseitig diskutiert und thematisiert wird. 40% der Eltern stimmten mittelmäßig zu und 12% lehnten diese Aussage ab. Im nachfolgenden werden die Werte zu den erfassten Benachteiligungserfahrungen abgebildet. 177 Ich habe Benachteiligungen wegen meiner Herkunft erlebt 29,6 20,2 27,2 19,716,4 17,4 15 17,4 53,9 62,4 57,8 62,9 0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100 Arbeitsmarkt Religionsausübung Wohnungssuche Bildungsstätten Zustimmung Teils/Teils Ablehnung Abb. 39: Verteilungen der erlebten Diskriminierungen in verschiedenen Bereichen 30% der Befragten berichten Diskriminierungen auf dem Arbeitsmarkt (M = 3,31; SD = 1,3), 27% bei der Wohnungssuche (M = 3,38; SD = 1,35), 20% bei der Religionsausübung (M = 3,63; SD = 1,2) und 20% in Bildungsstätten (M = 3,61; SD = 1,2) erlebt zu haben (Abb. 39). Eine deutliche Mehrheit hat noch keine Benachteiligungen in den befragten Bereichen erlebt. Diskriminierungsbereiche 31% 21% 28% 20% Arbeitsmarkt Religionsausübung Wohnungssuche Bildungsstätten Abb. 40: Erlebte Diskriminierungen in verschiedenen Bereichen Den Angaben der Eltern zufolge wurden Benachteiligungen und Diskriminierungen am stärksten auf dem Arbeitsmarkt erlebt (Abb. 40). 178 31% der befragten Eltern erlebten Benachteiligungen aufgrund ihrer Herkunft auf dem Arbeitsmarkt, 28% bei der Wohnungssuche, 21% bei ihrer Religionsausübung und 20% in Bildungsstätten. Nachdem die Analyse des subjektiven wie familialen Integrationserlebens auf Itemebene ausführlich dargestellt wurden, sollen im Folgenden die in den teilnehmenden Beobachtungen identifizierten Kategorien zum subjektiven Integrationserleben auf Itemebene deskriptiv analysiert werden. Die beobachteten Familien schienen alle gut integriert zu sein. Sie waren berufstätig und somit in den Arbeitsmarkt integriert. Sie beherrschten die deutsche Sprache und waren kognitiv integriert. Sie berichteten von deutschen Freunden und nachbarschaftlichen Verhältnissen. Sie waren in Vereinen und Freizeitaktivitäten sowohl für sich als auch für ihre Kinder involviert. Ein Großteil absolvierte eine Schul- und Berufsausbildung in Deutschland. Die soziodemografischen Daten der vorliegenden Stichprobe wurden zwar bereits in Kapitel 5.1.1 dargestellt, doch sollen an dieser Stelle zur Überprüfung der Items aus den Beobachtungen erneut mit ihren statistischen Kennwerten dargestellt werden K8: Die Folgegenerationen türkischer Migranteneltern sind kognitiv, sozial und strukturell gut integriert. Für eine deskriptive Analyse dieser Beobachtung aus der ersten Studie sollen gemäß der vier Integrationsdimensionen, welche als Indikatoren für eine empirische Messung der Integration operationalisiert werden, folgende Aussagen analysiert werden: Sie sind kognitiv integriert (sie beherrschen die deutsche Sprache), sie sind strukturell integriert (sie gehen einer Erwerbstätigkeit nach), sie sind sozial integriert (sie haben deutsche Freunde; sie haben hauptsächlich interethnische Freundschaften, sie sind in deutschen Vereinen aktiv). Im Folgenden werden diese genannten Aussagen auf Itemebene einzeln deskriptiv analysiert48. Sie beherrschen die deutsche Sprache: 88% der Eltern gaben an, gute bis sehr gute Deutschsprachkenntnisse zu haben und weitere 11% sprechen mittelmäßig gut Deutsch (M = 1,5449, SD = ,76). 75% der Eltern hatten den deutschen Fragebogen präferiert. 48 Zur Darstellung der Ergebnisse wird auf Abbildungen verzichtet, da zur Beschreibung der Stichprobe bereits Diagramme zu den Items dargestellt wurden. 49 Zur Beurteilung der Sprachkenntnisse lag eine fünf-stufige Likert-Skala vor: 1= sehr gut, 2= gut, 3= mittelmäßig, 4= schlecht und 5= sehr schlecht. 179 Sie gehen einer Erwerbstätigkeit nach: 62% der Eltern hatten eine Erwerbstätigkeit, 2% befanden sich in einer schulischen/beruflichen Ausbildung. Somit kann für 64% der befragten Eltern eine strukturelle Integration angenommen werden. 30% befanden sich in Elternzeit und 6% der Eltern waren arbeitssuchend. Sie haben deutsche Freunde: Da zur Auswertung dieser Aussage das Item „Ich habe hauptsächlich deutsche Freunde“ analysiert wird, können die Ergebnisse durch die indizierte hauptsächliche Präferenz verzerrt sein. 7% der Eltern stimmten der Aussage voll zu, dass sie hauptsächlich deutsche Freunde haben. 52% stimmten mittelmäßig zu und 41% lehnten diese Aussage ab. Sie haben hauptsächlich interethnische Freundschaften: 34% der befragten Eltern stimmten dieser Aussage voll zu und 32% stimmten zu, sodass insgesamt 66% der Eltern interethnische Freundschaften pflegten. 18% stimmten mittelmäßig zu und 12% lehnten ab. Sie sind in deutschen Vereinen aktiv: 35% der Eltern waren in einem deutschen Verein aktiv. Da 25% der Eltern angaben, in einem türkischen Verein aktiv zu sein, kann davon ausgegangen werden, dass die Mehrheit der befragten Eltern in keinem Verein aktiv war. Bei Mitgliedschaft in Vereinen wurden aber offenbar deutsche Vereine bevorzugt. K9: Sie haben eine Mischidentität. Sie fühlen sich eher türkisch, aber haben ihren Lebensmittelpunkt in Deutschland und fühlen sich mit beiden Ländern verbunden. Da die beobachteten Eltern eher eine bikulturelle Verortung hatten, also sich zwar vermehrt türkisch fühlten, aber in Deutschland ihren Lebensmittelpunkt sahen und sich mit beiden Ländern verbunden fühlten, sollen auch diese Aussagen an den Daten der zweiten Studie überprüft werden. Überprüft werden auch die Items, die zur Erfassung einer bikulturellen Identität konstruiert wurden. 180 Sie fühlen sich deutsch-türkisch: 56% der befragten Eltern fühlten sich deutsch-türkisch, 18% stimmten mittelmäßig zu und 26% lehnten diese Aussage ab. Die Mehrheit fühlte sich somit eher bikulturell verortet. Sie fühlen sich als Deutsche mit einem anderen kulturellen Hintergrund: 33% der befragten Eltern stimmten der Aussage zu, sich als Deutscher mit einem anderen kulturellen Hintergrund zu fühlen, 19% stimmten mittelmäßig zu und 48% lehnten diese Aussage ab. Fast die Hälfte der befragten Eltern fühlte sich demnach nicht als Deutscher mit einem anderen kulturellen Hintergrund. Sie fühlen sich mit beiden Ländern in gleicher Weise verbunden: 47% der befragten Eltern fühlten sich mit der Türkei und mit Deutschland in gleicher Weise verbunden. Während 27% indifferent waren, lehnten 26% der Eltern diese bikulturelle Verortung ab (M =2,71, SD = 1,17). K10: Sie sind bilingual. Sie sprechen zu Hause mit ihren Kindern und mit ihren Partnern beide Sprachen. In der ersten Studie konnte klar beobachtet werden, dass die Eltern beider Sprachen mächtig sind und beide Sprachen sowohl mit ihren Partnern als auch mit ihren Kindern sprechen. Einige Eltern präferierten eine klare elterliche Aufteilung des Sprachgebrauches. Die Mütter unterhielten sich auf Türkisch mit ihren Kindern und die Väter auf Deutsch. Untereinander sprachen die Eltern beide Sprachen, mit der Tendenz eher Deutsch zu sprechen. Die Ergebnisse der zweiten Studie zeigen eine mittlere Verteilung: Sowohl Türkisch als auch Deutsch sprechen im innerfamiliären Rahmen 48% der Eltern mit ihren Partnern und 47% mit ihren Kindern. K11: Eltern wünschen sich, dass ihre Kinder nach türkischen Verhaltensmustern leben sollen. Die beobachteten Eltern sagten ganz klar, dass sich beispielsweise ihre Kinder in Deutschland wohl fühlen, aber überwiegend nach türkischen kulturellen Verhaltensmustern leben sollten. Klar war für sie, dass ihre Kinder wissen sollten, dass sie türkische Kinder sind, da sie gesellschaftlich als solche wahrgenommen werden. Dies stand für die beobachteten Familien aber nicht im Gegensatz zur Entwicklung einer bikulturellen Identität. 181 51% der Eltern stimmten der Aussage zu, dass ihre Kinder nach türkischen Verhaltensmustern leben, sich aber dennoch in Deutschland wohl fühlen sollen. 36% der Eltern stimmten mittelmäßig zu. Die bisher dargestellten deskriptiven Ergebnisse werden im Kapitel 6 erneut zusammenfassend skizziert und diskutiert. Vorher sollen systematische Gruppenunterschiede in der Stichprobe analysiert werden. Mittels t-Tests soll im Folgenden überprüft werden, ob systematische Geschlechtsunterschiede im Erziehungsverhalten bzw. Integrationserleben bestehen. Zusätzlich werden Gruppenunterschiede nach Geburtsländern (Türkei vs. Deutschland) für die erfassten Erziehungspraktiken wie Integrationserleben analysiert. Diese Analysen erfolgen als ein Exkurs, da sie nicht zur Beantwortung der Forschungsfragestellung dienen, sondern weitergehende Fragestellungen beantworten möchten. In der Forschungslandschaft lassen sich vermehrt geschlechtsspezifische Analysen finden, wo jeweils nur die mütterliche Erziehungspraxis analysiert oder aber die Erziehung der Eltern untereinander verglichen wird. Die eigene Migrationserfahrung, hier operationalisiert am Geburtsland, stellt in der Integrationsforschung einen wichtigen Prädiktor für Erziehungsstile und Integrationserfolge dar und soll daher auch berücksichtigt werden. Die nachfolgenden Analysen werden entsprechend im Diskussionsteil erneut aufgegriffen. 5.5 Exkurs: Weiterführende Analysen Der t-Test nach Student für zwei unabhängige Stichproben ermöglicht einen Vergleich der Mittelwerte von normalverteilten Variablen und lässt Aussagen darüber zu, ob der gefundene Unterschied zufällig oder statistisch signifikant ist (vgl. Raithel 2008:146). Bevor die t-Tests berechnet werden konnten, wurden alle Variablen auf ihre Normalverteilung überprüft. Für eine optische Überprüfung wurden von den zu untersuchenden Variablen Histogramme mit Normalverteilungskurven erstellt und zusätzlich wurde der Kolmogorov-Smirnov-Test angewandt (vgl. ebd.:122). Da die Variablen normalverteilt sind, konnten für die Analysen t-Tests berechnet werden, welche im nachfolgenden Kapitel dargestellt werden 182 5.5.1 Geschlechtsspezifische Analysen zum Erziehungsverhalten Da zum Erziehungsverhalten türkischer Eltern oft konstatiert wird, dass Väter und Mütter unterschiedlich erziehen und differente Erziehungsziele präferieren, soll mit dem t-Test nach Student eine geschlechtsspezifische Analyse des erfassten Erziehungsverhaltens durchgeführt werden. Des Weiteren bietet der Forschungsstand vermehrt Untersuchungsergebnisse zum mütterlichen Erziehungsverhalten. Die hier erfolgten geschlechtsspezifischen Analysen können einen Beitrag dazu leisten und bilden somit eine Grundlage für Vergleiche. Die nachfolgenden Tabellen 21 und 22 zeigen die Ergebnisse. Tab. 21: Geschlechtsspezifische Analysen des Erziehungsverhaltens Geschlecht N Mittelwert Standardabweichung Standardfehler des Mittelwertes Autoritäres EV Weiblich 174 3,5560 ,65049 ,04931 Männlich 39 3,3718 ,63834 ,10222 Entwicklungsförderndes EV Weiblich 174 1,7753 ,40747 ,03089 Männlich 39 1,8923 ,36156 ,05790 Involviertheit Weiblich 174 1,5560 ,75844 ,05750 Männlich 39 1,7756 ,60370 ,09667 Geduldiges EV Weiblich 174 2,5824 ,67665 ,05130 Männlich 39 2,5385 ,68234 ,10926 Behütendes EV Weiblich 174 1,7287 ,49504 ,03753 Männlich 39 1,8974 ,55606 ,08904 Machtvoll durchsetzendes EV Weiblich 174 2,3908 ,56146 ,04256 Männlich 39 2,3632 ,49688 ,07956 Partnerschaftliches EV Weiblich 174 2,3276 ,66527 ,05043 Männlich 39 2,2462 ,51802 ,08295 Kindzentriertes EV Weiblich 174 1,9291 ,66721 ,05058 Männlich 39 2,2906 ,68475 ,10965 Positives EV Weiblich 174 1,3429 ,39003 ,02957 Männlich 39 1,4872 ,47045 ,07533 183 Tab. 22: T-Test bei unabhängigen Stichproben Levene-Test der Varianzgleichheit T-Test für die Mittelwertgleichheit F Sig. T df Sig. (2seitig) Mittlere Differenz Standardfehler der Differenz 95% Konfidenzintervall der Differenz Untere Obere Kindzentriertes Erziehungsverhalten Varianzen sind gleich ,032 ,857 -3,043 211 ,003 -,36148 ,11877 -,59561 -,12734 Varianzen sind nicht gleich -2,994 55,343 ,004 -,36148 ,12075 -,60344 -,11952 Positives Erziehungsverhalten Varianzen sind gleich 6,456 ,012 -2,007 211 ,046 -,14427 ,07188 -,28595 -,00258 Varianzen sind nicht gleich -1,783 50,348 ,081 -,14427 ,08093 -,30679 ,01825 Die geschlechtsspezifische Analyse zeigt einen systematischen Geschlechtsunterschied im kindzentrierten sowie positiven Erziehungsverhalten (Tab. 21). Den Ergebnissen nach scheinen Mütter kindzentrierter zu erziehen als Väter (t(211) = -3,04, p = .003). Die Differenz von -,36 ist sehr signifikant (Tab. 22). Die Differenz von -,144 im positiven Erziehungsverhalten zwischen den Eltern ist nicht signifikant (t(211) = -1,78, p = ,046). Im Folgenden werden geschlechtsspezifische Analysen zum erfassten Integrationserleben dargestellt. 5.5.2 Geschlechtsspezifische Analysen zum Integrationserleben Zwar sind geschlechtsspezifische Analysen zur Beantwortung der vorliegenden Forschungsfrage nicht relevant, doch es schien interessant, das erfasste 184 Integrationserleben nach möglichen Geschlechtsunterschieden zu untersuchen. Tab. 23: Geschlechtsspezifische Analysen zum Integrationserleben Geschlecht N Mittelwert Standardabweichung Standardfehler des Mittelwertes Türkische Identität Weiblich 174 2,4791 ,73994 ,05609 Männlich 39 2,5621 ,79575 ,12742 Interethnische Freundschaften Weiblich 174 2,4865 ,68551 ,05197 Männlich 39 2,5692 ,80758 ,12932 Exklusionsmechanismen Weiblich 174 3,1481 ,73923 ,05604 Männlich 39 2,6911 ,74573 ,11941 Wohlfühlen in Deutschland Weiblich 174 2,0690 ,79150 ,06000 Männlich 39 2,0833 ,78220 ,12525 Fremdverantwortung Weiblich 174 2,8621 ,79081 ,05995 Männlich 39 2,7821 ,75911 ,12155 Tab. 24: T-Test bei unabhängigen Stichproben Levene-Test der Varianzgleichheit T-Test für die Mittelwertgleichheit F Signifikanz T df Sig. (2seitig) Mittlere Differenz Standardfehler der Differenz 95% Konfidenzintervall der Differenz Untere Obere Exklusionsmechanismen Varianzen sind gleich ,100 ,752 3,483 211 ,001 ,45692 ,13118 ,19834 ,71551 Varianzen sind nicht gleich 3,464 55,986 ,001 ,45692 ,13191 ,19268 ,72117 Nur in den Exklusionsmechanismen zeigen sich systematische Geschlechtsunterschiede im Integrationserleben zwischen Müttern und Vätern (Tab. 23). 185 Mütter scheinen demnach Exklusionsmechanismen öfter als Väter (t(211) = 3,48, p = ,001) zu erleben. Der Unterschied ist sehr signifikant (Tab. 24). Im Folgenden werden Gruppenunterschiede nach Geburtsländern berechnet. Die eigene Migrationserfahrung der Eltern gilt einigen Studienergebnissen nach als relevanter Prädiktor für das elterliche Erziehungsverhalten sowie für den Integrationserfolg. 5.5.3 Analysen nach Geburtsländern Eine Analyse nach Geburtsländern erscheint vor dem Hintergrund der Fragestellung nach einem möglichen Zusammenhang zwischen der eigenen Migrationserfahrung und dem elterlichen Erziehungsverhalten sowie subjektiven Integrationserleben relevant. In der Türkei geborene Eltern werden als Personen mit eigener Migrationserfahrung verstanden. Einige von ihnen gehören zu der Gruppe der Heiratsmigranten. Die nachfolgenden Tabellen 25 und 26 zeigen die Ergebnisse des t-Tests. Tab. 25: Analysen zum Integrationserleben nach Geburtsland Geburtsland N Mittelwert Standardabweichung Standardfehler des Mittelwertes Türkische Identität Deutschland 150 2,6153 ,69435 ,05669 Türkei 61 2,2252 ,80534 ,10311 Interethnische Freunde Deutschland 150 2,3983 ,66807 ,05455 Türkei 61 2,7230 ,73839 ,09454 Exklusionsmechanismen Deutschland 150 3,1273 ,76373 ,06236 Türkei 61 2,9000 ,73856 ,09456 Wohlfühlen in Deutschland Deutschland 150 1,9883 ,72584 ,05926 Türkei 61 2,2582 ,90443 ,11580 Fremdverantwortung Deutschland 150 2,8033 ,77264 ,06309 Türkei 61 2,9590 ,80775 ,10342 Tab. 26: T-Test bei unabhängigen Stichproben 186 Levene-Test der Varianzgleichheit T-Test für die Mittelwertgleichheit F Signifikanz T df Sig. (2seitig) Mittlere Differenz Standardfehler der Differenz 95% Konfidenzintervall der Differenz Untere Obere Türkische Identität Varianzen sind gleich 3,859 ,051 3,529 209 ,001 ,39010 ,11054 ,17218 ,60802 Varianzen sind nicht gleich 3,315 98,147 ,001 ,39010 ,11767 ,15659 ,62361 Interethnische Freunde Varianzen sind gleich 1,603 ,207 -3,103 209 ,002 -,32462 ,10463 -,53088 -,11836 Varianzen sind nicht gleich -2,974 102,044 ,004 -,32462 ,10915 -,54111 -,10812 Exklusionsmechanismen Varianzen sind gleich ,005 ,946 1,978 209 ,049 ,22727 ,11489 ,00078 ,45377 Varianzen sind nicht gleich 2,006 114,789 ,047 ,22727 ,11327 ,00290 ,45165 Wohlfühlen in Deutschland Varianzen sind gleich 6,628 ,011 -2,275 209 ,024 -,26986 ,11864 -,50376 -,03597 Varianzen sind nicht gleich -2,075 92,979 ,041 -,26986 ,13008 -,52819 -,01154 Fremdverantwortung Varianzen sind gleich ,072 ,788 -1,310 209 ,192 -,15568 ,11888 -,39005 ,07868 Varianzen sind nicht gleich -1,285 106,992 ,202 -,15568 ,12114 -,39584 ,08447 Es bestehen signifikante Unterschiede im Integrationserleben nach Geburtsländern. In der Türkeigeborene Eltern scheinen eine stärkere türkische Identität als in Deutschland geborene Eltern zu haben (t(209) = 3,5, p = ,001). Die mittlere Differenz von ,39 ist sehr signifikant. Auch der Mittelwertsunterschied von -,32 in Bezug auf die interethnischen Freundschaften ist signifikant. Daraus ergibt sich, dass in Deutschland Gebo- 187 rene häufiger interethnische Freundschaften als in der Türkei Geborene eingehen (t(209) = -3,10, p = ,0 02). Des Weiteren zeigen die Ergebnisse, dass in der Türkei Geborene signifikant öfter Exklusionsmechanismen als in Deutschland geborene Eltern erleben (t(209) = 1,98, p = ,049). Die Differenz von ,23 ist schwach signifikant. Der t-Test hat ferner ergeben, dass in Deutschland Geborene sich signifikant wohler in Deutschland fühlen als in der Türkei Geborene (t(209) = -,208, p = 0,41). Die Differenz von -,27 ist schwach signifikant. Die systematischen Gruppenunterschiede im Erziehungsverhalten werden in nachfolgender Tabelle 27 dargestellt. Tab. 27: Analysen zum Erziehungsverhalten nach Geburtsland Geburtsland N Mittelwert Standardabweichung Standardfehler des Mittelwertes Autoritäres EV Deutschland 150 3,5458 ,66008 ,05389 Türkei 61 3,4857 ,62671 ,08024 Entwicklungsförderndes EV Deutschland 150 1,8360 ,38413 ,03136 Türkei 61 1,6852 ,42223 ,05406 Involviertheit Deutschland 150 1,5717 ,71732 ,05857 Türkei 61 1,6639 ,79305 ,10154 Geduldiges EV Deutschland 150 2,5778 ,68614 ,05602 Türkei 61 2,5628 ,66539 ,08519 Behütendes EV Deutschland 150 1,7747 ,50197 ,04099 Türkei 61 1,7016 ,52361 ,06704 Machtvoll durchsetzendes EV Deutschland 150 2,3722 ,54902 ,04483 Türkei 61 2,4180 ,55995 ,07169 Partnerschaftliches EV Deutschland 150 2,3040 ,59651 ,04870 Türkei 61 2,3115 ,74074 ,09484 Kindzentriertes EV Deutschland 150 1,9578 ,64541 ,05270 Türkei 61 2,0546 ,75812 ,09707 Positives EV Deutschland 150 1,3467 ,40297 ,03290 Türkei 61 1,4208 ,42558 ,05449 188 Tab. 28: T-Test bei unabhängigen Stichproben Levene-Test der Varianzgleichheit T-Test für die Mittelwertgleichheit F Signifikanz T df Sig. (2seitig) Mittlere Differenz Standardfehler der Differenz 95% Konfidenzintervall der Differenz Untere Obere Entwicklungsförderndes EV Varianzen sind gleich ,793 ,374 2,510 209 ,013 ,15075 ,06005 ,03237 ,26914 Varianzen sind nicht gleich 2,412 102,511 ,018 ,15075 ,06250 ,02679 ,27472 Wie die Messwerte in den Tabellen 27 und 28 zeigen, bestehen systematische Unterschiede im entwicklungsfördernden Erziehungsverhalten zwischen den Eltern, welche in Deutschland und in der Türkei geboren sind (t(209) = 2,51, p = 0,13). Eltern, die in der Türkei geboren sind, scheinen eher entwicklungsfördernd zu erziehen als Eltern, die in Deutschland geboren wurden. Die Differenz von ,15 ist signifikant. In den weiteren Erziehungspraktiken bestehen keine weiteren signifikanten Unterschiede. Im Folgenden werden Produkt-Moment-Korrelationen nach Pearson für die erfassten Erziehungspraktiken und das subjektive Integrationserleben berechnet und im Folgenden dargestellt, um die Forschungsfrage zu explizieren. Die nachfolgende Analyse stellt einen Versuch dar, die zentrale Forschungsfrage zu prüfen. 5.6 Zusammenhang des Erziehungsverhaltens mit dem Integrationserleben Die zentrale Forschungsfrage der vorliegenden Dissertation, ob es eine Erziehung zur Integration gibt, soll mittels Pearson Produkt-Moment- Korrelationen überprüft werden. Durch die Berechnung der Korrelationskoef- 189 fizienten kann überprüft werden, ob ein linearer Zusammenhang zwischen den beiden erfassten Untersuchungsvariablen besteht. Die Ergebnisse der Korrelationsberechnungen sind in nachfolgender Tabelle 29 dargestellt. Tab. 29: Korrelationen des Erziehungsverhaltens und des Integrationserlebens Autoritäres EV Entwicklungsförderndes EV Involviertheit Geduldiges EV Behütendes EV Machtvoll durchsetzendes EV Partnerschaftliches EV Kindzentrier tes EV Positives EV Exklusionsmechanismen r ,139* -,095 -,060 ,020 -,009 -,004 -,064 ,000 ,033 p ,043 ,167 ,386 ,774 ,891 ,957 ,353 ,999 ,635 Türkische Identität r ,092 ,205** ,006 -,066 ,224** ,164* -,050 -,090 -,038 p ,183 ,003 ,932 ,334 ,001 ,017 ,466 ,189 ,583 Wohlfühlen in Deutschland r -,140* ,080 ,102 ,080 -,030 -,092 ,184** ,110 ,174* p ,041 ,245 ,138 ,245 ,666 ,179 ,007 ,111 ,011 Fremdverantwortung r ,014 ,031 ,005 ,090 ,032 -,043 ,124 ,147* ,157* p ,843 ,657 ,941 ,189 ,645 ,537 ,072 ,032 ,022 Interethnische Freundschaften r p -,145* ,035 ,076 ,270 ,232** ,001 ,108 ,115 ,008 ,913 -,008 ,908 ,227** ,001 ,188** ,006 ,262** ,000 Anmerkung: *p ≤ .05; **p ≤ .01; (2-seitig) Wie die Ergebnisse in Tabelle 29 zeigen, haben Exklusionsmechanismen einen signifikant positiven Zusammenhang mit autoritärerem Erziehungsverhalten (r = .14, p ≤ .05). Die Skala türkische Identität korreliert signifikant mit entwicklungsförderndem Erziehungsverhalten (r = .21, p ≤ .01) sowie behütenden Erziehungsver- 190 halten (r = .22, p ≤ .01) und schwach signifikant mit machtvoll durchsetzendem Erziehungsverhalten (r = .16, p ≤ .05). Wohlfühlen in Deutschland hat einen signifikant positiven Zusammenhang mit partnerschaftlichem Erziehungsverhalten (r = .18, p ≤ .01) und eine schwach signifikante Korrelationen mit positivem Erziehungsverhalten (r = .17, p ≤ .05). Eine schwach signifikant negative Korrelation hat die Skala Wohlfühlen in Deutschland mit der Skala autoritären Erziehungsverhalten (r = -.14, p ≤ .05). Fremdverantwortung korreliert schwach signifikant mit zwei Erziehungsskalen: mit kindzentrierten Erziehungsverhalten (r = .15, p ≤ .05) und positiven Erziehungsverhalten (r = .16, p ≤ .05). Die interethnischen Freundschaften haben eine signifikant positive Korrelation mit vier Erziehungsskalen und eine schwach signifikante negative Korrelation mit einer Skala. Es besteht ein signifikant positiver Zusammenhang mit involvierten (r = .23, p ≤ .01), partnerschaftlichen (r = .23, p ≤ .01), kindzentrierten (r = .19, p ≤ .01) sowie mit positiven Erziehungsverhalten (r = .26, p ≤ .01). Eine schwach signifikant negative Korrelation besteht zum autoritären Erziehungsverhalten (r = -.15, p ≤ .05). Zusätzlich zu den beschriebenen Pearson Produkt-Moment-Korrelationen zwischen den beiden erfassten Konstrukten Erziehungsverhalten und Integrationserleben sollen im Folgenden die Korrelationen der erfassten Erziehungsskalen mit dem Item der subjektiven Integrationseinschätzung („Ich bin gut in die deutsche Gesellschaft integriert“) berechnet werden. Dadurch kann gemessen werden, ob bestimmte elterliche Erziehungspraktiken mit einem positiv wahrgenommenen, subjektiven Integrationserleben in Zusammenhang stehen. Einschränkend ist zu konstatieren, dass der Korrelationskoeffizient keine Aussagen über eine kausale Beziehung machen kann. An dieser Stelle ist primär die Analyse von möglichen Zusammenhängen zentral. Tab. 30: Korrelation nach Pearson: Erziehungsverhalten mit der subjektiven Einschätzung der eigenen Integration Erziehungsverhalten (EV) Ich bin gut in die deutsche Gesellschaft integriert. Positives EV r ,283** p ,000 Kindzentriertes EV r ,203** 191 p ,003 Autoritäres EV r -,242** p ,000 Entwicklungsförderndes EV r ,086 p ,209 Involviertheit r ,238** p ,000 Geduldiges EV r ,160* p ,020 Behütendes EV r ,136* p ,048 Machtvoll durchsetzendes EV r p ,009 ,899 Partnerschaftliches EV r ,236** p ,001 Anmerkung: *p ≤ .05; **p ≤ .01; (2-seitig). EV= Erziehungsverhalten Die vorstehende Tabelle 30 zeigt, dass die subjektive Einschätzung „Ich bin gut in die deutsche Gesellschaft integriert“ einen signifikant positiven Zusammenhang mit positiven (r = .28, p ≤ .01), kindzentrierten (r = .20, p ≤ .01), involvierten (r = .24, p ≤ .01) und partnerschaftlichen Erziehungsverhalten (r= ,24) sowie eine signifikant negative Korrelation mit autoritären Erziehungsverhalten (r = -.24, p ≤ .01) hat. Die Korrelationskoeffizienten sind für diese Korrelationen ähnlich hoch, für drei Korrelationen sogar gleich hoch. Eine schwach signifikante Korrelation besteht zwischen dem Item der positiven Integrationseinschätzung und geduldigen (r = .16, p ≤ .05) sowie behütenden (r = .14, p ≤ .05) Erziehungsverhalten. Zu den machtvoll durchsetzenden und entwicklungsfördernden Erziehungsverhalten besteht kein Zusammenhang. Die Daten der qualitativen und quantitativen Studien wurden für die Forschungsfrage deskriptiv analysiert und ausführlich dargestellt. Die Ergebnisse 192 sollen im Folgenden diskutiert und interpretiert werden und werden hierfür zunächst zusammenfassend skizziert.

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References

Zusammenfassung

Die Integrationsdebatte über türkische Migranten in Deutschland wird weiterhin kontrovers, emotional und defizitorientiert geführt. Insgesamt seien Migrantenfamilien integrationsunwillig, integrationsunfähig und lebten in abgeschotteten Parallelgesellschaften. Patriarchalische, traditionelle Familienstrukturen und ein autoritärer Erziehungsstil türkischer Eltern werden als die großen Integrationshindernisse angezeigt; die Existenz kultureller und sozialer Distanzen mache eine Angleichung unmöglich. Die Debatte suggeriert eine einseitige Verantwortlichkeit, es sei vor allem eine Frage der individuellen Entscheidung bzw. der subjektiven Voraussetzungen der Zugewanderten, ob diese sich integrieren wollen bzw. können.

Nalan Gürbüz-Bicakci untersucht das elterliche Erziehungsverhalten und das subjektive Integrationserleben von 213 türkischen Migranteneltern der Folgegenerationen mit Kindern im Vorschulalter, um die zentrale Fragestellung nach dem Beitrag einer elterlichen Erziehung zur Integration zu analysieren. Mit aktuellen empirischen Daten und interessanten Ergebnissen leistet sie einen wertvollen Beitrag zur Integrations- und Sozialisationsforschung und -debatte in Deutschland.