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A) Einleitung in:

Kai Lemler

Sicherheitskonzepte in asymmetrischen Konflikten, page 17 - 41

1. Edition 2017, ISBN print: 978-3-8288-3902-1, ISBN online: 978-3-8288-6708-6, https://doi.org/10.5771/9783828867086-17

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Politikwissenschaften, vol. 70

Tectum, Baden-Baden
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17 „You must know something about strategy and tactics and …logistics, but also economics and politics and diplomacy and history. You must know everything you can know about military power, and you must also understand the limits of military power.”1 (John F. Kennedy) A) Einleitung „Nichts Bessers weiß ich mir an Sonn- und Feiertagen – Als ein Gespräch von Krieg und Kriegsgeschrei, – wenn hinten, weit, in der Türkei, – Die Völker aufeinander schlagen. – Man steht am Fenster, trinkt sein Gläschen aus – Und sieht den Fluß hinab die bunten Schiffe gleiten; – Dann kehrt man abends froh nach Haus, – Und segnet Fried und Friedenszeiten.“2 (Johann Wolfgang von Goethe) Erkenntnisinteresse und Fragestellung Lange Zeit hatte sich ein Großteil der bundesdeutschen Öffentlichkeit ganz im Sinne der hier zitierten Bürger des Osterspaziergangs in Goethes Faust in der trügerischen Sicherheit gewogen, die Konflikte dieser Welt weit weg zu wissen und nicht unmittelbar von ihnen betroffen zu sein. Zeitweilig war die Vorstellung nach dem Ende des Ost-West- Konflikts weit verbreitet, die Welt würde zu einem friedlicheren Ort und der Einsatz militärischer Kräfte sei ein Instrument vergangener Tage.3 Doch trat im Gegenteil nicht der erhoffte „Ewige Frieden“ ein, sondern vielmehr stieg die Ausbreitung innerstaatlicher Konflikte rapide an.4 Spätestens als infolge des Bürgerkrieges in Syrien und des Wütens der Terrormilizen des sogenannten „Islamischen Staates“ („IS“) hunderttausende Flüchtlinge aus dem Nahen Osten nach Europa 1 U.S. Army/U.S. Marine Corps: Counterinsurgency Field Manual No. 3-24, Chicago 2007, S. 77. 2 Goethe, Johann Wolfgang von: Faust – Der Tragödie erster Teil, Stuttgart 1995, S. 26. 3 Vgl. Münkler, Herfried: Die neuen Kriege, Reinbek bei Hamburg 2002, S. 42. 4 Vgl. Münkler: Die neuen Kriege, S. S. 62 und vgl. Meyers, Reinhard: Begriffe II. Der Wandel des Kriegsbildes, in: Bernhard Rinke/Wichard Woyke (Hrsg.): Frieden und Sicherheit im 21. Jahrhundert – Eine Einführung, Opladen 2004, S. 25-50, hier S. 34. 18 drängten, wurde deutlich, dass der Wunsch des Faust‘schen „dritten Bürgers“ – „Sie mögen sich die Köpfe spalten, – Mag alles durcheinander gehen; – Doch nur zu Hause bleib’s beim alten“5 – von der Realität konterkariert wurde. Die Konflikte der Welt hatten nun direkte Konsequenzen für die Deutschen selbst. Bereits Mitte der 1990er hatten man u. a. im Zusammenhang mit den Konflikten im ehemaligen Jugoslawien realisiert, dass militärische Mittel wieder zur politischen Handlungsoption wurden6 und auch war mit den Anschlägen des 11. Septembers 2001 klar geworden, dass westliche Staaten wahrscheinlich langfristig der Bedrohung durch verheerende Terroranschläge ausgesetzt sein würden. Vielen wurde jedoch erst im Jahr 2009 bewusst, dass über derartige Friedensmissionen hinaus die Bundesrepublik, wie beispielsweise im Rahmen der Stabilisierungsmission in Afghanistan, in einen Konflikt verwickelt werden konnte, in welchem schwarz und weiß, richtig und falsch kaum mehr zu unterscheiden waren. Im Glauben daran, man beteilige sich dort seit 2002 lediglich an einer Mission zur Absicherung des zivilen Wiederaufbaus, war es den meisten Bundesbürgern schlichtweg entgangen, dass sich im Zuge des Wiedererstarkens der Taliban die Sicherheitslage in Afghanistan rapide verschlechtert hatte. Die Bundeswehr sah sich im Sommer 2009 gezwungen, im Raum Kundus offensiv gegen die Taliban vorzugehen.7 Erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg war nun auch wieder von deutschen Gefallenen die Rede.8 Nachdem das Wort „Krieg“ lange vermieden worden war,9 sprach Bundesverteidigungsminister Karl Theodor von und zu Guttenberg angesichts der Lage in Afghanistan schließlich 5 Goethe: Faust – Der Tragödie erster Teil, S. 26. 6 Vgl. Greiner, Gottfried: „Die Entwicklung des Strategie- und Operationsbegriffs“ seit Clausewitz, in: Dietmar Schössler (Hrsg.): Die Entwicklung des Strategie- und Operationsbegriffs seit Clausewitz. Militärischwissenschaftliches Colloquium der Clausewitz-Gesellschaft e. V. am 6. und 7. April 1995 in Dresden, München 1997, S. 16-18, hier. S. 18. 7 Vgl. Gebauer, Matthias/Najafizada, Shoib: „Offensive in Kunduz: Afghanen wollen Taliban-Jagd mit der Bundeswehr ausdehnen“, in: Spiegel Online, 22.07.2009, http://www.spiegel.de/politik/ausland/offensive-in-kunduz-afghanenwollen-taliban-jagd-mit-der-bundeswehr-ausdehnen-a-637695.html, zuletzt geprüft: 20.12.2015. 8 N. N.: „Jung spricht erstmals von ‚Gefallenen‘“, in: Welt Online, 25.10.2008, http://www.welt.de/welt_print/article2624476/Jung-spricht-erstmals-von- Gefallenen.html, zuletzt geprüft: 20.12.2015. 9 Vgl. dazu u. a. Stephan, Cora: „Ungeliebte Soldaten“, in: Internationale Politik, September/Oktober 2012, S. 118-129 und Chauvistré, Eric: „Robuste Illusionen“, in: Internationale Politik, März 2009, S. 84-96. 19 von „kriegsähnlichen Zuständen“10. Dem vorausgegangen war am 4. September der Luftangriff von Kundus11, infolge dessen der ehemalige Verteidigungsminister Franz Josef Jung von seinem zwischenzeitlich ausgefüllten Amt des Arbeitsministers zurücktrat, der Staatssekretär Peter Wichert entlassen und der Generalinspekteur der Bundeswehr, Wolfgang Schneiderhan, in den Ruhestand versetzt wurde.12 Ganz allmählich hatte sich die Stabilisierungsmission in einen Kampfeinsatz gegen einen zu allem entschlossenen Gegner verwandelt, welcher sich sämtlicher Mittel der asymmetrischen Kriegführung bediente. Die bundesdeutsche Öffentlichkeit hatte lange in der Annahme gelebt, Militär diene letztlich nur als Ultima Ratio zur Landesverteidigung. Vor dem Hintergrund des Kalten Krieges war die Bundeswehr – teilweise gegen heftige Widerstände in der Bevölkerung – 1955 geschaffen worden, um im Falle einer sowjetischen Invasion die staatliche Souveränität der Bundesrepublik oder eines NATO-Partners zu verteidigen. Nach Ende des Ost-West-Konfliktes wurde das wiedervereinigte Deutschland nicht nur von der internationalen Gemeinschaft im Rahmen von UN- Friedenseinsätzen wie in Somalia zunehmend in die Pflicht genommen. Da sich auch der Aufgabenbereich der NATO wandelte, fanden sich deutsche Soldaten, deren Auftrag jahrzehntelang lediglich die Landes- und Bündnisverteidigung gewesen war, zunehmend in sogenannten „Out-of-Area“ Einsätzen außerhalb des NATO-Gebietes wieder, deren Gefährlichkeit von Mission zu Mission zuzunehmen schien. Auf Friedens- und Stabilisierungsmissionen am Horn von Afrika und 10 Vgl. N. N.: „Guttenberg: ‚Kriegsähnliche Zustände‘“, in: FAZ Online, 03.11.2009, http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/afghanistan-einsatzguttenberg-kriegsaehnliche-zustaende-1883496.html, zuletzt geprüft: 14.09.2015. 11 Am 4. September hatten zwei amerikanische F-15-Kampfflugzeuge auf Anforderung der Bundeswehr in der Region Kundus zwei von aufständischen Taliban gekaperte Tanklastwagen angegriffen. Auch wenn sich die genaue Zahl der Opfer im Nachhinein nicht mehr feststellen ließ, deutete vieles darauf hin, dass unter den mindestens 140 Toten neben einigen hochrangigen Talibanführern auch viele Zivilisten waren. (vgl. dazu Chiari, Bernhard/Pahl, Magnus: Auslandseinsätze der Bundeswehr. Wegweiser zur Geschichte, Paderborn, München, Wien, Zürich 2010, S. 132 und vgl. Chiari, Bernhard: „Was können die Streitkräfte für die Stabilisierung von Staaten leisten? – Der ISAF- Einsatz und das PRT Kunduz 2003 bis 2012“, in: Der Panzergrenadier – Zeitschrift des Freundeskreises der Panzergrenadiertruppe e.V., 1/2015, S. 14-20, hier S. 14. 12 Vgl. Volmer, Hubertus: „Chronologie – Die Kundus-Affäre“, 22.04.2010, http://www.n-tv.de/politik/dossier/Die-Kundus-Affaerearticle837486.html, zuletzt geprüft: 20.12.2015. 20 in Bosnien folgte schließlich 1999 im Kosovo der erste Kampfeinsatz.13 Als 2001 Afghanistan von dem Regime der Taliban und den mit diesen verbündeten Al-Qaida-Kräften befreit wurde, stellte auch die Bundesrepublik Truppen, um den auf der Petersberger Afghanistan-Konferenz geplanten Wiederaufbau des Landes abzusichern. Während die ersten Jahre im deutschen Verantwortungsbereich in Nordafghanistan noch relativ ruhig verliefen, als bereits im Süden und Osten des Landes Kämpfe mit den Taliban entbrannten, griff der Krieg spätestens ab 2009 auch auf den Norden Afghanistans über. Hatte sich die Bundeswehr jahrzehntelang auf die Abwehr der Panzerarmeen des Warschauer Paktes vorbereitet, sah sie sich nun einem Gegner gegenüber, auf den sie anfangs weder durch Ausbildung, Ausrüstung noch Taktik eingestellt war. Bei der Aufstandsbekämpfung fehlte es den deutschen Streitkräften an einschlägigen Erfahrungen, wie sie die Armeen anderer NATO-Staaten wie beispielsweise die der USA, Großbritanniens oder Frankreichs seit Mitte des 20. Jahrhunderts durch die Verwicklung in asymmetrische Konflikte hatten sammeln können. Staatenkriege klassischer Ausprägung, wie sie seit der frühen Neuzeit das militärische Bewusstsein des Westens bestimmt hatten, waren in diesem Zeitraum von der Regel zum Ausnahmefall avanciert. Auch nach Ende der ISAF-Mission in Afghanistan kann indes davon ausgegangen werden, dass die Bundesrepublik Deutschland auch künftig aufgrund ihrer außenpolitischen Verantwortung in NATO, UNO und EU nicht umhin kann, sich an internationalen Stabilisierungsmissionen zu beteiligen, die erneut die Risiken einer Konfrontation mit asymmetrisch kämpfenden Gegnern bergen.14 Schließ- 13 Vgl. Rose, Jürgen: Der globalisierte Krieg. Implikationen der Operation ‚Enduring Freedom‘ für NATO und Bundeswehr, in: Gerhard Kümmel/Collmer Sabine (Hrsg.): Asymmetrische Konflikte und Terrorismusbekämpfung – Prototypen künftiger Kriege?, Baden-Baden 2003, S. 65-86, hier S. 79. 14 Laut des Heidelberger Instituts für Internationale Konfliktforschung (HIIK) nehmen innerstaatliche Kämpfe vor allem in Afrika und im Nahen Osten massiv zu. 2013 zählte das Konfliktbarometer 20 Kriege und damit die meisten seit 1945. Zuvor lag der Wert nur 2011 so hoch. Keiner davon wurde jedoch zwischen Staaten ausgetragen. (vgl. „Konfliktbarometer 2013: Naher Osten wird zum dauerhaften Kriegsschauplatz“, in: Spiegel Online, 25.02.2014, http://www.spiegel.de/politik/ausland/konfliktbarometer-2013-20-kriegeweltweit-11-in-afrika-6-in-nahost-a-955389.html, zuletzt geprüft: 14.09.2015.) 2014 kam das Heidelberger Barometer sogar auf 424 Konflikte, die von gewaltlosen Differenzen bis hin zum offenen Krieg reichten 46 davon wurden hochgewaltsam ausgetragen, 21 als Krieg bezeichnet. Der Schwerpunkt der 21 lich haben nicht nur Münkler zufolge die asymmetrischen Konflikte15 die symmetrischen abgelöst und werden die Geschichte des 21. Jahrhunderts bestimmen.16 Auch laut David Kilcullen ist der Aufstand („insurgency“) die am weitesten verbreitete Form gewaltsamer Auseinandersetzung der Gegenwart.17 Es scheint daher erforderlich, nicht nur die unlängst in Afghanistan gemachten Erfahrungen als Grundlage für künftige Einsatzkonzeptionen heranzuziehen, sondern sich auch grundsätzlich mit dem Phänomen asymmetrischer Bedrohungen auseinanderzusetzen und dieses eingehender zu untersuchen. Um die Prinzipien, die Strategien und Vorgehensweisen in asymmetrischen Konflikten zu verstehen, empfiehlt es sich, sich mit bestimmten historischen Fallbeispielen zu befassen, die exemplarisch das Wesen derartiger Auseinandersetzungen verdeutlichen. Der vorliegenden Arbeit liegt die Annahme zugrunde, dass die Konfrontation mit asymmetrischen Bedrohungen, deren Bandbreite seit Mitte des 20. Jahrhunderts von den Guerillakriegen der Entkolonialisierungsepoche bis hin zu terroristischen Strategien vor allem seit den 1970er und 1980er Jahren reichte, für westliche Staaten kein Novum darstellt. Als Resultat dessen wird die Arbeitshypothese aufgestellt, dass bei der Bekämpfung asymmetrischer Phänomene in den vergangenen Jahrzehnten Erfahrungen gesammelt wurden, von denen politische Akteure in der Auseinandersetzung in gegenwärtigen und künftigen Konflikten profitieren könnten. Damit steht die Arbeit in der Tradition strategischer Studien. „Will man die Gegenwart verstehen, so studiere man die Vergangenheit“18 schreibt Martin van Crefeld und auch Basil Liddel Hart hatte die Bedeutung des ausführlichen Studiums historischer Beispiele als Er- Auseinandersetzungen lag im Nahen Osten. (vgl. N. N.: „Die gefährlichsten Länder der Welt“, in: Loyal 6/2015, S. 22-23, hier S. 22.) 15 Bereits David Galula hatte 1964 von der Asymmetrie zwischen den verfeindeten Lagern in revolutionären Konflikten gesprochen. (vgl. Galula, David: Counterinsurgency Warfahre – Theory and Practice, Westport (CT) 2006.) 16 Vgl. Münkler: Die neuen Kriege, S. 240. 17 Vgl. Kilcullen, David J.: Counterinsurgency, Oxford & New York 2010, S. ix. Zum Niedergang des klassischen Krieges als Auseinandersetzung zwischen Staaten vgl. u. a. Kümmel, Gerhard: Chamäleon Krieg: Diversifizierung und ihre Folgen für die Streitkräfte, in: Gerhard Kümmel/ Sabine Collmer (Hrsg.): Asymmetrische Konflikte und Terrorismusbekämpfung – Prototypen künftiger Kriege?, Baden-Baden 2003, S. 29-48, hier S. 33 und Meyers: Begriffe II. Der Wandel des Kriegsbildes, S. 25. 18 Vgl. Van Creveld, Martin: Gesichter des Krieges – Der Wandel bewaffneter Konflikte von 1900 bis heute, München 2009, S. 8. 22 kenntnisquelle für die Gegenwart hervorgehoben.19 Hart wird einer nach dem Ersten Weltkrieg entstandenen Denkschule zugerechnet, die es sich zur Aufgabe gemacht hatte, aus der Geschichte Rückschlüsse zu ziehen aus dem „Gebrauch militärischer Macht, [der] Bedeutung von Führung, Waffentechnik und [dem] Zusammenspiel von Politik und Militär.“20 In Deutschland findet sich mit Hans Delbrück („Geschichte der Kriegskunst“, 1901) ein früher Vertreter.21 Aus praktischem Interesse an einem möglichen Nutzen für die Gegenwart hatte sich auch schon der preußische Generalstab seit dem frühen 19. Jahrhundert mit historischen Fallbeispielen und der Erstellung militärhistorischer Studien befasst.22 Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges erlebte diese Tradition in Deutschland eine Zäsur. Die nun aufkommende Friedensund Konfliktforschung23 beschränkte sich in der Folge primär auf Kriegsursachen und Konfliktverhütung, während sie Verlauf und Folgen eines Krieges weitgehend ausblendete.24 Diese sind hingegen Bestandteil der „Strategic Studies“ des angelsächsischen Sprachraumes,25 welche die „Optimierung und die Prognose politischer und militärischer Entscheidungen“26 zum Ziel haben. Nach Joachim Krause handelt es sich dabei um einen „der Kernbereiche der anwendungsorientierten Politikwissenschaft“27. Strategic Studies bemühen sich darum, den Strategiebegriff von einem rein militärischen zu einem politisch-militärischen Begriff auszuweiten und strategische Herausforderungen unter Einbeziehung verschiedener politischer und technologischer Rahmenbedingungen zu analysieren.28 Statt auf den Naturwis- 19 Vgl. Liddel Hart, Basil: Strategie, Wiesbaden ohne Jahresangabe, S. 21-25. 20 Krause, Joachim: Strategische Wissenschaft, in: Carlo Masala/Frank Sauer und Andreas Wilhelm (Hrsg.): Handbuch der internationalen Politik, Wiesbaden 2010, S. 182-198, hier S. 184. 21 Vgl. ebd., S. 184. 22 Vgl. Dupuy, Trevor N.: Der Genius des Krieges. Das deutsche Heer und der Generalstab 1807-1945, 2. Auflage, Graz 2011, S. 64. 23 Vgl. Voigt, Rüdiger: Krieg ohne Raum – Asymmetrische Konflikte in einer entgrenzten Welt, Stuttgart 2008, S. 52. 24 Vgl. Voigt: Krieg ohne Raum, S. 53. 25 Vgl. Voigt: Krieg ohne Raum, S. 53 und vgl. hierzu auch Gray, Colin S.: War Peace and International Relations – An introduction to strategic history, Second Edition, Abingdon 2012, S. 1-15 sowie Sheehan, Michael: Military Security, in: Alan Collins (Hrsg.): Contemporary Studies, Second Edition, Oxford/New York 2010, S. 169-183. 26 Voigt: Krieg ohne Raum, S. 53. 27 Krause: Strategische Wissenschaft, S. 182. 28 Vgl. ebd., S. 186. 23 senschaften entlehnte Methoden zurückzugreifen, um mit diesen zu möglichst allgemein gültigen Erkenntnissen zu gelangen, versuchen laut Krause Vertreter der Strategic Studies vielmehr durch die Anwendung „hermeneutische[r] Methoden zu einem umfassenden und komplexeren Verständnis politischer und historischer Entwicklungen zu gelangen.“29 Vor allem durch historisch-soziologische Verfahren versuchen sie, eine Verbindung zwischen der Betrachtung historischer Entwicklungen und einer Analyse sozialer und politischer Strukturen herzustellen, um hierdurch strategische Tendenzen aufzudecken und bewerten zu können.30 Während jedoch strategischen Studien insbesondere in angelsächsischen Ländern sowie in Israel und der Schweiz ein hoher Stellenwert beigemessen wird, wurden sie in Deutschland lange vernachlässigt.31 Erst in jüngerer Zeit wird ihnen auch in der deutschen Forschung wieder verstärkte Aufmerksamkeit zuteil.32 In dieser Tradition steht auch die vorliegende Untersuchung, die sich der eingehenden Analyse der strategischen und operativ-taktischen Interaktionen der Akteure in ausgewählten Konflikten widmet. Als primäres Ziel der Arbeit sollen daher mögliche Sicherheitskonzepte gegenüber asymmetrischen Bedrohungslagen anhand historischer Untersuchungen auf theoretischer und praktischer Ebene aufgezeigt werden. Damit kann die vorliegende Untersuchung in die noch junge wissenschaftliche Disziplin der politischen Strategieanalyse eingeordnet werden. In Anlehnung an die Arbeiten von Joachim Raschke und Ralf Tils33 wird eine systematische Untersuchung der Wirkungen sicherheitspolitischer Konzepte in asymmetrischen Konflikten angestrebt. Dazu werden vor allem die strategischen Akteure, die sich hierbei als Protagonisten und Antagonisten gegenüberstanden, ins Zentrum der Betrachtungen gerückt. Daneben soll die Arbeit als eines der sekundären Ziele eine Entwicklungsgeschichte asymmetrischer Bedrohungen in der Moderne aufzeigen und darlegen, in welchem Zusammenhang diese standen und sich gegenseitig theoretisch wie praktisch beeinflussten – bis hin zu den Bedrohungen der Gegenwart. Das Primärziel der Arbeit kann nur 29 Ebd., S. 192. 30 Vgl. ebd., S. 192. 31 Vgl. ebd., S. 182 und S. 193. 32 Vgl. Voigt: Krieg ohne Raum, S. 50f. 33 Siehe dazu das grundlegende Werk von Raschke, Joachim/Tils, Ralf: Politische Strategie – Eine Grundlegung, Wiesbaden 2007 und Raschke, Joachim/Tils, Ralf: Strategie in der Politikwissenschaft – Konturen eines neuen Forschungsfeldes, Wiesbaden 2010. 24 in der Auseinandersetzung mit den Guerillatheorien der betrachteten Autoren erreicht werden. Neben einer Analyse der eingesetzten Sicherheitskonzepte soll jedoch auch ein tieferes Verständnis für die festgestellten Zusammenhänge zwischen den verschiedenen asymmetrischen Bedrohungen entwickelt werden, welches es ermöglicht, aus der Vergangenheit Rückschlüsse zu ziehen. Um das Wesen der jeweiligen Bedrohung zu erfassen, ist eine Auseinandersetzung mit den jeweiligen theoretischen Grundlagen der im Einzelnen betrachteten Aufstandsbewegungen unerlässlich. Das Generieren von Erkenntnissen über effektive Sicherheitskonzepte erfordert zudem die Untersuchung verschiedener Varianten asymmetrischer Bedrohungen. Ziel ist es, die unterschiedlichen Bedingungen für den Erfolg von Guerillabewegungen zu identifizieren, um hieraus allgemeine Kriterien für erfolgreiche Guerillabewegungen ableiten zu können. Hierdurch soll erkennbar werden, was unbedingt im Kampf gegen Insurgenten zu vermeiden ist oder eben gerade unternommen werden muss. Ergänzend wird eine Überprüfung angewandter Sicherheitskonzepte durchgeführt, um sie in der Folge auf Effektivität und Effizienz hin bewerten zu können. Schließlich sollte aus der Analyse der Fallbeispiele nicht nur hervorgehen, welche Gegenmaßnahmen ergriffen wurden, sondern durch das Aufspüren eventueller Zusammenhänge und Gemeinsamkeiten auch, welche allgemeinen Kriterien für effektive wie effiziente Sicherheitskonzepte erkennbar sind und welche Rückschlüsse hinsichtlich der Grundsätze auf strategischer und taktischer Ebene zur erfolgreichen Bekämpfung asymmetrischer Bedrohungen gezogen werden können. Um sowohl das primäre Ziel als auch die sekundären Ziele der Arbeit zu erreichen, steht das folgende Erkenntnisinteresse im Zentrum dieser Arbeit: „Welche Sicherheitskonzepte haben sich im Kampf gegen asymmetrische Bedrohungen seit Mitte des 20. Jahrhunderts bewährt? Welche Erkenntnisse lassen sich aus der Analyse der theoretischen und strategischen Grundlagen der betrachteten Konflikte für die Auseinandersetzung mit gegenwärtigen und künftigen asymmetrischen Bedrohungslagen gewinnen?“ Die Forschungsfrage setzt sich aus zwei Teilaspekten zusammen: Zum einen wird der Versuch unternommen, Sicherheitskonzepte zu identifizieren, die sich in der praktischen Auseinandersetzung mit asymmetrischen Bedrohungen in ausgewählten historischen Fallbeispielen bewährt haben. Zum anderen wird eine Analyse der Schriften vorgenommen, die den Aufständischen in den jeweiligen Konflikten die theoretischen Grundlagen lieferten. Letzteres ist für den Erfolg der Arbeit unumgänglich. Sie bietet nicht nur einen größeren Zugang zu dem zu bekämpfenden Phänomen, sondern ermöglicht erst durch das 25 Verständnis des Wesens der Insurgenten eine Überprüfung, ob die jeweils gegen sie eingesetzten Sicherheitskonzepte überhaupt vom Ansatz her erfolgversprechend sein konnten. Durch die aneinandergereihte Betrachtung der Autoren grundlegender Werke asymmetrischer Strategien entsteht zudem ein Überblick über die Genese der Guerillatheorie bis in die Gegenwart. Erst dadurch, dass die Bedrohungen der Gegenwart in Bezug zu ihren Vorgängern gesetzt werden, macht es Sinn, auch die Sicherheitskonzepte der Vergangenheit auf ihre heutige Wirksamkeit hin zu untersuchen. Vorgehensweise und Methodik Bei der Betrachtung der zum Einsatz gebrachten Sicherheitskonzepte wird ein methodischer Ansatz aus der politischen Strategieanalyse gewählt, der sich primär auf die Überlegungen von Raschke und Tils und ihr Modell der Strategieanalyse stützt. Dieses scheint am ehesten geeignet, eine strukturierte und systematische Beschreibung der Entstehung und Anwendung strategischer Sicherheitskonzepte vorzunehmen. Davon wurde ein Orientierungsschema abgeleitet, anhand dessen die strategischen Akteure und ihre Interaktionen in den jeweiligen Fallbeispielen untersucht werden. Ausgehend von einer Darstellung der strategischen Umwelt und hierauf basierenden strategischen „Ziel-Mittel-Umwelt-Kalkulationen“34 wird der Prozess des „Strategy-Making“ dargestellt. Charakteristika und Zielsetzung der Protagonisten sollen dabei ebenso offenbar werden, wie die Strategiebildung und die strategische Steuerung unter Anwendung strategischer Mittel.35 Zur Beantwortung der Forschungsfrage ist es erforderlich, verschiedene Punkte zu klären, welche in den verschiedenen Kapiteln systematisch aufgearbeitet werden. Aus den aus der Fragestellung abgeleiteten Sekundärfragen, welche in Teilen die Leitfragen der einzelnen Unterkapitel darstellen, ergibt sich die Struktur der Arbeit. Nach der Darstellung ihrer Intention und der einleitenden Diskussion des Forschungsstandes ist zunächst in begrifflicher Hinsicht zu klären, was genau unter asymmetrischen Bedrohungen und Sicherheitskonzepten zu verstehen ist. Auch Begriffe wie Guerilla und Terrorismus bedürfen einer Konkretisierung. Das gleiche gilt für den Begriff der „Sicherheitskonzepte“. Im Anschluss ist der Frage nachzugehen, wie sich asymmetrische Konflikte in den Begriff des klassischen Krieges einordnen 34 Vgl. Raschke/Tils: Politische Strategieanalyse, S. 127. 35 Ebd., S. 81. 26 lassen. Hiernach gilt es zu klären, welche relevanten historischen Fallbeispiele für die vorliegende Arbeit geeignet erscheinen, die Entwicklungen im Bereich der Guerillakriegführung und des Terrorismus auf theoretischer und praktischer Ebene darzustellen und aufzuzeigen, welche Innovationen es hier genau gab. Die entsprechenden Untersuchungen bilden im Abschnitt C den Schwerpunkt der Arbeit und reichen von klassischer Landguerilla, über die Überlegungen in Lateinamerika zu deren Transformation zur Stadtguerilla, bis hin zu terroristischen Strategien, wie sie seit den 1970er Jahren verstärkt aufgekommen sind. Hierdurch enthält die Arbeit neben den durch die Auswertung der historischen Guerillatheorien bedingten theoretischen Elementen und der mit den verwandten Experteninterviews einhergehenden empirisch-analytischen Aspekten starke zeitgeschichtliche Komponenten. Untersucht wird in diesem Zusammenhang, was den Erfolg der beschriebenen Bewegungen ausmachte und ob diese sich untereinander beeinflusst haben. Durch die Betrachtung der staatlichen strategischen Akteure soll eine Beurteilung möglich werden, ob diese den Konflikt sowie die Rahmenbedingungen, vor denen sich dieser abspielte, richtig eingeschätzt und entsprechend ihre Sicherheitskonzepte auf strategischer sowie operativer-taktischer Ebene im Hinblick auf die Guerillatheorie, mit welcher sie im jeweiligen Konflikt konfrontiert waren, abgestimmt hatten. Gegebenenfalls sind Diskrepanzen zwischen den getroffenen Maßnahmen und der Guerillastrategie der Insurgenten aufzuzeigen. Ebenfalls von Interesse sind die konkret gegen die klassischen Guerillastrategien zum Einsatz gekommenen Sicherheitskonzepte verbunden mit der Frage, welche sich davon bewährt haben und welche nicht. Für die Auswahl der in der Arbeit zu untersuchenden Fallbeispiele asymmetrischer Konflikte war es entscheidend, ob mit ihnen theoretische oder praktische Innovationen für die Entwicklung der Guerillatheorie einhergegangen sind und ob effektive Methoden zur Bekämpfung asymmetrischer Phänomene zum Einsatz kamen. Da das Phänomen der Guerilla in der Moderne erstmals während des Spanischen Unabhängigkeitskrieges (1807-1814) auftrat, steht dieser am Anfang der Betrachtungen. Hier war eine reguläre schlagkräftige Streitmacht in einem zuvor nicht gekannten Ausmaß mit irregulären Kräften konfrontiert, die auf Guerillataktiken zurückgriffen. Was in Spanien zu Beginn des 19. Jahrhunderts erstmals in dieser Größenordnung demonstriert wurde, sollte später noch zahlreichen Streitkräften westlicher Staaten begegnen. Im Anschluss daran kommt dem Chinesischen Bürgerkrieg (1927-1949) eine erhebliche Gewichtung zu, da dieser untrennbar mit dem Namen Mao Tse-tung verbunden ist, der als 27 einer der wichtigsten Theoretiker des Guerillakriegs gilt. Für Thayer war er ein „Meisterstratege der kommunistischen Guerillakriegführung“36, dem das Verdienst zukomme, die „erste eingehende Studie über die unkonventionelle Kriegführung“37 geschaffen zu haben. Auch für Wördemann war es eine „feste Erkenntnis, dass Mao der entscheidende Strategie-Denker des neuzeitlichen Guerillakrieges war.“38 Durch ihn erhielt die Guerilla den Durchbruch als eigenständiges Prinzip bewaffneter Auseinandersetzungen39 und seine niedergeschriebenen Gedanken wurden als „klassische Lehre“40 Grundlage vieler Guerilla-Konzepte in der ganzen Welt.41 Haffner zufolge haben seine Schriften eine „neue Art Krieg“ hervorgebracht, als dessen Prototyp er den Chinesischen Bürgerkrieg ansah.42 Maos Guerillakonzept wird vor dem Hintergrund der komplexen Vorgänge in China während der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ausgiebig erläutert. Um die Umstände seiner Entstehung und vor allem auch seiner praktischen Umsetzung darzustellen, werden die beteiligten Hauptakteure – die kommunistische Gongchandang, die nationalistische Kuomintang (KMT) und das Japanische Kaiserreich – näher betrachtet und deren Handeln bewertet. Es folgt die Darstellung des Indochinakrieges (1946-1954), in welchem nicht nur erstmals eine westliche Macht mit dieser neuen Form des Guerillakrieges konfrontiert wurde, sondern die mit Vo Nguyen Giap auch einen weiteren bedeutenden Theoretiker hervorbrachte. Wichtig erscheint ebenfalls die Kubanische Revolution (1956- 1959), die für viele weitere Guerillabewegungen in Lateinamerika zum Vorbild wurde. Die strategischen Überlegungen eines Ernesto Guevara wurden dabei zur Inspiration weit über Lateinamerika hinaus. Gleichzeitig lag hierin bereits der Übergang zur Strategie der Stadtguerilla begründet, deren Idee sich spätestens mit Guevaras Scheitern in Bolivien Bahn brach. Diesen bedeutenden Evolutionssprung gilt es besonders herauszuarbeiten. Da zwischen unterschiedlichen Formen 36 Thayer, Charles W.: Guerillas und Partisanen, München 1963, S. 60. 37 Ebd., S. 14. 38 Wördemann, Franz: Terrorismus – Motive, Täter, Strategien, München 1977, S. 100. 39 Vgl. Müller-Borchert, Hans-Joachim: Guerilla im Industriestaat – Ziele Ansatzpunkte und Erfolgsaussichten, Hamburg 1973, S. 24. 40 Hahlweg, Werner: Guerilla – Krieg ohne Fronten, Stuttgart 1968, S. 152. 41 Vgl. Müller-Borchert: Guerilla im Industriestaat, S. 24. 42 Vgl. Haffner, Sebastian: Der neue Krieg – Mao Tse-tung und der Guerillakampf, in: Wolfgang Kraushaar: Die RAF und der linke Terrorismus, Bd. 1, Hamburg 2006, S. 157-181, hier S. 157. 28 asymmetrischer Bedrohungen zu unterscheiden ist, ist zu klären, was in Lateinamerika die Entwicklung hin zur Stadtguerilla bedingte und wie sich das Verhältnis von Land- und Stadtguerilla beschreiben lässt. Dazu wird sowohl auf das Beispiel der brasilianischen Stadtguerilla eingegangen, deren führender Kopf Carlos Marighella dem neuen Konzept mit seinem „Minihandbuch des Stadtguerillero“ eine theoretische Grundlage gab, als auch auf die Tupamaros, welche die Stadtguerilla-Strategie in Uruguay zunächst mit einigem Erfolg praktizierten. Hieran anknüpfend geht die Arbeit der Frage nach, was Linksextremisten in Europa dazu bewog, das Konzept Stadtguerilla aufzugreifen und auf westeuropäische Rahmenbedingungen zu übertragen. Am Beispiel der sogenannten „Roten Armee Fraktion“ wird dieser zwar aussichtslose, aber folgenreiche in der Bundesrepublik Deutschland unternommene Versuch dargestellt. Die Betrachtung der RAF soll dabei nicht zu einer Aufwertung durch ein In-Bezug-Setzen mit bekannten Guerillabewegungen führen. Dies würde der Grundintention der Arbeit diametral entgegenstehen. Vielmehr soll neben dem Erkenntnisgewinn zur Bekämpfung des Terrorismus dadurch aufgezeigt werden, welch schwerwiegende Folgen selbst nur der Versuch politisch motivierter Krimineller und Extremisten haben kann, auf Methoden der Stadtguerilla zurückzugreifen. Die Bundesrepublik Deutschland sah sich mit der RAF fast über drei Jahrzehnte einem ausgesprochen hartnäckigen Gegner ausgesetzt, der trotz der überschaubaren Zahl seiner Aktivisten nur schwer zu bekämpfen war, aber dennoch nicht nur ein hohes Gefährdungspotential entfaltete, sondern ein zunehmend professionelleres Verhalten entwickelte. Auch hier wird überprüft, welche Sicherheitskonzepte sich gegenüber klassischen terroristischen Bedrohungen auf strategischer und operativ-taktischer Ebene bewährt haben. Die hierbei gesammelten Erfahrungen könnten sich im Kampf gegen die terroristische Bedrohung der Gegenwart dabei als ausgesprochen wertvoll erweisen. Schließlich sind, wie Rivers feststellt, gerade hochindustrialisierte offene Gesellschaften mit begrenzten polizeilichen Möglichkeiten, aber zahlreichen sogenannten „weichen“43 und kaum geschützten Zielen ganz besonders gefährdet. Geradezu prophetisch erscheinen in diesem Zusammenhang aus heutiger Sicht seine 1987 niedergeschriebenen Zeilen, mit denen er dies zu unterstreichen beabsichtigte: „Die Skyline von Manhattan ist eines der 43 Zur besonderen Gefährdung leicht zu infiltrierender westlicher Staaten aufgrund der fortdauernden Attraktivität des Terrorismus als Strategie für kleine und schwache Gruppen vgl. auch Voigt: Krieg ohne Raum, S. 168 und Münkler, Herfried: Über den Krieg – Stationen der Kriegsgeschichte im Spiegel ihrer theoretischen Reflexion, 2. Auflage, Weilerswist 2003, S. 260. 29 modernen Weltwunder. Für jeden, der mit Terrorismusbekämpfung zu tun hat, zeigt sie viel zu viele, viel zu leichte, viel zu ‚kosteneffektive’ Ziele für terroristische Anschläge.“44 Abschnitt D stellt Überlegungen hinsichtlich möglicher Kontinuitäten und neuer Entwicklungen bei heutigen asymmetrischen Bedrohungen an und beantwortet die Frage bezüglich der Eignung klassischer Sicherheitskonzepte in der Gegenwart. Entsprechend beginnt der Blick auf die Gegenwart mit der Darstellung der aktuellen Sicherheitslage. Dazu ist u. a. der Frage nachzugehen, in welcher Beziehung Terrorismus und Guerilla im Zusammenhang mit den Bedrohungen des beginnenden 21. Jahrhunderts stehen. Dabei ist auch zu klären, ob die in der Arbeit untersuchten klassischen Guerillatheorien nach wie vor Gültigkeit für sich in Anspruch nehmen können. Wenn dem so sein sollte, rechtfertigt dies, zur Begegnung asymmetrischer Bedrohungen der Gegenwart Instrumente und Maßnahmen heranzuziehen, die bereits in früheren Konflikten bei der Bekämpfung von Guerillas und Terroristen zur Anwendung gekommen waren und sich als effektiv erwiesen haben. Anhand dessen lassen sich Kriterien für erfolgreiche Sicherheitskonzepte erarbeiten. Das Auffinden strategischer Grundsätze und bewährter operativ-taktischer Maßnahmen ist somit einer der wesentlichen im Erkenntnisinteresse der Arbeit liegenden Punkte, die es ermöglichen, der zentralen Fragestellung nachgehen zu können. Hierzu werden mit dem transnationalen dschihadistischen Terrorismus, der Aufstandsbekämpfung nach Übernahme der staatlichen Gewalt durch eine auswärtige Macht im Irak und in Afghanistan, den Versuchen islamistischer Staatenbildung durch den „IS“ und Boko Haram sowie dem Phänomen der hybriden Kriegführung in der Ukraine vier Beispiele aktueller asymmetrischer Konfliktformen aufgegriffen, welche die gegenwärtige Bedrohungslage besonders prägen. Von besonderem Interesse für diese Arbeit ist darüber hinaus, ob es neben Konstanten und Kontinuitäten in asymmetrischen Konflikten auch neue Entwicklungen auf diesem Feld gibt und ob aus diesem Grunde womöglich eine Neujustierung sowohl der Beschreibung dieses Phänomens als auch der strategischen sowie operativ-taktischen Ausrichtung möglicher Sicherheitskonzepte hiergegen erforderlich ist. Schließlich werden Überlegungen dazu angestellt, welche Anwendungsmöglichkeiten klassischer Sicherheitskonzepte in Gegenwart und Zukunft bestehen. Nachdem die einzelnen Sekundärfragen in den verschiedenen Kapiteln aufgearbeitet wurden, sollten sich schließlich in den Schlussbetrach- 44 Rivers, Gayle: Taktik gegen Terror, Zürich und Wiesbaden 1987, S. 112. 30 tungen Aussagen zur Beantwortung der Forschungsfrage treffen lassen. Zur Bearbeitung der Fallbeispiele kommen in der Arbeit methodische Instrumente der politischen Strategieanalyse der bereits genannten Autoren Joachim Raschke und Ralf Tils zur Anwendung, die mit der politischen Strategie ein sich seit 2009 zunehmend entwickelndes neues Forschungsfeld in der Politikwissenschaft begründet haben.45 Ihnen zufolge ist der Ansatz besonders für Einzelfall- oder vergleichende Fallstudien geeignet.46 Die bisherigen Versuche politikwissenschaftlicher Strategieforschung waren ihnen bis dahin zu unsystematisch und die Imitation der militärischen oder ökonomischen Strategieanalyse erschien ihnen unzureichend. Entsprechend bedurfte es einer eigenständigen politischen Strategieanalyse, die ihre Eigenheiten aus der Politik bezog.47 Dabei stellte sie keine neue Disziplin oder Subdisziplin der Politikwissenschaft dar, sondern sollte ein „quer liegender Gegenstandsbereich und ein übergreifender Analyseansatz“48 sein. Ohne sich fest in der Politikwissenschaft zu verorten, lasse sie sich laut Raschke und Tils ebenso in der politischen Systemanalyse, den Internationalen Beziehungen oder auch der Politischen Theorie anwenden.49 Ihnen zufolge ist es bislang sowohl in der Zeitgeschichte als auch der empirischen Politikwissenschaft um Fallstudien mit einem Schwerpunkt auf der Strategie rar bestellt.50 Wenn auch ihr Fokus auf der Strategieanalyse in Parteiendemokratien liegt, so haben sie mit ihrer Arbeit dennoch Instrumente geliefert, mit denen sich empirische Fallstudien bearbeiten lassen.51 Dies gilt auch für eine Arbeit über Sicherheitskon- 45 Vgl. Raschke, Joachim/Tils, Ralf (Hrsg.): Strategie in der Politikwissenschaft – Konturen eines neuen Forschungsfeldes, Wiesbaden 2010, Vorwort. 46 Vgl. Raschke, Joachim/Tils, Ralf: Positionen einer politischen Strategieanalyse, in: Dies. (Hrsg.): Strategie in der Politikwissenschaft – Konturen eines neuen Forschungsfeldes, Wiesbaden 2010, S. 352-388, hier S. 364. 47 Raschke/Tils (Hrsg.): Strategie in der Politikwissenschaft – Konturen eines neuen Forschungsfeldes, Wiesbaden 2010, S. 11. 48 Vgl. Raschke/Tils: Positionen einer politischen Strategieanalyse, S. 351. 49 Vgl. ebd., S. 351. 50 Vgl. Raschke/Tils: Politische Strategie – Eine Grundlegung, S. 441. 51 So betrachtet Helmut Wiesenthal exemplarisch in Anlehnung an Raschke und Tils in einer „systematischen Strategieanalyse“ vier ausgesuchte Fallbeispiele zur „Rekonstruktion strategischer Momente in exemplarischen Entstehungsprozessen des Sozialstaats“ und vergleicht die Gemeinsamkeiten. Dabei untersucht er ebenso die strategischen Interaktionen wie die Instrumentenwahl, Politikentwicklung und die gesetzliche Realisierung als auch die dabei auftretenden Hindernisse und Schwierigkeiten. (vgl. Wiesenthal, Helmut: Emer- 31 zepte in asymmetrischen Konflikten, zumal Raschke und Tils für sich in Anspruch nehmen, „an Wissenschaft und an Praxis“52 zu denken. Politische Strategieanalyse soll demnach „Erklärung und Orientierung strategischer Politik“53 bieten. Daran angelehnt sollen auch die in dieser Arbeit vorgenommenen strategischen Analysen auf Basis wissenschaftlicher Untersuchungen Leitfäden und Orientierungsmuster aufzeigen, ohne dabei jedoch konkrete Handlungsanleitungen zu liefern oder gar in sich geschlossene Strategien hervorzubringen.54 Vielmehr sollen „Konzeptualisierungen“ dargestellt werden, welche es ermöglichen, Richtlinien zu finden, anhand derer sich entsprechende Strategien entwickeln lassen. Erst die auf diese Weise in den Ausführungen entstandenen grundlegenden Strategiegerüste bieten sich dazu an, in konkreten Situationen mit den jeweiligen Zielen und verfügbaren Mitteln zu einem umfassenden Sicherheitskonzept zusammengefügt zu werden.55 Durch den Versuch, die in den einzelnen Fallbeispielen beobachteten Denk- und Handlungsweisen der jeweiligen strategischen Akteure zu beschreiben, sollen letztlich Aussagen getroffen werden können, die empirisch möglichst weit generalisierbar sind.56 Da laut Raschke und Tils die Gegnerbeobachtung „für die Methodik und die Praxis strategischen Handelns von großer Bedeutung“57 ist, beschränken sich die Darstellungen nicht alleine auf die Vorgehensweisen der staatlichen Akteure. Vielmehr erscheint die Untersuchung der jeweiligen Insurgenten und des Interagierens der beteiligten Antagonisten daher ebenfalls geboten.58 Nicht zuletzt, da sich „Strategie (…) am ehesten aus der Perspektive von Akteuren“59 erschließt, werden die beteiligten Konfliktparteien einzeln mit ihren jeweiligen Motiven, Zielen, Beschaffenheit etc. dargestellt. Nähere Erläuterungen zur methodischen Vorgehensweise bei der Untersuchung der Fallbeispiele finden sich im Kapitel „C.1. Methodische Vorgehensweise“. gente Strategien im Entstehungsprozess des Sozialstaats, in: Joachim Raschke/Ralf Tils: Strategie in der Politikwissenschaft – Konturen eines neuen Forschungsfeldes, Wiesbaden 2010, S. 75-97, hier S. 75, S. 77 und S. 84f.) 52 Raschke/Tils: Politische Strategie – Eine Grundlegung, S. 532. 53 Ebd., S. 535. 54 Vgl. ebd., S. 15. 55 Vgl. ebd., S. 16. 56 Vgl. ebd., S. 32. 57 Ebd., S. 380f. 58 Vgl. Raschke/Tils: Politische Strategie – Eine Grundlegung, S. 381. 59 Raschke/Tils: Positionen einer politischen Strategieanalyse, S. 360. 32 Forschungsstand, Quellen und Literaturlage Neben den Überlegungen von Raschke und Tils, auf deren methodische Vorschläge sich die Bearbeitung der einzelnen Fallbeispiele stützt, sind für diese Arbeit vor allem die einschlägigen Werke der genannten Theoretiker asymmetrischer Strategien relevant. Eingangs werden in einem kurzen Exkurs die antike Schrift Sun Tsus „Über die Kriegskunst“ wegen ihrer Bedeutung für die indirekte Kriegführung und Thomas E. Lawrences „Die sieben Säulen der Weisheit“, in welcher der systematisch und methodisch organisierte Aufstand der arabischen Stämme gegen das Osmanische Reich während des Ersten Weltkrieges beschrieben wird, herangezogen. Eine zentrale Rolle kommt ferner den Aufsätzen Mao Tse-tungs über den Guerillakrieg und den auf diesen aufbauenden Werken Vo Nguyen Giaps sowie Ernesto Guevaras zu. Hier reiht sich auch „Das Mini-Handbuch des Stadtguerillero“ von Carlos Marighella ein. Ergänzt wird dies durch die den Terror der Roten Armee Fraktion begleitenden Strategiepapiere und Veröffentlichungen sowie die dem islamistischen Terrorismus zugrundeliegenden Schriften, die u. a. in dem von Kepel und Milelli herausgegebenen Werk „Al-Qaida – Texte des Terrors“ abgedruckt sind. Nachdem der Guerillakrieg im Spanischen Unabhängigkeitskrieg 1808 bis 1814 den europäischen Kriegsschauplatz nachhaltig geprägt hatte, beschäftigten sich verschiedene Autoren mit diesem neuen Phänomen. Neben Zeitzeugen wie Carl von Clausewitz, der dieses auch in seinem Werk „Vom Kriege“ aufgriff60 und Antoine-Henri Jomini, der in seinem „Abriss der Kriegskunst“ seine Erfahrungen in Spanien verarbeitete, setzte sich u. a. Franz von Erlach in „Die Freiheitskriege kleiner Völker gegen große Heere“ (1867) hiermit auseinander. Die Zahl der Abhandlungen zum Thema korrelierte in der Folge mit dem Auftreten des Phänomens. In den Jahrzehnten danach bestimmten vor allem klassische Staatenkriege wie beispielsweise der Deutsch-Französische Krieg 1870/71 oder der Erste Weltkrieg die sicherheitspolitischen und militärstrategischen Überlegungen. Vermutlich infolge der Erfahrungen mit dem Partisanenkrieg während des Zweiten Weltkrieges und bedingt durch den Erfolg der Kommunisten im Chinesischen Bürgerkrieg gewann das Phänomen des Guerillakrieges neue Beachtung. Unter dem Eindruck der mit der Dekolonialisierung im Zusammenhang stehenden bewaffneten Konflikte erschienen spätestens seit den 1950er Jahren zahlreiche Publikationen über Aufstandsbekämpfung 60 Siehe hierzu auch die Veröffentlichung weiterer Clausewitz-Schriften bei Werner Hahlweg: „Carl von Clausewitz: Schriften, Aufsätze, Briefe“ (1966). 33 vor allem britischer, französischer und US-amerikanischer Autoren.61 Der unerwartete Erfolg der Rebellen um Fidel Castro im Jahr 1959 auf Kuba und schließlich die Intervention der USA in Vietnam führten zu einer weiteren Welle an Untersuchungen. Daneben erschienen vielfältige historische Darstellungen und Monographien sowie Memoiren und Erlebnisberichte. Einzeluntersuchungen, kriegstheoretische Schriften, Lehrbücher und historische Darstellungen unternahmen den Versuch, Guerilla in ihrer Phänomenologie zu deuten.62 Neben Carl Schmitts „Theorie des Partisanen“ (1963) zeugen Werner Hahlwegs Publikationen „Typologie des modernen Kleinkriegs“ (1967), „Lehrmeister des Kleinen Krieges – Von Clausewitz bis Mao Tse-tung und Che Guevara“ (1968) und „Guerilla – Krieg ohne Fronten“ (1968) ebenso hiervon wie die Sammelbände von Franklin Mark Osanka: „Der Krieg aus dem Dunkel – 20 Jahre kommunistische Guerillakämpfe in aller Welt“ (1963) und Charles Thayer: „Guerillas und Partisanen“ (1963).63 Zeitgleich rückte angesichts der zunehmenden Anwendung terroristischer Strategien der Terrorismus ebenfalls in den Fokus der Aufmerksamkeit. Hans-Joachim Müller-Borchert veröffentlichte 1973 „Guerilla im Industriestaat – Ziele, Ansatzpunkte und Erfolgsaussichten“ und Rolf Tophoven publizierte 1976 in „Politik durch Gewalt – Guerilla und Terrorismus heute“ acht Beiträge verschiedener Autoren zum Thema. Weitere grundlegende Werke zum Phänomen des Terrorismus, die in dieser Arbeit Verwendung fanden, sind Franz Wördemann: „Terrorismus – Motive, Täter, Strategien“ (1977) und Thomas Herzog: „Terrorismus – Versuch einer Definition und Analyse internationaler Übereinkommen zu seiner Bekämpfung“ (1991). Die zunehmende Internationalisierung terroristischen Handelns thematisierte Ulrike Pesch in ihrer Dissertation „Aspekte des Internationalen Terrorismus als transnationales Problem“ (1977). Nachdem zeitweise nach Ende der Entkolonialisierungsphase und des Vietnamkrieges die Zahl der einschlägi- 61 Vgl. Van Creveld: Gesichter des Krieges, S. 277, vgl. Heuser, Beatrice: Rebellen – Partisanen – Guerilleros. Asymmetrische Kriege von der Antike bis heute, Paderborn 2013, S. 136 und vgl. Sebaldt, Martin/Straßner, Alexander: Counterinsurgency als Herausforderer westlicher Politik: Zur Fragestellung, in: Dies. (Hrsg.): Aufstand und Demokratie, S. 9-23, hier S. 13. 62 Vgl. Hahlweg: Guerilla – Krieg ohne Fronten, S. 18. 63 Siehe ferner Robert Taber: „Der Krieg der Flöhe“ (1971), Jehuda Wallach „Kriegstheorien – Ihre Entwicklung im 19. und 20. Jahrhundert“ (1972), Robert Thompson: „Defeating Communist Insurgency – Experiences from Malaya and Vietnam” (1974) und Fritz René Allemann: „Macht und Ohnmacht der Guerilla“ (1974). 34 gen Untersuchungen zurückgegangen war,64 hatten die nach Ende des Kalten Krieges verstärkt auftretenden innerstaatlichen gewaltsamen Auseinandersetzungen Publikationen wie u. a. John Keegans „Die Kultur des Krieges“ (1995) zur Folge. Nach den Anschlägen des 11. September 2001 hatte die Beschäftigung mit asymmetrischen Konflikten und Terrorismus erneut Konjunktur, welche nach wie vor ungebrochen ist. Genannt seien hier neben den Veröffentlichungen von Herfried Münkler – „Die neuen Kriege“ von 2002 und „Der Wandel des Krieges – Von der Symmetrie zur Asymmetrie“ von 2006 exemplarisch die Sammelbände von Strobe Talbott und Nayan Chanda: „Das Zeitalter des Terrors – Amerika und die Welt nach dem 11. September“ (2002), Gerhard Kümmel und Sabine Collmer: „Asymmetrische Konflikte und Terrorismusbekämpfung – Prototypen künftiger Kriege?“ (2003) sowie Bernhard Rinke und Wichard Woyke: „Frieden und Sicherheit im 21. Jahrhundert“ (2004).65 Die 2015 erschienene Dissertation „Asymmetrische Kriege: Eine politiktheoretische Untersuchung zur Kriegführung im 21. Jahrhundert“ von Felix Wassermann wählte einen ganz eigenen Ansatz, indem sie sich bemühte, sich durch eine theoretische „Orientierung im Kriegsdschungel des 21. Jahrhunderts“ dem Komplex asymmetrischer Konflikte zu nähern.66 Von den nicht ins Deutsche übersetzten Veröffentlichungen waren für diese Arbeit vor allem Michael McClintocks „Instruments of Statecraft. U.S. Guerilla Warfare, Counterinsurgency, and Counterterrorism, 1940-1990“ (1992), 64 Vgl. Sebaldt/Straßner: Counterinsurgency als Herausforderer westlicher Politik, S. 14. 65 Als weitere einschlägige Werke sind zu nennen: Albert Stahel: „Klassiker der Strategie – eine Bewertung“ (2004), Sebastian Buciak: „Asymmetrische Konflikte im Spiegel der Zeit“ (2008), Josef Schröfl und Thomas Pankratz: „Asymmetrische Kriegführung – ein neues Phänomen der internationalen Politik?“ (2004) und Josef Schröfl, Thomas Pankratz und Edwin R. Micewski: „Aspekte der Asymmetrie. Reflexionen über ein gesellschafts- und sicherheitspolitisches Phänomen“ (2006). Auch Thoralf Klein und Frank Schumacher reihen sich mit ihrer Publikation „Kolonialkriege. Militärische Gewalt im Zeichen des Imperialismus“ (2006) hier ebenso ein, wie Rüdiger Voigts „Krieg ohne Raum – Asymmetrische Konflikte in einer entgrenzten Welt“ (2008), das Werk von Martin van Creveld: „Gesichter des Krieges – Der Wandel bewaffneter Konflikte von 1900 bis heute“ (2009) und Thomas Jägers und Rasmus Beckmanns „Handbuch Kriegstheorien“ (2011). Ferner Andreas Björn Eiselt: „Guerillas, Partisanen, Terroristen in Sprache und Konfliktvölkerrecht“ (2011) und Wiliam Polk: „Aufstand – Widerstand gegen Fremdherrschaft: vom Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg bis zum Irak“ (2009). 66 Vgl. Wassermann, Felix: Asymmetrische Kriege – Eine politiktheoretische Untersuchung zur Kriegführung im 21. Jahrhundert, Berlin 2015, S. 17. 35 Ian Beckets „Encyclopedia of Guerilla Warfare“ (2003) und Ivan Arreguín-Tofts „How the Weak Win Wars – A Theory of Asymmetric Conflict“ (2005) relevant. Dies galt insbesondere für solch grundlegende Untersuchungen wie David Kilcullens „The Accidental Guerilla – Fighting Small Wars in the Midst of a Big One“ (2009) und „Counterinsurgency“ (2010) sowie Thomas Hammes „The Sling and the Stone – On War in the 21st Century“ (2006), dem zufolge die westliche Welt mit asymmetrischen Phänomenen – von ihm als Forth-generation Warfare bezeichnet – in Gegenwart und Zukunft konfrontiert ist und dessen Intention es ist, aus dem Studium der Vergangenheit Erkenntnisse für Gegenwart und Zukunft zu erhalten. Ebenso wie Hammes setzen sich auch Ian F. W. Becket und John Pimlott in ihrem Sammelband „Counterinsurgency – Lessons from History“ (2011) mit historischen Fallbeispielen auseinander. Naturgemäß hatte der 11. September auch einen sprunghaften Anstieg der Abhandlungen zum Phänomen des Terrorismus67 wie beispielsweise „Terrorismus – Der unerklärte Krieg“ (2002) von Bruce Hoffman, Peter Waldmanns „Terrorismus – Provokation der Macht“ (2005) oder Charles Townshend: „Terrorismus“ (2005) zur Folge.68 Beispiele für eine explizite Auseinandersetzung mit möglichen Bekämpfungsmaßnahmen und Gegenstrategien insbesondere gegen terroristische Bedrohungen sind Christiane Wandscher: „Internationaler Terrorismus und Selbstverteidigungsrecht“ (2006), Friedrich Schneider und Bernhard Hofer: „Ursachen und Wirkungen des weltweiten Terrorismus: Eine Analyse der gesellschaftlichen und ökonomischen Auswirkungen und neue Ansätze zum Umgang mit dem Terror“ (2008) und Berndt Georg Thamm: „Terrorziel Deutschland. Strategien der Angreifer – Szenarien der Abwehr“ (2011).69 67 Vgl. Kocks, Alexander/Harbrich, Kai und Spencer, Alexander: Die Entwicklung der deutschen Terrorismusforschung: Auf dem Weg zu einer ontologischen und epistemologischen Bestandsaufnahme, in: Dies. (Hrsg.): Terrorismusforschung in Deutschland. Sonderheft der Zeitschrift für Außen- und Sicherheitspolitik. Sonderheft 1/2011, S. 9-21, hier S. 9f. 68 Erwähnenswert sind in diesem Zusammenhang die Publikationen von David Whittaker „Terrorists and Terrorism in the Contemporary World” (2004) und Thomas Hilker: „Terrorismus – Grundwissen, Organisationen, Angriffsmittel, religiöser Fanatismus, Suizidbomber“ (2006) sowie der Sammelband von Thomas Kron und Melanie Reddig: „Analysen des transnationalen Terrorismus – Soziologische Perspektiven“ (2007). 69 Außerdem Bärbel Bongartz: „Rasterfahndung: Strategie gegen RAF und Al Kaida: Die Entwicklung einer Fahndungsmethode zur Bekämpfung des re- 36 Um die Rahmenbedingungen der in der Arbeit betrachteten Fallbeispiele und die jeweiligen Ereignisse, die sich in diesen vollzogen, darzustellen, wurde die gängige Literatur herangezogen. Für den Spanischen Unabhängigkeitskrieg waren dies u. a. Hansjoachim Koch: „Die Befreiungskriege 1807/1815 – Napoleon gegen Deutschland und Europa“ (1987), Gunther Rothenberg: „Die Napoleonischen Kriege“ (2000), und Charles Esdaille: „Fighting Napoleon – Guerillas, Bandits and Adventurers in Spain 1808-1814“ (2004). Antoine-Henri Jominis „Abriss der Kriegskunst“ wurde in diesem Zusammenhang bereits genannt.70 Die Untersuchung des chinesischen Fallbeispiels stützt sich neben den ebenfalls bereits erwähnten Schriften Mao Tse-tungs und dessen einschlägige Biographien wie Wolfram Adolphis „Mao – Eine Chronik (2009) oder Jung Changs und Jon Hallidays: „Mao – Das Leben eines Mannes, das Schicksal eines Volkes“ (2005), teilweise auf zeitgenössische Dokumentationen des Kampfes der Kuomintang gegen die Kommunisten. Dies gilt beispielsweise für Gustav Amann: „Chiang Kaishek und die Regierung der Kuomintang in China“ (1936), T’ang Leang-Li: „Chinas Kampf gegen den Kommunismus“ (1935) und Tschang: „Tschiang Kai Schek – Chinas grosser Mann“ (1945). Zahlreiche Unterlagen des Militärarchivs Freiburg aus der Zeit der deutschen Militärmission in China legen ferner Zeugnis darüber ab, welchen Einfluss deutsche Militärberater gerade zu Beginn der 1930er Jahre auf den Kampf gegen die Kommunisten hatten. Auch der 1937 erstmals erschienene Bericht Edgar Snows „Roter Stern über China – Mao Tsetung und die chinesische Revolution“, der von seinen tieferen Einblicken in die inneren Vorgänge in den kommunistischen Gebieten zeugt, zu denen er als erster westlicher Journalist Zugang erhalten hatte, verdient in diesem Zusammenhang Erwähnung. Da die deutschsprachigen Veröffentlichungen zum Krieg in Indochina 1946-1954 überschaubar sind,71 musste für diese Arbeit vor allem auf englische und französische Autoren gegriffen werden. Zentrale Werke zu diesem Konflikt sind u. a. Bernhard Fall: „Dschungelkrieg – Revolutionskämpfe in Südostasien“ (1965), Jules Roy: „Der Fall von Dien Bien voltierenden Terrorismus“ (2008) und Johannes Urban: „Die Bekämpfung des Internationalen Islamistischen Terrorismus“ (2006). 70 Siehe auch Volker Ullrich: „Napoleon“ (2006) und Johannes Willms: „Napoleon – Eine Biographie“ (2005). 71 Siehe hierzu Günter Schütze: „Der schmutzige Krieg – Frankreichs Kolonialpolitik in Indochina“ (1959) und Bernhard Heimann: „Krieg in Vietnam 1946- 1954“ (1987). 37 Phu“, Mark Atwood Lawrence und Frederik Logevall: „The First Vietnam War – Colonial Conflict and Cold War Crisis“ (2007) und George Tanham: „Communist Revolutionary Warefare – From the Vietminh to the Viet Cong” (1967).72 Werke über Ho Chi Minh wie das von Martin Großheim: „Ho Chi Minh – Der geheimnisvolle Revolutionär“ (2011), runden die Darstellung ebenso ab wie zeitgenössische Publikationen, welche die Skizzierung der Rahmenbedingungen ermöglichen. Zu nennen sind hier Gerhardt Fürbringers „Frankreich kolonisiert Indochina“ (1940) und das vom französischen Generalgouvernement von Indochina herausgegebene „L’Indochina Française” (1931). Hinzu kommen diverse Aufsätze in dem Sammelband Franklin Mark Osankas: „Der Krieg aus dem Dunkel“ (1963). Ergänzend hierzu erweitern die Befragungen von Zeitzeugen, die seinerzeit persönlich am Indochinakrieg teilgenommen hatten, die Darstellungen. Die Ereignisse während der Kubanischen Revolution und der bolivianischen Kampagne Ernesto Guevaras 1967 finden neben den Guevara- Biographien Michael Löwys (1993), Jon Lee Andersons (1997), Elmar Mays (1997) und Stephen Lahrems (2005) sowie den Biographien Fidel Castros Peter Bournes (1988), Frank Niess’ (2008) und Carlos Widmann (2012) vor allem auch in den persönlichen Aufzeichnungen Guevaras, die in seinem kubanischen und bolivianischen Tagebuch festgehalten sind, ihren Niederschlag. Durch die in dem 1968 erschienenen Sammelband Giangiacomo Feltrinellis „Lateinamerika – Ein zweites Vietnam?“ enthaltenen Aufsätze Guevaras werden weitere Möglichkeiten der Analyse der theoretischen Grundlagen seiner Guerillakonzeption geschaffen. Gleiches gilt für Heinz Rudolf Sonntags im gleichen Jahr erschienenen Sammelband „Che Guevara und die Revolution“. Ferner greifen die vorliegenden Untersuchungen auf Castros Autobiographie „Der strategische Sieg. Erinnerungen an die Revolution“ (2012) sowie die Publikationen Hermann Gebhardts „Guerillas: Schicksalsfrage für den Westen – Die lateinamerikanische Revolutionsbewegung“ (1971), Boris Goldenbergs „Lateinamerika und die Kubanische Revolution“ (1963) und Robert Lambergs „Die castristische Guerilla in Lateinamerika – Theorie und Praxis eines revolutionären Modells“ (1971) zurück. Neben den bereits genannten Quellen von Allemann und Gebhardt geben auch zeitgenössische Werke wie Alain Labrousse: „Die Tupamaros. Stadtguerilla in Uruguay“ (1971) und Carlos Nunez: „Die Tu- 72 Ferner wurde auf die Werke von Jacques Dalloz: „La guerre d’Indochine 1945-1954“ (1987) und Michel Bodin „La France et ses soldats, Indochine, 1945-1954” (1996) sowie das „Dictionnaire de la Guerre d’Indochine 1945- 1954“ (2004) zurückgegriffen. 38 pamaros – Bewaffnete Avantgarde in Uruguay“ (1970) sowie biographische wie Ernesto Gonzales Sammelband „Hände im Feuer – Ein Tupamaro blickt zurück“ Auskunft über die lateinamerikanische Stadtguerilla, welche sich seit den 1960er Jahren entwickelte. Auch Hans- Joachim Müller-Borchert: „Guerilla im Industriestaat“ (1973) und die Aufsätze in Alex Schuberts Sammelband: „Stadtguerilla. Tupamaros in Uruguay – Rote Armee Fraktion in der Bundesrepublik“ (1971) tragen zur Gewinnung einer Übersicht über die Hintergründe der Transformation der Guerillastrategie zu einer asymmetrischen Kampfweise in urbanem Umfeld bei. Eindeutig im Vordergrund steht dabei jedoch die Betrachtung des wichtigsten Theoretikers der Stadtguerilla, Carlos Marighella und seiner Schrift „Handbuch des Stadtguerillero“. Im Fall der bundesdeutschen Roten Armee Fraktion, die ihre terroristische Strategie der lateinamerikanischen Stadtguerilla entlehnte, sind verschiedene Standardwerke zu nennen, die bei einer Auseinandersetzung mit der RAF unverzichtbar sind. Hierbei handelt es sich u. a. um Butz Peters: „Tödlicher Irrtum – Die Geschichte der RAF“ (2007), Stefan Aust: „Der Baader-Meinhof-Komplex“ (1998) oder Klaus Pflieger: „Die Rote Armee Fraktion“ (2004).73 Ulf Stuberger veröffentlichte 2008 unter dem Titel „Die Akte RAF – Taten und Motive. Täter und Opfer“ erstmals eine umfangreiche Sammlung von Gerichtsurteilen gegen Mitglieder der RAF. Bereits zur Zeit, als die RAF noch ihr Unwesen trieb, erschienen eingehende Analysen zum Terrorismus in West- Deutschland, die hinsichtlich ihres Erkenntniswerts bis heute nichts an Bedeutung verloren haben, wie u. a. die 1978 publizierten Sammelbände von Manfred Funke: „Extremismus im demokratischen Rechtsstaat“ und Hans-Dieter Schwind: „Ursachen des Terrorismus in der Bundesrepublik Deutschland“.74 Andere Untersuchungen beleuchten einzelne 73 Als weitere einschlägige Werke zur Geschichte der RAF sind u. a. zu nennen: Uwe Backes/Eckhard Jesse und Rainer Zitelmann: „Bleierne Jahre. Baader- Meinhof und danach“ (1991), Willi Winkler: „Die Geschichte der RAF“ (2007), Emile Marenssin: „Stadtguerilla und soziale Revolution: über den bewaffneten Kampf und die Rote Armee Fraktion“ (1998) sowie der 2006 von Wolfgang Kraushaar herausgegebene Doppelband „Die RAF und der linke Terrorismus“, dessen Aufsätze die Materie RAF von verschiedenen Seiten beleuchten. 74 Anfang der 1980er erschienen zudem die von der Bundesregierung zur Erforschung des Linksterrorismus in der Bundesrepublik in Auftrag gegebenen Reihentitel von Iring Fetscher und Günter Rohrmoser: „Ideologien und Strategien“ (1981), Herbert Jäger, Gerhard Schmidtchen und Lieselotte Süllwold: „Lebenslaufanalysen“ (1981) sowie Fritz Sack und Heinz Steinert: „Protest und Reaktion“ (1984) der Publikationsreihe „Analysen zum Terrorismus“. 39 Themenaspekte der RAF wie beispielsweise die Werke von Butz Peters: „Der letzte Mythos der RAF. Das Desaster von Bad Kleinen“ (2006) und „Verena Becker und der Verfassungsschutz“ (2010) sowie die Monographie von Martin Knobbe und Stefan Schmitz: „Terrorjahr 1977 – Wie die RAF Deutschland veränderte“ (2007). Tobias Wunschiks „Baader-Meinhofs Kinder“ (1977) und Alexander Straßners „Die dritte Generation der „Roten Armee Fraktion“ – Entstehung, Struktur, Funktionslogik und Zerfall einer terroristischen Organisation“ (2005) setzten sich schwerpunktmäßig mit der zweiten bzw. der dritten Generation der RAF auseinander. Der im Auftrag der damaligen Bundesregierung 1978 verfasste Bericht Hermann Höcherls dokumentiert die Ereignisse während der Entführung Hanns-Martin Schleyers im September und Oktober 1977. Ergänzt wird das Bild durch Selbstzeugnisse und Autobiographien wie beispielsweise Michael Baumann: „Wie alles anfing“ (1980) oder Oliver Tolmein: „RAF – Das war für uns Befreiung. Ein Gespräch mit Irmgard Möller über den bewaffneten Kampf, Knast und die Linke“ (1997). Eine bedeutende Untersuchung zu den Bekämpfungsmaßnahmen seitens des Staates gegenüber dem RAF-Terrorismus wurde 2007 von Mario Petri unter dem Titel „Terrorismus und Staat – Versuch einer Definition des Terrorismusphänomens und Analyse zur Existenz einer strategischen Konzeption staatlicher Gegenmaßnahmen am Beispiel der Roten Armee Fraktion in der Bundesrepublik Deutschland“ publiziert. Die von der RAF selbst veröffentlichten Schriften wurden 1997 in dem im ID-Verlag erschienenen Band: „Rote Armee Fraktion – Texte und Materialien zur Geschichte der RAF“ (1997) abgedruckt. Hinsichtlich der islamistischen terroristischen Bedrohungen sind seit dem 11. September 2001 zahlreiche Untersuchungen und Abhandlungen erschienen, die in ihrer Vielzahl hier nicht alle genannt werden können. Exemplarisch sei hier auf die in der Arbeit verwendeten Werke von Gilles Kepel: „Das Schwarzbuch des Dschihad – Aufstieg und Niedergang des Islamismus“ (2002) und „Die Spirale des Terrors – Der Weg des Islamismus vom 11. September bis in unsere Vorstädte“ (2009) und Ulrich Schneckener: „Transnationaler Terrorismus – Charakter und Hintergründe des ‚neuen’ Terrorismus“ (2006) verwiesen.75 Die Betrachtung der theoretischen Grundlagen des Dschihadismus 75 Zu nennen sind auch Daniel Witte: „Terrorismus und Rationalität – Zur Rational-Choice-Analyse des 11. September“ (2005), Mark Gabriel: „Motive islamistischer Terroristen – Eine Reise in ihre religiöse Gedankenwelt“ (2007) und Matthias Dahlke: „Demokratischer Staat und transnationaler Terrorismus – Drei Wege zur Unnachgiebigkeit in Westeuropa 1972-1975“ (2011). 40 ermöglichen u. a. Gilles Kepel und Jean-Pierre Milelli: „Al-Qaida – Texte des Terrors“ (2006) und Rüdiger Lohlker: „Dschihadismus: Materialien“ (2009). Zur Untersuchung von Versuchen der Aufstandsbekämpfung nach Übernahme der staatlichen Gewalt durch eine auswärtige Macht, wie sie in der Arbeit anhand der Beispiele Irak und Afghanistan dargestellt werden, wurden u. a. folgende Abhandlungen herangezogen: Hans Krech: „Der Afghanistan-Konflikt (2002-2004). Fallstudie eines asymmetrischen Konflikts. Ein Handbuch“ (2004), Bernhard Chiari und Magnus Pahl: „Auslandseinsätze der Bundeswehr. Wegweiser zur Geschichte“ (2010) und der von Klaus Brummer und Stefan Fröhlich herausgegebene Sammelband „Zehn Jahre Deutschland in Afghanistan“ (2011). Insbesondere Sonja Grimm befasste sich in ihrer 2009 erschienenen Untersuchung „Erzwungene Demokratie – Politische Neuordnung nach militärischer Intervention unter externer Aufsicht“ speziell mit Stabilisierungsmissionen nach der militärischen Besetzung eines Landes. Ahmed Rashid verdient mit seinem Standardwerk „Taliban – Afghanistans Gotteskämpfer und der neue Krieg am Hindukusch“ (2010) hier ebenfalls Erwähnung. Zur Darstellung des sogenannten „Islamischen Staates“ und der möglichen Bekämpfungs- sowie Eindämmungsmaßnahmen wurde aufgrund der Aktualität der Ereignisse vorrangig auf die Berichterstattung in den Medien zurückgegriffen. Entsprechend stammen auch die jüngsten Veröffentlichungen zum Thema von Journalisten, die sich ausgiebig damit auseinandersetzen. In erster Linie handelt es sich dabei um Christoph Reuter und seine Publikation „Die schwarze Macht – Der ‚Islamische Staat‘ und die Strategen des Terrors“ (2015), aber auch Loretta Napoleoni: „Die Rückkehr des Kalifats: Der Islamische Staat und die Neuordnung des Nahen Ostens“ (2015), Guido Steinberg: „Kalifat des Schreckens – IS und die Bedrohung durch den islamistischen Terror“ (2015) und Wilfried Buchta: „Terror vor Europas Toren: Der Islamische Staat, Iraks Zerfall und Amerikas Ohnmacht“ (2015) sind in diesem Zusammenhang erwähnenswert. Auch hinsichtlich des Konflikts in der Ostukraine und auf der Krim stützt sich die Arbeit in weiten Teilen auf mediale Darstellungen. Von großer Bedeutung sind jedoch auch im Internet verfügbare Quellen, welche auf die strategischen Überlegungen in Russland schließen lassen, wie die 2013 gehaltene Rede Valery Gerasimovs „The Value of Science in Prediction“ oder solche, die sich explizit mit deren Analyse beschäftigen, wie der 2014 von Anthony H. Cordesman beim Center for Strategic & International Studies gehaltene Vortrag „Russia and the 41 ‘Color Revolution’ – A Russian Military View of a World Destabilized by the US and the West (Key Briefs)“ und die von der lettischen Nationalen Verteidigungsakademie herausgegebene Analyse von Janis Berzinš: „Russia’s New Generation Warfare in Ukraine: Implications for Latvian Defense Policy“ (2014). Gleiches gilt für den „Third Report of Session 2014-15“ des Verteidigungskomitees des britischen House of Commons.

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References

Zusammenfassung

Unbestritten wird die nationale Sicherheitslage der Bundesrepublik auch in absehbarer Zukunft von asymmetrischen Bedrohungen geprägt sein. Dies gilt umso mehr, da Deutschland aufgrund seiner außenpolitischen Verantwortung in NATO, UNO und EU auch weiterhin verstärkt an internationalen Stabilisierungsmissionen beteiligt sein wird. So scheint es auch für künftige Einsatzkonzeptionen zweckmäßig, nicht nur die jüngst beispielsweise im Rahmen der ISAF-Mission in Afghanistan gesammelten Erfahrungen heranzuziehen, sondern sich auch grundständig mit dem Phänomen asymmetrischer Konflikte auseinanderzusetzen.

Um die Prinzipien, Strategien und Vorgehensweisen derartiger Konflikte zu verstehen und mit deren Hilfe auch für die Zukunft tragfähige und überzeugende Sicherheitskonzepte zu entwickeln, unternimmt Kai Lemler eine Analyse ausgewählter historischer Kriegs- und Bedrohungsszenarien, darunter u.a. der Spanische Unabhängigkeitskrieg, der Chinesische Bürgerkrieg oder die Bekämpfung der terroristischen RAF. Die hierbei zum Einsatz gekommenen Strategien und Taktiken unterzieht er einer fachkundigen Bewertung.