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8. »MEIN ERSTES BILD« –BIOGRAFISCHE ERINNERUNGSFRAGMENTE in:

Jutta Ströter-Bender, Annette Wiegelmann-Bals (Ed.)

Historische und aktuelle Kinderzeichnungen, page 311 - 322

Eine Forschungswerkstatt

1. Edition 2017, ISBN print: 978-3-8288-3991-5, ISBN online: 978-3-8288-6696-6, https://doi.org/10.5771/9783828866966-311

Series: KONTEXT Kunst - Vermittlung - Kulturelle Bildung, vol. 15

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
311 8. »MEIN ERSTES BILD« – BIOGRAFISCHE ERINNERUNGSFRAGMENTE 313 Jutta Ströter-Bender 1963: Die Herberge der Tiere Ein Bild im Kontext der Musischen Erziehung Jutta Ströter: »Die Herberge der Tiere«, Ende 1963, 35 x 50 cm, Schwarzer Karton und Deckfarben (Schulische Arbeit in der 6. Klasse). 314 Kinderzeichnungen | 8. »Mein erstes Bild« – Biografische Erinnerungsfragmente Die Herberge der Tiere Das Bild, inzwischen eine historische Kinderzeichnung, malte ich mit Deckfarben auf schwarzem, weichen Karton im Alter von zehneinhalb Jahren. Es entstand im Kunstunterricht (Herbst 1963) und war für einen Malwettbewerb bestimmt. Das Thema konnte frei gewählt werden. Ich dachte mir das Motiv in Anlehnung an mythologische Geschichten indianischer Völker aus, die ich gerade gelesen hatte. Ausgangspunkt war allerdings die Wiedergabe meiner Schildkröte Lotti, auf der sich das ganze Geschehen im Hochformat und äußerst detailliert aufbaute. Ich beschriftete das Bild für den Wettbewerb auf der Rückseite mit folgender Erklärung: »Die Blume wächst auf dem Panzer einer Schildkröte. Um die Stiele der Pflanze ringeln sich Schlangen. An manchen Schlangen hängen Fledermäuse, die bei der Pflanze schlafen. Oben auf der Blüte liegt offen der eiförmige Samen, diesen picken die Vögel im Sommer auf. Die Herberge der Tiere.« Kontexte Familiäre Lesekultur Das Familienleben in den frühen sechziger Jahren ist streng und hierarchisch geregelt. Können die Kinder nachmittags frei in den Hinterhöfen oder auf der Straße spielen, gibt es feste Abendbrotzeiten, nachdem der Vater von der Arbeit heimkehrt. Danach sitzt die ganze Familie im Wohnzimmer, hört das Vorabendprogramm im Radio und liest Bücher und Zeitschriften. Wir haben noch keinen Fernseher. Freitags begleite ich meine Mutter in die Stadtbibliothek, dazu laufen wir weit mehr als eine Stunde. Sonntags leihen wir uns Romane und Sachbücher bei der Kirchenbücherei aus. Die vielen Geschichten und klassischen Werke beflügeln meine Vorstellungen und Fantasien. Allerdings kontrollieren die Eltern meine Lesewünsche und nehmen mir Comics weg, damit ich durch deren Bilder nicht »verdorben« werde. 1963: Ein Gymnasium in Frankfurt Es ist die Zeit des so genannten Bildungsnotstandes. Während in anderen europäischen Ländern bereits bis zu 20 % das Abitur erreichen, sind es in Deutschland um 1960 nur circa 10 % eines Jahrgangs. Daher beginnt die Bundesregierung eine umfangreiche Bildungsoffensive, die auch Kindern aus Arbeiter- und Angestelltenfamilien den Zugang zur höheren Bildung und zum Studium eröffnen soll. Eine der dafür entscheidenden Maßnahmen ist die Abschaffung des Schulgeldes für Gymnasien Anfang der sechziger Jahre und in zahlreichen Bundesländern der kostenlose Zugang zu Schulbüchern und Lehrmitteln. Die Initiative der Bildungspolitik ermutigt auch meine Eltern, denen durch den Zweiten Weltkrieg viele Bildungschancen genommen wurden. Entgegen den Protesten der Großeltern, die für ein Mädchen das Gymnasium kategorisch ablehnen (das Argument: Mädchen heiraten sowieso und dann war die ganze Investition umsonst) entscheiden sie, dass ich als erstes Kind der Familie ein Gymnasium besuchen darf. Allerdings machen Sie mir bereits mit dem Beginn des Schulwechsels klar, dass sie mich in keiner Weise beim Lernen unterstützen könnten, ich soll es alleine bewältigen. Sie wählen für mich ein Mädchen Gymnasium in unserem Stadtteil aus, die Schillerschule in Frankfurt-Sachsenhausen, eine traditionsreiche Institution mit großer Reputation. 315 Ströter-Bender | 1963: Die Herberge der Tiere Der Ansturm auf die Gymnasien spiegelt sich auch hier in riesigen Klassenverbänden mit über 40 Schülerinnen wieder. Der Unterrichtsstil ist autoritär, frontal und streng. Die soziale Auslese ist radikal, bis zum Ende der sechsten Klasse sind fast alle Schülerinnen, die nur etwas den lokalen hessischen Dialekt sprechen, wieder aus diesem sozialen Umfeld verschwunden. Die Kinder von Ärzten und Professoren werden besonders gut behandelt. Nicht jeder Lehrer ist mit der neuen, demokratisch ausgerichteten Bildungspolitik einverstanden, ihre Selektionsmechanismen sind subtil, aber wirksam. In diesem System fühle ich mich heillos überfordert und verunsichert. Meine Noten sind nicht sonderlich gut. Es gibt keinen Tag, an dem ich gerne in die Schule gehe. Es liegt ein grauer Schleier über diesen Lebensjahren, mit viel Angst und Druck. Es wird wenig gelacht. Mein Lichtblick in der Schule ist der Kunstunterricht und die Zuwendung einer warmherzigen, engagierten Kunstlehrerin, Frau Kohlhagen, die uns im Sinne der Musischen Erziehung unterrichtet und fördert. Die Musische Erziehung im Blick der Nachkriegszeit Das Konzept der Musischen Erziehung, das den Kunstunterricht der 50er- und frühen 60er-Jahre prägte (Vgl. Trümper 1953), wird bis heute im fachhistorischen Rückblick der Kunstpädagogik weitgehend negativ und kritisch gesehen, zumal Terminologien der NS- Zeit hier partiell auch weiterwirkten. Die Musische Erziehung könnte aber mit Blick auf die aktuellen Forschungsergebnisse zu den jahrzehntelang ignorierten Folgen der Nachwirkungen des Zweiten Weltkrieges auch in Bezug auf die schulischen Kontexte und Lehrinhalte differenzierter diskutiert werden. (Vgl. Baer/Frick-Baer 2015) Zum einen waren die Anfang der sechziger Jahre wirkenden Lehrenden entweder noch direkt ehemalige Kriegsteilnehmer oder ehemalige Kriegskinder. Zum anderen waren ihre Schülerinnen mit ihren Familien indirekt oder auch noch konkret, ebenso von den Traumatisierungen und Nachwirkungen der Kriegszeit betroffen. Es ging somit in der Epoche des Wiederaufbaus auch um kollektive psychische Beruhigung und Verdrängung der erlittenen Traumatisierungen. Daher erscheint es unter dieser Perspektive nicht verwunderlich, dass, wenn auch unausgesprochen, der Kunstunterricht mit dem Konzept der Musischen Erziehung mehr oder weniger fast eine therapeutische wie auch eine apolitische Dimension einnahm. Ein wesentliches Ziel der Musischen Erziehung ist in dieser Epoche die Förderung der sogenannten Selbstentfaltungskräfte und der Fantasietätigkeit der Schüler. Als besonders wichtig für die Schulbildung wird daher erachtet, dass der Kunstunterricht ein freudiges, optimistisches Arbeitsklima erzeugen soll. »Wir sind durch Erfahrung überzeugt worden, dass eine Beschäftigung mit den ordnenden, auf Harmonie zählenden bildnerischen Mitteln in jeder Beziehung heilsam und fruchtbar ist.« (Trümper 1961: 34) Das Malen und Zeichnen als einer der herausragenden Schwerpunkte wird als der Kinder »gegenwärtiges Glück« (Trümper 1961: 23) betrachtet, soll aber zugleich auf ihr künftiges Dasein einwirken, »der seelische Gehalt der Kunstpädagogik ist Freude«. (Adam 1966: 23) Daher werden die Lehrenden explizit angewiesen, harmonische kind- und jugendgemäße Motive in die Lehrpläne zu integrieren, diese werden äußerst differenziert in den unterschiedlichen Lehrplänen mit konkreten Vorgaben und Bildbeispielen vorgestellt. Für die 6. Klasse, in der das Bild »Die Herberge der Tiere« entstand, soll unter anderem die Gestaltungskraft und der selbstständige Ausdruck der Heranwachsenden verfestigt werden und erlebte Gemüts- und Gefühlskräfte eine Vertiefung finden. In diesem Sinne werden als mög- 316 Kinderzeichnungen | 8. »Mein erstes Bild« – Biografische Erinnerungsfragmente liche Themenstellungen für die 6. Klasse unter anderem genannt: Die Arche Noah, Kämpfe mit Drachen, Aladin und die Wunderlampe, »Jedes Kind schützt die Tiere«, Erntedank, Grüne Insel im roten See, Das verschwundene Schloss, Handwerksbetriebe und jahreszeitliche Themen. (Vgl. Trümper 1916: 399-409) Ebenso gehören das Gestalten praktischer Weihnachtsgeschenke wie das Bemalen von Spanschachteln dazu. Daher ist die Entstehung meiner schulischen Arbeit eng in diesen didaktischen Vorgaben und Anregungen zu sehen. Dieser harmonisierende und therapeutisch anmutende Kunstunterricht hat mich als überforderte Schülerin tatsächlich beruhigt und seelisch gestärkt. Das Vorbild einer engagierten Kunstpädagogin ermutigte mich zugleich, mich bereits als Schülerin intensiver mit Kunst auseinanderzusetzen und in die zusätzliche Kunst-AG zu gehen. Nur vier Jahre später verstarb Frau Kohlhagen. Als ich sie kurz vor ihrem Tod (da war ich bereits in der 10. Klasse) zum letzten Mal auf dem Schulhof traf, musste ich ihr versprechen, später einmal Kunst zu studieren. Das Bild Die Herberge der Tiere ist mir immer wichtig gewesen, es hat zahlreiche Umzüge überstanden. Es ist das einzige Werk, dass ich aus meiner Schulzeit aufgehoben habe. Literatur Adam G. Hans und Autorengruppe: Die bildnerische Erziehung im Kunst-, Handarbeitsund Werkunterricht. Didaktik. Methodik. Praxis. Saarbrücken: Saar-Buch-Verlag GMBH, 1966. Trümper, Helmut: Handbuch der Kunst- und Werkerziehung. Band 1. Allgemeine Grundlagen der Kunstpädagogik. Berlin: Rembrandt Verlag, 1953. Trümper, Helmut: Handbuch der Kunst- und Werkerziehung. Band 3: Malen und Zeichnen in Kindheit und Jugend – Lehrbuch der bildnerischen Erziehung an Kindergärten, Grundschulen, Volksschulen, Mittelschulen sowie an praktischen und technischen Zweigen der Oberschulen. Berlin: Rembrandt Verlag, 1961. Udo Baer; Gabriele Frick-Baer: Kriegserbe in der Seele: Was Kindern und Enkeln der Kriegsgeneration wirklich hilft. Weinheim: Beltz Verlag, 2015. Abbildung Foto: Jutta Ströter-Bender: Jutta Ströter: »Die Herberge der Tiere«, Ende 1963, 35 x 50 cm, Schwarzer Karton und Deckfarben (Schulische Arbeit in der 6. Klasse). 317 Annette Wiegelmann-Bals Ausgewählte Erinnerung an die eigene kindliche Zeichentätigkeit Annette Wiegelmann-Bals: »Annette malt ein Haus«, Fotografie. Als Kind habe ich gerne gezeichnet. Ich kann mich noch daran erinnern, dass ich dies besonders gern tat, wenn meine Mutter während dieser Zeit in der Küche hantierte. Häuser, Bäume, Blumen, Tiere und vieles mehr entstanden in großer Anzahl am Küchentisch. Ich besaß in meiner Kindheit durchgängig Bunt- und Filzstifte, wobei ich die Filzstifte besonders mochte, da diese weich waren und sanft über das klassische weiße Din A4-Papier, welches es schon damals in 500er Pack gab, zu führen waren. In der Regel gab ich mich dem Zeichnen ganz hin (s. Abbildung). Ärgerlich war es, daran kann ich mich gut erinnern, wenn ein Stift blasser wurde, obwohl die anvisierte Fläche noch nicht gefüllt war. Die schönsten Zeichnungen wurden an der Küchentür aufgehangen. In einem solchen Fall war ich besonders stolz. Andere Zeichnungen wurden in meiner Kindergartenmappe gesammelt. 318 Kinderzeichnungen | 8. »Mein erstes Bild« – Biografische Erinnerungsfragmente Die Zeichnung auf dem Foto existiert leider nicht mehr. Ich habe ausschließlich positive Erinnerungen an meine eigene kindliche Zeichentätigkeit. Sozialisatorische Aspekte Als ich mich an meine frühere Zeichentätigkeit erinnerte, fielen mir auch andere Erinnerungen an meine Kindheit, die ich im Sauerland erlebt habe, ein. Ich hatte, wie viele andere Kinder meiner Generation das Glück, fast ausschließlich ein »Leben aus erster Hand« erleben zu dürfen. Die modernen Informationstechnologien, wie wir sie heute kennen, steckten in den 80er-Jahren noch in den »Kinderschuhen«. Wir Kinder verließen nach dem Mittagessen unser Elternhaus, verabschiedeten uns mit den einfachen Worten »Tschüss Mama«, worauf wir die Antwort erhielten: »Komm heim, wenn es dunkel wird.« In der Zwischenzeit haben wir tatsächlich ohne die heute nicht mehr wegzudenkende Handyverbindung freie, unbeobachtete und unkontrollierte Zeit in der Natur verbracht. Diese bestand aus langen Spaziergängen in unseren Wäldern sowie spontanen Rollenspielen mit Freundinnen und Freunden. Auch Ballspiele auf der Straße haben meine Kindheit geprägt, genauso wie das Hütten bauen im Wald, wozu wir alles nutzten, was wir auf der nahe gelegenen Müllkippe finden konnten. Und dort konnten wir vieles finden, da es zu der Zeit noch so gut wie keine Mülltrennung gab. Viele der Erfahrungen, die ich in meiner Kindheit im wahrsten Sinne des Wortes mit allen Sinnen erleben und Gegenstände, die ich begreifen durfte, haben Einzug in meine Kinderzeichnungen gefunden. Ich bin heute sehr dankbar für diese erlebnisreiche, intensive und glückliche Zeit. Nina Hinrichs Mein erstes Bild Nina Hinrichs In meiner frühen zeichnerischen Tätigkeit finden sich bereits Motive aus meiner aktuellen Kunstpraxis. Im Kontext des »Artistic Research« erforsche ich mittels künstlerischer Strategien die vielfältigen Sehweisen auf das Meer. Bereits aus dieser Kinderzeichnung können Assoziationen zur Weite und Unendlichkeit des Meeres und zum Zusammenspiel mit Wetterphänomenen evoziert werden. Auch das Segeln, als eine Möglichkeit mit dem Meer in Verbindung zu treten, ist aufgenommen. Ich habe mich sehr gefreut, als ich bei der Sichtung alter Kinderzeichnungen auf dieses Bild stieß, da es bereits meine frühe kindliche Annäherung an das Meer spiegelt. 320 Johanna Tewes Ausgewählte Erinnerung an die eigene kindliche Zeichentätigkeit Johanna Tewes Kinderzeichnung, 02. März 1990, Wachsmalstifte. Seit ich denken kann, hatte ich ein großes Verlangen danach, meine eigenen Erlebnisse oder auch Geschichten aus Büchern oder Fernsehserien, die mich stark beschäftigt haben, zeichnerisch festzuhalten. In den Jahren meiner Kindergarten- und Grundschulzeit verbrachte ich die Nachmittage meistens bei meiner Oma, denn meine Eltern waren beide berufstätig. Dort stand neben dem Küchentisch eine alte Nähmaschine, auf der das sogenannte »Schmierpapier« gesammelt wurde, das mein Bruder und ich bemalen durften. Ich erinnere mich, dass ich das Papier nicht sehr mochte, weil es vergilbt war, altertümlich roch und oft sehr dünn war, sodass die Filzstifte stark durchdrückten und das Papier beim Malen und Radieren schnell Knicke bekam. Meine Ausstattung an Filz- und Buntstiften war demgegenüber immer sehr gut und ich hatte ein extra großes Etui mit zusätzlichem Fach zum Ausklappen, damit ich dort möglichst viele Stifte unterbringen konnte, die ich immer liebevoll nach Farben sortierte. Später war mir auch wichtig, dass die Filzstifte immer eine dicke und eine dünne Seite hatten, damit ich sie zum Ausmalen und Konturieren nutzen konnte. 321 Tewes | Ausgewählte Erinnerungen an die eigene kindliche Zeichentätigkeit Auf diese Weise habe ich zahllose Häuser mit Garten, Zaun und rauchendem Schornstein, Episoden aus Geschichten oder Bäume und Wälder gemalt. Pferde waren auch ein wichtiges Thema, denn geprägt durch Winnetou, die unendliche Geschichte und die Fernsehserie Rivalen der Rennbahn (1989) hatte ich schon früh ein großes Interesse daran, einen Pferdekörper möglichst realistisch darstellen zu können. Dazu lernte ich verschiedene Schemata, die mir die Erwachsenen gezeigt hatten, auswendig. Dies war sehr wichtig, da ich mich öfter mit meinen Freundinnen darüber stritt, wer die besten Pferde zeichnen könne. Außer in meiner Kindergartenmappe sind aus dieser Zeit jedoch keine meiner Zeichnungen erhalten geblieben, einige sammelte meine Mutter damals an ihrer Pinnwand in der Küche. Die Zeichnung in der Abbildung zeigt meine Verkleidung als Ronja Räubertochter zum Karneval 1990. Das Bild entstand in meinem letzten Jahr im Kindergarten und ich erinnere mich, dass ich auf das Kostüm mit den Fransen, das meine Tante extra für mich genäht hatte, besonders stolz war und mich die Karnevalsfeier am Rosenmontag sehr beeindruckt hatte.

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Zusammenfassung

Kinder- und Jugendzeichnungen eröffnen nicht nur Einblicke in die Sehweisen und zeichnerischen Fähigkeiten vorangegangener und gegenwärtiger Generationen, sondern sind auch wertvolle Kommentare zum Zeitgeschehen, zum Alltagsleben, zu Wünschen und Sehnsüchten. In ihnen ist geschichtlicher Wandel ablesbar, ebenso können Erziehungssysteme, Normen, Unterrichtsvorgaben wie aber auch die kulturpolitischen und sozialen Bedingungen wahrgenommen werden. Sie erlauben zugleich erweiterte Einblicke in die unterschiedlichen Bedingungen der ästhetischen Sozialisation, in das Aufwachsen von Jungen und Mädchen und sind damit sensible Seismographen gesellschaftspolitischer Entwicklungen und Veränderung von Kindheit.

Der langjährige Forschungsverbund im Fach Kunst, Universität Paderborn, widmet sich in vielfältigen Perspektiven der Untersuchung von „historischen und aktuellen Kinder- und Jugendzeichnungen“. In einer rasanten gesellschaftlichen Umbruchphase von Globalisierung, Veränderung der Medienkindheit, Intensivierung der Geschlechterbilder und Migration werden Forschungsthemen aufgegriffen, die exemplarische Einblicke mit repräsentativen Einsichten ermöglichen.