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1 Einleitung in:

Sarah Häseler-Bestmann

Begegnung, Beratung und Bildung für Familien, page 13 - 18

Eine exemplarisch-empirische Untersuchung von Familienzentren im Stadtteil

1. Edition 2017, ISBN print: 978-3-8288-3948-9, ISBN online: 978-3-8288-6694-2, https://doi.org/10.5771/9783828866942-13

Tectum, Baden-Baden
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13 1 Einleitung Die aktuellen Entwicklungen in der Gesellschaft lassen sich auf der Grundlage von sogenannten ‚Megatrends’ des gesellschaftlichen Wandels beschreiben. Dies umfasst unter anderem die zunehmende Globalisierung, den demografischen Wandel, Ver- änderungen der Familien- und Haushaltsformern sowie die Individualisierung und Veränderungen in den Arbeitsabläufen (vgl. Jurczyk/ Klinkhardt 2014, Schiersmann 2007, BMBF 2003, Bildungsbericht 2008, Tippelt 2006, Heitkötter u. a. 2008). Daraus ergeben sich Anforderungen an Formen der Bildung im Sinne eines ganzheitlichen, lebenslangen Lernens entlang eines biografisch unvorhersehbaren Verlaufes (Ahlheit/ Dausien 2005:565ff). Damit gehen Veränderungen in der Arbeitsteilung, den sozialen Rollen und der Familiendynamik einher (Pettinger/ Rollik 2005:20). Entsprechend richten sich politische Themen zum Aufgreifen dieser Entwicklungen aus: „Chancengleichheit beider Eltern, Vereinbarkeit von Beruf und Familie, familiengerechte Angebote auf dem Arbeitsmarkt, finanzielle Förderung der Familie und Berücksichtigung ihrer besonderen Leistungen im Steuer- und Sozialrecht, angemessener Ausgleich der Familienlasten, eine angemessene Infrastruktur zur Kinderbetreuung, Sozialisierung und Ausbildung sowie unterschiedlichste Angebote der professionellen Beratung und Begleitung der Familie, um nur einige Beispiele zu nennen“ (Biedenkopf u. a. 2009:10). Insbesondere die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird dabei als große Herausforderung angesehen, der es zu begegnen gilt (IfDA 2012:5). Um auf diese Rahmenbedingungen entsprechend reagieren zu können, sind flexible Kompetenzstrukturen für die berufliche und private Lebensgestaltung erforderlich (Ahlheit/ Dausien 2005:565ff). „Das Zusammentreffen […] sich annähernder Geschlechterkonzepte, vervielfältigter Familienformen, entgrenzter Erwerbsbedingungen bei gleichzeitig erhöhten Bildungserwartungen, führt schließlich dazu, dass Eltern immer mehr unter Druck sind. Sie sind oft erschöpft und fühlen sich überfordert, bemühen sich aber dennoch, den Bedürfnissen ihrer Kinder gerecht zu werden“ (Jurczyk/ Klinkhardt 2014:195, H. i. O.). Insbesondere der Übergang von Partnerschaft in Familien durch die Geburt des ersten Kindes kann Verunsicherungen im Alltag mit sich bringen. „Familienbeziehungen und -erziehungen sind vorwiegend im Alltäglichen, Kleinen, Unspektakulären angesiedelt und umfassen alles, was Mütter und Väter mit entsprechenden Auswirkungen auf das Kind tun. Erziehung findet dort statt, 14 wo Erwachsene und Kinder gemeinsam leben, lernen und lehren, spielen, malen, basteln, essen, wo Eltern Hausaufgaben und Vokabeln abhören, Tränen abwischen und trösten, die Kinder anhalten, rechtzeitig ins Bett zu gehen, wo Kinder schreiben, lesen, rechnen üben, wo diskutiert wird und wo der Fernsehkonsum, die Höhe des Taschengeldes oder die Ausgehzeiten festgelegt oder miteinander ausgehandelt werden – dieses und viel mehr ist Erziehungsalltag“ (Tschöpe-Scheffler 2009:39f). Für das Aufgreifen dieser lebensweltlichen Themen, für eine Unterstützung der Erziehungskompetenz, und um zugleich den frühkindlichen Bildungsansprüchen gerecht zu werden, finden sich mittlerweile vielzählige unterschiedliche Angebote wieder. Umgesetzt werden diese in Familienbildungsstätten, Familienselbsthilfeformen, medialer Familienbildung und mobiler bzw. aufsuchender Familienbildung (vgl. Kapitel 2.3.2). „Allgemein wird jedoch davon ausgegangen, dass elterliche Erziehungspraktiken schwierig zu verändern sind, weshalb die Effekte vieler Elternbildungsprogramme recht bescheiden sind. Der Grund liegt darin, dass Familienwerte in sozioökonomische Kontexte eingebaut sind und sich ohne bedeutsame Veränderungen in anderen Dimensionen des täglichen Lebens (inklusive des Einkommens, des Haushalts und der sozialen Referenz auf Gruppenwerte und Verhaltensweisen) konstant bleiben“ (Stamm 2010:95). Entsprechend dieser Bilanz stellt sich die Frage nach familienförderlichen Angeboten und Strukturen, die Familien auch erreichen. Heitkötter u. a. (2008) greifen das Bild eines afrikanischen Sprichwortes auf, „demzufolge man zur Erziehung eines Kindes ein ganzes Dorf benötige“ (Heitkötter u. a. 2008:9). Aufgrund der angedeuteten gesellschaftlichen Wandlungsprozesse sind die verschiedenen Anregungsmöglichkeiten eines Dorfes nicht mehr per se gegeben. Dies führt einerseits zu Anforderungen hinsichtlich der Unterstützung der Erziehungskompetenz der Eltern und andererseits der Notwendigkeit, Eltern Druck zu nehmen und zu entlasten, alles „ ‚richtig‘ machen zu müssen“ (Jurczyk/ Klinkhardt 2014:198). Für die organisationsstrukturelle Einbettung bedeutet dies, dass Einrichtungen, „in denen die Familien als Ganzes, als Lebenszusammenhang im Zentrum stehen, in denen kinderfördernde und elternunterstützende Angebote gleichermaßen die Basis bilden, in denen für Eltern und Kinder eine anregungsreiche Mitwelt organisiert wird und familienergänzende Leistungen bereitgestellt werden, [..] diese verloren gegangenen Funktionen des einstigen ‚Dorfes‘ substituieren, gewissermaßen sekundär sicherstellen“ (Heitkötter u. a. 2008:10) müssen. Im siebten Familienbericht wird unter dem Stichwort ‚Zukunftsszenarien‘ eine nachhaltige Familienpolitik beschrieben, die unter anderem die Unterstützung der Integration von Familie, Erwerbsarbeit, Nachbarschaft und Gemeinde vorsieht (BMFSFJ 2006:261). Demnach sollen nicht primär neue Angebote geschaffen, sondern die Kooperation bereits existierender Angebote unterstützt werden. „Damit kann für Familien mit Kindern eine klar erkennbare und nachvollziehbare Struktur entstehen, die von den Familien dann optimal genutzt werden kann“ (BMFSFJ 2006:261). Es entstehen und existieren verschiedene Einrichtungen, welche Unterstützungsmöglichkeiten und Angebote unter einem Dach bündeln, bspw. Mehrgenerationenhäuser, Familienzentrum oder Eltern-Kind-Zentrum 15 (Heitkötter u. a. 2008, Diller 2006). „Leitidee dieser Entwicklungen ist es, das Angebot sozialraumorientiert auf die Bedarfe von Familien auszurichten und so zu organisieren, dass Kinder und Familien im Zentrum stehen“ (Heitkötter u. a. 2008:13). Solche Bildungs- und Unterstützungsangebote werden als notwendig erachtet, um Eltern in ihrer Erziehungskompetenz zu fördern und zu bestärken (BMFSFJ 2005). „Dies gilt insbesondere für Eltern, die, häufig bedingt durch ihre Lebenslage, zu eher ungünstigen Erziehungs- und Interaktionsmustern neigen und ihren Kindern nicht in ausreichendem Maße förderliche Bildungsbedingungen bieten können“ (BMFSFJ 2005:263). Allerdings ist hierbei die richtige Ansprache der Eltern bedeutsam. Gefragt sind Angebote, bei „denen Eltern nicht von Erziehungsexperten belehrt werden, sondern sich selbst als Experten der Erziehung ihrer Kinder angenommen fühlen bzw. sich gegenseitig beraten“ (ebd.:261). Durch regionale Bedarfe sowie Landes- und Bundesförderprogramme haben sich so unterschiedliche Einrichtungsformen entwickelt. „Ein Großteil der Angebote hat nicht nur sozial benachteiligte Familien im Blick, sondern auch besser gestellte Eltern, die zunehmend Unsicherheit in ihrem Erziehungsverhalten bei hohen Perfektionsansprüchen erfahren“ (Bird/ Hübner 2013:42). Da im Grunde alle Eltern das Beste für ihr Kind wollen, finden sich auch im Vergleich der verschiedenen Elternbildungangebote zumeist die folgenden Themen wieder: „- Das Kind beobachten und seine Bedürfnisse wahrnehmen, - Feinfühligkeit im Umgang mit dem Kind entwickeln; Bindung stärken - Die Elternrolle sowie die eigene Erziehung und die eigenen Werte reflektieren - Umgang mit Konflikten; gewaltfreie Erziehung und Grenzen setzen - Sprachentwicklung, Sprachförderung, kognitive Förderung - Medienerziehung“ (Bird/ Hübner 2013:86). Allerdings gibt es bei den Formaten durchaus Unterscheidungen in der Methodik und inhaltlichen Vermittlung, die zugleich bedingend für die Teilnahme von Eltern sind. Verallgemeinert wird von allen Programmen und Einrichtungen eine sozialräumliche, lebensweltorientierte und niedrigschwellige Zugänglichkeit gefordert. „Zugleich mangelt es an Bedarfserhebungen. Es werden neue Angebote und Modelle entwickelt, ohne die Nutzer zu fragen, was sie benötigen und wie sie sich die Unterstützung wünschen. Sicherlich sind Expertenwissen und Erfahrung wichtige konzeptionelle Bausteine, doch hängt die Wirksamkeit stets von der Akzeptanz seitens der Adressaten ab“ (Rupp 2003a:11). Im Jahr 2006 wurden Einrichtungen, die eine Kinderbetreuung und zusätzliche Angebote vorbehalten, hinsichtlich der Entwicklungslinien, Organisationsstrukturen, Angebotsformen für Kinder und Eltern, Vernetzung, Finanzierung und Qualifikation der Mitarbeiter_innen untersucht (Diller 2006). So konnten diesbezüglich erste Erkenntnisse erhoben werden. Weitere regionale Untersuchungen zu Bedarfen an Themen der Familienbildung haben diese Notwendigkeit ebenfalls bestärkt (Mühling/ Smolka 2007). So liegen mittlerweile einige Erkenntnisse hinsichtlich der Bedarfe und der Struktur sowie 16 der Nutzen von gezielten Bildungsprogrammen vor. „Trotz der Veröffentlichung mehrerer guter Übersichten (z. B. Tschöpe-Scheffler 2006a) bleibt es für Interessierte schwierig, effektive Maßnahmen für sich (aus persönlicher Sicht) oder für eine Zielgruppe (aus professioneller Sicht) zu identifizieren. Um zukünftig bei den stark begrenzten Ressourcen, die der Familienbildung zur Verfügung stehen, Unterstützung für Eltern in möglichst vielen Lebenslagen anbieten zu können, muss die Elternperspektive stärker berücksichtigt werden“ (Bird/ Hübner 2013:42). Auch im Zuge der verschiedenen Landesprogramme zur Entwicklung von Familienzentren aus Kindertagesstätten wurden Evaluationen durchgeführt und veröffentlicht, die Erkenntnisse hinsichtlich einer Weiterentwicklung darstellen (vgl. Kapitel 2.3.3 und 2.3.4). Nichtsdestotrotz werden nach wie vor aufgrund der vielfältigen Angebotsstruktur weitere Forschungserkenntnisse dazu eingefordert. „Dahinter verbirgt sich ein vielgestaltiges Spektrum hinsichtlich konzeptioneller Ausrichtungen, die von gering strukturierten Frühstücksangeboten bis hin zu angeleiteten Gesprächskreisen mit integrierten Bildungs- und Reflexionsmöglichkeiten reichen. Lohnend wären hier genauere Bestandsaufnahmen und Wirkungsanalysen“ (Heitkötter/ Thiessen 2009:429). Auch Treptow kommt bei der Untersuchung von sogenannten Offenen Treffs in Baden-Württemberg zu dem Schluss, dass „aufgrund der hier dokumentierten Verbreitung offener Treffs und ihres wahrgenommenen Facettenreichtums [...] eine vertiefende Analyse unterschiedlicher offener Arbeitsweisen in der Eltern- und Familienbildung in Baden-Württemberg als vielversprechend und gewinnbringend [erscheint, S. H.-B.]; u. a. auch deshalb, weil es hierzu keine systematisch gewonnenen Informationen gibt. Der Blick sollte dabei – anknüpfend an den durch die Vorstudie evozierten Ergebnissen – insbesondere auf die prozessualen Abläufe in den Treffs gerichtet werden, verbunden mit der Frage nach einem erleichterten Zugang für bestimmte Personengruppen“ (Treptow u. a. 2011:12). Die vorliegende empirische Forschung greift diese Forderungen auf. Zum einen werden aufgrund der Vielfalt an Umsetzungsformen in der Familienbildung und förderung exemplarisch vier sogenannte institutionalisierte Familienzentren eines Berliner Bezirks, die keine Familienbildungsstätte sind und nicht aus einer Kindertagesstätte entstanden sind, hinsichtlich der konzeptionell-strukturellen Rahmenbedingungen untersucht. Zum anderen steht das methodische Handeln der professionellen Akteure im Fokus, da hierzu kaum Erkenntnisse vorliegen, die den praktischen Arbeitsalltag beschreiben, fachkonzeptionell systematisieren und theoretisch fundieren (Rietmann/ Hensen 2009). Des Weiteren nehmen die identifizierbaren Nutzendimensionen einen zentralen Fokus ein. Durch die vorliegende empirische Forschung werden Erkenntnisse dargestellt, die die allseits geforderte Stärkung der Erziehungskompetenz von Eltern beschreiben und systematisiert Anregungen geben, „vor allem solche Eltern zu erreichen, die aus beruflichen, familiären, oder sprachlich-kulturellen Gründen bislang Angebote der Familienbildung […] nicht in Anspruch nehmen konnten“ (Jurczyk/ Klinkhardt 2014:198). Dafür werden neben den professionellen Akteur_innen insbesondere die Nutzer_innen der Familienzentren nach deren Einschätzung und Perspektive befragt, 17 um somit die Aussage aufzugreifen: „Noch nicht ausreichend untersucht ist, wie diese Angebote bei den Eltern ankommen, ob sie hilfreich sind und ob sie ihren Bedürfnissen entsprechen oder nicht“ (Bird/ Hübner 2013:42). Zur ausführlichen Einleitung in diese Thematik werden im Kapitel 2.1 ‚Familien im Wandel‘ die dafür relevanten gesellschaftlichen Prozesse dargestellt. Nach einer Annäherung an den Familienbegriff folgt die Skizzierung gesellschaftlicher Rahmenbedingungen mit dem Schwerpunkt auf ‚Individualisierung‘ und ‚die Entwicklung der Rolle der Frau‘. Diese Aspekte führen zugleich zu einer ‚Pluralisierung der Familien- und Haushaltsformen‘. „Ob Kinder ihr Leben später einmal ausgeglichen und glücklich führen können, hängt entscheidend von den Fähigkeiten der Eltern zur Erziehung und von der Eltern-Kind-Interaktion ab, von Haltungen und Interventionen wie z. B. vom Loben, Anerkennen und Ernstnehmen“ (Armbruster 2006:42). Entsprechend werden daraus ableitend Anforderungen an Elternschaft und Kindheit sowie damit einhergehende Konsequenzen für Familien beschrieben. Das Kapitel 2.2 fokussiert die drei zentralen Begriffe der vorliegenden Untersuchung: ‚Begegnung, Beratung und Bildung‘ in einem sozialarbeitstheoretischen Kontext. Dafür werden eingangs die zentralen sozialarbeitstheoretischen Rahmen der Lebensweltorientierung, Lebensbewältigung und Sozialraumorientierung herangezogen, um darauf basierend die Zielstellung der Sozialen Arbeit zur Gestaltung eines gelingenderen Alltags von Menschen im Kontext von Individuum und Gesellschaft auszuführen. Des Weiteren werden in diesem Kapitel die Anforderungen an das methodische Handeln von professionellen Akteuren dargestellt. Das Kapitel 2.3 umfasst die ‚Familienbildung‘. Unter Bezugnahme einer kurzen historischen Betrachtung wird dieser zugrunde liegende Begriff verortet und zugleich als Dimension für die weitere Beschreibung verankert. Dementsprechend erfolgt eine strukturelle Konturierung hinsichtlich der rechtlichen Einbettung, Zielstellung, Organisations- und Angebotsformen sowie den zugrunde liegenden Themen. Darauf aufbauend werden Familienzentren als Orte der Familienbildung begrifflich eingebettet sowie ebenfalls hinsichtlich der Organisations- und Angebotsformen dargestellt. Nach einer Beschreibung des aktuellen Forschungsstandes hinsichtlich der Bedarfe und Nutzung von Familienbildung und Familienzentren folgen die daraus ableitbare Relevanz und Herausforderungen. Der zugrunde liegende ‚Forschungsgegenstand und -ansatz‘ werden dem folgend im Kapitel 3 beschrieben. Anhand einer exemplarisch-empirischen Untersuchung werden im Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg vier durch das Jugendamt geförderte Familienzentren hinsichtlich ihrer konzeptionell-strukturellen Gestaltung, dem methodischen Handeln der professionellen Akteure sowie den sich daraus ergebenden Nutzen expliziert. „Ein wissenschaftliches Wissen darüber, welche Aspekte und Dimensionen professionellen Handelns die Nutzerinnen und Nutzer im Hinblick auf die kompetente Bearbeitung der sich ihnen stellenden Lebensanforderungen als nützlich erachten und wie sie sich professionelles Handeln aneignen, ist derzeit so gut wie nicht verfügbar“ (Schaarschuch, Oelerich 2005:H1). 18 Somit dient die vorliegende Forschung auch dazu, weitere diesbezügliche Erkenntnisse zu generieren und insbesondere der Interaktion von Nutzer_in und professionellen Akteuren eine Bedeutung zukommen zu lassen (Olk u. a. 2003:LVI). Neben der näheren Erläuterung des Forschungsverständnisses werden die eingesetzten Forschungsmethoden, das konkrete methodische Vorgehen und die Auswertung der Daten dargestellt. Im Kapitel 4 werden dann die zentralen Erkenntnisse der empirischen Erhebung zunächst deskriptiv erörtert. Die Art und Weise der Forschung sowie die Wahl der Darstellungsform sollen „mehr und mehr nachvollziehbare Bezüge zu der von den AkteurInnen im Berufsfeld täglich hautnah erfahrenen Wirklichkeit“ (Hinte 2006:17) bieten, um dem Anspruch gerecht zu werden, Forschungserkenntnisse nicht lediglich für die Fachwelt zu produzieren, sondern vielmehr professionelle Praxisentwicklungen zu unterstützen. Um dies zu ermöglichen, erfolgt die Deskription sehr ausführlich und detailliert. Damit wird zum einen der Prozess der wissenschaftlichen Kontextualisierung der empirischen Daten transparent nachgezeichnet. Zum anderen soll damit dem Anspruch dieser Arbeit, einen Praxistransfer sowohl für die wissenschaftliche Fachwelt als auch für die Praktiker_innen zu ermöglichen, gerecht werden. Die Deskription der empirischen Daten fokussiert strukturelle Rahmenbedingungen, die zugrunde liegende Zielstellung, die Nutzer_innen, handelnde Akteur_innen und Kooperationsformen. Darauf aufbauend wird das methodische Handeln der Praktiker_innen entlang eines idealtypischen Arbeitsverlaufes in einem konzentrierten Blick auf die ‚Empfangsgestaltung‘ im Kontext des Erstzugangs, die zentralen methodischen Elemente in der ‚Aufenthaltsgestaltung‘ sowie der sich möglicherweise anschließenden ‚Richtungsgestaltung‘ im Sinne einer Überleitung in weitere Angebote und Kontexte, nachgezeichnet. Das deskriptive Kapitel 4.3 beschreibt den Nutzen der Familienzentren. Neben der ‚Stadtteilgestaltung‘ und dem ‚Jugendhilfekontext‘ nimmt die ‚Familienunterstützung‘ einen zentralen Stellenwert ein. Dafür wird zum einen die Nutzungsintensität und zum anderen die Dimensionen von ‚Entlastung‘, ‚Alltagsbewältigung und Alltagsgestaltung‘ sowie die ‚Persönlichkeitsentwicklung‘ erläutert. Kapitel 5 verortet die Theorie-Praxis-Einbettung. Dafür werden die Deskriptionen des vierten Kapitels entlang von ‚Arbeitsprinzipien und Nutzendimensionen in Familienzentren‘ abstrahiert. Diese Abstraktionen wiederum werden sowohl theoretisch als auch im empirischen Kontext verortet. In einen zentralen Fokus werden dafür ‚Familienzentren als ein strukturelles Erfordernis‘ und ‚Familienzentren in der Sozialen Arbeit‘ gesetzt und diskutiert. „Wie in anderen Handlungsfeldern auch, sieht der Berliner Beirat für Familienfragen in der Kultur des ‚Best Practice‘ eine wichtige Chance, Familienbildung in Berlin den heutigen Anforderungen entsprechend zu modernisieren. Gegenseitiger Austausch sowohl zwischen den Bezirken als auch mit dem Land würde nicht nur die Transparenz erhöhen, sondern auch die Chancen verbessern, gute Beispiele landesweit zu implementieren“ (Beirat für Familienfragen 2011:74). Dies aufgreifend werden in einem abschließenden Fazit zukünftige Entwicklungen angedeutet.

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References

Zusammenfassung

Einem afrikanischen Sprichwort zufolge benötigt man zur Erziehung eines Kindes ein ganzes Dorf. In den westlichen Gesellschaften sind die Tage solcher „Dorfstrukturen“ jedoch weitgehend gezählt, wodurch sich die erzieherische Verantwortung alleine auf die Eltern konzentriert. Um diesen eine geeignete Stütze anzubieten, bedarf es dringender denn je einer familienfreundlichen Infrastruktur, die neben der Schulung der Erziehungskompetenz auch den Druck nimmt, immer alles „richtig“ machen zu müssen. Familienzentren können solche Anlauforte für Begegnung, Beratung und Bildung im Stadtteil sein und zu einer familienfreundlichen Infrastruktur beitragen. Basierend auf der empirischen Analyse von vier Familienzentren werden deren strukturelle Anforderungen, das methodische Handeln der Mitarbeitenden sowie der konkrete Nutzen für Familien dargestellt. Sozialarbeiter*innen erhalten so einen Einblick in die Arbeitsweise von Familienzentren und finden darüber hinaus theoretische Begründungen für deren Notwendigkeit.