Content

Einleitung in:

Matthias Gille

Der koptische Papst Schenuda III., page 15 - 22

Beobachtungen zu Theologie und Biografie

1. Edition 2017, ISBN print: 978-3-8288-3839-0, ISBN online: 978-3-8288-6680-5, https://doi.org/10.5771/9783828866805-15

Series: Anwendungsorientierte Religionswissenschaft, vol. 11

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
15 Einleitung Papst Schenuda III. zählt zu den wichtigsten Kirchenführern der arabischen Welt im 20. Jahrhundert. Er verstarb am 17. März 2012 im Alter von 88 Jahren. Bis dato gibt es noch wenige Darstellungen, die versuchen, sowohl seine Biografie als auch Teile seiner Theologie zu betrachten. Es gibt zudem gemäß Watson (s.u.) nach wie vor keine kritische Biografie zu Papst Schenuda III. Das Ziel dieser Arbeit ist es – nach einer kurzen Einführung zur koptischen Kirche – zum einen die teils sehr zerstreuten biografischen Daten über Papst Schenuda III. sowohl chronologisch als auch thematisch geordnet zusammenzutragen und auszuwerten. Zum anderen soll konkret die Christologie und Soteriologie Schenudas III. genauer herausgearbeitet und diskutiert werden. Im ersten biografischen Teil der Arbeit liegt der Schwerpunkt eher auf dem Werdegang, der Kirchenpolitik und den Reformen, im zweiten Teil wird anhand von ausgewählten Büchern Schenudas III. konkret nach seiner Christologie und Soteriologie gefragt. Dies hat zwar den Nachteil, dass es eher den apologetischen als den geistlich-spirituellen Teil seiner Theologie beleuchtet, für den Schenuda III. auch – vor allem in seinen Predigten – bekannt ist. Der Vorteil ist aber, dass durch diese dogmatische Fragestellung ansatzweise ein Rahmen der Theologie Schenudas III. zumindest bezogen auf seine Christologie und Soteriologie herausgearbeitet werden kann. Durch verschiedene themenverwandte Exkurse wird der Rahmen noch etwas erweitert. Der Titel „Beobachtungen“ zeigt aber schon an, dass dies weder für seine Biografie noch für seine Theologie umfassend geleistet werden kann und soll. Die Darstellung politischer Ereignisse beschränkt sich auf exemplarische Vorfälle, bei denen Kopten bzw. Papst Schenuda III. eine besondere Rolle spielte. Das komplexe Verhältnis zum Islam wird hier nur als Hintergrund bzw. geschichtlich aufgegriffen, aber nicht eigens systematisch behandelt. Auch das Verhältnis zu Israel und zum Judentum allgemein kommt nur am Rande vor. Die Beziehungen Schenudas III. zu anderen Religionen werden gar nicht behandelt. Auch Schenudas III. unzählige Predigten, seine Gedichte oder seine Rolle in den ägyptischen Medien stehen hier nicht im Fokus. Diese Beschränkungen deuten an, dass von dieser vielseitigen Person nur Ausschnitte behandelt werden. Vor allem in Bezug auf den biografischen Teil sei zudem an die unter Historikern bekannte Erkenntnis erinnert, dass Geschichte immer Deutung ist und bleibt. Natürlich ist die Deutung nicht beliebig, sie bleibt aber doch immer abhängig von ihren Quellen. Das führt zu der Frage nach der Quellenlage. Zunächst ist 16 jede Quelle selbst natürlich immer abhängig von der Fragestellung bzw. wird erst durch diese zur Quelle. Hier werden als Primärquellen Schriften, Predigten oder Erzählungen von Schenuda III. selbst verstanden. Die Sekundärliteratur handelt zwar auch direkt oder indirekt von Schenuda III., wurde aber nicht von ihm selbst verfasst. Die Quellenlage auf Deutsch ist insgesamt noch überschaubar. An Primärquellen gibt es ca. 25 auf Deutsch übersetzte Bücher bzw. häufig Büchlein von Papst Schenuda III., die meist von ungenannten Übersetzern übersetzt und von Klöstern herausgegeben wurden. Hinzu kommen noch einige Ansprachen, die verstreut auch auf Deutsch zu finden sind oder bisweilen Zitate von ihm aus der Sekundärliteratur. Die Sekundärliteratur in deutscher Sprache besteht überwiegend aus wissenschaftlichen Aufsätzen. Als Einführung sind hier neben Artikeln von Kennern der Orientalischen Kirchen wie z.B. Martin Tamcke, Karl Pinggéra oder Wolfgang Hage vor allem der Sammelband von Albert Gerhards und Heinzgerd Brakmann Die koptische Kirche. Einführung in das ägyptische Christentum (1994) sowie das von Wolfgang Boochs herausgegebene Buch Geschichte und Geist der Koptischen Kirche (2009) zu nennen. Grundlegend für die neuere koptische Kirchengeschichte wie auch für Teile dieser Arbeit ist die Dissertation Erneuerung in der Koptisch-Orthodoxen Kirche (1998) von Wolfram Reiss sowie verschiedene kürzere Artikel aus derselben Feder. Besonders für den theologischen Teil sei noch Dietmar Winklers Werk Koptische Kirche und Reichskirche (1997) erwähnt. Dazu kommen in deutscher Sprache noch einige Artikel von einem Kenner der koptischen Kirche, dem deutschen Lutheraner Otto F.A. Meinardus († 2005), der in Amerika promovierte und sich von 1956-1968 in Kairo aufhielt, wo er als Pfarrer und Professor der American University of Cairo wirkte. Das leitet über zu den zahlreicheren englischsprachigen Quellen, da Meinardus vor allem auf Englisch schrieb. Dazu gehören sowohl ältere Standardwerke (z.B. Christian Egypt Faith and Life 1970; Christian Egypt Ancient and Modern 1977) wie auch Werke neueren Datums (z.B. Two Thousand Years of Coptic Christianity 1999). Meinardus ist auch deshalb eine wichtige (Sekundär-)Quelle, da er Papst Schenuda III. selbst gut kannte. Er freundete sich mit ihm an, als dieser selbst noch ein Mönch war, und hatte deshalb später immer wieder Zugang zu ihm. In englischer Sprache ist an Sekundärliteratur Nelly van Doorn-Harders Teil, in dem von ihr mit Magdi Guirguis verfassten Buch The Emergence of the Modern Coptic Papacy (2011) mit am wichtigsten. Von Nelly van Doorn-Harder wurde auch zusammen mit Kari Vogt der Sammelband Between Desert and City. The Coptic Orthodox Church Today (1997) herausgegeben, der wertvolle Artikel enthält. Einer davon ist von John Watson, der darin speziell die Biografie Schenudas III. in 17 Kurzform behandelt. Derselbe Autor schrieb auch das sehr aufschlussreiche Buch Among the Copts (2000), in dem der anglikanische Priester seine jahrelange Forschung über die koptische Kirche, einschließlich Papst Schenuda III., gut zusammenfasst. Neben kürzeren Artikeln verschiedener Autoren (u.a. O’Mahony) ist noch auf die Monografie Christians versus Muslims in Modern Egypt. The Century-Long Struggle for Coptic Equality (2003) von Susan S. Hasan hinzuweisen. Die muslimische Autorin beleuchtet ebenfalls die Erneuerungsbewegung, jedoch stärker aus soziologischer Perspektive, gepaart mit ihren Rechercheerfahrungen. Sie geht dabei an vielen Stellen sehr konkret auf Papst Schenuda III. und seine Kirchenpolitik ein. Dazu kommen auf Englisch noch Bücher von anderen koptischen Gelehrten wie Tādrus Malaṭī, Ğawdat Ğabrā, aber auch andere überwiegend übersetzte Schriften von koptischen Geistlichen. Ebenso ist hier ʿAzīz ʿAṭīya mit seiner beeindruckenden Coptic Encyclopedia (1991) und der History of Eastern Christianity von 1968 zu nennen. Seine für fast alle koptischen Studien wichtigen Bücher wurden zwar durchgesehen, aber für diese Arbeit nur exemplarisch benötigt, da sich vieles Relevante schon in anderen Quellen vorfand. In dieselbe Kategeorie, der grundlegenden Sekundärliteratur fallen folgende Titel: Die drei Sammelbände Die Kopten herausgegeben von Karam Khella und Yousef Farag (Bd. 1: 1980; Bd. 2: 1982; Bd. 3: 1983). Paul Vergheses Buch Koptisches Christentum, die orthodoxen Kirchen Ägyptens und Äthiopiens (1987) ist zwar ebenfalls nicht neu, aber nach wie vor wichtig. Bertold Spuler hat die Lage der koptischen Kirche zu seiner Zeit festgehalten, einmal 1968 in dem Band Die Gegenwartslage der Ostkirchen in ihrer nationalen und staatlichen Umwelt (1968) sowie in einem Aufsatz Die koptische Kirche in der Gegenwart (1977). Um die jüngere koptische Geschichte im Kontext zu sehen, ist zudem auf Doris Behrens-Abouseifs Werk Die Kopten in der ägyptischen Gesellschaft: von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis 1923 (1972) sowie Barbara-Lynn Carters The Copts in Egyptian Politics 1918-1952 (1986) zu verweisen. Hinzu kommen Edward Wakins A Lonely Minority. The Modern Story of Egypt’s Copts (1963), Dina El-Khawagas Le Renouveau Copte. La Communauté comme acteur politique (1993), Christine Chaillots The Coptic Orthodox Church (2005) sowie aktuelleren Datums Sebastian Elsässers The Coptic Question in the Mubarak Era (2014). Da es aus den letzten Jahren weniger Printquellen gibt, wurden auch verschiedene Artikel aus dem Internet hinzugezogen. Neben den koptischen Webseiten und ein paar ausgewählten Nachrichten- oder Lexikonartikeln ist hier vor allem die Datenbank des Arab West Report (AWR) zu nennen. Diese vom Soziologen und Journalisten Cornelis Hulsman geleitete Einrichtung erfüllt seit ihrer Gründung 1997 eine wichtige Funktion, 18 indem sie ägyptische Presseartikel übersetzt sowie eigene Medienforschung der englischsprachigen Welt zugänglich macht und dadurch Brücken des Dialogs und der Verständigung aufbauen möchte. Da der AWR sich auf kulturelle, gesellschaftliche und religiöse Themen konzentriert, finden sich dort ab 1997 bis heute über 2000 Artikel über Papst Schenuda III. Von diesen wichtigen und reichhaltigen Quellen konnte – auch um den Rahmen dieser Arbeit zu wahren – nur in Auswahl Gebrauch gemacht werden, da die Auswertung dieser Quellen eine ganz eigene Arbeit von größerem Umfang benötigen würde. Neben den zusammenfassenden Aufsätzen wurden konkret nach Artikeln gesucht, die Aussagen anderer Autoren überprüft und vertieft haben. Eine der Hauptquellen der Studie waren die Primärquellen auf Englisch. Von den ca. 140 Büchern Schenudas III. wurden über 50 ins Englische übersetzt. Die meisten sind kostenlos im Internet herunterzuladen. Dazu kommen noch verschiedene arabische Fernsehinterviews mit Schenuda III., die teils auch mit englischen Untertiteln verfügbar sind. Die koptische Kirchenzeitung Al-Kirāza, an der Schenuda III. selbst beteiligt war, konnte leider nur sehr exemplarisch befragt werden, da die neue Internetplattform des Papstes zumindest bei Erstellung der Arbeit keinen Download der alten englischen Ausgaben ermöglichte. Aufgrund des Umfanges dieser Quelle, bedürfte die Auswertung aber ebenso einer eigenen Arbeit, die hier nicht geleistet werden kann. Um nicht nur deutsche oder englische Übersetzungen und Sekundärliteratur auszuwerten, wurde auf ausgewählte arabische Quellen zurückgegriffen. Auf Arabisch gibt es selbstverständlich die umfangreichste Quellensammlung von und über Schenuda III. Hier wurden neben den erwähnten Fernsehinterviews, die vor allem für die frühe Zeit seiner Biografie von Interesse sind, auch Dokumentationen und ausgewählte Predigten Schenudas III. einbezogen, wobei nur die für den Text konkret verwendeten Quellen aufgeführt werden. Im theologischen Teil wurde an relevanten Stellen die arabische Originalfassung bzw. im letzten Exkurs (eher am Rande) ein jüngeres Werk Schenudas III. hinzugezogen, das meines Wissens bislang nur auf Arabisch vorliegt. Häufig konsultiert wurde auch eine aktuelle arabische Biografie von Anbā Bāḫūmiyūs und Anbā Irmiyā (2012), zwei eng vertrauten Bischöfen von Papst Schenuda III. Diese ist zwar knapp gehalten und unkritisch, enthält dafür aber wertvolle und zuverlässige Daten über sein Leben. Kriterium für die Auswahl der arabischen Quellen insgesamt waren im biografischen Teil zusammenfassende Selbstbeschreibungen sowie die Leitfrage, inwiefern die Quelle dazu dient, die konkreten politischen oder theologischen Positionen Schenudas III. aufzuzeigen und/oder zu überprüfen. 19 Zudem wurde im September/Oktober 2013 eine Ägyptenreise unternommen, bei der trotz angespannter Lage nicht nur wichtige Literatur gesammelt, sondern in Interviews und Gesprächen wertvolle Eindrücke für diese Beobachtungen gewonnen werden konnten. Direkt zu Beginn der Reise bekam ich einen Interviewtermin mit Anbā Būlā, einem sehr wichtigen Bischof. Der Kirchenleiter der Diözese Ṭanṭā, der als Vertreter der koptischen Kirche an der neuen ägyptischen Verfassung mitwirkte, war ein enger Vertrauter Schenudas III., da der Papst nicht nur erster Kollege im Bischofsamt und Oberhaupt der Kirche, sondern auch sein Beichtvater war. Dieses ausführliche Interview war sehr hilfreich auch zur Einordnung der Literatur, die ich größtenteils erst später bearbeiten konnte. Bei dem Besuch einer Mittwochsveranstaltung des aktuellen Papstes Tawāḍurūs II. in der Markuskathedrale wurde ich dann nicht nur durch ein übermächtiges Leinwandfoto auf dem Kirchengelände an Papst Schenuda III. erinnert. Noch hilfreicher war der Besuch der beiden Klöster in Wādī An-Naṭrūn, die mit seinem Namen in Verbindung gebracht werden; das Syrerkloster, in dem der Patriarch als Mönch aufgenommen wurde und das Bišūy-Kloster, in das er vier Jahre von Anwar As-Sadat verbannt wurde und das er nach seiner Rehabilitierung als zweiten Patriarchensitz ausbaute. Im syrischen Kloster wurde mir eine ausführliche Führung gegeben und ein früheres Zimmer Schenudas III. gezeigt. Im St. Bišūy-Kloster war vor allem seine Grabstätte, aber auch ein Interview mit einem Mönch sehr aufschlussreich. Neben weiteren Gesprächen mit verschiedenen Personen in Kairo war vor allem ein Interview mit Cornelis Hulsman, dem erwähnten Leiter des Arab West Report, äußerst hilfreich. Dieser Kenner der koptischen Kirche, der Schenuda III. selbst schon interviewte, nahm sich ausführlich Zeit, um meine zahlreichen Fragen zu beantworten und mir Zusammenhänge deutlich zu machen. Auch wenn Telefongespräche in Ägypten aller Wahrscheinlichkeit nach abgehört werden, war ich sehr dankbar, kurz vor meiner Abreise nach Deutschland mit Anbā Bāḫūmiyūs, dem Interimspapst im Jahr 2012, sprechen zu können, der sich gerade in einem weiter entfernten Kloster aufhielt. Dankenswerterweise gab er mir in diesem kurzen Gespräch – sogar noch einmal auf Englisch – ein paar Kernpunkte des Wirkens Schenudas III. mit auf den Weg. Der Aufbau dieser Arbeit wurde schon angedeutet: Im ersten Kapitel wird eine kurze Einführung zur koptischen Kirche, ihrer Gestalt und Geschichte gegeben. Darin werden sowohl ein knapper geschichtlicher Überblick als auch Kennzeichen der koptischen Kirche, wie z.B. die Liturgie und die Eucharistie, angesprochen. Hier liegen vorrangig kürzere, teils Lexikaartikel zu Grunde. 20 In den Beobachtungen über die Biografie im zweiten Kapitel wird zunächst in Kap. 2.1-7 auf zahlreiche, unterschiedliche Quellen und Kurzbiografien Bezug genommen und diese gegeneinander ausgewertet. Die Fernsehinterviews, aber auch die erwähnte Biografie von Bāḫūmiyūs/ Irmiyā sind hier sehr wertvoll. Dazu kommen die Arbeit von Reiss und Meinardus als wichtige Quellen. Seine Kindheit, Studienzeit, Klostereintritt, Priester- und Bischofsweihe sowie seine Papstwahl sollen hier chronologisch nachverfolgt werden, um daraufhin nach seinen Rollen als Papst zu fragen. Nach der zentralen Rolle als Kirchenlehrer, die später noch durch die Reformen und die Theologie erläutert wird, geht es in Kapitel 2.9 chronologisch weiter um seine politische Rolle. Dieser Teil beruht vorrangig auf Van Doorn-Harder (2011), ergänzt durch Meinardus (1998). Der Schwerpunkt liegt zunächst eher auf dem ersten Teil seiner 40jährigen Amtszeit, da hier die Quellenlage besser ist. Die jüngere Geschichte wurde aber auch versucht, in Auswahl zu berücksichtigen. Hier wurde vor allem auf zusammenfassende Artikel des Arab West Report zurückgegriffen. Das Kapitel 2.9 wird abgeschlossen mit einer kurzen Diskussion um das Verhältnis von Kirche und Staat in Ägypten. Für die Darstellung der Rolle als Kirchenreformer in Kapitel 2.10 werden vorrangig die Arbeiten von Wolfram Reiss als Grundlage genommen. Kapitel 2 wird insgesamt abgeschlossen mit einer kurzen Betrachtung über die heutige Rolle von Papst Schenuda III. in der koptischen Kirche sowie einer knappen Zusammenfassung des Kapitels. Im dritten Kapitel wird auf zwei Kernbereiche der Theologie eingegangen. Die Christologie Schenudas III. in Kapitel 3.1 wird anhand seiner Schrift Die Natur Christi diskutiert und u.a. auf die Christologieformel von 1988 eingegangen. Die Christologie war schon immer ein zentraler Themenbereich auch und besonders der alexandrinischen Theologie. Das Kapitel 3.2 über die Soteriologie (d.h. Lehre der Erlösung/Heil) bezieht sich speziell auf zwei Bücher Schenudas III. Salvation In the Orthodox Concept (1967) sowie The Heresy of Salvation in a Moment (21999). Die Erlösungslehre ist auch gemäß Schenuda III. eines der wichtigsten Themen des Glaubens und der Theologie. Hier wird der Unterschied zwischen koptisch-orthodoxer und evangelischer Theologie besonders deutlich, da Schenuda III. hier konkret die evangelische Erlösungslehre der freikirchlichen Plymouth-Brethren zurückweist. Durch Exkurse über sein Bibelverständnis, die Kindertaufe, das Priestertum und die Theosis wird die Soteriologie Schenudas III. in einen größeren Kontext gestellt. Durch verschiedene Zwischenresümees kann das Endfazit im vierten Kapitel etwas kürzer ausfallen. Hier werden die Ergebnisse zusammen- 21 getragen, vorsichtig Verbindungen zwischen den Beobachtungen zu Biografie und Theologie gezogen und ein Ausblick geliefert. Im Anhang finden sich weitere relevante Textquellen sowie eine Auswahl von Transkriptionen geführter Interviews. Zu den arabischen Wörtern sei angemerkt, dass den Transkriptionen die Regeln der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft (DMG) zugrunde liegen. Direkte Zitate sowie bekannte Orte und Personen sind jedoch in der sonst üblichen deutschen Schreibweise beibehalten worden. Zur besseren Lesbarkeit wird wie bereits im Vorwort erwähnt außerdem für den arabischen Namen von Papst شنودة (Šinūda) die vereinfachte deutsche Schreibweise „Schenuda“ verwendet.

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Papst Schenuda III. zählt zu den wichtigsten Kirchenführern der arabischen Welt im 20. Jahrhundert. Er verstarb am 17. März 2012 im Alter von 88 Jahren. Seine Biografie und Theologie haben die Koptisch-Orthodoxe Kirche über 40 Jahre hinweg maßgeblich geprägt. 1990 erhielt er eine Ehrenpromotion der Universität Bonn sowie 2011 den Augsburger Friedenspreis. Matthias Gillé wirft nach einer kurzen Einführung zur koptischen Kirche einen Blick auf das Leben des großen Kirchenführers und entfaltet sodann die Christologie und Soteriologie Schenudas III., die für die ökumenischen Dialoge der Orientalisch-Orthodoxen Kirchen mit westlichen und östlichen Kirchen von zentraler Bedeutung waren. Das Buch richtet sich an Theologen, Historiker, Religionswissenschaftler und all jene, die sich für die Christen in Ägypten interessieren. Für das Verständnis der jüngeren Entwicklungen innerhalb der Koptisch-Orthodoxen Kirche und ihrer Position im ökumenischen Dialog ist die Beschäftigung mit Papst Schenuda III. unerlässlich.