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Zu These 5: Wert ist ein gesellschaftlich determiniertes und individuell beeinflusstes Verhältnis zwischen Tauschpartnern. Er wird innerhalb eines Wertverhältnisses für den Tauschprozess gebildet. Das gesellschaftliche Verhältnis Wert basiert auf Bedürfnissen nach Gü in:

Rainer Lippert

Mit Marx zur Marktwirtschaft?, page 75 - 124

Eine Neuerung der Marx’schen Arbeitswerttheorie

3. Edition 2017, ISBN print: 978-3-8288-3917-5, ISBN online: 978-3-8288-6667-6, https://doi.org/10.5771/9783828866676-75

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Wirtschaftswissenschaften, vol. 82

Tectum, Baden-Baden
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75 zu thEsE 5: Zu These 5: Wert ist ein gesellschaftlich determiniertes und individuell beeinflusstes Verhältnis zwischen Tauschpartnern. Er wird innerhalb eines Wertverhältnisses für den Tauschprozess gebildet. Das gesellschaftliche Verhältnis Wert basiert auf Bedürfnissen nach Gütern, die durch Tausch aus dem Eigentum des einen Tauschpartners in das Eigentum des anderen Tauschpartners überführt werden. Wert beruht auf der gegenseitigen Anerkennung der Äquivalenz der ökonomischen Wertattribute der Tauschobjekte. Die meisten Gedanken zu dieser These sind bereits an verschiedenen Stellen in den vorangegangenen Abschnitten beschrieben worden. Hier soll noch einmal ein zusammenfassender Überblick vor allem über die Äquivalenz der ökonomischen Wertattribute gegeben werden. Wert ist gesellschaftlich determiniert und individuell beeinflusst In Bezug auf technische Güter ist dieses Statement sicherlich nicht schwierig zu erklären. Für Wertobjekte in Form technischer Güter benötigen die Menschen fast immer ein gesellschaftliches Umfeld. Beispielsweise Waschmaschinen, Smartphones usw. sind ohne Technologien zu ihrer Herstellung nicht denkbar und ohne notwendige Einrichtungen im Umfeld nicht nutzbar. Solche Technologien können durch nur einen einzelnen Menschen weder entwickelt noch genutzt werden. Das funktioniert nur in einem gesellschaftlichen / technischen Umfeld: Strom, Waschmittel bzw. Telefonmasten, Rechenzentren usw. sind Voraussetzungen für die Herstellung und Nutzung solcher Artikel. U. a. aus diesem Grunde sind die auf solche Wertobjekte gerichteten gewichteten Bedürfnisse nur in einem gesellschaftlichen Kontext fassbar und können nicht allein durch die sich in einem Wertverhältnis gegenüberstehenden Partner erklärt werden. Anrechte und Ansprüche auf Wertobjekte sind nicht ideell begründet Ein typisches Wertverhältnis wird bezogen auf Anrechte und Ansprüche auf Wertobjekte – beim Käufer bzw. beim Verkäufer. Hierbei geht es nicht um subjektive Vorstellungen. Die Anrechte der Käuferseite auf Anteile an allen in der Gesellschaft dem öko- 76 Lippert nomischen Austausch unterliegenden Wertobjekten können nicht aus den Wünschen einzelner Personen abgeleitet werden. Diese Anteile sind gesellschaftlich bestimmt und fußen vom Wesen her auf den Werten der Arbeitskräfte. Dazu kommen politisch begründete Anrechte, z. B. aufgrund von Eigentum an Grund und Boden. Bei den Ansprüchen auf der Verkäuferseite sieht es äquivalent aus. Diese beruhen ebenfalls auf den Werten der Arbeitskräfte plus dem Mehrwert. Letzterer soll dazu beitragen, die Anbieterseite zu festigen und auszubauen sowie die Mitwirkenden in Form von Prämien und Dividenden für die weitere erfolgreiche Arbeit zu motivieren. Die gewichteten Beziehungsstärken zu Wertobjekten – vor allem objektiv begründet Die im ökonomischen Sinn gewichteten Bedürfnisse – besser: Beziehungsstärken –, die von den Einzelnen (oder von Institutionen) auf Wertobjekte gerichtet werden, sind grundsätzlich von deren Anrechten auf Anteile an allen ökonomisch zu verteilenden Wertobjekten abhängig. Im Durchschnitt und über hinreichend lange Zeiträume können die Wertgrößen der gewichteten Beziehungsstärken nicht den Wertumfang der Anrechte auf Wertobjekte überschreiten. Diese Überlegung macht deutlich, dass der Prozess, der die gewichteten Beziehungsstärken der Partner formt, an den gesellschaftlichen Kontext gebunden und kein rein ideeller Vorgang ist. Die Nutzung der Anrechte auf Wertobjekte ist objektiv begründet und ideell geprägt Doch wie die Einzelnen ihre Bedürfnisse durch Nutzung ihrer Anrechte auf Wertobjekte umsetzen, indem sie Wertobjekte kaufen, z. B. ein Smartphone zu € 800 und ein TV-Gerät zu € 400 oder ein Smartphone zu € 400 und ein TV-Gerät zu € 800, das ist vom Individuum abhängig. Mit anderen Worten: Zu welcher Kombination von Wertobjekten in einem Warenkorb die gewichteten Bedürfnisse der Individuen führen, ist keine Frage der Wertäquivalenz. Die Wertäquivalenz kann für verschiedene Kombinationen gleich oder zumindest relativ gleich sein. Das Ziel des Austausches ist nicht die Wertäquivalenz. Sie wird zwar durch die Tauschpartner in einem Wertverhältnis herbeigeführt, aber das Ziel des Wertverhältnisses ist die Befriedigung von bestimmten Bedürfnissen. Ideellen und damit individuellen Charakter haben nicht nur die Bedürfniskombinationen bei den Individuen. Individuellen Charakter bekommen ebenso Teile der von den Arbeitskräften oder Eigentümern / Pächtern realisierten Anrechte auf Existenzmittel bzw. Wertobjekte. So gibt es zwar Tarifverträge und Ähnliches sowie durchschnittliche Preise für Rohstoffe, Agrarprodukte usw. Doch die den einzelnen Arbeitskräften real zukommenden Anrechte auf Wertobjekte und die von den Eigentümern / Pächtern für ihr Eigentum / ihre Pacht realisierbaren Ansprüche auf Wertäquivalente weichen praktisch immer vom Durchschnitt ab, wenn auch nicht immer deutlich. Der Durchschnitt existiert nicht als solcher und ist nur eine mathematisch begründete Hilfsgröße. Er wird gebildet aus vielen individuellen Situationen. Dabei wirken auf die Werte der Arbeitskräfte neben dem Lohn / Gehalt unter anderem Prämien für hervorragende Arbeitsleistungen, Sonderverträge, die Historie (Erbschaft, Art der Vorsorge…), Vetternwirtschaft usw. ein. 77 zu thEsE 5: Ähnlich können die individuell realisierten Ansprüche von Eigentümern an Grund und Boden auf Gegenleistung für die Abgabe von Gütern aus ihrem Eigentum gesehen werden, z. B. aufgrund besonders reiner Naturstoffe, politischer Einflussnahmen, Beziehungen, aktueller Umfeldbedingungen usw. Somit sind auch die gewichteten Bedürfnisse und Beziehungsstärken, die bezüglich entsprechender Naturgüter aufgebaut werden, durch das gesamte gesellschaftliche Umfeld und durch die Natur determiniert, aber trotzdem individuell beeinflusst durch konkrete Situationen im engeren Umfeld, durch individuelle Erfahrungen, Ansichten usw. Bei der Ausprägung der gewichteten Bedürfnisse und Beziehungsstärken werden sowohl das engere Umfeld als auch die jeweilige individuelle Situation der Tauschpartner einbezogen. Kurz: Die Wertgrößen von Wertobjekten werden über die Herausbildung der Äquivalenzen in den Wertverhältnissen gesellschaftlich determiniert. Die gesellschaftlich bestimmten Wertgrößen werden individuell überlagert. Gesellschaftliche und natürliche Bedürfnisse Der Fakt, dass Brot gekauft wird, scheint von einem natürlichen Bedürfnis auszugehen. Aber nicht überall ist es üblich, Brot zu essen. Selbst dort, wo Brot gegessen wird, erfolgt seine Zubereitung oft deutlich unterschiedlich. Ursache dafür sind verschiedene Getreidesorten, Traditionen, Geschmacksrichtungen der Konsumenten usw. Das heißt, auch bei Nahrungsmitteln kommen gesellschaftlich bedingte Bedürfnisse zum Tragen. Gesellschaftlich bedingte Einflüsse überlagern die natürlichen Ursachen von Bedürfnissen, z. B. die nach Nahrung. Sogar das Wasser trinken die Menschen nur selten aus einer Quelle. In den meisten Fällen trinken sie das, was von den Wasserversorgern oder von Mineralwasserherstellern angeboten wird. Oder das Wasser wird überhaupt nicht pur getrunken… Praktisch immer prägen gesellschaftliche Elemente den Wasserkonsum. Natürliche Ursachen für Bedürfnisse wirken bei Lebensmitteln zwar besonders stark und müssen gerade bei diesen aus überlebensnotwendigen Gründen stark wirken, doch was gegessen und getrunken wird, ist immer überlagert von gesellschaftlichen Einflüssen. Das, was gehandelt wird an Nahrungsmitteln, ist nicht pure Natur. Der natürliche Anteil am Verzehr kann vereinfacht als bei allen Menschen gleich gegeben angesehen werden. Für die Ökonomie ist deswegen der gesellschaftliche Anteil von Bedeutung – Herstellungsverfahren, Reinheit, Geschmack, Zutaten, Markennamen, Transportwege usw. Im Weiteren sollen die natürlichen Bedürfnisse nach Wertobjekten nicht gesondert hervorgehoben werden, da es bezüglich der entsprechenden Wertobjekte, was den ökonomischen Austausch betrifft, keine Unterschiede zu anderen Wertobjekten gibt. Der ethische Aspekt der Nahrungsmittel wird hier nicht einbezogen. Ökonomische Wertattribute und gesellschaftlich nützliche Arbeit Die ökonomischen Wertattribute widerspiegeln, wie weiter oben bereits erläutert, die gesellschaftlich begründeten Anrechte bzw. Ansprüche auf Wertobjekte, die über das Bewusstsein mit auszutauschenden (potenziellen) Wertobjekten verknüpft werden. Aufgrund der sehr engen Verknüpfungen dieser Wertattribute mit den Wertobjekten auf Verkäufer- und Käuferseite erscheinen sie wie Bestandteile der Wertobjekte. Ver- 78 Lippert knüpfungen dieser Art können nicht aufgehoben werden, ohne dass die betreffenden (potenziellen) Wertobjekte ihren Charakter als solche verlieren würden. Daher müssen die Tauschpartner diese Wertattribute in die gewichteten Beziehungsstärken, die sie zu den Wertobjekten aufbauen, einbeziehen. Genau betrachtet bilden die Wertattribute die eigentliche ökonomische Basis des wertäquivalenten Austauschs. Denn die Wertattribute sind die eigentlichen gesellschaftlichen Elemente, um die es beim ökonomischen Tausch geht. Wenn man diesem Gedankengang zustimmt, dann kann man sicherlich auch die Vorstellung akzeptieren, dass die Ausbildung der gewichteten Beziehungsstärken zu Wertobjekten keine rein ideellen Vorstellungen eines Tauschpartners sind, sondern dass sie gesellschaftlich basiert und notwendig herausgebildet werden. Ohne die Einbeziehung der gewichteten Beziehungsstärken – und damit auch ohne Einbeziehung der Wertattribute in die Wertverhältnisse – würden potenzielle Tauschpartner kein Wertverhältnis aufbauen können. Mit der Einbeziehung der gewichteten Beziehungsstärken müssen diese auf der gesellschaftlichen Ebene anerkannt und wirksam gemacht werden, um ein Wertverhältnis zu gestalten. Die Wertattribute werden den Wertobjekten mittels Bewusstsein beigefügt Die Wertattribute sind keine physikalischen Bestandteile der Wertobjekte, wie das bei der sogenannten „vergegenständlichten, gesellschaftlich nützlichen Arbeit“ bei Waren gesehen wurde. Es sind „nur“ Attribute. Das wird u. a. daran erkennbar, dass sie als „nicht gegeben“ erscheinen, wenn das potenzielle Wertobjekt keinen Käufer findet. Oder diese Attribute werden „gesehen“, aber nicht ökonomisch relevant anerkannt durch Abgabe einer wertäquivalenten Gegenleistung. In einer anderen Situation, auf dem Basar, wird der „ökonomische Gehalt“ des Wertattributes über Verhandlungen verändert. Eine Veränderung wäre bei einem fest integrierten Wertbestandteil, z.  B. in Form vergegenständlichter, gesellschaftlich nützlicher Arbeit, nicht möglich. Denn auch ein vergegenständlichter Wert müsste auf der gesellschaftlichen Ebene anerkannt werden, und zwar in der „eingebauten Höhe“. Alle Arbeitsergebnisse von Arbeiten, die als „nicht nützlich“ gesehen werden, wären keine Wertbestandteile. Was nützlich und was nicht nützlich ist, wird erst auf dem Markt entschieden und dann bei sehr vielen Produkten zu unterschiedlichen Zeiten recht unterschiedlich. Solche Entscheidungen werden nicht durch Nicken oder durch Worte wie „Das ist 400 Euro wert!“ gefällt, sondern durch Abgabe von Äquivalenten. Ein festeingebauter „vergegenständlichter Wert“ könnte aber nicht in Folge unterschiedlicher Äquivalentbereitstellungen umgebaut werden. Einen Tauschwert, der vom „wahren Wert“ abweicht, kann es nicht geben, wenn man den Wert als gesellschaftliches Verhältnis auffasst und nicht als individuelle Wertvorstellung. Einen Wert „an sich“, ohne Gegenpart, gibt es nach Marx nicht [6]. Da diese Aussage auf beide Seiten eines Wertverhältnisses zutrifft, wird auch hierüber verdeutlicht, dass der Wert auf Wertäquivalenz beider auszutauschenden Wertobjekte basiert. Denn letztendlich darf und kann es auf keiner der beiden Seiten einen Wertüberhang geben. Vergegenständlichte, gesellschaftlich nützliche Arbeit und Wertattribute Ein ökonomisches Wertattribut ist das, was bei Marx als vergegenständlichte, gesellschaftlich nützliche Arbeit bezeichnet wird. Ökonomische Wertattribute gehen aber 79 zu thEsE 5: über den Kontext der vergegenständlichten, gesellschaftlich nützlichen Arbeit hinaus. Die ökonomischen Wertattribute werden in der gleichen Art nicht-gegenständlichen Wertobjekten, wie Kultur-Veranstaltungen oder Ideen (z.  B. Patenten) beigefügt. Sie können ebenso Naturressourcen zugeordnet werden, in denen gar keine menschliche Arbeit enthalten ist. Würde man im gedanklichen Gebiet der vergegenständlichten, gesellschaftlich nützlichen Arbeit verbleiben, dann wäre der Begriff „gesellschaftlicher Inhalt“ passend. Der „gesellschaftliche Inhalt“ wäre dem Wertobjekt aber genauso beigefügt wie bei Marx der Ware die vergegenständlichte, gesellschaftlich nützliche Arbeit beigefügt sein muss, auch wenn Marx das nicht dergestalt formuliert hat. Denn was „nützliche Arbeit“ ist, wird ebenso bei Marx erst auf dem Markt durch die Abgabe eines ökonomischen Äquivalents bei der Annahme dieser „nützlichen Arbeit“ entschieden. Wird die Ware nicht verkauft, ist bei Marx die darin „vergegenständlichte“ Arbeit nicht nützlich und damit nicht wertbildend. Folglich kann bei Marx der Wert in Waren nicht eingebaut, sondern muss diesen als „Beifügung“ zugeordnet sein. Wertattribut – ideell geprägt und objektiv geäußert Somit ist auch bei Marx nicht nur die Art und Weise entscheidend, wie mit der Arbeit etwas vergegenständlicht wird, sondern auch, wie potenzielle Käufer die Ergebnisse solcher Arbeiten sehen. Der Einfluss der Käuferseiten auf die Werte kann nur mit einem gesellschaftlichen Element erklärt werden, das den jeweiligen Waren zugeordnet, nicht zugeordnet oder über Verhandlungen in abgewandelter Werthöhe zugeordnet wird. Das widerspiegelt bei Marx und anderen Ökonomen der Begriff „nützlich“: „Andererseits ist das Bedürfnis die ideelle Ursache und die Konsumtion das Kriterium für die Nützlichkeit der Produktion.“ [1]; „… Endlich kann kein Ding Wert sein, ohne Gebrauchsgegenstand zu sein. Ist es nutzlos, so ist auch die in ihm enthaltene Arbeit nutzlos, zählt nicht als Arbeit und bildet daher keinen Wert.“ [5]; „Doch die Bewertung des endgültigen Resultats unserer Bemühungen und die gesellschaftliche Anerkennung (oder Nichtanerkennung) der Arbeit geschehen objektiv auf dem Markt. … Wenn diese Anerkennung nicht erfolgt und die Ware nicht verkauft wird, dann wird die Arbeit nicht zu gesellschaftlicher Arbeit. Real zeigt sich also der gesellschaftliche Charakter der Arbeit erst nach der Vermittlung ihres Produkts über den Wechsel der Wertform auf dem Markt.“ [14]; „… Die ökonomische Wirksamkeit von Gebrauchswertparametern beim Anwender habe im Rahmen des Preis-Leistungsverhältnisses unter Beweis gestellt, dass der Gebrauchswert als Gebrauchswert vom Gebrauchswert auf gesellschaftlicher Potenz Bedarf (im ökonomischen Sinne, der durch Abgabe eines Äquivalents ge- äußert wird – der Autor) nicht abgekoppelt werden kann.“ [15]. Ein „eingebauter Wert“ würde sich später in keinem Fall durch Nicht-Kauf aus der Ware herausnehmen oder durch Verhandlungen ändern lassen. Die Aussage, dass der „eingebaute Wert“ nur nicht vollständig erkannt werden würde oder ähnlich, kann ebenso nicht stimmen. Denn wodurch würde sonst die für den Wert notwendige Nützlichkeit der geleisteten Arbeit zum Ausdruck gebracht werden, wenn nicht durch Abgabe eines Wertäquivalents? Ein „Wert“ ohne Gegenstück wäre ein rein ideeller Wert und hätte nichts mit einem Wert im ökonomischen Sinne gemein. 80 Lippert Diese Beifügungen, die gesellschaftlichen Wertattribute der Waren – besser: der Wertobjekte, sind nichts rein Ideelles. Die Käufer der Waren / der Wertobjekte müssen diese Beifügungen auf der ökonomischen Ebene für die Gesellschaft sichtbar und spürbar anerkennen. Ökonomisch relevant anerkannt werden die Wertattribute ausschließlich durch die Abgabe von Wertäquivalenten. Diese Wertäquivalente müssen die Käufer als Gegenleistung dafür abgeben, dass sie die gewünschten Wertobjekte erhalten können. Die Wertäquivalente wiederum müssen wenigstens aus Verkäufersicht die gleichen Werthöhen repräsentieren wie die Wertobjekte, die sie den Käufern übergeben. Dazu müssen die Wertobjekte und die Wertäquivalente mit Wertattributen gleicher Werthöhen verknüpft sein. In der überwiegenden Zahl der Fälle werden die Wertattribute der Wertäquivalente (Geld) nicht nur für die Käufer und Verkäufer entsprechende Wertbeträge repräsentieren, sondern diese Wertbeträge werden von der gesamten Gesellschaft anerkannt. Doch egal, ob die von Käufern gebotenen Wertäquivalente nur für die Verkäufer oder für die Mehrheit der Menschen in der Gesellschaft jeweils die Werthöhen repräsentieren: In beiden Fällen geschieht die Anerkennung der Wertattribute der Wertäquivalente auf der gesellschaftlichen Ebene. Zurück zu Marx: Nur durch die Abgabe von Äquivalenten und durch die damit ausgelösten Tauschvorgänge werden bei Marx die Arbeiten, die in den Waren stecken, als nützlich anerkannt. Doch ob diese Tauschvorgänge zustande kommen oder nicht, wird nicht durch die Waren allein bestimmt. Die Vorstellungen der (potenziellen) Käufer spielen ebenfalls eine große Rolle. Eingebaute und als solche gesellschaftlich anerkannte Nützlichkeiten kann es nicht geben. Ökonomische Wertattribute und Widerspiegelung Die ökonomischen Wertattribute von Wertobjekten sind Ergebnisse von Widerspiegelungen der Tauschobjekte als Wertobjekte in Bewusstseinsprozessen der Tauschpartner. Widergespiegelt werden die durch menschliche oder maschinelle Arbeit oder die durch die Natur in die potenziellen Wertobjekte hineingebrachten Qualitäten von nützlich erscheinenden Eigenschaften. Mit diesen nützlich erscheinenden Eigenschaften werden Anrechte der Arbeitskräfte, die an der Bereitstellung der Wertobjekte Anteil haben (ebenso Anrechte von Eigentümern / Pächtern eingebrachter nicht frei verfügbarer Naturgüter), auf bestimmte Anteile an allen dem ökonomischen Austausch unterworfenen Wertobjekten verknüpft. Auf dem Markt können diese Anrechte aber nur als Ansprüche geltend gemacht werden. Die Ansprüche werden von der Verkäuferseite als Wert attribute mit den Wertobjekten verknüpft. Auf der Käuferseite wirken Anrechte, wenn Wertobjekte beim Kauf bezahlt werden. Diese Anrechte sind durch den Verkauf der Arbeitskraft erworben worden. Die Käuferseite übergibt der Verkäuferseite beim Kauf von Wertobjekten Zahlungsmittel, welche wiederum Anrechte auf Wertobjekte in einem bestimmten Wertumfang repräsentieren. Der Umfang dieser Anrechte auf Wertobjekte entspricht den ausgehandelten Werten in den Wertverhältnissen. Die Anrechte auf Wertobjekte sind als Wertattribute mit den Wertäquivalenten der Käufer verknüpft. Diese Verknüpfung ist nicht physisch 81 zu thEsE 5: gegeben, sondern wird auf der gesellschaftlichen Ebene verwirklicht: Die Herausgeber der Zahlungsmittel gewährleisten eine bestimmte Wertäquivalenz bezogen auf z. B. die aufgedruckten Wertangaben beim Papiergeld. Das Bewusstsein der Menschen muss diese Verknüpfung nachvollziehen, damit solche Zahlungsmittel in Wertverhältnissen akzeptiert werden. Die Wertgrößen der Wertattribute der Wertobjekte auf Verkäufer- und die Wertgrößen der Wertattribute der Wertäquivalente auf der Käuferseite (hier in Form der Summe der Zahlenwerte aller in das Wertverhältnis einbezogenen Zahlungsmittel) werden in den Wertverhältnissen als ideelle Widerspiegelungen objektiver Gegebenheiten einander auf gleiche Wertgrößen angeglichen. Wertverhältnisse – individuell und nicht-individuell Ein Individuum als typischer Käufer von Wertobjekten hat als Gegenleistung für den Verkauf seiner Arbeitskraft Lohn erhalten. Dieser Lohn wird praktisch immer in Form von Geld bezahlt. Eine Firma verkauft ihre Produkte und generiert damit Umsatz plus Gewinn. Sowohl die Löhne der Individuen als auch die darüber hinausgehenden Gewinne der Firmen verkörpern Anrechte auf Wertobjekte. Demzufolge erwirtschaften Individuen und Unternehmen Anrechte auf Wertobjekte. In Wertverhältnissen können und müssen folglich sowohl Individuen als auch Firmen als Tauschpartner auftreten. Das gilt jeweils für beide Seiten von Wertverhältnissen. Wenn eine Firma auf einer der beiden Seiten agiert, dann wird sie durch Individuen vertreten, die im Namen der Firmen agieren. Handelt ein Käufer oder Verkäufer im Auftrag einer Institution13, so ist die ökonomische Situation im Wertverhältnis fast dieselbe wie bei einem individuellen Käufer bzw. Verkäufer. Verschieden ist, dass das Geld oder die Produkte, die er zur Verfügung hat, nicht zu seinem Eigentum gehören und er dieses Geld bzw. diese Produkte im Auftrag der Institution verwaltet. Die rechtliche Situation ist in beiden Situationen ebenfalls unterschiedlich (Bild 4). Die gewichteten Beziehungsstärken zu den Wertobjekten, welche die Käufer im Auftrag von Institutionen erwerben möchten, werden im Normalfall anders ausgerichtet sein, als wenn die gleichen Personen sich privat etwas kaufen würden. Das betrifft die angepeilten Produktgruppen und die Umfänge der Kaufaktionen. Dazu gehört auch, dass die Akzeptanz der Wertattribute, die mit den Wertobjekten über Bewusstseinsprozesse verknüpft werden, den Käufern entfremdet wirken muss. Die Käufer müssten, wenn sie „entfremdet“ handeln, versuchen, sich so gut wie möglich in die Interessenlagen ihrer jeweiligen Institutionen zu versetzen. Die Prinzipien beim Aufbau, Wirksamwerden und Abbau von Wertverhältnissen sind aber für die Käufer- und für die Verkäuferseite in beiden Fällen gleich, d. h. die Prinzipien beim individuellen Agieren sowie beim Agieren im Interesse von Institutionen sind die gleichen. 13 Institution Der Begriff wird hier weit gefasst, um größere Umschreibungen zu vermeiden, und schließt Konzerne, Gesellschaften usw. ein, die finanziell selbständig handeln können. 82 Lippert Gewichtete Bedürfnisse und Wertattribute Die Tauschobjekte werden von den Tauschpartnern über die gewichteten Bedürfnisse nach den auszutauschenden Wertobjekten fixiert. Die aus den gewichteten Bedürfnissen der Käuferseite als Präzisierung hervorgehenden gewichteten Beziehungsstärken sollten letztendlich14 die von der Verkäuferseite geforderten Ansprüche akzeptieren – so wünscht es sich die Verkäuferseite. Mit den gewichteten Beziehungsstärken zu den Wertobjekten sollten also die ökonomischen Wertattribute, die mit den Wertobjekten über den Preis sichtbar verknüpft sind, von der Käuferseite anerkannt werden. Geld Ob – und wenn ja, in welcher Höhe – die Käuferseite die Vorstellungen der Verkäuferseite akzeptiert, wird mit der Abgabe eines Wertäquivalents in der ausgehandelten Werthöhe deutlich gemacht. Mit der Gegenleistung der Käuferseite ist ebenfalls ein Wertattribut verknüpft. In den meisten Fällen bieten die Käufer Geld. Die mit den Geldmitteln verknüpften Wertattribute15 werden von den Menschen auf die Wertangaben der Geldmittel, ausgedrückt in Währungseinheiten, bezogen. Die Wertattribute sind bei Geldmitteln aber nicht so fest an diese gekoppelt, wie es den Anschein hat. Je nach Art des Geldes (Münzgeld und Papiergeld oder Kreditgeld) wird das Wertversprechen für das Wertattribut des Geldes von Staaten oder von Banken wie der EZB (im Euro-Raum) gesichert. In den meisten Ländern werden die Wertattribute der verschiedenen Geldformen von den Bürgern als Anrechte auf Wertobjekte über längere Zeiträume mit gleichbleibendem Wertumfang anerkannt. Damit kann das Geld sehr gut als allgemeines Äquivalent für Wertobjekte genutzt werden. In Krisensituationen können aber die Herausgeber der Geldmittel ihre Zusicherung stark variieren. Der Verkäufer muss in seiner gewichteten Beziehungsstärke zu dem Wertäquivalent (das der Käufer als Äquivalent für das gewünschte Wertobjekt anbietet) auch das Wertattribut akzeptieren, das mit dem Wertäquivalent, d. h. mit dem Geld, verknüpft ist. Verknüpft wird das Wertattribut des Geldes mit dem Geld durch den Käufer, den Verkäufer und – fast immer – durch die gesamte Gesellschaft. Der Umfang an Anrechten auf Wertobjekte, der dem Wertattribut des Geldes entspricht, wird von jedem Käufer mit festgelegt (auf dem Basar) oder akzeptiert bzw. nicht akzeptiert (im Warenhaus), wenn auch der Einfluss jedes Einzelnen auf den gesellschaftlichen Durchschnitt der Wertgrößen der verschiedenen Wertobjekte und vor allem auf deren Umfang normalerweise verschwindend gering sein wird. Der Umfang an Anrechten auf Wertobjekte, für den eine bestimmte Menge des Geldes steht, wird im Allgemeinen in der Gesellschaft in einem längeren Prozess herausgebildet. Das entsprechende Geld muss dabei von der 14 Letztendlich Hiermit soll zum Ausdruck gebracht werden, dass Käufer und Verkäufer sich durchaus auf ein von den ersten Vorstellungen abweichendes Wertattribut einigen können. 15 Wertattribut beim Geld Dass nur ein Wertattribut mit dem Geld verknüpft ist, wird dadurch deutlich, dass das Geld selbst nur sehr wenig „Wert hat“. Es ist eine Zusicherung durch die gesellschaftliche Einrichtung EZB oder andere Banken, dass das Geld als Wertäquivalent für Wertobjekte genutzt werden kann. In Krisenzeiten wird oft deutlich, dass der „Wert des Geldes“ nur eine Zusicherung, aber nichts „Eingebautes“ ist. Ausnahmen gibt es bei Geldarten, die aufgrund ihrer Bestandteile selbst direkt Wertobjekte darstellen, insbesondere Goldmünzen. 83 zu thEsE 5: Gesellschaft, zumindest aber von der Verkaufsseite, als Zahlungsmittel akzeptiert werden. Im Normalfall wird der Verkäufer nur den für die ausgehandelte Werthöhe gebotenen Geldbetrag als Ziel seines gewichteten Bedürfnisses festlegen. In Krisenzeiten wird er aber zusätzlich prüfen, ob das von der EZB bzw. von den Banken gegebene Wertversprechen, das wiederum mit dem Wertattribut der Geldeinheit verknüpft sein sollte, wirklich hinreichend gesichert erscheint. Anders formuliert: Die Wertattribute von normalem Münzgeld, von Papier- und Kreditgeld können relativ locker mit diesen Geldmitteln verbunden sein. Die Geld-Herausgeber (EZB bzw. andere Banken) versprechen den Geldempfängern, dass sie die Verbindung zwischen dem Wertattribut und dem Geld in der gewohnten Höhe sichern würden. Dabei gestatten sie sich schon im „Normalfall“ eine permanente Absenkung der Zusagen-Höhe. In Krisensituationen kann die Vertrauenswürdigkeit solcher Zusagen extrem stark abgesenkt werden. Geld und Wertattribute Geld als Stellvertreter-Wertobjekt wird von „richtigen“ Wertobjekten unterschieden: Bei den eigentlichen Wertobjekten werden im Allgemeinen die Ansprüche auf Gegenleistung als mit den Wertobjekten direkt verbunden gesehen, weil z. B. Arbeit zu deren Herstellung aufgewandt wurde – Arbeit, die nach Gegenleistung ruft. Damit haben die Eigentümer solcher Wertobjekte selbst die Verfügungsgewalt über den Umfang der entsprechenden Ansprüche. Mit den Stellvertreter-Wertobjekten werden aber über Wertattribute Anrechte auf Wertobjekte verknüpft, deren Bezugspunkte nicht im Geld selbst zu finden ist. In der IT-Technik würde man sagen, die Wertattribute beim Geld sind Links auf die eigentlichen Wertattribute. Diese Links können von den Herausgebern des Geldes im Krisenfall auf weniger Zielobjekte als üblich gerichtet werden. Ebenso können die Herausgeber diese Links fast komplett verschwinden lassen. Die Verfügungsgewalt über die Nutzung der zugehörigen Wertattribute scheint bei den Eigentümern16 der Geldmittel zu liegen. In der Realität liegt aber diese Verfügungsgewalt zu einem bedeutenden Teil bei den Herausgebern der Geldmittel. In „ruhigen Zeiten“ ist das praktisch nicht zu spüren. Der ökonomische Austausch – Wirkungszeitpunkt des Wertes Wirksam wird das gesellschaftliche Verhältnis Wert beim ökonomischen Austausch der gewünschten Wertobjekte (bzw. der Stellvertreter). Die Eigentümer tauschen dabei ihre Wertobjekte bzw. deren Stellvertreter. Damit werden die gewichteten Beziehungsstärken zu den im Wertverhältnis gegenübergestellten Wertobjekten durch die Neuzuordnung eben dieser bei Käufer und Verkäufer (Neuzuordnung im Sinne von Tausch der Eigentümer) aufgehoben. Dies geschieht, da beide Seiten im gesellschaftlichen Verhältnis mit der und durch die Neuzuordnung von Wertobjekt und Wertäquivalent die Ziele, die mit den gewichteten Beziehungsstärken verfolgt wurden, als erfüllt ansehen (sonst wäre der Tausch nicht erfolgt). Es verbleibt auf keiner der beiden Seiten eine „Restbeziehungsstärke“, da beide Beziehungsstärken zum Tauschzeitpunkt die gleiche ökono- 16 Eigentümer der Geldmittel Das sind in der Bundesrepublik diejenigen, die das Geld rechtmäßig „in der Hand halten“, es z. B. an einem Automaten in Empfang genommen haben. Herausgeber von Papier- und Münzgeld ist die EZB. 84 Lippert misch relevante Wertgröße haben, aber entgegengesetzt wirken – eine von der Käufer- zur Verkäuferseite, die andere entgegengesetzt. Ebenso werden die Ansprüche und Anrechte auf Existenzmittel gegenseitig aufgehoben, da auch sie zum Tauschzeitpunkt die gleiche Größe haben. Das gesellschaftliche Verhältnis Wert wird für den Tausch der Wertobjekte aufgebaut und nach dem Tausch beendet. Es ist ein auf der gesellschaftlichen Ebene relevantes ökonomisches Ereignis, da Käufer und Verkäufer Teile ihres Eigentums wechseln. Dieses Ereignis ist auf der gesellschaftlichen Ebene durch verschiedene Belege sichtbar. Sowohl der Zustand vor dem Tausch als auch der Tausch selbst sowie der Status danach werden von der Gesellschaft geschützt. Damit wird gezeigt, dass der ökonomische Tausch nicht nur auf der gesellschaftlichen Ebene sichtbar und spürbar, sondern wirklich wichtig ist für die Gesellschaft. Ökonomischer Austausch – immer Wertgröße gegen gleiche Wertgröße Das Ziel des Tausches aus Käufersicht ist es, die Wertobjekte mit dem durch Vergleiche ermittelten optimalen Nutzen ins Eigentum (direkt oder indirekt) zu bekommen. Inbegriffen sind hierbei Vergleichsoperationen mit den im Eigentum befindlichen Wertobjekten bzw. deren Stellvertretern. Das Ziel des Tausches aus Verkäufersicht ist es ebenfalls, die Wertobjekte im Eigentum gegen ökonomisch gleichwertige Wertobjekte, die durchaus höherwertiger erscheinen können, oder deren Stellvertreter, die mehr Nutzen bringen, zu tauschen. Zum Tauschzeitpunkt sind die mit den gegenübergestellten und auszutauschenden Wertobjekten (oder mit deren Stellvertretern) verknüpften Wertattribute vom Wertbetrag her bei beiden gleich groß. Alle Abweichungen von dem Prinzip der gleichen Wertgröße der Wertattribute der Wertobjekte würden wenigstens anteilmäßig nicht- ökonomische Übergabe- bzw. Übernahmemomente („Geschenk-Abgabe“ bzw. „Geschenk-Annahme“ oder auch Betrug) beinhalten, da für die ohne Gegenleistung übergebenen bzw. übernommenen Anteile keine relative Nützlichkeit im ökonomischen Sinne vorliegen würde. Eine relative Nützlichkeit, die von beiden Seiten gesehen, aber nicht ökonomisch abgegolten würde, wäre ein Geschenk. Eine „Nützlichkeit“, die nur von einer Seite definiert würde, könnte ein Betrug sein (z. B. Schutzgelderpressung). Übergabe- bzw. Übernahme-Anteile ohne ökonomisch relevantes Äquivalent können nicht in einem ökonomischen Wertverhältnis untergebracht werden, da sie nichts mit einem ökonomischen Austausch zu tun haben. Bedingungen für den Austausch Der ökonomische Austausch wird verwirklicht, wenn 1. auf beiden Seiten das Interesse am Austausch hinreichend stark gegeben ist, d. h. die gewichteten Beziehungsstärken zu den auszutauschenden Wertobjekten eine hinreichende Stärke haben. 2. die gesellschaftlich relevante Äußerung der Anerkennung der ökonomischen Wertattribute der einzutauschenden Wertobjekte bei beiden Tauschpartnern gleich groß ist. Beispielsweise akzeptiert jeder Tauschpartner einen Wertumfang von €  200 als ökonomisches Wertattribut des einzutauschenden Wertobjekts (oder eines äquiva- 85 zu thEsE 5: lenten Stellvertreters). Damit akzeptiert der Käufer den entsprechenden Anspruch auf Existenzmittel plus Mehrwertanspruch beim Verkäufer. Der Verkäufer wiederum anerkennt den Wertbetrag des Wertattributs, das mit dem Wertäquivalent verknüpft ist, welches ihm als Gegenleistung angeboten wird. Dieses Wertattribut entspricht seinem Anspruch auf Gegenleistung. 3. das gewünschte Wertobjekt nicht günstiger oder gar ohne Abgabe eines Äquivalents übernommen werden kann. 4. keine von außen wirkenden Restriktionen den Austausch verhindern. Möglicherweise gibt es weitere Bedingungen. Kein Tausch basiert auf durchgängig exakten Berechnungen In fast allen Teilprozessen der Prozessabläufe, die zum Verkauf von Wertobjekten an die Endverbraucher führen, wird gehandelt. Das könnte in Sachen Gemüse das Handeln des Einzelhändlers mit dem Großhändler sein, sein Handeln bei der Leasingfirma bezüglich des Lieferwagens, sein Handeln mit dem Vermieter über die Miethöhe der Verkaufsräume usw. All die ausgehandelten Preise wird der Gemüsehändler bei der Festlegung der Endverbraucherpreise für seine Produkte in die Berechnungen einbeziehen müssen. In vielen Fällen wird der letzte Abschnitt in der Handelskette ohne Aushandeln vollzogen, insbesondere wenn das Gemüse in einem hiesigen Geschäft verkauft wird. Letztendlich ist erkennbar, dass die Preise der einzelnen Gemüse- und Obstsorten usw. nicht durchgängig exakt berechnet werden, da praktisch alle Teilschritte, die zum Verkauf notwendig sind, nicht exakt berechnet werden können. Mit anderen Worten: Praktisch kein Tausch und damit keine Wertäquivalenz basiert auf durchgängig exakten Berechnungen. Zur gesamtgesellschaftlichen Determination des Wertes Der Wert als gesellschaftliches Verhältnis wird gesamtgesellschaftlich determiniert durch die Art und Weise, wie er herausgebildet, realisiert und wieder abgebaut wird. Eine Erklärung / Ermittlung des Wertes und seiner Grundlagen aus nur einem begrenzten gesellschaftlichen und natürlichen Umfeld heraus würde den Wert seines gesellschaftlichen Charakters berauben. „Gesellschaftliches Verhältnis“ impliziert den Einfluss aller gesellschaftlich wirksamen Momente. Sogar eine „Gesellschaft in der Gesellschaft“ (z. B. die sogenannten „Autonomen“) ist nicht annähernd autark, da sie genauso auf das gesellschaftliche Umfeld angewiesen ist (Bezug von Strom, Lebensmitteln, oft Sozialunterstützung u. a.) wie die anderen Bürger. Schon die Werte der Arbeitskräfte können nur in der Verbindung von den Arbeitskräften mit dem gesellschaftlichen Umfeld erklärt werden und nicht nur aus den Fähigkeiten der Arbeitskräfte. Ein gesellschaftliches Verhältnis z. B. allein aus einem Industriebetrieb, einem Industriezweig, einem Dienstleistungsbereich o. ä. heraus erklären oder in der Grö- ße bestimmen zu wollen, wäre von vornherein aussichtslos. Es wäre der Versuch, die komplexen, einander durchdringenden gesellschaftlichen Prozesse, Bedingungen usw. durch einfache, getrennt ablaufende Prozesse bzw. getrennt existierende Bedingungen zu ersetzen. 86 Lippert Zum Beispiel kann der Goldpreis nicht allein durch die Goldgewinnung der entsprechenden Unternehmen erklärt werden. Gerade dieser Preis kann noch nicht einmal aus den Bedingungen der Goldgewinnung in den verschiedenen Ländern erklärt werden. Genau betrachtet muss das bei allen Preisen so sein, da kein Wirtschaftsbereich für sich allein in einem Land agiert und letztendlich alle ökonomischen Bereiche der Gesellschaft einander durchdringen. Dazu kommen die Beziehungen von und nach außen, d. h. von und zu anderen Gesellschaften. Auch die Auswirkungen solcher ökonomischen Beziehungen können nicht nur auf bestimmte Bereiche der Gesellschaft beschränkt betrachtet werden. Mit anderen Worten: Auf jeden Teilbereich der Gesellschaft wirken sämtliche anderen Teilbereiche ein, wie auch jeder dieser Teilbereiche zurückwirkt auf sämtliche anderen. Das gilt insbesondere für die ökonomisch relevanten Teilbereiche. Dabei wirken starke Einflüsse aus anderen Ländern, so dass es als gegeben gesehen werden kann, dass alle Wertgrößen praktisch durch alle miteinander verbundenen Wirtschaftsgebiete mitgeprägt werden. Die Einflussstärken der Teilbereiche der Gesellschaft sind selbstredend zum Teil stark unterschiedlich. Einige Einflüsse und deren Stärken können auch nicht rein ökonomisch erklärt werden, sondern werden durch Diktate aufgrund von Marktstärke, durch Traditionen, Gewohnheiten, durch die Unmöglichkeit, alle prinzipiell möglichen Vergleiche anzustellen, oder auch von Betrügereien überlagert. Aussagen zum Wert – Zusammenfassung, unterteilt nach wesentlichen Merkmalen Wert ist ein gesellschaftliches Verhältnis - Wert im ökonomischen Sinne wirkt nur zwischen Menschen, konkret zwischen Tauschpartnern. - Wert wirkt nicht zwischen Menschen auf der einen und Gegenständen auf der anderen Seite. Wert wirkt erst recht nicht nur zwischen Gegenständen (Bild 2). - Wert ist eine Beziehung zwischen zwei Tauschpartnern auf gesellschaftlicher Ebene. - Eine Wertbeziehung zwischen Tauschpartnern kann nur über die gesellschaftliche Ebene wirksam gemacht werden. - Eine Wertbeziehung wird auf einen Austausch von Wertobjekten bzw. deren Stellvertretern bezogen. - Ein solcher Austausch ist gesellschaftlich geprägt und wird auf der gesellschaftlichen Ebene ausgeführt. - Eine Wertbeziehung zwischen Tauschpartnern wird als gesellschaftliches Verhältnis, als Wertverhältnis, bezeichnet. Wert – ideelle Anteile und objektiver Anteil - Wert, als gesellschaftliches Verhältnis gesehen, hat ideelle Anteile, da er von Menschen ausgeht und Bewusstseinsprozesse am Wert beteiligt sind. - Doch Wert hat auch einen grundlegenden Anteil, der über die ideellen Anteile hinausgeht und zwischen Menschen – konkret: zwischen den Tauschpartnern – wirkt. 87 zu thEsE 5: Dies ist der objektive Anteil des Wertes, auf den sich beide Partner geeinigt haben. Dieser Anteil geht aus den ideellen Anteilen der Tauschpartner hervor und wirkt außerhalb der Bewusstseinsprozesse der Tauschpartner auf der gesellschaftlichen Ebene. Repräsentiert wird der objektive Part eines Wertverhältnisses durch den ausgehandelten Preis für Wertobjekt und Wertäquivalent. Wert und Wertobjekte - Ein Wertverhältnis wird von den Tauschpartnern bezogen auf auszutauschende Gegenstände (traditionell in der Arbeitswerttheorie als Waren bezeichnet) sowie auf Aktivitäten und Ideen. Der Sammelbegriff für alles, was Tauschpartner in Wertverhältnissen austauschen, wird hier als Wertobjekt deklariert. - Die Wertobjekte, d. h. auszutauschende Objekte, Prozesse und Ideen, werden im Bewusstsein jedes potenziellen Tauschpartners als Tausch- und Wertobjekte mit Gebrauchswert und Wert widergespiegelt. Wertobjekte und Gegenleistungen - Wertobjekte sind nicht frei verfügbar. Sie unterliegen der Verknappung und werden deswegen nicht einfach abgegeben oder können nicht einfach genommen werden, sondern sie werden ausgetauscht. Die Verknappung basiert in den meisten Fällen darauf, dass menschliche Arbeit zur Bereitstellung der Wertobjekte aufgewendet wird. Es gibt weitere Gründe der Verknappung. Die Verknappung in Verbindung mit menschlicher Arbeit basiert vor allem auf der begrenzten Leistungsfähigkeit der Individuen und der begrenzten Anzahl der bezahlten Arbeitskräfte. Hinzu kommen die begrenzten Ressourcen, die benötigt werden, um Wertobjekte bereitzustellen (Stahl, Kunststoffe, Bodenschätze usw.). Weiterhin wirken die begrenzten Ressourcen des Umfeldes (zu bezahlender Wohnraum, notwendige Transportwege usw.). - Um Wertobjekte zu erwerben, müssen Gegenleistungen im Tausch abgegeben werden. - Wertverhältnisse werden von den und zwischen den (zunächst potenziellen) Tauschpartnern aufgebaut, um Wertobjekte von Interesse oder deren Stellvertreter im Rahmen von Leistung und Gegenleistung wertäquivalent auszutauschen. - Dass wertäquivalent getauscht wird, wirkt der Ressourcenverschwendung bei der Herstellung von Wertobjekten sowie der unsinnigen Aneignung von Wertobjekten entgegen. - Zudem wird durch den wertäquivalenten Tausch im Allgemeinen mehr Gerechtigkeit bewirkt als bei einer Verteilung. Ziel des ökonomischen Tauschs - Ziel der Tauschvorgänge ist es, dass jeder Tauschpartner nach dem Tausch von dem eingetauschten Wertobjekt mehr Vorteile hat als von seinem dafür abgegebenen ökonomisch wertgleichen Eigentum. - Die Vorteile des ökonomischen Tauschs liegen nicht im ökonomischen Bereich des gesellschaftlichen Verhältnisses. 88 Lippert Warum wird mittels gesellschaftlicher Wertverhältnisse getauscht? - Das, was das Spezifische der Wertobjekte ausmacht, sind gesellschaftliche Elemente, die von den Menschen mit den Wertobjekten verknüpft werden. Diese gesellschaftlichen Elemente sind die Wertattribute. Sie existieren und wirken nur auf der gesellschaftlichen Ebene. - Wertattribute werden mit dem Eigentum verknüpft. Eigentum ist ebenfalls eine gesellschaftliche Kategorie und als solche existiert es nur auf der gesellschaftlichen Ebene. - Ein Tausch, der auf der Grundlage dieser spezifischen gesellschaftlichen Elemente vorgenommen wird, kann folglich nur auf der gesellschaftlichen Ebene ausgeführt werden. Dort wirkt er als ökonomischer Tausch. Doch nicht jeder Tausch auf der gesellschaftlichen Ebene muss ein ökonomischer Tausch sein. - Der gesamte Vorgang, von der Vorbereitung bis zum Abschluss und auch danach, soll mit einer spürbaren Sicherheit abgewickelt werden. Auch deswegen wird der Tausch auf der gesellschaftlichen Ebene vorgenommen – die Gesellschaft schützt den Status u. a. des Eigentums vor, beim und nach dem Tausch. Wert und gewichtete Beziehungsstärken - Gesellschaftliche Wertverhältnisse werden initiiert durch Bedürfnisse nach (zunächst potenziellen) Wertobjekten. - Von den an bestimmten Wertobjekten Interessierten werden, über das Bewusstsein, zu diesen Wertobjekten im Eigentum potenzieller Tauschpartner zunächst Bedürfnisse aufgebaut. - Diese Bedürfnisse werden über Vergleiche gewichtet, so dass zu den potenziellen Wertobjekten im Anschluss die Bedürfnisse jeweils gewichtet wirken. Wenn die angestrebten potenziellen Wertobjekte den potenziellen Tauschpartnern hinreichend wichtig erscheinen, können von ihnen die gewichteten Bedürfnisse zu gewichteten Beziehungsstärken angehoben werden. Eine Beziehungsstärke soll hier als besonders stark wirkendes Bedürfnis verstanden werden, ein Bedürfnis, das nicht nur wirkliches Interesse bedeutet, sondern deutlich auf Erfüllung gerichtet ist. Die gewichteten Beziehungsstärken können auf der gesellschaftlichen Ebene geäußert und, bei erfolgreichen Verhandlungen, ökonomisch relevant von den Tauschpartnern im Tauschvorgang wirksam gemacht werden (Bild 3.2 und Bild 3.3). - Die Beziehungsstärken zu Wertobjekten und deren Wichtungen werden durch natürliche und gesellschaftlich bedingte Einflüsse in Verbindung mit Bewusstseinsprozessen hervorgerufen und als gewichtete Beziehungsstärken bewusst gemacht. Die Bewusstseinsprozesse bewirken hierbei sehr starke individuelle Ausprägungen dieser Beziehungsstärken. - Das gesellschaftliche Verhältnis Wert beinhaltet die gewichteten Beziehungsstärken beider Tauschpartner zu den jeweils gegenübergestellten Wertobjekten als Einheit. Diese Beziehungsstärken drängen auf Aneignung. - Zu den im jeweiligen Eigentum befindlichen Wertobjekten wirken ebenfalls gewichtete Beziehungsstärken. Diese haben den gleichen Wertbetrag wie die Bezie- 89 zu thEsE 5: hungsstärken zu den angestrebten Wertobjekten – im Bild 3.2 mit dunkelblauen Verbindungselementen gezeigt. - Die gewichteten Beziehungsstärken der Tauschpartner in einem Wertverhältnis können als Vektoren dargestellt werden. Die Beziehungsstärkevektoren beider Tauschpartner haben zum Tauschzeitpunkt den gleichen Betrag. Die Wirkungsrichtungen der Vektoren sind genau entgegengesetzt. - Der Betrag einer gewichteten Beziehungsstärke zu einem Wertobjekt entspricht zum Zeitpunkt des Tausches der Wertgröße des ökonomischen Wertattributs, das dem jeweils mit dieser Beziehungsstärke angestrebten (oder festgehaltenen) Wertobjekt zugeordnet wird. Der Betrag einer gewichteten Beziehungsstärke wird durch den Betrag des daraus gewonnenen Beziehungsstärkevektors abgebildet. Die für den Tausch notwendigen Kräfte, d. h. die gewichteten Beziehungsstärken, werden von den Tauschpartnern auf die (relativen) Nützlichkeiten der Tauschobjekte in Verbindung mit den vermuteten Aufwendungen für diese bezogen. Der Tausch muss auf der gesellschaftlichen Ebene vollzogen werden als Tausch Eigentum gegen Eigentum (Bild 3.3). Auf der gesellschaftlichen Ebene sind die konkreten Nützlichkeiten der Tauschobjekte jedoch nicht wichtig. Es geht dort nur um den Tausch Eigentum in Höhe der ausgehandelten Wertgröße auf der Verkäuferseite gegen Eigentum in Höhe der ausgehandelten Wertgröße auf der Käuferseite. Folglich wird von den konkreten Nützlichkeiten der Tauschobjekte abstrahiert. Doch es wird nicht so abstrahiert, dass die Nützlichkeiten verlorengehen, sondern nur deren konkreten Formen. Die Nützlichkeit bleibt in abstrakter Form in dem ausgehandelten Wert erhalten, nämlich in Form einer Wichtigkeit, die in dem Zahlenwert der ausgehandelten Werthöhe widergespiegelt wird. Die Wirkungsvektoren, die zum Tausch führen, müssen demzufolge die gleichen Stärken wie die gewichteten Beziehungsstärken haben, werden aber nicht auf die konkreten Nützlichkeiten von Wertobjekt und Wertäquivalent bezogen, sondern auf deren Eigenschaften als Eigentum mit bestimmter Wertgröße. Die Wirkungsvektoren bewirken den Tausch Eigentum gegen Eigentum auf der gesellschaftlichen Ebene. - Durch die gleichen Betragsgrößen der Vektoren in Verbindung mit den genau entgegengesetzten Wirkungsrichtungen werden beide Vektoren mit dem Tausch gegeneinander aufgehoben. Wert und Wertattribut - Das ökonomische Wertattribut eines Wertobjektes wird über das Bewusstsein mit dem Wertobjekt verknüpft, aber nicht in dieses eingebracht. - Die ökonomischen Wertattribute, die den beiden im Rahmen des gesellschaftlichen Wertverhältnisses gegenübergestellten und dann auszutauschenden Wertobjekten (oder deren Stellvertretern) zugeordnet werden, sind zum Tauschzeitpunkt von gleicher Wertgröße. - Die gleiche Wertgröße wird u. a. dadurch geäußert, dass nach dem ökonomischen Tausch kein weiterer gesellschaftlich relevanter Anspruch auf Gegenleistung in Bezug auf die ausgetauschten Wertobjekte verbleibt. 90 Lippert - Auf der Verkäuferseite widerspiegelt das ökonomische Wertattribut eines Wertobjektes den Existenzmittelumfang der an der Bereitstellung des Wertobjekts direkt und indirekt Beteiligten plus den erwarteten Mehrwert. Von der Verkäuferseite wird das Wertattribut mit dem angebotenen Wertobjekt als Anspruch verknüpft. - Auf der Käuferseite widerspiegelt das Wertattribut die Geldmenge, die in einem Wertverhältnis als Äquivalent für ein Wertobjekt fungiert. Diese Geldmenge wiederum entspricht einem Anrecht auf Wertobjekte. Dieses Anrecht wurde üblicherweise durch den Verkauf der Arbeitskraft erworben. Sollte das Wertäquivalent ebenfalls ein Wertobjekt sein, dann würde auch auf der Käuferseite ein Anspruch auf Wertobjekte wirken. Damit würde es in vielen Fällen keine richtige Unterscheidung mehr zwischen Käufer- und Verkäuferseite geben. In solch einem Fall wäre auf beiden Seiten des Wertverhältnisses der wirkliche Umfang der „Werte der Arbeitskräfte“ von jedem einzelnen Tausch abhängig – von „so gut wie nichts wert“ bis „extrem teuer losgeworden“. Im Unterschied dazu ist beim empfangenen Geld das „Anrecht auf Wertobjekte“ auf der gesellschaftlichen Ebene klar: Die Arbeitskraft erhält Lohn in bestimmter Höhe und sie muss nicht im Nachhinein den „Wert des Geldes“ aushandeln. Bei „Wertobjekt gegen Wertobjekt“ wird üblicherweise von beiden Seiten gehandelt – äquivalent zur Situation „Ansprüche auf beiden Seiten“. - Die gesellschaftlich relevanten Wertbeträge der Verknüpfungen von Wertattribut mit Wertobjekt und Wertattribut mit Wertäquivalent sind dabei diejenigen, die beim Tausch wirksam werden. Vor dem Tausch kann ein Eigentümer des Wertobjektes einen anderen Anspruch mit seinem Wertobjekt verknüpft haben. - Grundlegend für den Anspruch auf Existenzmittel, der mit einem Wertattribut ausgedrückt wird, sind die Werte der Arbeitskräfte, die an der Bereitstellung des Wertobjektes auf dem Markt ökonomisch relevanten Anteil haben. Deren jeweilige Ansprüche stehen in Verbindung mit dem für die Bereitstellung des Wertobjekts geleisteten Arbeitsumfang. Mit dem Arbeitsumfang ist hier gemeint, wie lange all die involvierten Arbeitskräfte in ihren Arbeitsgebieten durchschnittlich an der Bereitstellung des Wertobjektes beteiligt waren. Bereitstellung ist hier im umfassenden Sinne zu sehen: Zulieferer (für vorgefertigte Komponenten, Rohstoffe und Ausgangsmaterialien sowie Hilfsstoffe), Management, Marktforschung, Forschung / Entwicklung und Überführung in die Produktion, Produktionsbetreuung, Logistik, Verkauf, Rechtswesen, Telefon- und Internetdienst, Gebäudemanagement, Raumreinigung u. a. Zusätzlich wirkt der Anspruch auf Mehrwert. Der Mehrwert wird oder sollte für die Weiterbildung der Arbeitskräfte, den Ausbau des Unternehmens, die Verbesserung der Arbeitsbedingungen und für Gewinnausschüttungen an die Unternehmensbeteiligten genutzt werden. Der Mehrwert wurde von Marx vor allem als Basis für die kapitalistische Ausbeutung herausgearbeitet: „Zunächst ist das treibende Motiv und der bestimmende Zweck des kapitalistischen Produktionsprozesses möglichst große Selbstverwertung des Kapitals, d. h. möglichst große Produktion von Mehrwert, also möglichst große Ausbeutung der Arbeitskraft durch den Kapitalisten.“ [16] 91 zu thEsE 5: - Wertobjekte werden im menschlichen Bewusstsein als „Werte“ widergespiegelt. Diese „Werte“ entsprechen umgangssprachlich Wertobjekten, die mit den dazugehörigen Wertattributen jeweils eine Einheit bilden. - Die Ansprüche auf Existenzmittel und Mehrwert, die von der Anbieterseite mit den Wertobjekten verknüpft werden, können beim Auf- und Ausbau der gesellschaftlichen Wertverhältnisse im Dialog verändert und damit an die Vorstellungen der Tauschpartnerseite angepasst werden. Durch Dialog hervorgerufene Änderungen an den Ansprüchen werden durch Änderungen der Werthöhen der Wertattribute quantifiziert. Solche Änderungen werden über den Markt realisiert. Dort wirken nicht nur technische Faktoren und Eigentumssituationen, sondern auch Machteinflüsse, Emotionen, Erfahrungen usw. - Der auf der Käuferseite mit Geld verbundene Umfang an Anrechten auf Existenzmittel, der als Wertäquivalent für ein gewünschtes Wertobjekt dient, kann ebenfalls in Wertverhältnissen geändert werden. Das geschieht durch Änderung der Geldbeträge, die als Äquivalente für die Wertobjekte bereitgestellt werden. Die Wertbetragshöhe der Wertattribute, die einer bestimmten Geldmenge zugeordnet wird, bleibt dabei üblicherweise (in Nicht-Krisenzeiten) relativ konstant. Wert berechnen - Der Wert kann nicht von vornherein genau berechnet werden. - Relativ genau berechnen kann man nur die zu erwartenden(!) Wertgrößen der Wertobjekte. Die Anteile der Werte aller Arbeitskräfte gehen in die Berechnung ein sowie die erwarteten Mehrwerte (die Mehrwerte aller Bereiche, die selbständig ihre zu erwartenden Mehrwerte berechnen, münden in den marktrelevanten „Gesamtmehrwert“). Zugelieferte Komponenten und Ausgangsstoffe, für das Gemeinwohl abzuführende Steuern, zugekaufte Leistungen, z. B. für Forschung und Entwicklung, sowie laufende Kosten wie z. B. Strom-, Internet- und Telefonkosten gehen als fixe Größen ein, da sie über den Markt später nicht mehr direkt verändert werden können. Dazu kommt ein zu erwartender Aufschlag für gegebene oder vermutete Alleinstellungsmerkmale wie Marktneuheit oder besondere Eigenschaften. - Das Ergebnis der Berechnungen ist ein Erwartungswert. Er wird mit dem Wertobjekt vor dem Verkauf als Wertattribut verknüpft. Über den Handel auf dem Markt (Großhandel, Einzelhandel) wird dieser Wert meistens modifiziert, zumindest beim Einzelhandel. Gesellschaftlich nützliche Arbeit - Die geleistete Arbeit, mit der Wertobjekte erstellt werden, wird mit dem Tausch relativiert. Anspruchsrelevant akzeptiert wird die gesellschaftlich nützliche Arbeit als Teilmenge der insgesamt geleisteten Arbeit. Nur die gesellschaftlich nützliche Arbeit kann als Bezugspunkt des gesellschaftlichen „Wertgehalts“ der Wertobjekte – besser: als Bezugspunkt für die ökonomischen Wertattribute der Wertobjekte – dienen. Diese Aussage gilt für den arbeitsbasierten Anteil am Wertattribut. 92 Lippert - Für Ansprüche auf Wertobjekte gibt es, neben der gesellschaftlich nützlichen Arbeit, weitere Bezugspunkte als Grundlagen: politisch begründete Ansprüche wie Eigentum an Grund und Boden, in der Vergangenheit geleistete gesellschaftlich nützliche Arbeit (Betriebsrente), freiwillige Zuordnungen (Sponsoring, Spenden etc.) u. a. - Was als gesellschaftlich nützlich, und damit berechtigt für Gegenleistungen, vom Gesamtprozess der Bereitstellung der Wertobjekte anerkannt wird, bestimmt die mit dem Tausch realisierte Gegenleistung. - Die Anrechte der Arbeitskräfte auf Wertobjekte in Verbindung mit den weiteren eben genannten Einflussfaktoren bestimmen nicht allein die Werte der Wertobjekte und folglich auch nicht, was als nützlich anerkannt wird und was nicht. - Bei Marktneuheit, bei einer sehr originellen Idee, bei einem „starken“ Markennamen o. ä. kann die als nützlich anerkannte gesellschaftliche Arbeit vom Wertbetrag her deutlich über der Wertgröße liegen, die üblicherweise bei gleichem Aufwand in Forschung und Entwicklung, in der Produktion usw., d. h. mit gleichen Arbeitskräfteressourcen erzielt wird. Bezogen auf die Triebkraftfunktion des Wertes ist das, zumindest vom Grundsatz her, ein sinnvoller Effekt. Durchschnittliche Wertgröße - Aus all den Wertgrößen, die in allen einzelnen Tauschaktionen für die gleichen Wertobjekte realisiert werden, kann die durchschnittliche Wertgröße für dieses Wertobjekt errechnet werden. Die durchschnittliche Wertgröße existiert als mathematisches Konstrukt nur über die Einzelgrößen. Gegenübergestellte Wertgrößen im Wertverhältnis sind immer gleich groß - In einem Wertverhältnis wird der Tausch der Wertobjekte unter der Bedingung gleicher Wertgrößen der auszutauschenden Wertobjekte vorgenommen. - Erkennbar ist dies an dem Fakt, dass nach dem Tausch auf keiner Seite ein „Restanspruch“ verbleibt. Der Sachverhalt der gleichen Wertgrößen wird aber auch dadurch geäußert, dass ein Wert nicht für sich stehen kann, sondern nur im Verhältnis mit einem Gegenüber [6], [7]. Daraus folgt sozusagen „automatisch“, dass die Wertbeträge der im Wertverhältnis gegenübergestellten Wertobjekte gleich groß sein müssen. Alles, was auf einer Seite darüber „hinausragen“ würde, hätte keinen Gegenpart und wäre demzufolge im ökonomischen Sinne wertlos. - Der Erwerb eines Wertobjektes durch einen Käufer bedingt die Abgabe eines Wert- äquivalents an den Veräußerer des Wertobjektes. Wertäquivalent bedeutet, dass mit dieser Gegenleistung ein gleich großes Anrecht (beim Geld) bzw. ein gleich gro- ßer gesellschaftlich anerkannter Anspruch auf Wertobjekte (bei einem Wertobjekt) verknüpft sein muss, wie es bzw. er mit dem gewünschten Wertobjekt beansprucht wird. 93 zu thEsE 5: Wertobjekte und Eigentum - Dass Wertobjekte getauscht werden müssen, ist untrennbar mit dem Eigentum an Wertobjekten verbunden. Ohne Eigentum wäre keine Tauschnotwendigkeit gegeben. - Wertobjekte werden üblicherweise indirekt erarbeitet17. - Die zunächst potenziellen Käufer bauen ihr Wertverhältnis bezugnehmend auf Objekte, Prozesse, Ideen, kurz: bezugnehmend auf Wertobjekte sowie bezugnehmend auf Stellvertreter für Wertobjekte (Geld) auf. Die angestrebten Wertobjekte oder deren Stellvertreter befinden sich dabei im direkten oder indirekten Eigentum einer potenziellen Tauschpartner-Seite. Auch die Wertäquivalente, welche gegen die gewünschten Wertobjekte im Tausch abgegeben werden sollen, befinden sich im direkten oder indirekten Eigentum18, jedoch auf der anderen Seite. - Arbeitskräfte empfangen üblicherweise Lohn in Form von Geld für den Verkauf ihrer Arbeitskraft. Damit werden sie normalerweise andere Wertobjekte als diejenigen, an deren Produktion sie beteiligt waren, wertäquivalent eintauschen. - Wert ist gebunden an erarbeitetes, erworbenes, geerbtes Eigentum oder an stärker politisch basierter als an arbeitsbasierter Zuordnung (Umverteilung von Gütern durch Diktatoren oder in Kriegen) oder an Verfügungsvorteile (Pilzverkäufer am Straßenrand) o. ä. - Mit dem Tausch wechseln die Tauschpartner ihre Güter – der eine erhält das gewünschte Wertobjekt und der andere dafür die wertäquivalente Gegenleistung. Wert ist nicht dem reinen Ideellen verhaftet, aber auch nicht rein objektiv - Für den Tausch wird das gesellschaftliche Verhältnis Wert zwischen den Tauschpartnern etabliert und auf die auszutauschenden Wertobjekte gerichtet. Damit wird der Wert aus dem ideellen Bereich auf die gesellschaftliche Ebene überführt. Die Ausgangspunkte für den Wert in den Tauschpartnern, d. h. die von beiden ausgehandelte gleichgroße Wertgröße, bleiben aber in ideeller Form in den Tauschpartnern bestehen, damit die objektive Wertgröße wirken kann – ein „rein objektiver Wert“ könnte nicht allein bestehen. Der objektive Anteil des Wertes besteht nur, weil er in beiden Tauschpartnern wirkt und weil er zusätzlich von beiden auf der gesellschaftlichen Ebene wirksam gemacht wird. Wert und Triebkraftfunktion - Der Wert hat, gerade wenn er, wie in diesem Buch beschrieben, als wirkliches gesellschaftliches Verhältnis gesehen wird, eine Triebkraftfunktion für die gesellschaftliche Entwicklung. Der Wert wirkt der Ressourcenvergeudung bei der Ent- 17 indirekt erarbeitet Über das mit dem Verkauf der Arbeitskraft erworbene Geld werden andere Güter erworben als die direkt im bezahlten Arbeitsprozess erarbeiteten. 18 im direkten oder indirekten Eigentum des Tauschpartners Als direktes Eigentum wird hier das Eigentum des Tauschpartners bezeichnet, über das er volle Verfügungsgewalt besitzt. Indirektes Eigentum ist Eigentum, das der Tauschpartner nicht direkt besitzt, das er aber im Auftrag des eigentlichen Besitzers handhabt, z. B. die Waren in einem Warenhaus, die vom Verkäufer verkauft werden sollen. Das indirekte Eigentum kann sicherlich als eine Art Verfügungsgewalt über Wertobjekte bezeichnet werden. 94 Lippert wicklung, Herstellung und Darbietung von Wertobjekten entgegen. Ebenso wirkt er gegen eine unnötige Aneignung knapper Ressourcen. - Nur auf die im Wertverhältnis beim Tausch realisierte Wertgröße kann die Triebkraftfunktion des Wertes bezogen werden. Die Triebkraftfunktion des Wertes auf ideelle Wertgrößen wie vergegenständlichte Werte zu beziehen, wäre überhaupt nicht sinnvoll. Es könnte damit keine allgemein gültige Ressourceneinsparung belegt werden. Ein anderer realistischer nützlicher Effekt für die Einzelnen oder für die Gesellschaft könnte davon ebenso nicht abgeleitet werden. Soweit die kurze Zusammenfassung des bisher Beschriebenen zum gesellschaftlichen Verhältnis Wert. Was sollte in einer Begriffserklärung zum Wert enthalten sein? Wertverhältnis – wozu gibt es das? - Wert ist ein Verhältnis zwischen zwei Tauschpartnern, das aufgebaut wird, um knappe Güter auf der Basis von Leistung und Gegenleistung auszutauschen. - Die beiden Tauschpartner werden üblicherweise als Käufer und Verkäufer dargestellt. - Das Ziel dieses Austausches ist es, dass beide Tauschpartner nach dem Tausch von den erworbenen Gütern durch die Neuzuordnung mehr Nutzen haben als vor dem Tausch. Eigentum und Verknappung – Grundvoraussetzungen für Wertverhältnisse - Der Austausch von Gütern im ökonomischen Sinne ist untrennbar mit Eigentum oder Pacht verbunden. Ohne Eigentum bzw. Pacht würden die Notwendigkeit und auch die Möglichkeit des Austausches fehlen. - Güter in diesem Sinne können Gegenstände, Aktivitäten und Ideen sein, die als nützlich angesehen werden. Knapp in diesem Sinne bedeutet, dass diese Güter nicht frei verfügbar sind. - Der Hauptgrund der Verknappung ist, dass menschliche Arbeit zur Bereitstellung der Güter (hier wird auch die Herstellung eingeschlossen), Darbietung von Konzerten etc. oder Ideenentwicklung, wie z. B. von Patenten, aufgewandt wurde, wird oder aufgewendet werden wird. Die Verknappung in diesem Sinne sollte umfassend gesehen werden: Würden bestimmte Güter in der Art produziert werden, dass alle darauf gerichteten Bedürfnisse gestillt würden, dann könnten diese Güter trotzdem nicht frei verfügbar gemacht werden, weil es sie nur gibt, weil Menschen zu deren Herstellung ihre Arbeitskraft verkauft haben. Dafür können diese Arbeitskräfte Gegenleistungen erwarten. Somit wären die von ihnen bereitgestellten Güter auch unter der Bedingung fehlender direkter Verknappung im praktischen Sinne nicht frei verfügbar. Exakt betrachtet würden diese Güter der Verknappung unterliegen, da knappe menschliche (bezahlte) und natürliche Ressourcen zu deren Bereitstellung verwendet werden müssen. 95 zu thEsE 5: Wertobjekte - Die Güter, die in Wertverhältnissen getauscht werden, werden hier als Wertobjekte bezeichnet. - Die für den Erwerb eines Wertobjektes abgegebene Gegenleistung entspricht dem Wert des Wertobjektes. - Die Wertgrößen von Wertobjekt und Gegenleistung werden als Wert bezeichnet. - Die Werte von Wertobjekt und Gegenleistung sind gleich groß. - Der Wert existiert dabei nicht als vergegenständlichte Größe im Wertobjekt und ebenso nicht in der Gegenleistung. Wertattribut - Die Wertattribute widerspiegeln die Wertgrößen, die über das menschliche Bewusstsein sowohl mit dem Wertobjekt als auch mit der Gegenleistung jeweils über ein solches verknüpft werden. - Das Wertattribut würde in der klassischen Interpretation der Arbeitswerttheorie in etwa der „vergegenständlichten, gesellschaftlich nützlichen Arbeit“ entsprechen. Es ist der zahlenmäßig fassbare Bezugspunkt für die Wertgröße. Dies gilt nur „in etwa“, weil insbesondere die Wertattribute als nicht eingebaut, d. h. als nicht vergegenständlicht gesehen werden. Ein weiterer wesentlicher Unterschied besteht darin, dass Wertattribute auch mit nicht-gegenständlichen Waren verbunden werden können, die hier, genau wie die gegenständlichen Waren, Wertobjekte sein können. - In einer Ware, welche die „vergegenständlichte, gesellschaftlich nützliche Arbeit“ enthalten soll, kann die „gesellschaftlich nützliche Arbeit“ zwar auch nicht eingebaut sein – das Wort „nützlich“ verweist dabei auf die notwendige Anerkennung der Nützlichkeit im ökonomischen Sinn durch Abgabe eines Äquivalents – aber bei der Interpretation der „gesellschaftlich nützlichen Arbeit“ wird diese üblicherweise „dynamisch“ gesehen: Mal „baut sie Wert ein“, ein anderes Mal nicht – und das sogar, wenn sie in gleicher Art ausgeführt wird. Wert – ideelle Bestandteile und objektiver Bestandteil - Wert als gesellschaftliches Verhältnis kann keine rein objektive Existenzform besitzen. - Die ideellen Bestandteile eines Wertverhältnisses sind die gewichteten Beziehungsstärken der Tauschpartner zu den Tauschobjekten. Damit hat der Wert je eine ideelle Basis in der Käufer- und in der Verkäuferseite. - Der objektive Bestandteil eines Wertverhältnisses ist die ausgehandelte Wertgröße, die zwischen den Tauschpartnern wirkt und die für die Gesellschaft fassbar ist. Die ausgehandelte Wertgröße basiert zwar auf den Bewusstseinsprozessen der Käuferund der Verkäuferseite, geht aber über diese hinaus: Eine ideelle Größe könnte sich jeder der Tauschpartner individuell „zurechtbiegen“. Das kann beim objektiven Anteil eines Wertverhältnisses nicht mehr gelingen. 96 Lippert Verkäuferseite – Anspruch auf Wertobjekte - Das Wertattribut, verknüpft mit dem Wertobjekt der Verkäuferseite, widerspiegelt die Höhe des Anspruchs auf Gegenleistung, welche die Verkäuferseite bei der Abgabe eben dieses Wertobjektes erwartet. - Verknüpft wird das Wertattribut mit dem Wertobjekt zunächst über Bewusstseinsprozesse vom Verkäufer. Wenn ein potenzieller Käufer Interesse an diesem Wertobjekt hat, wird auch er ein Wert attribut mit diesem gewünschten Wertobjekt verbinden. Die Wertgrößen beider mit dem Wertobjekt verknüpften Wertattribute können vor dem Tausch unterschiedlich sein. - Die beanspruchte Gegenleistung wird im Allgemeinen in Form eines Stellvertreter-Wertobjektes – Geld – erwartet. In bestimmten Fällen werden aber auch reale Wertobjekte akzeptiert. - Der Anspruch der Verkäuferseite basiert auf den Werten der Arbeitskräfte, welche an der Bereitstellung des Wertobjektes beteiligt waren, sind oder sein werden – je nach Art des Wertobjektes. Darin eingeschlossen sind die indirekt an der Bereitstellung Beteiligten: Stromproduzenten, die Arbeitskräfte der Kommunikationsprovider, die Zulieferer, die Arbeitskräfte der Reinigungsfirmen usw. Bezüglich der eingesetzten Rohstoffe wirken Ansprüche aufgrund von Eigentum oder Pacht von Grund und Boden. Solche Ansprüche sind vor allem politisch begründet und weniger durch die Werte der Arbeitskräfte. Auch wirkt ein politisch und sozial begründeter Anspruch durch den Staat selbst. Dieser Anteil wird über Steuern entrichtet. Hinzu kommt ein Anspruch auf Mehrwert. Käuferseite – Anrecht auf Wertobjekte - Das mit der Gegenleistung verknüpfte Wertattribut auf der Käuferseite widerspiegelt in den meisten Fällen ein Anrecht auf den Erwerb von Wertobjekten in bestimmtem Umfang. Das gilt für den Fall, dass die Gegenleistung in Geldform geboten wird. Bei einem realen Wertobjekt als Gegenleistung würde es sich beim Wertattribut auf der Käuferseite ebenfalls um einen Anspruch handeln. - Die Wertattribute werden vom zunächst potenziellen Käufer und dem zunächst potenziellen Verkäufer auf eine äquivalente Geldmenge bezogen, ausgedrückt in Währungseinheiten, z. B. € 100. Der (potenzielle) Käufer wird dem (potenziellen) Verkäufer verdeutlichen, dass er das (zunächst ebenfalls nur potenzielle) Wertobjekt erwerben möchte. Mit der dafür angebotenen Geldmenge signalisiert er, in welchem Umfang er die Ansprüche der Verkäuferseite akzeptiert. Jedenfalls wird das auf dem Basar so sein. Im Warenhaus ist der Käufer eher passiv. Die erhobenen Ansprüche der Verkäuferseite erkennt er dort auch an dem Wertattribut, das die Verkäuferseite dem Wertobjekt recht fest zuordnet. - Dem Verkäufer kann die Gegenleistung des Käufers zu niedrig, angemessen oder höher als erwartet erscheinen. Erscheint ihm die Gegenleistung zu niedrig, wird er versuchen zu verhandeln, jedenfalls auf dem Basar. Im Warenhaus würde er dem Kunden gegenüber äußern: „Das Geld reicht noch nicht.“ 97 zu thEsE 5: - Dieses Äquivalent zum Wertobjekt, das beim Geld ein Anrecht auf Wertobjekte widerspiegelt und das die Käuferseite ihr Eigen nennt, wird üblicherweise durch den Verkauf von Arbeitskraft erworben. - Sollte der potenzielle Käufer die Gegenleistung als reales Wertobjekt anbieten, dann kann in dem betreffenden Wertverhältnis nicht mehr zwischen Käufer und Verkäufer unterschieden werden. Es stünden sich dann zwei Verkäufer gegenüber. Ökonomisch betrachtet wäre das fast die gleiche Situation wie bei einem Tausch von Wertobjekt gegen Geld. Nur wäre dann im Normalfall auf beiden Seiten das Wertattribut des Wertobjektes nicht durch die Gesellschaft in der Breite akzeptiert wie beim Geld. So würden die Wertgrößen der Wertattribute auf beiden Seiten des Wertverhältnisses ausgehandelt. Beim Geld ist im Normalfall die Werthöhe durch den Aufdruck der nominellen Wertgröße bereits festgelegt. Weiterhin kann man Unterschiede in den hier verwendeten Formulierungen finden. Das betrifft die Ausdrücke „Anspruch“ und „Anrecht“. Beim Tausch Wertobjekt gegen Wertobjekt wird auf beiden Seiten ein Anspruch wirksam. Wird Geld als Gegenleistung geboten, erscheint dies im Normalfall als Anrecht. Geld - Das Anrecht der Käuferseite auf Wertobjekte in bestimmtem Umfang wird üblicherweise in Form einer als Äquivalent angesehenen Geldmenge gesehen. Es wird als Wertattribut mit einer entsprechenden Geldmenge als Wertgröße verbunden. Da das Geld selbst praktisch keinen Wert hat, kann es als „Stellvertreter-Wertobjekt“ gesehen werden. Der Herausgeber des Geldes sichert für eine bestimmte Geldmenge die Umtauschmöglichkeit gegen reale Wertobjekte zu. Diese Zusicherung ist nicht eingebaut im Geld, sondern wird, als Bestandteil des Wertattributs, mit dem Geld verknüpft. Ganz deutlich zeigte sich das, als 1971 die Goldbindung des Dollars aufgehoben wurde. - Das gesellschaftlich allgemein anerkannte Wertattribut, das mit einer bestimmten Geldmenge verbunden wird, ist nicht direkt mit einem „Wertobjekt“ verknüpft, da Geld im Normalfall kein Wertobjekt darstellt. Vielmehr stellt das Wertattribut des Geldes einen Link zu Wertobjekten dar. Dass dieser Link „Wertattribut zu Wertobjekt“ funktioniert, wird von dem Herausgeber des Geldes gesichert. Dieser Link ist nicht fest in das Geld integriert. In Krisenzeiten oder bei schleichender Geldentwertung kann das schmerzhaft deutlich werden. 98 Lippert Tausch von Wertobjekt und Wertäquivalent - Nur der ökonomisch relevante Wert in einem Wertverhältnis wird auf der gesellschaftlichen Ebene als Wert anerkannt. Das geschieht durch Abgabe einer Gegenleistung oder, anders formuliert, durch Abgabe eines Wertäquivalents zum Erwerb des Wertobjektes. - Daraus folgt, dass Wert und Wertäquivalent gleich groß sein müssen. Bei Ungleichheit würde a) entweder ein „Wert an sich“ existieren ohne Anerkennung auf der gesellschaftlichen Ebene oder b) es würde eine „wertäquivalente Anerkennung“ für einen nicht real existierenden Wert geben. In beiden Fällen wäre der Wert ein ideeller Wert, da er keine Entsprechung auf der anderen Seite der gesellschaftlichen Ebene hätte. Solch ein Wert wäre kein gesellschaftliches Verhältnis, da er mangels Anerkennung nur einseitig existieren würde. Wert – objektiv basiert und individuell beeinflusst - Da ein potenzieller Käufer sich zum Kauf entschließen kann oder dazu, ein bestimmtes Wertobjekt nicht zu kaufen, kann formuliert werden, dass der Wert auf objektiven Fakten basiert, aber zusätzlich individuell beeinflusst ist. - Es wirken Bewusstseinsprozesse bei der Wertbildung mit – für ein gesellschaftliches Verhältnis dürften diese sowohl notwendig und unvermeidbar als auch Voraussetzung sein. Wert kann nicht exakt errechnet werden – Wert wird ausgehandelt - Wertgrößen von Wertobjekten und Gegenleistungen können aufgrund der unzähligen Einflussparameter und vor allem dadurch, dass Bewusstseinsprozesse an der Wertbildung beteiligt sind, nicht exakt berechnet werden. - Was sehr genau berechnet werden kann, sind die Erwartungswerte und die erwarteten Mehrwerte für produzierte Güter: Die Werte der Arbeitskräfte, die an der Bereitstellung (einschließlich Erstellung) solcher Güter Anteil haben, sowie deren Zeitanteile an der Bereitstellung sind recht genau bekannt. - Bei Naturgütern, die aufgrund von Eigentumsverhältnissen dem Austausch unterliegen, werden sicherlich in vielen Fällen „historisch herausgebildete“ Wertgrößen als Basiswerte benutzt, die dann aber „individuell angepasst“ werden. Die Gewinnungskosten müssen ohnehin immer aktuell in die Wertgrößen solcher Naturgüter einfließen. - Genauer lassen sich die Steuern berechnen, die als politisch und sozial begründeter Anspruch des Staates in die Wertberechnung einbezogen werden müssen. - Bevor die Tauschpartner Wertobjekt und Wertäquivalent tauschen, werden sie versuchen, den Anspruch bzw. das Anrecht der Gegenseite an die eigenen Vorstellungen anzupassen. - Der Wert wird in vielen Fällen ausgehandelt. Beim Verhandeln werden die potenziellen Wertgrößen der Wertattribute von Wertobjekt und Wertäquivalent einander angeglichen. 99 zu thEsE 5: - Zum Zeitpunkt des Tausches wurden bereits die Wertattribute von Wertobjekt und Wertäquivalent durch die Tauschpartner auf die gleiche Wertgröße gebracht. - Wertgrößen sind Elemente von Wertverhältnissen und damit dynamisch. Bei Elementen von gesellschaftlichen Verhältnissen kann das gar nicht anders sein, denn gesellschaftliche Verhältnisse sind an Bewusstseinsprozesse gebunden und die sind nun mal dynamisch. Bei langfristigen, gut durchdachten Wertbeziehungen wird der dynamische Anteil gewollt durch statische Vorgaben in den Hintergrund gedrängt. Das ist typisch für langfristige Verträge. Bei kurzfristigen Kaufaktionen haben üblicherweise die dynamischen Elemente größere Anteile an den Wertbeziehungen. Wert – Vorschlag einer Kurzform der Definition Wert ist ein gesellschaftliches Verhältnis zwischen Tauschpartnern, das mit dem Ziel aufgebaut wird, nicht frei verfügbare Objekte, Aktivitäten und Ideen als Wertobjekte quantifizierbar auf Äquivalenzbasis zu tauschen. Ziel des Tauschens ist größtmöglicher Nutzen für beide Tauschpartner durch die eingetauschten Wertobjekte. Die Wertverhältnisse wurden im Rahmen der Entwicklung der menschlichen Gesellschaft notwendig herausgebildet, um Verteilungsgerechtigkeit zu bewirken und Ressourcenvergeudung entgegenzuwirken. Die Wertgröße eines Wertobjektes bestimmt den Umfang der für den Tausch notwendigen Gegenleistung. Eine solche Wertgröße basiert im Wesentlichen auf den Werten der Arbeitskräfte, die an der Bereitstellung des Wertobjektes Anteil haben und umfasst ebenfalls den Mehrwert, der aus dem Verkaufserlös gewonnen und nicht für die Bezahlung der Arbeitskräfte benötigt wird. Wertgrößen von Wertobjekten können auch politisch begründet sein, insbesondere wenn sie auf Eigentum an Naturgütern basieren. Existenzmittelumfang – detailliertere Betrachtung Ein Beispiel: Ein selbständiger Handwerker stellt ein Holzschränkchen in 8 Stunden her. Er veranschlagt dafür einen Stundenlohn von €  50, um Gesamteinnahmen von € 400 an einem Tag zu erzielen. Doch diese Einnahmen wird er nur haben, wenn er sein Schränkchen für den erwarteten Wert von € 400 verkaufen kann. Wie kommt der Wert zustande? Der Handwerker wird den Wert seiner Arbeitskraft, den er für realistisch für den Verkaufserfolg einschätzt, als Grundlage nehmen. Doch an der Herstellung des Schränkchens wirken mehr Menschen mit als nur er selbst: Er hat Arbeitsräume gemietet, er nutzt elektrischen Strom für die Beleuchtung, für Maschinen, die Telefonanlage, seinen Computer, er benötigt Verbrauchsstoffe, Werkzeuge, Software, Aus- und Weiterbildung usw. Dafür muss er Äquivalente abgeben. Des Weiteren muss er Steuern zahlen für die Sicherheit, die ihm Polizei usw. in gewissem Maße gewährleisten, für den Brandschutz, den die Feuerwehr bietet, für die Ausbildung seiner und anderer Kinder usw. Der Existenzmittelumfang ist demnach recht umfassend zu sehen. Es fließen sehr viele Größen in den Existenzmittelumfang ein und damit in die Preisberechnung des Produkts. All diese Elemente gehen damit ebenfalls ein in die Kostenrechnung für das 100 Lippert kleine Schränkchen, d. h. in den gesamten Existenzmittelumfang, den der Produzent und Verkäufer des Schränkchens vom Käufer ersetzt bekommen möchte. Doch er will sicherlich mit dem Verkauf des Schränkchens nicht nur ersetzt bekommen, was er für diesen Zeitraum anteilig ausgegeben hat. Er möchte auch Gewinn19 machen. Um mit den € 400 Gewinn zu machen, muss er so gut arbeiten, dass er alle notwendigen Ausgaben in 5 Stunden erarbeitet hat. Dann kann er in den verbleibenden 3 Stunden für den Gewinn arbeiten. Alternativ könnte er versuchen, sein Schränkchen so originell zu gestalten, dass die Arbeitszeit von 5 Stunden reicht, das Schränkchen so zu verkaufen, als hätte er 8 Stunden daran gearbeitet. Um seine Selbständigkeit zu erhalten, muss er ersetzt bekommen, was er ausgegeben hat. Wenn er sich und seiner Familie ein gutes Leben und eine Zukunft bieten will, braucht er den Gewinn. Viel Toleranz beim Aushandeln des Preises seiner Wertobjekte hat er nicht. Toleranz gibt es praktisch nur in dem Bereich, in dem der Handwerker von sehr gut bis gerade noch akzeptabel als Selbständiger leben kann. Vergegenständlichung und Verknüpfung Nach Marx werden diese Ansprüche auf Existenzmittel durch gesellschaftlich nützliche Arbeit in Waren vergegenständlicht. Nach der hier dargelegten Auffassung können diese Ansprüche nicht mittels Vergegenständlichung in Waren hineingebracht werden. Vielmehr werden diese Ansprüche mittels Bewusstsein an die Wertobjekte geknüpft. Auch wenn über das Bewusstsein individuelle Einflussgrößen auf die Bestimmung der Wertgröße einwirken, so wird diese doch hauptsächlich von objektiven Gegebenheiten bedingt. Die individuellen Widerspiegelungen sind sekundär und setzen die objektiv existierenden Objekte, Prozesse, Ideen usw. voraus: Ein Motorrad, das nur virtuell im Gehirn eines Tauschpartners gestaltet wird, kann üblicherweise nicht in einem gesellschaftlich wirksamen Wertverhältnis gegen ein Wertäquivalent getauscht werden. Ausgetauscht werden nur die außerhalb des Bewusstseins (wenigstens außerhalb des Bewusstseins eines Tauschpartners) existierenden Objekte, Vorgänge (Konzertaufführungen usw.) und Ideen (Bücher usw.). Diese Objekte, Vorgänge und Ideen müssen im Normalfall real existieren, sodass realistische Ansprüche auf Gegenleistungen damit verknüpft werden können. Auf Stofflichkeit, d. h. auf Vergegenständlichung kommt es dabei nicht an. Das Bewusstsein kann Ansprüche auf Gegenleistungen ebenso mit Vorgängen und Ideen verknüpfen. Wichtig ist, dass diese nicht anders als durch Tausch angeeignet werden können, und dazu gehören Nützlichkeit und die Kopplung an Verknappung und Eigentum. 19 Gewinn Würde der Handwerker in einem Unternehmen angestellt sein, dann würde er nach der Erarbeitung seiner Existenzmittel einen Mehrwert für das Unternehmen erarbeiten. Bei einem Selbständigen entspricht diese Mehrarbeit einem Gewinn. 101 zu thEsE 5: Mehrwert und Ausbeutung des Menschen durch den Menschen Der Begriff „Mehrwert“ wurde schon mehrfach in dieser Arbeit genutzt. Er ist von zentraler Bedeutung im Werk von Marx. Deswegen soll an dieser Stelle etwas ausführlicher auf den Mehrwert eingegangen werden. Dass Marx das Prinzip der kapitalistischen Ausbeutung aufdeckte, ist sicherlich eine seiner bedeutendsten Leistungen: Der Kapitalist (hier soll es beim Begriff aus dem Kapital bleiben) kauft die Arbeitskraft, die mit einer bestimmten Arbeitszeit das an Werten hervorbringt, wofür der Kapitalist sie bezahlt. Doch die Arbeitskraft kann damit ihre Arbeit nicht als abgeschlossen ansehen. Sie muss länger arbeiten und mit dieser zusätzlichen Arbeitszeit einen Mehrwert schaffen, den sich der Kapitalist aneignet [16]. Davon muss der Kapitalist weitere Investitionen tätigen und davon wird er auch sich selbst, d. h. seine eigene Arbeitskraft, bezahlen. In der heutigen Zeit sollte die Nutzung der Ergebnisse der Mehrarbeit differenzierter gesehen werden als zu Marx‘ Zeit. Nach den Ausführungen in diesem Buch verrichtet auch der Kapitalist / Unternehmer wertbildende Arbeit, und das oft in großem Maße. Damit steht ihm von dem, was das gesamte Unternehmen an „Werten“ verkaufen kann, ein bestimmter Anteil zu. Um diesen Anteil muss die Wertgröße des Unternehmensgewinns verringert werden, um zu dem real erzielten Gewinn zu gelangen. Ein riesiges Problem ist es allerdings, diesen Anteil gerecht zu beziffern. Der Kapitalist kümmert sich um die Stabilität und den Ausbau des Unternehmens, um die Rechtssicherheit, die Standorte und ihre Gefährdungen, die Abwendung feindlicher Übernahmen usw. Der Wert dieser Arbeiten kann nicht aus Tabellen o. ä. entnommen werden. Es gibt keine Vorlagen, in denen festgehalten ist, welche Anrechte auf Existenzmittel er damit erarbeitet. In vielen Fällen muss der Unternehmer sogar besonders pfiffig sein, um mit seinem Unternehmen auf dem Markt bestehen zu können. Das sieht bei einem Elektriker, der einen Sicherungskasten mit 20 Sicherungen anzuschließen hat, anders aus. Die Anrechte auf Existenzmittel beim Kapitalisten können nicht auf einfache Art festgelegt oder errechnet werden. Eine Möglichkeit, das zu bewerkstelligen, wäre, die gesellschaftliche Akzeptanz von Großeinkommen als Bezugspunkt zu wählen. Alles, was über den gesellschaftlich akzeptierten Umfang hinausgeht, könnte als Ausbeutung angesehen werden. Doch wie soll eine gesellschaftliche Akzeptanz von Großeinkommen ermittelt werden? Wirken bei einer auf solche Art ermittelten Wertgröße Faktoren wie Neid? Oder gibt es bessere Wege zu erkennen, ab welchen Geldsummen – prozentual auf den Unternehmensumsatz und -gewinn gesehen – von Ausbeutung gesprochen werden kann? Können die „Unternehmer der Welt“ selber solche Größen, bezogen auf Verantwortungsbereiche, festlegen, die von der Mehrheit der Bevölkerung akzeptiert werden? Wahrscheinlich kann das Auseinanderdriften der Einkommen von Unternehmern und von den Beschäftigten dieser Unternehmen einen Anhaltspunkt für eine gerechtere Einschätzung von Ausbeutung liefern. Selbst wenn allgemein anerkannte Auffassungen zur Akzeptanz großer Einkommen und zur Definition von Ausbeutung erarbeitet werden könnten, wäre noch lange nicht gesagt, wie die Menschen damit umgehen würden. Insbesondere der Umgang mit Ungerechtigkeiten, die sie in solchen postulierten Festlegungen erkennen könnten, oder 102 Lippert die Maßnahmen, die getroffen werden sollten, wenn einige Unternehmer sich nicht an solche Regeln halten würden, blieben völlig offene Problemfelder. Dazu sind sicherlich viele Überlegungen und Auseinandersetzungen notwendig, die den Rahmen dieser Arbeit sprengen würden. Lebenszyklus des Wertes als gesellschaftliches Verhältnis – ein möglicher Ablauf Zurück zum gesellschaftlichen Verhältnis Wert. An dieser Stelle soll ein Blick auf den Lebenszyklus eines gesellschaftlichen Verhältnisses Wert geworfen werden – vom Aufbau bis zum Abbau (Bild 5.1 bis 5.6). 1 Die Ausgangssituation vor dem Aufbau eines gesellschaftlichen Wertverhältnisses • Betrachtet werden die sich gegenüberstehenden potenziellen Käufer und Verkäufer. • Ein potenzieller Käufer empfing Lohn als Entgelt für den Verkauf seiner Arbeitskraft. • Ein potenzieller Verkäufer hat die Verfügungsgewalt über potenzielle Wertobjekte, die er sich in Form seines direkten oder indirekten Eigentums angeeignet oder zugeordnet hat oder die ihm zugeordnet wurden. Diese potenziellen Wertobjekte hat sich der Verkäufer nicht für den eigenen Bedarf, sondern nur deswegen angeeignet, sich zugeordnet oder Ähnliches, weil er sie gegen für ihn Wichtigeres tauschen möchte. 2 Bedürfnisse vor dem Aufbau des gesellschaftlichen Verhältnisses Wert (Bild 5.1) Diverse Bedürfnisse nach Entspannung, Abenteuer, Reisen, Genussmitteln, Musik usw. drängen auf Erfüllung. Diese Situation kann als Dauerzustand bei den meisten Menschen gesehen werden. Die möglichen Arten, diesen Wünschen nachzukommen, verbindet das menschliche Bewusstsein fast immer mit konkreten Objekten, Abläufen und Ideen. Das Bewusstsein animiert damit zur Suche nach Möglichkeiten, diesen Wünschen nachzukommen, indem es seine Träger dazu verleitet, nach passenden Objekten, Abläufen und Ideen zu suchen. In vielen Fällen werden die Möglichkeiten zur Erfüllung der Bedürfnisse im Ereignisfeld nicht frei verfügbar sein. In solchen Fällen handelt es sich bei diesen Objekten, Abläufen und Ideen um Wertobjekte. An diese gelangen die Interessenten nur, indem sie dafür Wertäquivalente im Tausch abgeben. 3 Wichten der Bedürfnisse (Bild 5.2) Die Bedürfnisse sind bei den Menschen normalerweise größer und umfangreicher als die Ressourcen, diesen nachzukommen. Folglich können die Menschen sich nicht alle Wünsche erfüllen und sie müssen demnach ihre Bedürfnisse wichten. 4 Herbeiführen von Entscheidungen Die gewichteten Bedürfnisse drängen auf Aneignung der auserkorenen Wertobjekte. • Die Wichtungen ermöglichen es einem (zunächst potenziellen) Käufer, die erfassten Wertobjekte aufzulisten nach der Bedeutung für die gesetzten Ziele, nach der ökonomisch begründeten Möglichkeit, diese zu erwerben (Preise), nach der Wahrscheinlichkeit, wie die Nutzungsversprechen der Anbieter mit der Realität übereinstimmen usw. 103 zu thEsE 5: • Es folgt ein gedankliches Durchspielen der jeweiligen Situation nach Erhalt der Wertobjekte. Diese unterschiedlichen Erwartungssituationen werden miteinander verglichen. • Ziel all der Vergleichsoperationen ist, den optimalen Weg auszuloten, um den instabilen Zustand „Bedürfnis nicht erfüllt“ in den stabilen Zustand „Bedürfnis erfüllt“ zu überführen. • Nach den verschiedenen Vergleichsoperationen, die mit den potenziellen Wertobjekten durchgeführt wurden, werden von den potenziellen Wertobjekten einige besonders interessante hervorgehoben. Statt von gewichteten Bedürfnissen kann in diesen Fällen von gewichteten Beziehungsstärken zu den selektierten Wertobjekten gesprochen werden (Bild 5.3). 5 Favorisieren eines potenziellen Wertobjekts (Bild 5.4) Eine dieser gewichteten Beziehungsstärken wird herauskristallisiert, weil das Bewusstsein sich davon eine optimale Zufriedenstellung verspricht. In dem Beispiel ist das der Komplett-PC. Der (potenzielle) Käufer äußert seinen Wunsch gegenüber dem Anbieter. Der Anbieter des gewünschten Wertobjektes wird das dafür angebotene Wertäquivalent prüfen. Er wird eine gewichtete Beziehungsstärke zu dem angebotenen Wertäquivalent herausbilden. 6 Aushandeln des Wertes (Bild 5.4) • Die gewichteten Beziehungsstärken zu Wertobjekt und Wertäquivalent können als Vektoren dargestellt werden. Die Beträge der Vektoren sind zum einen der Wertbetrag des mit dem Wertobjekt und zum anderen der Wertbetrag des mit der Gegenleistung verknüpften Wertattributes. • Vor dem Tausch sind diese Wertbeträge „vorläufige“ Wertbeträge. Sie korrespondieren mit den gewichteten Beziehungsstärken, welche die Käufer zu den möglichen Zielobjekten hin erst einmal entwickeln. In den Fällen, in denen die Verkäufer bereits in die Tauschvorbereitung einbezogen werden (Vorabsprache), können die Wertbeträge der gewichteten Beziehungsstärken der Käufer zu den gewünschten Wertobjekten durchaus mit den gewichteten Beziehungsstärken der Verkäufer zu den dafür gebotenen Wertäquivalenten korrespondieren, werden aber noch nicht mit ihnen übereinstimmen. • Der (potenzielle) Käufer verknüpft den „Ausgangsanspruch“ des Verkäufers mit dessen Wertobjekt. In der Praxis erfasst er den Preis des Wertobjektes und prüft, ob dieser für ihn akzeptabel ist, ob er eventuell verhandeln könnte und sollte oder ob der Preis so hoch liegt, dass von vornherein klar ist, dass er dieses potenzielle Wertobjekt auf keinen Fall kaufen würde. • Der (potenzielle) Verkäufer erfasst die vom (potenziellen) Käufer angebotene Gegenleistung. Fast immer bietet der Käufer Geld. Dieses angebotene Geld wird der Verkäufer als zu übernehmendes „Ausgangsanrecht“ des Käufers auf Wertobjekte sehen (erstes Angebot einer Gegenleistung des Käufers in Form eines Geldbetrags in bestimmter Höhe). Die gebotene Gegenleistung wird er einschätzen auf „zu niedrig, aber verhandelbar“ oder „akzeptabel“. Ebenso könnte der Verkäufer die Gegenleistung als „extrem zu niedrig“ einschätzen, so dass ein Aushandeln der Wertgröße der Gegenleistung nicht sinnvoll erscheinen würde und das potenzielle Wertobjekt in seinem Eigentum verbleiben sollte. 104 Lippert • Ist die gewichtete Beziehungsstärke der potenziellen Käuferseite zum Wertobjekt hin kleiner als die Beziehungsstärke der potenziellen Verkäuferseite zu diesem, bedeutet das, dass der mit dem Wertobjekt verknüpfte Anspruch auf Existenzmittel als zu umfangreich für einen Tausch angesehen wird. Damit wirkt der Drang, das betreffende Wertobjekt einzutauschen, auf der potenziellen Käuferseite möglicherweise nicht stark genug für die Realisierung. Je nach Situation wird der potenzielle Käufer versuchen, den Erwartungswert der Verkäuferseite herunterzuhandeln. • In einem Warenhaus wird sehr einseitig „ausgehandelt“: Der potenzielle Käufer sieht den Preis und entscheidet für sich: „Kaufen oder Nicht-Kaufen“. Es gibt zwar Ausnahmen, bei denen gehandelt wird; Käufer und Verkäufer wirken in solch einer Umgebung im Normalfall aber eher passiv in Bezug auf „Aushandeln“. • Sowohl im Warenhaus als auch auf dem Basar wird die noch nicht endgültig festgelegte Beziehungsstärke zum Wertobjekt gewertet als gerechtfertigt und für einen Tausch akzeptiert oder als gerechtfertigt, aber nicht für den Tausch akzeptiert oder als nicht gerechtfertigt, aber für den Tausch, der unbedingt notwendig erscheint, als „notwendiges Übel“ akzeptiert oder als weder gerechtfertigt noch als für den Tausch akzeptiert. • Auf dem Basar wird der Käufer versuchen, das Angebot des Verkäufers in seinem Sinne zu verbessern, indem er mit diesem verhandelt. Irgendwann wird der Verkäufer aber einen „endgültigen“ Wertbetrag mit seinem Wertobjekt verknüpfen. Der (immer noch potenzielle) Käufer kann diesen akzeptieren oder der Tausch wird nicht zustande kommen. • Im Warenhaus muss der potenzielle Käufer die Entscheidung fällen, ob er das mit dem Wertobjekt verknüpfte Wertattribut, den Anspruch der Verkäuferseite auf Existenzmittel plus Mehrwert, akzeptiert oder nicht. • Wenn im Warenhaus der Käufer mit „ich akzeptiere“ entscheidet oder im Falle des Basars Käufer und Verkäufer eine Übereinstimmung finden, dann wird das gesellschaftliche Verhältnis Wert von der Möglichkeitsform in die Realität umgesetzt. • Mit der Einigung auf die gemeinsame Wertgröße passen beide Tauschpartner ihre jeweilige ideelle Wertvorstellung einander an. • Käufer und Verkäufer haben sich auf eine Wertgröße geeinigt. • Damit akzeptieren Käufer und Verkäufer die Wertattribute von Wertobjekt und Wertäquivalent als gleichwertig. • Die Wertbeträge der Beziehungsstärken wurden von Käufer und Verkäufer einander angeglichen auf die Wertgröße des „öffentlichen Wertes“. Mit diesem wirksamen Wert verlassen beide die ideellen Bereiche ihrer Bewusstseinsprozesse. Dieser Wert wird für die Gesellschaft objektiv präsentiert. • In einigen Fällen wird der Verkäufer noch prüfen, ob das Wertattribut, das vom Käufer zugesagt wurde, auch wirklich in der angegebenen Höhe mit dem Geld verbunden ist (Wechselkurs; Prüfen des Geldes auf Echtheit mittels UV-Licht-Prüfeinrichtung). 105 zu thEsE 5: 7 Erwerb des Wertobjekts – der Wert wird als gesellschaftliches Verhältnis realisiert und wirksam (Bild 5.5) • Das gesellschaftliche Verhältnis Wert wird in die Realität umgesetzt: Die gewichteten Beziehungsstärken vom Käufer zum Wertobjekt und vom Verkäufer zum Wertäquivalent waren die Triebkraft zur Herausbildung der Wertbeziehung. • Für den Tausch können diese Beziehungsstärken aber nicht direkt genutzt werden, da Wertobjekt und Wertäquivalent, gesellschaftlich betrachtet, jeweils eine Zuordnung als Eigentum haben. • Folglich müssen die Kräfte, die zu Wertobjekt und Wertäquivalent aufgebaut wurden, aus dem ideellen Bereich heraus umgelenkt werden auf die gesellschaftliche Ebene – je zum Gegenüber hin. Das muss geschehen, denn Eigentum ist eine gesellschaftliche Größe, die nur(!) auf der gesellschaftlichen Ebene existiert und mit der nur dort agiert werden kann. • Die Kräfte der Beziehungsstärken müssen auf der gesellschaftlichen Ebene das Wertobjekt aus dem Eigentum des Verkäufers und das Wertäquivalent aus dem Eigentum des Käufers herauslösen. Dazu müssen die jeweiligen Bindungskräfte überwunden werden. • Die Bindungskräfte an das jeweilige Eigentum haben zum Tauschzeitpunkt die gleichen Wertbeträge wie die Beziehungsstärken zu Wertobjekt und Wertäquivalent. Dass die Bindungen von Wertobjekt und Wertäquivalent mit wertgleichen Beziehungsstärken überwunden werden, kann nicht auf der ökonomischen Ebene erklärt werden. Dieser Vorgang lässt sich nur mit den Nutzenbetrachtungen von Käufer und Verkäufer erklären. • Die gewichteten Beziehungsstärken, die zu Wertobjekt und Wertäquivalent wirken, müssen auf die gesellschaftliche Ebene transferiert werden, denn es erfolgt kein Tausch Nützlichkeit gegen Nützlichkeit, sondern ein Tausch Eigentum gegen Eigentum. Die Kräfte, welche den Tausch bewirken, werden hier als Wirkungsvektoren bezeichnet. Sie sind von gleicher Wertbetragsgröße wie die gewichteten Beziehungsstärken, wirken aber nicht auf eine konkrete Nützlichkeit, sondern auf Eigentum. Ihre Angriffspunkte sind nicht Wertobjekt und Wert- äquivalent in ihren konkreten Formen, sondern Wertobjekt und Wertäquivalent in Form von Eigentum20 in Verbindung mit dem jeweiligen Eigentümer. • Über diese Wirkungsvektoren erfolgt der Austausch von Wertobjekt und Wertäquivalent, denn diese überwinden auf der gesellschaftlichen Ebene die Bindungskräfte an das Eigentum (Eigentum und Eigentumsbindung als gesellschaftliche Elemente). 8 Beenden des gesellschaftlichen Verhältnisses Wert (Bild 5.6) • Mit dem Austausch der Wertobjekte werden die gegenübergestellten und gleich großen Wirkungsvektoren des Wertverhältnisses gegenseitig aufgehoben. Ihre Aufgabe ist nach dem Austausch erfüllt. 20 Eigentum Je nach den gegebenen gesellschaftlichen Bedingungen in verschiedenen Ländern kann Geld Eigentum darstellen, oder der „Geldbesitzer“ hat nur die Verfügungsgewalt über das Geld und das Geld bleibt Eigentum des Herausgebers. Beides wird hier als qualitativ gleichwertig gesehen. 106 Lippert • Nach dem Austausch der Wertobjekte wird das gesellschaftliche Verhältnis Wert aufgehoben. • Die ausgetauschten Wertobjekte verlieren mit dem Tausch ihre Eigenschaften, Wertobjekte zu sein. Sie verbleiben als bloße Objekte im Eigentum der Tauschpartner. Die Wertattribute, die vor dem Tausch für den Tausch bedeutsam waren, verschwinden. • Die ausgetauschten ehemaligen Wertobjekte können erneut als potenzielle Wertobjekte auf dem Markt auftauchen, wenn sie hinreichend gute Eigenschaften aufweisen und wenn sie für potenzielle Käufer wieder sichtbar gemacht werden. Ein Objekt in stofflicher Form könnte ein weiteres Mal auf dem Markt angeboten werden – über Internethandel, in Second-Hand-Läden usw. Bei einer Kulturveranstaltung könnte das, in abgewandelter Form, über eine Videoaufzeichnung funktionieren. • Ein Äquivalent in Geldform würde für weitere ökonomische Tauschprozesse sofort sichtbar und nutzbar werden, wenn dessen Empfänger es für Einkäufe oder andere ökonomisch relevante Prozesse bereitstellen würde. Es würde nicht sofort wirksam werden können, wenn der Empfänger des Geldes im Interesse einer Organisation etc. agiert, z. B. ein Verkäufer in einem Kaufhaus. • In gesellschaftlich instabilen Zeiten könnte offenbart werden, was die scheinbar „eingebaute Sicherheit“ beim Geld als Wertobjekt-Stellvertreter wirklich wert ist: Das Wertattribut des Geldes ist nur ein Versprechen auf Wertobjekte. Dieses Versprechen wird nicht durch das Geld selbst, sondern durch die Herausgeber des Geldes, durch Banken, z. B. die EZB, gesichert. • Erfahrungsgemäß verbleibt nach dem Tausch auf beiden Seiten des ehemaligen Wertverhältnisses zum eingetauschten Wertobjekt (oder dessen Stellvertreter) eine Bindungsenergie (Dieser Begriff wird nachfolgend genauer erläutert). Die Stärke der Bindungsenergie wird im Allgemeinen auf die Höhe des Wertes beim Tausch bezogen. Ob diese Bindungsenergie für die ökonomischen Prozesse in der Gesellschaft relevant wird, hängt von weiteren Faktoren ab (Wiederverkauf, Beschädigung oder Diebstahl des Objekts, für die eine Versicherung aufkommt, usw.). So weit zu den Kernpunkten eines Tauschablaufs. An dieser Stelle soll auf den Begriff „Bindungsenergie“ eingegangen werden: Ein Objekt, ein Prozess, eine Idee im Eigentum / in der Verfügungsgewalt wird einem Tauschpartner übergeben, wenn dieser dafür ein Wertäquivalent abgibt. Der Tausch erfolgt, weil für das Zielwertobjekt ein starkes Interesse vorhanden ist. Nach dem Tausch ist der neue Eigentümer stark am weiteren Verbleib dieses ehemaligen Wertobjektes im Eigentum interessiert. Er baut eine Bindungsenergie zu diesem Objekt auf. Andere Formen der Überführung von Objekten usw. in das Eigentum wären Eigenproduktion, Erbschaft usw. Auch in solchen Situationen besteht im Allgemeinen eine Bindungsenergie zu diesen Wert- und anderen Objekten. Soll im Rahmen eines Wertverhältnisses ein Wertobjekt abgegeben werden, dann ist von der Empfängerseite eine Trennungsenergie aufzubringen, die größer ist als die 107 zu thEsE 5: beim Eigentümer des Wertobjektes wirkende Bindungsenergie, um den Eigentümer zur Abgabe zu bewegen. Die Bindungsenergie basiert auf den beiden Momenten: 1. Das Wertobjekt im Eigentum unterliegt der Verknappung. Es ist somit in geringerem Umfang vorhanden als die darauf gerichteten Bedürfnisse oder / und zur Bereitstellung wurden knappe Ressourcen, insbesondere bezahlte menschliche Arbeitskraft eingesetzt. Das Eigentum wird deswegen als solches „festgehalten“. 2. Zur individuellen und gesellschaftlichen Entwicklung ist die Bedürfnisbefriedigung unerlässlich. Die (potenziellen) Wertobjekte im Eigentum werden benötigt, um die Eigentümerseite auf gesellschaftlicher Ebene zu stabilisieren und eine Entwicklung zu ermöglichen. Ob die angepeilten Objekte usw. zum Eigenbedarf oder nur zum Verkauf benötigt werden, spielt dafür keine Rolle. Da zur Wiederbeschaffung eine Gegenleistung erbracht werden muss, erscheint es in den betreffenden Fällen als effektiv, solche Güter erst einmal im Eigentum zu belassen. Es können weitere Gründe für die Bindung an Wertobjekte hinzukommen, wie Tradition, persönliche Beziehung zu dem Objekt oder zum Umfeld des Objektes, Empfinden einer Verpflichtung usw. Wert, Bewusstsein und Objektivität Eine Besonderheit des Wertes liegt darin begründet, dass der Wert zwei Widerspiegelungen benötigt – im Bewusstsein der beiden Tauschpartner. Auf diese Weise ist er verknüpft mit den Möglichkeiten, aber ebenso mit den Grenzen des gesellschaftlichen Umfeldes sowie mit denen des menschlichen Bewusstseins. Der Wert ist damit objektiv gegeben, da er über ein Bewusstsein hinausgeht. Er besitzt aber zusätzlich subjektive Momente. Ein Wert als gesellschaftliches Verhältnis ohne subjektive Momente ist nicht vorstellbar, denn die Gesellschaft besteht aus vielen menschlichen Individuen und nicht aus Maschinen oder aus Lebewesen ohne Bewusstsein. Dazu kommt, dass eine ökonomische Wertbeziehung auf der gesellschaftlichen Ebene wirksam gemacht werden muss. Allein irgendwelche Vorstellungen im Bewusstsein oder Äußerungen, die nur auf ideellen Vorstellungen basieren, reichen dafür nicht aus. Erst die Einigung beider Tauschpartner auf einen Wert für den Tausch ermöglicht, dass das gesellschaftliche Verhältnis Wert auf der gesellschaftlichen Ebene geäußert werden kann, sozusagen als „öffentlicher Wert“. Indem die Tauschpartner über das Wertverhältnis Wertobjekte und Wertäquivalente tauschen, erweitern sie ihre jeweils ideellen Existenzformen des Wertes in ihren Bewusstseinsvorgängen zu einer einzigen objektiv und für die Gesellschaft spürbaren Existenz des Wertes. Wenn das gewichtete Bedürfnis nach z. B. einer Drohne dermaßen stark wirkt, dass zur Überführung dieser in das Eigentum ein Stellvertreter-Wertobjekt als Äquivalent angeboten wird oder sogar direkt Arbeit als Äquivalent verrichtet wird, dann wird damit dieses Bedürfnis aus dem ideellen Bereich herausgehoben und auf die gesellschaftliche Ebene überführt. Dieses Bedürfnis wird außerhalb des als „Bedürfnis-Heimat“ fungierenden Bewusstseins wirksam. Es agiert für die Gesellschaft sichtbar auf der Ebene der Gesellschaft, und zwar im ökonomischen Bereich. Damit ist es keine ideelle und individuelle Angelegenheit mehr. 108 Lippert Wert wird vorrangig bestimmt durch die Gesellschaft Was von Käufer und Verkäufer z. B. an Wertvolumen für den Tausch ausgehandelt wird, kann nicht allein aus den Bewusstseinsinhalten der beiden Tauschpartner erklärt werden. Jeder ökonomische Tauschvorgang ist eingebettet in die Gesellschaft und wird von der Gesellschaft nicht nur mitbestimmt, sondern dominiert. Die individuellen Anteile können im Durchschnitt nicht die ökonomischen Bedingungen ignorieren. Individuelle Anteile werden folglich üblicherweise marginal sein. Die ideell im Bewusstsein hervorgebrachten und gestalteten Wertattribute werden bestimmt durch Objekte, Prozesse und Ideen, die außerhalb des Bewusstseins existieren und von dort „ausstrahlen“. Das Bewusstsein koppelt dabei die Wertattribute so eng an die zu tauschenden Güter, dass diese wie darin eingebettet erscheinen. Diese Wertattribute, welche durch die Bewusstseinsprozesse der Menschen ausgebildet werden, existieren und wirken als solche nur auf der gesellschaftlichen Ebene, konkret im ökonomischen Bereich der Gesellschaft. Die Prozesse und andere Gegebenheiten, die dabei direkt aus der Gesellschaft auf ein konkretes Wertverhältnis wirken, können nicht losgelöst von all den anderen Prozessen und Gegebenheiten der Gesellschaft gesehen werden. Sie alle sind eingebettet in den gesellschaftlichen Kontext und wirken in der Gesamtheit, und das in Verbindung mit all den ökonomischen Prozessen und anderen ökonomischen Gegebenheiten aller anderen Wirtschaftsräume der Weltwirtschaft. Auch ein Wertverhältnis bezogen auf eine Idee muss objektiv geäußert werden Auch in einem Wertverhältnis, das auf eine Idee bezogen wird, muss wenigstens ein zweites Bewusstsein wirken und gegenüber diesem existiert die Idee objektiv. Für den gesellschaftlich relevanten ökonomischen Austausch muss der Tauschpartner mit der Idee im Angebot sein Tauschziel objektiv äußern. Nur das, was objektiv geäußert wird, kann auf der gesellschaftlichen Ebene wirksam werden. Damit kann ein solches Wertverhältnis keinen rein ideellen Charakter besitzen. Für den ökonomischen Bereich der Gesellschaft sind nur die außerhalb der Bewusstseins inhalte auf der gesellschaftlichen Ebene wirkenden Gegenüberstellungen von Wertobjekten und den entsprechenden Wertäquivalenten in den dazugehörigen Tauschvorgängen relevant. Bei diesen Gegen- überstellungen geht es auf beiden Seiten des gesellschaftlichen Verhältnisses um Eigentum und Wertattribute. Was für diese gesellschaftlichen Vorgänge als Vorbereitung in den Bewusstseinsprozessen abläuft, ist auf der gesellschaftlichen Ebene nicht direkt spürbar, denn dort erscheinen nur die gesellschaftlich relevanten Resultate der gedanklichen Prozesse beider Tauschpartnerseiten. Die Besonderheit bei den Wertobjekten „Ideen“ ist, dass sie immerhin im Bewusstsein einer Person einer Tauschpartnerseite ursächlich und ideell existieren. Gehandelt werden diese Ideen meist in Form von stofflichen oder künstlerisch geäußerten Darbietungen. In solchen Fällen fungiert die materielle Äußerungsform außerhalb des Bewusstseins als Träger der Ideen. Nur solche von den Sinnesorganen Anderer erfassbaren Träger, mit deren Hilfe die Ideen aus den Bewusstseinsprozessen herauskopiert und auf der gesellschaftlichen Ebene fassbar gemacht werden – die bedruckten Seiten eines Buches, CDs, die Choreographie eines Balletts usw. – ermöglichen, diese Ideen dem 109 zu thEsE 5: ökonomischen Austausch zu unterwerfen. Der Träger wird praktisch wohl immer dem Austausch unterliegen, da zu seiner Bereitstellung Arbeit aufgewendet werden muss. Aber der Wert des Wertobjektes umfasst weitaus mehr als eben diesen Träger. Folglich wird beim Handel mit Ideen weitaus mehr gehandelt als nur deren materielle Äußerungsformen. Deutlich sichtbar wird das vor allem bei den Copyrights und Lizenzen. Wert ist individuell beeinflusst Die gesellschaftliche Ebene bestimmt wesentlich mit, was in den ökonomisch relevanten Bewusstseinsprozessen geschieht. Doch das, was vom Umfeld, bezogen auf einen möglichen Austausch, im Bewusstsein generiert wird, wird nicht vollständig von den aktuellen äußeren Umständen festgelegt. Andere Bewusstseinsprozesse wirken darauf ein und beeinflussen das Ergebnis individuell. Dazu zählen die Abbildung der gewünschten Zielfunktion21, die Widerspiegelung der erwarteten Parameter wie Zuverlässigkeit, Handhabung, Wartungsaufwand usw., die Widerspiegelung des Designs oder die Widerspiegelung von Gefährdungsmöglichkeiten. Die Menschen bilden die Wertattribute von Wertobjekten üblicherweise heraus, bevor Wertverhältnisse bezüglich dieser Wertobjekte aufgebaut werden. Die Wertgrößen dieser Wertattribute werden im Rahmen von Wertverhältnissen angepasst je nach den objektiven Gegebenheiten von Wertobjekt und Wertäquivalent sowie den Einflussstärken von Käufer und Verkäufer. Dazu kommen weitere Einflüsse aus der Gesellschaft, aus der Natur und durch vielzählige Bewusstseinsprozesse. Folglich werden auch die Wertverhältnisse durch vielfältige Einflüsse individuell beeinflusst sein. Das betrifft insbesondere die Einschätzung der Wertattribute der Wertobjekte durch die potenziellen Käufer. Dabei wirken insbesondere Einflüsse aus der Gesellschaft wie Machtverhältnisse, Traditionen, Ideologien, Werbung, Medien und Einflüsse durch das persönliche Umfeld. Einflüsse aus der Natur können besonders bei extremen Umweltsituationen gespürt werden. Weitere Einflüsse durch Bewusstseinsprozesse, neben den weiter oben bereits genannten, sind Betrachtungen von Vergleichs- und anderen interessanten Produkten sowie Gefühle, Erfahrungen, religiöse und andere Weltanschauungen, Charaktereigenschaften usw. All diese Einflüsse, die über Bewusstseinsprozesse wirken, gestalten oder „gestalten mit“ die Wertgrößen der Wertattribute und somit die Werte. Die mit den angestrebten Zielwertobjekten verbundenen Wertattribute sehen potenzielle Käufer folglich im Wesentlichen bestimmt durch 1. die vielzähligen, individuell bzw. ideell wirkenden Widerspiegelungen der verschiedenen Eigenschaften der objektiv existierenden potenziellen Wertobjekte und 2. weitere vielfältige, auf diese Widerspiegelungen einwirkende Einflüsse. Die Anerkennung bzw. die Nicht-Anerkennung der Wertattribute der Wertobjekte ist demzufolge abhängig von den objektiv existierenden Wertobjekten, von deren Widerspiegelungen in Bewusstseinsprozessen sowie von weiteren, darauf einwirkenden Einflüssen aus Gesellschaft und Natur. 21 Zielfunktion Die Sicht auf die Zielfunktion von Wertobjekten scheint oft für alle Menschen gleich zu sein. Doch dieser Schein trügt. So kann z. B. eine Fliese für einige Menschen ein Element der Wandgestaltung sein. Andere benutzen sie als feuerfeste Unterlage zum Löten. 110 Lippert Demzufolge können käuferseitige Bewusstseinsvorgänge die von der Verkäuferseite in Form von Wertattributen geforderten Wertbeträge unter Nutzung ideeller und individueller Prozesse beeinflussen, d. h. mitbestimmen. Wert wird objektiv determiniert, objektiv geäußert und individuell beeinflusst Wert wird stets objektiv geäußert. Gesellschaftlich wirksam werden kann er nur in Verbindung mit objektiv fassbaren Elementen. Da der Wert aber ein gesellschaftliches Verhältnis ist, kann er nur vermittelt über das menschliche Bewusstsein wirken. Damit, das wurde gerade dargestellt, wird der Wert zwangsläufig individuell beeinflusst. Eine rein objektive Existenz des Wertes ist nicht möglich, da ein gesellschaftliches Verhältnis, das auf keinerlei Bewusstseinsvorgängen beruht, nicht existieren kann. Ein solches „gesellschaftliches Verhältnis“ würde neben der Gesellschaft bestehen und könnte nicht im Ansatz als gesellschaftliches Verhältnis deklariert werden. Dass der Wert zusammen mit dem Bewusstsein existieren, aber nicht von diesem individuell beeinflusst werden soll, dürfte ebenso nicht plausibel erklärbar sein. Gemäß den obigen Darstellungen basiert der Wert als gesellschaftliches Verhältnis auf objektiven und subjektiven Elementen. Die objektiven Elemente des Wertes sind 1) die außerhalb der Bewusstseinsprozesse existierenden oder zumindest von dort beeinflussend wirkenden Wertobjekte (oder deren Stellvertreter)22, auf welche die gewichteten Beziehungsstärken der Wertbeziehung gerichtet werden, und 2) die Wertattribute, welche über Bewusstseinsprozesse herausgebildet und dann nach außen sichtbar gemacht werden – in Form von Preisen. Diese Preise werden mit den Wertobjekten verknüpft. Sie sind auf der gesellschaftlichen Ebene als „objektive Faktoren“ sichtbar. Die Preise wirken auf der gesellschaftlichen Ebene, und damit wirken sie objektiv. Ein deutliches Zeichen dafür, dass sie auf der gesellschaftlichen Ebene wirken und nicht nur ideell im Bewusstsein, sind die nach erfolgreichen Tauschvorgängen an die Gesellschaft abzuführenden Mehrwertsteuern. Die Preise wirken letztendlich „von außen“, d. h. aus der „objektiven Realität“, zurück auf die Bewusstseinsprozesse. Dort werden sie insbesondere genutzt, um die Wichtungen der Bedürfnisse und Beziehungsstärken festzulegen. 3) der letztendlich ausgehandelte Wert zwischen den Tauschpartnern. 4) weitere Elemente, die hier nicht detailliert betrachtet werden, wie Eigentumsrechte und andere gesetzliche Bestimmungen. Die subjektiven oder ideellen Elemente des Wertes ergeben sich aus den individuell beeinflussten Widerspiegelungen der Wertobjekte in den Bewusstseinsprozessen der Tauschpartner. Diese Widerspiegelungen umfassen die Einschätzungen der für den Erwerb der Wertobjekte zu erbringenden Gegenleistungen, ebenso die zu erwartenden Vorteile durch diese Wertobjekte. Diese Erwartungen können nur mehr oder minder gute Annäherungen an die wirklichen Zustände nach dem Tausch sein. Denn das menschliche 22 … existierenden oder zumindest von dort beeinflussend wirkenden Wertobjekte (oder deren Stellvertreter) Das trifft auf bestimmte Ideen zu. Die existieren im Bewusstsein, können aber zu Wertbeziehungen führen. 111 zu thEsE 5: Bewusstsein kann gerade in der heutigen Zeit nur für wenige Wertobjekte all die relevanten Parameter und Einflussgrößen, welche die spätere praktische Nutzung dieser Wertobjekte beeinflussen werden, mit deren realen Einflussstärken erfassen. Jedes Bewusstsein verarbeitet die objektiv existierenden Objekte und Vorgänge in etwas anderer Art. Bei einem Asketen sieht die Verarbeitung der gleichen Umgebung mit den gleichen Objekten mit Sicherheit ganz anders aus als bei einem mitteleuropäischen Jugendlichen wohlhabender Eltern. So kann man sagen, dass Traditionen, das eigene gesellschaftliche und natürliche Umfeld, Erziehung, Ausbildung, religiöse Glaubensinhalte, aktuelle gesellschaftliche Ereignisse, technologische Entwicklungen, diverse andere Wertobjekte usw. die Herausbildung der Werte und deren Wertgrößen beeinflussen und damit in die Werte eingehen. Warum Austausch auf Äquivalenzbasis? Die Entwicklung von Bedürfnissen nach und Beziehungsstärken zu bestimmten Objekten und anderen Angeboten aus dem Umfeld ist notwendig und gesellschaftlich begründet. Dass diese Bedürfnisse bzw. Beziehungsstärken gewichtet werden müssen, wurde bereits dargelegt. Die Menschen leben in einem Umfeld, in dem Arbeitsergebnisse und einige Naturressourcen aufgrund von Verknappung gegenüber den darauf gerichteten Bedürfnissen ausgetauscht werden müssen. Wichtige Faktoren, die notwendig zu einem Austausch auf Äquivalenzbasis führen müssen, sind folgende: 1. Mit der Arbeitsteilung in der menschlichen Gesellschaft wurde der Austausch von Produkten etabliert. Die Ursache für die Arbeitsteilung war und ist, dass es Einzelnen in einer menschlichen Gesellschaft unmöglich ist, alles selber herzustellen oder zu bewerkstelligen. Dafür sind die Fähigkeiten und Möglichkeiten des Einzelnen zu stark begrenzt: Selbst umfassende Bildung lässt keinen „Doktor Allwissend“ Realität werden, die körperlichen Möglichkeiten, die Arbeits- und die Lebenszeit sind begrenzt. Hinzu kommt eine höhere Effektivität der Herstellungsprozesse im Rahmen der Arbeitsteilung. Die hier aufgeführten und weitere Gründe führen zwangsläufig dazu, dass Arbeitsergebnisse und begrenzte Ausgangsressourcen ausgetauscht werden müssen. Um Arbeitsergebnisse und Ressourcen gerecht auszutauschen, ist es notwendig, Wertäquivalenzen zu ermitteln. 2. Die unterschiedlichen ideellen Widerspiegelungen der umgebenden Realität in den Bewusstseinsprozessen der Individuen sind weitere Gründe für den Austausch. Sie führen zu unterschiedlichen Interessen und Wichtungen, damit zu unterschiedlichen Arbeitsinteressen und -möglichkeiten, zu unterschiedlichem Kaufverhalten bei gleichen objektiv gegebenen Objekten, Abläufen, Ideen und Sachverhalten. Die unterschiedlichen Widerspiegelungen der Realität folgen aus der Komplexität der im Bewusstsein ablaufenden Prozesse, in Verbindung mit aktuellen und vergangenen Umfeldeinflüssen. Unterschiedliche Umgebungsbedingungen und Fähigkeiten führen zu unterschiedlichen Möglichkeiten im Arbeitsleben und damit zu unterschiedlichen Erwerbsmöglichkeiten. Das wiederum bedeutet unterschiedliche An- 112 Lippert teile an der Bereitstellung aller ökonomisch zu verteilenden Wertobjekte. Passend dazu sollte gewährleistet sein, dass die erarbeiteten Anrechte auf Anteile an allen ökonomisch zu verteilenden Wertobjekten mit den (gesellschaftlich anerkannten) Arbeitsleistungen korrespondieren. Dazu ist politische Einflussnahme unabdingbar. Mittels der Wertgrößen der Wertobjekte können wiederum die zur anteiligen Verteilung notwendigen Wertäquivalenzen ermittelt werden. 3. Die unterschiedlichen gesellschaftlichen und natürlichen Umgebungen führen zu unterschiedlichen gesellschaftlichen und natürlichen Ressourcen. Für einen oft nur ansatzweisen Ausgleich sorgt unter anderem der Handel. Dafür werden Wertäquivalente bezüglich der gehandelten Güter benötigt. Diese Auflistung von Faktoren soll hier ausreichen. Zur Minimierung von Instabilitäten und vor allem zur Stimulierung der gesellschaftlichen und insbesondere der ökonomischen Entwicklung müssen bestimmte Objekte, Ideen, Darbietungen notwendig ausgetauscht werden. Mit dem Tausch wiederum wird es unumgänglich, die Äquivalenz der Tauschobjekte zu bestimmen. Der Prozess der Äquivalenzfindung Die Wertäquivalenz zu bestimmen ist ein vielschichtiges Problem, das abstrakt von der Ökonomie untersucht wird. Der Äquivalenzfindungsprozess basiert auf dem gesellschaftlichen und natürlichen Kontext: dem Entwicklungsstand der Wirtschaft, den konkreten gesellschaftlichen Verhältnissen und Umfeldbedingungen, dem notwendigen Aufwand in körperlicher, maschineller und geistiger Form zur Schaffung der Wertobjekte (je komplexer und größer der Aufwand ist, je mehr Einzelaktivitäten notwendig sind, umso komplizierter wird die Äquivalenzfindung), den Traditionen, den Erfahrungen, den Einschätzungen der künftigen Entwicklungen usw.: „Entscheidend für den Aktienkurs ist jedoch nicht die Höhe der Dividende an sich und auch nicht der Bankzins, sondern die Aussicht auf Erzielung einer Dividende in der Zukunft. Die Höhe der Dividenden hängt von den künftig zu erwartenden Profiten der betreffenden Aktiengesellschaft ab …“ [17] Die Äquivalenzfindung beinhaltet die Bewertung 1. der Gebrauchswerte der jeweiligen Objekte, d. h. der Nützlichkeit derselben in Bezug auf die vorgeschlagenen oder selbstdefinierten Zielfunktionen; 2. des eigenen Aufwandes, um das geforderte Wertäquivalent zu erarbeiten; 3. anderer Objekte, Dienstleistungen und Ideen, die gleichen oder anderen Zielen dienen, die aber Einfluss auf die Entscheidungsfindung ausüben (jemandem, der ein Buch kaufen möchte, kann der Gedanke kommen, dass er noch ganz dringend ein Speichermedium benötigt). Die Bewertung des notwendigen Aufwandes zur Erlangung der anderen (potenziellen) Wertobjekte ist eingeschlossen. Die Ergebnisse dieser Einschätzungen münden in der Anerkennung / Nicht-Anerkennung der mit den Wertobjekten von der Verkäuferseite her verknüpften Wertattribute. Werden die Wertattribute nicht anerkannt, kann das dazu führen, dass die Käuferseite diese mit der Verkäuferseite aushandeln wird. Ziel des Aushandelns wird es in vielen Fällen sein, die Wertattribute der gewünschten Wertobjekte von der Anspruchsgröße 113 zu thEsE 5: ausgehend an die Vorstellungen der Käuferseite heranzuführen. Ebenso kann aber auch die Verkäuferseite dominieren und die Käuferseite zu einer Anpassung „überreden“. Erfahrungsgemäß laufen die oben genannten drei Bewertungsprozesse im Bewusstsein nicht getrennt voneinander ab, sondern sie durchdringen sich gegenseitig. Die Tauschpartner gestalten mit diesen Bewertungen der Wertattribute gewichtete Beziehungsstärken zu den potenziellen Wertobjekten. Wenn die Bewertungen hinreichend günstig ausfallen, initiieren die Tauschpartner damit ein Wertverhältnis. Im Verlauf der Äquivalenzfindung kann der potenzielle Käufer einschätzen, dass es für ihn lohnen würde, das analysierte Wertobjekt zu erwerben. Der (zunächst noch potenzielle) Käufer hätte in dem Fall eine gewichtete Beziehungsstärke zu dem (ebenfalls noch potenziellen) Wertobjekt aufgebaut, die von der Stärke her dermaßen wirkt, dass er es eintauschen möchte. Für den Tausch muss der Käufer seine gewichtete Beziehungsstärke zu dem Wertobjekt auf der gesellschaftlichen Ebene wirken lassen, denn dort wird der Tausch Eigentum gegen Eigentum vollzogen. Wenn sein (zunächst ebenfalls potenzieller) Tauschpartner ein ebenso starkes Interesse an dem angebotenen Wertäquivalent für sein Wertobjekt hat, können beide einen Austauschprozess initiieren. Oder aber es bleibt bei einem bloßen ideellen Bedürfnis, das eventuell noch sprachlich geäußert wird, das aber keinen Austausch nach sich zieht. Nur in dem Fall, dass es zu einem ökonomischen Austausch kommt, werden mit dem und durch den Austausch die gewichteten Beziehungsstärken gesellschaftlich relevant geäußert und nur so wirken sie wertbildend. Das Ergebnis der Äquivalenzfindung Im Rahmen eines ökonomischen Austausches bedeutet das gesellschaftlich wirksame Ergebnis dieser Äquivalenzfindung, dass die gesellschaftlich relevanten Äußerungen der gewichteten Beziehungsstärken „Wert“ und „Gegenwert“ gleich groß einander gegenübergestellt werden. Genauer: Die Wertgrößen, welche die Bewusstseinsprozesse mit den auszutauschenden Objekten verknüpfen, werden als gleichwertig oder als mit „gleichem Wertgehalt“ anerkannt. Das geschieht meist in der Form Geldwert der Ware gegen Geldbetrag in gleicher Wertgröße. Die Äquivalenz der auf der gesellschaftlichen Ebene wirkenden monetären Äußerungen der Wertbeziehung bedeutet auch, dass die ideell wirkenden gewichteten Beziehungsstärken beider Tauschpartner die gleichen Betragsgrößen besitzen. Der Austauschprozess Nachdem beide Tauschpartner Wertäquivalenz zwischen den zu tauschenden Wertobjekten ausgehandelt haben, kann der ökonomische Tausch vollzogen werden. Der Austauschprozess erscheint dabei als die Einheit eines Aneignungs- und eines Trennungsprozesses. Beide Prozesse basieren auf den im Wertverhältnis gegenübergestellten gesellschaftlich relevanten Wirkungsvektoren der gewichteten Beziehungsstärken der Tauschpartner. Die Wirkungsvektoren haben die gleiche Größe, aber entgegengesetzte Wirkungsrichtungen. 114 Lippert Aneignung und Trennung – getrennte Vektoren Aneignungs- und Trennungsprozess bei einem Tauschpartner können sicherlich in Verbindung mit zwei getrennten Vektoren dargestellt werden. Diese beiden Prozesse gibt es sowohl beim Käufer als auch beim Verkäufer jeweils in dieser Einheit: Der Käufer eignet sich das gewünschte Wertobjekt an, muss sich dafür aber von dem Tauschäquivalent trennen. Der Verkäufer trennt sich vom Wertobjekt, welches der Käufer wünscht, und bezieht dafür das Wertäquivalent von diesem. Die gewichtete Beziehungsstärke zum Zielwertobjekt entspricht sowohl beim Käufer als auch beim Verkäufer der gewichteten Beziehungsstärke zu dem im Eigentum befindlichen Wertobjekt bzw. dessen Stellvertreter. Bedingt wird diese Gleichheit durch die gleichen Wertbeträge von Wertobjekt und Wertäquivalent. Das jeweilige Zielobjekt ist das treibende Element im Wertverhältnis. Auf diese Zielobjekte von Käufer und Verkäufer wird der Wertbetrag des Wertverhältnisses bezogen. Zu dem im jeweiligen Eigentum befindlichen Wertobjekt bzw. Wertäquivalent besteht eine Bindungsenergie. Die Bindungsenergie zum Wertobjekt im Eigentum ist jeweils kleiner als die Energie, welche durch die gewichtete Beziehungsstärke, die zum Zielwertobjekt hin wirkt, generiert wird. Die angeglichenen gewichteten Beziehungsstärken von Käufer und Verkäufer widerspiegeln die gesellschaftlich relevanten ökonomischen Wertgrößen. Die Bindungsenergien beziehen vor allem den praktischen Nutzen dieser Wertobjekte für den Eigenbedarf ein. Trennungsenergie und Bindungsenergie Die Käuferseite muss mit einer Trennungsenergie die Bindungsenergie der Verkäuferseite an ihr Wertobjekt überwinden. Die Verkäuferseite wiederum muss eine Trennungsenergie auf der Käuferseite generieren, die größer ist als deren Bindungsenergie an das Wertäquivalent für das gewünschte Wertobjekt. Nach dem obigen Postulat, dass in einem Wertverhältnis die gewichtete Beziehungsstärke zum Wertobjekt im Eigentum des Tauschpartners größer ist als die Bindungsenergie an das eigene Wertäquivalent, wäre diese Situation gegeben. Dass zwischen der Antriebsenergie zum Erwerb des Zielobjekts (gewichtete Beziehungsstärke) und der Bindungsenergie zum dafür abzugebenden Äquivalent keine Gleichheit empfunden wird, obwohl beide die gleiche ökonomische Wertgröße repräsentieren, kann u. a. damit erklärt werden, dass in eine Wertbeziehung einbezogen wird, wie nützlich bezüglich des Eigenbedarfs das jeweilige Wertobjekt bzw. Wertäquivalent ist. Die ökonomisch relevante gewichtete Beziehungsstärke eines Käufers zu einem Wertäquivalent sagt nichts direkt zur Nützlichkeit des beim Kauf dafür abzugebenden Wert äquivalents für ihn aus. Das kann äquivalent zu der Situation gesehen werden, dass ein (potenzieller) Käufer mehrere Wertobjekte mit dem Ziel betrachtet und einschätzt, einige von diesen zu erwerben. Dabei wird er mit hoher Sicherheit auf einige treffen, deren Wert, d. h. deren Preis er akzeptiert, die aber für ihn generell oder gerade zu diesem Zeitpunkt nicht nützlich sind. Nützlich und sehr nützlich für ihn könnten andere Wertobjekte sein, die er zum gleichen und vielleicht sogar zu einem niedrigeren Preis erstehen könnte. Mit anderen Worten: Der Preis des Wertobjektes bzw. die gewichtete 115 zu thEsE 5: Beziehungsstärke zu dem jeweiligen Wertobjekt widerspiegelt nicht 1:1 die Nützlichkeit dieses Wertobjektes für den Käufer. So kann der Käufer eine Wertäquivalenz zwischen seinem Zielobjekt und einem ihm wichtigen Wertobjekt im Eigentum sehen, d. h. die gewichteten Beziehungsstärken zu beiden sind gleich groß. Das gewünschte Wertobjekt im Eigentum des Tauschpartners erscheint ihm aber nützlicher als das eigene Wertobjekt. Beispielsweise könnte er € 300 in Geldform im Eigentum haben, über die er sich sicherlich freut, die ihm aber momentan nicht so wichtig sind wie eine Espressomaschine. Also tauscht er die € 300, die für ihn ökonomisch genauso viel wert sind wie eine Espressomaschine zu € 300, gegen diese Espressomaschine, weil er sich davon mehr Freude verspricht als von den € 300. Den ideellen Vorteil des Tauschergebnisses zu beschreiben ist aber eine Feinheit, die den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde. Um für ein Wertverhältnis abzubilden, dass die Antriebsenergie zum Erwerb des Zielobjekts (gewichtete Beziehungsstärke) größer ist als die Bindungsenergie zum dafür abzugebenden Äquivalent im Eigentum – und das bei gleicher ökonomisch relevanter Wertgröße – könnte der praktische Eigenbedarfs-Nutzen des jeweiligen Wertobjektes oder dessen Stellvertreters ebenfalls als Vektor dargestellt werden. Dabei würde erfasst werden, dass sich jede der Seiten im Wertverhältnis durch den wertäquivalenten Tausch einen Vorteil verspricht, der üblicherweise nicht im ökonomischen Bereich zu suchen ist. Zu den Existenzformen der Wertobjekte - Wertobjekte in stofflicher Form (Gerät), als Idee (Buch, Patent), als Dienstleistung (Reparatur), als Aktivität (Konzert) - Symbolischer Stellvertreter eines Anrechts auf Wertobjekte (Geld) - Direkte Arbeitsleistung - Symbolischer Stellvertreter eines Anspruchs auf Wertobjekte (Gutschein) Prinzipiell können in einem Wertverhältnis die Tauschpartner jede Existenzform mit jeder kombinieren. Als wichtigste Kombinationen des ökonomischen Austauschs erweisen sich offensichtlich die Varianten „Erwerb eines Wertobjektes mittels Abgabe eines Äquivalents in Form von Geld“ und „Verkauf der Arbeitskraft gegen Geld“. Das liegt vor allem daran, dass Geld wesentliche Vorteile gegenüber anderen Äquivalenzformen besitzt (sehr gute Skalierbarkeit, gute Transport- und Lagermöglichkeit, relativ gute Wertbeständigkeit, gute Handhabbarkeit, die Wertwiderspiegelung ist ausgezeichnet identifizierbar u. a.). Anerkennung der relativen Nützlichkeit Mit der Abgabe des Geldes beim Tausch durch den Käufer drückt dieser gesellschaftlich relevant aus, dass das Wertobjekt, das er gegen dieses Geld eintauscht, für ihn und für die Gesellschaft (Mehrwertsteuer) nützlich im ökonomischen Sinne ist. Damit wird die geleistete Arbeit, um das Wertobjekt bereitzustellen, als gesellschaftlich nützliche Arbeit im Umfang des dafür abgegebenen Geldbetrags anerkannt. Ebenso könnte ein Anspruch auf Basis von Eigentum an oder Pacht von Naturgütern anerkannt werden. 116 Lippert Diesen Naturgütern würde damit ebenso eine Nützlichkeit im ökonomischen Sinne zugeordnet. Bei der Klassifizierung eines Objektes, einer Aktivität oder Idee als Wertobjekt (bzw. im gegenwärtigen Wertverständnis einer Ware als Wert), ohne dass dafür ein Äquivalent bereitgestellt würde, wäre der „Wert“ eine rein subjektive Ermessensfrage. Dieser „Wert“ könnte nicht als Wert für die ökonomischen Prozesse fungieren. Das Objekt / die Ware wäre im ökonomischen Sinne wertlos. Es spielt in diesem Zusammenhang keine Rolle, ob das betreffende Objekt dem potenziellen Käufer wirklich von Nutzen wäre oder nicht. Ein solcher Wert hätte weder eine Triebkraftfunktion noch einen Nutzen für die ökonomische Entwicklung der Gesellschaft. Es gäbe ebenso keine Triebkraft dafür, dass ein solcher Wert herausgebildet werden könnte. Wirkliche Nützlichkeit und scheinbare Nützlichkeit Tauscht z. B. ein Käufer sein Geld gegen ein Wertobjekt ein, dann wird mit dem Tausch das gesellschaftliche Verhältnis Wert wirksam. Merkt der Käufer später, dass er sein gedachtes Ziel mit diesem Wertobjekt nicht erreicht, kann es zu spät sein für die Rückabwicklung des Tausches bzw. des Kaufs. Ob es wirklich zu spät ist, hängt vor allem von den Vertragsbedingungen ab, die diesem Tausch zugrunde lagen. Kann der Tausch nicht rückgängig gemacht werden, bliebe der Wert des Wertobjektes, der zum Tauschzeitpunkt gegeben war, anerkannt. Das wäre die objektive Seite des zugrunde liegenden Wertverhältnisses. Der ideelle Part kann anders aussehen. Kann der Tausch rückgängig gemacht werden, dann war das Wertverhältnis ein gesellschaftliches Verhältnis auf Probe und die Probe wurde nicht bestanden. Äquivalenzbereitstellung und subjektives Element im Wert Die Notwendigkeit, im Rahmen eines ökonomischen Austauschs ein Äquivalent in bestimmter Werthöhe für ein Wertobjekt bereitstellen zu müssen, ist auch ein Beleg für das subjektive Element im gesellschaftlichen Verhältnis Wert. Denn der Vorgang, ein Wertobjekt zu einem bestimmten Wert gegen ein anderes Wertobjekt auszutauschen, kann nicht ohne die Mitwirkung von Bewusstseinsprozessen funktionieren: Mit der Äquivalenzbereitstellung wird das ökonomische Wertattribut, das der Verkäufer mit seinem Wertobjekt im Eigentum verbindet, gesellschaftlich relevant anerkannt. Dabei kann die Verknüpfung des Wertattributs mit dem Wertobjekt nur über das Bewusstsein erfolgen, da es unmöglich ist, Wert in ein Wertobjekt „einzubauen“. Ökonomisches Äquivalent – nicht vollständig bestimmt durch die Arbeitsleistung Ein wesentliches Merkmal der Äquivalenzfindung besteht darin, dass diese Äquivalenz nicht vollständig durch das Wertobjekt determiniert wird. Das heißt, die Werthöhe des Äquivalents, meist in Form von Geld, ergibt sich nicht zwangsläufig und erst recht nicht vollständig bestimmt aus der für das jeweilige Wertobjekt aufgewandten Arbeit bzw. aus einem festgelegten Anrecht aufgrund von Eigentum an Grund und Boden etc. Auch die besondere stoffliche Gestalt des Wertobjektes als Resultat einer bestimmten vergegenständlichten Arbeit, welche durchaus Einfluss auf die Werthöhe hat, legt nicht zwangsläufig die Höhe eines Äquivalents vollständig fest. Mit anderen Worten: Wenn ein End- 117 zu thEsE 5: verbraucherprodukt aus bestimmten Materialien und Kleinteilen zusammengeklebt und geschraubt wird, kann noch lange nicht verbindlich festgemacht werden, dass ein Endverbraucher für das Gesamtgebilde z. B. € 20 zahlen wird. Vielmehr wird das Objekt über das Bewusstsein eines potenziellen Käufers in die Widerspiegelungen von gesellschaftlichem und natürlichem Kontext einbezogen, und auch das nur unter bestimmten Bedingungen. Erst dann kann der gesellschaftlich relevante Gehalt des betreffenden Wertobjektes, besser der Wertbetrag des von der (potenziellen) Verkäuferseite zugeordneten ökonomischen Wertattributs, vom potenziellen Käufer verarbeitet werden. Dieses Wertattribut stellt als Preisausdruck den Erwartungswert der Verkäuferseite dar. Erst im Anschluss daran wird der potenzielle Käufer entscheiden, ob er das Objekt zu der geforderten Gegenleistung erwerben will, ob er verhandeln möchte oder ob er den Kauf unterlässt. In einem Warenhaus könnte der vorgegebene Preis von € 20 dazu führen, dass dieses potenzielle Wertobjekt gar nicht verkauft oder nicht in der notwendigen Stückzahl verkauft werden kann. Auf dem Basar könnten sich Käufer finden, die das Wertobjekt für € 16, vielleicht sogar für € 22 erstehen. Alle diese Entscheidungen werden nicht direkt durch das einzelne Wertobjekt über die darin vergegenständlichte Arbeit festgelegt. Wenn jedoch, wie oft üblich, gesagt wird, dass diese unterschiedlichen Preise den Tauschwert betreffen und der „richtige Wert“ nur nicht richtig erkannt wird, dann kann darauf erneut erwidert werden, dass ein „Wert“, der nicht erkannt wird, kein gesellschaftliches Verhältnis sein kann, sondern eine rein ideelle Existenzform haben würde. Denn ohne Äquivalenzbereitstellung gäbe es keine Anerkennung der relativen Nützlichkeit des „Wertes“ – ein solcher Wert bliebe nur eine gedankliche Vorstellung und es würde, wie bereits oben erwähnt, keine sinnvolle Triebkraft für die Herausbildung eines solchen Wertes wirken können. Was in diesem Zusammenhang noch erwähnt werden sollte, ist, dass der wirksam gemachte Wert eines Wertobjektes nur im Zusammenhang mit den Werten anderer Wertobjekte erklärt werden kann. Es gibt keinen abstrakten Wert, der nur für sich steht Wert kann nicht in Waren als „singulärer, abstrakter“ Wert vergegenständlicht sein. „Abstrakter Wert“ soll hier bezogen sein auf das Ergebnis gesellschaftlich nützlicher Arbeit, das – unabhängig von der Form der Verausgabung der Arbeit – als Wert im Arbeitsergebnis Wertobjekt bzw. in der Ware vergegenständlicht sein würde. Einen solchen singulären Wert könnte man sich vielleicht vorstellen, aber gesellschaftlich relevant wäre er nicht, denn er würde nur für sich selbst stehen – er hätte kein Äquivalent. Nach Marx [6], [7] und nach der Logik muss der Wert eines Wertobjektes ein „Gegen- über“ haben. Wert ist schließlich ein gesellschaftliches Verhältnis und keine Solodarbietung. Ein abstrakter Wert würde keine Triebkraft im ökonomischen Sinne bewirken. Es wäre auch keine Triebkraft für seine Herausbildung gegeben – somit wird ein solcher Wert nicht existieren und nicht existieren können. „Vergegenständlichte, gesellschaftlich nützliche Arbeit“ kann nicht unabhängig von der Form ihrer Verausgabung sein. Die Eigenschaft „nützlich“ verlangt die gesellschaftliche Anerkennung durch Tausch bzw. durch Kauf. Aber was einen Käufer bewegt, eine Ware zu kaufen, ist nicht die darin vergegenständlichte Arbeit, unabhängig von der 118 Lippert Form ihrer Verausgabung. Nein, die Arbeit muss in einer Art ausgeführt worden sein, dass der Käufer genau diese Ware und keine andere kauft. Damit kann die Art der Ausführung der Arbeit nicht beliebig sein. Mit dem Kauf bzw. Tausch wird wiederum deutlich gemacht, dass der Wert eines Wertobjektes ein Gegenüber braucht. Wenn kein Gegenüber existiert, ist der Wert in dem unverkäuflichen Wertobjekt höchstens ein ideeller „Wunschwert“. Sicherlich darf abstrahiert werden und es darf, ohne Frage, von der konkreten Form der Arbeit abstrahiert werden. Doch die Abstraktion darf nicht so weit gehen, dass die Nützlichkeit im ökonomischen Sinne verschwindet. Möglich wäre eine Formulierung wie: Es wird von der konkreten Form der Arbeit abstrahiert, so dass nur noch das Ergebnis einer abstrakten Arbeit übrig bleibt, einer Arbeit, die unabhängig von ihrer konkreten Form der Verausgabung ist. Doch die konkrete Arbeit, von der abstrahiert wird, muss in einer Art ausgeführt worden sein, dass in der Ware etwas vergegenständlicht wurde, das bei Käufern eine bestimmte relative Nützlichkeit erkennen lässt. Diese relative Nützlichkeit muss für den Käufer in der Art wirken, dass er dadurch zur Abgabe einer Gegenleistung angeregt wird. Die Wertbestimmung einer Ware geschieht, wenn das Bewusstsein eines (potenziellen) Käufers die Widerspiegelungen der (potenziellen) Wertobjekte bzw. deren Stellvertreter verarbeitet. Solche Verarbeitungen werden von vielzähligen gesellschaftlichen und auch von natürlichen Faktoren beeinflusst. Das geschieht aber eben nicht in der Art, dass der Wert in abstrakter Form in der Ware gegeben wäre und durch die Widerspiegelung der Ware im Bewusstsein vollständig oder nur teilweise erkannt werden würde. Ohne Frage prägt zwar die Ware (eigentlich das Wertobjekt) in bedeutendem Maße die Herausbildung des Wertes. Doch der Wert ist das Resultat der stark subjektiv gefärbten Verarbeitung aller im Bewusstsein relevant widergespiegelten Einflussgrößen, die bei der Herausbildung des Wertes wirken, wobei die Widerspiegelung der Ware (des Wertobjektes) sicherlich die wichtigste Einflussgröße ist. Während die Tauschpartner das gesellschaftliche Verhältnis Wert herausbilden und qualifizieren, einigen sie sich auch auf den Wert, wobei in einem Kaufhaus die „Einigung“ fast immer einseitig erfolgt. Das Ergebnis dieser Einigung wird gesellschaftlich relevant zum Ausdruck gebracht, indem der Käufer ein Äquivalent in bestimmter Höhe23 für den Erwerb der Ware (des Wertobjektes) abgibt. Triebkräfte für all diese Prozesse sind Bedürfnisse. Äquivalentabgabe – das ist keine passive Anerkennung eines vorhandenen Wertes Die Abgabe eines Äquivalents für den Tausch, z. B. in Form von Geld, ist folglich nicht passive Anerkennung des Wertes, der unabhängig vom Bewusstsein objektiv im betreffenden Wertobjekt vorliegt. Vielmehr zeigt die Abgabe eines Äquivalents für das Wertobjekt, dass das Bewusstsein ein gesellschaftliches Verhältnis Wert zusammen mit dem Tauschpartner aufgebaut hat. Das geschah unter Einbeziehung des Wertobjektes und eines (zunächst vorläufigen) 23 Äquivalent in bestimmter Höhe Das ist genau die Werthöhe, auf die sich Käufer und Verkäufer im Dialog oder einseitig geeinigt haben. Nur genau diese Werthöhe ist die reale Werthöhe, denn sie widerspiegelt beide Seiten des gesellschaftlichen Verhältnisses Wert. Auf keiner der beiden Seiten gibt es einen „Wertüberhang“, denn Wert braucht immer ein Gegenstück. 119 zu thEsE 5: Äquivalentangebots. Erst in Verbindung mit dem Äquivalent wird das Objekt, die Aktivität, die Idee zum Wertobjekt, erst damit wird es als ökonomisch relevant anerkannt. Und erst damit werden die mit diesem Wertobjekt verknüpften Ansprüche auf Existenzmittel anerkannt, erst damit „gelangt der Wert in das Objekt“. Genauer formuliert: Der Verkäufer hat mit seinem, dem vom Käufer angestrebten, Wertobjekt ein ökonomisches Wertattribut als Anspruch auf Existenzmittel plus Ersatz der Produktionsmittel plus Anspruch auf Mehrwert in bestimmtem Umfang verbunden. Der Käufer muss zum Erwerb des Wertobjektes ein Wertäquivalent an den Verkäufer abgeben, das diesem Wertattribut entspricht und damit den Vorstellungen des Verkäufers über Anrechte auf Existenzmittel und Mehrwert. Oder es gelingt ihm, den Verkäufer zur Minderung seines Anspruchs auf Existenzmittel (darin sind dessen Produktionsmittel eingeschlossen, deren Werte letztendlich ebenfalls Ansprüche auf Existenzmittel darstellen) plus Mehrwert zu bewegen. Oder der Käufer bleibt potenzieller Käufer, weil er das betreffende Wertobjekt schlicht und einfach nicht kauft. Erst mit der Abgabe eines Wertäquivalents im Tausch wird das ökonomische Wertattribut des Wertobjektes vom Käufer als gerechtfertigt anerkannt und akzeptiert. Der Käufer anerkennt mit dem Tausch den Wertbetrag des Wertattributes, den der Verkäufer veranschlagt bzw. im Dialog ausgehandelt hat, als gerechtfertigt. Wert – nicht in einem Objekt untergebracht Der Wert wurde nicht vor dem Kauf in das Wertobjekt eingebracht, mit anderen Worten: Der Wert wurde nicht darin vergegenständlicht. Wäre er darinnen, müssten sämtliche Waren eines Typs verkauft werden und nicht nur einige. Denn sonst wäre nicht zu erklären, warum einige verkauft werden, also „Wert haben“, und andere nicht. Dass die zur Bereitstellung von Wertobjekten aufgewandte Arbeit einmal nützlich sein soll und ein anderes Mal nicht, obwohl sie in der gleichen Art ausgeführt wurde, kann nicht damit erklärt werden, dass mit gleicher Arbeit in einigen Fällen Wert vergegenständlicht wurde und in anderen Fällen nicht. Vergegenständlichen kann man beliebig viel, auch in sehr komplizierter Art. Erfolgt kein ökonomischer Tausch mit einer Äquivalenzabgabe, war all die liebe Müh‘ umsonst. Das potenzielle Wertobjekt würde nicht in ein reales gewandelt werden. Es würde kein gesellschaftliches Verhältnis Wert bezüglich dieses Wertobjektes aufgebaut werden. Erst mit der Abgabe einer Gegenleistung als Äquivalent in Werthöhe des ökonomischen Wertattributs, das von der Verkäuferseite mit dem Wertobjekt verknüpft wird, bezieht der Käufer das Wertobjekt in die ökonomischen Prozesse der Gesellschaft ein [6], [7], [14]. Die Wandlung von Objekt (Aktivität, Idee) in Wertobjekt entspricht einem Zustandsübergang, mit dem am Objekt selbst nichts verändert wird. Dieser Zustands- übergang wird auf der gesellschaftlichen Ebene vollzogen. Etwas Vergegenständlichtes könnte nicht später in einigen Fällen aus dem Objekt herausgenommen werden und in anderen Fällen nicht. Ein Wertattribut kann aber leicht in gewünschten Situationen einem Objekt, einer Aktivität oder einer Idee beigefügt werden und in anderen nicht oder mit veränderter Wertgröße. 120 Lippert Wertobjekt und Bewusstsein prägen den Wert Ohne Frage determiniert das außerhalb des Bewusstseins existierende Wertobjekt über die Widerspiegelung im Bewusstsein den Aufbau des Wertverhältnisses. In diese Bewusstseinsvorgänge gehen (mehr oder weniger bewusst) die Werte der Arbeitskräfte ein, die das Wertobjekt bereitgestellt haben. Einbezogen werden auch die Qualität der Arbeitsausführung, die Originalität des Erzeugnisses, der Fakt, wie gut das Wertobjekt an das konkrete Umfeld angepasst ist u. v. a. m. Die Widerspiegelung der Wertobjekte wird hierbei geprägt durch Erfahrungen, die gesellschaftliche Entwicklung usw. Die Triebkraftfunktion des Wertes würde bei Beachtung all dieser Faktoren (und weiterer) optimal wirken können – nicht im Einzelfall, aber im Durchschnitt (Jeder kann sich mal irren beim Kauf). Doch all die Ergebnisse der Widerspiegelung von Herstellungsprozessen und Eigenschaften von Wertobjekten wären für die Gesellschaft bedeutungslos, wenn sie nicht ökonomisch relevant geäu- ßert würden. Mit anderen Worten: Erst mit der Abgabe eines Äquivalents wird die zum Wertobjekt hin bestehende gewichtete Beziehungsstärke als Baustein eines gesellschaftlichen Verhältnisses Wert zwischen den Tauschpartnern wirksam. Folglich kann erst von diesem Zeitpunkt an das jeweilige Objekt als Wertobjekt existieren. Marx schreibt: „Das erwähnte Verhältnis ist das Verhältnis einer Ware zu einer anderen Ware, mit der sie ausgetauscht wird, bzw. allgemein gesprochen das Verhältnis einer Ware zu einer bestimmten Menge Geld, gegen das sie getauscht wird. Der Wert wird erst im Austausch der Waren konstituiert.“ [6] Die Einordnung des Wertobjektes in die gesellschaftlichen Prozesse basiert u. a. auf Form und Inhalt des Objektes (der Aktivität, der Idee) als Ergebnis der physischen und psychischen Energieaufwendungen, die zu seiner Erstellung notwendig waren. Jedoch können Form und Inhalt des Wertobjektes, wie oben bereits erwähnt, nicht als absolute und vor allem nicht als alleinige Einflussgrößen auf den Wert betrachtet werden. Ansonsten wäre eine Planwirtschaft, wie sie in der DDR probiert wurde, möglich. Nicht die Ware bzw. das Wertobjekt allein entscheidet über Wert oder Nicht-Wert, sondern die Widerspiegelung des Wertobjektes im Bewusstsein unter Einwirkung der zahlreichen Einflussgrößen. Wertobjekte – Extremfälle Es sind z. B. die folgenden zwei Fälle denkbar: a) Ein Objekt könnte potenziell im gegebenen gesellschaftlichen Kontext als Wertobjekt getauscht werden, aber kein Individuum erkennt es als ein solches. (Die Ursachen dafür können vielfältig sein; es wurde z. B. in einem Behältnis vergessen.) Das heißt, es wird kein Wertäquivalent für dieses Objekt bereitgestellt. Demzufolge wird es nicht als ein im ökonomischen Sinne relativ nützliches Objekt anerkannt und nicht in die ökonomischen Austauschprozesse einbezogen. Es bleibt im ökonomischen Sinne wertlos, obwohl es unter normalen Bedingungen „Wert hätte“. b) Ein an sich nutzloses Objekt wird durch Abgabe eines Äquivalents eingetauscht und so als relativ nützlich im ökonomischen Sinne anerkannt. Nach dem Kauf bemerkt der Käufer den Irrtum. Doch für eine Rückwandlung kann es zu spät sein (abhängig vom Kaufvertrag). Auf gesellschaftlicher Ebene ist das Objekt durch den Tausch gegen ein anerkanntes Äquivalent, wie z. B. Geld, als Wertobjekt in die öko- 121 zu thEsE 5: nomischen Prozesse der Gesellschaft einbezogen worden. Somit wurde es als relativ nützlich im ökonomischen Sinne anerkannt. Verbunden damit wiederum ist die Anerkennung der zur Bereitstellung des Wertobjektes aufgewandten Arbeit als relativ nützliche Arbeit. Die Ansprüche aller am Bereitstellungsprozess beteiligten Arbeitskräfte (Produktionsarbeiter, Entwickler, Marketing-Spezialisten usw.) auf Existenzmittel werden anerkannt, ebenso wird der geforderte Mehrwert akzeptiert. Diese Anerkennung erfolgt ohne Frage nur in dem Maße, wie die Werthöhe, d. h. der Preis, im Rahmen des gesellschaftlichen Wertverhältnisses akzeptiert oder ausgehandelt wurde. Der Kauf könnte durch Werbung, Überredung, Unachtsamkeit oder Betrug forciert worden sein. Das spielt für das Resultat des Wertverhältnisses bezüglich dieses Wertobjekts keine Rolle. Der Kaufvertrag und die für das Wertverhältnis geltenden Kulanzregeln könnten eine Rolle spielen. Aber in diesem Beispiel soll ein Rücktausch nicht möglich sein, so dass der Fall eintritt, dass ein nutzloses Objekt zum Wertobjekt mutiert. (Jeder kennt bestimmt solche Fehlkäufe aus eigener Erfahrung mit Kinobesuchen, beim Kauf von Spielzeug, Souvenirs usw.) Beide vom Regelfall abweichenden Formen des Zusammenfindens bzw. Nicht-Zusammenfindens von Tauschpartnern können sich aber in den ökonomischen Beziehungen der Menschen nicht als dominierende Varianten durchsetzen. Die vielfältigen menschlichen Beziehungen, das nahe und weitere gesellschaftliche Umfeld, das menschliche Lernverhalten und das Denken verhindern notwendigerweise in der überwiegenden Zahl der Wertbeziehungen stark ineffizientes Tauschen und unnötiges Produzieren. Subjektives und Objektives im Wert Die einzige gesellschaftlich relevante Äußerungsform des gesellschaftlichen Verhältnisses Wert ist der Tauschvorgang Wertobjekt bzw. dessen Stellvertreter gegen Wertobjekt bzw. dessen Stellvertreter. Dieser Prozess wird zunächst ideell, dann aber von beiden Tauschpartnern stofflich auf der gesellschaftlichen Ebene vollzogen. Für einen ökonomischen Tausch muss auf dieser Ebene zusätzlich die ausgehandelte Wertgröße abgebildet und für die Gesellschaft sichtbar gemacht werden. Das geschieht mit einem Kaufvertrag, demgemäß Ware und Geld gegenseitig übergeben werden. Ohne gesellschaftlich relevante Äußerung des Tauschvorganges bliebe ein „ökonomisch gedachter“ Tausch als „Idee gegen Idee“ eine rein ideelle Angelegenheit. Solch ein Vorgang hätte keine stoffliche Wirkung auf der gesellschaftlichen Ebene zur Folge, wenn die Tauschpartner mit diesem Tausch kein Geld übergeben, keinen Kaufvertrag aufsetzen (stoffliche Ausdrucksform des ökonomischen Austauschs) oder Ähnliches unternehmen würden. Die Absicherung des Endergebnisses des Wertverhältnisses wiederum bleibt in der Masse der Wertverhältnisse ein ideelles Rechtsgebilde. Bei Problemen mit dem individuellen Ablauf, bei der Eigentumszuordnung usw. kann aber die Gesellschaft materiell spürbar das durchsetzen, was den gesetzlichen Bestimmungen entspricht. Die letztgenannte Möglichkeit ist einer der Sachverhalte, die zeigen, dass auch ein Wert, der auf gewichteten Beziehungsstärken basiert, objektiv existiert. 122 Lippert Die Abgabe eines Äquivalents zwecks Erwerbs eines Wertobjekts 1. beinhaltet in einer Wertbeziehung als subjektiven Anteil die Anerkennung des von der Verkäuferseite mit dem Wertobjekt verknüpften ökonomischen Wertattributs (die Anerkennung erfolgt über Bewusstseinsprozesse), dessen wirksamer Wert durch Aushandeln vom Ursprungswert abweichen kann, und 2. äußert zusätzlich die ökonomisch relevante Beziehung zwischen den Tauschpartnern auf der gesellschaftlichen Ebene. Das Wertobjekt und die Abgabe eines Äquivalents, um das gewünschte Wertobjekt einzutauschen, oder / und ein Kaufvertrag oder Ähnliches sind die objektiven Elemente der Wertbeziehung. Äquivalent und Kaufvertrag sind sichtbar für Dritte und üblicherweise wird die Gesellschaft steuerlich daran beteiligt. Subjektiven Charakter trägt die Anerkennung des ökonomischen Wertattributs, weil die Verknüpfung der Wertgröße mit dem Wertobjekt nur im menschlichen Bewusstsein vonstattengeht. Unabhängig vom Bewusstsein gibt es weder Wertattribute noch Wert noch eine Verknüpfung von Wertattribut und Wertobjekt und ganz bestimmt keinen „vergegenständlichten Wert“. Objektiven Charakter trägt die Anerkennung des ökonomischen Wertattributs aber auch – eben durch die Abgabe eines Wertäquivalents sowie durch einen Kaufvertrag mit Preisangabe und Unterschrift, weil dieser Vorgang über die individuellen Vorstellungen jedes Tauschpartners hinausgeht und für Dritte stofflich erfassbar ist. Die objektiven Elemente des Wertes sind mit den subjektiven Elementen verbunden. Ohne Verknüpfung von Wertobjekt und Wertattribut (subjektive Verknüpfung) wäre keine Notwendigkeit gegeben, ein Äquivalent abzugeben. Ohne Wert attribut würden dessen Bewertung und die daraus resultierenden Handlungen entfallen. Das, was objektiv existiert, nützt für ein Wertverhältnis nur, wenn es „richtig“ im Bewusstsein widergespiegelt und dargestellt wird. Ebenso ist der subjektive Part an den objektiven gebunden: Eine rein subjektive Einschätzung des Wertattributs des gewünschten Wertobjektes würde keinerlei gesellschaftlich relevante Auswirkungen haben. Ob der potenzielle Käufer denkt „Wow, das ist cool, dafür würde ich Hunderttausend zahlen!“ oder „Das taugt überhaupt nix, das ist keinen Cent wert!“ – beide Überlegungen würden nicht auf der gesellschaftlichen Ebene wirken. Sie blieben auf ihre individuellen Erscheinungsformen beschränkt. Als weitere Möglichkeit wäre die „zufällig richtige“ Einschätzung der Wertgröße denkbar. Aber auch diese müsste für ein Wertverhältnis objektiv geäußert werden, sonst bliebe sie eine rein individuelle Vorstellung. Das Subjektive muss sich im Großen und Ganzen am Objektiven orientieren und das Objektive relativ „richtig“ einschätzen – bei allen Fehlern, die dabei im Einzelfall passieren. Würde ständig die wirkliche Nützlichkeit von Wertobjekten falsch eingeschätzt werden, würden die betreffenden „Dauer-Falschschätzer“ in der Gesellschaft spürbar benachteiligt werden. Dass beim Schätzen immer wieder vom als ideal vorstellbaren Wert abgewichen wird und Fehler passieren, liegt an der „Natur der Sache“: Wert ist nun mal ein gesellschaftliches und kein computerbasiertes Verhältnis. 123 zu thEsE 5: Die letzten Aussagen zeigen wieder die Einheit von Subjektivem und Objektivem in Wertverhältnissen. Mit der materiellen Äußerung eines Wertverhältnisses durch einen stofflich sichtbaren Tausch ist der Übergang einer solchen Beziehung aus dem individuellen in den gesellschaftlichen Bereich vollzogen. Individuelle Beziehungen zum Wertobjekt werden nivelliert Mit diesem Übergang auf die gesellschaftliche Ebene wird die individuelle Beziehung zum Wertobjekt relativiert, denn die individuellen Einschätzungen des Wertgehalts müssen im Allgemeinen sehr stark an die Ansichten, welche die Gesellschaft im Laufe der Zeit herausgebildet hat, angepasst werden. Individuelle Detailvorstellungen werden dabei oft nivelliert. Das ist z. B. der Fall, wenn ein Tauschpartner eine andere als die gesellschaftlich durchschnittliche Beziehung zu einem Wertobjekt hat (er sieht z. B. einen geringeren Wertbetrag). Wenn in einer solchen Situation das Wertobjekt für ihn sehr wichtig ist, es z. B. zu einer bestimmten Marke gehört, kauft er es trotzdem (oder gerade deswegen). So zahlt der Käufer in solch einem Fall einen höheren Preis und bringt damit zum Ausdruck, dass er seine individuelle Einschätzung des Wertgehalts an den gesellschaftlich geforderten Wert angeglichen hat. Praktisch wird die zeitliche Reihenfolge der Überlagerung der gesellschaftlichen und individuellen Wertvorstellungen unterschiedlich herausgebildet werden – je nach Wertobjekt und konkreter Handelssituation. Einmal werden die im Umfeld wirksamen, gesellschaftlich bereits herausgebildeten üblichen Wertvorstellungen der Ausgangspunkt sein, ein anderes Mal werden die individuellen Vorstellungen als erste wirksam. Anm.: Diese Annahme basiert auf Erfahrungswerten. Wert, Äußerungsform, Abhängigkeit vom gesellschaftlichen Umfeld In der Äußerungsform des gesellschaftlichen Verhältnisses Wert kommt durch die Überlagerung von individuellen mit den in der Gesellschaft bereits gegebenen Wertvorstellungen nicht nur die Abhängigkeit des Wertes von beiden Tauschpartnern, sondern auch die Abhängigkeit vom gesamten gesellschaftlichen Umfeld zum Ausdruck. Dieser Fakt liegt darin begründet, dass die bei einem einzelnen Tauschvorgang für die Wertobjekte unter anderem wirkenden Werte der Arbeitskräfte plus der Mehrwert sich letztendlich ergeben aus Erfahrungen und den Durchschnittsbildungen aus all den anderen Tauschvorgängen in der Gesellschaft. Es wirken weitere gesellschaftlich geprägte Vorstellungen auf ein Wertverhältnis ein, ebenso historische Abläufe bei einzelnen Wertbeziehungen u. a. Die konkrete Werthöhe eines Wertverhältnisses kann nicht allein aus den Vorstellungen der beiden darin agierenden Tauschpartner abgeleitet werden. Auf die Bestimmung der Wertgröße wirkt das jeweilige gesellschaftliche Umfeld. Erfahrungsgemäß werden bei der Wertbildung sehr viele Faktoren nicht bewusst berücksichtigt - die extrem hohe Zahl wertbeeinflussender Faktoren kann nicht bewusst verarbeitet werden. Weitere Faktoren werden indirekt in die Wertbildung einbezogen, indem die Tauschpartner andere wichtig erscheinende (potenzielle) Wertobjekte in ihre Überlegungen einbeziehen. Deren Preise und deren Erscheinen wirken auf die Herausbildung der Wichtungen ein. 124 Lippert Grundlage und Triebkraft dafür, dass Menschen Wertverhältnisse herausbilden, sind die gewichteten Beziehungsstärken, die von den Bewusstseinsprozessen der sich in dem Wertverhältnis gegenüberstehenden Tauschpartner ausgehen. Diese Beziehungsstärken werden gerichtet auf die Wertobjekte bzw. deren Stellvertreter in der Verfügungsgewalt des jeweiligen Gegenübers.

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References

Zusammenfassung

Der Zusammenbruch der UdSSR um 1990 markierte nach allgemeiner Auffassung auch den Triumph der freiheitlichen Wirtschaftsordnung über das sozialistische Planwirtschaftsmodell. Die genauen Gründe hierfür sind nicht leicht auszumachen. Allein die Fülle an unterschiedlichen Theorien zur Erklärung des sowjetischen Zerfalls legt den Schluss nahe, dass es ein komplexes Zusammenspiel mannigfaltiger Faktoren war, die den kommunistischen Gedanken als eine praktische Wirklichkeit nicht überdauern ließ. Rainer Lippert fügt der wissenschaftlichen Diskussion einen weiteren, wertvollen Ansatz hinzu. Seine neue und zeitgemäße Überarbeitung der weltberühmten Theorie erweitert Marx’ klassischen Arbeitswertbegriff und beweist, dass dieser nur ein Spezialfall eines viel allgemeineren Wertbegriffes ist. Durch Lipperts Erweiterung der Marx'schen Arbeitswerttheorie lässt sich nicht nur der entscheidende Konstruktionsfehler planwirtschaftlicher Modelle benennen: Aus dem Überführen der Marx’schen Grundprämisse in eine allgemein lebenswirklichere Form gelingt ihm auch in schlüssiger Weise die zentrale Argumentation für die freie Marktwirtschaft.