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These 3: Wert basiert auf Bedürfnissen der Tauschpartner nach bestimmten Objekten der Umwelt – den Wertobjekten. in:

Rainer Lippert

Mit Marx zur Marktwirtschaft?, page 25 - 64

Eine Neuerung der Marx’schen Arbeitswerttheorie

3. Edition 2017, ISBN print: 978-3-8288-3917-5, ISBN online: 978-3-8288-6667-6, https://doi.org/10.5771/9783828866676-25

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Wirtschaftswissenschaften, vol. 82

Tectum, Baden-Baden
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25 zu thEsE 3: Zu These 3: Wert basiert auf Bedürfnissen der Tauschpartner nach bestimmten Objekten der Umwelt – den Wertobjekten. Wie bereits dargelegt, existieren die Werte als gesellschaftliche Verhältnisse nicht au- ßerhalb vom menschlichen Bewusstsein. Die Werte werden aber durch bestimmte Objekte, die außerhalb des Bewusstseins existieren, herausgebildet und determiniert. Auf solche Objekte wiederum bezieht menschliches Bewusstsein die Werte. Als Wertobjekte bilden sie die Bezugspunkte der Werte und damit auch die Bezugspunkte der Wertbeziehungen zwischen den Tauschpartnern in den Wertverhältnissen. Die Werte wiederum werden über Bewusstseinsprozesse den Wertobjekten als Wertattribute beigefügt. Nach herkömmlicher Interpretation der Arbeitswerttheorie werden Werte in den Waren vergegenständlicht. Doch solche Vergegenständlichungs-Prozesse würden die Werte aus ihren gesellschaftlichen Verhältnissen herauslösen und in Gegenstände übertragen. Damit verlören die Werte ihre Eigenschaften als gesellschaftliche Verhältnisse, die zwischen Menschen wirken. Elemente und Eigenschaften des Wertes Um sowohl der Kategorie „gesellschaftliches Verhältnis“ (einem Verhältnis, das zwischen Menschen wirkt) als auch der Beziehungsfunktion zwischen dem Bewusstsein und den Wertobjekten gerecht werden zu können, muss der Wert bestimmten Anforderungen genügen: • Der Wert muss als gesellschaftliches Verhältnis zwischen den jeweiligen Tauschpartnern wirken. • Die Existenz des Wertes in Art und Form muss aus dem gesellschaftlichen Kontext heraus erklärbar sein. • Der Wert muss die Relevanz für die ökonomischen Prozesse besitzen. • Die Existenz des Wertes muss letztendlich aus dem Arbeitsprozess heraus erklärbar sein. Die Kopplung an den Arbeitsprozess kann dabei indirekt wirken, insbesondere bei Naturgütern. 26 Lippert • Der Wert muss vom Grundsatz her auf den gesellschaftlich anerkannten Ansprüchen auf Existenzmittel4 der an der Bereitstellung von Wertobjekten Beteiligten5 basieren, d. h. auf den Werten der Arbeitskräfte. • Der Wert kann auf weiteren, ebenfalls gesellschaftlich begründeten Ansprüchen basieren. Dazu zählen Eigentums- und Pachtrechte an Grund und Boden sowie an Naturschätzen. • Wert im ökonomischen Sinne kann nur in Verbindung mit dem Eigentum an Wertobjekten herausgebildet werden. Ab einer bestimmten Stufe der Entwicklung kann diese Aussage auf Eigentum an Stellvertreter-Wertobjekten – Geld und Ähnlichem – bezogen werden. • In die Wertsumme von durch Arbeit erstellte und dann bereitgestellte Wertobjekte müssen die Werte aller Arbeitskräfte eingehen, die daran Anteil haben. Hinzu kommen die Werte der Produktionsmittel (Rohstoffe, Zuliefererzeugnisse, Werkzeuge und Maschinen, Kosten für Kommunikationsprovider usw., die letztendlich wieder Werte von Arbeitskräften und Rohstoffeigentümern widerspiegeln, welche vorgelagert an der betrachteten Wertobjektbereitstellung Anteil haben). Schließlich muss ein Mehrwert einfließen. Der Mehrwert sollte der Weiterentwicklung des Unternehmens dienen, der weiteren Qualifizierung aller an der Wertobjektebereitstellung Beteiligten, der Festigung und dem Ausbau der Teams und der Extra-Belohnung von Beteiligten. Der Anspruch auf Mehrwert wird anteilig für alle (ökonomisch relativ autark agierenden) Abschnitte der Produktbereitstellung in die Berechnung der erwarteten Werte der Produkte einfließen müssen6 – für Forschung und Entwicklung, Fertigung, Marketing, Logistik, Vertrieb und in bestimmtem Umfang für Service-Leistungen. Dass mit dem Mehrwert auch beachtlicher Missbrauch betrieben werden kann, dürfte außer Frage stehen. • Der Wert selbst kann nicht rein objektiv, d.  h. nicht völlig unabhängig vom Bewusstsein existieren. • Objektiv existieren die Wertobjekte, auf die das gesellschaftliche Verhältnis bezogen wird. Bei Ideen u. Ä. trifft das zumindest auf einen der Tauschpartner zu. 4 Existenzmittel Bei Marx erwerben die Arbeitskräfte durch den Verkauf ihrer Arbeitskraft ein Anrecht auf Gegenleistung, d.h. ein Anrecht auf Waren, die als Existenzmittel bezeichnet werden. Die Existenzmittel sollen den Arbeitskräften ermöglichen, ihre Arbeitskraft zu erhalten, zu verewigen und auszubauen. In dem hier vorliegenden Buch wird der Begriff Existenzmittel angewendet auf Wertobjekte. Wertobjekte können bearbeitete Objekte, Aktivitäten, Ideen usw. sein, die dem ökonomischen Austausch unterliegen. 5 … der an der Bereitstellung von Wertobjekten Beteiligten … Hierin sind die unmittelbaren Produzenten eingeschlossen, aber auch diejenigen, die außerdem Anteil daran haben, dass ein Käufer ein Wertobjekt erwerben kann: Buchhalter, Firmensprecher, Logistiker, Wartungspersonal, Spezialisten für Werbung und Vertrieb, Rechtsanwälte, Security, Gebäudemanagement, Reinigungskräfte, Zulieferer u. v. a. 6 Mehrwert Meistens wird vom Mehrwert nur im Zusammenhang mit der Herstellung von Produkten in einem Unternehmen gesprochen. Das ist ein wichtiger gesellschaftlicher Bereich, in dem Mehrwert generiert wird. Doch die Notwendigkeit, zumindest die Sinnfälligkeit der Generierung von Mehrwert gilt auch für andere gesellschaftliche Bereiche, sie könnte z. B. auch für eine Opernaufführung gelten. Die dafür notwendigen Bereitstellungsbereiche unterscheiden sich nur teilweise von denen, die bei der Produktion von stofflichen Produkten notwendig sind. 27 zu thEsE 3: • Die Ausgangspunkte des Wertes müssen, auch bei seinem Wesen als gesellschaftliche Größe, im objektiven Umfeld der Tauschpartner eines Wertverhältnisses liegen, zumindest im Umfeld eines der Tauschpartner. • Die Ausgangspunkte des Wertes müssen im Bewusstsein der Tauschpartner in bestimmter Art widergespiegelt werden, damit aus diesen Widerspiegelungen ein gesellschaftliches Verhältnis entsteht. • Der Wert muss eine Kopplung der Wertobjekte an das Bewusstsein bewirken. • Die Kopplung der Wertobjekte an das Bewusstsein muss auf den Eigenschaften der Wertobjekte und auf den Widerspiegelungen der diesen Wertobjekten beigefügten Wertattribute basieren. • Die im Bewusstsein herausgebildeten Wertattribute widerspiegeln die mit den Wertobjekten verknüpften, vom Wesen her gesellschaftlich anerkannten, Ansprüche auf Existenzmittel. • Die Werte bzw. Wertbeträge von Wertobjekten können sich nicht in den Wertobjekten selbst befinden, als „vergegenständlichte, gesellschaftlich nützliche Arbeit“, als „gesellschaftlicher Wertgehalt“ oder ähnliches. Die Wertbeträge werden nur(!) über das Bewusstsein in der Gestalt gesellschaftlicher Wertattribute mit den Wertobjekten verknüpft. • Die gesellschaftlichen, genauer die ökonomischen Wertattribute der Wertobjekte existieren nur auf der gesellschaftlichen Ebene. Damit sind sie nur im gesellschaftlichen Kontext erfassbar. Aus diesem Grund können sie nur mit den Wertobjekten verknüpft, aber nicht in diese eingebaut sein. • Die mit den (zunächst potenziellen) Wertobjekten verknüpften Wertattribute sind von dynamischer Natur und werden mit dem Tauschvorgang im Rahmen des Wertverhältnisses zwischen den Tauschpartnern präzisiert, d.  h. weder deren Größe noch ob es sie überhaupt geben wird, steht vor dem ökonomischen Austausch fest. • Solch eine Präzisierung kann auf der Käuferseite, auf der Verkäuferseite oder – im Dialog – auf beiden Seiten eines Wertverhältnisses erfolgen. Sollte der Tauschvorgang nicht zum Abschluss gebracht werden, würde die Präzisierung lauten: „Das mit dem betrachteten potenziellen Wertobjekt XYZ verknüpfte Wertattribut wird nicht anerkannt“ oder „Dieses potenzielle Wertobjekt erscheint nicht als so nützlich, dass ich dafür Geld ausgeben würde.“ • Der Wert ist zusammengesetzt aus einem ideellen und einem objektiven Anteil. Der ideelle Anteil ergibt sich daraus, dass er als gesellschaftliche Größe nur im Bewusstsein existiert. Von dem ideellen Anteil „beherbergt“ jeder Tauschpartner einen Teil des Wertes. • Aus dieser Dualität ergibt sich ein Teil des objektiven Bestandteils des Wertes: Für jeden Tauschpartner existiert der andere Tauschpartner mit seinen Wertvorstellungen objektiv. Folglich existiert auch dessen Wertanteil objektiv. Für Dritte wiederum haben die nach außen auf der gesellschaftlichen Ebene wirkenden Resultate der Bewusstseinsprozesse beider Tauschpartner eine objektive Existenz und damit ebenso der Wert als gesellschaftliches Verhältnis zwischen den Tauschpartnern. Die Bewusstseinsprozesse beider Tauschpartnerseiten müssen dabei allerdings auch nach außen wirken, um auf der gesellschaftlichen Ebene als Wertverhältnis spürbar und wirksam zu werden. Die ideellen Wertanteile der Tauschpartner werden aber 28 Lippert erst dann nach außen wirksam, wenn sie die individuellen „Einzelexistenzen“ verlassen haben und zusammen wirken. Zusammen wirken können diese ideellen Anteile nur, wenn sie objektiv geäußert werden. Das geschieht beim Tausch im Wertverhältnis. • Der andere Teil des objektiven Bestandteils des Wertes wird dadurch herausgebildet, • dass der Wert objektiv, d. h. außerhalb des Bewusstseins, geäußert werden muss, um auf der gesellschaftlichen Ebene wirken zu können. Die Äußerung muss dazu führen, dass der Wert mit weiteren objektiven Komponenten (Verträgen, Preisangaben u. a.) verbunden werden kann – sonst wäre seine objektive Äußerung nicht unbedingt sinnvoll. • dass der Wert nur im gesellschaftlichen Kontext wirken kann – auf der Basis der außerhalb des Bewusstseins gegebenen Wertobjekte und eingebunden in eben diesen gesellschaftlichen Kontext. • dass der Wert im gesellschaftlichen Kontext etwas bewirkt, was im nichtgesellschaftlichen Umfeld nicht anzutreffen ist – den Tausch von Eigentum gegen Eigentum. • dass der Wert durch das gesellschaftliche Umfeld gesichert und als gesellschaftliche Größe wirksam gemacht wird. Das sind Vorgänge, die ebenfalls nur im gesellschaftlichen Kontext ermöglicht werden. • dass beide Seiten („Teilnehmer“) im Wertverhältnis sich notwendig auf die gesellschaftlich relevante Werthöhe für das betreffende Wertobjekt einigen müssen – einseitig oder im Dialog. Diese Werthöhe besteht ebenfalls objektiv aus Sicht jedes der beiden Tauschpartner und ebenso aus der Sicht Dritter. Letztere Aussage kann u. a. mit der ebenfalls objektiv abzuführenden Mehrwertsteuer belegt werden. • Der Wert beinhaltet und benötigt eine nicht-ideelle Äußerungsform, damit er auf der gesellschaftlichen Ebene wirken kann. • Der Wert muss die gesellschaftliche Beziehung der Tauschpartner zueinander in Bezug auf die auszutauschenden Wertobjekte widerspiegeln. Die Widerspiegelung der Beziehungen der Tauschpartner zueinander ist insbesondere unter den folgenden Gesichtspunkten zu sehen: 1) die Wichtigkeit der mit dem Kauf zu erreichenden Ziele, d. h. der Ziele, welche die Aneignungsprozesse stimulieren, und 2) die gesellschaftlich relevanten Aufwendungen, die notwendig sind, um die Wertobjekte (Tauschobjekte) bereitzustellen. Zu diesen Aufwendungen zählen hauptsächlich die Werte der Arbeitskräfte. Das betrifft die Arbeitskräfte, die direkt an der Bereitstellung der Wertobjekte Anteil haben, und ebenso diejenigen, die indirekt, über die Zulieferung von Rohstoff- und Zuliefererzeugnissen beteiligt sind. Dabei werden weitere gesellschaftlich begründete Ansprüche auf Existenzmittel als die Werte von Arbeitskräften bei der Wertbildung geltend gemacht. Das sind insbesondere Eigentumsrechte an Grund und Boden sowie an Naturschätzen. Außerdem wirken individuelle Einflüsse auf den aktuellen Tauschvorgang. 29 zu thEsE 3: Anm.: Bei Naturgütern, die als solche in die ökonomischen Austauschprozesse einbezogen werden, beziehen sich die Aufwendungen nicht auf ihre Erstellung, denn erstellt werden Naturgüter durch die Natur und die Natur erhebt keinen Anspruch auf Gegenleistung, jedenfalls nicht im ökonomischen Sinne. Die erwartete Gegenleistung für die Abgabe von Naturgütern wiederum wird nicht nur bezogen auf die Kosten für deren Gewinnung (später dazu mehr). • Die Wertbeziehungen müssen, über alle Wertbeziehungen gesehen, im Durchschnitt eine Stimulierungswirkung auf die ökonomischen Prozesse au s üben. Einzelne Wertbeziehungen können destruktiv wirken – Fehlgriffe bei Kauf, Fehlentscheidungen bei großen Planungen usw. • Für die Herausbildung des Wertes muss eine Triebkraft existieren. Eine sehr wichtige Triebkraft ist die Ressourcenschonung, die sowohl bei der Verrichtung von Arbeitsleistung als auch bei der Nutzung von Ressourcen im Rahmen des Agierens mit Wertobjekten wirksam wird. Aufgrund dieser Triebkraft haben die Menschen den Wert herausgebildet – etwa in der Art: „Hierfür habe ich sehr lange hart gearbeitet. Wenn Du das haben willst, muss Du mir etwas anderes dafür geben.“ • Die Existenzform des Wertes muss vereinbar sein mit der biologischen Natur des Menschen und vor allem mit dem Wesen des Menschen als „Ensemble der gesellschaftlichen Verhältnisse“. Marx / Engels: „Aber das menschliche Wesen ist kein dem einzelnen Individuum inwohnendes Abstraktum. In seiner Wirklichkeit ist es das Ensemble der gesellschaftlichen Verhältnisse.“ [11] Die gesellschaftlich relevante Beziehung Wert und ökonomisch relevante Bedürfnisse • All den oben genannten Forderungen wird eine bestimmte gesellschaftlich relevante Beziehung der Tauschpartner zueinander gerecht – das gesellschaftliche Verhältnis Wert. • Diese Beziehung geht aus den ökonomisch relevanten Bedürfnissen der Tauschpartner nach den jeweils einzutauschenden Wertobjekten hervor (Bild 3.1). • Diese Beziehung der Tauschpartner zueinander basiert auf objektiven Gegebenheiten, und zwar auf den Wertobjekten mit ihren spezifischen Eigenschaften. • Die spezifischen Eigenschaften sind die gesellschaftlichen Bezugspunkte des Wertes, die „ökonomisch relevanten Attribute“, die hier als Wertattribute bezeichnet werden. Die Wertattribute werden den Austausch- bzw. Wertobjekten durch das menschliche Bewusstsein zugeordnet. Die Bezugspunkte sind auf der Verkäuferseite die Werte der Arbeitskräfte plus die erwarteten Mehrwerte. Die Bezugspunkte auf der Käuferseite sind die erarbeiteten Anrechte auf Wertobjekte, üblicherweise in Form von Geld. • Die ökonomischen Wertattribute werden von den Tauschpartnern auf genau die spezifischen Eigenschaften der Wertobjekte bezogen, welche für den ökonomischen Austausch relevant sind, und mit diesen verknüpft. • Diese spezifischen Eigenschaften sind Ergebnisse menschlicher oder maschineller Arbeitsleistung oder aber Resultate des Einwirkens der Natur in Verbindung mit der Verfügungsgewalt der Tauschpartner über bestimmte Naturprodukte. 30 Lippert • In ökonomischen Wertverhältnissen verknüpft das Bewusstsein die spezifischen, wertrelevanten Eigenschaften der von der Verkäuferseite angebotenen Wertobjekte mit den dazu notwendig herausgebildeten Wertattributen. Die Wertattribute bilden die Menschen durch gesellschaftliche Einflüsse im Bewusstsein heraus. Diese Wertattribute der Wertobjekte sind die „Befestigungspunkte“ von Ansprüchen auf Gegenleistung in bestimmter Höhe. • Die spezifischen Eigenschaften der üblicherweise von der Käuferseite als Gegenleistung angebotenen Stellvertreter-Wertobjekte wie Geld werden, äquivalent zu den Wertobjekten mit ihren Wertattributen auf der Verkäuferseite, auch über das Bewusstsein mit Wertattributen verknüpft und sind demzufolge individuell beeinflusst. Die Verknüpfungen auf der Käuferseite, die Anrechte auf Wertobjekte, sind ebenfalls durch das Umfeld bedingt. • Sowohl die Verkäuferseite als auch die Käuferseite verknüpft über Bewusstseinsprozesse beide Seiten, d. h. die Wertobjekte und ebenso die Gegenleistungen für diese Wertobjekte, mit Wertattributen. Diese „Doppelverknüpfung“ liegt darin begründet, dass es bei einem ökonomischen Tausch um einen wertäquivalenten Tausch geht. Um die Wertgleichheit von Wertobjekten und Gegenleistungen zu ermitteln, muss die Käuferseite die Wertattribute der Wertobjekte und die Verkäuferseite die Wertattribute der Gegenleistung in das gesellschaftliche Verhältnis aufnehmen und mit den eigenen Vorstellungen vergleichen. Ein wichtiges Ziel eines Wertverhältnisses ist die Angleichung dieser Vorstellungen. • Die ökonomischen Wertattribute entsprechen Anrechten bzw. Ansprüchen auf Existenzmittel bzw. Wertobjekte. Anrechte und Ansprüche sind Begriffe aus der „üblichen Situation“ beim Kaufen: Wertobjekt gegen Geld. Wenn Wertobjekt gegen Wertobjekt getauscht wird, dann werden Ansprüche anderen Ansprüchen gegenübergestellt. Wird Geld gegen Geld getauscht (z. B. in einer Wechselstube), dann werden Anrechte gegen Anrechte getauscht. • Das Schema „Wertobjekt auf der Verkäuferseite und Stellvertreter-Wertobjekt auf der Käuferseite“ widerspiegelt nur die übliche Situation in Wertverhältnissen. Wert und Triebkraft • Damit ökonomische Anrechte und Ansprüche auf gesellschaftlicher Ebene realisiert werden können, muss eine Triebkraft für die Realisierung wirken. • Im Bewusstsein eines Käufers wird als solche Triebkraft ein Bedürfnis oder – genauer formuliert – eine Beziehungsstärke zu dem entsprechenden Wertobjekt hin aufgebaut. • Im Bewusstsein eines Verkäufers wird äquivalent eine solche Beziehungsstärke zu der angebotenen Gegenleistung hin aufgebaut. Die Gegenleistung wird meistens in Form eines Stellvertreter-Wertobjekts, wie z. B. Geld, angeboten, kann aber ohne Frage auch ein „richtiges“ Wertobjekt sein. • Dieses Bedürfnis nach oder die Beziehungsstärke zu dem gewünschten Wertobjekt muss auf der Käuferseite so stark wirken, dass diese bereit ist, für das mit dem Wertobjekt verknüpfte ökonomische Wertattribut eine gesellschaftlich anerkannte Ge- 31 zu thEsE 3: genleistung abzugeben. Unter Umständen gelingt es ihr, die Werthöhe des Wertattributes herunterzuhandeln. • Auf der Verkäuferseite muss die Beziehungsstärke zum Wertattribut der angebotenen Gegenleistung der Käuferseite so stark herausgebildet werden, dass sie bereit ist, das gewünschte Wertobjekt dafür abzugeben. In den meisten Fällen wirkt die Beziehungsstärke zur Gegenleistung nicht-individuell (z. B. bei Verkäufern, die im Auftrag einer Verkaufseinrichtung, einer Handelskette etc. arbeiten). • Die ökonomischen Wertattribute werden beim Aufbau des Wertverhältnisses über die Bewusstseinsprozesse von Käufer und Verkäufer mit dem Wertobjekt und mit der Gegenleistung verknüpft. • „Verknüpft“ impliziert, dass diese Ansprüche auf Gegenleistung, d.  h. die gesellschaftlichen Elemente der Wertobjekte, nicht in diesen enthalten, also nicht darin vergegenständlicht sind. • Die Beziehungsstärken der Käufer- und der Verkäuferseite drängen auf Aneignung. Folglich drängen beide zusammen auf Austausch. • Dieser Austausch setzt voraus, dass die auszutauschenden Wertobjekte oder deren Stellvertreter mit einer Verknappung verbunden sind – sie sind nicht frei verfügbar. Relevant für die Verknappung sind das gesamte gesellschaftliche und das natürliche Umfeld: Wenn die Bäcker genug Brot für alle Interessenten im Ereignisfeld backen, dann kann dieser Fakt nur gegeben sein, weil bezahlte Arbeitskräfte eingesetzt werden. Die Personen, die ihre Arbeitskraft verkaufen, haben ein Anrecht auf eine Gegenleistung. Damit kann dieses Brot, das in gleichen oder sogar größeren Mengen gebacken wird, als darauf gerichtete Bedürfnisse gegeben sind, nicht frei verfügbar sein. Dazu kommen die notwendigen Zutaten zum Backen des Brotes, Hilfsmittel wie Reinigungsinstrumente, Stromnutzung usw. Alle diese Einflussgrößen, die notwendig zum Tausch führen, widerspiegeln ebenfalls Anrechte auf Gegenleistungen, die auf dem Verkauf von Arbeitskraft basieren. Deswegen unterliegt das Brot, das eigentlich in ausreichendem Umfang vorhanden wäre, ebenso dem ökonomischen Austausch. Seine Verknappung würde somit verdeckt und indirekt erscheinen. • Nur in Verbindung mit der Verknappung von Arbeitskräften und Ressourcen kann die Triebkraftfunktion des Wertes wirken und nur so kann sie sinnvoll gesehen werden. Die Triebkraftfunktion des Wertes hat zum Ziel, Arbeitskräfte und Ressourcen zu schonen. • Der Wert ist das Ergebnis des Wirkens bestimmter Beziehungsstärken beider Partner, die sie auf die jeweils interessierenden Wertobjekte bzw. deren Stellvertreter ausrichten. Im Ergebnis des Wirkens dieser Beziehungsstärken anerkennen die Tauschpartner gegenseitig und gesellschaftlich relevant die Ansprüche (Verkäuferseite) und die Anrechte (Käuferseite) auf Wertobjekte. Dieses Ergebnis folgt aus dem Drängen beider Tauschpartner nach den Wertobjekten bzw. den Gegenleistungen. • Wenn beide Tauschpartner hinreichend stark auf die im aufzubauenden Wertverhältnis gegenübergestellten Produkte drängen, dann münden ihre Bestrebungen in einem Wert und in den ökonomischen Tausch. Anm.: Die Wertbildungsprozesse im hier gemeinten Sinne sind nicht die Prozesse, mit denen die Bezugspunkte der Wertbeziehungen (Herstellung von Produk- 32 Lippert ten o. ä.) geschaffen werden. Vielmehr sind hier die im Bewusstsein ablaufenden Prozesse gemeint, mit denen Wertverhältnisse zwischen den Menschen aufgebaut, wirksam gemacht und wieder abgebaut werden. Wert – Anerkennung und Nivellierung von Anrecht und Anspruch auf Käuferund Verkäuferseite • Die von beiden Tauschpartnern im gegenseitigen Einvernehmen mit dem Tausch realisierte Anerkennung des Anspruchs auf Existenzmittel beim Verkäufer und des Anrechts auf Wertobjekte beim Käufer werden über das Wertverhältnis auf die gleiche Höhe gebracht. • Das entspricht der Angleichung der Beziehungsstärken jedes der beiden Tauschpartner zum Wertobjekt (bzw. zum Stellvertreter) im Eigentum oder in der Verfügungsgewalt des jeweiligen Gegenübers. • Kennzeichen für die gleiche Höhe ist, dass nach dem Tausch keine weiteren Ansprüche gegenüber dem Tauschpartner verbleiben. • Die aus dem Wertverhältnis resultierende Größe der gegenseitigen Anerkennung von Anspruch und Anrecht ist die ökonomische Größe, die als Wert bezeichnet wird. • Der Wert ist folglich die Größe an Äquivalenz zu Wertobjekten, zu der jeder der beiden Tauschpartner ein Wertobjekt aus dem Eigentum des Tauschpartners übernommen und zu der ebenfalls jeder der beiden Tauschpartner ein Wertobjekt aus seinem Eigentum dem Tauschpartner dafür übergeben hat. Statt eines Wertobjektes kann auf jeder der Partnerseiten ebenso ein Stellvertreter-Wertobjekt in Empfang genommen und folglich auch abgegeben worden sein (z. B. beim Geldwechsel). Bei dem Eigentum kann es sich um direktes oder indirektes Eigentum (z. B. bei einem Verkäufer in einem Warenhaus) handeln. • Die Wertobjekt-Anrechte (Käuferseite) entsprechen im Großen und Ganzen den Löhnen, welche den Arbeitenden als Gegenleistung für den Verkauf ihrer Arbeitskraft gezahlt wurden. Im Allgemeinen widerspiegelt ein „Stellvertreter-Wertobjekt“ – Geld – diese mit dem Verkauf der Arbeitskraft erworbenen Anrechte. Zu den Werten der Arbeitskräfte können aber weitere Gründe für Anrechte auf Wertobjekte hinzukommen, z. B. politisch begründete Macht- und Einflussfaktoren wie Vergünstigungen, Eigentum an Boden und an Naturschätzen oder auch kriminelle Handlungen. • Auf der Käuferseite ist üblicherweise dieses Anrecht auf Wertobjekte vor dem Kauf eines Wertobjektes bereits gegeben: Eine Person verkauft ihre Arbeitskraft und erwirbt damit ein Anrecht auf Gegenleistung. Was der Käufer der Arbeitskraft mit den Arbeitsergebnissen der bezahlten Arbeitskraft macht, ist vom Ergebnis her nicht streng gekoppelt an den Fakt, dass er die Arbeitskraft erst einmal bezahlen muss, wenn sie die gewünschte Leistung erbracht hat. Deswegen wird für die Käuferseite hier der Begriff „Anrecht“ verwendet. • Existenzmittel-Ansprüche (Verkäuferseite) basieren ebenfalls auf den Werten der Arbeitskräfte. Hier sind es die Arbeitskräfte, die an der Bereitstellung der Wertobjekte mitgewirkt haben, mitwirken oder mitwirken werden. Auf der Verkäufersei- 33 zu thEsE 3: te kommen der Mehrwert und ebenfalls politisch begründete Macht- und Einflussfaktoren hinzu. Hier sind es insbesondere das Eigentum an wichtigen Naturstoffen, an Baugrund usw. Nach erfolgreichem Verkauf wird der Verkäufer sicherlich auch Käufer werden, ein Käufer ganz anderer Wertobjekte. Durch seine Verkaufserfolge hat er sich Anrechte auf Wertäquivalente, d.h. auf Existenzmittel, erworben, in etwa so, wie das zuvor die Arbeitskräfte durch den Verkauf ihrer Arbeitskraft taten. • Auf der Verkäuferseite wird immer ein Anspruch auf Gegenleistung gestellt. Ob dieser Anspruch erfüllt werden kann, ist mit dem Angebot des Wertobjektes zum Verkauf nicht sicher. Selbst wenn es verkauft werden kann, geschieht das in vielen Fällen erst nach Verhandlungen – zu einem anderen Wert als dem, der ursprünglich von der Verkäuferseite für dieses Wertobjekt vorgesehen war – deswegen wird für diese Seite „Anspruch“ formuliert. Anm.: Die Verhandlungen werden in unseren Breiten üblicherweise nicht mit den Endverbrauchern beim Einzelhandel geführt. Dazu gibt es hier zu viele Kaufvorgänge. Ergänzung: Ganz sicher gibt es Wertbeziehungen, bei denen diese Gegenüberstellung von Anrecht und Anspruch nicht so eindeutig gegeben ist. Darauf soll hier nicht weiter eingegangen werden. Es ist nur eine Frage, wie der Sachverhalt formuliert und anschaulich dargestellt wird – ohne abweichende inhaltliche Bedeutung. Ökonomische Wertattribute werden mit den Wertobjekten verknüpft Die ökonomischen Wertattribute stehen für Anrechte bzw. Ansprüche auf Existenzmittel oder, anders formuliert, auf Wertobjekte. Die Wertattribute können als bildliche Darstellung der in Bewusstseinsprozessen ideell erfolgenden Verknüpfungen von Ansprüchen und Anrechten auf Wertobjekte gesehen werden. „Verknüpft“ impliziert, dass diese Ansprüche, die gesellschaftlichen „Bestandteile“ der Wertobjekte, nicht in diesen enthalten sind (Bild 3.2). Sie können nur mit diesen verbunden werden. Verbinden lassen sich Ansprüche und Anrechte nicht physisch mit den Wertobjekten. Ansprüche und Anrechte können nur über Bewusstseinsprozesse mit Wertobjekten verbunden werden (im konventionellen Sinne: mit Waren). Dies geschieht allerdings nicht auf rein ideeller Basis. Diese Vorgänge werden durch objektive Gegebenheiten hervorgerufen. Primär wird ein Tauschpartner das Bedürfnis nach dem Nützlichen am Wertobjekt seines Partners haben. Doch diese Nützlichkeit kann er erst erhalten, wenn er eine äquivalente Gegenleistung dafür abliefert. Wertattribute und menschliche sowie maschinelle Arbeitsleistungen Die ökonomischen Wertattribute werden auf genau die spezifischen Eigenschaften der Wertobjekte, welche für den ökonomischen Austausch relevant sind, bezogen und damit verknüpft. Diese spezifischen Eigenschaften erscheinen hauptsächlich als Ergebnisse menschlicher und / oder maschineller Arbeitsleistungen. Der Anteil der Natur an Wertobjekten ist aber auf jeden Fall sehr hoch. 34 Lippert Wertattribute und Resultate von natürlichen Prozessen Doch diese spezifischen Eigenschaften können völlig äquivalent ganz konkret sichtbare Ergebnisse von Abläufen in der Natur sein: Wenn im gegebenen Ereignisfeld Naturressourcen mit ihren für die Menschen relevanten Eigenschaften im geringeren Umfang auftreten als die darauf gerichteten Bedürfnisse, dann können solche Naturressourcen dem ökonomischen Austausch unterworfen werden. Das ist z. B. in vielen Fällen bei Obst, bei Erdöl, Edelmetallen, Eisen und seltenen Erden der Fall. Sicherlich können Naturressourcen als solche nur in die ökonomischen Prozesse einbezogen werden, wenn sie nicht frei verfügbar und außerdem in der Art handhabbar sind, dass sie Eigentums- oder Pachtrechten unterworfen werden können. Dass Naturressourcen unter solchen Bedingungen ausgetauscht werden, ist wichtig für die optimale Entwicklung der Gesellschaft. Das gesellschaftliche Verhältnis Wert hat in diesem Zusammenhang eine stimulierende Funktion. Indem in die Verteilungsprozesse die Arbeitsleistungen der Tauschpartner einbezogen werden, wird durch diese Art der Verteilung der Güter in der Gesamtheit mehr Gerechtigkeit erreicht als durch andere Arten. Weiterhin wird bei der Nutzung von knappen Naturressourcen ihrer Vergeudung entgegengewirkt. Als Folge wird somit unnötigem Mangel bei dringendem Bedarf gegengesteuert. Dass bei der Nutzung von Naturressourcen zusätzlich Gewinnungsaufwand anfällt, der ebenfalls in die ökonomischen Wertbeziehungen eingebracht werden muss, steht außer Frage. Wertattribute – auch für die Verteilung relevant Wertattribute, Existenzmittelansprüche und -anrechte Die Wertbeziehungen zwischen Tauschpartnern werden bezogen auf die Wertattribute von Wertobjekten und Wertäquivalenten und damit auf die Verknüpfungen von Existenzmittelansprüchen bzw. -anrechten mit den ökonomisch wirksamen Eigenschaften der auszutauschenden Wertobjekte. Quelle der Eigenschaften – als solche unwichtig Ob die spezifischen Eigenschaften der Wertobjekte, die zum ökonomischen(!) Austausch führen, von Menschen in die Wertobjekte eingebracht wurden, von Maschinen oder durch die Natur, ist beim Generieren und Verarbeiten der entsprechenden Widerspiegelungen im Bewusstsein nicht wichtig. Die Bedürfnisse, die nach Aneignung von Wertobjekten streben, werden im Normalfall nicht nach solchen Kriterien ausgerichtet. Für den potenziellen Käufer wichtig sind die Forderungen nach der Gegenleistung, egal, womit die begründet wird. Wichtig sind Nützlichkeitsversprechen und keine freie Verfügbarkeit Wichtig dagegen sind hinreichend stark wirkende Nützlichkeitsversprechen, die diese Objekte selbst und eventuell weitere Quellen ausstrahlen. Wenn die Nützlichkeitsversprechen damit verbunden wirken, dass diese (potenziellen) Wertobjekte nicht frei verfügbar sind, werden die Interessenten bereit sein, Gegenleistungen zum Tausch anzubieten. Gegenleistung für vergegenständlichte Arbeiten – nicht notwendig Die Gegenleistungen können für vergegenständlichte Arbeiten, müssen aber nicht dafür erbracht werden, erst recht nicht ausschließlich. 35 zu thEsE 3: Tauschvorgänge werden präpariert Indem die Nützlichkeit von (zu diesem Zeitpunkt noch potenziellen) Wertobjekten in Verbindung mit den geforderten Gegenleistungen bewusst verarbeitet wird, werden die im Aufbau befindlichen Wertverhältnisse auf diesem Wege bereits für konkrete Tauschvorgänge präpariert. Einschätzung der Arbeitsergebnisse – Verarbeitung der Nützlichkeit Was dabei in den Bewusstseinsprozessen verarbeitet wird, sind nicht direkt die verursachenden Aktivitäten für die besonderen Eigenschaften, die diese Objekte usw. zu Wertobjekten machen, insbesondere nicht, wieviel an Arbeit in solchen Objekten vergegenständlicht wurde. Entscheidend sind die Einschätzungen der gesellschaftlichen Bedeutung der besonderen Arbeitsergebnisse oder der Ergebnisse anderer Prozesse (z. B. wirkender Naturkräfte) bezüglich ihrer besonderen Nützlichkeit. „Gesellschaftliche Bedeutung“ wird hier verwendet im Sinne von „Bedeutung für den ökonomischen Tausch“. Nützlichkeit und Gegenleistung Diese Nützlichkeit wird abgewogen gegen die geforderte Gegenleistung. Aus der Forderung nach Gegenleistung ermittelt die Käuferseite den Aufwand, der von ihr erwartet wird. Der Umfang des dahinter versteckten Anteils vergegenständlichter Arbeit dürfte ihr mehr oder minder egal sein. Wichtig dagegen wird die Summe der Arbeitsleistungen aller an der Bereitstellung der Wertobjekte Beteiligten erscheinen, weil alle Beteiligten Ansprüche auf Gegenleistungen erheben. Käuferseite sieht den Preis, nicht den Wertattribut-Inhalt Was die Käuferseite am Wertattribut jedes Wertobjektes erkennen kann, ist die Summe aller Ansprüche der Verkäuferseite. Diese basiert auf den Werten aller beteiligten Arbeitskräfte und damit auch auf Erfahrungen, auf Traditionen, aber ebenso auf erkämpften Tarifverträgen, auf Markennamen, den Verkaufserfolgen der letzten Monate, dem Mehrwertanspruch usw. Alle Bestandteile der Wertattribute sieht der potenzielle Käufer konzentriert im Preis. Ansprüche des Verkäufers mit Nutzen vergleichen Bezogen auf das potenzielle Wertobjekt wird der potenzielle Käufer den zu erwartenden Nutzen in Beziehung setzen zur vom Verkäufer geforderten Gegenleistung. Dieses Konglomerat wird er wiederum mit dem Aufwand in Beziehung setzen, den er zu leisten hätte, wenn er das Wertobjekt erstehen würde. In etlichen Fällen wird er überlegen, ob er die geforderte Gegenleistung einfach akzeptieren sollte oder ob er versuchen sollte zu verhandeln. Die Aufwendungen, um das Wertobjekt bereitzustellen (einschließlich herzustellen), und der erwartete Mehrwert gehen in die Wertgröße des Wertattributes ein. Doch beide bestimmen nicht allein den resultierenden gesellschaftlich relevanten Wert, der in einem Wertverhältnis herausgearbeitet wird. Rückwirkung von Käufer- auf Verkäuferseite Für eine funktionierende Wirtschaft müssen ganz sicher im Durchschnitt stets die Aufwendungen zur Bereitstellung von Wertobjekten in den Wertverhältnissen akzeptiert werden, die üblichen Mehrwerte ebenfalls. Doch um diese Durchschnittswerte herum 36 Lippert schwanken in den einzelnen Wertbeziehungen die resultierenden Wertgrößen. Hierbei sind diese Durchschnittswerte nicht feststehend. Praktisch wird mit jedem einzelnen Kauf der Durchschnittswert verändert, es sei denn, der Kauf würde genau zum Durchschnittswert erfolgen. Außerdem können mit der Zeit die Ansprüche der Anbieterseite in immer geringerem Maße anerkannt werden, insbesondere wenn die Unternehmen nicht optimal an veränderte Situationen angepasst werden. Auch das würde eine Änderung der Durchschnittsgröße bedeuten. Andererseits können die Wertgrößen für die durchschnittlichen Aufwendungen auch angehoben werden. Daraus wiederum folgt, dass die Wertgrößen nicht nur aufwandsbezogen, sondern auch verteilungsbestimmt sind. Anders formuliert: Die gesellschaftlich wirksamen Wertgrößen werden nicht nur von der Bereitstellungs-, sondern ebenfalls von der Verteilungsseite beeinflusst. Die Verteilungsseite wirkt zurück auf die Wertgröße der Aufwendungen der Anbieterseite und damit auf deren Existenzmittelumfang und den zu erwartenden Mehrwert: Gelingt es dem Käufer, die Ansprüche des Verkäufers zu senken, wird damit „automatisch“ der Wert des betroffenen Wertobjektes gemindert – unabhängig von den bereits bezahlten Arbeitsleistungen. Die Verkäuferseite kann in solchen Fällen ihre Ansprüche auf Existenzmittel plus den erwarteten Mehrwert nicht im gewünschten Maße aufrechterhalten. Das gilt für die gerade verkauften Wertobjekte. Welche Maßnahmen daraus abgeleitet werden, hängt aber von vielen Faktoren ab. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass für den Erwerb von Wertobjekten die zu erbringenden Gegenleistungen und damit die akzeptierten Wertattribute ausschlaggebend sind. Die akzeptierten Wertattribute basieren auf den Ansprüchen der Anbieterseite auf Existenzmittel plus einen erwarteten Mehrwert. Doch es wirken weitere Grö- ßen auf die akzeptierten Wertattribute ein und diese können zurückwirken auf die realisierbaren Ansprüche der Anbieter der Wertobjekte. Wesensmerkmale der Wertobjekte Die Wertbeziehungen der Tauschpartner zueinander, d. h. das gesellschaftliche Verhältnis Wert zwischen ihnen, beruht auf zwei Wesensmerkmale der Wertobjekte, welche bereits von Karl Marx herausgearbeitet wurden: Die Wertobjekte sind 1. Objekte mit Gebrauchswert und 2. Objekte mit einem Tauschwert, d. h. die Menschen „befestigen“ an diesen Objekten „ökonomisch relevante Wertattribute“. Marx formuliert zwar nicht, dass der Tauschwert auf einem ökonomisch relevanten Attribut beruht, das mit der Ware verknüpft wird, aber Erstens: Tauschwert bedeutet, dass etwas derart Besonderes mit der Ware verbunden oder in der Ware enthalten ist, dass der Käufer bereit ist, ein ökonomisch relevantes Äquivalent dafür abzugeben. Zweitens: Das Besondere kann nicht in der Art fest in der Ware eingebaut sein, dass es zwingend zu einem Austausch führt. Nach Marx kommt es zu einem Austausch nur mit gesellschaftlich nützlicher Arbeit. Doch ob Arbeit nützlich ist oder nicht, dar- über entscheidet der Verkauf bzw. Nicht-Verkauf. Nach der Produktion z. B. eines stofflichen Wertobjektes, herkömmlich als Ware bezeichnet, steht noch nicht fest, ob sich dafür ein Käufer finden wird. Somit kann diese ökonomisch relevante Besonderheit 37 zu thEsE 3: nicht eingebaut, sondern nur mit der Ware verknüpft sein – oder eben nicht. Infolgedessen kann die Nützlichkeit der dafür aufgewandten Arbeit nicht eingebaut sein. Die Entscheidung über Nützlichkeit / Nutzlosigkeit der zur Erstellung des Wertobjektes/ Objektes aufgewandten Arbeit wird erst auf dem Markt gefällt. Mit anderen Worten: In einigen Fällen wird das Nützliche mit dem Wertobjekt verknüpft, in anderen Fällen nicht. Im Unterschied dazu sind aber die Bezugsgrößen dieser ökonomisch relevanten Besonderheit in der überwiegenden Zahl der Waren vergegenständlicht. In einigen Fällen, z. B. bei „Heiligen Reliquien“ praktisch aller Religionen, werden sogar die Bezugspunkte der Werte mit nahezu absoluter Sicherheit den dazugehörigen Objekten nur über Bewusstseinsprozesse zugeordnet, d. h. sogar die Bezugspunkte der Wertbeziehungen sind in solchen Fällen von virtueller Art. Hier bewirken wohl die Bedürfnisse nach Geld und nach Bedeutung die „Schöpfung“ der für den Tausch relevanten Eigenschaften. Ökonomisches Wertattribut, Beziehungsstärke zum Wertobjekt, Einflussfaktoren Das ökonomische Wertattribut eines Wertobjektes wird üblicherweise mit diesem zunächst über Bewusstseinsprozesse auf der Anbieterseite verknüpft. Im Wertobjekt sind lediglich die Bezugspunkte für ein Wertattribut enthalten. Anschließend wird das Wertattribut für potenzielle Tauschpartner sichtbar gemacht – über die Preisangabe. Wertverhältnisse, Wertattribute und deren Verknüpfungen Ebenso wie die Verkäuferseite ein Wertattribut mit ihrem Wertobjekt verknüpft, so verknüpft äquivalent dazu die Käuferseite ein Wert attribut mit der von ihr angebotenen Gegenleistung. In den meisten Fällen, d. h. wenn Geld als Gegenleistung genutzt wird, gibt der Herausgeber des Geldes eine Zusage zur Wertäquivalenz des Geldes. Diese Zusage wird somit von einer dritten Seite ebenfalls als Wertattribut mit eben diesem Geld verwoben und die meisten Menschen akzeptieren im Normalfall diese Zusage. Weiterhin verknüpft jede der beiden Seiten mit dem Wertobjekt (bzw. dessen Stellvertreter) im Eigentum des Gegenübers ebenfalls ein Wertattribut. Beide Tauschpartner eines Wertverhältnisses müssen in ihr Bedürfnis, oder besser in die Beziehungsstärke zum Wertobjekt des Gegenübers, das damit verbundene Wertattribut einbeziehen. Im Fall des Tausches werden das Wertattribut, das jeder Tauschpartner mit dem eigenen Wertobjekt verknüpft, und das Wertattribut, das jeder Tauschpartner mit dem Wertobjekt oder dessen Stellvertreter im Eigentum des Gegenübers verbindet, auf die gleiche Wertgröße gebracht. Nur unter diesen Bedingungen kann ein ökonomischer Tausch erfolgen. Beziehungsstärke zum Wertobjekt – Einflussfaktoren Beim (zunächst potenziellen) Käufer fließen in die Beziehungsstärke zum gewünschten Wertobjekt – und damit in die Bewertung und Akzeptanz des zugehörigen Wertattributs – viele Faktoren ein. Zu solchen Einflussfaktoren gehören 38 Lippert - die Einschätzung der Nützlichkeit des Wertobjektes in Bezug auf die vorgesehene oder individuell gewählte Zielfunktion (Einschätzung, ob das Ziel vollständig oder nur annähernd erreicht wird, Handhabbarkeit usw.) - die vermutete Qualität des Wertobjektes - der geschätzte notwendige Arbeitsaufwand zum Bezug des Wertobjektes im Verhältnis zum Wert der eigenen Arbeitskraft - die zu erwartende Lebensdauer des Wertobjektes im Vergleich zur vorgesehenen Nutzungszeit und zu Vergleichsprodukten - andere auf dem Markt befindliche Produkte, die Einfluss auf die Kaufentscheidung aus üben - Erfahrungen, kulturelle und religiöse Einflüsse - Werbung, Einflüsse von Aussagen anderer Personen u. v. a. m. In die Beziehungsstärke des Verkäufers zum angebotenen Äquivalent des Käufers, meist Geld, wird das ökonomische Wertattribut, das dem Geld zugeordnet wird, einbezogen. Das Wert attribut, das dem Geld zugeordnet ist, wird nach der Geldsumme, der Währung und der wahrscheinlichen Sicherheit, die mit dem Äquivalenzversprechen des Herausgebers des Geldes verbunden ist, eingeschätzt. „Hängen“ am Eigentum ist wichtig Wie bereits beschrieben, werden beide, d. h. die Käufer- und die Verkäuferseite, auch das Wertattribut, das sie ihrem eigenen Wertobjekt bzw. dessen Stellvertreter zuordnen, in die Wichtung der Beziehungsstärken zum gewünschten Ziel einbeziehen. Der Verkäufer muss notwendig an seinen eigenen Wertobjekten „hängen“, damit er überhaupt in die Lage versetzt wird, für seine Wertobjekte Gegenleistungen zu verlangen. Beim Käufer sieht das ähnlich aus. Er muss an seinen Wertäquivalenten „hängen“, damit er bei für ihn wichtigen Wertobjekten Äquivalente zur Verfügung hat. Gesellschaftlicher Gehalt oder ökonomisches Wertattribut eines Wertobjektes Ab und zu taucht der Begriff „gesellschaftlicher Gehalt“ in dieser Publikation auf. Das ist eine Reminiszenz an die „vergegenständlichte, gesellschaftlich nützliche Arbeit“ der konventionell verstandenen Arbeitswerttheorie nach Marx. Wertattribute, „gesellschaftlicher Gehalt“ und Ähnliches – nichtvergegenständlicht Allerdings würde auch ein im ökonomischen Sinne „gesellschaftlicher Gehalt“ von Wertobjekten nur mit ihnen über Bewusstseinsprozesse verknüpft und nicht darin eingebaut werden. Genauso wäre es mit der „vergegenständlichten, gesellschaftlich nützlichen Arbeit in Waren“. Diese kann nur über Bewusstseinsprozesse mit den Waren verknüpft sein. Die „gesellschaftlich nützliche Arbeit“ ist nicht „die Arbeit an sich“. Die Ergebnisse der Arbeit können selbstverständlich in Waren vergegenständlicht sein. Es geht hier nur um die Nützlichkeit dieser Arbeit im ökonomischen Sinne. Denn Nützlichkeit im ökonomischen Sinne kann nicht vergegenständlicht werden; sie ist von Bewusstseinsprozessen abhängig, die von den (potenziellen) Tauschpartnern auf die Wertobjekte bezogen werden, um die Entscheidung „Tausch oder Nicht-Tausch“ zu treffen. 39 zu thEsE 3: In den Wertobjekten bzw. in den Waren selbst können lediglich Bezugspunkte dafür enthalten sein, eine mögliche Nützlichkeit im ökonomischen Sinne zu erkennen. Aus diesem Grund ist es besser, von ökonomischen Wert attributen zu sprechen. Wertattribute widerspiegeln die Ansprüche der Verkäuferseite auf Gegenleistung und werden bezogen auf die Inhalte der zunächst potenziellen Wertobjekte. In äquivalenter Art werden Anrechte der Käuferseite mit deren Wertäquivalenten verknüpft. Die Verknüpfungen von Wertattributen mit Wertobjekten / Wertäquivalenten geschehen nicht physisch, sondern erfolgen nur in Bewusstseinsprozessen. Es sind ideelle Verknüpfungen mit objektiven (oder, in sehr wenigen Fällen, eingebildeten) bedeutsamen Gegebenheiten. Wertobjekte, objektive Grundlagen, Widerspiegelungen, Wertverhältnisse Das, was an Wertobjekte angeheftet wird, sind gesellschaftliche Größen, die außerhalb des Bewusstseins ihre Voraussetzungen und Grundlagen haben. Die Grundlagen der Wertattribute sind bearbeitete Objekte, menschliche7 und maschinelle Aktivitäten8, bestimmte Ideen, Eigentum an bestimmten Naturressourcen usw. Bewusstseinsprozesse widerspiegeln diese wertbildenden Gegebenheiten. In einigen Fällen werden durch diese Widerspiegelungen Wertverhältnisse initiiert. Nur in den Fällen, in denen Bewusstseinsprozesse zu Wertverhältnissen führen und dadurch die ideellen Vorstellungen nach außen wirken müssen, werden die entsprechenden Widerspiegelungen der wertbildenden Gegebenheiten auf der gesellschaftlichen Ebene wirksam gemacht. Nur mit den Wertverhältnissen werden die ideellen Wertvorstellungen in objektive Grö- ßen transformiert, die außerhalb der Bewusstseinsprozesse wirken. Das gesellschaftliche Verhältnis Wert wird damit aber nicht in Gegenstände oder Ähnliches übertragen. Als gesellschaftliche Größe bleibt der Wert an Bewusstseinsprozesse gekoppelt. In einem Wertverhältnis wirken diese Bewusstseinsprozesse aber nicht mehr individuell, sondern im Verbund dieses Wertverhältnisses zwischen den Tauschpartnern. Die gemeinsame Basis ist die von beiden Partnern erkannte (wirkliche oder vorgegaukelte) objektive Realität auf der gesellschaftlichen Ebene. Üblicherweise müssen beide Partner ihre individuellen Vorstellungen einander anpassen, um zum ökonomischen Tausch der Wertobjekte zu gelangen. Dabei ändern sie nicht die objektive Realität der Wertobjekte, sondern nur deren jeweilige Interpretation. Als Resultat gleichen sie ihre Beziehungsstärken zu Wertobjekt und Gegenleistung einander an. Wertverhältnis, Ausweitung individueller Wertvorstellungen auf den Partner Das eben Beschriebene noch einmal mit anderen Worten: In einem Wertverhältnis wird die individuelle Wertvorstellung ausgeweitet auf den Tauschpartner. Damit wird der individuelle Wirkungsbereich der Wertvorstellung verlassen und über die gesellschaftliche Ebene in die Bewusstseinsprozesse des Tauschpartners eingebracht, wie wiederum dessen individuelle Wertvorstellungen auf den erstgenannten Tauschpartner zurück- 7 Menschliche Aktivitäten Hierzu zählen Arbeitsprozesse, kulturelle Aktivitäten, Wissenschaft und Forschung, Technologieentwicklung u. a. 8 Maschinelle Aktivitäten Hierzu zählen Rechenleistungen, Montage- und Bearbeitungsprozesse, Transportvorgänge, Überwachungsprozesse, sogar Spiele und Wettkämpfe usw. 40 Lippert wirken. Diese Rückwirkungen erfolgen notwendigerweise ebenfalls über die gesellschaftliche Ebene. Mit diesen Ausweitungen der individuellen Wertvorstellungen geht im Normalfall einher, dass sie nicht unverändert von der Partnerseite übernommen werden. Die individuellen Wertvorstellungen werden über die gesellschaftliche Ebene einander angeglichen. Wert, gesellschaftliche Einflüsse, Widerspiegelung in Bewusstseinsprozessen Wenn die Tauschpartner ihre individuellen Wertvorstellungen einander angleichen, wirken unzählige gesellschaftliche Einflüsse, die nicht alle von den Tauschpartnern auch nur annähernd bewusst erfasst werden können. Die gesellschaftlichen Einflüsse werden nur auszugsweise wirklich bewusst und individuell verarbeitet. Die Ergebnisse dieser Verarbeitung sind insbesondere die Einschätzungen, ob die Preise und die dafür angebotenen Gegenleistungen gerechtfertigt sind. Solche Vergleiche werden fast immer mit (potenziellen) Wertobjekten geführt, die gleichen, ähnlichen oder sogar völlig anderen Zielen dienen. Die Wertgrößen werden in den Bewusstseinsprozessen beider Tauschpartner als Wertattribute von Wertobjekten und Gegenleistungen widergespiegelt. Wertattribute, Doppelcharakter, ideell und objektiv Aus dem bisher Beschriebenen geht hervor, dass Wertattribute einen Doppelcharakter besitzen: Sie werden ideell widergespiegelt in den Bewusstseinsprozessen der Tauschpartner und auf der gesellschaftlichen Ebene als gesellschaftliche Größen zwischen den Tauschpartnern objektiv manifestiert. Nur dadurch, dass die Tauschpartner die Wertattribute von Wertobjekt und Gegenleistung nach außen wirken lassen, können Wertobjekte und Gegenleistung ökonomisch ausgetauscht werden. Wertattribute, objektive Manifestation Die objektive Manifestation der Wertattribute ist nicht identisch mit den objektiven Voraussetzungen einer Wertbeziehung. Diese Voraussetzungen für Wertbeziehungen sind bei bearbeiteten Gegenständen die Ergebnisse menschlicher und maschineller Arbeiten, bei Naturgütern die speziellen Eigenschaften dieser Naturgüter, die zum ökonomischen Austausch führen, bei Patenten die dahinter stehenden Ideen und bei Konzerten sicherlich menschliche Aktivitäten, die auf der gesellschaftlichen Ebene ausgeführt werden. Doch all diese Voraussetzungen führen nicht zwangsweise zum Austausch. Die im Bewusstsein herausgebildeten Wertattribute werden auf andere Weise objektiv manifestiert. Die sicherlich wichtigste Manifestation der Wertattribute ist der Tausch der Wertobjekte auf ökonomischer Basis. Der Tausch wird objektiv und für Dritte sichtbar auf der gesellschaftlichen Ebene durchgeführt. Im Rahmen eines Wertverhältnisses werden weitere Elemente der Wertattribute objektiv geäußert. Das sind insbesondere der veranschlagte und der ausgehandelte Preis. Dieser ausgehandelte Preis entspricht auf der Verkäuferseite der gesellschaftlich relevanten Anerkennung des Anspruchs auf Wertobjekte als Gegenleistung für die Abgabe des Wertobjektes. Auf der Käuferseite entspricht der ausgehandelte Preis dem Anrecht auf Wertobjekte in gleichem Preisumfang. Dieses Anrecht gilt als gesellschaftlich anerkanntes Äquivalent, das vom Käufer als Gegenleistung für den Erwerb des Wertobjektes abgegeben werden muss. 41 zu thEsE 3: Käuferseite, Eigentümer von Geld oder Wertobjekt als Wertäquivalent Die Trennung von Käufer- und Verkäuferseite beschreibt nur die übliche Situation in Wertverhältnissen: Die Verkäuferseite veräußert ihr Wertobjekt gegen Geld der Käuferseite. Bei der Abgabe von „richtigen“ Wertobjekten als Gegenleistung würden auf beiden Seiten Ansprüche auf Gegenleistung als Wertattribute mit den Wertobjekten verknüpft werden. Beide Seiten könnten nicht wirklich unterschieden werden bezüglich Käuferund Verkäuferseite. In einem solchen Wertverhältnis gibt es Unterschiede zu einem Wertverhältnis, in dem Wertobjekt gegen Geld getauscht wird: 1. In einem Wertverhältnis, in dem Wertobjekt gegen Wertobjekt getauscht wird, stehen sich Verkäufer und Verkäufer gegenüber. Üblicherweise reklamiert eine Verkäuferseite einen Anspruch auf Existenzmittel, während die Käuferseite bereits ein Anrecht auf Existenzmittel erworben hat. In einem Wertverhältnis, in dem Wertobjekt gegen Wertobjekt getauscht wird, wird ein Anspruch auf Wertobjekte einem ebensolchen Anspruch gegenübergestellt. Damit überwiegt in einem solchen Wertverhältnis die Verkäuferseite, da zwar auf beiden Seiten auch gekauft wird, aber kein Anrecht auf Wertobjekte gegeben ist. 2. In einem Wertverhältnis, in dem Wertobjekt gegen Wertobjekt getauscht wird, sind auf beiden Seiten die Wertattribute mit den auszutauschenden Wertobjekten direkt verbunden. Beim Geld dagegen wirkt die Verbindung von Wertattribut und Geld nur indirekt, da der Bezugspunkt des Wertattributes kein „Inhalt im Geld“ ist, sondern nur ein Versprechen des Herausgebers des Geldes – ein Versprechen auf Wertobjekt-Äquivalenz. Diese unterschiedlichen Beschreibungen widerspiegeln aber keine grundlegenden Unterschiede zwischen solch einem und einem „üblichen“ Wertverhältnis. Wertattribute – Bestandteile jeweils in beiden Partnern – nur die Einheit ist wirksam In einem Wertverhältnis wirkt während der Realisierungsphase im Bewusstsein jedes Tauschpartners jeweils die Hälfte von allen Wertattributen. „Alle Wertattribute“ sind 1. Die Wertattribute vom Wertobjekt Die Verkäuferseite verbindet mit ihrem Wertobjekt ein Wertattribut, ebenso verbindet die Käuferseite mit diesem Wertobjekt ein Wertattribut. 2. Die Wertattribute vom Wertäquivalent Die Käuferseite verbindet mit ihrem Wertäquivalent ein Wertattribut und ebenso verbindet die Verkäuferseite mit dem Wertäquivalent ein Wertattribut. Im Rahmen des Wertverhältnisses werden diese vier Wertattribute der Käufer- und der Verkäuferseite zusammengeführt. Beim Aufbau des Wertverhältnisses können diese Wertattribute unterschiedlich sein. Im sich entwickelnden Wertverhältnis gleichen Käufer- und Verkäuferseite diese Wertattribute einander an. Kommt es zur Übereinstimmung, kann der Austausch vollzogen werden. Sonst wird das Wertverhältnis ohne Austausch beendet werden. 42 Lippert Im Wertverhältnis erscheint für jeden der Tauschpartner der andere Teil objektiv, da er nicht im eigenen Bewusstsein platziert und trotzdem wirksam ist. Dritten Personen gegenüber erscheint das Wertverhältnis zwischen den Tauschpartnern ebenfalls objektiv, da es auf der gesellschaftlichen Ebene wirksam ist. Das wird verdeutlicht durch Mehrwertsteuer, Kaufverträge, Versicherungen etc. Wertattribute – vier Merkmale Die vier wichtigsten Merkmale jedes Wertattributs sind 1. die ideelle Basis in den Bewusstseinsprozessen der Anbieterseite, hervorgerufen und bestimmt durch die objektiven Gegebenheiten und in Verbindung mit dem Angebot des Wertobjektes. Dabei werden erfasst: die Kosten der beteiligten Arbeitskräfte, die direkt an der Bereitstellung des Wertobjektes beteiligt waren, die Werte der Arbeitskräfte, die Zulieferprodukte etc. lieferten, die Werte von bestimmten Naturstoffen und der erwartete Mehrwert. Dieser Teil des Wertattributes entspricht einer „Ideellen Basis“, weil die Zusammenstellung der Kosten und die Veranschlagung des erwarteten Mehrwerts nicht außerhalb des Bewusstseins erfolgen können. Diese Grundlage wirkt zunächst nur als Wunschvorstellung auf einer Seite eines (potenziellen) Wertverhältnisses. Ob die andere Seite diese Vorstellungen von Anspruchsverknüpfungen an das (zunächst potenzielle) Wertobjekt akzeptiert, ist offen. 2. deren objektive Manifestation auf der gesellschaftlichen Ebene – das Wertobjekt bekommt einen Preis zugeordnet. Damit wird die objektiv basierte, aber trotzdem zunächst ideelle Vorstellung aus dem ideellen Bereich auf die gesellschaftliche Ebene gebracht und dort sichtbar gemacht. Von der Existenz her wird das Wertattribut damit zu einer objektiven Größe, aber ökonomisch wirksam ist es weiterhin noch nicht als eine solche. 3. die Widerspiegelung der objektiven Manifestation des Wertattributs in den Bewusstseinsprozessen des anderen Tauschpartners – das Wertobjekt und sein Preis werden erfasst und verarbeitet. Damit wirkt das Wertattribut auf der gesellschaftlichen Ebene. In dieser Phase wird entschieden, ob das Wertattribut von beiden Seiten des Wertverhältnisses akzeptiert und genutzt wird. In solch einem Fall würde das Wertattribut des Wertobjektes (und damit „automatisch“ das des Wertäquivalents) zu einer objektiven Größe gewandelt werden. Möglich ist aber auch, dass nur ein Teil des Wunsches, d.h. des Anspruchs auf Gegenleistung, akzeptiert wird. In diesem Fall würde die objektiv wirksame Wertgröße eine geringere Werthöhe bekommen. Ebenso kann das Wertattribut eine rein ideelle Vorstellung der Anbieterseite bleiben. 4. das Wirken auf der gesellschaftlichen Ebene, wenn die Tauschpartner sich auf die Werthöhe der Wertattribute von Wertobjekt und Wertäquivalent geeinigt haben und Wertobjekt gegen Wertäquivalent tauschen. Zu diesem Zeitpunkt hat jedes Wertattribut die gleiche Werthöhe. Diese Werthöhe ist auch eine objektive, denn sie existiert auch außerhalb der Bewusstseinsprozesse eines jeden Tauschpartners und ist darüber hinaus für Dritte fassbar. Damit ist zu diesem Zeitpunkt jedes Wertattribut in dem Wertverhältnis ein auch objektiv wirkendes. 43 zu thEsE 3: Bevor Menschen ein Wertverhältnis aufbauen, wird zunächst nur das eben als Erstes genannte Merkmal „ins Leben gerufen“. Das geschieht bei Planung und Produktion eines potenziellen Wertobjektes. Mit dem Angebot auf dem Markt muss der Anspruch auf Gegenleistung in Form des Preises sichtbar gemacht werden. Somit würden zu diesem Zeitpunkt zwei Merkmale der Wertattribute wirken. Sobald die zunächst potenziellen Tauschpartner ihr Wertverhältnis aufbauen, wird auch das dritte Merkmal wirksam werden. Die Wertattribute wirken dann bereits auf der gesellschaftlichen Ebene, sind aber zunächst noch ideelle Wertgrößen, deren objektiver Anteil „noch in Bearbeitung“ ist. Ab diesem Zeitpunkt bilden die drei Bestandteile eine Einheit, man kann sagen eine „Bearbeitungseinheit“, die zum Austausch führen soll. Damit der Austausch zustande kommen kann, müssen die Wertattribute im Rahmen der Einheit noch einander angeglichen werden. Das vierte Merkmal belegt, dass die ideellen Vorstellungen der Tauschpartner auf der gesellschaftlichen Ebene zu einer gemeinsamen objektiven Größe geformt wurden. Die Wertattribute können ab diesem Zeitpunkt auf der gesellschaftlichen Ebene für den Tausch wirksam werden. Noch einmal zur Angleichung der Wertattribute Die Bezugspunkte der Wertattribute, z. B. in bestimmter Form vergegenständlichte Arbeiten, werden in den Bewusstseinsprozessen der Tauschpartner widergespiegelt und verarbeitet. Voraussetzung dafür sind die objektiv existierenden (zunächst potenziellen) Wertobjekte. Beide Tauschpartner erfassen die (potenziellen) Wertobjekte, damit werden in den Bewusstseinsprozessen beider diese objektiven Gegebenheiten ideell abgebildet. Diese Widerspiegelungen der objektiven Realität werden verarbeitet in Verbindung mit den Erwartungen des Tauschpartners (Preis), mit eigenen Erwartungen, Erfahrungen, Einflüssen aus dem familiären Umfeld, Einflüssen aus anderen Umfeldern, Traditionen usw. Über diese Verarbeitungsprozesse versuchen die Tauschpartner, die zunächst erfassten Wertattribute der potenziell auszutauschenden Wertobjekte an die eigenen Vorstellungen anzupassen. Je nach Situation bringen die (zunächst potenziellen) Tauschpartner im Dialog die für den Tausch wichtigen Wertattribute auf die gleiche Größe, oder ein Tauschpartner passt sich an, die Wertattribute waren von vornherein gleich groß - oder es wird gar kein Wertverhältnis aufgebaut. Objektive und ideelle Bestandteile der Wertattribute Für die Wertverhältnisse sind sowohl die objektiven als auch die ideellen Bestandteile der Wertattribute notwendige Voraussetzungen. Die objektiven Anteile können nicht ohne Widerspiegelungen in Bewusstseinsprozessen gesellschaftlich wirksam werden. Die ideellen Anteile wiederum wären ohne die objektiven reine Traumvorstellungen. Mit ihnen könnten Menschen auf der gesellschaftlichen Ebene praktisch nichts bewirken. Die Preise wären reine Wunschvorstellungen. 44 Lippert Die wesentlichen Aufgaben des Wertes Aus all dem bisher Dargelegten ergeben sich für den Wert fünf wesentliche Aufgaben: 1) Kopplungsfunktion Sie koppelt das Bezugsobjekt, das Wertobjekt, welches außerhalb des Bewusstseins existiert, an das Bewusstsein. 2) Äußerungsfunktion Diese äußert die zwischen den Tauschpartnern wirksame Wertbeziehung auf der gesellschaftlichen Ebene für jeden der Tauschpartner und für Dritte in objektiver Art. 3) Angleichungsfunktion Die Käuferseite kann die Forderungen der Verkäuferseite als völlig gerechtfertigt akzeptieren, die eigenen Vorstellungen an die der Verkäuferseite anpassen (im Kaufhaus) oder versuchen, die Ansprüche der Verkäuferseite an die eigenen Vorstellungen anzupassen (im Basar). 4) Übertragungs- bzw. Tauschfunktion Sie führt dazu, dass die Tauschpartner Wertobjekte und / oder deren Stellvertreter gegeneinander tauschen. 5) Stimulierungsfunktion Dass zum Erwerb eines Wertobjektes eine Gegenleistung aufgebracht werden muss, stimuliert die schonende Verwendung aller bewusst einbezogenen Ressourcen. Damit steuert der Wert der Ressourcenverschwendung entgegen. Das betrifft die Seite der Herstellung / Bereitstellung und die Käuferseite. zu 1) Kopplungsfunktion des Wertes Grundlegend für die Kopplungen von Wertobjekten und Wertobjektäquivalenten an das Bewusstsein sind immer die Bedürfnisse der Menschen. In einer Wertbeziehung sind vier Arten von Kopplungen gegeben: 1. Die Kopplung jedes Tauschpartners an das (direkt oder indirekt) eigene Wertobjekt bzw. an einen Stellvertreter (z. B. Geld). 2. Die Kopplung jedes Tauschpartners an das Wertobjekt bzw. an einen Stellvertreter auf der jeweils gegenüberstehenden Seite. 3. Die Kopplung beider Tauschpartner an das gesellschaftliche Umfeld. 4. Die Kopplung beider Tauschpartner an das natürliche Umfeld. Die Kopplung zwischen dem Bewusstsein und dem betreffenden Tausch- bzw. Wertobjekt muss bestimmten Bedingungen genügen, um als gesellschaftlich relevante Größe überhaupt wirken zu können. Hier folgen einige dieser Bedingungen: 1. Die Kopplung mit dem Wertobjekt als Eigentum ist ideeller Art, da das Bewusstsein mit Eigentum auf keine andere Art verbunden sein kann. Das betrifft die direkte Beziehung zwischen dem Eigentümer und dem Eigentum. 2. Die Kopplung wird durch die gesellschaftlichen und die natürlichen Verhältnisse geprägt und bestimmt. 45 zu thEsE 3: 3. Die Kopplung muss aus dem gesellschaftlichen Kontext heraus erklärbar sein, denn sonst wäre der Wert kein gesellschaftliches Verhältnis. Da die menschliche Gesellschaft in den natürlichen Kontext eingebettet ist, muss auch der natürliche Kontext neben dem gesellschaftlichen wirken. 4. Die Kopplung muss eine gesellschaftliche Relevanz besitzen. 5. Da Eigentum in Wertbeziehungen nur auf der gesellschaftlichen Ebene objektiv wirksam werden kann, müssen die objektiv gegebenen Wertobjekte den Tauschpartnern so zugeordnet werden, dass diese Zuordnungen als Eigentum der Tauschpartner von der Gesellschaft als objektiv gesehen werden, trotz der ideellen Bindung. Denn nur gesellschaftlich wirksame Zuordnungen können zu gesellschaftlich relevanten Tauschvorgängen führen (Ideell könnten sich die Tauschpartner beliebig viel oder wenig zuordnen – für die Gesellschaft wäre das nicht wichtig). Demzufolge muss die ideelle Kopplung der Wertobjekte an die Bewusstseinsprozesse auf der gesellschaftlichen Ebene durch gesellschaftliche Regeln, die verbindliche Zuordnungen ermöglichen, unterstützt und abgesichert werden. 6. Die Kopplung des Wertobjektes muss letztendlich aus dem Arbeitsprozess als gesellschaftlichem Prozess ableitbar sein. Denn nur in Verbindung mit der Arbeit ist das gesellschaftliche Verhältnis Wert in der Gesamtheit erklärbar. Und nur das gesellschaftliche Verhältnis Wert macht es notwendig, Wertobjekte im Sinne von Tauschobjekten (nicht von Objekten und nicht von „Werten“ als solche) an das Bewusstsein zu koppeln. 7. Die spezielle Art der Kopplung von Wert(!)-Objekten an das Bewusstsein ist untrennbar damit verbunden, dass ein Wertobjekt / Stellvertreter-Wertobjekt nur im Tausch gegen ein anderes Wertobjekt / Stellvertreter-Wertobjekt erlangt werden kann. 8. Wert als gesellschaftliches Verhältnis kann nur in Verbindung mit Eigentum oder anderen Formen der Verfügungsgewalt (Pacht etc.) herausgebildet werden. Das Eigentum an Wertobjekten / Stellvertreter-Wertobjekten funktioniert nur im Zusammenhang mit einer Bindungsenergie zwischen Bewusstsein und Wertobjekt- / Stellvertreter-Wertobjekt. Diese Bindungsenergie muss permanent aufrechterhalten werden, d.h. der Eigentümer muss permanent sein Interesse an seinem Eigentum aufrechterhalten. Sobald dieses Interesse erlischt, und das ohne Interesse an einem Verkauf, würde der Verlust solchen Eigentums den Eigentümer nicht stören. 9. Um ein Wertobjekt von einem Anbieter zu erwerben, muss dessen Kopplung an das Wertobjekt (Bindungsenergie) überwunden werden. Die Bindungsenergie wird über den Preis zum Ausdruck gebracht. 10. Die Bindungsenergie der Anbieterseite zu ihrem eigenen Wertobjekt wird überwunden, indem ein Wertäquivalent als Ausgleich übereignet wird. Dem Wertäquivalent wird zwar von beiden Tauschpartnern die gleiche ökonomische Wertgröße wie dem Wertobjekt selbst zugeordnet. Aber ein ökonomischer Tausch wird von beiden Tauschpartnern schließlich realisiert, weil sich jeder von dem Zielwertobjekt einen größeren Vorteil verspricht als von dem im Eigentum befindlichen – bei ökonomischer Wertgleichheit. 11. Für den ökonomischen Tausch muss folglich zusätzlich zur Widerspiegelung des Wertattributes noch eine weitere ideelle Widerspiegelung eines objektiv gegebenen 46 Lippert Fakts oder zumindest eine Vermutung über einen solchen wirken. Diese zusätzlich wirkende Größe dürfte die Einschätzung der Nützlichkeit des Wertobjektes / des Stellvertreter-Wertobjektes für den Eigenbedarf sein. 12. Für die Stabilität der Gesellschaft ist es wichtig, dass bestimmte Objekte getauscht und nicht einfach abgegeben werden. Das betrifft Objekte aus dem Eigentum, die hauptsächlich erarbeitet wurden bzw. werden oder die selten sind, wie bestimmte Naturprodukte. 13. Ohne gesellschaftlich geschütztes Eigentum wiederum wäre keine stabile Grundlage für den Tausch gegeben.9 Eigentum wiederum ist nicht ohne eine Kopplung der Eigentums-Güter an den Eigentümer vorstellbar. 14. Die Existenzform der Kopplung von Wertobjekten an das Bewusstsein muss vereinbar sein mit der biologischen Natur des Menschen. 15. Es muss eine Triebkraft für die Herausbildung und Entfaltung dieser Kopplung existieren, insbesondere eine Triebkraft zur Herausbildung einer Beziehung bestimmter Stärke zum jeweiligen Bezugsobjekt / Wertobjekt. Ziel dieser Beziehungsstärke ist die Aneignung des Wertobjekts. Nach der Aneignung kann von einer Bindungsenergie gesprochen werden, mit der das Bewusstsein dafür sorgt, dass der Eigentümer (im eigenen Interesse oder im Interesse einer Institution) dieses dann ehemalige Wertobjekt festhält. 16. Die Kopplung muss im Durchschnitt eine Stimulationswirkung für die ökonomischen Prozesse hervorrufen, besitzen oder verstärken. Beziehungsstärke Allen diesen Anforderungen an die Kopplung von Wertobjekt und menschlichem Bewusstsein wird eine bestimmte Beziehungsstärke gerecht, welche einer Präzisierung und Verstärkung eines Bedürfnisses nach dem entsprechenden Wertobjekt entspricht. Das Bewusstsein baut nur unter bestimmten Bedingungen eine Beziehungsstärke zu dem Objekt, dem Wertobjekt, in der Art auf, dass daraus ein gesellschaftliches Wertverhältnis entstehen kann. Solch eine Beziehungsstärke basiert auf einem gesellschaftlich und einem natürlich geprägten Bedürfnis. Darüber drängt das Bewusstsein auf Aneignung des Wertobjektes.10 Nur das menschliche Bedürfnis als spezielle Ausprägungsform des Bewusstseins kann die Wertobjektkopplung an einen Menschen, und damit auch an die gesellschaftli- 9 Eigentum und Tausch – wichtig für die Stabilität der Gesellschaft (12. und 13.) Die Aussage, dass für die Stabilität der Gesellschaft Wertobjekte getauscht werden müssen und dass diese Tauschvorgänge nur in Verbindung mit Eigentum funktionieren können, gilt für alle Gesellschaften, in denen das Angebot an Wertobjekten nicht so umfassend ist, dass sich die Menschen ohne spürbare Einschränkungen so viel zuordnen können, wie sie zum und im Leben bewältigen können und dabei zusätzlich keinen Drang zur Aneignung weiterer Wertobjekte verspüren. In der jetzigen Zeit ist eine Gesellschaft, in der Wertobjekte nicht getauscht werden müssen, nicht vorstellbar. 10 Das gesellschaftlich und natürlich geprägte Bedürfnis drängt auf Aneignung. In einigen Fällen wird der natürliche Anteil am Bedürfnis nicht gesehen werden. Doch er ist trotzdem vorhanden, z. B. beim Kauf eines Kopfhörers: Ohne die Besonderheiten des menschlichen Gehörs, das Frequenzen in einem bestimmten Bereich aufnehmen kann, ist der Kauf eines elektro-akustischen Gerätes mit genau darauf abgestimmten technischen Daten nicht erklärbar. Möglicherweise gibt es gesellschaftlich geprägte Bedürfnisse ohne natürlichen Anteil. Darüber soll hier nicht spekuliert werden, da es in diesem Zusammenhang nicht wichtig ist. 47 zu thEsE 3: chen Verhältnisse und Prozesse, bewerkstelligen (Bild 3.1). Eine Beziehungsstärke wird hier als besonders stark ausgeprägtes Bedürfnis gesehen, als ein Bedürfnis, das bereits auf die Aneignung des vorausgewählten Wertobjektes gerichtet ist oder Eigentum festhält. Beziehungsstärken – als Vektoren dargestellt Die Beziehungsstärken der Tauschpartner zu Wertobjekt und Wertäquivalent können als Vektoren dargestellt werden. Die Kräfte dieser Beziehungsstärken lassen die Tauschpartner diametral gegeneinander wirken. Der Stärke-Betrag entspricht dabei der Wertgröße, die auf der jeweiligen Stufe der Herausbildung des Wertes von den Tauschpartnern gesehen wird. Beim Tausch wird die resultierende Betragsgröße gesellschaftlich relevant zum Ausdruck gebracht. Wert ist bidirektional Aus den vorangestellten Zeilen folgt, dass das gesellschaftliche Verhältnis Wert kein einzelnes Faktum und keine einseitige Beziehung sein kann. Wert als gesellschaftliches Verhältnis hat immer zwei Wirkungsrichtungen – analog einem Magnet in der klassischen Physik. (Dass beide Seiten sich gegenseitig anziehen, ist beim Wertverhältnis ebenso gegeben.) Ein „unipolarer Wert“, ausgehend von einer Person und endend bei ebendieser oder ausgehend von einem „Partner“, dessen gewünschte Wertbeziehung nicht erwidert wird, oder ein „Wert an sich“, existierend in einem Produkt – all diese Konstrukte sind prinzipiell nicht als Wert existenzfähig, wenn Wert wirklich als gesellschaftliches Verhältnis aufgefasst wird. Auch aus diesem Grund kann Wert nicht vergegenständlicht werden. Die bidirektionale Eigenschaft des Wertes wiederum kann nur mit starken Kopplungen (Bedürfnissen, Beziehungsstärken) zum angestrebten Wertobjekt und zum Wertäquivalent der jeweiligen Gegenseite und zusätzlich zum jeweils eigenen Wertobjekt / Wertäquivalent erklärt werden. Herausbildung der Kopplung Wie kommt es überhaupt zur Herausbildung einer Kopplung zwischen dem Bewusstsein und dem jeweiligen Wertobjekt? Die Wurzeln dieser Erscheinung reichen ganz sicher weit in die vormenschlichen Entwicklungsetappen der Natur zurück. Bei einem klugen Autor fand ich das folgende Statement: „Die Bewegung, die Motivation und das beendende Verhalten bilden Basiselemente der Evolution.“11 Bedürfnisse dienen dem Lebenserhalt, der Verbesserung der Lebenssituation und der Fortpflanzung. Bewegung und die Verarbeitung des Umfeldes generieren Bedürfnisse, insbesondere in Verbindung mit den Sinnesorganen. Die Bedürfnisse motivieren vor allem zu Veränderungen. Veränderungen im Umfeld motivieren wiederum zu weiteren Bewegungen. Im absoluten Stillstand kann kaum Motivation generiert werden. 11 Basiselemente der Evolution Leider ist der Name des Autors dieser Aussage für den Verfasser des vorliegenden Buches nicht mehr auffindbar. Die Aussage passt aber sehr gut zur Anschauung, die der Verfasser vertritt. Deswegen wird sie hier verwendet. 48 Lippert Ohne Motivation wiederum würde die Bewegung erschlaffen, verschwinden und in der Folge würden auch die Bedürfnisse verschwinden. Zunächst die natürlichen, später die menschlichen / gesellschaftlichen Bedürfnisse haben Motivationen ausgeprägt, die zur Nutzung und später auch zur Aneignung von Objekten führten. Zuerst der Instinkt, später das Bewusstsein haben die entsprechenden Aktivitäten selektiert, d. h. gewichtet, mit dem Ziel einer höheren Gesamteffektivität aller Bewegungsabläufe und einer optimalen Ressourcenverteilung zur Maximierung der Überlebenschance. (Anm.: Das Wichten ist Thema der folgenden These.) Das beendende Verhalten wird durch den herbeigeführten Bedürfnisbefriedigungsprozess verwirklicht. Damit verbunden ist vor allem die Bewertung der Resultate dieses Prozesses. Einen besonderen Stellenwert hat bei dieser Bewertung, wie die wirklich erzielten Erfolge bei gegebenem Aufwand eingeschätzt werden. Über die natürliche Auslese und über das Lernverhalten werden im Laufe der Zeit die Bedürfnisse weiter selektiert und die Selektionsprozesse dabei verfeinert. Mit dem Aufkommen des Bewusstseins bei den Menschen werden die bereits existierenden natürlichen Bedürfnisse mit gesellschaftlichen Faktoren überlagert. Im Laufe der weiteren Entwicklung wird dieser Überlagerungsprozess immer stärker ausgeweitet. Ab einer bestimmten Stufe der Entwicklung kann von a) überwiegend natürlich, b) etwa gleichermaßen gesellschaftlich und natürlich und c) überwiegend gesellschaftlich geprägten Bedürfnissen gesprochen werden. Diese These basiert vor allem auf Logik. Die drei Bedürfnisarten sind objektiv determiniert, wobei die gesellschaftlich (mit) geprägten Bedürfnisse vermittelt über das Bewusstsein hervorgebracht und gesteuert werden. Bedürfnis als Triebkraft Hinreichend starke Bedürfnisse wirken als Triebkräfte für die Erfüllung von Wünschen. In sehr vielen Fällen sehen sich die Menschen nur in Verbindung mit der Nutzung zusätzlicher Ressourcen in der Lage, sich wichtige Wünsche zu erfüllen. Damit werden die Wünsche zu Motoren für Aktivitäten, mit denen sie solche Ressourcen nutzbar machen können. In den gegenwärtigen Gesellschaften können die Menschen sehr viele Ressourcen12 nur erlangen, indem sie andere Ressourcen dafür abgeben. Somit wirken die Bedürfnisse als wichtige Triebkräfte zur Entfaltung von Aktivitäten, um den eigenen Möglichkeiten entsprechende Äquivalente bereitzustellen, die das Ziel haben, gewünschte nützliche Objekte, Aktivitäten usw. einzutauschen. Die Bedürfnisse nach den angestrebten Objekten, Aktivitäten usw. reichen aber nicht dafür aus, dass die Menschen Wertverhältnisse miteinander eingehen. Diese Be- 12 … sehr viele Ressourcen … Luft dürfte wohl die am meisten genutzte Ressource sein. Doch die ist in der jetzigen Zeit zu bekommen, auch ohne dafür direkt ein Äquivalent bereitzustellen. Ganz kostenfrei ist sie aber in einigen Ländern schon nicht mehr. Da die Preise der damit produzierten Wertobjekte auch die Abgaben (Zertifikate) für die Luftverbesserung enthalten, dürften mittlerweile bereits alle Menschen direkt oder indirekt für die Nutzung von Luft bezahlen. 49 zu thEsE 3: dürfnisse müssen ergänzt werden durch das Bedürfnis, die eigenen Tauschäquivalente festzuhalten, bis sich Gelegenheiten bieten, um begehrte Güter einzutauschen, die nicht durch eigene Aktivitäten etc. erstellt, gefunden usw. werden können. Somit sind für Wertverhältnisse bei jedem Tauschpartner zwei Bedürfnisse wichtig: Die einen zielen auf die gewünschten Güter und die anderen auf die dafür abzugebenden Äquivalente. Das menschliche Bedürfnis hat sich in der Evolution der Gesellschaft als sehr günstige Triebkraft der Entwicklung herausgebildet und durchgesetzt. Es kann als eine Art aktivierter instabiler Bewusstseinszustand des Menschen aufgefasst werden, der darauf drängt, den Bewusstseinszustand eben dieses Menschen über einen Bedürfnisbefriedigungsprozess in einen stabilen Zustand zu überführen. Durch Erfolge wird Wohlbefinden hervorgerufen und so werden die Bewusstseinsinhalte gefestigt und erweitert, neue Bedürfnisse entstehen und die Entwicklung wird forciert. Durch Misserfolge wird Unwohlsein und Ablehnung des beschrittenen Weges hervorgerufen. Doch sogar über Misserfolge kann die Entwicklung in bestimmtem Maße gefördert werden. Wird vom Bewusstsein ein existierendes Objekt, eine bestimmte Aktivität oder eine Idee als nützlich und erstrebenswert erkannt, dann kann über ein darauf gerichtetes Bedürfnis deren Aneignung stimuliert werden. Zur Aneignung von Objekten können verschiedene Wege führen: Das gewünschte Objekt wird einfach genommen (das Fallobst vom Feld), es wird selbst erstellt (das Regal für den Keller) oder, als Wertobjekt, eingetauscht. Es gibt weitere Möglichkeiten, wie solche Objekte von Interessenten angeeignet werden können (insbesondere durch kriminelle Machenschaften). zu 2) Äußerungsfunktion des Wertes Ein reines Bedürfnis als solches hat keine unmittelbaren Auswirkungen auf die ökonomischen Prozesse. Schätzt ein (potenzieller) Tauschpartner seine Arbeitsprodukte als „besonders wertvoll“ oder „diese Produkte haben einen Wert von € 100.000“ ein, so bleiben dies rein individuelle Einschätzungen, wenn keine gesellschaftlich relevanten Äußerungen in Form von entsprechenden Gegenleistungen damit verbunden werden. Eine Wertbeziehung wird aus Bedürfnissen gebildet. Diese Bedürfnisse müssen in Form der Wertbeziehung auf der gesellschaftlichen Ebene geäußert werden, damit „Wert entstehen kann“. Diese Äußerungsform einer Wertbeziehung muss bestimmten Bedingungen genügen. Sie muss: 1. physisch vorgenommen werden in Bezug auf das Wertobjekt. Das Wertobjekt kann ein Objekt, ein Vorgang oder eine Idee, so z. B. ein technisches Gerät, ein Konzert oder ein Buch sein. Eine rein ideelle Äußerung würde nichts in Sachen Austausch zwischen Tauschpartnern bewirken. Sie wäre für die Gesellschaft ökonomisch nicht relevant. Höchstens als ideelle Anerkennung einer Leistung könnte sie fungieren. Außerdem wäre sie nicht im notwendigen Maße quantifizierbar. Es gäbe dafür keine einheitliche Bewertungsmöglichkeit. Für Prozesse auf der gesellschaftlichen Ebene, die mit Leistungen und Gegenleistungen verbunden sein sollen, ist wenigstens eine rudi- 50 Lippert mentäre Bewertungsmöglichkeit notwendig, die mit einer gesellschaftlich spürbaren Anerkennung verbunden ist. 2. die Beziehung der Tauschpartner zueinander in stofflicher Form adäquat widerspiegeln. Diese Beziehung selbst ist nicht-stofflicher Natur und folglich nicht direkt sichtbar. Aber die Äußerung dieser Beziehung muss über das Ideelle im Bewusstsein beider Tauschpartner hinausgehen und auf der gesellschaftlichen Ebene zwischen den Tauschpartnern wirken. Damit können auch andere Menschen diese Wertbeziehung als zweiseitige Beziehung erfassen und verarbeiten. 3. letztendlich aus den durch die Gesellschaft bestimmten Anrechten ihrer Mitglieder auf Wertobjekte in bestimmtem Umfang heraus erklärbar und ableitbar sein. Die wichtigste Größe hierbei ist der Wert der Arbeitskraft. Doch es gibt weitere Bestimmungsgrößen für die Anrechte auf Wertobjekte. 4. das über den individuellen Rahmen hinausgehende gesellschaftlich wirksame Moment des gesellschaftlichen Verhältnisses Wert äußern. 5. das Streben nach Aneignung der Tauschobjekte (der Wertobjekte bzw. ihrer Stellvertreter) zum Ausdruck bringen. 6. durch die gesellschaftlichen Verhältnisse determiniert sein. 7. eine durch die Gesellschaft anerkannte und hinreichend gesicherte Größe sein. 8. als Bestandteil des gesellschaftlichen Verhältnisses Wert vereinbar sein mit dessen Existenzform. Die Äußerungsform des Wertes ist der ökonomische Austausch. Alle die eben genannten Forderungen werden durch einen Tausch abgedeckt, bei dem die Tauschpartner ein Wertobjekt gegen ein Äquivalent tauschen. Diesem Äquivalent, wie auch dem Wertobjekt, wird von beiden Tauschpartnern eine gleich hohe, gesellschaftlich anerkannte ökonomische Wertgröße zugeordnet. Mit dieser Einheit von Erwerb eines Wertobjektes und Abgabe eines Äquivalents wird die gesellschaftliche Wertbeziehung zwischen den Tauschpartnern gestaltet (Bild 3.2). Zum eigentlichen Tausch gehören weitere objektive gesellschaftliche Aktivitäten und Ausdrucksformen. So machen z. B. Vertrag, Rechnung und Kassenzettel den Tausch für die Tauschpartner und für Dritte nachvollziehbar. Damit können u. a. Steuern berechnet und gesellschaftliche Instanzen wie Polizei und Rechtsanwälte bei Rechtsstreitigkeiten gerufen werden. Das ökonomische Wertattribut eines Wertobjektes Die Anbieterseite eines Wertobjektes verbindet mit dem Wertobjekt einen Erwartungswert auf Gegenleistung. Dieser Erwartungswert wird über das Bewusstsein mit dem Wertobjekt als ökonomisches Wertattribut verknüpft, soll vom Käufer akzeptiert und mit einer äquivalenten Gegenleistung abgegolten werden (Bild 3.2). Die Wertattribute äußern die mit den Wertobjekten bzw. deren Stellvertretern verknüpften gesellschaftlichen Ansprüche und Anrechte in quantifizierbarer Form. Der Käufer erkennt den Erwartungswert der Anbieterseite am Preis des Wertobjektes. 51 zu thEsE 3: Auf der Anbieterseite gehen in diesen Erwartungswert u. a. ein: - Der Existenzmittelumfang, der den Bereitstellern des Wertobjektes gesellschaftlich begründet und individuell beeinflusst als Gegenleistung für deren Aktivitäten zur Bereitstellung des Wertobjekts aus deren Sicht zugestanden werden soll. - Die Werte der Produktionsmittel (die letztendlich wieder Existenzmittelumfänge von Arbeitskräften sind, die (indirekt) an der Bereitstellung des Wertobjektes beteiligt waren). - Der Mehrwert, der über die Existenzmittelansprüche der Entwickler, Produzenten, Logistiker, Marketing-Strategen, Manager usw. hinausgeht und vor allem dem Ausbau der Produktion sowie der Weiterentwicklung der Arbeitskräfte dienen sollte. In diesen angestrebten Mehrwert würden außerdem Ansprüche aufgrund besonderer Originalität des Wertobjektes, aufgrund des Markennamens, aufgrund einer besonderen gesellschaftlichen Situation usw. einfließen. Die Käuferseite kann das auf der Anbieterseite „gefüllte“ ökonomische Wertattribut akzeptieren oder auch nicht. Damit die Käuferseite das Wertattribut akzeptieren kann, muss das Wertobjekt bestimmten Bedingungen genügen: - Es muss nützlich sein bezogen auf das angestrebte Nutzungsziel. Das betrifft Funktionalität, Zuverlässigkeit, Qualität, Service, politische und juristische Einflussfaktoren u. v. a. m., und das auch gegenüber anderen relevanten gleich- oder andersartigen Produkten. - Die Käuferseite muss das mit dem Wertobjekt verknüpfte Wertattribut als gerechtfertigt ansehen. Das Wertobjekt muss folglich so auf die Käuferseite wirken, dass sie die zu erbringende Gegenleistung, welche über den Preis quantifizierbar wird, akzeptiert. Damit akzeptiert die Käuferseite die Ansprüche der Verkäuferseite auf Existenzmittel und Mehrwert. Hierunter fallen der Markenname, die Originalität, die besondere gesellschaftliche und natürliche Situation zur Zeit des Angebots usw. - In einigen Fällen wird der Arbeitsaufwand zur Herstellung des Wertobjektes abgeschätzt – indem dessen Preis verglichen wird mit Preisen anderer Wertobjekte, deren Werthöhe man akzeptiert, oder indem direkt die notwendige Arbeit zur Erstellung des Wertobjektes abgeschätzt wird. - Das Wertobjekt muss aus der Masse potenzieller Wertobjekte für gleiche und oft sogar für andere Ziele herausragen. Die Verkäuferseite wiederum sieht auf der Käuferseite die Gegenleistung, die diese normalerweise in Form eines gesellschaftlich anerkannten Anrechts auf Wertobjekte oder aber direkt als anderes Wertobjekt als Äquivalent anbietet. Wie eine „Wunsch-Wertgröße“ festgelegt wird – nicht allein lokal und aktuell erklärbar All das, was an Ansprüchen und Anrechten auf der Käufer- und auf der Verkäuferseite geäußert wird, kann nicht aus der individuellen Wertbeziehung und auch nicht allein aus der aktuellen wirtschaftlichen Situation in einem Land erklärt werden. Denn in die Werte der Arbeitskräfte gehen Größen ein, die aus dem gesamten gesellschaftlichen Kontext und darüber hinaus aus der gesamten, mit den länderbezogenen Wirtschaften total verflochtenen Weltwirtschaft heraus auf jede Wertbeziehung einwirken. Wohl am deutlichsten kommt das bei Nahrungsmitteln und Rohstoffen zum Vorschein – z. B. bei 52 Lippert Getreide, Milch, bei seltenen Erden, Edelmetallen usw. Für all diese Dinge können die Preise nicht aus der Wirtschaft eines Landes oder gar eines einzelnen Unternehmens abgeleitet werden. Dazu kommt, dass die Werte der Arbeitskräfte eine Geschichte haben, d. h. nicht allein die Gegenwart bestimmt die Werte der Arbeitskräfte. Zwar werden diese Werte permanent angepasst an die aktuellen Verhältnisse. Aber diese Anpassungen benötigen Zeit. Die Zeiträume sind sehr unterschiedlich bei den verschiedenen Berufsgruppen und in den verschiedenen Ländern. All diese Einflüsse verdeutlichen auf wunderbare Weise die gesamtgesellschaftliche und die weltwirtschaftliche Durchdringung jedes Wertattributes und damit jedes Wertverhältnisses – es kann in der Ökonomie einer jeden mit der Weltwirtschaft interagierenden Gemeinschaft keine völlig abgegrenzten Bereiche geben, die nur auf die zwei Tauschpartner bezogen sind. Aufgaben der ökonomischen Wertattribute von Wertobjekten Die ökonomischen Wertattribute von Wertobjekten haben die Aufgabe, die geforderten Gegenleistungen für Wertobjekte auf der gesellschaftlichen Ebene zu äußern und quantifizierbar zu machen. Die Ansprüche auf Gegenleistungen werden, wie eben ausgeführt, nicht nur durch die Werte der Arbeitskräfte, den Wert der Produktionsmittel und den angepeilten Mehrwert bestimmt, sondern auch durch Faktoren, die von den konkreten Formen der Arbeitsleistungen zur Erstellung der Wertobjekte abhängen. Dazu zählen insbesondere originelle Ideen sowie das Umfeld mit den Machtpositionen von Verkäufer und Käufer, die politische Situation im Umfeld, besondere Situationen des natürlichen Umfeldes der Tauschpartner, der Neuigkeitswert des Produktes, der Markenname des Produktes, die Namen der Künstler etc., aktuelle technologische Entwicklungen u. a. All diese Faktoren fließen ein in die Gestaltung der Wertattribute und bestimmen damit auch, in welcher Höhe die (zunächst angepeilten) Werte geäu- ßert werden. Die (zunächst potenziellen) Käufer werden über diese Wertattribute ihre Beziehungsstärken zu den Wertobjekten hin ausbilden. In den Wertattributen werden all die oben genannten Einflussfaktoren konzentriert sichtbar gemacht. Das geschieht bei angebotenen Wertobjekten, also vor dem Verkauf, als angestrebte Ansprüche auf Existenzmittel plus die erwarteten Mehrwerte. Mit dem Verkauf der Wertobjekte widerspiegeln deren Wertattribute die realisierten Ansprüche auf Existenzmittel plus die realisierten Mehrwerte. Die angestrebten Ansprüche und die realisierten Anspruche können übereinstimmen, sie werden aber in vielen Fällen voneinander abweichen. zu 3) Angleichungsfunktion des Wertes Die Käuferseite kann die Forderungen der Verkäuferseite als völlig gerechtfertigt akzeptieren, die eigenen Vorstellungen an die der Verkäuferseite anpassen (Kaufhaus) oder versuchen, die Ansprüche der Verkäuferseite an die eigenen Vorstellungen anzupassen (Basar). Für den Tausch müssen die Wertgrößen von Wertobjekt und Gegenleistung in Übereinstimmung gebracht werden. Gleiche Wertgrößen der Wertobjekte (bzw. ihrer Stellvertreter) auf beiden Seiten eines Wertverhältnisses bedeuten, dass mit diesen gleich große Wertattribute verknüpft werden. Damit werden gleich große Beziehungsstärken zu den Wertobjekten bzw. deren Stellvertretern aufgebaut. 53 zu thEsE 3: Sollte beim Aufbau eines Wertverhältnisses eine Angleichung der Wertgrößen erfolgen, z. B. durch Verhandlungen, dann würden damit die dazugehörigen Beziehungsstärken zu den Wertobjekten verändert werden. Würde z. B. ein Anbieter ein Smartphone für € 200 verkaufen wollen und dem Käufer gelänge es, den Anbieter zu einer Preissenkung auf € 160 zu veranlassen, dann würde der Betrag des Wertattributs des Wertobjektes Smartphone von € 200 auf € 160 vermindert werden. Damit würde auch die Beziehungsstärke des Verkäufers zum Smartphone von der Größe € 200 auf € 160 gesenkt werden. Egal wie Käufer und Verkäufer vor der Einigung zu dem Smartphone standen, ihre für den Tausch relevanten Beziehungsstärken liegen nun bei € 160. Demzufolge wird der Verkäufer nach seiner Sinneswandlung zum angebotenen Äquivalent nur eine Beziehungsstärke in Höhe von € 160 aufbauen können – das Wertattribut des Wertäquivalents würde nicht mehr hergeben. Die Tauschpartner ordnen die Wertattribute den Wertobjekten im Rahmen der Widerspiegelungsprozesse eben dieser Wertobjekte in den Bewusstseinsprozessen zu. Ebenso werden die Wertbeträge der Wertattribute über Bewusstseinsprozesse festgelegt, wobei diese Bewusstseinsvorgänge vor allem vom gesellschaftlichen Umfeld bestimmt werden. Damit diese Festlegungen gesellschaftlich akzeptiert werden, sollten sie (und müssen sie im Durchschnitt) auf den objektiven Gegebenheiten basieren. Trotzdem können sie individuell von den objektiven Gegebenheiten im Detail abweichen – Bewusstseinsprozesse werden in absehbaren Zeiträumen nicht umfassend mathematisch exakt beschrieben werden können. Beziehungsstärken angeglichen – damit werden auch die Vektoren gleich groß Wenn die Tauschpartner des im Aufbau befindlichen Wertverhältnisses zu dem Wertobjekt bzw. dessen Stellvertreter gleich große Beziehungsstärken haben oder diese einseitig oder im Dialog einander angleichen, dann haben auch die Wertbeträge der Beziehungsstärkevektoren die gleiche Größe bzw. die Tauschpartner bringen sie auf die gleiche Größe. Doch nur der Beziehungsstärke-Betrag zum Zeitpunkt des Tausches wird gesellschaftlich relevant zum Ausdruck gebracht. Jeder Tauschpartner akzeptiert damit das gesellschaftlich relevante Wertattribut des gegenüber befindlichen Tauschbzw. Wertobjekts in genau dieser Höhe. Kommt es zum Tausch, müssen folglich die wirkenden Beziehungsstärken, eine vom Käufer zu dem gewünschten Wertobjekt bzw. zu dessen Stellvertreter und die andere vom Verkäufer zum Wertäquivalent, deren Wertattribute in genau dieser Höhe erfassen und akzeptieren. Die Beziehungsstärken der Tauschpartner zu Wertobjekt und Gegenleistung können als Beziehungsstärkevektoren abgebildet werden. Der Wertbetrag jedes dieser Vektoren entspricht der Höhe des Wertbetrages des jeweiligen gesellschaftlichen Wertverhältnisses. Im Allgemeinen wird dieser Wertbetrag als Wertsumme eines Geldbetrags angegeben. zu 4) Übertragungs- bzw. Tauschfunktion Nachdem die Wertattribute von Wertobjekt und Wertäquivalent auf gleiche Wertbetragshöhe gebracht wurden oder diese bereits zu Beginn des Aufbaus des Wertverhältnisses gegeben war, können die Beziehungsstärke zu dem Wertobjekt und die zu dessen Wertäquivalent den Austausch einleiten. 54 Lippert Da nach einem ökonomischen Tausch von keiner Seite eine Forderung offen bleibt, kann postuliert werden, dass ein ökonomischer Tausch ein wertäquivalenter Tausch ist (Bild 3.3). Wertobjekt auf Verkäuferseite – Bindungskraft und Beziehungsstärke Auf der Verkäuferseite besteht eine Bindungskraft zum Wertobjekt im Eigentum. Dieses Wertobjekt wird von der Käuferseite begehrt und in der Folge bildet die Käuferseite eine Beziehungsstärke zu diesem Wertobjekt aus, mit der sie zur Aneignung des Wertobjektes strebt. Diese Beziehungsstärke muss die Bindungskraft der Verkäuferseite zum Wertobjekt überwinden. Die Bindungskraft der Verkäuferseite wirkt aber nicht in Richtung der praktischen Nützlichkeit des Wertobjektes, die wiederum für die Käuferseite sehr wichtig erscheint. Die Bindung wirkt auf der gesellschaftlichen Ebene und hält das Wertobjekt in der Form von Eigentum fest. Eigentum ist eine gesellschaftliche Größe, die nur auf der gesellschaftlichen Ebene wirksam sein und somit nur dort erfasst werden kann. Die konkrete Nützlichkeit eines Wertobjektes ist im Eigentum nur in abstrakter Form enthalten, nämlich als Nützlichkeit ohne konkrete, dafür aber in abstrakter Form als Anspruch auf Gegenleistung in bestimmter Werthöhe. Diese abstrakte Form der Nützlichkeit ist nur auf der gesellschaftlichen Ebene wirksam und fassbar. Wirkungskräfte und Wirkungsvektoren Um die auf beiden Seiten eines Wertverhältnisses gegebene Bindung an das Eigentum als gesellschaftliche, konkreter als ökonomische Kategorie, zu überwinden und den Tausch zu bewirken, nutzen die Tauschpartner Kräfte, die hier als Wirkungskräfte bezeichnet und mit Wirkungsvektoren dargestellt werden. Der Wirkungsvektor - von der Käuferseite ausgehend Der Wirkungsvektor der Käuferseite wird von dieser aus der Beziehungsstärke zum angestrebten Wertobjekt abgeleitet und auf das gleiche Wertobjekt, aber in seiner Eigenschaft als Eigentum der Verkäuferseite, gerichtet. Ziel ist, dieses Eigentum der Verkäuferseite in das eigene zu überführen. Da die Käuferseite diese Wirkungskraft aus der Beziehungsstärke zum Wertobjekt ableitet, hat sie den gleichen Wert- bzw. Skalarbetrag wie die Beziehungsstärke. Nur der Angriffspunkt ist ein anderer: Der Wirkungsvektor ist nicht auf die konkrete Nützlichkeit des Wertobjektes gerichtet, sondern auf das Wertobjekt in seiner Gestalt als Eigentum. Die Nützlichkeit des Wertobjektes ist auch für den Wirkungsvektor grundlegend und wird von diesem umfasst, allerdings eben in der abstrakten Form einer bestimmten Wertgröße. Die konkrete Nützlichkeit eines Wertobjektes ist wichtig, wenn das entsprechende Objekt (die Aktivität oder die Idee) betrachtet wird. Eine Zuordnung als Eigentum spielt dabei allerdings keine Rolle. Auf der gesellschaftlichen Ebene wiederum ist die Zuordnung als Eigentum relevant. Dafür wird dort von der konkreten Nützlichkeit abstrahiert und diese nur mit einer bestimmten Wertgröße beschrieben, die nicht allein aus eben dieser Nützlichkeit abgeleitet werden kann. 55 zu thEsE 3: Mit anderen Worten: Sowohl die Beziehungsstärke als auch der diese widerspiegelnde Wirkungsvektor sind auf dieselbe Nützlichkeit des Wertobjekts gerichtet. Nur ist einmal der Angriffspunkt die konkrete Ausführungsform der Nützlichkeit und das andere Mal ist es deren abstrakte Form als Eigentum, für das eine Gegenleistung bei Erwerb beansprucht werden kann. Da es sich um die gleiche Nützlichkeit handelt, sind auch die Skalarbeträge der jeweils wirkenden Kraft gleichgroß. Dabei wird die Nützlichkeit in beiden Fällen nicht in der absoluten Form für sich gesehen, sondern eingebettet in das gesellschaftliche Umfeld, womit u.a. die Verfügarbeit erfasst wird, aber auch, wieviel Aufwand getrieben werden muss, um das Wertobjekt ins Eigentum zu überführen. Wertäquivalent auf Käuferseite – Bindungskraft und Beziehungsstärke Auf der Käuferseite besteht eine Bindungskraft zum Wertäquivalent, das sich im Eigentum der Käuferseite befindet. Die Verkäuferseite hat eine Beziehungsstärke zu dem Wertäquivalent entwickelt, welche auf die Aneignung des Wertäquivalents gerichtet ist. Mit Hilfe der Beziehungsstärke der Verkäuferseite zum Wertäquivalent muss die Bindungskraft der Käuferseite an das Wertäquivalent überwunden werden. Der Wirkungsvektor - von der Verkäuferseite ausgehend Die Beziehungsstärke zum Wertäquivalent wird ebenso auf der Verkäuferseite als Wirkungskraft auf die gesellschaftliche Ebene gehoben, um das Wertäquivalent aus dem Eigentum der Käuferseite zu lösen. Auch diese Wirkungskraft kann als Wirkungsvektor dargestellt werden, dessen Angriffspunkt das Wertäquivalent in Gestalt des entsprechenden Eigentums der Käuferseite ist. Der Wirkungsvektor der Verkäuferseite repräsentiert die zweite für den Tausch notwendige Kraft. Auch die Verkäuferseite leitet diese Wirkungskraft aus der Beziehungsstärke ab, welche sie zur Gegenleistung aufgebaut hat. Die Besonderheit beim Geld dürfte sein, dass die konkrete Nützlichkeit identisch ist mit deren abstrakter Form, da das Geld selbst bereits nur ein Verweis auf konkrete Nützlichkeit darstellt, ohne selbst direkt nützlich zu sein (Ausnahmen bestätigen die Regel). Wichtig ist, dass auch beim Geld der Wirkungsvektor auf der gesellschaftlichen Ebene wirken muss, eben auf das Eigentum gerichtet. Auf der ideellen Ebene, dort, wo die Beziehungsstärke der Verkäuferseite wirkt, erscheint das Geld in Form bloßer Objekte mit aufgedruckten Zahlenwerten, die einen bestimmten Umfang an Wertobjekten repräsentieren – ohne konkrete Zuordnung, aber mit der Nützlichkeit, im Preisrahmen, Beliebiges zuzuordnen (äquivalent zum Wertobjekt als Gut mit konkreter Nützlichkeit auf der Verkäuferseite). Bindungskräfte und Beziehungsstärken – gleiche ökonomische Wertgrößen Die Bindungskräfte jeder Seite eines Wertverhältnisses an ihr jeweiliges Eigentum basieren zwar auf gleichen Wertbeträgen wie die Beziehungsstärken zu den Zielobjekten im Eigentum des jeweiligen Partners. Das Wertobjekt bzw. das Wertäquivalent im Eigentum erscheint den Eigentümern aber mit geringerer immanenter Nützlichkeit als das Zielobjekt. Das ist vergleichbar mit einer Situation, in der ein Betrachter in einem Kaufhaus eine Jacke für € 600, ein Smartphone für € 600 und ein TV-Gerät für € 600 sieht. Alle Preise werden von ihm als gerechtfertigt akzeptiert. Trotzdem wird ihm viel- 56 Lippert leicht nur ein Angebot so sehr gefallen, dass er dieses Wertobjekt erwirbt. Die anderen erscheinen zwar gleichwertig im ökonomischen, aber nicht im praktischen Sinne. Mit dem Tausch wechselt die Käuferseite das Wertobjekt aus dem Eigentum mit dem Wertobjekt aus dem Eigentum der Verkäuferseite – und umgekehrt. Der Tausch macht objektiv sichtbar, dass die Wertgleichheit der Tauschobjekte von beiden Seiten des Wertverhältnisses anerkannt wird. Der Tausch wird auf der gesellschaftlichen Ebene vorgenommen, wahrgenommen, genutzt und verankert. Verdeutlicht wird das u. a. damit, dass Umsatzsteuern eingefordert werden, die neue Eigentumszuordnung rechtlich geschützt wird, Versicherungen bezüglich der erworbenen Gegenstände abgeschlossen werden können usw. Der Wert wird gebildet und wirksam beim ökonomischen Austausch Der Tausch bildet den Abschluss des Wertbildungsprozesses. Begonnen wurde dieser Prozess von der Käuferseite mit der Ausrichtung von Bedürfnissen auf potenzielle Wertobjekte. Aus dieser Bedürfnisansammlung wird eines der potenziellen Wertobjekte herausgefiltert, und das zu diesem bereits bestehende allgemeine oder schon speziellere Bedürfnis wird zu einer Beziehungsstärke gesteigert. Einer Verkäuferseite gegenüber wird der Wunsch nach Aneignung eines solchen potenziellen Wertobjektes geäußert. Die Verkäuferseite bildet nun ebenfalls eine Beziehungsstärke aus, und zwar zu dem für das potenzielle Wertobjekt angebotenen Wertäquivalent. Weitergeführt wird der Wertbildungsprozess mit der Angleichung der Beziehungsstärken zu den ausgewählten Wertobjekten. Gebildet und gesellschaftlich wirksam kann der auf diese Art vorbereitete Wert aber erst mit dem und durch den Tausch werden. Vor dem Tausch verharrt er noch im subjektiven und individuellen Stadium. Ein gesellschaftliches Verhältnis aber muss über individuelle Vorstellungen hinaus wirksam sein. Das betrifft den Wert als gesellschaftliches Verhältnis, aber nicht die Bezugspunkte des Wertes. Die Bezugspunkte für den Wert werden überwiegend vor der Bildung eines gesellschaftlichen Wertverhältnisses geschaffen. Das ist typisch für Waren bzw. Wertobjekte wie z. B. Nahrungsmittel oder Elektronikartikel. Die Bezugspunkte können aber ebenso erst nach der Etablierung des gesellschaftlichen Verhältnisses Wert geschaffen werden, z. B. bei einem Konzert. Sie werden sogar in einigen Fällen während des Wirksamwerdens des Wertverhältnisses geschaffen werden, z. B. bei Schaustellern, wenn diese während der Darbietung Geld einsammeln. Wertäquivalenz macht nur im gesellschaftlichen Bereich Sinn und folglich wirkt diese nur zwischen den Tauschpartnern und nicht zwischen Tauschpartner und Wertobjekt, nicht zwischen Tauschpartner und Wertäquivalent und ebenfalls nicht zwischen Wertobjekt und Wertäquivalent. Die beiden Wirkungsvektoren, welche aus den Beziehungsstärken der Tauschpartner zu Wertobjekt und Wertäquivalent abgeleitet wurden, werden mit dem Tausch gegenseitig aufgehoben. Nach dem Tausch ist der Wertbildungsprozess abgeschlossen und nicht mehr existent: Das gesellschaftliche Verhältnis Wert ist beendet. Mit dem Ende des Wertverhältnisses ist gleichzeitig der Wert verschwunden. Die getauschten Wertobjekte (bzw. deren Stellvertreter) sind nun maximal erneut potenzielle Wertobjekte. Das „Verschwinden des Wertes“ geschieht „automatisch“, da die Beziehungsstärken und Wirkungsvektoren zu Wertobjekt und Wertäquivalent, und damit 57 zu thEsE 3: deren Wertbeträge, zum Tauschzeitpunkt jeweils gleich, aber die Richtungen entgegengesetzt sind. Die Resultante hat nach dem Tausch den Wert „0“. Damit ist das Wertverhältnis aufgehoben. Für ein Fortbestehen wäre keine Triebkraft gegeben. Ob ein Tauschpartner nach dem Tausch denkt, dass er übervorteilt wurde, oder ob er denkt, er hätte den anderen ausgetrickst, ist nicht relevant für die ökonomischen Austauschprozesse der Gesellschaft, da diese Vorstellungen nicht direkt in den ökonomischen Bereich hineinwirken. Sie gehen nicht ein in die ökonomischen Austauschvorgänge auf der gesellschaftlichen Ebene. Solche Gedanken werden nicht ökonomisch relevant zum Ausdruck gebracht, selbst wenn sie sprachlich geäußert würden. So bleiben sie auf die individuelle Vorstellungsebene begrenzt. zu 5) Stimulierungsfunktion Mit der Stimulierungsfunktion wird der Ressourcenvergeudung entgegengewirkt, wenn 1. (potenzielle) Wertobjekte erstellt/bereitgestellt oder (potenzielle) Wertobjekt(-Leistungen) erbracht werden, 2. wenn Wertobjekte getauscht, und 3. (ehemalige) Wertobjekte genutzt werden. Mit dem Anwachsen von Produktion und Arbeitsteilung wurde der ökonomische Austausch als effektivste Form der Verteilung von begrenzt verfügbaren Gütern wie erarbeiteten Produkten, bestimmten Naturgütern, bestimmten Aktivitäten und Ideen durchgesetzt. Nach Gunnar Heinson und Otto Steiger geschah die Verteilung zunächst nicht über den Markt, sondern mittels feudaler Verteilungsformen: „Dieses Buch nun will eine Theorie der Wirtschaft formulieren, die sich demselben Vollständigkeitsanspruch stellt wie die Allgemeine Gleichgewichtstherorie. Es will aber - anders als diese Lehre – eine Theorie der Wirtschaft vorlegen, die dem Fehlen des Tausches auch in den vorökonomischen Gesellschaften Rechnung trägt. Die dafür einschlägigen Befunde sind von der ethnologischen (Stammesgesellschaft) und historischen (Feudalgesellschaft) Forschung ermittelt worden. Sie besagen im Kern, dass ein vorteilssuchender Tausch nicht existiert, er also keine universale Eigenschaft der menschlichen Gattung darstellt.“ [12] Das sieht der Autor dieser Diskussionsschrift zwar anders, aber selbst bei der angesprochenen feudalen Verteilung wird auf ökonomische Äquivalenz zwischen den Waren geachtet, insbesondere bei der Abgabe von Produkten z. B. an den Landesherrn oder an ein Kloster. Verschiedene Erzeuger hatten in etwa wertäquivalente Produkte abzugeben, z. B. Getreide, Metalle, Fische, Haushaltswaren usw. Das alles wurde auf ökonomischer Basis miteinander verglichen. Für einen ökonomischen Austausch ist es notwendig, dass ein Interessent an einem bestimmten Wertobjekt (dieses muss nicht stofflicher Natur sein) für dessen Aneignung eine Gegenleistung abzugeben hat. Der Zwang zur Gegenleistung ist die wichtigste Animation zur Ressourcenschonung. Um als Tauschobjekt fungieren zu können, muss eine solche Gegenleistung bestimmten Bedingungen genügen: 58 Lippert - Sie muss für den Tauschpartner nützlich sein. - Sie muss für den Tauschpartner nur auf dem Tauschwege effektiv beziehbar sein. - Die Nützlichkeit dieser Gegenleistung muss dermaßen stark wirken, dass der Tauschpartner nicht eine andere Gegenleistung anstelle der betreffenden erlangen möchte. Dieser Fakt wird zwar wesentlich gerade durch die Art und Weise der Gegenleistung selbst bestimmt, ist aber in letzter Instanz auch vom Bewusstsein des Tauschpartners abhängig. Das Bidirektionale im Wert – wesentliches Element seiner stimulierenden Wirkung Knappe Güter sollen nicht einfach durch Nehmen angeeignet werden können. Für solche Güter sollten Gegenleistungen erbracht werden müssen. Durch dieses Merkmal von Wertobjekten in Wertverhältnissen wird übermäßiger Verschwendung von knappen Gütern entgegengewirkt. So wird verhindert, dass beliebig viel konsumiert wird und damit Ressourcen verschleudert werden. Denn die Möglichkeiten, Gegenleistungen zu erbringen, sind auf vielfältige Art begrenzt. Da Menschen ihre Bedürfnisse auf verschiedene Wertobjekte richten müssen (damit sie sich vielseitig entwickeln können), müssen auch die Ressourcen zum Aufbringen von Gegenleistungen geschont werden. So wird durch Wertverhältnisse verhindert, dass unnötig viele Ressourcen fürs Wohlfühlen „verbraten“ werden: Tauschbares, d. h. Knappes anzueignen, ist mit Aufwand verbunden, fast immer muss dafür Arbeit verrichtet werden. Ein Käufer wird durch den Tauschzwang dazu angehalten, gut aufzupassen und gut auszuwählen. Durch die Bindung eines potenziellen Käufers an sein Eigentum (Geld) wird „automatisch“ verhindert, dass er zu leichtfertig Produkte bezieht – er könnte das Geld schließlich für wichtigere Dinge benötigen. Damit sollten die fünf wichtigsten Funktionen des Wertes hinreichend genau dargelegt sein und wir können uns wieder den Bedürfnissen zuwenden. Verfügbarkeit von Objekten und Beziehungsstärken sind relevant für den Wert Aus dem bisher Gesagten geht hervor, dass allein Bedürfnisse nach Tauschobjekten oder die Anhäufung von menschlicher Arbeit in diesen Tauschobjekten keine ausreichenden Grundlagen für ökonomische Austauschvorgänge darstellen. Von ausschlaggebender Bedeutung für ökonomische Austauschvorgänge sind die weiter oben bereits genannten Faktoren, die hier noch einmal in etwas abgewandelter Form dargestellt werden: 1. Die Güter, nicht nur stoffliche Objekte, mit denen die Menschen sich Wünsche erfüllen wollen, müssen im gegebenen Ereignisfeld in geringerem Umfang verfügbar sein als die darauf gerichteten Bedürfnisse (Dieser Vergleich muss umfassend gesehen werden – siehe obiger Vergleich mit dem Brot). Das gesellschaftliche Verhältnis Wert wird nur aufgebaut, wenn das Ziel nicht einfacher ohne die Abgabe eines Äquivalents erreicht werden kann. Bei Wertobjekten, die mittels menschlicher Arbeit erstellt oder veredelt werden, dürfte das praktisch immer der Fall sein. 59 zu thEsE 3: 2. Die Bedürfnisse nach solchen Objekten müssen größere Kräfte zur Aneignung ausprägen als andere Bedürfnisse, die praktisch bei allen Menschen ebenfalls wirken. Jeder Mensch, der sich z. B. ein TV-Gerät kauft, würde sich gern weitere Sachen kaufen, doch das TV-Gerät wirkt auf ihn zum aktuellen Zeitpunkt am stärksten. Ebenso müssen durch Trägheit generierte Gegenkräfte schwächer wirken: „Eigentlich habe ich keine Lust dazu, mich mit den Informationen zu den verschiedenen TV-Geräten zu befassen – ich lasse das bleiben und nutze das alte Gerät weiter.“ Nur wenn diese Faktoren wirken, fungieren die Bedürfnisse als Ausgangspunkte für die auf dieser Basis zu formenden Wertbeziehungen zwischen den Tauschpartnern. Basar und Kaufhaus Auf dem Basar ist der Prozess der Herausbildung des Wertes am deutlichsten zu spüren. In einem Kaufhaus wird dagegen im Allgemeinen gar nicht gehandelt. Dort werden die Vorstellungen der Verkaufsseite über das ökonomische Wertattribut eines Wertobjektes entweder vom (zunächst potenziellen) Käufer akzeptiert oder nicht akzeptiert. Akzeptieren wird der Käufer die Ansprüche, wenn seine Beziehungsstärke zum Wertobjekt die gleiche oder eine höhere Wertgröße besitzt. Akzeptieren wird der Käufer oft auch in solchen Fällen, in denen seine Beziehungsstärke zu dem Wertobjekt dermaßen stark wirkt, dass er den Tausch sogar vollzieht, wenn er zunächst nur ein Wertäquivalent deutlich geringerer Wertgröße „geopfert“ hätte. Damit würde er seine Beziehungsstärke nach oben angleichen. Oder das potenzielle Wertobjekt verbleibt im Kaufhaus. Ob es danach irgendwann in eine Wertbeziehung aufgenommen wird, entscheiden spätere Beziehungsstärken und u. U. die Verkäuferseite durch Preisnachlässe. Letzteres könnte als „indirektes Aushandeln“ bezeichnet werden, da Preisnachlässe ganz sicher nicht nur von der Verkäuferseite verursacht werden. Bindung bzw. Beziehungsstärke zum Eigentum Neben den Beziehungsstärken zu den Wertobjekten des Gegenübers müssen aber zusätzlich Bindungen an die Wertobjekte bzw. deren Stellvertreter im Eigentum bestehen. Diese Bindungen sind ebenfalls Beziehungsstärken. Bei gleichen Wertgrößen wie denen der Beziehungsstärken zu den Wertobjekten des Gegenübers ist die Art der Beziehungsstärken zu den eigenen Wertobjekten eine andere. Sie basiert gar nicht oder weniger auf dem Bedürfnis der direkten eigenen Nutzung im Sinne von „unmittelbar gebrauchen“. Damit können die Bindungen an die eigenen Wertobjekte durch die Beziehungsstärken zu den Zielwertobjekten hinreichend leicht überwunden werden – und das bei gleicher ökonomischer Wertgröße. Mögliche Darstellungsformen der Beziehungsstärke zum Eigentum Wie die Darstellung der verschiedenen Beziehungsstärken zu den Zielobjekten und zu den Objekten im Eigentum erfolgen kann, soll hier nicht geklärt werden. Denkbar wäre die Kombination der Beziehungsstärkevektoren mit einem zusätzlichen „innewohnenden Nützlichkeitsfaktor“. Im vorliegenden Buch würden solche Darstellungen die Abbildungen bezüglich der hier verfolgten Ziele unnötig verkomplizieren. 60 Lippert Abschreibung Wird das erstandene Wertobjekt in einem Unternehmen genutzt, wird nach dem Kauf neben der Bindung an das Objekt eine Abschreibung wirksam. Die Abschreibung entspricht einem Prozess in einem weiteren Wertverhältnis, nämlich in einem zwischen dem Unternehmen und dem Staat. Basis ist der Wertbetrag aus dem vorangegangenen Wertverhältnis, über das das Wertobjekt gekauft wurde. Dieses sekundäre Wertverhältnis ist zwar mehr politisch begründet, hat aber ebenso eine Stimulierungsfunktion wie das primäre Wertverhältnis. Wertobjekt – nicht unbedingt Resultat vergegenständlichter Arbeit Nach der gängigen Wertauffassung wird eine Ware zur Ware durch die darin vergegenständlichte, gesellschaftlich nützliche Arbeit. Das, was angeblich mit dieser Arbeit darin vergegenständlicht wird, sind die Werte der Arbeitskräfte (plus Mehrwert). Die Werte der Arbeitskräfte basieren auf den Existenzmitteln, auf welche die Arbeitskräfte durch den Verkauf ihrer Arbeitskraft Anrechte erwerben. Doch diese Anrechte auf Existenzmittel werden nicht nur auf Waren, die vergegenständlichte, gesellschaftlich nützliche Arbeit enthalten, bezogen. Dazu kommen ebenso Aktivitäten wie die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln, Konzerten oder Ideen (Bücher) usw. Es handelt sich bei den Anrechten auf Existenzmittel folglich vielmehr um Anrechte auf Objekte, Aktivitäten, Ideen usw., die – aus welchen Gründen auch immer – dem ökonomischen Austausch unterworfen sind. Da solche nicht-stofflichen Waren, die zur Abgrenzung vom allgemein verwendeten Begriff „Waren“ hier als „Wertobjekte“ bezeichnet werden, in die Existenzmittel eingehen, unterliegen sie, genau wie die Waren, ebenfalls dem ökonomischen Austausch und sind demzufolge ebenfalls Wertobjekte. Diejenigen, die sie bereitstellen (Unternehmen, Musiker, Schriftsteller usw.), erwerben sich, indem sie diese bereitstellen (entwickeln, erarbeiten, vertreiben usw.) ebenfalls Anrechte auf Existenzmittel, genauso wie Produktionsarbeiter, die Arbeit vergegenständlichen. (Dabei wird die Anbieterseite immer versuchen, einen Mehrwert hinzuzufügen. So wird z.B. der Schriftsteller möglichst nicht nur die Kosten für Wohnraum, Speise und Trank, Strom und Wasser, Transporte, Kommunikation usw. ersetzt bekommen wollen, sondern gern etwas mehr einnehmen mit dem Verkauf seiner Werke.) Daraus folgend kann formuliert werden, dass die Ansprüche auf ein Wertäquivalent beim Verkauf jeder Ware oder eines jeden Wertobjektes nicht nur auf den Ergebnissen vergegenständlichter nützlicher Arbeit basieren. Es sind praktisch immer Anrechte auf nicht-stoffliche Wertobjekte oder Wertanteile enthalten. In vielen Fällen überwiegen die nicht-stofflichen Anteile deutlich. Wertverhältnisse und damit der Wert können folglich nicht nur auf Vergegenständlichtes beschränkt bleiben. Darin eingeschlossen sind auch stoffliche Objekte, bei denen die Stofflichkeit nur „notwendiges Konstrukt“ ist, während der eigentliche Inhalt von einer Idee (besser: mehreren Ideen) bestimmt wird, was u. a. bei Büchern der Fall ist. Was ist wichtig für die Anrechte auf Wertobjekte? Mit der gesellschaftlichen Beziehung Wert übergibt die Käuferseite ein Wertäquivalent aus ihrem Eigentum an die Verkäuferseite. Das geschieht als Ausgleich für die Übernahme des gewünschten Wertobjektes in ihr Eigentum Damit wird der Anspruch der Verkäuferseite auf ande- 61 zu thEsE 3: re Objekte / Vorgänge usw. in bestimmter Werthöhe akzeptiert und ausgeglichen. Der Ausgleich kann für stoffliche und nicht-stoffliche, menschliche Arbeit enthaltende und nicht menschliche Arbeit enthaltende Wertobjekte erfolgen. Die Gegenleistung, die der Käufer für das Wertobjekt erbringen muss, kann unterschiedlich gestaltet sein: a) als Anrechtsumfang auf Wertobjekte in gleicher Werthöhe, wenn die Gegenleistung in Form von Geld erbracht wird, oder b) als Anspruchsumfang, wenn die Gegenleistung in Form eines anderen Wertobjektes abgegeben wird. Dass der Wert nicht nur auf vergegenständlichte Arbeit bezogen wird, ist eine wichtige Aussage, um u. a. die Triebkraftfunktion des Wertes umfassend zu erklären. Denn zur Aufführung von Konzerten und Theaterstücken, zur Erarbeitung von Patenten und Publikationen usw. werden genauso wie bei stofflichen Wertobjekten Ressourcen wie Bildung, Ausbildung, Training, Marketing u. a. benötigt, um diese bereitzustellen. Folglich müssen solche Leistungen ebenfalls als Wertobjekte in die ökonomischen Austauschprozesse einbezogen werden. Das ist wichtig, damit die Triebkraftfunktion des Wertes ebenso auf Gebieten wirken kann, in denen keine stofflichen Wertobjekte erstellt, sondern nicht-stoffliche dargeboten, erdacht, erbracht usw. werden. Eine Gesellschaft, die zu wenig oder zu viel an Ressourcen bereitstellt, die herkömmlich in Verbindung mit der Arbeitswerttheorie als nicht wertbildend bezeichnet werden, z. B. Mittel für die Kunst, wird in der Entwicklung benachteiligt werden. Menschen brauchen Kunst, können aber nicht von der Kunst allein leben. Wo liegt der Nutzen eines Wertverhältnisses? Der Nutzen einer Wertbeziehung liegt offensichtlich nicht im ökonomischen Teil des Austausches selbst. Er wird für beide Seiten darin liegen, dass die Wertobjekte neu zugeordnet werden. Jedes neu zugeordnete Wertobjekt (oder dessen Stellvertreter) sollte für jeden der Tauschpartner mehr Vor- als Nachteile gegenüber dem Zustand vor dem Tausch aufweisen. Diese Vorteile sind nicht auf der ökonomischen Ebene des jeweiligen Wertverhältnisses zu suchen, weshalb sie nicht im Preis widergespiegelt werden. Die Bedeutung der Ökonomie dabei ist, dass die beim Tausch erfolgende wertgleiche Abgabe und Entgegennahme von Wertobjekten bzw. deren Stellvertretern zum einen den Aufwand zur Bereitstellung (die deren Herstellung umfassen soll) und zum anderen weitere im Zusammenhang mit dem Tausch relevante gesellschaftlich begründete Ansprüche und Anrechte erfasst. Zu den zuletzt genannten Faktoren gehören Qualität, besonderes Design, besondere Originalität, außerdem das Eigentum an Bodenschätzen und andere Einflussgrößen. In Verbindung mit dem wertäquivalenten Austausch wirken diese Faktoren auf Ressourcenschonung hin. Zusammenfassung Die Herausbildung und Existenz des Wertes war, ist und bleibt für vorstellbare Zeiträume eine notwendige Triebkraft für die Stabilität und Entwicklung der Gesellschaft. Das gilt insbesondere für die möglichst gerechte Verteilung von Gütern unterschiedlicher Substanzen, die im Ereignisfeld im umfassenden Sinn in geringerem Umfang vorhanden sind als die darauf gerichteten Bedürfnisse. Für die Verteilung solcher Güter ist der Wert ein durch nichts anderes zu ersetzendes Element der Regulierung des ökonomischen Stoffwechselprozesses. Mit Hilfe des Wertes können die zu verteilenden Güter 62 Lippert nach den Werten der Arbeitskräfte sowie nach weiteren, ebenfalls gesellschaftlich begründeten Kriterien verteilt werden. Die Verteilung erfolgt auf diese Art gerechter, als das bei anderen Verteilungsformen der Fall wäre. Die ökonomisch zu verteilenden Güter können mittels menschlicher oder maschineller Arbeit erstellte und bearbeitete Objekte, menschliche oder maschinelle Aktivitäten, Ideen und bestimmte Naturprodukte sein. Die Güter, welche die Menschen nach ökonomischen Regeln austauschen, werden hier als Wertobjekte bezeichnet. Die Triebkraftfunktion des Wertes ist vor allem darin zu sehen, dass zum Erwerb eines der ökonomischen Verteilung unterliegenden Gutes oder Wertobjektes eine Gegenleistung erbracht werden muss. Damit sind solche Wertobjekte nur über einen Austausch beziehbar. Gegenüber anderen Verteilungsmethoden wird somit mehr Gerechtigkeit bewirkt und außerdem der Vergeudung entgegengewirkt. Leistung und Gegenleistung basieren beim ökonomischen Austausch darauf, dass den auszutauschenden Wertobjekten bzw. deren Stellvertretern über das Bewusstsein jeweils ein gesellschaftliches Element, das ökonomische Wertattribut zugeordnet wird. Das ökonomische Wertattribut widerspiegelt auf der Käuferseite Anrechte auf Wertobjekte in bestimmter Höhe. Die Höhe dieser Anrechte wird wesentlich durch die Arbeitskräfte selbst bestimmt, die zum Erwerb der Anrechte ihre Arbeitskraft in bestimmter Werthöhe verkaufen. Auf der Verkäuferseite widerspiegelt das Wert attribut Ansprüche auf Existenzmittel, d. h. ebenfalls auf Wertobjekte. Die Höhen der Ansprüche basieren auf den Werten aller Arbeitskräfte, die an der Bereitstellung der Wertobjekte beteiligt waren, sind oder sein werden. Die Werte der Arbeitskräfte gehen anteilig in die Wertgrößen der Ansprüche ein, welche als „Gesamtansprüche“ mit den angebotenen Wertobjekten verknüpft werden. Dazu kommen die Ansprüche auf Mehrwerte der beteiligten Bereitstellungsbereiche, welche der Weiterentwicklung des Unternehmens, der Weiterbildung der Arbeitskräfte sowie der Verbesserung der Arbeits- und Lebenssituation der Arbeitskräfte, den Gewinnausschüttungen und Dividenden dienen sollten. Die Einzel-Mehrwerte erscheinen beim Verkauf als eine Mehrwertsumme. Über den Wert gehen die Menschen als Tauschpartner ein gesellschaftliches Wertverhältnis ein. Über dieses gesellschaftliche Verhältnis Wert werden Bedürfnisse nach bestimmten Wertobjekten von der individuellen auf die gesellschaftliche Ebene gehoben und dort gesellschaftlich relevant zum Ausdruck gebracht. In einem gesellschaftlichen Verhältnis Wert wird einem Wertobjekt auf der einen Seite ein Wertobjekt auf der anderen Seite gegenübergestellt. An Stelle der Wertobjekte können völlig gleichwertig Stellvertreter-Wertobjekte in die Wertverhältnisse einbezogen werden. Das Ziel der Gegenüberstellung ist in jedem Fall der Austausch dieser Objekte, Aktivitäten, Ideen oder der Stellvertreter-Wertobjekte. Für die ökonomischen Prozesse sind dabei die mit den Wertobjekten (oder deren Stellvertretern) verknüpften ökonomischen Wertattribute relevant. Die Wertattribute repräsentieren die ökonomisch relevanten Wertgrößen der auszutauschenden Wertobjekte. Beim Tausch haben diese Wertgrößen gleich große Beträge. Die Wertgrößen können bereits deutlich vor dem ökonomischen Tausch die gleiche Größe haben oder sie werden im Rahmen des Aufbaus des gesellschaftlichen Wertverhältnisses einander angeglichen. Die Kräfte, die in einem Wertverhältnis von den Tauschpartnern selbst untereinander auf den Austausch gerichtet werden, lassen sich als Kräftevektoren mit Betrag 63 zu thEsE 3: und Richtung darstellen. Zum ökonomischen Austausch kommt es, wenn die gewichteten Beziehungsstärken beider Tauschpartner zum Wertobjekt bzw. zur Gegenleistung hin gleich groß sind. Zusätzlich müssen aber diese Kräftevektoren zu dem jeweils gewünschten Wertobjekt bzw. dessen Stellvertreter größer sein als die Kräftevektoren der Bindungsenergien zu den gleichen, aber im jeweiligen eigenen Eigentum von Verkäufer und Käufer befindlichen Wertobjekten. Mit anderen Worten: Wenn der Käufer ein Paar Schuhe kaufen will, befinden sich diese im Eigentum der Verkäuferseite. Die Verkäuferseite hat eine Bindungsenergie zu diesen Schuhen, d. h. sie wird die Schuhe nicht einfach an einen Interessenten ohne Gegenleistung abgeben. Die Beziehungsstärke der Käuferseite zu den Schuhen muss die Bindungsenergie der Verkäuferseite an das Paar Schuhe überwinden. Der Begriff „Kräftevektor“ ist bisher nicht verwendet worden. Mit diesem Begriff soll zum Ausdruck gebracht werden, dass es neben der ökonomisch wirksamen gewichteten Beziehungsstärke eine weitere Kraft gibt, welche auf die direkt gesehene Nützlichkeit von Wertobjekt bzw. Wertäquivalent gerichtet ist. Diese zusätzliche Kraft kann ebenfalls als Vektor dargestellt werden und überlagert bei Käufer und Verkäufer die gewichtete Beziehungsstärke zu Wertobjekt bzw. Wertäquivalent. Nur so kann die „Win-Win“-Situation beim ökonomischen Tausch erklärt werden. Umgekehrt muss die Verkäuferseite die Bindungsenergie der Käuferseite an das Wertäquivalent für die Schuhe – das Wertäquivalent ist praktisch immer ein bestimmter Geldbetrag – überwinden, um die Käuferseite zur Abgabe des Wertäquivalents gegen das Paar Schuhe zu animieren. Dieses Ziel kann erreicht werden, wenn die Käuferseite hinreichend stark an einem Paar Schuhe interessiert gemacht wird. „Hinreichend stark interessiert“ bedeutet, dass die Verkäuferseite das Paar Schuhe in einer Ausführung anbietet, welche die Käuferseite so stark zum Kauf animiert, dass diese bereit ist, ihr Wertäquivalent dafür abzugeben, d. h. die Verkäuferseite muss die Bindungsenergie der Käuferseite an ihr Geld überwinden. Eine Bedingung dafür ist, dass das Wertattribut des Schuhpaars für die Käuferseite akzeptabel ist. Kräftevektoren widerspiegeln in einem Wertverhältnis die Beziehungsstärken der Tauschpartner zum Wertobjekt des Gegenübers, aber auch die zu dem eigenen. Mit den gesellschaftlich relevant geäußerten Werthöhen dieser Beziehungsstärken werden diese aus der ideellen Vorstellungswelt auf die gesellschaftliche Ebene gebracht. Die Kräftevektoren der Beziehungsstärken entsprechen vom Betrag her zum Zeitpunkt der Übertragung der individuellen Wertvorstellungen aus der individuellen auf die gesellschaftliche Ebene den Wertbeträgen der ökonomischen Wertattribute der Wertobjekte. Dieser Zeitpunkt ist der Zeitpunkt des Tausches. Die Kräftevektoren der Tauschpartner werden über das Wertverhältnis zu einer Einheit zusammengeführt und zwischen den Tauschpartnern zur Wirkung gebracht. Da die Beträge der Wert- oder Beziehungsstärkevektoren einander gleich sind, aber ihre Richtungen genau entgegengesetzt wirken, wird nach dem Tausch auf keiner der beiden Seiten etwas ökonomisch Relevantes zurückbleiben. Was der eine Tauschpartner in Eigentum verwandeln will, muss der andere aus seinem Eigentum abgeben und umgekehrt – ein Wertverhältnis ist eine Einheit von Leistung und Gegenleistung. Mathematisch formuliert wird ein solcher Ablauf die Endsumme Null ergeben. Dass die Beziehungsstärkevektoren mit dem Tausch gegenseitig aufgehoben werden, ist die ökonomische Entsprechung dafür. Das gesellschaftliche Verhältnis Wert wird damit 64 Lippert beendet. Es bleibt kein ökonomisch relevanter Anteil zurück, d. h. kein Anspruch auf Leistung oder Gegenleistung. Diese Gleichheit der Wertbeträge in einem gesellschaftlichen Verhältnis Wert basiert dabei nicht nur auf mathematisch exakt berechenbaren Elementen und Vorgängen, da Bewusstseinsprozesse an der Ermittlung der Gleichheit beteiligt sind. Beide Tauschpartner werden im Normalfall weiterhin einen Wert mit ihrem eingetauschten Objekt verbunden sehen. Jedoch ist das letztendlich eine individuelle Einstellung und kein Wert mehr im ökonomischen Sinne. Zu Wertobjekten im ökonomischen Sinne könnten diese eingetauschten Objekte erst wieder werden, wenn ein weiteres gesellschaftliches Verhältnis Wert zu diesen hin aufgebaut würde. Jedes potenzielle Wertobjekt und jedes potenzielle Wertäquivalent hat sicherlich einen ideellen und potenziellen ökonomischen Wert. Beide werden von ihren Eigentümern über Beziehungsstärken festgehalten. Bei ihnen kann der ökonomische Wert wirksam werden, aber er muss es nicht. Beim Wertäquivalent gilt zusätzlich, dass Geld in der heutigen Zeit im Normalfall nicht mit einem deutlichen Wertverlust innerhalb kurzer Zeit behaftet ist, wie das z. B. zur Zeit der großen Inflation der Fall war. Somit „verliert“ das Wertäquivalent während der Abwesenheit vom Markt kaum „an Wert“. Ein ehemaliges Wertobjekt wird aber von den Menschen im Allgemeinen mit einer raschen ideellen Alterung verbunden (Auto, TV-Gerät usw.). Der Nutzen einer Wertbeziehung liegt darin, dass durch den Tausch der Wertobjekte bzw. Stellvertreter-Wertobjekte diese dem jeweiligen Tauschpartner Vorteile gegenüber der Situation vor dem Tausch bringen. Diese Vorteile sind nicht im ökonomischen Bereich des jeweiligen Wertverhältnisses zu finden, denn der Tausch erfolgt wertäquivalent.

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References

Zusammenfassung

Der Zusammenbruch der UdSSR um 1990 markierte nach allgemeiner Auffassung auch den Triumph der freiheitlichen Wirtschaftsordnung über das sozialistische Planwirtschaftsmodell. Die genauen Gründe hierfür sind nicht leicht auszumachen. Allein die Fülle an unterschiedlichen Theorien zur Erklärung des sowjetischen Zerfalls legt den Schluss nahe, dass es ein komplexes Zusammenspiel mannigfaltiger Faktoren war, die den kommunistischen Gedanken als eine praktische Wirklichkeit nicht überdauern ließ. Rainer Lippert fügt der wissenschaftlichen Diskussion einen weiteren, wertvollen Ansatz hinzu. Seine neue und zeitgemäße Überarbeitung der weltberühmten Theorie erweitert Marx’ klassischen Arbeitswertbegriff und beweist, dass dieser nur ein Spezialfall eines viel allgemeineren Wertbegriffes ist. Durch Lipperts Erweiterung der Marx'schen Arbeitswerttheorie lässt sich nicht nur der entscheidende Konstruktionsfehler planwirtschaftlicher Modelle benennen: Aus dem Überführen der Marx’schen Grundprämisse in eine allgemein lebenswirklichere Form gelingt ihm auch in schlüssiger Weise die zentrale Argumentation für die freie Marktwirtschaft.