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Anhang – Abbildungen in:

Rainer Lippert

Mit Marx zur Marktwirtschaft?, page 221 - 258

Eine Neuerung der Marx’schen Arbeitswerttheorie

3. Edition 2017, ISBN print: 978-3-8288-3917-5, ISBN online: 978-3-8288-6667-6, https://doi.org/10.5771/9783828866676-221

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Wirtschaftswissenschaften, vol. 82

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
221 anhang – abbIldungEn Anhang – Abbildungen Bild 1: Die übliche Interpretation der Arbeitswerttheorie 222 Lippert Bild 1: Die übliche Interpretation der Arbeitswerttheorie Im Arbeitsprozess werden Ausgangsstoffe mit Hilfe menschlicher Arbeitskraft angereichert, verformt, umgewandelt usw. Mit der Einwirkung menschlicher Arbeitskraft auf die Roh- und Ausgangsmaterialien sollen durch den Arbeitsprozess die Ansprüche der Arbeitskräfte auf Existenzmittel als Wert in die entstehenden Produkte eingebracht werden. Wertbildend soll nur der materielle Arbeitsprozess sein. Auf diesen wirkt das Produktionsumfeld ein: Forschung/Entwicklung, Planung, Hausservice-Leistungen … Der stoffliche Wertschöpfungsprozess wird interpretiert als Vergegenständlichung menschlicher, gesellschaftlich nützlicher Arbeit. Nach erfolgter Vergegenständlichung soll der Wert in den Produkten enthalten sein. 223 anhang – abbIldungEn Bild 2: Wert – ist dessen objektive Existenz möglich? 224 Lippert Bild 2: Wert – ist dessen objektive Existenz möglich? Linker Bildteil: Wert ist ein gesellschaftliches Verhältnis. Das gesellschaftliche Verhältnis Wert wirkt zwischen Tauschpartnern. Die (zunächst potenziellen) Tauschpartner erfassen die sie umgebende Umwelt. Dabei werden in ihren Bewusstseinsinhalten die Objekte von Interesse widergespiegelt. Die Widerspiegelungen können Bedürfnisse nach solchen Objekten generieren. Auf Grundlage solcher Art Widerspiegelungen und Bedürfnisse werden Wertverhältnisse aufgebaut. Rechter Bildteil: Gesellschaftliche Verhältnisse können nicht zwischen Menschen und Gegenständen, nicht zwischen Gegenständen und nicht in Gegenständen wirken. 225 anhang – abbIldungEn Bildfolge 3.1 bis 3.3: Das gesellschaftliche Verhältnis Wert – wesentliche Merkmale 3.1 Wert geht aus den ökonomisch relevanten Bedürfnissen der Tauschpartner nach den jeweils einzutauschenden Wertobjekten hervor 226 Lippert Bildfolge 3.1 bis 3.3: Das gesellschaftliche Verhältnis Wert – wesentliche Merkmale 3.1 Wert geht aus den ökonomisch relevanten Bedürfnissen der Tauschpartner nach den jeweils einzutauschenden Wertobjekten hervor - Wert ist ein gesellschaftliches Verhältnis. - Ziel ist die optimale Befriedigung von bestimmten Bedürfnissen durch den Tausch von Objekten, Aktivitäten, Ideen und Stellvertretern gegen äquivalente Tauschobjekte – meist Geld. Ausgetauscht werden Wertobjekte. Wertobjekte können stofflicher Art sein, aber auch bestimmte Aktivitäten, wie z. B. Musikaufführungen, bestimmte Ideen, z. B. Patente. Ein wesentliches Merkmal der Wertobjekte ist, dass sie im Ereignisfeld in geringerem Umfang vorhanden sind als die darauf gerichteten Bedürfnisse. Der Vergleich ist dabei umfassend anzusetzen. Damit können Wertobjekte praktisch nur auf Basis von Gegenleistungen bezogen werden. Um Gegenleistungen für den Erwerb von Wertobjekten abgeben zu können, verkaufen üblicherweise die Interessenten an den Wertobjekten ihre Arbeitskraft. - Im Bild sind Käufer und Verkäufer als zunächst potenzielle Tauschpartner dargestellt. Jeder von ihnen hat im Eigentum oder in der Verfügungsgewalt etwas, woran der andere Tauschpartner interessiert ist. Beim Verkäufer zählen dazu in diesem Beispiel diverse Objekte wie TV-Geräte, Fahrräder, Espressomaschinen… Der Käufer hat Geld als Entlohnung für den Verkauf seiner Arbeitskraft bekommen. Das Geld befindet sich in seinem Eigentum oder unter seiner Verfügungsgewalt. - Die Kopplung der Objekte an Käufer und Verkäufer, als jeweiliges Eigentum bzw. als Verfügungsgewalt, wird durch die bläulichen Verbindungslinien mit Verknüpfungspunkten symbolisiert. - Das Eigentum bzw. die Produkte in der Verfügungsgewalt ist / sind mit der jeweiligen Person über das Bewusstsein verknüpft. Eine Verknüpfung von Eigentum / Verfügungsgewalt im rechtlichen Sinne benötigt eine gesellschaftliche Grundlage. Verknüpfungen dieser Art basieren nicht auf mechanischen Verbindungen. Sie basieren vor allem auf gesellschaftlichen Regeln. Damit existiert diese Verbindung als Element nur(!) in der Gesellschaft. Die Verknüpfung von Eigentum / Verfügungsgewalt mit dem jeweiligen Eigentümer wird nur(!) in den Bewusstseinsprozessen aller für den Tauschvorgang relevanten Personen widergespiegelt und in Dokumenten physisch fixiert. Das betrifft die Zeiten vor dem Tausch, während des Tauschs und nach dem Tausch. Für die umgebende Natur wäre solch eine Verbindung nicht existent. - Über ihre Bewusstseinsprozesse erkennen beide Tauschpartner im Tausch der Wertobjekte bzw. ihrer Stellvertreter den günstigsten Weg, um die gewünschten Ziele zu erreichen. - Im Bild sucht der Käufer bei diversen Anbietern nach Wertobjekten, mit denen er seine Bedürfnisse befriedigen kann. Bei einem Anbieter entdeckt er ein Fahrrad, ein TV-Gerät und eine Espressomaschine, alles Dinge, die ihm gefallen. 227 anhang – abbIldungEn Bildfolge 3.1 bis 3.3: Das gesellschaftliche Verhältnis Wert – wesentliche Merkmale 3.2 Indem die Tauschpartner gewichtete Beziehungsstärken zu den jeweils einzutauschenden Wertobjekten ausbilden, bereiten sie die Etablierung eines Wertverhältnisses vor 228 Lippert Bildfolge 3.1 bis 3.3: Das gesellschaftliche Verhältnis Wert – wesentliche Merkmale 3.2 Indem die Tauschpartner gewichtete Beziehungsstärken zu den jeweils einzutauschenden Wertobjekten ausbilden, bereiten sie die Etablierung eines Wertverhältnisses vor - Um ein Wertobjekt in das Eigentum zu überführen, muss eine Gegenleistung erbracht werden. Für das Aufbringen der Gegenleistung sind Energie und Zeit notwendig, die nur begrenzt zur Verfügung stehen, d. h. die Menschen können sich praktisch nicht alle ihre Wünsche erfüllen. Folglich müssen potenzielle Tauschpartner, die an bestimmten Wertobjekten oder deren Stellvertretern interessiert sind, ihre Bedürfnisse wichten. Entscheidungen über den Kauf bzw. Tausch werden üblicherweise so getroffen, dass ein Optimum an Zufriedenheit bei möglichst geringem Aufwand an Gegenleistung erzielt wird. - Im Bild wichtet der (zunächst potenzielle) Käufer seine Bedürfnisse nach den verschiedenen (zunächst ebenfalls nur potenziellen) Wertobjekten. - Espresso trinken ist für den Käufer enorm wichtig. Somit würde er gern eine Espressomaschine in seinen Besitz überführen. Er wichtet das Bedürfnis nach einer passenden Maschine besonders stark und baut eine gewichtete Beziehungsstärke auf zu dem ihm besonders wichtig erscheinenden Objekt, zur Espressomaschine. Dargestellt wird das durch den dicken grünen Pfeil vom Käufer ausgehend. In diese Wichtung muss der Käufer das mit dem Wertobjekt von der Verkäuferseite verknüpfte Wertattribut einbeziehen. Das Wertattribut widerspiegelt den Anspruch der Verkäuferseite auf Existenzmittel, d. h. auf Wertobjekte plus einen Mehrwert. Des Käufers Gegenleistung muss diesem Anspruch gerecht werden. - Der Käufer signalisiert dem Verkäufer seinen Wunsch. Der Verkäufer wird dem Käufer das gewünschte Objekt nur abgeben, wenn dieser ihm ein wertgleiches Äquivalent dafür bietet. Was Wertgleichheit bedeutet, wird vor allem durch die Gesellschaft bestimmt, aber durch die konkrete Käufer- und Verkäuferseite individuell mitgeprägt. Da Bewusstseinsprozesse an solchen Entscheidungen beteiligt sind, fallen diese üblicherweise sehr unterschiedlich aus. - Der Verkäufer baut eine gewichtete Beziehungsstärke zu dem Wertäquivalent auf, das der Käufer ihm als Gegenleistung für die Abgabe der Espressomaschine anbietet, üblicherweise Geld. Im Bild ist dieser Vorgang als roter Pfeil, vom Verkäufer ausgehend, dargestellt. Auch der Verkäufer muss seine Beziehungsstärke wichten, da er nicht beliebige „Gegenwerte“ annehmen kann. Er muss im Durchschnitt die Werte seiner Existenzmittel ersetzt bekommen plus einen Mehrwert dazu. Auf einem Basar wird die Werthöhe der Gegenleistung flexibel gehandhabt, in einem Warenhaus muss der Verkäufer lediglich die Geldsumme und das Geld selbst prüfen. Im Bild ist das Geld, genau wie das Wertobjekt, mit einem Wertattribut verknüpft. Im Gegensatz zu „normalen“ Wertobjekten ist der Bezugspunkt des Wertes beim Geld im Allgemeinen nicht im Wertobjekt selbst zu finden, da das Geld als solches üblicherweise keinen „Wert hat“. Der eigentliche Wert wird über gesellschaftliche Konventionen mit dem Geld verknüpft. Die Zusage über einen bestimmten Geldwert des Geldes kommt von der EZB (Papiergeld, Münzgeld) bzw. dem Staat (Nicht-Euro-Raum) oder von den Banken (Kreditgeld). 229 anhang – abbIldungEn - Mit dem Aufbau beider gewichteter Beziehungsstärken zu den Tauschobjekten von Interesse wird die Etablierung des Wertverhältnisses vorbereitet. - Die gewichteten Beziehungsstärken können als Vektoren mit Richtung und Wertbetrag dargestellt werden. 230 Lippert Bildfolge 3.1 bis 3.3: Das gesellschaftliche Verhältnis Wert – wesentliche Merkmale 3.3 Das gesellschaftliche Verhältnis Wert wird aufgebaut und die Wertobjekte werden getauscht 231 anhang – abbIldungEn Bildfolge 3.1 bis 3.3: Das gesellschaftliche Verhältnis Wert – wesentliche Merkmale 3.3 Das gesellschaftliche Verhältnis Wert wird aufgebaut und die Wertobjekte werden getauscht - Das gesellschaftliche Verhältnis Wert wurde hinreichend vorbereitet, indem Käufer und Verkäufer Beziehungen in Form von gewichteten Beziehungsstärken zu den relevanten Wertobjekten bzw. deren Stellvertretern aufbauten und die Wertgrößen dieser Beziehungsstärken aneinander anglichen. - Nach der Vorbereitung wird das gesellschaftliche Verhältnis Wert zwischen Käufer und Verkäufer vollständig etabliert. Im Bild wird das als blauer Doppelpfeil zwischen Käufer und Verkäufer dargestellt, der in beide Richtungen verläuft. - Über dieses gesellschaftliche Verhältnis Wert tauschen Käufer- und Verkäuferseite die Wertobjekte bzw. deren Stellvertreter. Der Austausch erfolgt wertgleich, da auf keiner der beiden Seiten eine Forderung offenbleibt, die auf der gesellschaftlichen Ebene wirksam wäre. Ideelle Vorstellungen, die etwas anderes aussagen, sind auf der gesellschaftlichen Ebene nicht relevant. - Die Triebkräfte für den Tausch können als Wirkungsvektoren dargestellt werden, die aus den gewichteten Beziehungsstärken von Käufer und Verkäufer abgeleitet werden. - Die Beziehungsstärken wirken zu den konkreten Nützlichkeiten von Wertobjekt und Wertäquivalent. Die Wirkungsvektoren werden aus den Beziehungsstärkevektoren abgeleitet, bewirken aber, auf Basis der konkreten Nützlichkeit, den Tausch von Eigentum gegen Eigentum auf der gesellschaftlichen Ebene. Beim Tausch von Eigentum gegen Eigentum in bestimmter Werthöhe abstrahieren die Tauschpartner von den konkreten Nützlichkeiten von Wertobjekt und Wertäquivalent. Die konkrete Nützlichkeit bleibt aber in abstrakter Form erhalten, denn sonst würden Käufer und Verkäufer ihr Eigentum nicht tauschen. Ausdrucksform für die Nützlichkeit ist der Tausch und für die relative Nützlichkeit im gegebenen Umfeld ist es die Werthöhe. - Mit dem Tausch der Wertobjekte wird das gesellschaftliche Verhältnis Wert beendet. Die Eigentümer (bzw. die rechtmäßigen Nutzer, z. B. bei Musikveranstaltungen) haben ihre Wertobjekte und / oder Stellvertreter-Wertobjekte ausgetauscht. Der Abbau des gesellschaftlichen Verhältnisses Wert und die Situation nach dem Abbau sind im Bild nicht mehr dargestellt. 232 Lippert Bild 4: Der Geldumlauf in der Wirtschaft ist unterteilt in einen individuellen und einen nicht-individuellen Bereich 233 anhang – abbIldungEn Bild 4: Der Geldumlauf in der Wirtschaft ist unterteilt in einen individuellen und einen nicht-individuellen Bereich - Dargestellt sind mit dem individuellen und nicht-individuellen Bereich die Summe aller in einer Gesellschaft vorhandenen Wertobjekte, ausgedrückt in ihren Preisen, sowie die Summe aller bereitgestellten Wertäquivalente (vorwiegend in Form von Geld). - Im nicht-individuellen Bereich wird die Summe aller Waren und Dienstleistungen dargestellt, die für individuelle Konsumenten nicht konsumierbar oder nicht bzw. nicht sinnvoll anwendbar sind. Dazu zählen z. B. bestimmte Industriegebäude, gro- ße Firmensitze und bestimmte Werkzeugmaschinen. Ergänzend zu den symbolisch dargestellten Objekten könnte das Gros der Weltraumtechnik genannt werden, jedenfalls in der heutigen Zeit, u. v. a. m. Diesen werden die Firmen gegenübergestellt, die im Beispiel als Kunden auftreten und aus ihren eigenen Geldmitteln oder auf Kreditbasis diese Industriegüter und Dienstleistungen kaufen. - Im individuellen Bereich werden typische und im Einzelhandel verfügbare Endverbraucherprodukte den Geldmitteln und individuellen Krediten der Konsumenten gegenübergestellt. - Ein Zahlenwert für die Preissumme ist nicht angegeben, denn die im Bild dargestellten Wertverhältnissituationen gelten exakt betrachtet nur für einen Zeitmoment, d.h. für alle zu einem Zeitpunkt aktiven Kaufvorgänge. Damit unterscheiden sie sich schon deutlich voneinander, wenn man sie während der Tag- und Nachtzeit miteinander vergleicht. Sinnvoll wäre die Abbildung aller Kaufvorgänge bezogen auf einen aussagekräftigen Zeitraum, z.B. bezogen auf einen Monat oder ein Jahr – je nach Ziel der Aussage. - Wichtig ist, dass der Preisumfang aller Wertobjekte und der gesamte Umfang an Wertäquivalenten (meist in Geldform) von den Wertgrößen her prinzipiell immer übereinstimmen. - In der Praxis gibt es ohne Frage viele Mischformen zwischen dem individuellen und dem nicht-individuellen Bereich. 234 Lippert Bildfolge Bild 5.1 bis 5.6: Lebenszyklus des Wertverhältnisses 5.1 Ausgangssituation – potenzieller Käufer und potenzieller Verkäufer 235 anhang – abbIldungEn In den folgenden Abbildungen 5.1 bis 5.6 werden die Phasen im „Lebenszyklus“ eines gesellschaftlichen Wertverhältnisses dargestellt – von der Vorbereitung über Aufbau und Aktion bis zum Abbau. Bildfolge Bild 5.1 bis 5.6: Lebenszyklus des Wertverhältnisses 5.1 Ausgangssituation – potenzieller Käufer und potenzieller Verkäufer Betrachtet werden die sich gegenüberstehenden potenziellen Käufer und Verkäufer. - Ein zunächst potenzieller Käufer hat Lohn bzw. Gehalt in bestimmter Höhe dafür bekommen, dass er seine Arbeitskraft verkauft hat. • Diese Geldmittel sind sein Eigentum (je nach Rechtslage im Land wird derjenige, der das Geld rechtmäßig erwirbt, Eigentümer des Geldes oder er bekommt nur die Verfügungsgewalt über das Geld – für dessen zweckentsprechende Nutzung). • Diese Geldmittel werden ihm als Wertäquivalente dienen, wenn er die ihm wichtig erscheinenden Güter erwerben möchte. • Der potenzielle Käufer ist mit seiner Situation nicht völlig zufrieden. Er sucht etwas, womit er sein Wohlbefinden verbessern kann. • In den meisten Fällen wird er die Dinge, mit denen er sein Wohlfühlen zu bessern hofft, nur in sein Eigentum überführen oder nutzen können, wenn er als Gegenleistung ein Wertäquivalent dafür abgibt. Solch ein Tausch wird als Tausch im ökonomischen Sinne gesehen. • Bei einem ökonomischen Tausch wird Wertobjekt gegen Wertäquivalent oder Wertobjekt gegen Wertobjekt oder Wertäquivalent gegen Wertäquivalent getauscht. • Das, was der Käufer als Gegenleistung für den Erwerb eines Wertobjektes abgibt, wird auf den Bildern der Bildfolge als Wertäquivalent bezeichnet. - Ein potenzieller Verkäufer besitzt im Eigentum / hat die Verfügungsgewalt über potenzielle Wertobjekte, die er sich erarbeitet, angeeignet oder zugeordnet hat oder die ihm zugeordnet wurden. Diese potenziellen Wertobjekte hat der Verkäufer nicht für den eigenen Bedarf im Eigentum / in seiner Verfügungsgewalt, sondern nur, weil er sie gegen ihm Wichtigeres tauschen möchte. • In dem Bild zählen zu den potenziellen Wertobjekten im Eigentum / unter der Verfügungsgewalt des Verkäufers Fahrräder, PCs und Notebooks, Kaffeemaschinen, TV-Geräte, Autos. - Auf Käufer und Verkäufer wirken das natürliche und das gesellschaftliche Umfeld ein – im Bild durch die roten und grünen Pfeile dargestellt. • Beide Umfeldeinflüsse prägen die Ansichten von Käufer und Verkäufer über die zu tauschenden Wertobjekte und Wertäquivalente, bestimmen diese Ansichten aber nicht vollständig. 236 Lippert Bildfolge Bild 5.1 bis 5.6: Lebenszyklus des Wertverhältnisses 5.2 Der potenzielle Käufer erfasst viele potenzielle Wertobjekte; aufgrund vielfältiger Begrenzungen muss er die Beziehungen zu diesen für einen möglichen Tausch wichten 237 anhang – abbIldungEn Bildfolge Bild 5.1 bis 5.6: Lebenszyklus des Wertverhältnisses 5.2 Der potenzielle Käufer erfasst viele potenzielle Wertobjekte; aufgrund vielfältiger Begrenzungen muss er die Beziehungen zu diesen für einen möglichen Tausch wichten - Der potenzielle Käufer erfasst ihm interessant erscheinende Objekte (und Aktivitäten) aus seinem Umfeld. Er sucht dabei nach möglichen Wertobjekten, mit denen er seine aktuellen Wünsche erfüllen kann. • Das natürliche und das gesellschaftliche Umfeld haben im Zusammenwirken mit seiner konkreten aktuellen Lebenssituation in ihm Wünsche entstehen lassen, von denen er sich gern einige erfüllen möchte. • In diesem Beispiel fällt seine engere Auswahl auf ein Fahrrad, auf einen Komplett-PC und auf eine Espressomaschine. • Er vergleicht seine Wünsche mit dem jeweils zu erwartenden Nutzen, der mit den verschiedenen Wertobjekten voraussichtlich erzielt werden kann. • Während der (mögliche) Käufer vergleicht, wird er seine Bedürfnisse bereits wichten, um sich später eine leichtere Entscheidung zu ermöglichen. 238 Lippert Bildfolge Bild 5.1 bis 5.6: Lebenszyklus des Wertverhältnisses 5.3 Zu einem Objekt, das ihm sehr wichtig erscheint, baut der potenzielle Käufer eine gewichtete Beziehungsstärke auf 239 anhang – abbIldungEn Bildfolge Bild 5.1 bis 5.6: Lebenszyklus des Wertverhältnisses 5.3 Zu einem Objekt, das ihm sehr wichtig erscheint, baut der potenzielle Käufer eine gewichtete Beziehungsstärke auf - Aufgrund von Begrenzungen (stoffliche Ressourcen stehen nur begrenzt zur Verfügung; begrenzter Energievorrat; begrenzte Lebenszeit; begrenzte Arbeitszeit…) muss der Käufer seine Bedürfnisse wichten, um sein Ziel “optimales Wohlgefühl” zu erlangen. - In diesem Beispiel wählte der Käufer den Komplett-PC aus der Sammlung der möglichen Wertobjekte aus. - Da der PC mittels begrenzt vorliegender Ressourcen gebaut wurde, ist er nur über einen ökonomischen Austausch erhältlich. - Zu diesem PC baut der Käufer ein gewichtetes Bedürfnis auf. Inbegriffen sind in dieser Wichtung die Bedeutung des angestrebten Wertobjektes sowie die dazu aufzubringende Gegenleistung. - Kriterium für die Gegenleistung wird das Wertattribut sein, das der potenzielle Verkäufer mit seinem Wertobjekt “B” als Anspruch auf Gegenleistung verknüpft. - In dieses Wertattribut gehen die Ansprüche aller an der Produktion und Bereitstellung des Wertobjektes „Komplett-PC“ Beteiligten anteilig ein: Manager, Strategen, Entwickler, Ingenieure, Produktionsarbeiter, Logistiker, Händler, Reinigungskräfte, Kommunikationsfirmen, Bergarbeiter, Chemiker, Reisedienstleister usw. Zusätzlich wird ein erwarteter Mehrwert addiert. - Erfasst werden diese Abläufe im Bild mittels „Arbeitsprozess B“, dem Bereitstellungsprozess für den PC, der hier u. a. die vorgelagerten Prozesse, die Produktion und den Vertrieb umfasst. • Alle Beteiligten werden abhängig von den Werten ihrer Arbeitskräfte und Arbeitszeiten anteilmäßig entlohnt. • Ein realisierbar erscheinender Mehrwert wird auf diese Geldsumme aufgeschlagen. - Als Gegenleistung für den Erwerb des PCs muss der Käufer eine Geldsumme in gleicher Werthöhe als Wertäquivalent abgeben. • Dieses Geld wird er aus dem Fonds nehmen, den er als Entgelt für den Verkauf seiner Arbeitskraft erhalten hat – im Bild als „(Stellvertreter-)Wertobjekt A“ gekennzeichnet, das mit einem Wertattribut verknüpft ist, welches mit dem Zahlenwert der Geldmenge korrespondiert. Die Werthöhe der Gesamtgeldmenge des Käufers ist vor allem abhängig vom Wert seiner Arbeitskraft und von der geleisteten Arbeitszeit. Im Bild ist der Prozess in 3 Schritten dargestellt: 1) Arbeitsprozess; der Käufer ist durch diesen an der Produktion / Bereitstellung von Wertobjekten für diverse Kunden beteiligt; die Produkte werden verkauft 2) Durch den Verkauf bekommt das Unternehmen Geld, mit dem u. a. die Arbeitskräfte bezahlt werden 3) Aus solch einer Geldmenge kann der Käufer seine Wünsche nach Wertobjekten erfüllen • Die Wertattribute, die mit Geldmitteln verbunden werden, akzeptieren im Allgemeinen alle Mitglieder der Gesellschaft als Wertäquivalent. 240 Lippert • Die vom potenziellen Verkäufer für das potenzielle Wertobjekt geforderte Geldsumme wird der Käufer nur dafür abgeben, wenn sein gewichtetes Bedürfnis stark genug gegenüber konkurrierenden Bedürfnissen ist und er außerdem die Forderungen des Verkäufers nach Äquivalenz als annehmbar einstuft. • Auf dem Basar könnte seine Einschätzung lauten: „Die Forderung erscheint mir angemessen. Aber vielleicht kann ich sie trotzdem reduzieren.“ 241 anhang – abbIldungEn Bildfolge Bild 5.1 bis 5.6: Lebenszyklus des Wertverhältnisses 5.4 Der potenzielle Käufer äußert seinen Wunsch gegenüber einem Anbieter. Daraufhin baut der Anbieter eine gewichtete Beziehungsstärke zum angebotenen Wertäquivalent auf 242 Lippert Bildfolge Bild 5.1 bis 5.6: Lebenszyklus des Wertverhältnisses 5.4 Der potenzielle Käufer äußert seinen Wunsch gegenüber einem Anbieter. Daraufhin baut der Anbieter eine gewichtete Beziehungsstärke zum angebotenen Wertäquivalent auf - Der potenzielle Käufer äußert seinen Wunsch gegenüber dem potenziellen Verkäufer. - Ein Marktverkäufer wird daraufhin die angebotene Gegenleistung wichten. - Die gewichteten Bedürfnisse beider Seiten des im Aufbau befindlichen Wertverhältnisses erfassen die Wertattribute, die mit dem angebotenen Wertobjekt sowie mit der dafür als Wertäquivalent offerierten Gegenleistung verknüpft sind. Diese Verknüpfungen existieren nicht physisch, sondern nur als Widerspiegelungen in den Bewusstseinsprozessen von Käufer und Verkäufer. - Käufer und Verkäufer werden die gewonnenen Informationen verarbeiten und prüfen. - Auf dem Basar wird der (zunächst potenzielle) Käufer versuchen, den Preis des gewünschten (zunächst ebenfalls potenziellen) Wertobjektes herunterzuhandeln. In einem Kaufhaus wird er überlegen, ob er den Preis für das gewünschte Produkt akzeptiert oder ob er eventuell etwas anderes erwerben will. Der (zunächst potenzielle) Verkäufer wird versuchen, sich von seinem veranschlagten Preis nicht herunterhandeln zu lassen. Unter Umständen wird er vom gewünschten Preis Abstriche machen müssen, um überhaupt einen Verkaufserfolg zu erzielen. - Auf dem Basar werden sich Käufer und Verkäufer auf einen Preis einigen oder auseinandergehen, ohne ein Wertverhältnis miteinander aufzubauen. Im Kaufhaus muss der Käufer den Preis akzeptieren oder er kann das gewünschte Produkt nicht kaufen. Der Verkäufer wird lediglich das Geld zählen und prüfen müssen. - In diesem Beispiel einigen sich Käufer und Verkäufer auf einen Preis oder der Käufer akzeptiert den vom Verkäufer verlangten Preis. - Der Käufer wird die Ware so gut wie möglich prüfen, der Verkäufer die Geldscheine. 243 anhang – abbIldungEn Bildfolge Bild 5.1 bis 5.6: Lebenszyklus des Wertverhältnisses 5.5 Das gesellschaftliche Verhältnis Wert wird von Käufer und Verkäufer gesellschaftlich relevant zum Ausdruck gebracht – der wertäquivalente Tausch wird vollzogen 244 Lippert Bildfolge Bild 5.1 bis 5.6: Lebenszyklus des Wertverhältnisses 5.5 Das gesellschaftliche Verhältnis Wert wird von Käufer und Verkäufer gesellschaftlich relevant zum Ausdruck gebracht – der wertäquivalente Tausch wird vollzogen - Beide, Käufer und Verkäufer, haben sich über den Tausch geeinigt. - Sie haben damit zwischen sich das gesellschaftliche Verhältnis Wert für den Tausch vorbereitet. - Die gewichteten Beziehungsstärkevektoren, die der Käufer auf das Wertobjekt und die der Verkäufer auf das Wertäquivalent richtet, können aber nicht auf der gesellschaftlichen Ebene einen Tausch Eigentum gegen Eigentum bewirken. Die ideell wirkenden Beziehungsstärken müssen demzufolge äquivalent auf die gesellschaftliche Ebene gehoben werden. Im Bild wird das durch die Wirkungsvektoren dargestellt. Wirkungsvektoren heißen diese, weil sie den gesellschaftlich relevanten Tausch Eigentum gegen Eigentum bewirken. • Zunächst waren die Beziehungsstärkevektoren auf das Wertobjekt bzw. das Wertäquivalent gerichtet. Damit werden die Kräfte veranschaulicht, durch welche das Wertverhältnis zustande kommt. Diese Kräfte wirken ideell und individuell aus den Tauschpartnern heraus zu Wertobjekt bzw. Wertäquivalent hin. • Für den Tausch, auf den sich beide Tauschpartner u. a. mittels der gemeinsamen Wertgröße geeinigt haben, müssen aber Kräfte auf die gesellschaftliche Ebene gebracht werden. Denn sowohl das Wertobjekt als auch das Wertäquivalent sind Bestandteile von Eigentum / Verfügungsgewalt. Eigentum und Verfügungsgewalt sind nur auf der gesellschaftlichen Ebene fassbar und wirken nur dort, denn beide sind rein gesellschaftliche Größen. • Die für den Tausch auf der gesellschaftlichen Ebene notwendigen Kräfte leiten die Tauschpartner aus den initiierenden gewichteten Beziehungsstärken zu Wertobjekt und Wertäquivalent ab. Die Skalarbeträge der Wirkungsvektoren sind gleich denen der gewichteten Beziehungsstärken, denn es sind die gleichen Tauschobjekte. Es wirken folglich die gleichen Wertbeträge der Kräfte. Die Stärken beider Wirkungsvektoren sind gleich groß, da auch die Skalarbeträge beider Beziehungsstärken gleich groß sind. Nur die Angriffspunkte der Vektoren sind unterschiedlich gerichtet – einmal ist es die konkrete Nützlichkeit, die ideell gesehen wird, und einmal das Eigentum, das mit der ausgehandelten Wertgröße verknüpft wird. Bezüglich des Eigentums mit der ausgehandelten Wertgröße wird von der konkreten Nützlichkeit abstrahiert. Aber eben nicht in der Art, dass die Nützlichkeit verschwindet, sondern so, dass sie erhalten bleibt, aber unabhängig von ihrer konkreten Ausführungsform. Die konkrete Nützlichkeit ist auf der gesellschaftlichen Ebene bezüglich der Eigentumsverhältnisse nicht wichtig und in diesem Zusammenhang nicht fassbar. Die abstrakte Nützlichkeit entspricht der konkreten und wird widergespiegelt in dem ausgehandelten Preis und der dafür abgegebenen Gegenleistung, meist in Form von Geld. Spürbar wird die konkrete Nützlichkeit auf der gesellschaftlichen Ebene notwendigerweise über die abstrakte: Ohne konkrete Nützlichkeit würde keine Gegenleistung für ein Wertobjekt erbracht werden. 245 anhang – abbIldungEn • Der Übergang von den gewichteten Beziehungsstärken zu den Wirkungsvektoren entspricht einer qualitativen Änderung: Die gewichteten Beziehungsstärken, die auf die konkreten Nützlichkeiten von Wertobjekt bzw. Wertäquivalent gerichtet sind (eingeschlossen die Wertattribute), werden umgelenkt zu Wertobjekt bzw. Wertäquivalent in Form von Eigentum mit jeweils nur abstrakter Nützlichkeit, aber den gleichen Wertattributen – plus der Initiierung der Kräfte zum Tausch von Wertobjekt gegen Wertäquivalent. • Für einen ökonomischen Tausch muss der Käufer die Bindungsenergie, mit der das gewünschte Wertobjekt vom Verkäufer „festgehalten“ wird, mit seinem Wertäquivalent überwinden. Der Verkäufer wiederum muss mit seinem Wertobjekt die Bindungsenergie überwinden, mit welcher der Käufer sein Wertäquivalent „festhält“. Beide, Käufer und Verkäufer, bewirken diese gesellschaftlich relevante Aktion mit den Wirkungsvektoren. • Wertäquivalenz und Eigentum sind Größen, die nur auf der gesellschaftlichen Ebene, nur zwischen Menschen, existieren. - Käufer und Verkäufer tauschen Wertobjekt gegen Wertäquivalent in der ausgehandelten Höhe. - Die Wirkungsvektoren und die gewichteten Beziehungsstärken von Käufer und Verkäufer werden mit dem Tausch gegenseitig aufgehoben. 246 Lippert Bildfolge Bild 5.1 bis 5.6: Lebenszyklus des Wertverhältnisses 5.6 Der ökonomische Tausch wurde vollbracht. Das gesellschaftliche Verhältnis Wert wurde beendet 247 anhang – abbIldungEn Bildfolge Bild 5.1 bis 5.6: Lebenszyklus des Wertverhältnisses 5.6 Der ökonomische Austausch wurde vollbracht. Das gesellschaftliche Verhältnis Wert wurde beendet - Das gesellschaftliche Verhältnis Wert zwischen Käufer und Verkäufer wurde beendet und damit abgebaut. - Die gewichteten Beziehungsstärken und die Wirkungsvektoren sind verschwunden. Sie wurden mit dem Tausch gegenseitig aufgehoben - Käufer und Verkäufer haben Wertobjekt gegen Wertäquivalent als wertgleich ausgetauscht. - Das ehemalige Wertobjekt ist nach dem Tausch ein normales Objekt im Eigentum (direkt oder indirekt) des Käufers. - Wenn der ehemalige Käufer dieses Objekt erneut zum Kauf anbieten sollte, würde er es damit wieder zu einem potenziellen Wertobjekt wandeln. - Das ehemalige Wertäquivalent (Geld) gelangte durch den Tausch in das Eigentum (in einigen Ländern in die Verfügungsgewalt) des ehemaligen Verkäufers. - In normalen Zeiten wird das Wertattribut des Wertäquivalents, wenn es sich um Geld handelt, durch den Tausch nicht an „Wert“ verlieren. Es bleibt durch die Mitglieder der Gesellschaft in gleicher Höhe wie zu Zeiten des Tausches anerkannt. Diese Aussage gilt jedenfalls für einen hinreichend kurzen Zeitraum. Damit kann Geld unmittelbar nach dem Tausch wieder als Wertäquivalent genutzt werden. Durch permanente Geldentwertung wird es mit der Zeit eine messbare Abweichung vom „alten“ Wertbetrag geben. Aus diesem Wertverlust kann aber nicht abgeleitet werden, ob es sinnvoll wäre, dafür sofort etwas anderes zu kaufen. In Krisenzeiten können die Abweichungen allerdings bereits in kurzen Zeiträumen enorme Größen erreichen. Ergänzung: Mit dem Tausch endet das gesellschaftliche Verhältnis in sehr vielen Fällen noch nicht vollständig. Denn für viele Wertobjekte gibt es eine Garantie und sogar Rückgaberechte – mit und ohne Mängelbegründung. Diese drei gängigen Formen eines Wertverhältnisses in Verbindung mit dessen möglicher Weiterführung werden in diesem Buch als „Wertverhältnisse auf Probe“ bezeichnet. Die gesellschaftlichen Wertverhältnisse werden in solchen Fällen mit dem Tausch noch nicht beendet. 248 Lippert Bild 6: Naturalienhandel 249 anhang – abbIldungEn Bild 6: Naturalienhandel - Naturalienhandel war nicht unüblich in der DDR. - So konnte z. B. ein kunstvoll gefertigtes Produkt gegen seltene Naturalien wie Spargel oder Bananen getauscht werden. - Der Preis, der auf Basis der Herstellungs- und Bereitstellungskosten berechnet wurde, soll in diesem Beispiel auf der Naturalienseite 540 Mark betragen. - Beim kunstvoll gestalteten Produkt, dem Schreibtisch, soll der Preis 650 Mark betragen. - Bei den als Beispiel angegebenen Naturalien soll es sich um Mangelwaren handeln. So konnten solche Naturalien im Wert von 540 Mark gegen sogenannte Konsumgüter im Wert von 650 Mark getauscht werden. - In diesem Beispiel ist der Eigentümer der Naturalien beim Verhandeln geschickt. Er bringt den Anbieter des Konsumgutes dazu, sein Objekt nur noch mit 595 Mark zu bewerten. - Dem Naturalienanbieter gelingt es auch, den Kunstwerkanbieter dazu zu bewegen, ebenfalls 595 Mark als Wertgröße des Wertobjektes „Naturalien“ anzuerkennen. - Die resultierende Wertgröße für den Tausch beträgt damit 595 Mark. - Somit kann der Tausch ohne Zahlungsausgleich abgewickelt werden. - Die Wertgröße von 595 Mark entspricht nun den Ansprüchen beider Tauschpartner auf Gegenleistung, d.h. auf Wertobjekte. - Wird der Tausch mit einem rechtsverbindlichen Kaufvertrag besiegelt, dann hat der Preis eine gesellschaftlich relevante Bedeutung: für die Zahlung von Steuern, im Versicherungsfall u. Ä. Formuliert wurde in der DDR in solchen Tauschsituationen, dass die Ware „über“ oder „unter Wert“ verkauft werden würde, weil nach dem damaligen Verständnis der Arbeitswerttheorie es sich um einen vergegenständlichten Wert gehandelt hat und der hätte im Nachhinein nicht mehr geändert werden können. Lag also der Preis, zu dem die Ware letztendlich getauscht wurde, unter dem ursprünglich veranschlagten Preis, konnte das nur bedeuten, dass die Ware „unter ihrem Wert“ verkauft wurde. 250 Lippert In den folgenden 3 Abbildungen 7.1 bis 7.4 geht es um die Gegenüberstellung des Umfangs aller Wertobjekte und der Wertgrößen aller Wertäquivalente, die genutzt werden, um sie gegen Wertobjekte einzutauschen. Bildfolge Bild 7.1 bis 7.4: Wertobjekte und Wertäquivalente in einem Währungsgebiet 7.1 Das Verhältnis von Umfang an Wertobjekten und Umfang an Wertäquivalenten in einem Währungsgebiet Linker Balken: Summe aller in einer Gesellschaft vorhandenen Wertobjekte, ausgedrückt als Summe der Preise aller Wertobjekte Rechter Balken: Summe aller Wertäquivalente für die Wertobjekte, ausgedrückt als Preissumme - Der Umfang an realen Wertobjekten ist „automatisch“ gleich groß dem realen Umfang an Wertäquivalenten (meistens in Form von Geld angeboten). - Diese Darstellung gilt für jeden Zeitpunkt, bezogen auf alle zu diesem Zeitpunkt stattfindenden ökonomischen Austauschprozesse. - Alle „Wertobjekte“, die nicht zu diesem Zeitpunkt in einem aktiven Wertverhältnis gegen Wertäquivalente getauscht werden, sind nur potenzielle Wertobjekte. - Alle „Wertäquivalente“, die nicht zu diesem Zeitpunkt in einem aktiven Wertverhältnis gegen Wertobjekte getauscht werden, sind nur potenzielle Wertäquivalente. Sicherlich werden im Normalfall alle Wertäquivalente in dem Zeitraum, bis sie nach einem ökonomischen Tausch erneut in den Umlauf gelangen, ihren Wert (exakter: ihr Wertattribut in bestimmter Werthöhe) praktisch behalten. In Krisenzeiten und in Kriegen wird aber deutlich, dass sie nur potenzielle Wertäquivalente sind, zumindest was die Größe der zugeordneten Wertattribute betrifft. 251 anhang – abbIldungEn Bildfolge Bild 7.1 bis 7.4: Wertobjekte und Wertäquivalente in einem Währungsgebiet 7.2 „Wertobjekte“, die über den Umfang an Wertäquivalenten hinaus angeboten werden, bleiben bloße Objekte, Angebote von Veranstaltungen usw. - Wertobjekte, d.h. stoffliche und nicht-stoffliche Güter, die praktisch auf Dauer über die Summe der Wertgrößen aller Wertäquivalente hinaus angeboten werden, bleiben bloße Objekte. Sie werden nicht zu Wertobjekten gewandelt, da niemand sie in ökonomische Austauschprozesse einbezieht. - Diesen Objekten und anderen Gütern fehlt die belastbare Anerkennung der Nützlichkeit im ökonomischen Sinn. - Bezeichnet werden solche Objekte als Ladenhüter, wenn sie stofflicher Art sind. Es kann sich aber auch um uninteressante oder zu oft wiederholte Veranstaltungen handeln etc. 252 Lippert Bildfolge Bild 7.1 bis 7.4: Wertobjekte und Wertäquivalente in einem Währungsgebiet 7.3 Wertäquivalente in Form von Geld, die über den Umfang an Waren und Dienstleistungen hinaus zum Bezug von Waren und Dienstleistungen bereitgestellt werden - Geld, das über den Umfang an realen Wertobjekten hinaus bereitgestellt wird, ist durch seinen Überschuss entwertet – es ist Inflationsgeld. - In der DDR gab es ganz offensichtlich reichlich davon, sowohl im Bereich des individuellen Konsums als auch im nicht-individuellen Bereich der Industrie, Landwirtschaft usw. - Die Erscheinung von dauerhaft im Umlauf befindlichen Inflationsgeld kann praktisch nur in Ländern auftreten, in denen die Preise von „Waren und Dienstleistungen“ (das war die übliche Formulierung in der DDR) von zentraler Stelle festgelegt werden, den Menschen aber, da es ihnen immer besser gehen soll, immer zu viel Geld ausgezahlt wird. In den Ländern ohne Preisdiktatur wird das Inflationsgeld, das in die Hände der Bürger gelangt, mit der Zeit durch höhere Preise abgeschöpft. Das Inflationsgeld, das nicht in die Hände der Bürger gelangt, wird den Finanzsektor weiter aufblähen. 253 anhang – abbIldungEn Bildfolge Bild 7.1 bis 7.4: Wertobjekte und Wertäquivalente in einem Währungsgebiet 7.4 Objekte und andere Angebote, für die keine Wertäquivalente bereitgestellt werden, sowie Geldmittel, die nicht gegen Wertobjekte getauscht werden - Die typische Wirtschaftssituation in der DDR - Es existierten sehr viele Objekte aller Art, die für den Verkauf bestimmt waren, die aber keine Käufer fanden. Parallel dazu war sehr viel Geld in Umlauf, für das die Geldinhaber keine für sie nützlichen Wertobjekte fanden, das sogenannte Inflationsgeld. - Beides, „überschüssige Wertobjekte“ und „überschüssiges Geld“, existierte in deutlich spürbarem Umfang nebeneinander. - Die Größenverhältnisse des Umfangs an Ladenhütern und des Umfangs an Inflationsgeld zueinander sowie zu den Größen der wirklichen Wertobjekte und Wert- äquivalente auf dem Bild entsprechen nicht der damaligen Realität. Exakte Angaben dazu wurden nicht veröffentlicht und waren wahrscheinlich gar nicht bekannt. 254 Lippert Bild 8: Der Wert der Arbeitskraft entspricht ihrem Anrecht auf einen prozentualen Anteil am Gesamtumfang aller ökonomisch zu verteilenden Wertobjekte 255 anhang – abbIldungEn Zu Bild 8: Der Wert der Arbeitskraft entspricht ihrem Anrecht auf einen prozentualen Anteil am Gesamtumfang aller ökonomisch zu verteilenden Wertobjekte - Im Bild sind die Arbeitskräfte einer Gesellschaft dargestellt. Zwei von ihnen werden hervorgehoben. - Die Arbeitskräfte verkaufen ihre Arbeitskraft und verrichten dazu gesellschaftlich nützliche Arbeit. Im Bild symbolisieren Pfeile diese Aktivitäten. Sie gehen von den Arbeitskräften aus, weisen auf den Verkauf der Arbeitskraft hin und enden an den Schriftfeldern „Verrichtung gesellschaftlich nützlicher Arbeit“, die für das Arbeitsumfeld stehen. - Als Gegenleistung für den Verkauf ihrer Arbeitskraft erhalten sie einen Arbeitslohn (Zwischen Lohn und Gehalt soll hier nicht unterschieden werden). Der Lohn widerspiegelt den Wert der Arbeitskraft und gleichzeitig das Anrecht jeder Arbeitskraft auf einen prozentualen Anteil an allen im Währungsgebiet ökonomisch zu verteilenden Wertobjekten. Im Bild sind die Anrechte der Arbeitenden und der anderen Einkommensbezieher auf Anteile an allen zu verteilenden Wertobjekten in dem waagerechten Balken über den Arbeitskräften zusammengefasst. Die Anrechte der beiden abgebildeten Personen auf prozentuale Anteile am Gesamtumfang aller Wertobjekte sind durch die rechteckigen Abschnitte in dem waagerechten Balken hervorgehoben. - Der prozentuale Anteil einer Arbeitskraft an allen zu verteilenden Wertobjekten korrespondiert mit dem jeweiligen Wert der Arbeitskraft. Der Wert der Arbeitskraft der rechts dargestellten Person ist etwas höher als der Wert der links dargestellten. Als optische Entsprechung ist das dieser Person zugehörige Rechteck im waagerechten Balken größer. - Die Höhen der prozentualen Anteile der Arbeitskräfte an allen verfügbaren Wertobjekten werden nicht nur durch die Fähigkeiten der Arbeitskräfte usw. bestimmt, sondern auch durch das gesellschaftliche sowie natürliche Umfeld. - Auf der senkrechten Zeitachse sind die Jahre 1950 und 1970 gekennzeichnet. Für die links dargestellte Arbeitskraft werden die durchschnittlichen Wertvolumina der Anrechte auf Wertobjekte für diese Jahre dargestellt. Bei einem für diese Arbeitskraft angenommenen gleichbleibenden prozentualen Anspruch auf Wertobjekte wird veranschaulicht, dass der Umfang der Wertobjekte, der diesem prozentualen Anspruch entspricht, vergrößert wurde. - Dass die Entwicklung des Umfangs der Anrechte auf Wertobjekte für die beiden Arbeitskräfte nicht proportional erfolgte, könnte damit zusammenhängen, dass die Werte dieser Arbeitskräfte unterschiedliche Entwicklungen nahmen. 256 Lippert Bild 9: Exakt betrachtet wird das gesellschaftliche Verhältnis auf einen Bedürfnisbefriedigungskomplex bezogen. Kristallisiert erscheint dieser im Wertobjekt 257 anhang – abbIldungEn Zu Bild 9: Exakt betrachtet wird das gesellschaftliche Verhältnis auf einen Bedürfnisbefriedigungskomplex bezogen. Kristallisiert erscheint dieser im Wertobjekt - Exakt betrachtet wird das gesellschaftliche Verhältnis auf einen Bedürfnisbefriedigungskomplex bezogen. Den Bedürfnisbefriedigungskomplex kristallisiert das Bewusstsein im Wertobjekt. - Ein Wertobjekt kann nur in einem entsprechenden gesellschaftlichen und natürlichen Umfeld als solches fungieren. Das notwendige Umfeld wird in vielen Fällen von den Menschen nicht bewusst erfasst. - Im Bild sind zwei unterschiedliche Situationen dargestellt. Den unterschiedlichen Bedingungen des gesellschaftlichen Umfeldes gemeinsam ist, dass der Handel ein Radio anbietet, mit dem Internet- und DAB+-Sender empfangen werden können. - Wenn alle Empfangsmöglichkeiten des Radios genutzt werden sollen, muss eine Stromversorgung verfügbar sein, im Bild durch die Strommasten repräsentiert. Ebenso würde ein Internetzugang benötigt. Im Bild wird das dargestellt mit dem DSL Router. - In dem Umfeld, das auf der linken Bildseite dargestellt wird, sind Stromversorgung und Internet über DSL und über WLAN verfügbar. Auch DAB+ wird in dem Umfeld über den Äther ausgestrahlt – verdeutlicht durch „DAB+“ im kleinen blauen Feld im unteren Teil des Bildes. Das Radio kann zu einem realen Wertobjekt werden, weil ein Käufer es in diesem Umfeld voll nutzen könnte. - In dem Umfeld, das auf der rechten Seite dargestellt wird, ist keine Stromversorgung gegeben, ebenso kann das Internet nicht genutzt werden und es senden keine DAB+ Sender in diesem Umfeld. Somit wird das Radio dort wahrscheinlich keinen Käufer finden und folglich in diesem Umfeld nicht zum Wertobjekt gewandelt werden.

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Zusammenfassung

Der Zusammenbruch der UdSSR um 1990 markierte nach allgemeiner Auffassung auch den Triumph der freiheitlichen Wirtschaftsordnung über das sozialistische Planwirtschaftsmodell. Die genauen Gründe hierfür sind nicht leicht auszumachen. Allein die Fülle an unterschiedlichen Theorien zur Erklärung des sowjetischen Zerfalls legt den Schluss nahe, dass es ein komplexes Zusammenspiel mannigfaltiger Faktoren war, die den kommunistischen Gedanken als eine praktische Wirklichkeit nicht überdauern ließ. Rainer Lippert fügt der wissenschaftlichen Diskussion einen weiteren, wertvollen Ansatz hinzu. Seine neue und zeitgemäße Überarbeitung der weltberühmten Theorie erweitert Marx’ klassischen Arbeitswertbegriff und beweist, dass dieser nur ein Spezialfall eines viel allgemeineren Wertbegriffes ist. Durch Lipperts Erweiterung der Marx'schen Arbeitswerttheorie lässt sich nicht nur der entscheidende Konstruktionsfehler planwirtschaftlicher Modelle benennen: Aus dem Überführen der Marx’schen Grundprämisse in eine allgemein lebenswirklichere Form gelingt ihm auch in schlüssiger Weise die zentrale Argumentation für die freie Marktwirtschaft.