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Zu These 12: Der Markt ist nicht Realisierungspunkt von angebotenen Werten, sondern der eigentliche Ort der Wertbildung. Das Was und das Wie aller Angebote auf dem Markt muss durch Menschen im jeweiligen gesellschaftlichen (und natürlichen) Kontext geplant werden. Der in:

Rainer Lippert

Mit Marx zur Marktwirtschaft?, page 199 - 220

Eine Neuerung der Marx’schen Arbeitswerttheorie

3. Edition 2017, ISBN print: 978-3-8288-3917-5, ISBN online: 978-3-8288-6667-6, https://doi.org/10.5771/9783828866676-199

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Wirtschaftswissenschaften, vol. 82

Tectum, Baden-Baden
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199 zu thEsE 12: Zu These 12: Der Markt ist nicht Realisierungspunkt von angebotenen Werten, sondern der eigentliche Ort der Wertbildung. Das Was und das Wie aller Angebote auf dem Markt muss durch Menschen im jeweiligen gesellschaftlichen (und natürlichen) Kontext geplant werden. Der Markt denkt nicht und der Markt lenkt nicht. Mit der Wertbildung im hier gemeinten Sinne ist nicht die Schaffung der Grundlagen / Voraussetzungen für die Wertbeziehungen gemeint. An dieser Stelle kann noch einmal Marx angeführt werden: „Ein Arbeitsprodukt, für sich isoliert betrachtet, ist also nicht Wert, so wenig wie es Ware ist. Es wird nur Wert, in seiner Einheit mit andrem Arbeitsprodukt, oder in dem Verhältniß, worin die verschiedenen Arbeitsprodukte, als Krystalle derselben Einheit, der menschlichen Arbeit, einander gleichgesetzt sind.“ [7] Mit diesen beiden Sätzen formuliert Marx, aus Sicht des Autors dieses Buches, dass der Wert auf dem Markt gebildet wird. Werte von Arbeitsprodukten Die Arbeitsprodukte sind Ergebnisse verschiedener menschlicher und maschineller Arbeitsprozesse. Die Werte dieser Arbeitsprodukte werden über das Bewusstsein der Menschen als Wertattribute mit den Arbeitsprodukten verknüpft. Was als Werte mit den Arbeitsprodukten verknüpft wird, sind Ansprüche auf Existenzmittel aller an der Bereitstellung dieser Arbeitsprodukte beteiligten Arbeitskräfte plus der anteilige Wert der Produktionsmittel (Der Wert der Produktionsmittel widerspiegelt letztendlich auch die Werte der an ihrer Bereitstellung beteiligten Arbeitskräfte, die Werte von dafür genutzten Produktionsmitteln sowie von Mehrwerten aus vorangegangenen Arbeitsleistungen) plus die angestrebten Mehrwerte. Um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, verkaufen die Arbeitskräfte ihre Arbeitskraft. Üblicherweise ist die Entlohnung der Arbeitskräfte nicht direkt abhängig vom Verkaufserfolg der von ihnen hergestellten und bearbeiteten Produkte sowie von all ihren weiteren Aktivitäten zur Produktionsunterstützung. Sie bekommen einen relativ konstanten Lohn, üblicherweise in Form von Geld, wofür sie Wertobjekte erwerben können. Basierend auf dem Fakt, dass in einem üblichen gesellschaftlichen Umfeld das Wertversprechen, das vom Herausgeber des Geldes mit dem Geld verbunden wird, sowie die Löhne und die Preise der Wertobjekte relativ konstant sind, wird in dieser 200 Lippert Schrift vom Lohn als ein Anrecht auf Wertobjekte gesprochen. Diese Anrechte auf Wertobjekte erwerben die Arbeitskräfte durch den Verkauf ihrer Arbeitskraft. Mit den Produkten, die sie erstellen, können sie aber keine Anrechte auf Wertobjekte verknüpfen, denn das würde bedeuten, dass diese Produkte auf jeden Fall zu den vorgesehenen Preisen verkauft werden würden. So können die Unternehmen statt Anrechte nur Ansprüche der Arbeitskräfte auf Existenzmittel sowie ihre eigenen Mehrwerterwartungen mit ihren bereitgestellten (und zunächst nur potenziellen) Wertobjekten verknüpfen. Die Werte der Arbeitskräfte gehen anteilig ein in die als Ansprüche wirkenden Wertattribute der von ihnen mitproduzierten Arbeitsprodukte. Marx sah nur stoffliche Arbeitsprodukte als (den Wertobjekten ähnliche) Waren. Nach den hier dargelegten Auffassungen gehen aber Wertobjekte über den Umfang von stofflichen Arbeitsprodukten hinaus. Wertäquivalenz In Wertverhältnissen stellen sich Käufer und Verkäufer einander gegenüber. Die Käufer haben das Ziel, Wertobjekte zu erwerben, und die Verkäufer sind an den Wertäquivalenten interessiert. Die Wertäquivalente werden von den Käufern als Gegenleistungen zu den erworbenen Wertobjekten abgegeben. Damit stellen Verkäufer und Käufer zunächst Wertobjekte und Wertäquivalente gegenüber. Zu ökonomischen Austauschvorgängen kommt es, wenn die Triebkräfte zum Tausch bei den Tauschpartnern hinreichend groß sind und beide Tauschpartner die Wertäquivalenz der gegeneinander auszutauschenden Wertobjekte und Wertäquivalente bzw. deren Stellvertreter anerkennen. Wertäquivalenz bedeutet, dass die mit den Wertobjekten und deren Wertäquivalenten verknüpften Ansprüche bzw. Anrechte auf Wertobjekte als gleich groß angesehen werden. Die Äquivalenz ist auch für Marx ein entscheidendes Kriterium für den Wert: „… worin die verschiedenen Arbeitsprodukte, als Krystalle derselben Einheit, der menschlichen Arbeit, einander gleichgesetzt sind.“ [7] Diese Äquivalenz wurde und konnte noch nie exakt berechnet werden. Zu viele Einflussgrößen, und vor allem das menschliche Bewusstsein, wirken auf diese Äquivalenzbestimmung ein. Eine Wertäquivalenz im ökonomischen Sinne kann nur auf dem Markt ausgehandelt oder für den Markt festgelegt werden. Wertäquivalenz bedeutet u. a., dass die ideellen und damit ebenso die individuellen Bereiche des Wertverhältnisses in den Bewusstseinsprozessen der Tauschpartner aus der Isolation herausgehoben werden durch eine wie auch immer geartete Einigung auf einen „öffentlichen“ Wert. Diesen öffentlichen Anteil können auch Dritte erfassen. Es ist ein objektive Anteil am gesellschaftlichen Verhältnis Wert. Tausch Wertobjekt gegen Geld oder Anspruch gegen Anrecht – typisch, aber nicht zwingend Ohne Frage gibt es Situationen, in denen Wertobjekte gegen Wertobjekte getauscht werden. Auf solche Tauschvorgänge trifft das Schema „Anspruch“ gegen „Anrecht“ nicht zu. Die Gegenüberstellung von Anspruch und Anrecht wird hier insbesondere verwendet, weil solch eine Kombination wohl bei den meisten Wertbeziehungen vorherrscht. Doch es gibt auch Wertbeziehungen, in denen Ansprüche gegen Ansprüche getauscht werden (Formen des „Naturalienhandels“, bei denen z. B. elektronische Wertobjekte ge- 201 zu thEsE 12: gen Arbeitsleistungen ausgetauscht werden) oder Anrechte gegen Anrechte (Wechselstube). Auf solche Wertbeziehungen treffen aber alle wirklich relevanten Kriterien für die Wertbildung und Werthandhabung selbstverständlich ebenfalls zu. Bei den Gegen- überstellungen von „Ansprüchen“ und „Anrechten“ in Wertbeziehungen geht es nur um die übliche Situation beim ökonomischen Tausch. Alle möglichen Kombinationen von Ansprüchen und Anrechten sind völlig gleichwertig in Bezug auf die wesentlichen Merkmale des gesellschaftlichen Verhältnisses Wert. All diese möglichen Kombinationen werden letztendlich bezogen auf Wertattribute, die mit Wertobjekten und den „dazugehörigen“ Wertäquivalenten verknüpft sind. Wert und Wertäquivalent – beide sind notwendig im Wertverhältnis Zurück zu den gleichen Wertbeträgen von Wertobjekten und Wertäquivalenten. Eine derartige Gegenüberstellung gleich großer Wertbeträge macht nur Sinn in einer Wertbeziehung. Denn eine solche Gegenüberstellung von z.  B. Ansprüchen und Anrechten auf Wertobjekte ist nur für einen ökonomischen Tauschvorgang direkt relevant. Für sich genommen, ohne Gegenstücke, wären solche Ansprüche nur ideelle Ansprüche, ohne direkte wirksame gesellschaftliche Relevanz. Die Ansprüche auf Gegenleistungen, welche die Anbieter von Wertobjekten erheben, werden mit den Preisen widergespiegelt, welche sie mit ihren angebotenen (zunächst potenziellen) Wertobjekten verbinden. Ganz ohne Frage werden die Preise diverser angebotener Waren, Dienstleistungen usw. intensiv genutzt, um Vergleiche anzustellen. Diese Vergleiche sollen helfen, die Aufwendungen für Gegenleistungen beim Erwerb von Wertobjekten möglichst gering zu halten. Die Vergleiche werden nicht nur bezüglich gleichartiger Güter angestellt, die von verschiedenen Anbietern auf den Markt gebracht werden. Sogar potenzielle Wertobjekte, die nicht sofort oder gar nicht gekauft werden, haben folglich auch eine Funktion für Wertbeziehungen. Doch eben nicht direkt. Bei vergegenständlichten, also „eingebauten“ Werten würde die Anbieterseite solcher Produkte theoretisch die wertäquivalente Bezahlung dieser Produkte einklagen können, wenn sie niemand kaufen würde, denn in solchen Produkten wäre gesellschaftlich nützliche Arbeit enthalten, die eine auf der gesellschaftlichen Ebene relevante Anerkennung verlangt. Ansprüche auf Wertobjekte einzufordern, ohne dass die relative Nützlichkeit dieser Wertobjekte durch Gegenleistungen (Tauschvorgänge) anerkannt wird, wäre jedoch ökonomisch nicht sinnvoll. Das würde z. B. eine Bezahlung bedeuten, ohne dass etwas verkauft würde. So könnte eine Firma, die eine Luxusjacht baut, die niemand in Auftrag gab und die niemand kauft, kein Geld für diese Jacht von wem auch immer einklagen, nur weil sehr viel Arbeit und Material in dieses Schiff gesteckt wurden. Leistungen zu bezahlen, nur weil Arbeit und Material aufgewendet wurden, würde u. a. dem Wert die Triebkraftfunktion für die wirtschaftliche Entwicklung nehmen, ja sogar zur massiven Vergeudung von Ressourcen führen. Mit dem Verkauf eines Wertobjektes wird dem Anspruch auf Gegenleistung, welchen die Verkäuferseite mit dem Wertobjekt verknüpft, von der Käuferseite entsprochen, meist in Form von Geld. Das empfangene Geld wiederum wird von der Verkäuferseite in Gestalt von Existenzmitteln plus Mehrwert „verbraucht“. 202 Lippert Das Wertattribut eines Wertobjektes, das Ansprüche auf Existenzmittel repräsentiert, hat dabei primär für den Tausch Bedeutung. Die Aufwendungen für die Herstellung bzw. Bereitstellung oder die Gewinnung des Wertobjektes müssen zwar genutzt werden, um die Höhe der Gegenleistung zu ermitteln. Das ist insbesondere notwendig, um Wertobjekte dieser Art weiterhin anbieten zu können. Doch kann aus den Aufwendungen und anderen Ansprüchen (insbesondere bei Naturgütern) nicht direkt der beim Verkauf realisierte Preis, und damit der Wert, eines Produktes abgeleitet werden. Die Aufwendungen können nur zu einer Art angestrebter Basisgröße des Wertes führen. Durch weitere Einflüsse auf die Wertgröße (Originalität, Design, Funktionsumfang, Markenname u. a.) wird die öffentlich gemachte sogenannte „unverbindliche Preisempfehlung“ von dieser aufwandsbasierten Basisgröße mehr oder weniger nach oben oder unten abweichen. Wenn Menschen auf ökonomischer Basis tauschen, dann ist es wichtig, dass für Leistungen gleich große Gegenleistungen eingefordert werden können. Die notwendigen Gegenleistungen sind wichtig, um die wirtschaftsrelevanten Aktionen ressourcenschonend zu stimulieren. In vielen Situationen ist der Wert auch nach dem Tausch noch von Bedeutung. Das betrifft z. B. Abschreibungen von Geräten und Einrichtungen in Betrieben, das betrifft den Weiterverkauf von Wertobjekten sowie Situationen, in denen später Versicherungsleistungen bezüglich der Wertobjekte erbracht werden müssen. Ganz sicher können solche Fälle als sekundäre Wertbeziehungen angesehen werden, denn diese Situationen bilden mit den primären Wertbeziehungen nicht zwingend eine feste Einheit. Es sind entweder neue Wertbeziehungen oder gesellschaftliche Konstrukte, die von den Menschen um die Wertbeziehungen herum gebaut werden, damit mehr steuerliche Gerechtigkeit, mehr wirtschaftliche Sicherheit u. a. erreicht wird. Zum Verhältnis von Markt und Plan In der DDR-Wirtschaftstheorie wurden Planwirtschaft und Marktwirtschaft wie Gegensätze dargestellt. Doch das können diese vom Wesen her gar nicht sein. Denn was soll mit dem Begriff „Marktwirtschaft“ eigentlich ausgesagt werden? Es wird damit suggeriert, dass der Markt die Wirtschaft lenkt. So etwas ist jedoch schon vom Prinzip her unmöglich. Der Markt ist der zusammenfassende Begriff für alle Orte des Waren- und Dienstleistungsaustausches in einer Gesellschaft und zwischen den Gesellschaften. Dabei übt der Markt keine aktiven Funktionen aus und kann diese auch nicht ausüben, da er als solcher weder über Bewertungs- noch legislative oder exekutive Organe verfügt. Mit anderen Worten: Der Markt denkt nicht, handelt nicht und lenkt auch nicht! Sämtliche aktiven Marktprozesse werden praktisch ausschließlich(!) von Menschen geplant und veranlasst. Das gilt für alle Gesellschaften mit ökonomischem Austausch (In einigen wenigen Fällen steuern schon Maschinen, vor allem im Finanzbereich [9], [10]). Nur wurde in einigen Ländern (in den „sozialistischen“) der Markt nicht hinreichend beachtet. Der Finanzmarkt wird extra gesehen. In der Sendung „Die Welt auf Pump“ wurden aufgezählt: die Bruttoinlandsprodukte weltweit: vor 20 Jahren 15 Billionen, heute 50 Billionen; Spekulatives Geld: vor 20 Jahren 1,5 Billionen, heute > 500 Billionen“ [25]. 203 zu thEsE 12: Der Markt kann widerspiegeln Der Markt ist der Ort, an dem (zunächst potenzielle) Wertobjekte angeboten werden. Eine weitere Aufgabe des Marktes ist es, die für den Austausch relevanten Wertgrö- ßen der Wert attribute aufzuzeigen. Das kann für den Markt nur über Bewusstseinsoperationen von Marktteilnehmern bewerkstelligt werden. Mit den Wertgrößen der Wertattribute widerspiegelt der Markt die mit den Wertobjekten verknüpften Ansprüche auf Existenzmittel und Mehrwerte. Wertobjekte werden nur im Tausch gegen äquivalente Gegenleistungen abgegeben. Die Wertgrößen der Wertattribute der Wertobjekte und die Wertgrößen der Gegenleistungen werden im Rahmen des Wertverhältnisses für den Tausch auf gleiche Wertbeträge gebracht. Durch die Widerspiegelung von Ansprüchen auf Gegenleistungen, denen bei der Abgabe von Wertobjekten Rechnung getragen werden muss, trägt der Markt dazu bei, eine wichtige Rolle des Wertes im ökonomischen Sinne umzusetzen, nämlich die schonende Nutzung von Ressourcen. Die angestrebten Mehrwerte müssen ebenfalls in die mit den Wertobjekten verknüpften Ansprüche einbezogen werden. Denn die Mehrwerte widerspiegeln letztendlich ebenfalls Ansprüche auf Existenzmittel. Technisch gesehen könnten die Mehrwerte in den Begriff „Existenzmittel der Bereitsteller der Wertobjekte“ einbezogen werden. Doch aufgrund ihrer speziellen Aufgabe und ihrer speziellen Bedeutung für die Menschen und für die separat agierenden Wirtschaftseinheiten ist es sicherlich besser, die Mehrwertansprüche von den „Basis-Ansprüchen“ zu trennen. Die Basisansprüche umfassen genau das, was für die Bereitstellung (im umfassenden Sinne) der Wertobjekte verausgabt wurde. Der Mehrwert ist ein Aufschlag, mit welchem die Arbeits- und Lebensbedingungen der an der Bereitstellung der Wertobjekte Beteiligten verbessert, der Umfang der Wertobjektbereitstellung erweitert und Investoren bedacht werden sollen. Bei Marx nutzt der Unternehmer den Mehrwert, um sich selbst zu bereichern. Damit beutet er „automatisch“ die Arbeiterklasse aus. Aus Sicht des Autors würden im Idealfall die Bezüge der Unternehmer nur aus dem Bereich der Basisansprüche gedeckt werden, denn ihre Tätigkeiten sind untrennbarer Bestandteil der Wertobjektbereitstellung der Unternehmen. In der Praxis aber fließen den Unternehmern mehr oder weniger große Anteile aus den Mehrwerten zu, da sich mit relativ hoher Sicherheit viele Unternehmer ungerechtfertigt große Anteile an den Unternehmensgewinnen zuordnen. Doch die Bestimmung der „gerechtfertigten Grö- ßen“ dürfte ein sehr kompliziertes Problem sein. Zurück zur Widerspiegelungsfunktion. All diese Ansprüche, die mit den Wertobjekten verknüpft werden, sind nicht nur Ansprüche derjenigen, die irgendetwas in diesen Wertobjekten „vergegenständlichen“ und die damit nach der klassischen Werttheorie in den Wertobjekten, dort „Waren“, Werte vergegenständlichen. Inbegriffen sind sämtliche wirtschaftlich relevanten Aktivitäten der an der Bereitstellung der Wertobjekte Beteiligten – direkt, vorgelagert oder im Umfeld (über die Steuern): Firmenstrategie, Planung, Produktionsvorbereitung, Rohstoffgewinnung, Zulieferungen, Produktion, Wartung, Reinigung, Marketing, Verpackung, Infrastruktur für Transport und Versand, Sicherheit gegen Feuer u. a., Rechtswesen usw. Sie alle wirken wertbildend. All diese auf verschiedene Arten erarbeiteten Teil-Wertgrößen werden nicht als solche in den Wert- 204 Lippert objekten vergegenständlicht, sondern mit diesen über Wertattribute als Gesamtheit zu einem Wertausdruck verknüpft. Der Markt widerspiegelt auch die Ansprüche von Eigentümern, die diese geltend machen, wenn sie aus ihrem Eigentum Boden, Bodenschätze usw. zur Verfügung stellen. Diese Ansprüche basieren im Normalfall weniger auf Arbeitsleistungen, als dass sie vielmehr politisch begründet sind. Auf welchen Wegen die Wertattribute zustande kommen, ist aus den Attributen selbst nicht ersichtlich. Wichtig ist nur, dass die für die Tauschvorgänge relevanten Marktteilnehmer diese Wertattribute akzeptieren. In Verbindung mit der Widerspiegelung von Wertattributen kann der Markt zudem die Effizienz der verschiedenen Arbeiten vergleichbar machen, ebenso die Effizienz der Rohstoffgewinnung, der Energiegewinnung, die Sinnfälligkeit der Proportionen zwischen den einzelnen wirtschaftlich relevanten Bereichen der Gesellschaft usw. Das Wort „kann“ sollte betont gelesen werden. Denn ob der Markt all diese Gegebenheiten hinreichend real widerspiegelt oder stark verfälscht, das liegt in den Händen der Menschen. Das Thema, wie der Markt in seiner Funktionalität beeinträchtigt werden kann, wurde weiter oben bereits angesprochen. In den meisten Ländern werden Regeln für den Markt aufgestellt. Doch nicht überall werden diese in gleicher Art durchgesetzt. Außerdem sind sie in verschiedenen Ländern unterschiedlich. Daraus kann geschlussfolgert werden, dass der Markt nicht überall in gleicher Art zu wirklich optimalen Kaufverträgen führt. Aber in keinem Fall bestimmt der Markt, welche Regeln gelten sollen, welche voll durchgesetzt und bei welchen offiziell abgelehnten Handlungsweisen besser nicht hingeschaut wird. Die Realisierung der vollständigen Widerspiegelungsfunktion des Marktes ist gegeben, wenn nur so viel Einflussparameter festgelegt – d. h. geplant und politisch gesteuert – werden, dass über die verbleibenden Parameter ein umfassender Ausgleich von Angebot und Nachfrage erfolgen kann. Denn nur unter derartigen Bedingungen kann die Widerspiegelungsfunktion des Marktes alle Folgen aller Einflussnahmen ungebremst aufzeigen. An keiner Stelle würde die Abbildung der Gesamtrealität durch zu viele politische Festlegungen verfälscht werden. Begründet ist diese Situation damit, dass keine Parameter ohne adäquate Ausgleichsmöglichkeiten eingefroren würden. In der DDR wurden z. B. die Preise für Lebensmittel, technische Erzeugnisse, Mieten, Reisen usw. – kurz: sehr viele Preise – fixiert, obwohl die Geldemission anderes verlangt hätte. So widerspiegelte der Markt in der DDR scheinbar niedrige Preise für relativ viele Waren. Aber kaufen konnten die meisten Bürger viele dieser Waren nicht für die angegebenen Preise. Dieser Mangel wurde jedoch in Gegenüberstellungen von Löhnen und Waren nicht gezeigt. Die Widerspiegelung der Realität in der Wirtschaft war damit stark gestört. Die Ursache waren zu viele aus politischen Gründen zu starr festgelegte Parameter, wodurch kein wirklicher Markt herausgebildet werden konnte. Ein Markt wäre aber auch für stark ideologiegetriebene Wirtschaften wichtig. Denn ohne Markt können die wirklichen ökonomischen Auswirkungen der ideologischen Steuerung nicht genau genug erfasst werden. Das Ergebnis wird wohl in solchen Fällen immer wirtschaftlicher Niedergang sein. Das ist zwar eine Vermutung, aber die Praxis zeigt das offensichtlich so. 205 zu thEsE 12: Was der Markt widerspiegelt – direkt und indirekt Zu den ökonomisch relevanten Auswirkungen und Einflussgrößen, die der Markt widerspiegelt, gehören: 1) Was im ökonomischen Sinne nützlich ist Dazu gehören sowohl die durch Menschen und Maschinen sowie die von der Natur geschaffenen gegenständlichen Wertobjekte. Hinzu kommen angebotene Dienstleistungen (Handwerkerarbeiten, Reparaturen, der Bereich der Sicherheit, Brandschutz usw.), Theateraufführungen, Musik-Veranstaltungen, Kunstwerke, bestimmte Ideen (insbesondere Patente, Bücher) u. a. 2) Die Werte der Arbeitskräfte Durch die Marktpreise der Wertobjekte wird aufgezeigt, was an Ansprüchen der Produzenten und der anderen Bereitstellenden in der Gesellschaft im Durchschnitt so weit akzeptiert wird, dass dafür Äquivalente im ökonomischen Sinne abgegeben werden. Ebenso wird gezeigt, welche Arbeitskräfte in Verbindung mit ihren Interessenvertretern in der Lage sind, ihre Ansprüche auf Anteile am in der Gesellschaft vorhandenen Wertobjekteumfang zu erhöhen. 3) Die realisierbaren Mehrwerte Werden zu hohe Mehrwerte angestrebt, könnten die Verkaufserfolge der Produkte zurückgehen. Werden die erwarteten Mehrwerte zu niedrig angesetzt, würden die Güter einen niedrigeren Gewinn als möglich abwerfen. Modernisierung und Erweiterung der Firmen, Weiterbildung, zusätzlicher Gewinn für die an der Bereitstellung der Produkte Beteiligten usw. würden unnötig eingeschränkt werden. 4) Die Ansprüche, die Eigentümer von Grund und Boden und von Naturgütern gegenüber Nichteigentümern geltend machen können Das betrifft die Bodenrenten, welche die Eigentümer beziehen können, ebenso deren Äquivalenzforderungen für die Abgabe von Rohstoffen. 5) Proportionen zwischen verschiedenen ökonomisch relevanten Bedürfnissen in Abhängigkeit von den Preisen So wird u.a. gezeigt, in welchen Proportionen die Bürger verschiedene Lebensmittel wie Käse oder Fleisch in unterschiedlichen Preisklassen konsumieren. 6) Informationen darüber, was in der Gesellschaft an Aufwendungen als notwendig angesehen wird, um Wertobjekte (Waren, Dienstleistungen usw.) bereitzustellen Z. B. könnten Möbel ohne Lackierung angeboten werden. Wenn zu wenige Konsumenten daran interessiert wären, würde der Markt das zeigen. 7) Die Sinnfälligkeit der Produktionskapazitätsproportionen bzw. die Notwendigkeit ihrer Veränderungen Z. B. könnte von Planungsstrategen vermutet werden, dass 4 Millionen Käufer einen bestimmten Typ von Tablet-PC kaufen würden. Die Planungen würden danach ausgerichtet. Wenn aber nur eine Million Käufer diesen Gerätetyp kaufen, würde der Markt den Planungen widersprechen und zeigen, dass der Produktionsumfang überproportioniert gestaltet wurde. 8) An welchen Stellen Arbeitskräftemangel und an welchen Arbeitskräfteüberschuss auftritt 206 Lippert Daraus können Bildungsstrategien, Umschulungsmaßnahmen und weitere Aktivitäten zur Fachkräftegewinnung unter Beachtung der Nachhaltigkeit abgeleitet werden. 9) Die Werte der Rohstoffe, d. h. ob Rohstoffe in den notwendigen Mengen und den richtigen Proportionen zueinander gewonnen werden Die Kriterien wären die Größe des Gewinns und die Stabilität der Nachfrage. Der Einsatz bestimmter Rohstoffe ist in vielen Fällen nicht alternativlos. 10) Relevante Einflüsse aus anderen Ländern Das betrifft stoffliche Wertobjekte, Dienstleistungen, Patente, künstlerische Aktivitäten, Rohstoffe u. a. Die Interaktionen mit Wirtschaftsbereichen anderer Länder können Preisdruck, aber gleichwohl Exportchancen bedeuten. 11) Die Wechselwirkung zwischen all diesen Faktoren und den Elementen des gesamten Wirtschaftsorganismus der Gesellschaft des betrachteten Marktgeschehens Was der Markt nicht zeigt Zum Beispiel wird nicht auf dem Markt sichtbar, ob ein Hersteller (oft ein Zusammenschluss mehrerer scheinbar selbständiger Unternehmen) aufgrund unlauterer Mittel einen anderen Hersteller vom Markt drängt. Der Markt kann nicht zeigen, ob Produkte die versprochene Zusammensetzung oder die versprochene Herkunft haben. Ebenso wenig lässt der Markt erkennen, ob Investitionsgelder aus kriminellen Einnahmequellen stammen. Um solche Erscheinungen aufzudecken, braucht die Gesellschaft weitere Mechanismen. Künftige Entwicklungen des Marktgeschehens können nur mit einer geringen Sicherheit vorhergesagt werden. Der Markt liefert Anhaltspunkte, die für Vorhersagen sinnvoll nutzbar sind. Doch technologische Durchbrüche werden nicht immer im Voraus erkannt, aber sie können das Marktgeschehen wesentlich verändern. Illegale Operationen an Produkten, die auf dem Markt angeboten werden, können helfen, Marktchancen für die Betrüger zu verbessern – dadurch werden jedoch gleichzeitig korrekt arbeitende Unternehmen benachteiligt, weil mehr Geld zu den Betrügern umgeleitet wird. Es gibt sicherlich weitere Dinge oder Aktionen, die der Markt nicht zeigt, die aber wesentlichen Einfluss auf das Marktgeschehen haben. Der Markt fällt keine Entscheidungen Bei wirtschaftlichen Entscheidungen kann der Markt – je nach dem gesellschaftlichen Umfeld – mehr oder minder stark genutzt werden. Was aber von den Informationen, die der Markt hergibt, in welcher Art genutzt wird und vor allem, wie die Bewertung dieser Informationen erfolgt, entscheidet nicht der Markt selbst. Ebenso entscheidet nicht der Markt, an welchen Stellen der Wirtschaft Produkte und Produktionsvolumina zentral geplant und gesteuert werden sollen (z. B. das Milchangebot), und an welchen Stellen dezentral – etwa in Abhängigkeit von der Kompetenz39. 39 Kompetenz Hier ist die Einschätzung der Beherrschbarkeit der zu planenden Prozesse in Verbindung mit der Verantwortungsübernahme für die absehbaren Resultate auf dem Markt gemeint. 207 zu thEsE 12: Zudem übt der Markt keine juristische Funktion aus, d. h. er kann nicht bestimmen, dass gewisse Produkte nicht gehandelt werden dürfen, z. B. Rauschgifte, Medieninhalte u. ä. Solche Entscheidungen werden in Abhängigkeit von den politischen Macht- und Besitzverhältnissen wieder von den Menschen getroffen. Insbesondere entscheidet der Markt nicht, in wessen Interesse geplant wird. All das bleibt den Menschen überlassen und wird abhängig von der gegebenen gesellschaftlichen Situation geregelt. Markt – der Mensch trifft die marktrelevanten Entscheidungen Die von den Menschen für den Markt getroffenen Entscheidungen sind letztendlich Planungsentscheidungen. Auch die anderen für den Markt relevanten Aktivitäten und Einflussnahmen, wie Wichtungen, werden von den Menschen im gegebenen gesellschaftlichen und natürlichen Kontext vorgenommen – sind also vom Menschen abhängig. Herausragende Bedeutung besitzen in diesem Zusammenhang der Entwicklungsstand der Wirtschaft, die konkreten Macht- und Besitzverhältnisse, weltliche und religiöse Traditionen, Einflüsse anderer Länder und das natürliche Umfeld. Politische Steuerung des Marktes Insbesondere aus den beiden letzten Textabschnitten folgt, dass eine wesentliche politische Steuerung in Verbindung mit dem Markt nicht mit der sogenannten Planwirtschaft gleichgesetzt werden darf. In der sogenannten Planwirtschaft wurde versucht, die ökonomischen Werte planmäßig in der Art zu erzeugen, dass sie als solche „Werte“ auf den Markt gelangten. Auf dieser Basis wurde das Geld in Umlauf gebracht. Das konnte nicht gut gehen und das ging bekanntermaßen nicht gut. Politische Einflussnahme auf den Markt muss anders erfolgen. Eine sehr wichtige politische Einflussnahme auf den Markt ist das Kindergeld. Die Kindergeldempfänger bekommen auf diesem Weg ein politisch begründetes höheres Anrecht auf Wertobjekte. Allein über den Markt könnte solch einen Bonus nicht herausgebildet werden. So aber greift die Politik in das Marktgeschehen ein und gibt den kinderreichen Erziehungsberechtigten einen höheren Anteil am Gesamtumfang aller ökonomisch zu verteilenden Güter. Die Kindergeldzahlungen sind keine zusätzlich erwirtschafteten Mittel. Das Geld wird „automatisch“ von anderen Finanzierungsbereichen abgezogen. Würde die Politik nicht ins Marktgeschehen eingreifen, würde es nicht zu dieser Umlagerung kommen. Solche Eingriffe ins Marktgeschehen werden meist in harten Auseinandersetzungen durchgeboxt. Das geschieht nicht überall und nirgends im Selbstlauf. Alternativ könnte die Politik entscheiden, dass z.B. Kinderbekleidung subventioniert wird. Eine solche Entscheidung wurde in der DDR getroffen: „Anteil der staatlichen Subventionen für den Grundbedarf der DDR-Bevölkerung (Grundnahrungsmittel, Kinderkleidung, Tarife für Energie und Verkehr, Wohnungsmieten): 1970 11,4 Mrd. M, 18,6 % 1988 61,6 Mrd. M, 24,6 % der um die Einnahmen der Sozialversicherung bereinigten Staatshaushaltsausgaben.“ [26] 208 Lippert Theoretisch ist das eine gute Unterstützung für Familien mit vielen Kindern und optisch sieht diese Entscheidung auf der politischen Weltbühne besser aus: Familien mit vielen Kindern hätten durch diese Subvention mehr Geld für andere Wertobjekte zur Verfügung, z.B. für kulturelle Veranstaltungen. Das Beispiel mit der Kinderbekleidung wurde ganz bewusst gewählt, weil es deutlich zeigt, dass politische Einflussnahmen auf den Markt unerwünschte Nebenwirkungen haben können. So zeigte die Situation in der DDR, dass auch Erwachsene mit Körpermaßen, die den Normgrößen für größere Kinder gleichen, von dieser Subvention profitierten. Folglich subventionierten die kinderreichen Familien eine beachtliche Anzahl von Erwachsenen mit, insbesondere, wenn keines der Kinder mehr diese Kleidung nutzen konnte. Damit schrumpfte der Subventionsgewinn und wurde zu einem beachtlichen Teil ein Scheingewinn. Weitere wichtige Bereiche, in denen die politische Einflussnahme auf den Markt sicherlich von den meisten Bürgern als sinnvoll erachtet wird, sind die Förderung von Kunst und Kultur, die Ausstattung von Armee, Polizei, Feuerwehr, die Eingliederung von Kriegsflüchtlingen, die Renaturierung von Gewässern usw. Über den Markt können sinnvolle Verteilungsproportionen für die eben genannten Bereiche überhaupt nicht, und falls doch, dann zumindest nicht in vorstellbaren Zeiträumen herausgebildet werden. Für solche Bereiche müssen Entscheidungen, welche die Marktanteile dieser Bereiche betreffen, von der Politik getroffen werden. Eingriffe politischer Art in das Marktgeschehen sollen und können positiv auf die gesamte Gesellschaft wirken. Wichtig ist hierbei, dass genügend andere marktrelevante Faktoren unbeeinflusst bleiben, sodass ein Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage erfolgen kann. Wichtig ist auch, dass die Folgen der Entscheidungen so umfassend wie möglich abgeschätzt werden, was wiederum am besten funktioniert, wenn der Markt in seiner Funktionsfähigkeit nicht beeinträchtigt wird. Eine sinnvolle Steuerung unter Nutzung des Marktes muss sehr vielschichtig angegangen werden, denn im Marktgeschehen werden sehr komplexe Vorgänge zusammengeführt. Es ist praktisch immer nur aus dem Zusammenwirken aller agierenden Wirtschaftseinheiten des Inlandes und der mit diesen verwobenen Wirtschaftseinheiten anderer Länder und Länder-Zusammenschlüsse heraus erklärbar. Planung und Steuerung des Marktgeschehens sind notwendig Doch nicht nur für die gerade genannten Bereiche müssen Entscheidungen gefällt werden, die den Markt betreffen. Dass in jedem Fall das Marktgeschehen gesteuert werden muss, liegt auf der Hand: Die Gestaltungsmöglichkeiten der Produkte sind nicht zählbar, die Nutzung bestimmter Rohstoffe ist nicht absolut zwingend vorgegeben, die in die Produkte einzubauenden Funktionalitäten sind weder durch ein göttliches Wesen noch durch die Natur eindeutig vorgegeben. Produktgestaltung Selbst bei relativ einfachen Erzeugnissen wie einem Messer gibt es unzählige Möglichkeiten, den Griff zu gestalten: Form, Material, Farbe, Oberflächengestaltung und zusätzliche Schmuckelemente sind Faktoren, die geplant werden müssen, um auf dem Markt erfolgreich bestehen zu können. Bei der Schneide wiederum geht es um das Material, 209 zu thEsE 12: die Oberflächenbeschaffenheit, die Form, Dicke, Biegsamkeit und Schärfe, sollte ein Sägeeffekt eingebracht werden, wie sollen die Sägezähne gestaltet werden usw. Bei komplexeren Produkten sind um Größenordnungen mehr Entscheidungsmöglichkeiten und -notwendigkeiten gegeben. Folglich kann nicht alles ausprobiert werden, zumal die Menschen keine unbegrenzte Lebenszeit haben. Dabei würde sogar das Ausprobieren aller möglichen Kombinationen von Gestaltungsformen und Materialien für die diversen stofflichen Wertobjekte sehr komplexe Planungen erfordern, da nicht alles auf einmal ausprobiert werden könnte. Bei nicht-stofflichen Wertobjekten, wie Theateraufführungen, gibt es ebenfalls unzählige Gestaltungsmöglichkeiten, die für konkrete Vorhaben geplant werden müssen. Oft geschieht das sehr kontrovers. So kann formuliert werden, dass alles, was dazu genutzt wird, um festzulegen, wann, wie und in welchem Umfang Wertobjekte bereitgestellt werden sollen, was genutzt wird, um festzulegen, wie diese Wertobjekte beschaffen sein sollen, wie sie verpackt werden sollen usw., umfangreiche Planungen erfordert. Das alles sind marktbezogene Planungen. Die Gesellschaft betreffende Planungsvorgaben Ebenso erfordert der weniger individuelle, mehr gesellschaftliche Bereich der Wirtschaft umfangreiche Planungen. Was für die Bürger akzeptabel ist an Firmenzusammenschlüssen, an Marktdominanz, was Käufern von Produkten darzulegen ist, was an Inhaltsstoffen von Produkten zu deklarieren ist, was an Medikamenten wie getestet werden darf und muss, all das kann nicht vom Markt bestimmt werden. Dass solche Vorgaben allein durch Widerspiegelungen vom Marktgeschehen und mittels Ausprobieren durchgesetzt würden, könnte bestenfalls funktionieren, wenn die Menschen um Grö- ßenordnungen länger leben würden. Doch das tun sie (noch) nicht… Außerdem würden etliche solcher „Tests“ sicherlich nur auf sehr inhumane Art funktionieren. Auf dem Markt werden des Weiteren Aufwendungen für Mietwohnungen, Lebensmittel, Maßnahmen zur Gesundheitsvorsorge, zur Heilung von Krankheiten usw. widergespiegelt. Auch in diesen Bereichen wird nichts aus dem Himmel und nichts von der Natur fest vorgegeben. Das erkennt man u. a. deutlich daran, wie unterschiedlich diese Bereiche in verschiedenen Ländern gehandhabt werden. Wenn zu all diesen stärker gesellschaftlich bezogenen Bereichen der Wirtschaft gesagt wird, dass man so etwas dem Markt bzw. dem Selbstlauf überlassen soll, dann wird Entscheidendes verschleiert. Denn nichts in diesen Bereichen stellt sich automatisch sinnvoll ein. Für jeden dieser Bereiche gibt es Planungen, die im Interesse von einflussreichen Einzelpersonen, von Interessenverbänden, Unternehmen, Handelsketten, von nicht korrupten und von korrupten Politikern gelenkt bzw. direkt von ihnen durchgeführt werden. Wenn von „Nicht-Planen“ die Rede ist, dann dürfte wohl in den meisten Fällen gemeint sein, dass die nur eigene Ziele verfolgenden Interessenvertreter der Wirtschaft und der Finanzwirtschaft ihre Ziele ungestört planen wollen. So könnten u. a. Vermieter recht willkürlich mit den Mietern umspringen, einflussreiche Handelsketten könnten überhöhte Preise für ihre Produkte festsetzen, Anbieter von Finanzprodukten völlig undurchsichtige Verträge gestalten, Hersteller von z. B. chemischen Produkten könnten beliebige Stoffe für die Produktion ihrer Güter und beliebige Hilfs- 210 Lippert stoffe für die Produktion selbst verwenden. Hersteller von Nahrungsmitteln könnten Produkte mit beliebigen Bestandteilen auf den Markt werfen. Krankenversicherungen würden sich nur eingeschränkt oder gar nicht um „nicht wettbewerbsfähige Patienten“ kümmern usw. Solch eine Gesellschaft würde von der übergroßen Mehrheit der Bürger zumindest in Europa abgelehnt werden. Aber im „Selbstlauf “ würde es ganz sicher dazu kommen. Solches Chaos (aus Sicht der meisten Bürger) würde nicht der Markt steuern, sondern die fehlende politische Einflussnahme würde eigensüchtigen Wirtschaftsvertretern die Möglichkeit geben, die Bedingungen auf dem Markt an die eigenen Vorstellungen anzupassen. D. h. bürgerfeindliche Zustände dieser Art, bedingt durch mangelnde Einflussnahme der Politik, würden von Menschen gesteuert werden, direkt und indirekt. Letzteres, indem die Passivität derjenigen, die eigentlich dagegen agieren könnten, ausgenutzt würde. Nur in den Beschreibungen würde von den Lenkern einer solchen Wirtschaft mit Begriffen wie „marktgesteuert“ und „freie Marktwirtschaft“ versucht werden, ein anderes Bild der gesellschaftlichen Situation zu vermitteln. Markt und Planung Wenn aber politisch Einfluss genommen wird auf die Wirtschaft, müssen diese Einflüsse auf dem Markt richtig widergespiegelt werden. Dazu darf der Markt in seiner Widerspiegelungsfunktion der ökonomischen Verhältnisse und Prozesse nicht behindert werden. Doch was ist die Voraussetzung dafür, dass der Markt seine Widerspiegelungsfunktion voll erfüllen kann? Darf dazu nur möglichst wenig geplant werden? Nein, im Gegenteil! Es muss sehr viel und sehr genau geplant werden. Aber 1. es darf nur im überschaubaren Kompetenzbereich geplant werden. Was den Kompetenzbereich umfasst, kann nur im Einzelfall diskutiert werden. Sicher ist, dass in der DDR seitens der wirtschaftslenkenden Organe zu viele Parameter festgelegt wurden. Für einige davon fehlte den Planern ganz offensichtlich die Kompetenz: Die Preise von vielen Gütern, u. a. die Mietpreise für Wohnungen und gleichzeitig die notwendigen Ausgaben für Mietshauseigentümer, die Preise für fast alle Waren auf dem Markt, die Löhne und Gehälter, die Zuordnung der Arbeitskräfte, die Verteilung der Rohstoffe und Edelmetalle usw. wurden festgelegt. Der Markt konnte nicht annähernd richtig die wirtschaftliche Situation des Landes widerspiegeln. Die Planer all dieser Vorgaben sprachen zwar von ihrer Verantwortung, doch sie hatten keinen Überblick, was sie überhaupt taten. Einen solchen Überblick konnten sie gar nicht gewinnen, da der Markt die Realität nicht zeigen konnte. und 2. es dürfen im gegebenen gesellschaftlichen (und natürlichen) Kontext nur so viele Parameter geplant werden, dass für den Wirtschaftsorganismus die verbleibenden freien Parameter einen Regelausgleich bewirken können. D. h. es muss immer eine Übereinstimmung von Angebot und Nachfrage eingestellt werden durch die Regulierung des Marktgeschehens. Diese Regulierung erfolgt über die Marktteilnehmer. Sollten Angebot und Nachfrage über einen längeren Zeitraum nicht übereinstimmen, kann nicht mehr genau abgelesen werden, wo die Probleme liegen. Die 211 zu thEsE 12: Wirtschaft würde ineffizient werden und der Markt würde nicht mehr die wirkliche wirtschaftliche Situation widerspiegeln können. Nur bei Übereinstimmung von Angebot und Nachfrage ist es möglich – egal, ob diese Übereinstimmung mittels schwacher oder starker politischer Einflussnahmen gesteuert wird –, die Entscheidungen anhand der entstehenden Folgen, die über den Markt erfasst werden können, zu überprüfen. Die Ergebnisse der Überprüfungen wiederum können verarbeitet und bewertet werden. Entscheidungen können im Anschluss zurückgenommen oder angepasst werden. In der DDR wurde nicht dafür gesorgt, dass auf dem Markt Angebot und Nachfrage übereinstimmten. Durch die Festlegung zu vieler Parameter wurde ein umfassender Kaufkraftüberschuss – Inflationsgeld – generiert. Gleichzeitig wurden die Bedingungen der Wirtschaft so gestaltet, dass in einem riesigen Umfang Waren zu Mangelwaren wurden. Der Markt konnte durch das Festlegen der Geldemission, zu vieler Preise, der Gehälter usw. seine Widerspiegelungsfunktion nicht mehr erfüllen. Es gab keine freien Parameter mehr, über die der Markt auf all diese Vorgaben hätte ungestört reagieren können. Der Markt wurde durch politisch-wirtschaftliche Festlegungen zu stark störend überlagert. In der heutigen Zeit wäre das in der Art nicht mehr möglich. Aber das heißt nicht, dass der Markt damit automatisch ungestört funktionieren würde. Heute kann die Widerspiegelungsfunktion des Marktes durch Aktivitäten wie Preisabsprachen, Korruption, Herausdrängen von Wettbewerbern aus dem Markt (durch Marktstärke und nicht durch Leistung) gestört werden. Dazu kommt, dass ein Großteil des scheinbaren Wettbewerbs von nur wenigen Firmen betrieben wird, die ein großes Firmengeflecht aufbauen, das man nur durch genauere Wirtschaftsanalyse erkennen kann. Den Konsumenten werden unzählige Firmennamen wie völlig eigenständige Unternehmen vorgegaukelt (Focus online [27]). Durch solche Einflussnahmen auf das Marktgeschehen werden wahrscheinlich zu viele Parameter ungerechtfertigt fixiert. Was könnten Kriterien für „Übersteuerungen“ der Marktparameter sein? Eine Art von Übersteuerung könnte die Gestaltung von Zugangsregeln zum Markt sein (wenn z. B. die Lizenzen für Taxifahrer in Griechenland für enorme Summen auf dem Schwarzmarkt gehandelt wurden – jedenfalls bis zur Reform in Griechenland, die diesen Auswuchs am Marktgeschehen beenden sollte. [28]) Bei den o.g. Firmenzusammenschlüssen (Focus online) muss man schon mehr Aufwand treiben, um eine ungerechtfertigte Geldabschöpfung erkennen zu können, denn auch in solcher Art zusammengeschlossene Firmen stehen, zumindest in bestimmtem Maße, im Wettbewerb. Markt und Parameter Nur wenn der Markt in seiner Widerspiegelungsfunktion nicht beeinträchtigt wird, kann anhand von Marktanalysen optimal geplant werden. Wenn aber relevante Parameter des Marktes (Preise, Warenmengen usw.) durch Verfälschungen nicht die wirkliche ökonomische Situation in der Gesellschaft widerspiegeln, können die Planungen nicht optimal angesetzt werden. Wenn z. B. durch Preisabsprachen Preise für Kraftstoffe erhöht würden, dann beträfe dies Warenmengen in großem Umfang. Damit würden 212 Lippert große Geldmengen umgeleitet werden. Notwendigerweise würden damit andere Produkte ungerechtfertigt im Wert gemindert oder gar wertlos. Bei realer Widerspiegelung der Marktverhältnisse wäre die Situation bezüglich der Kraftstoffe – und damit für die Transportbranche und die privaten Autofahrer – eine andere. Das gilt ebenso für die Anbieter und Käufer von weiteren Produkten, welche durch Preisabsprachen benachteiligt würden. Ohne Preisabsprachen würden die betroffenen Produkte anders in das Marktgeschehen einbezogen werden, sozusagen unter unverfälschten Bedingungen. Die Realität der wirtschaftlichen Bedingungen wird wohl immer auf dem Markt adäquat widergespiegelt, einschließlich gegebener Preisabsprachen und politischer Einflussnahmen, sofern nicht zu viele und zu starke Einflussgrößen einen wirklichen Ausgleich der Marktparameter verhindern. Zu starke Einflussgrößen wirkten in der DDR: Die Preise für Lebensmittel, Mieten usw. wurden festgehalten, ebenso die Löhne usw. So konnte kein Ausgleich der Marktparameter „Angebotsmengen von bestimmten Waren und Dienstleistungen“ und „Preise“ erfolgen. Das führte zu einer umfassenden Mangelwirtschaft. Markt und politische Einflussnahme Die Realitätswiderspiegelung des Marktes betrifft vor allem die sich ergebenden Preise und Angebotsmengen. Wenn die Wirtschaft von den Entscheidungsträgern bewusst gesteuert wird, d. h. mit „offiziellem politischem Willen“, und keine Störeinflüsse wie Preisabsprachen wirken, dann dürfte die erzielte wirtschaftliche Konstellation auch die gewünschte optimale sein, zumindest die „von oben gewünschte“ (von Fehlentscheidungen abgesehen). Mit anderen Worten: Die Wirtschaft würde ohne die politischen Einflussnahmen zwar „automatisch“ Proportionen zwischen den verschiedenen Bereichen der Gesellschaft herausbilden, aber aus politischer Sicht würden diese Proportionen von den politischen Entscheidungsträgern als zu ungünstig angesehen, um bestimmte politische Ziele erreichen zu können. So könnten z.  B. ohne Einflussnahme durch die Politik Lebensmittel beliebig gekennzeichnet und mit einer Vielzahl auch ungesunder Zutaten angereichert werden. Unter solchen Bedingungen könnte recht preiswert produziert werden. Aus politischer Sicht können auch bestimmte hygienische Produktionsbedingungen als wichtig eingestuft werden, um Schädigungen der Käufer der Produkte zu vermeiden. Ebenso kann festgelegt werden, dass schädliche Zusatzstoffe, die den menschlichen Organismus schwächen, nicht verwendet werden dürfen. Angaben zur Haltbarkeit von Produktenkönnen als wichtig eingestuft werden. Aus solchen politischen Vorgaben folgen höhere Aufwendungen für Analysen, Tests, Überprüfungen der Produktionsbedingungen und für Deklarationen. Damit werden die Produktionskosten erhöht, was sich auf dem Markt in höheren Preisen niederschlägt. Der Markt wird beeinflusst, widerspiegelt aber trotzdem das Optimum des Wirtschaftskreislaufs unter den gegebenen gesellschaftlichen und politischen Bedingungen. Unter einer anderen Politik würde der Markt andere Konstellationen als optimal widerspiegeln. Doch sollte man davon ausgehen, dass in einer wirklichen Demokratie die Mehrheit der Bürger die bewusst veränderten Bedingungen will, denn sonst wären die Wahlentscheidungen anders getroffen worden. 213 zu thEsE 12: Markt – negative Einflüsse wie Produktdiktate und Preisabsprachen Ob die sich einstellenden wirtschaftlichen Proportionen in der Gesellschaft innerhalb des produzierenden Bereiches, innerhalb des konsumierenden Bereiches sowie zwischen beiden Bereichen von wirtschaftlichen Diktaten wie machtgesteuerten Produktbereinigungen, Preisabsprachen oder ähnlichen negativen Einwirkungen beeinflusst werden, kann anhand der realisierten Marktparameter wahrscheinlich nicht sicher erfasst werden. Somit wird es wohl schwierig sein, den wirtschaftlichen Effizienzrückgang durch solche Einflüsse am Markt zu erkennen. Die von unlauteren Produktaussonderungen, Preisabsprachen o. ä. betroffenen Unternehmen könnten zwar versuchen, mit Hilfe des Marktes zu prüfen, ob die Produktionsplanungen sauber durchgeführt wurden. Sie würden aber verfälschte Aussagen erhalten, weil die diesbezüglichen zurückgehenden Nachfragen nichts mit ihren Produkten und nichts mit bewusst gewolltem verändertem Kaufverhalten der Kunden zu tun hätten. Auf dem Markt wären nur die Auswirkungen solcher Einflussnahmen erkennbar – die Firmen und Händler, die auf solche illegalen Praktiken eingehen, werden das mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht freiwillig publizieren. Wert als gesellschaftliches Verhältnis ist gesamtgesellschaftlich determiniert – die Orientierung der Planung am Markt ist ein Ausdruck dafür. Die Gesellschaft sollte deswegen destruktive Einflussnahmen auf den Markt verhindern. Allein durch die „Marktkräfte“ kann das nicht geschehen. Denn diese „Marktkräfte“ sind keine Kräfte, die „aus dem Himmel“ auf den Markt einwirken. Es sind vor allem die marktbeherrschenden Unternehmen, die sich um solche Möglichkeiten kümmern, und die werden ganz bestimmt nicht auf solche Potenziale verzichten. Durch illegale Marktpraktiken gibt es mit ziemlicher Sicherheit weitere Auswirkungen neben denen, dass bestimmten potenziellen Wertobjekten die Wertäquivalente „entwendet“ würden. Die Widerspiegelung der ökonomischen Verhältnisse und Prozesse auf dem Markt umfasst durch ungerechtfertigt verschobene Anteile in den Wertgrößen von Wertobjekten notwendigerweise nicht optimale Anteile in den Werten der Arbeitskräfte. Denn die Werte der Arbeitskräfte basieren schließlich auf den Werten der Existenzmittel, das heißt auf den Werten von Wertobjekten. Wenn diese Werte teilweise nicht mehr der optimalen Situation entsprechen, dann sind auch die Werte der Arbeitskräfte davon betroffen. Das trat besonders deutlich in einigen Ländern während der letzten großen Immobilienblase und während der letzten Bankenkrise hervor. Realer Wert und scheinbarer Wert sehr vieler Immobilien stimmten nicht mehr überein. Das, was viele Arbeitskräfte für ihr Anrecht auf Wertobjekte kauften, hatte nicht den Wert, der für diese Produkte ausgewiesen wurde. Der Realwert war deutlich geringer als der ausgepreiste Wert. So wurde der Markt spürbar von störenden Einflussgrößen überlagert. Für viele Hauseigentümer bedeutete diese „störende Überlagerung“ eine kräftige Enteignung. Einflussnahme auf den Markt ist notwendig – auch ohne alle Folgen auszudiskutieren Die menschliche Gesellschaft sollte den Menschen ein humanes Leben ermöglichen und nicht nur das Überleben. 214 Lippert Die Gestaltungsmöglichkeiten der Gesellschaft für ein humanes Leben ihrer Mitglieder sind praktisch nicht zählbar. Wobei jegliche Einflussnahme auf das Marktgeschehen mit dem Ziel, die Gesellschaft humaner zu gestalten, schwer überschaubare Folgen haben kann. Das zeigt sich u. a. an den Diskussionen zur Einführung eines Mindestlohnes. Gestaltung ist mit dem Risiko von Fehlentscheidungen verbunden. Doch solche Risiken, die enorme Komplexität des Aktionsfeldes und die unzählige Zahl der Gestaltungsmöglichkeiten dürfen nicht dazu führen, nichts zu unternehmen oder alles in kleinen Schritten auszutesten – in der Art der natürlichen Auslese. Denn die Menschen haben nur einen begrenzten Lebenszeitraum und praktisch jede Gesellschaft steht im harten Wettbewerb mit anderen. Folglich müssen Entscheidungen getroffen werden, auch wenn nicht alle Auswirkungen vollständig ausdiskutiert wurden. Ein vollständiges Erfassen der Realität in ihrer Komplexität ist den Menschen nicht einmal theoretisch möglich und die Zukunft vorherzusagen ist mit noch viel mehr Unsicherheit verbunden. Alle Planungsentscheidungen vollständig und zweifelsfrei zu Ende zu diskutieren wäre ein Ding der Unmöglichkeit. Politik muss auch zeitnah greifen. Umso wichtiger ist es, bei Entscheidungen in diesen Bereichen möglichst viele unterschiedliche Auffassungen zu den relevanten Sachgebieten einzubeziehen und zu verarbeiten. Es sollte dabei auch die wirkliche Situation der Arbeitskräfte auf dem Markt unverfälscht widergespiegelt werden. Denn wenn das nicht passiert, wird die Motivation der Politiker, notwendige Änderungen herbeizuführen, nicht hinreichend stark ausgeprägt werden. Wichtig für den ökonomischen Bereich der Gesellschaft ist, dass bei allen Planungen der Markt nicht überparametrisiert wird. Die Widerspiegelungsfunktion sollte ungestört wirken können, unabhängig von den politischen Prämissen. Es muss dafür gesorgt werden, dass alles, was für den Markt relevant ist, und alles, was der Markt bewirkt, sichtbar bleibt. Der Markt greift nicht in die Planung ein Der Markt kann, aufgrund seiner „Natur“, nicht selbst in die Planung der Geschäftsprozesse eingreifen. So kann z. B. der Markt nicht unrentable Betriebe schließen oder umprofilieren lassen, der Markt kann nicht festlegen, dass bestimmte Produkte in grö- ßerer oder kleinerer Zahl weiter produziert werden sollten. Der Markt kann nur Situationen widerspiegeln. Die Bewertung der erkannten Situationen müssen die Menschen übernehmen. Welche Maßnahmen in welchen Situationen ergriffen werden, bestimmen ausschließlich Menschen. In Extremfällen haben die Menschen jedoch nur wenige Entscheidungsmöglichkeiten, wenn sie das Marktgeschehen nicht rechtzeitig und nicht hinreichend genau beachtet und ausgewertet haben. Dann könnten zum Zeitpunkt notwendiger Entscheidungen keine Ressourcen mehr für Entscheidungen zur Verfügung stehen, die ein Unternehmen wieder nach vorn bringen würden. Doch sollte es zu solchen Situationen kommen, wäre das nicht vom Markt diktiert, da der Markt weder denkt noch plant. Auch entlässt der Markt keine Arbeitskräfte. Er widerspiegelt höchstens, wie effizient bzw. ineffizient diese arbeiten. Wie die Unternehmen und die Gesellschaft auf solche 215 zu thEsE 12: Marktsituationen reagieren, ob z. B. Führungskräfte in einer Insolvenz-Situation das Unternehmen schließen oder ob sie nach Wegen suchen es weiterzuführen, ob die Mitarbeiter für weniger Geld weiter arbeiten, ob ihnen eine andere Arbeit verschafft wird oder sie sich in Auffanggesellschaften auf neue Jobs vorbereiten, ob sie entlassen werden … – all diese Entscheidungsfindungen kann man nicht dem Markt zuschanzen. Auch für solche Situationen gilt: Wurde der Markt über einen zu langen Zeitraum nicht richtig ausgewertet, so stehen möglicherweise keine ausreichenden Mittel mehr für humane Entscheidungen zur Verfügung. Doch das hätten ebenfalls Menschen zu verantworten. Der Markt zeigt nur die Situation und umreißt die Handlungsspielräume für Wirtschaft und Politik. Was von den Möglichkeiten wie genutzt wird, bestimmen immer Menschen im gesellschaftlichen Kontext. Der Markt sollte die Wirklichkeit verzerrungsfrei widerspiegeln Unabhängig davon, wie aufgrund der vom Markt gewonnenen Informationen entschieden wird, d. h. insbesondere in wessen Interesse entschieden wird, sollten doch stets die Auswirkungen dieser Entscheidungen über den Markt wirklichkeitsgetreu widergespiegelt werden. Das war in der DDR nicht wirklich gegeben. Geld wurde deutlich über der Wertsumme aller realen potenziellen Wertobjekte hinaus emittiert. Die Geldsummen der Einkommen der Bevölkerung und die Preise der Waren wurden festgelegt. Das Geldsystem in der DDR war kein kreditbasiertes. Das Geld der DDR war ein sogenanntes „Vollgeld“ (Vollgeld – ein Ansatz, mit dem sich Professor B. Senf, Berlin, und andere auseinandersetzen). Vollgeld war es, weil es, zumindest vom Grundgedanken her, entsprechend den produzierten Waren und Dienstleistungen in Umlauf gebracht wurde. Die Gesamt-Werthöhe der emittierten Geldmenge sollte gleich groß dem Wertumfang der produzierten Waren und Dienstleistungen gewesen sein. Die Bezeichnung „Vollgeld mit starken Hohlgeldanteilen“ hätte die damalige Situation in der DDR deutlich besser beschrieben (aber den Begriff „Vollgeld“ gab es damals wahrscheinlich noch nicht). Ein Vollgeldsystem kann durchaus sinnvoll und vorteilhaft funktionieren (vermutet der Autor). Doch in der DDR wurden durch zu viele Festlegungen die Preis- und Lohnveränderungen auf dem Markt nicht adäquat widergespiegelt. So können weder ein Vollgeldsystem noch ein kreditbasiertes Geldsystem funktionieren. Die Ursache für das überzogene planmäßige Herangehen an die Wirtschaft in der DDR, die sogenannte Planwirtschaft, lag in der Annahme begründet, dass die Werte der Waren direkt planbar seien und dass ein Markt dafür nicht benötigt würde. Als Basis für diese Wirtschaftspolitik wurde die Marx’sche Arbeitswerttheorie herangezogen und passend interpretiert. Doch dabei wurde nur ein Teil der Arbeitswerttheorie betrachtet, nämlich der Teil, der den Wert als „Vergegenständlichung der gesellschaftlich nützlichen Arbeit“ beschreibt, wobei das „nützlich“ nicht weiter hinterfragt wurde. In der Wirtschaftspraxis wurde das als „nützlich“ gesehen, was prinzipiell nützlich schien, unabhängig von einer Anerkennung der Nützlichkeit durch Abgabe eines Wertäquivalents über den ökonomischen Tausch auf dem Markt. Für die Fälle, in denen Waren nicht gekauft wurden, wurde formuliert, dass der „Wert nicht erkannt“ würde. Bei Marx selbst ist jedoch ein 216 Lippert weiterer Teil zur Arbeitswerttheorie zu finden, nämlich der, dass der Wert erst im Austausch der Waren konstituiert wird [6], [7]. Der Markt in der DDR konnte durch die oben angesprochene Überparametrisierung u. a. die wirklich optimalen Proportionen zwischen den einzelnen Produkten und den Ressourcenzuteilungen zu ihrer Produktion nicht hinreichend genau widerspiegeln. Für die gesamte Wirtschaft wurde so ungewollt eine Art „Zwangsineffizienz“ festgelegt. Das betraf die Produktionskapazitätsproportionen, die Proportionen bei der Nutzung der Rohstoff- und Energieträger, die Arbeitskräfteverteilung, die Tariflohngestaltung, die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung in den verschiedenen Bereichen, die Aufwendungen für Kultur und Sport u. a. Denn eine wirkliche Bedarfsermittlung über den Markt wurde nicht praktiziert. Der Markt bewirkt weitaus mehr als nur die Widerspiegelung von wirtschaftlichen Situationen und Verhältnissen. Markt – der Ort der Wertbildung Vor allem ist der Markt der Ort der Wertbildung. Dieser Aspekt des Marktes besteht in der Einheit mit seiner Funktion zur Widerspiegelung der ökonomischen Situation in der Gesellschaft. Die hier gemeinte Wertbildung ist nicht damit gleichzusetzen, dass die Grundlagen von Wertbeziehungen geschaffen werden. In der klassischen Interpretation der Arbeitswerttheorie wird die „Vergegenständlichung der gesellschaftlich nützlichen Arbeit“ als Wertbildung interpretiert. Doch indem die Menschen für den Markt Rohstoffe, Halbprodukte oder Produkte veredeln oder herstellen, schaffen sie nur die Bezugspunkte für Wertbeziehungen. Sie können damit nicht die gesellschaftlichen Verhältnisse in die Gegenstände „einbauen“. Erst auf dem Markt werden die gesellschaftlichen Wertverhältnisse zwischen den Tauschpartnern herausgebildet und so die wirksamen Werte realisiert. Damit ist der Markt der „Ort der Wertbildung“. Für die Wertbildung werden die zuvor oder gleichzeitig geschaffenen bzw. später zu schaffenden Bezugspunkte genutzt. Solche Bezugspunkte können durchaus in Gegenstände eingebaut werden – an anderen Orten und zu anderen Zeiten als bei der Wertfestlegung gegeben. Die Bezugspunkte können aber auch, z. B. bei Musikveranstaltungen, „praktiziert“ oder ausgedacht werden – Letzteres vor allem bei Patenten und der Literatur. Die Bezugspunkte für die Werte werden von den Bereitstellern solcher Objekte, Aktivitäten und Ideen, kurz: der Wertobjekte, als Wertattribute diesen beigefügt. Die Wertattribute widerspiegeln dabei die Ansprüche der Bereitsteller der Wertobjekte auf Existenzmittel, d. h. sie widerspiegeln ebenfalls Ansprüche auf Wertobjekte. Auf dem Markt werden die für die Gesellschaft ökonomisch wirksam werdenden Wertgrößen all der Wertattribute der Wertobjekte ausgehandelt oder die zuvor festgelegten Wertgrößen der Wertattribute werden dort mit dem Austausch akzeptiert (insbesondere bei festgelegten Preisen von Produkten in Supermärkten und Kaufhäusern). Oder aber die Wertattribute der Wertobjekte bleiben fiktive oder „Wunsch-“Größen, falls kein einziger der potenziellen Tauschpartner sich dazu entschließen kann, diese einzutauschen. Damit würden aber keine Wertverhältnisse und folglich keine Werte bezüglich solcher „Wertobjekte“ geschaffen werden. 217 zu thEsE 12: Wertbeziehungen sind eingebunden in das Umfeld All die Wertbeziehungen zwischen Tauschpartnern funktionieren nicht für sich allein. Der Ablauf jeder Wertbeziehung und insbesondere die konkrete Gestaltung der „Tauschparameter“ durch die Tauschpartner kann nur im Kontext aller Wertbeziehungen der Gesellschaft und zwischen den Gesellschaften erklärt werden. Die Gestaltung der Wertparameter wird hierbei nicht unabhängig von den Menschen vorgenommen, sie werden ihnen nicht vom Himmel herab diktiert. Die Wertgrößen ermitteln die Menschen über die Widerspiegelung der Wertobjekte und des wirtschaftlichen Umfeldes. Das geschieht bei allen Tauschpartnern (wenn auch bei jedem Einzelnen die Widerspiegelung der Realität so stark vereinfacht wird, dass Kaufentscheidungen hinreichend schnell getroffen werden können). Über Dialoge zwischen den Tauschpartnern werden die Wertgrößen im Anschluss ausgeformt und am Ende durch einen Kaufvertrag gesellschaftlich wirksam zum Ausdruck gebracht. Eine wirkliche Wertbestimmung unabhängig vom Markt könnte nur bei Wertobjekten / Waren gelingen, die völlig unabhängig vom menschlichen Bewusstsein als Wertobjekte / Waren (und nicht nur als Objekte, Ideen usw.) existieren würden. Aktive gesellschaftliche Wertverhältnisse wären für solche „objektiven Werte“ nicht notwendig, da der Wert in definierter Höhe ohnehin eingebaut wäre. Damit könnten zwar „Ladenhüter“ als Objekte mit „Wertgehalt“ erklärt werden – gemeint sind hiermit z. B. Geräte, die nicht verkauft werden können, weil kein Kunde sie haben will. Doch wenn diese Ladenhüter wirklich „Wert haben“ sollten, wäre u. a. die Triebkraftfunktion des Wertes nicht mehr sinnvoll erklärbar. Es könnte zudem nicht erklärt werden, warum Menschen solche Werte herausbilden würden, da sie zu nichts nützlich wären. Für den Markt lässt sich zusammenfassend festhalten: • Ein gut funktionierender Markt ist Grundvoraussetzung dafür, dass die Wirtschaft optimal funktioniert. • Im Marktgeschehen werden sämtliche ökonomischen Verhältnisse und Prozesse einer Gesellschaft in ihrer Vielfalt und Komplexität erfasst und verarbeitet. Das liegt darin begründet, dass der Markt auch der Begriff für die Zusammenfassung aller Einzel-Wert- und damit aller Einzel-Tauschverhältnisse ist. • Die Bedeutung des Marktes geht über die Summe aller einzelnen Wertbeziehungen hinaus. Der Markt kann die ökonomischen Situationen für die wirtschaftlich relevanten Bereiche der Gesellschaft (Werte der Wertobjekte, Werte der Arbeitskräfte usw.) zeigen. Denn all die einzelnen Wertbeziehungen, die ihn darstellen, wirken immer im gesellschaftlichen Gesamtzusammenhang und nicht für sich allein. Sie sind an den wirtschaftlichen Kontext der Gesellschaft und darüber hinaus an die wirtschaftlichen Bereiche aller interagierenden Wirtschaftssysteme (Staaten, staatenübergreifende Wirtschafts-Vereinigungen, weltumspannende Konzerne usw.) gebunden. • Wie die Werte in einzelnen Wertverhältnissen herausgebildet werden, kann nur im Kontext der anderen Wertverhältnisse erfasst werden. 218 Lippert • Eine aktive Einflussnahme auf die Gestaltung der ökonomischen Verhältnisse und Prozesse, auf die Angebotspalette des Marktes usw. kann der Markt nicht selbst realisieren – das bleibt den Menschen überlassen. • Wirtschaftsrelevante Entscheidungen können optimal nur anhand eines nicht gestörten Marktes getroffen werden. • Die Ergebnisse wirtschaftsrelevanter Entscheidungen können nur anhand eines funktionierenden Marktes richtig erfasst und bewertet werden. • Die Bedingungen, unter denen der Markt die wirtschaftlichen Verhältnisse und Prozesse einer Gesellschaft umfassend und ungestört widerspiegelt, stellen sich nicht automatisch ein – sie müssen ständig bewusst herbeigeführt werden. Zu stark sind die Kräfte, die aus verschiedenen Gründen permanent versuchen, die ökonomischen Grundsätze der Gesellschaft wettbewerbswidrig zu überlagern und so den Markt ungerechtfertigt zu beeinflussen. • Wie auf dem Markt mit welchen Produkten agiert werden soll, muss geplant werden. Der Grund dafür liegt u.  a. darin, dass der Markt passiv ist. Weiterhin reichen die Gestaltungsmöglichkeiten der auf dem Markt gehandelten Wertobjekte (im für die Käufer sowohl positiven als auch negativen Sinn), die Gestaltungsmöglichkeiten der gesetzlichen Bestimmungen für Marktaktivitäten oder die Gestaltungsmöglichkeiten der Eigentums- und Machtverhältnisse usw. von umfangreich über sehr umfangreich bis zu unübersichtlich oder sogar nahezu unendlich. Wenn gesellschaftliche Autoritäten, sprich die Politik, nicht in das Marktgeschehen eingreifen würden, dann würde das Marktgeschehen mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit noch stärker von Kräften gesteuert werden, denen die Interessen der Mehrheit der Bürger nicht wichtig erscheinen. Die Vermutung basiert u. a. auf der Lektüre diverser Publikationen zu wirtschaftlichen Entwicklungen in verschiedenen Ländern, dem Bekanntwerden diverser Skandale, vor allem im Lebensmittelbereich, aber auch bei Versicherungen, bei Geldanlagen, Immobilien, sogenannten Briefkastenfirmen und anderen Formen der Steuervermeidung, bei Reiseangeboten und vielem anderen mehr. • Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist eine politische Steuerung des Marktes in Demokratien von den Bürgern gefordert. • Eine zusätzliche Steuerung des Marktgeschehens durch Wirtschaftseinheiten an der Politik vorbei bedeutet Machtmissbrauch: Wettbewerber werden nicht wettbewerbsbasiert aus dem Markt gedrängt, Handelspartnern werden Preise diktiert, Projektaufträge werden mittels Korruption ergattert, Preise für Baumaßnahmen und andere Dienstleistungen werden mittels Korruption regelwidrig gestaltet usw. Mit hoher Sicherheit werden solche Praktiken von der Mehrheit der Bürger aller Länder abgelehnt. • Bei Nichtübereinstimmung zwischen Angebot und Nachfrage – bei Inflation (Geldentwertung durch Geldüberhang gegenüber dem Angebot an Waren und Dienstleistungen) – werden die wirtschaftlichen Verhältnisse und Prozesse der Gesellschaft fehlerbehaftet widergespiegelt. Dieser Fakt ist hauptsächlich darin begründet, dass die realen Werte der Arbeitskräfte durch den Geldüberschuss niedriger sind, als es durch die Geldbeträge der Löhne ausgedrückt wird. 219 zu thEsE 12: • Wenn der Markt unzureichend beachtet oder unter Bedingungen genutzt wird, dass wesentliche Elemente von ihm falsch widergespiegelt werden, dann werden in den meisten Fällen fast alle Bürger unnötig belastet, in anderen Fällen ganze Firmen. So wird die Gesellschaft geschädigt und in ihrer Entwicklung behindert. • Verantwortungsbewusste Menschen, insbesondere die Entscheider, werden die Informationen, die der ungestörte Markt liefert, permanent aufnehmen, bewerten und sinnvolle Schlussfolgerungen ableiten. • Eine bewusste politische Steuerung des Marktes ist möglich und sinnvoll. Da der Markt selbst nicht steuern kann, würde es sonst bei der ohnehin stattfindenden Steuerung durch interessierte Kräfte, die nicht von den Bürgern dazu autorisiert wären, bleiben. Durch politische Einflussnahmen können negative Auswirkungen des Wirtschaftens für die Mehrheit der Bürger und insbesondere für die sozial Schwachen in Grenzen gehalten werden. • Wesentliche Kriterien für einen ungestört funktionierenden Markt sind (Thesen): 1. Die Übereinstimmung zwischen Kaufkraft und Wertobjekteangeboten muss gegeben sein. 2. Nur durch sichtbar gemachte Kooperation und über die öffentliche staatliche Politik soll der Markt firmenübergreifend beeinflusst werden können. Der Staat muss gegen rechtswidriges Marktverhalten vorgehen. 3. Die marktbezogenen Situationen der Bürger werden nicht verschleiert40. Fazit Gesellschaftliche Wertverhältnisse werden zwischen Menschen herausgebildet. Die Grundlage für Wertverhältnisse bilden die potenziellen Wertobjekte, die hauptsächlich außerhalb des Bewusstseins, in einigen Fällen aber darin zu finden sind. In allen produzierten Wertobjekten sind notwendigerweise immer ideelle Anteile enthalten. Die potenziellen Wertobjekte werden mit dem ökonomischen Austausch in Wertobjekte umgewandelt. Die Wertobjekte können physische Objekte, Ideen, diverse Aufführungen, Dienstleistungen, bestimmte Naturgüter usw. sein. Wertobjekte können folglich sowohl physische Objekte als auch nicht-physische Objekte sein; sie können von den Menschen, von Maschinen oder von der Natur geschaffen und / oder bearbeitet werden41. Das menschliche Bewusstsein muss die potenziellen Wertobjekte erfassen, damit es diese, wenn sie entsprechenden Ansprüchen genügen, als Wertobjekte in gesellschaftliche Wertbeziehungen einbeziehen kann. Die Wertgrößen der Wertverhältnisse werden ebenfalls über das Bewusstsein herausgebildet. Basis sind die Werte der Arbeitskräfte, die an der Bereitstellung (umfasst u. a. die Erstellung) der Wertobjekte beteiligt sind. Weitere Einflussgrößen auf die Wertverhältnisse und Wertgrößen basieren auf Eigentum und sind damit politisch begrün- 40 Marktbezogene Situationen der Menschen Z.B. dürfte es nicht hilfreich für die Gestaltung der Gesellschaft sein, wenn ältere Arbeitslose, die noch fast 10 Jahre zu arbeiten hätten, in den Statistiken versteckt werden. Durch Ausblenden werden Probleme nicht gelöst. 41 Wertobjekte können folglich … von den Menschen, von Maschinen … geschaffen … werden Das ist umgangssprachlich formuliert. Bisher erschafft der Mensch keine Materie, auch wenn Formulierungen wie „Kunststoff “ so etwas suggerieren. Alles, was er mit der Materie macht, ist, diese umzuwandeln oder zu bearbeiten. 220 Lippert det. Über das Eigentum an Grund und Boden können Ansprüche auf Wertobjekte geltend gemacht werden, wenn Naturgüter aus solch einem Eigentum abgegeben werden. Wertgrößen basieren auf gewichteten Beziehungsstärken zu Wertobjekten und Stellvertreter-Wertobjekten. Diese gewichteten Beziehungsstärken können als Vektoren mit Betrag und Richtung dargestellt werden. Der Betrag einer Wertgröße ergibt sich aus den angeglichenen gleichgroßen Beträgen der gewichteten Beziehungsstärken der in einem Wertverhältnis gegenüberstehenden Käufer- und Verkäuferseite. Die Wirkungsrichtungen der Vektoren verlaufen bei den beiden Partnern eines gesellschaftlichen Wertverhältnisses entgegengesetzt. Der Betrag des Wertes wird im Preis widergespiegelt. Für den Austausch von Wertobjekt und Wertäquivalent werden die Beziehungsstärkevektoren des Wertverhältnisses von der ideellen Ebene auf die gesellschaftliche Ebene gehoben und diese bewirken dort als Wirkungsvektoren den Tausch von Wertobjekt gegen Wertäquivalent in Form des Tausches von Eigentum gegen Eigentum. Der Wert wird auf dem Markt herausgebildet – direkt durch Aushandeln der Wertgrößen oder indirekt durch Akzeptanz der festgelegten Preise der in Kaufhäusern, Supermärkten oder an Theaterkassen angebotenen Wertobjekte. Bei der zweiten Variante (in Kaufhäusern usw.) besteht im Allgemeinen nicht die Möglichkeit, den Wert auszuhandeln. Die gewichteten Beziehungsstärken zu Wertobjekten mit festgelegten Preisen werden durch die Käufer einseitig angepasst, indem diese die Preise einfach akzeptieren. Oder potenzielle Käufer entscheiden, dass bestimmte Wertobjekte für sie selbst nicht nützlich sind, so dass sie diese nicht kaufen. Der Wert im ökonomischen Sinne ist für die Bereitstellung42 von Wertobjekten und ebenso für den Austausch von großer Bedeutung. Für beide Bereiche hat der Wert eine wichtige Triebkraftfunktion. Nach dem Tausch ist das Wertverhältnis beendet. In bestimmten Situationen wird nach dem Tausch, im Zusammenhang mit den vormaligen Werten der ehemaligen Wertobjekte, auf den ursprünglichen Wertbetrag Bezug genommen. Eine solche Fortführung eines Wertverhältnisses kann als sekundäres Wertverhältnis bezeichnet werden. 42 Bereitstellung von Wertobjekten Hier werden alle Bereiche umfasst, die notwendig sind, um Wertobjekte bereitzustellen, u. a. Entwicklung, Produktionsvorbereitung, Produktion, Werbung, Vertrieb

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References

Zusammenfassung

Der Zusammenbruch der UdSSR um 1990 markierte nach allgemeiner Auffassung auch den Triumph der freiheitlichen Wirtschaftsordnung über das sozialistische Planwirtschaftsmodell. Die genauen Gründe hierfür sind nicht leicht auszumachen. Allein die Fülle an unterschiedlichen Theorien zur Erklärung des sowjetischen Zerfalls legt den Schluss nahe, dass es ein komplexes Zusammenspiel mannigfaltiger Faktoren war, die den kommunistischen Gedanken als eine praktische Wirklichkeit nicht überdauern ließ. Rainer Lippert fügt der wissenschaftlichen Diskussion einen weiteren, wertvollen Ansatz hinzu. Seine neue und zeitgemäße Überarbeitung der weltberühmten Theorie erweitert Marx’ klassischen Arbeitswertbegriff und beweist, dass dieser nur ein Spezialfall eines viel allgemeineren Wertbegriffes ist. Durch Lipperts Erweiterung der Marx'schen Arbeitswerttheorie lässt sich nicht nur der entscheidende Konstruktionsfehler planwirtschaftlicher Modelle benennen: Aus dem Überführen der Marx’schen Grundprämisse in eine allgemein lebenswirklichere Form gelingt ihm auch in schlüssiger Weise die zentrale Argumentation für die freie Marktwirtschaft.