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Zu These 11: Eine Wertbeziehung im ökonomischen Sinne basiert nicht direkt auf den gewichteten Bedürfnissen nach den Wertobjekten, sondern auf den gewichteten Bedürfnissen nach den umfassender zu sehenden Bedürfnisbefriedigungskomplexen in:

Rainer Lippert

Mit Marx zur Marktwirtschaft?, page 197 - 198

Eine Neuerung der Marx’schen Arbeitswerttheorie

3. Edition 2017, ISBN print: 978-3-8288-3917-5, ISBN online: 978-3-8288-6667-6, https://doi.org/10.5771/9783828866676-197

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Wirtschaftswissenschaften, vol. 82

Tectum, Baden-Baden
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197 zu thEsE 11: Zu These 11: Eine Wertbeziehung im ökonomischen Sinne basiert nicht direkt auf den gewichteten Bedürfnissen nach den Wertobjekten, sondern auf den gewichteten Bedürfnissen nach den umfassender zu sehenden Bedürfnisbefriedigungskomplexen Wert im ökonomischen Sinne ist ein gesellschaftliches Verhältnis, das, bei genauer Betrachtung, nicht in Bezug auf ein Wertobjekt als solches existiert, sondern in Bezug auf einen bestimmten Bedürfnisbefriedigungskomplex (Bild 9). Bedürfnisbefriedigungskomplex – kristallisiert in einem Hauptobjekt Ein solcher Bedürfnisbefriedigungskomplex beinhaltet im Allgemeinen ein bestimmtes Wertobjekt als Hauptobjekt. In der auf dieses Hauptobjekt gerichteten Beziehungsstärke kristallisiert sich die im Grunde viel umfassender zu sehende Beziehungsstärke zum eigentlichen Bezugspunkt heraus, dem Bedürfnisbefriedigungskomplex. Exakt gesehen stehen die gewichteten Bedürfnisse diesem gegenüber. Als Beispiel, wie in den praktischen Austauschprozessen die gesellschaftlichen Elemente eines Wertverhältnisses auf das Hauptobjekt konzentriert werden und dabei trotzdem auf den Bedürfnisbefriedigungskomplex bezogen bleiben, soll hier wieder das Radio dienen. Im Handel erwirbt man konkret das Radio und nicht, auch nicht anteilmäßig, die dazugehörigen Sender, die Empfangsbedingungen, die Stromversorgung usw. Aber all diese Faktoren nehmen direkt Einfluss auf die Herausbildung der gewichteten Beziehungsstärke Wert. D. h. die Anerkennung des Radios als Wertobjekt ist an den gesellschaftlichen Kontext des relevanten Umfeldes des Radios gebunden. Dies tritt nicht immer deutlich in Erscheinung. So kann die Ware Radio erst dann zu einem Wertobjekt im ökonomischen Sinne werden, wenn die erreichbaren Rundfunksender ein zumindest als ausreichend eingeschätztes Programmangebot ausstrahlen, die Empfangsfeldstärke hinreichend, der Äther im notwendigen Maße störungsfrei, die Stromversorgung gesichert ist usw. Sind solche Bedingungen nicht gegeben, wird ein Radio nur ein potenzielles Wertobjekt bleiben. Ein gewichtetes Bedürfnis, das ein Radio als Bezugspunkt hat, ist eben doch nicht nur auf das Zielobjekt allein ausgerichtet. Die relative Nützlichkeit wird nicht nur auf das Hauptobjekt bezogen Die notwendigen „Randbedingungen“ sind u. a. grundlegend für die Anerkennung der relativen Nützlichkeit des „Hauptwertobjektes“ Radio und somit auch für die Anerken- 198 Lippert nung der für die Bereitstellung des Wertobjektes aufgewandten gesellschaftlichen Arbeiten als gesellschaftlich relativ nützliche, d. h. wertbildende Arbeiten. Damit werden diese Umfeldbedingungen nicht vermittelt, sondern direkt Bestandteil des ökonomisch relevanten Bedürfnisbefriedigungsprozesses. Die Umfeld-Gegebenheiten bilden folglich mit dem jeweiligen Hauptobjekt – dem Wertobjekt im ökonomischen Sinne – eine untrennbare Einheit, den jeweiligen Bedürfnisbefriedigungskomplex.

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Zusammenfassung

Der Zusammenbruch der UdSSR um 1990 markierte nach allgemeiner Auffassung auch den Triumph der freiheitlichen Wirtschaftsordnung über das sozialistische Planwirtschaftsmodell. Die genauen Gründe hierfür sind nicht leicht auszumachen. Allein die Fülle an unterschiedlichen Theorien zur Erklärung des sowjetischen Zerfalls legt den Schluss nahe, dass es ein komplexes Zusammenspiel mannigfaltiger Faktoren war, die den kommunistischen Gedanken als eine praktische Wirklichkeit nicht überdauern ließ. Rainer Lippert fügt der wissenschaftlichen Diskussion einen weiteren, wertvollen Ansatz hinzu. Seine neue und zeitgemäße Überarbeitung der weltberühmten Theorie erweitert Marx’ klassischen Arbeitswertbegriff und beweist, dass dieser nur ein Spezialfall eines viel allgemeineren Wertbegriffes ist. Durch Lipperts Erweiterung der Marx'schen Arbeitswerttheorie lässt sich nicht nur der entscheidende Konstruktionsfehler planwirtschaftlicher Modelle benennen: Aus dem Überführen der Marx’schen Grundprämisse in eine allgemein lebenswirklichere Form gelingt ihm auch in schlüssiger Weise die zentrale Argumentation für die freie Marktwirtschaft.