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Zu These 10: Unter bestimmten gesellschaftlichen und natürlichen Bedingungen werden auch nicht durch Menschen geschaffene Objekte als Wertobjekte in die ökonomischen Prozesse einbezogen. Das geschieht über das Bewusstsein und in Verbindung mit dem gesamten gesellschaf in:

Rainer Lippert

Mit Marx zur Marktwirtschaft?, page 175 - 196

Eine Neuerung der Marx’schen Arbeitswerttheorie

3. Edition 2017, ISBN print: 978-3-8288-3917-5, ISBN online: 978-3-8288-6667-6, https://doi.org/10.5771/9783828866676-175

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Wirtschaftswissenschaften, vol. 82

Tectum, Baden-Baden
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175 zu thEsE 10: Zu These 10: Unter bestimmten gesellschaftlichen und natürlichen Bedingungen werden auch nicht durch Menschen geschaffene Objekte als Wertobjekte in die ökonomischen Prozesse einbezogen. Das geschieht über das Bewusstsein und in Verbindung mit dem gesamten gesellschaftlichen Arbeits- und Austauschprozess. Zu diesem Themenkomplex wurden bereits mehrfach Ausführungen dargelegt. Hier soll noch einmal systematisch auf diese Thematik eingegangen werden. Die Einbeziehung von Naturgütern als Wertobjekte in die gesellschaftlichen Arbeitsund Austauschprozesse erfolgt über das Bewusstsein. In den Naturgütern ist keine menschliche Arbeit enthalten. Aber das ist nicht relevant für die Einbeziehung dieser in die ökonomischen Austauschprozesse. Wert stellt, wie oben ausgeführt, ein auf gesellschaftlich determinierten, individuell beeinflussten, gewichteten Beziehungsstärken zu Tauschobjekten, den Wertobjekten, beruhendes gesellschaftliches Verhältnis dar. Durch den Austausch von Wertobjekten mit gleichem gesellschaftlichen Gehalt – oder besser: mit gleich großen Wertattributen – wird dieses Verhältnis ökonomisch relevant zum Ausdruck gebracht. In den meisten Fällen erfolgt der Austausch Wertobjekt gegen Geld (Geld hat die Rolle eines „Avatars“ für Anrechte auf Wertobjekte). Wertschöpfungsprozess durch menschliche Arbeit Verrichtung menschlicher Arbeit ist der übliche Weg, um Wertobjekte bzw. Waren zu erstellen. Mit den Arbeitsergebnissen soll es ermöglicht werden, Zustände, die Unzufriedenheit verbreiten, so zu verändern, dass diese mit Zufriedenheit verknüpft werden: Ein Zustand Z1, der ein bestimmtes menschliches Bedürfnis unbefriedigt lässt, wird verändert hin zum Zustand Z2, der dieses Bedürfnis befriedigen soll. Z1 könnte ein staubiger Fußboden sein, Z2 ein staubfreier. Für jemanden, dessen Staubsauger nicht mehr funktioniert, könnte Z2 durch einen funktionierenden Staubsauger repräsentiert werden. Dieses Objekt Staubsauger kann die an Z2 interessierte Person oder Institution selbst schaffen oder gegen etwas, das sie selbst geschaffen hat, eintauschen. Im zweiten Fall würde es sich nicht nur um ein Objekt, sondern zusätzlich um ein Wertobjekt handeln. 176 Lippert Wenn eine Person oder Institution ein gewünschtes Wertobjekt nicht selbst erstellen kann, aber hinreichend stark am Besitz interessiert ist, wird sie versuchen, es mittels Tausch zu erlangen. Als Gegenleistung würde sie dafür etwas, was der Tauschpartner als ökonomisch gleichwertig sieht, aus ihrem Eigentum abgeben müssen. Das Wertobjekt, das Z2 repräsentiert, wird durch die Abgabe eines wertmäßigen Äquivalents als ökonomisch relativ nützlich (in Werthöhe des Äquivalents – fast immer als Preisausdruck angegeben) anerkannt und über den Tausch in das Eigentum bzw. in die Verfügungsgewalt überführt. Der neue Eigentümer wird nicht strikt trennen zwischen dem gewünschten Zustand Z2 und dem Wertobjekt, das diesen repräsentiert. Für ihn steht das Wertobjekt für diesen gewünschten Zustand. Doch exakt wird durch den Tausch nicht der gewünschte Zustand Z2, sondern ein realer Zustand Z2‘ erzielt, der vom zunächst gedachten Zustand Z2 mehr oder weniger stark abweichen kann, je nachdem, wie genau und wie komplex der neue Besitzer sich den Zustand Z2 mit dem dazugehörigen Wertobjekt vorgestellt hat. Wenn z. B. auf dem Werbeblatt ein Super-Staubsauger präsentiert wurde, aber die Lautstärke des realen Staubsaugers unerträglich ist, dann wird der gewonnene Zustand Z2‘ sehr stark vom gewünschten Zustand Z2 abweichen. Dabei entspricht die Wandlung von Z1 nach Z2 – besser: nach Z2‘ – einem „Qualitätserhöhungsprozess mit Abstrichen“, je nachdem, wie stark Z2‘ von Z2 abweicht. Ökonomisch relevant wird eine solche Abweichung in den meisten Fällen nicht sein. Nur wenn der Käufer z.B. den Hersteller erfolgreich darauf verklagen kann, dass dieser die versprochenen technischen Daten des Produktes nicht einhält, wird die Abweichung für dieses praktisch noch nicht beendete Wertverhältnis bezüglich des Wertäquivalents wirksam: Der Kunde bekommt eine Preisermäßigung oder er kann das Gerät zurückgeben. Anmerkung „repräsentieren“ Dass Objekte einen Zustand repräsentieren, kann in einigen Fällen bedeuten, dass diese Objekte als identisch mit den Zuständen gesehen werden. Z. B. bei Schmuckstücken am Körper wird der Zustand als „geschmückt“ angesehen. Bei vielen solcher Objekte, die einen gewünschten Zustand repräsentieren, können (und müssen oft) die gewünschten Zustände Z2 wiederholt hergestellt werden: Z2 kann der geschmückte Körper sein, für den man den Schmuck immer wieder anlegen muss, Z2 können staubfreie Fußböden und Teppiche sein, die man immer wieder saugen muss. Bei einem elektrisch gesteuerten Grundstückstor, das sich ein Hauseigentümer bauen lässt, wird dagegen der gewünschte Zustand dauerhaft erhalten bleiben (von Reparaturen abgesehen). Wertobjekte und notwendiges Umfeld Sehr viele Wertobjekte, die einen bestimmten Zustand repräsentieren, z. B. staubsaugen zu können, TV-Dokumentationen ansehen zu können usw., sind allein nicht ausreichend für die vorgesehenen Aufgaben. Um einen Staubsauger nutzen zu können, ist ein bestimmtes gesellschaftliches Umfeld Voraussetzung. Das Umfeld muss den benötigten Strom sowie die Staubbeutel und Feinstaubfilter bereitstellen. Bei TV-Geräten werden umfangreichere Anforderungen an das notwendige Umfeld gestellt. Strom muss bereitgestellt werden, hinreichend viele TV-Sendern mit unterschiedlichen Angeboten, hin- 177 zu thEsE 10: reichend störungsfreie Übertagungsmöglichkeiten von den Sendern zu den TV-Geräten müssen gegeben sein und die Sendungen mit ihren Uhrzeiten sollten bekannt sein. Bei aktuellen TV-Geräten kommen weitere Umfeldbedingungen hinzu. Der Fakt, dass Wertobjekte allein nicht unbedingt ausreichend sind, um die damit verknüpften Ziele zu erreichen, zeigt auch, dass das Erwerben der Wertobjekte nicht das eigentliche Ziel ökonomischer Tauschvorgänge ist. Das Ziel des ökonomischen Austauschs Mit dem Tauschen der Wertobjekte wird genau genommen nicht das Ziel verfolgt, ein konkretes Wertobjekt zu erwerben. Vielmehr soll ein Zustand, der als verbesserungswürdig und verbesserungsfähig gesehen wird, verändert – qualitätserhöht – werden. Das Wertobjekt wird als Mittel gesehen, welches für den Qualitätserhöhungsprozess als geeignet erscheint. Wertschöpfung durch Energieeintrag Um eine Veränderung von Z1 in der gewünschten Art zu erreichen, so dass Z2 erzielt wird, muss ein Energieeintrag in bestimmter Art und in einem bestimmten Umfang aufgebracht werden. Dieser Energieeintrag wird bei menschlichen Aktivitäten aus einer geistigen und einer körperlichen Komponente bestehen. Für die ökonomischen Prozesse bleibt es jedoch, im Hinblick auf die ökonomisch relevante Qualitätserhöhung gegenüber dem menschlichen Bewusstsein / Bedürfnis, vom Prinzip her gleich, um welche konkrete Form von Energie es sich dabei handelt. Denn das daraus resultierende Wertverhältnis ist nicht die direkte Folge des Energieeintrages, sondern ein Resultat der Einordnung des Ergebnisses dieses Qualitätserhöhungsprozesses in das ökonomisch relevante Denken und Zuordnen. Das ökonomisch relevante Denken und Zuordnen wiederum geschieht über die Widerspiegelung des Wertobjektes im Bewusstsein. Erst die gesellschaftliche Einordnung des objektiv als vollzogen geltenden Energieeintrages kann(!), wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind, zu einem Verhältnis „Wert“ führen35. Was mit dem Energieeintrag konkret bewirkt wurde oder wird, ist nur für den konkreten Käufer wichtig. Ob es um stoffliche oder nicht-stoffliche Ergebnisse geht, ist für ein darauf aufbauendes Wertverhältnis nicht wichtig. Relevant ist nur, dass für das Ergebnis des Energieeintrags ein Wertäquivalent abgegeben wird, um es in das Eigentum zu überführen. Energieeintrag – zielgerichtet oder stochastisch Für das Prinzip, dass durch Energieeinträge verschiedener Art Qualitätseigenschaften von (potenziellen) Wertobjekten so weit erhöht werden, dass von potenziellen Käufern in diesen neuen Qualitätseigenschaften Bezugspunkte für Wertattribute erkannt werden, ist es nicht wichtig, ob die Energie gezielt eingesetzt wird oder ob es sich nur um 35 Erst die gesellschaftliche Einordnung des objektiv als vollzogen geltenden Energieeintrages … Das betrifft den Großteil der Wertverhältnisse. Bei Konzerten etc. wird der Energieeintrag nach dem ökonomischen Tauschakt vollzogen. Ob das Wertverhältnis mit dem Tausch beendet ist, wird von verschiedenen Faktoren bestimmt. Bei Erkrankung des Künstlers wird der Kunstliebhaber sein Geld zurückbekommen. Mit der Rückgabe des Geldes würde ein Wertverhältnis „auf Probe“ ohne Tausch beendet werden. 178 Lippert stochastische Prozesse handelt, bei denen zufällig einmal etwas „Gutes“ herauskommt. Es ist sogar völlig egal, wer oder was die Energie zur Qualitätsverbesserung einsetzt – Menschen, Maschinen oder die Natur. Wichtig für den ökonomischen Austausch ist das Ergebnis. Wertverhältnisse werden von den Menschen primär auf Ergebnisse bezogen. Die Erstellungs- / Bereitstellungsmechanismen müssen dabei notwendigerweise einbezogen werden in die Wertbetrachtungen. Die Kosten der Prozesse, mit denen Wertobjekte bereitgestellt werden („bereitstellen“ ist hier im umfassenden Sinne gemeint, d. h. inbegriffen ist das Erstellen) werden nicht 1:1 in den Werten der Wertverhältnisse abgebildet. Vielmehr wirken sie als Hilfsgrößen bei den Wertermittlungen, denn das Wichtigste für den Tausch sind nicht die Prozesse der Bereitstellung, sondern ist die Nützlichkeit der Ergebnisse. Ohne Frage ist beim zielgerichteten Energieeinsatz die Wahrscheinlichkeit für die Herstellung eines Zustandes, für den ein Äquivalent als Gegenleistung abgegeben wird, unvergleichlich höher als bei einem planlosen. Oder, anders formuliert, einen Prozess bewusst in der Art auszuführen, dass etwas Sinnvolles herauskommt, hat eine höhere Effizienz als ein Herumwerkeln mit dem Ziel, am Ende zu sehen, ob der Bearbeitungsvorgang sinnvoll war. Demnach wird sich ein zielgerichteter Weg im Durchschnitt durchsetzen. Wertverhältnisse können auf menschlicher Arbeit basieren, müssen es aber nicht An dieser Stelle soll noch einmal die Bedeutung der Arbeit bezüglich der Wertverhältnisse betrachtet werden. An keiner Stelle wird für den Aufbau von Wertverhältnissen zwingend ausgeführte menschliche Arbeit als Grundlage solcher Verhältnisse benötigt. Damit Menschen durch Arbeit geschaffene und andere Objekte tauschen, dass sie Abläufe und Ideen austauschen, kann nicht ohne menschliche Arbeit erklärt werden. Das gilt aber nur ganz allgemein, nicht für jeden ökonomischen Tauschvorgang. Entscheidend für den Tausch ist die Nützlichkeit der Tauschobjekte in Verbindung mit ihrer nicht freien Verfügbarkeit. Die notwendige Qualitätserhöhung, um nicht gut tauschbare Ausgangsstoffe und –produkte zu tauschbaren Wertobjekten zu formen, wird in sehr vielen Fällen durch menschliche Arbeit vorgenommen. Aber auch Maschinen erledigen die notwendige Qualitätserhöhung in vielen Teilschritten der Wertobjektbereitstellung. Ebenso kann das die Natur bewerkstelligen. Wichtig für die Wertverhältnisse ist der Nutzen der Resultate in Verbindung mit ihrer Verknappung. Die Verknappung kann darin begründet sein, dass bezahlte menschliche Arbeit für die Qualitätserhöhungsprozesse aufgewandt werden musste. Sie kann aber auch verursacht werden durch Eigentum an Grund und Boden und damit an Naturgütern. Von dem Ablauf, wie die konkrete Nützlichkeit der Wertobjekte zustande kam, und davon, um welche konkrete Nützlichkeit es sich handelt, wird beim Tausch abstrahiert. Das ist für den Tausch nicht wichtig. Wenn menschliche oder maschinelle Arbeit beteiligt war, dann ist u. a. wichtig, wie hoch der Aufwand dafür war, die Reproduktion und Erweiterung dieser Arbeiten zu gewährleisten. 179 zu thEsE 10: Wurde die Nützlichkeit durch die Natur generiert, dann kann das Ergebnis dieser natürlichen Prozesse in Verbindung mit gesellschaftlichen Regelungen und Prozessen dem Eigentum oder der Pacht von Individuen oder Unternehmen zugeordnet werden. In solchen Fällen kann nicht so sehr der Aufwand der Natur für die Generierung dieser Naturgüter das Kriterium für die Wertäquivalentforderungen sein. Vielmehr werden der Gewinnungsaufwand in Verbindung mit der Macht der Eigentümer sowie die Nachfrage nach diesen Naturgütern die Preisgestaltungen, und damit die Wertgrößen, regeln. Es fließen aber weitere Merkmale in die Wertgrößen solcher Naturgüter ein, wie die Gefährlichkeit der Gewinnung, die Qualität der Rohstoffe und gesellschaftliche Reglementierungen zum Umweltschutz (z. B. CO2-Zertifikate). Der Ablauf beim Aufbau eines Wertverhältnisses – eine Möglichkeit 1 Ein Wertverhältnis wird initiiert Eine Person oder eine Institution empfindet einen gegebenen Zustand Z1 im Umfeld oder im Inneren als unbefriedigend. Die Person oder die Institution sucht nach Möglichkeiten, diesen Zustand zu beenden und ihn in einen angenehmen Zustand Z2 zu überführen. Im Allgemeinen ist es notwendig, für solche Qualitätsänderungen von Zuständen Mittel zu erwerben oder selber zu erstellen. Wenn die Mittel, mit denen der gewünschte Zustandsübergang von Z1 nach Z2 vermutlich vollzogen werden kann, nicht selber erstellt werden können, dann müssen diese eingetauscht werden – wenn die Bedürfnisse nach Z2 hinreichend stark genug sind. 2 Ein Wertobjekt wird bereitgestellt Durch Analysen des Umfeldes, durch direkte Kontaktaufnahme usw. erfahren Personen oder Institutionen von den Wünschen, die in ihrem (nahen oder fernen) Umfeld geäußert werden. Wenn diese Personen oder Institutionen Möglichkeiten dazu sehen, werden sie versuchen, solche Wertobjekte auf den Markt zu bringen. Unter Einsatz von Energie in bestimmter Qualität und Quantität und unter Hinzufügen von Rohstoffen, Bauteilen, Accessoires usw. (je nach Sinnfälligkeit) wird ein potenzielles Wertobjekt WOZ2 (stoffliches Objekt, Performance, Idee, Dienstleistung, bestimmter gestalteter Zustand des Umfeldes) geschaffen. Dieses soll aus Sicht eines möglichen Käufers den angestrebten Zustand Z2 repräsentieren (darstellen oder ermöglichen). Durch die Aufwendungen, die notwendig sind, um das potenzielle Wertobjekt WOZ2 zu erstellen, kann WOZ2 nicht frei verfügbar gemacht werden, sondern es wird an die Eigentumsrechte eines potenziellen Verkäufers gebunden sein. Die „Schöpfung“ des Wertobjektes kann bereits lange vor dem Aufbau eines Wertverhältnisses erfolgt sein. Doch in einigen Fällen wird die „Schöpfung“ erst während der aktiven Tausch-Phase oder sogar erst nach deren Beendigung36 erfolgen (Straßenmusiker bzw. Konzertmusiker). 36 Nach Beendigung der Tauschphase Wenn z. B. ein Theater-Liebhaber eine Theaterkarte kauft, dann wird mit der Übergabe von Karte und Geld das Wertverhältnis als beendet betrachtet. Das ist aber nicht der Fall. Wenn das Theaterstück nicht gefällt, war die Geldausgabe eine Fehlinvestition. Wenn aber durch Krankheit eines Hauptdarstellers die Vorstellung abgesagt werden muss, wird dem Kunden das Geld zurückerstattet. Mit anderen Worten: In besonderen Fällen wird ein Wertverhältnis nicht mit dem Tausch beendet. Die Übergabe von Karte und Geld kann dann als „Abschluss des Wertverhältnisses auf 180 Lippert Der Energieeinsatz usw. kann von Menschen, von Maschinen oder durch die Natur bewerkstelligt worden sein – je nach Art des (zunächst potenziellen) Wertobjektes. 3 Die Vorstellungen über den ökonomischen Austausch werden präzisiert Potenzielle Wertobjekte WOZ2a, WOZ2b usw. werden vom potenziellen Käufer als mögliche Wertobjekte erfasst. Der potenzielle Käufer baut zunächst gewichtete Bedürfnisse zu diesen auf und hebt dann eines davon hervor, indem er sein gewichtetes Bedürfnis nach diesem Wertobjekt zu einer gewichteten Beziehungsstärke anhebt. Er akzeptiert dabei im Großen und Ganzen den als Wert attribut mit dem möglichen Wertobjekt verknüpften Anspruch der Verkäuferseite auf Existenzmittel und Mehrwert. Das wiederum bedeutet, dass der mögliche Käufer ein derart starkes Interesse an dem wahrscheinlichen Wertobjekt zeigt, dass er für dessen Erwerb eine Gegenleistung erbringen würde. Ein Käufer kann aber ohne Frage gewichtete Beziehungsstärken gleichzeitig zu mehreren Wertobjekten aufbauen. 4 Die Wertgröße des Wertattributes des Wertobjektes wird ausgehandelt Käufer und Verkäufer handeln über das ökonomische Wertattribut, das mit dem möglichen Wertobjekt verknüpft ist. Ziel ist es, den Existenzmittelumfang, den die Verkäuferseite für ihr mögliches Wertobjekt reklamiert, zu präzisieren. Dieser Existenzmittelumfang plus der erwartete Mehrwert entsprechen der Wertgröße des Wertattributs, das die Verkäuferseite mit dem potenziellen Wertobjekt verknüpft. Es handelt sich dabei um einen Erwartungswert. Für die Abgabe des Wertobjekts würde die Verkäuferseite – forciert dadurch, dass sie mit der Käuferseite handelt – möglicherweise eine davon abweichende, geringere Gegenleistung akzeptieren. Indem Käufer und Verkäufer eine gemeinsame Wertgröße anstreben, verlassen sie ihre ideellen Wertvorstellungsbereiche. Die „gemeinsame Wertgröße“ geht über die ideellen und individuellen Wertvorstellungen von Käufer und Verkäufer hinaus, selbst wenn sich die Käuferseite einseitig anpasst (Warenhaus). Die gemeinsame, d. h. die ausgehandelte oder akzeptierte, Wertgröße wird auf der gesellschaftlichen Ebene erfasst. Belege dafür sind u. a. die Rechnung und die Mehrwertsteuer. Diese Wertgröße wird ebenfalls genutzt, wenn mit Dritten über den Tausch gesprochen wird oder Dritte über den Tausch / die Tauschmöglichkeit miteinander sprechen. Dieser gemeinsame Wert ist ein objektiver Anteil an dem Wertverhältnis. Das Eigentumsrecht an WOZ2 könnte bei einer Institution (hierunter sollen alle Firmen, Institute, Genossenschaften, Gesellschaften usw. erfasst werden, die eigenverantwortlich Wertbeziehungen aufbauen können), bei einer einzelnen Person oder beim Staat liegen. 5 Wertobjekt und Wertäquivalent werden im Fall einer Einigung getauscht Die ausgehandelte Wertgröße wirkt bei Käufer und Verkäufer jeweils als gewichtete Beziehungsstärke zum Wertobjekt bzw. Wertäquivalent. Das Wertobjekt befindet sich im Eigentum des Verkäufers, das Wertäquivalent im Eigentum des Käufers. Ein Tausch im ökonomischen Sinn muss auf der gesellschaftlichen Ebene erfolgen, denn dort wird Eigentum gegen Eigentum getauscht, und Eigentum ist eine gesellschaftliche Erscheinung, die es nur auf der gesellschaftlichen Ebene gibt. Folglich Probe“ gesehen werden. Dieser „Fast-Abschluss“ kann in besonderen Fällen auf der gesellschaftlichen Ebene als unwirksam gelten. 181 zu thEsE 10: müssen Käufer und Verkäufer ihre ideellen gewichteten Beziehungsstärken umlenken auf die gesellschaftliche Ebene: Eigentum in Werthöhe der ausgehandelten Wertgröße wird getauscht gegen Eigentum in Werthöhe der ausgehandelten, also gleichgroßen, Wertgröße. Das ist ein gesellschaftlicher Vorgang. Aus den gewichteten Beziehungsstärken, welche auf die Tauschobjekte gerichtet sind, werden über Bewusstseinsprozesse Kräfte abgeleitet, die wiederum auf die Tauschobjekte in der abstrakten Form als Eigentum gerichtet werden. Diese Kräfte bewirken auf der gesellschaftlichen Ebene den Tausch Eigentum gegen Eigentum. Sie werden in diesem Buch als Wirkungsvektoren dargestellt. Auf der gesellschaftlichen Ebene wird von der konkreten Form von zuvor ausgeführten Arbeiten usw. abstrahiert. Es bleibt nur das „Residuum Wert“ im ökonomischen Sinne. Doch diese Abstraktion wurde nicht in der Art ausgeführt, dass die relative Nützlichkeit der Tauschobjekte verschwand. Sie bleibt erhalten – das ist sichtbar am Preis: Der Preis wirkt, wenn der Käufer eine ideelle gewichtete Beziehungsstärke zum Wertobjekt herausbildet und der gleiche Preis wirkt auf der gesellschaftlichen Ebene, wenn das Wertobjekt als Eigentum verkauft wird. Nur die konkreten Formen etc., die zur relativen Nützlichkeit von Wertobjekt und Wertäquivalent führen, sind nicht wichtig auf der gesellschaftlichen Ebene. Über die Wirkungsvektoren tauschen Käufer und Verkäufer Wertobjekt gegen Wertäquivalent. Treibend bleiben dabei die gewichteten Beziehungsstärken auf die Tauschobjekte. Für die Gesellschaft spürbar sind aber nur deren Reflexionen als Wirkungsvektoren auf der gesellschaftlichen Ebene. Denn die individuellen Vorstellungen von Käufer und Verkäufer können nicht direkt auf der gesellschaftlichen Ebene erfasst werden, sondern nur deren Auswirkungen als Tausch von Eigentum gegen Eigentum. Der ökonomische Austausch führt beim Käufer zum Zustand Z2‘. Z2‘ kann mit dem zuvor gedachten Zustand Z2 übereinstimmen oder mehr oder weniger davon abweichen, da der Käufer nicht unbedingt alles Relevante im Zusammenhang mit dem Wertobjekt WOZ2 vor dem Kauf erfasst hat. Der potenzielle Käufer wird mit dem Tausch zum Käufer und Tauschpartner. Der potenzielle Verkäufer wird zum Verkäufer und Tauschpartner. Das potenzielle Wertobjekt, das für den Käufer Z2 repräsentiert, wird zum ökonomisch relevanten Wertobjekt, mit dem ein bestimmter Wertbetrag als Wertattribut verknüpft wird. Der Wertbetrag des mit dem Wertobjekt verknüpften Wertattributs ist gleich hoch dem Wertbetrag des Wertattributes, das verknüpft ist mit dem für das Wertobjekt gebotenen Äquivalent. 6 Das Wertverhältnis wird aufgehoben Nach dem erfolgten Tausch ist das gesellschaftliche Verhältnis Wert aufgehoben. Die Wertobjekte sind ausgetauscht und verbleiben als einfache Objekte, Abläufe oder Ideen beim Gegenüber. Würden diese Objekte usw. für andere Menschen wieder sichtbar gemacht werden als ökonomisch eintauschbar, dann würden sie wieder zu potenziellen Wertobjekten gewandelt werden – wie sie es vor dem Tausch waren. Üblicherweise geschieht das mit einem anderen „Wertgehalt“, oder besser, mit einer anderen Höhe des damit verknüpften Anspruchs auf Existenzmittel. 182 Lippert Energiequellen, Steuerungs- sowie Lenkungsmechanismen37 für Zustandsveränderungen Die Herkunft der Energie zur Qualitätserhöhung eines Zustandes von Z1 (der Veränderung sucht) nach Z2 (der als erstrebenswert angesehen wird und für dessen Erlangung eine Gegenleistung erbracht werden würde) und die Mechanismen, mit denen die verschiedenen Energieeinträge gesteuert oder beeinflusst werden, spielen nach der obigen Darstellung für die zum Aufbau eines Wertverhältnisses notwendigen Prozesse keine Rolle. Deswegen können auch natürliche Vorgänge die Qualität von z. B. Stoffen so erhöhen oder chemische Elemente derartig verändern, dass die Ergebnisse solcher Veränderungen dem ökonomischen Austausch unterworfen werden. Ohne Frage unterliegen Objekte, für die die Natur die notwendigen Energieeinträge zu derartigen Umgestaltungen liefert, dass die Ergebnisse menschlichen Bedürfnissen genügen, nicht notwendig dem ökonomischen Austausch. Der Grund dafür liegt aber weder in der Art und Form der aufgewandten Energie noch allein in der Art und Form der Ergebnisse selbst (Vergleiche das klassische Wertparadoxon: „Das lebensnotwendige und somit ‚wertvolle‘ Gut Wasser hat meist einen geringen Preis, während ein Diamant mit einem geringeren Nutzen einen sehr hohen Preis hat.“ (erstmals von John Law erwähnt). Naturgüter und ökonomischer Austausch Objekte, insbesondere Naturprodukte, die menschliche Bedürfnisse befriedigen können, werden nicht notwendig dem ökonomischen Austausch unterworfen. Für die Einbeziehung solcher Objekte in die ökonomischen Austauschprozesse muss eine Triebkraft wirken. Diese fehlt aber in vielen Fällen, denn insbesondere viele Naturprodukte können in einem Wirtschaftsraum im gleichen oder größeren Umfang vorhanden sein als die darauf gerichteten Bedürfnisse (z.  B. Sauerstoff, Wasser und Sonnenlicht, die meisten chemischen Elemente usw.). Niemand würde auf die Idee kommen, zumindest nicht in der heutigen Zeit, für das Atmen von Sauerstoff zu bezahlen. Der Vergleich mit den Bedürfnissen muss dabei aber umfassend erfolgen38. Ein weiterer Grund dafür, warum ein Naturgut nicht in den ökonomischen Austausch einbezogen wird: Das angestrebte Naturgut kann zwar in geringerem Umfang vorliegen als die darauf gerichteten Bedürfnisse. Aber in vielen Fällen lässt sich diese „Mangelware“ nicht in Eigentum umwandeln. Das wird z. B. in Peking oder in Mexico City bei sauberer Luft der Fall sein und das gilt heutzutage insbesondere für Bodenschätze, die noch nicht profitabel gefördert werden können. In der heutigen Zeit wird aber bereits die Luft indirekt über Steuern, Zertifikate o. ä. als Wertobjekt gehandelt. 37 Lenkungsmechanismus Lenkung bzw. Steuerung im hier gemeinten Sinne wird vor allem als bewusste Beeinflussung durch die Menschen gesehen. Lenken bzw. Steuern im hier gemeinten Sinne wird aber auch darauf bezogen, dass Naturkräfte die Bewegungen und Änderungen beeinflussen. 38 Umfassend erfolgen Wird hier bezogen auf den Vergleich von Bedürfnissen und Bedürfnisbefriedigungsobjekten: Wenn z. B. in einem Gebiet mehr Pflaumen wachsen, als Interesse daran besteht, so bedeutet das nicht, dass die Pflaumen nicht dem ökonomischen Austausch unterworfen werden. Denn etliche Pflaumen gedeihen auf privaten Grundstücken und die Eigentümer werden die Pflaumen nicht ohne eine Gegenleistung abgeben wollen. Schließlich wächst diese Menge dort nur, weil permanent Voraussetzungen dafür geschaffen werden, was wiederum mit Kosten verbunden ist. 183 zu thEsE 10: Sonnenlicht wird zumindest in der heutigen Zeit nicht als Eigentum gehandelt. Wenn das Sonnenlicht aber zur Energiegewinnung genutzt wird, sind die Nutzungsmöglichkeiten dieser Energiequelle eingeschränkt durch die technischen Konstrukte, die zur Energiewandlung benötigt werden. Damit würde eine Verfügungsgewalt über die Naturgüter zum Tragen kommen, die in die Wertverhältnisse einbezogen wird. Naturgüter in die ökonomischen Austauschprozesse einzubeziehen wird erst dann ermöglicht, wenn der verfügbare Umfang dieser Objekte geringer ist als die darauf gerichteten Bedürfnisse und wenn zusätzlich die Möglichkeit gegeben ist, eine Verfügungsgewalt über diese Objekte zu sichern. Viele Naturgüter (z. B. bei Kupfer, Gold, Kohle, Erdöl, Wasser, Boden, Diamanten usw.) werden schon seit langer Zeit in den ökonomischen Bereich der Gesellschaft aufgenommen, weil diese Bedingungen bei ihnen gegeben sind. Die Verfügungsgewalt wird über Eigentums- oder Pachtregelungen realisiert. Die Firmen und Menschen, die diese Naturgüter benötigen, müssen das akzeptieren, denn sie werden die Bedürfnisse nicht ohne ökonomischen Austausch stillen können. Zwangsläufig müssen damit die Bedürfnisse nach solchen Naturgütern im ökonomischen Sinne gewichtet werden. Die Vereinnahmung von Naturgütern geschieht vom Wesen her nicht unbedingt aus einer Gier heraus. Was in diesem Bereich gerecht ist oder ungerecht gegenüber der Gesellschaft, kann sicherlich in Verbindung mit den herrschenden Auffassungen in der Gesellschaft über Eigentum und ebenso mit den realisierbaren Anteilen der Gesellschaft an den Naturschätzen herausgearbeitet werden. Aus meiner Sicht – das ist eine These – sollte es keinen Privatbesitz an Grund und Boden sowie an Naturschätzen geben. Die Länder sollten solche Naturgüter verpachten und einen angemessenen Anteil für das Allgemeinwohl von den Einnahmen, die damit erzielt werden, einbehalten. Es sollte aus Sicht des Autors auch niemand die Autorität haben, ein Stück der Erde zu verkaufen. Die Erde sollte niemandem gehören. Demzufolge sollte niemand das Recht dazu haben, davon Teile zu verkaufen. Die Länder, zu denen diese Gebiete gehören, sollten sie nur verpachten dürfen. Auch solch eine Vorgehensweise würde genügend Spielraum für unternehmerische Aktivitäten bieten – bei leicht gedrosselter Raffgier (Anm.: Das ist die Ansicht des Autors). Dass bestimmte Naturgüter dem ökonomischen Austausch unterworfen werden, ist ein Schutzmechanismus, um ineffizientes Verhalten (oder gar gesellschaftliche Destabilisierungen) zu vermeiden. Denn ein Bedürfnis kann Aktivitäten veranlassen, mit denen es gestillt wird. Für knappe Güter müssen deswegen gesellschaftliche Reglementierungen installiert werden, die für einen sorgsamen Umgang mit solchen Ressourcen sorgen sollen. Der ökonomische Austausch ist eine wichtige und sehr wirksame Reglementierung bei der Nutzung von Naturgütern. Wie die Verteilung knapper Naturgüter reglementiert wird, ob davon nur wenige oder die gesamte Gesellschaft profitieren, ist aber ein politisches Problem und keines der Ökonomie. Das Leistungsprinzip und Naturgüter Das wohl wichtigste Prinzip gesellschaftlicher Reglementierung im ökonomischen Sinne ist das Leistungsprinzip. Um das Leistungsprinzip auch bei der Verteilung der oben 184 Lippert genannten Naturgüter wirksam werden zu lassen, ist es notwendig, diese Naturgüter in die ökonomischen Austauschprozesse einzubeziehen. In der Praxis geschieht das. Indem solche Naturgüter in die ökonomischen Austauschprozesse einbezogen werden, gelangen sie in den „Existenzmittelumfang“ der Mitglieder der Gesellschaft. Damit gehen sie ein in die Werte der Arbeitskräfte und in der Folge notwendigerweise auch in die Werte der von diesen Arbeitskräften geschaffenen Wertobjekte. Die möglichen Anteile der Bürger an den zur Verfügung stehenden Naturgütern werden ausgerichtet an den Werten ihrer Arbeitskräfte und an politisch begründeten Anrechten auf Wertobjekte. Letzteres gilt z.B. für Bürger, die nicht selbst in der Lage sind, ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. Das sind vom Grundsatz her gerechte und humane Verteilungskriterien. Verknappung von und Mangel an Naturgütern Einige von der Natur geschaffene Objekte können folglich zu Wertobjekten gemacht werden und etliche sind es bereits. Welche das betrifft und welche Wertgrößen deren Wertattribute haben, wird sowohl durch die Gesellschaft als auch durch die Natur bestimmt. Dass von der Natur geschaffene Objekte durch die Menschen in die ökonomischen Prozesse als Wertobjekte einbezogen werden, liegt vor allem daran, dass die Natur diese Güter so gestaltet hat, dass sie vom Menschen als wertvoll und erstrebenswert wahrgenommen werden. Weiterhin müssen die zur Verfügung stehenden Technologien es den Menschen ermöglichen, diese Naturgüter für den Austausch handhabbar zu machen. Das gesellschaftliche Umfeld muss zusätzlich in der Art wirken, dass diese Naturgüter als Wertobjekte eingestuft und damit dem ökonomischen Austausch unterworfen werden. In der DDR z. B. hatten die Naturgüter als solche „keinen Wert“. Das wurde damit begründet, dass keine menschliche Arbeit darin enthalten ist. Es gab kein Privateigentum an Naturgütern wie Kohle, Erzen usw. Das bedeutet, wenn Naturgüter als solche in die ökonomischen Austauschprozesse einbezogen werden, dann liegt das nicht an den Eigenschaften der Naturgüter, sondern es sind politische Festlegungen, die das bewirken. Wenn die Menschen z. B. Wasser aus Brunnen schöpfen und dafür keine Abgaben leisten müssen, dann führen die gesellschaftlichen Bedingungen nicht zur Notwendigkeit des ökonomischen Austauschs dieses Wassers. Die Kosten für die Instandhaltung der Brunnen können in diesem Beispiel vernachlässigt werden, weil die Mitglieder der Gemeinschaft im Bedarfsfall selbst den Brunnen reinigen und reparieren, ohne dafür Gegenleistungen zu erwarten. Wenn aber ein Investor veranlasst, dass eine starke Pumpe das gleiche Wasser durch Wasserleitungen presst und der Brunnen dadurch versiegt, dann wird das Wasser automatisch verknappt. Für den kostenfreien Bezug von Wasser wären die Voraussetzungen nicht mehr gegeben. Denn durch den Einsatz von Arbeitskraft, Energie, Material, Pflegeaufwand usw., um das Wasser bereitzustellen und damit Gewinn zu erzielen, wird dieses Wasser aus der freien Verfügbarkeit herausgenommen. Das gilt sogar für den Fall, dass keinerlei Qualitätserhöhung an dem Wasser vorgenommen werden würde, und ebenso, wenn weiterhin alle Bedürfnisse nach diesem Wasser befriedigt werden könnten. Durch die Leitungen würde dann zwar eine genügende Wassermenge für einen üblichen Bedarf fließen. Aber dieses Wasser wäre u. a. aus den eben genannten 185 zu thEsE 10: Gründen nicht mehr frei verfügbar: Die knappe Ressource „bezahlte Arbeitskraft“ würde in die Aktivitäten-Kette, mit der das Wasser bereitgestellt wird, einbezogen. Beim Gold ist dieser Effekt noch deutlicher sichtbar. Gold wird in vielen gesellschaftlichen Bereichen benötigt (für technische Produkte und Produktionseinrichtungen, die Schmuckindustrie und den Finanzbereich usw.). Mit den Gewinnungskosten allein kann der Goldpreis nicht erklärt werden. Es kommen verteilungs- und nutzungsspezifische sowie spekulative Anteile hinzu. Generell genutzt wurden und werden die Naturstoffe in allen stofflichen Wertobjekten und damit in fast allen ökonomischen Austauschprozessen. Selbst ein sogenannter „Kunststoff “ ist kein durch Menschen aus dem Nichts geschaffener Stoff, sondern ein bearbeitetes und verändertes Naturprodukt. Wertanteile, die sich auf Naturgüter beziehen, sind folglich überall enthalten. Wertbildung erfolgt immer durch die und in der Gesellschaft Die Wertbildung erfolgt immer durch die menschliche Gesellschaft und in dieser, denn der Wert im ökonomischen Sinne ist an das menschliche Bewusstsein gekoppelt. Das betrifft aber nur die Wertverhältnisse zwischen den Menschen und nicht die Bezugspunkte für die Verhältnisse. Die Ursachen für Wertverhältnisse sind Zustände mit Qualitäten, die als nicht hinreichend eingeschätzt werden. Ob die dazu gewünschten Qualitätsveränderungen mittels menschlicher oder maschineller Arbeit oder durch die „Arbeit“ der Natur erreicht werden, ist vom Prinzip her nicht wichtig für die darauf gerichteten gesellschaftlichen Verhältnisse. Die Voraussetzungen für den Aufbau von Wertbeziehungen können demzufolge die Menschen schaffen, ebenso die Natur oder Maschinen. Wichtig für die Menschen wird sein, ob die Ergebnisse der Qualitätserhöhungsprozesse dem ökonomischen Austausch unterliegen. Bei Qualitätserhöhungsprozessen mittels menschlicher oder maschineller Arbeit wird das immer der Fall sein. Denn selbst wenn, absolut gesehen, genügend Endprodukte einer Art für alle Menschen produziert werden sollten, so müssen doch die Arbeitskräfte sowie Wartung / Reparatur / Updates / Ersatz der Maschinen bezahlt werden. D. h. auch wenn genügend Endprodukte hergestellt würden, kann solch eine Situation nur damit herbeigeführt werden, dass knappe Ressourcen, die dem ökonomischen Austausch unterliegen, dafür eingesetzt werden. Hinzu kommen die angestrebten Mehrwerte der Bereitstellungsseite solcher Objekte. So gelangen solche Wertobjekte in für uns vorstellbaren Zeiträumen immer in den ökonomischen Austausch. Bei Naturprodukten ist die Situation etwas anders. Wenn die „Endergebnisse der natürlichen Arbeit“ im Ereignisfeld in einem als hinreichend erkannten Maß von allen Interessierten ohne Tausch gewonnen und genutzt werden können, dann werden diese Naturprodukte nicht in den ökonomischen Austausch einbezogen. Das ist überall bei der Luft der Fall und in einigen Fällen beim Wasser. Lokal begrenzt und in kleinerem Umfang könnte das auch für Beeren, Pilze und Kräuter gelten. Mit einer Verknappung aufgrund von Eigentumsrechten an solchen Naturgütern würden diese aber sozusagen zwangsweise in die ökonomischen Prozesse einbezogen. Dass Naturgüter in die ökonomischen Austauschprozesse einbezogen werden, ist keine 186 Lippert „natürliche“ Folgereaktion aus einer Nützlichkeit oder aus Bedürfnissen heraus, sondern ist gesellschaftlich bedingt. Ein weiterer Grund für die Einbeziehung von bestimmten Naturgütern in die Austauschprozesse ist die praktische Verfügungsgewalt über diese. Das trifft z. B. auf die Pilz- und Blaubeersammler zu, die am Straßenrand ihre Produkte anbieten. Zwar könnten die Käufer dieser Produkte selbst in den Wald gehen und sammeln. Aber in hinreichend vielen Fällen wollen sie das nicht tun – aus Zeitgründen, weil sie sich nicht gut mit den Naturprodukten auskennen oder einfach aus Bequemlichkeit. So entsteht Bedarf nach dem ökonomischen Tausch solcher Güter. Dass es bei solchen Tauschvorgängen nicht nur um vergegenständlichte Arbeit(sleistung) geht, kann u. a. anhand der unterschiedlichen Preise bei unterschiedlichen Qualitäten der Roh-Produkte und anhand der unterschiedlichen Preise zu unterschiedlichen Zeiten verdeutlicht werden. Mit solchen Naturgütern verknüpfen die Verkäufer Wertattribute, die „notwendigerweise“ unterschiedlich ausfallen müssen für verschiedene Umweltbedingungen, Klimazonen, Jahreszeiten usw. Die Natur schafft notwendige Voraussetzung für Wertbeziehungen mit Die Natur kann zwar kein Wertverhältnis etablieren, aber die Voraussetzungen für Wertverhältnisse kann sie sehr wohl schaffen, indem sie natürliche (zunächst potenzielle) Wertobjekte hervorbringt („Zuliefererzeugnisse“ oder sogar „Endprodukte“). Letztendlich gilt das ebenso für jede Ware nach der Marx’schen Arbeitswerttheorie, denn die Nützlichkeit einer Ware ist bei Marx an Vergegenständlichung gebunden. Diese Vergegenständlichung wiederum ist an Naturstoffe gebunden. Ohne die Vorleistung der Natur könnte auch bei Marx nichts vergegenständlicht werden. Selbst die sogenannten Kunststoffe (die Marx wohl noch nicht kannte) werden aus Naturgütern gewonnen. So kann mit einem Produkt, das aus hochwertigen Naturgütern hergestellt wurde, z. B. aus besonders hochwertigem Quarzglas, ein höherer Gewinn erzielt werden als mit einem, das aus einem minderwertigen Naturmaterial produziert wurde. Die in diesen vergleichbaren Produkten vergegenständlichte Arbeit könnte völlig gleich sein. Die zu den Endprodukten herausgebildeten Wertattribute werden mit hoher Wahrscheinlichkeit unterschiedlich sein, nur bedingt durch die unterschiedliche „Verarbeitung“ durch die Natur. Bei Früchten sieht das ganz genauso aus. Wertbeziehungen – bezogen auf Naturgüter wegen praktischer Verknappung Einige Naturstoffe können ohne weitere Bearbeitung vom Menschen genutzt werden. Das ist z. B. in einigen Fällen beim Wasser der Fall. Doch selbst wenn die Nutzung von Naturstoffen ohne weitere menschliche Arbeit möglich ist, können diese guten Eigenschaften der Stoffe nicht immer praktisch in großem Umfang genutzt werden. Beim Sauerstoff ist das noch machbar, doch ist z. B. ein Großteil der guten Wasserquellen zu klein, um für viele Menschen ausreichend Wasser zu bieten. Selbst wenn das Wasser in riesigen Mengen sprudeln würde – wenn alle Menschen einer Großstadt sich das an der hypothetischen Quelle frei verfügbare Wasser holen wollten, wäre das praktisch nicht durchführbar. Letztendlich ist in unseren Breiten ohnehin genug Wasser für alle Menschen vorhanden, trotzdem können die Menschen in praktisch allen Ortschaften in diesem Land ihr Wasser nur aus nicht frei verfügbaren Quellen gewinnen. Die schlechte 187 zu thEsE 10: Erreichbarkeit für Menschenmassen ist aber auch bei anderen Naturstoffen und Naturprodukten, wie z. B. bei vielen Früchten, gegeben. Daraus folgt „automatisch“ die Einbeziehung solcher Ressourcen in die ökonomischen Prozesse durch die praktisch existierende Verknappung. Beim Wasser kann sicherlich in den Fällen, wenn Wasserbetriebe Großstädte versorgen, der Eindruck erweckt werden, dass der Preis dafür nur gezahlt wird, weil die Unternehmen das Wasser aufbereiten und bereitstellen, aber nicht für das Wasser selbst. Das stimmt vielleicht in einigen Fällen, trifft aber mit Sicherheit nicht auf alle Wasserverkäufe zu. An bestimmten Heilquellen wird von den Wasseranbietern deutlicher zum Ausdruck gebracht, dass das Wasser selbst als Wertobjekt gehandelt wird, sobald die Bezugsmöglichkeiten durch Verknappung eingeschränkt sind. In vielen anderen Fällen, beim Gold und anderen Edelmetallen, bei seltenen Erden, bei Früchten usw. wird der Wertobjektcharakter dieser Naturgüter noch deutlicher gezeigt. In solchen Fällen sind Naturgüter nur sehr selten frei verfügbar. Damit wirken Eigentums- oder zumindest Verfügungsrechte in Verbindung mit der Nützlichkeit dieser Objekte. Naturgüter und Eigentum Die Grundlage für ihren Beitrag zum Wert im ökonomischen Sinne legt die Natur mit ihrer eigenen Aufbereitung von Naturstoffen. Die Natur bereitet einige Naturgüter in der Art auf, dass die Menschen die Resultate dieser Naturkräfte bewusst nutzen wollen, und das in dem Maße, dass sich einige Menschen solche Naturgüter aneignen, um sie ökonomisch auszutauschen. Dass bestimmte Naturgüter dem ökonomischen Austausch unterworfen werden, hat gesellschaftliche Ursachen, die im Eigentum oder in der Verfügungsgewalt über Naturgüter und in gesellschaftspolitischen Anschauungen liegen. Ohne Eigentum bzw. ohne Verfügungsgewalt oder auch unter gesellschaftspolitischen Anschauungen, nach denen Naturgüter als solche nicht als Waren gehandelt werden können, könnte niemand eine Gegenleistung im ökonomischen Sinne für die Abgabe von Naturgütern als solche fordern. Das eben Gesagte hat jedoch nichts mit den Gewinnungskosten zu tun. Die fallen auf jeden Fall an, wenn Naturgüter genutzt werden. Ein Eigentümer, z. B. an Boden, kann ein Äquivalent im ökonomischen Sinne für die Abgabe von Naturgütern von seinem Boden verlangen. Das kann, je nach Vertrag und Gesetz, auch für Pächter gelten.  Ob diese gesellschaftliche Situation mit dem Eigentum an oder der Pacht von Naturressourcen durch Arbeitsleistung, Macht, Machtmissbrauch, Betrug usw. zustande kam, spielt keine Rolle. Das Verfügungsrecht über nachgefragte begrenzte Ressourcen ist entscheidend. In Fällen, in denen ein Eigentümer imstande ist, für die Abgabe von Naturgütern Äquivalente zu fordern, kann jedoch nicht davon gesprochen werden, dass der damit verknüpfte Anspruch auf Existenzmittel auf dem Wert seiner Arbeitskraft beruht. Vielmehr wirkt hier eher ein „Wert der Eigentümerkraft“ im Sinne einer „Verknappungskraft“. 188 Lippert Eigentum ist geknüpft an und verbunden mit Verknappung. Ist der Staat der Eigentümer von Grund und Bodens, dann kann er Äquivalente für bestimmte, mit diesem Grund und Boden verbundenen Naturschätzen fordern. Sind Privatpersonen die Eigentümer, dann können sie sicherlich jeweils für sich selbst Äquivalente fordern. Der Staat wiederum sollte dann aber von den Privatpersonen Steuern oder Ähnliches bekommen – je nach „Wertgehalt“ der im jeweiligen Eigentum befindlichen Naturgüter. Sowohl Güter, die durch Arbeitsleistung, als auch Güter, die durch Eigentum an Ressourcen dem ökonomischen Austausch unterworfen werden, haben mit Verknappung zu tun. Denn ohne Verknappung der Wertobjekte würden keine Wertverhältnisse bezüglich solcher Güter aufgebaut werden. Veranschaulichen lässt sich das mit einer fiktiven sehr fleißigen Person, die unter großem Einsatz Trinkwasser in einen Vorratsbehälter füllt. Aus diesem Behälter soll das Trinkwasser von interessierten Bürgern gegen Entgelt entnommen werden. Doch wenn dieser Vorratsbehälter neben einer Quelle aufgestellt würde, aus der immer reichlich gutes Trinkwasser sprudeln würde und von der jeder Interessierte unentgeltlich Wasser abfüllen könnte, wäre all die Müh‘ der wassertragenden Person ökonomisch sinnlos, denn es läge keine Verknappung vor. Praktisch probiert wurde so etwas von einem „pfiffigen“ Unternehmer, der in Deutschland mit kostenpflichtigen Fahrradparkplätzen Geld machen wollte, als die Zeit dafür noch nicht reif war (Leider hat sich der Autor Ort und Zeit dieser Aktion nicht gemerkt). Naturgüter – Eigentumsrechte und Verfügungsgewalt Naturgüter können, wie bereits erwähnt, auch ohne Eigentumsrechte in ökonomische Austauschprozesse einbezogen werden. Das geschieht dann sicherlich in kleinen Handlungsrahmen wie dem Suchen und Finden seltener Naturgüter. Bei den bereits erwähnten Pilz- und Blaubeersammlern erfolgt die Wertbildung nicht eigentumsbasiert, sondern die hervorgehobene Verfügungsgewalt über die ausgewählten Naturgüter ist ausschlaggebend für ihre Einbeziehung in ökonomische Austauschprozesse und damit in die Werte von Arbeitskräften. Praktisch jeder könnte eine solche Verfügungsgewalt „erwerben“. Aber nicht jeder an diesen Naturprodukten Interessierte wird dies tun. Dadurch werden die Ansprüche der zahlreichen Pilz- und Blaubeerverkäufer in hinreichendem Maße erfüllt, so dass sie immer wieder „ihre“ Naturprodukte anbieten können. Beim Verkauf von Naturprodukten wird aber nicht nur die Arbeitsleistung bezahlt, sondern es werden, wie bei den anderen Wertobjekten, bei diesen die Endergebnisse in den Bereitstellungsketten von entscheidender Bedeutung für darauf aufzubauende Wertverhältnisse sein. Erwähnt wurde das oben bereits im Zusammenhang mit Quarzglas. Hier zwei weitere vorstellbare Situationen: Ein Pilzsammler sammelt fleißig giftige Pilze. Seine Arbeitsleistung soll gleich sein der Arbeitsleistung eines anderen Pilzsammlers, der leckere und für den Verzehr geeignete Pilze sammelt und verkauft. Mit hoher Sicherheit wird der Sammler, der die essbaren Pilze verkauft, einen höheren Preis für die Pilze verlangen können. Oder an einer besonderen Stelle wachsen Früchte, wie z. B. Erdbeeren, zu einer unüblichen Zeit. Dann kann derjenige, der diese Früchte erntet und verkauft, einen 189 zu thEsE 10: Aufschlag auf den durchschnittlichen Preis dafür verlangen, obwohl sich seine Arbeitsleistung nicht von der eines zu üblichen Zeiten Sammelnden unterscheidet. Die Wertbildung durch die Natur – an den gesellschaftlichen Kontext gebunden Die Wertbildung durch die Natur ist keine mystische, außergesellschaftliche Erscheinung. Auch diese Art der Wertbildung ist voll und ganz durch den gesellschaftlichen Kontext determiniert, sie ist gebunden an die Gesamtheit der gesellschaftlichen Arbeits- und Austauschprozesse. Das betrifft sowohl deren „Eintritt“ in die gesellschaftlichen Verhältnisse über Macht, Eigentum bzw. Verfügungsgewalt und Verknappung (teilweise gesellschaftlich, teilweise technologisch bedingt) als auch deren Verteilung. Die Bewertung der Ergebnisse der Arbeit der Natur und deren Einbeziehung in die ökonomischen Prozesse ist – genau wie die Bewertung der Ergebnisse der menschlichen Arbeit und deren Einbeziehung in die ökonomischen Prozesse – ebenfalls an die gesellschaftlichen Verhältnisse und Prozesse geknüpft. Sie ist nicht denkbar oder ableitbar ohne die menschliche Arbeit im Allgemeinen und ohne den gesellschaftlichen Kontext. Naturgüter, Wertobjekte und Wertgrößen Bestimmend für die Bezugsanteile der Menschen an den durch „natürliche Arbeit“ entstandenen Produkten ist nicht und kann nicht sein die darin angehäufte „Arbeit der Natur“. Die „Arbeit“ der Natur schafft nur die Bezugspunkte für eine mögliche Wertbildung, und zwar im Sinne einer relativen Wertgröße im Vergleich zu anderen Wertobjekten. Die Verteilungskriterien kommen nicht aus der Natur, sondern werden durch die Gesellschaft bestimmt. Die Kriterien für die Verteilung der durch die Natur geschaffenen Wertobjekte sollten sein 1. die geleistete gesellschaftlich nützliche Arbeit (und die anderen gesellschaftlich akzeptierten Grundlagen für Ansprüche auf Wertobjekte) – als durchschnittliche Größen kristallisiert in den Werten der Arbeitskräfte. Die Werte der Arbeitskräfte stellen dabei nicht deren Ansprüche auf vergegenständlichte gesellschaftlich nützliche Arbeit dar, sondern deren Ansprüche auf Wertobjekte. Die Werte der Arbeitskräfte sollten die prozentualen Anteile der Arbeitskräfte an den ökonomisch zu verteilenden Gütern und, darin eingeschlossen, an ökonomisch zu verteilenden Naturgütern bestimmen. 2. die spezifischen Eigenschaften der Naturgüter, insbesondere ihre Nützlichkeit für die Menschen, ihre Erreichbarkeit, der Aufwand zu ihrer Gewinnung, die jeweilige Reinheit dieser Naturgüter, die Gefährlichkeit dieser Güter und die der Arbeitsbedingungen bei der Gewinnung, die Effizienz der Gewinnungsmethoden bei den verschiedenen Naturgütern usw. Diese Kriterien für die Verteilung von Naturgütern sollten deren Wertproportionen im Vergleich untereinander fassbar machen. Die Verteilung von Naturgütern, die dem ökonomischen Austausch unterliegen, ist völlig äquivalent zu den durch Menschen geschaffenen Produkten. Bei den durch Menschen geschaffenen und bereitgestellten Produkten sind es die Herstellungskosten, 190 Lippert die zu Ansprüchen auf Gegenleistungen führen. Was aber letztendlich beim Verkauf realisiert wird, basiert eben nur auf diesen Ansprüchen auf Gegenleistungen, muss diesen aber nicht 1:1 entsprechen. Wichtig für den Verkauf sind vor allem die Arbeitsergebnisse und deren Widerspiegelung in den Bewusstseinsprozessen der Käufer sowie weitere gesellschaftliche Größen. Der Wert ist bereitstellungs- und verteilungsbasiert. Er muss im Durchschnitt die Aufwendungen zur Bereitstellung der Wertobjekte (Entwicklung, Design, Produktion, Vertrieb usw.) notwendigerweise umfassen und zusätzlich für verschiedene Zwecke einen hinreichend großen Mehrwert einbeziehen. Naturgüter als Wertobjekte im gesamten Wertobjektumfang der Gesellschaft Würden zusätzlich zu den bereits vorhandenen Wertobjekten Naturgüter als solche dem ökonomischen Austausch unterworfen, würde damit der Umfang aller Wertobjekte erhöht werden. Die Werte der Arbeitskräfte würden weiterhin den prozentualen Anteil dieser am Gesamtumfang aller ökonomisch zu verteilenden Wertobjekte bestimmen. Nur der Umfang aller ökonomisch zu verteilenden Objekte, Handlungen und Ideen würde vergrößert werden. Andererseits werden immer einige Wertobjekte „ausrangiert“, weil sie nicht mehr zeitgemäß sind. Ob der Wertbetrag aller angebotenen Wertobjekte damit erhöht werden würde, hinge von weiteren Faktoren ab, insbesondere von den Geldemissionen durch die Banken und durch die EZB, allerdings nur, wenn diese sich auf die Löhne auswirken würden, d.h. wenn diese zusätzlichen Geldmittel in den Konsum-Geldkreislauf gelangen würden. Neben den Werten der Arbeitskräfte gibt es weitere, ebenfalls gesellschaftlich basierte Kriterien für Anrechte auf Wertobjekte. Von besonderer Bedeutung in diesem Zusammenhang ist das gesellschaftlich gesicherte Eigentum an Grund und Boden. Für die Einbeziehung von bestimmten Naturgütern in die ökonomischen Wertbeziehungen sind vor allem der Stand der technologischen Entwicklung, politische Auffassungen, Eigentum, Macht, die Wirtschaftspolitik und, daraus abgeleitet, die gesetzlichen Bestimmungen entscheidend. Die Werte der Arbeitskräfte Die Werte der Arbeitskräfte oder deren Anrechte auf Wertobjekte stellen vom Wesen her kein fixiertes Anrecht auf bestimmte Waren, Dienstleistungen und Naturgüter dar. Vielmehr handelt es sich um Anrechte auf prozentuale Anteile am Gesamtumfang aller zu verteilenden Wertobjekte (Bild 8). Würde man die herkömmliche Interpreta tion der Arbeitswerttheorie etwas erweitern, könnte formuliert werden, dass genau diese Anrechte in den von diesen Arbeitskräften hervorgebrachten (meist zunächst potenziellen) Waren – je nach Art – „vergegenständlicht“, „vergeistigt“ oder, z. B. bei künstlerischen Darbietungen, „vertätigt“ werden. Exakter gesagt: Diese Anrechte werden mit den Wertobjekten verknüpft. Damit kann die Einbeziehung von bestimmten Naturgütern als Wertobjekte in die ökonomischen Austauschprozesse deutlicher zum Ausdruck gebracht werden, denn bei Naturgütern wird eine solche Verknüpfung nicht direkt durch vergegenständlichende menschliche Arbeit geschaffen. 191 zu thEsE 10: Beim ökonomischen Tausch von Naturgütern über gesellschaftliche Wertverhältnisse gehen Anrechte auf solche Naturgüter „automatisch“ in die Werte der Arbeitskräfte ein, denn sie werden damit zu „Existenzmitteln“. Die Werte der Arbeitskräfte können nicht bezogen werden auf „Werte“ im herkömmlich interpretierten Sinn der Arbeitswerttheorie. Denn welche dieser Werte zu dem Zeitpunkt zur Verfügung stehen, an dem die Arbeitskräfte ihre Geldmittel ausgeben, ist zum Zeitpunkt ihrer Entlohnung überhaupt nicht festgelegt. Naturgüter und Wertumfang in der Gesellschaft Was in der Gesamtmenge aller zu verteilenden Waren, Dienstleistungen und bestimmten Naturgütern konkret enthalten ist und wie hoch der Wertausdruck all dessen ist, das hängt von vielfältigen gesellschaftlichen und natürlichen Faktoren ab (Bild 8). Erfolgt der ökonomische Austausch bestimmter weiterer durch die Natur geschaffener Objekte zusätzlich zu den bereits vorhandenen Wertobjekten, so müsste dafür zusätzliches Geld im relevanten Marktbereich emittiert werden oder das Wertattribut des dort emittierten Geldes müsste erhöht werden. Unter „Relevanter Marktbereich“ soll hier der Wirkungsbereich des zusätzlich in Umlauf gebrachten Geldes gesehen werden. Würde dieses zusätzliche Geld im Finanzmarktbereich generiert werden, dann würde dieses Geld nicht für die Konsumtion bei Verbrauchern und Unternehmen zur Verfügung stehen. Außerdem hat der Finanzmarktbereich schon jetzt ein Vielfaches an Umfang gegenüber der Realwirtschaft. Da unter diesen Bedingungen eine direkte Verbindung zur Realwirtschaft nicht gegeben wäre, müssten folglich einigen potenziellen Wertobjekten die Wandlungsmöglichkeiten zu Wertobjekten genommen werden, obwohl sie sonst ihre Käufer gefunden hätten. Oder mit einigen Wertobjekten könnte der Eigentümerwechsel nur auf niedrigerem Niveau vollzogen werden, d.h. einige Wertobjekte würden mit geringerer Werthöhe gehandelt werden. Das, was alternativ ebenfalls möglich wäre, nämlich die reale Höhe der Wertattribute der im Umlauf befindlichen Geldmittel anzuheben, erscheint eher unwahrscheinlich. Würden aber einige Wertobjekte ihre Nützlichkeit verlieren oder zu niedrigeren Preisen gehandelt werden, nur weil zusätzlich Naturgüter in den Wirtschaftskreislauf aufgenommen werden, dann würden sicherlich unnötig falsche Signale an die Hersteller der betroffenen Produkte gesendet werden. Ziel müsste sein, mehr Geld in Umlauf zu bringen. Doch dazu ist es notwendig, die Situation erst einmal eindeutig zu erfassen. Weitere Wertschöpfungsmöglichkeiten Genau wie durch die Natur können Qualitätserhöhungen, die zu Wertbeziehungen führen (sollen), durch Maschinen geschaffen werden. Das Prinzip der „Wertschöpfung“ bei Wertobjekten, die durch Maschinen hergestellt werden, und der Verteilung solcher Wertobjekte wird mit der Zeit immer mehr dem Prinzip der „Wertschöpfung“ durch die Natur und der Verteilung marktgehandelter Naturgüter angenähert. Übereinstimmen werden beide Verfahren zur „Wertschöpfung“, wenn die Maschinen völlig autark arbeiten werden, d.h. wenn diese sich selbst entwerfen, konstruieren, erstellen, reparieren und reproduzieren. Bis dahin gibt es aber bereits viele Ähnlichkeit bei den Vorgängen zur (potenziellen) Wertobjektbildung. Zurzeit betrifft die Ähnlichkeit nur den Teil der direkten Qualitätserhöhung durch die 192 Lippert Maschinen und auch diese Vorgänge sind noch stark an menschliche Arbeit geknüpft. Im Unterschied zur Natur müssen Menschen für die Maschinen in der jetzigen und in absehbarer Zeit ganz sicher viele Zuarbeiten leisten. Das trifft übrigens auf die Menschen als Arbeitskräfte auch voll zu: Kinder müssen großgezogen und erzogen werden, Arbeitskräfte müssen gebildet und für das Zusammenleben mit anderen Menschen trainiert werden. Die produktiv Tätigen erarbeiten sich mit dem Verkauf ihrer Arbeitskraft ein Anrecht auf einen bestimmten prozentualen Anteil am Gesamtumfang aller Wertobjekte. Der Gesamtumfang aller Wertobjekte wird durch die Arbeit der Maschinen erhöht. Das geschieht ohne direkte Einwirkung menschlicher Arbeitskräfte. Bei einer Grenzwertbetrachtung, die in einer fernen Zeit möglicherweise zutreffen könnte, würden die Maschinen sich selber entwerfen, herstellen, warten, erweitern usw. Dann hätten die Menschen gar keine Anteile mehr an dem, was die Maschinen an (zunächst nur potenziellen) Wertobjekten bearbeiten. Ohne Frage würde aber mit dem, was die Maschinen völlig autonom und nicht für den Eigenbedarf erarbeiten, der Gesamtumfang an allen ökonomisch zu verteilenden Gütern erhöht werden. Damit würde auch das, was die Arbeitskräfte mit ihren prozentualen Anrechten auf Wertobjekte kaufen könnten, erhöht werden (soweit die Maschinen das dann nicht anders entscheiden…). Auf absehbare Zeit werden menschliche Arbeitskräfte für die Maschinen weiterhin notwendige Zuarbeiten verrichten müssen: Maschinen müssen gewartet werden, müssen repariert, erweitert, mit Software-Korrekturen und -Updates versehen werden. Der Wertumfang plus Mehrwert der für diese Aufwendungen zuständigen Arbeitskräfte muss vom Gesamtwertumfang plus Mehrwert, der von den Maschinen generiert wird, subtrahiert werden, wenn ermittelt werden soll, welchen Wertanteil die Maschinen bewirken. Dazu kommen die „Maschinenkräftewerte“, d. h. die Existenzmittelumfänge der Maschinen. Zu diesen zählt alles, was zu deren Entwicklung, Inbetriebnahme, zum Betrieb, zur „Lebensverlängerung“, zu Korrekturen / Updates und zum Ersatz der Maschinen notwendig ist. Im Unterschied zu menschlichen Arbeitskräften muss für die Maschinen (zunächst?) nur das wirklich „absolut Überlebensnotwendige“ bezahlt werden, da sich Maschinen noch nicht vergnügen. Doch sogar deren „Beerdigung“ kostet Geld, und das jetzt schon – wie bei den Menschen. Für die Wertgrößen der nur von Maschinen hergestellten Wertobjekte würden aber nicht nur die Werte der „Maschinenkräfte“ relevant sein, äquivalent zu den Produkten, die hauptsächlich von Menschen bereitgestellt werden – bei ihnen bestimmen auch nicht nur die Werte der beteiligten Arbeitskräfte die Wertgrößen. Austausch auf Äquivalenzbasis in der Tierwelt Auch bei Tieren (bei Affen, Pinguinen, Krabben u. a.) ist ein Austausch ähnlich einem ökonomischen Austausch festgestellt worden. Bei ihnen wird hauptsächlich Freundschaft und Sex gegen diverse Objekte eingetauscht [23], [24]. Wenn man solche Fachtexte liest, kann die Vermutung aufkommen, dass die Menschen den ökonomischen Tausch Sex gegen andere Wertobjekte aus dem Tierreich beibehalten haben. Bei Tieren kann der Terminus „Eigentum“ ganz sicher gegen „Verfügungsgewalt über“ getauscht werden, da es in der Tierwelt keine gemeinschaftliche Schutzeinrichtung zur Sicherung der Zugehörigkeit von Objekten gibt, die für das Eigentum als gesellschaftliche Kate- 193 zu thEsE 10: gorie eine der Voraussetzungen ist. Ansätze für den „Wert einer Arbeitskraft“ sind in der Tierwelt ebenfalls nicht gegeben. Aber eine bestimmte Arbeitsleistung zur Bereitstellung von Tauschobjekten wird in der Tierwelt ebenso notwendig sein. Ob Tiere, um bestimmte Objekte erlangen zu können, die dafür notwendigen Aufwendungen vergleichen können, wäre eine Frage an die Verhaltensforscher. Ein weiteres Merkmal des Tauschs auf Äquivalenzbasis unter Tieren dürfte sein, dass der „Markt“ aus individuellen Tauschhandlungen besteht, für die es keine Hintergrundverbindungen gibt. Zu diesen fehlenden Hintergrundverbindungen könnten zählen, dass es keinen Arbeitskräftemarkt in Verbindung mit dem Verkauf von Arbeitskraft gibt, keinen gemeinsamen Wertmaßstab, keinen Rohstoffhandel, keine gesetzlichen Bestimmungen usw. Aber für den Tausch auf Äquivalenzbasis müsste es bereits gewichtete Beziehungsstärken zu den Tauschobjekten geben. Damit wäre verbunden, dass mit den Tauschobjekten Wertattribute verknüpft werden. Wichtige Vorstufen zu wirklichen Wertbeziehungen sind somit bereits in der Tierwelt entwickelt. Doch erst in der menschlichen Gesellschaft wird ein Austausch auf Äquivalenzbasis über Einzelbeziehungen hinaus wirksam. Erst hier werden die Tauschpartner ganz bewusst die Tauschobjekte im jeweiligen gesellschaftlichen Umfeld erfassen. Der Tausch wird erst in der menschlichen Gesellschaft durch eben diese abgesichert, während in der Tierwelt sicherlich nur das Recht des „Bosses“ und des Stärkeren gilt. Außerdem geschieht der ökonomische Austausch in der menschlichen Gesellschaft in völlig anderen Größenordnungen. Von wirklichen Wertbeziehungen ist das Tierreich weit entfernt. Das kann gar nicht anders sein. Wertattribute bei Naturgütern Der ökonomische Austausch von Naturgütern ist bei den Menschen an bereits bestehende produktionsbasierte ökonomische Austauschvorgänge geknüpft und stellt praktisch eine Ergänzung dieser dar. Bei Wertobjekten, die durch Maschinen geschaffen werden, zählen die notwendigen Aufwendungen für die maschinelle Produktfertigung als wichtige Kriterien für den Preis, d. h. die Aufwendungen bestimmen wesentlich die Wertattribute, die den mit den Maschinen geschaffenen Wertobjekten zugeordnet werden. Generierung der Wertattribute von Naturgütern – ein sehr komplexer Vorgang Bei Naturgütern erfolgt die Herausbildung von Wertattributen auf kompliziertere Art. So zählt der „Aufwand“, den die Natur zur Bereitstellung betreiben muss, bei den ökonomisch relevanten Naturgütern nur bedingt als Verteilungskriterium. Zwar kann ein langer Zeitraum, den die Natur benötigt, um ein bestimmtes Naturgut „fertigzustellen“, ein Kriterium für den verfügbaren Umfang dieses Naturgutes sein. Aber das ist eben nur ein „Kann“. Wichtiger dürften in solchen Fällen Gewinnungskriterien sein, d. h. wie günstig die Natur solche Güter für den Menschen „platziert“. Dennoch: Einen Zusammenhang zwischen dem von der Natur „betriebenen Aufwand“ und dem Preis kann es schon geben. Z. B. dürfte für die Natur der Aufwand, um Gold „herzustellen“, grö- ßer sein als der für die Generierung von Kohle. Verbunden ist dieser „Aufwand“ mit bestimmten Umfeldbedingungen, damit die Prozesse zur „Erstellung“ von Gold und Kohle wirken können. Durch das seltenere Auftreten solcher Bedingungen im notwen- 194 Lippert digen Zusammenspiel für die Generierung von Gold ist es in geringerem Umfang zu finden als Kohle. Generell kann solch ein Zusammenhang aber nicht postuliert werden, denn wenn die Ausgangsstoffe für das Einfachere fehlen oder zu stark verunreinigt sein sollten, könnte das Kompliziertere in größerem Umfang „produziert“ werden. Doch an welche Ressourcen die Menschen wie günstig herankommen, ist damit noch längst nicht festgelegt. Bei Naturstoffen sind die Bedingungen für die Festlegung von Wertattributen sehr komplex. Wie die einzelnen Einflussgrößen wirken, kann nicht in der Art erfasst werden, wie das bei menschlichen und maschinellen Arbeitsergebnissen bewerkstelligt wird. Hinzu kommt, dass die Bedeutung der verschiedenen Naturgüter für die Menschen völlig unterschiedlich ist. Das betrifft den Mengenbedarf an solchen Stoffen, deren Reinheit, wie viel Arbeit und Material in die Nachbehandlung gesteckt werden muss, welche schädlichen Nebenwirkungen mit der Gewinnung, der Verarbeitung und dem Gebrauch von solchen Naturgütern auftreten können, welche Substitutionsmöglichkeiten bestehen u. v. a. m. Praktisch wirkt ein Gemisch von sehr vielen Faktoren. Verteilungskriterium für zu verteilende Naturgüter – Werte der Arbeitskräfte Für die Verteilung von Wertobjekten, die von Maschinen oder von der Natur erstellt wurden, sind die Werte der Arbeitskräfte entscheidend. Denn die Werte der Arbeitskräfte bestimmen deren prozentuale Anrechte an allen ökonomisch zu verteilenden Wertobjekten. In den Gesamtumfang aller ökonomisch zu verteilenden Wertobjekte bringen die Menschen die durch ihre eigene menschliche Arbeit, die durch Maschinen sowie die durch die Natur erstellten bzw. hervorgebrachten Wertobjekte ein. Bezüglich der Masse der Naturgüter werden üblicherweise nicht die individuellen Arbeitskräfte die Bezieher sein. Es sind die Unternehmen, die als Tauschpartner im Sinne „großer“ und „zusammengesetzter“ Arbeitskräfte-Gemeinschaften auftreten. Wertumfang aller Wertobjekte, einschließlich der Naturgüter Der Umfang an auf Äquivalenzbasis zu verteilenden Wertobjekten wird erhöht, wenn der Umfang der maschinell und der durch die Natur erstellten Wertobjekte vergrößert wird. Damit wird folglich der Umfang der Wertobjekte erhöht, den die Arbeitenden (als Individuen und als Firmen) als Werte ihrer Arbeitskräfte mit ihrem prozentualen Anrecht an allen zu verteilenden Wertobjekten beziehen könnten. Die Wertproportionen der maschinell erstellten Wertobjekte werden vom Aufwand zur Herstellung, Wartung usw. der Maschinen mitbestimmt. Doch in der ferneren Zukunft, wenn die Maschinen sich selbst entwerfen, allein die Rohstoffe gewinnen, sich allein zusammenbauen, warten, pflegen, erweitern, aktualisieren usw., wenn also keine menschlichen Arbeitskräfte mehr in diese Prozesse involviert sein werden, dann entfallen viele dieser Kriterien. Eigentum an Grund und Boden dürfte aber auch dann noch eine Rolle bei der Verteilung von Wertobjekten spielen. Aus Sicht der Menschen mit ihren Wertverhältnissen dürften die maschinell erstellten (besser: bearbeiteten) Produkte dann wie Naturprodukte gehandelt werden. Bei den Naturgütern – wie gerade dargestellt – kann der Aufwand, den die Natur treiben musste, um solche Güter zu „produzieren“, nicht als dominierende Größe für die Gestaltung der Wertproportionen herangezogen werden. Dessen Einfluss ist zwar 195 zu thEsE 10: vorhanden, er wird aber sehr stark von weiteren natürlichen und gesellschaftlichen Faktoren überlagert. Ganz wichtige Rollen spielen in diesem Zusammenhang die Nützlichkeiten der verschiedenen Naturgüter sowie deren Gewinnungs- und Verarbeitungstechnologien, die den Menschen im Ereignisfeld zur Verfügung stehen. Da ein bedeutender Anteil der Naturgüter auch in der Zukunft nicht frei verfügbar sein wird, müssen wohl in der zukünftigen Welt, wie heute, Naturprodukte ökonomisch getauscht werden. Folglich werden auch in der Zukunft bestimmte Naturprodukte ihren Preis haben, der nicht allein von den Gewinnungskosten bestimmt wird. Weitere Verteilungskriterien für Wertobjekte Kriterien zur Verteilung von Wertobjekten sind hauptsächlich die Werte der Arbeitskräfte, die durch weitere ergänzt werden. Andere wichtige Verteilungskriterien sind das Eigentum und Ansprüche aufgrund in der Vergangenheit geleisteter Arbeit. Die ehemaligen Arbeitskräfte haben einst von ihrem Einkommen in ihre eigene Zukunft investiert und Beiträge in die Rentenversicherung eingezahlt. Die aktuell ausgezahlten Rentenbezüge stellen ebenfalls Anrechte auf zu verteilende Wertobjekte dar. Politisch begründete Anrechte auf Wertobjekte gehören zu den Anrechten, die nicht auf Arbeitsleistungen basieren. Sie sind vorrangig sozial basiert und werden vor allem an den vorherrschenden sozialen Ansichten in der Gesellschaft orientiert. Dazu zählen Zuwendungen für Kinder, Lehrlings- und Praktikantenentgelte, Zuwendungen für Asylsuchende sowie Leistungen für Behinderte und für Langzeitarbeitslose. Der Umfang dieses Anrechtsbereiches kann als Kriterium für den sozialen Charakter einer Gesellschaft gesehen werden.

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References

Zusammenfassung

Der Zusammenbruch der UdSSR um 1990 markierte nach allgemeiner Auffassung auch den Triumph der freiheitlichen Wirtschaftsordnung über das sozialistische Planwirtschaftsmodell. Die genauen Gründe hierfür sind nicht leicht auszumachen. Allein die Fülle an unterschiedlichen Theorien zur Erklärung des sowjetischen Zerfalls legt den Schluss nahe, dass es ein komplexes Zusammenspiel mannigfaltiger Faktoren war, die den kommunistischen Gedanken als eine praktische Wirklichkeit nicht überdauern ließ. Rainer Lippert fügt der wissenschaftlichen Diskussion einen weiteren, wertvollen Ansatz hinzu. Seine neue und zeitgemäße Überarbeitung der weltberühmten Theorie erweitert Marx’ klassischen Arbeitswertbegriff und beweist, dass dieser nur ein Spezialfall eines viel allgemeineren Wertbegriffes ist. Durch Lipperts Erweiterung der Marx'schen Arbeitswerttheorie lässt sich nicht nur der entscheidende Konstruktionsfehler planwirtschaftlicher Modelle benennen: Aus dem Überführen der Marx’schen Grundprämisse in eine allgemein lebenswirklichere Form gelingt ihm auch in schlüssiger Weise die zentrale Argumentation für die freie Marktwirtschaft.