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Zu These 8: Der Marx‘sche Wertbegriff beschreibt in etwa einen Spezialfall eines allgemeinen Arbeitswertbegriffes. Seine Ableitung entsprach dem fortgeschrittensten Erkenntnisstand des 19. Jahrhunderts, ist aber zur Steuerung von ökonomischen Prozessen und Verhältnis in:

Rainer Lippert

Mit Marx zur Marktwirtschaft?, page 141 - 156

Eine Neuerung der Marx’schen Arbeitswerttheorie

3. Edition 2017, ISBN print: 978-3-8288-3917-5, ISBN online: 978-3-8288-6667-6, https://doi.org/10.5771/9783828866676-141

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Wirtschaftswissenschaften, vol. 82

Tectum, Baden-Baden
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141 zu thEsE 8: Zu These 8: Der Marx‘sche Wertbegriff beschreibt in etwa einen Spezialfall eines allgemeinen Arbeitswertbegriffes. Seine Ableitung entsprach dem fortgeschrittensten Erkenntnisstand des 19. Jahrhunderts, ist aber zur Steuerung von ökonomischen Prozessen und Verhältnissen nicht hinreichend realitätsabbildend. Der Marx‘sche Arbeitswertbegriff (dessen Grundgedanken ursprünglich wohl von D. Ricardo stammen, von Marx aber überarbeitet wurden) entsprach ohne Frage in der damaligen Zeit den Anforderungen, die an einen nicht idealistischen Wertbegriff als ökonomische Kategorie gestellt wurden. Mit der Marx‘schen Arbeitswerttheorie werden die wesentlichen ökonomischen Gesetzmäßigkeiten in den unterschiedlichen Wirtschaftsformen auf Basis einer nicht idealistischen und nicht religiösen Weltanschauung erklärt. Der Marx’schen Wertbegriff – ein Wertbegriff mit Einschränkungen Insgesamt jedoch entspricht der Wertbegriff in der bei Marx gegebenen Form nicht den Erfordernissen, die an die ökonomische Kategorie Wert zur Planung und Steuerung von Wirtschaftsprozessen gestellt werden müssen. Der Grund liegt vor allem in der vorgenommenen Abstraktion. Notwendig wäre ein Wertbegriff, der für alle ökonomischen Bewegungen in der Gesellschaft verwendet werden kann. Insbesondere die Bewertung der Nützlichkeit, der Naturressourcen sowie der sogenannten „nicht-produktiven“ Arbeit muss in der heutigen Zeit unter anderen Aspekten als zur Zeit der Entstehung des „Kapitals“ gesehen werden. Mögliche Gedankengänge zur Entstehung des Arbeitswertbegriffs Die Gedankengänge, mit denen Marx in seiner Zeit zum Wertbegriff gelangte, waren m. E. folgende: - Die Unabhängigkeit des Wertes vom Willen muss dargestellt sein, denn ob jemand will, dass eine Ware Wert hat oder nicht, scheint nicht entscheidend darüber zu sein, ob diese wirklich Wert hat oder nicht. - Die Wertschöpfung muss durch die menschliche Arbeit erklärt werden, da es beim Tausch auf Wertbasis hauptsächlich um die mittels Arbeit geschaffenen Arbeitsprodukte, die Waren, geht. 142 Lippert - Der Wert muss, da er nicht dem Willen und damit offensichtlich nicht dem Bewusstsein entspringt, außerhalb des Bewusstseins zu finden sein. - Wenn der Wert außerhalb des Bewusstseins zu finden ist, dann kann er notwendigerweise nicht ideeller Art sein. - Wenn der Wert nicht ideeller Art ist und außerhalb des Bewusstseins existiert, dann kann er nur stofflicher Natur sein. - Wenn der Wert stofflicher Natur ist, außerhalb des Bewusstseins existiert und durch menschliche Arbeit geschaffen wird, dann kann der Wert nur vergegenständlichte menschliche Arbeit sein, die Marx als abstrakte Arbeit in den Werten untergebracht sah. So wird zumindest seine Werttheorie üblicherweise interpretiert. Arbeitswertbegriff - detaillierter dargestellte Einschränkungen Mit einem Wertbegriff, der auf solchen Gedankengängen basiert, können nur vom Menschen bearbeitete Gegenstände erfasst werden, aber keine z. B. in vollautomatisierten Produktionsanlagen erstellten bzw. bearbeiteten, keine Naturgüter als solche und ebenso keine nicht-stofflichen, aber auf Wertäquivalenzbasis auszutauschenden Wertobjekte. Diese Einschränkungen der gängigen Interpretation der Arbeitswerttheorie wurden im Laufe der Zeit zu einem immer deutlicheren Mangel, da der Handel mit z. B. nicht-stofflichen Wertobjekten – Sportveranstaltungen, Konzerten, Patenten und anderen Schutzrechten usw. – zunahm. Doch auch bei den mit der klassischen Arbeitswerttheorie erfassten Gegenständen bleibt letztendlich offen, warum sie unter bestimmten Bedingungen Wert haben sollen und unter anderen, vielleicht beinahe gleichen Bedingungen nicht, obwohl sie in der gleichen Art bearbeitet wurden. Das heißt: Mit der konventionellen Interpretation des Wertbegriffes kann nicht erklärt werden, warum die Vergegenständlichung menschlicher Arbeit bei einigen Objekten einmal gesellschaftlich nützlich sein kann und ein anderes Mal nicht, und das bei Gegenständen, die sich völlig gleichen. Damit sind Gegenstände gemeint, die aus demselben Produktionsprozess hervorgegangen sind und die in einem Fall verkauft und in einem anderen Fall nicht verkauft werden. Der Verkauf erfolgt, wenn Bedarf vorliegt. Sollte dieser gedeckt werden, fallen die nicht verkauften Waren unter den Begriff „relative Überproduktion“. Die dafür aufgewandte Arbeit wäre nicht mehr nützlich, obwohl sie in der gleichen Art wie für die verkauften Waren verrichtet wurde. Der Grund dafür, dass bestimmte Waren (hier passt der für die Arbeitswerttheorie übliche Begriff) bis an ihr Existenzende die Läden hüten, könnte ebenso im „moralischen Verschleiß“ dieser Waren liegen, d. h. dass zwar prinzipiell noch Bedarf nach diesen vorliegt, aber eben nicht mehr in ihrer veralteten Ausführungsform. Die Waren, die verkauft wurden, „hatten Wert“, die anderen „hatten“ und „haben“ keinen, zumindest nicht bis zum Betrachtungszeitpunkt. Dieser Unterschied kann mit der konventionellen Interpretation der Arbeitswerttheorie, in der der Wert als vergegenständlicht betrachtet wird, nicht erklärt werden. Nur unzureichend wird erklärt, was als Wert mit der vergegenständlichten Arbeit in die Waren eingebracht wird. Denn vergegenständlicht werden nach der klassischen Inter- 143 zu thEsE 8: pretation der Arbeitswerttheorie die Ansprüche auf Existenzmittel. Doch diese Existenzmittel gibt es in stofflicher, aber ebenso in nicht-stofflicher Form. Weiterhin wird nicht aufgezeigt, wie die Verbindung zwischen der „vergegenständlichten, gesellschaftlich nützlichen Arbeit“ und den Menschen, welche Waren und Geld tauschen, funktioniert. Diese Aussage kann so formuliert werden, weil bei der mechanistischen Interpretation der Arbeitswerttheorie kaum plausibel erklärt werden kann, dass zwischen der vergegenständlichten, gesellschaftlich nützlichen Arbeit und den Tauschpartnern in einem Wertverhältnis physische Verbindungen in der Art von Seilen oder Magnetfeldern wirken. Wenn diese Verbindungen aber nicht physischer Art sind, welcher Art sind sie dann? Oder gibt es in einem Wertverhältnis gar keine Verbindung zwischen der vergegenständlichten Arbeit und den Menschen? Doch warum sollte dann ein Tausch auf Äquivalenzbasis notwendig sein? Der Wertbegriff im „Kapital“ – zu stark von der Art und Form der Arbeit abstrahiert Die oben genannten Einschränkungen sind m.  E. durch die Art der Herleitung des Wertbegriffs im „Kapital“ verursacht. Zum einen wird bei dem im „Kapital“ beschriebenen Wertbegriff in der Herleitung von einem wesentlichen Element des Wertes mit Worten abstrahiert und dabei gleichzeitig dieses wesentliche Element vom Sinn her in den gewonnenen Wertbegriff impliziert. Es handelt sich hierbei um die (relative) Nützlichkeit: Im Kapital, Bd. I, S. 52, schreibt Marx: „… Abstrahieren wir von seinem Gebrauchswert, so abstrahieren wir auch von den körperlichen Bestandteilen und Formen, die es zum Gebrauchswert machen. Es ist nicht länger Tisch oder Haus oder Garn oder sonst ein nützlich Ding. Alle seine sinnlichen Beschaffenheiten sind ausgelöscht. Es ist auch nicht länger das Produkt der Tischlerarbeit oder der Bauarbeit oder der Spinnarbeit oder sonst einer bestimmten produktiven Arbeit. Mit dem nützlichen Charakter der Arbeitsprodukte verschwindet der nützliche Charakter der in ihnen dargestellten Arbeiten, sie unterscheiden sich nicht länger, sondern sind allzusamt reduziert auf gleiche menschliche Arbeit, abstrakt menschliche Arbeit. Betrachten wir nun das Residuum der Arbeitsprodukte. Es ist nichts weiter von ihnen übriggeblieben als dieselbe gespenstige Gegenständlichkeit, eine bloße Gallerte unterschiedsloser menschlicher Arbeit, d. h. der Verausgabung menschlicher Arbeitskraft ohne Rücksicht auf die Form ihrer Verausgabung. Diese Dinge stellen nur noch dar, dass in ihrer Produktion menschliche Arbeitskraft verausgabt, menschliche Arbeit aufgehäuft ist. Als Kristalle dieser in ihnen gemeinschaftlichen gesellschaftlichen Substanz sind sie Werte – Warenwerte.“ [20] Man kann beim Wertobjekt vom konkreten Gebrauchswert, von der konkreten Nützlichkeit abstrahieren. Doch es darf nicht in der Art abstrahiert werden, dass die Zuordnung der (relativen) Nützlichkeit verändert oder gar beseitigt wird [1], [5], [15]. 144 Lippert Die (relative) Nützlichkeit verschwindet aber bei Marx: „… Mit dem nützlichen Charakter der Arbeitsprodukte verschwindet der nützliche Charakter der in ihnen dargestellten Arbeiten, sie unterscheiden sich nicht länger, sondern sind allzusamt reduziert auf gleiche menschliche Arbeit.“ [20] Die relative Nützlichkeit ist ein wesentlicher(!) Bestandteil des gesellschaftlichen Verhältnisses Wert (nach Marx: des Wertes als Gegenstand). Mit der Nützlichkeit wird dem Wertobjekt ein gesellschaftliches Element zugeordnet, das z. B. einem mechanisch völlig identischen bearbeiteten Objekt, für das keine Wertbeziehung herausgebildet wird, nicht zugeordnet wird. Unter diesem Gesichtspunkt muss die Aussage des obigen Zitats notwendigerweise ergänzt werden: „… Mit dem nützlichen Charakter der Arbeitsprodukte verschwindet auch deren Wert.“ Auf S. 55 im Kapital, Bd. I, schreibt Marx: „… Endlich kann kein Ding Wert sein, ohne Gebrauchsgegenstand zu sein. Ist es nutzlos, so ist auch die in ihm enthaltene Arbeit nutzlos, zählt nicht als Arbeit und bildet daher keinen Wert.“ [20] Ware, gesellschaftliche Verhältnisse, Ergebnisseite Anhand der letzten Aussagen wird deutlich, dass Marx bei der obigen Abstraktion (Kapital, Bd. I, S. 52) als Bezugspunkt für den Wert bzw. als Basis des Wertes nur die durch den Menschen hervorgebrachte mechanische Seite der Gegenstände im Auge hatte. Das entsprach dem damaligen Entwicklungsstand der Wirtschaft („Mechanisches Zeitalter“). Für globale Betrachtungen war dies völlig hinreichend. Doch schon wenn die Triebkraftwirkung des Wertes erklärt werden soll, wird eine solche Darstellung nicht ausreichen. Von der Nützlichkeit zu abstrahieren wäre dann nur noch möglich, wenn man von einer umfassenden Übereinstimmung zwischen Angebot und Nachfrage ausgehen würde. Dann wäre die Nützlichkeit nämlich in allen Waren enthalten und man könnte von der Nützlichkeit abstrahieren. So könnte postuliert werden, dass Marx den Arbeitswertbegriff unter der Bedingung der vollständigen Übereinstimmung von Angebot und Nachfrage definiert hat, um alle „Nebeneinwirkungen“ zu eliminieren und zum Wesen des Wertes vorzudringen. Was unter diesen Voraussetzungen beschrieben wird, ist der Prozess der Einbeziehung der Gegenstände in die gesellschaftlichen Wertverhältnisse von der Aufwandsseite her. Aber nicht einmal das geschieht exakt, da nicht exakt definiert wird und auf diesem Wege nicht exakt definiert werden kann, was mit der Verausgabung menschlicher Arbeitskraft in den Gegenständen vergegenständlicht wird. Denn es werden nicht nur Anrechte auf vergegenständlichte Arbeiten vergegenständlicht. Was vor allem fehlt, ist der Prozess der Einbeziehung dieser Gegenstände in die gesellschaftlichen Wertverhältnisse von der Ergebnisseite her. Wie die Menschen mit dem Ergebnis umgehen, muss aber in der Herleitung / Definition des Wertes mit erfasst werden, wenn der Wert als ein gesellschaftliches Verhältnis erklärt werden soll. Mit dem Terminus „gesellschaftlich nützliche Arbeit“ ist das bei Marx eigentlich zu finden. Dazu passend macht die oben zitierte Aussage von S. 55 des Kapitals deutlich, dass die Art bzw. die Gestalt des Ergebnisses der geleisteten Arbeit von grundlegender Bedeutung für den wertbildenden Charakter der jeweils geleisteten Arbeit ist. Eine Wertdefinition, 145 zu thEsE 8: die nicht erfasst, wie die Ergebnisse von produktiven Prozessen (Arbeit der Menschen, Arbeit von Maschinen, „Arbeit“ der Natur) als auszutauschende Objekte, Vorgänge, Ideen usw. in die gesellschaftlichen Prozesse einbezogen werden, würde damit einen beachtlichen Teil der Triebkraftfunktion des Wertes unterschlagen. Abstraktion und implizite Nützlichkeit? Beim Marx‘schen Arbeitswertbegriff wird die Abstraktion zu weit geführt. Indem nur noch die abstrakte menschliche Arbeit gesehen wird, ist entweder a) die relative Nützlichkeit in der Ware und damit im Wert (eigentlich: in der Erkennung derselben als Bestandteil des Widerspiegelungsprozesses des Wertobjektes) nicht mehr enthalten oder b) in den Begriffen „menschliche“ oder „abstrakte Arbeit“ ist die relative Nützlichkeit impliziert. Zu a) Da die relative Nützlichkeit der Ware, besser die des Wertobjektes, ein wesentlicher Bestandteil des Wertes als gesellschaftliches Verhältnis ist, wäre der Wert ohne diese eines wesentlichen Elementes beraubt. Das Objekt würde dann nicht mehr als Wert (eigentlich: als Wertobjekt) existieren. Zu b) Ist die relative Nützlichkeit in den Begriffen „menschliche“ oder „abstrakte Arbeit“ impliziert, dann wäre all diesen „Gallerten unterschiedsloser menschlicher Arbeit, d. h. der Verausgabung menschlicher Arbeitskraft ohne Rücksicht auf die Form ihrer Verausgabung …“ mehr gemein als nur die aufgehäufte menschliche Arbeit. Hinzu käme die relative Nützlichkeit28 der Arbeitsergebnisse. Daraus wiederum ergibt sich: 1. Der Wert kann nicht, wie im letzten Zitat angeführt, aus der Arbeit ohne Rücksicht auf die Form ihrer Verausgabung bestimmt werden. Von der konkreten Form kann abstrahiert werden – Sägen, Bohren, Löten – welche Arbeit konkret ausgeführt wird, ist nicht wichtig. Was bleiben muss, ist das nützliche Ergebnis. Die Eigenschaft „nützlich“ ist nicht unabhängig von der konkreten Form der Arbeit im aktuellen Umfeld. Die relative Nützlichkeit der Arbeitsergebnisse darf bei der Abstraktion vor allem nicht verschwinden. Allein die Tatsache, dass menschliche Arbeit verrichtet wurde, bedingt keine relative Nützlichkeit im ökonomischen Sinn. 2. Nicht das Vergegenständlichte an sich wird wertäquivalent ausgetauscht. Es sind die relativ nützlichen Wertobjekte, die wertäquivalent ausgetauscht werden. Dazu muss für alle Wertobjekte die Arbeit in einer bestimmten Form ausgeführt werden 28 Relative Nützlichkeit Als relative Nützlichkeit wird hier die Nützlichkeit bezeichnet, die ein Wertobjekt nützlich im ökonomischen Sinne macht und damit auch relativ nützlich bezogen auf den Aufwand, der betrieben werden muss, um dieses Wertobjekt zu erlangen. Für den Erwerb eines relativ nützlichen Wertobjekts muss vom Tauschpartner ein Wertäquivalent abgegeben werden, für ein nur absolut nützliches nicht. Ein TV-Gerät, das niemand kauft, weil es nicht gefällt, mag absolut nützlich sein gegenüber den allgemeinen Bedürfnissen der Menschen. Relativ gegenüber den ökonomisch relevanten gewichteten Bedürfnissen ist es aber nicht nützlich, da es nicht zur Abgabe eines Wertäquivalents anregt. 146 Lippert (unabhängig davon, von wem die Arbeiten und welche konkreten Arbeiten ausgeführt werden) – also nicht „… ohne Rücksicht auf die Form ihrer Verausgabung …“ Die Ausführung der Arbeit muss Nützlichkeit bewirken. Ob gesägt, gebohrt oder gelötet wird, ist in diesem Zusammenhang nicht wichtig. Ob mit dem Sägen, Bohren oder Löten etwas Nützliches oder Nicht-Nützliches im ökonomischen Sinne entsteht, ist aber keinesfalls egal. Nützlichkeit im ökonomischen Sinne bedeutet, dass jemand für dieses Wertobjekt – bei Marx: für diese Ware – ein Äquivalent abgibt, um es zu erwerben. Indem die Nützlichkeit in die Ware bzw. das Wertobjekt einbezogen wird, können auch die Ergebnisseiten von Produktionsprozessen und von Aktivitäten (z. B. Musikveranstaltungen) oder die Nützlichkeit von Naturressourcen in den Wert einbezogen werden. Ein „Wert“, bei dem die Ergebnisseite des Produktions- bzw. Bereitstellungsprozesses nicht beachtet würde, wäre ein rein ideeller Wert. Er würde nur in den Bewusstseinsprozessen desjenigen existieren, der sich diesen Wert vorstellt. Auf der gesellschaftlichen Ebene hätte ein solcher Wert keine Bedeutung. Ein „absoluter Wert“, der unabhängig von der Nützlichkeit „heimlich“ im Wertobjekt oder in der Ware schlummern würde, der damit davon unabhängig wäre, ob ihn jemand erkennt oder nicht, könnte kein Wert in einem gesellschaftlichen Verhältnis sein. Ein Wert als gesellschaftliches Verhältnis erfordert immer zwei Seiten. Ein potenzieller Bezugspunkt für einen Wert kann aber ohne Frage in fast allen Objekten und in sehr vielen nicht-stofflichen Aktivitäten usw. enthalten sein. Doch damit ein potenzielles in ein reales Wertobjekt transformiert werden kann, muss der mögliche Käufer dieses zunächst als potenzielles Wertobjekt erkennen. Außerdem muss das (mögliche) Wertobjekt dermaßen stark auf den möglichen Käufer wirken, sodass dieser ein Wertäquivalent dafür abgibt, um es zu erwerben. Relative Nützlichkeit auf gesellschaftlicher und individueller Ebene Die für die Wertobjekte geforderte relative Nützlichkeit bedingt, dass diese Wertobjekte in einer bestimmten Form hergestellt werden müssen. Diese Form muss den objektiven Bedingungen in der Gesellschaft und den individuellen Vorstellungen der Tauschpartner entsprechen. Im Durchschnitt sind die Herstellungsprozesse notwendigerweise so gestaltet. Um z. B. ein DAB-Radio29 zu verkaufen, muss es den Käufern ermöglicht werden, hinreichend viele DAB-Radiostationen empfangen zu können (gesellschaftlicher Bereich), und das Radio muss so gestaltet sein, dass die Musikwiedergabe, die Bedienungsfreundlichkeit, das Aussehen, die technischen Eigenschaften usw. für den Käufer gut genug erscheinen, um das Gerät zu kaufen (individueller Bereich). Nützlichkeit und Triebkraft Die relative Nützlichkeit ist ein wesentliches Element des Wertobjektes, weil ohne relative Nützlichkeit die Bewegung des (Wert-)Objektes in den ökonomischen Prozessen überhaupt nicht erklärt werden könnte. Ebenso könnte die Triebkraftfunktion des Wer- 29 DAB DAB-Radio – Digital Audio Broadcasting“ ist ein digitaler Radio-Übertragungsstandard, der UKW ablösen wird. 147 zu thEsE 8: tes in Verbindung mit ökonomischen Prozessen ohne die relative Nützlichkeit nicht sinnvoll erläutert werden. Folglich gelangt man ohne die Kopplung der relativen Nützlichkeit an das Wertobjekt nicht zur Formulierung der Zielfunktion des Wertes. Denn nur eine wirklich begründete Zielfunktion des Wertes gestattet es, die notwendige Handhabung aller gleichartigen Wertobjekte in den ökonomischen Prozessen allgemein und ebenso die eines einmaligen Wertobjektes dialektisch zu begreifen (frei nach Lucien Sève in „Marxismus und Theorie der Persönlichkeit“). Das Ziel des gesellschaftlichen Wertverhältnisses sollte sein, mit möglichst wenig Aufwand an körperlicher und geistiger Arbeit sowie mit möglichst geringem weiteren Ressourceneinsatz möglichst viel Nützlichkeit für sich und für andere Menschen verfügbar zu machen. Mit anderen Worten: Ohne die Kopplung der relativen Nützlichkeit an das Wertobjekt und damit an den Wert kann dieser nicht als sinnvolle und notwendige gesellschaftliche Funktion in den ökonomischen Prozessen erklärt werden. Nur die Nützlichkeit des Wertobjektes, die zum Tausch führt, ist die Grundlage und Voraussetzung für die Einbeziehung des Wertobjektes in ein gesellschaftliches Verhältnis Wert. Ohne Nützlichkeit des Wertobjektes im ökonomischen Sinne würde eine Triebkraft zur Herausbildung eines solchen Wertverhältnisses keine sinnvolle Funktion erfüllen. Die Kopplung der relativen Nützlichkeit im ökonomischen Sinne an das Wertobjekt ist möglich und notwendig zugleich, da beide einander bedingen. Dabei kommt dem Wertobjekt die Rolle als objektive Voraussetzung und Grundlage für das Erkennen dieser relativen Nützlichkeit zu. Es gibt jedoch keinen festen Zusammenhang zwischen der Gestalt des Wertobjektes und der Anerkennung seiner relativen Nützlichkeit durch das Bewusstsein eines potenziellen Käufers. Allerdings ist eine Nützlichkeit im ökonomischen Sinne nicht unbedingt zugleich wirkliche Nützlichkeit. Es geht hierbei nur darum, ob ein Äquivalent abgegeben wird, um das betreffende Wertobjekt einzutauschen. Sicherlich hat sich jeder schon einmal vergriffen beim Kauf. Im Großen und Ganzen müssen aber die Produkte auf dem Markt wirklich nützlich sein, um gekauft zu werden. Wertobjekt und gewichtete Beziehungsstärke Die ideell im Bewusstsein existierende, aber gesellschaftlich bestimmte gewichtete Beziehungsstärke wird auf das außerhalb des Bewusstseins existierende Wertobjekt bezogen. Ohne diese gewichtete Beziehungsstärke würde es nicht zu der gesellschaftlich relevanten Anerkennung der Nützlichkeit des Wertobjektes kommen, denn es würde die Triebkraft für den Austausch fehlen. Ohne eine ökonomisch relevante Anerkennung der relativen Nützlichkeit bliebe das Wertobjekt ein bloßes Objekt. Auf ein solches könnte höchstens eine ideelle Wertvorstellung bezogen werden. Die gesellschaftlich relevante Anerkennung der relativen Nützlichkeit des Wertobjektes ist aber ein notwendiger Bestandteil eines jeden gesellschaftlichen Wertverhältnisses und die Nützlichkeit im ökonomischen Sinne wird durch die Abgabe eines Äquivalents zum Wertobjekt beim ökonomischen Austausch zum Ausdruck gebracht. Wäre keine Äquivalenzabgabe zur Erlangung des Wertobjektes notwendig, dann würde eine Wichtung von untergeordneter Bedeutung sein. Eine wirkliche Triebkraftfunktion des Wertes wäre dann aber nicht gegeben. 148 Lippert Die Reflexion des Wertobjektes Informationen über das objektiv existierende Wertobjekt werden von den Sinnesorganen erfasst und an das Gehirn weitergeleitet, um dort subjektiv widergespiegelt zu werden. Im Bewusstsein wird diese Abbildung des Wertobjektes angereichert mit Erfahrungen, mit subjektiven Widerspiegelungen des privaten, gesellschaftlichen und natürlichen Umfeldes, mit verschiedenen Sichten auf die Dinge – je nach Umfeld, Erziehung, Stimmungslage, Emotionen, Charakter, Offenheit gegenüber Ratschlägen, Werbung etc. Wert – Ergebnis der Kräftewirkungen der gewichteten Beziehungsstärken Die Tauschpartner, die sich in einem gesellschaftlichen Verhältnis Wert gegenüberstehen, bilden zu den entsprechenden Wertobjekten gewichtete Beziehungsstärken aus. Diese wirken auf der ideellen Ebene. Sie sind auf die konkreten Nützlichkeiten der Objekte ausgerichtet, wobei aber in diese Beziehungsstärken bereits die Ansprüche auf die jeweils geforderte Gegenleistung einbezogen sind (deswegen wird gewichtet). Diese gewichteten Beziehungsstärken werden von den Tauschpartnern auf die gesellschaftliche Ebene gehoben. In diesem Schritt wird von den konkreten Nützlichkeiten abstrahiert. Die gewichteten Beziehungsstärken werden dabei zu Wirkungsvektoren transformiert, die den Austausch Eigentum gegen Eigentum bewirken. Die dabei wirkenden Kräfte auf der gesellschaftlichen Ebene haben die gleichen Wertgrößen wie die auf der ideellen Ebene - die Menschen schwächen für den Tausch ihre Beziehung zum Tauschobjekt nicht ab. Deutlich wird das an den Preisen: Während der Käufer eine gewichtete Beziehungsstärke zum Wertobjekt herausbildet, erfasst er u. a. über den Preis die Ansprüche der Verkäuferseite. Er wird in vielen Fällen das betreffende Wertobjekt vergleichen mit anderen konkreten nützlichen Dingen, die er für dieses Geld ebenfalls erwerben könnte. Auf der gesellschaftlichen Ebene ist das Wertobjekt jedoch Eigentum mit einer nur abstrakten Nützlichkeit. Doch diesem Eigentum wird der gleiche Wert, d. h. Preis, zugeordnet wie dem gleichen Wertobjekt im Rahmen der ideellen Widerspiegelung als konkret nützliches Objekt. Somit muss der Käufer Eigentum mit gleichen Wertumfang aus der Bindung zur Verkäuferseite lösen. Die Unterschiede sind, dass zum einen vom konkreten Gebrauchswert, von der konkreten Nützlichkeit abstrahiert wird und zum anderen die Kräfte auf das Eigentum als gesellschaftliche Größe gerichtet werden. Mit der Transformation der gewichteten Beziehungsstärken zu Wirkungsvektoren bilden die Tauschpartner den Wert heraus. Der Wert wird also als Ergebnis der Kräftewirkungen der gewichteten Beziehungsstärken generiert. Durch die gleichen Kraftgrößen auf der gesellschaftlichen Ebene wie auf der ideellen Ebene wird deutlich, dass im Wert die Nützlichkeit bzw. der Gebrauchswert erhalten bleibt, allerdings in abstrakter Form. Auf dem Basar erfolgt die Angleichung der Kräfte beider gewichteter Beziehungsstärken im Dialog, im Warenhaus erfolgt die Angleichung mehr „einseitig“. Die im Verlauf der Wertbildung herausgebildete Wertgröße entspricht dem Skalarbetrag jedes der beiden Vektoren der im gesellschaftlichen Verhältnis Wert gegenübergestellten gewichteten Beziehungsstärken von Käufer und Verkäufer zu Wertobjekt bzw. Wertäquivalent. Die zu Beginn der Herausbildung der Wertbeziehung unterschiedlichen Beziehungsstärken werden zunächst mit diesen unterschiedlichen Stärken von 149 zu thEsE 8: Käufer und Verkäufer auf das Wertobjekt und auf das dazugehörige Wertäquivalent gerichtet. Im Verlauf der Gestaltung des Wertverhältnisses werden beide gewichteten Beziehungsstärken auf gleich große Wertbeträge, d. h. auf gleichgroße skalare Wertgrößen, gebracht. Die Wirkungsrichtungen dieser Vektoren sind aber entgegengesetzt. Für den Austausch muss dann jeweils eine „Kopie“ der von Käufer und Verkäufer auf das Wertobjekt bzw. Wertäquivalent gerichteten gewichteten Beziehungsstärke (jeweils ideelle Ebene) zum Tauschpartner in seiner Funktion als Eigentümer gerichtet werden (gesellschaftliche Ebene). Die Abstraktion auf der gesellschaftlichen Ebene wird im Kaufvertrag widergespiegelt. In einem Kaufvertrag wird der Tausch Eigentum gegen Eigentum festgehalten und nicht der Tausch Nützlichkeiten gegen Nützlichkeiten. In vielen Fällen sind grundlegende Informationen zur Nützlichkeit eines Wertobjektes im Kaufvertrag angegeben, weil beide Seiten eines Wertverhältnisses die Basis des Tausches absichern wollen. In einem Wertverhältnis wird die Nützlichkeit des Wertobjektes, in Verbindung mit den notwendigen Aufwendungen zur Bereitstellung desselben, vom Preis reflektiert. Der Preis wiederum zeigt die notwendigen Stärken der Wirkungsvektoren, die Käufer und Verkäufer auf der gesellschaftlichen Ebene herausbilden müssen, um dort das Wertobjekt und dessen Wertäquivalent aus dem Eigentum des Gegenübers zu lösen. Dass die Beziehungsstärken der ideellen Bewusstseinsprozesse auf die gesellschaftliche Ebene gehoben werden müssen, ist notwendig, da es in einem Wertverhältnis um den Tausch von Eigentum geht und sowohl Eigentümer als auch Eigentum nur auf der gesellschaftlichen Ebene existieren. Ein ökonomischer Tausch kann folglich nur auf der gesellschaftlichen Ebene erfolgen (Bild 5.5). Das gesellschaftliche Element des Wertes – Teil der Widerspiegelungsprozesse Das gesellschaftliche Element des Wertes ist und bleibt Teil der Widerspiegelungsprozesse von Wertobjekt und Wertäquivalent in den Bewusstseinsvorgängen beider(!) sich in dem gesellschaftlichen Verhältnis Wert gegenüberstehenden Tauschpartner. Einen „einzeln stehenden“ ökonomischen „Wert an sich“ gibt es nicht. Das sah auch Marx in ähnlicher Art - Wert ist bipolar: „Ein Arbeitsprodukt, für sich isoliert betrachtet, ist also nicht Wert, so wenig wie es Ware ist. Es wird nur Wert, in seiner Einheit mit andrem Arbeitsprodukt, oder in dem Verhältniß, worin die verschiedenen Arbeitsprodukte, als Krystalle derselben Einheit, der menschlichen Arbeit, einander gleichgesetzt sind.“ [7] Marx belegt mit dieser Aussage, dass Wert nur auf Äquivalenzbasis existiert. Ein einzelnes Wertobjekt kann nur ein ideelles Wertobjekt sein. Ein gesellschaftliches Verhältnis Wert kann nicht auf ein einzelnes Wertobjekt bezogen sein. Ein Wertobjekt kann nicht als Unikum existieren, es sind immer zwei davon nötig. Der Wert im ökonomischen Sinne ist bipolar. Der Wert existiert nicht in den Produkten, wie bereits mehrfach begründet wurde. Demzufolge kann er nur als Bewusstseinsinhalt in jedem der Tauschpartner zu finden sein, von denen aus er mit den gegenübergestellten Wertobjekten verknüpft wird. Die Besonderheit gerade dieser Bewusstseinsinhalte ist es, dass sie gesellschaftlich relevant geäußert werden müssen, damit ein gesellschaftliches Verhältnis Wert entstehen kann. Der Wert wird verknüpft mit den Wertobjekten, kann aber eben nicht in diese einge- 150 Lippert bracht werden. Marx drückt mit der obigen Formulierung aus, dass das gesellschaftliche Verhältnis Wert nur in der Einheit beider Tauschpartner funktioniert. Damit widerspricht sich Marx offensichtlich selbst: Wenn der Wert wirklich vergegenständlichte gesellschaftlich nützliche Arbeit wäre, dann könnte er in einem Gegenstand enthalten sein. Wenn er aber nur in der Einheit mit einem anderen Arbeitsprodukt existieren soll, dann kann er nicht nur in einem davon vergegenständlicht sein. Wäre er dagegen in beiden vergegenständlicht, dann müsste er genauso in einem davon vergegenständlicht sein. Mit der Vergegenständlichung in einem Wertobjekt (in einer Ware) wäre aber die Bipolarität nicht zwingend, denn Waren oder Waren und Geld sind nicht in der Art miteinander gekoppelt, dass ein Wert sich zwangsweise über die Warengrenzen hinaus verteilen müsste. Der Wert bezüglich zweier Arbeitsprodukte kann nur mit einem gesellschaftlichen Verhältnis bezüglich dieser Arbeitsprodukte erklärt werden. Wenn der Wert aber auf die Arbeitsprodukte bezogen werden kann und trotzdem nicht in diesen vergegenständlicht ist, dann könnte der Wert äquivalent auf andere Güter, die dem ökonomischen Austausch unterliegen, bezogen werden. Beim Wert geht es um eine Einheit von Tauschpartnern bezüglich der Güter im jeweiligen Eigentum. Es geht nicht um die Einheit eines Tauschpartners mit einem Wertobjekt oder dessen Stellvertreter und es geht ebenfalls nicht um vergegenständlichte Arbeit, egal in welcher Form oder Bedeutung auch immer. Das wird bei Marx daran deutlich, dass er Wert als gesellschaftliches Verhältnis auffasst [2]. Die Rolle der Wertobjekte im ökonomischen Bereich Die Wertobjekte sind die Basis und die Voraussetzung für die Wertverhältnisse. Das liegt daran, dass die Menschen danach streben, sich Wünsche zu erfüllen. Nur selten gelingt es ihnen, die Dinge selber zu schaffen, die ihnen wichtig erscheinen. In den meisten Fällen müssen sie hart arbeiten, um Eigentum anzuhäufen, mit dem sie wiederum das Gewünschte eintauschen können. Solche Tauschvorgänge sind ökonomische Tauschvorgänge, für die die Menschen Wertverhältnisse miteinander eingehen. Sie tauschen über ihre Wertverhältnisse Wertobjekte oder deren Stellvertreter. Die Menschen müssen für ihre Tauschaktivitäten gesellschaftliche Verhältnisse nutzen, da die Wertobjekte bzw. deren Stellvertreter, die sie untereinander tauschen, mit Eigentum verbunden sind. Eigentum ist eine gesellschaftliche Größe und wird im Allgemeinen nicht ohne Gegenleistung abgegeben. Eine gesellschaftliche Größe wie das Eigentum existiert nur auf der gesellschaftlichen Ebene und kann demzufolge nur auf dieser gehandhabt werden. Gesellschaftliche Wesen bauen zum Tausch von Eigentum gesellschaftliche Verhältnisse auf. Die Rolle der Wertobjekte in den ökonomischen Wertverhältnissen ist es, die Herausbildung der Wertverhältnisse zu initiieren und dermaßen stark zu stimulieren, dass sie realisiert werden. Die gewichteten Bedürfnisse der Menschen zu den Wertobjekten bzw. deren Stellvertretern sind hier die treibenden Kräfte. Stimuliert werden soll auch technologische Entwicklung. Das geschieht durch die Auswertung der Eigenschaften der Wertobjekte im menschlichen Bewusstsein: Indem die Menschen nach dem Tausch die dann ehemaligen Wertobjekte z. B. als Gebrauchsgegenstände nutzen, werden neue Wünsche nach mehr Komfort, erweitertem Funktionsumfang, besserer Handhabung 151 zu thEsE 8: usw. auftauchen. Diese neuen Wünsche nach verbesserten Wertobjekten sollen möglichst kostengünstig gestillt werden. Dazu wiederum müssen diese Wertobjekte mit möglichst wenig Aufwand bei der Entwicklung und bei der Produktion bereitgestellt werden. Sowohl das Herstellen als auch das „Verbrauchen“ von Wertobjekten soll ressourcenschonend geschehen. Indem die Menschen die Wertobjekte (und deren Stellvertreter) in Wertverhältnissen tauschen, erfolgt „automatisch“ eine Ressourcenschonung: Sie ist implementiert in die Wertverhältnisse, weil jeder von dem, was er hat oder was er mit seinen Arbeiten hervorbringt, nur möglichst wenig abgeben will, um etwas für ihn Wichtiges zu erlangen. In diesem Zusammenhang spielt der Fakt eine wichtige Rolle, dass jeder praktisch unzählige Wünsche hat. Somit werden die Menschen bei jedem ökonomischen Tausch anstreben, möglichst viele Wertäquivalente für die Erfüllung weiterer Wünsche im Eigentum zu behalten und demzufolge bei jedem Tausch nur möglichst wenig abzugeben. Auf der Käuferseite verhindern die ökonomischen Tauschvorgänge, dass die Menschen unnötig viel an Ressourcen abgeben. Die Verkäuferseite wiederum möchte möglichst wenig abgeben und möglichst viel entgegennehmen, um, wie auf der Käuferseite, sich möglichst viele Wünsche erfüllen zu können, in den meisten Fällen, um zu wachsen. Somit wird in der gleichen Art auf die Verkäuferseite ein Druck ausgeübt, möglichst wenig Ressourcen für die Wertobjektbereitstellung einzusetzen und gleichzeitig danach zu streben, möglichst viel an Wertumfang entgegenzunehmen. Bewusstsein, Wert, individuelle und gesellschaftliche Ebene Inwieweit im Prozess der Wertbildung die gesellschaftlich relevant geäußerten gewichteten Beziehungsstärken den wirklichen objektiven Gegebenheiten entsprechen, wird zwar von den objektiv existierenden Wertobjekten stark beeinflusst, insbesondere von deren Gestaltung. Aber die Erfassung dieser objektiven Gegebenheiten ist u. a. von den Bewusstseinsinhalten und -prozessen der Tauschpartner abhängig. Optische und andere Täuschungen können (und sollen leider manchmal auch) durchaus gravierende Störungen verursachen. So kann auf der individuellen Ebene etwas in der Art widergespiegelt werden, das den Kauf eines bestimmten Wertobjektes sinnvoll erscheinen lässt, obwohl es für den Käufer nicht sinnvoll wäre, dieses Wertobjekt zu kaufen. Auf der gesellschaftlichen Ebene könnte aber der Käufer die falsche individuelle / ideelle Vorstellung ökonomisch relevant durch Abgabe eines Wertäquivalents als „richtig“ äußern. Damit würde ein Wertverhältnis aufgebaut werden, das auf der gesellschaftlichen Ebene zum Ausdruck bringen würde, dass die zur Erstellung des Wertobjektes aufgewandte Arbeit nützlich gewesen wäre. Umgekehrt kann ohne Frage eine wirklich vorhandene relative Nützlichkeit eines Wertobjektes einem potenziellen Käufer verborgen bleiben. Somit könnte dieser sein Geld möglicherweise für etwas anderes ausgeben, was nicht optimal für ihn wäre. Doch wenn er das eigentlich sinnvolle (potenzielle) Wertobjekt nicht als solches erkennt und er kein Wertäquivalent zum Eintausch dafür abgibt, dann würde er damit seine individuelle und ideelle Vorstellung „wertlos“ auf der gesellschaftlichen Ebene ökonomisch relevant zum Ausdruck bringen. Die für das Wertobjekt aufgewandte Arbeit würde 152 Lippert folglich, zumindest von diesem einen potenziellen Käufer, als nicht wertbildend eingestuft werden. Wertgröße als Durchschnittsgröße Auf der gesellschaftlichen Ebene wirkt eine enorme Vielzahl von Bewusstseinsprozessen und -inhalten auf unzählige Wertvorstellungen in all den Wertbeziehungen der Gesellschaft ein. All diese Wertbeziehungen mit ihren gewichteten Beziehungsstärken tragen neben ihrem gesellschaftlichen notwendigerweise einen individuellen Charakter. Aus der Vielzahl der gesellschaftlich bestimmten und individuell beeinflussten Wertbeziehungen können die Menschen Durchschnittswerte für bestimmte Wertobjekte oder für bestimmte Kategorien von Wertobjekten ermitteln. Durchschnittswerte erleichtern u. a. die Planung. Z. B. kann der durchschnittliche Gewinn aus einer bestimmten Art von Wertobjekten ermittelt werden, um zu erkennen, ob es lohnt, diese Art von Wertobjekten weiterhin zu produzieren. Ein Durchschnittswert ist aber nur eine gedanklich-mathematische Konstruktion. In der Realität wirken die Durchschnittswerte nur über die vielen einzelnen, grundsätzlich objektiv begründeten, aber zusätzlich subjektiv gefärbten Wertgrößen in den einzelnen Wertverhältnissen. Im Normalfall wird eine einzelne Wertgröße durch ihren geringen prozentualen Anteil am Durchschnitt nicht direkt für den Durchschnitt spürbar sein. In Ausnahmefällen ist das durchaus gegeben, insbesondere bei Durchschnittwerten, die aus sehr geringen Datenmengen, sprich aus sehr geringen Stückzahlen gewonnen werden. Das trifft insbesondere auf Auktionen von antiken Fundstücken und anderen Kunstwerken zu. Die Zusammenfassung von Wertgrößen zu einem Durchschnitt, insbesondere für Auswertungs- und Planungsprozesse, geschieht im Nachhinein oder – unter Einbeziehung einer bestimmten Wahrscheinlichkeit – vorausschauend. Wert, abstrakte Arbeit und stoffliche sowie nicht-stoffliche Wertobjekte Die relative Nützlichkeit von Wertobjekten ist in vielen Fällen an Vergegenständlichtes gebunden. Wenn etwas vergegenständlicht wird, ist es jedoch nicht die abstrakte Arbeit als abstrakter Ausdruck einer Wertgröße. Vielmehr verknüpfen diejenigen, die an der Bereitstellung der gegenständlichen Wertobjekte beteiligt sind (Planung, Forschung, Entwicklung, Produktion, Logistik…) ihre prozentualen Ansprüche auf Existenzmittel bzw. Wertobjekte mit den von ihnen bereitgestellten Waren. Genauer wäre zwar, von „Wertobjekten“ zu sprechen. Aber da es um Vergegenständlichung geht, kann hier, zum einen weil üblich und zum anderen unter starker Abstraktion, der klassische Begriff „Ware“ verwendet werden. Diese mit den Waren / potenziellen Wertobjekten verknüpften Ansprüche sind Ansprüche auf alle stofflichen und nicht-stofflichen Objekte, die dem ökonomischen Austausch unterliegen – und nicht nur auf solche, die vergegenständlichte Arbeit enthalten. Nur auf diese Art kann das notwendige Produkt, und damit auch das Mehrprodukt, vollständig erklärt werden: „Aber unser Mann ist ein Lohnarbeiter. Er muß daher seine Arbeitskraft einem Kapitalisten verkaufen. Verkauft er sie zu 3 sh. per Tag oder 18 sh. die Woche, so verkauft er sie zu ihrem Wert. Unterstellt, er 153 zu thEsE 8: sei ein Spinner. Wenn er 6 Stunden täglich arbeitet, wird er der Baumwolle einen Wert von 3 sh. täglich zusetzen. Dieser von ihm täglich zugesetzte Wert wäre exakt ein Äquivalent für den Arbeitslohn oder Preis seiner Arbeitskraft, den er täglich empfängt. Aber in diesem Fall käme dem Kapitalisten keinerlei Mehrwert oder Mehrprodukt zu. ...Über die zum Ersatz seines Arbeitslohns oder des Werts seiner Arbeitskraft erheischten 6 Stunden (Anm. des Autors: Notwendiges Produkt) hinaus wird er daher noch 6 Stunden zu arbeiten haben, die ich Stunden der Mehrarbeit nennen will, welche Mehrarbeit sich vergegenständlichen wird in einem Mehrwert und einem Mehrprodukt.“ [21] Dass nur Ansprüche mit einer Ware / einem Wertobjekt verknüpft und keine Werte „eingebaut“ werden, ist u. a. daran deutlich zu erkennen, dass bei völlig gleichartigen Dingen in einigen Fällen zu diesen Dingen ein ökonomisches Wertverhältnis aufgebaut wird und in anderen nicht. Wird ein Wertverhältnis aufgebaut, muss der Tauschpartner, der die Ware / das Wertobjekt erwerben möchte, denjenigen, die das Wertobjekt bereitstellen, ein Wertäquivalent dafür übergeben, dass sie ihm das gewünschte Wertobjekt übereignen. Die dafür aufzubauende Wertbeziehung würde auf der Käuferseite die Anerkennung der Ansprüche der Bereitsteller des Wertobjektes, die sie mit ihrem Wertobjekt verknüpfen, bedeuten. Auf der Verkäuferseite würden entsprechend die Anrechte der Käuferseite, die sie mit dem als Gegenleistung für das Wertobjekt gebotenen Wertäquivalent verknüpft, anerkannt werden. Würde keine Wertbeziehung bezüglich des potenziellen Wertobjektes aufgebaut, würden die mit dem Wertobjekt verknüpften Ansprüche der Verkäuferseite und die mit dem Äquivalent verbundenen Anrechte der Käuferseite nicht anerkannt werden. Das Wertobjekt bliebe ein bloßes Objekt und bekäme keinen Wert im ökonomischen Sinne. Bei einem „eingebauten“ Wert wäre dieser aber auf jeden Fall gegeben, eventuell jedoch „nicht sichtbar“, sollte sich niemand dafür interessieren. Doch solch ein Gedanke entspricht nicht der Arbeitswerttheorie, denn nach Marx braucht ein Wertobjekt (bei ihm eine Ware) ein Gegenstück [6], [7]. Würde ein potenzielles Wertobjekt nicht gekauft werden, wäre die für dafür aufgewandte Arbeit keine nützliche Arbeit gewesen – das hätte sie aber für einen Wert sein müssen. Außerdem wäre in einem solchen Fall der Sinn des Wertes, d. h. seine Triebkraftfunktion, nicht erklärbar. Nur die im ökonomischen Sinne gesellschaftlich nützliche Arbeit, d. h. nur die durch eine Wertäquivalentabgabe als nützlich im ökonomischen Sinne anerkannte, sollte zur Anspruchsberechtigung auf Wertobjekte beitragen. Denn nur gesellschaftlich nützliche Arbeit trägt zur Wertbildung bei. Wert ist also als gesellschaftliches Verhältnis zu sehen und nicht als feste Größe, die vergegenständlicht wurde. Abstrakte wertbildende Arbeit muss folglich auch das Merkmal Nützlichkeit aufweisen. Von dieser Nützlichkeit darf nicht abstrahiert werden und sie muss anerkannt werden. Ohne Anerkennung der Nützlichkeit durch Abgabe eines Wertäquivalents wäre sie keine Nützlichkeit im ökonomischen Sinn. 154 Lippert Merkmale der gesellschaftlich nützlichen Arbeit Gesellschaftlich nützliche Arbeit umfasst drei Merkmale: Erstens ein natürliches Merkmal – die Bewegung / Aktivität bei der Erstellung von Wertobjekten bzw. Waren. Aus dem Stillstand heraus werden keine Wertobjekte / Waren generiert. Zweitens ein gesellschaftliches Merkmal – die Nützlichkeit der Arbeitsergebnisse im ökonomischen Sinn von der Ergebnisseite her. Die (zunächst potenziellen) Wertobjekte müssen in der Art erfasst werden, dass ihre Nützlichkeit erkannt wird. Die Nützlichkeit muss so stark wirken, dass Kunden dazu animiert werden, diese (zunächst potenziellen) Wertobjekte zu erwerben, d. h. Wertäquivalente zum Tausch gegen diese Wertobjekte abzugeben. Dieses zweite – das gesellschaftliche Element – kann nicht allein aus der Arbeit direkt abgeleitet werden. Denn die Arbeitsprodukte sind nicht nützlich, weil die dazu aufgewandte Arbeit nützlich war, sondern umgekehrt – die geleistete Arbeit wird im Nachhinein als nützlich anerkannt, wenn die betreffenden Produkte verkauft und damit als nützlich anerkannt werden. Ansonsten würde vor dem Kauf bereits definitiv feststehen, ob diese Produkte Wertobjekte oder bloße Objekte sind. Das dritte Merkmal ist ebenfalls ein gesellschaftliches: Die Nützlichkeit der Arbeitsergebnisse muss im Durchschnitt von den Kunden so erfasst werden, dass die Existenzmittelansprüche der Bereitsteller zum Erhalt, zur Weiterentwicklung und zur Verewigung ihrer Arbeitskräfte akzeptiert werden: „Nach dem Dargelegten dürfte es klar sein, daß der Wert der Arbeitskraft bestimmt ist durch den Wert der Lebensmittel, die zur Produktion, Entwicklung, Erhaltung und Verewigung der Arbeitskraft erheischt sind.“ [22] Die Anerkennung der Nützlichkeit der Arbeit in bestimmter Werthöhe geschieht praktisch immer im Dialog, wenn auch nicht unbedingt an allen Teilabschnitten jeder Wertobjekt-Bereitstellungs-Kette und ebenso nicht zu jedem Zeitpunkt. Marx’scher Arbeitswertbegriff – bei Übereinstimmung von Angebot und Nachfrage in sehr grober Näherung gegeben Die Marx‘sche Arbeitswerttheorie behandelt, stark vereinfacht gesagt, einen Spezialfall des Wertes als gesellschaftliches Verhältnis. Der Wert wird unter der Bedingung beschrieben, dass Angebot und Nachfrage übereinstimmen. In diesem Fall kann für die Wertbestimmung der einzelnen Objekte von der relativen Nützlichkeit abstrahiert werden, da die relative Nützlichkeit für alle Objekte als Eigenschaft gegeben ist. Das Ziel von Marx mit der Herausarbeitung der Arbeitswerttheorie war nicht die Schaffung eines Steuerungsinstrumentes, um die Wirtschaft zu planen, wie es aber offensichtlich in den ehemaligen sozialistischen Ländern interpretiert wurde. Marx zeigte vor allem das Prinzip der kapitalistischen Ausbeutung auf. Um solch ein Ziel zu erreichen, konnte ohne Einschränkung von der Nützlichkeit der Waren abstrahiert werden. Solch ein Vorgehen war in diesem Fall sogar vorteilhaft, da die Aussagen mehr auf das Wesentliche konzentriert werden konnten. Daraus ergibt sich „nebenbei“, dass die Größe des gesellschaftlich anerkannten Wertäquivalents für die in einer Ware (eigentlich Wertobjekt) vergegenständlichten gesellschaftlich nützlichen Arbeit in etwa den gesellschaftlich determinierten Ansprüchen auf Wertobjekte aller an 155 zu thEsE 8: der Herstellung dieser Wertobjekte oder Waren Beteiligten und dem erwarteten Mehrwert entspricht. In solch einem Fall würde keine unnütze Arbeit im ökonomischen Sektor der Gesellschaft verrichtet werden, da alle erstellten Waren verkauft würden. Für die Herausarbeitung des Prinzips der kapitalistischen Ausbeutung wird damit nicht unzulässig abstrahiert. Allerdings sollte Marx an dieser Stelle ergänzt werden, da er nur die vergegenständlichende Arbeit als wertbildend sieht. In die Wertbeziehungen, die auf stoffliche, bearbeitete Objekte bezogen werden, fließen nämlich auch die Ansprüche von Arbeitskräften ein, die nicht-vergegenständlichende Arbeiten verrichten. Diese Arbeitskräfte erwerben sich mit dem Verkauf ihrer Arbeitskraft analog nicht nur Ansprüche auf Waren mit vergegenständlichter Arbeit. Zur Zeit der Entstehung des „Kapitals“ war allerdings der Anteil der nicht-gegenständlichen Wertobjekte bedeutend geringer als heute – prozentual zu allen Wertobjekten gesehen. Möglicherweise erschienen die nicht-vergegenständlichten Anteile der Arbeitsergebnisse und vor allem die komplett nicht-stofflichen Arbeitsergebnisse mehr in ideeller Existenzform denn als objektiv gegeben. So wurden vielleicht diese Anteile an den Wertobjekten bzw. die praktisch komplett nicht-stofflichen Wertobjekte für die Erklärung des Wertes und des Mehrwertes einfach vernachlässigt. Für die Erklärung der grundlegenden ökonomischen Prozesse was das Ergebnis der Arbeitswerttheorie aber trotzdem hinreichend genau. Wert erscheint unabhängig vom Bewusstsein Bei Marx erscheint der Wert der bearbeiteten Objekte nur bestimmt durch die gegebenen Werte der Arbeitskräfte plus den Mehrwert. Der Wert scheint völlig losgelöst von irgendwelchen Bewusstseinsoperationen zu sein. Dieser Schein wird durch den Umstand erzeugt, dass Marx von der Nützlichkeit der Arbeitsergebnisse abstrahiert [20]. Damit wird der Wert nur von der Aufwandsseite her definiert werden. Die Ergebnisseite wird nicht genauer betrachtet, da das Bewusstsein, nach damaliger Überzeugung, scheinbar keine Rolle bei der Wertentstehung spielt. Gewichtete Beziehungsstärken, wie hier beschrieben, würden zwar nicht stören, erschienen aber rein ideell und nicht ökonomisch relevant. An dieser Stelle wirken die Aussagen im „Kapital“ widersprüchlich: Von der Nützlichkeit wird abstrahiert, doch gleichzeitig wird betont, dass das Arbeitsergebnis nützlich sein muss. Marx wollte sicherlich nicht das Bewusstsein in den Wert und damit in die Wertbildung einbeziehen. Vielleicht befürchtete er, damit dem Idealismus zu verfallen. Mit seinem Hinweis darauf, dass der Wert nicht für sich steht, sondern eines Gegenstückes bedarf, sich nur im Austausch konstituiert, lässt er aber das Bewusstsein in den Wertbildungsprozess einfließen, ohne das zu formulieren [6]: Der ökonomische Austausch – und damit die Gegenüberstellung von Wertobjekten bzw. Waren und Geld – ist ohne Bewusstseinsbeteiligung nicht möglich. 156 Lippert Weitere Einschränkungen der herkömmlichen Interpretation der Arbeitswerttheorie Die Einengung des Geltungsbereiches der Arbeitswerttheorie auf ein gesellschaftliches Umfeld, in dem Marktgleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage herrscht, ist nicht die einzige Einschränkung der Marx‘schen Arbeitswerttheorie. Eine weitere wesentliche Beschränkung ist, wie bereits ausgeführt, die Einengung des Wertbegriffes auf Objekte, in denen menschliche Arbeit vergegenständlicht wurde. Weiterhin wird im „Kapital“ genau genommen nicht der Wert beschrieben, sondern das Wertobjekt, das den Wert determiniert. In stofflichen Wertobjekten werden die Bezugspunkte für die Werte vergegenständlicht. In nicht-stofflichen Wertobjekten werden die Bezugspunkte der Werte durch Aktivitäten wie Musizieren, Sport, Bücherschreiben usw. gestaltet. Die Werte aber bilden die Menschen auf Basis der Bezugspunkte in gesellschaftlichen Verhältnissen unter sich aus. Sie können dabei jedoch die Werte nicht aus ihren gesellschaftlichen Verhältnissen herauslösen, um sie in Gegenständen unterzubringen. Zusammenfassend kann festgehalten werden: - Die objektiven Gegebenheiten von potenziellen Wertobjekten und gesellschaftlichem Umfeld bedingen nicht notwendig, dass eine Wertbeziehung herausgebildet wird. - Der Wert existiert nicht als feste Größe in dem Wertobjekt, er kann dort gar nicht existieren. - Wert existiert als gesellschaftliches Verhältnis, das Menschen miteinander eingehen, um nicht frei verfügbare Objekte, Abläufe und Ideen miteinander auszutauschen. - Wert hat eine bedeutende Triebkraftfunktion für die Entwicklung der menschlichen Gesellschaft. - Durchschnittswerte von Wertgrößen gibt es real nur als aus allen betroffenen Einzelwerten errechnete Durchschnittsgrößen. Durchschnittswerte werden aus verschiedenen Gründen von Menschen ermittelt und präsentiert.

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Zusammenfassung

Der Zusammenbruch der UdSSR um 1990 markierte nach allgemeiner Auffassung auch den Triumph der freiheitlichen Wirtschaftsordnung über das sozialistische Planwirtschaftsmodell. Die genauen Gründe hierfür sind nicht leicht auszumachen. Allein die Fülle an unterschiedlichen Theorien zur Erklärung des sowjetischen Zerfalls legt den Schluss nahe, dass es ein komplexes Zusammenspiel mannigfaltiger Faktoren war, die den kommunistischen Gedanken als eine praktische Wirklichkeit nicht überdauern ließ. Rainer Lippert fügt der wissenschaftlichen Diskussion einen weiteren, wertvollen Ansatz hinzu. Seine neue und zeitgemäße Überarbeitung der weltberühmten Theorie erweitert Marx’ klassischen Arbeitswertbegriff und beweist, dass dieser nur ein Spezialfall eines viel allgemeineren Wertbegriffes ist. Durch Lipperts Erweiterung der Marx'schen Arbeitswerttheorie lässt sich nicht nur der entscheidende Konstruktionsfehler planwirtschaftlicher Modelle benennen: Aus dem Überführen der Marx’schen Grundprämisse in eine allgemein lebenswirklichere Form gelingt ihm auch in schlüssiger Weise die zentrale Argumentation für die freie Marktwirtschaft.