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Zu These 7: Mit der Entwicklung und Entfaltung von Arbeitsteilung, Kommunikation und Handel können in der Gesellschaft relativ stabile gewichtete Beziehungsstärken zu Wertobjekten als Durchschnittsgrößen herausgebildet werden. Diese führen wiederum zu relativ stabile in:

Rainer Lippert

Mit Marx zur Marktwirtschaft?, page 129 - 140

Eine Neuerung der Marx’schen Arbeitswerttheorie

3. Edition 2017, ISBN print: 978-3-8288-3917-5, ISBN online: 978-3-8288-6667-6, https://doi.org/10.5771/9783828866676-129

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Wirtschaftswissenschaften, vol. 82

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
129 zu thEsE 7: Zu These 7: Mit der Entwicklung und Entfaltung von Arbeitsteilung, Kommunikation und Handel können in der Gesellschaft relativ stabile gewichtete Beziehungsstärken zu Wertobjekten als Durchschnittsgrößen herausgebildet werden. Diese führen wiederum zu relativ stabilen Wertverhältnissen zwischen den Tauschpartnern. Widerspiegelung der Wertobjekte – objektiv determiniert, subjektiv beeinflusst Das Bewusstsein und damit die im ökonomischen Sinne gewichteten Beziehungsstärken werden durch die objektive Realität determiniert, und folglich werden auch die auf den gewichteten Beziehungsstärken beruhenden gesellschaftlichen Wertverhältnisse durch die objektive Realität determiniert. Die ökonomisch relevanten gewichteten Beziehungsstärken werden dabei insbesondere von den Wertobjekten bestimmt. Dieser Einfluss entspricht dem objektiven Anteil an der Widerspiegelung der Wertobjekte im Bewusstsein. Doch die objektive Realität, die über das Bewusstsein erfasst wird, kann dort nicht 1:1 abgebildet werden. Bei jedem individuellen Widerspiegelungsprozess eines Wertobjektes erzeugt das Bewusstsein dessen ideelles Abbild auf individuelle Art. Demzufolge müssen die aus solchen Widerspiegelungen entstehenden gesellschaftlichen Wertverhältnisse einen individuellen, sprich ideellen Anteil, haben. Auf die Widerspiegelungen von Wertobjekten in den Bewusstseinsprozessen beider Tauschpartner wirken vielfältige gesellschaftliche, natürliche und individuelle Faktoren ein (insbesondere die Werte der an der Bereitstellung der Wertobjekte beteiligten Arbeitskräfte, d. h. deren gesellschaftlich bestimmter, aber individuell beeinflusster Anspruch auf Existenzmittel plus deren Anspruch auf Mehrwert – ausgedrückt in Preisen; die gesellschaftlich beeinflussten Handlungsziele und -möglichkeiten des Individuums; die konkrete persönliche Situation; Erfahrungen; Fähigkeiten und Fertigkeiten; Erziehung; Tradition; Religion; das persönliche Umfeld zu Verwandten, Bekannten, Kollegen; Ausgangsmaterialien, Werkzeuge usw.). Potenzielle Wertobjekte werden widergespiegelt 1. bezüglich des Gebrauchswertes (Bei Wertobjekten in Form von künstlerischen Darbietungen sind das die zu erwartende Ausstrahlungskraft, Gefühlsvermittlung, die künstlerische Perfektion, Harmonie / Disharmonie, je nach Erwartungshaltung Entspannung oder Anspannung usw.), 130 Lippert 2. bezüglich der stofflichen Eigenschaften (Formgebung, Farbe, Materialien, Handhabbarkeit, Kompliziertheit, Komplexität, Zuverlässigkeit, Anpassung an den Zeitgeist usw.), bei künstlerischen Darbietungen sind das vor allem die Wirkung der Kulissen, Masken, Kostüme, die Tonqualität usw., und 3. bezüglich der diesen Wertobjekten beigefügten ökonomischen Wertattribute, welche nicht selbst in den Objekten als Werte zu finden sind, die sich aber auf die unter 1. und 2. genannten Eigenschaften beziehen. Über das Bewusstsein werden die ökonomischen Wertattribute als „gesellschaftlich relevante Inhalte“ mit den potenziellen Wertobjekten verknüpft. Somit wird das Abbild eines Wertobjektes im Bewusstsein eines jeden Individuums stets mehr oder weniger stark ausgeprägte individuelle Anteile beinhalten, die abweichen von den individuellen Anteilen bei anderen Individuen, auch wenn alle Individuen das gleiche Wertobjekt betrachten. Mit anderen Worten: Prinzipiell gibt es keine zwei völlig identischen gewichteten Beziehungsstärken im ökonomischen Sinne von verschiedenen Personen zu einem gegebenen Wertobjekt. Diese Aussage gilt sicherlich nur für den Zeitraum vor den Nivellierungen der gewichteten Beziehungsstärken verschiedener Käufer durch einen gegebenen Preis z. B. in einer Warenhauskette. Besonders deutlich dürfte diese Erscheinung mit dem Einsetzen der Arbeitsteilung in vorgeschichtlicher Zeit zutage getreten sein, da die individuellen Wertvorstellungen notwendigerweise einen großen Einfluss auf die Austauschprozesse gehabt haben mussten (Vermutung des Autors). Auf die heutige Zeit bezogen hätte wahrscheinlich z. B. ein ultramodernes TV-Gerät gegen eine kleine Espressomaschine ausgetauscht werden können. Gunnar Heinson und Otto Steiger vertreten in ihrem Buch „Eigentum, Zins und Geld. Ungelöste Rätsel der Wirtschaftswissenschaft“ die Auffassung, dass es in der Steinzeit und der – nach ihrer Auffassung – anschließenden feudalen Epoche keinen Markt gab. Waren wurden angeblich verteilt. Diese Auffassung ist zumindest umstritten. Aber selbst wenn man dieser Ansicht folgen würde, wären Werte und Wertäquivalenzen wichtig in diesem Zusammenhang. Denn auch bei einer Verteilung wird auf Äquivalenz geachtet: Der Töpfer-Sklave musste seinem Herrn als Tagesleistung ein Äquivalent zu dem abliefern, was der Feld-Sklave lieferte. Der Bauer musste dem Kloster und dem Feudalherren eine bestimmte Menge an Getreide und Fleisch liefern, der Schäfer eine äquivalente Menge an Wolle und Fleisch, der Töpfer, der Schmied, der Bergwerksbesitzer usw. – sie alle mussten Äquivalente abliefern. Basis für die Äquivalenzfindung waren ganz sicher zu dieser Zeit, ebenso wie heute, die Werte der Arbeitskräfte in Verbindung mit der Kompliziertheit der unterschiedlichen Arbeitsaktivitäten, den unterschiedlichen Arbeitsmethoden und -möglichkeiten, den Eigentumsrechten an Bodenschätzen etc. Jedenfalls war und ist die Äquivalenzfindung für ökonomische Abgabe- und Verteilungsprozesse ebenso notwendig wie bei einer Marktwirtschaft. Aus meiner Sicht gab es aber schon damals – und sogar lange Zeit davor – viele Märkte, selbst wenn sicherlich nicht alles über Märkte verteilt wurde. Doch das soll hier nicht das Thema sein. Der Hinweis auf Gunnar Heinson und Otto Steiger steht hier nur, 131 zu thEsE 7: weil gezeigt werden soll, dass fast überall25 auf Wert äquivalenz geachtet werden muss, seitdem die Menschen in ihrer Gesellschaft die Arbeitsteilung herausgebildet haben, egal ob mit oder ohne Markt. Ob die Produkte über den Markt oder über Zuteilungen an die Obrigkeit und das Volk gebracht werden, spielt für das Prinzip der wertäquivalenten Annahme und Abgabe von Produkten keine Rolle, jedoch für die konkreten Anteile der Einzelnen am Gesamtumfang der geschaffenen Werte schon. Wert und Kumulierung von Erfahrungen Indem die Menschen Arbeitsteilung, Handel, Transport und Kommunikation immer intensiver und komplexer entwickeln und ausbauen, beeinflussen sich die Tauschpartner, die Produzenten und überhaupt alle Gesellschaftsmitglieder gegenseitig immer umfangreicher. Faktoren, die den Produktionsprozessen der verschiedenen Waren in der Gesellschaft zugrunde liegen, können immer umfassender und bewusster als Parameter in die für die Austauschprozesse relevanten Bewusstseinsprozesse einfließen. In immer stärkerem Maße kumulieren die Menschen Erfahrungen und fixieren sie ausführlicher in schriftlicher Form. Mit der Ausweitung des Handels nehmen außerdem die Einflüsse von Prozessen und Bedingungen immer mehr zu, die aus weiteren Umfeldbedingungen auf die Tauschvorgänge wirken. Das alles entspricht vollkommen der Erfahrung, dass die Wertbeträge von Wertobjekten, die mittels menschlicher Arbeit erstellt wurden, nicht nur durch die Arbeitsergebnisse, sondern auch durch viele weitere und miteinander verquickte Einflussgrößen bestimmt werden. Besonders deutlich wird das sichtbar, wenn ein Produkt über einen sehr langen Zeitraum in genau der gleichen Art hergestellt wird. Der Wert eines solchen Produktes wird im Allgemeinen mit der Zeit sinken. Das wird genauso der Fall sein bei einem Produkt, das passend zum Zeitgeist auf den Markt gebracht wird, das aber, aus welchen Gründen auch immer, im Laden liegen bleibt. Selbst wenn das Produkt stofflich nicht altern sollte, würde trotzdem der Wert dieses Produktes sinken. All diese Einflussgrößen auf die Werte von Waren (besser Wertobjekten) sind von Anbeginn des ökonomischen Austauschs noch nie exakt in ihren Einflussstärken und Bedeutungen durch Berechnung ermittelt oder verarbeitet worden26. Das dürfte praktisch auch gar nicht machbar sein. Die Wertbestimmung – ein komplexer Bewusstseinsprozess Die Wertbestimmung von Wertobjekten – genauer: die Bestimmung der ökonomisch relevanten Beziehungen zwischen Tauschpartnern – war, ist und bleibt ein komplexer Bewusstseinsprozess, an dem beide Tauschpartner hohen Anteil haben. Beim Ablauf der Bewusstseinsprozesse werden viele Faktoren der objektiv existierenden potenziellen Wertobjekte ideell widergespiegelt. Diese Widerspiegelungen wirken damit als Einfluss- 25 Fast überall Bei Naturvölkern soll es teilweise anders gewesen sein 26 nie exakt … durch Berechnung ermittelt oder verarbeitet worden Eine solche exakte Berechnung wäre u. a. nicht möglich, da die Bewusstseinsprozesse, die aus der Widerspiegelung von potenziellen Wertobjekten entstehen, nicht vollständig durch diese potenziellen, außerhalb des Bewusstseins existierenden, Wertobjekte determiniert werden. Zu komplex sind diese Vorgänge und zu stark abhängig vom jeweiligen Individuum, um berechnet werden zu können. Das gilt zumindest für alle vorstellbaren Zeiträume. 132 Lippert größen auf die Wertbeziehung. Einflussgrößen dieser Art haben „naturgemäß“ einen hohen, mathematisch-physikalisch nicht exakt nachvollziehbaren Anteil. Als solche in hohem Maße ideell wirkende Einflussgrößen werden sie aber letztendlich gesellschaftlich wirksam. Zu diesen ideell wirkenden Einflussgrößen zählen die Widerspiegelungen • der vermuteten relativen Nützlichkeiten der Arbeitsergebnisse im gegebenen gesellschaftlichen Kontext in Qualität und Quantität (z.  B. würde ein potenzieller Käufer gern ein Radio für digitalen Radioempfang kaufen, aber in seinem Umfeld gibt es nicht hinreichend viele Sender, die solche Programme anbieten), • der vermuteten Arbeitsaufwendungen in Form psychischer und physischer Energieaufwendungen für die jeweiligen Wertobjekte (Musste viel filigrane oder körperlich schwere Arbeit aufgewendet werden, waren viel geistige Anstrengungen notwendig?), • der vermuteten Kompliziertheitsgrade von maschinellen Herstellungsprozessen, • der gegebenen und individuell unterschiedlich empfundenen und unterschiedlich vermuteten Umfeldbedingungen bei der Herstellung der Objekte, • des vermuteten Gefährlichkeitsgrades der Herstellung, • der vermuteten notwendigen Ausbildung der Produzenten, • der als originell empfundenen Arbeitsergebnisse im Vergleich zum Umfeldniveau; Relativgröße, mit der das Arbeitsergebnis verglichen wird mit vergleichbaren anderen Arbeitsergebnissen; der Wert, der in Bezug auf das Arbeitsergebnis herausgebildet wird, wird damit in Beziehung gesetzt zu den Ergebnissen, die durchschnittlich mit vergleichbarem Aufwand erzielt werden – auf originelle Funktionen bezogen, auf ein kreatives Äußeres, auf besondere Eigenschaften bezogen, die man in dieser Art nicht an einem solchen Objekt erwartet, • der erkannten und empfundenen Ausführungsqualitäten der geleisteten Arbeiten, • anderer potenzieller Wertobjekte, die gleichen oder anderen Zielen dienen und die bei der Entscheidungsfindung über die Abgabe eines Äquivalents für das primär betrachtete Wertobjekt relevant sind, • der Machtverhältnisse und der juristischen Gegebenheiten des gesellschaftlichen Umfeldes im Bewusstsein, • von Traditionen, Erziehung usw. zusammen mit deren individueller Verarbeitung über längere Zeiträume, • äußerer zusätzlicher Kaufanreize wie z. B. Werbung, • bestimmter außergesellschaftlicher Bedingungen und Prozesse (Naturkatastrophen, generell extreme natürliche Umgebungsbedingungen usw., z. B. benötigt ein Inuit kein Auto mit Sommerreifen), die mehr oder weniger adäquat auf die Kaufentscheidung einwirken usw. Wertbestimmung – über Durchschnitts- und Erfahrungswerte, Vermutungen, Gefühle Die Einbeziehung der Widerspiegelungen der oben genannten Faktoren in die Wertbestimmung geschieht nicht mathematisch exakt, indem von den interagierenden Tauschpartnern aus all diesen Einflussgrößen die jeweilige Wertgröße des Wertobjektes des „Gegenüber“ errechnet wird. 133 zu thEsE 7: Vielmehr werden die subjektiv gefärbten Einschätzungen der ökonomischen Wertattribute der einzutauschenden Objekte im Laufe der Zeit über Lernprozesse immer stärker objektiviert, ohne jemals den Charakter völlig objektiver Zuordnungen zu erhalten. Der Stundenlohn eines Arbeiters oder der eines Ingenieurs ist nie exakt aus deren Aufgaben, Kenntnissen usw. heraus berechnet worden. Er erscheint aber wie errechnet. Auch aus diesem Grund können die Werte von Wertobjekten nicht völlig exakt so bestimmt werden, dass sie einem Optimum im Idealfall entsprechen würden. Doch wie die Praxis seit tausenden Jahren zeigt, ist das gar nicht notwendig. Das wirkliche Leben, von dem hier speziell Verkaufen und Kaufen betrachtet werden, kann auch mit weniger Genauigkeit sehr gut genossen werden. Begrenzungen für Äquivalenzforderungen aus Sicht des Käufers Auf einen ökonomischen Austauschvorgang wirken viele andere ökonomische Prozesse und Gegebenheiten ein. Das äußert sich insbesondere in der Festlegung der oberen und unteren Grenzwerte, bei denen die Tauschvorgänge noch ausgeführt werden. Obere Grenze: Neben dem gewichteten Bedürfnis nach dem einzutauschenden Wertobjekt muss bzw. möchte der Käufer noch andere Bedürfnisse befriedigen. Praktisch besitzt jedes Wertobjekt Vor- und Nachteile, und durch den ebenfalls fast immer gegebenen Umstand, dass es auf dem Markt noch andere gleichartige oder ähnliche sowie viele weitere wichtige und interessante Objekte gibt, folgt, dass die Forderungen des Verkäufers eine bestimmte Grenze nicht überschreiten dürfen. Untere Grenze: Unterhalb eines bestimmten Wertumfanges an bereitgestelltem ökonomischem Äquivalent wird der potenzielle Käufer den Verkäufer nicht zum Verkauf „überreden“ können. Begrenzungen für Äquivalenzforderungen aus der Sicht des Verkäufers Untere Grenze: Die Verkaufsaktionen der Wertobjekte müssen im Durchschnitt mehr als das Äquivalent der für die Bereitstellung der Wertobjekte verbrauchten Existenzmittel erzielen – d. h. der Erlös muss den Wert der Existenzmittel und einen Mehrwert ergeben. Der Mehrwert muss im Durchschnitt so hoch sein, dass die Verkäuferseite davon ihre Existenz weiter stabilisieren und zukunftsfähig gestalten kann. Obere Grenze: Bei zu hohen Forderungen wird ein unnötig niedriger, ein zu geringer oder gar kein Verkaufserfolg erzielt. Die Verkäuferseite wird eine obere Grenze anstreben, die ihr als Optimum erscheint. In der Praxis wird eine solche Grenze in etlichen Fällen im Laufe der Zeit nachgebessert. Herausbildung durchschnittlicher Äquivalenzauffassungen Unter den direkten und indirekten Einwirkungen aller ökonomisch relevanten Prozesse kommt es zur Herausbildung relativ stabiler durchschnittlicher Äquivalenzauffassungen. Das geschieht in Verbindung mit den historisch entstandenen Proportionen zwischen den Wirtschaftszweigen, der Verteilung von Arbeitskräften auf die einzelnen Bereiche der Wirtschaft, den durchschnittlichen Einschätzungen der Werte der Arbeitskräfte – je nach Ausbildung, Branche, Arbeitsort usw. Daraus ergeben sich die Einschät- 134 Lippert zungen der durchschnittlichen Größen der ökonomischen Wertattribute, die mit den verschiedenen potenziellen Wertobjekten verknüpft werden. Es gibt zudem immer eine Rückkopplung von den Käufern zu den Produzenten. Wird in einem Bereich, z. B. bei Brötchen, ein überdurchschnittlicher Gewinn erzielt, dann wird bei weiteren Produzenten, die bis zu diesem Zeitpunkt keine Brötchen produzierten, ebenfalls Interesse an der Brötchenproduktion geweckt. Kommt dadurch ein Überangebot auf dem Markt zustande, dann sinkt der Gewinn bei allen Brötchenproduzenten. In der Folge wird die Produktion gedrosselt, so dass bei den Brötchen wieder ein durchschnittlicher Gewinn erzielt werden kann. Dieses Prinzip wurde schon von Marx beschrieben und er war sicherlich nicht der Erste, dem das auffiel. Der „gesunde Menschenverstand“ führt zu dieser Erkenntnis: Wäre es anders, wären wir praktisch nur von glücklichen Produzenten umgeben, die alle ununterbrochen überdurchschnittlichen Gewinn erzielen würden. Sicherlich müssen bei komplexeren Produktionsvorgängen, z. B. in der Automobilindustrie u. Ä. die Kompliziertheit der Teilprozesse, die Notwendigkeit der umfassenden Vernetzung und die Wirkungen langfristiger Verträge beachtet werden, um zu erkennen, dass bei überdurchschnittlichen Gewinnen nicht gleich viele neue Produzenten auftauchen. In der Raumfahrt wiederum werden die extrem hohen Anforderungen an Spezialwissen sowie die überdurchschnittlich hohen Risiken bei sehr hohen Ausgangskosten die entscheidenden Faktoren sein, die vom sofortigen Auffüllen von Marktlücken abhalten. Durchschnittsbildung führt zu Stabilität und Effizienz Die durchschnittlichen Äquivalenzauffassungen basieren auf den objektiv existierenden Bedingungen, Verhältnissen und Prozessen in der Gesellschaft. Sie werden aber über das Bewusstsein vermittelt. Längere Zeit gleich wirkende durchschnittliche Äquivalenzauffassungen sind Ausdruck relativ stabiler gesellschaftlicher Verhältnisse zwischen den Menschen. Dabei werden die durchschnittlichen Wertgrößen der typischen Wertobjekte bei größeren Gruppen der ökonomisch agierenden Mitglieder der Gesellschaft im Bewusstsein relativ adäquat abgebildet, selbst wenn sie durch verschiedene Bewusstseinsprozesse in jedem Einzelfall individuell unterschiedlich beeinflusst werden. Das betrifft nicht nur Äquivalenzauffassungen beim Brotkauf, sondern auch Äquivalenzauffassungen zu Kommunikationsverbindungen, zu TV-Geräten u. v. a. m. Diese relativ stabilen durchschnittlichen gesellschaftlichen Wertverhältnisse finden ihren Niederschlag in den relativ festen Preisen der Wertobjekte und ebenso in den relativ konstanten Wertverhältnissen zwischen den Arbeitskräften. Für die heutige Zeit kann sicherlich ergänzt werden, dass relativ gleich verlaufende Preisveränderungen infolge von Technologieänderungen Ausdruck relativ stabiler gesellschaftlicher Verhältnisse sind. Das betraf z. B. die preisliche Veränderung der Flatscreen-TV-Geräte nach dem Übergang vom Röhren- zum Flachbildschirm und die Preisänderungen nach Einführung der LED-Hintergrundbeleuchtung anstelle der Leuchtröhrentechnik bei TV-Geräten. Indem durchschnittliche Wertvorstellungen bei ökonomischen Tauschvorgängen genutzt werden, wird das gesellschaftliche Zusammenleben in vielen Bereichen effizienter funktionieren, als wenn alle Wertverhältnisse individuell ausgehandelt werden 135 zu thEsE 7: müssten. Das ist jedenfalls die Vermutung des Autors. Augenscheinlich wird es in im Supermarkt: Wenn jeder Kunde in der Warteschlange alle seine Waren aushandeln würde… Durchschnittsbildungen, individuelle Abweichungen, Anpassungen Bei allen Durchschnittsbildungen existieren und wirken aber individuelle Abweichungen sowohl auf gesellschaftlicher Ebene – unterschiedliche Preise für gleiche Waren – als auch im individuellen Bereich – als vom Durchschnitt abweichende gewichtete Beziehungsstärken zu den einzelnen Wertobjekten. Letztere wirken jedoch in den meisten Fällen nicht vollständig auf die gesellschaftliche Ebene durch. Denn wenn ein gewichtetes Bedürfnis wirksam wird, kann bei individueller Abweichung vom Durchschnitt eine Angleichung der Wichtung an die „gesellschaftlichen Vorgaben“ notwendig sein, um einen Kauferfolg zu erzielen. Die Wertgrößen der gewichteten Beziehungsstärken würden bei den potenziellen Käufern angehoben oder abgesenkt. Diese Anpassung wird geäußert, indem die Wertäquivalente entsprechend der Vorgaben von Handelsketten etc. bereitgestellt werden. Die Grenzen der Anpassungsbereitschaft sind ganz sicher bei den verschiedenen Menschen bezüglich der verschiedenen Wertobjekte stark unterschiedlich. Bei Käufen über bestimmte Internetanbieter gibt es erfahrungsgemäß einen relativ großen Spielraum für die individuelle Anpassung an die „gesellschaftlich geforderten Werte“, weil viele Anbieter das gleiche Produkt zu recht unterschiedlichen Preisen vermarkten. Der Umgang mit Wertbeziehungen wird über einen längeren Zeitraum gelernt Die Menschen lernen von der Kindheit an, mit Wertäquivalenzen umzugehen. So kann von einer „Evolution“ in Sachen gewichtete Beziehungsstärken und Wertäquivalenzen gesprochen werden. Im frühen Kindesalter beginnend, werden sie mit der Zeit immer intensiver im Umgang mit Wertverhältnissen vertraut gemacht, so dass sie später, wenn sie allein auf sich gestellt sind, das „richtige Gefühl“ für das Agieren in Wertbeziehungen haben. Zu diesem Gefühl gehört auch, dass die Wertäquivalenzen für gängige Produkte und Veranstaltungen hinreichend genau eingeschätzt werden können. Kleinere, traditionsbedingte Unterschiede beim Anpassen der individuellen Wertvorstellungen an die „Realitäten“ zwischen den Kulturen kommen jedoch deutlich zum Vorschein, insbesondere wenn man das typische Kaufverhalten hier und in Ländern mit vielen Basaren vergleicht. Aufwand und Anerkennung sollten stets optimal proportioniert sein Die gewichteten Beziehungsstärken nach Wertobjekten, die auf der gesellschaftlichen Ebene wirksam werden, weichen so gut wie immer vom gesellschaftlichen Durchschnitt ab. Diese Annahme sollte erlaubt sein, da es kaum einen Preis für ein Produkt geben wird, der genau dem Durchschnittspreis entspricht. Damit weichen notwendigerweise all die nivellierten Werte der gewichteten Beziehungsstärken zu den Artikeln mit gleichen Preisen in den jeweils gleichen Verkaufsketten-Filialen vom Durchschnitt ab. Ebenso gibt es Unterschiede zwischen den Werten der Arbeitskräfte, welche gleiche Arbeiten ausführen, oder zwischen Personen, die aus anderen Gründen Ansprüche auf Existenzmittel geltend machen können – je nach Firma, Stadt und Land. Doch sollten 136 Lippert in der Gesamtheit die herausgebildeten Äquivalente zwischen den Wertobjekten sowie die Verhältnisse zwischen den Anrechten der Mitglieder der Gesellschaft (Arbeitskräfte, Rentner, Auszubildende usw.) auf Wertobjekte stets dem Optimum27 der konkreten gesellschaftlichen Bedingungen, Verhältnisse und Prozesse entsprechen. Mit anderen Worten: Im Durchschnitt sollte sich eine Übereinstimmung von Aufwand an gesellschaftlich nützlicher Arbeit in körperlicher und geistiger Form und der entsprechenden gesellschaftlichen Anerkennung der Ergebnisse der Arbeit (einschließlich der ehemals geleisteten sowie der wahrscheinlich künftig zu bewerkstelligenden Arbeit – bei Rentnern bzw. Auszubildenden usw.) einstellen. Ebenso sollten sich optimale Proportionen zwischen den Wertgrößen aller Wertobjekte einpegeln. Nur so werden sich u. a. ein gesundes Zukunftsvertrauen bei jungen Menschen als auch optimale Proportionen zwischen den verschiedenen Produktionszweigen herausbilden. All diese Proportionen sollten sich eigentlich „automatisch“ richtig einstellen, denn dieser Prozess wird schließlich unterstützt durch das permanent wirkende Erfordernis, alle ökonomisch relevanten Prozesse in Verbindung mit dem Lernverhalten der Beteiligten effektiver zu gestalten. Die Praxis zeigt, dass solch ein Automatismus nicht immer, möglicherweise sogar nur sehr selten gegeben ist. Im sozialistischen Wirtschaftssystem der ehemaligen Ostblockstaaten steuerten die politischen Organe so viele Parameter, dass die Wirtschaft nicht nachregeln konnte. Das Ergebnis waren Mangelerscheinungen bei Waren, Dienstleistungen und Arbeitskräften. An Geld gab es einen deutlichen Überschuss, der wiederum sehr klar an den Mangelerscheinungen erkennbar war: Das Warten auf ein Auto dauerte meistens 10 bis 14 Jahre, das Warten auf einen Telefonanschluss noch länger. Werkstattservice konnte oft interpretiert werden als Service für die Werkstatt, weil man nicht selten Ersatzteile mitbringen und manchmal sogar die Arbeitsleistung mit Westgeld erst initiieren musste (um Wartezeiten von bis zu einem Jahr zu umgehen). Viele Handwerker und Verkäufer erhielten durch illegale Aktionen einen „Extra-Bonus“ bezüglich des Wertes ihrer Arbeitskräfte – sie kamen in den Genuss zusätzlicher Existenzmittel. Folglich mussten andere Arbeitskräfte an Wert verlieren, da sie Teile ihrer Anrechte auf Existenzmittel ungerechtfertigt abtreten mussten, um überhaupt an bestimmte, für sie wichtigere, Existenzmittel zu gelangen („Verkauf unter dem Ladentisch“). Damit verbunden waren die Proportionen zwischen den Produktionsvolumina sehr vieler Wertobjekte in völliger Schieflage. In der westlichen Welt diktieren Ketten den Abnehmern die Preise, es gibt immer wieder Preisabsprachen, Druckausübung auf Handelspartner, Lohndrückerei, illegale Beschäftigungen, Lobbyismus, Verwendung unzulässiger Ausgangsstoffe bei Lebensmitteln u. a., Hedgefonds zerstören gut funktionierende Firmen u. v. a. m. 27 Zwischen den Wertobjekten und den Werten der Mitglieder der Gesellschaft als Arbeitskräfte sollten im Normalfall optimale Proportionen herausgebildet werden. Dieses Statement bezieht sich auf eine normale Situation in der Gesellschaft. In Extremsituationen wie Kriegszeiten, Naturkatastrophen, bei wirtschaftlicher Einmischung durch andere Länder, durch Firmen, durch Einzelpersonen u. Ä. wird das nicht der Fall sein. „Automatisch“ stellen sich die optimalen Proportionen nicht ein, da der Markt nicht selbst die Wirtschaft steuert, sondern weil diese von Menschen gesteuert wird. Dazu mehr im letzten Kapitel. 137 zu thEsE 7: Das bedeutet, die Gesellschaft muss permanent aktiv auf die Herausbildung optimaler Proportionen in der Wirtschaft zwischen den Werten der Arbeitskräfte sowie zwischen den Wertobjekten hinarbeiten. Zur Durchschnittsbildung Aber unabhängig davon, ob ein Optimum in den wirtschaftlichen Verhältnissen gegeben ist oder nicht: Es kommt in jedem Fall zu Durchschnittsbildungen. Der Durchschnitt wiederum existiert nicht als solcher, sondern ist eine gedankliche / mathematische Zusammenfassung aus den vielen realen Einzelvorgängen. Jede Veränderung beim Einzelnen verursacht in der Folge immer eine Veränderung des Durchschnitts. Selbstredend besitzen nicht alle Einzelveränderungen einen gleich großen Einfluss auf den Durchschnitt. Außerdem werden individuelle Veränderungen im gesamtgesellschaftlichen Maßstab im Allgemeinen nicht direkt spürbar sein. Die Abhängigkeit des Wertes vom Einzelnen ist m. E. auch beim Marx’schen Wertbegriff gegeben. Denn in den üblichen Interpretationen der Wertgröße wird auch vom Durchschnitt ausgegangen: „Die gesellschaftliche Bestimmung der Wertgröße resultiert ganz allgemein aus dem notwendigen Durchschnitt der in den Waren enthaltenen Menge abstrakter Arbeit.“ [19] Ökonomische Prozesse und Berechenbarkeit Eine exakte Berechnung der Werte, d. h. der für den ökonomischen Austausch relevanten gesellschaftlichen Verhältnisse zwischen den Tauschpartnern, der Größenverhältnisse zwischen den verschiedenen Gruppen von Arbeitskräften und der Werte der verschiedenen Arbeitskräfte ist m. E. prinzipiell nicht möglich. Das würde auf eine exakte Berechnung der Ergebnisse ideell beeinflusster Prozesse hinauslaufen. Ein weiterer wesentlicher Grund dafür, dass die Werte prinzipiell nicht mathematisch exakt berechnet werden können, ist die wechselseitige Beeinflussung aller ökonomischen Prozesse untereinander aufgrund ihres gesellschaftlichen Charakters. Eine mathematische Funktion mit dieser schier unendlichen Zahl von Parametern, die noch dazu in gegenseitiger Abhängigkeit stehen, ist praktisch auf absehbare Zeit nicht vorstellbar. Als „Ersatz“ für die genaue Berechnung der Werte hat sich der Markt als handhabbare Einrichtung herausgebildet. Statt der exakten Werte lassen sich nur die notwendigen Aufwendungen berechnen, die benötigt werden, um die Wertobjekte bereitzustellen (einschließlich herzustellen). Auch die angestrebten Mehrwerte werden einbezogen. Die so erzielten Ergebnisse zeigen mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit die Wertgrößen der zunächst potenziellen Wertobjekte, die später auf dem Markt realisiert werden können. Mit anderen Worten: In welcher Höhe die Menschen mit hoher Wahrscheinlichkeit die Wertattribute von bestimmten Wertobjekten anerkennen und dafür Äquivalente bereitstellen würden, kann mit relativ großer Genauigkeit im Voraus berechnet werden. Das zeigt auch die Praxis bei neu auf den Markt gebrachten Produkten. Nur dadurch ist eine relativ genaue Planung möglich. Aufgrund der Tatsache, dass die Bereitstellung von Wertäquivalenten abhängig ist von Bewusstseinsprozessen, können die Ansprüche auf Existenzmittel aller an der 138 Lippert Wertobjektbereitstellung Beteiligten plus die „Einzel-Mehrwerte“ für die verschiedenen Abschnitte der Wertobjektbereitstellung jedoch nur auf statistischer Basis errechnet werden. Über das menschliche Denk- und Lernverhalten werden die wirtschaftlichen Bewertungen und Entscheidungen im Laufe der Zeit jedoch immer weiter vervollkommnet. Mit anderen Worten: Mit der Zeit erkennen die Entscheidungsträger immer besser, wofür die Menschen wie viel Geld zu zahlen bereit sind, was sie als unnötig ansehen, wie die Menschen auf Neuerungen reagieren, welche Wertobjekte ihnen in welchen Umgebungen wichtig erscheinen, bei welchen Objekten oder Prozessen sie sehr stark auf Qualität achten, wo bestimmte Qualitäten weniger wichtig erscheinen usw. Die von den entsprechenden Interessenten herausgebildeten gewichteten Beziehungsstärken zu den einzelnen Wertobjekten und die davon im Anschluss abgeleiteten und bereitgestellten Äquivalente ergeben sich unter der mathematisch nicht exakt nachvollziehbaren Einwirkung aller ökonomisch relevanten Faktoren. Dazu zählen Faktoren aus dem gesellschaftlichen sowie aus dem natürlichen Umfeld. Unter Einbeziehung der wichtigsten relevanten Einflussfaktoren in die Wertbestimmungsprozesse könnten die wirklichen ökonomisch relevanten Verhältnisse zwischen den Tauschpartnern durch mathematisch fassbare Größen in Geldeinheiten hinreichend adäquat zum Ausdruck gebracht werden. In der Praxis kann solch eine Situation erreicht werden, wenn der Markt ungestört die wirtschaftliche Situation unter den gegebenen wirtschaftlichen und politischen Bedingungen widerspiegeln würde. Solch ein Zustand dürfte auf absehbare Zeit nur in Näherung zu erreichen sein. An eine gleichwertige, umfassende Berechnung ist für vorstellbare Zeiträume jedoch überhaupt nicht zu denken. Der Markt als Problemlöser Der Markt ermöglicht, dass alle ökonomisch relevanten Einflussgrößen bei der Ermittlung der Werte der verschiedenen Wertobjekte erfasst werden. Das geschieht bekanntlich nicht über exakte Berechnung. Alle wirtschaftlichen Vorgänge aller in irgendeiner Form miteinander kooperierenden Länder sind miteinander verflochten. Unter diesen Bedingungen bilden die Partner in Wertverhältnissen ihre gewichteten Beziehungsstärken heraus. Auf Wertverhältnisse wirken vorangegangene Wertverhältnisse der beteiligten Länder ein, wenn auch in den meisten Fällen nur vermittelt. Damit werden andere Wertverhältnisse über die Bewusstseinsprozesse der Tauschpartner in die jeweilige Wertbeziehung einbezogen. Das geschieht u. a. vermittelt über die Kenntnisse von Preisen, Erfahrungen, Informationen und Werbung in den Medien, Informationen von Vertrauenspersonen und ebenso über das Gefühl. Hierbei spielt die Historie eine große Rolle, denn vor der aktuellen Wertbeziehung hatte jeder Tauschpartner andere Wertbeziehungen, die auch Wissens- und Erfahrungsgewinn bedeuten. Dadurch entsteht eine „Großflächenwirkung“. Die Verarbeitung all der Informationen wird nur zum Teil bewusst praktiziert bei den Wertbeziehungen, da kein Mensch beim Kauf eines Wertobjektes die wechselseitigen Einflüsse aller anderen wirtschaftlichen Faktoren immer wieder bewusst verarbeitet. Die Menschen vertrauen auf Erfahrungen und Wissen in Form von „Erfahrungs- und Wissensextrakten“. Auf dem Markt wirken einfach alle Einflussgrößen. Vor allem die Anbieterseiten sind bei ihren Preisgestaltungen abhängig von 139 zu thEsE 7: vielzähligen Markteinflüssen und können so z. B. den Mehrwert nicht nur nach den eigenen Wünschen gestalten. Im Unterschied zu den marktnutzenden Gesellschaften wurden in den sozialistischen Ostblockstaaten die Werte marktunabhängig angeblich mathematisch exakt „errechnet“. Auf diesem Wege konnten jedoch nicht einmal annähernd alle stark wirkenden realen Einflüsse erfasst werden. Dieses Manko zeigte sich in der unausgereiften Wirtschaftspraxis. Keine einzige der Tauschpartnerschaften ist herausgelöst aus der Gesellschaft. Sie stehen alle mehr oder weniger stark in Verbindung miteinander. Es lässt sich sicherlich mathematisch belegen, was hier aber nicht versucht werden muss.

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Zusammenfassung

Der Zusammenbruch der UdSSR um 1990 markierte nach allgemeiner Auffassung auch den Triumph der freiheitlichen Wirtschaftsordnung über das sozialistische Planwirtschaftsmodell. Die genauen Gründe hierfür sind nicht leicht auszumachen. Allein die Fülle an unterschiedlichen Theorien zur Erklärung des sowjetischen Zerfalls legt den Schluss nahe, dass es ein komplexes Zusammenspiel mannigfaltiger Faktoren war, die den kommunistischen Gedanken als eine praktische Wirklichkeit nicht überdauern ließ. Rainer Lippert fügt der wissenschaftlichen Diskussion einen weiteren, wertvollen Ansatz hinzu. Seine neue und zeitgemäße Überarbeitung der weltberühmten Theorie erweitert Marx’ klassischen Arbeitswertbegriff und beweist, dass dieser nur ein Spezialfall eines viel allgemeineren Wertbegriffes ist. Durch Lipperts Erweiterung der Marx'schen Arbeitswerttheorie lässt sich nicht nur der entscheidende Konstruktionsfehler planwirtschaftlicher Modelle benennen: Aus dem Überführen der Marx’schen Grundprämisse in eine allgemein lebenswirklichere Form gelingt ihm auch in schlüssiger Weise die zentrale Argumentation für die freie Marktwirtschaft.