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Rainer Lippert

Mit Marx zur Marktwirtschaft?, page 1 - 8

Eine Neuerung der Marx’schen Arbeitswerttheorie

3. Edition 2017, ISBN print: 978-3-8288-3917-5, ISBN online: 978-3-8288-6667-6, https://doi.org/10.5771/9783828866676-1

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Wirtschaftswissenschaften, vol. 82

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag Reihe Wirtschaftswissenschaften Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag Reihe: Wirtschaftswissenschaften Band 82 Rainer Lippert Mit Marx zur Marktwirtschaft? Eine Neuerung der Marx’schen Arbeitswerttheorie Tectum Verlag Rainer Lippert Mit Marx zur Marktwirtschaft? Eine Neuerung der Marx’schen Arbeitswerttheorie Dritte, vollständig überarbeitete Auflage Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag, Reihe: Wirtschaftswissenschaften; Bd. 82 © Tectum Verlag – ein Verlag in der Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 2017 ISBN: 978-3-8288-6667-6 (Dieser Titel ist zugleich als gedrucktes Buch unter der ISBN 978-3-8288-3917-5 im Tectum Verlag erschienen.) ISSN: 1861-8073 Satz: Ulrich Borstelmann design & publishing Alle Rechte vorbehalten Besuchen Sie uns im Internet www.tectum-verlag.de Bibliografische Informationen der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen National bibliografie; detaillierte bibliografische Angaben sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar. 5 Vorwort Vorwort Die in dem vorliegenden Buch beschriebene Arbeitswerttheorie basiert auf der üblicherweise mechanistisch interpretierten Marx’schen Arbeitswerttheorie, die den Wert als vergegenständlichte, gesellschaftlich nützliche Arbeit beschreibt. Doch geht sie über seine mechanistische Auffassung hinaus und fasst den Wertbegriff viel weiter. Ziel dieser Ausarbeitung ist, die Arbeitswerttheorie an die Erfordernisse der jetzigen Zeit anzupassen. Nach dieser neuen Sicht ist der Wert nicht in einer Ware enthalten, nicht darin „vergegenständlicht“, wie Marx sagt, sondern sie beschreibt, dass nur die Bezugspunkte für die Wertbeziehungen in Produkte eingebracht werden. Der Wert selbst wird als gesellschaftliches Verhältnis gesehen, das zwischen Menschen herausgebildet wird. Nur wenn der Wert nicht als in Waren vergegenständlicht, sondern zwischen Menschen wirkend gesehen wird, kann dieser als wirkliches gesellschaftliches Verhältnis erfasst werden. Der Begriff „Ware“ stellt einen weiteren wichtigen Unterschied in der hier dargestellten Wertauffassung gegenüber der klassischen Arbeitswerttheorie dar. Nach der gängigen Interpretation der Arbeitswerttheorie ist eine Ware ein stoffliches Objekt, das gesellschaftlich nützliche Arbeit enthält und damit Wert beinhaltet. Der Wert soll mit der gesellschaftlich nützlichen Arbeit darin vergegenständlicht worden sein. Nach der hier vorliegenden Arbeitswerttheorie wird auch der Begriff der Ware weiter gefasst. Zur eindeutigen Unterscheidung vom konventionellen Warenbegriff wird hier der Begriff Wertobjekt verwendet. Das wichtigste Merkmal eines Wertobjektes – im Unterschied zur Ware – ist, dass der Wert nicht als darin vergegenständlicht beschrieben wird. Vielmehr wird der Wert als ökonomisches Wertattribut aufgefasst, das den Wertobjekten über das menschliche Bewusstsein mit einem bestimmten Wertbetrag beigefügt wird. Durch die Darstellung des Wertes als Wertattribut mit einem Wertbetrag wird der „Wirkungsraum“ des Wertes erweitert. Wert kann auf diese Art auch maschinell erstellten Produkten, bestimmten Naturgütern, die als solche keine menschliche Arbeit enthalten, und ebenso nicht-stofflichen Gütern, wie kulturellen Veranstaltungen, bestimmten Ideen usw., zugeordnet werden. Dass die Werte den Wertobjekten über das Bewusstsein in Form von Wertattributen beigefügt werden, bedeutet keinesfalls, dass damit die Wertobjekte rein ideelle Merkmale erhalten würden. Wert muss als gesellschaftliches Verhältnis zwischen Menschen auch eine nicht ideelle Äußerungsform besitzen. Die Wertbeziehung wird nach der hier dargestellten Wertauffassung gesellschaftlich relevant geäußert, da zum Erwerb eines Wertobjektes ein Wertäquivalent abgegeben werden muss. Diesem Äquivalent wird in dem gesellschaftlichen Wertverhältnis, über das der Austausch Wertobjekt gegen Wertäquivalent erfolgt, ein ökonomisches Wertattribut mit gleichem Wertbetrag zugeordnet. Damit ordnen sowohl die Käufer- als auch die Verkäuferseite ihren ideellen Wertvorstellungen eine gemeinsame objektive Wertgröße zu, mit der sie ihre ideellen Wertvorstellungen auf die gesellschaftliche Ebene heben. Diese gemeinsame Größe ist der ökonomische Wert. 6 Lippert Das Ziel der vorliegenden Arbeit war ursprünglich, in der DDR den Gedanken an die Beachtung des Marktes zu etablieren. Es war nicht das Ziel, die Leistung von Marx zu negieren. Es ging um Verfeinerung und Aktualisierung. Diese Arbeit entstand im Zeitraum von 1981 bis 1988 in mehreren Etappen als Ergebnis der kritischen Auseinandersetzung mit der damals gegebenen sozialistischen Planwirtschaft. Durch Auseinandersetzungen mit Spezialisten aus Einrichtungen wie dem Ministerium für Verkehrswesen der DDR und der Staatlichen Plankommission, mit Wirtschaftswissenschaftlern an der Humboldt-Universität Berlin, der Karl-Marx-Universität Leipzig, der Hochschule für Ökonomie Bruno Leuschner, der Akademie der Wissenschaften der DDR / Zentralinstitut für Wirtschaftswissenschaften und anderen präzisierte ich meine Gedanken stetig. Eine Veröffentlichung gelang vor der Wende leider nicht, obwohl gegen Ende der DDR Unterstützung dafür angeboten wurde. Seit 2012 habe ich den gesamten Inhalt überarbeitet. 7 Inhalt Inhalt Einleitung 9 Thesen zur Arbeitswerttheorie 13 Zu These 1: Wert ist ein gesellschaftliches Verhältnis 15 Zu These 2: Wert existiert nur in Verbindung mit dem menschlichen Bewusstsein 17 Zu These 3: Wert basiert auf Bedürfnissen der Tauschpartner nach bestimmten Objekten der Umwelt – den Wertobjekten 25 Zu These 4: Bei der Ausprägung insbesondere der ökonomisch relevanten Bedürf nisse im Bewusstsein wichten die Menschen notwendigerweise Die Wichtung erfolgt aufgrund von Begrenzungen der menschlichen Möglichkeiten im gesell schaftlichen und natürlichen Umfeld, durch begrenzte Ressourcen sowie durch die begrenzten Fähigkeiten und Fertigkeiten der Menschen selbst 65 Zu These 5: Wert ist ein gesellschaftlich determiniertes und individuell beeinfluss tes Verhältnis zwischen Tauschpartnern Er wird innerhalb eines Wertverhältnisses für den Tauschprozess gebildet Das gesellschaftliche Verhältnis Wert basiert auf Bedürfnissen nach Gütern, die durch Tausch aus dem Eigentum des einen Tausch partners in das Eigentum des anderen Tauschpartners überführt werden Wert beruht auf der gegenseitigen Anerkennung der Äquivalenz der ökonomischen Wertattribute der Tauschobjekte 75 Zu These 6: Wertobjekte und Wertäquivalente (meistens Geld) erscheinen im Ereignisfeld einander immer gleich groß gegenübergestellt 125 Zu These 7: Mit der Entwicklung und Entfaltung von Arbeitsteilung, Kommuni kation und Handel können in der Gesellschaft relativ stabile gewichtete Bezie hungsstärken zu Wertobjekten als Durchschnittsgrößen herausgebildet werden Diese führen wiederum zu relativ stabilen Wertverhältnissen zwischen den Tauschpartnern 129 8 Lippert Zu These 8: Der Marx‘sche Wertbegriff beschreibt in etwa einen Spezialfall eines allgemeinen Arbeitswertbegriffes Seine Ableitung entsprach dem fortgeschrittensten Erkenntnisstand des 19 Jahrhunderts, ist aber zur Steuerung von ökonomischen Prozessen und Verhältnissen nicht hinreichend realitäts abbildend 141 Zu These 9: Wertobjekte (nach der gängigen Wertauffassung „Werte“) können durch menschliche und maschinelle Arbeit geschaffen werden, und zwar sowohl durch die sogenannte „produktive“ als auch durch die sogenannte „nicht produktive“ Arbeit 157 Zu These 10: Unter bestimmten gesellschaftlichen und natürlichen Bedingungen werden auch nicht durch Menschen geschaffene Objekte als Wertobjekte in die ökonomischen Prozesse einbezogen Das geschieht über das Bewusstsein und in Verbindung mit dem gesamten gesellschaftlichen Arbeits und Austauschprozess 175 Zu These 11: Eine Wertbeziehung im ökonomischen Sinne basiert nicht direkt auf den gewichteten Bedürfnissen nach den Wertobjekten, sondern auf den gewichteten Bedürfnissen nach den umfassender zu sehenden Bedürfnis befriedigungskomplexen 197 Zu These 12: Der Markt ist nicht Realisierungspunkt von angebotenen Werten, sondern der eigentliche Ort der Wertbildung Das Was und das Wie aller Angebote auf dem Markt muss durch Menschen im jeweiligen gesellschaftlichen (und natürlichen) Kontext geplant werden Der Markt denkt nicht und der Markt lenkt nicht 199 Anhang – Abbildungen 221 Danksagung 259 Index 261 Quellen 269

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Zusammenfassung

Der Zusammenbruch der UdSSR um 1990 markierte nach allgemeiner Auffassung auch den Triumph der freiheitlichen Wirtschaftsordnung über das sozialistische Planwirtschaftsmodell. Die genauen Gründe hierfür sind nicht leicht auszumachen. Allein die Fülle an unterschiedlichen Theorien zur Erklärung des sowjetischen Zerfalls legt den Schluss nahe, dass es ein komplexes Zusammenspiel mannigfaltiger Faktoren war, die den kommunistischen Gedanken als eine praktische Wirklichkeit nicht überdauern ließ. Rainer Lippert fügt der wissenschaftlichen Diskussion einen weiteren, wertvollen Ansatz hinzu. Seine neue und zeitgemäße Überarbeitung der weltberühmten Theorie erweitert Marx’ klassischen Arbeitswertbegriff und beweist, dass dieser nur ein Spezialfall eines viel allgemeineren Wertbegriffes ist. Durch Lipperts Erweiterung der Marx'schen Arbeitswerttheorie lässt sich nicht nur der entscheidende Konstruktionsfehler planwirtschaftlicher Modelle benennen: Aus dem Überführen der Marx’schen Grundprämisse in eine allgemein lebenswirklichere Form gelingt ihm auch in schlüssiger Weise die zentrale Argumentation für die freie Marktwirtschaft.