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Anselm Geserer

Vom Erlebten zum Erlebnis, page 1 - 8

Eine Bestimmung des Außeralltäglichen durch Bungee

1. Edition 2017, ISBN print: 978-3-8288-3871-0, ISBN online: 978-3-8288-6652-2, https://doi.org/10.5771/9783828866522-1

Series: Studien zur Unterhaltungswissenschaft, vol. 11

Tectum, Baden-Baden
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Vom Erlebten zum Erlebnis. Eine Bestimmung des Außeralltäglichen durch Bungee Über dieses Buch Ob in der Gastronomie, in Schwimmbädern oder in der Pädagogik – überall prangt das Versprechen um das „ganz besondere Erlebnis“. Tatsächlich sind Erlebnisse in unserer Gesellschaft essentiell. So lässt sich zeigen, dass erst das wahre und außeralltägliche Erlebnis Entgrenzung, Freiheit und persönliche Zufriedenheit möglich macht. Doch was genau ist ein „Erlebnis“ und worin unterscheidet es sich von einer ganz alltäglichen Erfahrung? Wissenschaftlich fundiert arbeitet Anselm Geserer jene Konstituenten heraus, die das Erlebte auch tatsächlich zum Erlebnis werden lassen. Zur näheren Bestimmung dient ihm dabei der Bungee-Sprung als prototypische Verkörperung dessen, was wir als Erlebnisphänomen betrachten. In Kombination aus der Empirie qualitativer Erlebnismuster und einschlägiger soziologischer sowie psychoanalytischer Theorien zeigt der Autor, wie Bungee den Körper instrumentalisiert, unterwirft und mit seinem erbarmungslosen Charakter zum Erlebnishöhepunkt führt. Für seine Arbeit erhielt der Autor den Alumni-Preis der Philosophischen Fakultät der Universität Freiburg. Über den Herausgeber Sacha Szabo ist Soziologe und leitet das Institut für Theoriekultur in Freiburg. Institut für Theoriekultur Das Institut für Theoriekultur ist ein Theoriedienstleister und erarbeitet Phänomene und der sozialen Wirklichkeit. Die Idee, die dem Institut für Theoriekultur zugrunde liegt ist, Wissenschaft alltagstauglich und anwendbar zu gestalten. Das Institut wird von der Idee getragen, dass Wissenschaft nicht in den Elfenbeinturm gehört, sondern auf die Straße. Sie muss leben und am Leben teilhaben. Mehr Informationen finden Sie unter www.institut-theoriekultur.de Institut für Theoriekultur Studien zur Unterhaltungswissenschaft Band 11 Anselm Geserer Vom Erlebten zum Erlebnis. Eine Bestimmung des Außeralltäglichen durch Bungee Anselm Geserer Vom Erlebten zum Erlebnis. Eine Bestimmung des Außeralltäglichen durch Bungee Studien zur Unterhaltungswissenschaft; Band 11 Umschlaggestaltung: robmod.de/Timo Stiegler ISBN: 978-3-8288-6652-2 (Dieser Titel ist zugleich als gedrucktes Buch unter der ISBN 978-3-8288-3871-0 im Tectum Verlag erschienen.) Tectum Verlag Marburg, 2017 Alle Rechte vorbehalten Besuchen Sie uns im Internet www.tectum-verlag.de Bibliografische Informationen der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Angaben sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar. Sacha Szabo Geleitwort 5 Geleitwort Sacha Szabo Hin und Her Wenn man sich für ein Bild entscheiden müsste, das den gegenwärtigen Erlebnishunger illustriert, dann wäre dies der Bungee-Sprung. Am Ende eines meterlangen Latexseiles schwingt das Resultat des internalisierten Imperativs „Erlebe Dein Leben!“ schreiend auf und ab. Dass wir in einer Gesellschaft leben, die das Erlebnis als zentrale Motivation des Handelns versteht, zeigt sich an der Vielzahl von Phänomenen, die mit dem Präfix Erlebnis versehen werden. Man kann sich streiten ob man Gerhard Schulzes epochemachende Diagnose dazu zählen soll aber spätestens bei Erlebnisparks, Erlebnisgastronomie, Erlebnistheorie und dem Boom der Erlebnispädagogik wird deutlich, welchen Stellenwert das Erlebnis einnimmt. Dabei, und das ist das Irritierende, gibt es in all diesen Kontexten keine qualifizierte Definition was ein Erlebnis überhaupt ist und was es auszeichnet. Mutmaßungen, Verweise und Referenzen legen sich wie ein Camouflage-Muster über diese Lücke und wie bei der spektakulären Dazzle-Tarnung, weiß man nun nicht ob sich der Gegenstand auf einen zu bewegt oder sich entfernt. Will man diese Lücke beschönigen, kann man sagen der Begriff ist schillernd. Anselm Geserer gebührt der Verdienst diese Lücke geschlossen und eine empirisch valide Definition erarbeitet zu haben. Ein Erlebnis zeichnet aus – und das kann man mit Geserers Arbeit belegen -, dass es eine außeralltägliche Qualität besitzt, zu einer gedoppelten Transzendenz führt, den Rezipienten oder Probanden fokussiert und interaktiv limitiert ist. Das alles klingt nach einem hoch komplexen Chiasmus, der sich allerdings auf ein zentrales Merkmal zusammenziehen lässt. Ein Erlebnis definiert sich durch seine Außeralltäglichkeit. Das Außeralltägliche ist ein Zustand, in dem das reflexive Ich für einen kurzen Moment aufgehoben ist und mit seiner Umwelt verschmilzt. Allerdings kann das Ich diesen Zustand nicht lange aushalten, da er dieser die Existenzbedingung des Ichs, nämlich das Getrenntsein von der Umwelt, aufhebt. Und so pendelt das Ich, wie der Springer am Bungeeseil, wieder in den Alltag zurück. Das Besondere der vorliegenden Arbeit ist nun, dass diese Definition genau an dem Phänomen erarbeitet wurde, das metonymisch für das Erlebnis steht: am Bungee. Sacha Szabo 7 Inhaltsverzeichnis Einleitung ............................................................................................................................ 9 1 Bungee-Jumping ....................................................................................................... 11 1.1 Bungee – Der Extremsport .............................................................................. 11 1.2 Die Geschichte des Bungee – Kulturhistorie eines modernen Phänomens ......................................................................................................... 14 1.3 Der Ursprung: Die Lianenspringer von Pentecost ........................................ 19 1.4 Physikalische Konstruktion von Bungee ........................................................ 23 2 Qualitative Analyse ................................................................................................... 29 2.1 Vorgehensweise .................................................................................................. 30 2.1.1 Das Erhebungsinstrument Interview und der Leitfaden ........................ 30 2.1.2 Ablauf und Bedingungen ............................................................................ 31 2.1.3 Transkription ................................................................................................. 33 2.1.4 Interpretation ................................................................................................ 34 2.2 Analyse der Erstspringer ................................................................................... 35 2.2.1 Eine außergewöhnliche Qualität ................................................................. 36 2.2.2 Die Relation des Subjekts zu seiner Umwelt ............................................ 42 2.2.3 Wahrnehmung und Zeit .............................................................................. 47 2.3 Routine im Vergleich ......................................................................................... 53 2.3.1 Der Antagonist des Außergewöhnlichen .................................................. 53 2.3.2 Subjekt und Umwelt in der Routine ........................................................... 56 2.3.3 Wahrnehmung und Zeitstruktur in der Routine ....................................... 58 3 Theoretische Fundierung ........................................................................................ 63 3.1 Analytischer Unterbau – Begriff und Definition .......................................... 63 3.2 „Erlebnis“ ........................................................................................................... 65 3.3 Charisma und Außeralltäglichkeit .................................................................... 68 3.3.1 Die Konzeption des Charismas .................................................................. 68 3.3.2 Das Außeralltägliche im Alltag ................................................................... 73 3.3.3 Das charismatische Erlebnis ....................................................................... 76 3.4 Das Erlebnis und das Transzendente .............................................................. 78 3.4.1 Die Konzeption Michael Balints ................................................................ 78 3.4.2 Die Grenzen des Subjekts ........................................................................... 81 3.5 Erlebnis und Flow ............................................................................................. 83 8 3.5.1 Flow und Außeralltäglichkeit ........................................................................ 83 3.5.2 Das Flow-Erlebnis ......................................................................................... 87 3.6 Übersicht ............................................................................................................. 88 4 Das Schicksal und das Ritual .................................................................................. 91 4.1.1 Die Figur des Schicksals .............................................................................. 91 4.1.2 Die Lust am Risiko – warum sich Menschen in den Abgrund stürzen . 93 4.1.3 Die Figur des Rituals .................................................................................... 96 4.1.4 Übergang und Veränderung ...................................................................... 100 5 Umgrenzung ........................................................................................................... 105 5.1 Das Abenteuer ................................................................................................. 105 5.2 Die Ekstase ....................................................................................................... 108 5.3 Die Erfahrung .................................................................................................. 111 6 Schlussbetrachtung ................................................................................................. 117 7 Literatur ................................................................................................................... 119 8 Anhang .................................................................................................................... 125 8.1 Erlebnisbericht eines Bungeesprungs ........................................................... 125 8.2 Vorbereitung der Interviews ........................................................................... 133 8.3 Transkripte der Interviews .............................................................................. 138 8.4 Pressemappe „Skyrider – Das Original“ ....................................................... 162 9 Danksagung ............................................................................................................ 163

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Zusammenfassung

Ob in der Gastronomie, in Schwimmbädern oder in der Pädagogik – überall prangt das Versprechen um das „ganz besondere Erlebnis“. Tatsächlich sind Erlebnisse in unserer Gesellschaft essentiell. So lässt sich zeigen, dass erst das wahre und außeralltägliche Erlebnis Entgrenzung, Freiheit und persönliche Zufriedenheit möglich macht. Doch was genau ist ein „Erlebnis“ und worin unterscheidet es sich von einer ganz alltäglichen Erfahrung?

Wissenschaftlich fundiert arbeitet Anselm Geserer jene Konstituenten heraus, die das Erlebte auch tatsächlich zum Erlebnis werden lassen. Zur näheren Bestimmung dient ihm dabei der Bungee-Sprung als prototypische Verkörperung dessen, was wir als Erlebnisphänomen betrachten. In Kombination aus der Empirie qualitativer Erlebnismuster und einschlägiger soziologischer sowie psychoanalytischer Theorien zeigt der Autor, wie Bungee den Körper instrumentalisiert, unterwirft und mit seinem erbarmungslosen Charakter zum Erlebnishöhepunkt führt.

Für seine Arbeit erhielt der Autor den Alumni-Preis der Philosophischen Fakultät der Universität Freiburg.