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Vorwort in:

Christoph-Maria Scholter

Die Kinderzeichnung im Kontext von Spiel- und Medienwelten der 1980er-Jahre, page 9 - 10

Historische Jungenzeichnungen zum Themenfeld Masters of the Universe

1. Edition 2017, ISBN print: 978-3-8288-3875-8, ISBN online: 978-3-8288-6649-2, https://doi.org/10.5771/9783828866492-9

Series: KONTEXT Kunst - Vermittlung - Kulturelle Bildung, vol. 14

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
9 Vorwort Christoph-Maria Scholter widmet sich im historischen Rückblick der Analyse und der Erforschung von Jungenzeichnungen aus den 80er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Diese haben Motive aus dem damals sehr erfolgreichen Medienverbund der Actionspielserie Masters of the Universe (MotU) der US-amerikanischen Firma Mattel zum Gegenstand. Er legt eine Spurensicherung von Sehweisen, Spielpräferenzen, Weltbildern und Interessen, Wünschen und Anliegen ganzer Jahrgänge von Jungen in Westdeutschland vor, die durch die hier vorgenommenen Analysen ihrer Zeichnungen wahrgenommen und »gelesen« werden. Diese Zeichnungen zu den verschiedensten Bereichen des Spielzeugverbundes MotU entstanden ausschließlich aus eigenem Interesse und aus eigener Initiative der Kinder, ohne Anleitung und Kontrolle durch Eltern oder Lehrende, in häuslichen und privaten Kontexten. Sie wurden nicht durch einen schulischen Kunstunterricht begleitet, da in Schulen und Elternhäusern die Ästhetik, Ideologie und die kaum kontrollierbare Begeisterung der Jungen für die oftmals bewaffneten Fantasy-MotU-Figuren pädagogisch mehr als umstritten waren. Es handelt sich somit auch um historische Dokumente aus einem informellen »Randbereich«, welcher aber von Seiten der Jungen her in bedeutsamer biografischer Perspektive als ihr eigener, unabhängiger Raum für ihre Spiel- und Sammelleidenschaft, Austausch, Erprobung von Rollenmodellen und Imagination wahrgenommen wurde, in dem sie ihre kindlichen Sehweisen und Wünsche weitgehend ohne Vorgaben der Eltern widerspiegeln konnten und in den Zeichnungen formulierten. Die Sammlung dieser Zeichnungen zum Universum von MotU war zugleich von gebotener Eile, handelt es sich doch hier meist um Werke, die mehr oder weniger verstaubt, in Schubladen oder auf Dachböden lagerten. Da die meisten Mütter in den 80er-Jahren diese Zeichnungen weitgehend als wenig wertgeschätztes Material wegwarfen, ist die Untersuchung der noch vorgefundenen Zeichnungen von hohem dokumentarischem wie kultursoziologischem Wert. Mit der Vorstellung dieser komplexen Kinderzeichnungssammlung und des begleitenden Bildmaterials öffnet sich ein historischer Raum, in dem durch den Blick auf einzelne Werke ein Rundgang durch die Welt heute nicht mehr existierender Kinder- und Spielzimmer erschlossen wird. Erstmalig werden durch Christoph Scholter bisher kaum beachtete Kindheits- und Spielerlebnisse einer ganzen Generation dokumentiert. Diese ist heute zwischen 30 und 40 Jahren alt und verknüpft bis in die Gegenwart mit den Masters of the Universe eine Fülle von Assoziationen und konkreten biografischen Erinnerungen. Das lässt sich beispielsweise auch in den entsprechenden Internetforen nachverfolgen. Zugleich entstanden diese Jungenzeichnungen, gesellschaftspolitisch gesehen, an einer historisch relevanten Schnittstelle, kurz vor der Einführung des Privatfernsehens und der dann gleichfalls einsetzenden Digitalisierung der Lebenswelten. Diese kulturellen Entwicklungen führten dann nur wenige Jahre später sehr rasch durch schnellere Sehweisen und komplexere Bilderfahrungen zu gravierenden Veränderungen in der qualitativen Gestaltung von Kinderzeichnungen. Bisher fehlten ebenso Einzelstudien, die sich mit geschlechterspezifischen Themen in der Geschichte der Kinder- und Jugendzeichnung auseinandersetzen. Christoph Scholter legt hier eine neue Sehweise auf Jungenzeichnungen vor. Nach der Lektüre dieser Untersuchung 10 und ihrer erweiterten Wahrnehmung von Jungenzeichnungen sind die seit Jahrzehnten gängigen Kriterien zur Analyse von Jungen- und auch Mädchenzeichnungen in ihrer Handhabung und sprachlichen Fassung äußerst kritisch zu werten und neu zu überprüfen. Mit dieser sorgfältigen und konzentrierten Grundlagenforschung werden somit auch über die Perspektive der historischen Kinderzeichnungsforschung hinaus wichtige Akzente gesetzt. Jutta Ströter-Bender November 2016

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Zusammenfassung

Von 1982 bis 1988 vertrieb die Firma Mattel die Action-Figurenserie Masters of the Universe, die zu ihrer Zeit – neben der bekannten Barbie-Figur – eine ihrer absatzstärksten Produktlinien darstellte. He-Man ist vermutlich die populärste Figur einer Bilderwelt, die vor allem die Jungen dieser Generation faszinierte.

Christoph-Maria Scholter untersucht in seiner Arbeit Kinderzeichnungen von Jungen aus den 1980er-Jahren, die sich direkt auf das Themenfeld Masters of the Universe beziehen. Er berücksichtigt in diesem Zusammenhang ausgewählte Aspekte kindlicher Medienrezeption, beleuchtet die historischen Spiel- und Medienwelten von Jungen und verortet seine Analysen im Rahmen der Kinderzeichnungsforschung.

Das umfangreiche Bild- und Quellenmaterial, das er gesammelt hat, ermöglicht die Rekonstruktion von Medienspuren innerhalb der damaligen kindlichen Lebenswelt. Dabei geht Scholter nicht nur dem zeichnerischen Aneignungs- und Rezeptionsprozess der Bildvorlagen nach, sondern gewährt zugleich spannende Einblicke in die Spielkindheit von Jungen in den 1980er-Jahren.