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1 Forschungsfeld in:

Christoph-Maria Scholter

Die Kinderzeichnung im Kontext von Spiel- und Medienwelten der 1980er-Jahre, page 11 - 12

Historische Jungenzeichnungen zum Themenfeld Masters of the Universe

1. Edition 2017, ISBN print: 978-3-8288-3875-8, ISBN online: 978-3-8288-6649-2, https://doi.org/10.5771/9783828866492-11

Series: KONTEXT Kunst - Vermittlung - Kulturelle Bildung, vol. 14

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
11 1 Forschungsfeld Im Mittelpunkt des Forschungsinteresses steht die Analyse historischer Kinderzeichnungen aus den 1980er-Jahren, die sich der Produktlinie Masters of the Universe (MotU) widmen. Dabei handelt es sich um Spielzeuge in Verbindung mit Medienprodukten, welche sich damals an Jungen im Vor- und Grundschulalter richteten und bei einem Großteil der Kinder bekannt und sehr beliebt waren. Der kommerzielle Erfolg der Spielzeugreihe war enorm, sodass um die Mitte des Jahrzehnts jeder dritte Junge in der Bundesrepublik mindestens eine, häufig jedoch mehrere Masters- Figuren besaß.1 Ein besonderes Merkmal stellt dabei der Medienverbund dar. Die Spielfiguren mit ihrer Fülle an Zubehör waren Teil eines komplexen und sehr breit angelegten Systems, das beispielsweise von Comic-Heften, Zeichentrickfilmen und Hörspielen über Mal- und Bilderbücher bis hin zu Pausenboxen oder Bettwäsche reichte. Ganze Lebenswelten konnten so thematisch gestaltet werden und die Produktlinie fand sowohl haptisch als Spielzeug als auch in audiovisueller Form Eingang in viele Kinderzimmer. Ein Phänomen, welches sich in Bezug auf seinen derart reichhaltigen Umfang sowie hinsichtlich seiner Leitmedien und Rahmenbedingungen in den folgenden Jahrzehnten gewandelt hat. Die Zeichnungen zu MotU stehen »in der Geschichte der ästhetischen Sozialisation an einer historischen `Nahtstelle´, kurz vor der Einführung des Privatfernsehens und der Einführung der Bildschirmspiele. Entwicklungen, die dann durch schnellere Sehweisen und komplexere Bilderfahrungen die Kinderzeichnungen in ihrer qualitativen Gestaltung verändern sollten.«2 Anhand des bildnerischen Verarbeitungsprozesses dieser Spiel- und Medienwelt lassen sich besondere Charakteristika feststellen, welche auf dem Feld der Kinderzeichnungsforschung gemessen werden können. Dies betrifft unter anderem die Darstellung von Körper und Raum, den Farbeinsatz, die Wiedergabe von Details sowie geschlechts- und altersabhängige Gesichtspunkte in Zusammenhang mit den medienabhängigen Vorlagen. Grundlage der Forschungsarbeit liefert eine Zusammenstellung von bisher über 200 in der damaligen Bundesrepublik entstandenen Zeichnungen von Jungen im Vor- und Grundschulalter, die das Thema MotU behandeln. Zusätzlich unterstützen sowohl selbstgefertigte Bildergeschichten oder Kassettenhüllen als auch Fotos von Spielszenen sowie Erfahrungs- und Erinnerungsberichte die Untersuchung und unterstreichen den dokumentarischen Charakter dieser Arbeit. Außerdem konnten viele Zeichnungen zu vergleichbaren Themenbereichen der mediengeprägten Kinderkultur dieser Zeit gesammelt werden, wie etwa zu Star Wars, Marshall BraveStarr oder MASK. Dabei erheben weder die Fundstücke der themengebundenen Bilder noch die Auswahl des weiteren Forschungsmaterials Anspruch auf Repräsentativität, sondern sind als eine Reihe von Fallbeispielen zu betrachten, anhand derer sich Bezüge zu bestehenden und aktuellen Forschungsergebnissen herstellen lassen. 1 Vgl. Fuchs, Claudia: Barbie trifft He-Man. Kinder erzählen über Spielwelten und ihre Alltagswelt. Freiburg i. Br. 2001, S.19. 2 Ströter-Bender, Jutta: »Masters of the Universe« 1985–1986 (MotU). In: Kirchner, Constanze u. a. (Hrsg.): Kinderzeichnung und jugendkultureller Ausdruck. Forschungsstand – Forschungsperspektiven. München 2010, S. 241. 12 Das Projekt bewegt sich nicht nur im Rahmen der Kinderzeichnungsforschung. Ebenso werden medienpädagogische Aspekte sowie Gesichtspunkte im Bereich der Kulturwissenschaft berührt. So kann stellenweise das Aufwachsen in einer mediengeprägten Kinderkultur der 80er-Jahre beleuchtet werden, einem Schwellenjahrzehnt, in dem Kinder noch nicht als sogenannte Digital Natives gelten.3 3 »Spricht man von Kindern und Medien ist oft die Rede von den `Digital Natives´, also von der im Internetzeitalter aufgewachsenen Generation.« Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (Hrsg.): KIM-Studie 2012. Kinder + Medien, Computer + Internet. Basisuntersuchung zum Medienumgang 6- bis 13-Jähriger in Deutschland (2013). http://www.mpfs.de/fileadmin/KIM-pdf12/KIM_2012.pdf, S. 3.

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Zusammenfassung

Von 1982 bis 1988 vertrieb die Firma Mattel die Action-Figurenserie Masters of the Universe, die zu ihrer Zeit – neben der bekannten Barbie-Figur – eine ihrer absatzstärksten Produktlinien darstellte. He-Man ist vermutlich die populärste Figur einer Bilderwelt, die vor allem die Jungen dieser Generation faszinierte.

Christoph-Maria Scholter untersucht in seiner Arbeit Kinderzeichnungen von Jungen aus den 1980er-Jahren, die sich direkt auf das Themenfeld Masters of the Universe beziehen. Er berücksichtigt in diesem Zusammenhang ausgewählte Aspekte kindlicher Medienrezeption, beleuchtet die historischen Spiel- und Medienwelten von Jungen und verortet seine Analysen im Rahmen der Kinderzeichnungsforschung.

Das umfangreiche Bild- und Quellenmaterial, das er gesammelt hat, ermöglicht die Rekonstruktion von Medienspuren innerhalb der damaligen kindlichen Lebenswelt. Dabei geht Scholter nicht nur dem zeichnerischen Aneignungs- und Rezeptionsprozess der Bildvorlagen nach, sondern gewährt zugleich spannende Einblicke in die Spielkindheit von Jungen in den 1980er-Jahren.