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5 Untersuchungsmethodik in:

Christoph Eifler

Intensitätssteuerung im fitnessorientierten Krafttraining, page 97 - 134

Eine empirische Studie

1. Edition 2017, ISBN print: 978-3-8288-3895-6, ISBN online: 978-3-8288-6645-4, https://doi.org/10.5771/9783828866454-97

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Sozialwissenschaften, vol. 74

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
97 5 Untersuchungsmethodik Zur Überprüfung der in Kapitel 4 formulierten Hypothesen, wurde zum Wintersemester 2008/2009 ein Forschungsprojekt der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement (im Folgenden mit DHfPG abgekürzt) gestartet. Hierzu wurden Daten unter Berücksichtigung der in Kapitel 5 beschriebenen Untersuchungsmethodik in insgesamt 48 unterschiedlichen Fitness-Unternehmen, verteilt über ganz Deutschland, in Form eines Feldtests gesammelt. Die Datenerhebung erfolgte über Bachelor-Studierende der DHfPG als Multiplikatoren im Rahmen ihrer Bachelor-Thesen. 5.1 Treatment- und Probandenstichprobe Im Folgenden werden zunächst die Abstufungen bzw. Ausdifferenzierungen der Treatmentstichprobe dargestellt. Anschließend erfolgen eine Vorstellung der Probandenstichprobe sowie die Verteilung der Probanden auf die einzelnen, mehrfach abgestuften Stichproben. 5.1.1 Treatmentstichprobe Die Treatmentstichprobe (unabhängige Variable) wurde mehrfach gestuft. Auf einer ersten Stufe wurde die unabhängige Variable in drei trainingsmethodische Ansätze zur Intensitätssteuerung unterteilt: Krafttraining mit einer kontrollierten Intensitätssteuerung nach der ILB-Methode (deduktiver Ansatz der Intensitätssteuerung) – Versuchsgruppe 1 Krafttraining mit einer kontrollierten Intensitätssteuerung über das subjektive Belastungsempfinden (induktiver Ansatz der Intensitätssteuerung; Kontrolle des Belastungsempfindens über die Borg-Skala) – Versuchsgruppe 2 Krafttraining mit einer unkontrollierten bzw. intuitiven Intensitätssteuerung über das subjektive Belastungsempfinden – Versuchsgruppe 3 98 Um Pre-Test-Effekte (Lern- und Trainingseffekte) aufzudecken, wurden die unabhängigen Variablen auf einer zweiten Stufe jeweils in eine Experimental- und eine Kontrollgruppe ausdifferenziert: Krafttraining nach dem Ansatz der ILB-Methode mit Pre-Test – Versuchsgruppe 1.1 (Experimentalgruppe) Krafttraining nach dem Ansatz der ILB-Methode ohne Pre-Test – Versuchsgruppe 1.2 (Kontrollgruppe) Krafttraining nach subjektivem Belastungsempfinden (kontrolliert über Borg-Skala) mit Pre-Test – Versuchsgruppe 2.1 (Experimentalgruppe) Krafttraining nach subjektivem Belastungsempfinden (kontrolliert über Borg-Skala) ohne Pre-Test – Versuchsgruppe 2.2 (Kontrollgruppe) Krafttraining nach subjektivem Belastungsempfinden (unkontrolliert bzw. intuitiv) mit Pre-Test – Versuchsgruppe 3.1 (Experimentalgruppe) Krafttraining nach subjektivem Belastungsempfinden (unkontrolliert bzw. intuitiv) ohne Pre-Test – Versuchsgruppe 3.2 (Kontrollgruppe) Um die Störgröße „Trainingsalter“ zu kontrollieren, wurde die unabhängige Variable auf einer dritten Stufe nochmals in Leistungsstufen ausdifferenziert: Leistungsstufe „Beginner“ (B) mit mindestens 2 Monaten Krafttrainingserfahrung Leistungsstufe „Geübte“ (G) mit mindestens 6 Monaten Krafttrainingserfahrung Leistungsstufe „Fortgeschrittene“ (F) mit mindestens 12 Monaten Krafttrainingserfahrung Leistungsstufe „Leistungstrainierende“ (L) mit mindestens 36 Monaten Krafttrainingserfahrung Die Auswahl dieser Leistungsstufen beruht auf den Vorgaben der ILB- Methode (Strack & Eifler, 2005, S. 153) und wurde zwecks Standardisierung auf alle in dieser Studie getesteten Ansätze zur Intensitätssteuerung übertragen. „Krafttrainingserfahrung“ wurde im Rahmen dieser Studie als ein im Durchschnitt mindestens 1-2-mal pro Woche regelmäßig durchgeführtes Krafttraining definiert. Die Leistungsstufe „Leistungstrainierende“ sollte nicht mit Leistungssportlern besetzt werden. Belastbare Freizeit- und Gesundheitssportler mit einem Trainingsalter von mindestens 36 Monaten sollten unter dieser Leistungsstufe untersucht werden. Verschiedene Untersuchungen konnten zeigen, dass die Variab- 99 le „Trainingsalter“ einen weitaus größeren Einfluss auf Krafttrainingseffekte zu haben scheint als die Variable „kalendarisches Alter“ (Fröhlich et al., 2012, S. 17; Kraemer et al., 1999, S. 990). Dennoch wurde das kalendarische Alter als Kovariable bei der Datenauswertung berücksichtigt (vgl. Kapitel 5.5). Da verschiedene Studien zeigen konnten, dass Frauen deutlich stärker von einem Krafttraining profitieren als Männer (Buford, Rossi, Smith, Douglas & Warren, 2007, S. 1248; Herrick & Stone, 1996, S. 75; Lemmer et al., 2007, S. 733-735; Thomas et al., 2007, S. 338-339), wurde weiterhin in der jeder Stichprobe auf eine weitgehend homogene Geschlechterverteilung geachtet. Eine detaillierte Beschreibung des Treatments erfolgt in Kapitel 5.3 der vorliegenden Arbeit. 5.1.2 Probandenstichprobe Alle an der Studie teilnehmenden Probanden wurden über die Multiplikatoren in kommerziellen Fitness-Studios rekrutiert. Die Teilnahme an der Studie erfolgte sowohl für die Multiplikatoren als auch für die Probanden auf freiwilliger Basis. Eine Parallelisierung der Probanden erfolgte über die Klassifikation der Leistungsstufen (basierend auf dem Trainingsalter der Versuchspersonen). Des Weiteren wurden die Multiplikatoren aufgefordert, auf ein weitgehend identisches Geschlechterverhältnis zu achten. Eine Randomisierung erfolgte durch die Auslosung der Versuchsgruppen für die Multiplikatoren. Somit hatten weder Multiplikatoren noch Probanden einen Einfluss auf die Auswahl der Versuchsgruppen. Ein Kernziel bei der Probandenaquise bestand darin, eine für das Setting „Fitness-Studio“ repräsentative Klientel als Probanden zu rekrutieren. Nach Wirth (2007, S. 5) betreiben die meisten Besucher eines Fitness- Studios ein Krafttraining primär aus präventiven oder ästhetischen Gesichtspunkten. Nach Zimmermann (2002, S. 30) besteht die globale Zielstellung des primärpräventiven Krafttrainings in der Förderung bzw. Festigung von Gesundheit, Wohlbefinden und allgemeiner psychophysischer Leistungsfähigkeit, der Vermeidung von Krankheiten, die aus dem Risikofaktor Bewegungsmangel resultieren sowie der Verzögerung der gesundheitsbeeinträchtigenden Auswirkungen des Alterungsprozesses. Als Versuchspersonen wurden daher ausschließlich gesunde, erwachsene Männer und Frauen rekrutiert, die ein fitness- oder gesundheitssportlich orientiertes Krafttraining als primär- oder sekundärpräventive Interventionsmaßnahme durchführen. Nicht-repräsentative Minderheiten (z. B. Hochleistungssportler, Kinder und Jugendliche) wurden als 100 Versuchspersonen nicht in Betracht gezogen. Ausschlusskriterien für eine Teilnahme an der Studie waren manifeste Erkrankungen des Herz- Kreislauf-, Atmungs- oder muskuloskeletalen Systems (Tertiärprävention, Rehabilitation). Vor dem Versuchsstart wurden die Probanden über den Zweck der Studie mittels eines Informationsblattes aufgeklärt (vgl. Anhang 9). Danach erfolgten die Erfassung personenspezifischer Variablen sowie eine Anamnese in Form eines standardisierten Fragebogens (vgl. Anhang 10), um eventuelle gesundheitliche Risiken ausschließen zu können. Die Probanden- und Anamnesedaten wurden aus Gründen des Datenschutzes codiert. Insgesamt nahmen an der Studie 712 Probanden teil. 111 Probanden haben die Studie nicht beendet. Aussagen über die Gründe zum Abbruch der Studie können nicht getroffen werden. Statistisch auswertbare Datensätze liegen folglich von 601 Probanden vor. Voraussetzung zur statistischen Auswertung war die Teilnahme an mindestens 85 % der Trainingstermine (eine Kontrolle erfolgte duch die Multiplikatoren über Anwesenheitslisten sowie elektronische Check-in-Systeme) sowie die Teilnahme an allen Testterminen. Die Tab. 29 stellt eine Probandenstatistik für die 601 Kandidaten vor, welche die Studie beendet haben. Tab. 29: Deskriptive Statistik aller Probanden (ohne Drop-outs) Anzahl Probanden gesamt/männlich/weiblich N = 601/313/288 M. Std. Max. Min. Alter [Jahre] 33,88 9,52 67 18 Körpergröße [cm] 173,60 9,67 200 150 Körpergewicht [kg] 72,95 14,17 135 49 Trainingsalter [Monate] 24,02 30,62 240 2 Trainingshäufigkeit (Ø Einheiten/Woche) 2,60 0,65 5 1 Trainingsumfang (Ø Dauer/Einheit [min.]) 65,07 14,57 120 30 zusätzlicher Kraftsport (Ø Std./Woche) 0,17 0,60 8,0 0,0 zusätzlicher sonstiger Sport (Ø Std./Woche) 1,36 1,59 10,0 0,0 Die Tab. 30 stellt die gleichen Parameter für die Drop-outs vor. Hier liegen lediglich die Personendaten sowie bei den Experimentalgruppen die Pre-Test-Ergebnisse vor. Zwischen den Daten der Probanden, welche die Studie beendet haben, und den Drop-outs konnten keine signifikanten Unterschiede festgestellt werden. 101 Tab. 30: Deskriptive Statistik aller Drop-outs Anzahl Probanden gesamt/männlich/weiblich N = 111/49/62 M. Std. Max. Min. Alter [Jahre] 31,36 7,47 50 19 Körpergröße [cm] 173,23 10,11 198 156 Körpergewicht [kg] 71,05 14,17 110 50 Trainingsalter [Monate] 23,12 28,22 120 2 Trainingshäufigkeit (Ø Einheiten/Woche) 2,76 0,77 4 2 Trainingsumfang (Ø Dauer/Einheit [min.]) 65,41 13,54 90 45 zusätzlicher Kraftsport (Ø Std./Woche) 0,19 0,58 5,0 0,0 zusätzlicher sonstiger Sport (Ø Std./Woche) 1,38 1,57 6,0 0,0 Die Tab. 31 zeigt die Verteilung der 601 Probanden (ohne Drop-outs), geschichtet nach Versuchsgruppen und Geschlecht. Tab. 31: Anzahl Probanden, geschichtet nach Versuchsgruppen und Geschlecht Stichprobe N Probanden gesamt N Probanden männlich N Probanden weiblich V1 198 104 94 V1.1 104 54 50 V1.2 94 50 44 V2 205 106 99 V2.1 109 58 51 V2.2 96 48 48 V3 198 103 95 V3.1 102 54 48 V3.2 96 49 47 Gesamt 601 313 288 V = Versuchsgruppe Zwischen den Versuchsgruppen (V1, V2, V3) zeigten sich keine signifikanten Unterschiede hinsichtlich Alter (F(2, 598) = 1,00; p = 0,368), Körpergröße (F(2, 598) = 0,35; p = 0,702), Körpergewicht (F(2, 598) = 0,14; p = 0,873), Trainingsalter (F(2, 598) = 0,64; p = 0,527), Trainingshäufigkeit (F(2, 598) = 0,43; p = 0,653) sowie Trainingsumfang (F(2, 598) = 1,58; p = 0,206). 102 Zwischen Experimental- (V1.1, V2.1, V3.1) und Kontrollgruppen (V1.2, V2.2, V3.2) zeigten sich ebenso keine signifikanten Unterschiede hinsichtlich Alter (F(1, 599) = 0,02; p = 0,896), Körpergröße (F(1, 599) = 0,04; p = 0,841), Körpergewicht (F(1, 599) = 1,33; p = 0,249), Trainingsalter (F(1, 599) = 1,36; p = 0,244), Trainingshäufigkeit (F(1, 599) = 0,05; p = 0,833) sowie Trainingsumfang (F(1, 599) = 1,51; p = 0,220). Um den Einfluss zusätzlicher sportlicher Aktivität auf die Effekte des gerätegestützten Krafttrainings überprüfen zu können, wurde in der Anamnese (vgl. Anhang 10) abgefragt, ob zu dem gerätegestützten Krafttraining im Fitness-Studio weitere kraftorientierte sportliche Aktivitäten (Kräftigungsgymnastik, kraftorientierte Disziplinen in der Leichtathletik, Geräteturnen, Klettern etc.) sowie sonstige sportliche Aktivitäten (Ausdauertraining, ausdauerorientiertes Gruppentraining, Ballsportarten, Rückschlagspiele, Kampfsport, Schwimmen etc.) ausgeübt werden. 88,7 % der Probanden übten keine zusätzlichen kraftorientierten sportlichen Aktivitäten aus. 8,0 % der Probanden übten zusätzliche kraftorientierte Aktivitäten in einem Umfang bis zu einer Stunde pro Woche aus (eine Stunde pro Woche = Median). Lediglich 3,3 % der Probanden übten mehr als eine Stunde pro Woche zusätzliche kraftorientierte Aktivitäten aus. 43,1 % der Probanden übten keine zusätzlichen sportlichen Aktivitäten aus. 39,9 % der Probanden übten zusätzliche sportliche Aktivitäten in einem Umfang bis zu zwei Stunden pro Woche aus (zwei Stunden pro Woche = Median). 17,0 % der Probanden übten zusätzliche sportliche Aktivitäten in einem Umfang von mehr als zwei Stunden pro Woche aus. Zwischen den Versuchsgruppen (V1, V2, V3) zeigte sich lediglich bei dem Umfang der zusätzlichen kraftorientierten Aktivitäten ein signifikanter Unterschied (F(2, 598) = 6,60; p = 0,001). Hinsichtlich sonstiger zusätzlicher Aktivität konnte kein signifikanter Unterschied festgestellt werden (F(2, 598) = 0,64; p = 0,528). Zwischen Experimental- (V1.1, V2.1, V3.1) und Kontrollgruppen (V1.2, V2.2, V3.2) zeigte sich kein signifikanter Unterschied hinsichtlich zusätzlicher kraftorientierter Aktivitäten (F(1, 599) = 0,50; p = 0,479) sowie sonstiger zusätzlicher sportlicher Aktivitäten (F(1, 599) = 2,14; p = 0,144). Die Tab. 32 zeigt abschließend die Verteilung der 601 Probanden (ohne Drop-outs), geschichtet nach Versuchsgruppen, Leistungsstufen und Geschlecht. 103 Tab. 32: Anzahl Probanden, geschichtet nach Versuchsgruppen, Leistungsstufen und Geschlecht Stichprobe N Probanden gesamt N Probanden männlich N Probanden weiblich V1.1-B 26 13 13 V1.1-G 27 14 13 V1.1-F 29 15 14 V1.1-L 22 12 10 V1.2-B 23 12 11 V1.2-G 24 11 13 V1.2-F 26 16 10 V1.2-L 21 11 10 V2.1-B 25 12 13 V2.1-G 27 15 12 V2.1-F 36 20 16 V2.1-L 21 11 10 V2.2-B 26 13 13 V2.2-G 26 12 14 V2.2-F 23 12 11 V2.2-L 21 11 10 V3.1-B 25 13 12 V3.1-G 24 13 11 V3.1-F 33 18 15 V3.1-L 20 10 10 V3.2-B 24 13 11 V3.2-G 27 13 14 V3.2-F 25 13 12 V3.2-L 20 10 10 Gesamt 601 313 288 V = Versuchsgruppe B = Beginner G = Geübte F = Fortgeschrittene L = Leistungstrainierende 104 5.2 Variablenstichprobe Als abhängige Variable wurde in der vorliegenden Untersuchung die Veränderung der Kraftleistung definiert. Aus Gründen der Praktikabilität und guten Standardisierbarkeit (Stemper, 1994, S. 216) wurden sportmotorische Krafttests zur Erfassung der Kraftleistung eingesetzt. In diesem Kontext wurden 20-RM-, 10-RM- sowie 1-RM-Tests durchgeführt, um die Veränderungen der Kraftleistung in verschiedenen Krafttrainingsbereichen messen zu können. Einen Überblick über die zeitliche Positionierung der Tests kann aus Kapitel 5.2.4 entnommen werden. Um die Problematik der koordinativen Einflüsse (Moritani, 1994, S. 267) bzw. der Notwendigkeit einer zusätzlichen Testgewöhnungsphase (Ritti- Dias, Avelar, Salvador & Cyrino, 2011, S. 1422; Ploutz-Snyder & Giamis, 2001, S. 522) zu umgehen, wurden in der vorliegenden Studie ausschließlich Probanden mit einer Krafttrainingserfahrung von mindestens zwei Monaten zugelassen. Zudem wurden Test- und Trainingsübungen mit einem relativ geringen koordinativen Anspruch ausgewählt (vgl. Kapitel 5.3.2). Die folgenden Kapitel thematisieren die Durchführungsmodalitäten der in der vorliegenden Studie zum Einsatz kommenden Testverfahren sowie den zeitlichen Ablauf der Tests. 5.2.1 20-RM-Test Als 20-RM wurde die maximale Last für 20 Wiederholungen definiert. Der Ablauf des 20-RM-Tests wurde in der vorliegenden Untersuchung folgendermaßen standardisiert: fünf Minuten allgemeines Aufwärmen auf einem Ergometer nach Wahl des Probanden bei einer Belastungsherzfrequenz von 60 % der theoretischen Hfmax ein spezifischer Aufwärmsatz mit 50 % der im ersten Testsatz aufgelegten Gewichtslast bei zehn Wiederholungen (die Notwendigkeit eines allgemeinen und spezifischen Aufwärmens betonen Abad, Prado, Ugrinowitsch, Tricoli & Barroso, 2011, S. 2245) Durchführung von maximal drei Testsätzen („trial and error“ Prinzip); Einstiegsgewicht sowie Intensitätssteigerungen werden vom Versuchsleiter abgeschätzt; maximal 20 Wiederholungen pro Testsatz drei Minuten Pausendauer zwischen den Testsätzen Ausbelastungskriterien: primär technisch unkorrekte Bewegungsausführung sowie Abweichung vom vorgegebenen Bewegungstempo 105 (durchschnittliche TUT: 2/0/2 – nach Sánchez-Medina und González-Badillo (2011, S. 1733) stellt eine Abweichung vom vorgegebenen Bewegungstempo ein valides Instrument zur Erfassung der beginnenden neuromuskulären Ermüdung dar); sekundär konzentrisches Muskelversagen identische Übungsreihenfolge zur standardisierten Trainingsphase (vgl. Kapitel 5.3.3) 5.2.2 10-RM-Test Als 10-RM wurde die maximale Last für zehn Wiederholungen definiert. Der Ablauf des 10-RM-Tests wurde in der vorliegenden Untersuchung folgendermaßen standardisiert: fünf Minuten allgemeines Aufwärmen auf einem Ergometer nach Wahl des Probanden bei einer Belastungsherzfrequenz von 60 % der theoretischen Hfmax ein spezifischer Aufwärmsatz mit 50 % der im ersten Testsatz aufgelegten Gewichtslast bei zehn Wiederholungen Durchführung von maximal drei Testsätzen („trial and error“ Prinzip); Einstiegsgewicht sowie Intensitätssteigerungen werden vom Versuchsleiter abgeschätzt; maximal zehn Wiederholungen pro Testsatz drei Minuten Pausendauer zwischen den Testsätzen Ausbelastungskriterien: primär technisch unkorrekte Bewegungsausführung sowie Abweichung vom vorgegebenen Bewegungstempo (durchschnittliche TUT: 2/0/2); sekundär konzentrisches Muskelversagen identische Übungsreihenfolge zur standardisierten Trainingsphase (vgl. Kapitel 5.3.3) 5.2.3 1-RM-Test Als 1-RM wurde die maximale Last für eine Wiederholung definiert. Der Ablauf des 1-RM-Tests wurde in der vorliegenden Untersuchung folgendermaßen standardisiert: fünf Minuten allgemeines Aufwärmen auf einem Ergometer nach Wahl des Probanden bei einer Belastungsherzfrequenz von 60 % der theoretischen Hfmax ein spezifischer Aufwärmsatz mit 50 % der im ersten Testsatz aufgelegten Gewichtslast bei zehn Wiederholungen zweiter spezifischer Aufwärmsatz mit 80 % der im ersten Testsatz aufgelegten Gewichtslast bei zwei Wiederholungen 106 Durchführung von maximal vier Testsätzen („trial and error“ Prinzip); Einstiegsgewicht sowie Intensitätssteigerungen werden vom Versuchsleiter abgeschätzt; maximal eine Wiederholung pro Testsatz drei Minuten Pausendauer zwischen den Testsätzen Ausbelastungskriterien: primär technisch unkorrekte Bewegungsausführung sowie Abweichung vom vorgegebenen Bewegungstempo (durchschnittliche TUT: 2/0/2); sekundär konzentrisches Muskelversagen identische Übungsreihenfolge zur standardisierten Trainingsphase (vgl. Kapitel 5.3.3) Zur Legitimation der 1-RM-Testung bei Fitness- und Freizeitsportlern sei an dieser Stelle auf eine Untersuchung von Lovell, Cuneo und Gass (2011, S. 255-256) verwiesen. In dieser Untersuchung wurden Herzfrequenz- und Blutdruckanstieg älterer Menschen (Alterspanne zwischen 70 und 80 Jahre) bei der 1-RM-Testung sowie bei submaximaler Krafttestung erhoben. Hier konnte beobachtet werden, dass sowohl Herzfrequenz- als auch Blutdruckanstieg bei der 1-RM-Testung signifikant geringer im Vergleich zur submaximalen Krafttestung waren. Konträr zu der Meinung einiger Experten (z. B. Buskies & Boeckh-Behrens, 1999, S. 4) kommen Lovell et al. (2011, S. 257) auf der Basis dieser Studienergebnisse zu der Schlussfolgerung, dass die 1-RM-Testung im Hinblick auf kardiovaskuläre Risiken sicherer als eine submaximale Krafttestung ist. 5.2.4 Zeitliche Positionierung der Krafttests In der vorliegenden Studie wurden verschiedene Testbatterien zur Erfassung der Veränderungen der Kraftleistung eingesetzt. Vor der Interventionsphase wurden Pre-Tests durchgeführt. Nach der Interventionsphase wurden identisch standardisierte Post-Tests durchgeführt. Um überschießende Krafttrainingseffekte messen zu können, wurden zudem mehrere Follow-up-Tests (hier nur noch Testung 1-RM) durchgeführt. Schlumberger und Schmidtbleicher (1998, S. 35) konnten drei, sieben, zehn, 14 und 21 Tage nach einem Vortest signifikante Steigerungen der dynamischen Maximalkraft bei der Übung „Bankdrücken“ nachweisen. Schlumberger und Schmidtbleicher (1998, S. 38) räumen jedoch ein, dass die Kraftzuwächse ab 14 bis 21 Tage nach dem Vortest nicht mehr eindeutig auf die Treatmentphase zurückgeführt werden können und auch aus einer Testanpassung resultieren können. Dies sollte in der vorliegenden Studie berücksichtigt werden. Da zudem zwischen der Testung sieben und zehn Tage nach dem Vortest kaum ein Unterschied hinsicht- 107 lich der Maximalkraft festgestellt werden konnte (Schlumberger & Schmidtbleicher, 1998, S. 35), wurden für die vorliegende Studie Followup-Tests drei, sieben und 14 Tage nach dem 1-RM-Post-Test festgelegt. In der Tab. 33 wird der chronologische Ablauf der in der Studie zum Einsatz kommenden Testbatterien dargestellt. Tab. 33: Inhalte und chronologischer Ablauf der Testbatterien Testbatterien Inhalte und Ablauf Ablauf t0 (Pre-Test) 1. Termin: Testung 20-RM (mindestens 3 Tage Pause zum letzten Krafttraining) 2. Termin: Testung 10-RM (mindestens 3 Tage Pause zum 20-RM-Test) 3. Termin: Testung 1-RM (mindestens 3 Tage Pause zum 10-RM-Test) Ablauf t1 (Post-Test) 1. Termin: Testung 20-RM (mindestens 3 Tage Pause zum letzten Krafttraining) 2. Termin: Testung 10-RM (mindestens 3 Tage Pause zum 20-RM-Test) 3. Termin: Testung 1-RM (mindestens 3 Tage Pause zum 10-RM-Test) Ablauf t2 (Follow-up-Test) Testung 1-RM (3 Tage nach dem 1-RM-Test aus t1) Ablauf t3 (Follow-up-Test) Testung 1-RM (7 Tage nach dem 1-RM-Test aus t1) Ablauf t4 (Follow-up-Test) Testung 1-RM (14 Tage nach dem 1-RM-Test aus t1) Durch eine strikte Einhaltung der Tagesperiodik sowie einer festen Uhrzeit (Pre- und Post-Tests fanden an den gleichen Wochentagen sowie zu gleichen Uhrzeiten statt; Follow-up-Tests fanden ebenso zu gleichen Uhrzeiten statt) sollten cirkardianrhythmische Einflüsse auf die Untersuchungsbedingungen möglichst minimiert werden (Oschütz, 1991, S. 12). Da speziell die Testung des 1-RM mit größeren methodischen Schwierigkeiten behaftet ist, wurde über die Reihenfolge der Tests eine sukzessive Annäherung an das 1-RM realisiert und dadurch die Messgenauigkeit erhöht (Soares-Caldeira et al., 2009, S. 2044). Die Dokumentation der Testergebnisse erfolgte mittels standardisierter Testprotokolle (vgl. Anhang 11 bis 13). Die Motivation gilt als Einflussgröße auf die Kraftleistung (Hatfield & Brody, 2008, S. 166). Um motivationsbedingte Ausreißer mit auffälligen Testergebnissen identifizieren zu können, wurden die Probanden bei jedem Krafttesttermin nach aktueller Motivation und aktueller subjektiv empfundener Tagesform befragt. 108 Zudem wurde der zeitliche Abstand zum letzten Krafttraining sowie das eventuelle Vorliegen einer Muskelkatersymptomatik erfragt. 5.3 Untersuchungsdesign und Untersuchungsablauf Im Folgenden werden das Untersuchungsdesign, die zum Einsatz kommenden Test- und Trainingsübungen sowie die standardisierte Interventionsphase (Trainingsphase) der vorliegenden Studie im Detail vorgestellt. 5.3.1 Untersuchungsdesign Die Tab. 34 stellt das Studiendesign bzw. den Studienplan in der Übersicht dar. In den Experimentalgruppen wurde vor der Trainingsphase als Pre-Test (t0) das 20-, 10- und 1-RM bestimmt (vgl. Kapitel 5.2). Alle Versuchsgruppen absolvierten eine sechswöchige standardisierte Trainingsphase, da ab dieser Zeitspanne mit relevanten messbaren Veränderungen der Kraftleistung zu rechnen ist (Fleck & Kraemer, 2004, S. 67; Strack & Eifler, 2005, S. 158-159). Nach der Trainingsphase wurden in allen Versuchsgruppen (Experimental- und Kontrollgruppen) als Post-Test (t1) die gleichen sportmotorischen Krafttests durchgeführt. Um überschießende Kraftsteigerungen zu messen, wurden in allen Versuchsgruppen jeweils drei, sieben und 14 Tage nach dem letzten 1-RM-Test aus der Testbatterie t1 Follow-up-Tests (t2-t4) durchgeführt (Schlumberger & Schmidtbleicher, 1998, S. 35; vgl. Kapitel 5.2.4). Im Rahmen der Follow-up-Tests wurde lediglich das 1-RM als Testgröße erhoben (Vermeidung von Interaktionseffekten zwischen 1-RM- und X-RM-Tests). 109 Tab. 34: Studienplan V Pre- Test Trainingsmethode/ Intensitätssteuerung Post- Test Follow-up- Tests R: V1.1 t0 6 Wochen standardisiertes Krafttraining mit einer kontrollierten Intensitätssteuerung nach der ILB-Methode t1 t2 t3 t4 R: V1.2 --- 6 Wochen standardisiertes Krafttraining mit einer kontrollierten Intensitätssteuerung nach der ILB-Methode t1 t2 t3 t4 R: V2.1 t0 6 Wochen standardisiertes Krafttraining mit einer kontrollierten Intensitätssteuerung nach dem subjektiven Belastungsempfinden t1 t2 t3 t4 R: V2.2 --- 6 Wochen standardisiertes Krafttraining mit einer kontrollierten Intensitätssteuerung nach dem subjektiven Belastungsempfinden t1 t2 t3 t4 R: V3.1 t0 6 Wochen standardisiertes Krafttraining mit einer unkontrollierten Intensitätssteuerung nach dem Zufallsprinzip t1 t2 t3 t4 R: V3.2 --- 6 Wochen standardisiertes Krafttraining mit einer unkontrollierten Intensitätssteuerung nach dem Zufallsprinzip t1 t2 t3 t4 R = Randomisierung V = Versuchsgruppe Bei der Versuchsgruppe V1.2 sah das Studiendesign keinen Pre-Test vor (vgl. Tab. 34). Durch diese Anforderung an das Studiendesign eröffnete sich folgendes Problem: Die Versuchsgruppe V1.2 sollte ein standardisiertes und deduktiv gesteuertes Krafttrainingsprogramm nach der ILB- Methode absolvieren. Das Krafttrainingsprogramm wurde bei allen Versuchsgruppen grundsätzlich mit 10 Wiederholungen durchgeführt. Für die deduktive Herleitung der Trainingsintensitäten nach der ILB- Methode war die Durchführung des 10-RM-Tests vor dem Trainingszyklus somit obligat (20-RM- und 1-RM-Test waren von dieser Problematik nicht betroffen). Um dennoch Einflüsse dieses 10-RM-Tests auf die Testbatterie in t1 zu vermeiden, musste hier folgende Strategie angewandt werden: Der 10-RM-Test durfte für die Probanden der Versuchsgruppe V1.2 nicht als Test im engeren Sinne ersichtlich sein. Die Durchführung des 10-RM-Tests konnte hier von der Testleiterin bzw. dem Testleiter als „Gewöhnungstermin“ oder „Auftakttermin“ deklariert werden. Die Ergebnisse des 10-RM-Tests mussten für die Steuerung der Trainingsintensitäten dokumentiert werden. Die Ergebnisse durften den Probanden 110 jedoch nicht mitgeteilt werden. Diese Vorgehensweise war ethisch vertretbar; den Probanden entstanden keine Nachteile. Insofern ist diese „Tarnung“ des 10-RM-Tests als legitim zu erachten. Die Datenerhebung wurde im Rahmen von Bachelor-Thesen an Studierende der DHfPG delegiert. Die Versuchs- bzw. Projektleitung erfolgte zentral über den Autor der vorliegenden Arbeit. Die jeweiligen Stichproben wurden zugelost. Die Instruktion der als Multiplikatoren fungierenden Studierenden der DHfPG wurde wie folgt standardisiert: Die im Kontext dieser Studie untersuchten Krafttrainingsmethoden sowie die zugrundeliegenden Krafttestverfahren sind curricularer Bestandteil aller Studiengänge der DHfPG. Die teilnehmenden Studierenden verfügten dementsprechend über das notwendige fachliche Hintergrundwissen zur Durchführung der Datenerhebung. Das Forschungsprojekt wurde über eine Projektbeschreibung mit allen notwendigen Details zum Studiendesign sowie zum standardisierten Untersuchungsablauf ausgeschrieben. Alle teilnehmenden Studierenden wurden vom Projektleiter persönlich instruiert. Ebenso erfolgte die Zulosung der Stichproben zentral über den Projektleiter. Alle im Rahmen der Versuchsdurchführung zum Einsatz kommenden Informationsmaterialien, Anamnesebögen sowie Testprotokolle wurden zentral vom Projektleiter erstellt und den Multiplikatoren zur Verfügung gestellt (vgl. Anhang 9 bis 13). 5.3.2 Test- und Trainingsübungen Die vorliegende Studie verfolgte das Ziel, einen vollständigen Trainingsplan, d. h. eine systematische Zusammenstellung von Übungen für verschiedene Muskelgruppen in einer standardisierten Übungsreihenfolge, im Hinblick auf die Trainingseffekte empirisch zu überprüfen. Die Übungsauswahl sollte möglichst repräsentativ für einen Trainingsplan im Rahmen eines fitnessorientierten Krafttrainings sein. Da diesbezüglich keinerlei Standards oder einheitliche Vorgaben existieren, beruhten Übungsauswahl sowie Übungsreihenfolge primär auf pragmatischen Empfehlungen. Die Tab. 35 stellt die in der vorliegenden Studie zum Einsatz kommenden Test- und Trainingsübungen sowie deren Zielmuskulatur im Überblick dar. 111 Tab. 35: Test- und Trainingsübungen der Untersuchung Muskelgruppen Krafttrainingsübungen Beinmuskulatur Beinpresse horizontal Brustmuskulatur Brustpresse horizontal Butterfly Rückenmuskulatur Latzug vertikal zum Nacken Rückenzug horizontal Schultermuskulatur Kurzhantel-Seitheben Armmuskulatur Armstrecken am Seilzug Kurzhantel-Armbeugen Im Folgenden werden die Übungen jeweils mit Ausgangs- und Endposition dargestellt. Die folgenden Abbildungen sind dabei stellvertretend für die Test- und Trainingsübungen zu sehen. In der Studie wurden Geräte von verschiedenen Geräteherstellern verwendet, die in ihrer Konstruktion mit den hier dargestellten Geräten vergleichbar, jedoch nicht zu hundert Prozent identisch waren. Bewegungsamplitude: Größtmögliche physiologische Bewegungsamplitude im Rahmen der individuellen Beweglichkeit Operationalisierung der Intensität: Last der realisierten Gewichtsblöcke Abb. 7: Test- und Trainingsübung „Beinpresse horizontal“ (Abbildung mit Genehmigung der BSA-Akademie) 112 Bewegungsamplitude: Größtmögliche physiologische Bewegungsamplitude im Rahmen der individuellen Beweglichkeit Operationalisierung der Intensität: Last der realisierten Gewichtsblöcke Abb. 8: Test- und Trainingsübung „Brustpresse horizontal“ (Abbildung mit Genehmigung der BSA-Akademie) Bewegungsamplitude: Größtmögliche physiologische Bewegungsamplitude im Rahmen der individuellen Beweglichkeit Operationalisierung der Intensität: Last der realisierten Gewichtsblöcke Abb. 9: Test- und Trainingsübung „Butterfly“ (Abbildung mit Genehmigung der BSA-Akademie) 113 Bewegungsamplitude: Größtmögliche physiologische Bewegungsamplitude im Rahmen der individuellen Beweglichkeit Operationalisierung der Intensität: Last der realisierten Gewichtsblöcke Abb. 10: Test- und Trainingsübung „Latzug vertikal zum Nacken“ (Abbildung mit Genehmigung der BSA-Akademie) Bewegungsamplitude: Größtmögliche physiologische Bewegungsamplitude im Rahmen der individuellen Beweglichkeit Operationalisierung der Intensität: Last der realisierten Gewichtsblöcke Abb. 11: Test- und Trainingsübung „Rückenzug horizontal“ (Abbildung mit Genehmigung der BSA-Akademie) 114 Bewegungsamplitude: Ausgangsposition bei 0° Abduktion im Schultergelenk; Endposition bei 90° Abduktion im Schultergelenk Operationalisierung der Intensität: Summe der Last beider Kurzhanteln Abb. 12: Test- und Trainingsübung „Kurzhantel-Seitheben“ (Abbildung mit Genehmigung der BSA-Akademie) Bewegungsamplitude: Größtmögliche physiologische Bewegungsamplitude im Rahmen der individuellen Beweglichkeit Operationalisierung der Intensität: Last der realisierten Gewichtsblöcke Abb. 13: Test- und Trainingsübung „Armstrecken am Seilzug“ (Abbildung mit Genehmigung der BSA-Akademie) 115 Bewegungsamplitude: Größtmögliche physiologische Bewegungsamplitude im Rahmen der individuellen Beweglichkeit Operationalisierung der Intensität: Summe der Last beider Kurzhanteln Abb. 14: Test- und Trainingsübung „Kurzhantel-Armbeugen“ (Abbildung mit Genehmigung der BSA-Akademie) An den Krafttrainingsmaschinen und Seilzügen konnten Gewichtsabstufungen von mindestens 2,5 kg (teilweise durch die Nutzung von fein abstufbaren Zusatzgewichten), bei den Kurzhantelübungen Abstufungen von 1 kg realisiert werden. Somit wurden die vorgesehenen progressiven Intensitätssteigerungen ermöglicht. Alle Übungen wurden sowohl bei den Krafttests als auch bei den Trainingseinheiten der Interventionsphase über die größtmögliche physiologische Bewegungsamplitude im Rahmen der individuellen Beweglichkeit ausgeführt (Toigo, 2006b, S. 129; Gottlob, 2001, S. 85; vgl. Kapitel 2.3.6). In der vorliegenden Studie wurden zum überwiegenden Anteil Krafttrainingsübungen an Maschinen eingesetzt („Beinpresse“, „Brustpresse“, „Butterfly“, „Rückenzug“). Die Vorteile der Maschinenübungen liegen in der geringen Übungsvarianz, in der exakteren Standardisierung der Übungsausführung sowie in dem geringeren Einfluss koordinativer Prozesse auf die Kraftleistung (Baechle et al., 2008, S. 387). Die Maschinenübungen wurden durch ausschließlich eingelenkige Freihantel- übungen („Kurzhantel-Seitheben“, „Kurzhantel-Armbeugen“) sowie durch koordinativ einfache Seilzugübungen („Latzug vertikal zum Nacken“, „Armstrecken am Seilzug“) ergänzt. Aufgrund der geringen Anzahl an Freiheitsgraden (Meinel & Schnabel, 1998, S. 38) ist der 116 koordinative Einflussfaktor auch bei diesen Freihantel- und Seilzug- übungen als eher gering einzustufen. Im Hinblick auf die Reihenfolge von Krafttrainingsübungen im Rahmen eines Trainingsplanes ist die Studienlage different. Auf jeden Fall scheint die Reihenfolge der Übungen aber einen Einfluss auf die Krafttrainingseffekte zu haben (Farinatti, Simão, Monteiro & Fleck, 2009, S. 1043). Baechle et al. (2008, S. 391), Bompa und Carrera (2005, S. 69), Farinatti, DaSilva und Monteiro (2013, S. 784) sowie Simão et al. (2007, S. 27-28) empfehlen, mehrgelenkige vor eingelenkigen Übungen zu absolvieren, um eine Vorermüdung von Synergisten zu vermeiden. Diese Übungsreihenfolge wird durch Studienergebnisse von Spreuwenberg et al. (2006, S. 142-143) unterstützt. Die Arbeitsgruppe um Spreuwenberg konnte belegen, dass bei der Übung „Kniebeuge“ mehr Wiederholungen möglich sind, wenn diese zu Beginn einer Trainingseinheit absolviert wird. Konträr dazu empfehlen z. B. Bellezza, Hall, Miller und Bixby (2009, S. 208) oder Gentil et al. (2007, S. 1085) eine umgekehrte Reihenfolge (Übungen für kleine Muskelgruppen vor Übungen für große Muskelgruppen), um eine erwünschte Vorermüdung der Zielmuskulatur zu provozieren. Speziell im Leistungsbodybuilding wird bisweilen diese gezielte Vorermüdung von großen Muskelgruppen durchgeführt (Brennecke et al., 2009, S. 1933; Fröhlich & Gießing, 2006, S. 40; Raubuch et al., 2012, S. 109-110). Spineti et al. (2010, S. 2968) empfehlen, die Übungsreihenfolge an der Priorität der Muskelgruppen auszurichten (Übungen für Muskelgruppen mit hoher Priorität zu Beginn der Trainingseinheit). In der vorliegenden Studie wurde, den Empfehlungen von Baechle et al. (2008, S. 391), Bompa und Carrera (2005, S. 69) sowie Simão et al. (2007, S. 27-28) folgend, eine Übungsreihenfolge gewählt, die zunächst mehrgelenkige Übungen für große Muskelgruppen berücksichtigt und anschlie- ßend eingelenkige Übungen für kleinere Muskelgruppen integriert. Diese Reihenfolge der Krafttrainingsübungen geht auch mit den Empfehlungen der National Strength and Conditioning Association konform (Pearson et al., 2000, S. 20). Die Abb. 7 bis Abb. 14 zeigen die Übungen in ihrer chronologischen Reihenfolge während der Test- und der Trainingsphase. Bei der Konzeption von Trainingsplänen ist grundsätzlich zu beachten, dass es zu Interferenzen zwischen den Übungen durch die zunehmende zentralnervöse und energetische Ermüdung kommen kann (Baechle et al., 2008, S. 390; Bompa & Carrera, 2005, S. 69; Hooper et al., 2013, S. 151). Um diese Störgröße konstant zu halten, wurde die oben beschriebene Übungsreihenfolge sowohl in der Test- als auch in der Trainingsphase stets beibehalten. 117 Für die Dauer des Forschungsprojektes durften die Probanden keine weiteren Kräftigungsübungen für die im Rahmen dieser Studie beanspruchten Muskelgruppen absolvieren, um die Studienergebnisse nicht zu verfälschen. Übungen für die Rumpfmuskulatur konnten in die Planung integriert werden; diese waren allerdings kein Bestandteil der Studie. 5.3.3 Standardisierte Trainingsphase Die Trainingsparameter der verschiedenen trainingsmethodischen Ansätze wurden mit Ausnahme der Trainingsintensität identisch gestaltet. Da das Trainingsvolumen zu Beginn des Trainings als genauso entscheidende Größe wie die Trainingshäufigkeit angesehen wird (Candow & Burke, 2007, S. 207), wurde für alle Versuchsgruppen ein volumenorientiertes Krafttraining mit den in der Tab. 36 dargestellten Belastungsnormativa konzipiert. Tab. 36: Darstellung der übergreifenden Belastungsparameter Belastungsparameter B G F L Gesamtdauer (Wochen) 6 6 6 6 Einheiten/Woche 2 2 3 3 Übungen/Einheit 8 8 8 8 Sätze/Übung 2 2 3 3 Satzpausen (Sek.) 60 60 60 60 Wiederholungen 10 10 10 10 TUT abhängig von der jeweiligen Stichprobe Intensität abhängig von der jeweiligen Stichprobe B = Beginner, G = Geübte, F = Fortgeschrittene, L = leistungstrainierende 5.3.3.1 Übergeordnete Standardisierungsmerkmale Alle Stichproben durchliefen eine insgesamt sechswöchige Trainingsphase (vgl. Kapitel 5.3.1). Unter Bezug auf die Ergebnisse der Metaanalysen von Fröhlich und Schmidtbleicher (2008, S. 8), Fröhlich et al. (2007a, S. 93), Fröhlich et al. (2007b, S. 10-11), Peterson et al. (2004, S. 379-380), Rhea et al. (2003, S. 458) sowie in Anlehnung an die Empfehlungen des American College of Sports Medicine (Ratamess et al., 2009, S. 695) wurden für die Leistungsstufen „Beginner“ und „Geübte“ jeweils zwei Trainingseinheiten pro Woche festgelegt. Unter Berücksichtigung der höhe- 118 ren Belastbarkeit der Probanden wurden für die Stichproben „Fortgeschrittene“ und „Leistungstrainierende“ drei Trainingseinheiten pro Woche definiert. Die Trainingseinheiten fanden an nicht konsekutiven Tragen statt. Alle Stichproben absolvierten in jeder Trainingseinheit die in Kapitel 5.3.2 dargestellten Übungen in der dort definierten Reihenfolge. Unter Bezug auf die Metaanalysen von Fröhlich (2006, S. 273-275), Fröhlich et al. (2010, S. 161-162), Peterson et al. (2004, S. 380), Wolfe et al. (2004, S. 43- 46) sowie in Anlehnung an die Empfehlungen des American College of Sports Medicine (Ratamess, 2009, S. 691) absolvierten die Stichproben „Beginner“ und „Geübte“ jeweils zwei Sätze, die Stichproben „Fortgeschrittene“ und „Leistungstrainierende“ jeweils drei Sätze pro Übung. Da bei allen Ansätzen zur Intensitätssteuerung in dieser Studie mit submaximalen Intensitäten trainiert wurde, erfolgten bei allen Stichproben mit jeweils 60 Sekunden relativ kurze Satzpausen (Buresh et al., 2009, S. 65-66; Rahimi et al., 2010, S. 1854-1855). Da die leistungssteigernden Wirkungen eines allgemeinen Aufwärmprogrammes hinreichend belegt sind (z. B. Meta-Analyse von Fradkin, Zazryn & Smoliga, 2010, S. 147), startete jede standardisierte Trainingseinheit mit einem fünfminütigen allgemeinen Aufwärmen auf einem Ergometer nach individueller Wahl des Probanden. Als Intensität wurde eine Belastungsherzfrequenz von 60 % der theoretischen Hfmax festgelegt. In einigen Publikationen wird im Kontext des Aufwärmens ein Dehnen der im Hauptteil der Einheit primär beanspruchten Muskulatur empfohlen (z. B. Quenzer & Nepper, 1997, S. 107). Da die Effekte eines Dehnprogramms im Rahmen des Aufwärmens im Hinblick auf eine Verletzungsprophylaxe sowie eine erhöhte Leistungsbereitschaft empirisch nicht bestätigt werden konnten (z. B. Manoel, Harris-Love, Danoff & Miller, 2008, S. 1533; Marschall & Ruckelshausen, 2004, S. 41-42; Robbins & Scheuermann, 2008, S. 785; Turbanski, Sandig & Schmidtbleicher, 2008, S. 133; Yamaguchi & Ishii, 2005, S. 682), wurde auf ein vorgeschaltetes Dehnen der Arbeitsmuskulatur im Aufwärmprogramm verzichtet. Die Probanden aller Versuchsgruppen absolvierten ein hypertrophieorientiertes Training mit jeweils zehn Wiederholungen pro Serie. „Wiederholung“ wurde in diesem Kontext als die Kombination aus konzentrischer und exzentrischer Bewegungsphase bei einer Krafttrainings- übung definiert. Zehn Wiederholungen wurden gewählt, da diese Wiederholungszahl nach Ratamess et al. (2008, S. 104) in Krafttrainingsprogrammen weit verbreitet ist. Alle drei Ansätze zur Intensitätssteuerung wurden auf der Basis einer Blockperiodisierung konzipiert (Fröhlich et al., 2009, S. 308; Kraemer & 119 Fleck, 2007, S. 6). Als Organisationsform des Krafttrainings wurde ein Stationstraining (Mießner, 2006, S. 41-42; Weineck, 1997, S. 296) in Form eines Ganzkörpertrainings (Mießner, 2006, S. 42-43) gewählt. Die Probanden der Versuchsgruppe 1 (kontrollierte Steuerung der Trainingsintensität nach ILB-Schema) sowie der Versuchsgruppe 2 (kontrollierte Steuerung der Trainingsintensität über das subjektive Belastungsempfinden) trainierten mit einer standardisierten Bewegungsgeschwindigkeit von 2/0/2 für eine Wiederholung (Ratamess et al., 2009, S. 695). Da die Probanden der Versuchsgruppe 3 (unkontrollierte Steuerung der Trainingsintensität über das subjektive Belastungsempfinden) die Trainingsintensitäten intuitiv herleiten sollten, wurde in dieser Versuchsgruppe auch die Bewegungsgeschwindigkeit, als maßgebliche Determinante der realisierbaren Trainingsintensität (Olivier et al., 2008, S. 120; Ratamess et al., 2009, S. 692; Sakomoto & Sinclair, 2006, S. 525-526; Tanimoto et al., 2008, S. 1935; Toigo, 2006a, S. 102; 2006b, S. 124), intuitiv gewählt. Alle Probanden wurden zu einem eigenständigen Training ohne permanente Trainingsbeobachtung bzw. Trainingskontrolle aufgefordert. Nach Mazzetti et al. (2000, S. 1180) sowie Ratamess et al. (2008, S. 111) wird das Trainingsverhalten durch die Anwesenheit eines Trainers manipuliert. Gentil und Bottaro (2010, S. 642-643) konnten belegen, dass eine intensive Trainingsbetreuung die Wahl der Trainingsintensitäten durch den Sportler beeinflusst. Sie fanden heraus, dass bei einem Krafttraining mit intensiver Trainingsbetreuung (Trainer-Athleten-Relation 1:5) im Vergleich zu einem Krafttraining mit eher moderater Trainingsbetreuung (Trainer-Athleten-Relation 1:25) die Sportler mit höheren Trainingslasten arbeiteten und dementsprechend höhere Kraftzuwächse erzielen konnten. Mazzetti et al. (2000, S. 1179) konnten bei einem Krafttraining mit Betreuung im Vergleich zu einem unbetreuten Training signifikant höhere Trainingslasten verzeichnen. Da die vorliegende Studie das Ziel verfolgt, die angesprochenen trainingsmethodischen Ansätze unter möglichst authentischen Bedingungen eines kommerziellen Fitness-Anbieters als Feldtest durchzuführen, wurde daher auf eine permanente Trainingsüberwachung bewusst verzichtet. Die Multiplikatoren wurden allerdings aufgefordert, die Einhaltung der definierten Trainingseinheiten pro Woche zu überprüfen. Diesbezüglich durften die Testdaten nur von denjenigen Probanden ausgewertet werden, die mindestens 85 % der geplanten Trainingseinheiten wahrgenommen hatten. Ergänzend zu den hier beschriebenen übergeordneten Standardisierungsmerkmalen im Hinblick auf Belastungsparameter und Ausführungskriterien werden in den folgenden Kapiteln die Spezifika der verschiedenen Ansätze zur Intensitätssteuerung dargestellt. 120 5.3.3.2 Krafttraining mit einer deduktiv hergeleiteten und kontrollierten Intensitätssteuerung nach der ILB-Methode Probanden der Versuchsgruppe 1 absolvierten ein Krafttraining mit einer deduktiv hergeleiteten und kontrollierten Intensitätssteuerung nach der ILB-Methode. In der Tab. 37 werden die Belastungskomponenten für dieses Krafttraining dargestellt. Tab. 37: Belastungsgefüge für ein Krafttraining mit einer deduktiv hergeleiteten und kontrollierten Intensitätssteuerung nach der ILB-Methode Belastungsparameter B G F L Gesamtdauer (Wochen) 6 6 6 6 Einheiten/Woche 2 2 3 3 Übungen/Einheit 8 8 8 8 Sätze/Übung 2 2 3 3 Satzpausen (Sek.) 60 60 60 60 Wiederholungen 10 10 10 10 TUT 2/0/2 2/0/2 2/0/2 2/0/2 Intensität (in % 10-RM) 50-70 60-80 70-90 80-100 B = Beginner, G = Geübte, F = Fortgeschrittene, L = Leistungstrainierende Die Intensitätsangaben der einzelnen Leistungsstufen basieren auf den Vorgaben des ILB-Grobrasters (vgl. Tab. 15 in Kapitel 3.1.3). Ein zentrales Kennzeichen der ILB-Methode sind die progressiv ansteigenden Trainingsintensitäten innerhalb eines Mesozyklus. In der vorliegenden Studie wurden die Intensitäten alle zwei Wochen um jeweils 10 % gesteigert. Die Tab. 38 stellt die Konfiguration der Trainingsintensitäten bei den verschiedenen Leistungsstufen dar. 121 Tab. 38: Progressive Intensitätssteigerung im Rahmen der Intensitätssteuerung über die ILB-Methode B G F L Woche 1-2 (% 10-RM) 50 60 70 80 Woche 3-4 (% 10-RM) 60 70 80 90 Woche 5-6 (% 10-RM) 70 80 90 100 5.3.3.3 Krafttraining mit einer induktiv hergeleiteten und kontrollierten Intensitätssteuerung nach dem subjektiven Belastungsempfinden Probanden der Versuchsgruppe 2 absolvierten ein Krafttraining mit einer induktiv hergeleiteten und mit der Borg-Skala kontrollierten Intensitätssteuerung nach dem subjektiven Belastungsempfinden. Die Tab. 39 stellt das Belastungsgefüge der einzelnen Leistungsstufen für diesen trainingsmethodischen Ansatz dar. Tab. 39: Belastungsgefüge für ein Krafttraining mit einer induktiv hergeleiteten und kontrollierten Intensitätssteuerung nach dem subjektiven Belastungsempfinden Belastungsparameter B G F L Gesamtdauer (Wochen) 6 6 6 6 Einheiten/Woche 2 2 3 3 Übungen/Einheit 8 8 8 8 Sätze/Übung 2 2 3 3 Satzpausen (Sek.) 60 60 60 60 Wiederholungen 10 10 10 10 TUT 2/0/2 2/0/2 2/0/2 2/0/2 Intensität (RPE nach Borg) RPE 13-14 etwas schwer RPE 15-16 schwer RPE 17-18 sehr schwer RPE 19-20 extrem schwer B = Beginner, G = Geübte, F = Fortgeschrittene, L = Leistungstrainierende In Anlehnung an Borg (2004, S. A1016) und Löllgen (2004, S. 300) wurde zur kontrollierten Steuerung des subjektiven Belastungsempfindens die Borg-Skala verwendet (vgl. Tab. 17 in Kapitel 3.2.1). Die Testleiter stellten den Probanden die Borg-Skala vor dem Start der Test- und Trainingsphase vor. Die subjektiv empfundene Belastung sollte sich auf die 122 Wahrnehmung für einen Satz mit 10 Wiederholungen beziehen. Es musste davon ausgegangen werden, dass die Intensität in einem zweiten oder dritten Satz in einer Trainingseinheit reduziert werden musste, um den geforderten Anstrengungsgrad zu erzielen (Fröhlich et al., 2002a, S. 81). Diesbezüglich wurden die Probanden von den Testleitern vor dem Trainingsprogramm aufgeklärt. Eine progressive Steigerung der Trainingsintensität über die sechs Wochen Trainingsdauer oblag den Probanden. Die Probanden erhielten von den Testleitern die Anweisung, die Trainingsintensitäten sowohl in einer Einheit als auch über die Gesamtdauer des Trainingsprogramms jeweils so anzupassen, dass in jedem Satz der geforderte Anstrengungsgrad erzielt wird. 5.3.3.4 Krafttraining mit einer induktiv hergeleiteten und unkontrollierten bzw. intuitiven Intensitätssteuerung Probanden der Versuchsgruppe 3 absolvierten ein Krafttraining mit einer induktiv hergeleiteten, aber im Vergleich zu Versuchsgruppe 2 unkontrollierten bzw. intuitiven Intensitätssteuerung nach dem subjektiven Belastungsempfinden. Durch die fehlende Kontrolle der Trainingsintensitäten erfolgte die Intensitätssteuerung nach dem Zufallsprinzip. Die Tab. 40 stellt die Belastungskomponenten für die einzelnen Leistungsstufen dieses trainingsmethodischen Ansatzes dar. Neben der Wahl der Intensität war hier auch die Wahl der Bewegungsgeschwindigkeit den Probanden überlassen. Tab. 40: Belastungsgefüge für ein Krafttraining mit einer induktiv hergeleiteten und unkontrollierten bzw. intuitiven Intensitätssteuerung Belastungsparameter B G F L Gesamtdauer (Wochen) 6 6 6 6 Einheiten/Woche 2 2 3 3 Übungen/Einheit 8 8 8 8 Sätze/Übung 2 2 3 3 Satzpausen (Sek.) 60 60 60 60 Wiederholungen 10 10 10 10 TUT X X X X Intensität X X X X B = Beginner, G = Geübte, F = Fortgeschrittene, L = Leistungstrainierende X = intuitive Auswahl durch Versuchsperson 123 5.4 Methodenkritik Im Folgenden werden die methodische Vorgehensweise bei der Studie sowie die verwendeten Messverfahren einer kritischen Betrachtung unterzogen. Des Weiteren wird dargelegt, an welchen Stellen eine Kompromisslösung notwendig war. 5.4.1 Problematik des Feldtestdesigns Die vorliegende Studie wurde als Feldtest geplant und durchgeführt. In diesem Kontext muss kritisch reflektiert werden, inwieweit der Anspruch auf Gültigkeit der Untersuchungsbefunde besteht bzw. wie hoch die interne und die externe Validität ausgeprägt sind. Bezogen auf die vorliegende Untersuchung stellt sich die Frage, inwieweit die erhobenen Steigerungen der Kraftleistung (abhängige Variable) eindeutig auf das standardisierte Krafttraining (unabhängige Variable) zurückzuführen sind und inwieweit alternative Erklärungsansätze für die Kraftsteigerungen ausgeschlossen werden können (Bortz & Schuster, 2010, S. 8). 5.4.1.1 Interne Validität Im Folgenden wird dargestellt, welche Maßnahmen in der vorliegenden Untersuchung ergriffen wurden, um eine Maximierung der Primärvarianz, eine Kontrolle der Sekundärvarianz sowie eine Minimierung der Fehlervarianz zur Sicherung der internen Validität zu erreichen (Bös, Hänsel & Schott, 2004, S. 53-60). Zur Maximierung der Primärvarianz wurden die folgenden Maßnahmen getroffen: Die abhängige Variable „Kraftleistung“ sowie deren Variationen wurden mithilfe standardisierter sportmotorischer Tests erfasst. Um möglichst alle Dimensionen der motorischen Fähigkeit Kraft zu quantifizieren, wurden Krafttests in mehreren Wiederholungzahlbereichen durchgeführt (20-RM, 10-RM sowie 1-RM). Die drei gegeneinander abzugrenzenden trainingsmethodischen Ansätze zur Intensitätssteuerung wurden ausschließlich über den Faktor „Intensität“ (sowie beim Ansatz der intuitiv gewählten Intensität zusätzlich über die Bewegungsgeschwindigkeit) differenziert. Alle weiteren Belastungsfaktoren und Untersuchungsinhalte wurden identisch gehalten. 124 Da davon auszugehen ist, dass das Trainingsalter einen Einfluss auf die Ausprägung der abhängigen Variable hat, wurden vier verschiedene Leistungsstufen mit jeweils unterschiedlichen Treatments differenziert. Da sich geschlechterspezifische Unterschiede im Hinblick auf die Variation der abhängigen Variable zeigen, wurde darauf geachtet, den Anteil an Männern und Frauen in allen Stichproben möglichst homogen zu halten. Zur Kontrolle der Sekundärvarianz wurden die folgenden Maßnahmen getroffen: Als abhängige Variable wurde in der vorliegenden Untersuchung die Veränderung der Kraftleistung definiert. Veränderungen (insbesondere Steigerungen) der Kraftleistung können grundsätzlich durch mehrere Faktoren ausgelöst werden. Neben strukturellen Anpassungen im Sinne von Hypertrophieeffekten kann auch eine Verbesserung der intra- und intermuskulären Koordination zu Kraftsteigerungen führen (Moritani, 1994, S. 267-268). Nach Toigo (2006a, S. 102) ist ein Kraftzuwachs (als funktioneller Effekt) kein sicheres Indiz für eine Muskelmassezunahme. Da nur durch aufwendige Diagnostikverfahren eine valide Messung von Hypertrophieeffekten möglich ist (Ultraschallmessung oder Magnetresonanztomographie), wurde bewusst nicht weiter ausdifferenziert, welcher primär auslösende Effekt zu den Veränderungen der Kraftleistung führt. Da sowohl das Trainingsalter als auch das Geschlecht die abhängige Variable beeinflussen können, wurden Leistungsstufen definiert und das Geschlechterverhältnis weitgehend konstant gehalten. Eine weitere Störvariable auf die Untersuchungsbefunde stellt die Motivation der Probanden dar. Eine hohe Motivation kann die Mobilisierung zusätzlicher Leistungsreserven über das normale Maß hinaus ermöglichen. Da diese Störgröße nicht konstant gehalten oder eliminiert werden kann, wurden bei allen Tests standardisierte Fragen zu Motivation und subjektiv empfundener Tagesform gestellt (vgl. Anhang 11 bis 13), um daraus Erklärungsansätze für eventuell auftretende auffällige Messergebnisse ziehen zu können. Eine weitere Einflussgröße auf die Messgenauigkeit stellt der Grad der Vorermüdung dar. Auch wenn innerhalb der Testbatterien eine ausreichende Erholungsphase zwischen den einzelnen Testterminen eingeräumt wurde (vgl. Kapitel 5.2), muss dennoch innerhalb einer Testeinheit mit einer zunehmenden muskulären und zentralnervösen Ermüdung von Übung zu Übung gerechnet werden. Um diese Störgröße konstant zu halten, war die Übungsreihenfolge bei allen Tests 125 identisch. Zudem wurde die Übungsreihenfolge in der Trainingsphase gleichermaßen konstant gehalten. Aus biomechanischer Sicht muss berücksichtigt werden, dass die Kraftleistung bei einer Übung keine Konstante ist, sondern in hohem Maße von der Gelenkwinkelstellung bzw. dem Ausgangswinkel der bewegungsbezogenen Gliedmaßen beeinflusst wird (Hay, 1994, S. 200). Diese Tatsache hat entscheidende Konsequenzen für die Kraftmessung bei verschiedenen Muskelgruppen (Grosser & Zintl, 1994, S. 44). Nach Fleck und Kraemer (2004, S. 75) sowie Hunter und Harris (2008, S. 8) hängt die Kraftentwicklung von dem Überlappungsgrad der Aktin- und Myosinfilamente ab und beeinflusst dadurch die unterschiedlich hohe Kraftentwicklung in verschiedenen Gelenkwinkelbereichen. Die damit in Verbindung stehende Vordehnung des Muskels spielt eine sehr wichtige Rolle für die maximale Kraftleistung (Harman, 2008, S. 77). Veränderungen oder Differenzen bezüglich des Arbeitswinkels bei Kraftübungen führen zu erheblichen Unterschieden in der Kraftentfaltung (Gottlob, 2001, S. 76-77). Daraus kann geschlossen werden, dass Veränderungen des Arbeitswinkels bei Kraftmessungen zu unterschiedlichen Messergebnissen führen. Da zwischen jedem Individuum interindividuelle biomechanische Unterschiede bestehen (z. B. unterschiedlich lange Extremitäten und daraus resultierend divergierende Widerstands- und Kraftkurven bei identischen Übungen), wurden die Bewegungsamplituden der Test- und Trainingsübungen wie in Kapitel 5.3.2 dargestellt definiert. Bei einem Großteil der Übungen wurde die individuell maximal mögliche Bewegungsamplitude als Ausführungskriterium definiert. In Anbetracht des Leistungslevels der Probanden (Breitenund Freizeitsportler) konnte bei der vorliegenden Untersuchung jedoch nicht ausgeschlossen werden, dass sich eventuell bestehende Beweglichkeitsdefizite durch das Ausreizen der maximalen Bewegungsamplitude im Laufe der Untersuchung verbesserten (Alter, 2004, S. 130) und sich dadurch leicht veränderte Arbeitswinkel bei den Post- und Follow-up-Tests ergaben. Die Bewegungsamplitude einzuschränken, würde im Umkehrschluss jedoch bedeuten, künstliche Ausführungskriterien zu definieren, welche nicht im Sinne eines Festtests sind. Insofern musste an dieser Stelle ein Kompromiss eingegangen werden. Es darf aber davon ausgegangen werden, dass sich eventuelle Effekte auf die Beweglichkeit in Anbetracht der Untersuchungsdauer in einem minimalen und somit tolerablen Bereich bewegten. 126 Im Folgenden wird dargestellt, welche Maßnahmen zur Minimierung der Fehlervarianz getroffen wurden. Nach Sarris (1992, S. 147) können die folgenden Aspekte die Testergebnisse verfälschen: Zeiteinflüsse: Ereignisse zwischen Pre- und Post-Test können die Ergebnisse verfälschen. Bezogen auf die vorliegende Studie bestand die Gefahr, dass über das standardisierte Krafttraining hinaus weitere Trainingsmaßnahmen von den Probanden durchgeführt wurden (z. B. zusätzliches Krafttraining). Um dies weitgehend zu verhindern, wurde an alle Probanden über ein standardisiertes Informationsblatt (vgl. Anhang 9) der Appell gerichtet, während der Test- und Trainingsphase ausschließlich die vorgegebenen Maßnahmen auszuführen. Die Multiplikatoren wurden angewiesen, Probanden im Falle eines Nichteinhaltens dieser Forderung von der weiteren Studie auszuschließen. Entwicklung: Bei länger dauernden Untersuchungen können Veränderungen bzw. Entwicklungen bei den Probanden die Untersuchungsbefunde verfälschen. Die Interventionsdauer bei der vorliegenden Untersuchung betrug sechs Wochen, so dass anzunehmen ist, dass dieser Effekt hier eine untergeordnete Bedeutung spielt. Da in der Untersuchung auch ausschließlich Erwachsene getestet wurden, können ontogenetische Entwicklungen bei den Probanden ausgeschlossen werden. Testeffekte: Bedingt durch Lern- und Trainingseffekte kann die Durchführung des Pre-Tests das Post-Test-Ergebnis beeinflussen. Die Aufdeckung von Pre-Test-Effekten war eine der Forschungsfragen in der vorliegenden Untersuchung (vgl. Kapitel 4). Im Studiendesign wurde daher zu jeder Stichprobe eine Kontrollgruppe gebildet, die exakt das gleiche Treatment, jedoch ohne Pre-Tests durchlief. Ein klassischer Solomon-Viergruppen-Versuchsplan konnte in der vorliegenden Untersuchung nicht realisiert werden, da es sich bei allen Probanden um freiwillig teilnehmende Kunden in Fitness-Studios handelte. Ein Aussetzen der Interventions- bzw. Treatmentphase hätte hier einen Verzicht auf Training bei gleichzeitiger Weiterzahlung der Mitgliedschaftsbeiträge bedeutet. Um möglichst viele Probanden für die Untersuchung zu gewinnen, musste hier ein Kompromiss eingegangen werden. Veränderung der Messinstrumente: Unter diesen Aspekt fallen Wechsel der Versuchsleiter sowie jegliche Veränderungen an den Messinstrumentarien. In der vorliegenden Untersuchung wurden die Versuchsleiter in Pre-, Post- und Follow-up-Tests konstant gehalten. Messmethodik (Standardisierung der Übungsausführung inkl. Geräteeinstellung, Bewegungsamplitude, Bewegungstempo), Ablauf der Messung (zeitliche Struktur der Testabläufe, Testeinweisung der 127 Probanden, Übungsreihenfolge) sowie Messinstrumente (Krafttrainingsgeräte, Testprotokolle) waren bei Pre-, Post- und Follow-up- Testung identisch. Bedingt durch die konsequente Standardisierung der Datenerhebung kann dieser Faktor als Störgröße weitgehend ausgeschlossen werden. Ebenso wurden die milieuspezifischen Rahmenbedingungen so weit wie möglich standardisiert, d. h. die Tests fanden jeweils an den gleichen Tagen und (sofern möglich) zu den gleichen Tageszeiten statt. Statistische Regression: Bei Krafttrainingsstudien muss damit gerechnet werden, dass Probanden mit hoher Kraftleistungsfähigkeit weitaus geringere Trainingseffekte erzielen können wie Probanden mit gering ausgeprägter Kraftleistungsfähigkeit (Boden- und Deckeneffekte). Da vor allem das Trainingsalter hier eine bedeutende Rolle spielt, wurden die Probanden in unterschiedliche Leistungsstufen differenziert. Um extreme Testwerte im Pre-Test durch Messungenauigkeiten auszuschließen, wurden in der vorliegenden Studie auch bei der Stichprobe „Beginner“ keine komplett krafttrainingsunerfahrenen Probanden in die Untersuchung mit einbezogen (vgl. Kapitel 5.3.1). Auswahlverzerrung: Die Versuchsbedingungen wurden nach dem Zufallsprinzip zugeordnet (Randomisierung). Um zu verhindern, dass sich Probanden innerhalb einer Stichprobe im Hinblick auf wesentliche Merkmale unterscheiden, wurden ausgehend vom Trainingsalter verschiedene Leistungsstufen differenziert (Parallelisierung). Unter Berücksichtigung der motorischen Leistungsfähigkeit wurde das Geschlechterverhältnis nahezu gleich gehalten. Um die sportliche Aktivität als Einflussfaktor auf die abhängige Variable einzugrenzen, wurden Leistungssportler von der Studie ausgeschlossen (vgl. Kapitel 5.1). Zusätzliche sportliche Aktivitäten der Probanden wurden vor Beginn der Studie über einen standardisierten Fragebogen dokumentiert (vgl. Anhang 10). Hier zeigten sich bei keinem der Probanden Auffälligkeiten, die zu einem Ausschluss aus der Probandenstichprobe hätten führen müssen. Bedingt durch die freiwillige Teilnahme an der Studie können Selektionseffekte, trotz aller Maßnahmen zur Kontrolle dieser Störgröße, nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Experimentelle Einbußen: Die Drop-out-Quote betrug in der vorliegenden Untersuchung 16 %. Die Gründe zum Abbruch der Studie (z. B. Motivationsverlust, Verletzung, Krankheit, Zeitmangel) konnten nicht erhoben werden. Über ausreichend große Stichproben wurde der Drop-out-Aspekt aber kompensiert. Versuchsleitereffekte: Verhalten und Eigenschaften der Versuchsleiter können die Untersuchungsbefunde beeinflussen. Das Verhalten 128 der Versuchsleiter wurde in der vorliegenden Untersuchung soweit wie möglich standardisiert. Die Einweisung der Versuchsleiter in ihre Rolle als Multiplikatoren im Rahmen dieser Studie erfolgte ebenfalls nach einem standardisierten Schema (vgl. Kapitel 5.3.1). Interaktive Effekte: Verschiedene experimentelle Bedingungen können zu Interaktionen zwischen den bisher dargestellten Faktoren führen. Durch die konsequente Standardisierung der Test- und Trainingsbedingungen wurde versucht, interaktive Effekte weitgehend zu verhindern. Solche Effekte gänzlich auszuschließen, ist im Feldtestdesign jedoch nicht möglich. 5.4.1.2 Externe Validität Im Folgenden wird dargestellt, welche Maßnahmen in der vorliegenden Untersuchung zur Sicherung der externen Validität ergriffen wurden. Nach Bortz und Döring (2006, S. 504) wird die externe Validität durch die folgenden Einflussgrößen gefährdet: Mangelnde instrumentelle Validität: Das Untersuchungsinstrument erfasst nicht das, was es eigentlich erfassen sollte. In der vorliegenden Studie wurden Veränderungen der Kraftleistung durch verschiedene Treatments untersucht. Die Kraftleistung wurde über verschiedene sportmotorische Krafttests in unterschiedlichen Wiederholungszahlbereichen (20-RM, 10-RM, 1-RM) erfasst, so dass von einer ausreichenden instrumentellen Validität ausgegangen werden darf. Stichprobenfehler bzw. experimentelle Reaktivität: Untersuchungsergebnisse einer Stichprobe dürfen nicht auf Grundgesamtheiten verallgemeinert werden, für die die Stichprobe nicht repräsentativ ist (Stichprobenfehler). Vor allem bei Laboruntersuchungen ist zu beachten, dass die Ergebnisse nur unter den Bedingungen valide sind, unter denen sie ermittelt wurden (experimentelle Reaktivität). Im Hinblick auf die Populationsvalidität muss bei vielen sportwissenschaftlichen Untersuchungen kritisiert werden, dass als Versuchspersonen homogene Zielgruppen (z. B. Sportstudenten, Leistungssportler der Sportart X) herangezogen werden. Es stellt sich die Frage, inwieweit Ergebnisse aus solchen Studien auf die eher heterogene Klientel der Freizeit- und Breitensportler übertragbar sind. Da sich die Kernfragestellung der vorliegenden Untersuchung der Thematik der Intensitätssteuerung im Fitness-Krafttraining widmet, wurden ausschließlich fitness- und gesundheitsorientierte Freizeitsportler im Setting „Fitness-Studio“ rekrutiert. Insofern darf von einer hohen Populationsvalidität ausgegangen werden (kein Vorliegen eines Stichprobenfehlers). 129 Pre-Test-Effekte: Die Durchführung eines Pre-Tests kann die Ergebnisse in Post- und Follow-up-Tests beeinflussen. Wie bereits im Kontext der internen Validität dargelegt, konnten Pre-Test-Effekte a priori nicht ausgeschlossen werden. Über eine Differenzierung in Experimental- und Kontrollgruppen bestand ein Ziel der Untersuchung in der Aufdeckung etwaiger Pre-Test-Effekte. Hawthorne-Effekte: Das Bewusstsein, Teilnehmer einer wissenschaftlichen Studie zu sein, beeinflusst das Probandenverhalten. Dieser Effekt konnte in der vorliegenden Untersuchung nicht ausgeschlossen werden, da die Teilnahme an der Studie grundsätzlich freiwillig erfolgte und sich somit automatisch ein Selektionseffekt einstellt (vgl. hierzu auch Kapitel 5.1). Nach Rustenbach (2003, S. 2) muss im Hinblick auf die relative Gültigkeit empirischer Stichprobenergebnisse im Sinne der Übertragbarkeit und Generalisierungsfähigkeit beachtet werden, dass jede Studie an einem singulären Ort, in einem eng umgrenzten Zeitraum, einem bestimmten Setting, mit spezifischen Interventionen und begrenztem Interventionspersonal durchgeführt wird. Eine Möglichkeit zur Verbesserung der externen Validität besteht daher darin, Untersuchungen unter anderen Bedingungen, zu anderen Zeitpunkten und mit anderen Versuchspersonen zu replizieren. Die Daten zur vorliegenden Untersuchung wurden über einen Zeitraum von zwei Jahren in insgesamt 48 verschiedenen Fitness-Anlagen in ganz Deutschland mit dementsprechend unterschiedlichen Rahmenbedingungen und unterschiedlichen Probanden erhoben. Unter Berücksichtigung der Anforderungen an die externe Validität sowie unter Abwägung der Maßnahmen zur Ausschaltung bzw. Kontrolle von Störgrößen, darf in der vorliegenden Untersuchung insgesamt betrachtet von einer hohen externen Validität ausgegangen werden. 5.4.2 Gerätetechnische und testimmanente Umsetzungsschwierigkeiten Umsetzungsprobleme bei der Datenerhebung und Intervention ergaben sich in geringem Umfang aus gerätetechnischen Defiziten sowie testimmanenten methodischen Aspekten. Aus gerätetechnischer Sicht gestalteten sich sowohl bei den Tests als auch bei den Trainingsterminen die Gewichtsabstufungen teilweise als problematisch. Bei den Übungen mit Gewichtsmagazinen („Beinpresse horizontal“, „Brustpresse horizontal“, „Butterfly“, „Latzug vertikal zum Nacken“, „Rückenzug horizontal“, „Armstrecken am Seilzug“) konnten grobe Gewichtsabstufungen bei den 130 Geräten in der Praxis durch Zusatz- bzw. Zwischengewichte in Form von Hantelscheiben problemlos kompensiert werden. In seltenen Fällen reichten die Gewichtsmagazine zur Erhebung des 1-RM nicht aus. Auch hier konnte über Zusatzgewichte Abhilfe geschaffen werden. Bei den Kurzhantel-Übungen (KH-Seitheben, KH-Armbeugen) konnten Zwischengewichte derart nicht realisiert werden. Obgleich die Kurzhanteln im niedrigen Intensitätsbereich sogar in 1 kg-Schritten abstufbar waren, konnten die individuell ermittelten Intensitäten nicht durchgehend realisiert werden. Speziell bei der Lastvorgabe in den Versuchsgruppen V1.1 und V1.2 (Training nach der ILB-Methode) konnten die vorgesehenen progressiven Intensitätssteigerungen bei den Kurzhantelübungen teilweise nur grob, d. h. mit im Vergleich zum errechneten Trainingsgewicht deutlich auf- oder abgerundeten Lasten, umgesetzt werden. Eine weitere gerätetechnisch bedingte Problematik bestand darin, dass in der Studie die Datenerhebung an unterschiedlichen Orten (verschiedene Fitness-Unternehmen) mit unterschiedlichen gerätetechnischen Voraussetzungen erfolgte. Je nach Gerätehersteller bzw. Gerätebauart können die realisierbaren Lasten bei vorgegebener Beanspruchung stark variieren. So kann es z. B. durchaus möglich sein, dass ein Proband an einer „Beinpresse horizontal“ des Herstellers A bei identischer Wiederholungszahl sowie identischer Beanspruchung mit höheren Lasten arbeiten kann wie an einer „Beinpresse horizontal“ des Herstellers B. In der Untersuchung konnten Testübungen sowie Testablauf a priori standardisiert werden. Die unterschiedlichen Gerätetypen (spezifische Bauformen je nach Gerätehersteller) konnten jedoch, bedingt durch die Randomisierung der Stichproben, nicht vorab standardisiert werden. Um diesen Störfaktor zu berücksichtigen, wurden grundsätzlich Pre-, Post- und Follow-up-Tests stets an den gleichen Geräten absolviert, so dass diese Störgröße bei Pre-Post-Test-Vergleichen konstant gehalten wurde. Ein Umsetzungsproblem aus methodischer Sicht ergab sich daraus, dass die Probanden teilweise Probleme hatten, die noch zu realisierende Anzahl an Wiederholungen bis zum Testabbruch (maximale Leistungsfähigkeit) subjektiv einzuschätzen. Unter Berücksichtigung der Probandenklientel (Fitness- und Gesundheitssportler) darf in der vorliegenden Studie angenommen werden, dass die Ursache hierfür in der fehlenden Erfahrung mit muskulärer Ausbelastung liegt. Bedingt durch die begrenzte Anzahl von Testsätzen pro Testtermin, musste zusätzlich zur individuellen Selbsteinschätzung der Probanden die Interpretation der Testleiter zur Abschätzung der prozentualen Lasterhöhungen in den Testsätzen hinzugezogen werden. 131 Trotz dieser Problematik wurde in der vorliegenden Untersuchung darauf verzichtet, prozentuale Vorgaben zur Laststeigerung in den Testsätzen zu definieren, da bedingt durch die unterschiedlichen Übungen und den enorm hohen Schwankungen bezüglich eingesetzter Muskulatur, ein und dieselbe prozentuale Steigerung sehr unterschiedliche absolute Laststeigerungen bedingen würde. 5.5 Datenauswertung und Statistik Zur Datenverarbeitung sowie zur statistischen Auswertung der Daten wurden die Softwareprogramme Microsoft Excel 2007 und SPSS 15.0 eingesetzt. Die deskriptive Statistik beinhaltete bei allen Hypothesenkomplexen die Berechnung von Mittelwerten, Standardabweichungen, Konfidenzintervallen (95 %) sowie Minimum und Maximum (siehe Anhang 1 bis 8). Die Prüfung der einzelnen Datensätze auf Normalverteilung erfolgte bei allen Berechnungen mit dem Kolmogorov-Smirnov- Test mit Lilliefors-Korrektur (Bortz, Lienert & Boehnke, 2000, S. 321-323). Die kritische Irrtumswahrscheinlichkeit wurde bei allen statistischen Berechnungen jeweils mit = 0,05 festgelegt. Nach Bortz (1999, S. 114) liegt demnach ein signifikantes Ergebnis bei p < 0,05, ein sehr signifikantes Ergebnis bei p < 0,01 und ein hoch signifikantes Ergebnis bei p < 0,001 vor. Zur Überprüfung der Veränderungen der Kraftleistung durch die ausgewählten trainingsmethodischen Ansätze zur Intensitätssteuerung (Hypothesenkomplex 1), wurden die Veränderungen der absoluten Krafttestwerte zwischen Pre-, Post-, und Follow-up-Tests ausgewertet. Da zum Follow-up-Testzeitpunkt t4 bei allen Krafttrainingsübungen das höchste durchschnittliche Testgewicht erzielt wurde, beschränken sich die Ergebnisdarstellungen zum 1-RM auf die Veränderungen der Kraftleistung zwischen den Testzeitpunkten t0 und t1 sowie zwischen t0 und t4. Die Überprüfung der Veränderungen der Kraftleistung erfolgte aufgrund der durchgehend nicht normalverteilten Daten mit dem Wilcoxon-Test.1 Die Test-Retest-Reliabilität wurde aufgrund der nicht normalverteilten Daten mit dem Korrelationstest nach Spearman (rs) 1 Dem Autor der vorliegenden Arbeit ist bewusst, dass zur statistischen Auswertung des Hypothesenkomplexes 1 auch der t-Test für gepaarte Stichproben eine Testalternative darstellt. In Anbetracht der vorliegenden Stichprobengröße reagiert der t-Test robust gegenüber einer Verletzung der Normalverteilung (Bortz & Schuster, 2010, S. 125-126). Dennoch wurde mit dem Wilcoxon-Text ein nicht-parametrisches Verfahren zur Datenanalyse gewählt. Die Intention des Autors bestand bei der Testauswahl darin, ein möglichst konservatives Verfahren zur Datenanalyse auszuwählen (vgl. hierzu Hosenfeld & Höft, 1999, S. 373). 132 überprüft (DuPrel, Röhrig, Hommel & Blettner, 2010, S. 345). Nach Willimczik (1999, S. 75) besteht bei 0,4 < r ≤ 0,7 ein mittlerer, bei 0,7 < r < 1,0 ein hoher und bei r = 1,0 ein vollständiger idealer Zusammenhang. Zur Bewertung der praktischen Relevanz der Trainingsmaßnahmen, wurde bei signifikanten Ergebnissen die Effektstärke nach Cohen (1988, S. 40) berechnet. Da hier mit Stichprobenkennziffern von jeweils zwei abhängigen Variablen gearbeitet wurde (Pre-Post-Test-Vergleich), war die Stichprobenstärke konstant und die Standardabweichungen annähernd homogen. Somit konnte die Effektstärke (d) nach der folgenden Formel berechnet werden (Cohen, 1988, S. 40; Fröhlich & Pieter, 2009, S. 141): Die Streuung (s) im Nenner dieser Formel wurde wie folgt berechnet (Cohen, 1988, S. 44; Fröhlich & Pieter, 2009, S. 141; Bortz & Döring, 1995, S. 569): Die Effektstärke wird nach Cohen (1988, S. 40) sowie nach Bortz und Döring (2006, S. 606) wie folgt klassifiziert: kleiner Effekt bei d = 0,20, mittlerer Effekt bei d = 0,50, großer Effekt bei d = 0,80. Nach Fröhlich und Pieter (2009, S. 142) sollten diese Klassifizierungs- bzw. Bewertungsmodelle der Effektstärke jedoch nur als Orientierungsgröße gehandhabt werden. Fröhlich und Pieter (2009, S. 142) konstatieren, dass die ermittelten Effektstärken in der jeweiligen Forschungsdisziplin bzw. Forschungsdomäne beurteilt und eingeschätzt werden sollten. In der vorliegenden Untersuchung diente die in der Tab. 41 dargestellte Skalierung zur Einschätzung der Effektstärken im Kontext der Krafttrainingsforschung nach Rhea (2004, S. 919). 133 Tab. 41: Skala zur Einschätzung der Effektstärken in der Krafttrainingsforschung (modifiziert nach Rhea, 2004, S. 919) Magnitude Untrained Recreationally trained Highly trained Trivial < 0.50 < 0.35 < 0.25 Small 0.50-1.25 0.35-0.80 0.25-0.50 Moderate 1.25-1.9 0.80-1.50 0.50-1.0 Large > 2.0 > 1.50 > 1.0 Nach Rhea (2004, S. 919) fallen unter die Rubrik „Untrained“ Kraftsportler mit einer Trainingserfahrung < 1 Jahr. Unter „Recreationally trained“ fallen Kraftsportler mit einer Trainingserfahrung von 1-5 Jahren. Als „Highly trained“ werden Kraftsportler mit einer Krafttrainingserfahrung > 5 Jahre eingestuft. Die mittlere Krafttrainingserfahrung der Probanden in der vorliegenden Untersuchung lag bei 23,93 Monaten bzw. 1,99 Jahren. Insofern kann die mittlere Tabellenspalte („Recreationally trained“) als Bewertungsmaßstab zur Beurteilung der Effektstärken herangezogen werden. Zur Überprüfung der Unterschiede bei den Testwerten in den Post- und Follow-up-Tests zwischen Stichproben mit und ohne Pre-Test (Hypothesenkomplex 2), wurden die absoluten Testwerte der Post- und Follow-up-Tests ausgewertet. Da durchgehend eine Varianzhomogenität der Variablen vorlag (überprüft mit dem Levene-Test), wurde trotz nicht normalverteilter Daten eine einfaktorielle Varianzanalyse durchgeführt (Bortz, 1999, S. 274). In Anbetracht der nahezu gleichen Stichprobengrö- ßen und der Stichprobenumfänge erweist sich die einfaktorielle Varianzanalyse als relativ robust bei nicht normalverteilten Daten (Bortz & Schuster, 2010, S. 232). Zur Überprüfung einer Overall-Signifikanz beim Vergleich der relativen Kraftzuwächse hinsichtlich Unterschiede zwischen den Trainingsmethoden (Hypothesenkomplex 3), den Leistungsstufen (Hypothesenkomplex 4) sowie den Geschlechtern (Hypothesenkomplex 5) wurde eine mehrfaktorielle Varianzanalyse durchgeführt (Bortz, 1999, S. 302). Die Überprüfung einer Overall-Signifikanz im Hinblick auf Unterschiede bei den realisierten Trainingsintensitäten zwischen den Trainingsmethoden (Hypothesenkomplex 6), den Leistungsstufen (Hypothesenkomplex 7) sowie den Geschlechtern (Hypothesenkomplex 8) fand ebenso mittels mehrfaktorieller Varianzanalyse statt. Die Homogenität der Varianzen wurde jeweils mithilfe des Levene-Tests überprüft. Auch wenn die Daten weder durchgehend normalverteilt waren, noch durchgehend eine Varianzhomogenität vorlag, wurde die Varianzanaly- 134 se als parametrisches Verfahren aufgrund der größeren Aussagekraft sowie zur Vermeidung einer α-Fehler-Kumulierung durchgeführt. Nach Bortz (1999, S. 276) sind varianzanalytische Verfahren bei gleichgroßen Stichproben gegenüber Verletzung ihrer Voraussetzungsprüfungen (Normalverteilung, Homogenität der Varianzen) relativ robust. Zudem konstatiert Bortz (1999, S. 276), dass die Voraussetzungen der Varianzanalyse mit wachsendem Umfang der untersuchten Stichprobe an Bedeutung verlieren. Annähernd gleichgroße sowie hinreichend große Stichprobenumfänge lagen in der Untersuchung vor. Um Unterschiede zwischen den einzelnen Treatmentstufen herauszufinden, wurden a posteriori Einzelvergleiche durchgeführt. Zur Vermeidung einer α-Fehler-Kumulierung wurde eine Bonferroni-Korrektur vorgenommen. Für jeden paarweisen Vergleich konnte somit das adjustierte Signifikanzniveau verwendet werden (Kähler, 2010, S. 436). Mithilfe des Bonferroni-Tests wurden die paarweisen Vergleiche auf dem adjustierten Testniveau durchgeführt (Kähler, 2010, S. 436). Die Varianzaufklärung ( 2p) wurde bei signifikanten Ergebnissen über den Quotienten aus QStreat und QStot berechnet. Nach Bortz (1999, S. 269) sowie Janssen und Laatz (2007, S. 365) gibt die Varianzaufklärung denjenigen Varianzanteil der abhängigen Variable an, der auf die unabhängige Variable zurückzuführen ist. Varianzaufklärungen werden wie folgt interpretiert (Bortz & Döring, 2006, S. 606): trivialer Effekt bei 2p < 0,01, kleiner Effekt bei 2p = 0,01 bis 2p = 0,10, moderater Effekt bei 2p = 0,10 bis 2p = 0,25, großer Effekt ab 2p = 0,25. In der vorliegenden Untersuchung konnte der Einfluss des kalendarischen Alters sowie der Einfluss der bis zum Versuchsstart zusätzlich zum Fitness-Krafttraining betriebenen sportlichen Aktivität weder ausgeschlossen, noch eliminiert werden. Um die Beeinflussung der abhängigen Variablen durch diese personengebundenen Störvariablen zu kontrollieren (Bortz & Döring, 2006, S. 527), wurde bei der multifaktoriellen Varianzanalyse der Einfluss der Kovariablen „Alter“, „zusätzlicher Kraftsport“ und „zusätzlicher sonstiger Sport“ berechnet.2 2 Die Kovariablen wurden über einen Anamnesebogen vor Beginn der Untersuchung erfasst (vgl. Anlage 10). Die Kovariablen „zusätzlicher Kraftsport“ sowie „zusätzlicher sonstiger Sport“ wurden quantifiziert über eine Angabe der durchschnittlich realisierten zusätzlichen Aktivität in Stunden pro Woche. Die Analyse dieser Daten ergab eine linksgipflige Verteilung. Auf eine Kategorisierung der Daten (Umkonvertierung auf Ordinalskalenniveau) wurde verzichtet. In die Berechnung wurden die intervallskalierten metrischen Daten mit einbezogen.

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References

Zusammenfassung

Die Trainingsintensität gilt als zentrales Belastungsnormativ im Krafttraining. Die meisten Erkenntnisse und Handlungsempfehlungen zur Intensitätssteuerung im Krafttraining stammen jedoch originär aus dem leistungsorientierten Sport oder aus Laboruntersuchungen mit leistungshomogenen Probandengruppen. Bis dato liegen kaum empirisch gesicherte Daten zur Intensitätssteuerung im fitnessorientierten Krafttraining vor.

Im Rahmen einer prospektiven Interventionsstudie untersuchte Christoph Eifler die Effekte dreier unterschiedlicher trainingsmethodischer Ansätze zur Intensitätssteuerung im fitnessorientierten Krafttraining. Die Datenerhebung fand als Feldtest unter den realen Rahmenbedingungen des Settings „Fitness-Studio“ statt. Insgesamt konnten die Daten von 601 Probanden ausgewertet werden, welche die typische leistungsheterogene Klientel in kommerziellen Fitness-Anlagen repräsentieren.

Die Ergebnisse der Untersuchung liefern Fitnesstrainerinnen und Fitnesstrainern wertvolle Erkenntnisse und Handlungsempfehlungen zur Optimierung des Krafttrainings ihrer Kunden.