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4 Untersuchungsziele und operationale Hypothesen in:

Christoph Eifler

Intensitätssteuerung im fitnessorientierten Krafttraining, page 91 - 96

Eine empirische Studie

1. Edition 2017, ISBN print: 978-3-8288-3895-6, ISBN online: 978-3-8288-6645-4, https://doi.org/10.5771/9783828866454-91

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Sozialwissenschaften, vol. 74

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
91 4 Untersuchungsziele und operationale Hypothesen Basierend auf den bisherigen theoretischen Ausführungen, speziell im Hinblick auf die Problematik der Intensitätssteuerung im Fitness- Krafttraining (Kapitel 3), lassen sich für die vorliegende Arbeit verschiedene Untersuchungsziele ableiten, die im Folgenden beschrieben werden. Da die meisten Studien zu spezifischen Ansätzen der Intensitätssteuerung im fitness- und gesundheitsorientierten Krafttraining unter Laborbedingungen und mit einer relativ homogenen Zielklientel durchgeführt wurden (z. B. Buskies, 1999, S. 317; 2001, S. 46; Buskies et al., 1996, S. 171, S. 174 sowie S. 175; Strack & Eifler, 2005, S. 157), liegen bis dato kaum Daten aus Untersuchungen zur Intensitätssteuerung unter den realen Rahmenbedingungen des Krafttrainings im Setting „Fitness-Studio“ mit der dort repräsentativen heterogenen Zielklientel vor. Ein zentrales Ziel der vorliegenden Untersuchung beschäftigt sich mit der Forschungsfrage, ob es zu Veränderungen der Kraftleistung bei ausgewählten Ansätzen zur Intensitätssteuerung im Fitness-Krafttraining kommt. In diesem Kontext wird in Anlehnung an Kapitel 3 zum einen zwischen einer deduktiven und einer induktiven Intensitätssteuerung differenziert. Zum anderen wird die Kontrolle der Intensitätssteuerung (kontrolliert per Lastvorgabe, kontrolliert mithilfe der Borg-Skala, unkontrolliert bzw. intuitiv) als Parameter zur Ausdifferenzierung der trainingsmethodischen Ansätze herangezogen. Daraus abgeleitet werden folgende Ansätze zur Intensitätssteuerung im Fitness-Krafttraining untersucht: 1. Krafttraining mit einer deduktiv hergeleiteten Trainingsintensität nach dem Ansatz der ILB-Methode (Lastvorgabe) 2. Krafttraining mit einer induktiv hergeleiteten Trainingsintensität (kontrolliert mittels Borg-Skala) 3. Krafttraining mit einer induktiv hergeleiteten Trainingsintensität (unkontrolliert bzw. intuitiv) Ein erstes Untersuchungsziel der vorliegenden Studie besteht darin, zu überprüfen, ob es durch die oben genannten trainingsmethodischen Ansätze zur Intensitätssteuerung zu Veränderungen der Kraftleistung kommt (operationalisiert über die Kraftleistung in einem 20-RM-, 10- RM- und 1-RM-Test). Die Untersuchung soll mit der für das Setting „Fitness-Studio“ repräsentativen Klientel und unter den realen Rahmen- 92 bedingungen einer kommerziellen Fitness-Anlage als Feldtest stattfinden. Hieraus lassen sich folgende operationale Hypothesen ableiten: H 1.1 Ein sechswöchiges fitnessorientiertes Krafttraining mit verschiedenen Ansätzen zur Steuerung der submaximalen Intensitäten führt zu Veränderungen der Kraftleistung im 20-RM. H 1.2 Ein sechswöchiges fitnessorientiertes Krafttraining mit verschiedenen Ansätzen zur Steuerung der submaximalen Intensitäten führt zu Veränderungen der Kraftleistung im 10-RM. H 1.3 Ein sechswöchiges fitnessorientiertes Krafttraining mit verschiedenen Ansätzen zur Steuerung der submaximalen Intensitäten führt zu Veränderungen der Kraftleistung im 1-RM. Nach Sarris (1992, S. 147) besteht bei einem Pre-Post-Test-Design die Gefahr, dass die Durchführung eines Pre-Tests das Ergebnis des Post- Tests beeinflusst. In der vorliegenden Untersuchung besteht die Möglichkeit, dass die Pre-Tests über Anpassungserscheinungen (Lern- und Trainingseffekte) zu Determinanten der Post- und Follow-up-Test- Ergebnisse werden. Ein weiterer schwierig zu kalkulierender Faktor könnte das Wissen über die erzielte Kraftleistung in einem Pre-Test sein, welche die Probanden in einem Post-Test zu überbieten versuchen (Bortz & Döring, 2006, S. 504). Dieser unkalkulierbare Motivationsfaktor könnte zusätzliche Leistungsreserven über das normale Maß hinaus ermöglichen und somit eine höhere Kraftleistung im Sinne motivational bedingter höherer Krafttestwerte auslösen. Aus diesem Grund besteht ein zweites Untersuchungsziel der vorliegenden Studie darin, den Einfluss eines Pre-Tests auf die Kraftleistungen in Post- und Follow-up-Tests zu untersuchen. Hieraus lassen sich folgende operationale Hypothesen ableiten: H 2.1 Die Kraftleistungen im 20-RM Post-Test unterscheiden sich zwischen Experimentalgruppen mit Pre-Test und Kontrollgruppen ohne Pre-Test. H 2.2 Die Kraftleistungen im 10-RM Post-Test unterscheiden sich zwischen Experimentalgruppen mit Pre-Test und Kontrollgruppen ohne Pre-Test. H 2.3 Die Kraftleistungen in den 1-RM Post- und Follow-up-Tests unterscheiden sich zwischen Experimentalgruppen mit Pre-Test und Kontrollgruppen ohne Pre-Test. 93 Im Rahmen von Untersuchungen zur Intensitätssteuerung im Krafttraining werden fitness- und gesundheitsorientierte Krafttrainingsmethoden, deren Kennzeichen submaximale Trainingsintensitäten sind, nahezu ausschließlich mit klassischen Krafttrainingsmethoden aus dem leistungsorientierten Krafttraining verglichen, die eine muskuläre Erschöpfung anstreben (Buskies, 1999, S. 317; 2001, S. 47; Buskies et al., 1996, S. 171-177). Ein drittes zentrales Untersuchungsziel der vorliegenden Arbeit besteht daher darin, einen Vergleich zwischen den ausgewählten Fitness-Krafttrainingsmethoden hinsichtlich der Trainingseffekte durchzuführen. Hieraus lassen sich folgende operationale Hypothesen ableiten: H 3.1 Die Veränderungen der Kraftleistung im 20-RM unterscheiden sich innerhalb der trainingsmethodischen Ansätze zur Intensitätssteuerung. H 3.2 Die Veränderungen der Kraftleistung im 10-RM unterscheiden sich innerhalb der trainingsmethodischen Ansätze zur Intensitätssteuerung. H 3.3 Die Veränderungen der Kraftleistung im 1-RM unterscheiden sich innerhalb der trainingsmethodischen Ansätze zur Intensitätssteuerung. Da Anpassungsprozesse im Krafttraining durch das Trainingsalter beeinflusst werden und davon ausgegangen werden kann, dass Personen mit geringer Leitungsfähigkeit höhere Trainingseffekte erzielen als Personen mit hoher Leistungsfähigkeit (Fröhlich, 2010, S. 39; Fröhlich et al., 2012, S. 17; Rhea et al., 2003, S. 458; Wolfe et al., 2004, S. 43), werden in der Untersuchung verschiedene Leistungsstufen getestet. Die Klassifizierung der Leistungsstufen beruht auf den Vorgaben der ILB-Methode und wurde zwecks Standardisierung der Untersuchung auf die weiteren Ansätze zur Intensitätssteuerung übertragen (vgl. Kapitel 3.1.3, Tab. 15; Leistungsstufen „Beginner“, „Geübte“, „Fortgeschrittene“ sowie „Leistungstrainierende“). Als viertes Untersuchungsziel soll in diesem Kontext untersucht werden, ob sich die Veränderungen der Kraftleistung auf der Ebene der Leistungsstufen unterscheiden. Hieraus lassen sich folgende operationale Hypothesen ableiten: 94 H 4.1 Die Veränderungen der Kraftleistung im 20-RM unterscheiden sich innerhalb der Leistungsstufen. H 4.2 Die Veränderungen der Kraftleistung im 10-RM unterscheiden sich innerhalb der Leistungsstufen. H 4.3 Die Veränderungen der Kraftleistung im 1-RM unterscheiden sich innerhalb der Leistungsstufen. Verschiedene Studien zeigen, dass Frauen deutlich stärker von einem Krafttraining profitieren als Männer (Buford, Rossi, Smith, Douglas & Warren, 2007, S. 1248; Herrick & Stone, 1996, S. 75; Lemmer et al., 2007, S. 733-735; Thomas et al., 2007, S. 338-339). Obgleich Fröhlich et al. (2012, S. 17) sowie Fröhlich et al. (2009, S. 311) diese geschlechterspezifischen Unterschiede im geringeren Ausgangsniveau der Frauen sowie in der Selektivität der Stichproben begründet sehen, soll als fünftes Untersuchungsziel in der vorliegenden Studie überprüft werden, ob sich diese geschlechterspezifischen Effekte des Krafttrainings bei Breiten- und Freizeitsportlern bestätigen lassen. Hieraus lassen sich folgende operationale Hypothesen ableiten: H 5.1 Die Veränderungen der Kraftleistung im 20-RM unterscheiden sich geschlechterspezifisch. H 5.2 Die Veränderungen der Kraftleistung im 10-RM unterscheiden sich geschlechterspezifisch. H 5.3 Die Veränderungen der Kraftleistung im 1-RM unterscheiden sich geschlechterspezifisch. Die Belastungsintensität stellt nach Olivier et al. (2008, S. 120) eine der wichtigsten Variablen zur Gestaltung des Krafttrainings dar. Der Vergleich verschiedener trainingsmethodischer Ansätze zur Intensitätssteuerung im Fitness-Krafttraining ist ein zentraler Gegenstand der vorliegenden Arbeit respektive der durchgeführten Untersuchung. In diesem Kontext stellt sich die Frage, mit welchen Intensitäten während der sechswöchigen Intervention trainiert wird. Nach dem Ansatz der ILB- Methode werden die Trainingsintensitäten deduktiv vorgegeben. Die prozentuale Berechnung der Trainingslasten mithilfe des ILB- Grobrasters (vgl. Tab. 15) beruht jedoch nicht auf empirisch abgesicherten Daten, sondern lediglich auf praktischen Erfahrungen. Verschiedene Studien zur induktiven Intensitätssteuerung belegen, dass die mangelnde Validität der subjektiven Belastungswahrnehmung bei krafttrainings- 95 unerfahrenen Personen in einem Krafttraining mit individuell zu geringen Intensitäten resultiert (z. B. Focht, 2007, S. 187; Glass, 2008, S. 1029; Glass & Stanton, 2004, S. 327; Mazzetti et al., 2000, S. 1183; Ratamess et al., 2008, S. 111). Somit besteht ein sechstes Untersuchungsziel der Studie in einem Vergleich der Trainingsmethoden hinsichtlich Unterschiede bei den realisierten Trainingsintensitäten (standardisiert in % 1-RM; als Richtwert gilt der 1-RM-Test zum Testzeitpunkt t0). Eventuelle Unterschiede bei den realisierten Trainingsintensitäten können zudem als Erklärungsansatz im Falle auftretender Effektunterschiede bei den verschiedenen Trainingsmethoden dienen. Da bei der ILB-Methode, als einziger Vertreter einer deduktiven Intensitätssteuerung, alle zwei Wochen eine progressive Steigerung der Trainingslasten erfolgt, werden zum Vergleich bei allen Versuchsgruppen die durchschnittlich realisierten Trainingsintensitäten in Woche 1-2, 3-4 sowie 5-6 zusammengefasst. Hieraus lassen sich folgende operationale Hypothesen ableiten: H 6.1 Die realisierten Trainingsintensitäten (in % 1-RM) in Woche 1 und 2 unterscheiden sich innerhalb der trainingsmethodischen Ansätze zur Intensitätssteuerung. H 6.2 Die realisierten Trainingsintensitäten (in % 1-RM) in Woche 3 und 4 unterscheiden sich innerhalb der trainingsmethodischen Ansätze zur Intensitätssteuerung. H 6.3 Die realisierten Trainingsintensitäten (in % 1-RM) in Woche 5 und 6 unterscheiden sich innerhalb der trainingsmethodischen Ansätze zur Intensitätssteuerung. Da davon ausgegangen werden muss, dass die erzielten Trainingseffekte durch das Trainingsalter beeinflusst werden (Fröhlich, 2010, S. 39; Fröhlich et al., 2012, S. 17; Rhea et al., 2003, S. 458; Wolfe et al., 2004, S. 43), besteht ein siebtes Untersuchungsziel darin, die realisierten Trainingsintensitäten hinsichtlich Unterschiede zwischen den Leistungsstufen zu analysieren. Hieraus lassen sich folgende operationale Hypothesen ableiten: 96 H 7.1 Die realisierten Trainingsintensitäten (in % 1-RM) in Woche 1 und 2 unterscheiden sich innerhalb der Leistungsstufen. H 7.2 Die realisierten Trainingsintensitäten (in % 1-RM) in Woche 3 und 4 unterscheiden sich innerhalb der Leistungsstufen. H 7.3 Die realisierten Trainingsintensitäten (in % 1-RM) in Woche 5 und 6 unterscheiden sich innerhalb der Leistungsstufen. Die in Krafttrainingsstudien zu beobachtenden höheren Trainingseffekte bei Frauen (Buford et al., 2007, S. 1248; Herrick & Stone, 1996, S. 75; Lemmer et al., 2007, S. 733-735; Thomas et al., 2007, S. 338-339) werden z. B. von Fröhlich et al. (2012, S. 17) sowie Fröhlich et al. (2009, S. 311) im geringeren Ausgangsniveau der Frauen sowie in der Selektivität der Stichproben begründet. Ein achtes Untersuchungsziel besteht darin, die realisierten Trainingsintensitäten hinsichtlich geschlechterspezifischer Unterschiede zu analysieren, um daraus Erklärungsansätze für geschlechterspezifische Unterschiede bei den Trainingseffekten ableiten zu können. Hieraus lassen sich folgende operationale Hypothesen ableiten: H 8.1 Die realisierten Trainingsintensitäten (in % 1-RM) in Woche 1 und 2 unterscheiden sich geschlechterspezifisch. H 8.2 Die realisierten Trainingsintensitäten (in % 1-RM) in Woche 3 und 4 unterscheiden sich geschlechterspezifisch. H 8.3 Die realisierten Trainingsintensitäten (in % 1-RM) in Woche 5 und 6 unterscheiden sich geschlechterspezifisch.

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Zusammenfassung

Die Trainingsintensität gilt als zentrales Belastungsnormativ im Krafttraining. Die meisten Erkenntnisse und Handlungsempfehlungen zur Intensitätssteuerung im Krafttraining stammen jedoch originär aus dem leistungsorientierten Sport oder aus Laboruntersuchungen mit leistungshomogenen Probandengruppen. Bis dato liegen kaum empirisch gesicherte Daten zur Intensitätssteuerung im fitnessorientierten Krafttraining vor.

Im Rahmen einer prospektiven Interventionsstudie untersuchte Christoph Eifler die Effekte dreier unterschiedlicher trainingsmethodischer Ansätze zur Intensitätssteuerung im fitnessorientierten Krafttraining. Die Datenerhebung fand als Feldtest unter den realen Rahmenbedingungen des Settings „Fitness-Studio“ statt. Insgesamt konnten die Daten von 601 Probanden ausgewertet werden, welche die typische leistungsheterogene Klientel in kommerziellen Fitness-Anlagen repräsentieren.

Die Ergebnisse der Untersuchung liefern Fitnesstrainerinnen und Fitnesstrainern wertvolle Erkenntnisse und Handlungsempfehlungen zur Optimierung des Krafttrainings ihrer Kunden.