Content

8 Zusammenfassung und Ausblick in:

Christoph Eifler

Intensitätssteuerung im fitnessorientierten Krafttraining, page 257 - 270

Eine empirische Studie

1. Edition 2017, ISBN print: 978-3-8288-3895-6, ISBN online: 978-3-8288-6645-4, https://doi.org/10.5771/9783828866454-257

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Sozialwissenschaften, vol. 74

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
257 8 Zusammenfassung und Ausblick Im Folgenden werden die wichtigsten Aspekte und Ergebnisse der vorliegenden Arbeit zusammengefasst. Das Kapitel schließt ab mit einem Ausblick auf zukünftige Forschungsziele, die aus den Ergebnissen der vorliegenden Untersuchung abgeleitet werden können, sowie mit einem Resümee zum Fitness-Krafttraining. 8.1 Zusammenfassung Die vorliegende Untersuchung verfolgte das Ziel, ausgewählte Ansätze zur Intensitätssteuerung im Fitness-Krafttraining zu analysieren. Da die Erkenntnisse und Handlungsempfehlungen zur Intensitätssteuerung im Krafttraining originär aus dem leistungsorientierten Sport oder aus Laboruntersuchungen mit Sportstudierenden stammen, bestand ein Kernziel der Untersuchung darin, gängige Krafttrainingsmethoden respektive Ansätze zur Intensitätssteuerung im Breiten- und Freizeitsport im Setting „Fitness-Studio“ unter Feldtestbedingungen zu evaluieren. In der Untersuchung wurden drei unterschiedliche Verfahren zur Intensitätssteuerung untersucht: 1. Krafttraining mit einer kontrollierten Intensitätssteuerung nach der ILB-Methode (deduktiver Ansatz der Intensitätssteuerung) 2. Krafttraining mit einer kontrollierten Intensitätssteuerung über das subjektive Belastungsempfinden (induktiver Ansatz der Intensitätssteuerung; Operationalisierung und Kontrolle des Belastungsempfindens über die Borg-Skala) 3. Krafttraining mit einer unkontrollierten bzw. intuitiven Intensitätssteuerung über das subjektive Belastungsempfinden In diesem Kontext wurde in Form eines Feldtestexperimentes in 48 Fitness-Unternehmen eine Untersuchung zur Klärung der relevanten Forschungsfragen durchgeführt. An der Untersuchung nahmen insgesamt 712 Probanden freiwillig teil. Von 601 Probanden konnten die Datensätze ausgewertet werden. Eingeschlossen wurden erwachsene, gesunde Fitness-Sportler. Ausgeschlossen wurden Patienten im Bereich der Tertiärprävention oder Rehabilitation, Kinder und Jugendliche sowie Leistungssportler. 258 Die Zuordnung in die Stichproben erfolgte über eine Randomisierung. Jede Stichprobe wurde ausgehend vom Trainingsalter in vier verschiedene Leistungsstufen geschichtet: Leistungsstufe „Beginner“ (mind. 2 Monate Krafttrainingserfahrung), Leistungsstufe „Geübte“ (mind. 6 Monate Krafttrainingserfahrung), Leistungsstufe „Fortgeschrittene“ (mind. 12 Monate Krafttrainingserfahrung) sowie Leistungsstufe „Leistungstrainierende“ (mind. 36 Monate Krafttrainingserfahrung). Bei jeder Stichrobe wurde zudem auf eine möglichst homogene Geschlechterverteilung geachtet. Über Pre- und Post-Tests wurde die motorische Fähigkeit Kraft in mehreren Wiederholungszahlbereichen erhoben: 20-RM-, 10-RM- und 1-RM-Test unmittelbar vor und nach der Interventionsphase. Um zeitlich verzögerte Trainingseffekte zu quantifizieren, wurden zudem Follow-up-Tests durchgeführt: 1-RM-Test drei, sieben und 14 Tage nach dem Pre-Test. Während der sechswöchigen Interventionsphase wurde ein standardisiertes Krafttraining nach den oben genannten Ansätzen zur Intensitätssteuerung durchgeführt. Die Stichproben unterschieden sich ausschließlich in dem Faktor „Intensität“ bzw. bei der unkontrollierten Intensitätssteuerung zusätzlich um die Determinante „Bewegungsgeschwindigkeit“. Ein erstes Untersuchungsziel bestand darin, zu überprüfen, ob durch die primär fitness- und gesundheitsorientierten Krafttrainingsmethoden signifikante Kraftsteigerungen erzielt werden konnten. Hierzu wurden die Veränderungen der absoluten Kraftleistungen zwischen den Testzeitpunkten t0 und t1 (20-RM, 10-RM, 1-RM) sowie zwischen t0 und t4 (1- RM) analysiert. Bei allen Übungen sowie bei allen Variablen zeigten sich hoch signifikante Kraftsteigerungen. Die Berechnung der Effektstärken ergab jedoch in der überwiegenden Anzahl der Fälle einen nur geringen Effekt. Die praktische Bedeutsamkeit der erzielten Kraftsteigerungen muss im Kontext der Krafttrainingsforschung folglich als eher gering eingestuft werden. Die lediglich geringen Trainingseffekte können über die realisierten Trainingsintensitäten (in % 1-RM) erklärt werden, die deutlich unter den gängigen trainingswissenschaftlichen Empfehlungen liegen (z. B. Bührle, 1985, S. 96; Baechle et al., 2008, S. 394). Übungs- und stichprobenunabhängig wurde in der vorliegenden Untersuchung mit einer durchschnittlichen Intensität von lediglich 55,10 % (± 8,21) des 1- RM trainiert. In Anbetracht dieser äußerst geringen Trainingsintensitäten muss in Frage gestellt werden, ob die erzielten Kraftsteigerungen aus strukturellen Adaptationen im Sinne von Hypertrophieprozessen oder vielmehr aus neuromuskulären Adaptationen im Sinne einer Verbesserung der intra- und intermuskulären Koordination resultieren (Lernund Gewöhnungseffekte). 259 Eine weitere Fragestellung der vorliegenden Arbeit, speziell vor dem Hintergrund des Feldtestdesigns, war die Überprüfung hinsichtlich des Auftretens von Pre-Test-Effekten bedingt durch Anpassungserscheinungen oder motivationale Ursachen. Hierzu wurde für jeden der oben genannten Ansätze zur Intensitätssteuerung eine Kontrollgruppe gebildet, die exakt das gleiche Treatment durchlief, allerdings keine Pre-Tests absolvierte. Analysiert wurden die Post- und Follow-up-Test-Ergebnisse auf signifikante Unterschiede. Der Vergleich der Stichproben konnte Pre- Test-Effekte nicht bestätigen. Generell konnten keine signifikanten Unterschiede zwischen den Post- und Follow-up-Tests der Experimentalund Kontrollgruppe festgestellt werden. Ein weiteres zentrales Untersuchungsziel der vorliegenden Arbeit bestand darin, die verschiedenen trainingsmethodischen Ansätze zur Intensitätssteuerung hinsichtlich eventueller Effektunterschiede zu evaluieren. Hierzu wurden die relativen Kraftsteigerungen (∆ t0-t1 20-RM, ∆ t0t1 10-RM, ∆ t0-t1 1-RM, ∆ t0-t4 1-RM) auf Unterschiede zwischen den Trainingsmethoden bzw. Versuchsgruppen untersucht. Die Auswertung ergab keine für die Praxis relevanten Methodenunterschiede. Tendenziell konnten mit dem deduktiven Ansatz der ILB-Methode höhere relative Kraftsteigerungen erzielt werden. Die Ergebnisse waren aber nicht durchgehend signifikant. Im Falle signifikanter Ergebnisse konnten nur geringe Effektstärken berechnet werden, so dass für die Krafttrainingspraxis aus den Untersuchungsergebnissen kein zusätzlicher Benefit durch ein Training nach der ILB-Methode abgeleitet werden kann. Zwischen den untersuchten beanspruchungsorientierten Methoden konnten durchgehend keine praxisrelevanten Unterschiede festgestellt werden. Ein zusätzlicher Benefit oder Indizien für eine exaktere Intensitätssteuerung durch die Borg-Skala lassen sich aus den Untersuchungsergebnissen nicht ableiten. Für die Praxis des fitness- und gesundheitsorientierten Krafttrainings kann in Anbetracht der Ergebnisse der vorliegenden Untersuchung konstatiert werden, dass die Wahl der Krafttrainingsmethode eher eine untergeordnete Rolle zu spielen scheint. Zwischen den vier Leistungsstufen konnten durchgehend hoch signifikante Unterschiede hinsichtlich der relativen Kraftsteigerungen festgestellt werden. Die Varianzaufklärung ergab mittlere bis hohe Effektstärken. Wie aufgrund der aktuellen Studienlage zu erwarten war (z. B. Fröhlich, 2010, S. 39; Fröhlich et al., 2012, S. 17; Rhea et al., 2003, S. 458; Wolfe et al., 2004, S. 43), konnten Probanden mit geringer Leistungsfähigkeit deutlich höhere relative Kraftsteigerungen erzielen wie krafttrainingserfahrene Probanden. Die Ergebnisse der vorliegenden Untersuchung liefern somit einen Beleg für gängige Modelle zur theoretischen Erklärung von Trainingsadaptationen im Sinne des Quantitätsgesetzes des Trainings. 260 Des Weiteren konnten durchgehend signifikante geschlechterspezifische Unterschiede hinsichtlich relativer Kraftsteigerungen festgestellt werden. Wie aufgrund der aktuellen Studienlage zu erwarten war (z. B. Buford et al., 2007, S. 1248; Fröhlich et al., 2012, S. 17; Fröhlich et al., 2009, S. 311; Herrick & Stone, 1996, S. 75; Lemmer et al., 2007, S. 733-735; Thomas et al., 2007, S. 338-339), konnten Frauen in den meisten Fällen signifikant höhere relative Kraftsteigerungen erzielen. Die Varianzaufklärung ergab in der überwiegenden Anzahl der Fälle hohe und in wenigen Ausnahmen mittlere Effektstärken. Ein weiteres Untersuchungsziel bestand in der Analyse der realisierten Trainingsintensitäten (in % 1-RM) auf Unterschiede zwischen den Versuchsgruppen bzw. Trainingsmethoden, den Leistungsstufen sowie den Geschlechtern. Die Analyse der Trainingsintensitäten auf Unterschiede zwischen den Versuchsgruppen zeigte bei den beanspruchungsorientierten Krafttrainingsmethoden keine nennenswerten bzw. praxisrelevanten Unterschiede. Eine exaktere Steuerung der subjektiv gewählten Trainingsintensität über die Borg-Skala kann aus den Untersuchungsergebnissen nicht abgeleitet werden. Insgesamt bestätigten sich jedoch die Beobachtungen von Focht (2007, S. 184), Glass und Stanton (2004, S. 326; 2005, S. 177-178) sowie Ratamess et al. (2008, S. 108), welche darlegen konnten, dass Trainingsintensitäten, die auf der Basis des subjektiven Belastungsempfindens gesteuert werden, in der Regel zu niedrig im Hinblick auf die Auslösung von Hypertrophieprozessen gewählt werden. Die Trainingsintensitäten nach dem Ansatz der ILB-Methode gestalteten sich im Vergleich zu den beanspruchungsorientierten Trainingsmethoden in den ersten beiden Trainingswochen sogar deutlich geringer. Da nach dem ILB-Schema jedoch eine progressive Steigerung der Trainingsintensitäten methodisch verankert ist, konnten in Woche drei und vier sowie besonders deutlich in den letzten beiden Wochen der Trainingsintervention höhere Trainingsintensitäten realisiert werden. Im Vergleich zur ILB-Methode wurden die Trainingsintensitäten bei den beanspruchungsorientierten Trainingsmethoden nur minimal gesteigert. Insgesamt kann jedoch aus den höheren Trainingsintensitäten bei einem Training nach der ILB-Methode kein praxisrelevanter Mehrnutzen gegenüber den Methoden mit einer induktiven Intensitätssteuerung gewonnen werden. Ursächlich hierfür könnten die deutlich zu niedrigen Trainingsintensitäten in den beiden ersten Trainingswochen sein. Insgesamt lagen aber auch die mit der ILB-Methode realisierten Trainingsintensitäten deutlich unter den gängigen trainingswissenschaftlichen Empfehlungen für ein Hypertrophietraining (z. B. Bührle, 1985, S. 96; Güllich & Schmidtbleicher, 1999, S. 229). Im Hinblick auf die Leistungsstufen zeigten sich die zu erwartenden Ergebnisse. Diametral zu den Trainingseffekten zeigten sich die gerings- 261 ten Trainingsintensitäten bei den Trainingsbeginnern, die höchsten Trainingsintensitäten zeigten sich bei den krafttrainingserfahrenen Sportlern. Geschlechterspezifisch konnten keine praxisrelevanten Unterschiede hinsichtlich realisierter Trainingsintensitäten festgestellt werden. Die deutlich höheren relativen Kraftsteigerungen der Frauen resultieren somit eher aus einem niedrigeren Ausgangsniveau sowie aus der Selektivität der Stichprobe (Fröhlich et al., 2012, S. 17; Fröhlich et al., 2009, S. 311). 8.2 Ausblick Im Folgenden werden auf der Basis der Untersuchungsergebnisse mögliche zukünftige Forschungsziele skizziert. Das Kapitel respektive die vorliegende Arbeit schließen mit einem Resümee zum Fitness- Krafttraining ab, indem der Konflikt zwischen Kundeninteressen auf der einen Seite und ökonomischen Prämissen der kommerziellen Fitness- Anbieter auf der anderen Seite kritisch hinterfragt wird. 8.2.1 Ausblick auf zukünftige Forschungsziele im Themenfeld Für die Praxis des Fitness-Krafttrainings kann unter Berücksichtigung der Untersuchungsergebnisse resümiert werden, dass die Wahl der Trainingsmethode bzw. der Ansatz zur Steuerung der Trainingsintensität bei Freizeit- und Breitensportlern eher eine untergeordnete Rolle spielt. Insgesamt konnten durch Krafttrainingsmethoden mit deutlich submaximalen Lasten signifikante Verbesserungen der Kraftleistung erzielt werden. Tendenziell wurden mit dem deduktiven Ansatz der Intensitätssteuerung nach der ILB-Methode höhere, jedoch nicht durchgehend signifikant höhere relative Kraftsteigerungen erreicht. In der Praxis des Fitness-Krafttrainings stellt sich die Frage, ob dieser geringe Mehrnutzen der ILB-Methode den höheren Aufwand bei der Umsetzung rechtfertigt (obligate Krafttestung, a priori Berechnung der Trainingsintensitäten). Diese Frage kann im Kontext des kommerziell-orientierten Fitness-Krafttrainings nur individuell und nicht pauschal beantwortet werden. Obgleich die vorliegende Untersuchung tendenzielle Vorteile der ILB- Methode darlegt, zeigt sich ein Optimierungsbedarf bei diesem trainingsmethodischen Ansatz. Die Einstiegsintensitäten sind suboptimal. Ein zukünftiges Forschungsziel könnte darin bestehen, die Effekte einer 262 modifizierten Form der ILB-Methode mit angepassten höheren Intensitätsbereichen mit der klassischen Form der ILB-Methode zu vergleichen. Bei der Betrachtung der beanspruchungsorientierten Krafttrainingsmethoden hat sich ein eventueller Mehrnutzen durch die Borg-Skala zur Kontrolle des subjektiven Belastungsempfindens in der vorliegenden Untersuchung nicht bestätigen können. Zwischen intuitiver Intensitätssteuerung und kontrollierter subjektiver Intensitätssteuerung mittels Borg-Skala zeigten sich keine Unterschiede, weder im Hinblick auf Trainingseffekte, noch im Hinblick auf die Steuerung der Trainingsintensität. Wie bereits in Kapitel 7.3.1 dargestellt wurde, kann die Ursache hierfür in der eventuell zu starken Ausdifferenzierung der Borg-Skala (Belastungsfaktor 6 bis 20) und dem damit verbundenen hohen Abstraktionsgrad liegen. Inwieweit unterschiedliche Krafttrainingseffekte aus der Verwendung unterschiedlicher Skalen zur Operationalisierung des subjektiven Belastungsempfindens resultieren, könnte ein weiteres zukünftiges Forschungsziel darstellen. Aus der vorliegenden Untersuchung kann für die Praxis des Fitness- Krafttrainings geschlussfolgert werden, dass ein entscheidender Faktor zur Steigerung der Kraftleistung neben der Höhe der realisierten Trainingsintensitäten auch die progressive Steigerung der Intensitäten zu sein scheint (Peterson et al., 2011, S. 257; Rabelo et al., 2011, S. 2301). Krafttrainingsmethoden, die eine Progression der Trainingsintensitäten methodisch per se vorsehen (in der Regel Krafttrainingsmethoden mit Lastvorgaben), haben hier Vorteile. Bei beanspruchungsorientierten Krafttrainingsmethoden obliegt die progressive Steigerung der Trainingsintensität dem Kraftsportler. Die Fähigkeit zur genauen Einschätzung der subjektiv wahrgenommenen Belastung sowie motivationale und volitive Faktoren beeinflussen beim Breiten- und Freizeitsportler die Progression der Intensitäten und damit zusammenhängend die Trainingseffekte unter Umständen stärker als die zugrunde liegende Krafttrainingsmethodik. Bei einer retrospektiven Betrachtung der vorliegenden Untersuchung kann resümiert werden, dass sich die eingesetzten sportmotorischen Tests (bis auf die in Kapitel 5.4.2 beschriebenen geringfügigen gerätetechnischen und testimmanenten Umsetzungsschwierigkeiten und ungeachtet der in Kapitel 7.4 geführten Diskussion) in der Praxis des Fitness-Krafttrainings bewährt haben. In Anbetracht der hohen Test-Retest- Reliabilität sowie bezugnehmend auf die Ergebnisse der Untersuchung auf Pre-Test-Effekte kann konstatiert werden, dass die eingesetzten sportmotorischen Testverfahren bei ausreichender Teststandardisierung durchaus praktikable Instrumente zur Leistungsdokumentation (intraindividueller Leistungsvergleich; Martin et al., 1993, S. 118) im 263 Fitness-Krafttraining darstellen. Inwieweit diese sportmotorischen Krafttests im Rahmen eines tertiärpräventiven oder rehabilitativen Krafttrainings durchgeführt werden können, kann an dieser Stelle nicht beantwortet werden. Die Möglichkeit zum interindividuellen Leistungsvergleich (Martin et al., 1993, S. 118) bzw. die Möglichkeit zum Vergleich der individuellen Krafttestwerte mit repräsentativen Referenzwerten besteht bei X-RM- und 1-RM-Tests nicht. Die Sammlung von Referenzwerten für verschiedene Krafttrainingsübungen und unterschiedliche X- RM-Bereiche könnte ein zukünftiges Forschungsziel sein. Zur empirischen Absicherung der Referenzwerte wären allerdings groß angelegte Studien mit einer hohen Anzahl an Probanden notwendig. Aus der Frage nach der optimalen Intensitätssteuerung im Fitness- Krafttraining könnte ein weiteres zukünftiges Forschungsziel darin bestehen, im Setting „Fitness-Studio“ (d. h. im Feldtest) verschiedene Intensitätsabstufungen hinsichtlich der Trainingseffekte zu vergleichen. Eine vergleichbare Untersuchung unter Laborbedingungen führte z. B. Buskies (1999, S. 317) durch. Buskies verglich unter anderem die Veränderungen der Maximalkraftkraft bei verschiedenen Belastungsstufen (subjektiv „mittel“, „schwer“ sowie „ausbelastend“). Hier zeigte sich ein konsistentes Ergebnis: je höher der Belastungsgrad, umso größer die Kraftsteigerung. Die Unterschiede zwischen den Effekten in den Trainingsgruppen waren durchgehend signifikant bis sehr signifikant. Die höchsten Steigerungen der Maximalkraft wurden bei einem ausbelastenden Krafttraining erzielt. Bei der Studie von Buskies (1999, S. 317) wurden allerdings ausschließlich Sportstudenten untersucht. Inwieweit dieser deutliche Benefit eines ausbelastenden Krafttrainings auch auf den durchschnittlich trainierten Breiten- und Freizeitsportler übertragbar ist, könnte Gegenstand einer zukünftigen Untersuchung sein. In diesem Kontext sollten jedoch die im Vergleich zu einem submaximalen Training signifikant höheren laktaziden und kardialen Belastungen des ausbelastenden Krafttrainings (Buskies, 1999, S. 318) berücksichtigt werden. Buskies (1999, S. 320) konstatiert, dass aus gesundheitlicher Sicht die Effektivität, Belastung und Risikokomponente bei einem sanften Krafttraining nach dem subjektiven Belastungsempfinden in einem günstigeren Verhältnis zueinander stehen, als bei einem Training bis zur muskulären Ausbelastung. Die Effektivität des sanften Krafttrainings wurde allerdings unter anderem über die relativen Kraftsteigerungen operationalisiert. In diesem Punkt wurden mit höheren Belastungen signifikant höhere Effekte erzielt. Des Weiteren fehlt der endgültige Beleg, dass eine höhere metabolische und kardiale Belastung für den gesunden Fitness-Sportler im Kontext eines primärpräventiven Fitness-Krafttrainings tatsächlich ein Gesundheitsrisiko darstellt. 264 Ein weiteres zukünftiges Forschungsziel könnte in einer Längsschnittstudie über eine längere Interventionsdauer bestehen. In der vorliegenden Untersuchung wurden die kurzfristigen Effekte verschiedener Ansätze zur Intensitätssteuerung getestet (Mesozyklusdauer von sechs Wochen). Die Ergebnisse können nicht vorbehaltlos auf eine längere Interventionsdauer übertragen werden (z. B. eine Makrozyklusplanung von sechs bis zwölf Monaten Dauer). In diesem Kontext wäre auch die Frage nach den Effekten verschiedener Periodisierungsmodelle im Fitness-Krafttraining von Bedeutung. Die Studienlage zu den unterschiedlichen Periodisierungsmodellen zeigt zwar relativ homogene Ergebnisse (vgl. im Überblick Fröhlich et al., 2009, S. 310-312), ähnlich wie schon beim Forschungsthema „Intensitätssteuerung“ existieren aber auch zum Thema „Periodisierung“ kaum repräsentative Studien, die das Thema im Kontext des Fitness-Krafttrainings oder unter Feldtestbedingungen untersuchten. In Kapitel 7.4 wurde bereits kritisch dargestellt, dass in der vorliegenden Untersuchung ausschließlich sportmotorische Krafttests eingesetzt wurden, um die Effekte der Krafttrainingsmethoden zu messen, obgleich eine Kraftsteigerung in der Regel kein originäres Trainingsziel des Breiten- und Freizeitsportlers darstellt. Ein zukünftiges Forschungsziel könnte darin bestehen, zu überprüfen, ob neben Kraftsteigerungen auch präventive Effekte (Veränderung der Körperkomposition, Blutdruckregulation, Glukosestoffwechsel etc.) durch ein Fitness-Krafttraining mit vergleichbar niedrigen Trainingsintensitäten erzielt werden können. Die Frage nach einer optimalen Intensitätssteuerung bzw. Methodik im Kraftraining wird auch zukünftig weitergeführt werden und bietet nach wie vor viele Möglichkeiten und offene Fragestellungen für weitere Studien. Speziell im Kontext der Feldtestforschung im Setting „Fitness- Studio“ besteht der Bedarf nach weiteren empirischen Untersuchungen zum Krafttraining. 8.2.2 Resümee zum Fitness-Krafttraining Konflikt zwischen Kundeninteressen und ökonomischen Prämissen kommerzieller Fitness-Anbieter Die Diskussion bzw. die Fragestellung nach dem optimalen Ansatz zur Intensitätssteuerung oder zur optimalen Krafttrainingsmethodik scheint für das Fitness-Krafttraining nicht endgültig geklärt zu sein. Die vorliegende Untersuchung hat gezeigt, dass gängige Ansätze zur Intensitätssteuerung im Fitness-Krafttraining zwar signifikante Kraftsteigerungen bei Breiten- und Freizeitsportlern generieren können, diese Effekte unter Berücksichtigung der praktischen Relevanz jedoch nur gering ausfallen. 265 Somit bestätigt die vorliegende Arbeit die These, dass im fitness- und gesundheitsorientierten Krafttraining mit deutlich zu geringen und somit suboptimalen Intensitäten trainiert wird. Schmidtbleicher (1997, S. 26) sieht im Kontext des Fitness-Trainings einen Konflikt zwischen Kundeninteressen und ökonomischen Interessen der kommerziell-orientierten Fitness-Anbieter: Die Sporttreibenden erwarten eine möglichst hohe Effektivität und Effizienz5 des Trainings, in Abhängigkeit von der individuellen Zielsetzung. Die kommerziellen Fitness-Anbieter streben eine hohe Auslastung der räumlichen, zeitlichen und personellen Ressourcen an, um die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens zu sichern. Ungeachtet von ökonomischen Prämissen stellt sportliches Training aus trainingswissenschaftlicher Sicht einen zielorientierten Handlungsprozess dar (Hohmann et al., 2002, S. 15). Im Kontext der Trainingssteuerung leiten sich alle Maßnahmen der Trainingsplanung sowie der Trainingsdurchführung aus den a priori definierten Trainingszielen ab (Martin et al., 1993, S. 17). Ein Kernbestandteil der Trainingssteuerung stellt zudem die Trainingskontrolle dar, d. h. die Überprüfung der Zielerreichung (Olivier et al., 2008, S. 64). Diese Anforderungen an den Prozess der Trainingssteuerung gelten dabei nicht ausschließlich für das leistungsorientierte Training, sondern haben auch für das fitness- und gesundheitsorientierte Krafttraining bei kommerziellen Fitness- Anbietern ihre Gültigkeit. Der Arbeitgeberverband deutscher Fitness- und Gesundheitsanlagen (DSSV, 2013, S. 42-43) veröffentlichte in einer aktuellen Erhebung zu den Eckdaten der deutschen Fitness-Wirtschaft Daten zu Trainingszielen der Sporttreibenden sowie zur subjektiven Beurteilung der Zielerreichung. Insgesamt wurden Fitness-Sportler in 1.674 Fitness-Studios befragt. Die vier meist genannten Trainingsziele waren „Fitnesssteigerung/-erhalt“ (65,2 %), „Abnehmen“ (20,2 %), „Gesundheit fördern“ (17,0 %) sowie „Krafttraining/Muskelaufbau“ (16,3 %). Auf die Frage nach der Zufriedenheit mit der Zielerreichung gaben 68,0 % der Befragten „gut“, 18,5 % „sehr gut“, 12,0 % „eher schlecht“ und 1,5 % „schlecht“ als subjektive Bewertung an. Diese Einschätzungen zum subjektiv wahrgenommen Grad der Zielerreichung erlauben jedoch keine eindeutigen Rückschlüsse auf eine hinreichende Operationalisierung der Trainingsziele oder auf 5 Nach Fröhlich, Emrich und Büsch (2007, S. 270) wird „Effektivität“ definiert als das Verhältnis von erreichtem zu definiertem Ziel, d. h. der Grad der Zielerreichung bzw. der Wirksamkeit einer Handlung. Unter „Effizienz“ definieren die Autoren das Verhältnis von investierter Leistung zu anfallenden Kosten und/oder anderen Nachteilen oder entgangenen Alternativen (Opportunitäten). 266 eine Zielorientierung der Trainingsplanung sowie auf eine Kontrolle der Zielerreichung. Insgesamt muss aufgrund der primär ökonomischen Prämissen kritisch hinterfragt werden, ob im kommerziell-orientierten Fitness-Training alle Maßnahmen der Trainingssteuerung konsequent umgesetzt werden. Es fehlt letztendlich an eindeutigen Belegen für eine stringente Trainingsevaluation bei kommerziellen Fitness-Anbietern. In Anbetracht der hohen Relevanz der präventiven sowie ästhetischen Ziele der Freizeit- und Breitensportler (DSSV, 2013, S. 42), die weitgehend aus strukturellen Adaptationen der Skelettmuskulatur resultieren, muss unter Berücksichtigung der Ergebnisse der vorliegenden Arbeit geschlussfolgert werden, dass die hier analysierten fitness- und gesundheitsorientierten Krafttrainingsmethoden kein zielorientiertes Krafttraining ermöglichen. Dennoch werden die vermeintlich gesundheitsfördernden Effekte dieser Krafttrainingsmethoden in der populärwissenschaftlichen Literatur (z. B. Barteck, 1998, S. 32-33; Boeckh-Behrens & Buskies, 2002, S. 48-55; Trunz et al., 2002, S. 128-130) sowie in den Werbemedien kommerzieller Fitness-Anbieter propagiert. Im Kontext des Fitness-Krafttrainings zeigt sich ein weiterer Konflikt zwischen Kundeninteressen und ökonomischen Interessen der kommerziell-orientierten Fitness-Anbieter. Nach Fröhlich (2010, S. 50) bestimmen zunehmend ökonomische Prämissen trainingswissenschaftliche Handlungsanweisungen. Diese ökonomischen Überlegungen sind auch auf die Umsetzungsmodalitäten der Handlungsanweisungen durch die Sportler übertragbar. Es muss davon ausgegangen werden, dass Freizeitund Breitensportler aufgrund der knappen Zeitressourcen6 Kosten und Nutzen des individuellen Handelns gegeneinander abwägen und letztendlich ihr Handeln an der Maximierung des subjektiv wahrgenommenen Nutzens ausrichten. Der Breiten- und Freizeitsportler wird ein Fitness-Krafttraining nur dann langfristig ausüben, wenn nach einer Kosten-Nutzen-Abwägung der subjektiv wahrgenommene Nutzen des Fitness-Krafttrainings gegenüber den Opportunitätskosten überwiegt. Auf der einen Seite erhoffen sich kommerzielle Fitness-Anbieter von einem sanften Krafttraining aus ökonomischer Sicht eine Reduzierung der Drop-out-Quote, da die Sportler weder konditionell noch motivational überfordert werden sollen. Bei Trainingsbeginnern mag diese Überlegung auch durchaus nachvollziehbar sein; die Studienlage zeigt, dass krafttrainingsunerfahrene Sportler auch mit geringerem Trai- 6 Laut aktuellen Eckdaten der deutschen Fitness-Wirtschaft (DSSV, 2013, S. 48) stellt „Zeitmangel“ mit 39,0 % den häufigsten Kündigungsgrund in deutschen Fitness-Studios dar. Dieser angebliche Zeitmangel bedeutet jedoch nichts anderes, als eine Abwägung der Wichtigkeit bzw. Sinnhaftigkeit des Trainings mit anderen Handlungsalternativen. 267 ningsaufwand höhere Krafttrainingseffekte erzielen können als krafttrainingserfahrene Sportler (Fröhlich et al., 2012, S. 16). Auf der anderen Seite muss man aber unter Berücksichtigung trainingswissenschaftlicher Überlegungen davon ausgehen, dass mit zunehmendem Trainingsalter die anvisierten Krafttrainingseffekte ausbleiben, da mit einem sanften Krafttraining eventuell keine trainingswirksamen Reize gesetzt werden. Die in vielen Fitness-Studios kursierende Befürchtung, Kunden durch ein intensives Krafttraining zu verlieren oder gar gesundheitliche Probleme zu verursachen, erscheint irrational und kann nicht anhand belastbarer Daten belegt werden. Gegenteilig darf sogar angenommen werden, dass auch Breiten- und Freizeitsportler in der Lage sind, im Sinne des Rational-Choice-Ansatzes diejenige Handlungsalternative rational auszuwählen, bei der das subjektive Produkt aus dem Nutzwert und der Eintrittswahrscheinlichkeit eines solchen Ereignisses am größten ist (Fröhlich, Emrich & Büsch, 2007, S. 298). Dieser These liegt die Annahme zugrunde, dass ein intensives Krafttraining in Puncto Effektivität sowie Effizienz einem sanften Krafttraining überlegen ist. Direkte Vergleiche der Trainingseffekte eines deutlich submaximalen bzw. sanften Krafttrainings mit einem hoch intensiven bzw. ausbelastenden Krafttraining bestätigen diese These (z. B. Buskies, 1999, S. 317-318; 2001, S. 48-51). Die Ergebnisse der vorliegenden Untersuchung bekräftigen zudem die These, dass durch deutlich submaximale Trainingsintensitäten strukturelle Anpassungen im Sinne von Hypertrophieeffekten höchstwahrscheinlich nur in sehr geringem Umfang oder unter Umständen sogar gar nicht ausgelöst werden. Der Breiten- und Freizeitsportler steht folglich vor der Alternative, ein für ihn zielführendes, da effektives und effizientes, im Umkehrschluss aber intensives und somit motivational und volitiv forderndes Krafttraining zu betreiben oder ein weniger effektives und mit höheren Opportunitätskosten verbundenes, dafür aber sanftes Krafttraining auszuführen. Bezugnehmend auf die Rational-Choice-Theorie müsste angenommen werden, dass sich der rational denkende Sportler für die für ihn effektivere und effizientere Form des Krafttrainings, folglich das intensive Krafttraining entscheiden wird. Meistens verfügen die potenziellen Kunden für ein Fitness-Krafttraining jedoch nicht über vollkommene Informationen, um ihre Entscheidung anhand objektiver Kriterien treffen zu können. In diesem Fall bedeutet Rationalität eher, dass der potenzielle Kunde aus einer gegebenen Menge möglicher Handlungsalternativen diejenige realisiert, die gemäß seinen Zielen die für ihn subjektiv wahrgenommene beste Wahl darstellt. Der Kunde maximiert seine Zielfunktion unter den gegebenen Restriktionen (Breyer, 2008, S. 2). Aufgrund 268 falscher oder unvollständiger Informationen besteht jedoch die Gefahr der scheinrationalen Auswahl einer Handlungsalternative. In der Außendarstellung suggeriert die kommerziell-orientierte Fitness- Branche dem potenziellen Kunden über das Mythos der empirischen Gültigkeit (Emrich & Thieme, 2012, S. 246), dass ein sanftes und nur minimal anstrengendes Krafttraining genauso effektiv sein kann wie ein hoch intensives und dementsprechend sehr anstrengendes Krafttraining.7 In populärwissenschaftlichen Publikationen oder auch Werbemedien kommerzieller Fitness-Anbieter erfreut sich z. B. der Begriff des „gelenkschonenden“ oder „rückenschonenden Krafttrainings“ großer Beliebtheit. Dem potenziellen Kunden wird über diese konstruierten Begriffe suggeriert, wie sanft, schonend und somit (scheinrational) medizinisch wertvoll das Fitness-Krafttraining gestaltet sein soll. Die Begriffskonstruktion „gelenkschonendes“ bzw. „rückenschonendes Krafttraining“ stellt an sich jedoch bereits ein Oxymoron dar. Sportliches Training respektive Krafttraining generiert Belastungen für die beteiligten arthromuskulären Strukturen, niemals eine Schonung. Auch Freese (2006, S. 12) kritisiert die in der Praxis des Krafttrainings außerhalb des Leistungssports oftmals zu beobachtende allzu vorsichtige Belastungsgestaltung. Dabei ist das Postulat nach einem sanften, schonenden und somit motivational und volitiv nur gering fordernden Krafttraining nur ein ausgewähltes Beispiel für scheinrationale Trainingsempfehlungen im kommerziell-orientierten Fitness-Krafttraining. Als weiterer typischer Mythos seien hier die Aussagen hinsichtlich der generellen Überlegenheit eines Einsatz-Trainings, wie sie bei einigen kommerziellen Fitness- Anbietern propagiert werden, genannt.8 In diesem Kontext stellt sich die Frage, ob die Empfehlungen zu einem generellen Einsatz-Training bei kommerziellen Fitness-Anbietern auf trainingswissenschaftlichen oder eher ökonomischen Überlegungen (Steuerung der Studioauslastung) beruhen. 7 In der Tat gilt es als empirisch gesichert, dass auch durch ein sanftes Krafttraining signifikante Trainingseffekte erzielt werden können (z. B. Buskies, 1999; Strack & Eifler, 2005). Die vorliegende Untersuchung hat jedoch über die Analyse der Effektstärken gezeigt, dass diese Trainingseffekte bei kritischer Betrachtung der Ergebnisse nur von unbedeutender praktischer Relevanz sind. 8 Die Darstellungen in Kapitel 2.3.3 zeigen, dass es durchaus Studien gibt, die von höheren Krafttrainingseffekten durch ein Einsatz-Training berichten (z. B. Gießing, 2005b). Hier wurde allerdings ein Einsatz-Training bis zur Muskelerschöpfung evaluiert, also keineswegs ein sanftes Krafttraining. Generell muss aber bei einer metaanalytischen Betrachtung der Fragestellung (z. B. Fröhlich et al., 2010; Rhea et al., 2003; Wolfe et al., 2004) konstatiert werden, dass bei fortgeschrittenen Kraftsportlern ein Mehrsatz-Training dem Einsatz-Training überlegen ist. 269 Die bewusste Aufrechterhaltung trainingswissenschaftlicher Mythen zur Kundenaquise im kommerziellen Fitness-Krafttraining kann jedoch nicht verhindern, dass im langfristigen Trainingsprozess der Sportler an seiner individuellen Zielerreichung aufgrund suboptimaler Trainingsempfehlungen höchstwahrscheinlich scheitern wird. Was mit einem suboptimalen Fitness-Krafttraining, fernab der empirisch gesicherten trainingswissenschaftlichen Empfehlungen, kurz- bis mittelfristig vermieden werden soll (Drop-out), stellt sich im langfristigen Prozess ein: Die Sportler erreichen ihre Ziele nicht und stellen das Krafttraining wieder ein. Folglich muss auch aus ökonomischer Sicht die scheinrationale Aufrechterhaltung von Trainingsmythen zur kurzfristigen Kundenbindung in Frage gestellt werden. Eine stringentere Orientierung an empirisch gesichterten Handlungsempfehlungen für das Training (und daraus resultierend eine höhere Effektivität und Effizienz des Trainings) könnte letztendlich eine zielführende Strategie zur langfristigen Kundenbindung in kommerziellen Fitness-Anlagen darstellen. Gestaltet sich das Krafttraining in der Wahrnehmung des Sportlers als effektiv und effizient, so wird die subjektiv wahrgenommene Relation zwischen investierter Leistung und Opportunitätskosten zunehmend positiver im Sinne einer stärkeren Bewertung der Sinnhaftigkeit bzw. Wichtigkeit des Fitness-Krafttrainings ausfallen. Abschließend kann resümiert werden, dass es für die Effektivität und Effizienz des Fitness-Krafttrainings weniger ausschlaggebend ist, welche Trainingsmethode zur Anwendung kommt. Vielmehr wird es entscheidend sein, inwiefern die Belastungsgestaltung und insbesondere die Intensitätssteuerung auf evidenzbasierten trainingswissenschaftlichen Handlungsempfehlungen beruhen. Diesbezüglich sieht der Autor der vorliegenden Arbeit im Hinblick auf die untersuchten Trainingsmethoden aus dem Fitness-Krafttraining deutliche Defizite. Aus diesen Defiziten lässt sich ein dringender Handlungsbedarf für das fitness- und gesundheitsorientierte Krafttraining ableiten, wenn dieses sowohl für die sporttreibenden Kunden als auch für die kommerziell-orientierten Fitness-Unternehmen einen quantifizierbaren Nutzen bringen soll.

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Die Trainingsintensität gilt als zentrales Belastungsnormativ im Krafttraining. Die meisten Erkenntnisse und Handlungsempfehlungen zur Intensitätssteuerung im Krafttraining stammen jedoch originär aus dem leistungsorientierten Sport oder aus Laboruntersuchungen mit leistungshomogenen Probandengruppen. Bis dato liegen kaum empirisch gesicherte Daten zur Intensitätssteuerung im fitnessorientierten Krafttraining vor.

Im Rahmen einer prospektiven Interventionsstudie untersuchte Christoph Eifler die Effekte dreier unterschiedlicher trainingsmethodischer Ansätze zur Intensitätssteuerung im fitnessorientierten Krafttraining. Die Datenerhebung fand als Feldtest unter den realen Rahmenbedingungen des Settings „Fitness-Studio“ statt. Insgesamt konnten die Daten von 601 Probanden ausgewertet werden, welche die typische leistungsheterogene Klientel in kommerziellen Fitness-Anlagen repräsentieren.

Die Ergebnisse der Untersuchung liefern Fitnesstrainerinnen und Fitnesstrainern wertvolle Erkenntnisse und Handlungsempfehlungen zur Optimierung des Krafttrainings ihrer Kunden.