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9 Ergebnis in:

Jovan Zdjelar

Trade & Labour, page 487 - 488

Die Hypothek des Freihandels?

1. Edition 2017, ISBN print: 978-3-8288-3884-0, ISBN online: 978-3-8288-6623-2, https://doi.org/10.5771/9783828866232-487

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
487 ERGEBNIS 9 Ergebnis Vor dem Hintergrund einer immensen Bedeutung der Erwerbsarbeit für das Individuum, nicht nur aus ökonomischer, sondern auch aus sozialpsychologischer Perspektive, da sich die Individuen über die ausgeübte Tätigkeit identifizieren und dadurch ihren Status in der Gesellschaft manifestieren, ist es in einer global vernetzten Welt erforderlich, eine Synchronisation des Arbeitsrechts zu realisieren. Die in dieser Untersuchung dargelegten Modelle und Theorien zum liberalen Welthandel, offenbaren diesbezüglich Defizite. Der liberale Welthandel, hat erst in den letzten Jahren, dass Thema der sozial gerechten Wohlstandsverteilung für sich beansprucht. Primär wurde der Ansatz „Wandel durch Handel“ in den Fokus gerückt. Dabei wurde außer Acht gelassen, dass der Welthandel von Individuen geschaffen wurde und somit nicht rational zu erklären ist. Die Ökonomie wird durch funktionale Codes gesteuert, die moralisch indifferent sind. Ein moralischer oder ethisch aufgeladener Diskurs würde lediglich Teilsysteme alarmieren, nicht jedoch gesellschaftlich soziale Aspekte integrieren. Deswegen wurden in den letzten Jahren, immer wieder internationale Rahmenvereinbarungen, parallel zum Welthandelsrecht im ökonomischen System implementiert. Auch wenn diese auf eine breite Resonanz unter den diversen Handelspartner weltweit gestoßen sind, blieben die signifikanten Erfolge im Hinblick einer gerechten Wohlstandsverteilung aus. Diese vermeintlich sozial flankierenden Rahmenvereinbarungen, existierten parallel zum Welthandelssystem und haben in der Regel, nur wenige oder gar keine Sanktionsmöglichkeiten in ihrem Konzept verankert. Im globalen Wirtschaftsmarkt herrschen Bedenken darüber, dass Sozialklauseln im Welthandelsrecht missbraucht werden könnten. Diese Untersuchung hat sich mit der Leitfrage auseinandergesetzt: „Stellt die Implementierung einer Sozialklausel im Welthandel, einen moralisch imperialistischen Protektionismus gegenüber Entwicklungsländern dar?“ 488 ZDJELAR Nach einer umfassenden Analyse dieser sehr komplexen Frage, die nicht nur einer einzelnen Arena zuzuordnen ist, da es zu diversen Überschneidungen der Fachgebiete kommt, kann diese Leitfrage verneint werden. Die Verknüpfung zwischen Trade & Labour im bestehenden Welthandelssystem ist zu realisieren. Diese Untersuchung hat veranschaulicht, wo die Option eines juristischen Kodifikationsortes im Welthandelsrecht existiert und wie eine ziel- und systemkonforme Konzeptionierung bei der Implementierung der grundlegenden Menschenrechte in der Arbeitswelt zu realisieren ist. Selbstverständlich stellt der Kodifikationsort und die Kriterien einer ziel- und systemkonformen Implementierung einer Sozialklausel nur eine Empfehlung dar, da nicht alle Kriterien immer eingehalten werden können, explizit dann nicht, wenn es zu wirtschaftspolitischen Maßnahmen gegenüber anderen Handelspartnern kommt. Diese Inkonsistenz ist nicht zu vermeiden, da die Intention dieser Untersuchung es war, eine Sozialklausel in das bestehende Welthandelssystem zu implementieren und nicht dieses neu zu konzipieren. Die Minimierung von Nebenwirkungen bei wirtschaftspolitischen Maßnahmen sowie die besondere Berücksichtigung der Ausgangsposition und eine adäquate technische Unterstützung von Entwicklungsländern, führen zu einer sozialen Flankierung des Welthandels und würden den Missbrauch von Sozialklauseln signifikant reduzieren. Da es sich wie bereits beschrieben, um einen von Individuen konzipierten Wirtschaftsmarkt handelt und dieser nicht immer rational zu erklären ist, lässt sich ein Missbrauch von Sozialklauseln, nie ganz ausschließen.

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Zusammenfassung

In Zeiten einer vollends globalisierten Finanz-, Kapital- und Herstellungsvernetzung sind die Anforderungen an eine international synchronisierte Erwerbsregulierung drastisch gestiegen. Eine Vielzahl multinationaler Unternehmen produziert und verkauft ihre Güter auf dem internationalen Wirtschaftsmarkt. Dies bedeutet, dass sie sowohl im Hinblick auf die allgemeine wirtschaftliche und politische Entwicklung als auch hinsichtlich der rechtlichen Konzepte und Systeme der Erwerbsregulierung an mitunter sehr unterschiedliche institutionelle Rahmenbedingungen gebunden sind. Diese Bindung stellt die Unternehmen vor eine enorme Aufgabe bei der Organisation ihrer Arbeitsprozesse sowie bei der Einhaltung von Arbeitnehmerrechten. Es droht ein Konflikt zwischen Wohlstandsvermehrung einerseits und einer sozialgerechtfertigten Partizipation der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer am generierten Wohlstand auf der anderen Seite.

Jovan Zdjelar hinterfragt die wirtschaftliche Praxis multinationaler Wirtschaftsakteure am Beispiel des Internationalen Arbeitsrechts kritisch. Dabei zeigt er auch, wie das aktuelle Welthandelssystem mit der Einhaltung grundlegender Menschenrechte in der Arbeitswelt wieder in Einklang gebracht werden kann.