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Lars Koppe

(Re-)Kommunalisierung des Strom- und Gasversorgungsnetzbetriebes, page 1 - 12

1. Edition 2017, ISBN print: 978-3-8288-3876-5, ISBN online: 978-3-8288-6621-8, https://doi.org/10.5771/9783828866218-1

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
Lars Koppe (Re-)Kommunalisierung des Strom- und Gasversorgungsnetzbetriebes Lars Koppe (Re-)Kommunalisierung des Stromund Gasversorgungsnetzbetriebes Tectum Verlag Lars Koppe (Re-)Kommunalisierung des Strom- und Gasversorgungsnetzbetriebes Tectum Verlag Marburg, 2017 Zugl. Diss. Christian-Albrechts-Universität zu Kiel 2016 ISBN: 978-3-8288-6621-8 (Dieser Titel ist zugleich als gedrucktes Buch unter der ISBN 978-3-8288-3876-5 im Tectum Verlag erschienen.) Alle Rechte vorbehalten Besuchen Sie uns im Internet www.tectum-verlag.de Bibliografische Informationen der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Angaben sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar. Vorwort Die vorliegende Arbeit wurde im Wintersemester 2015/2016 von der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel als Dissertation angenommen. An erster Stelle möchte ich mich herzlich bei meinem Doktorvater, Herrn Prof. Dr. Florian Becker, LL.M., für die Anregung dieses Dissertationsthemas und die ausgezeichnete Betreuung bedanken. Hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang insbesondere die zügige Erstellung des Erstgutachtens. Meine fünfjährige Arbeitstätigkeit an seinem Lehrstuhl – zunächst als studentische und später als wissenschaftliche Hilfskraft – war eine äußerst erfahrungsreiche Zeit, die mich sehr geprägt hat. Ferner danke ich Herrn Prof. Dr. Sebastian Graf von Kielmansegg für die rasche Erstellung des Zweitgutachtens. Weiterhin gebührt meinen Eltern, Ralf und Elke Koppe, ein riesiger Dank. Diese haben mich während meines Studiums und meiner Promotionsphase in materieller und immaterieller Hinsicht außerordentlich unterstützt. Außerdem danke ich Anja Koppe, Anita Goos und Christian Dethlefs für jedwede Unterstützung. Mein Dank gilt zudem noch meinen Freunden, Dr. Carsten Groth und Niklas Sievers, für die einzigartige Studien- und Promotionszeit. In der Dissertation wurde die Rechtsprechung und Literatur bis einschließlich Oktober 2015 berücksichtigt. Danach folgte ein Gesetzentwurf der Bundesregierung im Hinblick auf die Wegenutzungsrechtseinräumung i.S.d. § 46 Abs. 2 EnWG, auf den am Ende dieser Arbeit im Rahmen eines kurzen Annexes eingegangen wird. Kronshagen, im August 2016 Lars Koppe VII Inhaltsverzeichnis A. Einleitung 1 I. Einführung in das Thema .................................................................................. 1 II. Gang der Untersuchung ..................................................................................... 5 B. Kommunale Selbstverwaltung und Daseinsvorsorge im Hinblick auf den Energienetzbetrieb 8 I. Ausgangslage der Kommune ............................................................................ 8 1. Rechtliche Vorgaben zur Privatisierung oder (Re-)Kommunalisierung ... 8 2. Kommunales Selbstverwaltungsrecht ............................................................ 9 a) Reichweite der verfassungsrechtlichen Garantie gem. Art. 28 Abs. 2 GG .................................................................................. 9 b) Gesetzesvorbehalt bzw. Einschränkungsmöglichkeit ............................ 10 3. Erfüllungs- oder Gewährleistungsverantwortung ..................................... 11 II. Ergebnis .............................................................................................................. 13 C. Einräumung des Wegenutzungsrechts durch die Kommune gem. § 46 EnWG 14 I. Rahmenbedingungen ........................................................................................ 14 1. Natürliche Monopolstellung .......................................................................... 14 2. Konzessionsvertrag ......................................................................................... 15 3. Einstufung des Wegenutzungsrechts ........................................................... 17 a) Kein öffentlicher Dienstleistungsauftrag im Sinne der §§ 97 ff. GWB ......................................................................... 18 b) Erfüllung der Voraussetzungen einer Dienstleistungskonzession....... 19 4. Die Kommune in einer „Doppelrolle“ .......................................................... 22 a) Gesetzliche Verfahrensvorgaben ............................................................... 23 aa) Information über die technische und wirtschaftliche Situation des Netzes gem. § 46 Abs. 2 S. 4 EnWG ........................... 23 bb) Bekanntmachung gem. § 46 Abs. 3 S. 1 und S. 2 EnWG .................. 25 cc) Angabe maßgeblicher Entscheidungsgründe gem. § 46 Abs. 3 S. 6 EnWG ........................................................................... 27 b) Auftreten der Kommune als Energienetzbetreiberin ............................. 28 5. Mitwirkung einzelner Kommunalvertreter ................................................. 29 6. Genehmigung des Netzbetriebes gem. § 4 EnWG ...................................... 30 VIII 7. Überlassung der Netzanlage an den kommunalen Netzbetreiber gem. § 46 Abs. 2 S. 2 EnWG ............................................................................ 31 8. Kaufpreis- bzw. Pachtzinsbestimmung ........................................................ 33 II. Zwischenfazit ..................................................................................................... 36 III. Wettbewerbsorientierte Vorgaben .................................................................. 36 1. Teilweise vertretene Auffassung: Extensiver Entscheidungsspielraum ............................................................. 37 2. Unionsrechtliche, verfassungsrechtliche und einfachgesetzliche Vorgaben .......................................................................... 39 a) Vorgaben durch das Unionsrecht .............................................................. 40 aa) Primärrechtlich ....................................................................................... 41 (1) Unionales Kartellrecht gem. Art. 101 ff. AEUV ............................... 41 (a) Unternehmensbegriff ....................................................................... 41 (b) Marktbeherrschende Stellung auf dem Binnenmarkt ................ 42 (2) Grundfreiheiten .................................................................................... 43 bb) Sekundärrechtlich .................................................................................. 44 (1) Die neuen Vergaberichtlinien ............................................................ 44 (2) Bewertung der Richtlinie über die Konzessionsvergabe ............... 46 (a) Anwendbarkeit ................................................................................. 46 (b) Ausschluss wegen Art. 10 Abs. 1 UAbs. KVR ............................. 46 (c) Ausschluss wegen Art. 10 Abs. 8 a) KVR ..................................... 47 (d) Kein Gegenargument: Art. 10 Abs. 2 UAbs. KVR ....................... 48 (e) Erwägungsgrund 16 der KVR ........................................................ 48 b) Vorgaben durch das Verfassungsrecht ..................................................... 49 aa) Grundrechte privater Energienetzbetreiber gem. Art. 12 Abs. 1 GG und Art. 14 Abs. 1 GG ................................. 49 bb) Gleichheitssatz gem. Art. 3 Abs. 1 GG ............................................... 51 c) Vorgaben durch einfache Gesetze ............................................................. 52 aa) Energiewirtschaftsrecht ........................................................................ 52 (1) § 46 Abs. 1 EnWG ................................................................................. 52 (2) § 46 Abs. 2 EnWG ................................................................................. 55 (3) § 46 Abs. 3 EnWG ................................................................................. 55 (4) § 46 Abs. 4 EnWG ................................................................................. 56 bb) Kartellrecht ............................................................................................. 57 (1) 8. GWB-Novelle .................................................................................... 57 (2) § 19 Abs. 1 und Abs. 2 Nr. 1 GWB ..................................................... 58 (a) Unternehmensbegriff ....................................................................... 58 (b) Marktbeherrschende Stellung ........................................................ 59 d) Vereinbarkeit mit der kommunalen Selbstverwaltung .......................... 61 IX 3. Zwischenfazit ................................................................................................... 62 IV. Ergebnis .............................................................................................................. 63 D. Kommunalwirtschaftsrechtliche Voraussetzungen für eine (Re-)Kommunalisierung 65 I. Maßgaben energienetzwirtschaftlicher Betätigung und damit verbundene Grenzen ..................................................................... 65 1. Vorliegen einer wirtschaftlichen Tätigkeit ................................................... 66 2. Schrankentrias .................................................................................................. 67 a) Öffentlicher Zweck....................................................................................... 68 b) Leistungsfähigkeit ........................................................................................ 70 c) Subsidiaritätsklausel .................................................................................... 71 3. Fakultative Organisationsformen .................................................................. 73 a) Öffentlich-rechtliche Organisationsformen.............................................. 74 aa) Anstalt des öffentlichen Rechts bzw. Kommunalunternehmen ..... 74 bb) Eigenbetrieb ............................................................................................ 76 cc) Regiebetrieb ............................................................................................ 78 dd) Kommunale Gemeinschaftsarbeit ....................................................... 79 (1) Zweckverband ...................................................................................... 79 (2) Gemeinsame kommunale Anstalten ................................................. 80 b) Privatrechtliche Organisationsformen ...................................................... 80 aa) Eigengesellschaft .................................................................................... 80 (1) Gesellschaft mit beschränkter Haftung ............................................ 81 (2) Aktiengesellschaft ................................................................................ 82 (3) GmbH und Co. KG .............................................................................. 83 (4) Weitere Eigengesellschaften ............................................................... 84 bb) Gemeinschaftsunternehmen ................................................................ 84 cc) Gemischtwirtschaftliche Unternehmen.............................................. 86 (1) Trennung der Verfahren ..................................................................... 88 (2) Bündelung der Verfahren ................................................................... 89 dd) Sonstige Netzbetreibermodelle ........................................................... 91 II. Ergebnis .............................................................................................................. 92 E. Geltung der Regeln für ein Inhouse-Geschäft bei einer (Re-)Kommunalisierung trotz § 46 Abs. 4 EnWG? 94 I. Anerkennung durch den EuGH im Vergaberecht ....................................... 96 1. Teckal-Entscheidung und Kriterien .............................................................. 96 2. Fortentwicklung der Rechtsprechung .......................................................... 97 X II. Anerkennung durch den EuGH bei der Einräumung einer Dienstleistungskonzession ............................................................................... 97 III. Übertragung dieser anerkannten Grundsätze auf eine kommunale Wegenutzungsrechtseinräumung in Deutschland ....................................... 98 1. Erfüllung des Wesentlichkeitskriteriums ..................................................... 99 2. Schilderpräge-Rechtsprechung .................................................................... 101 3. Regelungsinhalt des § 46 EnWG .................................................................. 105 a) Wortlaut ....................................................................................................... 105 b) Systematik ................................................................................................... 105 aa) Privatisierungszwang ......................................................................... 105 bb) Erst-recht-Schluss ................................................................................ 106 cc) § 46 Abs. 4 EnWG ................................................................................ 108 c) Sinn und Zweck .......................................................................................... 110 d) Keine andere Sichtweise wegen Art. 28 Abs. 2 GG ............................... 114 4. Reichweite des Ausschlusses von Inhouse-Geschäften ........................... 115 IV. Ergebnis ............................................................................................................ 117 F. Die Auswahlkriterien einer Kommune bei der Wegenutzungsrechtseinräumung 119 I. Ziel der kommunalen Gebietskörperschaft bei Teilnahme: Obsiegen des eigenen Netzbetriebes im wettbewerblichen Auswahlverfahren ..... 119 II. Kriterien gem. § 46 Abs. 3 S. 5 i. V. m. § 1 EnWG ....................................... 120 1. Auslegung des § 46 Abs. 3 S. 5 EnWG ........................................................ 121 a) Wortlaut ....................................................................................................... 122 b) Systematik ................................................................................................... 124 c) Sinn und Zweck .......................................................................................... 125 d) Zwischenfazit .............................................................................................. 125 e) Vereinbarkeit mit Art. 28 Abs. 2 GG ....................................................... 126 2. Berücksichtigung der Ziele des § 1 EnWG ................................................. 127 III. Die einzelnen entscheidungserheblichen Kriterien ................................... 130 1. Fiskalische Interessen der Kommune ......................................................... 131 2. Arbeitsplätze und § 613a BGB ..................................................................... 133 3. Unternehmenssitz in der Gebietskörperschaft .......................................... 135 4. Einfluss- und Mitgestaltungsmöglichkeit .................................................. 137 5. Vorantreiben erneuerbarer Energien .......................................................... 140 6. Effizienzwerte ................................................................................................. 142 7. Konzessionsvertragslaufzeit ........................................................................ 144 XI IV. Festlegungszeitpunkt und Änderungen der Auswahlkriterien ............... 145 V. Pattsituation ..................................................................................................... 147 1. Kein Auswahlermessen der ausschreibenden Selbstverwaltungskörperschaft ................................................................... 147 2. Altkonzessionär und die Beachtung von Grundrechten ......................... 150 VI. Ergebnis ............................................................................................................ 152 G. Behördliche Maßnahmen und Rechtsschutz unterlegener Bewerber bei rechtswidriger (Re-)Kommunalisierung 153 I. Behörden ........................................................................................................... 153 1. Bundesnetzagentur und kumulatives Tätigwerden eines Zivilgerichts .......................................................................................... 153 2. Bundeskartellamt und Landeskartellbehörden ......................................... 164 3. Kommunalaufsicht ........................................................................................ 171 II. Private Energienetzbetreiber ......................................................................... 172 1. Unterlassungsanspruch zur Verhinderung eines Vertragsabschlusses ............................................................................. 173 2. Anspruch auf Aufhebung eines abgeschlossenen Vertrages .................. 176 3. Nichtigkeit des Konzessionsvertrages gem. § 134 BGB oder § 138 BGB ................................................................... 176 4. Rügezeitpunkt ................................................................................................ 180 5. Rechtsweg, Zuständigkeit des Gerichts und Klageart ............................. 185 III. Rechtsfolgen ..................................................................................................... 187 1. Einrede des Altkonzessionärs ...................................................................... 187 2. Erneute Durchführung eines Auswahlverfahrens .................................... 189 IV. Ergebnis ............................................................................................................ 189 H. Zusammenfassung wesentlicher Ergebnisse 192 I. Annex 197 J. Literaturverzeichnis 199

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References

Zusammenfassung

Im gesamten Bundesgebiet laufen seit einigen Jahren zahlreiche energiewirtschaftliche Konzessionsverträge i.S.d. § 46 Abs. 2 EnWG aus, in denen kommunale Gebietskörperschaften privaten Strom- und Gasversorgungsnetzbetreibern ein exklusives Wegenutzungsrecht eingeräumt haben. Nun sehen einige Gemeinden die Chance, den Netzbetrieb zu (re-)kommunalisieren – ein Vorhaben, das in der jüngsten Vergangenheit nicht selten zu rechtlichen Problemen und gerichtlichen Auseinandersetzungen führte.

Lars Koppe untersucht, welche unions-, verfassungs-, kartell- und energierechtlichen Vorgaben eine Kommune zu beachten hat und inwieweit diese mit dem Recht der kommunalen Selbstverwaltung i.S.d. Art. 28 Abs. 2 GG vereinbar sind. Er arbeitet heraus, welche Auswahlkriterien eine Kommune rechtmäßig einer Entscheidung zugrunde legen darf, thematisiert den Rechtsschutz im Falle einer rechtswidrigen (Re-)Kommunalisierung und stellt die aktuellen rechtlichen Aspekte im Rahmen einer Wegenutzungsrechtseinräumung vor.