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2 Forschungsstand in:

Helga Becker

Anton Josef Reiss (1835-1900), page 15 - 20

Leben und Werk

1. Edition 2017, ISBN print: 978-3-8288-3861-1, ISBN online: 978-3-8288-6618-8, https://doi.org/10.5771/9783828866188-15

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Kunstgeschichte, vol. 6

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
15 2 Forschungsstand 2.1 Zu Reiss Das Werk Anton Josef Reiss’ wurde erstaunlicherweise bis zum Jahr 2010 noch nicht bearbeitet, obwohl er zu seiner Zeit einer der erfolgreichsten Bildhauer war, von dessen umfangreichen Oeuvre auch noch viele Objekte vorhanden sind. Die erste wissenschaftliche Aufarbeitung erfolgte von der Verfasserin über sein Frühwerk in der 2010 abgeschlossenen Magisterarbeit, die der Universität Bonn vorgelegt wurde. Eine Zusammenfassung der Arbeit wurde 2012 veröffentlicht (siehe auch Vorwort). Ersten Hinweisen auf Objekte konnten durch in Düsseldorf aufbewahrte Unterlagen nachgegangen werden. Verwandte von Reiss hatten dem Stadtarchiv in der Mitte des 20. Jahrhunderts Artikel anvertraut, die im 19. Jahrhundert über ihren Großonkel geschrieben wurden und in denen seine bekanntesten Arbeiten aufgeführt waren. Auf dieses Material griff offensichtlich auch Peter Bloch zurück, als er in seinem 1975 veröffentlichten, inzwischen zum Standardwerk gewordenen Buch „Skulpturen des 19. Jahrhunderts im Rheinland“ Werke des Künstlers mit einigen Fotografien zusammenstellte. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es in einem Buch nur die Erwähnungen seiner Hauptarbeiten von Friedrich Schaarschmidt in der damals fast ein dreiviertel Jahrhundert zurückliegenden Publikation „Zur Geschichte der Düsseldorfer Kunst insbesondere im XIX. Jahrhundert“ aus dem Jahre 1902. 1980 wurden im Volumen IV des von Eduard Trier und Willy Weyres herausgegebenen fünfbändigen Werks über die „Kunst des 19. Jahrhunderts im Rheinland“ (in der Folge nur noch Trier/Weyres genannt), das sich mit Skulpturen befasste, Bildwerke von Reiss aufgeführt, die von Peter Bloch, Eduard Trier und Hans Peter Hilger teils mit Abbildungen dokumentiert wurden. Mehr als 30 Jahre vergingen, bevor der Bildhauer erstmals wieder von Wolfgang Funken34 in seinen drei Bänden „Ars Publica Düsseldorf. Geschichte der Kunstwerke und kulturellen Zeichen im öffentlichen Raum der Landeshauptstadt“ im Jahre 2012 mit einer Kurzbiografie sowie mit Fotos der für Düsseldorf gearbeiteten Figuren vorgestellt wurde.35 Im ersten Band der in zwei Volumen 2010 von Bernhard Maaz erschienenen „Skulptur in Deutschland zwischen Französischer Revolution und Erstem Weltkrieg“ befinden sich Ausführungen zum Haupt- und zu den Nebenaltären von Reiss in der Kirche St. Cyriakus in Krefeld-Hüls mit einer Abbildung des Hauptaltars (Kat.-Nr. 38, 58 und 73).36 34 Wolfgang Funken verdanke ich auch den Hinweis auf die Grabmäler Lupp (Kat.-Nr. 65) und Dr. Sträter (Kat.-Nr. 52). 35 Angesichts der von Funken vorgelegten Arbeit ist es bedauerlich, dass Reiss im ebenfalls 2012 erschienenen und von Clemens von Looz-Corswarem und Benedikt Hauer herausgegebenen großen Düsseldorf-Lexikon zwar in einem Beitrag zur Mariensäule erwähnt, ihm aber kein eigener Eintrag gewidmet wurde. 36 Auskunft über von Reiss hergestellte Figuren gaben auch Einträge in den folgenden Lexika: Hermann Alex. Müller, Künstler-Lexikon, 1882; Hans Wolfgang Singer, Vierter Band des Allgemeinen Künstler-Lexikons der berühmtesten bildenden Künstler, 1921; Thieme- 16 2 Forschungsstand Über einige Bildwerke gab es Abhandlungen, wie zur Mariensäule (Kat.-Nr. 8), der in Literaturen am häufigsten erwähnten Arbeit Reiss’, deren Geschichte Franz Ludwig Greb 1973 zusammentrug. Einen kleineren Aufsatz verfasste Max Tauch im Jahre 2000 über den Josephsaltar in St. Quirinus in Neuss (Kat.-Nr. 32). Zwei Beiträge über den Haupt- und die Nebenaltäre der Kirche St. Cyriakus in Krefeld-Hüls (Kat.-Nr. 38, 58 und 73) legte Werner Mellen 1976 und 1995 vor. Zu diesen Werken konnte auch auf Aktenmaterial im Kirchenarchiv zurückgegriffen werden. Im Jahrbuch XXV des Fördervereins Romanische Kirchen widmete Sybille Fraquelli 2010 eine ausführliche Besprechung der Pietà in St. Gereon in Köln (Kat.-Nr. 77). Für dieses Objekt, das wie die Mariensäule die meisten Erwähnungen in diversen Veröffentlichungen zu verzeichnen hatte, enthielten auch noch vorhandene Unterlagen des erzbischöflichen Archivs in Köln wichtige Informationen. Die Historie der in Duisburg aufgestellten Arbeiten (Kat.-Nr. 39 und 42) konnten dank umfangreich vorhandenen Materials im Stadtarchiv Duisburg dokumentiert werden. Auch für den Kalvarienberg an der Kirche St. Lambertus (Kat.-Nr. 59), über dessen umstrittene Errichtung Carl Leopold Strauven 1883 einen Essay verfasste, befanden sich im Kirchenarchiv noch umfassende Akten. Michael Puls stellte 2011 im zweiten Band des Katalogs „Die Düsseldorfer Malerschule und ihre internationale Ausstrahlung. 1819 – 1918“ das kleine Marmorrelief „Segnendes Christuskind“ (Kat.-Nr. 30 meines Katalogs) in einem Artikel vor, dem er eine Abbildung beifügte. Über manche Werke, auf die ich während der Recherchen gestoßen bin oder auf die ich aufmerksam gemacht wurde,37 gab es oft nur kurze Erwähnungen in der Literatur. In einigen Fällen konnten das Aussehen oder die Beschreibungen von Arbeiten, die nicht mehr existieren, nur anhand von Publikationen geschildert werden (Kat.-Nr. 3, 4, 23, 40 und 46). Die komplette Zerstörung eines Kirchenarchivs durch Einwirkungen des Zweiten Weltkriegs (Kat.-Nr. 83 und 84) oder nicht mehr auffindbare Akten in den entsprechenden Gotteshäusern (Kat.-Nr.  9, 10, 15, 16, 17, 18, 19, 22, 28, 47, 48 und 49) stellten zu der ohnehin schwierigen Forschungslage zusätzliche Hürden dar. Einem Brand auf Schloss Sigmaringen, für das Reiss Figuren herstellte (Kat.-Nr. 1 und 11), waren ebenfalls Akten zum Opfer gefallen. Das nicht mehr zugängliche bischöfliche Archiv in ’s-Hertogenbosch und die Schließung der Vereinigung für kirchlichen Kunstbesitz in Utrecht in Holland stellten ein weiteres Hindernis für die Recherchen dar. Da Reiss in der Kirche St. Cyriakus in Krefeld-Hüls und in der Waisenhauskapelle der Puricellis in Rheinböllen mit dem Architekten Wiethase zusammenarbeitete, wäre eine Durchsicht des Nachlasses dieses Baumeisters sinnvoll gewesen. Bedauerlicherweise sind die Akten Wiethase dem Einsturz des Stadtarchivs Köln zum Opfer gefallen. Leider blieb auch ein Aufruf im Heft Nr. 5, 66. Jahrgang der Kunstchronik im Jahre 2013 Becker, Bd. 28 des Allgemeines Lexikons der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart, 1934/1953; Saur, Band 8 des Allgemeinen Künstlerlexikons, 2000; Emmanuel Benezit, Dictionary of Artists, Volume 11, 2006; Joachim Busse, Internationales Handbuch aller Maler und Bildhauer des 19. Jahrhunderts, 1977; Johannes Ralf Beines, Plastik und Plastisches Kunstgewerbe in Köln: Künstler, Kunsthandwerker und Produzenten (bisher noch nicht veröffentlicht). 37 Die Hinweisgeber wurden jeweils am Ende der entsprechenden Katalog-Texte aufgeführt. 17 2.2 Forschungsstand allgemein zur Skulptur in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Rheinland mit der Bitte um Angabe von weiteren Kunstwerken Reiss’ erfolglos. Durch den im Landesarchiv Berlin gesichteten Nachlass von Peter Bloch konnten auch keine weiteren Werke mehr entdeckt werden. 2.2 Forschungsstand allgemein zur Skulptur in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Rheinland38 Im Gegensatz zu den zahlreichen Monografien über Berliner Bildhauer sind größere Arbeiten mit Werkverzeichnissen rheinischer Bildhauer, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Rheinland gewirkt haben, rar: Walter Geis legte seine Dissertation „Der Dombildhauer Christian Mohr. 1823 – 1888“ zum 100. Todestag des Künstlers im Jahre 1988 der Universität zu Bonn vor. Gustav Hermann Bläser (1813 – 1874), der bei Christoph Stephan (1797 – 1864) in Köln lernte,39 dann aber nach Berlin zur Werkstatt Rauch übersiedelte und sich der klassizistisch orientierten Bildhauerei zuwandte, wurde von Michael Puls bearbeitet. Er veröffentlichte seine Dissertation unter dem Titel „Gustav Hermann Blaeser. Zum Leben und Werk eines Berliner Bildhauers. Mit Werkverzeichnis der plastischen Arbeiten“ 1996. Werner Schmidt befasste sich mit Wilhelm Albermann. Seine Arbeit wurde unter dem Titel „Der Bildhauer Wilhelm Albermann (1835 – 1913) Leben und Werk“ im Jahre 2001 publiziert. Die Forschungsergebnisse von Oliver Czarnetta zum Bildhauer Gottfried Götting (1840 – 1879) wurden zwei Jahre später mit dem Titel „Neugotik in Aachen – die Werkstatt Götting“ veröffentlicht. In die zwischenzeitlich etwas stagnierende Aufarbeitung bildhauerischer Werke im Rheinland kommt in letzter Zeit wieder Bewegung. Erst vier Jahre alt ist die mit dem Titel „Alexander Iven (1854 – 1934). Rheinischer Bildhauer am Übergang zur Klassischen Moderne“ 2011 als Buch veröffentlichte Magisterarbeit von Antonia Mentel, die für ihre Dissertation an der Universität Koblenz zum Thema Iven zur Zeit noch weitere Forschungen anstellt.40 Eine Säule ihrer Forschung bildete auch bei ihr Peter Blochs Skulpturenbuch aus dem Jahre 1975, das zur „Bibel“ derjenigen wurde, die sich mit den Bildhauern des 19. Jahrhunderts im Rheinland befassen. Da Bloch in diesem Band alle in der Folge genannten Künstler mit teils längeren, teils kürzeren Beiträgen bedachte, wird diese Quelle nur noch in den Fällen aufgeführt, in denen keine weiteren Veröffentlichungen aus dem 20. Jahrhundert vorliegen. Momentan recherchiert Annelies Abelmann aus Maastricht für ihre Dissertation über Friedrich Wilhelm Mengelberg (1837 – 1919), einem Schüler Christoph Stephans.41 38 Die im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts geborenen Bildhauer wurden nicht berücksichtigt. 39 M. Puls, 1996, S. 12. Vgl. auch P. Bloch, 1975, S. 25; B. Hüfler, 1984, S. 19 f. 40 Den Hinweis darauf, dass Alexander Iven ein Schüler von Reiss war, verdanke ich Frau Mentel (Telefonat August 2011), die mir freundlicherweise auch die entsprechende Literaturangabe (H. Krings, 1923/1924, S. 104) hierzu nannte. 41 P. Bloch, 1975, S. 38. Vgl. auch H. P. Hilger, 1979, S. 743. 18 2 Forschungsstand 2007 erschien über ihn bereits die ausführliche Besprechung „Der Bildhauer Wilhelm Mengelberg. Seine Altäre und Kirchenausstattungen des Historismus in Neuss und Düsseldorf “ von Inge Kähmer mit vielen Abbildungen. Obwohl er überwiegend in Berlin arbeitete, soll hier auch Wilhelm Achtermann Berücksichtigung finden, dessen Werk in der Nähe von Reiss’ Kunst anzusiedeln ist, und weil er in Kontakt mit den Spätnazarenern um Reiss stand. Die Skulpturen des in „nazarenischer Manier“ arbeitenden Achtermann, der zwar in Berlin ausgebildet wurde, aber „[…] sich als frommer Katholik der Götterwelt des Berliner Klassizismus verschloß und die Akademie-Ausstellung statt dessen mit Madonnen, Kruzifixen und Heilgen bevölkerte […]“ wurden von Dagmar Kaiser in ihrer Dissertation „Theodor Wilhelm Achtermann (1799 – 1884) und Carl Johann Steinhäuser (1813 – 1879). Ein Beitrag zu Problemen des Nazarenischen in der deutschen Skulptur des 19. Jahrhunderts“ 1984 untersucht.42 Darüber hinaus schrieb im Jahr 1993 Erika Wicher den Band „Wilhelm Achtermann, 1799 – 1884. Ein nazarenischer Bildhauer Westfalens“. In der Überzahl befinden sich die Künstler, deren Bildwerke bisher wissenschaftlich noch nicht erforscht wurden: Zum Lehrer Reiss’, Julius Bayerle (1826 – 1873), fehlt immer noch eine gründliche Bearbeitung, obwohl er mit seinen Skulpturen häufig in einschlägigen Kunstzeitschriften des 19. Jahrhunderts Erwähnung fand und auch noch viele Figuren erhalten sind. Peter Bloch veröffentlichte 1970 den Aufsatz „Der Düsseldorfer Bildhauer Julius Bayerle“ in der Festschrift Heinz Ladendorf und widmete ihm in seiner Publikation von 1975 immerhin vier Seiten. Auch sind Arbeiten von Bayerle im Trier/Weyres von Wolfgang Vomm, Peter Bloch, Henning Müller und Eduard Trier besprochen worden. Susanne Conzen schrieb über zwei seiner Skulpturen den Aufsatz „Die Peter- und Paul-Figuren an der Westfassade von St. Quirin in Neuss“, der im Jahre 2000 in dem von Max Tauch herausgegebenen Buch „Quirinus von Neuss“ erschien. Vom zweiten namentlich bekannten Schüler Bayerles, der häufig zusammen mit Reiss genannt wird, Leo Müsch (1846 – 1911), liegen auch nur Erwähnungen in Peter Blochs oben angeführten Bayerle-Aufsatz und im Beitrag desselben Autors „Heroen der Kunst, Wissenschaft und Wirtschaft. Zierbrunnen und „freie“ Kunst“ im Trier/ Weyres vor. Die Bearbeitung seines Werks wäre im Zusammenhang mit der vorgelegten Arbeit wünschenswert, um eventuelle Parallelen mit Reiss’ Werk herauszuarbeiten. Sie wäre aber auch deshalb lohnend, weil Müsch sich später von Arbeiten im Stil der Nazarener löste43 und einen anderen Weg einschlug, wie einige seiner heute noch im öffentlichen Raum von Düsseldorf aufgestellten Skulpturen zeigen. Auch wenn Peter Bloch in seinem 1975 erschienenen Skulpturenbuch von Karl Hoffmann (1816 – 1886) zahlreiche Werke aufführte, so ist auch zu diesem Künstler außer den Erwähnungen im Trier/Weyres bis heute noch keine Monografie erschienen. Dieser Umstand ist umso bedauerlicher, da seine Arbeiten eine nahe Verwandtschaft zu den Figuren Reiss’ erkennen lassen. 42 Achtermann schloss während eines Rom-Aufenthalts mit „[…]  Ernst Deger, Settegast, Andreas und Karl Müller sowie Ittenbach, […]“ (D. Kaiser, 1984, S. 43) Freundschaft. „Die Bedeutung und den Einfluss Degers aus dieser Zeit hat Achtermann selbst betont.“ (D. Kaiser, 1984, S. 43). 43 P. Bloch/G. Zick, 1970, S. 122. 19 2.2 Forschungsstand allgemein zur Skulptur in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Rheinland Eine Aufarbeitung des von Alexander Schnütgen protegierten und von diesem als „gewaltige(s) Talent“ bezeichneten Nikolaus Elscheid (1835 – 1874), den „[…] vielleicht Begabtesten unter den Neugotikern […]“,44 der überwiegend sakrale Skulpturen anfertigte, ist ebenfalls nicht in Sicht. Er wurde von Bloch mehrfach vorgestellt: Im Aufsatz „Kölner Skulpturen des 19. Jahrhunderts“ im Band XXIX des Wallraf-Richartz-Jahrbuchs von 1967, in der „Festschrift für Otto Simon zum 65. Geburtstag“ 1977 und im Trier/Weyres 1980. Erich Dunkel berichtete in der Abhandlung „Nikolaus Elscheidt. Ein Bildhauer aus Niederscheidweiler“ über ihn im Jahre 1993. Bisher haben sich den bildhauerischen Werken von Peter Fuchs, der über 700 Skulpturen für den Kölner Dom schuf, Peter Bloch, Jochen Becker, Rolf Lauer und Hans Josef Böker gewidmet: Bloch in seiner Abhandlung „Peter Fuchs, Friedrich Wilhelm Mengelberg und der weiche Stil“ im Wallraf-Richartz-Jahrbuch 1967, Becker im Aufsatz „Zu Peter Fuchs (1829 – 1898)“ von 1969, Lauer innerhalb seiner Abhandlung „Die Skulptur des 19. Jahrhunderts am Kölner Dom“ im Trier/Weyres 1980 und Böker im Artikel „Die Portalskulpturen der Christuskirche in Hannover: Ergänzungen zum Werk der Kölner Dombildhauer Christian Mohr, Peter Fuchs und Edmund Renard“ im Jahr 1985. Bei der großen Anzahl der Fuchs’schen Figuren sollte hier auch ohne den offensichtlich verlorenen Nachlass45 eine wissenschaftliche Bearbeitung möglich sein. Über Ferdinand Langenberg (1849 – 1931), der am Ende des 19. Jahrhunderts zum Konkurrenten von Reiss bei der Ausstattung der Kirche St. Maria Himmelfahrt in Düsseldorf wurde,46 erschien von Ros und Rolf Sachsse die Schrift „Ferdinand Langenberg. Bildhauer in Goch“. Roswitha Sachsse-Schadt legte 1996 der Universität Bonn ihre Dissertation mit dem Titel „Ferdinand Langenberg (1849 – 1931). Ein niederrheinischer Bildhauer und seine Werkstatt“ vor. Darüber hinaus sind Einzelaufsätze über ihn in einem Katalog zusammengestellt worden, der anlässlich der Ausstellung „Renaissance der Gotik. Ferdinand Langenberg, Neugotik am Niederrhein“, die 1999 im Museum Goch stattfand, herausgegeben wurde. Für den Bildhauer Richard Moest (1841 – 1906), der „[…] 1867 die Werkstatt des 1864 verstorbenen Christoph Stephan übernahm […],“47 wurde zu seinem 100. Todestag eine Ausstellung im Kölnischen Stadtmuseum organisiert und der Katalog „Collctionieren – Restaurieren – Gotisieren“ mit einer Biografie und Beiträgen verschiedener Autoren 2006 herausgebracht. Freya Dannhöfer nahm sich seines Sohns Josef Moest mit ihrem Aufsatz „Josef Moest (1873 – 1914). Ein Kölner Bildhauer zwischen Neugotik und Moderne“ im Jahr 1995 an. Über Edmund Renard (1830 – 1905), der vorübergehend in der Werkstatt Christian Mohrs arbeitete,48 erschien Peter Blochs 1965 herausgegebene Schrift „Der Bildhauer Edmund Renard. Dem Andenken an Frau Agnes Schnitzler geb. Renard“. Auch sei auf Bökers Aufsatz über die Portalskulpturen der Christuskirche in Hannover hingewiesen, der weiter oben bereits unter Peter Fuchs aufgeführt wurde. 44 P. Bloch, 1975, S. 33. 45 H. Rode, 1972, S. 99. 46 Erster Hinweis erfolgte von R. J. Beines am 17. 10. 2008. 47 W. Geis, 2006, S. 80. 48 P. Bloch, 1975, S. 40. 20 2 Forschungsstand Zu Christoph Stephan wurde 2006 von Ernst Coester die Arbeit „Werke von Christoph Stephan im Rhein-Kreis Neuss“ publiziert. Zuvor hatten sich mit dem „[…] in seiner Wirkung kaum zu unterschätzenden Künstler […]“ als „[…] ältesten Vertreter […] der […] „neugotischen“ Skulptur […]“49 in Köln bereits Peter Bloch in den Jahren 1965, 1967 und 1975 in den zuvor bereits erwähnten Veröffentlichungen sowie Rolf Lauer und Bloch in Trier/Weyres 1980 ausführlich beschäftigt. Die von Stephan für die Kirche St. Apollinaris in Remagen angefertigten Bildwerke stellte Paul Georg Custodis in seinem Kapital „Neue Forschungsergebnisse“ in der Veröffentlichung „Die Apollinariskirche in Remagen. Forschungsberichte zur Denkmalpflege“ im Jahre 2005 vor. Im Falle Stephans böte sich sogar eine monografische Arbeit über eine ganze Künstlerfamilie an, da auch seine „[…] Söhne Heinrich und Michael […]“50 mit ihm zusammen in seiner Werkstatt als Bildhauer arbeiteten. Die Liste der Bildhauer, für die das Desideratum der wissenschaftlichen Bearbeitung schon seit dem Erscheinen von Peter Blochs Skulpturenbuch im Jahre 1975 besteht, könnte hier noch mit vielen weiteren Namen erweitert werden. Als kleine Auswahl sollen hier nur noch die bekannteren Künstler angeführt werden, deren Erforschung lohnend wäre: Nikolaus Steinbach (genaue Lebensdaten unbekannt, „Tätig in Köln Ende des 19. und Anfang des 20. Jh.“)51, Anton Werres (1830 – 1893), August Wittig (1826 – 1893), Dietrich Meinardus (1804 – 1871),52 Johann Josef Imhoff (1796 – 1880), Wilhelm Josef Imhoff (1791 – 1858), Jakob Schorb (1809 – 1859), Carl Janssen (1855 – 1827), Carl Esser (1861 – 1929) und Wilhelm Pohl (1846 – 1909). Wie anhand dieser Ausführungen ersichtlich, ist noch ein langer Weg in der Forschung der Skulptur des 19. Jahrhunderts im Rheinland zu beschreiten, um mit einer vor vielen Jahren einmal angeregten Untersuchung zu möglichen Unterschieden der Skulptur im nördlichen und südlichen Rheinland zu beginnen. Die Erforschung des Werks von Reiss soll ein Beitrag zu einem vielleicht erst nach Ablauf weiterer Jahrzehnte vorliegendem Ganzen sein. 49 P. Bloch, 1975, S. 22. 50 E. Coester, 2006, S. 118. 51 W. Bertz-Neuerburg, 1980, S. 511. 52 Meinardus war Mitarbeiter von Julius Bayerle (P. Bloch, 1975, S. 52).

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References

Zusammenfassung

Anton Josef Reiss, geboren 1835 in Düsseldorf, war einer der berühmtesten und produktivsten Bildhauer seiner Zeit. Seine Skulpturen fertigte er nicht nur für die katholische Kirche an – auch Adelsfamilien und sogar das Kaiserhaus zählten zu den Auftraggebern des begabten Künstlers. Reiss gehörte zum engen Kreis der Spätnazarener Ernst Deger, Franz Ittenbach, Karl und Andreas Müller. Der durchweg hohen Qualität seiner Bildwerke ist es zu verdanken, dass viele von ihnen auch die großen ikonoklastischen Bewegungen des 20. Jahrhunderts, die sich gegen die Kunst des Historismus und insbesondere gegen die Werke der Nazarener richteten, überdauerten.

Helga Becker stellt Leben und Werk des bedeutenden Bildhauers nun erstmals mit zahlreichen Abbildungen einer breiten Öffentlichkeit vor.